Vopelius, Johann

Vopelius, Johann; Hauptmann [1572/73 – 16.2.1633 in Dresden hingerichtet] Johann Vopelius stand seit 1605 als Schlosshauptmann in kursächsischen Diensten.[1] Er war 1624 und 1631/1632 Kommandant  der Pleissenburg, die er bereits am 7./17.9.1631 schon einmal übergeben hatte. „Nachdem der Rat [Leipzig;[2] BW] erneut wegen der Entscheidung zur Übergabe auf den Kurfürsten verwies, rückte der Generalleutnant[3] am 14. September [1632; BW] morgens mit seiner ganzen Armee heran und begann die Belagerung. Damit die Angreifer nicht so leicht den Festungsgraben erreichen konnten, ließ der Rat die Vorstädte abbrennen. Tilly wiederum drohte bei weiterem Widerstand mit Feuer und Schwert und keinen Menschen davon zu kommen lassen. Schließlich ging die Stadt einen Vergleich ein, nachdem [Egon VIII. v.; BW] Fürstenberg durch das Grimmaische Tor Einzug gehalten hatte, verlangte er vom Festungshauptmann Hans Vopelius die Übergabe der Pleißenburg. Ohne ernsthaft in Bedrängnis geraten zu sein, öffnete dieser tags darauf die Tore“.[4] Allerdings wurde Vopelius begnadigt und auf seinem Posten belassen.

Gemeinsam marschierten die kaiserlichen Armeekorps Richtung Leipzig. Holk[5] selbst marschierte geradewegs auf Leipzig, nahm die Vorstädte ein und ließ die Stadt am 21.10.1632 [a. St.] beschießen. In einem Leipziger Tagebuch heißt es: „Den 21. Oktober [a. St.] morgens hat man das Kaiserliche Fußvolk samt vieler Bagage, Munition und Stück, auch viel Reiterei von allen Straßen ankommen und sich besser in die Vorwerke und Vorstädte zu nahen gesehen. Man hat um 12 Uhr mittags angefangen, mit Schlagung des Zeigers innezuhalten. Nach solchem ist abermals ein Fürstl. Friedländischer Trompeter mit verbundenen Augen zu Fuß hereingebracht, dessen Anbringen aber nichts weiter zu erfahren, als daß man ausgeben, der Fürst von Friedland sollte und müßte die Stadt haben, es geschehe mit Lieb oder Leid, würde man gütlich akkomodieren, so sollte ein guter Accord erfolgen, wo aber nicht, solle keines Menschen, ja keines Hundes verschont, sondern alles niedergemacht werden. Wie es nun Abend worden, hat das kaiserliche Volk angefangen, Granaten und Feuerkugeln hereinzuwerfen. Im Grimmaschen Tor ist einem Schuster von einer Feuerkugel das rechte Bein bis an die Wade abgeschossen.

Den 22. um 6 Uhr sind die von der Universität, Rat und Bürgerschaft Deputierte auf zwei Kutschen nach Schönfeld[6] gefahren und allda einen Accord gehandelt und geschlossen. Ist darauf das Kaiserliche Volk um Mittag mit Trommelschlagen herein und alsobald gegen die Festung Pleissenburg ins Petriner Collegium gezogen.

Um 4 Uhr hat der Zeiger zum erstenmal wieder angefangen, zu schlagen und sind auch viele vornehme kaiserliche Officiere neben dem Generalfeldmarschall-Leutnant, Herrn Holck, ins Petriner Collegium geritten, die Gelegenheit, wo die Stücke am besten gegen die Festung zu pflanzen wären, in Augenschein genommen, mittlerweil alsbald Anordnung gemacht, daß man von allen Orten auf Gassen und in Gasthöfen durch die herein geflohenen Bauernwagen und Pferde Mist zuführen müssen, daneben vier halbe Kartaunen, an deren jeden 14 Pferde gezogen, auf den Markt hereingebracht und sind dazu drei Batterien mit dem zugeführten Mist, damit leere Bierkufen gefüllt, gebaut, nämlich beim Peterstor eine, dahin zwei Stücke gestellt, damit diese ganze Nacht bis gegen Morgen zugebracht. Es ist aber eine ziemliche Anzahl Fußvolk auf dem Markt, wie auch ein Cornet Kürassier von 180 Mann dahin gestellt worden.

Der Hauptmann [Johann Vopelius; BW] aber auf dem Schlosse, welcher die Defension-Fahne hinauf genommen, hat diesen ganzen Tag wie auch die ganze Nacht unaufhörlich mit groben Stücken Feuer herausgegeben, als daß ein Bürger in der Stadt durchs Knie mit einer Musketen geschossen und verwundet worden, bis gegen Morgen den 23. um 6 Uhr, da die Kaiserlichen angefangen, mit ihren vier Stücken auf die Festung zu spielen, so einen gewaltigen Knall und Schall gegeben, und da sie viermal die vier Stück losgebrannt, ist darauf ein Anstand und folgends ein Akkord getroffen worden, welcher auch noch selbiges Abends effectuiert worden, und sind die Bürger und alle, so aufs Schloß sich salviert, dito Abends um 4 Uhr mit Sack und Pack, Ober- und Untergewehr, fliegenden Fahnen und brennenden Lunten abgezogen, doch das Fähnlein hernach auf dem Markt von der Stange abreißen müssen. Dato hat auch die Bürgerschaft die Obergewehr aufs Rathaus bringen müssen und sind zwei Fähnlein Kaiserlich Fußvolk alsbald ins Schloß, das andere aber wie auch die Reiterei noch selben Abend aus der Stadt ganz abgeführt worden. Dato sind 6 Feuermörsel auf 4 Wagen hereingebracht und auf dem Markt wie auch die vier großen Stücke wieder dahin geführt und bewacht worden“.[7]

„Über das Verhalten Johann Georgs ist viel Unnützes geschrieben worden. Fast einstimmig verurteilt man in den schärfsten Ausdrücken sein ‚bundesbrüchiges’ Benehmen. Das ist aber sehr ungerecht, wenn man alle Umstände in Betracht zieht, die damals auf Kursachsen einstürmten: da Arnim Sachsen noch immer nicht erreicht hatte, bildete die Abteilung Gallas tatsächlich eine ständige Gefahr für Dresden[8] oder für die Torgauer[9] Pässe. Zudem waren die Zustände in Torgau selbst alles, nur nicht geordnet. Das weist ein Brief des Generalkriegskommissars [Joachim; BW] von Schleinitz aus, in dem es heißt (Bericht vom 29. Oktober 1632, 11 Uhr abends):

‚Sonsten befinde ich allenthalben eine grosse verwirrung vnd confusion, auch wegen der Menge des Volcks grossen mangel an Proviandt vnd sonderlich an bier alhier. – . Die Tragoner zu Mülbergk,[10] welche noch nicht gemustert, desgleichen Stachs Lösers Knechte alhier begehen gantz grobe Insolentien, lassen sich auch sehr leichtfertiger reden verlauten, weil sie kein geld bekommen’. Zudem machte der Fall von Leipzig einen sehr widrigen Eindruck auf die Truppen, da er in übertriebenen Gerüchten nach Torgau gemeldet ward; darnach sollte das Schloß, ‚nach deme zwey Schöße aus den stücken darwieder geschehen’ übergegangen sein ‚und hatte Er, bemelter Vopelius, sich vnter den Keys. vnterhaldten lassen’.[11]

„Zwei Tage später ließ Holk die Festung beschießen und Kommandant Vopelius zur Übergabe auffordern. Wenn nicht, würden alle in der Nähe angetroffenen Verteidiger und Bürger Preis gegeben, ihre Frauen und Kinder an die Festung geführt, vor die Geschütze gestellt und zum Graben und Schanzen angetrieben werden. Bei Verweigerung würden sie vor ihren Augen geschändet, niedergemacht und in Stücke gehauen. Auch würden die Verteidiger des Schlosses auf grausame Weise umgebracht und der Hauptmann zur Abschreckung über die Mauer hinaus aufgehängt werden. Nun erst lenkte Vopelius ein, hisste die weiße Fahne und übergab nach Vergleich die Pleißenburg noch am gleichen Tag“.[12]

Am 2. November wurde die Pleissenburg nach kurzer Gegenwehr übergeben. Die Tatsache, dass sich die kursächsische Besatzung den Feinden ergeben hatte, kostete ihren Kommandanten den Kopf.

„Das Urteil, alle seine Güter zu konfiszieren, die drei vordersten Finger seiner rechten Hand abschneiden und mit dem Schwert zu richten,[13] schwächte der Kurfürst ab und ließ ihn nur enthaupten“.[14]

Auf dem Neumarkt in Dresden wurde Vopelius unter den Augen der kurfürstlichen Familie hingerichtet.[15]

Aus Chemnitz[16] wird berichtet: „Den 6. Februarii, ist der Festungs-Hauptmann von Leipzig, Vopelius, aufm Neumarckte zu Dreßden decolliret worden, so allhier viel gegen einander lauffendes Reden machte“.[17]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).
[2] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[3] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.
[4] KUNATH, Kursachsen, S. 72f.
[5] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.
[6] Schönfeld [Kr. Dresden]; HHSD VIII, S. 326.
[7] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 314ff.
[8] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[9] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.
[10] Mühlberg [Kr. Liebenwerda]; HHSD XI, S. 338ff.
[11] RUDERT, Kämpfe, S. 87f.
[12] KUNATH, Kursachen, S. 112.
[13] Das schwedische Militärrecht z. B. war, sofern es strikt angewendet wurde, sehr streng, schon für das Schlafen während der Wacht war im Art. 43 für Gemeine das Arkebusieren (Erschießen mittels Arkebuse) vorgesehen. Arkebuse war ein Gewehr, eine Waffe für leichte Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Höhere Offiziere wurden auch in den anderen Armeen dagegen meist mit dem Schwert hingerichtet. Vgl. „Schwedisches Kriegs-Recht“; BERG, Administering justice.
[14] KUNATH, Kursachsen, S. 138.
[15] RICHTER, Jahrbüchlein, S. 33.
[16] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.
[17] RICHTER, Historische Nachricht, S. 177.
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