Vratislaw z Mitrovice [Vradislauo, Wratislaw, Mitrowitz], Vilém [Wilhelm] Graf

Vratislaw z Mitrovice [Vradislauo, Wratislaw, Mitrowitz], Vilém [Wilhelm] Graf; Obrist [1576 – 19.1.1637] Stammsitz des Geschlechts war Mitrovice bei Sedlec,[1] das nach der Gründung von Nové Mitrovice[2] als Staré Mitrovice bezeichnet wurde. Im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts erwarben die Mitrowitz umfangreichen Besitz in West- und Südböhmen und wurden zu einem einflussreichen Adelshaus.

Vratislaw z Mitrovice führte unter Wallenstein ein Regiment, bis er durch Arnim abgelöst wurde.[3]

Er durchlief die höfische Laufbahn. Er wurde 1607 Truchsess, um 1610 Mundschenk, 1611/12 wurde er Hauptmann, königlicher Rat und schließlich Hofmarschall. Er begleitete Ferdinand II. zu dessen Kaiserkrönung. Seit dem 15.2.1620 gehörte er dem Reichsgrafenstand an. Er trat dem Malteser-Orden bei und wurde nach seiner Entfernung aus dem Militärdienst dessen Prior.

Das Amtsarchiv Heldburg[4] enthält den Briefwechsel mit der Regierung über den angekündigten Durchmarsch von 3000 Mann zu Fuß unter dem Obristen Vratislaw durch die Zent Hildburghausen,[5] 17. bis 25.8. 1625.[6]

Der Schmalkaldener[7] Chronist Pforr berichtet: „Den 27. Aug: [1625; BW] hat sich der Obriste Johan [Wilhelm] von Vradislauo mit 10 fenlein fußvolck von 2000 man sich in die statt geleget, bekam der vatter ein fenderich in sein hauß, hat alhier gelegen biß den 10. 7br:, da zog er mit 9 compagnia hinweg und ließ ein Compagn: liegen. Bey seinem abzugk muste man ihme geben 200 malder korn und 60 pferd zur vorspan, welche pferd er auch behalten“.[8]

„Des Feldherrn günstiges Urteil war eins mit seiner Gunst, seiner Sympathie; und die schlug leicht um in ihr höhnisches, grimmiges Gegenteil, und schlug vielleicht um auch noch ein zweites Mal.

Da war ein Oberst des Namens Wratislaw, den er im Sommer 1625 noch weidlich lobte, ihn mit einer Donation belohnt sehen wollte,[9] ja, den er im Herbst zum Generalwachtmeister über alles Fußvolk vorschlug.[10] Wie anders sechs Monate später ! »Mein Herr sage dem Kaiser, daß ichs mit Gott bezeugen kann, daß ich die Zeit meines Lebens keinen untüchtigeren Menschen zum Krieg gesehen hab als er ist, denn es steckt doch in der Welt nichts hinter ihm.«[11] Wieder: »Ich hab meinem Herrn allbereit oft geschrieben – in der Tat, oft – daß der Wratislaw zum Krieg nicht taugt, denn er hat weder Valor, noch Experienz noch Verstand … « Und als es ihm endlich gelungen war, den glücklosen Offizier zum Amtsverzicht zu bewegen, dieser aber unstimmige Schluß-Abrechnungen geliefert hatte: »der arme Mensch, er verstehts halt nicht.«[12] Sollte Collalto ein anderes Kommando erhalten, »so will ich ihm den Wratislaw dahin schicken, denn der ist auch ein ein solcher Soldat«.[13] Es könnte sein, daß Wratislaws Mißgeschick neben ernsthafteren Fehlern auch etwas mit seiner Visage zu tun hatte, denn Wallenstein schrieb einmal von seiner »langen Nasen«, die der Kaiser doch wohl weniger würde in acht nehmen als seine eigenen, des Feldherrn, Verdienste um Thron und Vaterland“.[14]

Der sondershäusische Hofrat Happe hält in seiner Thüringischen Chronik fest: „Den 4. Mai [14.5.1626; BW] die [Johann II. von; BW] Merodischen 1100 Reuter aus hiesige Ambte wieder aufgezogen, darinnen sie bis in den 6ten Tag mit großen Lamentiren der armen Leuthe gelegen, sind in das Amt Frankenhausen[15] gerücket. Den 5. Mai [15.5.; BW] der Oberste Merode in selbsteigener Persohn in das Amt Gotha[16] und Ohrdruf[17] mit 6000 Wallen [Wallonen; BW] zu Fuß und 2000 zu Ross und also ingesamt mit 8000 Mann[18] ankommen, hat Ohrdruf sein Hauptquartier gehabt. Von dannen will er in das Amt Clingen,[19] Keula und Sondershausen rücken, wie denn der Generalwachtmeister Graf Wratislaus [[Vratislaw v. Mitrowitz; BW] schon albereit den 7. Mai [17.5.; BW] zu Sondershausen ankommen, liegt auf dem Gräflichen Hause daselbsten, da das Hauptquartier werden soll und erwartet der Ankunft der gantzen folgenden Armee. In was großen Schrecken, Furcht und Zittern die armen Leuthe hierumb gewesen, ist nicht zu beschreiben, es hat jedermann Tag und Nacht alles hinweg in das Churfürstenthumb Sachsen und nach Erfurt[20] geflüchtet, sind auch viele gar davon gelaufen. Vielen ist das Ihrige auf der Straßen abgenommen worden“.[21]

„Wallenstein ging Anfang Januar 1627 davon aus, daß Mitrowitz das Regiment endgültig abgegeben hätte, so daß er am 6.1. Arnim das Regiment übergab. Am 10.1.1627 unterrichtete der General die Offiziere des Regimentes von dieser Maßnahme. Mitrowitz hatte jedoch das Regiment noch nicht vollständig abgegeben, da seine finanziellen Forderungen hinsichtlich seiner Besoldung noch nicht ganz erfüllt waren. Er wandte sich deshalb in dieser Angelegenheit sogar an den Kaiser. Den Offizieren seines Regimentes befahl er Ende Januar/Anfang Februar, keinen anderen als ihn, als den Regimentsinhaber, anzuerkennen. Aldringer drohte darauf Mitte Februar mit der Inhaftierung derjenigen, die Wallensteins Anordnungen nicht befolgen würden. Trotz dieser Drohung gingen die Streitigkeiten über die Befehlsgewalt bzw. stellvertretende Befehlsgewalt auch in den folgenden Monaten weiter“.[22]

[1] Sedlec bei StarýPlzenec [Bez. Plzeň-mestó].

[2] Nové Mitrovice [Bez. Plzeň-jih].

[3] ZEITFUCHS, Stolberg, S. 274.

[4] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[5] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[6] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Bestand 4-11-230, Nr. 2307.

[7] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[8] WAGNER, Pforr, S. 98.

[9] HALLWICH, 5 Bücher, Bd. 3, S. 14.

[10] TADRA, Briefe, S. 301.

[11] TADRA, Briefe, S. 358.

[12] TADRA, Briefe, S. 405.

[13] TADRA, Briefe, S. 385.

[14] MANN, Wallenstein, S. 340.

[15] [Bad] Frankenhausen [Kr. Artern]; HHSD IX, S. 29ff.

[16] Gotha; HHSD IX, S. 151ff.

[17] Ohrdruf [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 324ff.

[18] Die Zahlen dürften etwas überhöht sein.

[19] Clingen [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 69f.

[20] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[21] HAPPE, Thüringische Chronik I 72 v – 73 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[22] Boblenz, Aktionen, S. 287, Anm. 13.

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