Oxenstierna, Ture Gabrielsson, Graf von Kronborg

Oxenstierna, Ture Gabrielsson, Graf von Kronborg; Obrist [1614 – 1669] Oxenstierna, ein Neffe des Reichskanzlers, stand als Obrist der Kavallerie in schwedischen Diensten. Im Mai 1634 war er noch in Saalfeld einquartiert. Er nahm an der Schlacht bei Nördlingen (6.9.1634) teil.[1]

Am 5.9.1637 teilte Gallas aus dem Feldlager bei Anklam[2] dem Kardinal-Infanten mit, dass man beschlossen hatte, nach erfolgreicher Besetzung der Peene Wrangel ein Gefecht zu liefern, noch bevor dieser sich mit Banér, der damals noch von seinen Befestigungen bei Stettin[3] geschützt war, verbinden konnte. Der zur Besetzung des Peene-Übergangs mit seinen Regimentern vorausgeschickte Götz jagte die Schwerbewaffneten, die Oberst Ture Oxenstierna d. J. aus Schweden herangeführt hatte, in die Flucht und nahm jenen sowie viele andere gefangen. Nach Erhalt der Nachricht vom Kaiser, dass Bernhard von Weimar unweit Strassburg den Rhein überschritt, wurde Götz ins Rheinland abberufen, und so geschah es, dass der Peene-Übergang nicht rechtzeitig vorbereitet, Wrangel zu Banér stoßen und jenen Übergang beherrschen konnte.[4]

Am 7.1.1638 ersuchte Banér den kaiserlichen Kommandierenden Gallas um die Mitteilung der Zahl der bei der Eroberung von Wolgast[5] gefangen genommenen Offiziere und Soldaten sowie der Möglichkeit ihrer Freilassung; außerdem wünschte er die Beschleunigung des Austausches von Ture Oxenstierna gegen Rudolf Georg von Wolframsdorf.[6]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet für 1640: „Dieweil die Werber-Schantz und Dömitz[7] waren proviantiret worden / wusten die Schwed. die Käis. darinnen anderst nicht zu beschädigen / als daß sie die Windmühle bei Dömitz um den 10. Febr. abbranten / und Gen. Axel Lillie legte sich in Havelberg[8] / das Land herum / wie oben gemeldet / zu schützen.

Es war aber auch dieses auff etwas weiters / und zwar auff Berlin und Cölln[9] angesehen / welche beyde Städte man Schwedischen theils nach erlangten Ranzion-Geldern verlassen hatte. Darum nahme General Axel Lillie das Volck auß Ruppin[10] / Havelberg und der gantzen Prignitz / und marchirte nach Neu-Brandenburg[11] / als wolte er in Vorder-Pommern gehen / er wandte sich aber auch in Eyl gegen Zedenick[12] / und vermeynte gedachte beyde Städte Berlin und Cölln zu überrumpeln.

Dem Obr. Krachten / so in Spandau[13] gelegen / kame dieses Marchieren verdächtig vor / und zoge diesen Städten auch in Eyl also zu Hüllfe / daß er mit seinem Regiment zu Fuß und 300 Pferden / dem General Lillie um einen Tag vorgebogen hatte / neben welchem die Burgerschafft auch zu den Waffen griffe / sich vor weiterer Ranzion zu salviren. Als nun General Lillie in 3000. starck und mit 2 Feldstücklein / bey dem sich der Obrist Ochsenstirn und Kerberger befunden / angezogen kam / und ernstliche Resistentz befande / konnte er nicht wol anderst / als bey der Kälte deß Februarii sich in die Vorstadt über Nacht zu verkriechen / und in guter Ordnung deß nechsten Morgens nach Cöppenick[14] zu gehen / als dann geschehen : und verblieben für dißmal diese beyde Städte unangegriffen.

Es konnte dieser Fehler ohne Empfindung nicht ablauffen : darum ersterneñte beyde Obristen / sich auff ein paar Tage in Fürstenwald[15] legten / als dann sie nach Münchenberg[16] / Buckow[17] / Weitzen[18] an der Oder / und andere Ort gegangen / und was nicht mitgehen können / mitgenommen haben“.[19]

Weiter heißt es im „Theatrum Europaeum“ über den Mai 1643: „Ein Käys. Parthey von 4. oder 5000. Pferdten hatte für 8. oder 10. Tagen / 4. Meilen von Görlitz[20] / vnderhalb Soraw[21] / im Flecken Freywald[22] / etlich Schwedisches Volck / vnd Pagage / überfallen / vnd stattliche Beuten / von viel tausend Reichsthaler werth bekommen. Vnter solchen Manubiis ist auch vornehmes Frawenzimmer / vnter andern / deß jungen Graffen von Thurn / welcher letztlich vor Gießberg[23] blieben / hinderlassene Wittib / nebenst andern gefangen / vnd zusampt der Beut / durch Görlitz / vnd Liebenthal[24] / weiters nach der Käyserl. Armee fortgebracht worden. Diese Käiserl. Parthey soll auch bey solchem Einfall / deß Ertz-Hertzogs Hochfürstl. Durchlaucht [Leopold Wilhelm; BW] bey jüngstem Leipziger Treffen / verlohrnen Altar- vnd Kirchen-Ornat wieder erobert / vnd überkommen haben.

Den Flecken Freywald hatten die Käyserische alsbald angesteckt. Jedoch warẽ die Schwedische officirer / darunter ein junger Oxenstirn gewesen / davon kommen. Welche von ihrer Armee bey Friedland[25] abgereyset / nach Franckfurt an der Oder[26] gewolt / vnd in 8. oder 900. Stücke Viehes bey sich gehabt“.[27]

[1] ENGERISSER; HRNČİŘİK, Nördlingen, S. 257, Anm. 2.

[2] Anklam [Kr. Anklam]; HHSD XII, S. 153ff.

[3] Stettin [Szczecin]; HHSD XII, S. 280ff.

[4] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 502.

[5] Wolgast [Kr. Greifswald]; HHSD XII, S. 317ff.

[6] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 546.

[7] Dömitz [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 21ff.

[8] Havelberg [Kr. Westprignitz/Havelberg]; HHSD X, S. 217ff.

[9] Berlin-Neuköllln; HHSD X, S. 86ff.

[10] Ruppin [Land u. Kr.]; HHSD X, S. 343f.

[11] Neubrandenburg [Kr. Neubrandenburg]; HHSD XII, S. 69ff.

[12] Zehdenick [Kr. Templin/Gransee]; HHSD X, S. 403f.

[13] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[14] Berlin-Köpenick; HHSD X, S. 62ff.

[15] Fürstenwalde; HHSD X, S. 193f.

[16] Müncheberg [Kr. Lebus/Strausberg]; HHSD X, S. 284f.; HHSSchl, S. 284f.

[17] Buckow [Kr. Lebus/Strausberg]; HHSD X, S. 149f.

[18] Weitzen an der Oder: nicht identifiziert.

[19] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 221.

[20] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[21] Sohrau [Żory, Kr. Rybnik]]; HHSSchl, S. 510ff.

[22] Freywalde, heute Stadtteil von Schönewalde [LK Elbe-Elster].

[23] Wahrscheinlich Hirschberg [Jelenia Góra]; HHSSchl, S. 189ff.

[24] Liebenthal [Lubomierz, Kr. Löwenberg]; HHSSchl, S. 282f.

[25] Friedland [Mieroszów, Kr. Waldenburg], HHSSchl, S. 109f.

[26] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[27] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 95.

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