Reiffenberg [Reifenberg], Hans [Johann] Anton Schweikard Freiherr von

Reiffenberg [Reifenberg], Hans [Johann] Anton Schweikard Freiherr von; Obrist [ – ] Hans [Johann] Anton Schweikhard Freiherr von Reiffenberg [ – ] war kaiserlicher Obrist und Generaladjutant bei Erzherzog Leopold Wilhelm. 1646 wurde er Kommandant in Friedberg[1] (Landgrafschaft Hessen-Kassel).

Der Friedberger Chronist Dr. Volhard erinnert sich: „Den 25. huius Morgens kam der Obrist Freiherr von Reifenberg, General Adjutant bei der kais. Armee, alhier und besahe die Burg und sonderlich die Kompagni alhier, weil er dem Ruf und Sahge [nach] Kommandant alhier werden solle, den der Tullian vielmals [unleserlich ..]. Nachdem nun solcher dieselbe besichtigt, ist er bald wieder nach Ilmstadt[2] ins Lager gezogen; hatt einen reitenden Diener, in roth bekleidet, mit sich“.[3]

Reiffenberg löste am 4.8.1646 Knörring als Kommandant in Friedberg ab.

„Um 12 Uhr selbigen Tages kame Herr Generalfeldmarschall Melander Graf Holzappel, Blumenthal und der Herr Obrist Reifenberg anhero. Und dieser lösete ein Stund vorher den Herrn Obristen Knörring ab, welcher mit seinen 800 kommandirten Völkern in aller Eil wiederumb nach Ilmstadt ins Lager marschiren mußte; dann da hatte man im kaiserlichen Lager schon die Nachricht, daß des Feindes Völker über die Nidda gezogen wären. Die [Holzappel und sein Gefolge] kehrten in der Burg und Rent und des Kommandanten Haus ein, dahin meine Herren etlich Flaschen mit Weins schickten und solchen Ihro Exzellenz verehren ließen. Uebergaben auch zugleich darmit durch mich ein Memorial, darinn der Stadt dermalig Noth begriffen, und baten, Ihro Exzellenz wolten doch vor ihrem Abzug (weil Ihr ja das Kommando über diesen Kreis von Ihrer hochfürstlichen Durchlaucht [Erzherzog Leopold Wilhelm] gnädigst anvertraut) dieser Beschwerden abhelfen.

Dieweil aber Herr Obrist Reifenberg das Kommando in Burg und Stadt antrate, verdroß es ihn heimlich, daß wir bei Ihro Exzellenz und nicht bei ihm suchten, wie er denn sonderlich, als der Früchte halber (die wir in die Burg zu fliehen gezwungen) gelesen wardt, sagte: ‚Habt Ihr das bei mir gesucht ?‘ und als geantwortet worden, wäre … [unleserlich] bei ihr Exzellenz gesucht. Daruf sagt er [Reifenberg], er wolte schon in der sachen recht thun. Und als ihr Exzellenz dieses [hörte], sagten sie [Holzappel]: ‚Man muß den guten Leuten ihre Frucht wieder geben und die Bürgerschaft ufs eifrigst verschonen und konserviren, denn sie sein das letzte Essen oder die letzte Tracht [Gang des Essens]‘. Erbotte sich, weil er unsern armseligen Zustand sehe, uns nach Möglichkeit zu helfen, wo es nur in seinem Vermögen stünde.

Dem ich ferner bis zur Abreis aufgewartet und sonderlich dem Herrn Generalkommissar von Blumenthal mit Erzählung der armen Stadt Beschwerde und ihrer Mißgönner, die der Stadt alle Last zuschanzeten, diese arme Bürgerschaft zu allen Gnaden rekommandirt. … [Blumenthal] gab aber non obscure [nicht undeutlich] zu  verstehen, es derfte uns unterm Reifenberger übel gehen aus allerhand Ursachen, so er kürzlich [kurz] mir zu verstehen gab“.[4]

„Dieser Tage hatte der Herr Obriste Reifenberg bei Ihr Durchlaucht in Oesterreich [Erzherzog Leopold Wilhelm] auf sein alzu mildes Angeben [zu niedrige Angaben über die Lasten der Stadt] ausgewirket, daß die Stadt 120 Soldaten zu Fuß alhir die Kost bis uf den Frühling geben solte. Hat aber solche Ordre allererst den siebenden Tag hernach, als die Armee schon weit fort gewesen und wir ohn Gefahr nit hernach kommen können, uns vorgezeigt, worüber sich die Stadt zu höchst beschwert und dagegen protestirt. Er aber hat nit viel darnach gefragt, sondern gesagt: ‚Hab deßwegen Ursach und Befelch gehabt‘.

Den 26. August hat besagter Obrister von Reifenberg allererst die Ordinanz, davon itzo gemelt, Herrn Bürgermeister zugestellt und begehrt, sie in seiner Gegenwart zu öffnen. Herr Bürgermeister aber hat’s abgeschlagen und gesagt, müßte in Gegensein der Herrn des Raths geschehen, und zugleich gegen dies Hinterhaltens protestirt und sich beschwert. Er aber hat nochmals vorgewandt, er hab’s Ursachen.

Eben vor diesem hatte Winter [Oberstleutnant, seit 1640 mehrfach Kommandant von Friedberg] auch sein Ordinanz gezeigt, daß er mit seinen annoch [hier] befindlichen Soldaten und Officiren (die wenigen aber, so Tullian geworben, solten hier bleiben), die er geworben, [sollten] von hier ab nacher Höchst[5] marschiren und daselbst logiren. Dabei erhub sich ein Streit zwischen ihnen wegen des Fähnleins, welches Obristleutnant Winter mitnehmen, er aber nit abfolgen lassen wolle. Dahero nach vielem Disputiren die Sach dahin gerathen, daß der herr Obrist Reifenberg den Commissarius Heistermann, seinen Leutnant Peter Weingärtner (so sich von Wintern abzuthun, sein Abschied auch suchen und wöllen), den Adjutanten und sein Stallmeister nach dem Erzherzog, so in Frankenland albereits gestanden, geschickt und durch sonderbaren Vorschub seiner Favoriten [Günstlinge] daselbst, auf die, wie man verspüren könne, von hiesiger Burg gethanene Vorschläge und Anbringens (daß nemlich Winter nichts an der Kompagni, sondern die Ständ [?] solche geworben und er also den Erzherzog mit Ungrund berichtet) darob so weit gebracht, daß ihme [Reifenberg] vom Erzherzog von Oesterreich die völlige Kompagni zugestellt und dem Obristleutnant Winter abgesprochen worden, welche ihm doch von ohngefähr 4 Wochen zu Ilmstadt im Lager zuerkannt worden. O Fortunae instabilitatem memorabilem ! [O merkwürdiger Unbestand des Glückes !]“.[6]

„Den 20. Sept. [1646] wolte der Herr Oberst Reifenberg vermög seiner Ordre die 120 Mann verspeist haben. Die Stadt aber bate davor mit Vorwenden, die Ordre sei nunmehr selbsten cessirt [hinfällig] oder erloschen, weil die Winterische, nunmehr seine Kompagni hier bliebe, weil die Ursach, so darin angedeutet, weil wir nemlich durch den Abzug der Winterischen Kompagni einer großen Last enthoben würden, nunmehr cessirte. … Baten unser damit zu verschonen; erboten uns doch, ihme mit 100 Achtel Korn und 100 Thaler Gelts semel pro semper [ein für alle mal] behülflich zu erscheinen.

Er aber hat solches zumal nit annehmen, sondern kurzumb die Kost haben wöllen, worüber man in langewierige Disputat kommen, endlich dahin erboten, Herr Commissarius Speck als Generalkommissar-Verwalter solte uns entscheiden; was der sprechen würd, dem wolten wir nach Möglichkeit nachkommen. Er aber hat nit darin willigen wollen, sondern gesagt: Kein Mensch auf dieser Welt, ohn sein Herr, der Erzherzog, könne diese Ordinanz aufheben.

Als wir aber vor Gewalt gebeten (denn er die kompagni selbst einlogiren wollen) und voriges Erbieten repetirten, hat er endlich sein Leutnant Weingärtner (dahin Herr Runkel der Stadt wegen gleichfalls geraten) nach Frankfurt[7] zu Specken geschickt, welcher nach vielem Unterhandeln, endlich es dahin vermittelt, daß die Stadt monatlich 25 Achtel Korns oder anderthalb Pfund Brot auf 120 Köpf, welche den Herrn Obristen gefallen würd, neben 100 fl. Gelts auf ein paar Monat erlegen solte, bis verhoffentlich ander Ordinanz vom Erzherzoge erfolge. [Die Verhandlungen führen zu keinem festen Ergebnis. Die Stadt bleibt auf ihrem Standpunkt] … könnte nicht alles geben, müßten der Leut [die Burg] auch dazu helfen.

Den 1. Okt. [1646] hat der Herr Obrist Reifenberg ein Schreiben in der Nacht hinausgeschickt in Johann Heun, des Brücken [Müllers in der] mittelst Mühle, und ihm, Johannes, sagen und befehlen lassen, der solle denselbigen Brief alsobald nach Staden[8] oder doch zum wenigsten nach Bauernheim[9] tragen, daß er daselbst weiter fortgeschickt werde. Darüber sich Johann Heun beschwert, er habe niemand in der Mühle, habe ein krank Kind da liegen. Zudem sei er ein Bürger wie ein anderer auch, gebe seine Beschwerung, wolte demnach nit verhoffen, daß er den Brief wegtragen solte. Und wenn er das thun solte, so wolte er lieber aus der Mühle ziehen.

Als nun dieses dem Obristen referirt worden, ist er darüber so erzürnt worden, daß er 4 Mosketir geschickt, so ihn, Müller, alsobald zum Profosen geschickt, die ihn dazu genöthigt, daß er sich selbst ein- und anschließen müssen. Als man nun des Morgens solches gewahr worden, auch des Müllers Frau beim Herrn Bürgermeister Hilf gesucht, ist der Jüngere Bürgermeister hin gangen und gegen den Herrn Obristen dieses Protestes halber … [sich beschwert], hat er befohlen, man solle ihn in Diebsthurn werfen oder solte Arrest thun. Als nun Consul [Bürgermeister] repetirt, er hab’s noch zur Zeit nit verdienet, und dagegen geredt, ist es endlich dahin kommen, daß er [Heun] dem Profosen 3 Kopstück Schloßgeld [Haftgebühr] erlegen müssen, woruf er loskommen. […]

Den 29. Okt. [1646] schickte Herr Obrister [Reifenberg] einen Gefreiten von der Hauptwacht (lage der Zeit in Bender Andresen Haus) heraus zu dem Aelteren Herrn Bürgermeister [Peter Huth] …. Wo der abgeforderte Bot blieb ? Und als derselbige bei ihm ankommen, hat er sich flugs feucht gemacht [wichtig, klug geredet]: wo der Brot bliebe, und viel Fluchens dabei gethan über den Herrn Bürgermeister mit Vorwenden, was er davon hätte in diesem großen Regen, daß er heraus gehen müssen; und als Herr Consul [Bürgermeister] geantwortet, der Stadtknecht gehe herumb, einen zu bekommen, hat er angefangen, er solte den Boten schaffen oder solte ihn Gotts Sakrament schenden. Als Herr Consul replicirt [antwortet], möchte ihn schenden; was er viel zu schelten hab, solte sein Kommission ausrichten, Antwort annehmen und wieder hinziehen. Woruf er sehr erbittert worden, ihn einen Schelm gescholten, solt ihm den Boten stellen oder solt ihn Gotts Sakrament schenden, ihn nochmals ein Schelmen gescholten und solte ihn im Arsch lecken. (salvo honore [mit Verlaub !] Welches der Bürgermeister empfunden und zu klagen sich vorbehalten, wie denn auch durch den Jüngeren Bürgermeister [Engelbert Thomas] solches also bald Herrn Obristen geklagt, welcher sich zwar angenommen, ob mißfiele es ihm ihm solches höchlich und wolte es strafen. Wie man aber hernach erfahren, ist er nur 2 Stunden aufn Esel gesetzt worden.[10]

Den 4. November [1646] Abends, als Ambtmann Uphofen von Wölfersheim[11] und Herr Engelbert Thomas bei Herrn Hans Henrich Runkeln in seinem Hause zu Nacht gessen und noch über Tisch gesessen, mit einander disputirten, ist Michel, der Tromschleger, hinein getrungen, etwas bezecht, wie man vermerken können und sobald angefangen: ‚Du Schwanenwirt, bist ein Schelm, ein ausgerissener‘ etc. Und als er, Runkel, mit guten Worten ihm geantwortet: was das sei, und was er mit ihm zu thun habe, daß er ihn in seinem Haus dergestalt molestire [belästige], hat er diese Worte oft wiederholet und noch darzu gesetzt, sein Obrister würde ihn noch vorn Kopf schießen und möchte es auch thun. Worauf ihm vom Jüngeren Bürgermeister und sonderlich Ambtmann Uphofen zugesprochen worden, solte sich hinaus machen und sie in ihrem Gloch [Gelage, Essen] unperturbirt [ungestört] lassen, wolte ihm sonst Füße machen. … Und als er nit gehen wolte, hat ihn Runkel beim Hals genommen und hinausgestoßen, aber Friedliebens halber (dieweil man auch vermuthet, es sei vom Obristen oder Leutnant ein angestellt Werck) ihn nicht geschlagen, sondern vor die Thür gebracht und selbige verschlossen. Nach welchem er auf der Gassen greulich gefluchet, an der Thür gebocht und Herren Runkeln zum ärgsten gescholten, also daß man es auf der Straßen allenthalben gehört, bis er es endlich müd worden und heim gangen.

Als nun Herr Junger Bürgermeister solches dem Herrn Obristen des andern Morgens, bei den er eines Pferds halben gerufen worden, geklagt, hat Micheln zwar der Obriste einen Hundskopf gescholten, aber nit zu strafen gewährt, viel weniger gethan. Siehet man also klar, daß mehr Leut dahinter stecken. Dergleichen Insolentien [Unverschämtheiten] muß man klagen.

Eben diesen Tag war ein Soldat von der Garnison alhier in Johann Reußen Haus gestorben. Denselben hatte der Fourir und andere Bursch nackend ausgezogen und liegen lassen. Hernacher begehrt, der Bürger oder die Stadt solte ihn begraben lassen, welches ein vornehm Werk in einer Garnison, weil billig, wie unter ihnen und alhier alzeit bräuchlich gewesen, daß die Kompagni solchen mit klingendem Spiel begraben und ein starker Trupp mit ihren unter sich gewandten Wehren alzeit begleiten helfen. Aber der Muthwill nimbt bei diesem Obersten, wegen seiner schlimmen Disziplin ganz überhand.

Den 9. November [1646]. Diesen Montags früh umb 8 Uhr wurde Herr Hartmann Vietor [Bender] und Philipps Laukhard, Jüngerer Rentmeister, auf die Stadtmauer geschickt, umb zu sehen, wie viel Löcher auf der Mauer denn doch des Obersten Soldaten (so mauern von der Kampagni) zugemacht hetten, weil sie Lohn auf etlich Tag forderten, damit man auch wissen möchte, obs sie es verdient hetten oder nicht. Und als sie solches besehen und derselben wenig, etwa [Lücke] befunden, haben sie sich gegen die Maurer und Profosen, so abermals gearbeitet, beschwert, welche ihnen, sonderlich die Maurer, geantwortet, es sei ihnen nit lieb, daß sie es thun müsten, wäre doch keine wahrhafte Arbeit. Nur allein Junker Rau hette es dem Obristen gerathen, welches sie selbsten gehört, daruf der Oberst solche Anstalt machen lassen.

Und wie man sonsten vernimbt, ist Junker Rau fast aller Sachen bei diesem Obersten Angeber, und wo er nur der Stadt eines versetzen und anmachen kann, spart er daran kein Fleiß. Gott wolle ihm des Lohn davor reichlich geben !

Freitags, den 4. December [1646], war des Nachts der Schweizer Thurn in der Burgmauer gegen der Brücken-Mühlen, welche bei Tullian auch einmal eingefallen und mit großen Hölzern gesteztelt worden, eingefallen. Daruf hette Morgens früh Herr Obrister Reifenberger alle Thoren versperren und befehlen lassen, kein Mensch hinaus zu lassen, bis die Stadt 16 Bürger und 8 Juden (die er gleichwohl heißen lassen) zur Arbeit hierin [in die Burg] schickte.

Als nun Junger Bürgermeister Thomas neben mir, dem Stadtschreiber, hierin geschickt wurden, dagegen zu reden, daß es der Stadt nicht gebühre, in der Burg zu arbeiten, sondern die Burg möchte durch ihre Leute arbeiten und bauen lassen, gleich wie die Stadt thun müßte, — so hat es doch nichts helfen wollen, sondern er ist uf seiner Meinung bestanden, wir müsten und solten bauen und schanzen, es were des Kaisers Dienst. Möchten ihn beim Kaiser darüber verklagen. Als wir aber daruf geantwortet: wenn man heraus [in der Stadt] bauete und schanzte, so were es auch des Kaisers Dienst und hülfen uns doch die Burgleut auch nicht, ist er doch auf seiner Meinung bestanden. Wolte niemand aus- und einlassen, wir hülffen denn bauen, wie man denn auch die Mannschaft stellen müssen. […]

Nachmittags umb 1 Uhr des vorigen 4 Dez. ließe mich, den Stadtschreiber, J. Volhard, der Obrist Reifenberg ins Schloß zu sich rufen und, als ich uf Befelch Herrn Consulis hinein kommen, finge derselbe an: ich wüßte mich wohl zu erinnern, was er heut an die Stadt des umbgefallenen Schweizer Thurns wegen am Burgwall begehrt, auch daß sich die Stadt verweigert hett zu arbeiten, da doch die Feinds Gefahr vorhanden wär, woraus er leichtlich abnehmen könnte, wie wir gegen ihn affectionirt [gesinnt] weren, auch sein würden, so ein Gefahr ihm aufstoßen solte. … [Volhard erwidert: die Stadt könne nur in der Burg arbeiten bei Gegenseitigkeit]. Wie sich itzo ansehen ließe, daß er der Burg viel gewogener als der Stadt wär. …

Den 22. Dec. oder 1. Januar [1647] [styli novi]. Wardt durch mich, den Stadtschreiber, und den Jungen Bürgermeister dem Herrn Obristen von Reifenberg von wegen Herrn Bürgermeister und Rath der Stadt ein glückselig fried- und freudenreiches Neues Jahr gewünschet und darneben ein Becher von 24 Reichsthaler [wert] sambt einem schönen Marcipan und gerösten Honigkuchen vor die Frau Obristin geschenkt und verehrt und gebeten, Herr Obriste wolte sein angetretenes Kommando also fortführen, daß dem Bürger das seinige gehegt und geschützt und derselbe neben dem Soldaten friedlich leben und zu einigem Wiederaufnehmen und gutem Wohlstand kommen und gelangen möchte. Gedachter Herr Obrist wünschte Herrn Bürgermeister und Rath von der Stadt hinwiederumb ein glückselig Neues Jahr, allen guten Wohlstand und ein friedliches Regiment, bedankte sich zugleich des gethanen Präsents. Und sagte, wolte sich also künftig halten, daß wir sich über ihn nicht zu beklagen haben solten. Wär zwar anfangs etwas rau hergangen, wäre aber nunmehr geschlichtet. Und könnte er den Herren dienen, das wolte er gern thun“.[12]

Die Friedberger Chronik des Nikolaus Arnold (1614-1694), Bäcker und Landwirt, Ratsherr und Bürgermeister, berichtet über ihn: „Derselbige Stadtochs sollte einer gewesen sein, der den Huren ufgewartet hette, und kein Soldat; dann er kein Herz [hatte]. Bei demselbigen war das Lager vor Ilmstatt [unter Erzherzog Leopold Wilhelm]. Da hatten mir eine Reuter-Einquartirung über ein ander von dem Oberstwachtwachtmeister Plessen bisweilen mit 2, bisweilen mit 3, auch gar mit 5 und 8 Kompagni Reutern. Die fraßen uns auf bis uf den Grond. Item 800 Musqquetirer [Oberst Knörring], halb kaiserliche und halb bairische Völker und 2 ein halb hundert Mann vom Reifenberger in der Stadt liegen. War mancher Mann, der hatte nicht einen Bissen Brod im Haus. Ward das Brot, das noch in der Stadt war, bei das Neu Haus kolligirt [eingesammelt], und ward Schildwacht darbei gestellt.

Ward auch von dem damaligen Obersten mit Namen Kerning [Knörring] begehrt, mir sollten sich wehrn [bei dem am 3. August 1646 befürchteten Angriff der Schweden und Franzosen unter Wrangel]; dann mir hetten sich ja vor dem Sankt Andreasen [Saint André] gewehrt, welches uns von den kaiserlichen Officirern ruhmlich [geachtet wurde]. Sagte Johann Ulrich, Haubenschneider, im Namen der ganzen Burgerschaft. Er wollte ganz unterthänig dafür gebeten haben, dann es were die Stadt gar gering; wollte doch gebeten haben darfür. Sagte der Oberst: ‚So gehet Ihr in die Kirche und betet wacker, so will ich wacker fechten, so wird uns Gott helfen streiten. Allein, wann ich im Handel stehen werde mit dem Feind, so komme ja keiner, der mich anlagen werde um Hilf‘.

Indem kamen die Schwedische gemarschiret bei dem Alzenklöppel her und wendeten sich hinüber uf Ockstatt.[13] Da schossen sie [die Kaiserlichen aus der Stadt] unter die Schwedischen; aber sie wichen weit von der Stadt, daß sie keinen trafen. Da kam Oberstwachtmeister Pleß mit 170 Reutern stark auf die Schwedische angehauen, aber er ward zurückgetrieben bis ins Thor. Wie nun Pleß sahe, daß er nichts ausrichten konnte, begab er sich nacher Ilmstadt, aber die Schwedische warn ihm im Eisen, daß er wenig davon brachte“.[14]

Der Friedberger Chronist Joh. Philipp Götzenius erinnert sich: „Welcher aber, nach dem er 1647 auff den Sonntag Jubilate, den 9. Tag Martii, vom Hessen-Casselischen General, Herrn Caspar Cornelio von Mortaigne, mit bei sich gehabter Armee berennt worden, und folgenden Montag, den 10. Tag Maji, am Mainzer Thor die Mauren etwas nidergeschossen und die Stadt erobert, hernach folgenden Dienstag ein großer Ernst mit Stein einwerffen und ungewöhnliche Granaten ihm gezeigt worden, für sein Person und ihm gehörige Sachen, ein sicher Geleit veraccordiret, die anvertraute Guarnison aber auf Gnad und Ungnad übergeben“.[15]

[1] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.

[2] Ilbenstadt; HHSD IV, S. 242.

[3] WAAS, Chroniken, S. 216.

[4] WAAS, Chroniken, S. 221f.

[5] Höchst; HHSD IV, S. 226ff.

[6] WAAS, Chroniken, S. 223f.

[7] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[8] Staden; HHSD IV, S. 420.

[9] Bauernheim, heute Stadtteil von Friedberg [Wetteraukr.].

[10] Esel reiten: in Verlegenheit, Schande bringen; erzürnen. Beim Einrücken von Truppen in eine Stadt mussten Galgen und hölzerner Esel von der Bürgerschaft (meist auf dem Markt) errichtet werden. Das Sitzen auf einem hölzernen Esel gab es als Militärstrafe für ungehorsame Soldaten; HINCKELDEY, Strafjustiz, S. 169; ZEITFUCHS, Stolberg, S. 271; z. T. als Strafe für Not- oder Unzucht; PESCHEK, Geschichte, S. 46; als Ehrenstrafe im peinlichen Strafrecht; MEINHARDT, Peinliches Strafrecht, S. 147; HINCKELDEY, Strafjustiz, S. 171; allgem. QUANTER, Schand- und Ehrenstrafen. Das Eselreiten wurde auch Ratsherrn und Bürgern beim Ausbleiben der Kontribution angedroht. Dabei wurde ein auf die Kante gestelltes Brett in Eselform verwendet, das dem darauf Sitzenden nur die schmale Seite bot, so dass es tief ins Gesäß einschnitt; Abb. bei KÖNIG, Hexenprozesse, S. 49; erwähnt bei WREDE, Körperstrafen, S. 426* (für 1620 in Görlitz). Vgl. den Bericht des Chronisten Sebastian Dehner; HELLER, Rothenburg, S. 11: „1620. Mittwoch den 5. Januar hat Marggr. J. Ernst allhie auf dem Mark nebst bei der Trinkstuben wegen der Soldaten, damit sie im Zaum gehalten würden, einen Galgen, Schneller oder Schnerr, wie manß nennt, und einen Eßel aufrichten lassen. Der Esel ist gemacht geweßen von Brettern geformt und so hoch als eines Schmieds Notstall, der Schnöller und Galgen ungefähr 3 oder 3 1/2 mannßhoch. […] Wenn er den Eßel verdient, hat man ihn rittlingsweiß daraufgesetzt auf die Kante und zu beiden Seiten an jeden Fueß einen schweren Stein oder Plock gehengt und ihn bey 2, 3 oder mehr Stund, nachdem er verdient, darauf sitzen lassen“. Zudem galt der Esel nicht nur als Symbol der Dummheit, sondern auch als Reittier der Synagoge. [mdsz.thulb.uni-jena.de].

[11] Wölfersheim [Wetteraukr.].

[12] WAAS, Chroniken, S. 224ff.

[13] Ockstadt [Kr. Friedberg].

[14] WAAS, Chroniken, S. 292f.

[15] WAAS, Chroniken, S. 150.

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