Zehmen [Zehm, Zehn, Zehne, Zehmisch, Zemsch], Hans Bastian von

Zehmen [Zehm, Zehn, Zehne, Zehmisch, Zemsch], Hans Bastian von; Obrist [ – 1638] Zehmen stand 1631 noch als Hauptmann im Dienst des Fränkischen Kreises.

Am 10.5.1631 wurde in Namen der evangelischen Stände des Fränkischen Kreises ein Regiment Fußvolk zusammengestellt. Die Angeworbenen wurden in Kulmbach[1] gemustert und in Kompanien eingeteilt. Die Führung des Regiments übernahm Obrist Muffel. Für den Unterhalt der Truppe kamen die evangelischen Stände des Fränkischen Kreises auf. In der Musterrolle finden sich folgende Namen: Der Kompanie des Hauptmanns Hans Bastian von Zehmen waren zugeteilt: Heinrich Jahn; Hans Jahn und Niclas Sörgel alle von Hof. Eucharius Lang von Buch; Balthasar Schaller von Regnitzhof; Matthes Schurches von Berg; Georg Nef von Heinersgrün; Georg Silbermann von Raumetengrün; Nickel Baumgärtel von Rehau. Zacharias von Quetz[2] erwähnt im Dezember 1633 „Zemsch“ als Obristleutnant in seinen Erinnerungen: „Kurtze Erzählung und Extract“.[3]

Am 19.8.1635 wurde von Zehmen zum Obristen des Regiments Christoph von Vitzthum bestellt.[4] Die Musterung erfolgte vor Leipzig[5] am 18.7.1635. Fünf Fendl des Obristleutnants Hans Fabian von Ponickau kamen noch dazu.[6] Ein Fendl umfasste 1627 etwa 300 Mann (100 Pikeniere, 160 Musketiere, 20 Hellebardiere und 20 Rundschildner).

Sein Regiment wurde am 13.4.1638 in Magdeburg[7] reformiert und in zwei Fendl eingeteilt. Am 20.6.1638 schrieb Johann Georg I. von Sachsen an den kaiserlichen Kommandierenden Gallas,[8] er könne seine Regimenter wegen ihres schlechten Zustands nicht ins Feld schicken. Das Regiment Schleinitz sei bereits auf dem Marsch zur Festung Dömitz,[9] Oberst Zehmen werde ihm folgen, um die Garnisonen in Mecklenburg abzulösen, die reorganisiert und ergänzt werden müssten.[10]

Am 17.7.1638 teilte der sächsische Kurfürst Gallas mit: Die Eroberung des Oderübergangs bei Garz[11] nehme er zur Kenntnis und hoffe, der Gegner werde nach der Vereinigung der Armeen nicht mehr weiter vorrücken können. Laut Meldung von Schleinitz seien die Regimenter Alt-Schleinitz und Zehmen zur Hauptarmee gestoßen und weitere unter Traudisch befänden sich auf dem Hinmarsch.[12] Zehmen war als der „Hochgerühmte“ Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“.

Zehmen, Kommandant von Magdeburg, wurde 1638 in einem Zweikampf von Christan Vitzthum von Eckstädt erstochen.[13]

„Damals war der inzwischen zum Oberst ernannte Christian Vitzthum von Eckstädt nach Magdeburg gereist, um seinen verstorbenen Bruder Dam (Damian) zu beerdigen. Dam, Generalmajor in kursächsischen Diensten, war am 11. März bei der Erstürmung der Warnemünder Schanze gefallen. Christian Vitzthum von Eckstädt schildert die Ereignisse, die zu der Auseinandersetzung mit dem Kommandanten von Magdeburg, Hans Bastian von Zehmen, führten, in seinem Tagebuch folgendermaßen:

„Am 19. Juli (n. St.) ist General-Kommissar Schleinitz, der den Oberst Trandorff als Kommandanten von Magdeburg einsetzen sollte, nach Magdeburg gekommen und im Gasthaus zum Goldenen Ring eingekehrt.

Am 20. Juli hat er mich zu Gast geladen. Der Oberst Zehmen als Kommandant von Magdeburg ist während der Mahlzeit auch hinzugekommen.

Nach der Mahlzeit bin ich weggegangen, habe zuvor aber den Schleinitz und die Obersten Trandorff und Zehmen und andere Herren vom Regiment, auch von den Kanonikern für den nächsten Tag zu mir als Gäste eingeladen. Im Herausgehen ist mir der Oberst Zehmen gefolgt und mit mir gegangen und hat gesagt: „So, ich bin Kommandant der Stadt und der Bruder bittet Sie eher zu Gast als ich, was benimmt das den Bruder, kann Sie übermorgen haben, will ihm gern aufwarten und ihm helfen Gesellschaft leisten.“

Am 21. sind sie alle erschienen, auch der Oberst Zehmen. So viel die traurige Zeit es zulassen wollte, sind wir lustig gewesen; der Zehmen aber hat alle Zeit melancholiert, zumal er wohl gewusst hat, dass er mit seinem Regiment ins Feld muss, der Trandorf hingegen an seiner Stelle als Kommandant eingesetzt wäre.

Nach der Tafel hat sich Schleinitz entschuldigt, er hätte Schreiben vom Kurfürsten bekommen, die müsste er alsbald beantworten, und dem Befehl Genüge tun; sagte aber zu, am Abend wieder zu kommen und dann erst recht lustig zu sein; die andern versprachen desgleichen, sich wieder einzustellen. Lasse bald darauf dem Koch befehlen, aufs Beste zuzurichten, dem Tafeldecker, die Tafel um 7 Uhr zu decken und Wein zu verschaffen. Zwischen 4 und 5 Mittags befehle ich, die Pferde fertig zu machen, um spazieren zu reiten. Als ich aber mit dem Achatz von der Asseburg zum hintersten Tor ausreiten will, ist es geschlossen; sende nach den Schlüsseln, ist keiner vorhanden, muss also auf dem Domplatz hinausreiten.

Wie wir nun aus der Pforte reiten, steht der Oberst Zehmen im Schlafpelz in seinem Quartier am Fenster, ruft, wir möchten zu ihm kommen, reiten beide unters Fenster. Er fängt alsbald an zu bitten, mit ihm zu Nacht zu essen. Ich entschuldige mich, ihn zugleich erinnernd, dass der Schleinitz sowohl wie die andern alle miteinander zu mir zum Nachtessen kommen werden, es könnte einmal jetzt nicht sein, ein anders Mal wollte ich gern bei ihm bleiben, hoffe, er würde sich auch wieder demütigen und mit den andern bei mir vorlieb und willen nehmen. Und darauf habe ich wollen fortreiten, da kommt Achatz von der Asseburg, bittet des Obersten halber abzusitzen. Nach vielem Verweigern steige ich vom Pferde ab, gehe zu ihm, dem Kommandanten, in sein Quartier, ohne Diener. Als ich hinein komme, finde ich ihn in der Haustüre im Schlafpelz stehen. Wir fangen an, miteinander zu reden. Während des Diskutierens fängt er an zu rufen: „Junge, meinen Degen her“, warum, weiß Gott. Als ich mich ohne Diener sehe und er seine Leibschützen und andere Diener um sich hatte, ziehe ich meinen Degen aus der Scheide und marschiere zur Pforte, in den Gedanken, morgen früh das Duell auszuführen.

Sobald ich nun aus der Tür, wird die Tür hinter mir fest zugeschlagen, ich aber gehe nach meinem Quartier. Als ich nun zehn Schritte vom Hause bin, kommt Zehmen mit bloßem Degen nachgelaufen, mit großem Ungestüm rufend: „Vitzthum stehe, bist Du besser als etc.“ und wiederholte solches oft, wie die Zeugen alle einhellig bestätigen. Er ist endlich mit dem Degen so nahe gekommen, dass mir nur übrig blieb, mich zu wenden und seinen Degen zu fassen.

Vom Haus des Entleibten bis zu meinem Quartier führt ein hoch gepflasterter Weg heraus, auf welchem ich gestanden und alle Stöße zu hoch getan habe, er hat mir auch seine Klinge wieder ledig gemacht, dass ich nicht sicher war, was ich tun könne. Endlich aber des Anderen Klinge wieder bekommen und sie so stringiert, dass er zurückweichen musste. Dadurch bin ich mit ihm auf gleiche Ebene gekommen, auch ihn mit meinem Seitengewehr über den Arm durch den Herzknochen und das Herz berührt, dass die Klinge fünf Büge gehabt, sein Degen ist über eine Spanne länger als meiner gewesen.

Darauf sind wir nahe zusammen gekommen. Ich habe ihm alsbald den rechten Arm mit dem Degen in die Höhe gehalten, er hat alles von oben herunter gestoßen, in der Absicht, mich zu verletzen. Endlich aber hat er gesagt: „Lass mich gehen, ich habe mein Teil“ und ist alsbald auf die Erde gesunken. Ich aber bin alsbald von ihm weggegangen. Sein Weib ist heraus gekommen, hat mit keiner Beleidigung gespart, endlich auch nichts mehr gewusst, als „Du päpstlicher Schelm und kaiserl. Hund“ herauszuwerfen. Nun hat mich Gott so gnädig behütet, dass ich dem Weibe kein Leid getan, sondern die Schmähworte geduldig hingenommen habe.

[..]

Endlich aber, wegen des schrecklichen Dursts, den ich empfinde, bin ich in mein Zimmer gegangen, habe die Schnecke, die Türe und alles wohl verwahren lassen, denn ich habe nicht gewusst, wessen ich mich des entleibten Regiments wegen zu versehen gehabt. Darauf ist der Trandorf gekommen und hat den Arrest angekündigt, ist aber nicht lange geblieben, sondern kurzen Bescheid bekommen, was auch sein Bestes war, dass er sich zurückzog, denn es hätte was anderes abgeben dürfen, weil mir die Furie noch nicht ganz vergangen gewesen.

Kann nicht einmal sagen, was den Menschen angefochten, sich an mir zu reiben, nachdem er so schreckliche Anzeichen vor Augen gehabt hat, die Gott ihm zur Warnung gezeigt.

[…]

Und erst 14 Tage vor dem Duell sind wir nach Peseckendorf [westlich von Magdeburg bei Oschersleben] geritten, das der Entleibte von Busso von der Asseburg in den Besitz nehmen wollte, zur Hetze gezogen, haben das Haus und den Ort besichtigt. Nachher haben wir im Lusthause auf der Brücke gefrühstückt, Achatz von der Asseburg ist auch mit uns gewesen.

Unter anderem hatte Zehmen angefangen, mein Bruder Dam Vitzthum hätte viele Male, auch kurz vor seinem Tod, gesagt, dass er seinem kleineren Söhnchen jährlich 400 Taler, bis er mündig geworden, zum Studieren geben wollte.

Ich habe darauf geantwortet, der Herr Bruder vergebe mir, es haben doch ich und meine beiden Brüder uns 100 Taler jährlich von unserm Bruder nicht zu rühmen, wie wollten wir uns eine solche Last aufladen. Zudem finden wir bei der Hinterlassenschaft keine einzige Nachricht meines Bruders, und sozusagen ist alles mit ihm tot und erloschen.

Er hat darauf Widerrede geführt – ich habe aber solches mit Schweigen an mir vorbeiziehen lassen.

Er hat aber meinem ältesten Bruder, Johann Georg, früher davon gesagt, der sich auf mich berufen hat.

Als nun mein Bruder mir solchen Diskurs vorbringt [habe ich gesagt]: „Schämst Du Dich nicht, Dich auf mich zu berufen und nicht selber Zähne im Maul zu haben, solches abzusagen und dem Zehmen die Gedanken zu nehmen? Du bist ein Geistlicher und hast des Degens Deine Tage Dich nicht gebraucht, eher er mit Dir als mit mir, der ich den Degen ziemlicher Maßen Gottlob gebraucht, zufrieden sein muss“, und habe also meinem Bruder einen guten Verweis gegeben, auch daneben ihm unerschrocken ins Gesicht gesagt: „Ich spüre so viel, dass Du aus Zagheit mich mit dem Zehmen zusammenhetzen willst. Er hat sich aber zum höchsten entschuldigt, da sei Gott davor, Ihr gehört ja alle beide mit dazu, und kann ich einmal solches nicht alleine abweisen, sondern euch zuerst kommunizieren.“

Fürs andere hatte er einen guten Vorteil gehabt und jährlich etliche 1000 Rthlr. machen und beiseite legen können. Er aber sehend, dass ihm dieses benommen und Magdeburg mit einem andern Kommandanten versehen wird, stellte sich krank, übertrieb in seinen Reden und war bar aller Vernunft, hatte auch keine Ruhe, bis er in Gottes Strafe gefallen.[14]

Wie oben geschildert, wurde Vitzthum in Arrest genommen. Er kam jedoch ohne Urteil am 13. November 1638 wieder auf freien Fuß. Ob ein auf den 24. Dezember 1638 anberaumter Termin in Dresden abgehalten wurde, ist unbekannt. Kurfürst Johann Georg von Sachsen bat Vitzthum am 24. Januar 1639 jedenfalls, weiter in kursächsischen Diensten zu verbleiben. Vitzthum schlug dies Angebot allerdings aus, dankte dem Kurfürsten für die von diesem in der Zehmen-Tötung ausgesprochene „Absolution“ und reiste nach Wien, wo er sich bis zu seinem Tode aufhielt. Im März 1652 starb er dort an Krebs“.[15]

Am 8.2.1639 kam sein Regiment nach Wittenberg[16] und wurde an das Regiment Wolf Christoph von Arnim abgegeben, das dann aus 12 Fendl bestand.[17]

[1] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[2] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 188f.

[3] QUETZ, Kurtze Erzehlung und Extract, fol. 42 r.

[4] SCHERER, Sächs. Regimenter, Fußreg. Nr. 15; vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab März 2012).

[5] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[6] SCHERER; Sächs. Regimenter, Fußreg. Nr. 15.

[7] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[8] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[9] Dömitz; HHSD XII, S. 21ff.

[10] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 639.

[11] Garz; HHSD XII, S. 188.

[12] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 657.

[13] LEHFELDT; VOSS; Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Teil 1 Band 5, S. 255. Freundlicher Hinweis von Herrn Rolf von Löffelholz.

[14] Nach BUDCZIES, Aus dem Tagebuche, S. 280-285; Schreibweise, auch der Namen, von Herrn Gerhard Möller modernisiert.

[15] MÖLLER, Einige Bemerkungen, S. 192ff.

[16] Wittenberg [Kr. Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[17] SCHERER; Sächs. Regimenter, Fußreg. Nr. 15, Nr. 22.

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