Žerotína [Tserotin, Tzerotin, Seretetsche], Bernard ze

Žerotína [Tserotin, Tzerotin, Seretetsche], Bernard ze; Obrist [ – 1659] Bernard ze Žerotína[1] stand als Obrist in kaiserlichen Diensten.

Der sächsische Chronist Lehmann hielt für den März 1640 fest: „Der [Slange; BW] wahr vorhin zue Caden[2] gelegen, der ging mit seinen, des Hans Wachtmeisters, Duglas, Alten Cratzensteinischen [Kratzenstein; BW] und des Mortaine [Mortaigne; BW] Trajoner nach der Eger[3] auf Teißing[4] zue, fiele den 500 Crabaten unter den Obrist Ragewitz [Rajkovič; BW] und den Curaßirern untter den General-Wachmeistern Seretetsche und bekamen 200 Crabaten, 100 Curaßirer und viel Officir, stunden des Nachts beym Engelhauß[5] im felde und lauerten auf den feind, und do sich keiner angebe, marchirten Sie den 18. Martii von Schlackenwertha[6] auf Jochimsthal,[7] drinnen wahr des Schlangen [Slange; BW] haupt-Quartir 1 Nacht, brenneten 2 heußer weg, brandtschazten die Stadt“.[8]

In Hildesheim war es zu einem gewaltigen Trinkgelage gekommen, wohin sich viele höhere Offiziere begeben hatten, um an einer von Banér einberufenen Konferenz teilzunehmen. Nach dem Gelage starben angeblich Bernard z Žerotina (der allerdings erst 1659 starb), der 18-jährige Landgraf Christian von Hessen-Kassel – ein Bruder Wilhelms V. – ,  Graf Otto von Holstein-Schaumburg; ein halbes Jahr später Georg von Braunschweig-Lüneburg und Banér.

Der Hildesheimer[9] Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet unter dem 30.10./9.11.1640: „General Johann Banner kompt herein und wurde zweimahl 2 Schwedische Salve vom Hohen Rundel mit Stücken gegeben. Aus 2 Stücken umb 2 Uhr da kamen erstlich die Weymarschen. Er, Banner, kam umb 7 Uhr zur Nacht, – da auch 2 Stücke mehr gelöset wurden – , hatte bey sich Obristwachtmeister Pfuhl, Wittenbergk, Schleng (und) Königsmarck, die Obristen Herr von Tzerotin, ein Mährischer Freiher, Zabellitz, den jungen Wrangel, Hake, Mortaigne, Hoikhing, Steinbock, Bellingkhusen, Gregersohn. It. Ein Markgraf von Durlach, des Banners Schwager. Von der Heßischen Armee war Obrist von Gundroth, von Braunschweig Bohn; von Zelle D. Langerbeck.

Von der Weimarschen Armee (die) Directoris Obrist Comte de Guebrian, Otto Wilhelm, Graf von Nassaw, Oheimb. It. Mons. Glocsi, Grãl.-Intendant Extraordinari.

Ferner Herzog  Philipp Ludwig von Holstein, Rittmeister, Landgraf Christian von Hessen, Caßelscher Linie Maximiliani Filius,[10] Graf Otto von Schomburg. Diese letzten beiden nebst den Herrn Tzerotin starben über ein wenig Tagen innerhalb 24 Stunden“.[11]

In der Hannover’schen Chronik heißt es dazu: „Den 1., 2., 3. und 4. Nov. [1640] ist zu Hildesheim die schädliche Gasterey gehalten, da I. F. G. Herzog Georg den Bannier und andere Schwedische Officirer zu Gaste gehabt, und weidlich banquetiret. Der junge Graf von Schaumburg, der letzte dieser Familie, ist gestorben, weiln er den Dingen zu viel gethan auf dieser Gasterey, der junge Graf von der Lippe hat auch eine harte Krankheit ausgestanden, der Schwedische Commandant in Erfurt[12] ist gestorben, wie auch Herzog Georg und Bannier selbst widerfahren, non sine suspicione veneni“.[13] Schon der Zeitgenosse Dr. Jordan, der auch Tilly und Anholt behandelt hatte, hatte Giftmord vermutet: „ihnen war ein vergifteter Wein von einem französischen Mönch zubereitet worden, darbey die Catholiken ihre Freude nicht wohl verbergen kunten […] der Landgraf von Heßen Christian und der graf von Schaumburg, welche reichlich davon getrunken, sind gleich des Todtes geblieben. Herzog Georg und Baner, denen es am ersten gelten sollte, waren etwas mäßiger und also verzog sich das Unglück mit ihnen bis auf den künftigen Frühling“.[14]

[1] Vgl. die Erwähnung bei HARRACH, Tagebücher.

[2] Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, 241ff.

[3] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[4] Theusing [Toužim, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 614f.

[5] Engelhaus [Andělska Hora; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 136f.

[6] Schlackenwerth [Ostrov, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 547ff.

[7] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.

[8] LEHMANN, Kriegschronik, S. 116.

[9] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[10] Mauritii Filius.

[11] SCHLOTTER, Acta, S. 327.

[12] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[13] JÜRGENS, Chronik, S. 537f.

[14] SCHLOTTER, Acta, S. 328.

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