Kobolt von Tambach, Michael Wilhelm

Kobolt von Tambach, Michael Wilhelm; Offizier [ – ] Kobolt von Tambach war Drost und Kommandant der Festung Fürstenau.[1]

Kaiserliche Truppen hatten die Festung 1628 dänischen Truppen abgenommen, bevor sie 1633 in schwedische Hände fiel, die diese 1636 wieder aufgeben mussten. Von 1636 bis 1647 war Kobolt von Tambach dort Kommandant. Er war geborener Bayer und als Kammerjunker in die Dienste Franz Wilhelm von Wartenbergs getreten.

Im Oktober 1638 wandte sich James Lumbsden, der schwedische Kommandant von Osnabrück,[2] an Kobolt von Tambach und schlug den Austausch der in der Schlacht bei Vlotho[3] am 17.10. gefangenen und über Warendorf[4] und Wiedenbrück[5] nach Fürstenau gebrachten Schweden – darunter war auch sein Bruder Obrist Robert Lumbsden) mit den in den Osnabrücker Stockhäusern untergebrachten kaiserlichen Gefangenen vor,[6] was z. T. im Januar 1639 erfolgte.

Im Dezember 1638 schrieb Kobolt von Tambach an Melchior von Hatzfeldt und bat um die Bestellung eines neuen Komman-danten für Vörden[7] als Ersatz für den Hauptmann Thomas Derenthal,[8] der wohl vorwiegend schottische und englische Söldner im kaiserlichen Heer kommandierte.[9] Im Januar 1639 sollte anscheinend das Kommando zwischen Hagedorn und Derenthal aufgeteilt werden.[10] Kobolt von Tambach referierte in diesem Monat Hatzfeldt Hagedorns Verhalten in Vörden.[11] Derenthal schrieb im Februar 1639 aus Vörden an Kobolt von Tambach und berichtete ihm über schwedische Truppenbewegungen im Stift Hildesheim.[12]

„Aufschlußreich ist auch das Gesuch des osnabrückischen Drosten und Kommandanten von Fürstenau, Michael Wilhelm Koboldt von Tambach, an die Heimgelassenen Räte in Münster[13] vom 24. Januar 1642. Darin bittet er um Befreiung von der Zahlung des Lizenten, da er für die Instandsetzung seines Wohnsitzes Schwakenburg[14] im Amt Meppen[15] 50.000 Backsteine aus Ost-friesland und 700 Fuß Haustein aus der Grafschaft Bentheim sowie außerdem aus Emden[16] für seinen privaten Haushalt Fastenspeise, nämlich Wein, Heringe und Stockfisch, einführen wolle“.[17]

1647 ging Fürstenau nochmals an die Schweden über. Der für die Verteidigung zuständige Drost Kobolt von Tambach musste sich dafür bei Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg rechtfertigen. „Waß nun nach eroberung der Vechta[18] vorgelauffen, bringet nachfolgendes diarium klärlich mit sich:

Anno etc. 1647 den 28/18. Maii ist die vestung und stadt Fürstenaw von der Schwedischen reuterey unter commando des herrn obristen Geurß den abent bezingelt und alßbaldt die schiltwachten nahend und ringßherumb der stadt und schloß außgesetzet, und der ohrt zumahlen beschloßen worden. Bey deren ankonfft ich die alda auff execution hintergepliebene sechs reuter zu recognosciren außgeschicket und eine secunde zu fueß[19] in die kempe[20] nachgesandt, auff welcher befragung: waß volck ? der jegentheill ohne beantworttung fewer gegeben und gesagt: wir wollen euch neutral machen, alßo die recognoscenten hinwiederumb zur nohtwehr verursachet, worauff ich unsere 6 reuter und soldaten alßbaldt wieder eingerueffen. (…)

Am selbigen mittag, den 29. dito, ist die cavallerie und folgenten abent, wie auch am freytag, die fueßvolcker und artigleria in der baurschafft Hollenstedte und derents angelanget, worbei eß verblieben, und haben die officier und ingenieur alle tage den ortt, sowohll des schloßes alß auch der stadt, hin und wieder besichtiget. (…)

Den 1. Junii ist ein obristlieutenant nahmens Engel (…) an die stadt kommen, seine proposition gethaen, auch von mir antwortt erhalten. Deme allen ungeachtet hatt der jegentheill in folgender nacht vor an der Hochen Portten der stadt und hinter dem schloß arbeitten und approchiren, eine batteria und lauffgraben machen, auch faschinen und schantzkörbe legen laßen; zwischen 2 und 3 uhren nachts ist lermen im läger gewesen, und hatt man bey anbrechung des tages nicht alleine fur augen gehabt, sondern auch gesehen, das sie unverdeckt immer fortt arbeitten wollten“. (…)

Der Drost verhandelte mit den Belagerern und betonte die eigene neutrale Stellung, die Belagerer wollten auch bis zum Eintreffen ihres Generals von Königsmarck alle Belagerungsarbeiten einstellen.

„Eodem die in der nacht, alß der feindtt ferners zu approchiren willens ware, habe dem reformirten lieutenant Michael Zimmermann – welcher seine posta an der Hohen Portten hatte – befohlen, er solle von der brustwehr dem feindt zurueffen, worumb er wieder die cavalliers parola weiter approchiren thete. Sie sollten auffhören oder wir wolten fewr darauff geben. Alß aber der feindt kein wortt geantworttet, sondern mit der arbeitt fortgefahren, haben wir im nahmen Gottes den anfang gemachet und fewr hinausgeben. Worauff der feindt seine batterien gantz verferttigt und mit stücken zu unß hereingeschoßen, welches alßo fort continuirt. (…)

Nach erneuten Verhandlungen ist baldt darauff den gantzen abent ohne unterlaß mit stucken, bummen,[21] granaten und steinen auff das schloß gespielet, welches die gantze nacht uber, wie auch dingstags, den 4. dito, continuiret; unter dieß ist ihrer hochfürstlichen gnaden vorwerck in brandt gestecket und auffgangen. Den 5. dito am mitwochen, alß der feindt 4 batterien fertig gehabt, ist den morgen nicht alleine das schloß, sondern auch von den Heßischen die Hoche Porten und die Kemnaschantz mit stucken, pummen, granaten und steinen den gantzen tag unauffhörlich beschoßen worden. Folgenden donnerstag, den 6. Junii hat der feindt mit steinen, granaten, bummen und stetigen canoniren, auch starcken approchiren, sowohl jegen den schloß alß der Hochen Porten und Kemnaschantz fortgefahren, worüber das rondell wie auch die Maulltrummel gegen der mühll und die Kemnaschantz dergestaldt derschoßen worden, das man in aller eyll sich an berurten ohrtten wieder verbawen mußen, und ist unter wehrender action einer meiner gefreyten nahmens Michael Hübner auß Schlesien thodt geschoßen worden.

Nach einer weiteren Verhandlung hat der General Königsmarck auß allen 4 batterien dergestaldt mit halben carthaunen auff die Kemna, Hoche Portten und das rondell jegen ihre hochfurstlichen gnaden krautgarten zue allezeit creutzweiß gespielet, entzwischen auch bummen, granaten und steine hauffenweiß eingeschoßen, alßo das die brustwehren auffs new wieder ruinirt und wir unß nach mögligkeit beßer verbawen mußen. Und weiln bey solchem stetigem schießen der feindt immer fort näher approchiret und den mühlentheich wie auch den außern graben umb das schloß gantz ledig von waßer gemachet, hatt er endtlich den rechten schloßgraben auch so tieff abgegraben, das das waßer von tag zu tag wie auch das waßer im schloßbrunnen sich mechtig verloren.

Sambstag, den 8. Junii hatt der feindt mit stucken durch die stadt herdurch ohnauffhörlich gespült und ist selbigem nachmittag einem burger – welcher seines handtwercks ein sattler ware – auff der Mitternstraeß in der stadt der kopff gantz hinwegk geschoßen und deßen hirrn an einem bürgers hauß hangen blieben. Ermelte nacht vom sambstag auff den heiligen Pfingstag ist abermahlen unauffhörlich auß allen batterien geschoßen, unterzwischen auch mit bummen, granaten und steinwerffen stercker alß nie von hie continuiret. Alß nun der tag angebrochen, haben wir gesehen, daß der feindt die brugken zum sturmb negst am graben, alwohe man gantz keine flancken hatte, an der Hochen Portten angebracht und abermahlen dergestaldt fewr und stein hineingeworffen, auch so starck mit den halben carthaunen auff die Hoche Portten und Kemna gespielt, das dadurch die brustwehren sehr ruiniret und sich kein soldat daselbst mehr behelffen können. Wie dan in meiner anwesenheit an der Hochen Portten in aller eyll 5 soldaten von den steinen gequetzet und einem nahmens Jobst Morgan, der halbe kopf wegkgeschoßen worden“.

Der Drost beschloß nach Beratung mit den Offizieren, sich aus den unhaltbaren Stellungen zurückzuziehen. „Alß nun solches geschehen und ich inmittelst unsere gemachte lauffbrugggken unter der schloßbrugken in der eyll die Waffen) auff daß schloß bringen laßen, hatt der feindt seinen vortheill ersehen, und weilln man die zugbrugken an dem stadtthurm so baldt nicht verbollwercken konnen, ist dieselbige, alß die burgere mit dem feindt für brandt, beraub- und plünderung accordiren wöllen, heruntergerißen. Ist alßo der feindt dadurch in die stadt kommen, worüber alle soldaten sich auff das schloß retiriret.

Während die Offiziere bereit waren, sich biß auff den letzten man zu wehren, wurde dem Drosten berichtet, das die gefreyten und gemeine  soldaten schwürig waren und sich solten verlauten laßen, sie hetten gnueg gefochten, kunten und wolten nicht mehr fechten. Der Drost selbst ging zu den Soldaten und beschwor sie, weiter zu kämpfen: Ihr brueder, ihr habt euch jegen dem feindt so redlich gewehret, ich hoffe, ihr sollet solches fottan thun, eß ist  ja beßer ehrlich gestorben, alß daß man den ohrtt mit unehren solte auffgeben“ (…). Da sich die Soldaten dennoch weigerten, auf ihre Posten zu gehen, war man zu Kapitulationsverhandlungen bereit. Währenddessen kam es zu Plünderungen durch die eigenen Soldaten: „Weiln solches vorgienge, kamen unsere soldaten, schlugen meine schaeffe und huener nieder, kamen in das backhauß, plünderten und nahmen all mein vorräthig fleisch, schincken und speck hinwegk, fiellen hernach in euer hochfürstlicher gnaden keller, warein ihre sachen hineingeflehnet, schluegen alles auff; welche ich endtlich mit bloßem degen wieder heraußgetrieben, alßo das mit solchen leuthen nichts mehr zu richten ware, dahero man eß, wie ungern man auch gewolt, bey dem zugesandten accord hatt müßen bleiben lassen“.[22]

[1] Fürstenau; HHSD II, S. 156f. Vgl. LENSKI, Lothar, Vertheidigung; DINCKLAGE, Vertheidigung.

[2] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[3] Vlotho [LK Herford]; HHSD III, S. 738f.

[4] Warendorf [LK Warendorf]; HHSD III, S. 754ff.

[5] Wiedenbrück [LK Wiedenbrück]; HHSD III, S. 782f.

[6] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218.

[7] Vörden [Kr. Bersenbrück]; HHSD II, S. 468f.

[8] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 222.

[9] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 221.

[10] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220.

[11] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 222.

[12] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 142.

[13] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[14] Schwakenburg, heute Ortsteil von Datteln [LK Münster].

[15] Meppen; HHSD II, S. 327f.

[16] Emden; HHSD II, S. 134ff.

[17] STEINWASCHER, Krieg, S. 104.

[18] Vechta [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[19] Abteilung Fußsoldaten.

[20] Äcker.

[21] Bomben.

[22] STEINWASCHER, Krieg, S. 59ff.

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