Scherffenberg [Scharffenberg, Schafftenberg, Scherffenberger] auf Spielberg, Johann Ernst Freiherr von

Zerstörung eines Dorfes

Scherffenberg [Scharffenberg, Schafftenberg, Scherffenberger] auf Spielberg, Johann Ernst Freiherr von; Feldmarschallleutnant [1588-10.1.1662] Scherffenberg[1] stand unter Wallenstein in kaiserlichen, zuletzt als Obrist bzw. Feldmarschall-Leutnant in kaiserlichen Diensten.

Im Dezember 1625 weilte Scherffenberg in Staßfurt[2] und verhandelte wegen Waffenlieferungen.[3]

In den Erinnerungen des Pfarrers Möser[4] aus Staßfurt heißt es über ihn: „Den 23. März [1626; BW] läßt der Oberste anheben, Ludolphs von Angern Haus gegen meinem Thorwege über einzureißen, weil er nichts zur Contribution schicken will. Denn er, wie auch sonst viel vom Adel zu Magdeburg[5] sich aufhielt, viel von Adel und Unadel haben sich in Chursachsen, nach Braunschweig[6] und sonst hin und wieder aus Furcht begeben, sind aber doch die meisten nach einander wieder kommen, weils ihnen zu lang werden wollen“.[7]

Den 11. April [1626] hat der Oberste unseren Herren des Raths, als Valtin Halken, Berendt von Werdensleben und Erhard Legaten, die drei Bürgermeister, desgl. ihre Mitherren, so noch hier gewesen, als Wilken von Schladen auf dem Rathhause in Arrest gelegt, so ein Paar Nächte in der Rathsstuben verhausen, aber der von Werdensleben allein hat wohl in die 14 Tage aushalten müssen und mit Soldaten bewacht worden Tag und Nacht. Da ist das Silbergeschirr, so der Rath und Pfännerschaft an übergüldeten Credenzen und Bechern gehabt, vollends darauf gegangen, wie denn auch hernach die Stück, derer das größte eine Kugel von 3 Pfund geführet, die andern theils fast gleich, theils geringer, auch einer 2 oder 3 nur Bockstücklein gewesen, an der Zahl zusammen 18, hinweg genommen, die theils zu Magdeburg umgegossen, und in größere Stück mutiret worden. Eins von solchen Stücken hat der Oberste in Oestreich auf sein Haus führen lassen, da er den 22. April hier ausgezogen“.[8]

„Den 15. August [1626], da wir ungefähr ein acht oder neun Tage ohne sonderliche Einquartierung gewesen, zeucht der Oberste Altringer [Aldringen; BW] herein, nimmt sein Quartier bei Berendt von Werdensleben, der ihn nicht so gequälet wie der [Johann Ernst; BW] von Scharffenberg, gleichwohl aber thun ihm hernach seine Diener auch Dampfs genug an. (Scharffenberg hat ihn auf einmal zur Aengstigung eine ganze Compagnie seiner Reiter ins Haus gelegt, die Tag und Nacht gesoffen und gefressen, welchen er Wein und Bier geben müssen, ungeachtet es des Obersten eigenes Quartier gewesen, haben ihn auch sonst mit Zerschlagen der Tische, Bänke etc. nicht geringen Schaden gethan. Den andern Tag hat er sie wieder herausgenommen). Altringer war Oberster zu Fuß, hat 16 Compagnien, jede zu 300 stark gehabt, endlich ist sein Regiment in die 5000 stark worden“.[9]

Im Oktober 1627 hielt er sich in Skanderborg[10] auf und kümmerte sich um die Versorgung mit Proviant für den Abmarsch.[11]

In der Hannover’schen[12] Chronik heißt es: „Als den 13. Oct. [1627; BW] der Graf von Schlick, Wallensteinischer Obrister in Holstein, gewisse Kundschaft bekommen, etwa 6 Meilen hinter Wieburg,[13] daß die Dänische Officirer, als des Calenbergs 12 Compagnien, des Conrad Nellen 4 Compag., des Hertzogen Frantz Carls von Sachsen-Lauenburg und des Obrist Hülken [Holk; BW] noch aus der Schlesie übergebliebene 6 Compag., des Baudissen [Baudissin; BW] auch noch aus der Schlesie übergebliebene 200 Reuter mit des Schleßwieckischen Landes Comp. auf den Dörfern gelogiret, ist er stracks auf sie zugezogen, aber als die Dänische dessen gewahr worden, haben sie dieselbe Nacht mit großer Unordnung ihren Weg nach Ahlburg[14] zu genommen. Da hat Graf Schlick seine Bagage zu Wieburg gelassen und den Dänischen nachgesetzet, die er den 17. Oct. gegen Abend im Felde 2 Meilen von Ahlburg angetroffen. Die Dänischen haben sich darauf zurück reteriret und ihren Weg durch die Stadt genommen, der Meinung, sich längst der See nach Harbro[15] zu salviren. Weil aber der Herr von Scherffenberg zween Abend zuvor abgeschicket, den Paß zu besetzen und er allda den Vortrab von 300 Pferden angetroffen, auch die meistentheils niederhauen lassen, so haben sich die beiden Obristen Conrad Nell und Calenberg mit 28 Cornetten in einem Orte eine Meile jenseit Ahlburg an der See reteriret, dar nicht mehr als nur 2 böse Wege hinein gangen sein, dar sie Graf Schlick mit 100 Musquetren beschlossen, daß kein einziger heraus kommen können. Der Baudis aber hatte sich vorhin mit einem Jungen auf ein klein Schifflein salviret. Da sie nun gesehen, daß sie nirgend mehr hinkommen konnten, haben sie einen Trompeter heraus geschicket und um Gnade gebeten. Darauf hat Graf Schlick die Befehlshabere alle gefangen nehmen und die Reutere, deren in die 3000 Pferde gewesen, absitzen lassen, ihre Pferde, sambt Sattel, Pistolen, Bandelier, Rohr etc. unter die Kayserl. Reuterey ausgetheilet, die Reutere aber hat er Troppenweise zu Fuß an unterschiedliche Oerter zum Lande hinaus geschicket. Hat also abermahls 28 Cornett und 2 Fähnlein zu Fuß bekommen, als des Obr. Calenberg 12, des Obr. Nellen 4, des Hertzogen zu Sachsen 6 und von den noch übrigen Weimarischen oder Bauditzschen und Holkischen 6. Dieses ist geschehen den 19. Oct. 1627. Conrad Nellen und Calenberg hat der Graf von Schlick gefänglich gegen Prage gesandt. Hierdurch ist gantz Holstein in Kayserl. Devotion gebracht, ausgenommen Glückstadt[16] und Krempe“.[17]

Im Dezember 1627 meldete er Melchior von Hatzfeldt feindliche Truppen in Stärke von 160 Mann auf der Insel Læsø,[18] Schanzarbeiten zu Sæby[19] und kümmerte sich um die Beschaffung von Handmühlen zur Versorgung der Soldaten.[20] Um Lieferung von Getreide und Ochsen nach Ålborg[21] ging es im Januar 1628. Im Februar berichtete er Hatzfeldt von der Einschiffung feindlicher Truppen nach Fünen.[22] Im März war ein holländisches Schiff aus England mit Truppen, Geschützen und Munition von Vensyssel[23] gestandet. Scharffenberg teilte Hatzfeldt mit, dass Generalfeldzeugmeister Torquato Conti sich über Hatzfeldt wegen Nichtbeantwortung von Briefen und Ordonanzen beschwert habe. Es gab zudem erhöhte Wachsamkeit wegen feindlicher Schiffe bei Kolding[24] sowie Überlegungen zu Verteidigungsmaßnahmen bei einem feindlichen Landungsversuch.[25] Scharffenberg erschien im Juli in Viborg. Er berichtete Hatzfeldt von der Befestigung von Sæby durch Obristleutnant Montoy. Nach seiner Rückkehr nach Skanderborg meldete er ihm die Eroberung von Stralsund.[26] Im August ging es um ein Treffen beider in Ålborg, im September um Befestigungsarbeiten in Vendsyssel sowie um Scharffenbergs Wunsch nach Entlassung.[27]

„Im Juli [1629] gab der Rat [Dortmunds;[28]BW] für die Verpflegung der vorbeiziehenden Regimenter Wangeler [Wangler; BW] und Scharffenberg 320 Taler aus“.[29]

1633 hielt er sich im südlichen Bayern auf. „Das nahe Possenhofen,[30] besonders der Schloßherr, fand ebenfalls 1633 Anlaß, dem Kurfürsten über seine Erlebnisse Mitteilung zu machen und suchte mit Beistand von Anwälten und Räten zu München durchzusetzen, daß der ihm von kaiserlichen Truppen unter Oberst Scharfenberg zugefügte Schaden vergütet werde. Wie dem Bericht des Herrn Hans Kaspar Hörwarth vom 25. September zu entnehmen ist, hatte das Kriegsvolk des Kurfürsten schlimmer gehaust als das feindliche. Es forderte Bier, ein Schaf und Futter für die Pferde. Da weder das Bier noch das Schaf vorhanden waren, brachen die Reiter das innere Tor auf, um sich zu überzeugen, daß das Begehrte wirklich nicht gegeben werden konnte. Die vom Hofmarksherrn herbeigerufene Salva guardia (Schutzwache) erwies sich gegen sie als machtlos. Um der weiteren Forderung, Kutschen und Reitpferde auszuliefern, zu entsprechen, überließ Hörwarth den Reitern die besten drei Pferde. Doch damit waren sie nicht zufrieden und holten sich noch zwei Pferde und auch den »Reitklepper« der Schloßherrin heraus. Außerdem eigneten sie sich zwölf Bauernpferde an. Hierauf drangen sie ins Schloß, durchsuchten alles, nahmen drei Wehren, zwei Pistolen, allerhand Pferdegeschirr und Kleider. Dem Hofmarksherrn zogen sie das Gewand vom Leib bis auf die »Schlafhosen« und das »Leibhemd« und er entging gerade noch seinem Tod. Auf Zusprache einiger Reiter wurden dem Herrn die Kleider wieder zurückgegeben. Die in gesegneten Umständen befindliche Frau flüchtete mit ihren vier Kindern in die obersten Räume des Hauses. Die Reiter verließen nun den Ort unter der Führung eines gewissen Christoph Müller von Possenhofen.[31] Im Holz bei Oberalting[32] und Seefeld[33] teilten sie den Raub unter sich, meist durch das Los. Beim Pfarrhof in Oberpfaffenhofen[34] fütterten sie dann die Pferde. Hierauf trennten sie sich. Zwei ritten nach »Steinla« (?), die anderen gegen Schöngeising.[35] Ein Mann namens Müller und ein gewisser Hans Karl von Pöcking[36] erkannten die zwei Reiter als Angehörige der Salva guardia. Auf die Frage, bei welchem Regiment sie gedient hätten, gaben sie zur Antwort, sie wüßten das nicht. Einer dieser zwei Reiter wollte dann erfahren, ob Müller seine Stute auch im Ort gehabt habe. Müller bejahte dies. Sie hätten diese und auch drei Pferde des Pfarrers und die im Schlosse zusammengehaltenen Pferde mitgenommen.

Einige Tage später erschienen nachts um zehn Uhr wieder 18 Reiter, nahmen ihren Weg durch Pöcking zum Schloß. Dort holten sie Johann Fries aus dem Bett, damit er ihnen die vermeintlich zurückgelassenen Pferde zeige. Doch sie fanden nichts. Dafür nahmen sie 30 Hühner, Fleisch, Speck, Schmer, Hammel, Schafe, gedörrtes und frisches Obst und Bier. Weil sie Hans Fries gedrosselt und seinen Mund verstopft hatten, daß er nicht schreien konnte, ließ sich im Ort niemand sehen.

Um die Gewalttäter der verdienten Strafe zuzuführen, gab Hörwarth eine Beschreibung der Reiter und bezeichnete ihren Truppenteil. Er verlangte die Rückgabe seiner sechs Pferde, der ihm sonst geraubten Gegenstände, sowie der zwölf Bauernpferde seiner Untertanen. Wenn dies nicht mehr möglich sei, solle ihm der Schaden durch Geld ersetzt werden.

Im Juli hatten schon Münchner Räte den Regenten in Kenntnis gesetzt, daß auch Bauern aus Dörfern des Oberlandes von streifenden Reitern Roß und Vieh und Wagen gewaltsamerweise weggenommen und sie selbst »härtäglich geschädigt«, ja gar niedergemacht, wie auch ihre Weiber, Kinder und Ehhalten öffentlich geschändet worden waren.

3000 bayerische Reiter unter Oberst Scharfenberg, die vom 7. bis 10. August 1633 ihr Hauptquartier in Starnberg[37] hatten und auf die umliegenden Ortschaften verteilt waren und überall sehr übel hausten, nahmen bei ihrem Abzug Pferde und alles Vieh mit sich fort. Sie verübten auch Grausamkeiten an den Menschen. Wehe dem, der sich widersetzte. In Perchting[38] töteten sie einen Mann, der sich sein Vieh nicht nehmen lassen wollte, und einem anderen schnitten sie Nase und Ohren ab. Man wußte nicht, ob Freund oder Feind mehr zu fürchten sei.

Über diese Reiterei berichtete der Pflegsverwalter von Starnberg, Hans Adolph Dichtl von und zu Tutzing[39] (tätig von 1624 bis 1644), am 12. September: »Ew. kurfürstliche Durchlaucht erinnern sich gnädigst, daß sie sich dieser Tage unter dem Feldmarschalleutnant Herrn Johann Ernst von Scherfenberg eine ziemliche Anzahl von Cavalleria nacher Weilheimb[40] gegen den Lech kommandiert haben, welche ihren Marsch nit allein allher genommen, sondern auch das Hauptquartier allhie zu Starnberg in die zwei Tage geschlagen, die übrigen Pferde aber zu Percha,[41] Leitstöden (Leutstetten[42]), Hannenfeldt (Hanfeld[43]) und Söcking[44] logiert … Überdies haben sich vergangen Mittwoch an die 500 Reiter und Trossen allhie in dem Dorfe per forta [forza ?] einquartiert, so die lieben Feldfrüchte also durchritten abgefrezt und verderbt, daß man sich kaum des halben Teils deren mehr zu getrösten hat … allein kann ich deroselben untertänigst unüberschrieben nit, dass heut früh in die 30 nacher Tutzing kommen, mein armes Haus (das Schloß) allda mit Gewalt geöffnet, alle darin stehenden Pferde und reverendo Vieh herausgenommen, auch Thüren, Kasten und anderes ganz zerschlagen und die Leute übel mit Streichen tractiert, unter anderem einen Jungen meiner Untertanen die Nasen und beide Ohren abgeschnitten …«[45]

Bernhard von Sachsen-Weimar antwortete am 19.9. aus Donauwörth[46] Oxenstierna auf dessen Schreiben vom 12.9.:[47] „Ich habe gestern die ehre gehabt, meines herrn handschreiben zu empfan, in welchem mein herr mich gewürdiget und wissen gemacht, was des generals von Arnheim [Arnim; BW] anbringen gewesen. Thue deswegen gegen mein herrn mich zum allerfreunddinstlichsten bedancken, und nachdem mein herr deswegen meine wenigen gedanken begehrt, soll ich demselben in gebür nicht verhalten, wie das ich fast sehr zweifle, das Wallenstein an einem ohrt der officirer so mechtig, solg ein werk zu verrichten, dan unmüglich bey einem so großen werk und armee, die solang theils in diensten gewesen, nicht zum weinigsten der tritte theill sein solte, so des kaisers und der cattolicher partey dermassen zugethan, das sie auf dergleichen fall nicht solten mitt ihrem eusersten dargegen sein. Wo nuhn ein solge truppe oder partey sich finden solte, finde ich nicht, das müglich, solg ein werk zu verrichten sein, zumaln weiln er noch darzu vermeintt, aparte mitt ihnen zu marschiren; und düngt mich, er werde sicherer gehen, wen er die armee unter die unserige also mengte, das man die verdechtigen gleich abschafen könte und sie am ohrt haben, da man allezeitt ihr meister sein könnte.

Dan Altringer sunder zweifell auf den winter gedenkt und wird sich gewis diesen winter in die Ober-Pfaltz geben, alda Amberg[48] zu fassen, welgs mann auch anfängt zu fortificiren ja so groß, das ich woll judiciren kan für ein läger; alß wan Altringer und die Holckischen sich diesen winter nehben einander lagerten, wehren sie mir egall. Scherftenberg [Scherffenberg; BW], welcher etliche regiment bei sich, könte Beuern woll defendiren. Das italienische volck [Ferias; BW] blieb in Ober-Schwaben gen den hern feldmarschalk [Horn; BW], also könten sie den winter zubringen; auch Wallenstein werde sich in Behmen woll elagiren und ein oder den andern secundiren und etwas in Schlesigen behalten unter Gallas, …[49] Opelen,[50] Glatz,[51] auch in Mehrn, alls zu Olmitz[52] und andere platzen besetzed behalten und diesen winter practiciren, ob aus aus Nederland oder kunftig wieder aus Italia ihn könte wieder volck zukomen. Diesen alln aber nach wird der gefangene Doktor Wolff,[53] wen man ihm etwas wird scharf zusetzen, können in anzeig geben, ob auf solgen fall er nicht hette sollen ein aufstand unter den stenden oder wieder … machen; worzu nicht wenig helfen würde, wenn wir disen winter unser volk auf … also erhalten solten. Diese anzeig nach oder mutmassen hilte ich gewis dafür, das Wallenstein sucht aufs neue zeitt zu gewinnen. Ohne ist zwar nicht, das recht gegen sein capitulation der duca de Feria herauskompt, weill er aber weitt von ihme ist, hatt so vill nicht zu beteuten und finden sich noch exceptiones. Halte gewis, wie mein herr selber hochvernünftig vermutt, wen wir von unserm dessin nichts abendonnirn, auch für dergleichen vorhaben hüten, kan so groß nicht schaden; allein wehre nicht undienlich, wen man anitzo mitt den Sachsen auch den in Schlesien correspondirn könnte, im fall sich gegen ihnen dergleichen vorhaben in tempo presentiren wolte, das folges im gesampt und zugleich von allen ohrten pussiret würde; und währ mein unmasgeblich bedenken, wan man den chursachsischen durch einen expressen die sache lis presentirn, weiln zu befürchten, sie gar zu sehr hofnung auf Wallenstein sein betriegen machen, und zeitt und mittel verlohren werden“.[54]

„Den kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Aldringen, welche auf Befehl Wallensteins das seit Ende Juni von den Schweden blockierte Breisach[55] und das von Herzog Eberhard III. von Württemberg belagerte Villingen[56] entsetzen sollten, war es inzwischen gelungen, über den Lech zu setzen und nach Schwaben vorzudringen. Feldmarschall-Leutnant Johann Ernst von Scherffenberg mit 20 Kompanien Reitern und der kaiserliche Generalkommissär Wolf Rudolf von Ossa mit 3 Regimentern zu Fuß waren in Richtung Oberschwaben vorgerückt und hatten Kaufbeuren[57] eingenommen. Von Italien her war der Herzog von Feria im Anzug, um sich mit Aldringen zu vereinigen. Angesichts dieser Bedrohung brach Gustav Horn, nachdem er den Obersten Christoph Martin von Degenfeld in Richtung Villingen vorausgeschickt hatte, am 28. August mit seiner Armee von Donauwörth auf [und; BW] beschloß Konstanz[58] einzunehmen. Erfolglos verwickelte er sich in die Belagerung der Stadt, welche ihm 300 Tote und 600 Verwundete kostete. Am 3. Oktober brach er die Belagerung erfolglos ab und zog sich wieder an die Donau zurück. (Chemnitz II, S. 195ff.)„.[59]

Scherffenberg, von Aldringen gegenüber Maximilian I. als gefährlicher Anhänger Wallensteins denunziert,[60] gehörte zu den Unterzeichnern des 1. und 2. Pilsener Schlusses.[61] Am 17.2.1634 war er, der auf Befehl Wallensteins das Kommando über die in Niederösterreich stationierten Kavallerieregimenter übernommen hatte, in Wien festgenommen worden.[62] Wie Stückhlin, der kurbayerische Agent in Wien, Maximilian am 22.2.1634 berichtete, sollte Scherffenberg angeblich in Wallensteins Auftrag in Wien eindringen und einen Anschlag auf den Kaiser unternehmen.[63] Scherffenberg wurde „in schwere Ketten gelegt, ständig von fünfzig Knechten bewacht, damit er nimmermehr entfliehen oder gar sich eines Leides antun könnte; man würde Mittel finden, ihn zum Sprachen zu bringen. Er war ein Teil der abscheulichen Verschwörung; er hatte von Wallenstein Auftrag, Wien an allen vier Ecken anzuzünden, Brände, die in drei Nächten hintereinander stattfanden, ganz nahe an einem Munitionslager, waren der Anfang, inmitten des großen Feuers hätte die ganze kaiserliche Familie ermordet werden sollen, heimliche Protestanten waren mit im Bunde, schrille Panik ergriff die Bewohner der Hauptstadt, Wasser wurde gesammelt von jedermann, solang die Brunnen noch flossen, schwerbewaffnete Soldaten ersetzten die Nachtwächter. Umsonst beteuerte Scherffenberg, überhaupt nichts mehr zu verstehen; und mochte noch froh sein, daß er bewacht wurde … „.[64]

1635 wurde er begnadigt. Er verstarb 1662.

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher.

[2] Staßfurt [Kr. Calbe/Staßfurt]; HHSD XI, S. 443ff.

[3] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 4.

[4] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 170f.

[5] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[6] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[7] WINTER, Möser, S. 14.

[8] WINTER, Möser, S. 15.

[9] WINTER, Möser, S. 16.

[10] Skanderborg [Århus A, Jütland]; HHSDän, S. 183f.

[11] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 4.

[12] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[13] Viborg (Jütland); HHSDän, S. 225ff.

[14] Ålborg [Nordjyllands A, Jütland]; HHSDän, S. 1ff.

[15] Harboør [Ringkøbing A, Nordwestjütland]; HHSDän, S. 68f.

[16] Glückstadt [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 66ff.

[17] JÜRGENS, Chronik, S. 457f.; Krempe [Kr. Steinburg]; HHSD I, S. 140f.

[18] Læsø [auch Laesoe oder Vor Frue Land], eine dänische Insel im nördlichen Kattegat.

[19] Sæby [Nordjyllands A, Jütland]; HHSDän, 175f.

[20] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 4.

[21] Ålborg [Nordjyllands A, Jütland]; HHSDän, S. 1ff.

[22] Fünen (dänisch: Fyn), nach Seeland und Vendsyssel-Thy Dänemarks drittgrößte Insel (abgesehen von Grönland) zwischen dem Kleinen und Großen Belt.

[23] Vendsyssel; HHSDän, S. 92.

[24] Kolding [Vejle A, Jütland]; HHSDän, S. 99ff.

[25] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 4.

[26] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 4; Stralsund [Kr. Stralsund]; HHSD XII, S. 292ff.

[27] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 4.

[28] Dortmund; HHSD III, S. 166ff.

[29] STEFFEN, Dortmund, S. 42.

[30] Possenhofen [Gem. Pöcking; LK Starnberg]; HHSD VII, S. 592.

[31] Possenhofen [Gem. Pöcking; LK Starnberg]; HHSD VII, S. 592.

[32] Oberalting [LK Starnberg].

[33] Seefeld [LK Starnberg]; HHSD VII, S. 692.

[34] Oberpfaffenhofen, heute Ortsteil von Weßling [LK Starnberg].

[35] Schöngeising [LK Fürstenfeldbruck].

[36] Pöcking [LK Starnberg].

[37] Starnberg [LK Starnberg]; HHSD VII, S. 713f.

[38] Perchting, heute Ortsteil von Starnberg [LK Starnberg].

[39] Tutzing [LK Starnberg].

[40] Weilheim [LK Weilheim-Schongau]; HHSD VII, S. 797.

[41] Percha, heute Ortsteil von Starnberg [LK Starnberg].

[42] Leutstetten, heute Ortsteil von Starnberg [LK Starnberg].

[43] Hanfeld, heute Ortsteil von Starnberg [LK Starnberg].

[44] Söcking, heute Ortsteil von Starnberg [LK Starnberg].

[45] BUCHNER; BUCHNER, Bayern, S. 23ff.

[46] Donauwörth [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 147ff.

[47] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 329ff.

[48] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.

[49] Unleserlich im usprünglichen Text.

[50] Oppeln [Opole], HHSSchl, S. 378ff.

[51] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[52] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[53] Dr. Johann Jakob Wolff, Abgeordneter der Reichsstadt Regensburg in Wien.

[54] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 331ff.

[55] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.

[56] Villingen im Schwarzwald [Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kr.]; HHSD VI, S. 834ff.

[57] Kaufbeuren; HHSD VII, S. 348f.

[58] Konstanz [LK Konstanz]; HHSD VI, S. 419ff.

[59] ENGERISSER, Von Konstanz, S. 194 (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[60] ARETIN, Wallenstein, Urkunde 38, S. 114ff.

[61] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 372ff., 397ff.

[62] Vgl. auch KAMPMANN, Reichsrebellion.

[63] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten schwarz 158, fol. 117-117 a.

[64] MANN, Wallenstein, S. 908.

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