Sauniers, Nicola de

Sauniers, Nicola de; Obristleutnant [ – ] Sauniers stammte aus Lothringen und stand 1644 als Obristleutnant in kaiserlichen Diensten. Er sollte zwischen dem Kroaten-Obristen Lubedich und dem Rat von Marktredwitz[1] vermitteln.

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[2] aus dem von Eger[3] abhängigen Marktredwitz erinnert sich an den Mai 1644: „Unterdessen kamen unsere Abgeordnete[n] von Eger zurück und brachten einen Oberst(en)leut[nant] Nicola de Sauniers mit, welcher von [den] beiden Generalwachtmeistern Webel(n) und (den) von Trauntitsch [Traudisch; BW] zum Oberst(en) geschickt [wurde], ihm zuzusprechen, daß er morgenden Tages mit Fried und guter Order von uns ab- und gegen Eger marschieren sollte. Seine Praetension, so er an uns suchte, soll er solange stehen lassen, bis der kaiserl. General Gallas zu Eger ankäme. Wenn ihm dann solches von der Generalität zugesprochen würde, sollte er von uns bezahlt werden. – Aber der Obriste wollte hievon nichts hören, sondern gab – Order hin, Order her – vor, nit eher aufzubrechen und von uns abzumarschieren, bis er vorher von uns völlig kontentiert sei. Unterdessen aber wolle er sich mit dem völligen Regiment hereinlegen. – Daher gab der an ihn abgeschickte Oberstleut(e)nant uns selbst den Vorschlag, wir sollten mit ihm akkordieren und uns mit ihm in Güte(n) vergleichen; wir würden ja das ganze Regiment sehen und vor Augen haben, und wenn er in Zorn aufbrechen sollte, dürfte er uns eine böse Letzt(e) lassen; er wolle seines Teils das beste dabei tun, damit wir im Guten voneinandergesetzt würden. Darauf haben wir uns am andern Tag, am 16., mit Zutun des obgemeldeten Oberst unterfangen, mit dem Obristen zu traktieren und haben ihm [angeboten], daß wir ihm für jede und alle Praetension – so er wegen des Regiments an uns zu haben vermeinte – in Eger durch die Juden an Stelle von barem Geld silberne Becher, Löffel, Ketten und andere Kleinodien [im Wert von] 250 Talern geben würden, wenn er noch am heutigen Tag mit Fried[en] und guter Order abmarschieren würde. Der Oberst war hierüber so zornig und ergrimmt, daß er uns Schelme, Diebe und rebellische Hund[e] hieß und uns zu schlagen drohte. Er blieb bei seiner Meinung und begehrte nit weniger(s) als 700 Taler. Den Offiziere(r)n gaben wir gute Wort[e], sie sollten den Oberst auf einen besseren Weg bringen. – Mittags kamen wir wieder zusammen. Da haben wir es mit sehr großer Bemühung dahingebracht, daß wir auf 400 Reichstaler, 2 Faß Bier, etliche Säck[e] Mehl, etliche Kar[4] Hafer, item Fleisch, Butter, Salz und andere Küchenspeis[e] gekommen sind. Darüber hat er versprochen, den Markt noch [am] selben Tag zu quittieren; was dann auch geschehen [ist].

So also hat diese Quartierung, welche wir volle 18 Wochen weniger einen Tag hintereinander erlitten und ausgestanden [haben], geendet und wodurch wir dann leider in einen solchen erbärmlichen Zustand, in unüberwindliche Schäden und Armut geraten [sind], daß darüber die ganze Posterität, ja [selbst die] Kindeskinder noch schreiben und zu bezahlen haben werden.

Dies(es) alles zu beschreiben ist mir zu schwer und nit möglich [zu sagen], was wir Regenten diesmal an Gefahr, Jammer, Angst und Not ausgestanden und wie wir Tag und Nacht gequält worden sind, bald dieses und jenes zu [be]schaffen und anzuordnen. Ganz abgesehen vom Geld mußte täglich [auch] eine große Summe Heu und Hafer vorhanden sein. War einen Tag Mangel, dann war die Obrigkeit in Gefahr. Alles mußte von anderen Orten erkauft und hergeschafft werden, obwohl vielmals weder Geld noch Fuhren zu bekommen waren. Alles Heu mußte zu Kirche[n]lamitz,[5] Niederlamitz,[6] Weißenstadt[7] und um Münchberg[8] genommen werden. Der Hafer war um Kemnath[9] und anderen Orten zu bekommen. Für diese Quartierung sind [allein] an Hafer 900 Kar aufgegangen; denn obwohl aufgegangen; denn obwohl anfangs etliche Pferde mit dem Oberst hinweggegangen [waren], sind sie doch nit lang ausgeblieben, sondern bald wieder zurückgekommen. Da hat man ihnen dann die Verpflegung für Roß und Mann [während] ihrer Abwesenheit ersetzen müssen.

Das Regiment Kroaten ist [an] diesem Abend noch abmarschiert und bis nach Ober-[10] und Unterkunreuth[11] gelangt. Obwohl die meisten von diesen Völkern und auch der Obriste mit ziemlichen Unwillen von uns gegangen sind und wir uns bei dem Aufbruch sehr besorgten, so ist doch alles – Gott Lob und Dank – in guten Frieden abgegangen; denn sie (ver)merkten, daß sich nit allein der H[err] Generalwachtmeister Webel, der Kommandant in Eger, sondern auch der Generalwachtmeister Trauntitsch [um] uns annahmen. Weil wir dann auch [noch] den von beiden Generalwachtmeistern herausgeschickten Oberstleutnant zur Salva Guardi[a] bei uns behielten, [haben] sie sich nit an uns reiben wollen.

Obwohl sich unsere Rechnung, Monat für Monat genau aufgesetzt, gewiß und wahrhaftig auf 15000 fl. belaufen hat, so haben wir [doch] aus Furcht und wegen starker Bedrohung [durch] diese Völker nit mehr setzen und aufrechnen dürfen als 9579 fl. [und] 14 Kr[euzer]. Obwohl wir nun diese Leute quitt und [von ihnen] befreit waren, wodurch wir hofften, wiederum ein fröhliches Gemüt erlangen zu können, so war statt dessen (nichts anders als) eine große Bestürzung und tiefe Traurigkeit zu [ver]spüren gewesen; denn es waren nit allein die Haushaltungen geleert, auch die große Schuld, in der wir staken, betrübte herzlich. Wir mußten uns [eben] mit dem alten Sprichwort: „Besser neunmal verdorben als einmal gestorben !“ trösten und mit Gott auf etwas Besseres hoffen.

Diesem Obristleutnant Nicola de Sauniers, einem Lothringer, mußten wir vor seinem Ritt von Eger heraus 12 Taler geben. [Dafür], daß er bei uns zur Salva Guardi[a] geblieben [ist], mußten wir ihm über seine Kost [hinaus auch noch] täglich 4 Taler geben. So hat uns also dieser Mann, weil er 17 Tag[e] bei verblieben [ist], über 150 fl. gekostet“.[12]

[1] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[2] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[3] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[4] 1 Kar = 3, 33 Hektoliter.

[5] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[6] Niederlamitz, heute Ortsteil von Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[7] Weißenstadt [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 803f.

[8] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[9] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.

[10] Oberkunreuth: Horni Hraničná (Oberkunreuth), heute Ortsteil von Pomezí nad Ohří (deutsch Mühlbach), Bez. Cheb.

[11] Unterkunreuth: Dolní Hraničná, deutsch Unterkunreuth, heute Ortsteil von Pomezí nad Ohří (deutsch Mühlbach), Bez. Cheb.

[12] BRAUN, Marktredwitz, S. 213ff.

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