Petrichevich, Paul

Petrichevich, Paul; Obristleutnant [ – ] Paul Petrichevic [ – ] stand 1647 als Obristleutnant[1] im kaiserlichen[2] Kroaten-Regiment[3] Marcovich,[4] das er in Abwesenheit des Obristen[5] führte, der seine Aufgaben als Oberhauptmann in Kopreinitz[6] wahrnahm. 1647 war das Regiment wieder nach Böhmen gerückt und nahm an dem Gefecht bei Triebl am 22.8.1647[7] gegen die Schweden[8] unter Wrangel[9] teil. Auch 1648 stand das Regiment noch in Böhmen.[10]

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[1] Obristleutnant [schwed. överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant, tschech. podplukovník]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, v. den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Heirat, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch v. Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten u. die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren u. Soldaten bewies u. für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments u. die Anwerbung v. Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- u. Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse u. Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] u. 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen u. dänischen Armee sogar 300 fl. KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu. Dazu kam sein Anteil an der Beute, der pro 1.000 Rt. 16 Rt. 39 Albus betrug; HOFMANN, Melander, S. 156. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, wofür er ein zusätzliches Einkommen bezog, so dass er bei Einquartierungen u. Garnisonsdienst zwei Quartiere u. damit auch entsprechende Verpflegung u. Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285. Nach der Schlacht bei Lützen (1632) gab es für einen verletzten Obristleutnant 500 fl. Belohnung; HALLWICH, Briefe und Akten 3. Bd., S. 598. Nach GANTZER, Archivalische Quellen, S. 40, waren für einen Obristleutnant nach der Schlacht bei Jankau (1645) 500 Rt. Ranzion (Lösegeld) aufzubringen.

[2] Vgl. auch BRNADIC, Imperial Armies (1) u. (2).

[3] Kroaten [Crabaten]: kroatische Regimenter in kaiserlichen u. kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die v. „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke u. Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore u. Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung u. Disziplinierung dieser „Streifparteien“ u. wurde v. diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Nach den Beobachtungen Christians II. von Anhalt-Bernburg (1627) waren unter den kaiserlichen Kroaten auch viele Deutsche in kroatischer Kleidung; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: 39v. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. GRANT, Memoiren, S. 81f.: „Diese irregulären Truppen wurden üblicherweise zu jedem verzweifelten Einsatz befohlen, denn ihre Art zu kämpfen ähnelte der der wildn Panduren. Sie trugen kurze Wamse und Harnische aus Stahl, lange, weiße Reiterhosen und Pelzmützen. Ihre Waffen waren lange Luntenschlösser mit gezogenen Läufen, Säbel und Dolche – Raubgut war ihre einzige Bezahlung und alleiniger Antrieb zum Krieg“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) u. Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 394: „Das Schreckensbild des barbarischen Fremden wurde gepflegt: es ist nicht das traditionelle des Türken, stattdessen wird der auf kaiserlicher Seite kämpfende Kroate als ‚Teuffelsgesindel‘ und Landverderber‘ apostrophiert, jede ‚vberauß schreckliche Barbarische Prozedur‘ war von ihm zu erwarten“. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian v. Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte”. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet”. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben. Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ “. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / ob sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“. THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet”. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Über erfolgreichen Widerstand böhmischer Bauern (1632) berichtet WATTS, The Swedish Intelligencer, S.  275: „Am selben 3. Februar begaben sich einige lose Truppen an Krabaten und anderen (auf der Suche nach Plünderung) über den Fluß Moldau in Richtung Pilsen. Als die Bauern davon Nachricht erhielten, sammelten sich 600 von diesen, versenkten zuerst die Boote, in welchem die Krabaten den Fluss überquert hatten. Sie griffen sie dann an und schlitzten die Hälse der Plünderer. Derart bedienten die Bauern die Krabaten des Öffteren, dessen bloßer Namen ihnen mehr verhasst war, als irgendein anderer der Kaiserlichen“. Gefangene Kroaten wurden unter Gustav II. Adolf in schwedische Kupferbergwerke verbracht; DUVE, DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 4; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87. Vgl. WEISE, Grausame Opfer ? – Regiment [schwed. regimente, dän. regiment, tschech. pluk]: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold u. die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl v. Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts u. Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute v. ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments v. 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments v. 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 mille, Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Maximilian v. Waldstein; BW]“. Richelieu hielt fest; Vertrewlich freundlich Gespräch: „Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung“. Das entsprach 264.000 fl. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 u. 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 u. 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 u. 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 u. 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 u. 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 u. 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, vom Vorgänger übernommen u. oft v. seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet u. kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige. Selbst in Zeitungsmeldungen gab es etwa am 3.4.1633 aus Franken Zweifel an den Angaben; BÖNING, Dreißigjähriger und Öffentlichkeit, S. 395: „Die Friedländische Armee ligit hin vnnd wieder vmb Schlackenwald / Schlackenwert / Dachaw / etc. ist aber bey weitem nicht so starck / alß man es außgeschryen / seyn wol viel Regimenter / aber sehr Schwach / vnd theils vber 400. Mannn nicht starck / mehrentheils Genötigte vnd Gezwungene“. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630; HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 15f.: „Meine Arme Lande aber mußenn nicht alleinn daß Volck, so im Lande sich befindet, unnderhalten, sondern auch dennen, so inn andere Lande einquartiret, den Soldt unndt swart ann Reichsthalernn in specie oder mit großem auffgeldt nachschickenn. Ja sie mußen zu behueff der Servicen sderer, so ausserhalb Landes ihre Quartier habenn, viel tausent Thaler auffbringen, auch muß der Soldt gantz ubermäßig unndt nicht nach Monaten, wie soonst bey allenn Kriegenn gebräuchlich, sondernn nach wochenn gereichet werdenn, nicht allein denen, so nurt etliche wenig wochen in den Quartieren verbleiben, sondern auch denen, welche zu 12, 18, 20 unndt mehr Monaten ihre Quartier behalten, daß also der Soldat im Jahr auff 13 Monat dienet, da doch bey wenigen Kriegen erfahrenn wordenn, daß volle 12 Monat im Jahr außgezahlet worden weren. Der soldt wirdt auch dergestaldt, alß wann alle Regimenter complet werenn, gemahnet, da doch die recreuten offters kaum inn 6 Monatenn erfolgenn. Ich will geschweigenn, daß vielleicht wol derer Regiment köndten gefunden werden, welche niemahl, auch auff gegenwertige stunde, nicht complet wordenn, muß also der Soldt vom 1. Novembris ann den Soldaten vor voll gegeben werdenn, da doch derer viel allererst im Martio oder Aprili oder wol nimmer zum Regiment kommen. Es werdenn auch nicht allein starcke summen zu behueff der Artillerie erhobenn, sondern noch darzu vor iedere Companie Rüstwagen, Pferde, Lunten, Karrenn, Schuppen unndt waß des dinges viel mehr begehret. Dieß alles wirdt auch mit solcher indiscretion unndt scharffer militarischer Exe-[S. 16]cution unndt dabey vorgehendenn Excessen, derer gegen Euer Kay. Mayt. erwehnung zu thuen Ich fast bedenckenn trage, von den armen Leuten erzwungen unndt darüber viel seuffzenn unndt bittere threnen außgepreßet. Eß geschiehet auch solches mit seiner solchen manier, daß wol Niemandt, der eß sonst nicht wuste, sollte glauben können, daß noch ein Churfürst im Lande. Theilß der Soldaten sagen ungescheuet, sie fragten nichtes nach mir, unndt wiße mann noch nicht, wie lange Ich Chuerfürst unndt Herr im Lande bleiben werde. Geschiehet eß aber einmahl, daß mann etwaß, so im Lande zu suchen, ann mich gelangen leßet, so stehet so baldt die commination [Strafandrohung; BW] dabey, wolle Ich eß nicht anordnen, so wolle mann eß selbst suchenn, wo mann eß findet, unndt dieses alles wierderfähret mir von frembden nationen, theilßs vonn geringen officirern unndt wol gemeinen Soldaten“. Richelieu gegenüber Beichtvater Père Joseph über die mangelhafte Organisation der kaiserlich-bayerischen Armeen u. zum Zustand der französischen Armee (1638); Vertrewlich freundlich Gespräch: „Zum andern ist das Teutschland vor Zeiten wohl ein mächtig Land gewest / aber die langwürige Krieg vnd so wohl Freund als Feind haben es also verderbt / daß es jhme nicht mehr gleich vnd nicht der dritte Theil am Volck vbrig vnd selbiges also erarmet ist / daß der Arm dem Reichen gleich / das grosse / breite vnd weite Land öd ligt / vnd niemand bey seinem wohnen kann. So haben wir gut wider ein so verderbt Reich / vnd wider einen solchen Fund zu kriegen / der gleich wohl eine erfahrne tapffere Soldatesca in Anzug bringen kann / aber ohne Ordnung / ohne Bezahlung / ohne Disciplin, das gantze Teutschland ist fast ein Quartier vnd stehet dem Soldaten preiß / allda noch er / noch der Inwohner zu leben hat / vnd wann er in das Feld ziehet / keinen Proviant / oder andere Nothwendigkeit sind / daß er also in Mangel dessen von seinen eygnen Vnordnungen sich verzehrt. Die Regiment vnd Compagnien seynd viel in Anzahl / aber mit wenig gemeinen Knechten ersetzt / vnd die Officier erpressen doch die Contributiones für völlig. Bey den Regimenten befinden sich wenig Obristen in Person / also wann Fehler vorüber gehen / so wohl im Feld als in Quartieren / ist niemand der helffen / der den man zu red stellen köndte. Wo ein Corpus beysam̃en / commandiren vnterschiedene Generales, der ein will für sich / der ander hindersich / der ein es auff Welsch / der ander auff Teutsch haben. Vnd das gemeine Wesen gehet vnter dessen zu Scheitern. Die höchste Häupter sehen von weitem zu / vermeynen es mit Ordinantzen, Commissarien, Currieren, Botten vnd Brieffen zu erbesseren / ziehen doch niemand schuldigen zu gebührender Straff / lassen allein das gute Glück walten. Aber bey solcher manier zu kriegen ohne ein rechtes General Haupt / ohne Geld vnd Disciplin, ohne Vorsehung vnd Rarh / mit verderbung eygener Land vnd Leuth / allda denen Soldaten alles preiß stehet / vnd sie sich selber vntereinander spoliren, plündern / vnd auffreiben auch alle Vnbild / Vnfugsamkeit / vnd Laster gleichsam gestattet wirdt / kann weder Göttlicher Segen / noch menschlich Glück bestehen. Wann Gott vnsern Feinden nit bessern Sinn gibt / so haben wir ein gewunnes Spiel. Wann sie aber wolten kriegen wie wir / mit ordentlicher Bezahlung / daß der Vnderthan beym Feldbaw erhalten / vnd dardurch der Soldat sein Nahrung haben würde / so möchte sich leichtlich das Glück vmbschlagen / vnd ein Armee von 12000 also disciplinirten Soldaten Vns mehr Abbruch thun als jetzund 24000. Mann / welche wo sie in jhrem aignen Land hinkommen / entweder gar nichts zu leben finden / oder wan sie einen Vorrath antreffen / verderben und verwüsten sie in einem tag was auff etliche Wochen erklecken köndte / ruiniren vnd machen zu Schanden vnd Vnnutz / alles so sie hernach zu jhrem selbst aignem vnentbärlichen Gebrauch mit vil Gelt nit repariren mögen / daß also in wenig tagen jhr Anzal ohe Schwerdtstreich für sich selbst mercklich geschwächt wird / vnd viel einen Absprung zu vns nem̃en / vnd sich bey vns vnterhalten lassen. So seind sie mit Waffen / Schantzzeug / vnd andern Beraitschafften zu einem Feldzug nothwendig auß Vnvorsehung / vnd Mangel Geltes schlecht gerüst / jhr Cavalleria vbel montirt, vnd welche annoch bey allen Treffen die erste geweßt / so durchgangen. Betten wir also nun Gott / daß er sie nit besser kriegen lerne / darzu sie noch viel Mittel haben / wann sie an jhnen selber nit verzweiffleten. Wir erhalten ein Regiment zu Fuß in 3000. Mann complet, mit 22000 fl monatlich ordentlicher Bezahlung. Solten dann die gegen vns gelegene Craiß mit concurrirung der Spanier / welche sonst das Geld außmessen / vñ nit zehlen/ nit vermögen mit solch richtiger Bezahlung bey 12. in 15000. Mann zu erhalten / darbey widerumb gute Disciplin gestifft / vnd der Vnterthan vnuerhindert bey seinem Feldbaw beschirmet / vnd jhme die Mittel gemacht würden / sein ordentliche aufferlegte Contribution zu lieffern. Ich muß bekennen / weil einem versuchten teutschen Soldaten 3. vnserer Frantzosen kaum gewachsen sind / daß wir wider ein solche Armee gnugsam zu schaffen haben würden / dann Hertzog von Weimar am teutschen Volck zimblich abkommen / muß sich fast der Frantzosen bedienen. Wann es aber gehet wie bißhero / wirdt er bald widerumb teutsche Knecht bekommen / vnd bey vns die Noth nit seyn / daß weder ich noch E. Ehrw. auff die Post sitzen / nach Cöln zu reysen / vnd Frieden zu machen / wie wir sonst im widrigen Fall thun müsten“.

[4] Mirko Marcovich [Mirkovics, Minckaw] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[5] Obrist [schwed. överste, franz. mestre de camp, dän. oberst, tschech. plukovník]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer u. exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung u. Bezahlung seiner Soldaten u. deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung u. Befehlsgewalt über Leben u. Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität u. Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) u. Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- u. Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold v. 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld u. 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm als Obrist u. Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe v. Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung v. Heiratsbewilligungen, aus der Beute – hier standen ihm 27 Rt. 39 Albus pro 1.000 Rt. Beute zu; HOFMANN, Peter Melander, S. 156 – u. aus Ranzionsgeldern, Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung v. Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ, im Schnitt für 5 Rt., – u. auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung u. Beschaffung von Waffen, Bekleidung u. Werbegeldern ausgezahlt wurden. Seit Kriegsanfang war man auf Beute fixiert. Zeitungsbericht aus München, 3.12.1620; BÖNING, Dreißigjähriger Krieg und Öffentlichkeit, S. 316: „So meldet Herr Wentzin [L Lorenz Wensin v. Rohlstorf zu Kronwinkel; BW] das er biß in 60000 fl. wehrt bekommen vnnd mus ein schlechter Obr: oder Hauptmann sein der in diesem Krieg nicht vber 30000 fl. erobert“ habe. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollte, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen – Obristen belieferten ihr Regiment mit Kleidung, Waffen u. Munition – , gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischenn handlung, S. 277 (1634) zur schwedischen Garnison: „Am gemelten dingstage sein 2 Soldaten bey mir hergangen bey r[atsherr] Joh[ann] Fischers hause. Der ein sagt zum andern: In 3 Wochen habe ich nur 12 ß [Schilling = 6 Heller = 12 Pfennig; das entsprach insgesamt dem Tageslohn eines Maurers; BW]. Ich wol, das der donner und der blytz inn der statt schlüge, das es bränte und kein hauß stehen bliebe. Muß das nicht Gott erbarmen. Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen u. nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, u. die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) u. nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben u. Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über drei Regimenter), was Maximilian I. v. Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel v. seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten u. offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) u. den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden u. auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist u. Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Georg Wilhelm v. Brandenburg an Ferdinand II., 3.5.1630: HALLWICH, Briefe u. Akten 1. Bd., Nr. 13, S. 14f.: „Unndt wurde eß uf solchenn fall sich leichtlich gebenn, ob Euer Kay. Mayt. alßdann auff solcher Leute Dienste, die nichtes mehres alß groß unndt reich zu werden suchenn, die auch wol, wenn sie den Seckel gefulllet, lieber inn ruhe zu sizenn, alß zu fechten begehrenn möchtenn, sich mehr, alß auff ihrer gehorsamen Churfürsten undt Ständte gutten, getreuesten und gehorsambsten affection werden verlassenn können“. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Meist führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl v. rund 1.500 Kriegsunternehmern, v. denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. Teilweise wurden Regimenter auch v. ihren Inhabern weiterverkauft, so Christian II. v. Anhalt-Bernburg, 2.8.1628; http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/start.htm: [17r] „Farensbeck [Farensbach; BW] hat sein Regiment, vmb 10 mille, Tahler, weggegeben, dem Jungen herr Max von Wallstein [Maximilian v. Waldstein; BW]“.Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar [1626-1679] erhielt 1640 bereits mit 13 Jahren in Anerkennung der Verdienste seines Vaters Johann Ludwig ein Kürassierregiment u. den Sold eines Obristen; Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1779. Dillenburg 1779, Sp. 422. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte 1. Bd., S. 413ff.

[6] Kopreinitz [Koprivnica; Kroatien] Im Jahre 1356 wurde Koprivnica als eine selbstständige Stadt proklamiert, danach entwickelte sich die Stadt im Bereich des Handels und auch als ein militärischer Stützpunkt. Der Stern, eine Art v. Burg, wurde bis zu den 1660er Jahren als eine der modernsten antiosmanischen Festungen der Renaissance bezeichnet.

[7] Quelle 950: Triebel 1647-2: THEATRUM EUROPAEUM; Quelle 948: Triebel 1647-1: Relationis Historicae Semestralis Continuatio.

[8] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen u. Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern u. Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich u. einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160. Vgl. auch ERICSON, Die schwedische Armee und Marine, S. 301-307.

[9] Carl Gustav Wrangel, Graf zu Salmis u. Sölvesborg, Freiherr zu Lindeberg u. Ludenhof, Herr zu Skokloster, Bremervörde, Wrangelsburg, Spycker, Rappin, Ekebyhov, Gripenberg u. Rostorp [13.12.1613 Schloss Skokloster-25.6.1676 Schloss Spyker auf Rügen], schwedischer Obristleutnant, Generalmajor u. Feldmarschall. 1630 Holland-Reise u. Ausbildung in Navigation u. Schiffbau, anschließend Weiterreise nach Frankreich, 1631 Eintritt in die Dienste Gustav II. Adolfs v. Schweden als Kammerjunker u. als Kornett in dessen Leibregiment, am 16.11.1632 Teilnahme an der Schlacht bei Lützen, 1633 Dienst als Obristleutnant im Infanterieregiment Bengt Bagges in Elbing, 1634 als Obristleutnant beim Kavallerieregiment Joakim Moltkes in Pommern, am 19.10.1635 Teilnahme am Kampf bei Lüdershausen unter Johan Banér, 1636 Beförderung zum Obristen im Leibregiment zu Pferde, 1638 zum Generalmajor u. Chef des Dal-Regiments (gegen den Widerstand Banérs), 1641 Ernennung zum Regionalbefehlshaber im Reich u. Stabschef bei Lennart Torstensson, am 13.10.1644 Sieg als Oberbefehlshaber der schwedischen Flotte über die Dänen bei Femern, am 28.4.1646 Ernennung zum Feldmarschall u. Generalgouverneur in Pommern; Ernennung zum Reichsrat. Dezember 1646 Aktivität als Oberbefehlshaber der schwedischen Armeen in Deutschland, am 17.5.1648 zusammen mit Turenne Sieg über Holzappel u. Gronsfeld bei Zusmarshausen u. anschließende Vandalisierung Bayerns, 1651 Erhebung in den Grafenstand durch Königin Christina v. Schweden, am 26.2.1653 Ernennung zum Reichsvizeadmiral, 1655 Tätigkeit als Verbindungsoffizier zu Kurfürst Friedrich Wilhelm v. Brandenburg in der dreitägigen Schlacht vor Warschau, am 23.10.1657 Eroberung v. Fredriksodde im Dänemark-Feldzug, am 11.12.1657 Ernennung zum Reichsadmiral, am 30.1.1658 Übergang über den Kleinen Belt, am 5.2.1658 Marsch über das Eis bei Nyborg nach Langenland u. Seeland, am 6.9.1658 Besetzung Kronborgs, am 29.10.1658 Kampf im Öresund auf dem Flaggschiff “Victoria”, Frühjahr 1660, nach Carls X. Gustav Tod, Ernennung zum Oberbefehlshaber der schwedischen Armee in Dänemark, 1664 Ernennung zum Reichsmarschall u. Präsidenten des Kriegskollegiums, 1665 Aktivität als Befehlshaber des schwedischen Korps gegen Bremen, 1674 als Oberbefehlshaber der schwedischen Armeen in Deutschland. LOSMAN, Carl Gustaf Wrangel, Skokloster und Europa; LOSMAN, Carl Gustav Wrangel och Europa; BAENSCH, Geschichte der Familie von Wrangel Bd. 1. Vgl. auch die Erwähnungen bei BACKHAUS, Brev 1-2; ASMUS, Unter der schwedischen Krone, S. 52ff.; ASMUS, Das Testament des Grafen, S. 193ff.; HEINKE, Carl Gustav Wrangel; ZIRR, Die Schweden.

[10] WREDE, Die K. und K. Wehrmacht, 3. Bd., 2. Hälfte, S. 783.

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Mérode-Houffalize de Beaucarmez [Bocarmé, Boccarmé, Buckerme, Buguerme, Boccarmai, Boucarme], Philippe conte de

Mérode-Houffalize de Beaucarmez [Bocarmé, Boccarmé, Buckerme, Buguerme, Boccarmai, Boucarme], Philippe conte de

Philippe conte de Mérode-Houffalize[1] de Beaucarmez [2] [1620 Beaucarmez-18.2.1667 Brüssel]] war 1640 noch Rittmeister[3] unter Graf Bruay,[4] als er in dem Treffen gegen Reinhold von Rosen[5] in der Schlacht bei Riebelsdorf[6] am 15.11. in weimarische Gefangenschaft[7] geriet.[8]

In diesem Jahr war Treysa[9] (Hessen-Kassel) durch Truppen Bredas[10] zum größten Teil aus Vergeltung eingeäschert worden, der eine Taktik der verbrannten Erde betrieb. Loshausen,[11] Niedergrenzebach,[12] Steina,[13] Leimbach,[14] Ransbach,[15] Zella[16] und Salmshausen[17] waren von ihm vollständig niedergebrannt worden.

Das „Theatrum Europaeum“[18] stellt die Kämpfe anhand eines Stiches, der „Velitatio[19] ad Ziegenhain“,[20] sehr ausführlich dar: „Als Obrist[21] Rheinhold von Rosen seinen Anschlag an den Bentzenauischen[22] im Homburg[23] verrichtet / vnd oberwehntes Volck zusammen gezogen / auch Friedberg[24] versehen hatte / marchirte er zurück nach Ziegenhain / und legte sich in das nechste Städtlein Treysen. Die Käiserische gedachten den Homburgischen Schaden wieder zu holen / darum die zween General-Wachtmeister[25] / als Gilles de Hasi,[26] und Herr Mercy[27] / mit dem Obristen[28] von Neuneck[29] / vnd vier Croaten[30] Obristen / auff ihn zu giengen / unter denen 1000. Curassier[31] / und noch darzu 200. Tragoner[32] waren. Sie wurden aber so hart empfangen / daß 2. Obriste Wachtmeister[33] darüber vnd andere Officirer todt blieben / ein Rittmeister und viel Reuter gefangen wurden / deren Wort Leopoldus,[34] und das Feldgeschrey / kein Quartier[35] / gewesen. Der von Rosen hat darüber dieses Stättlein verlassen und sich nach der Vestung Ziegenhain begeben / darüber die Käiserischen das Städtlein eingenommen / und selbiges sammt umliegenden Dörffern angesteckt / für dißmal aber nichts mehrers verrichtet haben.

Dem Obersten von Rosen wurden von seinem Major[36] Johann von Ratschin[37] / vom alten Regiment 6. Compagnien[38] zugebracht / darum konnte er abermahlen nicht feyen[39] / sondern nahm seinen Vettern Volmarn / den Tollen[40] zu sich / und überfiele noch selbige Nacht / von Ziegenhain auß / deß Croatischen Obristens / Peter Logy[41] Regiment und Quartier zu Allendorff[42] / die noch andere 6. Compagnien Rubländischer Tragoner bey sich hatten, darüber der Obriste durch einen Pistolen-Schuß selbsten verwundet worden / der sich deßwegen auff den Kirchhoff salviret / aber sein Obrister Lieutenant[43] todt geblieben / in angestecktem Quartier neun Standarten[44] verbronnen / eine Standarte und ein Capitän mit Beuten[45] und Pferden darvon geführet / und sie alle so hefftig aufgeschlagen worden / daß wann der Obriste Fetuari[46] nicht nahe im Anzug gewesen / so wäre dieses gantze Regiment gantz und gar zu scheitern gegangen. Hierauff wurden die Käis. um so viel begieriger ihren erlittenen Schaden um so viel desto eiferiger zu rächen / und wurden deßwegen auff den von Rosen zu gehen commandiret / zuforderst der General Feld-Marschall Lieutenant Baron de Bredau, und neben demselben der General-Wachtmeister Gill de Hasi, welche in drey tausend Pferden von 24. Esquadronen[47] deren zum besten berittenen Reuter / ausserhalb Fußvolcks / bey sich hatten / deren der Herr Obriste von Rosen bey der Vestung Ziegenhain erwartete. Als nun wolgedachter Baron de Bredau den 13. Novemb. styl. vet.[48] bey Ziegenhain anlangte / ordnete er den Obristen Druckmüller[49] zur Avantgarde / der mit 5. Esquadronen auff den Rosen zwar mit grosser Furi[50] angienge / desselben aber die Rosischen nicht viel achteten / sondern liessen ihn wohl ankommen. Der Obriste von Rosen commandirte wider solche 3. Compagnien seines alten Regiments / die trieben diese Druckmüllerische zurück / so weit sie fast herkommen waren / und verfolgten sie mit stätigem Scharmütziren[51] / daß ihrer viel darüber blieben / und gefangen wurden. Es wurde auch hierüber der General-Wachtmeister de Hasi in einen Schenckel geschossen. Der von Bredau hatte selbigen Tag zum Feldgeschrey außgegeben / Gott mit uns / und das Wort war / der Teuffel mit dem Rosen. Es zoge sich hierüber der von Bredau zurück auff 2. Stunden lang / biß nach Neukirchen[52] / und setzte sich mit seiner Reuterey und Fußvolck dem von Rosen entgegen: er hatte auch um mehrer Hülffe von 2000. zu Fuß / und 1000. Pferd zurück geschickt / deren er erwartete / in Hoffnung / den von Rosen gewiß zu ruiniren. Es war auch General-Wachtmeister Mercy mit 2500. Pferden / und so viel Fußvolck im marschiren / und schon beschlossen / den von Rosen auff beyden Seiten des Wassers Schwalme anzugreiffen. Was nun an jüngst angesteckten Dörffern noch übrig war / das liesse Bredau noch gar in die Asche legen / deme von Rosen die Fourage[53] zu benehmen. Es wurde dem von Rosen der Obriste Müller[54] / und General Adjutant[55] de Charlouna,[56] biß 750. Pferd starck / eben so wohl zu Hülff geschickt / welche den 14. Novembris um 2. Uhr Nachmittag ankommen.

Ob nun wohl der von Rosen sich noch nicht Bastant[57] genug befande / der Käiserl. Anzahl gleich zu seyn / hatte er doch resolviret / auff den von Bredau zu gehen / und nicht zu erwarten / biß er ihn besuchte : derohalben er auff seines Feindes Vorwacht von vngefehr drey hundert starck auff ein viertheil Stund lang gegen Abend avancirte / der noch ein viertheil Stund lage.

Er hielte daselbsten mit den Seinigen in einem Wald biß an den Morgen / und giengen auff diese Vorwacht den 15. vorbesagten Monats Novembris, mit anbrechendem Tag in vollen Gallop, welches eben der Tag Leopoldi war. Als Bredau solches vernahme, præsentirt er sich mit 24. Squadronen ungesaumt zu Feld / und liesse seinen lincken Flügel von 8. Squadronen hindereinander stehen / auff deß von Rosen altes Regiment treffen / seinen rechten Flügel aber diesem Regiment / und dem rechten Rosischen Flügel die Fronte bieten: der Obriste Müller aber gienge diesem Flügel in die Flancque / und ob es wol Anfangs sehr hart hielte / und das Glück sich wanckelmüthig erzeigete / so wurde doch dem von Rosen / und den Seinigen / allen das Glück gegeben / daß sie vermittels tapfferer Resolution und mannlicher Anführung den von Bredau und die Seinigen in die Flucht schlugen / darüber Herr General Lieutenant von Bredau selbsten geblieben / und gefangen wurden / von dannen auß sie weiters biß auff ein paar Stunden lang / und zwar biß an die Gegenwart Bredauischen Succurs verfolget worden. Und ist an diesen Tag deß von Bredau gegebenes Wort und Feldgeschrey gewesen Sancta Maria, kein Quartier: deß von Rosen Wort aber / Louys, und das Feldgeschrey / Gott mit uns“.[58]

Arnold, der sich später auf die Angaben im „Theatrum Europaeum“ stützte, berichtet zu dem Zusammenhang der Operationen: „Als die Kayserlichen in Ober-Hessen zu Kirchhayn ihr Hauptquartier angeleget hatten, giengen sie auf Begehren des Churfürsten zu Mayntz vor Amöneburg[59] und beschossen es 2. Tage, worauf die Hessischen sich ergaben, und am 7. November mit Sack und Pack nach Ziegenhayn abzogen. Hiernächst gedachten sich die Kayserliche Generals, Gilles de Hasi und Mercy an dem Obersten Rosen wegen des Homburgischen Uberfalls zu rächen, sie überfielen ihn also in dem Städtlein Treysa, wiewohl mit so schlechtem Erfolg, daß 2. Majors und andere Officiers erleget, ein Rittmeister aber und viele Reuter gefangen wurden. Da hernach der Oberste Rosen sich in Ziegenhayn zog, legten die Kayserlichen Treysa nebst den umliegenden Dörfern in die Asche. Gleich darauf überfiel gedachter Oberste, nachdem er sich mit 6. Compagnien verstärcket, des Croatischen Obersten, Peter Logy, Quartier zu Allendorff, wo er selbst mit seinem Regiment und 6. Compagnien Dragonern lag; hierbey gieng es sehr hitzig her, der Oberste Logy bekam einen Pistolen Schuß, sein Oberst-Lieutenant blieb todt, 9. Standarten verbrannten, 1. Capitain wurde samt vielen Pferden, einer Standarte und andere Beute weggeführet, den übrigen aber setzten die Weimarischen so hefftig zu, daß, wann der Oberste Fetuari nicht im Anzug gewesen, das gantze Regiment darauf gegangen wäre. Dieser Uberfall frische die Kayserlichen noch stärcker zur Rache an; wie dann der General-Lieutenant, Baron von Breda, und der General-Wachtmeister, Gilles de Hasi, mit 3000. Reutern und vielem Fußvolck am 13. November st. v. bey Ziegenhayn anlangten. Der Oberste Druckmüller that mit 5. Squadrons den Angriff, ward aber mit Verlust zurück getrieben, wobey der de Hasi einen Schuß in den Schenckel bekam. Der General von Breda, welcher selbigen Tag das Feld-Geschrey: Gott mit uns ! und das Wort: Der Teufel mit dem Rosen, ausgegeben, setzte sich hierauf bey Neukirchen, um daselbst noch 200. zu Fuß und 1000. Pferde zu erwarten, und alsdann samt dem General Mercy, welcher auch mit 3000. Mann erwartet wurde, die Weimarischen auf beyden Seiten der Schwalm anzugreiffen. Der Oberste Rosen bekam den 14. November auch 750. Pferde unter dem Obersten Müller zu Hülfe, und faßte darauf den Schluß, den Kayserlichen, ehe sie noch mehr verstärcket, auf den Hals zu gehen. Nachdem er in der folgenden Nacht mit seinem Volck in einem Wald gestanden, brach er am 15. November mit dem Tage hervor; der von Breda zeigte sich alsobald mit 24. Squadronen, und griff des von Rosen altes Regiment muthig an; da aber der Oberste Müller ihm in die Flanquen gieng, hatte er verspielet, sein Volck nahm die Flucht, er selbst blieb auf dem Platz, und im Nachsetzen wurden viele erleget oder gefangen. Die Anzahl der Todten belief sich auf 550. Officiers und Gemeine,[60] worunter 2. Oberst-Lieutenants, 2. Majors, und 3. Rittmeisters; unter den Gefangenen aber, deren bey 600. waren, befanden sich ein Oberst-Lieutenant, ein Major, 9. Rittmeisters, 1. Capitain, 4. Lieutenants[61] und 3. Cornets;[62] dagegen man auf Seiten der Weimarischen nur 50. Todte und Verwundete zehlte“.[63] Der Leichnam Bredas wurde nach Ziegenhain verbracht.

Am 23.11.1640 schrieb Peringer von Pernberg[64] an Wenzel Eusebius von Lobkowitz:[65] Aus dem erzherzoglichen Feldlager bei Kirchheim [Kirchhain ![66]] sei die Nachricht vom 14.11. gekommen, dass Breda den Gegner überfallen, ihn bis gegen Kassel verfolgt habe und dort, da der Gegner aus der Festung Verstärkung erhalten habe, mit 300 Mann [bei Riebelsdorf] tot liegen geblieben sei.[67] Der Überlieferung nach soll Breda durch eine Kugel Kapitän Muhlys,[68] Kommandant der bereits 1539 begründeten Bürgerwehr Ziegenhains, die im Frieden die Festungswache versah, getötet worden sein.[69] Bei Dr. Jordan heißt es unter dem 4./14.11. lapidar: „Obrist Rosa nebest dem Obristen Moller von der Weymarschen Armee schlagen den Kayserlichen Grãl.-Feldmarschall. Luitnand mit 3 000 auscommandirten Pferden bey Ziegenhein. Breda bleibt“.[70]

Mérode-Bocarmé stand 1645 als Obristleutnant bzw. Obrist und Generalwachtmeister in kaiserlichen Diensten.

Nach Aussage des Historiographen und Habsburg-Anhängers Wassenberg[71] in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ soll er in der Schlacht bei Jankau[72] am 6.3.1645 in Gefangenschaft geraten sein.[73] Am 11.5.1645 unterrichtete Erzherzog Leopold Wilhelm[74] Gallas[75] von den neuen Truppenverlagerungen. Danach sollte Mérode-Bocarmés Regiment zusammen mit anderen Regimentern in den Raum Schüttenhofen,[76] Krumau[77] und Budweis[78] gelegt werden.[79] Am 17.6.1645 berichtete Colloredo[80] Gallas aus Prag über die militärische Lage in Böhmen und dortige Truppenverschiebungen: „Oggi è arrivato qua il colonello Bachonhay[81] et m’ha esposto la mente di Sua Altezza Serenissima [Leopold Wilhelm; BW] et d’Vostra Eccelenza. Io certo stava nel medemo pensiero et spero ch’il partito reuscira, aspetto solo li sacci di polvere, quarli martedi saranno qua; resta solo ch’il Wirbna,[82] qual deve condure la partita, venghi per tempo, essendo ora con li regimenti di Silesia già passato Pilsen;[83] nulla dimeno ho spedito subito una stafeta a quella volta per richiamarlo et caso che lui non potesse arrivar‘ in tempo, inviarò ó il tenente collonello del Capone,[84] quel poco fa, è stato con una truppa fin’vicino a Bruna,[85] o il tenente Strassaldo,[86] ch’ora sta a Pardobiz.[87]

Giovedi poteranno da Pardobiz partire queste truppe et andare per coniungerse con li doi capitani del Conte Bocarme, Heneman[88] et Unger.[89] Li vilani del Conte della Torre[90] a Letovisch[91] daranno ogni assistenza et buon indirizo a questa gente; con agiuto de quali le nostre partite, ch’andarono da quella banda, travagliarono di modo l’inimico , che l’è convenuto di tirare de li la sua gente, et metterla verso Niclaspurg[92] et quelli luogi. In questa cavalcata me ne servirò del regimento del Capone, qual già sta a Pardobiz. Li dragoni d’V. E. sono in marcia, quelli del La Corona,[93] mentre von verrà replicato l’ordine, lasciá ò a Pardobiz, non avendo gente da presidiare quel posto et poterebbe correr risico d’esser perso, mentre l’inimico venissi avanti, confrontando tutti l’avisi che l’intenzione dell’inimico sia a Pardobiz”.[94]

Kardinal Harrach[95] notiert unter Prag, 20.5.1648, über die Schlacht bei Zusmarshausen:[96] „Heute haben wier uble zeitungen von der armée aus dem Reich, das in deme sie nich nemblich von Güntzburg[97] hinwegk nach dem Lech retiren wollen, dahin die bayrischen schon den tag vor hero abmarchirt gewesen, sie der feindt ubereilet, und ehe sie noch den pass erraicht, mit seiner meisten macht darein gesezt hatt. Es ist zwar gleich der beste khern unserer völckher in der retroguardia gewesen, so sich woll ein 6 stundt ritterlich gewehrt, zum unglückh aber ist endtlich der general [Peter Melander von] Holzapfell,[98] welcher aller orthen fleißig succurirt, von 2 musckheten[99] schuß getroffen darüber gebliben, und mitt disen den unserigen das hertz entfallen, so aber gleich woll maistes den paß erraicht, und uber 600 nicht im stich gelaßen haben sollen, außer deß [Camillo] Boccamayor[100] und [Philipp de Merode-]Boccarmé, welche man für gefangen außgibt“.[101]

Sein Regiment wurde am 31.10.1649 abgedankt.[102]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Houffalize [Region Wallonien, Provinz Luxemburg].

[2] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Die Diarien.

[3] Rittmeister [schwed. ryttmåstere, dän. kaptajn]: Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Der Rittmeister beanspruchte in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold, d. h. 1.800 fl. jährlich, in besetzten Gebieten wurden schon einmal 240 Rt. monatlich erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15), während ein bayerischer Kriegsrat 1637 jährlich 792 fl. erhielt, 1620 war er in der brandenburgischen Armee als Rittmeister über 50 Pferde nur mit 25 fl. monatlich datiert gewesen. Bei seiner Bestallung wurde er in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.

[4] Albert Gaston Spinola Graf v. Bruay [Broy, Bray, Bernai, Bonari, Borry, Bruye, Bruny, Bruari, Broi, Braui, Bray, Bru, Broui, Brouay, Bronj, Brivius, Bruween, Bruny, Brunay, Brusse] [1601-6.3.1645 bei Jankau gefallen], kaiserlicher Obrist.

[5] Reinhold v. Rosen [Rosa, Rosau, Roß], der „Gute“, Herr v. Bollweiler u. Herrenstein [nach 1595, um 1604 Ninigall, Livland-8./18.12.1667 Schloss Dettweiler, Kr. Zabern; Elsass], schwedisch-französischer Obrist, Generalmajor.

[6] Riebelsdorf [LK Ziegenhain].

[7] Kriegsgefangene: Zur Gefangennahme vgl. die Reflexionen bei MAHR, Monro, S. 46: „Es ist für einen Mann besser, tüchtig zu kämpfen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, als sich gefangennehmen zu lassen, wie es am Morgen nach unserem Rückzug vielen geschah. Und im Kampf möchte ich lieber ehrenvoll sterben als leben und Gefangener eines hartherzigen Burschen sein, der mich vielleicht in dauernder Haft hält, so wie viele tapfere Männer gehalten werden. Noch viel schlimmer ist es, bei Gefangennahme, wie es in gemeiner Weise immer wieder geübt wird, von einem Schurken nackt ausgezogen zu werden, um dann, wenn ich kein Geld bei mir habe, niedergeschlagen und zerhauen, ja am Ende jämmerlich getötet zu werden: und dann bin ich nackt und ohne Waffen und kann mich nicht verteidigen. Man Rat für den, der sich nicht entschließen kann, gut zu kämpfen, geht dahin, daß er sich dann wenigstens je nach seinem Rang gut mit Geld versehen soll, nicht nur um stets selbst etwas bei sich zu haben, sondern um es an einem sicheren Ort in sicheren Händen zu hinterlegen, damit man ihm, wenn er gefangen ist, beistehen und sein Lösegeld zahlen kann. Sonst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschließen, in dauernder Gefangenschaft zu bleiben, es sei denn, einige edle Freunde oder andere haben mit ihm Mitleid“. Nach Lavater, Kriegs-Büchlein, S. 65, hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“. Leider reduziert die Forschung die Problematik der de facto rechtlosen Kriegsgefangenen noch immer zu einseitig auf die Alternative „unterstecken“ oder „ranzionieren“. Der Ratsherr Dr. Plummern berichtet (1633); SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Eodem alß die von Pfullendorff avisirt, daß ein schwedischer reütter bei ihnen sich befinnde, hatt vnser rittmaister Gintfeld fünf seiner reütter dahin geschickht sollen reütter abzuholen, welliche ihne biß nach Menßlißhausen gebracht, allda in dem wald spolirt vnd hernach zu todt geschoßen, auch den bauren daselbst befohlen in den wald zu vergraben, wie beschehen. Zu gleicher zeit haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd naher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächts sein sollen, dahero weiln rittmaister Gintfeld ein gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen wird“. Der Benediktiner-Abt Gaisser berichtet zu 1633; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 415: „Der Bürger August Diem sei sein Mitgefangener gewesen, für den er, falls er nicht auch in dieser Nacht entkommen sei, fürchte, daß er heute durch Aufhängen umkomme. Dieser sei, schon vorher verwundet, von den Franzosen an den Füßen in einem Kamin aufgehängt und so lange durch Hängen und Rauch gequält worden, bis das Seil wieder abgeschnitten worden sei und er gerade auf den Kopf habe herabfallen dürfen“. Soldaten mussten sich mit einem Monatssold  freikaufen, für Offiziere gab es je nach Rang besondere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Das Einsperren in besondere Käfige, die Massenhinrichtungen, das Vorantreiben als Kugelfang in der ersten Schlachtreihe, die Folterungen, um Auskünfte über Stärke und Bewegung des Gegners zu erfahren, die Hungerkuren, um die „Untersteckung“ zu erzwingen etc., werden nicht berücksichtigt. Frauen, deren Männer in Gefangenschaft gerieten, erhielten, wenn sie Glück hatten, einen halben Monatssold bis zwei Monatssolde ausgezahlt und wurden samt ihren Kindern fortgeschickt. KAISER, Kriegsgefangene; KROENER, Soldat als Ware. Die Auslösung konnte das eigene Leben retten; SEMLER, Tagebücher, S. 65: „Zu gleicher zeitt [August 1630] haben ettlich andere gintfeldische reütter zu Langen-Enßlingen zwo schwedische salvaguardien aufgehebt vnd nacher Veberlingen gebracht, deren einer auß Pommern gebürtig vnd adenlichen geschlächte sein sollen, dahero weiln rittmeister Gintfeld eine gůtte ranzion zu erheben verhofft, er bei leben gelassen worden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70 (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, dass die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. Auf Gefangenenbefreiung standen harte Strafen. Pflummern hält in seinem Tagebuch fest: „Martij 24 [1638; BW] ist duca Federico di Savelli, so in dem letzsten vnglückhseeligen treffen von Rheinfelden den 3 Martij neben dem General von Wert, Enckefort vnd andern obristen vnd officiern gefangen vnd bis dahin zu Lauffenburg enthallten worden, durch hilff eines weibs auß: vnd den bemellten 24 Martij zu Baden [Kanton Aargau] ankommen, volgenden morgen nach Lucern geritten vnd von dannen nach Costantz vnd seinem vermellden nach fürter zu dem general Götzen ihne zu fürderlichem fortzug gegen den feind zu animirn passirt. Nach seinem außkommen seyn ein officier sambt noch einem soldaten wegen vnfleißiger wacht vnd der pfarherr zu Laufenburg neben seinem capellan auß verdacht, daß sie von deß duca vorhabender flucht waß gewüßt, gefänglich eingezogen, die gaistliche, wie verlautt, hart torquirt [gefoltert; BW], vnd obwoln sie vnschuldig geweßt, offentlich enthauptet; die ihenige fraw aber, durch deren hauß der duca sambt seinem camerdiener außkommen, vnd noch zwo personen mit růthen hart gestrichen worden“. Der Benediktoner-Abt Gaisser berichtet über die Verschiffung schwedischer Gefangener des Obristen John Forbes de Corse von Villingen nach Lindau (1633); STEMMLER, Tagebücher Bd. 1, S. 319: „Abschreckend war das Aussehen der meisten gemeinen Soldaten, da sie von Wunden entkräftet, mit eigenem oder fremdem Blute besudelt, von Schlägen geschwächt, der Kleider und Hüte beraubt, viele auch ohne Schuhe, mit zerrissenen Decken behängt, zu den Schiffen mehr getragen als geführt wurden, mit harter, aber ihren Taten angemessener Strafe belegt“. Gefangene waren je nach Vermögen darauf angewiesen, in den Städten ihren Unterhalt durch Betteln zu bestreiten. Sie wurden auch unter Offizieren als Geschenk gebraucht; KAISER, Wohin mit den Gefangenen ?, in: http://dkblog.hypotheses.org/108: „Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als ‚toller Halberstädter’, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? Am 1. Juli a. St. wies er die Stadt Göttingen an, die gefangenen Kriegsknechte nicht freizulassen; vielmehr sollte die Stadt sie weiterhin ‚mit nottürfftigem vnterhalt’ versorgen, bis andere Anweisungen kämen. Genau das geschah wenige Tage später: Am 7. Juli a. St. erteilte Christian seinem Generalgewaltiger (d. h. der frühmodernen Militärpolizei) den Befehl, daß er ‚noch heutt vor der Sonnen vntergangk, viertzig dero zu Göttingen entthaltenen gefangenen Soldaten vom feinde, den Lieutenantt vnd Officiers außsgenommen, Laße auffhencken’. Um den Ernst der Anweisung zu unterstreichen, fügte er hinzu, daß dies ‚bei vermeidung vnser hochsten vngnad’ geschehen solle. Der Generalgewaltiger präsentierte daraufhin der Stadt Göttingen diesen Befehl; bei der dort überlieferten Abschrift findet sich auf der Rückseite die Notiz vom Folgetag: ‚Vff diesen Schein seindt dem Gewalthiger 20 Gefangene vff sein darneben mundtlich andeuten ausgevolgtt worden’. Der Vollzug fand also offenbar doch nicht mehr am 7. Juli, am Tag der Ausfertigung des Befehls, statt. Aber es besteht kaum ein Zweifel, daß zwanzig Kriegsgefangene mit dem Strang hingerichtet wurden. (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 2 Kopie; der Befehl an die Stadt Göttingen vom 1.7.1623 a.St. ebd. fol. 32 Ausf.)“. Teilweise wurden Gefangene auch unter den Offizieren verkauft; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 607 (Schweinfurt 1645). Zur Problematik vgl. KAISER, Kriegsgefangene in der Frühen Neuzeit, S. 11-14.

[8] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 241.

[9] Treysa, heute Teil von Schwalmstadt [Schwalm-Eder-Kreis].

[10] Hans [Johann] Ludolf [Rudolf] Freiherr v. Breda [Bredaw, Bredau, Brettau, Brede, Breda, Bredon] [um 1595-14.11.1640 bei Riebelsdorf], kaiserlicher Feldmarschall.

[11] Loshausen, heute Ortsteil von Willingshausen [Schwalm-Eder-Kreis].

[12] Niedergrenzebach, heute Stadtteil von Schwalmstadt [Schwalm-Eder-Kreis].

[13] Steina, heute Ortsteil von Willingshausen [Schwalm-Eder-Kreis].

[14] Leimbach, heute Ortsteil von Willingshausen [Schwalm-Eder-Kreis].

[15] Ransbach, heute Ortsteil von Willingshausen [Schwalm-Eder-Kreis].

[16] Zella, heute Ortsteil von Willingshausen [Schwalm-Eder-Kreis].

[17] Salmshausen, heute Ortsteil von Schrecksbach [Schwalm-Eder-Kreis].

[18] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[19] Velitatio: Geplänkel; Neckerei.

[20] Ziegenhain, heute Stadtteil von Schwalmstadt [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 483ff.

[21] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[22] Hans Matthias Freiherr v. Pienzenau [Bentzenau, Bentzenauer, Bentenau, Benzennau, Banzenau, Penzenau] v. u. zu Wildenholzen [ – ], kurbayerischer Obrist.

[23] [Bad] Homburg v. d. Höhe [Obertaunuskreis]; HHSD IV, S. 23ff. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 200.

[24] Friedberg [Wetteraukreis], HHSD IV, S. 145ff.

[25] General(feld)wachtmeister [schwed. Generalmajor]: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer. In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.

[26] Gil [Gilles, Gilli, Chill] de [di] Haes [Hasi, Haas, Haß, Hasa, Hassia, „Schillerhaas“] [22.4.1597-1657], bayerischer, kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[27] Franz Freiherr v. Mercy [Merci, Merse], Herr zu Mandre u. Collenberg [zwischen 1580 u. 1590 Longwy (Lothringen)-3.8.1645 Alerheim], kurbayerischer Feldmarschall. Vgl. HERBERT, Franz von Mercy.

[28] Obrist [schwed. överste, dän. oberst]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. In besetzten Städten (1626) wurden z. T. 920 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15). Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm als Obrist und Hauptmann der Infanterie 800 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Zur brandenburgischen Armee heißt es; OELSNITZ, Geschichte, S. 64: „Fälle, daß die Obersten mit ihren Werbegeldern durchgingen, gehörten nicht zu den größten Seltenheiten; auch stimmte bei den Musterungen die Anzahl der anwesenden Mannschaften außerordentlich selten mit den in der Kapitulation bedingten. So sollte das Kehrberg’sche [Carl Joachim v. Karberg; BW] Regiment 1638 auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Es wurde dem Obersten der Proceß gemacht, derselbe verhaftet und kassirt. Aehnlich machte es der Oberst Rüdiger v. Waldow [Rüdiger [Rötcher] v. Waldow; BW] und es ließen sich noch viele ähnliche Beispiele aufführen“. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nichts anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. OELSNITZ, Geschichte, S. 64f.: Der kurbrandenburgische Geheime Rat Adam Graf zu „Schwarzenberg spricht sich in einem eigenhändigen Briefe (22. August 1638) an den Geheimen Rath etc. v. Blumenthal [Joachim Friedrich Freiherr v. Blumenthal; BW] sehr nachtheilig über mehrere Obersten aus und sagt: ‚weil die officierer insgemein zu geitzig sein und zuviel prosperiren wollen, so haben noch auf die heutige stunde sehr viele Soldaten kein qvartier Aber vnter dem schein als ob Sie salvaguardien sein oder aber alte reste einfodern sollen im landt herumb vagiren vnd schaffen ihren Obristen nur etwas in den beutel vnd in die küch, Es gehöret zu solchen dantz mehr als ein paar weißer schue, das man dem General Klitzingk [Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing; BW] die dispositiones vom Gelde und vonn proviant laßen sollte, würde, wan Churt borxtorff [Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff; BW] Pfennigmeister vnd darvber custos wehre der katzen die kehle befohlen sein, wir haben vnd wissen das allbereit 23 Stäbe in Sr. Churf. Drchl. Dienst vnd doch ist kein einsiger ohne der alte Obrister Kracht [Hildebrand [Hillebrandt] v. Kracht; BW] der nit auß vollem halse klaget als ob Man Ihme ungerecht wehre, ob Sie In schaden gerieten, Man sol sie vornemen Insonderheit die, welche 2000 zu lievern versprochen vnd sich nit 300 befinden vndt sol also exempel statuiren – aber wer sol Recht sprechen, die höchste Im kriegsrath sein selber intressirt vnd mit einer suppen begossen“. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik 3. Bd., S. 504. Die z. T. für den gesamten Dreißigjährigen Krieg angenommene Anzahl von rund 1.500 Kriegsunternehmern, von denen ca. 100 bis 300 gleichzeitig agiert hätten, ist nicht haltbar, fast alle Regimentsinhaber waren zugleich auch Kriegs- bzw. Heeresunternehmer. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; BOCKHORST, Westfälische Adelige, S. 15ff., REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[29] Alexander v. Neuneck [Neinögg] zu Glatt [1598-1645], kurbayerischer Obrist.

[30] Kroaten: kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten, des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteien“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Vgl. GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 85 (1630): „Die Crabaten litten dieser Zeit von den Schwedischen viel schaden / weil es bey ihnen viel stattliche Beuten gab. Dann sie hatten theils Gürtel voller Gold und Silber vmb den Leib / auch gantze Blatten von Gold vnd Silber geschlagen vor der Brust“. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“, S. 75: „In einer Supplik der niederhessischen Stände an Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aus dem Jahr 1637 heißt es beispielsweise, die „unchristlichen Croaten“ hätten ‚den Leute[n] die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, die augen außgestochen, Nägel in die Köpff und Füsse geschlagen, heis Blech, Zinn und allerhand Unflat, durch die Ohren, Nasen und den Mund, in den Leib gegossen [und] etzliche durch allerhand Instrumenta schmertzlich gemartert’ “. http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 41: „Diese [Kroaten; BW] nach dem sie die Thor deß Stättleins [Penkun (LK Vorpmmern-Greifswald); BW] zerbrochen / haben sie mit grossem Grimm auff dem Schloß / in der Kirche / in der Pfarr / in den Häusern / Ja auch unerhörter Weise in den Todtengräbern gesuchet: Das Korn theils außgetroschen vnnd hinweg geführet / theils auch zertretten / die Inwohner hefftig geschlagen vnnd biß auff den Todt gemartert / daß sie solten sagen / on sie Gelt vergraben hetten / vnder denselben haben sie auch deß Pastorn nicht verschonet / der ihnen doch vor diesem alle Ehr vnnd Freundschafft erwiesen: Vnnd welches das allerärgste / haben sie Weibspersonen genothzüchtiget vnd geschändet / vnnd so sich etliche im Wasser vnder dem Rohr / oder sonst verborgen / haben die Crabaten / als deß Teuffels rechte Spürhund / solche auffgesucht / vnd wie das Vieh zur Vnzucht vor sich hergetrieben / auch ein theils Mannspersonen / so ihre Weiber vnnd Kinder wider solchen Teufflischen Muthwillen vnnd Gewalt vertheidigen wollen / jämmerlich erschossen vnd nidergehawen. Vnd dergleichen Vnzucht haben sie auch an Mägdelein von acht vnnd zehen Jahren zu treiben vnd am hellen Tag auff den Kirchhöfen / öfffentlichen Gassen vnd Gärten zu begehen / sich nicht geschewet“. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“, bzw. die Aufzeichnungen des Pfarrers Lucas, Trusen (Anfang Januar 1635); LEHMANN, Leben und Sterben, S. 129: „[…] die Dorfschaften sind nacheinander alle ausgeplündert, die Leute übel geschlagen und beraubt worden, einige tot geblieben, Elmenthal und Laudenbach und Heßles sind ganz ledig [menschenleer] diese Zeit über gestanden, alles an Heu, Stroh, Holz hinweg ist geführt worden, das Getreide in den Scheunen ist ausgedroschen oder sonst verdorben worden, die Häuser sind zerschlagen, das Eisenwerk an Türen und Läden, Bratkacheln, Ofenblasen sind ausgebrochen und hinweg genommen worden [ …] sind über 300 Kroaten zu Elmenthal und Laudenbach gewesen, dort geplündert und folgenden Tag nach Brotterode gezogen und dort auch großen Schaden verübt, indem sie allein 100 Pferde allhier weggenommen, des anderen Viehs zu geschweigen, mancher Mensch ist übel traktiert worden, viele sind in großen Schaden gekommen, zu Herges sind alle Pferde hinweg genommen, desgleichen mehrentheils auch die Schafe und jungen Lämmer, in der Auwallenburg sind über 3 Kühe nicht verblieben, sondern alle hinweg genommen worden […]“.THEATRUM EUROPAEUM 2. Band, S. 630 (1631): „Den 10. Martii sind die Crabaten ein halbe Meil von der Prager Newstatt / zimblich starck zu Roß vnnd Fuß ankommen / ein schönes Dorf Micheln genant / in Brand gesteckt / Mann / Weib / vnnd Kinder / was nicht entlauffen können / entweder nidergehawen oder ins Fewer gejaget : ist also groß Elend gewesen. Das verbrandte Stroh hat der Wind / weil er gleich darbey entstanden / biß nach Prag gar auff die Brücke getrieben. Die Sächsische haben sich zwar alsbald zu Roß vnnd Fuß hinauß begeben / in Meynung sich an die Crabaten zumachen: aber selbige hatten sich vor jhrer Ankunfft schon weg gemacht / vnd vnderwegens noch etliche Dörffer angezündet“. WERTHER, Chronik der Stadt Suhl 1. Bd., S. 226f. (1634): „In einem Umlaufschreiben wies die gemeinschaftliche Regierung und das Consistorium zu Meiningen darauf hin: ‚Es gehen viele und große Sünden wider das sechste und siebente Gebot im Schwange, da die Weibspersonen sich leichtfertig an die Croaten gehänget“. Gefangene Kroaten wurden schon unter Gustav II. Adolf von den Schweden in ihre Kupferbergwerke verbracht; THEATRUM EUROPAEUM 2. Bd., S. 349; METEREN, Newer Niederländischen Historien Vierdter Theil, S. 87.

[31] Kürassier, Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder) [schwed. kyrassiär, dän. kyrassér]: Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment – und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Schwert, Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens 16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[32] Dragoner [schwed. dragon, dän. dragoon, frz. dragon]: leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Der Dragoner war im Prinzip ein berittener Musketier (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. So sprechen auch Zeitgenossen in der Regel von Reitern und Dragonern. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Teilweise machte man auch Unberittene zu Dragonern, indem man ihnen ein Pferd und eine Muskete gab; SCHWARZ, Die Neumark, S. 52. Des Öfteren führten Dragoner am Sattelknopf kleine Äxte mit, um Hindernisse entfernen oder sich auch zeitweise selbst verteidigen zu können. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte auch Sicherung und Deckung von Konvois, Patrouillen, Angriffe aus dem Hinterhalt, Bildung der Vor- und Nachhut. Ausführlich dargestellt bei ENGERISSER, Von Kronach, S. 468ff., FLIEGER, Die Schlacht, S. 123ff. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Ein schwedisches Dragonerregiment soll zu einem Drittel aus Zigeunern bestanden haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Zu den Waffen vgl. http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Bewaffnung.html.

[33] Obristwachtmeister [schwed. major, dän. oberst sergent]: Der Obristwachtmeister mit einem monatlichen Sold von 40 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] oder 50 fl. – nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der Infanterie 240 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460, in besetzten Städten (1626) wurden z. T. 320 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , also 600 fl. (900 R.) jährlich, was 1634 dem Monatssold eines Obristen entsprach oder dem Jahresgehalt eines bayerischen Hofrats – entsprach vom Rang her dem Major in der schwedischen Armee. Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte er für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Daneben war er zum Teil auch Rittmeister, um seinen Sold aufzubessern.

[34] Gemeint ist Leopold III., genannt „der Heilige, der Milde oder der Fromme“ [1073 Gars am Kamp oder Melk-15. 11. 1136 bei Klosterneuburg], der Landespatron v. Österreich, dessen Gedenktag eben der 15.11. ist.

[35] Es sollten keine Gefangenen gemacht werden => Quartier: Pardon, Gnade. Das hing zumeist von den Möglichkeiten ab, sich zu ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29. Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph 3. Bd., S. 450. Nach Lavater, KRIEGSBüchlein, S. 66f., hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinerlei Anspruch auf Quartier (Pardon): „Wann aber ein Soldat eine eiserne / zinnerne / in speck gegossene / gekäuete / gehauene / oder gevierte Kugel schiesset / sol man ihm kein Quartier halten. Alle die / so gezogene Rohre oder Füseschlosse führen führen / haben das Quartier verwürckt. Item / alle diejenigen / die von eisen geschrote / vieregkichte / und ander Geschröt / und Stahel schiessen / oder geflammete Tegen haben / sol man todtschlagen: auch alle diejenigen / so man in einem Land / welches preis gegeben wird / vor dem Feind antrift / sol man henken lassen: Auch alle Spionen haben kein Quartier / sonder sollen ohn alle gnad gehenkt werden. Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen. Item / alle diejenigen / so ohne Paßporten zum Feind überlauffen / und wider ergriffen werden / sol man todtschlagen“. Auch wurde beim Angriff zum Teil die Parole ausgegeben, kein Quartier zu gewähren; THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 609f. (Treffen bei Haselünne 11.1.1636). Doch selbst die Gewährung von Quartier bedeutete nicht, danach noch getötet zu werden.

[36] Major [schwed. major, dän. major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie und 300 fl. bei der Kavallerie.

[37] Johann v. Ratschin [Rašín] [ – ], schwedischer Major.

[38] Kompanie [schwed. kompani, dän. kompany]: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, doch wurden Kranke und Tote noch 6 Monate in den Listen weiter geführt, so dass ihre Ist-Stärke bei etwa 70-80 Mann lag. Eine Kompanie zu Pferd hatte bei den Bayerischen 200, den Kaiserlichen 60, den Schwedischen 80, manchmal bei 100-150, zum Teil allerdings auch nur ca. 30. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[39] feiern: rasten, pausieren.

[40] Vol[l]mar [Wolmar, Woldemar] v. Rosen [ -1645 in Basel erstochen], französisch-weimarischer Obrist.

[41] Peter [Pál, Petrus] Freiherr v. Losy [Losey, Loysen, Loosi, Loßi, Loschi, Loschy, Lossii, Lossy, de Laucy, Lohse, Logy] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[42] Allendorf, heute Ortsteil von Bad Sooden-Allendorf [Werr-Meißner-Kreis], HHSD IV, S. 33f.

[43] Obristleutnant [schwed. Överstelöjtnant, dän. oberstløjtnant]: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] und 150 fl. bezog – in besetzten Städten (1626) wurden z. T. monatlich 400 Rt. erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 – , in der brandenburgischen Armee sogar 300 fl. Nach Wallensteins Verpflegungsordnbung (1629) standen ihm bei der Infanterie 320 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian I. hatte Tilly den Ersatz der „unkatholischen“ Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann oder Rittmeister einer Kompanie, so dass er bei Einquartierungen und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[44] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen, deren Verlust im Kampfe oder bei der Kapitulation als Verlust der Ehre empfunden wurde. Im Kampf und bei Belagerungen erbeutete Standarten waren dagegen Zeichen des bewiesenen Mutes der Einheit und einzelner Soldaten, so dass ihre Anzahl in zeitgenössischen Berichten meist verzeichnet war.

[45] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153. Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Auf der Suche nach Beute wurden sogar Latrinen erfolgreich durchsucht; SAUERLÄNDER, Geschichte der Stadt Lüdenscheid, S. 107. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“. Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f. Der Überlinger Pflummern berichtet in seinem Tagebuch unter dem 4.5.1635; SEMLER, Tagebücher, S. 199: „Vmb dise zeitt daß rauben, stehlen vnd plündern auff dem landt, sonderlich vmb die statt Veberlingen daß tägliche handwerckh geweßt, dan nirgendts ein remedium, kein zucht noch kriegsdisciplin, vnd hatt obrist von Ossa zu Lindaw selbst denen, so vmb abstellung diser straßenraubereyen bei ihme angehalten (der jedoch auf dieses landts defension vom kayßer patenten empfangen) sollche abzustellen nicht möglich, dan wie er discurrirt, müeße der kayßer knecht haben, die knecht müeßen geessen haben, müeßen auch wol gemundirt seyn, vnd müeßen noch darzu fir andere ihr notturfft ein stuckh gellt im peüttel haben, ergo sollen vnd mögen sie stehlen, rauben vnd plündern, waß vnd wa sie finden“. Teilweise waren sogar Pfarrer mit auf Beute ausgezogen“. STÜNKEL, Rinteln, S. 20: „Im Oktober [1623; BW] erhält der Rat Kenntnis von einer für die Stadt sehr unangenehmen Angelegenheit, die unter Umständen die schwerstwiegenden Verwicklungen nach sich ziehen konnte. Uns aber zeigt dieses Vorkommnis, wie sehr schon in den ersten Jahren des Krieges die Moral der Bürgerschaft gelitten hatte. Es handelt sich um folgendes: Bürger der Stadt haben von den kaiserlichen Kriegsvölkern Seiner Exzellenz des Grafen von Tilly, die links der Weser von Exten bis Hemeringen lagerten, unter anderem gestohlenes Vieh gekauft und es durch Tillysche Soldaten nach Rinteln bringen lassen. Bei der Rückkehr von der Stadt in ihre Quartiere haben diese Kriegsknechte die Kirche in Hohenrode aufgebrochen und ausgeplündert. Als der Rat am 2. Oktober davon erfährt, ordnet er sofort eine Untersuchung über diese Vorkommnisse unter den Bürgern und Bürgerschützen an. Dabei stellt sich heraus, daß nicht nur einzelne Bürger im Tillyschen Lager gewesen sind, sondern daß auch Schützen aus allen Korporalschaften die scheinbar billige Kaufgelegenheit wahrgenommen haben und daß in diese schmutzige Angelegenheit, denn es handelt sich ja meist um gestohlene Sachen, nicht nur die Männer, sondern auch deren Ehefrauen und Dienstmädchen und auch die Schutzjuden verwickelt sind. Bürgermeister Curt Hanes Magd hat von den Soldaten Kleider gekauft, ein Knecht dem Juden Leaser eine geringe Kuh für einen Taler abgenommen, ein Fremder hat zwei große Kessel mitgebracht, die Frau von Carl Schnar hat elf Kuhhäute für 4 Tonnen Broihan eingehandelt, Carsten Bohne hat einen Krug für 2 ½ Groschen, Jürgen Bennemanns Magd einige Kleider, Lewin Storck eine Kuh für 2 ½ Taler, Hans Rosemeyer zwei Kühe und ein Rind für 7 Taler gekauft. Andere haben eingehandelt ein Pferd für fünf Koppstück, eine Büchse für einen Taler, Kessel, Messingkannen, Schaffelle, ein Leibstück für drei Brote, fünf Schlösser, die aus dem Hause von Wartensleben in Exten stammten – der Käufer behauptet aber, sie dem früheren Besitzer schon wieder angeboten zu haben – , Feuerschlösser, 15 Stück Leder, Mäntel und Leinwand, ein altes Feuerrohr, Degen, einen Messingkessel für einen Hut, einen kupfernen Kessel für zwölf Groschen, ein Bandelier, eine Kuhhaut, ‚so durchschossen‘, für 2 Koppstück, einen kleinen ‚Pott‘, ein Leinenlaken, ein Stück Samt, Wollgarn usw. Einer kaufte eine Axt von einem Soldaten, ‚der ihn Hungers halber um Gottes Willen gebeten, ihm ein Brot dafür zu geben‘ “.

[46] Nikolaus Földvary [Felduari, Felduary, Feldtwari] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[47] Schwadron, Esquadron [schwed. skvadron, dän. squadron]: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug). Die Schwadron war in der Regel eine taktische, selbstständig operierende Infanterie- oder Kavallerieeinheit, die nur für die jeweilige Schlacht aus verfügbaren Einheiten gebildet wurde, meist aus einem Regiment bestehend. Nach Bedarf konnten a) bestehende zahlenmäßig starke Regimenter geteilt oder b) schwache Regimenter zu einer Schwadron zusammengelegt werden; SCHÜRGER, Archäologisch entzaubert, S. 380.

[48] Muss heißen stylus novus: neue Zeitrechnung !

[49] Georg Druckmüller [Truckmüller, Truckmiller] v. Mühlburg, Freiherr zu Prunn, Herr zu Roggenstein [ -27.4.1659], kurbayerischer Feldmarschallleutnant.

[50] Furi: Kampfeseifer, Wut.

[51] Scharmützel [schwed. skärmytsling, dän. skirmish: Unter Scharmützel (ital. „scaramuccia“: Geplänkel, Plänkelei, Treffen) verstand man eines der vielen kleineren Gefechte oder Handgemenge, aus denen dieser Krieg bestand. Kleinere Armeeeinheiten oder Streifkorps, z. T. auch größere Verbände von bewaffneten Bauern (vgl. Harzschützen), traten hier in einen zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf ein. Auch Schlachten wurden zumeist mit Scharmützeln oder Plänkeleien eröffnet. Scharmützel waren in der Regel gekennzeichnet durch äußerste Brutalität. Allerdings konnten sie auch Auslöser eines größeren Treffens, einer Schlacht oder eines Krieges werden. Oft wurden Vor- oder Nachhut von Heeren durch Kroaten angegriffen, die in diesem kleinen Krieg bevorzugt eingesetzt wurden. Zum Teil kam es auch wegen der fehlenden Uniformierung zu verlustreichen Kämpfen mit eigenen Einheiten. oder „neutralen“ Einheiten. Am 15.1.1648 traf die kursächsische Besatzung Annabergs auf eine kaiserliche Streifschar, die man für Schweden hielt: „Beym Stillstand im Lande und instehenden Frieden ist doch im Gebürge beym Städtlein Thum ein seltzamer Scharmützel vorgegangen / indem dem 15. Jan. der in Annaberg liegende Obrist-Wachtmeister / Rudolph von Neitschütz / mit seinen zwo Compagnien auff den so genannten blinden Valentin / einen Kayserl. Rittmeister / welcher eine Raub-Parthie geführet / getroffen / daß bey diesem verwegenen Unternehmen unterderschiedliche geblieben und viel blessiret worden / auch in dieser scharffen Rencontre noch mehr auffgerieben werden sollen / wo nicht angeregter blinder Valten und Rittmeister Hanß Ernst einander erkennet und darauff beyderseits Partheyen von einander abgeführet hätten […]. Und dieser Thumische Scharmützel heisset catachrestice [seit der antiken Rhetorik unlogischer Gebrauch eines verwandten statt des nicht vorhandenen Ausdrucks] die Thumer Schlacht / wie Ihn weyland der gemeine Mann genennet hat“. MELTZER, Historia, S. 1363; ARNOLD, Annaberg, S. 283f.; GROHMANN, Obererzgebirge, S. 208. Der Erzgebirgschronist LEHMANN, Kriegschronik, S. 169f., datiert diesen Vorgang allerdings auf 1647: „Bey dem armistitio zwischen Chur-Saxen und denen Schwedischen wahr auch außbedinget worden, daß der Churfürst die streiffende rotten einfangen und sie verfolgen solte; das befahle der Churfürst allen Seinen regiementern in lande, und musten auch die 2 Compagnien, so auf den Annenberg, die Straßen bereiten und denen Mausparthien wehren. Nun wahr der keyßerliche leutenandt, insgemein der blinde Valtin [Valten Hanke; BW] genandt, mit 80 Pferden, meist Freyreutern auß Lignitz nach Erfurt und Eisenach gegangen den 12. Januarii, hatte bey Eckersberg die leipziger Fuhrleute, welche eine wagenburg gemacht und sich gewehret, theils uberwaltiget, 10 Personen todt geschoßen und 20 beschedigt, dargegen 2 tode gelaßen und ezliche beschedigte mitgenommen, darmit kam er biß nach Burckersdorf ins gebirg, griff do wieder die Leipziger fuhr an auß den gebirg. Alß solches die 2 Compagnien uff den Annenberg untter den Obrist-Wachmeister Rudolph von Neidschiz gehöret, sindt sie Churfürstlichen Befehl zue folge ihm entgegengezogen, derselben auf freyen felde bey den Städtlein Thum auf einer höhe angetroffen. Rittmeister Landtmann [Langmann] nimmt einen Cornet mit 20 Pferden zu sich, jagt voran und fragt, warumb er als freundt in Meißen so raube und streiffe, und weil der Valten kein gut word giebet, greyffen Sie beyde zum gewehr, Landtmann trift den Valten in arm, Valten aber schießt Landtmann auch wundt und den Cornet todt, seine reuter schneiden die beuten und Säcke voll sammet und seiden von Pferden und schoßen Sich mit den Churfürstlichen eine Virtelstunde herumb, daß von Churfürstlichen der Ritmeister (bekam 3 schöße), 1 leutenandt, 1 Cornet und 5 reuter tödtlich, 7 beschedigt. Der blinde Valten hatte 16 beschedigte, ließ 5 reuter und seine beute hinder sich und ging eilendt in Böhmen. Das ist geschehen den 15. Januar Freytag nach den 1. Sontag Epiphanias. Die keyßerlichen waren meist feste [durch magische Praktiken kugelfest, BW] sonst würden sie mehr eingebüst haben. Der Cornet wurde den 3. Februar zum Annenberg in die kirche begraben“.

[52] Neukirchen [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 342f.

[53] Fourage: Viehfutter, auch Unterkunft und Verpflegung für die jeweilige Einheit. Die Fourage musste von der betreffenden Garnisonsstadt und den umliegenden Dörfern aufgebracht werden und war an sich genau geregelt; vgl. auch die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Wrangels Kammerordnung, Bregenz, 20.2.1647, sah vor; HELLER, Rothenburg, S. 362: „Fourage: Auf jedeß Dienst Pferd Monatlich 8 Scheffel Haber Erfurtisch Meeß [1 Scheffel = 59, 6132 Liter], 360 Pfund Hewe, 6 Gebund Stroh; auf die Bagagepferd wird halb so viel Futter alß auf ein Dienst Pferd gereicht“. Natürlich wurde gegen die Bestimmungen immer wieder verstoßen.

[54] Johann Müller [Miller, Moller] [ – 24.8.1641 bei Asseburg], schwedischer Obrist.

[55] Generaladjutant [schwed. adjutant allmänt, dän. adjutant general]: Der Generaladjutant war ein dem Stab des Regiments bzw. dem Generalquartiermeister oder dem Feldmarschall zugeordneter Adjutant und für die mündliche Befehlsübermittlung zuständig.

[56] N de Charlouna [ – ], weimarisch-französischer Generaladjutant.

[57] Bastant: zum Widerstand bereit.

[58] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 200f.

[59] Amöneburg [LK Marburg-Biedenkopf]; HHSD IV, S. 10ff.

[60] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr., in der brandenburgischen Armee auf 8 fl. 10 gr. = 7 Rtl. 2 Gr; nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt“. In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt gefrorn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaider und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. Gallas selbst schrieb am 25.1.1638 dem Kaiser; ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg Bd. 3, S. 222: „Mochte wohl den Stein der erd erbarmen zuzuschauen, wie die arme knecht kein kleid am leib, keine schuh am fuße, die reiter keine stiefel oder sattel haben, auch den mehrerteil sich freuen, wenn sie nur die notdurft an eichelbrot bekommen können“. => Verpflegung. In den Feldlagern (über)lebte er unter den schwierigsten Bedingungen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3, 4 Jahren. Bei Gefangennahme oder Stürmen auf eine Stadt lief er immer Gefahr, getötet zu werden, da für ihn keine Ranzion (Lösegeld) zu erwarten war, oder wenn eine Untersteckung unter die eigenen Truppen nicht notwendig erschien. Generell wurden jedoch „teutsche Knechte“ gegenüber etwa den „Welschen“ bevorzugt übernommen.

[61] Leutnant [schwed. Löjtnant, dän. Løjtnant]: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-80 fl. – zumindest wurden in den besetzten Städten monatlich 80 Rt. (120 fl.) erpresst; HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermark, S. 15 -, was etwa dem Sold eines bayerischen Kriegsrats entsprach. Nach Wallensteins Verpflegungsordnung (1629) standen ihm bei der infanterie 60 Rt. monatlich zu; KRAUSE, Urkunden 1. Bd., S. 460. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 52f.: „Ein Leutenant wird von dem wörtlein Lieutenant, quasi locum tenens, Ort / Platz / Stell- oder Statthalter eines Capitains genant / diweil er in abwesen seines Capitains desselben Stell verwaltet / er könnte auch der Unterhaubtmann geheissen werden. Ein solcher sol ein dapferer / aufrichtiger / Kriegsgeübter / und praver Cavalier seyn / und ist dem Capitain der nächste: in dessen abwesen commandiert er follkommen / und hat auch in gegenwart des Capitains den gantzen Befehl über die Compagnie: dann wann dem Capitain von dem Regiment etwas anbefohlen wird / so gibt er dem Leutenant Ordre / wie er sich in einem und anderem verhalten solle / der dann durch seine nachgesetzte Officier den Befehl follstrecken laßt: Dieser sol auch des Capitains guten Namen / Ehr / und Reputation lieb haben und schirmen / alß sein eigen Leben und Ehr / und sich sonderlich dem Capitain um dapfere und versuchte Soldaten umschauen / auch wie er die Soldaten logiren und wol einquartieren möge: Darneben soll er fleissig achtung geben / daß alles gleich zugehe / nach guter ordnung und ohne klag. Alle Abend sol er sich auf der Parade finden lassen / und sehen / wo mangel erscheine: ob auch die Parade / Wacht / und Ordre wol angestellet und gehalten werden: dagegen sol er sich in seinem Commandement gravitetisch und ernsthaft erzeigen / daß ihn seine untergebene Officier und Soldaten ehren / und so wol alß den Capitain fürchten. Die Soldaten werden auch durch ihn gestraft / und ligt ihme aller Last auf dem hals: dann so er die Compagnie nicht versehen müßte / mangelte man keinen Leutenant. Sein Oberwehr ist eine Partisane / er thut keine Wacht / alß die Haubtwacht / da die Compagnie wachet. Er sol auch die Corporalschaften an Mannschaft gleich außtheilen / und keiner mehr versuchte Soldaten geben alß der anderen / daß einer die besten / ein anderer aber die schlechtesten Soldaten habe / woran in einer Occassion vil gelegen ist: Er sol den strafwürdigen streng / den gehorsamen aber gutthätig seyn: Er sol auch aller Soldaten humores erkennen. In summa / er sol wüssen in abwesen des Capitains die Compagnie mit satsamer genugthuung zuregieren / alß wann der Capitain selbst zugegen were / und beyde Officia unklagbar zuverwalten“.

[62] Kornett [schwed. kornett, dän. cornet]: Der Kornett führte die kleinste Einheit der Reiterei mit eigenen Feldzeichen, entsprach der Kompanie; 1 berittene Kompanie hatte in der kursächsischen Armee ca. 125 Pferde, 1 schwedische Reiterkompanie umfasste in der Regel 80 Mann. Der Kornett erhielt ca. 50 fl. Monatssold; z. T. wurden allerdings 240 Rt. (!) in besetzten Städten (1626) erpresst (HEIMATMUSEUM SCHWEDT, Die Uckermarck, S. 15). => Fähnrich; Fahne.

[63] GOTTFRIED, Historische Chronicka 2. Teil, S. 751.

[64] Georg Gregor Peringer v. Pernberg [ – ], kaiserlicher Hofbeamter.

[65] Wenzel [Václav] Eusebius Fürst v. Lobkowitz [z Lobkovic], Herzog v. Sagan [30.1.1609-22.4.1677 Raudnitz], kaiserlicher Obrist, Generalwachtmeister, Kriegsratsvizepräsident. Vgl. WOLF, Lobkowitz; GMELINE; BARKER, Army, S. 112-117.

[66] Kirchhain [LK Marburg-Biedenkopf]; HHSD IV, S. 269f.

[67] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1104; WREDE, Wehrmacht III/2, S. 436. Bei HOLTZ, Holtz, S. 80, lag die Ursache darin, dass Breda ohne die Verstärkung durch Franz von Mercy abzuwarten voreilig angegriffen habe.

[68] Velten [Valentin] Muhly [ -Juni 1656 Ziegenhain], Kapitän in Ziegenhain.

[69] HHSD IV, S. 483.

[70] SCHLOTTER, Acta, S. 327.

[71] Everhard Wassenberg [9.11.1610 Emmerich-nach 1668], Historiograph, Diplomat. Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[72] Schlacht bei Jankau am 6.3.1645: 16.000 Mann schwedische Truppen unter Feldmarschall Torstensson besiegten ein kaiserliches Heer von 18.000 unter Feldmarschall Johann von Götz, der in der Schlacht fiel. Die Kaiserlichen hatten 4.000 Tote und Verwundete zu beklagen, verloren 4.500 Gefangene (darunter auch Melchior von Hatzfeldt) und alle Geschütze. Die Schweden büßten 2.000 Mann ein. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 5. Bd., S. 672ff.

[73] WASSENBERG, Florus, S. 608.

[74] Leopold Wilhelm Erzherzog v. Österreich [5.1.1614 Wiener Neustadt-20.11.1662 Wien], kaiserlicher Feldherr. Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[75] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Generalleutnant. Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[76] Schüttenhofen [Sušice, Bez. Klattau, Tschechien]; HHSBöhm, S. 558.

[77] Böhmisch Krumau [Český Krumlov, Tschechien]; HHSBöhm, S. 53ff.

[78] Böhmisch Budweis [České Budějovice, Tschechien]; HHSBöhm, S. 46ff.

[79] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 590.

[80] Rudolf [Rudolfo] Graf Colloredo [Coloredo, Coloreto, Coleredo, Colredo, Kolloredo]-Waldsee [Wallsee] [2.11.1585 Budweis-24.2.1657 Prag], kaiserlicher Feldmarschall.

[81] Martin de Pachonhay [Paschewe, Baschaue, Bachonhai, Bachonhay, Pachanhai, Pacholry, Pachoy] [ – ], kaiserlicher Obrist.

[82] Jiří Śtépán Bruntálský Graf z Vrbna [Werba, Wrbna, Wirben, Wirbna, Würben, Wurby, Wolbrig, Wolbrink, Conte de] u. Freudenthal [ -1682], kaiserlicher Obrist.

[83] Pilsen [Plzeň, Tschechien]; HHSBöhm, S. 444ff.

[84] Albrecht Vejkart Freiherr v. Kapoun [Kappaun, Kapaun, Koppaun, Capaun, Cappaun, Compaun, Cospaun, Copaun, Copan] ze Svojkova [Soyhau, Schogkau, Svojkau, Swugen] [1609-1664], kaiserlicher Obrist.

[85] Brünn [Brno, Tschechien]; HHSBöhm, S. 68ff.

[86] Orfeo [Orpheo, Orpheus] conte di Strassoldo [Stralsoldo] [1572-26.1.1649 Ljubljana], kurbayerischer Obristleutnant, kaiserlicher Obrist.

[87] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.

[88] Ittermann Hannemann [Hennemann, Heneman] [ – ], kaiserlicher Rittmeister.

[89] Friedrich Unger [Ungar, Hungar], genannt „Masslechner“ [ – ], kursächsischer, dann kaiserlicher Obrist.

[90] N Graf v. Thurn [della Torre] [ – ], kaiserlicher Obristleutnant.

[91] Lettowitz [Letovice, Bez. Blansko; Mähren]; HHSBöhm, S. 332f.

[92] Nikolsburg [Mikulov]; HHSBöhm, S. 411ff.

[93] Jan [Johann, Jean] Freiherr van der Croon [de la Croon, Corona, Croen, Crona, Lacron, La Cron, von der Kron] [um 1600- 8.11.1665 Prag], kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

[94] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 606.

[95] Ernst Adalbert v. Harrach [4.11.1598 Wien-25.10.1667 Wien], Kardinal. Vgl. KELLER; CATALANO, Diarien; http://www.univie.ac.at/Geschichte/Harrach/harrach_zur_person.htm.

[96] Schlacht bei Zusmarshausen am 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne und Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[97] Günzburg [LK Günzburg]; HHSD VII, S. 259.

[98] Peter Melander Graf v. Holzappel [8.2.1589 Niederhadamar-17.5.1648 Augsburg], hessen-kasselischer, kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. HÖFER, Peter Graf Holzappel; GEISTHARDT. Peter Melander; LEINS, Soziale und räumliche Mobilität; LEINS, Peter Melander von Holzappel. Militärwirtschaft, Bündnisdiplomatie und Miniaturherrschaft im späten Dreißigjährigen Krieg. Phil. Diss. [in Arbeit].

[99] Muskete [schwed. musköt, dän. musket]: I. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, 1. Bd., S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung hatten jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete mit Forquette (Stützgabel), Bandelier und Kugelform kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5-4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm [vgl. auch GROTHE, Auf die Kugeln geschaut, S. 386, hier 16, 8-19,5 mm]. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Bis 220 Meter konnte man noch unter günstigen Voraussetzungen eine Trefferquote von 25 % erzielen. ENGERISSER, Von Kronach, S. 552: „Ab ca. 200 m Entfernung waren Musketenschüsse unter normalen Feldbedingungen gegen gepanzerte Soldaten praktisch ohne Effekt und ab 300 m verursachten sie gegen Ungepanzerte auch nur noch Prellschüsse. Die maximalen Schussweiten mit einer gut passenden und verdämmten Kugel lagen bei 350-400 m, d. h. nach spätestens 400 m senkte sich eine waagrecht abgeschossene Kugel in den Boden“. Vgl. „Luntenschloßmuskete, Suhl um 1630“. Online verfügbar unter: engerisser.de/Bewaffnung/Luntenschlossmuskete.html. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. II. Es gab auch Jagdmusketen mit kleinem Kaliber und langem Lauf, die von Scharfschützen verwendet wurden. Zum Teil machte man aus Unberittenen Dragoner, in denen man ihnen Musketen gab. SCHWARTZ, Die Neumark, S. 52. Da die Treffgenauigkeit der Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Der Preis für eine Muskete lag je nach Qualität zwischen 4 und 6 Rt., also zwischen 6 und 9 fl.

[100] Camillo Boccamaggiore [Bocca major], Freiherr v. Cropelli [ – ] Obriststallmeister Leopold Wilhelms, Obrist.

[101] KELLER; CATALANO, Die Diarien 2. Bd., S. 506.

[102] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 313.

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Cassianati [Cassini, Chassignetti ?], N [Niklas]

Cassianati [Cassini, Chassignetti ?] N [Niklas]; Obristleutnant [ – ] N [Niklas] Cassianati [Chassignetti ?] [ – ] soll 1645 als Obristleutnant in kaiserlichen Diensten gestanden haben.

Nach Aussage des Historiographen und Habsburg-Anhängers Wassenberg[1] in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ und des „Theatrum Europaeum“ soll er in der Schlacht bei Jankau[2] am 6.3.1645 in Gefangenschaft geraten sein.[3] Möglicherweise handelt es sich um den 1638 erwähnten Obristleutnant Chassignetti.

[1] Vgl. WASSENBERG, Everhard Wassenberg.

[2] 6.3.1645: 16.000 Mann schwedische Truppen unter Feldmarschall Torstensson besiegten ein kaiserliches Heer von 18.000 unter Feldmarschall Johann von Götz, der in der Schlacht fiel. Die Kaiserlichen hatten 4.000 Tote und Verwundete zu beklagen, verloren 4.500 Gefangene (darunter auch Melchior von Hatzfeldt) und alle Geschütze. Die Schweden büßten 2.000 Mann ein.

[3] WASSENBERG, Florus, S. 608; TJEATRUM EUROPAEUM 5. Bd., S. 679.

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Zúñiga [Suniga, Cuninga, „Don Felix“, „Don Fœlix“] y Guzmán [Gußmann, Gusman], Don Felix Conde de

Zúñiga [Suniga, Cuninga, „Don Felix“, „Don Fœlix“] y Guzmán [Gußmann, Gusman], Don Felix Conde de; Feldmarschall-Leutnant [1600- ]

Zúñiga y Guzmán, Felix Conde deZúñiga y Guzmán, Felix Conde de

Zúñiga[1] war ab dem 5.4.1644 kaiserlicher Generalfeldwachtmeister, ab dem 14.3.1649[2] Feldmarschall-Leutnant und Kommandeur eines Fußregiments, von den Soldaten und in zeitgenössischen Berichten meist „Don Felix“ genannt.

Am 30.9./10.10.1636 musste er als Kommandant von Gartz[3] vor den Schweden unter Feldmarschall Herman Wrangel kapitulieren. Dazu berichtet das „Theatrum Europaeum“: „Der Schwedische FeldMarschall Wrangel gab indessen den Käyserl. in der Marck Brandenburg gelegenen Guarnisonen gute Achtung auf alle Intentiones, und bemühete sich sehr / dieselbe auß einem und dem andern Orth zu vertreiben / wie er dann die Vestung Gartz / welche die Käys. bißhero starck besetzt hatten / wiederumb zu erobern ihn keine Müh verdriessen liesse. Nach dem er derohalben den 23. Septem. [3.10.; BW] von Stettin[4] nacher Penckhum[5] marschirt / und den 24. [dito [4.10.; BW] durch die außgeschickte Partheyen erkundschafftet / daß der Käys. Obriste Rostock das Stättlein Schweed[6] / welches mit starcken Schantzen und Reduiten versehen gewest / verlassen / und über die Oder geflohen / ist er alsbald fortgerucket / und Dienstags den 27. dito / Alt. Cal. [7.10.; BW] vor die Statt Gartz kommen / vor welcher er in selbiger Nacht zwo oder drey Battereyen auffgeworffen / und Mittwochs den 28. [8.10.; BW] wie auch an S. Michaels Fest / den 29. dito [9.10.; BW] / den Orth mit allem Ernst zu beschiessen angefangen. Da nun der darinn liegende Käys. Com̃endant Don Felix, den Ernst gesehen / ob er zwar die Statt zuverfechten entschlossen gewesen / hat er selbigen Abend einen Trompeter herauß geschickt / und einen Accord vom Feld-Marschall Wrangel begehren lassen: Dieweil er aber gar zu viel bedingen wöllen / ist mit Schiessen noch stärcker fortgefahren / und biß den 30. dito gegen Morgen continuirt worden / durch welches endlich der Commendant bewogen / auff nachgesetzte Conditionen den 30. dito [10.10.; BW] / mit 1200. Mann zu Roß und Fuß / benebenst 200. Paggagy-Wägen abzuziehen / und die meiste von den Soldaten sich unterstellen müssen.

Articul der Ubergab Gartz.

1. Daß die Statt noch heut gegen 4. Uhr nach Mittag Ihr. Excell. eingeraumet.

2. Die Werckstücke / Munition / sampt denen darinn jetztwesenden Vivres unbeschädigt und unruinirt gelassen.

3. Alle Uberläuffer außgelieffert.

4. Die Gefangenen auff freyen Fuß gesetzt / und alle Krancken behörlichen versorgt und abgeführt.

5. Denen Soldaten / so Lust zu dienen haben / ihr freyer Will gelassen: Und endlich

6. Die Bürger nicht spoliert / noch weiters bedrangt / oder einige zur Statt gehörige Sachen abgeführt werden sollen / etc.

Actum im Läger vor Gartz / den 30. Septemb. Alt. Cal. Anno 1636.

Philips Sadler

Don Felix de Cuninga“.[7]

Im „Theatrum Europaeum“ heißt es zu 1639: „Die Landsbergische[8] aber gingen im Augusto von dañen nach Frankfurt an der Oder[9] / welche Stadt sich ihnen gar bald ergabe / und mit 7000. Reichsth. Brandschatzung loßkauffte / worauff sie auch dem Hn. Grafen von Schwartzenberg sein Residentzhauß Sonnenberg[10] in selbiger Gegend gelegen / weggenommen“.[11] Wie aus den Ratsunterlagen hervorgeht, trat Liliehöök am 6.8.1639 mit dem Rat Frankfurts a. d. Oder in Verhandlungen. Als Unterhändler kam Lilieström. Am 8.8. erfolgte dann die schwedische Besetzung unter den Obristen Debitz [Georg v. Dewitz; BW], Steinberg und Schulman.[12] Weiter berichtet das „Theatrum Europaeum“: „Nach solchem machte sich der Obrist Debitz / mit 4. Regiment zu Pferd / und 2. zu Fuß / im Augusto an die Stadt Berlin / ehe er aber dahin ankam / wich die Guarnison von 400. Mann starck darauß / und reterirte sich in Spandau.[13] Er begehrte bey Aufforderung der Stadt / eine grosse Summa Gelts / welche auff 16000. Rthl. als vor beyde Städte / Berlin und Cölln[14] / und für die Landschafft auff 3000. gemittelt wurden. Nach welchem Accord er mit diesen 6. Regimentern eingelassen / nachmals aber im Sept. über diesen Accord und Einnehmung Schwedischen Volcks von Obrigkeit wegen eine starcke Inquisition zu Berlin gehalten / und Burgermeister Bleichschmied nach Spandau gesetzt worden.

Die Schweden verließen diese Stadt / wie auch Franckfurt an der Oder zeitlich / reparirten allein die Werck an Landsberg / und proviantirten selbigen Ort / dari˜nen sie 4. Metalline Stück / 5. Fahnen / samt viel gefangene Officirern bekommen / diese nach Stetin schickten / und folgends auff Großglogau[15] in Schlesien giengen / darinn der Käis. Obriste Don Felix commandirte“.[16]

Der Erzgebirgschronist Lehmann berichtet für den 20.4.1642 über eine der üblichen Auseinandersetzungen um die Quartiere: „Nach Mittag kam an Don Felix mit Fußvolck in die Stat [Marienberg;[17] BW], ritte auf das Chur-Saxische Commißarquartir zue und stritte sehr, warumb man ihme sein Quartier eingenommen. Der Commißarius legt die schult auf des Obristen Heisters Regiements-Quartirmeister. Do Don Felix denselben siehet, lest er vom Commißario ab und reitet in vollen Currier und mit dem blosen Degen auf den Quartirmeister, welcher pro defensione sein gewehr auch zuckt und stach den Don Felix durch den arm, hierauf schrey der Obriste nach seinen Pistolen, der Quartirmeister aber retterirte sich in des Obristen Heister Quartir“.[18]

Am 17.8.1642 schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Wietsch[19] an Rudolf von Colloredo, er möge die marschbereiten zwei Kompanien Zúñigas zur Armee abkommandieren, wo sie sehr benötigt würden.[20]

Er geriet in der 2. Schlacht bei Breitenfeld[21] am 2.11.1642 in Gefangenschaft.[22]

In der für die Kaiserlich-Kurbayerischen verheerenden Schlacht bei Jankau[23] war er am 6.3.1645 wieder in Gefangenschaft geraten. Eine zeitgenössische Quelle berichtet: „Indem die Schwedische Armee, wie oben gedacht, ihren Zug über Pilsen,[24] Horarziowitz[25] und Strakonitz[26] gegen die Muldau fortsetzte, gieng der General Hatzfeld selbiger stes zur Seite, bis beyde Theile ohnweit Janckow nahe zusammen geriethen und nur durch einen Berg abgesondert wurden. Den 24. Februarii rückte der Kayserliche lincke Flügel unter dem Feld=Marschall Götz so weit hervor, daß er wegen unbequemer Gegend nicht wieder zurücke konte, daher es zu einem harten Gefecht kam, worin der Feld-Marschall selbst auf dem Platz blieb, und sein Volck mit grossem Verlust den Kürtzern zog. Der Kayserliche rechte Flügel that zwar sein äusserstes, die Sachen wieder herzustellen; weil aber Torstenson selbigem von einer Höhe mit dem Geschütz hefftig zusetzen, und zugleich die Kayserlichen von der Reuterey und dem Fuß-Volck angreiffen ließ, wandten sich diese gegen einen Paß, liessen aber, zu Bedeckung dieses Rückzugs, einen bewachsenen Hügel mit Musquetiers besett. Als Torstenson zu Vertreibung derselben einiges Fuß-Volck mit 10. Regiments-Stücken vorausgehen lassen, fand selbiges die Kayserliche Armee hinter dem Berge in Schlacht=Ordnung, und ward mit Verlust gedachter Stücke zurück geschlagen. Nunmehr führte Torstenson alle sein Fuß-Volck herbey, worauf das Treffen erst recht angieng, und etliche Regimenter auf dem Schwedischen rechten Flügel ziemlich noth litten, und ein Theil der Kayserlichen Reuterey die Schwedische Bagage zu plündern begonte. Es wurde lang mit abwechselndem Glück gefochten, da aber der schwedische General=Major Douglas mit 3. Escadrons eine Kayserliche Brigade, so den Ihrigen lang zum Schutz gedienet, angreiffen und meistens niederhauen ließ, gerieth der Kayserliche rechte Flügel in völlige Unordnung, und 5. Kayserliche Escadrons, so von der Plünderung der Schwedischen Bagage zurücke kamen, wurden so übel empfangen, daß die meisten todt blieben oder sich ergeben mußten. Solchergestalt erhielten die Schwedischen einen vollkommenen Sieg, nachdem sie 3. bis 4000. Kayserliche erleget und über 4000. gefangen bekommen. Unter den letztern befanden sich der Feld-Marschall Hatzfeld, die Feld-Marschall-Lieutenants, Mercy und Bruay, die General-Wachtmeisters, Zaradetzky, Don Felix und Trautitsch, 7. Obersten, 9. Oberst-Lieutenants, 163. Ober- und über 100. Unter-Officiers, nebst 21 Trompetern und Pauckern. Von den Todten waren der Feld-Marschall Götz, der Oberste Graf Waldeck und einige Oberst-Lieutenants die vornehmnsten. Die Beute bestund aus 45. Standarten, 32. Fähnlein, 26. Stücken und allen Munitions-Wagen; die Bagage aber war theils in Tabor[27] geblieben, theils in Budweis[28] gelassen worden“.[29]

Piccolominis Informant Formarini hat am 12.3.1645 in Prag einen ausführlichen Bericht für seinen Gönner verfasst: Hatzfeldt hatte vom Kaiser den Befehl erhalten, eine Schlacht zu liefern. Am 6.3. gegen 8 Uhr früh stießen beide Armeen bei Jankau, drei Meilen vor Tabor[30] in Richtung Prag, aufeinander. Götz wollte am rechten Flügel die gegnerischen Reihen durchbrechen, die Infanterie zerschlagen und sich der Kanonen bemächtigen. Die Schlacht dauerte bis ein Uhr nach Mitternacht, die Männer beider Armeen kämpften verbissen und wollten das Schlachtfeld nicht räumen. Die beiden Gründe der Niederlage sind einmal in der ungünstigen Stellung der Kaiserlichen, zum anderen in dem Umstand zu suchen, dass Bruay sich zu weit vorwagte, die Bayern am linken Flügel ihm nicht rechtzeitig folgten und die Kanonen nicht eingesetzt werden konnten, während der Gegner aus seinen günstig aufgestellten Kanonen die kaiserliche Kavallerie ununterbrochen beschoss. Anderen Ansichten zufolge hätten die Bayern grundlos zu lange gezögert. Der Gegner stellte auf seinem rechten Flügel 24 und auf dem linken 20 Reiteresquadronen auf und beließ 10 Esquadronen mit 9 Infanteriebrigaden zu 500 Mann in der Mitte. Götz am rechten Flügel setzte seine größten Hoffnungen in Ottavio Piccolominis Regiment sowie in das von Don Guiseppe Piccolomini. Dessen Pferd wurde jedoch jedoch unter ihm getötet, er selbst verwundet, den einen zufolge ebenfalls getötet, während die Meisten sagen, er sei in Gefangenschaft geraten. In Prag ist Sergeant Pasquale aus dem Regiment Piccolomini mit 2 Kornetten und 100 gesunden und verwundeten Männern eingetroffen. Obristleutnant Krafft von Lammersdorff ist gefangen, 4 Kapitäne sind gefallen, vom ganzen Regiment blieben an die 200 Menschen am Leben. Pompeio erlitt zwei Beinverletzungen, Pallavicini einen Musketen- und einen Pistolenschuss in den Hals. Annibale Gonzagas Obristleutnant Warluzzel blieb auf dem Schlachtfeld, das Regiment verlor sieben Standarten. Ferner blieben Zuñiga und Traudisch mit der ganzen beklagenswerten Infanterie auf dem Felde. Über Hatzfeldt, der viele Regimenter befehligte, gebe es ebenso wie über Werth und Bruay keine Nachricht und man glaube, sie hätten sich mit einer kleinen Kavallerieeinheit nach Tabor gerettet. Auf der Seite des Gegners fielen (angeblich) Arvid Wittenberg, Johann Arndt von Goltstein, Mortaigne, die Verluste der Gegner sollen die der Kaiserlichen übertreffen – sieben- bis achttausend. In Prag verbreitete sich die Nachricht von 7 Uhr früh an, da die ersten fliehenden Reiter erschienen; gegen 11 Uhr trafen dann 1.000 Reiter mit Marquis Bassano ein, der sich sofort zur Meldung zum Kaiser begab. Die Minister beschlossen, dass der Kaiser aus Prag abreisen sollte und so verließ dieser um 2 Uhr nachmittags Prag, seine Heimat und sein Königreich, das er durch seine Gegenwart hatte vom Gegner befreien wollen, und bedeckte die Augen, die in Tränen standen, mit der Hand. Mit ihm entfernten sich alle Minister, viele Wagen und Reiter. Erst am Morgen des 8.3. machten sie in Pilsen Halt, am 9. in Mies,[31] übernachteten in Haid[32] und erreichten am 10. die Obere Pfalz. Von dort wollten sie entweder nach Regensburg[33] oder Innsbruck[34] weiterreisen. Er, Formarini, habe sich ebenfalls zur Abreise entschlossen.[35]

Am 28.8.1645 hatte Colloredo Gallas aus Prag geschrieben, er halte es im Hinblick auf die Umstände nicht für angebracht, Johann Georg I. ohne Beistand zu lassen. Ein weiteres Vorrücken Königsmarcks sollte unbedingt verhindert werden. Er habe Tetschen,[36] Leitmeritz und Grabstein[37] mit dem Regiment Zúñiga besetzt. Man dürfe den Kurfürsten von Sachsen nicht im Stich lassen. Aussagen von Kundschaftern zufolge habe Torstensson alles verfügbare Militär gegen Olmütz[38] kommandiert.[39]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher.

[2] SCHMIDT-BRENTANO, Kaiserliche und k. k. Generale, S. 115.

[3] Gartz a. d. Oder [Kr. Randow]; HHSD XII, S. 185ff.

[4] Stettin [Szczecin]; HHSD XII, S. 280ff.

[5] Penkun [Kr. Randow]; HHSD XII, S. 247f.

[6] Schwedt [Kr. Angermünde/Stadtkr.]; HHSD X, S. 351ff.

[7] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 710f.

[8] Landsberg/Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[9] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[10] Sonnenburg [Kr. Oststernberg]; HHSD X, S. 464.

[11] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 71.

[12] GRIESA, Frankfurt/Oder, S. 34, Anm. 14.

[13] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[14] Berlin-Neuköllln; HHSD X, S. 86ff.

[15] Glogau [Glogów]; HHSSchl, 127ff.

[16] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 71.

[17] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[18] LEHMANN, Kriegschronik, S. 138, Anm. +

[19] Wiese [Louka u Litvínova; Bez. Most].

[20] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1314.

[21] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f.

[22] RUDERT, Kämpfe, S. 148.

[23] Jankau [Jankov]; HHSBöhm, S. 226.

[24] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[25] Horažd’owitz [Horažd’ovice; Bez. Klattau]; HHSBöhm, S. 200f.

[26] Strakonitz [Strakonice]; HHSBöhm, S. 587f.

[27] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.

[28] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.

[29] Der Schwed‘ ist im Land, S. 51f.

[30] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.

[31] Mies [Stříbro]; HHSBöhm, S. 372f.

[32] Haid [Bor, Bez. Tachau]; HHSBöhm, S. 183f.

[33] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[34] Innsbruck, HHSÖ II, S. 500ff.

[35] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 531.

[36] Tetschen [Děčín]; HHSBöhm, S. 610ff.

[37] Grafenstein [Grabštejn, Bez. Reichenberg]; HHSBöhm, 169.

[38] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[39] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 656.

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Seestädt [Seestadt, Sehestedt, Seestätter, Seestett], Friedrich von

Seestädt [Seestadt, Sehestedt, Seestätter, Seestett], Friedrich von; Obrist [ -6.3.1645 bei Jankau] Seestädt, der aus der holsteinischen Linie der Familie stammte, stand als Obristleutnant[1] bzw. Obrist[2] in schwedischen Diensten.[3]

Im „Theatrum Europaeum“[4] heißt es zu 1642: „Dem von Königsmarck[5] aber zogen um diese Zeit 15. Compagn.[6] Lüneburg. erlassen Volcks unterm Obrist Pintsch[7] / und Obr. Lieutenant Seestätter zu / welche um den 25. Octobr. st. v. Hameln[8] fürüber giengen“.[9]

Am 23.3.1643 schrieb der schwedische Kriegskommissar[10] Brandt[11] aus Mansfeld[12] an Axel Lillie[13] und teilte ihm mit, dass Seestädt sich zum Feldzug rüste. Deshalb müsste an die beiden Kompanien in Duderstadt[14] und Nordhausen[15] der Befehl zum Aufbruch und Marsch nach Stolberg[16] erteilt werden.[17]

„In den ersten Tagen des Maymonats [1643; BW] kam ein starckes schwedisches Commando, so vom Obrist Mayer[18] abgeschickt war, auf unsern Stadtfeldern zum Vorschein, bemächtigte sich des bürgerlichen Nutzviehes um solches für die Schweidnitzer-Besatzung abzuholen. Die Bolkenhainischen[19] Vieh haltenden Bürger eilten zum Theil auf ihre Huttung und wollten sich ihre Kühe nicht nehmen lassen. Die Schweden, welche eine solche Begegnung als eine strafbare Widersetzlichkeit militairisch belohnten, massacrirten[20] viele Bürger auf eine erbärmliche Weise; einige, die nicht erschossen wurden, nahmen sie ohngeachtet ihrer Bleßuren gefangen mit sich fort, worunter sich ein gewißiger Hanß Ludewig befand, dem sie über dies noch alles genommen und nackend ausgezogen haben, der nachher durch die Seinigen mit 20 rthlr. ranzionirt[21] worden.

Kaum war dieser Schrecken von Unmenschlichkeit gegen wehrlose Bürger vorüber, so ward der Weichbildstadt[22] Bolkenhain von dem neuen Commandanten, Obrist Friedrich v. Seestädt, welcher den Obristen Mayer in Schweidniz abgelöset hatte unterm 26 May der Befehl zugefertiget, die Verpflegung seiner Truppen nach gegebener Vorschrift in gehöriger Qualität und Quantität zu leisten. Hierzu weiß er auch alle zum Weichbilde gehörigen Dorfschaften an, von jeder, die ausgeschriebene Lieferung, an das Magazien zu besorgen, unter der angehängten Bedrohung: falls man die Naturallieferung nicht nach regulirtem Modo pro rata[23] nicht einbringen würde, so sollte der Ort zu Behauptung seines Ansehens, täglich mit Feuer, Schwerdt, Verwüstung und allerhand feindlichen Verfolgungen heimgesuchet werden, wie denen Einwohnern vor wenig verstrichenen Tagen ein warnendes Beispiel für Augen gestellet worden sey, auch fernerhin noch härtere Strafen gewärtig sein sollten, wenn man sich dem Postulato gemäß, nicht pflichtmäßig fugen wurde. Die Bestürzung hierüber war allgemein, da man nicht im Stande war, die ausgeschriebene Naturallieferung aufzubringen, weil Bürger und Bauer ihre Brödterey schon bey einiger Zeit selber kaufen mußten, und ihre ohne dies geringen Vorräthe vom Feinde fouragirt[24] und geraubt worden war. Man wandte sich deshalb an den Kriegscommißarium Hans Heinrich von Grebel mit einer dem kläglichen Gegenstande angemessenen rührenden Vorstellung und zwar mit einem solchen Nachdruck, daß selbiger dadurch auf das lebhafteste und bis zu Thränen gerührt wurde. Er intercedirte[25] sich zwar, so viel in seiner Möglichkeit stand zum Besten der Stadt, verhinderte die angedrohten Zwangsmittel und bewirkte, daß nur ein Theil von der Ausschreibung abgeliefert werden durfte; allein das Elend der Bürger, die Noth der Landleute stieg und vermehrte sich täglich, denn alles was Freund und Feind fanden, ward genommen. Die Menschen konnten sich kaum des Hungers,[26] durch widernatürliche Mittel erwehren, bis die Erndte ihren entsetzlichen Hunger, der sie fast einem Todtengerippe ähnlich gemacht, wohlthätig stillte.

Am 18 October 1643. schrieb Seestädt, Sr. Königl Majestät und Reiche Schweden, bestellter Obrister zu Fuß und Commandant zur Schweidnitz, als er nach möglichster Verschwendung der aufgehäuften Vorräthe, Mangel an Lebensnothdurften fühle und eine nahe Belagerung besorgte, erschreckliche Lieferungen aus, die auch ohne weitere Nachsicht vom Kreise herbeygeschaft werden mussten“.[27]

Wie der Historiograph Wassenberg[28] in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ berichtet, war Schweidnitz[29] nach Blockade und Belagerung durch Kapoun[30] wieder in kaiserliche Hände gefallen: „So ist auch nunmehr [7./17.5.1644] die von den Schwedischen ingehabte Statt Schweinitz mit vergleich übergangen / vnd wider in Keyserliche Hände gerathen / daselbsten die gemeine Teutschen Knechte sich vnterstellen müssen / die Officirer aber vnnd andere seynd nach Groß-Glogaw[31] begleitet worden. Der verlust dieses Orts wird vornehmlich dem abgang deß Saltzes vnd Fleisches / weil sie mehr nicht dann nur noch 8. Pferde zu verzehren gehabt / beygeschrieben / darauff der Obriste Kappaun den 10. 20. dieses mit denen zu Schweinitz erlangten 6. Fahnen bey Herrn General Graffen von Gallas[32] in Prag wider angelanget“.[33]

Der schwedische Hofhistoriograph Bogislaw Philipp von Chemnitz [9.5.1605 Stettin-19.5.1678 Hallsta, Gem. Västerås] berichtet: „In Schweinitz, da Obrister Seestädt gelegen vnd die Riesengrünischen[34] Reuter bey sich gehabt, war zuforderst grosse hungersnoth. Dan wiewol Er, als der mangel eingerissen, eine grosse anzahl armer Leute, wie droben bereits erwehnet, ausgeschaffet, wollte es Ihm doch in die länge nicht helffen, sondern Er ward endlich, zu Tractaten sich zu bequemen vnd auf nachfolgende art vnd weise herauszuziehen, genothdrängt. Zuforderst muste Er die Soldaten zu Roß vnd fus, ausser den Officerern, ins gemein, aufn platz sich beysammen lassen: Da Sie vor Keyserliche angenommen worden. Nebenst deme Er, alle Munition, Proviant, Stücke,[35] vnd besonders die Stücke auf den Wercken, wie sie sich befunden, zu lassen, die Minen,[36] fewrwercke, oder was sonst zu schaden gereichen könnte, zu offenbaren, die LillieHöökische[37] vnd andere darin verbliebene sachen, imgleichen der Stadt Acten vnd was denen anhängig, vnverrückt zu hinterlassen, wie auch den Bürgern nichts zu entwenden, des H. von Gerstorff[38] Revers wieder herauszugeben, die Rancon vnd gefängnus, wie auch dergleichen mehr Prætensiones[39] ins gemein zu cassiren, keine versessene vnd rückstendige contributiones[40] von der Bürgerschafft, ob schon versicherung darüber gegeben, insonderheit vnd Namentlich aber keine Reste, vor sein vnd das Riesengrünische Regiment,[41] zu fordern, sondern die Obligationes[42] darüber zurück zu liefern, vnd damit zu tödten, versprochen vnd versprechen müssen. Auf sothane Bedinge ward der Accord[43] den fünfften tag MäyMonats [15.5.1644; BW] beschlossen, vnd, krafft dessen, das Streigische Thor, sambt der Burg, den Keyserlichen stracks übergeben: Worauff folgenden sechsten der abzug geschehen, vnd der Obriste, nebenst den Officirern, mit Ros vnd wägen, vnd dem ausländischen Volcke, Finnen,[44] Lapp-[45] vnd Schottländern[46] (wie die Formalien des Accords gelautet), Geistlichen, Dienern vnd welche Ihnen aufgewartet, dem Keyser[47] aber vorhin nicht gedienet, oder sonst am Ihm sich vergriffen, imgleichen denen fewrWerckern,[48] BüchsenMeistern[49] vnd Profos,[50] nacher Franckfurt,[51] jedoch mit hinterbleibung zweyer Officirer, bis die Convoy zurück gelanget , begleitet worden“.[52]

Die Vereinbarung zwischen den Vertretern Ferdinands III.[53] und den Beauftragten Schwedens über die Übergabe von Schweidnitz legte fest: Nach Kapouns Blockade und Belagerung von Schweidnitz kapitulierte die Stadt und der schwedische Kommandant war zu einem Akkord gezwungen. Der Kaiser beauftragte Gallas[54] und R. G. von Wolframsdorff[55] mit der Übernahme der Stadt und der Verhandlungsführung mit den Vertretern der schwedischen Krone. Die Vereinbarung trat am 16.5.1644 in Kraft. 1. Reiterei und Fußvolk der beiden schwedischen Regimenter versammeln sich mit allem Eigentum auf dem Marktplatz und werden als kaiserliches Kriegsvolk übernommen; Fahnen[56] und Standarten[57] werden ihnen abgenommen. 2. Munition wird übergeben,[58] Minen und Fallen werden entfernt. 3. Die fremdländischen Offiziere, Generalwachtmeister[59] Billihörk[60] und Generalmajor[61] Wittenberg[62] dürfen samt ihren Wagen, Angehörigen und Sachen abreisen, alle Übrige verbleibt am Ort. 4. Was Menschen, Stadt und Umgebung genommen wurde, hat am Ort zu bleiben. 5. Die Gefangenen werden entlassen. 6. Kontributionen, Obligationen und Schuldbriefe werden herausgegeben. Auch die Schlüssel zu den Stadttoren sind abzugeben. Offiziere, die nicht gedient haben, und Frauen haben freien Abzug aus der Stadt.[63]

„Von der Torstensonschen[64] Hauptarmee kam der Oberst Seestädt mit seinem Regiment nach Naumburg[65] in Garnison. Der Rat klagte nach seiner Gewohnheit, und Torstenson schrieb ihm am 16. Dezember 1644, daß er geneigt sei, die Einquartierung zurückzunehmen. Er stellte jedoch dieselbe Forderung, die er in Zeitz[66] durchgesetzt hatte: damit nicht der Feind nach dem Abzuge der Schweden ‚ihnen selbst und den gesamten Landeseinwohnern zu merklichem Präjudiz[67] sich in die Stadt logiere, sollten die Mauern und Türme und, was sonsten zur Defension des Posten dienlich, demoliert und heruntergerissen werden’. Es sollte nur soviel Schutz bleiben, dass sich die Bürger vor streifenden Kriegsscharen wahren könnten. Das griff nun den Herren empfindlich in die ehrwürdige Krone ihrer Hoheitsrechte, und sie zogen sich mit mehr Klugheit als Würde aus der Affäre. Sie erlangten ‚durch fleißiges Bitten soviel, daß der Oberst Seestädt ihnen die Mauern samt den Toren unabgetragen gelassen’, und versprachen, ihm für solche Willfahrung zweihundert Reichstaler auszuzahlen. Nur die jüngeren im Zwinger erbauten Verteidigungswerke mussten fallen. Dann verließ der Oberst die Stadt“.[68]

Nach Darstellung des schottischen Kriegseilnehmers William Forbes,[69] der in schwedischer Bestallung stand, ist Seestädt in der Schlacht bei Jankau[70] am 6.3.1645 gefallen: „Marchirten dem nägst nach Böheimb, da wir den 24. Februar anno 1645 die Kayserliche undt Bayrische bey Janckow geschlagen, daß sieben Generalspersohnen todt geblieben undt gefangen worden. Ich mit meinem Regiment zwey Brigaden[71] vom Feindt aus dem Waldt geschlagen, viele gefangen, Fähnlein, Stücke, Munition, Wagen bekommen, daß ihrer viele das gewehr wegk werffen müssen, ihr Leben zu salviren. In Gegenwarth Herrn Feldmarschalls Torstensohns und General Mortaigne.[72] Ich mußte mit meinem Regiment uber einen Grund avanciren undt hatte keine Reuterey bey mir. Da kahmen 2 Esquadrons[73] Bayrische Curassier[74] mir in die flanque, darüber etliche Officirer und Knechte todt blieben und gefangen wurden, auch Herr Obrister Seestedt blibe, dan wir seine Fahnen und Picquen[75] bey uns hatten, auch von des Herrn Generalmayor Peykels[76] Regiment zu uns gestoßen wehren“.[77] Sein Regiment wurde von Samuel Österling[78] übernommen und als Besatzung nach Iglau[79] gelegt.

[1] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Der Obristleutnant war zumeist auch Hauptmann einer Kompanie, so dass er bei Einquartierung en und Garnisonsdienst zwei Quartiere und damit auch entsprechende Verpflegung und Bezahlung beanspruchte oder es zumindest versuchte. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285

[2] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[3] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“.

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen/ den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[4] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.

[5] Hans Christoffer Graf v. Königsmarck [12.12.1600 Kötzlin-20.2.1663 Stockholm], schwedischer Feldmarschall.

[6] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.

[7] N Pintsch [ – ], schwedischer Obrist.

[8] Hameln; HHSD II, S. 192ff.

[9] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 837.

[10] Kriegskommissar: Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontribution). Als Quartierkommissarius legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung; vgl. s. v. „Fourier“.) Der „Musterkommissarius“ führte in landesherrlichem Auftrag die Musterungen durch und überwachte die Zusammensetzung des Heeres. Musterkommissare waren bei gemeinen Soldaten wie Offizieren gleichermaßen verhasst, da sie Manipulationen und Betrügereien auf den Musterplätzen zu unterbinden suchten: Söldner erschlichen sich vielfach Sold, indem sie sich unter verändertem Namen mehrfach mustern ließen, Offiziere führten zuweilen mehr Männer in den Soldlisten, als tatsächlich vorhanden waren, um die eigene Tasche mit den überschüssigen Löhnungen zu füllen (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 120ff.). Auch hatten sie die Abdankungen und die Zusammenlegung und Neuformierung kleiner Einheiten zu überwachen. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. In einer Landtagsbeschwerde des Gerichtes Hörtenberg wird geklagt, daß bei Durchzügen „auch tails beglaitcommissari den unntertonnen mehr schwed- als nutzlich sein, in deme sy mer dem soldaten beifallen, unnd in ansuechenden unerzeuglichen sachen recht geben, als den unnderthonnen obhabennden gebierennden schutz erweisen“. SCHENNAT, Tiroler Landesverteidigung, S. 63.

[11] Petter Brandt zu Langwedel u. Brock [1.3.1609-27.3.1648] schwedischer Kriegskommissar, ab 6.10.1647 Generalkriegskommissar.

[12] Mansfeld [Kreis Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 316ff.

[13] Axel Graf Lille [Lillie, Lilie, Lielie, Axellilly] v. Löfstad [23.7.1603-20.12.1662], schwedischer Generalmajor.

[14] Duderstadt [LK Göttingen]; HHSD II, S. 123f.

[15] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.

[16] Stolberg [LK Harz]; HHSD XI, S. 453ff.

[17] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1430; vgl. auch NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 183; QUETZ 55 l.

[18] N Mayer [ – ], schwedischer Obrist.

[19] Bolkenhain [Bolków, LK Jauer]; HHSSchl, S. 32ff.

[20] Massaker: „Massaker“ wurden in den offiziellen Berichten z. B. an Maximilian I. von Bayern schlichtweg geleugnet, so etwa im Fall der Stadt Germersheim, die nach mehrtätiger Belagerung am 12.8.1622 im Sturm genommen wurde. Die Sieger hatten alles niedergemacht, was sich nicht durch die Flucht hatte retten können: „Massacre fand keins statt; nur im Anfang wurden 3 bis 4 Bürger erschlagen, auch keine Brunst noch Schändung der Weibsbilder unangesehen die Cosaggen und allerlei Gesindel dazu gefallen, nicht ergangen“.HEILMANN II, Kriegsgeschichte II, S. 146. Dass Notzucht zudem aus Rücksicht auf die Empfindlichkeit Maximilians ohnehin nicht erwähnt wurde, liegt auf der Hand, trotz der Klagen Tillys in der »Schultheißen-Instruktion« (1626 X 16); ZIEGLER, Dokumente II, S. 985ff. Das „Diarium Gottingicum“ (Stadtarchiv Göttingen AB III/5, Band 1, S. 84-86) des Georg Mengershausen; zit. bei ECKHARDT, Blutpfingsten 1626 (hier „Diarium Goettingense“): „Den 31. Maii kam die betrübte, elende, jämmerliche Zeitung einen, daß leider Tilly gestrigs Abends zwischen 8 und 9 Uhren sich der Stadt Münden (nachdeme er dieselbe den ganzen Tag mit 14 groben Stücken und bei die 866 Schossen beschossen und die Maur fur der Mohlenpforten vom Brauerhaus an bis an das Schlachthaus auf Verräterrei eines gottlosen Bürgers zu Münden, Jürgen Krüger genannt, und nachdeme auch die Bürgerschaft abgemündet (?), unentsetzet plieben und nicht mehr raten können, herniedergeschossen und daselbst in der Lieken (?) eingefallen, sonsten auch noch an zwei andern Oertern mit Sturmleitern übergestiegen) bemächtiget und sich dieselbe erobert und die Bürgerschaft, Soldaten und was nur ann Weib und Kindern, auch darin vorhandenen Pauren anzutreffen gewesen, alle herniedergemetschet und jämmerlich ermordet, auch des folgenden Morgens was hin und wieder uff den Türmen und Zwingern noch übrig vom Mannvolk, ferner herniederstechen und umbringen lassen, was an Jungfrauen und jungen Ehefrauen vorhanden, mit sich hinaus ins Lager geschleppet, Ranzion (Lösegeld) von denselben begehret, was sich nicht ranzionieren noch Entgelt geben können, herniedergehauet und in Summa der Kinder in der Wiegen, auch Mutterleib, nicht verschonet, und Summa Summarum ärger denn kein Türk, Tartar oder Tieren bishero gehauset, mit den armen Leuten umbgangen. Hatte zwar viel Feuerkugeln, worin noch 4 Pfund Pulver gewesen, eingeschossen, so auch in Gebäude, Stroh und anders eingefallen, angangen, aber, weil die Bürger die ersten Feuerkugeln, sobald bekommen, gedämpfet und laufen lassen, keine angezündet, sondern nur das Stroh und Kleider, worein sie gefallen, alleine schwarz geschmoket. Und hatte forters, wie Tilly die Stadt einbekommen, dieselbe dem Volk zu plündern übergeben, die dann forters mit dem Volk übel gehauset, alles uff und in Stücken zerschlagen, was nur zu bekommen, weggeraubet und außer der Stadt ins Feldlager bringen lassen. Waren auch etzliche Häuser angestecket, aber bald wieder geleschet. Sonsten auch viel vornehmer und ehrlicher Leute hatten ihr Leben zubüßen müssen. Und demnach Tilly des Morgens vor anfangendem Schießen einen Trompeter fur der Stadt geschickt und, ob sie sich geben wollte oder nicht, fragen lassen, mit Bericht, dessen sie solches nicht tun würden, er alsdann aufs Aeußerste ansetzen und im eroberten keinem Quartier geben wollte. Und der Rat und Bürgere sich wohl gern uff Arrest geben wollen, hat aber Illm., Herzog Christians, darin gelassener Obrister-Leutenant, Cloth genannt, solches nicht nachgeben wollen, mit Anzeigung, itzo würde Entsatzung ankommen, und hätte er der Stadt und nicht ein Rat derselben nötig und müsse er dieselbe verteidigen, wollte ihnen für allen Schaden gut sein. Ist aber im ersten Anfall solcher Leutenant etliche mal mit einer Helleparten durchstochen worden und all seine Soldaten sein herniedergemetschet worden.

Haben sich so noch etliche Bürger in dem Turm des Nachts bis gegen den Morgen verborgen, darnach sich mit Seilen daraus gelassen, durchs Wasser gesetzet und sein also mit Hinterlassung ihrer Weib und Kinder davon kommen. Es ist nachmals von dem Syndico zu Münden, N. Hüpeden, wahrhaftig resolvieret worden, daß die Kriegsleute unter anderm ein kleines Knäblein, etwa vom Jahr, einem ehrlichen Bürgersmann in seinen Disch gestecket und darnach denselben zugeschlossen, wie aber über etliche Tage hernach der Disch eröffnet, ist das arme Kind tot darin befunden worden. Es hatte Tilly den guten, ehrlichen Leuten in der Stadt selber Zeugnis gegeben, sie hätten sich ehrlich und ritterlich gewehret, und hätte nicht gemeinet, daß sie sich also zur Wehr stellen würden, gestalt denn ihm auch viel Volks davor plieben sein sollte, sonderlich, wie sie schon in der Stadt gewesen, da noch 2 Stücken von der Brücken, mit Hagel geladen, unter sie und derselben eine große Anzahl herniedergeschossen und wie die Holzäpfel herniedergefallen wären. Es ist nach der Zeit oft und vielmals und sonderlich bei der Belagerung der Stadt Northeim gesagt, daß Ihre Exzellenz oftmals erwähnet, sie könnte sich des Blutbads ohne Unmut nicht erinnern, sondern es wäre Ihrer Exzellenz dasselbe oft täglich, als wäre es frisch, vor Augen. Selbiges 31. Maii wurden über Göttingen vorm Albaner Tor 11 Feuerkugeln in Form einer Granaten, gleich wären dieselbe angestecket, und daß das Feuer daraus geschlagen, an dem Firnament öffentlich von vielen Leuten gesehen. Den 1. Junii kamen zwar viel Bürgere von Münden, auch Frauen und Kinder, so teils von den Zwingern und Türmen sich mit Stricken gelassen, teils und was die Weiber und Kinder, so mit den Soldaten aus der Stadt kommen, anhero nach Göttingen, konnten aber keinen eigentlichen Bericht einer vom andern geben, nur das sie sagten, beide Bürgermeistere wären tot, der Pastor M. Udenius, auch der Amptmann zu Münden, mit ihren Frauen gefangen, Amptschreiber, Schultheiß und andere aber niedergemetztelt, konnten doch aber keine Gewißheit davon sagen … Es hätte der Feind die folgenden Tage noch die toten Körper, so hin und wieder auf den Straßen und in den Häusern gelegen, sehr tyrannisert, indem er denjenigen, so etwa ein wenig fett gewesen, das Fett aus und von dem Leibe schneiden und schinden, etliche mit Pulver anstecken und vieler einen und die übrigen, was an Bürgern, Soldaten und Pauersleuten in der Stadt geplieben, auf viel Wagen bei das Wasser fahren und hineinwerfen lassen, und weil eben die Weser etwas klein, hätte sich das Wasser wegen Vielheit der toten Körper an etlichen Oertern etwas aufgestauet. Ja, Jungfrauen und Frauen schänden wäre der Bösewichter beste Kurzweil gewesen. Den dritten Tag nach der Eroberung sein die Erschlagenen von Bürgern, Pauren und Soldaten, so an 2 200 gewesen, uff die Brücken geführet und in die Weser geworfen, und da schon etliche darunter gewesen, so zwar in etwas gequetschet oder verwundet, aber noch gelebet und daß ihnen noch wohl zu helfen, geschrien und sie nicht hineinzuwerfen gebeten, hat es doch helfen, sondern sie hinuntergeschmissen werden müssen. Und sein darunter viel vornehme Bürger in Münden nicht verschonet worden. Den 4. Junii berichteten die von Münden anhero gekommenen und verstreueten Leute, daß gewiß, daß von Bürgern, Pauren und Soldaten von Mündischer Seiten bei die 2 500, auch von dem Feind fast nicht weniger geplieben, auch ein vornehmer Obrister und vier vornehme Konstabel bei den Geschützen aus der Stadt erschossen, auch, nachdem all der Feind die Stadt einbekommen und nach der Hand sein übriges Pulver in einen Pulverturm in Verwahrung pracht und dessen bei 4 Fuder und des Mündischen Pulvers noch bei die 15 Tonnen gewesen, solcher Turm in Brand geraten, das Pulver angestecket, solcher Turm elendiglich zerrissen und bei die 15 Häuser in der Nachbarschaft jämmerlich zerschlagen worden. en 5. Junii kamen etzliche Bürger aus Münden anhero, anzeigend, daß viel Leute … aus Münden in Witzenhausen zerstreuet lägen, aber wegen Hungers sterben müßten, weil sie daselbst nichts inbekommen hätten“. KOSSERT, Die Eroberung der Stadt Muenden 1626. Online verfügbar unter: muenden.kossert.net [z. Zt. nicht im Netz], bzw. dessen Magisterarbeit mit dem gleichen Titel, Freiburg i. Breisgau 2007. In dem zeitgenössischen Flugblatt „Continuatio der beschehenen Schlacht vor Hameln / aus Oldendorff den 29. Junii Anno 1633″ (Kungliga Bibiotheket Stockholm Svea krig Nr. 22a) wurde das Massaker an den verwundeten und fliehenden Kaiserlichen damit begründet, es sei „auf ein Metzgen außgangen / vnd solches fast biß an die Thor von Minden continuirt / ohne daß wir die vnserigen wieder zu einige stand bringen können / weiln sie wegen vieler außgegossenen Schmähworten / welche von den Hamelischen vnd diesen Combattanten noch deß Morgens ausgegossen / vnglaublich verbittert / waren / vnd mit dem Degen die bösen Zungen straffen wollten“. So sollen, was wortwörtlich dem Schlachtbericht Knyphausens an den Bremer Bürgermeister Havemann entnommen ist [SATTLER, Knyphausen, S. 652], konfessionell gefärbte Schmähungen des Gegners an diesen Exzessen schuld gewesen. Der finnische Rittmeister Duesse soll wegen dieses Abschlachtens sogar um seinen Abschied gebeten haben. Bei Mannschaften und Offizieren sprach man davon, man sei hier wie bei Rinteln auf die Schlachtbank geführt worden. Zu den bekanntesten Massakern gehörte außer der Eroberung und Zerstörung Magdeburgs (vgl. die Erinnerungen des Magdeburger Bürgermeisters Otto von Guericke; Neubauer, Magdeburgs Zerstörung 1931, S. 43f.); der Bieberauer Pfarrer Johann Daniel Minck; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 244f.) auch das »Pasewalker Gemetzel«, MILGER, Gegen Land und Leute, S. 199f., die Eroberung Neubrandenburgs, MILGER, Gegen Land und Leute, S. 203; die Eroberung Frankfurts a. d. Oder am 3.4.1631, nach dem Bericht im THEATRUM EUROPAEUM, Teil 2; bei Griesa, Frankfurt (Oder) S. 47f.; die Erstürmung von Höchstadt/Aisch am 28.2./10.3.1633 (vgl. die Bamberger Dominikanerin Maria Anna Junius; Hümmer, Bamberg, S. 121f.); die Erstürmung Reichenbachs (1634), JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 368f.; die Beilage zum Bericht des Kommandanten Schrautenbach und des Kellers Uloth zu Lichtenberg über den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff. Zur Barbarisierung des Krieges in der calvinistisch geprägten Lehre des Althusius vgl. BEHNEN, Krieg, S. 92; allgem. DAHM; KRAWIETZ; WYDUCKEL. Der Völkerrechtler Hugo Grotius rechtfertigte kriegsbedingte Massaker an Zivilisten mit dem »jus talionis« des Alten Testaments; z. B. SCHÄTZEL, Grotius, S. 336f.; DUFFY, Siege warfare, S. 253; BEI DER WIEDEN, Niederdt. Söldner, S. 86ff.; DIESNER, Stimmen.

[21] ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht ge[S. 129]lassen worden“.

[22] Weichbild, Weichbildstadt: gebräuchliche Bezeichnung für Minderstädte mit zugehörigen Dorfschaften. Rechtshistorisch bezeichnet Weichbild den vor den eigentlichen Stadtmauern gelegenen Bezirk, der der städtischen Gerichtsbarkeit unterworfen war.

[23] regulirtem Modo pro rata: auf festgelegte Weise für den Teil.

[24] Fourage: Unterkunft, Verpflegung und Viehfutter für die jeweilige Einheit. Die Fourage  musste von der betreffenden Garnisonsstadt und den umliegenden Dörfern aufgebracht werden und war an sich genau geregelt; vgl. auch die „Königlich Schwedische Kammer-Ordre“ Torstenssons vom 4.9.1642 bei ZEHME, Die Einnahme, S. 93ff. Natürlich wurde gegen die Bestimmungen immer wieder verstoßen.

[25] intercedieren: vermitteln, sich einsetzen

[26] Hunger: Hungerkrisen traten durch Missernten, Wettereinflüsse, Truppendurchzüge, Einquartierungen, Erntezerstörungen, Pferde- und Viehdiebstahl immer wieder auf. Oftmals blieb nur die Flucht ins Heer oder der Anschluss an den Tross. So hatten sich 2.000 hungernde Eichsfelder Pappenheims Soldaten angeschlossen. Ein Berittener oder Knecht in der Musterung hatte immerhin noch zwei Pfd. Fleisch, drei Pfd. Brot, eine Maß Wein und drei Maß Bier pro Tag zu fordern – drei bis fünf Maß Bier je nach Geschlecht pro Tag galten auch sonst als üblich – , was zur raschen Auszehrung einer Landschaft führte, zumal die eingeforderten Naturalabgaben im Laufe der Zeit noch weiter anstiegen und von Jahr zu Jahr neue Verpflegungssätze erfordern. Vom Verpflegungsansatz her war dies eine gewaltige Kalorienmenge, entsprachen doch drei Pfd. (gutes) Brot allein bereits etwa 3.750 kcal. Rechnet man noch über 2.000 kcal für das Fleisch hinzu, ohne Bier und Wein, so wird eine Kalorienzahl zwischen 6.000-7.000 kcal erreicht, was dem Zweieinhalb- bis Dreifachen eines durchschnittlichen Tagesbedarfs entsprochen hätte. Das war wohl Anfang des 17. Jahrhunderts nur Privilegierten vorbehalten, während die Gemeinen nur unzureichend verpflegt wurden. HIPPEL, Bevölkerung, S. 422, schätzt den täglichen Nahrungsbedarf in Württemberg auf knapp 2.400 kcal pro Tag. Vgl. BEHRENDS, Chronik, S. 145f. (1636): „Man gab den Armen von jedem Backvorgang ein Brot, […] welches damals als Krieg, Pest und Hunger hieselbst gar übel hauseten, von armen Leuten nicht für eine geringe Gabe gehalten ward, sintemal man damals oft weder Brot noch Bier und Geld haben konnte, und viele, meistenteils aber die Soldaten Hunde und Katzen, Pferde- und Menschenfleisch fraßen und nicht einmal bekommen konnten“. 1641 heißt es über die Prignitz: „So sind auch alle Dörfer so gar verwüstet, verödet, universaliter et particulariter in Brand gesteckt, die Untertanen Hungers und des milites immanitet [Unmenschlichkeit, Rohheit] halber gestorben und ins Elend [Ausland] verlaufen, dass man in dem ganzen Kreise nach angestellter fleißiger Inquisition bloß 373 Bauersleute, die doch etliche gar wenig ausgenommen, weder Hunde noch Katzen, weniger etliche Lebensmittel haben, besonderen sich vom Obste und wohl ganz unnatürlichen Speisen aufhalten müssen, gefunden worden“. HERRMANN, Ländliche Bevölkerung, S. 86. Der Bieberauer Pfarrer Minck (1635); KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 261: „Durch diesen Hunger verschmachteten viele Leut dermaßen, daß nichts als Haut und Bein an ihnen war, die Haut hing ihnen am Leib wie ein Sack, waren ganz schwarz-gelb, mit weiten Augen, gepläcketen Zähnen, grindicht, krätzig, gelbsichtig, dick geschwollen, febricht [= fiebrig], daß einem grauete, sie anzusehen“. ZILLHARDT, Dreißigjähriger Krieg, S. 161f. (1635): „Dan auß diser teürung und hungersnot ist entstanden noch ein jamer uber alle jamer, nemlich ein sterbet und pestelentz, das vüll taußendt menschen sind zu grundt gangen durch hunger, krieg und pestelenz. Dan durch den hunger ist von denen armen menschen vüll greüwlich und abscheüliches dings auffgefressen worden. Alls nemlich allerley ungereimbten dings: hundt und katzen, meüß und abgangen vüch, roßfleisch, das der schinder und meister uff dem vassen sein fleisch von dem abgangne vüch, als roß, hundt und andere thier, ist hingenomen worden, und haben dannoch einander drumb gerißen und für köstlich gut gehalten. Es ist auch für gut gehalten worden allerley kraut uff dem feld: die distel, die nesle, schersich, hanefüeß, schmerbel, schertele. In suma allerley kraut ist gut gewessen, dan der hunger ist ein guter koch, wie man im sprichwort sagt“. Vgl. auch  die Lebensbeschreibung des Gottfried Andreae (1637); DOLLINGER, Schwarzbuch, S. 321: „Doch im Jahr 1637 stieg das Elend auf’s höchste, nachdem kaum 200 Bauern in der untern Pfalz mehr übrig waren, da die übrigen teils an Hunger und Pest bereits gestorben, teils von den Kaiserlichen erwürgt oder als Soldaten weggeschleppt worden waren … Der Hunger aber zwang die Leute zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: Gras, Kräuter, dürre und grüne Baumblätter, Felle von Tieren; Hunde, Katzen, Ratzen, Mäuse, Frösche und faulendes Aas waren gesuchte Bissen. Die Hungernden erschlugen einander selbst, verzehrten sie, durchwühlten Gottesäcker, erstiegen Galgen und Rad und nahmen die Toten zur Speise weg“. Notiz aus dem Pfarrbuch von Mauern (LK Neuburg/Donau) für 1648: „Viele haben aus Hunger Roßmist gegessen, der Feind hat alles fort; es ist nichts angebaut worden. Viele sind Hungers gestorben, die Überlebenden nähren sich von Wurzeln und Baumblättern und sind froh um die Häute der gefallenen Pferde“. [frdl. Mitteilung von Herrn Fahmüller, Pfeffenhausen]. Der Kitzinger Pfarrer Bartholomäus Dietwar [1592-1670] über 1649; DIETWAR, Chronik, S. 91: „Etliche tausend bayerische Bauern bettelten mit Weib und Kind durchs Land. Darunter waren auch Mörder. Sie stahlen und raubten was sie konnten. Das war Gottes sichtbare Strafe dafür, dass der Kurfürst von Bayern im 30jährigen Kriege viele Tausend armer Leute gemacht hatte. Darum war sein Land im vorigen Jahre durch die Schweden und Franzosen wieder verdorben worden, also dass seine Leute von München und Landshut her das Frankenland durchliefen, das gebettelte Brot dörrten und heim nach Bayern trugen“. Aus Nördlingen wird anlässlich der Belagerung 1634 berichtet; KESSLER, Belagerung, S. 38: „Um diese Zeit sind die Rosse wegen Mangels an Futter so erkrankt und so matt geworden, daß sie häufig einfach hingefallen und und verendet sind. Von dem S. H. Schinder Jörg Schmid sind hinter dem Feilturm 2 große Gruben gegraben und die Pferde darin verscharrt worden. Die Armen und Bettelleute aber haben sich auch dabei befunden und haben, wenn man die Pferde hat vergraben wollen, aus großem Hunger ziemlich große Stücke davon herausgeschnitten, das Selbige gekocht und von solchem ihren Hunger gestillt, und gebüßt. Die armen Leute sind zur Nacht, um 12 Uhr, über solches Aas gekommen und haben es davon getragen“. KESSLER, Belagerung, S. 63: „Die kaiserlichen, spanischen, welschen, französischen und deutschen Soldaten sind gleichsam aus dem ausgebrannten Turm herundergefallen und jämmerlich aufeinander gelegen. Die armen Tagelöhner haben die gebratenen Schulterblätter von den Achseln abgenommen und für gutes Schweinefleisch gefressen“. Der Salemer Mönch Bürster (1644); WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 196: „Dan ehe muoß der burger sterben zehen mal, ehe der soldat verderben ainmahl“.

[27] STEIGE, Bolkenhainische Denkwürdigkeiten, S. 221ff.

[28] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[29] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[30] Albrecht Vejkart Freiherr v. Kapoun [Kappaun, Kapaun, Koppaun, Capaun, Cappaun, Compaun, Cospaun, Copaun, Copan] ze Svojkova [Soyhau, Schogkau, Svojkau] [1609-1664], kaiserlicher Obrist.

[31] Glogau [Glogów; Schlesien]; HHSSchl, S. 127ff.

[32] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Generalleutnant. Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[33] WASSENBERG, Florus, S. 575.

[34] Johann Riesengrün [Reisengrün, Risengrün, Rüsengrün] [ – ], schwedischer Obrist.

[35] Stück: Man unterschied Kartaunen [Belagerungsgeschütz mit einer Rohrlänge des 18-19-fachen Rohrkalibers [17,5 – 19 cm], verschoss 40 oder 48 Pfund Eisen, Rohrgewicht: 60-70 Zentner, Gesamtgewicht: 95-105 Zentner, zum Vorspann nötig waren bis zu 32 Pferde: 20-24 Pferde zogen auf einem Rüstwagen das Rohr, 4-8 Pferde die Lafette]; Dreiviertelkartaune: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 16-17faches Kaliber, schoss 36 Pfund Eisen. Vgl. MIETH, Artilleria Recentior Praxis; halbe Kartaunen [langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt].

Viertelkartaune: „ein stück, welches 12 pfund eisen treibt, 36 zentner wiegt, und 24 kaliber lang ist. man hält diese stücke in den vestungen für die allerbequemste“ [GRIMM; GRIMM, DWB]. Meist als Feldschlange bezeichnet wurde auch die „Halbe Schlange“: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34-faches Kaliber (10,5-11,5 cm), schoss 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt; die „Quartierschlange“: 40-36-faches Kaliber (6,5-9 cm), Rohrgewicht: 12-24 Zentner, Gesamtgewicht: 18-36 Zentner, Vorspann: 6-12 Pferde; Falkone: 39-faches Kaliber Rohrgewicht: 14-20 Zentner, Gesamtgewicht: 22-30 Zentner, Vorspann: 6-8 Pferde; Haubitze als Steilfeuergeschütz, 10-faches Kaliber (12-15 cm), zumeist zum Verschießen von gehacktem Blei, Eisenstücken („Hagel“) bzw. Nägeln verwendet; Mörser als Steilfeuergeschütz zum Werfen von Brand- und Sprengkugeln (Bomben). Angaben nach ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 575 ff. Pro Tag konnten etwa 50 Schuss abgegeben werden. „Vom Nürnberger Stückegießer Leonhard Loewe ist die Rechnung für die Herstellung zweier jeweils 75 Zentner schwerer Belagerungsgeschütze erhalten, die auf den heutigen Wert hochgerechnet werden kann. An Material- und Lohnkosten verlangte Loewe 2.643 Gulden, das sind ca. 105.000 bis 132.000 Euro. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus diesen ‚Halben [?; BW] Kartaunen’ kosteten fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81; SCHREIBER, Beschreibung, bzw. Anleitung, 3. Kapitel.

[36] Mine, minieren: graben, untergraben: Anlegen von Untergrabungsgängen unter dem Mauerfuß einer belagerten Festung. Diese Minengänge zielten entweder auf den Einsturz der Mauer oder auf ein Eindringen in die Festung. Über die Unterhöhlung hinaus konnten sie mit einer Pulverladung versehen und zum Sprengen der Mauer benutzt werden. Da man die Arbeitsgeräusche bald hören konnte, wurden Gegenminen gelegt und zur Explosion gebracht. Teilweise wurden die Minen auch dem Gegner gezeigt, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. => Kontramine.

[37] N Billihörk [ – ], schwedischer Generalwachtmeister.

[38] Maximilian Ferdinand Freiherr v. Gersdorf [Gerstorf, Gersdorff, Giestorff] [1604-1664], kaiserlicher Kriegskommissar, Amtsverweser des Fürstentums Glogau.

[39] Prätension: Beschönigung, Vorwand.

[40] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist“. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Teilweise wurde den Juden eine Sondersteuer auferlegt (HOCK, Kitzingen, S. 92), um sich selbst einer zusätzlichen Belastung zu entziehen. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts (das in Erfurt seit 1510 ab dem 16. Lebensjahr erworben werden konnte), des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen“ etc. auflistet. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht“. Der Flussmeister und Advokat Johann Georg Maul [? – nach 1656)] (1638), WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 121: „Weil ich nun zu dieser Contribut[ion] wöchentlich 7 f geben müssen und nicht allemahl sogleich bezahlet habe, bin ich und die Meinigen zu verschiedenen mahlen ohngewarneter Weisse überfallen worden, und man hat mich dermaasen gequälet und gemartert, dass es einen Steine in der Erdte erbarmen möchte, sonderlich in der Heilgen Zeit, am 5. Jan[uar] 1638, da ich eines kleinen Resto wegen von 6 vollgesoffenen Soldaten, der einer, der Berth genannt unter dem Obristen [Heinrich; BW] von Schleiniz, den Degen über mich gezogen, mein Weib, so dazwischen gelaufen, am Arme verwundet, den Gürtel von Leibe in drey Stücken gerissen und solche Grausamkeit verübet, dass es nicht zu beschreiben, vielweniger von Christlichen Menschen geglaubet werden kann, mitler weile, als dieser Berth also mit mir chargierte, haben die andern 5 Bösewichter gemauset, was sie angetroffen, unter andern mir einen Fisch Otter, so man an die Arme stecket, mein Kamm Futter mit aller Zugehör vor 5 f, allerhand Geräthe ohngefähr 8 f, so ich nicht wieder bekommen können“. Aus der Stausenbacher Chronik des Caspar Preis für 1648, ECKHARDT; KLINGELHÖFER, Bauernleben, S. 69: „Im Jahr 1649 in dem Monadt October seind wir einmal der Hessischen Conterbutzion erleitigt worden. Dem allmächtigen, ewigen, barmhertzigen, liben, trewen Gott, dem Vatter aller Gnaden, sey ewigen Lob, Ehr und Preiß gesagt in alle ewigkeit. Amen. In dem schweren Joch der hesischen Conterbutzion seind wir gemartert, gepeinigt und gequället worden zwantzig gantzer Jahr. Ach du mein Gott und mein Herr, wie mancher armer redtlicher ehrlicher Man hatt doch das Seinige musen verlasen und mit dem Rück ansehen und sich in die Fremde begeben musen wegen der Conterbutzion und des gemarterten Bludtgelts. Es ist doch in Wharheit nichts anders dan der armen Leuth Schweiß und Blutt“. Der Anteil der Kontributionsgelder an den Einkünften der Generalkriegskommissare und Kriegskommissare betrug bis zu 30 %. So erhielt z. B. der kurbayerische Kriegskommissar Christoph von Ruepp vom 18.1.1621 bis 30.4.1633 95.341 fl., davon 30.347 fl. Kontributionsgelder. DAMBOER, Krise, S. 51. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“.

[41] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[42] Obligation: Verpflichtung; Schuldschein, Schuldverschreibung, Verbindlichkeit, Schuldverhältnis.

[43] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig‘, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.

[44] Finnen, auch hagapells, hakkapeller genannt: [nach hakkaa päälle: hau drauf] Sammelbegriff für Finnen, Lappen und Finnlanddeutsche im schwedischen Heer. Bei den finnischen Verbänden wäre zu differenzieren zwischen Finnländern und Finnlandschweden (Soumen Ruotsalaiset), Deutschen in Finnland. Vgl. die zahlreichen Arbeiten von PLEISS. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. In der schwedischen Propaganda wurden die Finnländer – als „Truppe des Schreckens“ – als Pendant zu den in kaiserlichen Diensten stehenden Kroaten aufgebaut, die Gustav Adolf als des „Teufels neuen Adel“ bezeichnete. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus, auch wenn sie von Zeitgenossen als wild und brutal beschrieben wurden. Zudem standen sie im Verdacht, Wetter machen zu können und den Teufel anzubeten. Vgl. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 241 (1647): „So ist aber ein solches ungewüdter, luft, saußen und braußen eben zur selben zeit, wol 2 oder 3 tag und nacht lang, angestanden, daß vermaint, eß werde alle heyßer und palest zue haufen werfen, also und daß sich kain schüff von dannen sich möchte bewögen; hat man auch gänzlich dafürgehalten, haben solches (weilen diese Lapp- und Seeländer in dißer und dergleichen hexen- und unholden künsten wol erfahren und bey ihnen für ain freye kunst gehalten und paßirt) ungewidter selbsten gemacht und verzoberet. Dan man für gewiß gesagt, dass ain ganzes regiment under ihnen dem schwarzen Caspar ergeben und verschriben seye, welcher ihnen den weg naher dem Haagen als vorher geloffen und paßiert. Wie dan auch von Eyßne oder Kämpten wird bericht, daß sie ihnen den M. Hämmerlein in ainem glaß gezaiget: diß seye ihr obrister, deme seyen sie verlobt und geschworen, deßen seyen sie mit leib und seel versprochen, dere ihnen trewlich halt und sie ihme redlich dienen“. Die Finnländer – „von Natur aus gesetzlose Viehdiebe“ (BRZEZINSKI; HOOK, Armee, S. 56), die anfangs noch unzureichend montiert zum Teil mit Pfeil und Bogen in den Kampf zogen – standen sozial auf der untersten Stufe des schwedischen Heeres, wurden bei Angriffen als erste aufgeopfert und zu Arbeiten herangezogen, die der gewöhnliche Soldat ablehnte oder nur unter Zwang verrichtete. Sofern eine Entlöhnung überhaupt erfolgte, wurden sie regelmäßig vergessen, oder es wurden ihnen nie eingelöste Verschreibungen ausgestellt. Obwohl die Finnländer nur geringe Chancen hatten, sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, war ihre Desertionsquote mindestens doppelt so hoch wie diejenige der schwedischen Soldaten. Jeder 5. Finne desertierte. Finnische Reiterregimenter wurden z. B. schlechter besoldet als nationalschwedische. Vgl. die Äußerungen Axel Oxenstiernas über die in Königshofen im Grabfeld liegenden Finnen gegenüber dem schwedischen Statthalter in Franken, Krafft von Hohenlohe, Schleusingen, 1632 XI 27; PLEISS; HAMM, Dreißigjähriger Krieg, S. 49: „Wie ich vorgestrigen dages nahe Königshofen offen, befinde ich die wenige Finnen, so daselbst in Guarnison ligen, zimblich nackhendt und unbeklaidt, auch etwas verdrossen daß sie so gar übel accomodiret, dannenhero sie auch umb dimission, inn ihr vatterlandt widerumb zu ziehen, mir instendig nachgeruffen. Weil dann ich sie zur verdrossenheit ohnedem geneigt weiß, zumahlen sie eine so geraume zeit hero stets an selbigem ort inn guarnison gelegen, unnd nicht wie andere knechte, so zu felde gebrauchet werden, ihnen etwas profit machen oder unnterhalt verschaffen können … bitte, die anordnung zu machen, daß von der regierung daselbst zu einem kleidigen ausgetheilet werde, damit sie gleichwol inn etwas contentement und ergetzlichkeit wider haben mögen“. Vgl. auch BECK, Chronik, S. 26 [Schweinfurt 1631]: „Mit dem König war auch ein Regiment Finnen zu Pferde eingezogen, und hatte auf dem Markte Halt gemacht. Ihr schwaches und mattes Aussehen, ihre geringe, wetterfarbene Bekleidung, ihre kleinen und unansehnlichen Pferde ließen eben nicht viel erwarten, und hätte nicht die Welt von ihren Thaten zu Leipzig gehört gehabt, hätte man wohl fast zweifeln mögen, ob sie auch einen Marsch bis Würzburg auszuhalten im Stande seien. Aber die Bewunderung abnöthigende Schnelligkeit ihrer Bewegungen und die prompte Ausführung jedes Commando’s, ja jedes Winkes der Offiziere erweckte bald bessere Begriffe, die sich, da man noch nicht so ganz wußte, wie die Sache ablaufen werde, allmählig beinahe in Furcht verwandelten“. Vgl. auch die zeitgenössische Einschätzung; GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 72: „An den Finnen und Schweden hette der König diese Vortheil: 1. Könnten sie Frost vnd Kälte besser als Hitze vertragen. 2. Lieffen eher nicht / biß sie gleichsam mit der Natur fechten müsten. 3. Behülffen sie sich kläglich. 4. Ohne alle Meutenacion. 5. Weren vnverdrossen / vnd mit devallisiren fest nit zu erschöpffen / so weit es nicht leicht ein ander Herr mit seinen Vnterhanen gebracht“. Zum Teil waren sie noch aus Mangel an Ausrüstung noch mit Bogen bewaffnet. Kommandierender der 1. Finnen-Schwadron war Torsten Stålhandske. Vgl. LANGER, Formen der Begegnung, S. 84f. Zum zeitgenössischen Bild der Lappländer (auch sarkastisch „Lippenländer“, etwa „gefräßige Personen“ genannt) vgl. OPEL; COHN, Dreißigjähriger Krieg, S. 242ff. Zu den zahlreichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum vgl. auch SCHWEITZER, Zweihundert Jahre, S. 125f. Nach dem Krieg wurden zerstörte Orte wie z. B. Torgelow [LK Uecker-Randow/Mecklenburg-Vorpommern] auf Befehl Christinas von Schweden mit Finnen und Livländern neu besiedelt. Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; 1625 soll Banérs Armee bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) meist als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Eine Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die von Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, und den von den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten bastanten Armeen erscheint jedoch überflüssig. Nach ENGLUND, Die Verwüstung Deutschlands S. 76, waren 1630 bereits jeder 10. Schwede und jeder 5. Finne desertiert. Nach LUNDKVIST, Schwedische Kriegsfinanzierung S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. Zu den Verlusten LINDEGREN, Frauenland, S. 145: „Grob gerechnet kann man behaupten, daß in der ganzen Periode von 1620 bis 1720 ca. 75 % aller Todesfälle auf Krankheiten und andere Entbehrungen zurückzuführen sind. Ca. zehn Prozent starben in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen 15 Prozent fielen bei Kampfhandlungen. Ungefähr ein Drittel dieser direkt kampfbezogenen Todesfälle geschah im übrigen im Zusammenhang mit Belagerungen. Große Feldschlachten und kleinere Gefechte forderten im allgemeinen nicht besonders viele Todesopfer, vergleicht man sie mit dem Alltag des Krieges. […] Die Zahl der toten Soldaten kann total auf 1,7 Millionen geschätzt werden. Von diesen starben gut eine Viertel Million im Feld oder infolge von Kampfhandlungen; gut eineinviertel Millionen fielen dem ‚Alltag des Krieges‘ zum Opfer“. => Mortalität.

[45] Lappländer: GOTTFRIED, ARMA SVEVICA, S. 73: „Die Lappländer belangend / sind dieselben ein etwas wild vnd Leutschew Volck / kleiner Statur / aber wol gesetzt / behend mit Bogen vnnd Pfeil zu schiessen / darzu sie von Kindauff gewehnet worden / dann es in Lappenland sittlich / den Jungen Kindern kein Speiß zu geben / sie hetten dann vorhin das vorgestellte Zweck im schiessen getroffen“. [45] LATOMUS, Relatio Historicæ Semestralis Continuatio, S. 50: „Der König hat auch auß Schweden drey Compagnyen Lappländer bekommen / welche viel Schlitten bey sich hatten / darein sie Thier spannen / welche sie Reiniger oder ReinThier nennen / vnd diese Thier lauffen so geschwind / daß sie mit den beladenen Schlitten in etlich wenig Stunden viel Meilen kommen können. Diese Lappländer sind von Person fast kurtze niderständige Leuth / vber vier oder fünff Schuch [1 meckl. Fuß = 0,291 m; BW] nicht hoch / tragen lange Haar / darein sie einen Zopff flechten / der ihnen auff den Rücken hinab hanget / haben breite / flache und ebene Angesichter / schwartzfärbig / ein grossen Kopf / kleine Augen / kurtze Schenckel / die gar krumb sind / wie ein Bogen / vnd stehen ihre Knie neben außwarts / sind aber doch gleichwol mit lauffen vnd springen so schnell / daß ihnen nicht leichtlich nachzufolgen / mit Bogen und Pfeilen können so gewiß schiessen / daß sie auch einen Pfenning treffen können“. Zudem standen sie im Verdacht, Wetter machen zu können und den Teufel anzubeten. Vgl. WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 241 (1647): „So ist aber ein solches ungewüdter, luft, saußen und braußen eben zur selben zeit, wol 2 oder 3 tag und nacht lang, angestanden, daß vermaint, eß werde alle heyßer und palest zue haufen werfen, also und daß sich kain schüff von dannen sich möchte bewögen; hat man auch gänzlich dafürgehalten, haben solches (weilen diese Lapp- und Seeländer in dißer und dergleichen hexen- und unholden künsten wol erfahren und bey ihnen für ain freye kunst gehalten und paßirt) ungewidter selbsten gemacht und verzoberet. Dan man für gewiß gesagt, dass ain ganzes regiment under ihnen dem schwarzen Caspar ergeben und verschriben seye, welcher ihnen den weg naher dem Haagen als vorher geloffen und paßiert. Wie dan auch von Eyßne oder Kämpten wird bericht, daß sie ihnen den M. Hämmerlein in ainem glaß gezaiget: diß seye ihr obrister, deme seyen sie verlobt und geschworen, deßen seyen sie mit leib und seel versprochen, dere ihnen trewlich halt und sie ihme redlich dienen“.

[46] Vgl. dazu MURDOCHS Arbeiten (=> Literaturregister) sowie MURDOCH, SSNE.

[47] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[48] Feuerwerker: Die Funktion des Feuerwerkers findet erstmals im Jahre 1406 in Nürnberg urkundliche Erwähnung. Seine Hauptaufgabe bestand zunächst in der Bedienung der damaligen artilleristischen Feuerwaffen und der Herstellung von Geschossen. In der älteren Artillerie waren die Feuerwerker zur Bedienung der Wurfgeschütze (Böller, Mörser) bestimmt und bildeten mit den Büchsenmeistern (die für die Schusswaffen vor allem der Infanterie verantwortlich waren), die erste Rangklasse der Artilleristen. Die Feuerwerker entstammten zumeist dem Büchsenmacherhandwerk. Auf Grund der für ihre Tätigkeit erforderlichen speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten gehörten die Feuerwerker bis Mitte des 17. Jahrhundert, berufsmäßig organisiert, zu den privilegierten Schichten des Soldatenstandes [wikipedia].

[49] Büchsenmeister: Der Büchsenmeister (auch: Büchsenschütz) war Ende des Mittelalters ein wandernder Kriegshandwerker der damals noch zünftisch organisierten Artillerie: Er stellte für die schweren Festungs- und Belagerungsgeschütze Rohre und Geschosse her, beherrschte das Richten und Laden, die Instandhaltung und Reparatur. Stückgießer und Büchsenschmiede wie Pulvermacher arbeiteten unter seiner Anleitung. Büchsenmeister waren von Landesherrn und Städten umworben, nahmen als Artilleristen an Kriegszügen teil und organisierten sich in eigenen Zünften, die Schmieden, Glockengießern und Schlossern nahestanden. Büchsenmeister unterstanden fachlich dem Zeugmeister, von dem sie auch angestellt wurden, im Gefecht hatte der Feldzeugmeister, ein Offizier, den Befehl. Dem Büchsenmeister entsprach für die damaligen Feldgeschütze, die Feldschlangen, der nach ihnen benannte Schlangenschütze. Später wurden Büchsenmeister und Schlangenschützen als Konstabler vereint. [wikipedia] Bei der Artillerie hatten die Büchsenmeister das Marketender-Recht. => Konstabel.

[50] Profoss: Militärischer, vielfach gefürchteter Offiziant, der die Einhaltung der Kriegsbestimmungen und Befehle, der Lager- und Marschordnung überwachte. Der Profoss zeigte die Zuwiderhandelnden beim Befehlshaber an, nahm sie fest, stellte sie vor Gericht und vollstreckte das vom Kriegsrichter (dem Auditeur) gesprochene Urteil. Er ersetzte dadurch den Scharfrichter, der nicht immer beim Regiment vorhanden war. Dabei unterstützten ihn Knechte und Gehilfen wie der Profosslieutenant. Es gab einen Profoss für jedes einzelne Regiment und einen Generalprofoss (auch „Generalgewaltiger“ genannt) für die gesamte Armee. Der Profoss hatte ferner die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel vor den Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Er überwachte gegen eine Abgabe der Händler oder Marketender den Lagermarkt. Zudem oblagen ihm die Einrichtung der Latrinen und die Reinigung des Feldlagers von den Fäkalien, die Entfernung toter Tiere. Einmal pro Woche wenigstens sollten die Quartiere durch die Huren und Trossbuben gereinigt werden, zur Aufsicht wurde auch der Hurenwebel (aufsichtsführender Organisator des umfangreichen Trosses) herangezogen. Mitglieder des Trosses, der immer wieder Gesindel aller Art anlockte, konnten zudem zu den kräftezehrenden und verachteten Schanzarbeiten und anderen Hilfsarbeiten herangezogen werden. Hier hatte der ihm unterstellte Hurenwebel die Aufsicht. Diese wichtige Funktion war für einfache Soldaten die wohl einzige militärische Aufstiegsmöglichkeit. Der Hurenwebel besaß einen eigenen Leutnant als Stellvertreter und wurde zudem vom Rumormeister unterstützt. Der Profoss und dessen Leutnant sollten zudem beim Verlassen der Quartiere die Huren und die Trossbuben aus den Quartieren vertreiben und dafür sorgen, dass alle Feuer gelöscht waren. Seine Aufgabe war es auch, die Gefangenen hinter dem Regiment herzuführen. Er erhielt monatlich 30 fl. (Kavallerie) bzw. 60 fl. (Fußtruppen). LAHRKAMP, Kölnisches Kriegsvolk; Schwedisches Kriegs-Recht; BERG, Administering justice, S. 6. Der Stadtarzt Gabriel Furttenbach [1640-1716] von Leutkirch (unter 1619); GAIER; SCHÜRLE; PRAßER, Schwabenspiegel Bd. 3, S. 106f.: „Den 25. Dito [1619]. Donnerstag Morgens sein abermahlen alle Fahnen auff bemeltes Feld Commandiert und Gemustert worden. Alß nun ein Soldat von Erazheimb Gebürtig / ein armer Tropff und Baursmann / umb fl. 7. deß Monats nicht Dienen / sondern fl. 8. haben wollte / hat sich der Herr Obriste [Johann Fuchs; BW] über ihn so hefftig Erzürnt / daß Er andern zu einem Exempel solchen den Scharpffrichter (nicht daß er ihne ohne weitern Befelch Hinrichten solle) in seinen Handen zugeben Befohlen: Demnach aber der Profos Caspar Tenger von Rothweil mit dem armen Tropffen zugeschwind fortgefahren / ihne zwar nochmalen erinnert die benannte Besoldung ohne widerred anzunemmen / oder ihme für einen Steckenknecht Zudienen / Er aber solches nicht thun / sondern ehender Sterben wolte / hat der Profos denselbigen / ohne weitere Ordre deß Obristen / welcher schon Perdon zugesagt  hat / an einen Baum am Heggelbacher Weg Auffhencken lassen. Warüber aber der Obriste und Soldaten übel zufriden gewesen / und deßwegen diser Profos sich mit Leib und Leben dem Regiment Verschreiben miessen“.

[51] Frankfurt a. d. Oder; HHSD X, S. 177ff.

[52] CHEMNITZ, Geschichte, 4. Buch, 24. Kapitel, S. 71.

[53] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[54] Matthias [Matteo] [di] Gallas [Galas, Galasso], Graf v. Campo, Herzog v. Lucera] [17.10.1588 Trient-25.4.1647 Wien], kaiserlicher Generalleutnant. Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[55] Rudolf Georg v. Wolframsdorf [Ramsdorf, Wolffersdorf] [ – ], kursächsischer u. kaiserlicher Obrist.

[56] Fahne: Fahne einer Kompanie; metonymisch die ganze Kompanie. Als Feldzeichen war die Fahne zur Unterscheidung von Freund und Feind unverzichtbar, da es im Dreißigjährigen Krieg kaum einheitliche Uniformen gab. Sieg und Niederlage wurden nach der Zahl der eroberten und verlorenen Fahnen ermittelt. Die Fahne wurde geradezu kultisch verehrt, Soldaten legten ihren Eid auf die Fahne, nicht auf den Kriegsherrn ab. BRNARDÍC, Imperial Armies 1, S. 38ff.

[57] Standarte: an einer Stange als => Fahne angebrachtes Feldzeichen berittener Truppen.

[58] Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 246.

[59] General(feld)wachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor“ bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.

[60] N Billihörk [ – ], schwedischer Generalwachtmeister.

[61] Generalmajor: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.

[62] Arvid [Arwid, Ernst, Arfulch] Wittenberg [Wittenbergk, Wirtenberg, Wirtenburg, Württemberg(er), Württenberg] v. Döbern u. Nyborg [1606 Porvoo-7.9.1657 Zamość], schwedischer Generalmajor.

[63] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 244.

[64] Lennart Torstensson [Torstensohn, Torsten-Sohn], Graf zu Ortala u. Freiherr v. Virestad [17.8.1603 Forstena im Kirchspiel Västra Tunhem (Västergötland)-7.4.1651 Stockholm], schwedischer Feldmarschall.

[65] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.

[66] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[67] Praejudiz: Beeinträchtigung, Vorurteil; Schaden.

[68] BORKOWSKY, Schweden, S. 100.

[69] William Forbes [Forbus, Vorbus, Vorbusch, Forbutz] [2.2.1614 Fiddes, Schottland-14./24.7.1654 an der Schanze Burg], schwedischer Obrist.

[70] 6.3.1645: 16.000 Mann schwedische Truppen unter Feldmarschall Torstensson besiegten ein kaiserliches Heer von 18.000 unter Feldmarschall Johann von Götz, der in der Schlacht fiel. Die Kaiserlichen hatten 4.000 Tote und Verwundete zu beklagen, verloren 4.500 Gefangene (darunter auch Melchior von Hatzfeldt) und alle Geschütze. Die Schweden büßten 2.000 Mann ein. – Jankau [Jankov]; HHSBöhm, S. 226.

[71] Brigade: Anfangs bestand die schwedische Brigade aus 4 Schwadronen (Squadrons) oder Halbregimentern, also 2016 Mann und 256 Offizieren, ab 1631 nur noch aus 3 Schwadronen Fußvolk zu je 504 Mann und 64 Offizieren. Die insgesamt 1512 Mann waren in 648 Pikeniere und 864 Musketiere eingeteilt, die in Rotten zu je 6 Mann aufgestellt waren.

[72] Kaspar Kornelius Mortaigne de Potelles [Mordani, Mordoni, Mortaiger, Montagne, Mortaine, Mortague] [um 1609 Wallonien-18.7.1647 vor Rheinfels], schwedischer Generalmajor, dann hessen-kasselischer Generalleutnant.

[73] Schwadron: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug).

[74] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[75] Pikenier: Fußsoldat, der die Pike führte, ein Landsknechtspieß von 3 bis 5 m Länge, die entscheidende Waffe des in geschlossenen Haufen kämpfenden Fußvolkes. Die Pikeniere bildeten die unterste Klasse des Fußvolks. Bei einem Reiterangriff richteten die ersten beiden Reihen des Fußvolkes die Piken gegen die Angreifer. Die Pike war eher eine Defensivwaffe, da die Pikeniere den Rückhalt für die beweglicheren Musketiere bildeten (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, S. 89f.). Hochrangige Offiziere wie Piccolomini behaupteten gern von sich, sie hätten das Kriegshandwerk „von der Pike auf“ („con una picca“) gelernt. Die 1, 5 – 2 mm dicken Brustharnische der Pikeniere boten keinen ausreichenden Schutz gegen Musketenkugeln, die mit 300 m/sec noch auf 40 Meter den Harnisch und seinen Träger durchschlugen und ihm meist tödliche Verletzungen zufügten. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 79, 156. Bei einer Schussentfernung von 100 m wird der Brustpanzer noch durchschlagen, in der Regel blieb aber die Kugel im Körper zurück und fügt dem Getroffenen schwere Verletzungen zu. Bei einer Entfernung von 200 m wird der Panzer zwar nicht mehr durchschlagen, der Getroffene erleidet aber schwere Prellungen. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 79f.

[76] Jöran [Jörgen, Jürgen, Jyri, Georg] Paykull [Paickel, Paijkull, Peikel, Peikul, Peykel, Patkul, Beckel, Beykel, Bickell, Pryckel, Poiquel, Putkul (Patrulius)] [2.5.1605 Reval-1.2.1657 Stockholm], schwedischer Generalmajor.

[77] PLEISS, Das Kriegstagebuch, S. 144.

[78] Samuel [v. ?] Österling [Osterling] [1604-30.11.1647], schwedischer Obrist.

[79] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.

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Kolb von Kager [Reindorf, Rhaindorf], Hans [Johann] Jakob; genannt „der junge Kolb“ [Kolp, Colb]

Kolb von Kager [Reindorf, Rhaindorf], Hans [Johann] Jakob; genannt „der junge Kolb“ [Kolp, Colb]; Obrist [1604-1670] Hans Jakob[1] Kolb von Kager[2] war der Sohn (Neffe ?) des Andreas Kolb von Reindorf.

Der Benediktiner-Abt von St. Georgen im Schwarzwald,[3] Georg Gaisser [1595-1655],[4] erwähnt ihn 1637 als Rittmeister in seinem Tagebuch: „14.[11.1637; BW] Besuch von dem adeligen Schneider von Sulz auf Klingenberg, Fähnrich[5] im Gayling’schen Regiment,[6] mit seinem Schwager (affine) Joh. Kaspar von Waldkirch[7] mit dem Ersuchen, ich solle die Kirnacher[8] Bauern und meine Untertanen zur Entschädigung für die Tötung eines Reiters veranlassen, wofür der Reitermeister Kolb um 1 Pferd bittet“.[9]

Er war kurbayerischer Obristleutnant[10] und führte 1643 das Arkebusier-Regiment[11] „Jung-Kolb“,[12] das Johann von Werths[13] Leibregiment[14] war.

1644 wurde er zum Obristen[15] befördert und erhielt das Kürassierregiment[16] Kürnreiter.

„Marschall Turenne war am 26. März [1645; BW] mit 8000 Mann, größtenteils Deutschen, auf einer Schiffbrücke bei Speyer[17] über den Rhein gegangen und hatte, da [Franz v.; BW] Mercy ohne ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten[18] ein Treffen scheute, sich mehrerer Orte in Franken und Schwaben bemächtigt; Ende April nahm er sein Hauptquartier zu Mergentheim.[19] Da er der kurbayerischen Armee somit ihre Musterplätze und Unterhaltsmittel weitgehend entzog, erbat und erhielt Mercy von Maximilian den Befehl zum Angriff. Er sammelte seine Truppen um Feuchtwangen[20] und beabsichtigte, wie seinerzeit bei Tuttlingen[21] die Gegner unvermutet zu überfallen. Am Abend des 4. Mai marschierten die Bayern ohne Trommelschlag in tiefer Stille von Feuchtwangen ab, kampierten nachts in freiem Felde, brachen am 5. mit anbrechendem Tag wieder auf und stießen beim Dorfe Herbsthausen[22] unweit Mergentheim auf die Feldwachen des Feindes.

Marschall Turenne hatte rechtzeitig seine Truppen alarmieren lassen und Zeit gefunden, mit dem Hauptteil seiner Armee eine Schlachtordnung zu formieren, so daß den Bayern die angestrebte Überraschung nicht völlig gelang. Er selbst stand mit dem Fußvolk auf dem rechten Flügel, angelehnt an ein Wäldchen und vor der Front durch tiefe Gräben gedeckt, während Generalmajor von Rosen mit der weimarschen Kavallerie, die den linken Flügel bildete, auf einer Anhöhe Stellung genommen hatte. Unter dem Losungswort ‚Sancta Maria‘ rückte die bayerische Infanterie unter dem Kommando des Feldzeugmeisters[23] von Reuschenberg[24] auf dem linken bayerischen Flügel, welchen Jan von Werth befehligte, gegen Turennes Infanterie vor, – die Geländeverhältnisse erlaubten keine Kavallerieattacke – warf den Gegner mit Ungestüm über den Haufen und drang bis zum Dorfe Herbsthausen vor. Mit minderem Erfolg focht der rechte kurbayerische Flügel unter Sperreuter[25] und Gayling, der beim Vorrücken durch Rosens Reiter zum Weichen gebracht wurde; in diesem Moment eilte der Obrist Hans Jakob Kolb, der mit drei Reiterkompanien ’noch dahinden gewest und in dieser Occasion einen sondern Ruhm verdient‘,[26] ihm zur Hilfe, verstärkt durch etliche Regimenter, die Jan von Werth geistesgegenwärtig vom linken Flügel heranführte. Unter dem Anprall der bayerischen Reiterei wandten sich auch die weimarischen Regimenter zur Flucht, nachdem das Gefecht nur etwa eine Stunde gedauert hatte. Auf der Verfolgung wurde Rosen gefangen, Turenne, der vergeblich versucht hatte, mit der Infanterie im Dorfe Herbsthausen den Kampf zu erneuern, jagte nach Mergentheim zurück, mit zwei Reiterregimentern, die zu spät zur Schlacht gekommen waren, einen geordneten Rückzug zu decken. Beide Regimenter – sein Leibregiment und das des Obristen Tracy – wurden von der bayerischen Avantgarde angegriffen, in die Flucht geschlagen ‚und mehrerntheils ruinirt‘. Mercy ließ sammeln, sandte die Reiterei zur Verfolgung aus und rückte gegen Mergentheim, wo sich die Besatzung des festen Schlosses in Stärke von 200 Mann sogleich ergab.

Noch einmal hatten die Bayern einen großen Erfolg errungen; Turennes Armee bestand nicht mehr. Neben Rosen waren der französische Maréchal-de-Camp Schmidtberg und die Generalmajore de Bussy-Lameth und Marquis du Passage gefangen, dazu 183 Offiziere und etwa 2500 ‚gemeine Reuter und Fußknecht‘; sechs Geschütze sowie 59 Standarten und Fahnen wurden erbeutet. Die ohne allen Zusammenhalt an Rhein und Main flüchtenden Trümmer der Armee wurden auf der Verfolgung ereilt und gefangen, andere gerieten auf einzelne, ohne Kunde der Niederlage marschierende kaiserliche oder bayerische Regimenter und wurden niedergemacht, so Turennes zu Schwäbisch-Hall[27] gelegene Garnison, die nicht am Treffen teilgenommen hatte, bei Sindringen[28] am Kocher, wo sie durch den Dragonerobristen[29] Creutz überfallen wurde. Die moralische Wirkung des Sieges war groß; zumal Werth hatte durch sein rechtzeitiges Eingreifen entscheidend zum Erfolg beigetragen. Von Mercys Armee waren 300 Mann gefallen, darunter der Obrist Beauvau[30] und drei Hauptleute. Die Gefangenen wurden in bayerische Regimenter eingereiht. Feldmarschall Mercy schrieb dem Kurfürsten, sie würden wohl gut tun müssen, ‚denn, wenn sie ausreißen sollten, will ich von ihnen brav aufhängen, auch selbige, wann es vonnöten, schon vorausschicken und totschlagen lassen‘ „.[31]

Kolb war als Überbringer der Siegesnachricht nach München gegangen und hatte eine goldene Ehrenkette empfangen,[32] was nach heutigen Maßstäben einem Orden entsprach.

Am 13.9.1646 wurde sein Regiment, das sich auf dem Marsch von Ingolstadt[33] nach München befand, von Königsmarck im Schlaf überfallen. Ein Teil der Soldaten wurde getötet und 200 Mann gerieten in Gefangenschaft.[34]

In dem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ des Historiographen und Habsburg-Anhängers Wassenberg[35] heißt es in seinem anlässlich der Belagerung Augsburgs[36] 1646: „Von Rain giengen der Bundesgenossen beyde Kriegsherren auff Augspurg / welche anfangs schlecht besetzt vnnd versehen gewesen / bekam aber bald vnterschiedlichen Succurs / erstlich vnter dem Oberst. Leutenant Pissinger [Bissingen; BW] in die 400. Reuter vnnd Tragoner / welcher alsobald vff ein Schwedische Parthey in gegenwarth deß Schwedischen Assistenz Raths Herrn Alexander Eßkhens [Erskein; BW] / (welcher in die Stadt kommen / in Meynung selbe durch gütliche Handlung in Schwedischen Gehorsamb zu bringen) außgefallen / selbige geschlagen / vnd ohne waß tod blieben / in 36. Reuter eingebracht. Den 8. 18. September seynd die Obersten Creutz vnd junge Kolb mit dem Rest von 800 Reutern / vnd Tragonern (davon der General Leuten. Königsmarck bei Schwabenhausen[37] / auff 250. Theils nidergemacht / theils gefangen / neben 1. Oberst. Leuten. 1. Rittmeister / 3. Hauptmänner / etlichen Leut. vnd Fendrichen davon gebracht zu Verstärckung in die Stadt kommen“.[38]

1647 stand Kolbs Regiment in der Oberen Pfalz.[39] An der Meuterei Werths war er jedenfalls nicht beteiligt. „Bei den in der Oberpfalz liegenden Rgt. scheint der Schritt Werths einige Verwirrung angerichtet zu haben, da ein Bericht des Magistrats Lauterhofen[40] von der ‚Werthschen Confusion‘ spricht. Am 9. Juli lagerten die 3 Rgt. Kolb, Württemberg [Ulrich v. Württemberg in Neuenbürg; BW] und Coselkhe [Wilhelm Coselky v. Herschowitz; BW] sowie die 2 Rgt. zu Fuß Elter und Beltin um Amberg;[41] sie marschierten am 10. gegen Neumarkt[42] ab und am 13. zurück, dann von Amberg wieder in ihre alten Quartiere, aus denen sie vor dem 9. nach Amberg gekommen waren. Zweifellos steht dieses planlose Hin- und Hermarschieren im Zusammenhang mit der Aufforderung Werths zum Übertritt in die kaiserlichen Dienste. Das Rgt. Jungkolb scheint sich als nicht zuverlässig erwiesen zu haben, da es aufgelöst und auf die anderen Rgt. verteilt wurde. Sein Oberst war jedenfalls daran nicht beteiligt, da er noch 1649 als Oberst in bayerischen Diensten stand“.[43] Kolb hatte für seine Loyalität nach der Flucht Werths in kaiserliche Lager dessen Regiment erhalten.[44]

Am letzten Feldzug 1647/48 war Kolb beteiligt.  Am Lech blieb vorerst im März 1648 nur Kolb mit seinem Regiment zur weiteren Beobachtung des Gegners zurück. An der Schlacht bei Zusmarshausen[45] am 17.8.1648 nahm er teil. Über das Treffen berichtete der bayerische Feldmarschall Jost Maximilian von Gronsfeld am 18.5. – an diesem Tag informierte der Kurfürst seinen kaiserlichen Schwager; dabei hatte Maximilian wieder einen möglichen neuen Waffenstillstand angedeutet;[46] überschritten Wrangel und Turenne die Schmutter und rückten nach Augsburg vor – aus seinem Feldlager vor Augsburg: „Es ist hart hergangen und hat das angreiffen des feindts und disseitige defension der Schmutter sine intervallo in die neun geschlagene stunde gewehret, in welcher occasion der Druckmüller, I. F. Gn. von Württemberg [Ulrich v. Württemberg in Neuenbürg; BW], Fleckenstein, und der Junge Kolb, wie auch alle andern, so darzue commendirt worden, sonderlich sich tapfer und wohl verhalten und competirt,[47] und danke ich Gott, daß die beede armaden glückhlich anhero gebracht, so wohl nicht daß ansehen gehabt, wie der graf Holzappel todt bliben“.[48]

[1] Bei KODRITZKI, Seitenwechsel, fälschlich als Andreas geführt.

[2] Kager [LK Cham].

[3] St. Georgen im Schwarzwald [LK Schwarzwald-Baar-Kreis].

[4] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 93f. Vgl. auch SCHULZ, Strafgericht.

[5] Fähnrich (Kornett): Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f.

[6] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 ((offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[7] Waldkirch [LK Emmendingen].

[8] Unterkirnach [Schwarzwald-Baar-Kreis].

[9] STEMMLER, Tagebuch 2. Bd., S. 689.

[10] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde“. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[11] Arkebusier: Leichter, mit einer Arkebuse bewaffneter Reiter, eigentlich berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß). Die Arkebuse (später Karabiner genannt) war ein kurzes Gewehr, eine Waffe für bis zu über 100 g schwere Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Sie erhielt ihren Namen vom hakenförmigen Hahn der Luntenklemme, der das Pulver in der Zündpfanne entzündete. Gerüstet war der Arkebusier mit einem Kürass aus schussfreiem Brust- und Rückenstück (dieses wurde mit 11 Rt. veranschlagt) oder auch nur dem Bruststück. Seitenwehr war ein kurzer Haudegen, in den Sattelhalftern führte er 1 – 2 Pistolen. Er wurde zumeist in kleineren Gefechten oder für Kommandounternehmen eingesetzt. In den Schlachten sollten sie die Flanken der eigenen angreifenden Kürassiere decken und in die von ihnen geschlagenen Lücken eindringen. Er erhielt als Verpflegung die Hälfte dessen, was dem Kürassier zustand, zudem auch weniger Sold. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 464 ff. Des öfteren wurden Arkebusierregimenter, wenn die Mittel vorhanden waren, in Kürassierregimenter umgewandelt.

[12] Jung-Kolb, bayr. Arkebusierregiment (im Juli 1647 813 Mann – Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Älteres Archiv 2953, fol. 111-111′; fol. 85-86 – , im Febr. 1648 989 Mann – fol. 154 – ; am 10.9.1650 abgedankt; HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 930.

[13] Vgl. LAHRKAMP, Werth.

[14] Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17.Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark und in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen.

[15] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[16] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtliche Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[17] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[18] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[19] (Bad) Mergentheim [Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 41ff.

[20] Feuchtwangen [LK Feuchtwangen]; HHSD VII, S. 196f.

[21] Tuttlingen [LK Tuttlingen]; HHSD VI, S. 806f. Schlacht bei Tuttlingen am 24.11.1643: Die kaiserlich-kurbayerischen Truppen unter den Feldmarschällen Melchior von Hatzfeldt, Franz von Mercy und Johann von Werth besiegen die französisch-weimarische Armee unter Generalleutnant Josias von Rantzau, der in Gefangenschaft gerät. Vgl. auch die bayerische „Relation über den Überfall von Tuttlingen und die Rückeroberung von Rottweil“ bei HEILMANN, Feldzüge, S. 61-73.

[22] Herbsthausen [Bad Mergentheim, Main-Tauber-Kreis]; HHSD VI, S. 330.

[23] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt: Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder“  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.

[24] Vgl. REUSCHENBERG, „Jesus Maria und kein Quartier !“; EHRENPREIS, Feldmarschall Johann von Reuschenberg.

[25] Vgl. LEISTIKOW, Sperreuter.

[26] Vgl. KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 116.

[27] Schwäbisch Hall [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 723ff.

[28] Sindringen [Forchtenberg; Hohenlohekr.]; HHSD VI, S. 744.

[29] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.

[30] Dieser erscheint am 14.9.1646 vergeblich  vor Augsburg, um die Aufnahme französischer Völker zu erreichen. HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 712.

[31] LAHRKAMP, Werth, S. 153ff.

[32] LAHRKAMP, Werth, S. 154, Anm. 57.

[33] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[34] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 710.

[35] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[36] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[37] Schwabhausen [LK Dachau]. ?

[38] WASSENBERG, Florus, S. 698.

[39] LAHRKAMP, Werth, S. 173.

[40] Lauterhofen [LK Neumarkt]; HHSD VII, S. 397f.

[41] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[42] Neumarkt i. d. OPf.; HHSD VII, S. 505f.

[43] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 248.

[44] Nach RIEZLER, Meuterei II, S. 218.

[45] Zusmarshausen [LK Augsburg]; HHSD VII, S. 849f. 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne und Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[46] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1648/5/10 (Ausfertigung): Maximilian I. an Ferdinand III., München, 1648 V 18.

[47] competiren: kämpfen; zustehen.

[48] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Älteres Archiv 2961, fol. 542 (Ausfertigung): Jost Maximilian von Gronsfeld an Maximilian I., 1648 V 18.

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Marimont [Mairemont, Margemont, Mergemünd, Meilart], [Johann ?] Carl Freiherr von und zu

Marimont [Mairemont, Margemont, Mergemünd, Meilart], [Johann ?] Carl Freiherr von und zu; Generalwachtmeister [[um 1605-4.11.1668] Der aus Lothringen stammende Marimont,[1] Herr auf Wallingen,[2] Neudorf[3] und Chanville,[4] später Kämmerer und Pfleger in Waldmünchen,[5] war bayerischer Obristleutnant im Regiment Horst unter dem Kommando Franz von Mercys gewesen. Am 27.10.1640 wurde er zum Generalquartiermeister befördert.[6]

Franz von Mercy ließ Marimont am 5.9.1642 Wildenstein[7] einschließen.[8]

Am 23.11.1642 wurde er auf Weisung Maximilians I. Kommandant von Neumarkt.[9]

Im Januar 1643 lagen vier Kompanien des Regiments Horst unter Marimonts Befehl in Weiden.[10]

Bei seinem Marsch gegen Freiburg[11] um den 25.6.1644 hatte Franz von Mercy 1.600 Soldaten unter Marimonts Befehl in den Schanzen um die württembergische Höhenfestung Hohentwiel[12] zurückgelassen,[13] darunter auch die zur Armee abkommandierten Soldaten des Regiments Horst.[14] 1644 musste er auf Befehl Mercys die Blockade aufheben und stattdessen das strategische wichtige Schloss Wildenstein[15] blockieren, das am 5.9. mit Akkord überging.[16]

Anscheinend hatte Marimont sich auch an den üblichen Erpressungen von Juden beteiligt: „Die Juden in Schnaittach[17] mußten [1646; BW] Ringe und Silbergeschirr im Wert von 180 fl. an die bayerischen Obristen Puech und Marimont abgeben“.[18]

Der kaiserliche Kommandierende Gallas[19] hatte Ferdinand III.[20] am 1.1.1647 aus Wasserburg[21] einen umfangreichen Bericht zur Lage geschickt. In Wasserburg angekommen, sei er vier Tage lang vom Fieber geplagt und daher unfähig gewesen, die kaiserliche Mission beim bayerischen Kurfürsten[22] persönlich zu erledigen, und habe Maximilian I. gebeten, jemanden zu ihm zu schicken, dem er die Absichten des Kaisers anvertrauen könne. Der Kurfürst habe darauf seine Räte Kurz, Mändl und Teisinger zu ihm entsandt. Er, G., empfing als ersten Kurz und übergab ihm des Kaisers Schreiben. Der Kurfürst ließ ihn, G., wissen, er solle sein Kriegsvolk über die Donau führen, da sein eigenes Land völlig ausgeplündert sei. Er habe geantwortet, dass er vom Kaiser beauftragt sei, des Kurfürsten Land zu schützen, dass er jedoch fürchte, das werde nicht ohne große Opfer und möglicherweise auch nicht ohne die völlige Vernichtung der Armee möglich sein. – Der Kurfürst hatte sich vergeblich mit ähnlichen Vorschlägen bereits an Erzherzog Leopold Wilhelm gewandt, doch dieser sei in seinen ursprünglichen Stellungen geblieben. Dann habe er, G., um einige Tage Aufschub ersucht und den Ausmarsch vorbereitet; der kaiserliche [Reich; BW] und der bayerische Generalquartiermeister [Marimont; BW] seien von ihm nach Landshut[23] befohlen worden, wohin er am folgenden Tag abmarschieren wolle. Der Kurfürst könne keine Winterquartiere zur Verfügung stellen, selbst wenn die Schweden gemäß dem Waffenstillstandsvertrag[24] noch welche räumen sollten, denn sämtliche Orte seien verwüstet, so dass nur die Erbländer übrig blieben. Trotzdem habe er auf seiner Forderung bestanden, dass der Kurfürst noch gewisse Zeit die Armee weiter verpflegen müsse, bevor der Kaiser anderswo Proviant besorgt; „unter solchem ist ein Paar Stunden ein Discurs vorgangen, in was Gefahr die Armaden und die armen Völcker stünden, dass man sie so hilflos liesse, es sei zu befürchten, die Geduld möchte einsmals brechen, welches Gott gnädig verhütten wolle“. Ferner sei er gefragt worden, wer ihm zur Assistenz beigegeben werde, ob Piccolomini,[25] Lamboy oder Holzappel; er habe geantwortet, er wisse darüber vorläufig noch nichts. Im Auftrag des Kurfürsten habe ihm Kurz mitgeteilt, dass man sich nicht erklären könne, wieso der Feind rechtzeitig von allen geheimen Angelegenheiten, ja sogar von den Briefen des Kaisers und Maximilians an Leopold Wilhelm und umgekehrt unterrichtet sei.[26]

In die Werthsche Revolte des Sommers 1647 scheint Marimont mehr aus Arglosigkeit geraten zu sein.

„Die Zahl der unter Werths Kommando über die Donau rückenden bayerischen Regimenter belief sich auf zwölf, je zur Hälfte Kavallerie und Fußvolk. Es waren die Kürassierregimenter Gayling, La Pierre und Fleckenstein, die Arkebusiere Werth, Sporck und Walpott von Bassenheim sowie die Infanterieregimenter Holtz, Marimont, Reuschenberg, Cobb, Jung-Mercy [Heinrich v. Mercy; BW] und Winterscheid. Obwohl Werth gute Disziplin zu halten suchte, ging der Marsch nicht ohne Ausschreitungen ab. Weil wegen des Waffenstillstands die Bagagepferde vermindert worden waren, mußten zur Fortschaffung des Trosses Pferde requiriert werden. Da für die Truppen keinerlei Zufuhr organisiert war – die kurfürstlichen Beamten widersetzten sich oder hatten keine Anweisung – , waren die Regimenter genötigt, sich Lebens- und Futtermittel aus den durchzogenen Gegenden selbst zu besorgen. In einzelnen Fällen wurden Beamte mißhandelt, die ihren Exzessen zu wehren suchten. Die mit Werth einverstandenen Offiziere suchten jede Verbindung ihrer Truppen mit kurfürstlichen Boten und unterrichteten Beamten möglichst zu verhindern, keiner traute dem anderen; einzelne Werth verdächtige Obristen, wie etwa Marimont wurden streng überwacht. Marimont, der insgeheim kurfürstliche Schreiben erhalten hatte, die ihn über Werths Abfall aufklärten, schrieb, er würde durch die Zustellung der Patente an seine Kameraden sein Leben riskieren, da er wie ein Gefangener gehalten werde. Trotzdem gelang es der Entschlossenheit des Werth nachgeschickten Kommissars Franz Niclas von Königsfeld, nach Vilshofen[27] zu kommen und sich mit Holtz, Gayling und Marimont in Verbindung zu setzen. Der Generalwachtmeister Andreas Kolb von Reindorf war inzwischen dem Beispiel seines Sohnes gefolgt und führte sein Regiment nicht in Werths Lager, sondern nach Cham[28] und weiter auf Amberg,[29] nachdem er Druckmüller von seiner bevorstehenden Ankunft unterrichtet hatte.

Am 7. Juli befand sich Werths Hauptquartier mit der Hauptmasse der Reiterei in dem kleinen passauischen Marktflecken Röhrnbach[30] an der Alz, nur noch ein bis zwei Tagesmärsche von der böhmischen Grenze entfernt. Das Fußvolk stand weiter zurück, noch nicht weit von der Donau entfernt, weil schlechte Wege den Marsch der Bagage behinderten. In der Nacht brach die ‚Gegenrevolte‘ los. Holtz und Marimont, durch die kurfürstlichen Patente längst gewonnen, befahlen die Umkehr über die Donaubrücken, nachdem sie Werths Ächtung bekanntgegeben hatten“.[31]

„Am 10. Juli fand sich abends Werths Stallmeister [Johann Wilhelm v. Harff; BW] mit sechs Reitern und zehn Pferden in Aigen[32] ein, nachdem er arretiert gewesen, aber die Wachen durch ‚einen guten Trunckh von seines Herren Wägen‘ betrunken gemacht hatte. Er berichtete, daß Werths Bagage noch unangegriffen, die Sporcks jedoch ausgeraubt sei; Sporcks Gattin werde beim Generalwachtmeister Gayling in Verwahr gehalten. ‚Er hätte auch mit seinen eigenen Augen gesehen, daß Obristwachtmeister, Rittmeister und andere Offiziere weinend den Herrn von Werth betauret und gesagt, daß sie diesen redlichen Mann verlieren müssen‘. Anstifter der Meuterei seien Holtz, Marimont und Gayling, die noch eine halbe Stunde vor Werths Flucht versprochen hätten, mit ihm zu gehen. Auch Werths Page und Sporcks Leibbarbier flüchteten, denen Propst Martin [Greysing; BW] mit ‚Roß und Boten bestermaßen forthalf‘ „.[33]

„Auf Befehl des Kurfürsten kehrten die Regimenter in ihre alten Quartiere zurück und wurden gemustert; dabei brach Ende Juli im Regiment Sporck noch eine Meuterei los, deren drei Rädelsführer im August in Eggenfelden[34] durch den Strang endeten. Gayling und Holtz hatten das Kommando übernommen und den Obristen Marimont mit mündlichen Bericht an den Kurfürsten gesandt. Sie gaben zunächst vor, sie hätten Werths böse Pläne nicht durchschaut, machten dann aber geltend, der gute Ausgang beweise die Zweckmäßigkeit ihres Verhaltens. Maximilian unterzog die höheren Führer in München selbst einem Verhör und beförderte Gayling zum General der Kavallerie, Holtz, Andreas Kolb und Druckmüller zu Feldmarschall-Leutnants, Marimont, La Pierre und Winterscheid zu Generalwachtmeistern. Generalkriegskommissar Schäffer bekam Werths Landgut Bodenstein[35] sowie ein Belobigungsschreiben und die Versicherung des Schutzes gegen den Kaiser“.[36]

Nach den Erinnerungen des Erzgebirgschronisten Christian Lehmann [11.11.1611 – 11.12.1688] war er 1647 als Obrist und Generalquartiermeister (bei ihm als „Margemont“) in kurbayerischen Diensten unter dem Befehl des neu ernannten Feldmarschalls Jost Maximilian von Gronsfeld tätig.[37] Gronsfeld hatte sich beim Marsch durch Erzgebirge den üblichen Kriegsbräuchen angepasst. „Den 7. [17.] October schickte der Beyerische General Gronsfeld, welcher in der Mipe[38] lag, 3 stunde vor Nachts seinen Hofmeister an Rath zum Scheibenberg[39] und begehrte ein Discretionsgeld oder was in die küche, weil seine regiementer noch ezliche tage wurden stille liegen. Dieser Hofemeister wurde zum trunckenen Cämmerer gewiesen, welcher zwar des Stedleins Unvermögen und ihre Discretion gegen den keyßerlichen General Holzapfel [Holzappel; BW] beschehen vorschüzte, und die anwesenden Salvaguarden vorstellete, endlichen, weil der Hoff-Meister sich nicht wolte abweisen laßen, auch mit ihm expostulirte und mit giftigen und höhnischen stichelworden abwiese, daß der Hoffmeister im Zorn weggeritten und den schimpf seinen General geklaget, welches zue grosen schaden dem Stedtlein gediegen. Den obwohl der Rath noch diesen tag, was an haber, hünern und andern vor 8 thl. durch ezliche Männer in die küche hienunder schickte, wurden Sie doch ubel abgewiesen und mit ihren disreputirlichen praesent und diesen worden: Meinen Sie, denn ich bin ein Bettler, zuerück geschickt; (er) commendirte drauf des abendts diesen Stadtlein zur straffe seine gantzen stab her mit 1000 Musquetirern, ezlichen stucken Artollerey, wägen und darzue gehörigen Pferde. Do nun in Städtel noch niemandt das getrohete Unglück glauben wolte, Siehe do kommen den folgenden 8. [18.] October frühe um 8 Uhr die Beyerischen Quartirmeister mit vielen commendirten Pferden in großer furie, hieben alle schlagbeume vor und in den gaßen entzwey, stürtzen, was in wege war, uber und uber, machten in heußern und Scheunen Quartier auf die Officirer, daß das Stedtlein zue Enge wurd, und wurden die Quartier gemacht nicht nach richtiger außtheilung der Burgerschaft, sondern unordentlich ohne untterscheitt Geist- und Weltlicher personen, nur nach dem Vorrath, den Sie an haber, futter und gedreit in heußern funden, also daß auch des Pfarrers nicht verschonet wurde, deßen thüren Sie erbrachen, die schläge vor der Pfarre auch zerhüben, den kettenhundt erstachen, das viehe auß den Ställen jagten und raum machten vor ihre Pferde, die so hoch wahren, daß Sie durch die niedrigen Pfarrthüren nicht eingehen kuntten, welches dem Pfarrer verursachte, daß Er den anmarchirenden General entgegenginge, vor gewalt und ärgere Tyranney bate“.[40] Aber auch die Beschwerden Lehmanns bei Gronsfeld halfen ihm nicht aus seiner bedrängten Lage. Um die Bevölkerung noch mehr einzuschüchtern, wurde mit der Beschießung der Festung Scheibenberg – wenn auch nur zum Schein – gedroht, wie der Chronist weiter berichtet: „Erschrecklich und auch lächerlich wahre es, daß die Stucke mit 1000 Musquetirern angemarchirt kahmen, die Stucke auf den knöchelacker Pflanzten, und die Mußquetirer sich auf beyden seiten an die straßen stelleten, alß wen Sie, die festung Scheibenberg, beschoßen und gestürmet werden solte, des hernach die Officirer selbst lachen und sich schemen musten, daß Sie auch die stucke und Artollerey-Pferde wieder zuerücke in grund[41] schickten“.[42]Gegenüber den ebenfalls einquartierten Gayling von Altheim und Holtz verwies er missbilligend auf deren lutherische Religionszugehörigkeit, was ihm aber auch nicht half.

Weiter beklagte Lehmann die von den kaiserlichen und kurbayerischen Truppen mutwillig angerichteten Schäden: „Der Obrist Druckmüller stunde mit 1000 Pferden noch am Wald, und wolte sein hofmeister sich beim Pfarrer mit gewalt einlagern. Ihn triebe ab ein keyßerlicher Commißarius[43] auf 2 Carrethen[44] mit 36 Pferden, die den Pfarrer zugeweisen wurde; der hielte kriegsrath mit den Beyerischen General 4 stunden lang und ließ untterdeß seine reuter das Nechste hauß, drinnen 10 fuder heu lagen, die dem Pfarrer zuestendig,[45]aufbrechen und den beyerischen auf der gantzen gaße so wohl auch der Wache, die uff der hutweide 100 schrit von der kirche hinder den Pfarrgarten hielte, Preis geben, 3 stücke viehe stehlen und durch sein gesindtlein und 4 Pfaffen wohl plagen. Der Pfarrer mußte dem Quartirmeister eine discretion geben, eine Salvaguarda von ihm verpflegen und Spott zum schaden haben.[46] Die Mußquetirer lagen zum theil auf den Marck, zum theil auf der unttern gaßen, funden alles, was untter und uber der erden wahr, und durch diese einquartirung wurde die arme Burgerschafft rein verderbt, umb ihre mobilien an gedreit, futter, viehe und viehenuzen gebracht, aller Vorrath uffgefreßen, die leute erschrecket und mit den Soltatenkranckheiten vergiftet und angestecket, daß Sie hernach vor Harm und grämnuß sowohl auch von seuchen starben. Von Scheibenberg Marchirten Sie den 9. (19.) October in die Lauter,[47] verderbeten darmit den gantzen grundt und machten es ärger den die feindte. Auf Churfürstlich gnedigsten befehl muste das Schwartzenberger Ampt[48] seinen schaden schezen und den Churfürst eingeben, und belief (er) sich uber 50000 thl.; Dem Scheibenberg kostete es alleine 1 tag und nacht 2600 thl. Von der lauter marchirte Gronsfeld des nehesten Wegs nach Zwicka,[49] und hatte der beyerische General sein Quartir im nechsten Dorf bey der Statt, darinnen 4 regiementer lagen.Holzappel war bis nach Elterlein,[50] 3 Meilen von Zwickau und 1 Meile von Annaberg[51] entfernt, vorgerückt, nachdem er in den wäldern und morasten tag und nacht gestecket war“.[52]

Trotz der nach wie vor bestehenden Spannungen war es Holzappel und Gronsfeld gelungen, durch ihren weiteren Vormarsch Wrangels Truppen zum Aufbruch zu veranlassen.

Auf dem im Dezember 1647 einsetzenden Rückzug der kurbayerischen Truppen aus Hessen-Kassel wurden die Regimenter Fleckenstein und Marimont zwar zur Vereinigung nach dem würzburgischen Amt Gerolzhofen[53] abkommandiert, von wo sie anscheinend zur Belagerung Schweinfurts[54] abrücken sollten, dann aber wieder in die bambergischen Quartiere zurück verlegt.[55]

„Am 29. Januar 1648 war endlich doch ein Kriegsrat zwischen dem kaiserlichen und bayrischen Befehlshaber in Hammelburg[56] zustande gekommen, an dem einerseits Holzappel, Fernemont, Hunoldstein und [Ernst Adam v.; BW] Traun, andererseits Gronsfeld und sein Generalquartiermeister Marimont teilgenommen hatten. Das Ergebnis war die grundsätzliche Einigung, daß die ‚kaiserlichen und bayrischen Waffen zu einem Corpus zusammentreten’ sollten, wenn sich Schweden und Franzosen ihrerseits vereinigten. Im anderen Falle sollte die bayrische Armee die französische binden, die kaiserliche Armee dagegen sollte, unterstützt von einigen bayrischen Reiterregimentern, die schwedische abwehren. Holzappel und seine Generalität haben ohne jeden Änderungswunsch diesen bayrischen Vorschlägen zugestimmt. Das nächste Ziel der kaiserlichen Operationsführung – schon angestrebt, aber noch nicht offen genannt – war die Anlehnung an die bayrische Armee, die im Vergleich zur kaiserlichen geradezu in einem prächtigen Zustand war.[57]

Nach dem Kriegsrat vom 29. Januar hatten das kaiserliche Fußvolk und die Reiterei Montecuccolis von Hammelburg über Kissingen bis Neustadt zunächst Sperrstellungen hinter der fränkischen Saale eingenommen,[58] um die Aufklärungsspitzen[59] der Schweden abzuweisen, einen Durchbruch der schwedischen Armee nach Schweinfurt[60] zu verhindern und um den rechten Reiterflügel unter Feldmarschallleutnant Traudisch aus Südthüringen heranzuziehen“.[61]

Am 13.2.1648 fand wahrscheinlich auf der Wasserburg in Zellingen,[62] dem „Roten Schloss“,[63]ein gemeinsamer Kriegsrat statt – Gronsfeld hatte sich durch Holtz, Marimont und Schäffer vertreten lassen – , in dem beschlossen wurde, die Kaiserlichen sollten nach Königshofen,[64] die Kurbayerischen nach Lauda[65] ziehen, um je nach Anmarschweg dem Gegner zuvorzukommen.[66] Doch bereits einen Tag später ließ er wegen der aus München einlaufenden Direktiven den Abmarsch in die Obere Pfalz vorbereiten.

Marimont blieb auch nach den Personellen Verändungen nach der Schlacht bei Zusmarshausen[67] und dem Rückzug der kurbayerischen Armee Generalquartiermeister.[68]

Ein Johann Carl von Marimont erhielt 1662 den bayerischen Kämmerertitel.[69]

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KAPSER, Kriegsorganisation.

[2] Vitry-sur-Orne [Dép. Moselle].

[3] Neudorf, heute Ortsteil von Raeren, Bez. Verviers, Prov. Lüttich] ?

[4] Chanville [Dép. Moselle].

[5] Waldmünchen [LK Cham]; HHSD VII, S. 785.

[6] MÜNICH, Geschichte Bd. 1, S. 76.

[7] Wildenstein, Burg [Gem. Leibertingen, LK Sigmaringen]; HHSD VI, S. 890.

[8] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 643.

[9] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 213; Neumarkt i. d. OPf.; HHSD VII, S. 505f.

[10] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 217; BRENNER-SCHÄFFER, Geschichte, S. 120.

[11] Freiburg im Breisgau, HHSD VI, S. 215ff.

[12] Hohentwiel [Singen, LK Konstanz]; HHSD VI, S. 352ff.

[13] LUDEWIG, Erläuterte Germani Princeps, Dritte Abteilung, S. 2117.

[14] MAIER, Unterpfalz, S. 557, Anm. 95.

[15] Wildenstein, Burg [Gem. Leibertingen, LK Sigmaringen]; HHSD VI, S. 890.

[16] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 675.

[17] Schnaittach [LK Lauf/Pegnitz]; HHSD VII, S. 671f.

[18] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 243. Vgl. auch BRENNER-SCHÄFFER, Geschichte, S. 120.

[19] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[20] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[21] Wasserburg am Inn [LK Rosenheim]; HHSD VII, S. 790ff.

[22] Vgl. ALBRECHT, Maximilian I.

[23] Landshut; HHSD VII, S. 386ff.

[24] Vgl. IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[25] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht.

[26] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 944, S. 303: Gallas an Ferdinand III., Wasserburg, 1647 I 1.

[27] Vilshofen [LK Passau], HHSD VII, S. 772f.

[28] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.

[29] Amberg, HHSD VII, S. 20ff.

[30] Röhrnbach [LK Freyung-Grafenau].

[31] LAHRKAMP, Werth, S. 178f.

[32] Aigen im Mühlkreis [BH Rohrbach].

[33] LAHRKAMP, Werth, S. 180.

[34] Eggenfelden [LK Rottal-Inn]; HHSD VII, S. 158.

[35] Bodenstein, heute Ortsteil von Nittenau [LK Schwandorf].

[36] LAHRKAMP, Werth, S. 181.

[37] LEHMANN, Kriegschronik, S. 178. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[38] Mittweida [Kr. Hainichen]; HHSD VIII, S. 234.

[39] LEHMANN, Chronicon; DIETRICH, Kleine Chronik; HHSD 8, S. 316ff. Scheibenberg dürfte etwa 140 Einwohner gehabt haben (HHSD 8, S. 317).

[40] LEHMANN, Kriegschronik, S. 178. Selbst der berüchtigte Holk hatte 1632 zu Gunsten eines Pfarrers u. seiner Frau eingegriffen; LEHMANN, Kriegschronik, S. 61: „Holcke lag auf den schloß [zu Schlettau] mit eztlichen Compagnien biß den 28. December und zoge hinden nach. Bey seinen aufbruch befahl er den Pachtsinhabern Hans Ernst Pistoris, Er solte die Zugbrücke hinder ihm aufziehen, daß seine leute nicht einfallen und schaden thun können. Ehe sie dies verrichten können, dringen sich Musquetirer ein, ziehen des ortts Pfarrern und sein Weib und den Caplan fingernackendt auß, daß Sie sich vor einander schemen müßen. Die Pachtfrau entspringt halb nackendt und klagets dem Holcken, der lest die reuber nicht allein herauß Prügeln, sondern erschoße auch einen darvon selbst nieder, daß er mit den raub und seiner bürden strax liegen blieben“.

[41] Mittweida-Tal.

[42] LEHMANN, Kriegschronik, S. 178.

[43] Hier ist wahrscheinlich Blumenthal gemeint, der in Prag wegen seiner Konfession bei den Habichten ohnehin einen schlechten Stand hatte, vgl. Státní oblastní archív v Zámrsku Rodinný archiv Piccolominiove 27.037 (ital. Original, teilweise chiffriert): B. I. v. Martinitz an Piccolomini, Prag, 1648 VI 24: Martinitz bezeichnete Blumenthal darin als Häretiker, der, ein eifriges Mitglied seiner Sekte, ein doppelzüngiger Spion sei, der für den Feind arbeite; TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1124, 358. Vgl. die Verteidigung Blumenthals durch P., Passau, 1648 VII 06, gegenüber Martinitz; Státní oblastní archív v Zámrsku Rodinný archiv Piccolominiove 27.058 (ital. Konzept); TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1131, S. 360.

[44] Karrete: einfacher Wagen mit zwei Rädern u. einer Deichsel oder Gabeldeichsel, deren Verlängerung den Rahmen des Fuhrwerks bildete.

[45] Bericht LEHMANNS vom Pfarrdienst (1679) über seine „Besoldung“ u. Ausstattung; LEHMANN, Chronicon, S. 67ff.

[46] Vgl. die bereits 1626 v. Tilly erlassene „Schultheißen-Ordnung“: „Wer salua Guardia mit wortten oder that violirt, den solle niemandt zu verthädigen understehen, sonder welcher hoch oder nider Officir ein dergleichen erfahren mag, der solle den muthwilligen verbrecher sobalden zu dem Provosen schaffen, dem Schultheysen neben einandtwortung bey sich unrecht befundenen sachen und guetter hiervon berichten ohn einred, die Restitution und was bey der sachen underlauffen möcht dass Gericht entscheiden lassen, und welcher einem andern sein gewonnen beuth abnimbt oder an seinem freyen verkauff nachtheilig verhindert, den solle Schultheyss zur Restitution anhalten und noch darzu mit straffen hart belegen“. ZIEGLER, Dokumente II, S. 986.

[47] Gemeint ist hier Lauter/Sa. [Erzgebirgskreis]. Dass die Reichsarmee überall freundlich aufgenommen wurde, wie SCHMIDT, Kalvinist, S. 122, behauptet, lässt sich wohl nicht aufrecht erhalten, es sei denn, man bezieht dies (wie HOFMANN, Melander, S. 274f.) auf dementsprechende Schreiben des Kurfürsten J. G. I. v. Sachsen, des Herzogs v. Sachsen-Altenburg u. des Fürsten Johann zu Anhalt-Zerbst, die H. zur Vertreibung der Schweden gratuliert hatten. In den „Königsbergischen Annalen“ heißt es jedoch, man habe „das seine in Verwahrung bringen können, die Völcker nicht lange liegen blieben und keine plünderung in den Städten vorgangen“; deshalb sei im Fürstentum Gotha am 7.11. die Danksagung zu Gott v. der Kanzel abgelesen worden; KRAUSS, Königsberg, S. 83.

[48] LEHMANN, Kriegschronik, S. 67, über das Jahr 1633 u. den kaiserlichen Einfall: „Dennoch hatten dieselbe die Soltaten, die aller ortten in inficirten Stedten geplündert und die Pest mit hatten eingepackt, sie vermehren helffen, und halfe nicht wenig darzue die furcht, angst und erschrecknuß uber den einfall, der abgang und armut der leute in der benachbarschafft, die mit ihren viehe und wenig mobilien den gantzen Augustum durch uff den Wäldern lagen, sich verzehreten, Schwemmen und beere und andere Waltfrüchte fast ohne salz und schmalz hinein aßen und dardurch schedliche seuchen erweckten […]. Die Gemeine umbher wahren 18 wochen lang zerstreuet, die heußer wüste kriegs und sterbens wegen, daß mancher Wirth an gebirge binnen 3 virtel jahren uffn wilden wald gelegen und in seinem hauße nicht gewohnet hatte. Schwarzenberg wahr wüste und öde, ohne Fenster und öfen und ohne Menschen außer den keyßerlichen Soltaten und besazung und ezlichen wenigen bürger, die ihr leben wagten, vor die Soltaten kochten und bier schenckten“.

[49] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[50] Elterlein [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 89.

[51] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[52] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 170, fol. 269-274 (Ausfertigung): Holzappel an Ferdinand III., Hartenstein, 1647 X 19.

[53] Gerolzhofen [LK Schweinfurt]; HHSD VII, S. 233f.

[54] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[55] Staatsarchiv Bamberg B 33/II/3/28 (Ausfertigung): Mertloch an Göbel, Bamberg, 1647 XII 30; B 48/181 (Ausfertigung): Melchior Otto an Johann Philipp von Schönborn, Bamberg, 1647 XII 23

[56] Hammelburg [LK Bad Kissingen]; HHSD VII, S. 268ff.

[57] Schon 1646 hatte Kurfürst Maximilian I. Erzherzog Leopold Wilhelm und dessen Armee als „Bärenhäuter und Straßenräuber“ tituliert. So jedenfalls der Erzherzog an seinen Bruder, Niederdorf, 30.11.1646. SCHREIBER, Leopold Wilhelm, S. 64, bzw. 66, Anm. 67.

[58] Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 175, fol. 46-47 (Ausfertigung): Kaiserliches Hauptquartier Hammelburg, 5.2.1645 an Hunolstein u. die Kommandanten der berittenen Freikompanien. Kompanie (auch Freifahne), die keinem Regiment und keinem Regimentsstab unterstellt war. Bei den Kaiserlichen waren dies Hannemann, Unger und Augustin.

[59] Das galt vor allem für das Korps unter Königmarck.

[60] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[61] HÖFER, Ende, S. 155.

[62] Zellingen [LK Main-Spessart].

[63] Etwa 8 km nördlich v. Karlstadt auf dem linken Mainufer gelegen.

[64] Königshofen [Lauda-Königshofen, Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 418f.

[65] Lauda [Lauda-Königshofen, Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 452ff.

[66] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2965, fol. 235 (Ausfertigung): Jost Maximilian v. Gronsfeld an Maximilian I., Kitzingen, 1648 II 13 (?).

[67] 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne u. Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[68] HÖFER, Ernst, S. 221.

[69] gda.bayern.de/findmittel/pdf/stala_209_001_2009.pdf: Staatsarchiv Landshut Regierung Straubing (8009 AE) Regierung Straubing (Rep. 209) A 768, S. 54 Johann Carl v. Marimont.

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Jankovic [Jankwitz, Jancoritz] von Pribér, Johann

Jankovic [Jankowitz, Jancoritz] von Pribér, Johann; Obrist(leutnant) [um 1600-1654 Limbach an der Mur]

Johann Janovic [Jankowitz, Jancoritz] von Pribér  [um 1600-1654 Limbach an der Mur] stand als Obrist(leutnant) der Kroaten in kaiserlichen Diensten.

Der Hofer[1] Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] berichtet für 1633: „Sontags den 11. augusti, als das hiesige kirchenfest alten herkomens und gewohnheit noch frühe solenniter celebriret[2] worden und nachmittags vorbesagt verstorbener kirchner begraben werden sollte, komt unter der kinderlehre eine croatencompagnie von 50 personen von Trogen[3] her unter dem commando des obrist Kechleritz [Peter Graf Keglevich; BW] [und des] obristlieutenant Jancoritz [Jankowitz; BW], so vor dem Untern Thor hielten und brod und bier, so ihnen auch gefolget worden, neben einer abforderung von 300 thaler, so man obrist Kegleritz schuldig verblieben seyn sollte, und einen schriftlichen schein, daß sie hier recognosciren gewesen wären, begehrt. Als ihnen nun den begehren noch[4] der schein über eines ehrbaren raths siegel um gefahr willen [S. 29; BW] nicht könnte noch wollte besiegelt werden, ruckte die compagnie um 3 uhr herein in die stadt vor das Rathhaus und theilten sich nachmals in die gaßen aus, fingen an zu plündern, nahmen herrn doctor Abraham Müchl, stadtmedicum allhier, gefangen, tractirten ihn nebst seinem weibe, unangesehen er sich viel und unterschiedlich über 100 thaler rantionirt, übel, daß nicht zu beschreiben, wollten auch die frau samt den töchtern gefänglich mitnehmen. Ihren [Nachbarn; BW] Georg Bayren, sonst Presecken genanndt, einen handelsmann, haben sie auf seinen todenbette dermaßen zerschlagen, daß er wenig stunden darauf gar verstorben.

Herr magister Schlee als diaconus und prediger zu Trogen wurde in seinen heimgehen nach verrichten seinen amt gefänglich von der Schildwacht angenommen, deßgleichen Hanß Prückner, salzhändler, mit fortgeführet. Des jungen Reitenbachs auß Erckersreuth[5] tochter wurde mit auf ein pferd gesezt und davon geführet, ein meßerschmidt, Hanß Müller genandt, ungeachtet er sich zu 12 thaler rantionirt, zum krüppel gehauen. Viel vornehme leute, derer nahmen alhier billig ehrenhalben verschwiegen wird, maßen aber alles unbekannt[6], [mussten] mit hergebung habes und guthes sich loß kaufen, und ein jeder, nachdem es im vermögen[7] oder [er ein]gekärkert worden, rantioniren.

So wurde auch die kirchen wieder erbrochen und in derselben wie auch auf den thurn[8] viel leuthe angetroffen, welche dann sehr übel mit schlägen tractiret worden, andere crudelitaeten,[9] so bis in die nacht hinein geweh[r]et, allda sie wieder fortgezogen, zu geschweigen. Herr doctor Abraham […] Michael ist endlich wieder loßgegeben worden, herr magister Schlee und herr Prückner mit fortgenommen worden, von welchen beeden sie 90 thaler rantion erforde[r]t, und weilen noch selbigen abends wegen herrn Prückners 25 thaler nachgeschicket worden, herr magister Schlee nach Schönfels,[10] eine weile von Zwickau[11] gelegen, neben des Reitenbachs tochter mitgeführet worden, so ist zwar herr Prückner montags frühe wiederkommen, vor den herrn Schlee aber selbigen tages, ihn auch zu lösen, eine collecte gesamblet worden, welcher aber mittwochs frühe den 14. augusti, jedoch barfus, zu hause gekommen und von den völckern, weil sie auf die parthey[12] ausgeritten und unbewacht gelaßen, sich absentiret.[13] Des von Reitenbachs tochter hätte auch mit herrn magister Schleen fortkommen können, wo sie um der grosen furcht willen sich getrauet [hätte]. Deßen elendes ungeachtet wurde doch montags den 12. durch einen eignen bot-[S. 30; BW]ten von den croaten hergeschrieben, daß man ihnen die rantion gewiß zuschicken oder der execution erwarten sollte“.[14]

„Sonnabends den 14. septembris wurde von seiner excellens general Hazfeldt ein commissarius zur inquisition abgeordnet, was vor insolention allenthalben von den gemeinen reuthern vorgegangen zu inquiriren, zugleich schickte der obrist Jankowiz herein und begehrte wegen des weggeführten herrn magister Schlees 100 thaler, wurde aber glimpflich beantwortet und abgewiesen“.[15]

1642 führte er als Obristleutnant das Regiment Marcovich[16] in der 2. Schlacht bei Breitenfeld.[17]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[2] feierlich gehalten

[3] Trogen [LK Hof], nördlich von Hof gelegen.

[4] verschrieben für „nach“.

[5] Selb-Erkersreuth [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[6] verschrieben für „bekannt“

[7] möglich war

[8] Kirchturm

[9] Grausamkeiten

[10] Lichtentanne-Schönfeld [LK Zwickau].

[11] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[12] Streifzug

[13] abgesetzt

[14] KLUGE, Hofer Chronik, S. 28ff.

[15] KLUGE, Hofer Chronik, S. 35ff.

[16] Mirko Marcovich [Mirkovics, Minckaw, Mierckhe, Myrca] [ -nach 1648], Kapitänleutnant (1628) u. Obrist (1636/37 u. seit 1641) eines kaiserlichen Kroatenregiments.

[17] 2. Schlacht bei Breitenfeld am 23.10./2.11.1642: Die Schweden unter Torstensson besiegten die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm u. Ottavio Piccolomini. Nach der Schlacht befahl Erzherzog Leopold Wilhelm eine Untersuchung bzw. die Verurteilung der Schuldigen an der Niederlage; RUDERT, Kämpfe, S. 153: „In dem solches (das Regiment Madlung) [Hans Georg Madlo; 10.6.1643 in Prag hingerichtet; BW] dahin (Rookzahn) zu kommen beordert worden, da den vff offenem Marckt die Reuter vndt Officirer absetzen müssen, die Standarten, vndt der Officirer Degen hat der Hencker an der Justitz (am Galgen) in Stücke zerschlagen, biß vff eine Standart, welche Compagni perdon erlanget, die andern Rittmeister vndt Leutenants seindt archibusirt, Cornets, Wachtmeister, Corporahle vndt allemahl der zehende Reuter gehenckt, Ihre Pferde, vndt alle des Regiments Bagagi, auch Weiber vndt Jungen denen anwesenden Regimentern außgetheilet vndt preiß gegeben worden, der Obrist [Madlo; BW] selbst sitzt nebenst andern Officirern in Weissen Thurm zu Prage, wie auch dessen Ob. Leutenant [Johann Jakob Des Four; BW] vndt Obr. Wachtmeister gefangen, vndt seindt albereit zum Schwert condemnirt, die vbrigen Reuter werden auch noch gefänglich gehalten, den 2 huj. sindt noch zwey Cornets von andern Regimentern bey Pilsen gehenckt vndt justifirt (sic !) worden“. Vgl. die ausführliche Darstellung Rüthners bei KLUGE, Hofer Chronik, S. 207ff. => Quelle 91-95.

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Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], Francesco [Antonio] marchese de Savona e Finale e Grana, conte di Millesimo [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto und Grane]

Caretto [Carretto, Carretti, Caretti, Claretti], Francesco [Antonio] marchese de Savona e Finale e Grana, conte di Millesimo [Marquis de Grande, Marqui de Grane, Gran, Grane v. Corretto, Coretto und Grane]; Feldmarschall [1.3.1593 Mantua-9.11.1651 Madrid]

Carretto, FranzÜber Caretto di Grana [1590[1] [1.3.1593 Mantua-9.11.1651 Madrid[2]], dessen Geschlecht aus Mailand stammte und der seit 1615 mit Margaretha von Fugger zu Nordendorf und Wörth [3.4.1592-1652; Tochter des Georg Graf Fugger (1560-1634) und der Helena Freiin von Madruzzo] verheiratet war, schrieb Wallenstein einmal an Karl Graf von Harrach, seinen Schwiegervater, „denn ich schwöre, daß ich lieber wollte ins Spital gehen als ihn bei mir haben und von Tag zu Tag mag ich ihn weniger leiden“.[3] Was Wallenstein an Caretto missfiel, war dessen materielle Gier, die das tolerierbare Maß um ein Vielfaches überstieg. „Skrupelloses Machtstreben und enorme Habgier im Verein mit krassem Egoismus und großer Grausamkeit in einer seltenen Mischung von Servilität und Unverschämtheit wiesen diesen italienischen Abenteurer als einen der abstoßendsten Charaktere unter den Karrieremachern seiner Zeit aus, der trotzdem – oder gerade deshalb – eine glänzende Laufbahn vor sich hatte“.[4] Caretto galt allgemein als unfähig und zählte zu den „durch teuflische Bosheit und Habsucht berüchtigten Heerführern“.[5] Auch Förster bezeichnete ihn noch „als den heimtückischsten und gemeinsten bei der italienischen Partei“.[6]

Von den Kontributionen, die Caretto für die Verpflegung des kaiserlichen Heeres eintrieb, wusste keiner, wohin sie wirklich flossen. Wenn Caretto wie auch bei anderen Offizieren durchaus üblich Geiseln, um die Eintreibung der Brandschatzung abzusichern, mitschleppte, verlangte er von deren Angehörigen entsprechend hohe Preise für deren Ranzion, um dann, falls die Gelder aufgebracht werden konnten, noch mehr zu verlangen.[7]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold aus dem von Eger[8] abhängigen Marktredwitz[9] erinnert sich an den Februar 1632: „Den 12. Febr[uar][10] ist auch der Kai[serische] Gen[eral]feldzeugmeister Marchese de Grana und Caretto mit einer Armee von Nürnberg[11] herein und vor Bayreuth[12] [ge]kommen, [hat] die Stadt den 20. Sept[ember] eingenommen und um(b) 10 000 Taler gebrandschatzt. Sie haben mit dem Weibsvolk unmenschlich gehauset. In dem Aufbruch sind die Vornehm(b)sten neben den Geistlichen – (als Herr(n) Doct[or] Stumpf und seine 3 Koll[egen] gefänglich mitgeführt worden. Den 18. dito ist die Stadt Berneck[13] von dem Kai[serischen] Volk bis auf 3 kleine Häuslein ganz abgebrannt worden“.[14]

„So konnte sich Kulmbach[15] behaupten, während über Bayreuth schon am 20. [a. St.; BW] September das Unglück hereingebrochen war. Auf dem Wege durch die Fränkische Alb war der kaiserliche Hofkriegsrat, Oberst Francesco del Caretto, Marchese de Grana, vor der Stadt angekommen. Die Bürgerschaft wagte keinen ernsten Widerstand, öffnete ihm die Tore und ließ die Schlüssel der Stadt übergeben. Da von der geforderten Brandschatzung von 8000 Reichstalern nur 1300 Reichstaler aufgebracht werden konnten, wurde die Stadt geplündert. Die Beute der Plünderer war groß, hatten sich doch viele Edelleute und auch manche vom Landvolk mit all ihrer Habe hinter die sicher geglaubten Mauern gerettet. Nun wurde alles geraubt. Auch das Vieh und die Pferde waren den Soldaten eine willkommene Beute. Als besondere Repressalie ließ der Marchese alle Edelleute, Geistlichen, markgräflichen Beamten und Ratspersonen verhaften und im Schloß gefangensetzen. Zur Zeit, da Bayreuth überfallen und geplündert wurde, verfiel auch das gesamte Bayreuther Umland dem gleichen Schicksal. Besonders übel erging es dabei Berneck und Lanzendorf,[16] sie wurden niedergebrannt.

Als del Caretto am 22.9/8.10. von Bayreuth aufbrach, nahm er 23 angesehene Einwohner als Geiseln bis zur Bezahlung des Restes der Brandschatzung mit. Ebenso wurden alle Vorräte an Getreide, Wein und Bier mitgeführt. Das Schicksal der Gefangenen war hart. Obwohl sich Gustav Adolf und Markgraf Christian bei dem Herzog von Friedland um ihre Freilassung bemühten, wurden sie über viele Stationen schließlich nach Eger gebracht und erst im Dezember, nach einer Bezahlung einer Ranzion von 10 000 Reichstalern, wieder freigelassen. Der Superintendent Dr. theol. Johannes Stumpf überlebte die Freilassung nur um drei Tage“.[17]

„Am 21.9./1.10.1632 fiel auch die Stadt Kulmbach in die Hände von Carettos Truppen, indem an diesem Tag der „General Wallenstein durch den Marqui de Grane unversehens die Stadt überfallen, die ganze Stadt ausgeplündert, verschiedene Bürger niedergemacht, die übrigen gezwungen bis 10 000 Reichsthaler Ranzion zu bezahlen‘ (StA Kulmbach, Hs 22, bearb. von Harald Stark 1998). Caretto selbst war, wie seine Korrespondenz bestätigt, in Bayreuth geblieben und nahm nicht an der Belagerung Kulmbachs teil. Noch am 1. Oktober hatte er aus dem „Hauptquartier Bayreuth‘ ein Schreiben an Markgraf Christian nach Kulmbach geschickt, mit dem recht seltsam anmutenden Anspruch, die Markgrafschaft freundschaftlich unter seinen Schutz nehmen zu wollen, widrigenfalls dies aber auch mit Gewalt zu tun, da „von Ihro Hzgl: Gn: Herzogen zue Mechelburg, Friedland und Sagan, unseres Generallissimo, 8000 Mann Kay: volckhs zu Roß vnd Fueß uns anvertrauet, mit welchem wir dann heut anhero gelangt […] gez. Franz Marggraf von Caretto‘ (StAB Rep. C 48 Nr. 185, Bl. 334). Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach war jedoch nicht in Kulmbach anzutreffen. Er hatte sich auf seine im Jahr 1628 von den Nachkommen seines verstorbenen Schwagers, dem litauisch-polnischen Herzog Janusz Radziwill, neuerworbene Burg Lichtenberg[18] bei Steben[19] begeben. Die Bürger Kulmbachs und Bauern des Umlandes hatten sich auf die Plassenburg[20] geflüchtet. ‚Dies war‘, wie sich der Melkendorfer[21] Pfarrer Johann Braun in seinen Tagebuchblättern erinnert, ‚ein elendes und jämmerliches Schauspiel zu sehen, wie ein großer Haufe von Menschen, Männer und Weiber, Brotlaibe, Kissen, Wiegen mit den schreienden Kindlein darinnen, Feldfrüchte, Kleidungsstücke und unzähligen anderen Hausrat mit sich schleppte; so stiegen sie eilend, schwitzend und keuchend, den steilen Berg hinan. Endlos war die Reihe der Wägen und Karren, die mit Lebensmitteln, Holz und Gefäßen aller Art beladen zur Burg auf und ab fuhren‘. Trotz ultimativer Übergabeaufforderung an den Kommandanten der Plassenburg am 1. Oktober durch einen Trompeter, bekräftigt durch ein Schreiben Caretto di Granas, „da man sich nicht auf sein Begehren accomodiren würde, keines Menschen, ja des Kindes im Mutterleibe nicht zu verschonen, und das ganze Land mit Feuer und Schwerdt totaliter zu ruiniren und zu verheeren‘, lehnte der brandenburgische Oberst und Festungskommandant Hans Christoph Muffel, welcher die Burg mit 7 Kompanien verteidigte, die Kapitulation ab und beantwortete die Aufforderung mit Geschützfeuer von der Festung: ‚[…] als aber die darin liegende Besatzung tapffer auf sie ausgefallen, auch mit Stücken hefftig unter sie gespielet, haben sie [die Wallenstein’schen Truppen] zu ihrem Intent nicht gelangen können‘. Dafür wurde die Umgebung ausgeplündert und ‚viel schöne Flecken, Schlösser, Dörffer und Mühlen in Brand gesteckt‘, wie Lanzendorf und (Bad) Berneck, welches bereits am 18./28.9. bis auf 3 Häuser niedergebrannt worden war. Am 22.9./2.10. brach Caretto in Bayreuth auf, zog die um Kulmbach liegenden Regimenter an sich und begab sich wieder zurück zu Wallensteins Hauptheer. Die ausgesandten Truppen kamen mit guter Beute in Bamberg[22] an“.[23]

Im Leipziger[24] Tagebuch heißt es: „Den 7. [11. a. St., BW] sind vor Mittag 40 Fahnen Fußvolk, so aber in allem nicht 1 500 Mann stark gewesen, hereingekommen und auf den Markt in Battaglia gestellt, desgleichen auch General Holck, Marquis de Grande [Caretto di Grana; BW], [Rudolf v.; BW] Colloredo, wie auch alle hohen Officiere neben überaus vielen Bagage-Wagen und viel Reiterei hereingekommen, also daß es in allen Häusern und Gassen voll gewesen, daß sich fast niemand regen können, daher sichs zu großer Bedrängnis angelassen, sintemal die einquartierten Soldaten die Wirte und Bürger über alle Massen arg angefangen zu tribulieren und zu ängstigen. Es ist aber unversehens eilende und schleunige Ordinanz vom Herzog von Friedland zum Aufbruch erteilt, daher sich der Aufbruch bald abends nach 6 Uhr angefangen und fast die ganze Nacht durch ohne Unterlaß gewährt, sind alle zum Peterstor hinaus gegen Borna gezogen, wie denn der Herzog von Friedland persönlich halbweg 10 Uhr gefolgt und sind abermals etliche Bürger mitgenommen worden. Abends gegen 6 Uhr ist das Flößholz vor der Stadt angesteckt und ein ziemlich Teil davon verbrannt.

Den 8. dies hat der Hinauszug noch fast den ganzen Tag gewährt, wie denn auch noch viel Volks vor der Stadt vorüber, sonderlich nach Mittag 17 Cornett, so teils weiß, blau, rot und grün gewesen, insgleichen sehr viel Vieh vorüber getrieben worden. Diesen ganzen Tag ist abermals ein überaus starker dichter Nebel gewesen, daß man gar nicht erkennen können, so haben auch die Kaiserlichen alle beschädigten und kranken Offiziere mit hinweggeführt“.[25]

Für sein Verhalten wurde Caretto von Wallenstein seines Kommandos enthoben. Die Bitte Carettos, ersatzweise das Kommando über die Festung Raab,[26] einem Bollwerk gegen die Osmanen, übertragen zu bekommen, schlug Wallenstein mit der Begründung aus, dass die Qualifikation Carettos für einen Festungskommandanten nicht ausreiche und er ihn sowieso für „ein großes disparato halte“.[27] Dadurch wurde Caretto am Wiener Hofe in der Fraktion der Intriganten ein willkommener Bundesgenosse im Kampf gegen Wallenstein.

„Am 18. Oktober rückte die Armee [Wallensteins; BW] auf Leipzig[28] zu. Am nächsten Tage zog die Artillerie durch die Stadt Altenburg[29] unter einem gewissen Oberst Marquis de Grana, der von den Bewohnern sich noch 1000 Taler zu erpressen wusste“.[30]

Im Dezember 1633 spitzte sich die Situation zwischen Ferdinand II. und Wallenstein auf Grund von Missverständnissen und höfischen Intrigen dramatisch zu. Ferdinand II. unterzeichnete am 24.1.1634 ein geheimes Ächtungsdekret gegen Wallenstein und dessen Gefolgsleute Ilow und Trčka. In diesem Dekret wurde zum vorläufigen Befehlshaber der Armee Wallensteins Stellvertreter, Graf Gallas, ernannt. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, den Herzog und seine beiden Mitverschworenen gefangen zu nehmen und nach Wien zu bringen oder als überführte Schuldige zu töten.

Noch bevor Wallenstein in Eger ermordet war, reiste Caretto bereits durch Böhmen, mit der Aufgabe, festzulegen, wer nach der Exekution des Friedländers welchen Teil des Wallenstein’schen Vermögens erhalten sollte. Am 28.2. hatte Caretto aus Pilsen[31] an den in Eger weilenden Piccolomini geschrieben: „Da es vernünftig ist, dem signore collonello Buttler [Butler; BW] in allem, was ihm zusteht, jegliche Gefälligkeit zu erweisen, habe ich ihr (Frau Butler) sofort ein gutes Quartier zugewiesen. Da Lesel [Walter Leslie; BW] unterwegs zu S. M. (König Ferdinand) ist, habe ich jene Dame sofort aufgesucht und ihr gesagt, daß sie zufrieden sein könne über den Gewinn, den ihr Gatte durch die Verrichtung dieser großartigen Tat haben wird … Habe von dem signore conte Aldringen erfahren, daß der König morgen von Wien abreisen wird, mit Geschenken und der Absicht, seine Dankbarkeit durch baldige Verteilung der Rebellengüter walten zu lassen. Eure Exzellenz sind gehalten, die Schriftstücke, Geld, Kleider und alle andere Dinge der Gefangenen sicher und schnell nach Pilsen zu überführen, damit sie verteilt werden können und Unordnung vermieden wird. Lesel ist besonders zu berücksichtigen, außer ihm sollen alle Offiziere und Soldaten mit Verdiensten etwas erhalten, die dem Kommando S. E. Signore tenente generale (Gallas) unterstanden, das heißt jene 12, die die Rebellen getötet haben, jeder 500 Reichstaler und der sergente maggiore von Butler (Leslie) 1.500 Reichstaler. Die eingesetzten Soldaten und Dragoner sollen einen Monatslohn erhalten“.[32] „Als am 18. Februar der Beschluß der Proskription des Friedländers gefaßt wurde, da ging die Absicht des Hofes nur dahin, im geeigneten Zeitpunkt das Februarpatent mit knapper Darlegung der Verratspläne des Generalissimus im Druck herauszugeben und in der Armee sowie an befreundeten Höfen zu verteilen. Die Ereignisse eilten der Ausführung dieser Absicht voraus, die Bluttaten wurden vollzogen, ehe die Ächtung des Feldherrn verlautbar war, Butler und Gordon konnten sich in ihrer Proklamation an die kaiserlichen Offiziere vom 26. Februar nur auf die Verhandlungen des toten Heerführers mit Sachsen und Brandenburg und auf ihre Dienstpflicht berufen, konnten aber keinen öffentlich verlautbarten kaiserlichen Rechtsakt als Titel für ihre ‚militärische Exekution’ anführen“.[33]

Nach der Ermordung Wallensteins in Eger lobte Caretto ungefragt, „die Exekution hätte wirksamer nicht durchgeführt werden können, hätte man sie jahrelang geplant und geprobt“.[34] Kaum verbreitete sich die Nachricht von der Ermordung Wallensteins, konfiszierte Caretto Wagen und Pferde des in Schlesien verhafteten Grafen Schaffgotsch. Auf kaiserliche Anordnung musste er sie wieder herausgeben. Damit zeigte ihm Ferdinand II. sehr deutlich, dass die „Belohnung“ allein die Sache des Kaisers sei. Danach versuchte Caretto durch Verleumdung an das Vermögen der Trčkas heranzukommen: Die Gräfin Trčka sei ja gewiss gut und fromm, aber sie sei eine Harrach-Tochter. Außerdem hätte sie 600 Briefe nach dem Tode ihres Mannes verbrannt.[35] Selbst mit der Angst vor der Wahrheit ließen sich offenbar Geschäfte machen.

Allerdings: während alle Beteiligten mit Geld und Ländereien verwöhnt wurden, musste Caretto noch fünf Jahre heftig klagend auf seinen „Lohn“ warten.

Er nahm 1634 an den Kämpfen um Nördlingen[36] teil.

„Am 4. September, gegen 3 Uhr nachmittags, erfolgte der Hauptangriff auf Nördlingen. Den ersten Anlauf machten 1500 Mann am Berger Tor, woraufhin der Sturm auf die Breschen zwischen Berger und Reimlinger Tor vorgenommen wurde. Die Sturmkolonnen versuchten sich unter starkem Feuerschutz den Breschen zu nähern, konnten diese allerdings nach der Aussage Khevenhillers mit den mitgeführten Sturmleitern nicht erreichen, weil die Zwingermauern im Graben, welche die Belagerer nicht mit den Geschützen bestreichen konnten, sie daran hinderten.  Zu diesem Sturm wurden sogar 150 Kürassiere zu Fuß verwendet, „welche Herr Feldmarschalck Piccolomini auss sonderen muth abzusteigen vnd anzurennen comandirt‘ (Grundtlicher und aussführlicher Bericht etc.). Beim Betreten des Grabens wurden die Stürmenden jedesmal mit Geschütz- und Musketensalven empfangen, wobei viele von ihnen getötet wurden. Insgesamt 7mal stürmten die Angreifer über einen Zeitraum von 5 Stunden gegen die Mauern, von den Offizieren aufs Äußerste dazu angetrieben, bis die Dunkelheit ihnen Einhalt gebot. Große Einbußen an Offizieren und Gemeinen erlitt das Regiment des bayerischen Generalkommissärs Johann Christoph Freiherr von Ruepp. Einer Abteilung des bayerischen Fußregiments Pappenheim war es gelungen, den Deiningerturm zu ersteigen. Als man dies in der Stadt vom Kirchturm aus bemerkte, eilte der Stadthauptmann Welsch mit einigen eilig zusammengerufenen Bürgern dorthin, ließ die Türen aufhauen, und als man keine Möglichkeit sah, den Bayern beizukommen, Feuer hineinlegen. Viele Soldaten, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, versuchten sich in die Fensteröffnungen des Turms zu retten, ‚von wo sie halbverbrannt herabfielen‘. ‚Und obwohl der Graben soviel als nichts gefüllt und die Bresche noch ziemlich hoch, daß man ohne Leitern nicht beikommen konnte, geschossen gewesen, hat man doch mit solcher Furie und Ernst angesetzt, und sonderlich das Pappenheimische seinen Valor dermaßen erzeigt, daß sie zwar einen Turm und die Mauer allbereits erstiegen und daselbst Posto genommen gehabt, weil aber auf der kaiserlichen Seite der Marchese [Francesco Caretto] di Grana [kaiserlicher Feldzeugmeister, also General über die Artillerie] etwas zu spät sekundirt, sind sie mit Schaden wieder ab- und zurückgetrieben worden. Darüber dann in die 500 Mann und darunter 2 Hauptleute todt geblieben und verwundet worden‘. (Heilmann II, S. 486)“.[37] Nach der Kapitulation der Stadt mussten an Caretto di Grana 8.000 Reichstaler zur Auslösung der Glocken gezahlt werden. Rothenburg o. d. Tauber[38] musste nach seiner Einnahme am 19.9. 6.000 Gulden zur Auslösung der Glocken – was durchaus üblich war – für Caretto aufbringen.[39]

„Sehr aufschlußreich liest sich auch der Brief Piccolominis an Francesco Caretto di Grana vom 26.9. aus Kitzingen:[40] Piccolomini schreibt dort, er habe sich nun Ochsenfurts[41] bemächtigt, sei jedoch wieder nach Kitzingen zurückgekehrt. Wilhelm von Weimar stehe in Meiningen,[42] in Schweinfurt[43] lägen 800 Mann, deshalb habe er die Stadt nicht angegriffen; auch in Würzburg läge Kriegsvolk. Er wolle deshalb einige Tage in Kitzingen bleiben, um die hiesigen Katholiken zu unterstützen und die Bewegungen des Feindes zu verfolgen. Einige Kroatenabteilungen habe er an den Thüringer Wald geschickt, den Rest werde er nach Schweinfurt kommandieren, damit der Feind glaube, er selbst wolle dorthin ziehen. Ferner habe er beschlossen, Windsheim[44] nicht zu belagern, die Stadt sei zwar fester als Nördlingen, werde aber von selbst fallen. Am heutigen Morgen habe er die Nachricht erhalten, daß Herzog Wilhelm von Weimar und die übrigen Streitkräfte angeblich gegen Frankfurt a. M.[45] ziehen, deshalb habe er sich entschlossen nach Württemberg zu marschieren, er wolle sich allerdings für den Fall eines feindlichen Frontalangriffes nicht allzuweit von der Armee des Königs (Ferdinand III.) zu entfernen. (Org. ital.; Staatsarchiv Leitmeritz, RA Clam-Gallas XVIII/5, in DBBTI V/996)„.[46]

Im Februar 1635 lag sein Regiment noch in den Quartieren in Laun.[47]

Auf den Feldzügen 1635/36 begegnet man Caretto wieder.

Auch der Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach/Bayreuth wurde in seiner Absicht, sich dem Prager Frieden anzuschließen, noch durch einen sanften Druck bestärkt. Caretto di Grana war Mitte Juni mit 16 Regimentern in das Fürstentum eingerückt und drohte, es nicht eher zu verlassen, als bis der Markgraf dem Frieden zu Prag beigetreten sei. Der Fürst trug sich selber schon länger mit dem Gedanken, den Frieden für sein wehrloses Land zu erreichen, als Caretto wohl ahnen konnte. Der Ende Mai angeblich wegen der Münzkonfusion nach Dresden[48] reisende Dr. Beneckendörfer[49] hatte in Wirklichkeit die Aufgabe, die Bedingungen für den Beitritt des Markgrafen zum Prager Frieden zu erkunden. Nachdem der Markgraf seine Bereitwilligkeit zum Friedensschluss öffentlich bekanntgegeben hatte, begannen am 24.6. in Dresden die Verhandlungen. Der Markgraf erhielt sein Land zurück, musste sich aber verpflichten, eine kaiserliche Besatzung in die Plassenburg[50] aufzunehmen und die bambergischen Besitzungen herauszugeben. Nachdem der Markgraf diesen Bestimmungen zugestimmt hatte, zogen die Truppen des Marchese Caretto an Kulmbach[51] vorbei nach Franken. Caretto speiste bei dieser Gelegenheit als Gast des Markgrafen auf der Plassenburg.

Bei dem Hofer[52] Chronisten Rüthner heißt es: „Auch wurde eben den 20. junii herr rittmeister Rabensteinern neben herrn Nestern nach Wunsidel[53] zu herrn hauptmann Eckersbergern abgefertiget, weil herr general Marchese de Gran[a] zu Eger ankommen und mit 16 regimentern seinen march durchs Marggrafthum nehmen wollen, mit ihm zu tractiren und womöglich [den march] gegen eine discretion abzuwenden. Allein wurde dem nicht gedrohet, sondern auf jetzt besagten march gute praeparatoria gemacht, masen den[n] am 23. junii ein fürstlicher befehl einkam, zu verpflanzung solcher [in] unvermutheten anmarch begriffene völcker zu verpflegung und[54] 24000 pfund brod zu verschaffen. Dahero wurde allen becken zu liefern auferlegt 2000 pfund. Daß übrige ist von der burgerschaft von hauß zu hauß gesamlet worden“.[55]

Am 3.7.1635 schrieb Markgraf Christian an Maximilian I. von Bayern und bat ihn, die wöchentlichen Kontributionen zu erlassen. „Nach nunmehro abgeschlossenen Frieden“ wandte sich der Markgraf am 7.7. an Ferdinand II. mit der Bitte um einen Schutzbrief für sein Fürstentum, um Zurückziehung der kaiserlichen Garnisonen in Bayreuth[56] und Hohenberg,[57] um Abstellung aller Kontributionen und um Erlassung der ersten zwei Termine der 120-Monate-Reichsanlage oder doch wenigstens um Verlängerung des ersten Termins bis zum 1.5.1636. Caretto hatte bereits am 7.7. von Eger aus dem Markgrafentum einen Schutzbrief erteilt.[58]

„Nach Aussagen einiger von den Hessen eingebrachter Gefangener verfügte [Lothar von] Bönninghausen etwa über 13 bis 14 schwache Reiterregimenter, deren Kompanien allerdings nur 30 bis 40 Pferde stark waren. Da ihm kein Proviant zugeführt wurde, musste er aus dem Lande leben. Bönninghausen setzte sich in den Dörfern beiderseits Amöneburg[59] fest und ließ Patrouillen nach allen Seiten vorgehen. Die Dörfer Bischhausen,[60] Gilsa,[61] Zwesten,[62] Kerstenhausen,[63] Ober- und Niederurf,[64] Groß- und Klein-Englis[65] wurden niedergebrannt, die Ernte systematisch ruiniert, um die hessischen Festungen Ziegenhain[66] und Kassel[67] für längeren Widerstand unfähig zu machen. Mit dem Gros rückte Bönninghausen auf Wildungen[68] vor, wo eine Kompanie von 140 Hessen unter einem Kapitänleutnant des Regiments Geyso lag; der Ort wurde erstürmt, die Besatzung niedergehauen, Wildungen geplündert. Ein Vorstoß auf Fritzlar,[69] wo Melander [Holzappel; BW] mit 4 Reiterregimentern, 200 Musketieren und 4 Stücken lag, scheiterte unter Verlusten. Da indes die Hessen sich auf Kassel zurückzogen, führte Bönninghausen am 13. Juli [1635] die Kavallerie erneut ins Feld, erhielt indes Kundschaftermeldungen, Melander sei durch vier weitere Regimenter verstärkt worden und habe sich auf Warburg[70] gewandt, wo General Speerreuter[71] mit schwedischem Volk aus Lüneburg[72] zu ihm stoßen werde. Bönninghausen sandte seine Bagage nach Amöneburg zurück, bat um Sukkurs durch Dragoner und Kroaten und ging in die Gegend von Kirchhain[73]-Neustadt.[74] Am 16. Juli zwang er das feste Haus der Familie von Schenk in Schweinsberg[75] durch Geschützfeuer zur Übergabe, wobei der Ort in Brand geriet und die unterhalb der Burg liegenden Häuser bis auf zwei niederbrannten. Wenige Tage später rückte Bönninghausen, der im Dorfe Seelheim sein Quartier genommen hatte, mit dem Hauptteil der Reiterei in die Gegend um Hersfeld,[76] von da gegen Melsungen,[77] wo er auf Melander stieß, der sich mit dem schwedischen Generalmajor Beckermann conjungiert hatte. Die Kaiserlichen verloren 50 Tote und wichen bis Hersfeld zurück, doch konnten sie sich der feindlichen Bagage bemächtigen.

– – Der Hofer Chronist Rüthner erinnert sich: „Den 12. julii wurde nach der predigt vom Rathhause publiciret, wie daß seiner fürstlichen gnaden, dem general Marchese de Gran[a], 2000 thaler, damit er das volck desto schleuniger durch das land geführet, verehret, dazu die stadt Hof 500 thaler wieder bezahlen sollte, den halben theil sobald, die andere helfte aber inner 4 wochen. So auch geschehen müßen“.[78] Der Chronist Leopold aus Marktredwitz[79] hält in seiner Hauschronik fest: „Den 20. dito [7.1635; BW] ist zu Eger mit einer Kaiser[ischen] Armee angekommen Herr Generalfeldzeugmeister Marchese Grane v. Corretto, mit 14 Regimentern zu Roß und [zu] Fuß. Bei diesem General haben wir zu Eger beizeiten aufgewartet und angesuchet um eine schriftliche Salva Guardi[a] und dann auch einen Offizier(er) von ihm – bis der Marsch vorüber – erlangt. Denn wir haben oftmals  – nachdem die Kuh schon gestohlen war – den Stall zugesperret und sehr fleißig verriegelt. Es hatte uns zwar über 100 Reichstaler gekostet, war aber wohl angewandt. Dieser hat mit seinem Volk bei Schlottenhof[80] Rendezvous gehalten den 29. dito. Hernach [ist er] fortmarschiert und dem Colloredo in Franken gefolgt. Bei diesem Marsch ist es bei uns sehr friedlich abgelaufen“.[81] Die würzburgischen[82] Räte berichteten Melchior von Hatzfeldt im Juli vom Rückmarsch Carettos von Fuchsstadt[83] bei Hammelburg[84] nach Schweinfurt.[85] – –

Anfang August wurde Bönninghausen durch 12 frische Regimenter zu Fuß und Artillerie unter dem Marchese Caretto di Grana verstärkt,[86] während die Hessen die langerwartete Armeeabteilung Speerreuters, der über Salzuflen,[87] Lüdge[88] und

und Kassel[89] heranzog, mit Freude begrüßten. Bönninghausen und Caretto gingen auf Fulda[90] zurück, doch sandte ersterer auf die Nachricht vom Aufbruch der hessischen Truppen, die nach dem Plan des Landgrafen eine Vereinigung mit Herzog Bernhard anstrebten, Teile seiner Reiterei in die feindliche Flanke, die bis Melsungen und Lichtenau[91] streiften. Der Landgraf fühlte sich dadurch so bedroht, daß er am 18. August bei Burg-Gemünden[92] ein festes Lager bezog, um die Entwicklung der Dinge abzuwarten. Speerreuter und dessen Offiziere zeigten sich widerspenstig und hatten mit Meutereien ihrer Truppenteile zu kämpfen, die nur unwillig ihre Quartiere an der Weser verlassen hatten.

Der Marchese Caretto hatte schon am 7. August durch König Ferdinand[93] Ordre erhalten, mit seinen Truppen in Richtung Worms[94] zu marschieren, da sich Herzog Bernhard von Weimar mit dem Kardinal de la Valette vereinigt und die Kaiserlichen genötigt hatte, auf das rechte Rheinufer auszuweichen. Am 9. August konnte Bernhard die Besatzung von Mainz[95] entsetzen; er beabsichtigte einen Vorstoß auf Frankfurt und Hanau,[96] sobald sich der Landgraf von Hessen in Bewegung setzte. Aber dieser zögerte mit dem Vormarsch, obwohl der schwedische Gouverneur von Hanau, Generalmajor Jakob Ramsay, ihm meldete, einige Regimenter Bönninghausens seien am 21. August auf Frankfurt marschiert und Sachsenhausen sei am 24. August gefallen. Die Zwistigkeiten zwischen Landgraf Wilhelm und Speerreuter ließen ein gedeihliches Zusammenwirken von Hessen und Schweden nicht zu; zwei Monate später kam an den Tag, daß Bönninghausen die Absicht gehabt hatte, den Landgrafen im Lager von Burg-Gemünden zu überfallen und daß Speerreuter – angeblich durch spanisches Geld bestochen – mit ihm im Einverständnis gewesen war. Insgeheim wirkte beim Landgrafen die Eifersucht auf Herzog Bernhard mit, der Wilhelms Würde als französischer General gegenstandslos machte und alle Subsidien an sich zog. Jedenfalls versagte er seine Mitwirkung am Rhein, so daß Bernhard, dessen französische Truppen alle Kriegserfahrung und Disziplin vermissen ließen, den Rückzug nach Lothringen in Erwägung ziehen mußte. Anfang September hob Landgraf Wilhelm sein Lager auf und führte seine Regimenter in nordwestlicher Richtung ab, während Speerreuter sich zur schwedischen Armee des Feldmarschalls Baner begeben wollte. Bönninghausen rückte nicht nach, sondern begab sich zur kaiserlichen Hauptarmee. Er hatte im Juli Obristwachtmeister Mandelsloh zu Gallas gesandt, um über die Kriegsumstände in Oberhessen Bericht zu erstatten; Gallas hatte Mandelsloh zu König Ferdinand weitergeschickt, der ihn seinem kaiserlichen Vater zusandte. Der Obristwachtmeister hatte offenbar den Auftrag, Bönninghausen zu rechtfertigen und ihm für das Kommando eines Korps vorzuschlagen, das zur Weser aufbrechen sollte. Indes entschied der Kaiser, man möge Bönninghausen aus Rücksicht auf die beiden Kurfürsten von Mainz und Köln von der Hatzfeldtschen Armee – die demnach für Westfalen bestimmt war – abberufen. Daß Bönninghausen gern und oft seinen Söldnern das Plündern erlaubte, war allgemein bekannt. Der Generalfeldzeugmeister Marchese Caretto,[97] der ein scharfer Gegner Bönninghausens war und am Kaiserhof gute Verbindungen hatte, schrieb Hatzfeldt, der Unwillen über seine Plünderungen und Gewalttaten äußerte, am 8. September aus Offenbach:[98] ‚Mich wunderts nicht, daß Klagen einkommen, denn nicht allein die Offiziere, sondern die Kommandanten selbst ausschicken und Vieh wegnehmen. Unser Krieg ist leider so weit gekommen, daß mancher, seine Pferde zu schonen, mehr seine Gelegenheit als Ihrer Majestät Dienst suchen tut. Die Hauptschuld an den Plünderungen in Nassau-Hadamar[99] trägt Obrist Bönninghausen; seine Leute nehmen nicht ein Pferd oder eine Kuh vom Feinde, ohne daß er das meiste davon bekommt‘.[100] Freilich war Caretto nicht besser, wegen grober Exzesse von Wallenstein durch Reduktion seines Regiments bestraft, war er dessen giftigster Gegner gewesen und zählte ‚zu den durch teuflische Bosheit und Habsucht berüchtigten Heerführern‘.[101] Daß er, prahlerisch und eingebildet auf seine Ahnen – deren einer Großmeister des Johanniterordens gewesen war – , später mit Bönninghausen noch öfter aneinandergeriet, wird in der Schilderung des Feldzuges von 1638 ersichtlich werden“.[102] In diesem September berichtete Caretto Hatzfeldt von den Kämpfen bei Friedberg,[103] Büdingen[104] und Schlüchtern,[105] den Gefechten bei Hanau und die Besetzung von Steinheim[106] durch ihn.[107]

Auch die Kaiserlichen befanden sich in übler Verfassung, besonders die Kavallerie. Vier Regimenter Carettos zählten zusammen nur 1700 Pferde, ein Regiment Bönninghausens nur 200; viele Reiter scheuten vor dem Marsch in das ausgesogene Grenzland zurück und machten sich den für Desertionen günstigen Rheinübergang zunutze. Von einem zweiten Regiment Bönninghausens gingen 150 Pferde durch, das sehr schwache Regiment des Obristen [Ludwig v. der; BW] Asseburg verlor sich dabei gänzlich. Durch Proviantmangel und Krankheiten veranlaßt, mußte Gallas den Rückzug anordnen. – – Im Oktober stand Caretto bei Alsheim[108] und informierte Hatzfeldt über die allgemeine Lage am Mittelrhein.[109] In diesem Monat liefen auch wieder Beschwerden über ihn, diesmal von Anselm Kasimir von Mainz, bei Melchior von Hatzfeldt ein.[110] – –

7 Regimenter unter Bönninghausen rückten in die Lahngegend und in ihre alten Quartiere in der Wetterau;[111] der Generalwachtmeister selbst begab sich nach Friedberg,[112] wo nach der Abberufung des Obristleutnants Pape der Obristleutnant von Mordeck die Garnison befehligte. Caretto ging bei Bonn[113] über den Rhein, um in Westfalen die Ruhe herzustellen und Hessen zur Annahme des Prager Friedens zu zwingen, dem Herzog Georg von Lüneburg am 10. August 1635 bereits beigetreten war. König Ferdinand III. wies, um den Ernst seiner Verhandlungsabsichten zu betonen, Caretto an, die Feindseligkeiten gegen die hessische Armee vorläufig einzustellen.

Die Friedenssehnsucht in Hessen war groß. Die hessischen Räte machten in einem Gutachten geltend, Carettos und Bönninghausens Truppen ständen bereit, in Hessen einzufallen. Unterstützung durch schwedische oder französische Hilfe sei unsicher, ein Teil der eigenen Truppen sei unzuverlässig, mit Verrätern in den Festungen müsse man rechnen. Die Hungersnot im eigenen Lande sei so groß, daß die verzweifelten Untertanen um jeden Preis zum Frieden kommen wollten. Melander schloß Anfang Oktober [1635] mit dem Generalwachtmeister von Velen für Westfalen einen Waffenstillstand ab; der Landgraf verhandelte mit den geistlichen Fürsten unter Vermittlung des kurmainzischen Gesandten von Griesheim[114] über die Friedensbedingungen, wobei er vor der Räumung der eroberten Gebiete Entschädigung für die die neugebauten Befestigungen und zur Befriedigung seiner Truppen 100 000 Taler in bar verlangte. Richelieu sandte als Sonderbeauftragten Mr. de Beauregard nach Kassel,[115] um dem Landgrafen den Rücken zu stärken, so daß die Lage weiterhin ungeklärt blieb. Im Oktober bezogen die Truppen Winterquartiere. Bönninghausens Dragoner überwinterten in und um Hachenberg,[116] seine Infanterie in der Gegend von Friedberg“.[117]

Ende August 1635 hatte sich die militärische Lage derartig verändert, dass die Abordnung Gronsfelds, der das bayerische Armeekorps führte, zu Herzog Karl IV. von Lothringen erneut hinausgeschoben werden musste. Wie Franz Wilhelm von Wartenberg im Auftrag Kurbayerns Ferdinand von Ungarn mitteilte, hatten sich Georg von Braunschweig-Lüneburg und Wilhelm IV. von Weimar mit den schwedischen Verbänden – trotz der kaiserlichen Avokationsmandate zogen es viele der Soldaten und Offiziere vor, zur Befriedigung ihrer finanziellen Ansprüche unter schwedischen Fahne weiter zu kämpfen[118] – unter Knyphausen, Sperreuter und Kagg(e) sowie Wilhelm V. vereinigt – dessen Streitkräfte dürften 1635 sieben Reiterregimenter mit 3.000 und acht Infanterieregimenter mit ca. 9.000 Mann umfasst haben[119] – und ihre Truppen vor dem hessischen Vacha[120] zum Vorstoß in die Landvogtei Mühlhausen[121] zusammengezogen: „Nach dem Ew. Kgl. Maj. begeren I. Kf. Durchl. dem grafen von Gronsfeld dieser tagen ordinantz ertheilt, mit mehrstem volckh nach Lothringen zu marchiren, nachmals aber wegen oberzehlten emergentzien nothwendiger gehalten, des marques de Caretto oder veldtmarschalkh Hatzfeldt underhabendes corpo vermittelst des grafens von Gronsfeld underhabendes volckh fürdersam bestercket, alßo daß solches dermahlen deß herzogens zu Lothringen F. Durchl. zugeschickt werde, weiln sie dieser tagen I. F. Durchl. zugeschrieben, wie daß sie sicherlich 1.000 stärckher als der marschall de La Force befinden, aberwegen deren durch den obristen Enckevort im namen I. Kgl. Maj.  bei I. Durchl. gethane intimation nichts vorgenommen und sich herauß gegen den Elsaß und des grafens Gallas armada uff Zabern wenden wollen, also haben I. Kf. Durchl. dem grafen von Gronsfeld weiter ordinanz zuegefertigt, daß er mit dem ienigen volckh, so er nach Lothringen führen sollen, uff den Odenwald gegen Würzburg zu margiren etc., mit dem veldtmarschall Hatzfeldt oder marques Caretto ehist zu conjungiren und also coniunctis viribus den kopf zue bitten, oder da sich der feindt auff Frankfurt, Mainz und selbiger orten wendet, ihme zeitlich in die spalla[122] kommen, ihn vermittelst göttlicher hilff, ehe er die coniunction mit den Franzosen oder herzog Bernhard von Weimar erlangt, einen streich geben köndte, nit zweiflendt, I. Kgl. Maj. werden solche geschickte ordinantz guth befinden. Dann solten abgedachte feinde heraufwerts in Franken uff deß von Hatzfeldt oder marques de Caretto underhabende armada zugehen und dieselbe nit gesterckht werden, bekendt der marques selbsten, daß er mit seinem kaiserlichen volckh verloren werde und die feindt hernach ein frei offenen paß hetten, in die Oberpfalz und vordrist in Böhmen oder wieder in Bayern einzubrechen“.[123] Eine Verbindung mit dem unbeliebten Caretto erschien wohl niemandem im bayerischen Lager wünschenswert.

Auf dem Feldzug nach Lothringen waren die Verhältnisse schon denkbar ungünstig. „Auch die Kaiserlichen befanden sich in übler Verfassung, besonders die Kavallerie. Vier Regimenter Carettos zählten zusammen nur 1700 Pferde, ein Regiment Bönninghausens nur 200; viele Reiter scheuten vor dem Marsch in das ausgesogene unbekannte Grenzland zurück und machten sich den für Desertionen günstigen Rheinübergang zunutze. Von einem zweiten Regiment Bönninghausens gingen 150 Pferde durch, das sehr schwache Regiment des Obristen Asseburg verlor sich dabei gänzlich“.[124]

Im Westfälischen sollte sich die Lage dagegen etwas beruhigen: Im September erhielt Caretto von Ferdinand von Ungarn [Ferdinand III.] den Befehl, die Feindseligkeiten dort vorerst einzustellen; Anfang Oktober schloss Alexander II. von Velen, der am 3.11.1634 Generalwachtmeister der Liga und am 5.11. Gouverneur von Warendorf[125] geworden war, mit dem hessen-kasselischen Kommandierenden Melander [Holzappel] einen förmlichen Waffenstillstand für Westfalen ab.[126]

Über Pfalzburg[127] und Zabern, das bereits seit Anfang November von Caretto belagert wurde und sich zwei Wochen später ergeben sollte,[128] sowie nach der Eroberung von Schloss Hohbarr[129] und Turckheim[130] schleppten sich die bayerisch-kaiserlichen Truppen sich unter erheblichen Verlusten an Menschen, Material und persönlichem Besitz von dieser im Prinzip sinnlosen Diversion nach Lothringen in die Winterquartiere.[131]

Der Hildesheimer[132] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 16./26.1.1636 fest: „16. Januarii vewgehrt der von [Adolf v.; BW] Metternich, des Kaysers Sohns, Statthalter im Stift Halberstadt, von Illmo Assistenz kegen den Schwedischen General Bannier [Banér; BW], so in Magdeburg[133] ankomen, hätten alles bey der Elb niedergehawet, darüber die Chursächsische Armee[134] ganz in Confusion gerathen, auch wurden in Eglen[135] 500 Chursächsische von den Schweden niedergehauwen, darüber das Stift Halberstadt und Magdeburgk in groß Schreken komen. Unterdeßen nahete sich die Kayserliche Armee nach dem Weserstrom in der Graffschafft Lippe an die 62 Regimenter stark, so aber theils von 100, theils von 200 Mann waren, es ward aber ihr General Marquis de Grana mit den meisten Regimentern wieder zurück nach dem Reich gefodert, und blieb der Herr von Gewen [Geleen;[136] BW] mit 17 Regimenter in Westphalen“.[137]

„Der in Dülmen[138] kommandierende Obrist [Johann; BW] von Reumont bringt seine Regimentsfähnlein bei den münsterischen Kapuzinern unter, was der Rat mißbilligt. Man befürchtet in Münster[139] die drohende Einlagerung kaiserlicher Regimenter. Der Rat wendet sich daher am 1. Februar um Fürsprache am Wiener Hof an den aus Münster gebürtigen Benedikt Laeke, Abt des Prämonstratenserstifts Klosterbruck[140] (bei Znaim[141]), der gute Kontakte zum Vizepräsidenten des Wiener Hofkriegsrats, dem Freiherrn Gerhard von Questenberg, besitzt. Im Schreiben verweist der Rat auf seine Verdienste um die Armee, die 1634 mehrere Monate ‚unter unserm Geschütz und innerlichen Wällen‘ gelagert habe, und die Unterhaltung der eigenen starken Garnison. Vermutlich werde Münster aber von übelgesinnten Obristen beim Kaiser verleumdet, obwohl man sich hier stets ‚in der allerschuldigsten Devotion Ihrer Kayserlichen Mayestät‘ gehalten habe. Der Abt möge sich der Sache annehmen und bei Questenberg dahin wirken, daß Münster von Einquartierung befreit bleibe. Eine Supplik an den Kaiser wird beigelegt. Danach seien die Städte Köln[142] und Münster im Reich ‚diejenigen allein, so die catholische Religion bewahret und daher in keinem Wege sich ihren lassen‘.

Obige Bitte erhält der Abt am 26. Februar, verfügt sich ‚im allerersten Anblick dessen‘ nach Wien und sucht am 28. seinen ‚vornehmsten Patron‘ Questenberg auf. Er erfährt, daß bisher beim Hofkriegsrat noch keine entsprechende Quartieranforderung eingegangen sei. Münsters ‚Mißgönner‘ stehe in bayerischer Bestallung, nicht in kaiserlichem Dienst. Laekes Syndikus Heinrich Brochtrop – auch er ein gebürtiger Münsteraner – legt dem Antwortschreiben die Abschrift einer eigenen Supplik bei. Man befürchtet, daß der Marchese de Grana und der kurbayerische General Johann de Werth sich mit ihren Streitkräften nach Westfalen wenden würden.

‚Benedictus Lachenius‘, Abt und ‚Kays. Mayestät Rath‘, übersendet aus Wien am 10. April 1636 Kopie des kaiserlichen Befehls an den Generalfeldzeugmeister Marchese Carretto de Grana vom 27. März, die ihm durch Abschrift Questenbergs zugestellt worden ist. Sie hat folgenden Wortlaut: ‚Allermaßen unß die von der Statt Münster in Westphalen jederzeit erzeigte Trew und beständige Devotion, auch sonsten ihrer deren Enden zu unsern Kriegsdiensten geleistete gutwillige Beyhülff und Vorschub zu gnedigstem G e f a l l e n  u n d  d e r o  i n  m i l t i s t e r  E r k ä n d t n ü ß  a l l s o l c h e r  gehorsambisten Bezeugnüssen dahin incliniren und gewillet sein, dieselbe zu etwas Respiration und Ergötzlichkeit von allen und jeden Einquartierungen unseres und dem h. Reich zugethanen Kriegsvolckes allerdings befreyen zu lassen, alß würdestu dieser unserer gnedigsten Intention gemeß es bei dero dir anvertrauten und undergegebenen Soldatesca dahin zu richten und anzuordnen haben, auff das obbemelte Statt diese unsere ihr gnedigst gegönten Exemption fruchtbarlichen genießen und im Werck erfahren möge; wie du nun hierinnen Rechts zu thuen wissen wirdest und bist unß beinebens mit Kayserlichen Gnaden wollgewogen‘. Der Rat bedankt sich beim Abt mit einem Schreiben vom 9. Mai 1636. Er hatte sich daneben auch an den Kölner Jesuitenprovinzial P. Goswin Nickel gewandt, der am 27. Februar antwortet, er habe Münsters Anliegen um Befreiung von Einquartierung schriftlich dem kaiserlichen Beichtvater P. Guillaume Lamormain weiterempfohlen“.[143]

Der Chronist Johan Wernicke aus Münster hielt in seiner Chronik für den Februar 1636 fest: –„ ist das keiserliche krigsvolck unnd den commando marquis de Gran in stifft Munster gekommen undt als sie int Saurlandt quemen, hat der marquis das commando den heren von Glein [Geleen; BW] auffgedragen, der das commando den heren obersten von Velen auffgedragen. Darauff in alle dorffer unnd stedikens, auch bawrschafften sich selber einquatirt, die armen leute jemmerlich gequellet midt unleidtlichen contributionen zu geben, also das die bawren entlauffen unnd sich in die statt Munster salviret, welches hoch zu beklagen stedt“.[144]

Am 16.2.1636 schrieb Gallas aus Speyer[145] an den kaiserlichen Obristleutnant Heinrich Ernst von Kärpen und schickte ihm eine ausführliche Instruktion für die Verhandlungen mit Johann Georg I. von Sachsen. Gallas versicherte dem Kurfürsten, alle seine Kräfte einer siegreichen Kriegsführung widmen zu wollen. Er wende sich nun durch seinen Beauftragten an ihn, auch wenn ihm, dem Kurfürsten, Hatzfeldt und Caretto schon geschrieben haben. Er selbst habe einen Kurier zu Melchior von Hatzfeldt gesandt, mit dem Befehl, sich unverzüglich mit 8.000 Mann und 2.000 Reitern zum Kurfürsten in Marsch zu setzen und dessen Befehlen zu gehorchen. Auch an Generalwachtmeister Uhlfeldt sei der Befehl ergangen, mit 1.500 Mann und fünf Reiterregimentern nach Franken zu ziehen und ihm dort zur Verfügung zu stehen.[146] Im März 1636 gab Gallas gegenüber Ferdinand III. die Stärke des Korps Caretto an der Weser mit 9.000 Mann an.[147]

„Während Bönninghausen [1636; BW] untätig und auf ein neues Kommando wartend in Köln weilte, war es Caretto gelungen, die schwedischen Streitkräfte, über die nach Knyphausens Tode der Generalmajor Wendt von Krassenstein den Befehl führte, bis Bremen[148] zurückzutreiben“.[149]

Maximilian I. teilte seinem Kommandierenden Johann von Götz am 9.6.1636 mit, Caretto solle laut Befehl aus Westfalen aufbrechen und sich mit ihm und Werth vereinigen. Die in der Umgebung von Hanau[150] liegenden Regimenter sollten sowohl den Anmarsch Carettos als auch den des aus Schlesien anmarschierenden Korps abwarten.[151] Am 13..9. informierte Ferdinand III. Gallas aus Breisach,[152] er habe beschlossen, Caretto zur Hauptarmee zu überstellen.[153] Schon am 18.9. schrieb Ferdinand III. wieder an Gallas und teilte ihm mit, dass sich Caretto vor fünf Tagen verabschiedet und den besseren Teil der Kanonen und Munition mitgenommen habe.[154] Aus seinem Feldlager bei Champlitte[155] informierte Gallas den Thronfolger am 27.9.: Über den Gegner sei bekannt, dass er noch immer in den bisherigen Stellungen liege, auch wisse man, wie viele Streitkräfte er zusammenziehen könne. In ein bis zwei Tagen soll Caretto mit der Vorhut der Artillerie anrücken. Je nach Entwicklung der Lage würden sie entscheiden, ob sie die 4 oder 5 Tage bis zur Ankunft des Markgrafen Wilhelm V. von Baden hier am Ort warten wollten; mit diesem und der verstärkten Infanterie könnten sie dann weiter vorrücken.[156] Ein Tag später hieß es jedoch: Gleich nach der Ankunft Carettos habe er allen anwesenden Offizieren die Propositionen aus den jüngsten Konsultationen der kaiserlichen Generäle betreffs des Feldzugs der Armeen vorgetragen. Die letzte Konsultation der obersten Offiziere sei gescheitert, da Karl IV. sie nach seiner Ankunft zerschlagen habe. Daher habe kein einheitlicher Beschluss gefasst werden können, selbst wenn die Mehrheit der gleichen Ansicht gewesen wäre. Der anerkannte Hauptgrundsatz für die kaiserlichen Waffen und den Schutz der Majestät heiße nicht hasardieren, sondern eher Hilfe von der Artillerie und der Infanterie erwarten; letztere müsse gestärkt werden, um mit ihr einen Schlag gegen den Gegner führen zu können. Caretto habe es für das Beste gehalten, mit der Geschützvorhut anzugreifen, obwohl bisher weder die Reserve-Artillerie noch die Infanterie eingetroffen sei. Die wichtigste Frage bleibe, ob man die Reserve-Hilfstruppen am Ort

erwarten oder sich auf der linken oder rechten Seite in Bewegung setzen und bessere Quartiere, Versorgung und Proviant suchen solle.[157] Der spanische Gesandte in Wien, Castañeda, schrieb am 4.10.1636 aus Limberg[158] an Gallas über die Unannehmlichkeiten, die die Verspätung der Artillerie verursachte, indem sie Gallas‘ Vormarsch verhinderte. Ferdinand III. aber soll jetzt Nachrichten erhalten haben, denen zufolge Caretto bereits eingetroffen ist; binnen kurzem würden 7.000 Mann Infanterie unter Marquis de San Martin anrücken, die, wie er hoffe, für Gallas eine große Hilfe bedeute.[159]

Vom 5.2.1637 datiert eine ausführliche gemeinsame Antwort Gallas‘ und R. Colloredos auf Ferdinands III. Frage nach der Art und Weise der weiteren Kriegsführung: „1) Was erstlichen die Quartierung und Reformationssache belanget, ist einmal nicht ohne dass, denen vorigen Remonstrationen gemäss, aus dessen Exequirung allerhando grosse Confusion und Ungelegenheiten endstehen werden, aber weiln I. Mt endlicher und cathegorischer Will vorhanden, ist bereits dem Herrn Marggrafen von Caretto gemessener Befelch erteilt worden, alles und jedes, was darinnen begriffen, ohne einige Zeitverlierung oder ferneres Zurückdenken mit äusserster Punctualität zum Effect zu bringen.

2) Betreffend die angedeutete Erleichterung der Quartier durch Abführung einer Anzahl Regimenter gegen Franken und Düringen hat man zwar zu Erlangung solchen heilsamen Intents, sobald die Zeitungen wegen des unglücklichen Stosses von dem Herrn von Geleen nebenst des Herrn Bischofen zu Bambergk fürstl. Gn. Schreiben wegen Incaminirung eines eilfertigen Succursus einkommen, gedachten Herrn Marggrafen von Caretto Ordinanz erteilet, deren gleichen begehrten Endsatz zu Ross und Fuss dahinwerts avanziren zu lassen. Nachdem aber seit diesem der Feind sich wieder über den Wald zurück begeben und dahero zu be[r]sorgen, dass gegen etlicher Maasen erlöschend Gefahr man auch des Volks nicht mehr achten und dasselbe aus Mangel ihm anweisender Unterhalt und Refreschirungsmittel deren End zugrunde gehen dürfen, als wird unvorgreiflich darfür gehalten, dass, dieses Werk umb soviel mehrers zu vorsichern, I. Mat. ein bewegliches Schreiben an hoch gedachtes Herrn Bischofs fürstl. Gn. abgehen liessen. Welches gleichwohl diesen Verstande hat, das, was in Düringen zu Verschonung mehrhochgedachter I. fürstl. Gn. Landen ohne Risigo unterzubringen möglich, solches in alle Wege beschehen solle. Wie dann deswegen dem Herrn Marggrafen von Caretto eingebunden, hiermiter die dahin deputierte Regimenter nebenst den Herrn Grafen von Rittbergk [Ernst Christoph v. Rittberg; BW] und einen Generalwachtmeister auf des Herrn von Geleen gute Information und Anleitung zu weisen“.[160]

Inzwischen waren die Querelen am kaiserlichen Hof weiter gegangen. Caretto schrieb Gallas am 24.4.1637 aus Wien, dabei auch gegen den unbeliebten Karl IV. von Lothringen, den Neffen des bayerischen Kurfürsten, intrigierend: Am 16. des Monats habe er seinen Brief zusammen mit der Nachricht Hatzfeldts und der Kopie des kaiserlichen Briefes betreffs des Regiments Caretto erhalten. Die Berichte, die Gallas‘ letzter Kurier gebracht hätte, würden dem Kaiser erst am heutigen oder morgigen Tag sowohl in geheimer Audienz als auch im Kriegsrat vorgetragen werden. „Die Veltliner und spanischen Angelegenheiten würden streng geheim gehalten, zumalen die Herren spanischen Ministri kein ander Rat oder Expedition als vom Herzog Savelli haben wollen. Aber die Zeit wird lernen, dass man die Leut kennenlernet. Der Herr Graf Trautmansdorff hat mir gesagt, dass Herzog von Lothringen Bruder auch ein Commando praetendiret, und in grosser Geheimnis protestirend, er traute nit bei seinem Bruder zu leben, viel weniger zu dienen, wannenhero es daher nicht mehr verwunderlich fürkommen wirdet, dass gedachter Herzog mit keinem von uns sich vergleichen können, mehr wird gesaget, dass derselbe sowohl von K. Mt als Kgl. Mt in Spanien von Rheinstrom bis in Frankreich das Commando über alle Länder und Völker führen solle“.[161] Aus dem Schreiben Ferdinands III. an Gallas vom 4.5. geht hervor, dass in Franken die Regimenter Caretto, Webel, Wangler und Bruay zum Schutz der Stifter Franz von Hatzfeldts zurückbleiben sollten.[162] Am 27.7. schrieb Caretto aus Worms[163] an Gallas und erstattete Bericht über den Vormarsch Bernhards von Weimar. Außerdem hatte er mit Savelli in Freiburg wegen der Möglichkeit der Besetzung der Übergänge nach Burgund, wo der Gegner lag, korrespondiert. Weiter übte er Kritik an den Spaniern wegen der Unterschätzung der burgundischen Gefahr. Er selbst habe von [Johann Adolf von ?] Metternich erfahren, dass der Kardinal-Infant an Werth den Befehl erteilt habe, zu Piccolomini zu stoßen. Beigelegt waren ein Briefauszug aus Basel vom 16.6. über Bernhards erwarteten Vormarsch sowie die Kopie eines Briefes vom 29.6., indem Mercy Reinach seine Operationen beschrieb.[164] Am 17.8. informierte Ferdinand III. Gallas, er habe Savelli befohlen, mit seinen sämtlichen Truppen einschließlich der Artillerie zu Werth an den Rhein zu stoßen. Letzterer solle das Regiment Toscana, das altkroatische Regiment und alle übrigen Soldaten für Caretto eilends zusammenzuführen.[165] Im Dezember 1637 war Caretto zusammen mit Geleen in Köln erschienen.[166]

Piccolomini informierte den kaiserlichen Obristen Ruebland am 20.3.1638 aus Brüssel: Er berichtete über die Schlacht bei Rheinfelden.[167] Aachen[168] sei bedroht, Caretto treffe Vorkehrungen zu deren Verteidigung.[169] An diesem Tag teilte Piccolomini dem Kardinal-Infanten mit, er habe Caretto beordert, einerseits Aachen zu besetzen, dass die Franzosen laut Meldung der Kundschafter überfallen wollen, andererseits Lüttich[170] zu besetzen, wo den Franzosen Werbungen gestattet seien. Lüttich unterbricht die Verbindung zwischen der kaiserlichen und der niederländischen (spanischen) Armee und stört die Beziehungen der Kaiserlichen zu den Holländern. Letztere können sich hinsichtlich der kaiserlichen Seite sicher fühlen, Frankreich muss in Furcht vor einem Angriff und in Unsicherheit gehalten werden, sonst könnte es seine Truppen nach Italien abkommandieren.[171] Mattia di Toscana schrieb am 11.6.1638 aus Alt-Kloster[172] an Gallas: Der Gegner liege mit 3.000 Mann und 9 Kanonen in Rotenburg.[173] Er sei hierher gezogen, wo er mit Proviant versorgt sei und die Möglichkeit habe, sich im Notfall nach Harburg[174] zurückzuziehen. Seine bisherigen Quartiere in Horneburg[175] lasse er von Dragonern Carettos bewachen. Zu diesem Schritt hätten ihn die Nachrichten bewogen, dass sämtliche Bauern zusammen mit der Armee zurück nach Stade[176] marschierte. Überdies habe ihn in seiner Absicht ein abgefangener Brief bestärkt, den ein gewisser dem König von Dänemark dienender Obristleutnant einem seiner Kapitäne geschrieben habe. Außerdem habe es in den früheren Quartieren kein Futter mehr gegeben. Er hoffe, Gallas werde seinen Schritt gutheißen.[177] Am 29.12.1638 informierte Caretto über die Beziehung der Winterquartiere in Münster, Aachen und Jülich.[178]

„Gegen Ende des Jahres 1638 zog Piccolomini seine Truppen zusammen und ging mit ihnen zum Niederrhein zurück. Bönninghausen nahm sein Quartier in der kleinen Festung Sittard[179] zwischen Maastricht[180] und Roermond,[181] die zum Herzogtum Jülich-Berg gehörte. Sofort trieb er für seine Regimenter Kontributionen ein und verlangte vom Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm Getreidelieferungen. Am 28. Januar 1639 erteilte dieser seinem Kämmerer und Hofmeister Philipp Heinrich von Benting den Auftrag, zu Bönninghausen zu reisen und mündlich mit ihm zu verhandeln. Da Benting feststellte, daß wirklich Bönninghausen zustehende Lieferungen durch die Untertanen nicht geliefert wurden, versprach der Pfalzgraf Abhilfe durch den Baron von Spiering, den er an Caretto abfertigte. Dagegen erbat er, die Belegung des Sittarder Vogteihauses, wo sich ein Rittmeister einquartiert hatte, rückgängig zu machen, da dies den kaiserlichen Salvaguardia-Briefen zuwiderlaufe.

Bönninghausens Reiter bestanden in der Gegend um Maastricht einige Scharmützel mit holländischen und französischen Streifparteien; kaiserliche Söldner, die dabei in Feindeshand gefallen waren, ließ Bönninghausen auswechseln, worüber er Caretto, dem er unterstellt war, Mitteilung machte. Dieser hatte seinen Adjutanten, einen Rittmeister Arnold Brandt, zu Bönninghausen geschickt, um die Ausführung einer von Caretto angeordneten Exekution zu überwachen. Da Bönninghausen diesem Adjutanten, an dem er Gefallen gefunden hatte, eine Rittmeisterstelle in seinem Kürassierregiment angeboten und angeblich auch versprochen hatte, ihn zu seinem Adjutanten zu machen, was Brandt offenbar nicht ungünstig aufgenommen hatte, geriet Caretto in Zorn und ließ dem Generalwachtmeister am 31. Januar 1639 ein in scharfem Ton gehaltenes Schreiben zustellen, in dem er sich verbat, daß Bönninghausen seine Adjutanten aufwiegele und die ‚schuldige Erkenntniß‘ gegen seinen Vorgesetzten mißachte. Fortan suchte Caretto in jeder Weise Bönninghausen wegen der Winterquartiere zu benachteiligen. Als dieser im Februar aufbrach, um in Goch[182] Quartier zu nehmen, wußte der Feldzeugmeister das zu verhindern. Piccolomini ordnete die Unterbringung der Regimenter Ruebland und Bönninghausen im Eichsfeld an“.[183]

In diesem Januar wurde auf Carettos Befehl hin das Regiment Dunkel in Düren[184] einquartiert. Im Februar gab der in Goch stehende Caretto diesem Regiment den Marschbefehl.[185] Am 1.3.1638 schrieb der kaiserliche Obrist Kapoun an J. Černín d. Ält.: In Jung-Bunzlau[186] lägen die Regiment Caretto und Goltz, im Königgrätzer Kreis[187] Staubs und Leslies Regiment, im Chrudimer Kreis[188] der junge [Adolf Ehrentreich v.; BW] Puchheim und Berlant mit je einem Reiterregiment, in Glatz[189] Bruay mit einem Reiterregiment. Diese Regimenter seien in keinem guten Zustand und sollen fünf Monate im Land bleiben. Ein aus schwedischer Gefangenschaft entlassener kaiserlicher Offizier habe gesagt, dass Banér mit der Artillerie die Elbe überschritten habe und gegen Leipzig[190] ziehe.[191] Caretto selbst schrieb am 18. 5.1639 aus Köln an Piccolomini: Die Erhebung der Kontribution für die Armee gestalte sich in Westfalen immer schwieriger. Noch im Vorjahr sei die Lage besser, das Land reicher und die kaiserlichen Anordnungen seien klarer gewesen. Piccolominis Abwesenheit habe zur Folge, dass hier kein Kommandant mit Autorität herrsche. Die Unterhandlungen mit den Delegierten, besonders mit Bleymann, der im Namen Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg spreche, seien sehr mühevoll. Bleymann habe den Mund voll Ausreden, habe das Zustandekommen einer Zusammenkunft mit Vertretern der Armee aufgehalten, Aachen habe ihm nicht konveniert, dann habe er wieder die Kontributionsauszahlung an einen Besuch bei der Armee gebunden, wo eine Zusammenkunft der Delegierten stattfinden sollte. Die Offiziere verlören langsam die Geduld, die Delegierten redeten sich mit der Armut der Landbevölkerung heraus, diese wieder warte auf Anweisungen, in welchen Gemeinden sie das Getreide abzuführen habe.[192] Im August führte er seinen Briefwechsel mit Piccolomini über den Feldzug und den Zustand seiner Truppe in Luxemburg, über Kriegsaktionen der Franzosen und über seinen Streit mit Beck wegen seiner Weigerung, sich in der Auffassung der Disziplin deutschen Sitten unterzuordnen.[193] In einer Mitteilung vom September teilte Piccolomini Ferdinand III. mit: Er habe sich entschlossen, seinem Drängen nachzugeben und mit sämtlichen Truppen über Trier,[194] Mainz, Würzburg und Nürnberg Böhmen zu Hilfe zu kommen. Die Verteidigung am Rhein und den Abschluss des Vertrags mit dem Herzog von Bouillon habe der Kardinal-Infant übernommen. Caretto habe mit der Artillerie den Rhein überschritten, die Kavallerie folge ihm nach; der Marsch werde vom Gegner verfolgt. Das bayerische Heer decke den Rücken der Armee.[195] Am 18.10. schrieb Piccolomini Ferdinand III. aus Dünkirchen:[196] Der Kardinal-Infant habe ihm eine Audienz gewährt und seine Zustimmung zu der kaiserlichen Forderung nach seinem Abmarsch nach Böhmen gegeben. Caretto sei beordert worden, seinen Marsch nach Nürnberg zu beschleunigen, und er, Piccolomini, werde ihm folgen – er möchte so schnell wie möglich bei Ferdinand III. sein.[197] Allerdings traten wieder einmal Schwierigkeiten auf, wie Caretto am 19.10. Piccolomini aus Burglinster[198] mitteilen musste: Seit dem 15.10. stehe er hier in Burglinster und warte auf den Befehl zum Überschreiten der Mosel; auch warte er auf Blei- und Pulverlieferungen, die laut Becks Befehl aus Trier ankommen sollen. Wagen und Kanonen seien aus Luxemburg unterwegs. Vor dem Aufbruch werde er noch eine ausreichende Menge von Pferden, mindestens 900, konzentrieren. Er sorge dafür, dass auf dem Weg von Mainz nach Nürnberg Brotvorräte für die Armee bereitgestellt werden. Diebe würden von ihm gefangen und eingesperrt; im Gefängnis sitze ein Obrist, in dessen Regiment binnen zweier Tage 24 Pferde von Soldaten gestohlen wurden. Die Kranken lasse er in Mainz zurück.[199]

Am 29.2.1640 schrieb Piccolomini an Caretto über die Schwierigkeiten mit der Geldbeschaffung für die Armee. Er verfolge die geheimen Beratungen mit dem Herzog von Bayern mit großem Interesse. Die Weimarer seien angeblich auf Grund einer Vereinbarung in Bayern einmarschiert; Banérs Ziel sei die Obere Pfalz, von wo aus er in Böhmen einfallen und das Land zerstören könne.[200] Der Hofer Chronist Rüthner erwähnt ihn in seiner Chronik zum letzten Mal: „Den 24. huius kam von dem bayrischen ein Marchese di Caretto hierher, dem man neue postpferde, gegen seiner hochfürstlichen durchlaucht Erzherzog Leopoldt zu marchiren, schaffen muste, ging auf Schlaiz[201] zu“.[202] Aus Wien schrieb Caretto am 8.5. an Piccolomini: In Wien rede man von Leganés Misserfolg bei Casale;[203] seine Armee soll auf eine solche Weise geschlagen worden sein, dass selbst die feindlich gesinnten Minister, d. i. der Gesandte Venedigs, der Nuntius und andere darüber in Verwirrung gerieten. Castel-Rodrigo sei zum Vizekönig von Sizilien ernannt worden. Ständig leide man an Geldmangel, die für die Soldauszahlung verfügbaren Mittel reichten nur für einen Monat aus.[204] Der kaiserliche Hauptmann Lang berichtete am 23.5. aus Mainz Piccolomini über den elenden Zustand der Mainzer Garnison, die an schlechter Verproviantierung und an der noch schlechteren Lebensmittelverteilung leide. Schuld daran seien die kurbayerischen Armeeoffiziere, die Disziplinlosigkeit einführten und den von Suys, Caretto di Grana und anderen kaiserlichen Offizieren gegebenen Befehlen nicht gehorchen wollten.[205] Erzherzog Leopold Wilhelm informierte am 3.6. Colloredo aus seinem Feldlager bei Saalfeld:[206] Er möge die Statthalter von Böhmen dazu bewegen, für die zur Überwinterung nach Böhmen zugeteilten Regimenter das Geld für einen Monatssold zu beschaffen und auszuzahlen; er habe sie bereits mehrfach darum ersucht. Das übrige an verschiedenen Orten in Böhmen liegende Kriegsvolk solle nach Eger überstellt und dort die Ankunft Carettos erwarten, der sie zur Armee führen werde.[207] An diesem 3.6. hatte auch Caretto an den Kaiser geschrieben: Er berichtete über die Armeeverpflegung und die Armeequartiere in Südböhmen und wies auf Schmarotzer hin, die Gehälter bezögen, sich aber nicht an den Kämpfen beteiligten. Er wolle in Lebensmittelzuteilung und Auszahlungen Ordnung einführen und auch für die Artillerie, die bisher nicht einmal ordentlich überwinterte, Quartiere beschaffen. In Budweis[208] liege derzeit das Regiment Annibale Gonzaga, die Städte Krumau[209] und Prachatitz[210] seien für neugeworbene Truppen reserviert.[211] Am 29.6. wandte er sich wieder an Piccolomini: Er bemühe sich mit Hilfe des spanischen Gesandten Castañeda Unterstützung aus Spanien zu erhalten; Castañeda habe 50.000 fl. für die Armee versprochen. Man werde 2.000 polnische Reiter mieten. Die Türken hätten sich an der Grenze Ungarns gezeigt.[212]

Der Chronist Leopold aus Marktredwitz erinnert sich an den Juli 1640: „Den 3. dito ist von Eger hie[r]her(o) berichtet worden, daß der Kai[ser.] Gen[eral]feldzeugmeister, Herr Markgraf von Coretto und Grane mit 6 bis 7000 Mann zu Roß und [zu] Fuß aus Böheim(b) zu Eger an[ge]kommen [ist], der weiter zur Kai[ser.] Armee marschieren sollte. Derhalben wurde ich in der Nacht nach Eger, um Salva Guardi[a] anzuhalten, geschickt. Weil da der Gen[eral] selbst noch nit an[ge]kommen [war], als[o] hab ich von dem Oberst Arnold Heußer, welcher die Avanguardi geführt, mit Zuraten der Alten Herren zu Eger, einen Korporal mit 6 Knechten zur Salva Guardi[a] erhalten und herausgeschickt. Als [dann] den andern Tag (hernach) der Gen[eral] doselbst(en) angelangt ist, hab ich mit Hilfe des H[errn] Oberstwachtmeister Melchior Adam Moser den 5. dito eine gedruckte Gen[eral]-Salva-Guardi[a] von dem Markgrafen erlangt, mit dem Versprechen, daß wir dieses Marsches und aller Quartierung befreit bleiben sollten; wie denn der Marsch bereit[s] auf Thiersheim[213] und Weiß[en]stadt[214] angestellt gewesen [ist], so sich aber [noch] geändert [hat]. Bin also noch selben Tag mit dem Guardi[a]brief nach Haus[e ge]kommen und hatte außer Gott und seinen Englein gar niemand bei mir. Bin aber ohne alle Hindernisse durch die Regimenter [ge]kommen.

In meinem Abwesen[sein] sind [nahezu] 80 Mann, meistenteils zu Fuß, aus dem Lager herein[ge]kommen und [haben] mit Gewalt hereingewollt. Man hat ihnen Bier und Brot zu geben versprochen, mit welchem sie letz[t]lich zufrieden und nach Haag (ver)reisten.

Den 7. Juli ist ein Trupp [etwa] 100 Mann [stark], wobei auch viel[e] Offiziere(r) [waren], aus dem Lager hie[r]her(o) [ge]kommen. Weil man ihnen aber weder Quartier noch [et]was anderes geben wollte, sind sie nach Pfaffenreuth[215] und Manzenberg[216] hinauf. Man hat ihnen hernach Bier und Brot hinauf verschafft. Des andern Tags zu Mittag sind sie auf[ge]brochen, hier vorüber und gegen Brand[217] und Konnersreuth[218] [ge]zogen. Obwohl wir ihnen stark zugeredet, warum sie im Quartier alle Öfen und Fenster eingeschlagen, ist doch wenig mit ihnen zu richten gewesen. Diese hatten Patent und Order, in Böheim(b), für den Oberst Rock [Ruck; BW], [den] Gen[eral]quartiermeister, ein Regiment aufzurichten.

Eodem die, gar zu abends, sind 26 Dragoner, dabei 2 Fähnriche, hie[r]her(o) [ge]kommen, hatten Order vom Gen[eral]feldzeugmeister, mit ihrem Regiment (auf) hie[r]her(o) zu marschieren. Daher(o) [haben] sie herein und Quartier machen wollen. Weil aber, auf hie[rher(o) zu marschieren und nit zu quartieren, in ihrer Order stand, als(o) haben wir sie nit eingelassen, sondern [haben] hinein nach Eger an den Gen[eral] geschrieben, [wie] wir uns verhalten [sollten]. Unterdessen aber haben wir ihnen Quartier in den Vorstädten [ge]geben. Den 9. dito früh, als unsere Boten von Eger zurück[ge]kommen [waren] und wir Befehl erlangt, niemand hereinzulassen, [sind] die Dragoner zurück[ge]gangen. Die Boten berichteten denn auch, daß der ganze Marsch auf Thiersheim[219] zu gehe. Wie aber der Gen[eral] nach Thiersheim gekommen [war], wurde ihm von den markgräfischen Beamten fälschlich berichtet, der Feind ginge stark gegen Hof heraus. Auf dieses [hin], hat sich der Gen[eral], zur Verhütung [eines] Einfalls, gewendet und [hat] seinen Marsch hie[r]her(o) genommen, wie sich denn die Quartiermeister bald [ein]gefunden und das Hauptquartier hier gemacht [haben], worauf der Fürst gefolgt und fast [zur] Mittagszeit hie[r]her(o) [ge]kommen [ist]. Als wir ihm zugesprochen, daß wir uns diesmals keines Quartiers und Durchzugs versehen, indem wir uns auf seine gegebene Salva Guardi[a] gänzlich verlassen [und] daher auch weder Bier noch Brot für so viel Volk im Vorrat [hätten], bat er, wir sollten ihm verzeihen und es nit übel (auf)nehmen, daß er uns betreten mußte; denn es wäre Feindesgefahr obhanden und er hätte sich wohl vorzusehen. Wir sollten uns weder um Essen oder Trinken bekümmern; er hätte schon so viel auf seinen Wagen, daß er uns selbst mitspeisen wollte. Er wollte gutes Kommando halten, daß keine Klage vernommen werden sollte. Auch wollte er morgenden Tags in aller Frühe aufbrechen und marschieren. Weil auch schön[es] Wetter [war], bat er, wir sollten ihm etliche Fischer verschaffen und in unseren Wassern fischen lassen, er wollte wegen der Lust [an] der Fischerei selbst(en) beiwohnen. Wie er denn [auch] den Fischern – als er eine Weile zugesehen – einen Dukaten verehrte und davon[ge]gangen [ist]. dieser Markgraf war ein tapferer Fürst [und] hielt scharf und gut Kommando. H[err] Scharf und ich mußten bei ihm zur Tafel sitzen. Bei ihm waren sonst etliche Marchese, Neapolitaner und vornehme Herren, auch Graf Kefenhüller [Georg Augustin v. Khevenhiller; BW], Ober[stleutnant] Witz, Ober[st]leutnant] Sparnberger [Sparrenberg, BW] und andere Stabspersonen. Die anderen Obersten sind mit ihren Regimentern um Leutendorf,[220] Meußelsdorf,[221] Thölau,[222] Lorenzreuth,[223] Seußen,[224] Brand, Haag,[225] Wölsau,[226] Reutlas,[227] Manzenberg und Dörflas[228] gelegen. Er brach des andern Tags früh mit guter Order auf und gab uns über vorige schriftliche und lebendige Salva Guardi[a] [hinaus noch] ein offenes Patent an alle hinterstellige[n] Völker, daß sie uns nit im geringsten betreten sollten. Das andere Volk ist alles mit guter Manier hier durch den Mark[t]. Man brauchte ihre(n)twegen kein[e] Tor[e] zusperren. Bei diesem Volk haben sich über des Fürsten Pagage [hinaus] 364 Wagen befunden, meistenteils mit Munition und Schanzzeug belagen, so alle hier durch [ge]gangen [sind]. Er hat – sonderlich bei so viel[en] Wagen, daran Pferde und Ochsen gespannt [waren] – das Getreid[e] (al)so in acht nehmen und nit den geringsten Schaden daran tun lassen. Und [es] ist gewiß, daß uns vielmals 100 Reiter, welche eine Nacht hier gelegen, größeren Schaden zugefügt und mehr Kosten gemacht, als uns in diesem großen Marsch geschehen [ist]. Dafür [haben] wir denn [auch] Ursach[e], dem lieben Gott höchlich zu danken. Seinen Marsch hat er nach Kemnath gerichtet und von uns freundlich Abschied genommen“.[229]

Am 20.7. teilte Caretto aus Neustädtel[230] Piccolomini mit, er habe die Liste der bei ihm befindlichen Truppen an Erzherzog Leopold Wilhelm geschickt. Gallas sei mit Dragonern angekommen und habe mitgeteilt, dass die Armee bereits bis an die Grenze Hessens vorgerückt sei. Er, Caretto, warte auf weitere Befehle.[231] Hofratskriegspräsident Schlick schrieb am 3.8.1640 von den Vorbereitungen zum Regensburger[232] Reichstag an W. E. von Lobkowitz: Die kaiserliche Armee stehe noch immer in Hessen und warte auf Caretto; Banér sei gleichfalls noch in Eschwege.[233]

Doch schon in diesem August finden sich sehr kritische Anmerkungen des Chronisten Leopold aus Marktredwitz: „Den 13. dito ist das Goltzische, dann auch das Corettische Regiment zu Fuß, – dabei [warn] auch etliche copaunische [Kapoun; BW] Reiter – aus dem Lager herein, [das] durch Weiß[en]stadt gegen Böheim(b) gegangen [ist]. Die Reiterei hat zu Arzberg,[234] das Fußvolk aber zu Thiersheim quartiert. Diese haben sehr gestreift, geplündert und sonderlich zu Lorenzreuth[235] übel gehaust. [Sie haben] die Leut[e] ausgezogen und sehr geschlagen. Einer Sechswöchnerin [haben sie] das Kind aus den Armen gerissen und auf den Mist geworfen“.[236] In diesem August stand Caretto bei Fritzlar[237] und befürchtete einen Angriff auf das kaiserliche Lager; Hatzfeldt und Wahl erhielten den Befehl nach Marsberg[238] zu marschieren.[239]

Im Winter 1640/41 war der Stab Carettos samt der ganzen kaiserlichen „Haupt Artigleria“ in der Grafschaft Oettingen-Wallerstein[240] einquartiert.[241]

Am 3.8.1641 schrieb Caretto aus Regensburg an einen nicht genannten Empfänger und gab ihm seine Ernennung zum Gesandten am spanischen Hof bekannt, dankte ihm für seine Protektion und berichtete über die Kriegsereignisse in Böhmen.[242]

„Das Regiment Markgraf Caretti zu Fuß erhielt im Januar 1642 sein Standquartier mit sechs Kompagnien in Zeitz[243] und mit vier Kompagnien in Naumburg.[244] Die Städte hatten die Verpflegung, die Dörfer die Fourage zu schaffen, und die monatliche Kontribution wurde für Naumburg mit 393 Talern, für Zeitz mit 606 Talern angesetzt. Am 7. März wurde das ganze Regiment dann in Naumburg zusammengezogen, daß sieben Kompagnien mit dem Stab in die Altstadt, zwei in die Freiheit[245] und eine in die Vorstadt kamen. Am 24. März schrieb der Graf Piccolomini dem Rat, daß er zwei General-Wachtmeister ‚zur Beobachtung des Saalestroms’ eingesetzt habe, in Merseburg[246] den Markgrafen Don Camillo von Gonzaga, in Naumburg den Baron Achilles de Soye. Die Bürgerschaft sollte mit dem Troste vorlieb nehmen, daß ‚der itzige status belli und die Pflicht der Defension’ die starke Besatzung erforderten. Die Kosten werden jetzt für zwei Monate auf 10042 Taler berechnet; dazu kam noch die Lieferung von 654 Fässern Weins. Die Carettischen Musketiere waren als ‚armes, notleidendes Regiment’ berechnet, mit vielen Kranken belastet; aber keine Truppe hat soviel Ärgernis wie diese bundesgenössische den Bürgern geschaffen. Ein dickes Aktenbündel beschäftigt sich mit den Prozeduren des Regimentschefs, des Oberstleutnants Paolo Pestaluzzi. Der Generalfeldzeugmeister de Suys hatte durch Trommelschlag die kaiserliche moderierte Verpflegungsordonnanz ausrufen lassen, aber die Bürger blieben wieder hinter ihren pflichtgemäßen Leistungen zurück, und die Einquartierung übersteigerte die Ansprüche. Es kam zu Auftritten ärgster Zuchtlosigkeit. Pestaluzzi legte dem Oberbürgermeister Dr. Lange Tribuliersoldaten ins Haus, zwanzig Musketiere, vier Tage und Nächte lang. Sie soffen und fraßen und stahlen. Eine protokollarische Aufnahme ergab nachher, dass sie hier Krautfässer, Käsefässer, Molkenfässer zerschlagen, Milchtöpfe, Wasserkannen, Buttergefäße zertrümmert, Leuchter, Betten, Schränke, Stühle, Sessel, Öfen, Backtröge demoliert, Schlösser abgerissen, Käsenäpfe, Tassen, Krüge, Teller, Löffel zerbrochen hatten, und daß sie vierzehn Faß und eine halbe Tonne Bier und ein großes Quantum Branntwein vertrunken und vier Schock Käse, ein Schock Quarkkäse, das gesamte geräucherte Fleisch und die Würste eines ganzen Schweines, dazu alles gekochte Fleisch und schließlich die Häringe aufgegessen hatten.

Pestaluzzi gebot auch seinen Torwachen, keinen Ratsherren oder Doctor aus der Stadt zu lassen, und hielt so die Behörden in Arrest. Der Rat beklagte sich bei dem kaiserlichen Feldzeugmeister Piccolomini und bei dem sächsischen Obersten von Schleinitz. Pestaluzzi verteidigte sich geschickt. Er behauptete, man habe in Naumburg seinem Regimente gerade die Häuser der Allerärmsten angewiesen, die selbst kein Brot hätten, und die Häuser der Ratsherrenclique habe man übergangen. Er habe deshalb aus eigener Macht eine Umgruppierung vorgenommen. … Schleinitz wollte vermitteln. Er schrieb dem Obersten: ‚Ich kann nicht denken, daß ein solch verpflichtetes und vornehmes Kollegium wie der Naumburger Rat etwas Unwahres vorbringt, und ich ermahne Sie wohlwollend und als Freund, sich zu acquiescieren und mit dem Rat zu komportieren, damit die Sache nicht vor den Kurfürsten kommt, denn ich wollte den Herrn Oberstleutnant und einen jeden Kavalier lieber in gutem Renommée bei Seiner Kurfürstlichen Gnaden erhalten als in disgratiam zu bringen helfen’. Pestaluzzi erbot sich, unter körperlichem Eid und mit Hilfe glaubwürdiger Zeugen seine Schuldlosigkeit zu beweisen; ‚ich will’, so schloß er seine Rechtfertigung, ‚Gott weiß, nichts anderes als Fried’ und Einigkeit’. Der Rat seufzte: ‚Wo bleibet die Wahrheit ? Veritas ist geschlagen tot, justitia leidet große Not !’ Endlich nahm sich doch der Kurfürst seiner Stadt an. Pestaluzzi wurde nach dem Hauptquartier in Zeitz beschieden, und hier sollten ihm zwei oder drei Ratspersonen und die klagenden Interessenten gegenübergestellt werden. Es scheint, daß ein billiger Vergleich zustande kam. Aber Pestaluzzi duckte sich keineswegs. Schon vier Tage darauf drohte er, er werde sich nicht an die Verpflegungsorder halten; er verlange die Verpflegung in natura, und ehe er von seiner Prätension und Reputation etwas nachlasse, wolle er von seinem Regiment fort und nach der Türkei reiten. Schließlich erging ein Urteil des kaiserlichen Feldkriegsgerichts auf Grund eines neuen, acht Seiten langen Protokolls. Die Parteien vertrugen sich und bekräftigten dies durch Handschlag. Fast an demselben Tage wurde das Carretische Regiment in Naumburg abgelöst. Eine Abteilung des Piccolomischen Leib-Reiterregiments zog ein. Sie sollten nichts als Dach und Lagerstatt beanspruchen. Aber sie waren nicht minder gewalttätig als die Carettischen“.[247] Bei dem Naumburger Advokaten Maul heißt es lakonisch: „Den 17. Januar kam das Kayserliche Clarettische Regiment hierher, und blieb bis den 18. May hieselbst. Diese kosteten mich, weil ich nun arm und nichts mehr hatte, 44 f 18g durch wöchentlichen Beytrag“.[248]

Am 22.3.1642 sandte Piccolomini ein ausführliches Schreiben an Caretto: Die Ergebnisse der Verhandlungen Castel-Rodrigos zeigten sich in Form einer Überweisung von 500.000 Rt., davon sollten 16.000 Soldaten für Flandern und Italien angeworben werden. Das Geld sei allerdings ziemlich spät eingetroffen, so dass die Soldaten nicht mehr zur Zeit hätten angeworben werden können; man hätte übrigens auch keine Quartiere für sie. Die deutschen Fürsten würden am liebsten die Neutralität ausrufen und eher würde der Gegner bei ihnen Vorräte auftreiben als die kaiserliche Armee. Die Fürsten möchten auch ihre eigenen Generäle haben, doch kein Krieg lasse sich durch die Vermehrung von Generälen gewinnen. Würde ihm, Piccolomini, die Vollmacht zur Kriegsführung nach eigenem Gutdünken in die Hand gegeben, könnte er auch mit dieser Armee gute Erfolge erringen. – Die Kurfürsten von Bayern, Köln und Mainz hätten eine Konferenz abgehalten – ihre Beschlüsse seien nicht schwer zu erraten; Bayern werde ihre Quartiere fordern, Köln eine Hilfe, die zu leisten nicht möglich sei. Graf Tattenbach sei sich einer bevorstehenden Aussöhnung mit Lüneburg und Braunschweig sicher, aber er, Piccolomini halte es mit dem ungläubigen Thomas und glaube an keinen Frieden in Deutschland. Bezüglich Spaniens „dal discorso che V. E. mi fà, vedo lo stato di quella monarchia, e che si può ben conoscere dagli effetti, e dalla gran declinazione, che giornalmente va facendo. Non dubito ch’il signor Conte Duca [Olivares] si trovi assai confuso, vedendo che tutte le suoi cose caminino infelicemente, ma adesso à tempo di mostrar più petto e constanza che mai, e di cercare i remedii al meglio che si può, e poi rimettere nella volontà di Dio, il quale quando vuole ch’una monarchia habbia fine, questo sono i principii, e pare che tutte le nostre cose o le faciamo fuor di tempo, o che non sapiamo pigliari questi expedienti che potressimo e che Iddio ci ha dato commidità di pigliare“.[249] Am 16.4. wandte Piccolomini sich erneut an Caretto, die Lage allerdings falsch einschätzend: Der Hauptkriegsschauplatz habe sich nun wieder an den Rhein verlagert. Die Schweden in Schlesien und Pommern seien von jeder Verbindung mit den Weimarern, Franzosen und Hessen abgeschnitten. Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg habe in Wien jetzt 29 Punkte vorgelegt, die insgesamt auf eine Stärkung seiner Armee und seiner Vollmachten gerichtet seien; er habe drei Brüder bei sich, die das Vertrauen der Böhmen genießen und gute Beziehungen zu den Ministern unterhalten; sein Auftreten gleiche dem Wallensteins, so dass Bedenken nicht von der Hand zu weisen seien, ob es eine gute Politik sei, das Militär in die Hand eines Menschen zu geben, der auf diese Weise die Szene betritt, und ob die Vergangenheit nicht genügend bewiesen habe, wie gefährlich dies sei.[250] Am 26.1.1643 schrieb Caretto aus Madrid an B. I. von Martinitz, jüngsten Nachrichten zufolge habe sich Philipp IV. selbst der Regierungsgeschäfte angenommen und das mit einem solchen Eifer und solcher Weisheit, dass man sich auf eine Besserung der Gesamtlage freuen dürfe.[251] Im März 1643 bat Piccolomini aus Leitmeritz[252] Ferdinand III. für seine Reise nach Spanien um Empfehlungsbriefe an Philipp IV., Isabelle de Bourbon und den Prinzen Baltasar Carlos sowie um Anweisungen an Caretto.[253]

Das ohnehin nicht besonders gute Verhältnis Kurbayerns zu Spanien sollte sich jedoch spürbar verschlechtern, als nach der Einnahme Freiburgs[254] d’Enghien Turennes Rheinarmee zu Hilfe kommen konnte, ohne von Beck in irgendeiner Form daran gehindert worden zu sein.[255] Als Maximilian I. von der vom 3. bis 5.8.1644 um Freiburg dauernden Schlacht[256] erfahren hatte, schrieb er an Caretto, der Maximilians I. Ansprüche auf die pfälzische Kurwürde unterstützte, dass d’Enghien, der ja der französischen Armee vor Gravelingen[257] hätte sekundieren sollen, sich wider Erwarten dem Oberrhein zugewandt habe, um Freiburg zu entsetzen,  wozu er allerdings zu spät gekommen sei. Wegen der raschen Kapitulation der spanischen Besatzung Gravelingens[258] und der offenkundigen Schwäche der Spanier mache er nun der bayerischen Armee schwer zu schaffen.[259] Die bayerischen Verluste sollen im Juni ca. 4.000 Mann betragen haben, was einer Verlustquote von ca. 21 % entsprechen würde.[260]

Ferdinand III. hatte sich am 10.7.1646 gegenüber Caretto geäußert: „Was den getrennten Friedensschluß anlangt, lasse ich es dabei bewenden, daß der gleichzeitige Schluß mit Spanien conditio sine qua non ist. Es ist aber diese meine Intention nicht dahin angesehen, daß man wegen des spanischen Interesses die Reichs und Friedenshandlung mit Schweden und Frankreich darüber aufhalte, sondern dieselbe, so viel nur menschenmöglich, befördere und gänzlich aggiustiere“.[261]

Am 18.1.1647 schrieb Trauttmansdorff aus Osnabrück[262] an Caretto: Die Friedensverhandlungen zwischen den Vereinigten Niederlanden und Spanien in Münster[263] seien so weit fortgeschritten, dass sie in den nächsten Tagen ganz zu Ende geführt und der Friedensschluss von den Gesandten signiert werde, obwohl sie die Franzosen um die Zerschlagung der Verhandlungen bemüht hätten. Das Verdienst an den Ergebnissen gebühre in erster Linie dem Grafen Peñaranda.[264] Aber auch sonst wurde Caretto durch seine Verbindungen über die Lage im Reich auf dem Laufenden gehalten. Ihm gegenüber hatte Gallas eine seiner düsteren Prognosen über den weiteren Feldzug, die Friedensverhandlungen in Münster und die Waffenstillstandsverhandlungen in Ulm[265] abgegeben: Das Militär habe er ohne hinreichende Lebensmittelversorgung und in schlechtem Zustand vorgefunden. Auf Befehl des bayerischen Kurfürsten musste er über die Donau in ein verwüstetes Land ziehen und entgegen jedem Brauch Weißenburg[266] angreifen, wo an die 500 Mann liegen; er werde sich möglicherweise binnen einigen Tagen der Stadt bemächtigen. Der Gegner stelle überall Werbungen an; er habe dem Kaiser geschrieben, das Gleiche zu tun. Das Kriegsvolk brauche Erholung, wenn es irgendwie gegen den Gegner bestehen soll; er erwarte den diesbezüglichen Befehl des Kaisers. Die Schweden hätten Bregenz[267] und andere Orte am Bodensee eingenommen und greift angeblich jetzt zu Wasser und zu Lande die Stadt Lindau[268] an. Über die Friedensverhandlungen in Münster werde geschrieben, dass sie noch recht zweifelhaft seien und eher Krieg als Frieden versprechen. In Ulm werden die Vorbereitungen für die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen beiden Seiten getroffen, doch ein Erfolg sei wohl nicht vorauszusehen.[269]

Ferdinand III. hatte Philipp IV. noch Anfang des Jahres 1648 durch Caretto versichern lassen, dass er sich nicht, wie von Maximilian I. immer wieder gefordert, von Spanien trennen werde.[270]

Nach der Mitteilung des kaiserlichen Obristen und Kommandanten von Passau,[271] Jung, an Hatzfeldt, vom Februar 1652 starb Caretto in einem Turnier.[272]

[1] Vgl. KELLER; CATALANO, Tagebücher. Der Stich stammt von Mathijs van Somer. „Van Somers kleinformatige Porträts finden sich ursprünglich auf zusammenhängenden Tafeln zum Chronikwerk „Ortelius Redivivus et  Continuatus“ (Nürnberg, 1664, 1665) [genauere Angaben hierzu im VD17]. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Bildnisse van Somers ist jedoch nur eingeschränkt gegeben. Bis auf wenige Ausnahmen – und das Bildnis des Caretto di Grana ist wohl eine solche Ausnahme – hat van Somer in kleinerem Format und Bildausschnitt zwar akribisch, aber wesentlich weniger qualitätvoll, fast ausschließlich Vorlagen aus Widemans Porträtfolge kopiert. Das wäre vollkommen unproblematisch, wenn van Somer nicht etliche Personen eigenmächtig „umidentifiziert“ hätte, also andere, unzutreffende Namen darunter gesetzt hätte. (Beispielsweise ist van Somers Porträt des Grafen Franz Fugger, der bei St. Gotthard/Raab fiel, in Wirklichkeit die Kopie von Widemans Porträt des Kaspar Zdenko Kaplir von Sulewitz.) Der Caretto di Grana findet sich aber höchstwahrscheinlich nicht bei Wideman, jedenfalls nicht in den drei zwischen 1646 und 1652 publizierten Bänden, und unter den apokryphen Bildnissen der Wideman-Folgen konnte ich ihn auch noch nicht entdecken. Es besteht also eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, daß der Caretto also auf einer Vorlage beruht, die nicht auf Wideman zurückgeht und wohl von van Somer auch nicht eigenmächtig abgeändert worden ist, kurzum authentisch ist“. Freundliche Mitteilung von Herrn Dr. Andreas Pechtl.

[2] CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 518; ENGERISSER, Von Kronach (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung), S. 121f., Anm. 76 !

[3] TADRA, Briefe, S. 300.

[4] MINHA, Walter Graf Leslie, S. 96.

[5] HALLWICH, Wallenstein’s Ende Bd. 2, S. 42f.

[6] FÖRSTER, Wallenstein, S. 287.

[7] Siehe z. B. unten die Vorgänge in Bayreuth.

[8] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[9] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[10] Schreibfehler; gemeint ist bei Leopold (BRAUN, Marktredwitz; vgl. auch KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.) September [a. St.]; vgl. den Bericht Aldringens an Melchior von Hatzfeldt; ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 3.

[11] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[12] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[13] Bad Berneck i. Fichtelgeb. [LK Bayreuth], HHSD VII, S. 57f.

[14] BRAUN, Marktredwitz, S. 26.

[15] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[16] Lanzendorf, Ortsteil von Himmelkron [LK Kulmbach].

[17] STICHT, Markgraf Christian, S. 150f.

[18] Lichtenberg [LK Naila]; HHSD VII, S. 406f.

[19] Bad Steben [LK Hof].

[20] Plassenburg, Die [Stadt Kulmbach]; HHSD VII, S. 587.

[21] Melkendorf, heute Stadtteil von Kulmbach.

[22] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[23] ENGERISSER, Von Kronach, S. 121f., nach KHEVENHILLER, Annales Bd. XII, S. 180; BRAUN, Tagebuchblätter, S. 53f.; BRAUN, Marktredwitz, S. 26.

[24] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[25] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 319f.

[26] Raab [Györ; Ungarn].

[27] TADRA, Briefe, S. 300.

[28] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[29] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[30] FRITZSCHE, Stadt Altenburg, S. 18.

[31] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[32] MILGER, Gegen Land und Leute, S. 290.

[33] SRBIK, Wallensteins Ende, S. 224.

[34] MANN, Wallenstein, S. 939.

[35] MANN, Wallenstein, S. 948.

[36] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, 525ff.; ENGERISSER, Von Kronach; ENGERISSER; HRNČIŘĺK, (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[37] ENGERISSER, Von Kronach, S. 319f.

[38] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[39] ENGERISSER, Von Kronach, S. 365.

[40] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.

[41] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[42] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[43] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[44] (Bad) Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[45] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[46] ENGERISSER, Von Kronach, S. 368f.

[47] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109; Laun [Louny]; HHSBöhm, S. 319f.

[48] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[49] Be(n)(c)kendörfer, Dr., 1635 brandenburgischer Rat in Kulmbach.

[50] Plassenburg, Die [Stadt Kulmbach]; HHSD VII, S. 587.

[51] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[52] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[53] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[54] verschrieben für „um“.

[55] KLUGE, Hofer Chronik, S. 88.

[56] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[57] Hohenberg a. d. Eger [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 307f.

[58] Vgl. STICHT, Markgraf Christian, S. 199f.

[59] Amöneburg [Kr. Marburg]; HHSD IV, S. 10ff.

[60] Bischhausen, heute Stadtteil von Waldkappel [Werra-Meißner-Kreis].

[61] Gilsa, heute Ortsteil von Neuental [Schwalm-Eder-Kreis].

[62] Bad Zwesten [[Schwalm-Eder-Kreis].

[63] Kerstenhausen, heute Stadtteil von Borken [Schwalm-Eder-Kreis].

[64] Oberurff-Schiffelborn, heute Ortsteil von Bad Zwesten [Schwalm-Eder-Kreis]; Niederstetten [Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 575.

Niederurff, heute Ortsteil von Bad Zwesten [Schwalm-Eder-Kreis].

[65] Großenenglis, heute Ortsteil von Borken [Schwalm-Eder-Kreis]; Kleinenglis, heute Ortsteil von Borken [Schwalm-Eder-Kreis].

[66] Ziegenhain; HHSD IV, S. 483ff.

[67] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[68] Bad Wildungen [Kr. Waldeck]; HHSD IV, S. 35ff.

[69] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[70] Warburg [LK Warburg]; HHSD III, S. 752ff.

[71] Vgl. LEISTIKOW, Sperreuter.

[72] Lüneburg; HHSD II, S. 311ff.

[73] Kirchhain (Kr. Marburg), HHSD IV, S. 269f.

[74] Neustadt [Kr. Marburg]; HHSD IV, S. 343f.

[75] Schweinsberg; HHSD IV, S. 412f.

[76] Bad Hersfeld; HHSD IV, S. 20ff.

[77] Melsungen; HHSD IV, S. 327.

[78] KLUGE, Hofer Chronik, S. 90.

[79] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[80] Schlottenhof, heute Ortsteil von Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[81] BRAUN, Marktredwitz, S. 58f.

[82] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[83] Fuchsstadt [LK Bad Kissingen].

[84] Hammelburg; HHSD VII, S. 268ff.

[85] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109; Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[86] Noch am 14.7.1635 hatte Gallas aus seinem Feldlager vor Worms an Piccolomini geschrieben, es gebe Bemühungen im Süden, eine große Armee aus den Truppen Philipp v. Mansfelds, der Liga u. Carettos zu bilden; er aber möchte lieber Caretto mit Piccolomini verbunden sehen; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 57.

[87] [Bad] Salzuflen; HHSD III, S. 48.

[88] Lüdge; HHSD III, S. 485f.

[89] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[90] Fulda; HHSD IV, S. 154ff.

[91] Hessisch-Lichtenau [Kr. Witzenhausen]; HHSD IV, S. 218f.

[92] Burg-Gemünden [Kr. Alsfeld]; HHSD IV, S. 69.

[93] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[94] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[95] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[96] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[97] Im Briefwechsel Ferdinands von Köln mit Piccolomini Jan./Febr. 1636 beschwerte sich der Kurfürst über Gewaltakte Carettos bei der Kontributionserhebung und Truppeneinquartierung. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 185.

[98] Offenbach; HHSD IV, S. 360f.

[99] Nassau; HHSD V, S. 248f.; Hadamar; HHSD IV, S. 194f.

[100] KREBS, Hatzfeldt II, S. 214.

[101] HALLWICH, Wallenstein’s Ende Bd. 2, S. 42f.

[102] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 310ff.

[103] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.

[104] Büdingen; HHSD IV, S. 66f.

[105] Schlüchtern; HHSD IV, S. 404ff.

[106] Steinheim a. Main; HHSD IV, S. 427.

[107] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109.

[108] Alsheim [Kr. Worms]; HHSD V, S. 6.

[109] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109.

[110] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 300.

[111] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[112] Friedberg [Wetteraukr.], HHSD IV, S. 145ff.

[113] Bonn; HHSD III, S. 94ff.

[114] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109.

[115] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[116] Hachenberg: bei Mömbris ?

[117] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 316f.

[118] Vgl. Banérs Abkommen mit dt. Offizieren, Magdeburg, 1635 VIII 11 (a. St.); => Quelle 20; WANDRUSZKA, Reichspatriotismus, S. 94ff.

[119] ALTMANN, Wilhelm V., S. 108.

[120] Vacha (Kr. Bad Salzungen); HHSD IX, S. 447f.

[121] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[122] Hier ist gemeint: in die Flanke fallen.

[123] Österreichisches Staatsarchiv Wien Alte Feldakten 1635/8/185 (Ausfertigung): F. W. v. Wartenberg an Ferdinand von Ungarn, o. O., 1635 VIII 30.

[124] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 316. Nach NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 142, war das Regiment Asseburg bereits an den Grafen v. Rietberg abgetreten worden.

[125] Warendorf; HHSD III, S. 754ff.

[126] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 317; zur negativen Einschätzung dieser Verhandlungen GEYSO, Beiträge III, S. 64f.

[127] Pfalzburg (Phalsbourg) [Frankreich, Dép. Moselle].

[128] ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg, S.  200ff.; PETERS, Söldnerleben, S. 151; STEIN, Protéction, S. 402.

[129] Château de Haut-Barr, Dep. Bas-Rhin, bei Saverne gelegen.

[130] ELLERBACH; SCHERLEN, Der Dreißigjährige Krieg, S. 202; Turckheim [Türkheim; Frankreich, Dép. Haut-Rhin].

[131] Vgl. Gallas‘ Instruktion für Reinhard v. Walmerode, 1635 XII 31 (BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 136), in der er seine Maßnahmen verteidigte.

[132] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[133] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[134] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab März 2012).

[135] Egeln [Kr. Wanzleben/Staßfurt]; HHSD XI, S. 98f.

[136] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen  (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[137] SCHLOTTER, Acta, S. 235.

[138] Dülmen; HHSD III, S. 180f.

[139] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[140] Klosterbruck [Louka], Bez. Znaim [Znojmo]; HHSBöhm, S. 688ff., hier 692-694.

[141] Znaim [Znojmo]; HHSBöhm, S. 688ff.

[142] Köln; HHSD III, S. 403ff.

[143] LAHRKAMP, Münsters Rolle, S. 73ff.

[144] SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 178.

[145] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[146] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 189.

[147] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 195.

[148] Bremen; HHSD II, S. 69ff.

[149] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 320f.

[150] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[151] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 228.

[152] Breisach; HHSD VI, S. 110ff.

[153] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 306.

[154] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 312.

[155] Champlitte [Frankreich, Dép. Haute Saône].

[156] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 318.

[157] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 319.

[158] Limberg [BH Hollabrunn]; HHSÖ I, 387.

[159] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 326.

[160] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 399.

[161] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 443.

[162] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 446, bzw. 450.

[163] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[164] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 485.

[165] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 496.

[166] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 37.

[167] Rheinfelden; HHSD VI, S. 659.

[168] Aachen; HHSD III, S. 1ff.

[169] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 575.

[170] Lüttich [Liège; h. Belgien].

[171] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 576.

[172] Altkloster, unter Buxtehude [Kr. Stade], HHSD II, S. 90f.

[173] Rotenburg a. d. Wümme; HHSD II, S. 401f.

[174] [Hamburg-]Harburg; HHSD I, S. 97f.

[175] Horneburg; HHSD II, S. 244f.

[176] Stade; HHSD II, S. 432ff.

[177] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 634.

[178] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 732.

[179] Sittard-Geleen [Niederlande, Provinz Limburg].

[180] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[181] Roermond [Niederlande, Provinz Limburg].

[182] Goch; HHSD III, S. 260f.

[183] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 326.

[184] Düren; HHSD III, S. 182ff.

[185] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109.

[186] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[187] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.

[188] Chrudim [Krudin]; HHSBöhm, S. 100f.

[189] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[190] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[191] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 754.

[192] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 819.

[193] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 884.

[194] Trier; HHSD V, 372ff.

[195] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 915.

[196] Dünkirchen [Dunkerque, Span. Niederlande; h. Frankreich, Dép. Nord].

[197] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 927.

[198] Bourglinster, heute Ortsteil von Junglinster, Kanton Grevenmacher (Luxemburg].

[199] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 928.

[200] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 998.

[201] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.

[202] KLUGE, Chronik, S. 164.

[203] Casale [Casale Monferrato; Piemont, Italien]

[204] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1033.

[205] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1040.

[206] Saalfeld; HHSD IX, 369ff.; vgl. dazu auch Quelle 18: Sturnbrich.

[207] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1046.

[208] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.

[209] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.

[210] Prachatitz [Prachatice], HHSBöhm, S. 468ff.

[211] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1047.

[212] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1053.

[213] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[214] Weißenstadt; HHSD VII, S. 803f.

[215] Pfaffenreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[216] Manzenberg, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[217] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[218] Konnersreuth [LK Tirschenreuth].

[219] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[220] Leutendorf, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[221] Meußelsdorf, heute Ortsteil von Markredwitz.

[222] Thölau, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[223] Lorenzreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[224] Seußen, heute Ortsteil von Arzberg [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[225] Haag, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[226] Wölsau, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[227] Reutlas; heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[228] Dörflas, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Marktredwitz i. Fichtelgebirge].

[229] BRAUN, Marktredwitz, S. 121f.

[230] Neustädtel bei Schneeberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 248.

[231] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1061.

[232] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[233] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1066; Eschwege; HHSD IV, S. 114ff.

[234] Arzberg [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[235] Lorenzreuth, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[236] BRAUN, Marktredwitz, S. 126.

[237] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.

[238] Marsberg; HHSD III, S. 494ff.

[239] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 109.

[240] Oettingen i. Bayern [LK Nördlingen]; HHSD VII, S. 558f.; Wallerstein; HHSD VII, S. 788.

[241] RÜCKERT, Lauingen II, S. 24.

[242] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1225.

[243] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[244] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.

[245] Domfreiheit: verfassungsrechtlicher und kirchenrechtlicher Sonderstatus von geistlichen Personen bzw. von deren Grund und Boden. Immunität umfasste ganze Kloster-Bezirke oder auch z. B. die sogenannte Dom-Freiheit, in der sich die Domkirche und auch die Höfe der Domherren befanden. Die Domfreiheit (oder Domimmunität), manchmal auch Domsfreiheit im Mittelalter war der unmittelbare Grund, rund um den Sitz des Bischofs, des Doms mit seinem Domkapitel, dem der Domdechant vorstand. Dieser erstreckte sich zumeist nur wenige hundert Meter außerhalb der Gebäudegrenzen des Dombereichs und war in der Regel mit einer Ummauerung eingefasst (Domburg). Sie beinhaltete nicht den eigentlichen Kirchengrund. Dieser fällt unter den Begriff Hochstift. Der Bereich der sog. Domfreiheit unterstand nicht der städtischen Gerichtsbarkeit, sondern der Dom hatte seine eigene Gerichtsbarkeit. Das betraf nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch das Gesinde, welches auf den dem Dom angeschlossenen Wirtschaftsbereichen arbeitete. Dieser Bereich diente den Domherren wie auch ihren Bediensten zugleich als Wohnbereich. Dieser Bereich unterstand demzufolge auch nicht der städtischen Steuerpflicht. Darin bestand seine Freiheit. Innerhalb der Stadtmauern gab es also zwei eigenständige politische Herrschaften. Dies führte in vielen Städten über die Jahrhunderte immer wieder zu Streitereien. Dies lässt sich z. B. in der Speyerer Chronik des Stadtschreibers Christoph Lehmann von 1612 verfolgen. So heißt es dort etwa: „Es hat sich viel und lange Jahr unversöhnliche Widerwärtigkeiten zwischen der Burgerschaft unnd der Clerisey Gesind in der Statt verhalten. Derhalben König Rudolph in obberberührten Vertrag sonderlich verordnet / wie derselben Rhat zu schaffen seyn solt.“ Spätestens mit der Reformation und der damit verbundenen Säkularisierung der Klöster hörte die Domfreiheit auf zu existieren. In den katholischen Gebieten blieb sie noch länger erhalten. Beispiele heute noch relativ guterhaltener Domfreiheiten sind die zu Halberstadt, Hildesheim, Magdeburg, Merseburg, Münster, Naumburg (Saale) und Trier. [wikipedia]

[246] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.

[247] BORKOWSKI, Schweden, S. 90ff.

[248] WAGNER; WÜNSCH, Staffel, S. 133.

[249] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1285.

[250] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1292.

[251] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1388.

[252] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[253] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1440.

[254] Freiburg im Breisgau, HHSD VI, S. 215ff.; vgl. die Darstellung WASSENBERGS, Florus, S. 582ff.

[255] Nach Mercys Bericht an Max., 1644 VII 29, hatte er v. dergleichen Gerüchten zwar gehört, habe aber v. Beck weiter keine Informationen empfangen; HEILMANN, Feldzüge, S. 126-129. Vgl. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 341, 122; Nr. 344, S. 123.

[256] Vgl. SCHAUFLER, Schlacht.

[257] Gravelingen [Gravelines; Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Nord]

[258] Vgl. dagegen die Hoffnungen im Juli u. Anfang August; BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 289, S. 106; Nr. 322, S. 116; Nr. 323, S. 116f.; Nr. 326, S. 117; Nr. 333, S. 119; Nr. 338, S. 121; Nr. 356, S. 126. Vgl. die Darstellung WASSENBERGS, Florus, S. 584.

[259] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 6745 (Entwurf): Maximilian I. an Caretto, München, 1644 VIII 10. Zu Carettos Tätigkeit vgl. MECENSEFFY, Habsburger, S. 62ff.

[260] SCHAUFLER, Schlacht, S. 82, 86, 100.

[261] Zit. bei MECENSEFFY, Habsburger, S. 85.

[262] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[263] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[264] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 969.

[265] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[266] Weißenburg i. Bay.; HHSD VII, S. 799ff.

[267] Bregenz; HHSÖ II, S. 446ff.

[268] Lindau; HHSD VII, S. 414ff.

[269] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 973, S. 312: Gallas an Caretto, HQ Thalmässing, 1647 I 21.

[270] Österreichisches Staatsarchiv Wien Staatskanzlei Staatenabteilung Span. Korrespondenzen 42, fol. 1-3 (Entwurf): Ferdinand III. an Caretto, Wien, 1648 I 03. Zwar musste er Ende März dem ständigen Drängen Maximilians I. nachgeben, doch hatte er nach wie vor die Hoffnung, v. Madrid aus dieser Zwangslage befreit zu werden, nicht aufgegeben; Österreichisches Staatsarchiv Wien Staatskanzlei Staatenabteilung Span. Korrespondenzen 42, fol. 36-51 (Entwurf): Ferdinand III. an Caretto, 1648 II 08; 12.

[271] Passau; HHSD VII, S. 571ff.

[272] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 348.

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Wachenheim [Wachheim, Wacheim, Wachenheimer, Wahlenheim], Otto Ludwig Freiherr von

Wachenheim [Wachheim, Wacheim, Wachenheimer, Wahlenheim], Otto Ludwig Freiherr von; Generalfeldzeugmeister [um 1610 Wachenheim an der Pfrimm-24.1.1660 Monsheim]

Otto Ludwig Freiherr von Wachenheim[1] stieg auf bis zum kaiserlichen Generalfeldzeugmeister.

1638 diente er als Obristleutnant im Regiment des Grafen Georg Friedrich von Schlick.

Über die kaiserliche Niederlage am 14.4.1639 berichtet der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611-11.12.1688] in seiner Kriegschronik unter „Das gröste Unglück vor Chemnitz“[2]: „Der Schwedische General Leonhart Torsten-Sohn wahr nun mit der hinderstellichen Armee und Artollerey auß dem Stift Halberstadt[3] aufgebrochen, Nach dem Fürstenthumb Altenburg[4] gerückt und zue Zeitz[5] den 2. April mit Banern sich conjungiret, und weil er kundtschaft eingezogen, daß die keyßerlichen und Chur-Sächsischen[6] zwischen Zwicke[7] und Chemnitz stünden und sicher legen, brach er den 3. April von Zeitz auf und eilte auf die keyßerlichen zue, ehe Hatzfeld, der schon ezliche Regiementer zum Succurs vor Freyberg[8] geschickt hatte und nunmehr in March wahr, von Eichsfeld[9] durch Düringen mit den Chur-Sächsischen zuesammenzuestoßen, sich conjungiren kundte, schickte von Altenburg den General Schlangen [Slange; BW] uff Zwicka und von dar mit wenig reutern mittin unter die Marzinischen [Morzin; BW] und Chur-Sächsischen. Der recognoscirte alles, wie sie lagen, und ritte wieder zum Baner. Der General Marzin wuste nicht, daß Baner so nahe, und daß Torstensohn zu ihme gestoßen sey. Doch bekam er 3. April abendts umb 5 Uhr kundtschaft, ließ seine Regiementer zuesammenziehen und befahl, daß Sie Morgens alle solten vor Chemnitz stehen. Des abendts zuevor war das keyßerliche Haupt-Quartier zum Honstein[10] gewesen; dohin kam Baner, der sich 4. April viel früher aufgemacht, mit aufgang der Sonne, traf doselbst in der retrogarden 300 Pferde und jagte Sie ins Corpus, das vor Chemnitz stunde. Marzin hatte den Paß an einen Morast vor Chemnitz, den er durchmuste, mit Trajonern besezt, damit der feind nicht da durchbreche, aber es halfe nichts. Baner sezte an, brachte in der eil uber 4 Regiementer zue Pferde, Sein leib Regiement, des Torsten-Sohns, Hans Wachtmeisters und Hans Wittenberg(s), darzue viel Wagehälse, die theils in nachjagen ermüdeten und sich in Marrast durchwuhleten, uber den Marrast hatte (er) die andere Armee ihme nach commandirt, jagte die Trajoner weg, hiebe durch, machte das felt unsicher und nahmb dem Marzin die Höhe, welcher unter deßen, Ehe der feindt uber den Pas kommen, Zeit gehabt, sich zue stellen.

Gegen die Statt sazte er an einen Marrast den lincken Flügel, der meist von Curaßiren bestundte, hinder Chemnitz aber uber den fluß den rechten flügel, die wahren viel stärcker an Volck, den der feindt, hatten stücke und Munition bey sich, welches dem feinde noch zur Zeit fehlte. Baner thete mit seinen regiement den ersten angrif an Lincken flügel und litte schaden, die andern 3 Regiementer entsazten ihn, und kamen andere Regiementer mehr darzue und jagten den Lincken flügel in disordre an 2 marrastigen graben, drüber Sie nicht kommen kunten, zum großen Vortheil der Schwedischen; den was nicht gegen Chemnitz zum rechten flügel entkam, das wurde alles entweder gefangen oder Niedergehauen. Weil nun der Schweden volle Armee auch ankommen wahr, wurde commandirt, wer reiten kundte, sezten derowegen die Schwedischen regiementer durch den fluß Chemnitz und chargirten den rechten flügel, der schon gewichen und sich hinder 3 Morrastigte Dämme gesetzet hatte, gingen doch fort und wurden meist niedergehauen. Das Fußvolck drengte Sich an ein Wäldlein nach der Stadt und trachtete ferner an Walt 400 schrit gegen den gebirge und wolte außreißen. Baner ließ ihnen vorbeugen durch General-Major Stalhansen [Stålhandske; BW], Herr Major Pfulen [Pfuel; BW], Obrist Schlangen [Slange; BW] Regiement und 1 Esquadron von Konigsmarck untter Obrist-Leutenant Hammerstein, die hohleten Sie ein, machten ezliche 100 nieder, nahmen den Rest gefangen und richteten damit die keyßerliche, Chur-Sächsische und Salische armee auf einen tag hin, verfolgeten die flüchtigen Nach Leipzig,[11] Freyberg, Annen[12]- und Marienberg.[13] Der General Marzin kam kümmerlich darvon ohne hut und mit einen Pferd biß an die Seigerhütte an die Flöhe. 800 blieben auf der Walstat, 2000 zue fuß wurden gefangen, 40 standtarten, 20 fahnen, alle stücke, munition und Pagage bliebe in stich. Das thaten die Schweden nur mit der Avangardia von lauter Reutern, und ist kein Canonschuß darzue kommen, welches der Churfürst dem General Marzin, den er mit den Calenbergischen [Reinecke v. Callenberg; BW] Regiement nach Dresden[14] confoiren ließe, heftig verwiese, von seinen Reutern 400 wiedersamlete und den rest von allen seinen Regiementern den Obristen Wachtmeister Trautischz [Traudisch; BW.] ubergabe, der reformirte Sie und nahm sie mit sich in Böhmen. Da hatte des Marzins Commando ein Ende.

Die keyßerlichen gingen nach Pirn,[15] Frauenstein,[16] in Böhmen nach Brüx[17] und Prag. Viel wahren nach diesen gebirgen geflohen und gingen die gantze Nacht durch Elterlein[18] auf Annenberg mit blutigen Köpfen, ferner hienunder biß nach Dresden, darüber alles rege und furchtsam wurde in Gebirge, alle Flecken und Dörfer rißen auß nach den Wäldern und in die Städte. Den 5. April sahe mann noch immer einzlich die geschlagenen reuter auf allen straßen nach Böhmen reiten, die leute untterwegens angreiffen, den Sie sehr hungrich thaten und wurden eines theils an Päßen mit Pulver und bley gespeist, daß Sie des hungers vergaßen, ehe sie in Böhmen kommen. Die Schweden haben ihnen auch nachgesezet in das gebirg undt vor Annenberg etliche Chur-Sächsische weggenommen“.[19]

Das „Theatrum Europaeum“[20] berichtet sehr ausführlich über die Ereignisse: „Nichts destoweniger aber hat Hr. General Banner / wiewol er auch von Käis. und Chur-Bäyerischem Volck um ein zimliches übermannet gewesen / bey obbesagtem Hohenstein / nahend Kemnitz / dergestalt gefochten / daß nicht allein seines Feindes (die reichsArmada genennet) meinste Infanterie, von sehr gutem Volck / und dabey so viel hohe / als untere officirer / guten theils darauff gangen / sondern auch die Cavallerie zertrennet worden / das geschütz und alle Bagage in zimlicher Anzahl im Stich geblieben / und hat sich so gar die Schwedische Reuterey auch deß an ihrer reuterey vor freyberg erlittenen Schadens von diesem Treffen wiederum erholet: von welchem allem uns für gut angesehen / das außführliche Schreiben / so Hr. General Banner hiervon an einen hohen der Cron Schweden Bedienten alsbald abgehen lassen / hierbey in Druck mitzugeben / also lautend: Meinem jüngsten Schreiben zu Folge / habe ich die Conjunction mit dem Herrn General der Artillerie Leonhard Dorstensohn / am 2. dieses zu Zeitz effectuiret / und wie ich die gewisse Kundschafft von meinen außgehabten Partheyen / die mir von unterschiedenen deß Feinds rencontrirenden und niedergehauenen Partheyen häuffig gefangenen einbracht / erhalten / daß der Feind / als die Käiserl. und ChurSächs. Armee / zwischen Kemnitz und Zwickau[21] sich befinden thäte / habe ich darbey considerirt / wie hochnöthig es seyn wolle / ohne Säumnüß mein Heyl an diesen zu versuchen / ehe Hatzfeld / wie bißhero / sowohl von Herrn[22] / als auch von Minden[23] / Hamburg[24] und Erfurt[25] / und andern vielen Orten / mehr Bericht geschehen / daß er im marchiren übers Eichsfeld und durch Thüringen begriffen / zu ihnen stossen möchte / bin derowegen am 3. dieses zu Zeitz auffgebrochen / und desselben Tags biß an Kemnitz avancirt / indem auch einen Gefangenen bekomen / der soviel außgesagt / daß der Feind noch also elargiret still ligẽ / und von meiner Ankunfft nicht wissen sollte / mich darauff resolviret / dieselbe Nacht zeittlich auffzubrechen / ihnen zwischen die Quartier einzugehen / und also von ihnen auffzureiben / soviel ich immer gekönt / und Gott der Allmächtige darzu Glück / Segen und Heil verleihen / und die Gelegenheit Anweisung gethan hätte. Es hat zwar der Feind bemeltes Abends um 6. Uhr Nachricht von mir und Alarme bekomen / auch die armee zusammen gezogen / und gegen Morgen zeitlich auff den Rückritt gegen Kemnitz sich begeben / als ich aber gleichwohl auch sehr frühe noch vor der Sonnen Auffgang auffgebrochen / meinen March nacher Glaucha[26] gerichtet / gerichtet / und also zeitlich zu Hohenstein[27] / da den Abend zuvor deß Feinds Haupt-Quartier gewesen / habe ich in seinen Retrogarden in 300. Pferd starck angetroffen und dieselbe verfolgt / biß in das Corpus, so allbreit nahe allhie bey Kemnitz gewesen / eingejagt / und weil ich einen Morastigen Ort vor mir zu filiren gehabt / den der Feind mit Dragonern besetzt / hat er Gelegenheit erlangt sich zu stellen / demnach den lincken Flügel / so mehrentheils in Cürassirern bestanden / dahinden / und auff die Seit Kemnitz / den rechten Flügel aber weiter hinter sich / über den Fluß die Kemnitz genant / hinter der Stadt / auch gesetzet / darauff ich mit meiner Guarde von Dragonern / an bemelten Morastigen Paß / dahin wegen der Tieffe deß Sumpffs nicht zu kommen war / zu Fuß übergesprungen / nach wenigem disputiren / deß Feindes Dragoner gewichen / quittiret / und mir die Occasion zum filiren geöffnet / welcher ich also wahrgenommen / dem Feind die Höhe zu nehmen / und das Feld unsicher zu machen / so auch geschehen / also daß ich Anfangs mein Regiment / wie auch des Herrn General Dorsten-sohns Obrist Hanß Wachtmeisters / und Obr. Wittenbergs Regiment / überbracht / wovon wegen deß grossen Eilens / viel Reuter / so ermüdet waren / zurück geblieben / hinweg gewesen / damit erwehnten lincken Flügel chargirt / mit meinem Regiment den ersten Angriff gethan / und wegen empfundenen Widerstands in Schaden gerathen / aber weil deß Herrn Generaln / wie auch Hanß Wachtmeisters und Wittenbergs Regiment / auch zeitlich genug dem Feind zu schaffen gegeben / ist dieser lincke feindliche Flügel / so in Disordre kommen / und zu seinem grossen Schaden / und unserm trefflichen Vortheil zween grosse Morastige Gräben hinter sich gehabt / biß auff weniges / so sich an den rech-ten Flügel zu entfliehen / hat gearbeitet / gantz nidergehauen / wir starck nachgedrungen / auch fort und fort / wegen Ankunfft und mehrer Versammlung der unsern / je mehr und mehr verstärcket worden / solches ohne Säumnüß gethan / und 3. Dämme zu filiren / gehabt / hinder welche sie sich zwar hätten setzen / und Widerstand thun können / aber weil der Muth gantz entsuncken / haben die unserige alles niedergehauen / und wenig darvon kommen lassen / das Fußvolck aber / hat sich zwar an die Stadt gedrenget / gleichwol durch einen kleinen Wald / nahe bey der Stadt / so nur 400. Schritt von einem andern Wald / gegen den Gebürge werts distiret / sich zur Flucht wenden wollen / denen ich aber Hn. General Major Stallhansen / Herrn Major Pfuls / und Obr. Slangens Regimenter / und von den Königsmarckischen eine Squadron / unter ihrem Obrist-Lieutenant Hammerstein / nachgeschickt / die sie umringet / und auch totaliter ruiniret und geschlagen / also daß nunmehr / was Salis bey sich gehabt / schon vernichtiget / in dieser glücklichen Expedition die gantze Käiser. und Chur-Sächsische Armee zu Grund gerichtet / Stücke / Munition / Fähnlein und Standarten / darvon mir die Anzahl / weil noch die wenigsten einbracht / nicht soeben bewust / so dann alle Bagage der Generalen / Officirer und gemeinen zu Fuß erobert / und eine treffliche Anzahl Officirer gefangen worden : von denen so man in der Eil weiß / und von hoher Importantz seyn / ist der GeneralWachtmeister der Cavallerie Graf von Puchheim / Obr. Webel / Obr. Wangeler / der biß auff den Tod verwundet / der Obr. Lieutenant Paradiser / von Marq. de Grana, Obr. Lieutenant Wachenheim von Graf Schlicken / und eine große Anzahl Majorn / Rittmeister / Hauptleute / Lieutenant / Cornet und Fähnrich / die Specification wird von den Regimentern colligirt / / soll ohne Säumnuß in Form gebracht / und dem Herrn mit ehistem nachgeschickt werden: an unserm Ort weiß man noch von keinem Officirer / so sonderlich Namkündig / die gequetscht oder geblieben wären / als deß Herrn Gen. Stallhanß Obr. Lieutenant / so geblessiret / und der junge Graf von Witgenstein / der unter Hn. General Pfuls Regiment gewesen / etc. etc. Datum im Haupt-Quartier zu Chemnitz / den 5. April. Anno 1639“.[28]

In der 2. Schlacht bei Breitenfeld (1642)[29] war Wachenheim wieder in Gefangenschaft geraten. Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „Wachheim / als er zeitlich loß gegeben worden / für sein Rantzion / in 80. Schwedischer Unter-Officirer / von Käyserlicher Seiten herüber geschicket / darauff die Schwedischen andere 300. Soldaten / unter denen nur nicht allein Unter-Officirer / sondern auch Rittmeister / Capitains und Lieutenante gewesen / zur Käyserlichen Armada herüber gelassen“. [30]

Teile seines Regiments nahmen an der Verteidigung Brünns gegen die Schweden unter Torstensson teil.[31]

Der Friedberger[31a] Chronist Dr. Volhard erinnert sich: „Den 15. huius [Juli 1646; BW] spät in der Nacht kame Saradetzky [Zahrádecký; BW], [Gen.kommissar] Blumenthal, [Obrist] Wachenheimer und Plöß [Plesse; BW] von Frankfurt[32] wieder hier an, logirten im Schwanen. Die Nacht wurde mir angesagt, die Memorialien an die beiden Commissarii fertig zu machen und des Morgens umb oder vor vier aufzuwarten und solche zu übergeben, was dann geschahe und ich neben Herrn [Joh. Helwig] Mayen morgens umb 4 ufgewartet im Schwan. Haben aber vor halber sechs nichts richten können. Der Blumenthal herauskommen, den ich angesprochen, die Noth der Stadt geklaget, das Memorial übergeben, welches er sobald gelesen und mit Saradetzky zu reden versprochen … Nachdeme aber ein großer Zulauf von allerhand Offizieren geschahe, mußten wir bis nach 67 Uhr aufwarten, bis fast zu ihrer Abreis. Allda hat uns der Herr von Blumenthal gesagt, die Reuter würden uns vom Hals gehen und mit Plößen, so sie kommandire, solten uf die Mühlen und das Land umb gewisser Ursach willen gelegt werden. Die übrigen Punkte wolten sie dem Erzherzog vortragen und das Beste dabei thun. Solten nachschicken und anhalten lassen“.[33]

Der bayerische Kriegsrat und Frankreich-Experte Johann Kütner von Kuniz führte ab Dezember 1646 zusammen mit Generalkommissar Schäffer, seinem ehemaligen Sekretär, Reuschenberg[34] und Wachenheim die Ulmer Stillstandsverhandlungen.[35] Am 28.12. schrieb der Kaiser[36] aus Pressburg[37] an Gallas[38] und übersandte ihm Kopien der Instruktion und Vollmacht für Leopold Wilhelm zu den Waffenstillstandsverhandlungen;[39] dieser habe mit der Führung der Verhandlungen Wachenheim und Rosenberg betraut. In der Anlage B könne er sich mit gewissen entstandenen Unklarheiten bekannt machen; der Erzherzog habe gewünscht, dass seinem Nachfolger im Generalat die Vollmacht gegeben werde, somit erteile er Gallas diese Vollmacht, übersende gleichzeitig auch eine Briefkopie des spanischen Gesandten und überlasse es ihm, entweder selbst oder mittels der vom Erzherzog[40] ernannten Subdelegierten zu verhandeln. Er möge darüber sowohl der gegnerischen Seite als auch dem Kurfürsten von Bayern Bericht erstatten.[41]

Am 30.12. schrieb Fernemont aus Abensberg[42] an Gallas: Vor seiner Abreise am Vortag zu Mittag habe ihn der Erzherzog angewiesen, das beiliegende Schreiben unverzüglich an Gallas zu schicken und ihn sowohl über seine Abreise als auch darüber zu informieren, dass die Bayern nicht länger auf die Gesandten zu den Waffenstillstandsverhandlungen, Wachenheim und Rosenberg, warten wollten; beide hätten daher ihre Reisepässe kopieren lassen und sie ihm, Gallas, zur Unterschrift eingeschickt; Rosenberg werde ihm über den Waffenstillstand ausführlich berichten. Lobkowitz und er selbst wünschten ihm, G., eine glückliche Ankunft.[43]

Gallas teilte Lobkowitz am 30.12. aus Wasserburg[44] mit, er sei krank und fiebernd angekommen. Sein Arzt aber rechne mit einer Besserung in zwei bis drei Tagen, worauf er sich sofort zur Armee begeben wolle. Es lägen ihm Nachrichten von der Abreise Leopold Wilhelms und der geplanten Abreise Hatzfeldts vor; Lobkowitz möge letzteren noch ein paar Tage zurück halten. Soeben sei die Nachricht des Kurfürsten von Bayern eingetroffen, dass der Feind angeblich an der Donau gesehen worden sei. Lobkowitz solle die Generäle und hohen Offiziere zusammen rufen und ihnen befehlen, ihre Truppen beisammen zu halten und die Straßen patrouillieren zu lassen.[45] Einen Tag später wandte sich Gallas erneut aus Wasserburg an Lobkowitz: Der Kurfürst von Bayern habe seinen Generalquartiermeister nach Landshut[46] entsandt und Einwände gegen die Signierung der Reisepässe Rosenbergs und Wachenheims für deren Reise zu den Waffenstillstandsverhandlungen nach Ulm[47] erhoben, da er vom Kaiser keine entsprechende Instruktion habe.[48]

Gallas teilte Lobkowitz am 2.1.1647 aus Wasserburg mit, die Vollmacht des Kaisers betreffs der Waffenstillstandsverhandlungen sei eingetroffen. Am nächsten Morgen wolle er sich zur Armee begeben, aber da er unfähig sei zu reisen, möge Lobkowitz einen der beiden Vermittler, eventuell Generalwachtmeister Wachenheim, zu ihm nach Landshut entsenden.[49]

Die kaiserlichen Subdelegierten schrieben am 18.2. aus Ulm an Gallas: Sie bestätigten den Empfang seines Schreibens sowie seiner Stellungnahme, von der sie die bayerischen Delegierten unterrichtet und sie angewiesen hätten, die Verhandlungen bis zum Empfang der kaiserlichen Resolution zu unterbrechen. Diese hätten eingewendet, sie müssten auf den strengen Befehl Maximilians I. hin ohne Rücksicht auf die kaiserliche Resolution in den Verhandlungen fortfahren. Bei einem neuerlichen Besuch ersuchte sie Rosenberg, sie möchten wenigstens kurze Zeit zuwarten, aber die bayerischen Delegierten entschuldigten sich mit dem kurfürstlichen Befehl. Am 15.2. kehrten die schwedischen Gesandten Mortaigne und Douglas zurück und beschieden die kaiserlichen Vertreter, die gekommen waren, um sie zu begrüßen, sie würden bloß mit den Bayern verhandeln. Weitere Fragen beantworteten sie dahin, dass sie elf Tage gewartet hätten und die Verhandlung somit von den Kaiserlichen unterbrochen worden sei. Dass sie mit den Bayern, nicht mit den Kaiserlichen verhandelten, erklärten sie damit, noch vor ihrer Abreise von den Bayerischen gehört zu haben, die Kaiserlichen hätten keine Lust zu den Verhandlungen und seien auch nicht genügend instruiert. Die bayerischen Delegierten seien vom Kurfürsten angewiesen, Sonderverhandlungen mit ihnen, den Schweden zu führen. Es bestehe die Befürchtung, die Schweden könnten die Ausstellung eines Reisepasses für Lindenspühr hinhalten und noch vor dessen Ankunft die Verhandlungen mit den Bayern abschließen wollen. Daher sollte Lindenspühr ihnen unverzüglich die kaiserliche Resolution zukommen lassen. Ähnlich habe auch der bayerische Feldwachtmeister von Reuschenberg unvorsichtiger Weise verlautbart, die Schweden würden nur mit den Bayern verhandeln; … den Tag vor der Schwedischen Ankunft seind die Franzosen bei uns gewest, und uns der Schwedischen Ankunft repraesentiert, dass weillen Mortaigni und Douglas, als zwei aus den vornehmsten von ihren Teil General-Personen alhero kommen, sie die Sachen ernstlich und kurz vernehmen würden, derohalben wir uns mit einer ragionabl Proposition gefasst machen möchten, dabei sie uns auch versichern könnten, sie nicht allein nichts von diesen, was sie ihnen haben zurück geben, sondern noch mehrers, und wie sich verlauten lassen, die Obere Pfalz und etwas von Böheimb ohne dass, was Wittenberg in Schlesien und Erblanden haben müsste, praetentiern würden. Sie, die kaiserlichen Subdelegierten, hätten bei ihren täglichen Besuchen auf alle mögliche Weise versucht, die Bayern zu überreden, die jedoch auf ihrer Berufung auf den kurfürstlichen Befehl bestanden.[50]

„Es gelang im vorletzten Kriegsjahr ein erstaunlicher Erfolg für die Versorgung der Truppe, die Schonung der deutschen und tschechischen Bevölkerung und das gute Einvernehmen mit ihr. Auf persönlichen Befehl des Kaisers waren Proviantwagen anzuschaffen. Holzappel, die Offiziere und Kriegskommissare setzten diesen Befehl um und fast alle Regimenter konnten mit ihnen ausgestattet werden. Schon am 8. Juni meldete Generalfeldwachtmeister Wachenheim für sein eigenes Fußregiment: ‚… bei Jedem meines Regiments Fahnen (Kompanien) sich ein dergleichen Wagen mit vier Pferdten bespandt befindet …’ die Proviantwagen wurden reichlich mit ‚zwiegebackenem Brot und Biskotten’[51] beladen, gut in Fässern verpackt ‚wie zu des Friedländers Zeiten’ “.[52]

Kolowrat bestätigte Wachenheim im Auftrag Ferdinands III., Pilsen, 15.9.1647, dass er wegen seiner mehr als zwanzigjährigen Dienste 30.000 Rt. aus künftigen (!) Konfiskationen, Lehenfälligkeiten, Strafgeldern etc. erhalten sollte.[53]

Der kaiserliche Kommandierende Holzappel war am 9.1.1648 in Fulda[54] eingetroffen und hatte sich dort weiter von seiner vor Marburg[55] erlittenenen schweren Verwundung zu erholen versucht, wie der Chronist Hartung festhielt: „Anno 1648, den 9. january, donnerstag, ist der keysserische generall graff Holtzapffell hier in die stadt Fuldta komen, undt sein quartir im Gulten Stern gehabt, undt die regimenter umb die stadt uff den dörffern gelegen, haben sehr grossen schaden im landt gethan, undt die stadt so voll pferdt undt volck gewessen, dass es in allen ecken hat voll gestanden, undt hatt der generall mitt allen seinem volck 9 tag hier still gelegen undt den 17. january ist der generall widerumb auss der stadt Fuldta gezogen naher Hommelburgk,[56] da hat ehr sein quartir genohmen; undt der generall wachtmeister von Wahlenheim ist mit seinem regiment zu fuss undt ein capany frey reutter in der stadt Fuldta bleiben, undt quartir bey den burger gehabt, isrt die stadt sehr uberlegt gewessen, dass auch mancher armer burgger 14, 15 perschon im hauss gehabt, ist sehr schlett zugangen, undt den 29. january sindt sie widerumb alle auss der stadt Fulda gezogen“.[57]

Wachenheim führte in der Schlacht bei Zusmarshausen[58] an Stelle Hunolsteins die Fußregimenter.[59] Nach der Schlacht plädierte Wachenheim für den Rückzug beider Armeen vom Lech.[60] Obwohl Maximilian I. später die Inhaftierung Fernemonts und Wachenheims verlangte, ging Ferdinand III. auf diese Forderung nicht ein.[61] Bei den Kämpfen am Inn war er dem Kommando Hunolsteins unterstellt.[62]

„Mit dem Bau des Herrenhauses [in Monsheim[63]] wurde 1629 begonnen (Inschrift an einem Fenster an der nördlichen Giebelfront des Haupthauses). Das Hauptgebäude war, wie aus einer Jahresangabe über dem Renaissance Erker zu schließen ist, im Jahr 1651 unter Freiherr Otto Ludwig von Wachenheim vollendet. Gleichzeitig wurden die mittelalterlichen Wehranlagen und Befestigungen bis auf geringe Reste beseitigt“.[64]

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher.

[2] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[3] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[4] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[5] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[6] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer.

[7] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[8] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[9] Goldene Mark (Kr. Duderstadt); HHSD II, S. 172f.

[10] Hohnstein [Kr. Sebnitz]; HHSD VIII, S. 151f.

[11] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[12] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[13] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[14] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[15] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[16] Frauenstein; HHSD VIII, S. 98f.

[17] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[18] Elterlein; HHSD VIII, S. 89.

[19] LEHMANN, Kriegschronik, S. 102f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[20] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[21] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[22] Herne; HHSD III, S. 317.

[23] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[24] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

[25] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[26] Glauchau; HHSD VIII, S. 116f.

[27] Hohnstein [Kr. Sebnitz]; HHSD VIII, S. 151f.

[28] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 94f.

[29] Schlacht bei Breitenfeld am 23.10./2.11.1642: Die Schweden unter Torstensson besiegen die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Ottavio Piccolomini. Vgl. RUDERT, Kämpfe; WALZ, Der Tod, S. 160ff.

[30] THEATRUM EUROPAEUM 4. Bd., S. 891.

[31] „Brünnische SiegsFahne / Das ist: Eigentliche vnd zuverlessige Erzehlung / welcher gestalt die Königl: Statt vnd Schloß Brünn in Mähren durch die Schwedische vnd Rakoczysche KriegsHeer / vnter dem Commando Leonhardt Torstensohns / als Gen. FeldtMarschalln / so dann Pakos Gabor vnd Jungen Printzen Rakoczy / vom 3. Tag Maӱ biß den 23. Augusti deß Jahrs 1645. mit grossem Ernst belägert vnd gestürmet worden / Aber / Durch Herrn Baron de Souches, Kayserl: Gen: Wachtmaistern / alß Commendanten, vnd seiner vnterhabenden Soldatesca / so wol auch Burgerschafft / Studenten /  etc. tapffere Gegenwehr / mit mercklichem Verlust der Feinde / Mannlich gehandthabt vnd erhalten worden. Allen der Röm: Kayserl: Mayest: getrewen KriegsOfficirern, Soldaten vnd Vnderthanen zur Nachricht / gleichmässiger Standhafftigkeit vnd guten Exempel / Auß glaubwürdigem Teutschen bericht publicirt Durch L. V. H. D. Wien 1647“ [Bibliothèque numérique de Lyon: https://numelyo.bm-lyon.fr/f_view/BML:BML_00GOO0100137001101453814/IMG00000003#], S. 11f.

[31a] Friedberg [Wetteraukr.], HHSD IV, S. 145ff.

[32] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[33] WAAS, Chroniken, S. 215f.

[34] REUSCHENBERG: „Jesus Maria und kein Quartier !“; EHRENPREIS, Feldmarschall Johann von Reuschenberg

[35] Ausführlich dargestellt bei IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[36] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[37] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[38] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[39] Vgl. IMMLER, Kurfürst Maximilian I.

[40] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[41] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 938.

[42] Abensberg [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 2.

[43] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 939.

[44] Wasserburg am Inn [LK Rosenheim]; HHSD VII, S. 790ff.

[45] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 940.

[46] Landshut; HHSD VII, S. 386ff.

[47] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[48] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 941.

[49] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 946.

[50] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1006.

[51] Zwieback.

[52] HÖFER, Ende, S. 63.

[53] Staatsarchiv Würzburg Misc. 6501 (Abschrift).

[54] Fulda; HHSD IV, S. 154ff.

[55] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.

[56] Hammelburg [LK Bad Kissingen]; HHSD VII, S. 268ff.

[57] HAAS, Hartung, S. 125.

[58] 17.5.1648: Die französisch-schwedischen Truppen unter Turenne und Wrangel schlagen die Kaiserlich-Kurbayerischen unter Holzappel, der dabei fällt, und Gronsfeld. Vgl. HÖFER, Ende, S. 175ff.

[59] HÖFER, Ende, S. 180.

[60] HÖFER, Ende, S. 200.

[61] HÖFER, Ende, S. 206.

[62] HÖFER, Ende, S. 211, 212, 213.

[63] Monsheim [LK Alzey-Worms].

[64] regionalgeschichte.net/?id=2797.

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