Kapfer von Uxenberg, Christof

Kapfer von Uxenberg, Christof; Obrist [ – 13.1.1633] Kapfer von Uxenberg fiel am 13.1.1633 als Obrist in schwedischen Diensten bei der Verteidigung Memmingens[1] gegen kaiserliche Truppen.

„Gustav Horn vereinigte sich nun 14. Januar 1633 in Gögglingen[2] bei Ulm[3] mit den Resttruppen Banérs, welche nur noch 3000 Mann zu Fuß und einige Regimenter zu Pferd umfaßten. (Huschke, S. 89ff.; s. auch Chemnitz II, S. 35f. u. 39f.).

Gemeinsam ging man gegen das Heer des nun den Oberbefehl über die bayerisch-ligistischen Truppen führenden Feldmarschalls Johann von Aldringen vor, der in Schwaben einen Winterfeldzug führte. Bereits am 7. Januar 1633 hatte Aldringen Memmingen eingenommen. Die schwedische Besatzung von 200 Mann bekam freien Abzug.

Nach Kempten[4] schickte Aldringen den kaiserlichen Obristen Franz Peter König, genannt von Mohr. König war mit einigen Regimentern, darunter eine große Anzahl bewaffneter Bauern, und schwerem Geschütz über Isny[5] herangerückt und begann, nachdem er sich beim Kloster verschanzt hatte, am 6. Januar mit der Beschießung der Stadt, welche bis zum 9. Januar ohne Unterbrechung fortgesetzt wurde. Nachdem ein Turm beim Klostertor niedergelegt wurde und den Verteidigern dadurch die Deckung genommen war, konnte man sich nur noch unter Lebensgefahr auf die Straßen wagen. Zudem stellte sich großer Wassermangel ein, weil die Belagerer die Teicheln (hölzerne Brunnenzuleitungen) zerhauen und die Wasserstuben verstopft hatten. Am 10. Januar wurde die Stadt zur Übergabe aufgefordert, welche jedoch von dem schwedischen Kommandanten Christof Kapfer von Uxenberg abgeschlagen wurde. In Übereinstimmung mit der Bürgerschaft hatte man beschlossen, sich bis zum Äußersten zu verteidigen. Der Kommandant ließ deshalb in den drei folgenden Tagen Ausfälle machen und alle auf 500 Schritt vor der Stadt gelegenen Gebäude niederbrennen.

Mittlerweile hatte Aldringen, der nach wie vor vor Memmingen stand und durch die nur langsamen Fortschritte Königs ungeduldig geworden war, den bayerischen Generalwachtmeister Joachim Christian von der Wahl nach Kempten geschickt. Als am 12. Januar frische Truppen und zusätzliche Artillerie eingetroffen waren, begann Wahl auf der Anhöhe am Klostertor eine Batterie mit 12 halben Kartaunen zu errichten, welche am Morgen des 13. Januar das Feuer eröffneten. Die Belagerten, bestehend aus einer schwedischen und württembergischen Garnison und den Bürgern, erwiderten das Feuer standhaft, obwohl an diesem Tag mehr als 500 Kartaunenschüsse auf die Mauern gerichtet wurden, auch zahlreiche Brand- und Sprengkugeln in die Stadt geworfen und der Malzmüller- und Diebsturm völlig niedergelegt wurden. Schließlich hatten die Belagerer am Klostertor und am Glockenhof mehrere große Breschen in die Stadtmauern geschossen, so daß man gegen halb drei Uhr nachmittags zum Sturm ansetzte. Zwei Stürme wurden mit dem Mut der Verzweiflung abgeschlagen. Frauen, Kinder und alte Leute schleppten Kübel mit siedendem Öl, heißem Wasser und kochendem Kalk herbei, um sie über die Angreifer zu gießen, deren Verbitterung mit wachsenden Verlusten stieg.

Gegen 5 Uhr setzten die Kaiserlichen schließlich von drei Seiten gleichzeitig in 13 Sturmkolonnen, auf dem linken Ufer der Iller an zwei Stellen und auf dem rechten Ufer gegen die Vorstadt, zum dritten Sturm an, erstiegen die Mauern und drangen in die Stadt ein, allen voran die bewaffneten Bauern. Alles[,] was den Stürmenden in den Weg kam[,] wurde niedergemacht, Frauen, Alte und Kinder auf grausamste Art und Weise mißhandelt. Der schwedische Kommandant Kapfer, der Stadthauptmann Kaspar Löffler, drei Ratsherren und mit ihnen viele Bürger, die versuchten den Sturm aufzuhalten, fielen. Bewohner, welche sich in die Häuser retten wollten, wurden mit Hämmern und Äxten erschlagen, darunter der Bürgermeister Zacharias Jenisch und der Stadtamtmann M. Geiger; der siebzigjährige Prediger Elias Schacher wurde aufgehängt, zahlreiche Frauen vergewaltigt. Nur wenigen Einwohnern gelang es, sich in die Burghalde zu retten, viele sprangen in ihrer Verzweiflung über die Stadtmauern, Mütter mit Kindern auf den Armen stürzten sich in die Iller. 70 Häuser wurden in Brand gesteckt. Über 300 Einwohner fanden in den ersten drei Tagen nach der Erstürmung den Tod. Bei der Verteidigung der Stadt fielen der Kommandant, 50 Bürger und 47 schwedische und württembergische Offiziere und Soldaten. In den folgenden Tagen wurden noch 150 Leichname schwedischer und kaiserlicher Soldaten und etlicher Bürger aus den rauchenden Trümmern gezogen. Die Gesamtverluste an Toten und Verwundeten auf beiden Seiten während des achttätigen Kampfes dürften noch weit höher gelegen haben.

Diejenigen, die sich in die Burghalde gerettet hatten[,] schenkte Wahl das Leben, jedoch mußten sie sich mit hohen Geldsummen loskaufen. Die Stadt selbst mußte 30.000 Gulden an die Offiziere, 6000 Gulden an rückständigen Kontributionen und 40.000 Gulden dem Feldzeugmeister [Ottheinrich; BW] Fugger zahlen. Zur Durchsetzung dieser Forderungen, von denen 30.000 fl. in bar, der Rest in Schuldverschreibungen erlegt werden sollten, wurden etliche vornehme Bürger, darunter der Bürgermeister Ulrich Horn, als Gefangene nach Reutte[6] geführt, wo sie mit dem gesamten Memminger Ratspersonal und dem dort verhafteten Marschall Wolf Christoph von Pappenheim, Herrn von Rotenstein, zusammentrafen. Anschließend wurden sie weiter nach Schloß Petersburg[7] im Oberinntal geführt, von wo sie erst am 4. Februar wieder freikamen. (Haggenmüller/Kempten Bd. II, S. 165f.; Rottenkolber, S. 54f.; Chemnitz II, S. 40)“.[8]

[1] Memmingen; HHSD VII, S. 439ff.

[2] Gögglingen, heute Stadtteil von Ulm [HHSD VI, S. 817f.].

[3] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[4] Kempten (Allgäu); HHSD VII, S. 352ff.

[5] Isny im Allgäu [LK Ravensburg]; HHSD VI, S. 377ff.

[6] Reutte [BH Reutte], HHSÖ II, S. 523f.

[7] Schloß Petersburg = St. Petersberg, Burg [Gem. Silz, BH Imst).

[8] ENGERISSER, Von Kronach, S. 134ff.; die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung.

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