Soye [Soy, Hoye, Soiani, Sove], Achilles Baron Precipiano de

Soye [Soy, Hoye, Soiani, Sove], Achilles Baron Precipiano de; Generalfeldwachtmeister [um 1590 Rougemont im Sundgau-2.11.1642 bei Leipzig gefallen]

Soye stand als Obristleutnant im Fußregiment Gallas,[1] dann als Obrist und seit dem 21.6.1639 als Generalfeldwachtmeister in kaiserlichen Diensten.[2]

Nachdem Rheingraf Otto Ludwig von Salm im Juni 1633 durch 8.000 Mann des Markgrafen Friedrich V. von Baden-Durlach verstärkt wurde, schlug er Soye und Ernesto Montecuccoli bei Breisach[3] und nahm beide gefangen.

Bekannt geworden ist Soye durch seine Belagerung der drei württembergischen Höhenfestungen Hohenasperg,[4] Hohenurach[5] und Hohenneuffen[6] im Jahre 1635. „Soye, der zur Entgegennahme der Übergabe Hohenurachs nach Urach gekommen war, kannte die Notlage der Besatzung.  Selbstsicher wies er den Vertragsentwurf des Fähnrichs zurück und diktierte einen neuen Text mit folgenden Bedingungen: Freier Abzug für die Offiziere mit Pferd und Pistolen, für die Soldaten nur mit ‚Untergewehr‘ [Degen und Bajonett], ohne Bagage, Geleit bis Ulm;[1] Verzicht auf Nötigung in kaiserliche Dienste. Die vorsätzliche Beschädigung von Artillerie, Munition und anderem Festungsmobiliar sollte als Vertragsbruch gelten. Den Flüchtlingen wurde freier Abzug mit ihrem Eigentum ohne Plünderung zugesagt. Im Begleitschreiben drohte Soye, er gewähre den Vertrag aus bloßer ‚courtoisie‘ und nicht aus ‚raison‘, weise ihn die Besatzung zurück, könne er wohl warten, werde aber später kein Entgegenkommen mehr zeigen. Die Bestimmungen waren vergleichsweise ungünstig, weil die Besatzung ohne ihre Habe und nur halb bewaffnet ausziehen konnte, aber die ausgehungerte Mannschaft hatte keine Wahl mehr, wollte sie nicht alles riskieren. – – In der Bietigheimer[7] Stadtchronik heißt es: „Die Pest ist auch über den Hohen Asperg eingestigen und hat unsern obgenannten Vogt, Burgermeister, Stadtschreiber, sampt vielen ehrlichen Männern und Weibern vor der Übergebung weggerafft, daß sie bey ihrem großen Guet tails pflaaglos sterben müeßen, weil ein großer Hunger und Mangel sich in der Vöstung ereignet.“[8] – – Am 19. Juli verließ die Besatzung die mit großem Elan und zäher Ausdauer verteidigte Festung.

Alle militärischen Anstrengen Soyes aber bedrohten die Festung Asberg in ihrem Bestand nicht und hätten für sich allein zum damaligen Zeitpunkt keine Übergabe erzwingen können. So schrieb Soye am 5.7.1635 an den kaiserlichen Generalleutnant Gallas: Er könne das angeforderte Volk nicht entbehren, da ihm der Generalwachtmeister nur 800 Mann geschickt habe und er sich unmöglich – so wie am Anfang – mit weniger als 1.400 Mann halten könne. Die Gebirgsgegend sei sehr ausgedehnt und offen nach allen Seiten, die einzelnen Festungen lägen weit voneinander entfernt. Es fehle ihm an Reiterei und die Landbewohner seien nicht daran zu hindern, durch Land zu vagabundieren, sich in Weinbergen zu verstecken und allnächtlich die Proviantlieferungen für das Schloss zu überfallen. Bei einem der zahlreichen Scharmützel hätten 60 Bürger und Bauern seine Pferde und Wagen überfallen, fünf Soldaten und den Proviantmeister getötet und sechs Soldaten schwer verletzt. Er befestige sich, doch es mangle ihm an Munition, weshalb er Artilleriegeneral Melchior von Hatzfeldt um Hilfe gebeten habe. Er verlange dringlich eine Klärung der Lage.[9] Und vier Tage später hieß es in einem neuerlichen Schreiben: Asberg sei fest umklammert, die Berge durch Festungen gesichert, die Kette der Wachtposten lückenlos und trotzdem hätten die Landbewohner, die sich kaum rühren könnten, einen seiner Kapitäne erschlagen.[10]

Der schwedische Festungskommandant Waldow eröffnete wegen angeblicher Versorgungsprobleme am 15. Juli die Übergabeverhandlungen und machte am 20. Juli die Besatzung mit dem unvermeidbaren Schritt bekannt. Am 22. Juli wurde eine Waffenruhe vereinbart. Am 23. „war es gantz still, die Schwedische und kayserische Soldaten gingen ausserhalb der Vestung   zusammen, spracheten und zecheten mit einander, und schieden fridlich von einander“.[11] Der Akkord wurde am 28. Juli zwischen Soye, Waldow und der württembergische Kommandant Münchingen unterzeichnet und trat am 29. Juli mit folgenden Bedingungen in Kraft: Freier Abzug der Besatzung in voller Bewaffnung mit Gepäck, Pferden, Wagen und eigener Habe unter Geleit bis zur Rheinbrücke bei Kehl;[12] keine Abwerbung der Soldaten; kaiserlicher Schutz für die württembergischen Beamten und Untertanen und Erlaubnis, mit ihren geflüchteten Gütern abzuziehen; Übergabe der Festung mit Ausrüstung und Mobiliar, auch mit dem herzoglichen Flüchtlingsgut und den Archivalien an den Kaiser. Die Garnison hatte zwei Geiseln für die korrekte Einhaltung des Vertrags zu stellen. So ganz schien man aber den Übergabebedingungen allein nicht zu vertrauen, was der vorsichtige Abzug der Garnison zeigt: ‚Am 29. ‚umb 11 Uhren ist die gantze Guarnison mit Sackh und packh, die pagage in der Mitte führend in guter Ordnung abgezogen, und hat der Commandant Waldo (welcher die Schlüssel zur Vestung am arm behalten, biss jedermann völlig hinauss gewesen) disen Abzug beschlossen‘ „.[13] Darauf besetzten Truppen Soyes die Wachen. Die Kaiserlichen hielten den Vertrag gegenüber der schwedischen Besatzung loyal ein, jedoch nicht gegenüber der württembergischen Landmiliz, die unter Drohungen zum Eintritt in kaiserlichen Dienst gezwungen wurde. Der württembergische Kommandant Münchingen konnte am 30. Juli mit zwei Wagen die Festung verlassen und begab sich nach Stuttgart. Die Flüchtlinge zogen am 2. und 3. August – nach Abgabe einer ‚Discretion‘ an die kaiserlichen Offiziere, allein an Soye in Höhe von 500 Talern (750 Gulden) – mit dem Rest ihrer Habe in ihre zerstörten Heimatorte.

Damit war die stärkste und größte Höhenfestung innerhalb des Landes gefallen, und Eberhard III. von Württemberg hatte allen Anlass zur Sorge, wie sich dieser Verlust auf die Widerstandskraft der anderen Festen auswirken würde, zumal auch Hohenurach schon kapituliert hatte. Hohenasperg blieb bis nach dem Kriegsende (bis zum 20. September 1649) in kaiserlicher Hand.

Nach der Kapitulation Hohenurachs (am 22. Juli) half auch die militärische Zurückhaltung Schnurms nichts mehr. Die freigewordenen kaiserlichen Truppen zogen nun vor den Hohenneuffen, errichteten „um den ganzen Berg Schildwachen‘, die sie Tag und Nacht besetzt hielten, und blockierten die Festung konsequent. Am 16. August forderte ein Tommelschläger Soyes zur Übergabe auf, doch beschied ihn Schnurm mit dem Hinweis auf seinen Diensteid abschlägig. Die Besatzung wehrte sich, griff Posten an, setzte Wachthäuser in Brand, machte Gefangene und fügte dem Gegner vor allem durch Geschützfeuer Verluste zu.

Beim Einfall der Feinde ins Land waren Verpflegungsvorräte für etwas mehr als ein halbes Jahr auf der Festung gelagert gewesen. Man hatte 1628 gegen die Warnung des damaligen Hauptmanns Werthwein 70 Scheffel Dinkel und 30 Scheffel Haber herabführen lassen. Die Besatzung hatte zwar bis zur endgültigen Blockade noch Zugang zu den umliegenden Orten, doch war aus dem ausgeplünderten Land nicht mehr viel zu holen und Schnurm musste einen Teil seiner Bestände an Hohenurach abgeben. Im September berichtete er erstmals, der Proviant nehme ab und reiche für längere Zeit nicht aus. Um den Vorrat zu strecken, ließ er im Oktober das Korn- mit Habermehl mischen und verringerte auf Anweisung des Herzogs die Garnison um 16 Mann. Die Soldaten erhielten damals täglich 5 Vierling (5/4 Pfund) Brot, 1/2 Maß (0, 8 Liter) Wein, sonntags 1/2 Pfund Dörrfleisch und alle zwei Wochen 1 Pfund Schmalz. Unter diesen Umständen, so berichtete der Hauptmann, könne er sich aber nur bis Dezember halten, wolle er nicht schlechte Abzugsbedingungen und den Verlust des Flüchtlingsgutes riskieren.

Herzog Eberhard versuchte nun, mit den Mitteln der Diplomatie seine letzte Festung im Lande zu halten. Er bezog sich auf die fortgeschrittenen Friedensgespräche mit König Ferdinand[14] und beauftragte Schnurm am 21. Oktober, dem Belagerungskommandanten einen Waffenstillstand für die Zeit der weiteren Verhandlungen vorzuschlagen. Soye antwortete höhnisch: Der Wunsch des Herzogs gehe ihn nichts an; er diene dem römischen Kaiser und könne jenen keinen ‚Stillstand und Durchlass‘ gewähren, sondern müsse alle als Feinde ansehen, die sich gegen den Kaiser auflehnen. ‚Der Herr mag droben sitzen, so lang alß er will, eß ist kein Feindt im Landt, der mich aus der Ploqirung threiben kann‘.[15] Er trage kein großes Verlangen nach der Festung und habe Zeit, die ihm weniger langweilig und verdrießlich als dem Hauptmann sein werde. Schnurm schickte die Antwort an den Herzog und fügte hinzu, es grause ihm nicht darvor.

Die Belagerer, deren Truppen seit langem Not und Hunger litten, wollten indessen die Zeit doch abkürzen und wiederholten die List, die beim Hohenzollern so einfach zum Erfolg geführt hatte. Der in Neuffen einquartierte Unterkommandant der Belagerung, Hauptmann Felician Wagen, schickte am 27. Oktober einen angeblich abgefangenen Befehl des Herzogs an Schnurm, worin die Übergabe angeordnet wurde, um die Friedensverhandlungen durch eine Vorleistung durch eine Vorleistung zu fördern. Der Befehl hatte fast denselben Wortlaut wie jener, der auf den Hohenzollern[16] geschmuggelt worden war. Schnurm hatte es leichter als Hauptmann Schmidlapp, denn er konnte das Stück mit unzweifelhaften Schreiben vergleichen: Die Unterschrift war verdächtig und anstatt des Sekretsiegels war das Siegel des Konsistoriums aufgedrückt. Er bat um 10 Tage Bedenkzeit und schickte zwei Boten nach Strassburg; sie kamen nicht durch, aber inzwischen kehrte der zuverlässigste Kurier, der Küfer, mit einem echten Schreiben zurück, das den falschen Handel aufdeckte. Als der Herzog davon erfuhr, lobte er die Wachsamkeit des Kommandanten und ordnete an, dass nur ein eigenhändig geschriebener, mit dem Sekretsiegel verschlossener Übergabebefehl gültig sei. Die Kaiserlichen versuchten es am 6. November mit einem zweiten gefälschten Schreiben, aber es war nun mühelos zu entlarven.

Die Festung wurde dennoch vorzeitig aufgegeben. Der Proviant hätte noch mindestens zwei Monate, die Munition noch länger gereicht, an eine militärische Bezwingung konnte der Gegner nicht denken. Aber die Besatzung war mürbe, mut- und hoffnungslos geworden. Am 13. November forderten alle Offiziere den Kommandanten auf, Übergabeverhandlungen einzuleiten. Zwei Tage darauf verlangten sie dringender und drohend, nicht länger zu zögern. Die Mannschaft stand offenbar geschlossen hinter ihnen und schon sprach man von Aufstand und Meuterei. Was war der Grund ? Allein das Gefühl des Verlassenseins und die Gefahr, als letzte Festungsbesatzung dem Ärger und der Rache des Gegners, der keine Rücksicht mehr nehmen musste, ausgeliefert zu sein. Die Garnison fürchtete Ausplünderung, Leibes- und Lebensgefahr und glaubte den Vertröstungen des Herzogs auf Entsatz oder Friedensschluss nicht mehr. Der Hauptmann erinnerte sie an ihren Eid und warnte im Blick auf eine spätere Rechenschaftslegung. Aber ihm fehlte entweder die für diese Krise notwendige Autorität oder, was wahrscheinlicher ist, die eigene Überzeugung vom Sinn und Erfolg längeren Ausharrens. Mit Mühe konnte er seine Leute davon zurückhalten, zum Ausgleich ihres Besoldungsrückstandes die fünf Schränke der Herzoginmutter zu öffnen und deren Wertsachen zu verteilen.

Der von Hauptmann Schnurm entworfene Übergabevertrag wurde von Soye abgeändert und dem Asperger Vertrag angeglichen: Abzug der Besatzung in voller Bewaffnung mit ihrer eigenen Habe, mit Pferden, fünf Wagen und sechs Karren; Geleit bis Nürtingen;[17] Schutz vor Zwang zu kaiserlichem Dienst; Auszug der geflüchteten Personen mit ihren Mobilien; Schutz privaten Flüchtlingsgutes bis zur Abholung innerhalb einer Woche; Sicherstellung von Eigentum, Mobiliar und Dokumenten des Herzogs und der Herzoginmutter auf der Festung. Diese letzte Abmachung widersprach dem mehrfach geäußerten Wunsch des Herzogs, die Kästen seiner Mutter zu retten und nach Ulm[18] oder Strassburg abzuführen. Aber Soye drohte: ‚Soll der Herr von mir keinen Buchstaben weiter hoffen, sondern ohne einige Disputation noch heut mich berichten, ob er solchen (Vertrag) annehmen will oder nicht‘. Hauptmann Schnurm unterschrieb unter dem Druck seiner ‚Aufwiegler‘ den im Ganzen recht ehrenvollen Vertrag. Die Mitteilung Kapffs, er sei vor der Übergabe durch einen unterirdischen Gang heimlich entflohen, ist unzutreffend. Am 22. November morgens um 10 Uhr zog die Besatzung ab.

Die Sorge der Garnison hat sich bestätigt. Die Sieger hielten es nicht für nötig, der Besatzung, die sich innerhalb des Landes als letzte ergab, den Vertrag zu halten. Man zwang die ganze Mannschaft mit den Offizieren ins kaiserliche Heer. Der Kommandant wurde drei Tage in der Stadt Neuffen festgehalten, bedroht und beraubt; er verlor seine sechs Pferde, sein Vieh, alle Wertsachen und zum Teil selbst den Hausrat, dazu – die Gunst seines Landesherrn. Er rechtfertigte sich sofort und im April 1639 noch einmal für die Kapitulation und bat um neue Dienste oder gnädige Entlassung, bekam aber keine Antwort des offenbar enttäuschten Herzogs. Mittellos geworden musste er sich seiner Familie wegen entschließen, mindestens vorübergehend ‚anderen‘ (wohl kaiserlichen) Kriegsdienst anzunehmen. Es ist eigenartig, wie streng Eberhard III., der selbst keinerlei militärische Fähigkeiten besaß, mit seinen Offizieren umging, die viele Monate mannhaft standgehalten und nur angesichts einer ausweglosen Lage aufgegeben hatten“.[19]

Nach der Schlacht bei Nördlingen[20] war Soye in der Grafschaft Hohenlohe einquartiert.

Am 10. November 1635 wurde ein Leutnant vom Gallas’schen Regiment zu Fuß, namens Johann Husper (Hüßner), ein „hitziger, ehrgeiziger, sehr hinterlistiger Soldaten und militärischer Praktikant, Pölterlein (Polterer) genannt“, mit 400 Mann in Langenburg[21] stationiert, der für den in Neuenstein[22] liegenden Soye von Herrschaft und Bürgern 35.280 fl. und erhebliche Mengen an Naturalien erpresste.[23]

Am 6.4.1636 ist der Obrist „Susa“ durch Saalfeld[24] gezogen.[25] Wahrscheinlich ist Soye damit gemeint.

Am 2.9.1636 schrieb Soye aus Lisle[26] an Gallas und gab ihm Ratschläge zum Marsch nach Giromagny.[27] Bei Luxeuil[28] und Lure,[29] wo das Land nicht verwüstet und verhältnismäßig reich sei, könne die Truppe rasten. Der Umgebung von Besançon,[30] die ruiniert und verpestet sei, müsse man ausweichen. Er versprach, ihm aus seinen Vorräten Proviant an die Grenze von Giromagny zu schicken.[31]

Der Habsburg-Anhänger und Historiograph Wassenberg[32] beschreibt in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ die Vorgänge um den Entsatz Thionvilles[33] und Hesdins[34] im Juni 1639: „Vnter dessen so feyreten vor das Spanische Niderland in Nider-Teutschland gemeldete Frantzosen auch nicht weniger. Alldar haben sie fast auff eine zeit Theonville im Hertzogthumb Lützelburg / vnnd Hesdin in Artois[35] belägert; vnd diß grieffen sie mit desto grösserer Zuversicht an / alldieweil die Holländer auff einer andern Seite ihre Macht zusammen / vnd  wiewol sie mit den Waffen nichts feindseliges verübten / dieselbe dennoch zeigeten.

Jedoch so gieng es ihnen auch auff die weise bey Theonville nicht gar glücklich fort; sintemahl Piccolomini, welcher biß hieher im Gülicher Lande das Winterquartier gehabt / in dem die Frantzosen / noch mit Befestigung deß Lägers vmbgehen / ihnen alsbald auff den Halß kam: Es gieng der Obriste Wachtmeister Beck mit einem ausserlesenen hauffen voran / welchem das gantze heer / so bei Lützelburg gemunstert worden / auff dem Fuß nachfolgte. Von dannen ist man dem Feinde entgegen gezogen / vnd als man das Läger fleissig verkund schafftet / hat man es auff eine Schlacht gewaget. Es hat ein jeder General / Piccolomini, Soiani [Soye; BW], Suisi [Suys; BW], [Camillo; BW] Gonzaga, vnd der jetzt ermeldte Beck das seinige mit höchstem fleiß außgerichtet. De[s]wegen so hat das Glück nach vorgelauffener Schlacht die Sachen eine zeit lang zu eines und deß andern theiles Wohlfahrt geordnet / endlich aber ist es so weit kommen / daß die Frantzosen  auß dem Läger geschlagen / vnd die Keyserischen / nach dem sie die Statt befreyet / sich desselbigen bemächtiget.

Der erschlagenen anzahl belangend / so sind derer vngefähr 6000.[36] gewesen: Die abgenommenen Fähnlein / so haben sie alle / beydes zu Fuß / so wol auch zu Roß / verlohren: Die gefangenen / so sind derer auff 3000. gezehelet worden.

In dem aber dieses bey Theonville vorgieng / so rieb man die Belägerung vor Hesdin noch stärcker fort:[37] Vnd wiewol die Frantzosen die Bollwercke vnd Schantzen in den Vorstätten nicht ohne tapfferer Soldaten Blutvergießen erobert erobert / so haben sie dennoch die zum beschützen vnerschrockenen Gemühter biß hieher nicht überwältigen können. Daher haben sie vnsinniger weise häfftig gedräewt. Daher acht starcke Stürme gethan / vnnd sind doch die Gemühter / auß Vrsache / daß sie bey Theonville so schlecht verhalten / nichts / oder wenig / beweget worden.

Damit aber die Soldaten von wegen der vnglückhafftigen Zeitung das Hertz nicht möchten fallen lassen / so ist der König selbst ins Läger kommen[38] / vnd hat mit seiner Anwesenheit ihren Muth noch grösser machen wollen. Der weise Rath ist glücklich fortgegangen; vnd haben die belägerten / als es an Pulver mangelte / vnd die  meisten Besatzungs-Soldaten entweder beschädiget / oder aber gestorben waren / damit sie es zu der eussersten Gefahr nit möchten kommen lassen / mit dem Könige einen ehrlichen Accord getroffen / sind auch nach Kriegesbrauch ab vnnd auff Bethun[39] gezogen. Wer wolte es wol glauben ? Hesdin hat / ehe sichs ergeben / 407 000. Schüsse bekommen / also daß der König selbst den ort besichtigen wollen; vnd nach dem er alles widerumb außzubessern befohlen / ist er als ein Triumphierer nach Paris gezogen“.[40]

Am 25.8.1640 berichtete Piccolomini[41] von einer am 18.8.1640 in der Grafschaft Waldeck gelieferten Schlacht. Die kaiserliche Armee befand sich auf Proviantsuche und war weit zerstreut, Banér hielt seine Gelegenheit für gekommen, vereinigte sich mit den Hessen und Lüneburgern und erreichte so eine Truppenzahl von 40000 Mann; am 19.8. überschritt er bei Münden[42] die Fulda und trat den Marsch in die Grafschaft Waldeck an. Am nächsten Tag machte er zwei Marschstunden vor den Kaiserlichen Halt. Mit einem Kanonenschuss rief Erzherzog Leopold Wilhelm[2] zu den Waffen und übergab Piccolomini das Kommando. Die Soldaten sammelten sich rasch und diszipliniert und begannen ihre Stellungen zu befestigen. Am 21.8. um 8 Uhr morgens besetzte der Gegner einen durch einen Wald günstig gedeckten Hügel auf seinem rechten Flügel. Piccolomini schickte eine Abteilung Dragoner zur Erkundung hin, diese aber überfiel auch noch den Gegner und verjagte ihn. Der dort kommandierende Longueville schickte ein Regiment gegen die Kaiserlichen ins Feld, Piccolomini betraute Soye mit der Verteidigung. Daraufhin verstärkte der Gegner das angreifende Regiment mit zwei weiteren. Soye, unterstützt von der kurbayerischen Reiterei unter Caspar von Mercy und den Obersten Kolb und Liebenstein [Hans Ludwig v. Löwenstein; BW], fiel den Gegner mit solcher Wucht an, dass dieser auf dem linken kaiserlichen Flügel das Schlachtfeld verließ. Jetzt gab Piccolomini den Befehl zum allgemeinen Angriff. Die Kroaten mit Suys beteiligten sich an ihm und verfolgten die flüchtenden Schweden. Banér wurde gesehen, wie er mit gezogenem Schwert seine Soldaten an der Flucht hindern wollte. Die Kaiserlichen machten erst bei Wildungen[43] Halt, wo sie die Gefangenen zusammenzogen. Nun rücken Hatzfeldt und Wahls Truppen heran.[44] Bei dem Der Kriegsteilnehmer und spätere Kommandant von Weiden,[45] Augustin von Fritsch [1599 – 1662],[46] heißt es: […] „da Wür hunburg[47] schon Innengehabt, von darauß sein wür vf Frizlar [48] gangen, alda wür vnß verschanzt, da dann den dritten Tag General Bannier mit seiner Armee von Casel[49] hero bey vnnß ankhommen, Vnweit vnsern Läger sich präsentirt, vnnd sich in gesicht vnser in Petali[3] gestelt, da wür dann nicht anderst vermeint er werde vnß angreiffen, hernacher hat er wider angefangen zu marchirn, vnd ist neben vnser Armee vf einen sehr hohen Berg gezogen, da dann von Vnsern Völckhern 3000. Mann zue Fueß, vnderm Commando, deß Generalwachtmaisters Freyherrn Söue [Soye; BW], vnnd herr Obrist von Löwenstain, mit 1000. Pferdten Im disen Berg zuuerwöhren Comandirt worden, sein aber nach harten vnd lagen gefecht den Berg von dem Feind herunter geiagt worden, daryber vill Reutter vnd Fueßvolckh, neben herrn Generalwachtmaister Söue gebliben“.[50]

Ende September 1640 sollte Soye unter dem Befehl Leopold Wilhelms[51] an der Eroberung Höxters[52] teilnehmen. In einer Chronik aus Höxter heißt es: „In diesem 1640. jahr hat der ertzhertzog Leopold [Wilhelm; BW] alß er mit der kayserlichen armee von 60.000 mann den Bannier [Banér; BW] verfolgete, hat er auch die statt Huxar belagert, dieselbige auch per accordt nach dreymahligen, andere tagen funffmahligen sturm erobert, eß haben darin 900 mann Braunschweigische völcker unter dem obristen Brauns gelegen, wie nuhn diese belagerung abgangen, kann man aus folgenden besehen. Den 29./19. Septembris. Nach dem ihre kayserliche mayestät bruder eine geraume zeit hero gegen den schwedischen feldmarschallen Johan Bannier zu Fritzlar und Wildungen[53] zue felde gelegen, undt nach dem auffbruch auff Warburg[54] undt ferner auf Höxer zog, hat er den 19. Septembris durch generall von Gleen [Geleen;[55] BW] die statt mit 5000 pferden berennen laßen, undt folgenden abents und nachts mit seinem gantzen krieges heer gefolget, alsobalt die stücke geplantzet, undt unterschidtliche läger von Bruchhausen[56] an bis ober der statt von der Klippmühlen an unter dem Bielenberg heer bis an den Brenckhaüser thurn, undt von dannen unter dem Roseberg heer bis nach Albexen[57] (seindt also das ganze läger in die sechtzigtausendt mann bestanden) schlagen lasen, darauff auch alsobalt angefangen mit 12 stücken an zweyen unterschidtlichen örthern auff den Stumrigen walle an den mauren presse[58] zu schiesen, das Peters thoer abgebrandt, undt über 825 grose kugelen (so weit mann nachrichtung hatt) in die statt geschoßen; wie aber die belagerten unter dem commando herrn obristen Brauns undt den dreyen hauptleuten, Milert, Fischers und Wilcken sich tapfer gewehret, undt mit allerhandt mit mittelen (worzu sie auch etliche immekörbe[59] gebrauchet, welche sie über die mauren unter den feindt gewoffen) fünff generalsturm, worunter einer 3 stunden ohne auffhören gewehret, hurtig abgeschlagen, das dem bericht nach über 70 mann todt undt viell gequetschet worden, entlich aber wie noch 5000 mann beordert worden, abermahlß einen sturm zu thun, undt nach eroberung keines menschen zu verschonen, hat der gnädige Gott gegen den abendt ein groses schreckliches blitzen undt donner wetter erwecket, dabey ein ungewöhnlicher regen gefallen, das dem feindt alles pulfer naß undt untüchtig worden: Dannenhero die kayserlichen bewogen worden, den belagerten einen accordt anzubieten; sie wolten anfangklich nichtes davon hören, doch entlich, wie der entsatzs ausblieb undt ein klägliches wintzelen undt wehklagen in allen ecken der statt ware, der obriste auch von den belagerten gahr starck hierzu angehalten wurdt, gingen sie den accord ein, da dan verwilliget worden, bey sonnenschein selbigen tages noch mit sack undt pack undt mit fliegenden fahnen, krieges gebrauch nach über die Weeser außzuziehen, wie sie sich aber etwas über bestimte zeit in der statt verweilten, wardt ihnen der accord nicht gehalten, sondern alle miteinander (ausgenohmen den obristen, capitäinen, lietenanten undt fendrichen) sich unterstellen müsen, darauff ist der obriste Mercii [Caspar v. Mercy; BW] mit seinem regiment gelegt worden in Huxar, folgender tages ihre ertzherzogliche durchlaucht Leopold Wilhelm selber, Ottavio Picolomini, der herr von Stadien [Johann Kaspar v. Stadion; BW], Teütscher Meister, generall von Gleen [Geleen; BW], von Hannibal de Gonzago [Gonzaga; BW], general Breda, general Mercy, graff [Wilhelm Leopold; BW] von Tattenbach, graff von [Maximilian Felix v.; BW] Wolckenstein, graf [Michael Johann; BW] von Altenhann, ein fürst [Eitel Friedrich; BW] von Hohenzollern, baron de Hoye [Soye; BW], baron de Rhodan [Rodoan; BW], generalwachtmeister Fernemundt [Fernemont; BW], obriste Rackenwitz [Nikolaus Rajkovič; BW], obriste Zaradetzky [Zahrádecký; BW], obrist Bonell, obrister Aegydi, obrister Install, obrister de Meers [Mers; BW], obrister Güsenberg [Giesenberg; BW], obrister Zweyer, undt viele andre obristen undt hohe officier mehr mit ihrem sämbtlichen hoffstäben in die stadt logert und seindt bis über die 8000 pferde bis in den vierten tag still darinn gelegen, welche alles getrayt ausgetroschen, bey die 1200 malter rocken,[60] ohne was verfuttert, unter die füse getretten undt über die seiten gebracht, das also kein korn, obst gemüß, oder etwas anders, womit man sich hette laben können, übrig geplieben“.[61]

Im Juni 1641 wurde Zwickau[62] von den Kaiserlichen erobert, wie der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611 – 11.12.1688][63] berichtet: „Uber der Schwedenflucht wahr große freude in Böhmen und in Meißen, daß der Churfürst den 27. Martii zue Dresden[64] ein Freudenfest hielte und die stucke ließ losbrennen und praeparatoria machen, die Schweden auß Zwicka zue jagen, Wie den auch von keyßerlichen Sich der Obrist [Friedrich Conrad; BW] Spiegel mit 5 Regiementern, Nicolaischen und [Hans Abraham v.; BW] Gersdorfischen trouppen erst darfür geleget, die umb Werda[65] an der Pleiß logirten und Zwicka von ferne blocquirten. Die Schwedische besazung in der Stadt achtete des nichts, sondern fiel den 12. April in Glauche,[66] plünderten des Nachts 3 stunden lang auß und nahmen weg Pferde, viehe, gedreit, Victualien und, was Sie kunten fortbringen, kahmen darmit Sicher den 13. April früe ein. Den 11./12. Maii kam darfür General-Wachmeister Alexander Freyherr von Borri mit etlichen Regiementern zue Roß und Fuß, ein Regiement de Sove [Soye; BW], 1 regiement des Nicolai [Montard de Noyrel; BW], 4 Compagnien de [Hieronymus; BW] Coloredo, 1 Compagnie des [Maximilian v.; BW] Wallensteins, 1 Compagnie von Borri, 300 Pferde von Buchheim [Puchheim; BW] und Mißlich [Mislík; BW], 300 Trajoner von Gallas und Geleen, 300 Pferde Saxische. Das stellete er nach-Mittag umb 5 Uhr in Bataglia vor Zwicke und schlug das lager an dem ort, wo der Unger vorn jahr gelegen. Des abendts branden die Schweden die Lerchenmühl ab. Mann sahe auch mehr feuer. Den 16. Mai brandte Oberhohndorf[67] ab, am 18. huius halb Planitz;[68] an den tag kahmen 4 halbe Carthaunen an von Dresden mit einer Compagnie Trajoner von Grosenhain.[69] Den 19. folgten 4 falconen mit 1 Compagnie Pferde von Radeberg,[70] an den tag machten die keyßerlichen 3 schantzen vor der Statt, eine vorn Frauenthor, die andere Osterstein[71] gegenüber, die 3. uff den Holzanger. Den 22. Maji kahmen die 2 Freyfehnlein von Chemnitz[72]und den 25. huius 8 Compagnien von Schleinizischen [Joachim v. Schleinitz; BW] darüber. Den 24. Maji branden die Schweden die Schneide- und Pulvermühle weg und hieben alle beume umb vor der Stadt. Den 1. Junii steckten Sie an die Walck-Mittelmühle und die heußer auf den graben an. So lange aber die Schweden die Schloß mühle, die 9 gänge hat, behielten, kunten Sie der Statt nichts anhaben, welche die belägerer den 2. (12.) Junii mit sturm wegnahmen. Den 28. Maii hatten Sie von Dresden mehr stücke bracht, 2 gantze und 4 halbe Carthaunen, 6 flacianer,[4] 3 Feuermorsel, viel Munition; darauß schoßen Sie auf einen tag binnen 4 stunden 232 mahl auf die stadt, daß mans hier allezeit bobern gehöret. Es kahmen auch mehr völcker darfür, Ertzherzogliche, Beyerische und Saxische, von Duc de Savelli und Grafen von Suys, daß Sie vor der stat starck lagen 5000 zue fuß und 3000 zue roß. Die machten 20 000 schantzkorbe und So viel faschinen.[5] Den 6. Junii wurde hefftig geschoßen, 3 Minen gemacht und der Statt so hefftig zuegesezt, daß die Schweden den 7. Junii parlirten, und muste sich die besatzung auf discretion ergeben, des Obristen Johann Beers Reuter absitzen, Standarten, Pferd und Obergewehr zuerücklaßen, des Obristen Hans Heinrich von Schlieben regiement zue fuß aber nur die fehnlein von sich geben, zogen den 9. Junii auß und wurden nach ihrer Armee convoirt: Die Stat aber mit den 2 Freyfehnlein zue fuß untter des Obrist-Leutenandt [Daniel v.; BW] Schliebens (s. o.) commando besezet, und das hauß Wiesenburg[73] ihnen darzue anvertrauet. Zwicke muste den Borri geben 4000 thl., denen Artollerey verwanden 550 thl. vor die glocken“.[74]

Wassenberg schreibt in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ für den Februar 1642: „Vnter dessen hat es den Schwedischen allenthalben ziemlich geglücket / in dem sie vnter dem General Königsmarck mit etlichen Regimentern vmb Stendal[75] / Garleben[76] vnd vmbliegende Orte gestreiffet / alles geplündert nit allein viel Pferd vnd Viehe nach ihren Quartieren geführet / sondern auch Garleben vnterm Obristen Dubald [Taupadel; BW] besetzet / vnd die Armee auß den Quartieren nach Saltzwedel[77] abgeführet. Als sie nun kundtschafft bekommen / daß die Keyserische Armee gäntzlich resolvirt auff Stendal / Garleben vnd Saltzwedel / vnd gegen sie anzugehen / auch zu dem Ende von Magdeburg allerhand Nothturfft vnd viel Proviant zu Wasser nach der Armee führen lassen / haben sie die Keyserischen zwischen Halberstatt vnd Aschersleben[78] vnversehens überfallen / vier Regimenter zu Pferd / als das Savellisch / Soyisch [Soye; BW] / Gonzagisch [Annibale Gonzaga; BW] / vnd noch eins / sämptlich in 1000 starck ruiniret vnd also durch dieses den Keyserischen nicht eine geringe confusion verursachet“.[79]

„Das Regiment Markgraf Caretti zu Fuß erhielt im Januar 1642 sein Standquartier mit sechs Kompagnien in Zeitz[80] und mit vier Kompagnien in Naumburg.[81] Die Städte hatten die Verpflegung, die Dörfer die Fourage zu schaffen, und die monatliche Kontribution wurde für Naumburg mit 393 Talern, für Zeitz mit 606 Talern angesetzt. Am 7. März wurde das ganze Regiment dann in Naumburg zusammengezogen, daß sieben Kompagnien mit dem Stab in die Altstadt, zwei in die Freiheit[82] und eine in die Vorstadt kamen. Am 24. März schrieb der Graf Piccolomini dem Rat, daß er zwei General-Wachtmeister ‚zur Beobachtung des Saalestroms’ eingesetzt habe, in Merseburg[83] den Markgrafen Don Camillo von Gonzaga, in Naumburg den Baron Achilles de Soye. Die Bürgerschaft sollte mit dem Troste vorlieb nehmen, daß ‚der itzige status belli und die Pflicht der Defension’ die starke Besatzung erforderten. Die Kosten werden jetzt für zwei Monate auf 10042 Taler berechnet; dazu kam noch die Lieferung von 654 Fässern Weins. Die Carettischen Musketiere waren als ‚armes, notleidendes Regiment’ berechnet, mit vielen Kranken belastet; aber keine Truppe hat soviel Ärgernis wie diese bundesgenössische den Bürgern geschaffen. Ein dickes Aktenbündel beschäftigt sich mit den Prozeduren des Regimentschefs, des Oberstleutnants Paolo Pestaluzzi. Der Generalfeldzeugmeister de Suys hatte durch Trommelschlag die kaiserliche moderierte Verpflegungsordonnanz ausrufen lassen, aber die Bürger blieben wieder hinter ihren pflichtgemäßen Leistungen zurück, und die Einquartierung übersteigerte die Ansprüche. Es kam zu Auftritten ärgster Zuchtlosigkeit. Pestaluzzi legte dem Oberbürgermeister Dr. Lange Tribuliersoldaten[84] ins Haus, zwanzig Musketiere, vier Tage und Nächte lang. Sie soffen und fraßen und stahlen. Eine protokollarische Aufnahme ergab nachher, dass sie hier Krautfässer, Käsefässer, Molkenfässer zerschlagen, Milchtöpfe, Wasserkannen, Buttergefäße zertrümmert, Leuchter, Betten, Schränke, Stühle, Sessel, Öfen, Backtröge demoliert, Schlösser abgerissen, Käsenäpfe, Tassen, Krüge, Teller, Löffel zerbrochen hatten, und dass sie vierzehn Faß und eine halbe Tonne Bier und ein großes Quantum Branntwein vertrunken und vier Schock Käse, ein Schock Quarkkäse, das gesamte geräucherte Fleisch und die Würste eines ganzen Schweines, dazu alles gekochte Fleisch und schließlich die Häringe aufgegessen hatten.

Pestaluzzi gebot auch seinen Torwachen, keinen Ratsherren oder Doctor aus der Stadt zu lassen, und hielt so die Behörden in Arrest. Der Rat beklagte sich bei dem kaiserlichen Feldzeugmeister Piccolomini und bei dem sächsischen Obersten von Schleinitz. Pestaluzzi verteidigte sich geschickt. Er behauptete, man habe in Naumburg seinem Regimente gerade die Häuser der Allerärmsten angewiesen, die selbst kein Brot hätten, und die Häuser der Ratsherrenclique habe man übergangen. Er habe deshalb aus eigener Macht eine Umgruppierung vorgenommen. … Schleinitz wollte vermitteln. Er schrieb dem Obersten: ‚Ich kann nicht denken, daß ein solch verpflichtetes und vornehmes Kollegium wie der Naumburger Rat etwas Unwahres vorbringt, und ich ermahne Sie wohlwollend und als Freund, sich zu acquiescieren und mit dem Rat zu komportieren, damit die Sache nicht vor den Kurfürsten kommt, denn ich wollte den Herrn Oberstleutnant und einen jeden Kavalier lieber in gutem Renommée bei Seiner Kurfürstlichen Gnaden erhalten als in disgratiam zu bringen helfen’. Pestaluzzi erbot sich, unter körperlichem Eid und mit Hilfe glaubwürdiger Zeugen seine Schuldlosigkeit zu beweisen; ‚ich will’, so schloß er seine Rechtfertigung, ‚Gott weiß, nichts anderes als Fried’ und Einigkeit’. Der Rat seufzte: ‚Wo bleibet die Wahrheit ? Veritas ist geschlagen tot, justitia leidet große Not !’ Endlich nahm sich doch der Kurfürst seiner Stadt an. Pestaluzzi wurde nach dem Hauptquartier in Zeitz beschieden, und hier sollten ihm zwei oder drei Ratspersonen und die klagenden Interessenten gegenübergestellt werden. Es scheint, daß ein billiger Vergleich zustande kam. Aber Pestaluzzi duckte sich keineswegs. Schon vier Tage darauf drohte er, er werde sich nicht an die Verpflegungsorder halten; er verlange die Verpflegung in natura, und ehe er von seiner Prätension und Reputation etwas nachlasse, wolle er von seinem Regiment fort und nach der Türkei reiten. Schließlich erging ein Urteil des kaiserlichen Feldkriegsgerichts auf Grund eines neuen, acht Seiten langen Protokolls. Die Parteien vertrugen sich und bekräftigten dies durch Handschlag. Fast an demselben Tage wurde das Carretische Regiment in Naumburg abgelöst. Eine Abteilung des Piccolomischen Leib-Reiterregiments zog ein. Sie sollten nichts als Dach und Lagerstatt beanspruchen. Aber sie waren nicht minder gewalttätig als die Carettischen. Auf eine Beschwerde der Stadt antwortete der Kurfürst am 28. März. Er sprach sein gnädigstes Mitlied mit der armen, gequälten Bürgerschaft aus; ‚wir müssen aber’, schloß er mit schmalem landesväterlichen Trost, ‚die Bedrängnisse und Kriegsbeschwerungen als eine allgemeine Last und Bürde unserem Gott und der Zeit in Geduld befehlen und der Besserung warten’. Am 5. Juni mußte unter Trommelschlag ein ‚Ernstliches Edikt’ des Barons de Soye verkündet werden: ‚Weil der Stadt und der Bürgerschaft eine Erleichterung billig zu gönnen, soll hinfüro kein Soldat sich nach seinem eigenen Gefallen unterstehen, die Wirte mit Geldforderungen anzugehen, Speisungen oder sonst etwas von ihnen zu begehren, viel weniger sie mit Schlägen und anderen Exaktionen beschweren, die verlassenen Häuser nicht niederreißen und verbrennen, nicht Saat und Früchte abschneiden, nicht über die bebauten Felder marschieren, den Verkehr an den Toren nicht hindern, jedes Berauben, Stehlen, nächtliches Einbrechen, worüber viel Klagen erhoben sind, bei Leibesstrafe unterlassen’“.[85]

Am 7.6. wandte Suys sich aus Prag an Piccolomini: Gestern habe er nach seiner Ankunft Soye den Marschbefehl nach Eger[86] erteilt, wo er Vorräte finden werde, sowie die Instruktion, wo er zu den Regimentern Goldacker, Des Fours und Colombo stoßen solle, übergeben.[87] Am 13.7.1642 schrieb Soye aus Braunschweig[88] an Piccolomini: Während die Lüneburger auf der einen Seite verhandelten, hielten sie auf der anderen Seite ihre Truppen beisammen und entsandten überdies Obrist Dallenberg zum französischen Residenten nach Hamburg.[89] Der Generalkommissär sei zu General Schleinitz nach Leipzig[90] gefahren. Inzwischen teilten Colombo und Goldacker bereits die Winterquartiere in Erfurt,[91] Mansfeld[92] und Mühlhausen[93] untereinander auf; diese Orte seien allerdings sämtlich von den Schweden bedroht.[94] Der Erzgebirgschronist Lehmann erinnert sich an 1642: „Der keyßerliche General Baron de Soy ging mit 300 Pferden nach Chemnitz und Zwicka, dass wieder Lermen wurde im gebirg, dass jeder Mann in die Städte und auf die Wälder lief; er wande Sich aber und ging der Armee nach auf Leipzig“.[95]

Der Hofer[96] Organist Jobst Christoph Rüthner (1598-1648) ist vermerkt: „Im monath septembris [1642; BW] kam Johann Christoph Königsmarck, ein schwedischer generalfeldwachtmeister, von Naumburg her und legte sich bey Saalfeld mit seinen unterhabenden Leuten, verschanzte sich daselbst, bliebe auch bei 4 wochen alda liegen, und so schickte er auch überal parthien aus, das vieh hinwegzunehmen und die leute zu schäzen. In Schlaiz lag dessen regiementsquartiermeister, Gosmeister genandt. Dieser hatte nun plenipotenz, mit allen umliegenden orten zu tractiren. Dahero schäzte er alle städte und flecken daherum, schrieb auch hieher und begehrte anfänglich 10000 thaler und monathlich 5000 thaler. Endlich wurde mit ihm auf gewisse maaße 3000 thaler vor das ganze Fürstentum accordiret. Diese gelder aber musten sobald innerhalb 14 tagen zusammengeschaft werden, und man sollte sie nach Erfurth liefern. Jedoch hatte diese lieferung [der Hofer Anteil an den 3.000 Reichstaler für Königsmarck; BW] fast länger als vier wochen anstand, weilen gleich dazumal wieder den Konigsmarck sich heraufzogen ein kayßerlicher generalwachtmeister, namentlich Achelles Freyherr von Soye. Der hatte bey sich 6 regiementer geschlagener völcker allerhand sächßischer und kayserlichen trouppen, als das fougeische [Nikolaus Freiherr de Fours; BW], hebronnische[97], picolominische [Ottavio Piccolomini; BW], sousische [Ernst Roland de Suys; BW], pfulische [Adam v. Pfuel; BW], schleunizische [Joachim v. Schleintiz; BW], zu roß und zu fuß, und das bassenische [Passue; BW] regiment dragouner. Dieser kam von Plauen[98] herauf und legte sich von 2. oct[obris] bis den 10. huius mit allen seinen völckern in diese stadt. Zwar lag nur allein er zusamt dem obristlieutenant, obristwachtmeister und dem staab hier in der Neustadt, jedoch aber war diese stadt so voller pferde und leute, daß es fast zum erbarmen gewesen, dann es hatte der herr Graf nur allein auf seinen leib 122 stück pferdte, überdieses 6 heroldswagen und noch eine conrette.[99] Vor jedem derer waagen giengen 6 roße. Ja, kein rittmeister war, der nicht 22 bis 25 pferde bey sich hatte. Genug, sie hatten einen recht starcken, schädlichen und förchterlichen troß bey sich. Das meiste waren referiirte[100] officiers und gar wenig gemeine soldaten. Die arme burgerschaft war damalen sehr geprest[101] und geängstiget, als vor noch niemals gewesen, so daß es manchem bey seiner armuth des tages auf 5 bis 6 gulden gekommen. Die Altenstadt, die Vorstadt und die Fischergaße und der Graben[102] waren so voller leute und pferde, auch mit wägen so voll, daß fast kein apfel zur erden fallen konnte, dann es stunden in manchem hauße auf 20 bis 30 pferden, welche sie so sie hingekommen, ja sogar in stuben und kammern eingestellet […] hatten. Die scheuren wurden alle aufgeschlagen, die banzen[103] ausgeleeret, und sie stelleten ihre pferde dahinein. Zwischen denen scheunen giengen kühe, kalben, schöpsen[104] und anderes vieh, ja hüner, gämß, enten und piphüner[105] wie auf einem herrenhof herum. Das vorhandene heu und stroh in scheunen und schupfen[106] wurde entweder aufgefüttert oder sonsten zernichtet, das kraut und rüben ausgezogen und gefreßen, die teiche abgezogen[107] und ruiniret, denen leuten bey nachtlicher weile in die häußer, läden, kämmern und böden eingebrochen und, was sie ertappen konten, entwendet. In summa, es geschahe dazumal ein solcher schaden, weilen gleich die ernde erst verrichtet, das getraide auch noch nicht ausgedroschen, jedweder bürger auch fast gäntzlich vom gelde entblößet, der erwerb und handel auch fast gänzlich darniedergelegen, als jemals kaum geschehen, so daß der damalige aufgang[108] und schaden bey dieser unsriger stadt und hauptmannschaft auf sehr mäßige weise von verständigen leuten auf über 20000 gulden geschäzet wurde.

Als nun solcher jammer, verwüstung und ungenach seiner fürstlichen gnaden fürgebracht worden, haben sie solches mit hohen ungnaden empfunden, dieserwegen an den Baron und general geschrieben und starck verwiesen, daß er so unverantwortlich mit seinen armen leuten und unterhanen umgienge und ihnen als einem Fürsten des reichs und craßausschreibenden potentaten [des Fränkischen Kreises; BW] ohne ordre[109], ohne vorheriges anmelden in seinen landen überzogen. Darneben so bedroheten seiner fürstlichen [gnaden], wie sie dieses verfahren allerdings an ihro römisch kayferliche[110] mayestät berichten laßen wolten. Ob solchem schreiben ward gedachter general überaus entrüstet und erzürnt und wolte durchaus wissen, wer solches seiner fürstlichen gnaden vorgebracht, und hatte er hierüber den herrn hauptmann wie auch burger-meistern und rath dieserwegen in verdacht. Dahero machte er sich an dieselbige und verlangte von beiden theilen ein schriftliches attestat[111] und zeugnus seines verhaltens, und daß ihm wegen gethaner bezüchtigung wegen unrecht geschehen wäre. Dem ganzen rath war hier bey dieser sache wohl nicht, und hatten sie auf dieser seiten dieser gewalt und auf jener aber ungnade zu beförchten. Ob er schon sehr eiferig und in continenti[112] solches testimonium[113] begehrte, so hielten sie ihn doch ganzer 2 tage, bis ihm der zorn vergangen, auf, endlich gaben sie ihm dieses wahrhaftige zeugnus unter ihrem siegel und unterschrift, als solches noch in originali[114] bey den actis publicis[115] zu finden und mit fleiß, der posteritaet[116] zum besten, aufgehoben worden, und ist folgenden inhalts:

Demnach der römischen kayßerlichen mayestät kammerherr, generalfeldwachtmeister und hochbestalter obrister zu roß und fuß, der hochwohlgeborne herr, […] herr Achilles Freyherr von Soye, von uns dem rath alhier zu wissen begehret, ob seine ihm untergebene soldatesca der burger vieh mit gewalt aus den ställen genommen, die cramläden erbrochen und ihr und der eingefleheten[117] getraid hinweggeführet, so haben wir dieser wegen etwas nachfrage gehalten und so viel erkundiget, wie daß anfänglich allerorten von wegen des vielfältigen aufgangs[118] großer jammer, dann daß die scheunen in denen vorstädten überal eröffnet, daß darinnen geweßene getraid ausgedroschen, heu und stroh über die assignation[119] meist verfüttert und dasjenige, was hereingeschaft werden sollen, ohne lösung nicht gefolget worden, daß auch nachbenahmten bürgern, als herr Georg Schubhardt, castnern,[120] herr Wolfgang Scheuben [Scheube (Scheuba); BW], herr burgermeister Wolf Härteln, Matheus Dorschen, Georg Bergern, Jacob Schneidern, Friedrich Herrmans witwe, Gilich Ludwigen, Marn Wießnern und Hanß Müllern, meßerschmieden,[121] bey nächtlicher weile theils deren häußer, theils deren keller, ställe und läden erbrochen, daraus an allerhand vieh, kleidern und waaren genommen, auch theils durch fleißige aufsicht der haußväter wiederum abgetrieben und größer unheil und ungelegenheiten hierdurch verhütet worden, welches wir seiner excellenz auf dero begehren eilfertig in schriften entdecken und mit unserer […] und gemeiner stadt insiegel bedrucken sollen. So geschehen Hof, den 8./18. octobris anno 1642. Locus sigilli[122], burgermeistern und rath.

Als er nun solches testimonium in die hände genommen, hat er es nicht anzunehmen begehrt, sondern solches zu ändern wiederum zurückgegeben, alleine es hinterzogen es burgermeister und rath in die länge und blieben dannoch hernach hierüber unangefochten. Auch schrieb er dazumal an den herrn hauptmann, ob er sagen könnte, daß er eine einzige klage wider seine leute fürgebracht, die er nicht gehöret und abgeholfen, und begehrete antwort. Worauf aber der herr hauptmann gar höflich antwortete und vermeldete, wie er gestehen müste, daß er ihm gehöret, auch ordre[123] solches abzuschaffen ertheilet, sezte aber bey allen fällen, derer er über 10en erzählet, anders nichts darzu, als daß ers angehöret, gedachte aber nie, daß geholfen oder etwas restituiret[124] worden“.[125]

Am 8.10. wandte sich Erzherzog Leopold Wilhelm aus seinem Feldlager bei Grafenstein[126] an Rudolf Graf Colloredo: Ohne Zweifel werde ihn der Kaiser von der Absicht des Feindes, in Böhmen einzufallen, und von den notwendigen Gegenmaßnahmen bereits informiert haben. Auch werde ihm der kaiserliche Befehl an Enckevort bekannt sein, sich mit den bei Olmütz[127] liegenden böhmischen und oberösterreichischen Truppen nach Böhmen zu wenden, wohin auch die vier in Österreich angeworbenen alten Kompanien kommen sollen, um dort seine, Leopold Wilhelms, Befehle abzuwarten. Jetzt solle das gesamte Kriegsvolk gegen Bunzlau[128] vormarschieren, Colloredo solle es mit Proviant versorgen. Es sei ihm ferner bekannt, dass sich im Königreich Böhmen eine Menge verschiedenster Deserteure herumtreibe; daher sollen Profosse[6] mit einer gewissen Anzahl von Soldaten ausgesandt werden, um dieses Gesindel einzufangen und das Land von ihnen zu säubern. Der Kaiser habe erfahren, dass Königsmarck angeblich mit 1.300 Reitern und 700 Infanteristen bei Saalfeld stehe und mit Torstensson den gemeinsamen Vorstoß nach Böhmen abspreche. An Soye sei der Befehl ergangen, dem Feind sofort nachzusetzen, wenn dieser sich nach Böhmen wenden sollte.[129] Am 30.10.1642 schrieb der kursächsische Geheime Rat Sebottendorff an Wilhelm von Lobkowitz und berichtete ausführlich über den Vormarsch Torstenssons und der Schweden gegen Torgau,[130] wo sie eine Schiffsbrücke errichten und nach Eilenburg[131] übersetzten. Der Feind habe auch Leipzig unter Beschuss genommen. Goltz sei durch Königsmarck abgeschnitten worden, so dass er sich nach Weißenfels[132] zurückziehen musste. Soye konzentriere seine Truppen an der böhmischen Grenze, Enckevort um Pirna.[133]

Rüthner beschreibt die Vorgänge vor und während der 2. Schlacht bei Breitenfeld[134] (2.11.1642): „Den 24. oct[obris] hatten seiner kayserlichen Mayestät nach Leipzig einen conventtag[135] ausgeschrieben, alda zu tractiren[136], wie die schwedische als der reichsfeind von dem reichsboden zu bringen sein, und war kayserlicher legatus,[137] ihro gnaden aber der andere jüngere herr von Reuß[138] von Gerau, ingleichen auch fürsten albereit im anzuge begriffen und dahin zu reisen würcklich gefaßet. Alleine es wurde dieser tag bei zeiten zu wasser, maaßen die ganze schwedische armee aus Schlesien in anmarsch begriffen und ihren weg durch das Churfürstenthum Sachsen genommen. Die kayserlichen folgeten ihnen auf eine tagreise weit auf dem fuße nach. Torstensohn aber, der schwedische general, hat seine armee bey Torgau[139] über die Elbe und den 21. october nahe bei Wurzen[140] über die Muldau[141] gebracht. Dann es muste jedesmalen ein regiement reuther ein regiement zu fuß abholen und hinter sich zu pferde setzen. Worauf endlich den 22. october der völlige marsch recta[142] auf Leipzig gegangen, welche stadt sie in der grösesten furie[143] angefallen, aufgefordert und endlich die stücke gegen sie gepflanzt[144] und in zeit von 2 stunden eine ziemliche breche[145] gemachet, darauf aber den sturm angeordnet. Weilen aber ein ziemlich hoher thurn[146] neben solcher breche,[147] so von dem canonirern beschädiget war, eingefallen und solches loch der breche[148] wiederum verstopfet und verschüttet, unterdeßen aber die kayserlichen völcker sich immer mehr und mehr näherten, so daß die partheien einander schon zu unterschiedlichen malen getroffen, so hat der general Torstensohn die belagerung eilend aufgehoben, das lager anzünden und noch selbigen abends die völcker gegen Dölitsch[149] zu marchiren laßen. Dadurch die kayßerliche in den wahn gerathen, als ob der feind zu stehen nicht getraue und sich nicht genugsam im stande befände. Als er aber den breiten plaz, Breitenfeld genandt, nahe bey dem dorfe Budelwiz[150] eine meile[151] von Leipzig erreichet (alda anno 1631 den 7. septembris die grose hauptschlacht zwischen denen römisch-kayserlichen und königlich schwedischen, auch chursächsischen völckern vorgegangen), so hat er sich gesezet, die armee en ordre de bataillie[152] gestellet, auch die nacht zu schanzen und batterien[153] zu machen angewendet. Und obwohl seine kriegsräte und obristen ihm solches wiederrathen und sich an einen sicheren und bequemen ort, da man […] eine vortheilhafte retirade[154] haben könnte, ermahnet, so ist er auch [auf; BW] seiner einmal doch gefasseten resolution[155] bestanden und geantwortet, er wolle da stehen, da der könig, sein herr, ehemalen gestanden und glüklich viktorisiret[156] hätte. Die kayßerlichen, so zwar den abend zuvor auch durch die Muldau[157] gesezet, aber bis über den gürtel im waßer waten müssen, welches dieselbe im fechten sehr beschwerlich gewesen, haben gleichfalls nicht gefeiert,[158] sondern sich gleich in der nacht ebenfalls gestellet und die partheyen gegen die feinde avanciren[159] lassen und in aller frühe annoch in dämmerung mit aller macht den 29. november[160] an dieselbige gesezt und in schlachtordnung angesezt, auch sich so wohl gehalten, daß der sieg anfänglich für die kayserliche favorabel,[161] für die schweden aber sehr  müßlich[162] angelaßen. Indeme aber der schwedische rechte flügel bereits zurücke getrieben und in einige disordre[163] gebracht worden, auch dem herren general Torstensohn ein schößlein vom belz[164] hinweggeschoßen, auch sonsten vieles volck eingebüßet worden ist. Allein als der kayserliche lincke flügel von einem haufen schwedischer musquetirs, so in einem dorfe[165] versteckt gewesen, attaquiret worden, in dem rücken ihme starcke salven gegeben, so wurden hierdurch die kayserlichen in große confusion[166] und folgend darauf gänzlich in die flucht gebracht, darüber sodann alle munitionwägen, 48 grose und kleine […] stücke[167] verlohren geggangen. Ja, es ist fast die ganze infanterie auf dem plaz geblieben, welches alles die schweden neben 28 fähnlein und 71 estandarten,[168] 7000 pferden, des Erzherzogs durchlaucht wie auch denen anderen generalspersonen gehörig kriegscanzleygeld, silber und cammergeschirr[169], ihro durchlaucht betten und zelt, welches Torstensohn um 3000 thaler von seiner soldaten einem an sich erkaufet, in summa ein groß guth erobert, und solches treffen keine 3 stunden in allem gedauert. Das wort auf der auf der kayserlichen seiten ist gewesen: „Maria hilf !“, auf der schwedischen seiten aber: „Jesu Christi hilf !“ Diese niederlage ist für den grösesten verlust derer kayserlichen, welchen sie noch jemalen in diesem kriege gehabt, gehalten worden. Auf kayserlicher seiten wurde 3000 mann auf der wahlstadt[170] gezehlet. Ihro hochfürstliche durchlaucht Erzherzog Leopoldus hatten sich zwar tapfer gehalten und heroisch gefochten, es wurden ihm währenden treffen von 4 schweden die kette vom leibe gerissen, ist auch von einem schuß verlezt worden, ist sodann mit wenig gütern gegen Dreßden gezogen und hat sich in Bremen salviret[171], alwo er hernachmalen bei Rackenau[172] in die 1600 mann an sich gezogen und zusammengebracht. Der obrist Collredo [Rudolf von Colloredo; BW], […] Pompejus [Tommaso Pompeio; BW], Graf Buchheim [Hans Christoph III. von Puchheim; BW] sind alle drey verwundet nach Altenburg[173] kommen und von seiner fürstlichen gnaden daselbst nach Zwickau convoiret worden. Der general Picolomini und Don Hannibal Gonzago [Gonzaga; BW] aber sind nach Leipzig gekommen.

An todten sind gewesen:

1. herr generalwachtmeister Graf Broy [Albert Gaston Spinola Graf von Bruay verstarb erst 1645; BW],

2. herr generalwachtmeister Paron de Soye[174] [Achilles Baron de Soye; BW]

3. obrister Münster [Christian v. Münster; BW]

4. obrister Nicolao [Lorenzo Nicola de Neyvel; BW]

5. obrister Wannß [Johann v. Wintz; BW]

An gefangenen sind gewesen:

1. generalfeldzeuchmeister Comte de Soye [Ernst Roland, baron de Grysort, Graf v. Suys (Soise); BW]

1. obrist Wangenheim [Friedrich Ludwig v. Wangenheim; BW],

3. obrist Ranff, [Johann Christoph Ranfft v. Wiesenthal; BW]

4. Don Felix [de Zuñiga; BW],

welche alle auf Erfurth, die generals auf einer kutschen, dir[175] anderen officiers aber auf rüstwägen,[176] sind geführet worden. haben daselbsten bei dem thor absteigen und zu fuß hineingehen mßen. Daselbst ein danckfest gehalten und die stücke gelößet[177] worden.

Auf derer schweden seiten sind geblieben und verlohren worden in und bei dieser schlacht:

1. generalfeldzeuchmeister Lilienhoeck [Johan Liliehöök, BW]

2. generalmajor Schlangen [Erik Klarson Slange; BW] […]

3. obrist und assistenzgeheimderrath Biber [N. Bibo, BW]

4. obrist [Hans Heinrich v.; BW] Schlieben

6. obristlieutenant Stinz [wahrscheinlich Anton King; BW],

7. obristlieutenant Tozky [Tortz, Trotzig; BW]

8. capitain Banner [Obrist Banér v. Banér zu Fuß ?, geriet allerdings in Gefangenschaft; BW],

9. capitain Montaigne [N. Mortaigne; BW]

10. capitain Manß Person [Måns Pierson; BW].

Der generalmajor Stollhanß [Torsten Stålhandske; BW] verfolgete die victorie und gienge denen flüchtigen bis in die bergstädte nach. Der generalmajor Königsmarck aber gienge in die Schlesien, und war dazumal die französische oder weimarische armee auch im anzuge und befande sich kurz darauf in Sangerhausen“.[178]

 

 


[1] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[2] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[3] Schlachtordnung.

[4] Flacianer: grobes Geschütz, nach dem Streittheologen Flacius Illyrikus benannt.

[5] Faschinen: Schanzkörbe, Reisig, Bündel, Holzwälle, Rutenbündel.

[6] Profos: Militärischer, vielfach gefürchteter Offiziant, der die Einhaltung der Kriegsbestimmungen und Befehle, der Lager- und Marschordnung überwachte. Der Profos zeigte die Zuwiderhandelnden beim Befehlshaber an, nahm sie fest, stellte sie vor Gericht und vollstreckte das vom Kriegsrichter (dem Auditeur) gesprochene Urteil. Er ersetzte dadurch den Scharfrichter, der nicht immer beim Regiment vorhanden war. Dabei unterstützten ihn Knechte und Gehilfen wie der Profoslieutenant. Es gab einen Profos für jedes einzelne Regiment und einen Generalprofos (auch „Generalgewaltiger“ genannt) für die gesamte Armee. Der Profos hatte ferner die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel vor den Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Er überwachte gegen eine Abgabe der Händler oder Marketender den Lagermarkt. Zudem oblagen ihm die Einrichtung der Latrinen und die Reinigung des Feldlagers von den Fäkalien, die Entfernung toter Tiere. Einmal pro Woche wenigstens sollten die Quartiere durch die Huren und Trossbuben gereinigt werden, zur Aufsicht wurde auch der Hurenwebel (aufsichtsführender Organisator des umfangreichen Trosses) herangezogen. Mitglieder des Trosses, der immer wieder Gesindel aller Art anlockte, konnten zudem zu den kräftezehrenden und verachteten Schanzarbeiten und anderen Hilfsarbeiten herangezogen werden. Hier hatte der ihm unterstellte Hurenwebel die Aufsicht. Diese wichtige Funktion war für einfache Soldaten die wohl einzige militärische Aufstiegsmöglichkeit. Der Hurenwebel besaß einen eigenen Leutnant als Stellvertreter und wurde zudem vom Rumormeister unterstützt. Der Profos und dessen Leutnant sollten zudem beim Verlassen der Quartiere die Huren und die Trossbuben aus den Quartieren vertreiben und dafür sorgen, dass alle Feuer gelöscht waren. Seine Aufgabe war es auch, die Gefangenen hinter dem Regiment herzuführen. Er erhielt monatlich 30 fl. (Kavallerie) bzw. 60 fl. (Fußtruppen). LAHRKAMP, Kölnisches Kriegsvolk; Schwedisches Kriegs-Recht; BERG, Administering justice, S. 6.

[1] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[2] SCHMIDT-BRENTANO, Kaiserliche und k. k. Generale, S. 94.

[3] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.

[4] Asperg [LK Ludwigsburg]; HHSD VI, S. 29ff.

[5] Urach [LK Reutlingen]; HHSD VI, S. 828ff.

[6] Neuffen [LK Esslingen], HHSD VI, S. 565f.

[7] Bietigheim, HHSD VI, S. 83f.

[8] BENTELE, Protokolle, S. 195.

[9] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 54.

[10] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 56: Soye an Gallas, 1635 II 09, vor Asperg.

[11] BOLAY, Hohenasperg, S. 46f.

[12] Kehl [Ortenaukr.]; HHSD VI, S. 395f.

[13] BOLAY, Hohenasperg, S. 46f.

[14] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[15] MAURER, Höhenfestungen, S. 311.

[16] Hohenzollern; HHSD VI, S. 354ff.

[17] Nürtingen [LK Esslingen]; HHSD VI, S. 579f.

[18] Ulm; HHSD VI, S. 808ff.

[19] Nach: MAURER, Die württembergischen Höhenfestungen, S. 264-315.

[20] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff. Vgl. dazu ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[21] Langenburg [LK Schwäbisch Hall]; HHSD VI, S. 448f.

[22] Neuenstein [Hohenlohekr.]; HHSD VI, S. 564.

[23] ENGERISSER, Von Kronach, S. 362 (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[24] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[25] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 111f.

[26] Lisle: nicht identifiziert.

[27] Giromagny [Territoire de Belfort; Frankreich].

[28] Luxeuil [Luxueil-les-Bains; Dép. Haute-Saône; Frankreich].

[29] Lure [Dép. Haute-Saône; Frankreich].

[30] Besançon [Dép. Doubs, Frankreich].

[31] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 297.

[32] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[33] Thionville [Span. Niederlande, heute Dép. Moselle; Frankreich].

[34] Hesdin [Dép. Pas-de-Calais; Frankreich].

[35] Artois (ndl. Artesië; dt. auch Artesien), frühere Provinz im Norden Frankreichs. Artois liegt im Inneren des Département Pas-de-Calais, dessen westlicher Teil das frühere Boulonnais bildete.

[36] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 840: Piccolomini an J. v. Beck, Feldlager bei Thionville, 1639 VI 08: Bericht über den bei Thionville über 14 000 Mann Infanterie u. 5 000 Reiter errungenen Sieg. Auf dem Schlachtfeld blieben 6 000 bis 7 000 Gegner, 7 000 wurden gefangen genommen (unter ihnen Marschall Feuquières, mehrere Obristen u. Dutzende anderer Offiziere), während die Kaiserlichen 1 000 Tote u. Verwundete hatten.

[37] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 849: Piccolomini an Ferdinand III, 1639 VI 25: Auf Verlangen des Kardinal-Infanten habe er sich gegen das vom Gegner bedrohte Hesdin in Marsch gesetzt u. das Kommando bei Thionville an Beck übergeben.

[38] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 861: Piccolomini an Ferdinand III., Feldlager bei Arras, 1639 VII 14: Die Anwesenheit des Königs u. Richelieus bei der Truppe bewiesen, dass sie Hesdin nicht aufgeben wollten u. neue Angriffe planten. Die v. ihm, P., getroffenen Anordnungen u. die Bereitschaft der spanischen Armee böten aber Garantien dafür, dass Flandern nicht fallen u. der Gegner sich weder des Artois noch des Hennegaus bemächtigen könne.

[39] Béthune [Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[40] WASSENBERG, Florus, S. 433ff.

[41] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturverzeichnis).

[42] Hann. Münden; HHSD II, 333f.

[43] [Bad] Wildungen; HHSD IV, 35ff.

[44] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 104; bzw. Nr. 1076.

[45] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.

[46] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 92f.

[47] [Bad] Homburg v. d. Höhe; HHSD IV, 23ff.

[48] Fritzlar [Schwalm-Eder-Kreis]; HHSD IV, S. 149ff.

[49] Kassel; HHSD IV, 252ff.

[50] FRITSCH, Tagbuch, S. 171f.

[51] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[52] Höxter [LK Höxter]; HHSD III, S.  346ff.

[53] Bad Wildungen [Kr. Waldeck]; HHSD IV, S. 35ff.

[54] Warburg [LK Warburg]; HHSD III, S. 752ff.

[55] SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (eine in der deutschen Fachliteratur kaum bekannte Biographie).

[56] Bruchhausen [Kr. Brilon]; HHSD III, S. 122.

[57] Albaxen, heute Stadtteil von Höxter [LK Höxter].

[58] Bresche.

[59] Bienenkörbe.

[60] Das würde einer Gesamtmenge von 170.400 bis 340.800 l entsprechen.

[61] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 101f.

[62] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[63] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann

[64] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[65] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[66] Glauchau; HHSD VIII, S. 116f.

[67] Oberhohndorf, heute Stadtteil von Zwickau.

[68] Planitz [Stadtkr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 279.

[69] Großenhain; HHSD VIII, S. 135f.

[70] Radeberg [Kr. Dresden]; HHSD VIII, S. 292f.

[71] Osterstein, Schloss von Zwickau.

[72] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[73] Wiesenburg [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 360.

[74] LEHMANN, Kriegschronik, S. 134f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[75] Stendal; HHSD XI, S. 446ff.

[76] Gardelegen; HHSD XI, S. 130ff.

[77] Salzwedel, HHSD XI, S. 404ff.

[78] Aschersleben [Kr. Aschersleben]; HHSD XI, S. 23ff.

[79] WASSENBERG, Florus, S. 469f.

[80] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[81] Naumburg [Kr. Naumburg]; HHSD XI, S. 341ff.

[82] Domfreiheit: verfassungsrechtlicher und kirchenrechtlicher Sonderstatus von geistlichen Personen bzw. von deren Grund und Boden. Immunität umfasste ganze Kloster-Bezirke oder auch z. B. die sogenannte Dom-Freiheit, in der sich die Domkirche und auch die Höfe der Domherren befanden.

Die Domfreiheit (oder Domimmunität), manchmal auch Domsfreiheit im Mittelalter war der unmittelbare Grund, rund um den Sitz des Bischofs, des Doms mit seinem Domkapitel, dem der Domdechant vorstand. Dieser erstreckte sich zumeist nur wenige hundert Meter außerhalb der Gebäudegrenzen des Dombereichs und war in der Regel mit einer Ummauerung eingefasst (Domburg). Sie beinhaltete nicht den eigentlichen Kirchengrund. Dieser fällt unter den Begriff Hochstift. Der Bereich der sog. Domfreiheit unterstand nicht der städtischen Gerichtsbarkeit, sondern der Dom hatte seine eigene Gerichtsbarkeit. Das betraf nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch das Gesinde, welches auf den dem Dom angeschlossenen Wirtschaftsbereichen arbeitete. Dieser Bereich diente den Domherren wie auch ihren Bediensten zugleich als Wohnbereich. Dieser Bereich unterstand demzufolge auch nicht der städtischen Steuerpflicht. Darin bestand seine Freiheit. Innerhalb der Stadtmauern gab es also zwei eigenständige politische Herrschaften. Dies führte in vielen Städten über die Jahrhunderte immer wieder zu Streitereien. Dies lässt sich z. B. in der Speyerer Chronik des Stadtschreibers Christoph Lehmann von 1612 verfolgen. So heißt es dort etwa: „Es hat sich viel und lange Jahr unversöhnliche Widerwärtigkeiten zwischen der Burgerschaft unnd der Clerisey Gesind in der Statt verhalten. Derhalben König Rudolph in obberberührten Vertrag sonderlich verordnet / wie derselben Rhat zu schaffen seyn solt.“ Spätestens mit der Reformation und der damit verbundenen Säkularisierung der Klöster hörte die Domfreiheit auf zu existieren. In den katholischen Gebieten blieb sie noch länger erhalten. Beispiele heute noch relativ guterhaltener Domfreiheiten sind die zu Halberstadt, Hildesheim, Magdeburg, Merseburg, Münster, Naumburg (Saale) und Trier. [wikipedia]

[83] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.

[84] zwangseinquartierter Soldat, der die Aufgabe hatte, mittels übermäßigem Essen und Trinken, Einstellen von Pferden, Diebstähle und Verdrängung der Hausinsassen aus ihren Stuben die eingeforderten Kontributionen, „Verehrungen“ aus den Bewohnern besonders in den andersgläubigen Städten und Dörfern herauszupressen.

[85] BORKOWSKI, Schweden, S. 90ff.

[86] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[87] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1302.

[88] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[89] Hamburg; HHSD I, 83ff.

[90] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[91] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[92] Mansfeld; HHSD XI, 316ff.

[93] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[94] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1308.

[95] LEHMANN, Kriegschronik, S. 139,

[96] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[97] das ehemalige Regiment des Daniel Hebron ?

[98] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[99] Karette = leichte Kutsche.

[100] verschrieben für „reformirte“ = im Wartestand befindliche, auf Halbsold gesetzt.

[101] belastet

[102] Stadtviertel östlich und nördlich der Neustadt außerhalb der Stadtmauern.

[103] Scheunenraum, in dem Getreidegarben aufgeschichtet wurden.

[104] Hammel.

[105] Truthühner

[106] Schuppen.

[107] abgelassen.

[108] Kosten.

[109] Befehl.

[110] verschrieben für „kayserliche“.

[111] Bescheinigung.

[112] Fortwährend.

[113] Zeugnis.

[114] Das Original lag dem Autor nicht vor, es muss sich um einen Entwurf oder eine Abschrift handeln.

[115] öffentlichen Akten.

[116] Nachwelt.

[117] hereingeflüchteten.

[118] Verluste.

[119] Anweisung, hier besser: Verpflegungsordnung.

[120] Bürgerlicher Verwaltungsbeamter, Einnehmer und Verwalter der Natural- und Geldabgaben, dann Steuern aller Art, vergleichbar dem Rentmeister, dessen Unterbeamter der Kastner war, wenn der Rentmeister einem größeren Bezirk vorstand.

[121] zunftgebundener Handwerker, der Messer schmiedet. Er gibt der Klinge unter dem Hammer ihre grobe Gestalt und schlägt sie dann von der dünnen Stange Eisen ab.

[122] Stelle des Stadtsiegels.

[123] Befehl.

[124] zurückgegeben.

[125] KLUGE, Hofer Chronik, S. 204ff.

[126] Grafenstein [Grabštejn, Bez. Reichenberg]; HHSBöhm, S. 169.

[127] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[128] Bunzlau [Boleslawiec]; HHSSchl, S. 63ff.

[129] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1330.

[130] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.

[131] Eilenburg [Kr. Delitzsch/Eilenburg]; HHSD XI, S. 100ff.

[132] Weißenfels [Kr. Weißenfels]; HHSD XI, S. 487ff.

[133] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1343; Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[134] Schlacht bei Breitenfeld am 23.10./2.11.1642: Die Schweden unter Torstensson besiegen die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Ottavio Piccolomini. Vgl. RUDERT, Kämpfe; WALZ, Der Tod, S. 160ff.

[135] Konferenztag.

[136] verhandeln.

[137] Gesandter.

[138] Heinrich II. Reuß von Plauen zu Gera, der Jüngere (1602-1670).

[139] Torgau [LK Torgau-Oschatz/Sachsen]

[140] Wurzen [LK Muldentalkreis/Sachsen]

[141] Mulde.

[142] geradewegs.

[143] Wut, Sturmlauf.

[144] die Geschütze gegen sie in Stellung gebracht.

[145] Bresche.

[146] Turm.

[147] Gemeint ist hier wohl die Bresche am Pauliner-Kolleg, später Augusteum der Universität.

[148] Bresche.

[149] Delitzsch [Kr. Delitzsch]; HHSD XI, S. 73f.

[150] Rackwitz-Podelwitz [LK Delitzsch].

[151] 1 Meile = ca. 7,420 km.

[152] in Schlachtordnung.

[153] Geschützstellungen.

[154] Rückzugsmöglichkeit.

[155] Entschluss.

[156] gesiegt.

[157] Mulde.

[158] haben gleichfalls keine Zeit verloren.

[159] vorrücken.

[160] Verschrieben für „23. october“ = 2.11 n. St.

[161] günstig.

[162] ungünstig angelaßen.

[163] Unordnung.

[164] Schoßteil des Pelzes; vgl. ENGLUND, Verwüstung, S. 285.

[165] Klein-Wiederitzsch.

[166] Verwirrung, Auflösung.

[167] Nach RUDERT, Kämpfe, S. 150, und ENGLUND, Verwüstung, S. 288, 46 Stücke.

[168] Nach RUDERT, Kämpfe, S. 150, 69 Standarten und 121 Fahnen.

[169] Nachtgeschirr.

[170] Schlachtfeld.

[171] Gerettet.

[172] Rakonitz [Rakovník]; HHSBöhm, S. 508f.

[173] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[174] So auch bei RUDERT, Kämpfe, S. 150.

[175] verschrieben für „die“.

[176] Plan-, Fracht-, Tross-, Kriegswagen.

[177] die Geschütze abgefeuert.

[178] KLUGE, Hofer Chronik, S. 207ff., Sangerhausen [Kr. Sangerhausen]; HHSD XI, S. 409f. Ausführlich dargestellt bei RUDERT, Kämpfe, S. 144ff.

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