Slang [Slange, Schlange, Schlang, Schlangk, Schleng, Schläge], Erik [Erich] Klarson

Slang [Slange, Schlange, Schlang, SchlangkSchleng, Schläge], Erik [Erich] Klarson; Generalmajor [1600-2.11.1642 bei Breitenfeld] Erik [Erich] Klarson Slang [Slange, Schlange, Schlang, Schlangk, Schleng, Schläge] [1600-2.11.1642 bei Breitenfeld] stammte aus Finnland und stieg in schwedischen Diensten auf bis zum Generalmajor.[1] Er selbst unterschrieb mit Erich Schlangk. [=> Abbildung]Slang-Unterschrift

Slang soll aus altadligem Geschlecht [=> Abbildung Wappen]gestammt habenSlang-Wappen und am Hofe Gustav II. Adolfs aufgewachsen sein. Mit ihm ging er 1630 als Obristleutnant[2] nach Pommern.[3] Bei dem Einzug Gustav II. Adolfs in das gerade eroberte Landshut[4] am 10.5.1632 war er dabei: „Der Schreiber der Kleinen Chronik faßt die Ereignisse folgendermaßen zusammen: ‚Darnach 1632 ist der vorgemelte Schwedische Khinig selbsten Persöhnlich zu Georgy eingezogen in Landtshuet, wie auch mit Im der Oberist Horn, der Weimarckher [Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar;[5] BW], der Obrist Schlang, der Heberon [Hepburn; BW]. Man hat Im den schlisel Entgegen getragen, vnd Im zur fuesen gefallen, darauf ist die Statt gerantzioniertt worden. Es ist weidter nichts feindlichs tentiert worden, allain ein 6 Heiser sein abgebrent worden durch die Soldaten, die zuuor einen Neid gehabt haben wider die Purger. Er ist nur 8 Tag hie gewesen mit seinen Völckhern,[6] der Khinig selbst ist khein Nacht hie gebliben, den wie er ist eingeraist vnd das Neue Pau (Residenz) besicht vnd wie er die stiegen hinauf ist gangen, hats einen donnerstraich aus dem haidern Himel gethan’ “.[7]

„Der Kurfürst von Sachsen ging mit dem Gros seiner Armee[8] auf Jerichow[9] zurück in der Absicht, hier über die Elbe zu gehen und dann auf Magdeburg[10] zu marschieren, das sich noch immer im Besitz der Schweden befand. Als er in Jerichow ankam, stellte es sich heraus, dass ein Übergang über die Elbe wegen des herrschenden starken Eisganges unmöglich war. Deshalb machten die Sachsen kehrt und zogen am 22. Dezember [1635; BW] nach Rathenow,[11] wo alles in Rattenaw,[12] die Mußquetierer[13] aber auf die nächsten Dörfer logiret worden. Nur einige Reiterabteilungen unter dem Obristlieutenant Unger ritten dem Heere nach Fehrbellin[14] vorauf und besetzten dort die Schanze. Den 23. [Dezember] seind Ihre Durchl. [Kurfürst von Sachsen] wiederumb aufgezogen und nachher Jarlitz [Garlitz[15]] marchiret, marchiret, hatt alles in einem Dorfe gelegen, die meiste Cavallerie aber meistentheils um Rattenaw, der General von der Cavallerie und General-Major Dähne [Dehn-Rotfelser; BW] sind in Rattenow blieben. Da kam aus Fehrbellin die Nachricht, das der Obl. Unger die Schanze zu Fereberlin [Fehrbellin] wieder verlaßen müssen, denn der Feind zu starck auf ihn gesetzet. Wieder war es Morzin, der den in Fehrbellin hart bedrängten Sachsen mit etzlichen Regimentern[16] unverzüglich zu Hilfe eilte. Als jedoch Morzin in Fehrbellin ankam, hatte das Banérsche Leibregiment[17] unter dem Obristlieutenant Schlange, das den Angriff ausgeführt hatte, bereits von den über den Rhin ins Havelland gejagten Dragonern[18] des Obristleutnants abgelassen und war auf Bötzow[19] marschiert, welchen Paß es am 24. Dezember ohne einen Schuß einnahm. Die in Bötzow befindliche 200 Mann starke brandenburgische Besatzung erhielt freien Abzug nach Brandenburg“.[20]

In schwieriger Lage besiegte Báner am 4.10.1636 bei Wittstock[21] zusammen mit Slang überraschend die siegessicheren Sachsen, Brandenburger und Kaiserlichen. „Einen solchen unerwarteten Gegenstoß arrangierte er jetzt im nördlichen Brandenburg. Elf Tage lang spielte sich dort ein merkwürdiges Schauspiel ab. Wie zwei Boxer umkreisten die zwei Heere einander; die schwedische Armee wie ein verbissener und selbstbewußter Fliegengewichtler, der immer wieder den Schlagabtausch sucht, während der großgewachsene Widersacher – verwirrt und nicht wenig verängstigt durch seinen aggressiven Gegner – immer wieder ausweicht. Aber am Samstag, dem 24. September, stellte Banérs Heer seinen Gegner in dem hügeligen, bewaldeten Terrain unmittelbar südlich der kleinen Stadt Wittstock. Die Kaiserlichen und die Sachsen hatten beschlossen, ihre Gegner auf einigen sandigen Höhen, dem Scharfenberg, zu empfangen; der Sicherheit halber hatten sie einen Teil der Front mit sechs in aller Hast gegrabenen Schanzen und einer Mauer zusammengeketteter Troßwagen gedeckt. Ihre Befehlshaber warteten lange darauf, daß sich die schwedischen Truppen auf den offenen, sumpfigen Feldern vor ihrer Front offenbarten, um sich wie bei Nördlingen[22] in geordneten Formationen von der zahlreichen Artillerie niedermähen zu lassen. Aber statt dessen kam die Meldung, daß die schwedischen Truppen völlig unvermutet und gegen herkömmlichen Brauch durch einen Wald aufmarschiert waren, an den sich der linke Flügel der vereinigten Armeen anschloß, und daß sie schon gut geordnet bereitstanden, um die kaiserlichen und sächsischen Truppen zu überflügeln ! Letztere waren daher gezwungen, ihre schönen Schanzen und ihre feine Wagenburg zu verlassen und gegen die angreifenden Schweden umzuschwenken. Dann begann die Schlacht.[23]

Sie dauerte Stunde um Stunde. Wie gewöhnlich war es kein richtig geordneter Kampf, sondern eher nur ein rhapsodischer Wirrwarr von Schwadronen[24] und Brigaden,[25] die ein ums andere Mal im Rauch aufeinanderprallten. Beide Seiten verfügten über große Kavallerieverbände, und diese waren bald in eins der blutigsten und ausgedehntesten Reitergefechte des ganzen Krieges verbissen – Schwadronen prallten für einige kurze, verwirrte Augenblicke aufeinander, während die wogenden Reiter (die Gesichter schwarz von Pulverstaub und weiß vor Schrecken) wild mit den Degen in die Luft hieben und ihre schweren Pistolen aufeinander abfeuerten: dann kämpften sie sich frei, wie Ringer, ordneten ihr Glied und ritten aufs neue an. Oft entschieden die Pferde über die Dauer der Schlacht. Sie hielten in der Regel nicht länger als vier, fünf Stunden Kampf durch, dann mußte der Verband aus dem Feuer genommen werden. Über dem Ganzen waren das Dröhnen der Schüsse, das Klappern der Harnische, das Splittern von Piken,[26] das Wirbeln von Trommeln und die Silbertöne von Trompeten und Pfeifen zu hören, gemischt mit den Schreien der Verwundeten und Rufen der Kämpfenden. […] Banér selbst schrieb später in einem Brief, einen so »grausamen« Kampf habe er bis dahin noch nie gesehen.

Es fehlte nicht viel, und es wäre für die Schweden schlecht ausgegangen. Nicht genug damit, daß sie zahlenmäßig unterlegen waren: Banér hatte auch noch kurz vor der Schlacht seinen gesamten linken Flügel unter King auf einen langen und unerhört gewagten Flankenmarsch durch morastiges und waldiges Gelände geschickt; er sollte nach einiger Zeit im Rücken der Vereinigten auftauchen. Nur selten hatte ein General die Nerven, im Kampf ein so riskantes Manöver zu versuchen, aber Banér wagte es. Das Problem war nur, daß der linke Flügel ausblieb. Währenddessen wurden Banérs Verbände langsam von dem überlegenen Feind zermürbt. Die aus Nationalschweden bestehende Schwedische Brigade wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen und »fast ganz ruiniert«; von den 892 Männern des Verbands wurden fast zwei Drittel getötet oder verwundet. Die schwedischen Streitkräfte standen kurz vor dem Zusammenbruch, als ferner Kampflärm verkündete, daß King und die Männer des linken Flügels schließlich wieder zum Schlachtfeld gefunden hatten. Der Druck ließ sogleich nach, die Kaiserlichen wichen zurück, doch der einbrechende Abend setzte weiteren Kämpfen ein Ende.

Die beiden Heere biwakierten auf dem Schlachtfeld und entzündeten nur wenige hundert Meter voneinander entfernt ihre Lagerfeuer. Die Nacht wurde ruhig – nur vereinzelte Schüsse waren aus dem Dickicht zu hören; das waren die ständigen Begleiter der Schlachten, die Marodeure,[27] die umherstreiften und die Toten und Verwundeten ausplünderten. Die anderen warteten auf den Tag und den Tod. In der Frühe des kalten Sonntagmorgens nahmen die schwer mitgenommenen schwedischen Verbände Aufstellung und rückten – sicher mit einem inneren Beben – aufs neue gegen die Höhen vor, die sie am vorhergehenden Tag vergebens zu erstürmen versucht hatten. Zu ihrer Verwunderung begegnete ihnen Schweigen. Die Sachsen und die Kaiserlichen hatten während der Nacht das Schlachtfeld verlassen. Sie fanden nur Reihen von verlassenen Kanonen (alles in allem 33 Geschütze;[28] eins davon ein Dreipfünder, den Gustav Adolf 1631 seinen damaligen Verbündeten geschenkt hatte, der aber nun gegen die Schweden verwendet worden war; 24 der anderen waren schön gegossene Stücke mit Abbildungen von Wilden auf den Rohren), 180 Munitionswagen[29] (ein Teil davon in tausend Stücke gesprengt, andere unbeschädigt und vollbeladen mit hochwillkommenem Pulver) sowie natürlich unglaubliche Mengen von Toten und Verwundeten. Ein Augenzeuge[30] beschreibt das Grauen des Schlachtfeldes wie folgt: Die Erde, deren Gewohnheit ist, die Toten zu bedecken, war damals am selbigen Ort selbst mit Toten überstreut, welche auf unterschiedliche Manier gezeichnet waren, Köpf lagen dorten welche ihre natürlichen Herren verloren hatten, und hingegen Leiber, die ihrer Köpf mangleten; etliche hatten grausam- und jämmerlicher Weis das Ingeweid herauß, und andern war der Kopf zerschmettert und das Hirn zerspritzt; da sah man, wie die entseelten Leiber ihres eigenen Geblüts beraubet und hingegen die lebendigen mit fremdem Blut beflossen waren, da lagen abgeschossene Arm, an welchen sich die Finger noch regten, gleichsam als ob sie wieder mit in das Gedräng wollten, hingegen rissen Kerls aus, die noch keinen Tropfen Blut vergossen hatten, dort lagen abgelöste Schenkel, welche ob sie wohl der Bürde ihres Körpers entladen, dennoch viel schwerer worden waren, als sie zuvor gewesen; da sah man zerstümmelte Soldaten um Beförderung ihres Tods, hingegen andere um Quartier und Verschonung ihres Lebens bitten. Summa summarum: da war nichts anders als ein elender jämmerlicher Anblick !

Die nachsetzende schwedische Reiterei brauchte nur der Spur von verwundeten Soldaten, fortgeworfenen Kleidern, liegengelassenen Waffen und zu Bruch gefahrenen Troßwagen zu folgen, die nach Südwesten führte. Innerhalb weniger Stunden wurden große Teile des fliehenden Heeres zersprengt und auf den schmalen Wegen, die von Wittstock wegführten, niedergeritten; als man später die Beute zusammenzählte, waren unter anderem 151 Fahnen und Feldzeichen – die Ablieferung eines eroberten Feldzeichens wurde mit zwischen 10 und 30 Reichstalern belohnt, die Kanzlei des Kurfürsten, seine vergoldete Karosse sowie sein gesamtes Tafelsilber darunter”.[31]

„Inzwischen war Klitzing von Pommerns Grenze über Fürstenwalde[32] und Torgau[33] bis nach Großenhain[34] gerückt. Damit er nicht mit Verstärkung Torgau zurückerobern und den Weg nach Pommern verlegen konnte, wollte Baner so lange wie möglich bei Leipzig[35] bleiben. Torgau wollte er beobachten und die Kaiserlichen vom Überschreiten der Unstrut oder Saale abhalten. [Adam v.; BW] Pfuel wurde aus der Grafschaft Henneberg[36] zurückgerufen. Stalhandske, der mit seiner Reiterei bei Gotha[37] und Arnstadt[38] lag, erhielt die Order, sich mit Leslies aus Hessen und Westfalen heranziehenden Hilfstruppen zu vereinigen und [Melchior v.; BW] Hatzfeld und Götzen[39] nicht über die Unstrut zu lassen. Als die Kaiserlichen dennoch sowohl Unstrut als auch Saale überschritten, hob Baner am 7. Februar die Belagerung von Leipzig auf. Fünf Tage später feierte Leipzig ein öffentliches Dank-, Buß- und Betfest.

Derweil stand der Feldmarschall erneut vor Torgau. Von hier ging er nach Pegau[40] und schlug einige Regimenter der angekommenen Reichsarmee. Anschließen wollte er sie bei Eilenburg[41] zu einer Schlacht stellen. Die Verbündeten bezogen aber in Pegau, Borna[42] und Grimma[43] sowie zwischen Colditz[44] und Leisnig[45] Quartiere.

Nach Eilenburg hatte sich auch Kurt Bertram von Pfuel im Auftrag Markgraf Sigismunds von Brandenburg begeben. Er sollte Johann Georg I. Waffenstillstand anbieten. Der Markgraf wollte über einen Frieden verhandeln, für den ihn das Kurfürstenkollegium zu Regensburg, Kurmainz und Kurbrandenburg bevollmächtigt hatte. Baner betraute damit Sten Bielke, der sich damit nicht befassen wollte, da es für ihn nur Zeitgewinn darstellte.

Am 13. März 1637 setzten die Verbündeten bei Leisnig über die Mulde und marschierten nach Meißen.[46] Baner begab sich von Eilenburg in das Lager bei Torgau, wo er Stalhandske, Pfuel und Generalmajor Wilhelm Wendt von Kratzenstein über die Elbe nach Großenhain schickte. Auf ihrem Zug eroberten sie Luckau,[47] Lübben[48] und brannten die Brücke von Meißen nieder. Trotz des Anmarschs der Kaiserlichen blieb Baner bei Torgau und beorderte Wrangel mit seinen Truppen zu sich, um eine Schlacht zu erzwingen, ehe sich die Verbündeten noch mehr verstärken konnten. Oberst[49] Erich Schlange und Wrangel beauftragte Baner am 4. April, nach Wittenberg zu ziehen, um die dortige Schanze zu überfallen. Nachdem sie die 60 Sachsen entweder niedergemacht oder in die Elbe getrieben hatten, gelang es ihnen, sich hier zwei Monate zu halten, bevor sie von Götzen eingeschlossen und zur Übergabe gezwungen wurden“.[50]

„[Carl Gustav; BW] Wrangel besetzte Brandenburg[51] nur schwach. Mit der Mehrzahl seiner Truppen zog er [1637; BW] wieder ab, um sich seiner eigentlichen Aufgabe zuzuwenden, die darin bestand, mit dem Obristen Slang zusammen den Rückzug des schwedischen Heeres an die Oder und weiter nach Pommern zu decken“.[52]

Im September 1638 soll Slang 3.000 kaiserliche Reiter unter Hubald Rucks Kommando bei dem „neuen Hofe” (Neuhof[53]) des Amtes Grabow[54] völlig aufgerieben haben.[55] „Inzwischen hatte sich eine schwedische Armee unter dem Obristen Slang in der Prignitz festgesetzt. Von hier aus beunruhigten die Schweden die Kaiserlichen derart, daß Gallas und Morzin beschlossen, sich über Tangermünde[56] nach Sachsen zurückzuziehen. Zwei brandenburgische Kompanien zu Pferd, die von Brandenburg aus über den Rhin vorgestoßen waren, um die Aufmerksamkeit der Schweden auf sich zu ziehen und dadurch den Rückzug der Kaiserlichen zu entlasten, wurden in den Weihnachtstagen bei Zehdenick[57] fast vollständig niedergehauen. Auf der Verfolgung der wenigen Brandenburger, die dem Gemetzel entfliehen konnten, stießen die Truppen des Obristen Slang über den Kremmenschen[58] Damm überraschend bis Nauen[59] vor. Hier in Nauen vernichteten Slangs Truppen weitere zwei brandenburgische Kompanien, die in dieser Stadt im Quartier gelegen hatten“.[60]

„Die ins Havelland eingebrochenen schwedischen Truppen Slangs streiften noch immer im Lande herum und hielten das Havelland so in Ängsten, daß selbst der hinterlassene Churfürstl. Statthalter, Herr Grafe zu Schwartzenberg, sich auf die Vestung Spandaw[61] nicht verlassen wollen, sondern mit allen Mobilien in die Vestung Peitze[62] [sich] begeben“.[63]

„Im Januar 1639 rückte Banner [Banér, BW] gegen die in der Mark Brandenburg gelagerte kaiserliche Armee. Er hatte es, wie er am 6./16. Februar Oxenstierna[64] mitteilte, in erster Linie auf die sieben Regimenter abgesehen, welche unter ‚[Hans Wolf v.; BW] Salis Commando auffm Eichsfeld commoriren sollen’ und die er ‚nach gelegenheit der occasionen … aufzuheben’ vorhabe. Gallas[65] sei ‚dergestalt zugerichtet, daß er vor dießmal vor keinen feindt, so schaden thun kann, zu achten’. In einem Postscriptum desselben Schreibens berichtet Banner, Salis sei mit den sieben Regimentern, ‚mit welchen er bis dato in und bei Mühlhausen[66] (an der Unstrut) gelegen, nach Franckhausen[67] (in Schwarzburg-Rudolstadt[68]) gerückt und von dannen auch, wie jedermann sagte, über die Unstrut forgegangen’, und werde ‚vielleicht zu Torgau seinen übergang nehmen’. Banner’s Anschlag auf Salis’ Heer sollte nur zu gut gelingen. Gallas,[69] dessen Truppen sich nur noch auf 8000 Mann belaufen haben sollen, wich mehr und mehr durch die Lausitz und Schlesien nach Böhmen zurück – ihm nach Salis. Letzterer war noch in Kursachsen, aber schon nahe an der böhmischen Grenze, als sein Verhängnis über ihn hereinbrach.

Es war am Abend des 2. März (1639) acht Uhr, als der zu Eger[70] anwesende kurbayrische Oberst Moser dem uns schon bekannten früheren Kommandanten des Regiments Salis in bayrischen Diensten Obersten Schütz [v. Schützenhofen; BW] ‚in großer Eil’ die Nachricht zugehen ließ, ‚daß der Feindt 7 Meilen von hier (Eger) Herrn General Feldtzeugmeister[71] Salys angetroffen’ und demselben ein Treffen geliefert habe; ‚wie es abgegangen’ wisse man noch nicht, allein Salis habe die Seinigen ‚mit aller sach alhero nach Eger geschickt; ‚ist bey ihnen große forcht, … es möchte in zwei Tagen auf das lengst Freund und Feindt hiero bey uns sein’. […] Und nun folgen sich rasch hinter einander eine ganze Reihe nach und nach bestimmter auftretender und eingehender Nachrichten, welche, zum größern Teil in den Münchener Akten des 30jährigen Krieges aufbewahrt, einen ziemlich klaren Einblick in den Verlauf dieses verhängnisvollen Ereignisses gestatten.

Bürgermeister und Rat der Stadt Eger melden am 3. März dem kurbayrischen Rat und Pfleger zu Tirschenreuth[72] an der Waldnaab (bayr. Oberpfalz), Johann Ulrich von Burhus auf Ottengrün, der sich um nähere Details erkundigt hatte: gestern (den 2. März) Abends zwischen 6 und 7 Uhr sei des ‚Herrn Veldtzeugmeisters Hans Wolf Freyherrn von Salis sein Leibwagen und Canzley … mit einer Convoi und Roß’ angelangt; dessen ‚Leute und Offiziere’ berichteten, ‚daß Er’ (Salis) mit 6 und zwar zimblich schwachen Regimentern hernach komme; daß der Feind gestern frühe 8 Meyl von hier zu Rumpersgrün (recte Ruppertsgrün[73]) bei Plauen[74] im Voigtland[75] dieselben mit 12 Regimentern hat wollen überfallen; weil aber Herr General Wachtmeister[76] (sic) al Erto[77] gewesen und sich nicht mit manir (hat) retiriren können, hete Er mit seinem Volgkh sich alda entgegen gesetzt und weren darauf an einander kommen. Und sonderlich sol Herr Obrist Wambold entweder Todt oder doch tödtlich verwund sein’. Heute, am 3. März, seien weitere ‚avisen'[78] eingelangt: Salis sei mit sechs Regimentern, ‚zwei zu Fueß und vier zu Roß’ von 12 feindlichen Regimentern, ‚so General[79] Slang und Pfuel Commandiren’, überfallen worden; ‚die Reutterey sol alsobalden in Ein Confusion gerathen sein. Weßen dann (diese) theils mit der pagagy anheut über die Eger gangen (sind) und sich am Böhmer Waldt umb Königswarth[80] logiren; die übrigen haben mit Herrn General (Salis) gegen Hoff[81] sich gewendet und werden heunt oder Morgen auch anhero kommen. Das Fueßvolkh, so bey 1000 Mann gewesen sein soll, hat nicht ausreißen können, dahero (es) sich in den Kirchhoff im Dorf reterirt und eine Zeit lang gewöhret (hat); und geben die marchitender vor, daß es sehr soll eingebüßt haben’. Wie ein vom Feinde wieder entkommener Soldat angebe, habe Feldmarschall ‚Pannier’ (Banner) 35 Regimenter zu Roß unter sich, auch sei Wrangel mit einem starken Regiment zu ihm gestoßen, sodaß der Feind also ‚36 Regimenter zu Pferdt und 14 precaden (Brigaden) zu Fueß, eine Jedliche uff 5: oder 600 Mann stark’, beisammen habe. Die Schweden hätten alle ihre alten Quartiere in Meißen und Thüringen wieder bezogen, wohin aber ihr Marsch gehen möchte, könne man nicht wissen”.[82] Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][83] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz[84] erinnert sich an den März 1639: „Am 1. Mart[ii] ist Zeitung anher(o) [ge]kommen. [Dar]ob sollte Oberl[eutnant] Schlang mit 3000 [Mann vom] schwedischen Volk in die Stadt Hof[85] [ge]kommen sein; was aber nit erfolgt [war]. Daher(o)hat sich das gesammelte Kaiser[ische] und Bayerische Volk gegen Bärnau[86] und den Böhmerwald [hin] begeben. […]. Am 2. Mart[ii] ist Bericht nach Eger [ge]kommen. [Dar]ob sollte die schwedische Armee gegen Eger gehen. Daher hat sich das Kaiser[ische] und Churbayer[ische] Volk (gar) durch den Böhmerwald, dann auf Pilsen[87] retiriert. Daselbst sollten sich etlich[e] 1000 Mann versammeln. Den 3. Mart[ii] sind 17 Komp[agnien][88] schwedische Völker zu Roß in der Stadt Hof angekommen. Diese haben daselbst(en) an [die] 250 Pferd[e] (hin)weggenommen [und] die Stadt um 6000 Reichstaler ranzioniert.[89] Als man nun [für] gewiß vernommen, daß [das] schwedische Volk zu Hof angelangt [war], besorgte man sich, es möchte der Marsch weiter heraus gegen die Pfalz gehen. [Es] ist [deshalb in] diesen Orten [so] große Furcht und [großer] Schrecken gewesen, daß sich auch die Beamten und Pfaffen in der Pfalz aus dem Staub gemacht [haben] und auf die Seite gegangen [sind). Auch die Waldershofer[90] [haben] all ihr Vieh hinweggetrieben. Um Ebnath,[91] Pullenreuth,[92] Wiesau[93] und anderen Orten sind die Leute aus Furcht von Haus und Hof und [haben] sich in die Wälder und Städt[e] salviert. Den 5. dito hat eine schwedische Partei, an [die] 1000 Kürassiere stark, von Hof [aus] gegen Kulmbach[94] gesetzt. [Sie] sind auf dem Rückweg zu Hellmitz [= Helmbrechts[95]] gelegen und haben diesen Ort sehr verwüstet. Den 7. dito ist Kaiser[ische] Besatzung nach Eger [ge]kommen, damit die stadt vor dem feindlichen Anfall könnte defendiert werden; wie denn kurz vorher der schwedische Oberl[eutnant] Schlang von der Stadt Eger Kontribution verlangt oder aber sie mit Feuer und Schwert zu verfolgen gedroht. Sie haben ihm aber nichts anderes als Kraut und Lot zu geben bewilligt und geschrieben“.[96]

Der Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] berichtet: „Den 25. februarii [1639 a. St.; BW] kam eine kayßerliche parthey von 12 pferden von der Wölbatendörfer[97] Strassen hieher gegen abend zu recognosciren. Und als sie bericht eingenommen, dass general Banier gewiß zu Zwickau[98] und die schwedischen partheyen um Gefäll[99] und der orter starck sehen ließen, sind sie wieder zuruckgangen. […]

Den 28. februarii zu mittage praesentirte sich von der Plauischen Strasse her ein starcker troupp reuther. Die rückten an die [Untere] Steinerne Brücke, schickten einen trompeter[100] mit schreiben und ordre von general Banier und obristen Schlangen herein und begehrten quartier. Derentwegen herr hauptman[101] Bodenhaußen hinaus zu ihnen und nahm den rittmeister[102] mit etlichen officirern zum tractaten herein, um zu versuchen, ob solche einquartierung könnte abgewendet werden. Wurden sobald mit speisen tractiret, aber es war die quartierung diesmahl nicht abzuwenden. Dann nachdem der rittmeister wieder zum thor hinausgehen wollen, hat er sobald den bürgern, so gewachet, ihre musqueten[103] nehmen lassen, selbige hinweggeworfen und das Untere Thor durch seine dragouner[104] besetzt. Darauf mit etlichen 50 pferden in die stadt geruckt, anfangs selbe spolirt,[105] alle pferde zusammengesuchet und nochmahls quartier gemacht. […]

Den 1. martii kam eine von general Banier schriftliche salvia guarde an, welche Salomon Müller und Hans Pertsch, zeuchmacher, brachten, und war gute hoffnung, das volck würde sich von hier bald wegbegeben, wie den[n] nachts um 9 uhr die meisten reuther sich vor das Untere Thor [begeben] und die nacht draußen blieben. Den 2. dieses ruckten sie früh wiederum herein, und weilen magister Wolf und Christoph Buchta, schönfärber,[106] bey dem obristen Erich Schlangen zu Plauen selbst geweßen, sind die 5 compagnien, so albereit alhier commandiret geweßen, bis auf seiner fürstlichen gnade gnädige resolution und abordnung mit gedachten obristen deswegen zu tractiren zurückblieben. Daher gedachte beide abgeordnete wieder nach Plauen verschickt worden, deme der obrist Schlang zu Zöbern[107] mit etlich 100 zu roß bereit begegnet, und nachmittags in die stadt selbst angelanget, die völcker aber zu Unterkozau[108] logiret worden. Und weilen stracks eine unmögliche rantion von viel tausend thalern und 100 pferde angefordert wurde, dargegen aber man die unmöglichkeit vorgeschüzet, hat man noch selbigen abend einen ehrbaren rath in arrest genommen und auf dem Rathhauße verwahren lassen. Ja man hat auch des herrn hauptmans nicht verschonet, sondern demselbigen ebenmäßigen arrest zugemuthet. Der sich aber excusiret, dass man nicht seiner person, sondern seiner fürstlichen gnade solchen schimpf anthun solte oder wolte. Darauf ist er wie auch ein ehrbarer rath bald wieder losgelassen worden. Folgenden sontags als 3. martii früh suchten die dragouner von hauße zu hauße alles eingeflehete und einheimische pferde zusammen, spolirten manchmahl auch immer mitunter und verschonten auch des fürstlichen Schlosses nicht, nahmen den herrn hauptman alle seine pferde und trieben das geraubte guth alles zusammen in den closterhof. Daher auch unter der ambtspredigt ein gelauf aus der kirchen worden, dass solche nicht können geendet werden. Herr hauptmans gestreng aber praesentirte dem herrn obristen einen treflichen schönen rappen und bekam damit seine übrige pferd wieder. Dieses thäten auch etliche von adel, also bekamen sie hergegen auch etwas wieder. […] Der ranzion halber verglich man sich auf 6000 thaler, dass nehmlich die stadt 2000 thaler, die von adel 2000 thaler und die landschaft 2000 thaler geben sollen“.[109]

„Zuerst zog sich Königsmarck zurück und suchte ab dem 16. März das Erzgebirge heim. Neun Wochen ließ er plündern, Geld erpressen und Feuer legen. Dann ging er über Gera[110] nach Zeitz.[111] Zwei Tage später verließ die in drei Heeresformationen aufgeteilte Hauptarmee Böhmen: Generalmajor Wittenberg aus der Gegend um Eger zog nach Zwickau, Schlange von Kaaden[112] auf Zwickau, Baner durch das Preßnitztal nach Annaberg.[113] Bei ihrem Durchzug führten sie sich genauso grausam und unbarmherzig auf wie die Königsmarkschen Regimenter“.[114]

Der Hofer Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] berichtet: „Den 13. eiusdem [März a. St.] haben die kayßerlichen, so diesmahl zu Wunsiedel[115] logiret und diese zeit hieher stark partiret, bis auf Gumpersreuth[116] und Sachsgrün[117] in die 100 starck sich sehen laßen. Nichmittags aber kamen anfangs ein troupp von der Plauischen Strasse hieher, dass man nicht wuste, was volck es wäre, wie dann auch dem schlangischen quartiermeister sehr ängstig war, weil er den ersten termin der ranzion nunmehro beysammen und in seinen händen.

Bald folgeten diesen noch mehr trouppen mit bey sich habenden bagagiepferden und wägen, und weil sie den adelgeißel juncker Georg Adam Ratiworski und die 3 geißel der stadt, als herrn burgermeister Johann Wolf Härtel, magister Johann Georg Wolfen und Christoph Puchten, mit musquetierern begleiteten, bey sich und die stadt Hof den obristen Königsmarckt von general Baner zum quartier assigniret, bezogen sie dießmahl ihr quartier und war sehr viel fußvolck dabey. Die wurden sobald auf ausgestelte balet[118] in die stadt einquartieret, und war sonst das ambt Plauen den obristen Schlangen, das ambt Voigtsberg[119] den obristen Duclas assignirt. Noch dieses abends kam die post ein, dass der junge Harandt, dessen hier vor kurz auch gedacht, bey Kautendorf[120] auf ein kayßerliche parthey troffen [p. 151] und von denenselben gefänglich hinweggeführet worden, wie dann auch diese nacht noch eine schlangische parthey auf die kayßerlichen getroffen und ein rittmeister zu Untersteinach[121] eingebüßet. […] Den 14. martii frühe um 10 uhr ließ major[122] Röber eilend zu pferdt blassen, weil er schreiben von Erfurth erhalten, und marchirte ganz schnell von hinnen, nahm auch die vorigen geißel wieder mit. Der schlangische Quartiermeister[123] aber blieb noch alhier, und wurde diesem noch darzu alhier gelassen ein rittmeister, so die ranzion mit heraustreiben helfen sollte.

Den 15. martii], weil post einkam, dass die kayßerlichen sich um Weißmann[124] und Steinach[125] starck sehen ließen, ist gemelter quartiermeister mit dem gelde fort zu seinem regiment zu, der rittmeister aber blieb hier liegen und exequirte an gelde.

Den 16. mart[ii] kam abends mayor Röber mit 15 pferden auch hieher zu abholung des andern termins der 2000 thaler. Weilen aber die gelder noch nicht beysammen und sich darauf den 17. sonntags croaten[126] und kayßerliches volck bey dem Alßenberg[127] praesentiret, auch etliche davon ganz in die Altenstadt einruckten, also wurde der major soeben in der kirche gewarnet, der sich dann sofort zu pferde machte, aber dadurch verursachte, dass darüber die leuthe all aus der kirchen gelaufen und die predigt, so endlich eingestelt werden muste, verhindert. Demnach jetzt besagter schwedisch- oder schlangischer major bey den Fröhligen Stein[128] die straße zu marchiret, geschahe von den kayßerlichen ein loseschuß. Sobald darauf brach der helle haufen von Alßenberg herfür, reißeten über die [Obere] Steinerne Brücken diesen schwedischen nach auf das Heilige Grab[129] zu, welche durch Trogen[130] gangen, und ihnen von der kayßerlichen parthey 10 nachgesezt, so ein[en] dragouner von den schwedischen eingehohlet, und darauf wieder zurück auf die stadt geeilet. Denen wurde bey ihrer zurückkunft und auf begehren futter und mahl gereichet, reißeten zu Mittag wieder fort gegen Bamberg zu, daher sie sonnabends früh ausmarchiret. Begehrten auch von der stadt 200 thaler, wurden aber mit 25 thalern und 4 paar handschuh gestillet, und muste man ihnen auch einen besiegelten schein mitgeben, dass sie so weit als hier zum Hof gewesen, und was sie verrichtet, nehmlich dass sie dem feind nachgegangen und des orths ihren feind gefangen erholten. […] Den 18. wurde Christoph Buchta, einer von den geißeln, hieher geschickt und angehalten, den andern termin der 2000 thaler zu entrichten und förderlichst zu übermachen, sodann solten die andern geißel auch ledig gelassen werden. Weil man aber noch keine nachrichtung, was die beiden abgeordneten bey dem general Baner ausrichten möchten, hat man mit willen etwas zurückgehalten.

Eodem die kam das ganze schlangische regiment nach Zedtwitz,[131] und gab man für, sie wollten nach Steinach,[132] den erschossenen rittmeister einzuhohlen, marchirten durch Unterkozau,[133] wo aber ihr intent hin, könte man daselbige mahl nicht wissen. Nachmittags aber kam herr major Röber und derjenige rittmeister wieder, welche am vergangenen sontage der kayßerlichen halben herausgewichen, und das um abhohlung der 2000 thaler, und ruckte sobald ein jeder in sein alt quartier.

Den 19. martii wurde hierum starck schießen gehöret, weil die schlangisch- und kayßerlichen völcker aufeinander getroffen, und dieses tages wurde auf unglaublichen zwang und erpreßung der andere termin der 2000 thaler dem major Röber ausgezahlet. Der reißete sobald nach empfang der lieferung mit dem gelde fort. […] Den 20. mart[ii] ist das schlangische regiment wieder zu Unterkozau vorbey auf Plauen geruckt. Dieselben sollen die croaten zu Himmelcron[134] überfallen, auch gar zu Culmbach[135] in der Vorstadt, die Wolfskehle genand, etliche croaten niedergemacht und einen obristleuthnant gefangen bekommen haben. […] Den 21. martii muste man zu abrichtung des letzten termins 2000 thaler eine andere algemeine anlage und auf das 100. vermögen 18 gulden machen. Abendts aber um 5 uhr kam herr burgermeister Hertel und magister Johann Georg Wolf auch wieder nach hauße und von Plauen aus ihren arrest anheim. Brachten, daß mit dieser condition sie abgeschieden waren, woferne montags oder dienstags der izt besagte leztere termin der 2000 thaler nicht vorhanden, dass er major im nahmen seines obristen viel eine schärpfere execution vor der hand nehmen und mehr gefangene hinwegführen wolte. […]

Den 26. martii kam major Röber zu abhohlung des leztern termins mit etlichen pferden wieder hieher, wie dann auch der schlangische quartiermeister, dem die herrn von Wunsiedel auch sofort 700 thaler zahlen müßen. Dieser reißeten den 27. wieder fort, der herr major aber blieb liegend und forderte die stadt auf das neue um wochentliche contribution[136] auf 6000 thaler. Den 29. reißete der major fort auf Culmbach, weilen ihm sein obristlieuthnant dahin ordre ertheilet, da er dann befehl empfing, nochmahls wegen der verpflegung und recruitengelder 16000 zu extorquiren.[137] […] Den 30. martii kam oft besagter major mit vorgemelter verrichtung von Culmbach wieder anher, ingleichen mit ihm eine starcke schwedische parthey, sambt etlichen gefangenen croaten, welche in der Vor- und Altenstadt logiret und ziemlich übel gehaußet. […] Den 2. april[is] ist endlich der major, nachdem er die ranzion der 6000 thaler für voll erhoben, desgleichen ihm vor seine müh und pro discretione ein pferd zu 100 thaler, so major Christian von Beulkwitz zu Trogen hergegeben, darzu man endlich die von dem kirchthurm, wie vorgemeld, zur erbauung der geistlichen häuser colligirte gelder entlehnen müßen, verehrt bekommen, nachmittags von hinnen aufgebrochen, und dismahls die arme stadt von völckern einsten quittieret worden“.[138]

An Banérs Verwüstungszug Ende 1639 in Böhmen nahm Slange ebenfalls teil: „Am Tag danach [24. Oktober a. St., nach der Plünderung Rokycanys[139]] wurde eine andere kleine Stadt, sie hieß Beraun,[140] geplündert. Den Bewohnern wurde zunächst eine Brandschatzungszahlung[141] auferlegt, und als sie diese nicht aufbringen konnten, erschien eine schwedische Abteilung unter dem Obersten Erik Slang am Ort. Slang war einer von Banérs Günstlingen, ein erfahrener Krieger, der bei einer früheren Gelegenheit einen Arm verloren hatte, aber weiterhin Dienst tat. Der Kantor[142] der Stadt, Daniel Erazim, wurde Augenzeuge der Verwüstungen.

Die Soldaten verteilten sich in waffenschwingenden kleinen Gruppen in den Straßen und Gassen der Stadt, zogen allen, denen sie begegneten, die Kleider aus und vergewaltigten[143] danach viele der nackten Frauen. Sie begnügten sich nicht damit, alles zu stehlen, was irgendwie von Wert war; viele junge Männer der Stadt wurden außerdem für das schwedische Heer zwangsrekrutiert und »bekamen die Haare abgeschnitten, so daß ihre Köpfe aussahen wie Spatzennester«. Die übrigen Bewohner liefen in den Wald, wo viele von ihnen verhungerten. Nach einiger Zeit vertrieb eine kaiserliche Abteilung die schwedischen Truppen, die Beraun besetzt hielten, und die überlebenden Bewohner der Stadt bot ein grauenhaftes Bilder der Verwüstung und des puren Vandalismus, denn die schwedischen Soldaten hatten bei ihrem Rückzug alles zerstört, was sie in der Eile nicht mitnehmen konnten. »Hier liegt eine Kuh, da ein Schwein, dort weint eine Hausfrau«. Es sah aus, als habe es geschneit, denn die Straßen der Stadt waren von einer dünnen Schicht herumfliegender weißer Federn aus geleerten Kissen bedeckt; als die plündernden Soldaten nach etwas suchten, worin sie ihr gestohlenes Gut wegschaffen konnten, benutzten sie Kissenbezüge, die in allen Häusern zu finden waren”.[144]

Slang war auch in die Belagerung und Einnahme Bautzens[145] involviert. „Anfang Oktober 1639 überschritt Torstenson mit zahlreichen Regimentern bei Naumburg[146] die Saale. Unweit von Strehla[147] überquerte er die Elbe, zog in die Oberlausitz und besetzte Bautzen. Diese Stadt hatte er bereits am 18. Mai kur[z]zeitig mit 8.000 Mann belagert und erstürmt. Um Plünderungen zu entgehen, zahlten Rat und Bürgerschaft 18.000 Reichstaler. Zum Kommandanten setzte Torstenson Oberstleutnant Jakob Wancke ein.

Am 27. Oktober erreichten dann sächsische Truppen unter Oberstleutnant Johann Christoph von Wedelbusch[148] Bautzen. Da Wancke die Aufforderung zur Übergabe ablehnte, wurde die Stadt noch am gleichen Abend erstürmt und die sich auf Schloss Ortenburg zurückgezogene Besatzung belagert. Als Baner davon erfuhr, schickte er Wittenbergs, [Kaspar v.; BW] Erbersteins und Schlanges [Slange; BW] Kavallerie und Johann Ulffsparrs [Ulftspar, Erik Hanson; BW] Infanterie zu Hilfe. Die Reiterei blockierte die Stadt, Ulffspar stürmte auf das Schloss und forderte die Übergabe, was der Kommandant zurückwies. Augenblicklich beorderte Wedelbusch Reiter nach Dresden, um den Kurfürsten über die Lage zu informieren. Als dann in der Stadt wegen fehlendem Mehl Hunger drohte – die Mühlen befanden sich in den Händen der Schweden – ließ er Handmühlen verteilen. Nachdem am 27. November der Versuch misslungen war, Bautzen in Brand zu stecken, schickte der schwedische Befehlshaber Oberst Magnus Hanson einen Parlamentarier zu Wedelbusch, um ihn endlich zur Übergabe zu bewegen. Anderenfalls würde bei einer Erstürmung selbst das Kind im Mutterleib nicht verschont werden. Doch Wedelbusch lehnte erneut ab. Nunmehr unternahm die Schlossbesatzung einen Ausfall, der aber misslang. Auch den in den umliegenden Dörfern einquartierten Schweden gelang es nicht, die Innenstadt zu erstürmen.

Aus Rache über die zurückgeschlagenen Stürme zündeten die Schweden täglich früh 3.00 Uhr und abends 19.00 Uhr ein Haus an. Schließlich traf am 6. Dezember Torstenson vor Bautzen ein und ließ die Stadt ununterbrochen beschießen. Infolge des bald einsetzenden Mangels an Lebensmitteln forderten einige Ratsmitglieder vom Kommandanten, wegen des ruinierten Zustandes und der grassierenden Seuchen mit Torstenson zu verhandeln. Wedelbusch, der selbst krank war, willigte ein, so dass drei Tage später ein Vergleich zu Stande kam. Die sächsischen Soldaten mussten in schwedische Dienste treten. Hanson ließ auf dem Markt ausrufen, ‚dass jeder schwedische Soldat, welcher bei der Plünderung angetroffen würde, nach den Kriegsgesetzen bestraft werden sollte. Da sie aber nicht bleiben wollten, wurden alle Tore, Türme, Schanzen und das Gymnasium in Brand gesteckt. Nur der Lauenturm blieb auf Bitten des Apothekers Andreas Knöffel erhalten. Bei ihrem drei Tage später erfolgten Abzug nahmen die Schweden auch Wedelbusch mit“.[149]

Das „Theatrum Europaeum“[150] berichtet von den Kämpfen um Bautzen im Jahre 1639: „Der von Hatzfeld hatte die 5. Chur-Sächsischen Regimenter / die sich vorm Banner zu S. Excel. salviret / wiederum von sich gelassen / die waren um den 13. 23. Octobris zu Zeitz[151] / Börnau[152] und Pegau[153] wiederum ankommen / und wurden um den 20. 30. diß bald nach der Laußnitz in Bautzen commandiret / in welcher Stadt bey 110. Tragoner Bannerischen Leib-Regiments lagen / die der Obr. Lieutenant Jacob Wancke / ein Liffländer / so vor 3. Jahren auff der Moritzburg zu Hall[154] gelegen / commandirte. Es hatten die Churfürstl. Völcker die Stadt Bautzen ersten Abends erstiegen / von den Wanckischen 4 nidergemacht / 6. gefangen / die übrigen hundert aber retirirten sich in die vor diesem abgebrannte Burg hinder das Gemäuer / welches sie in kurtzer Zeit zur Defension verbaueten / und sich noch lang hernach vest darinnen gehalten haben. Solcher Einfall hat Herrn Banner so hart entrüstet / daß S. Exc. Noch vor Außgang deß Octobris, den Obr. Schlangen / als Gen. Majorn mit 5. Regim. zu Pferd / vielen Fahnen Fußvolck / und 6. Stücken / in allem ungefehr 3000. zu Pferd und 2000. zu Fuß / dahin geschickt / welche den 29. besagten Monats diß Orths ankamen / und zum Ernst alsbalden Anstellung machten: Es commandirte der Obr. Wittenberg die Reuterey / und der von Erichthausen das Fußvolck / die in der Burg hatten ein Loch durch die Mauer gemacht / auß und einzukommen / durch welches Obr. Schlang zu obernannten Wancken hinein kom̃en / und der inligenden Gelegenheit recognosciret hat. In der Stadt lagen die Chur-Sächsischen von 6. Compagnien / auff ungefehr 500. starck / unterm Obr Wachtmeister Dietloff Wedelbuschen / uñ hatten bey grossem Mahlwerck so starcken Mangel am Meel / daß sie ihr Korn theils sieden müssen. Aber zu ihrer Defensions Hülffe leisteten ihnen die eingeflehente vom Adel / die Bürgerschaft und Landvolck sehr getreue uñ dapffere Assistentz. Die in der Burg verstärckten sich von den ankommenden Schwedischen auff 300. starck und thaten in die Stadt einen Sturm[155] / welcher ihnen abgeschlagen wurde / mit denen aber von der Burg brach die Burgbrücken / daß bey 100. in den Graben und ihrer viel zu todt fielen / die Außgefallene meist erschlagen wurden : von den Stürmenden bey 50. todt / in 60. qequetscht / der Obr. Iltzwitzky in Arm verwundet / sein Obr. Lieut. benebens einem Major ebenmässig beschädiget / uñ noch ein Major todt blieben. Die Todsten im Graben wolten die Chur-Sächs. begraben / auff Condition, daß ihnen derselben Gewehr und habendes beste verbleibẽ solte / welches der Commendant in der Burg nit eingehen wolte: Worauff die Schwedische den Burggraben mit Fascinen[156] oder Büschlein außfülleten / und rüsteten sich noch einmahl zu fernerem Sturm / machten auch unterschiedliche Minen / die in der Stadt aber beflissen sich um so viel desto mehr ihrer Gegenwehr. Der Feld-Marschall Banner schickte den Seinigen noch mehr Volck zu / und um den 24. Novemb. noch ein Sturm gethan / die Stadt / wo möglich an 3. Orten / zumal beym Reichenbacher Thor angestecket / auch Feuerkugeln[157] hineingeworffen werden. Es wurde aber den Schwedischen auch dieser Sturm / mit Verlust der Ihrigen von 2. biß in 300. abgeschlagen / und thäten ihre 2. Minen zurück springen : doch war auch mehr Volcks für sie im Anzug / sammt mehrerm Geschütz. Auff voriges Stturmen thaten die Schwedische den 27. Novembr. deß Nachts um 11. Uhr noch einen starcken Außfall auß der Burg / und währete dieser Scharmützel biß Morgens 3. Uhr / sie kamen auch biß auff den Fleischmarck / wurden aber eben so wol noch einmal zurück geschlagen / und hatten darüber auffs wenigste von 3. biß 400. Mann eingebüsset / ihre Verstärckung war aber noch nit ankommen / sondern noch unter Weges : daß sie also in zweyen Stürmen / vnd einem Außfall bey 600. Mann verlohren hatten. So kame nun den 6. December erwehnter dieser Succurs unterm Commando deß General Feld-Zeugmeisters Torstensohn / deß Morgens frühe vor Bautzen an / der von 2. Regimentern Fußvolcks bestunde / welche 12. Stücke Geschützes mit sich brachten / unter denen 4. halbe Carthaunen[158] waren. Es gedachten aber die inligende Chur-Sächsische / unangesehen sie genug geänstiget wurden / opiniatrischer Weise[159] / dannoch nicht ergeben / sondern vielmehr auff oberwehnte ihre getreue Assistentz vom Adel / Bürgern und Bauern sich zu verlassen / inmassen sie um den 24. Novembr. noch die Resolution gefasset hatten / den Orth biß auffs neue Jahr zu manuteniren[160] / hatten auch die Hoffnung / alldieweilen auß empfangener Kundschafft das Taubische Regiment nach Dreßden[161] aufgebrochen war / die andern würden sich auch moviren / und sie entsetzet werden. Es bedorffte aber dieser Hoffnung gantz nicht : gestalt dann General Torstensohn diie Stadt mit solchem Ernst alsbalden angegriffen / daß nach wenig gethanen Schüssen / sie sich eines andern bedacht / der gefährlichen Consequentz nicht erwarten wollen / sondern um Accord[162] gebetten : welcher ihnen doch abgeschlagen worden / darum sie sich auff Discretion[163] ergeben müssen / und seynd die Officirer alle gefänglich angenommen / von ihnen zwo Standarten bekommen / die gemeine Reuter und Fußknecht[164] alle untergestellet worden : deren man in allem von 700. noch 200 übrig gezehlet / so sehr hatten diese Regimenter Zeit dieser ihrer Belagerung / an ihrer in Bautzen gebrachter Mannschafft abgenommen / und seynd die gefangene hohe Officirer gewesen / der Commandant und Obriste-Wachtmeister Wedelbusch / der Obriste-Wachtmeister von der Artillerie. Joachim Friederich von Dölau / der Obriste-Wachtmeister David Daube / sammt den Hauptleuthen und andern ihrern Officirern / die alle gefangen / erstlich nach der Sitta[165] / und fürters nacher Böhmen geführet / darauff die Stadt Bautzen und umligendes Land zwar auff vier und zwantzig tausend Thaler geschätzet / diese Summa aber auff siebenzehen tausend / diese innerhalb zween Tagen bey Straff Feuer und Schwerdt zu erlegen / moderiret / hergegen die Thor verbrennet / etwas von der Stadt- und Schloß-Mauer eingerissen / und alles Volck abgeführet worden“.[166]

Der Erzgebirgschronist Lehmann hielt für den März 1640 fest: „Der [Slange] wahr vorhin zue Caden[167] gelegen, der ging mit seinen, des Hans Wachtmeisters, Duglas [Douglas; BW], Alten Cratzensteinischen [Kratzenstein; BW] und des Mortaine [Mortaigne; BW] Trajoner nach der Eger auf Teißing[168] zue, fiele den 500 Crabaten unter den Obrist Ragewitz [Rajcovič; BW] und den Curaßirern[169] untter den General-Wachmeistern Seretetsche [Bernard ze Žerotina; BW] und bekamen 200 Crabaten, 100 Curaßirer und viel Officir, stunden des Nachts beym Engelhauß[170] im felde und lauerten auf den feind, und do sich keiner angebe, marchirten Sie den 18. Martii von Schlackenwertha[171] auf Jochimsthal,[172] drinnen wahr des Schlangen haupt-Quartir 1 Nacht, brenneten 2 heußer weg, brandtschazten die Stadt. Den 19. Martii brach er auf, marchirte und plünderte 4 stunden lang in Wiesenthal,[173] brande Michel Ehligs hauß ab; 2 regiementer darvon legten Sich auf die Bohmische Seite in Ober- und Untter-Wiesenthal. Der Obrist-Leutenant Bergel von Duglas lag bey Christof Fischern, wahr lustig und brach vor ein baar ducaten gläser mit ihme in bier und wein. Die andern Regiementer rückten vollendt uber den Wald und bekahmen Quartier theils in Newdorf,[174] Duglas und (die) alten Cratzensteinischen in Waltersdorf,[175] General-Major Schlange, das leibregiement und Hans Wachtmeister in der Schletta,[176] der Graf von Hoditz, die Churländer und Liefländer zum Elterlein.[177] Diese Schwedische Völcker alle zue Roß und Fuß haben die leute, wo sie gelegen, barbarisch tractirt, weiber und Jungfern geschändet, die heußer ubel ruinirt, des heues wegen und, was Sie darinnen gefunden, die giebel außgeschlagen, die boden aufgehoben und hütten drauß gebauet, Cammern und gemächer schändlich zernichtet und zuesammen gebrochen, Die Pferde darinnen zue stellen und untterzuebringen, daß Sie fast nicht mehr zue bewohnen gewesen, fenster und ofen eingeschlagen, allen haußrath an schräncken, tischen, bäncken, brew- und Ackergereth, kasten und thruen, wägen zerhauen und dasselbe sampt den Zeunen auf den felde und an gärten verbrännet, die betten außgeschüttet, Zien, kupfer, eisen, bier, gedreit uffgeladen, alles, was untter und uber der erden, auch zwischen den wenden und gemeuer verborgen gewesen, durch embsiges suchen und Teuffelskünste aufgegraben, gefunden und weggenommen, alle Schächte und bergwercke, drin die leute viel sachen geflehet, uff 2 meil weges beraubet und in summa so fertig und rein uffgefreßen, daß weder brod noch bier, weder Saamen noch Viehe, weder kleider noch haußrath uberblieben. Darbei haben Sie keiner Kirchen geschonet, alle Sacristeyen zerhauen, die Altare gestümmelt, die Orgeln zerrißen, den Ornat, Leich- und Altartücher, kelche weggenommen. Den do ist alles Preiß gewesen, kirchen, kirchengeräthe, Gottesäcker, Epitaphia, Crucifixe, die Sie verstümmelt und verbrandt; in ezlichen kirchen ist die strew von Pferden ellenhoch gelegen. In kirchen haben Sie die verborgenen löcher gefunden, drin die alten die Pepstlichen Kirchengeräthe, Monstrantzen, becken, weihkeßel vermauret hatten, und darvon kein einwohner gewust, und mitgenommen, Die Libreyen der Priester geraubet und aufgeladen, und weil die Soltaten in Quartiren keinen bißen brod gefunden, haben Sie desto schärfer in heußern gesuchet und die leute mit rädeln, uffhengen und Schwedischen trüncken so lange gemartert, biß Sie ihre oder ihrer Nachbarn verborgene sachen in Schächten und vermaureten kellern verrathen musten. Do ist das nachsuchen angangen und haben alleine zum Scheibenberg[178] 9 vermaurete Keller und was darinnen das Ubrige beste vermögen an gedreit, viehe nutzen, Zienwerg in fäßern, thruen, leden, betten und alles, was von Vorigen raubvogeln wahr erhalten worden, gefunden, aufgeladen, die Fußknechte und ihre Weiber bürdenweise weggetragen, und das Ubrige denen hauß-Dieben und Verräthern in die Rappuse gegeben, daß die Menschen nur das leben und das ärgste Lumpenkleid am leibe behalten. Dergleichen ist geschehen in der Poele,[179] Rittersgrün,[180] Breittenbrunn,[181] auf allen hämmern. Im gantzen grundt wahren alle heußer an fenster, thüren, öfen, giebeln zerhauen und zerrißen, töpfe und der geringste haußrath verderbet und zerbrochen, daß mann alles new schaffen mußen; uber diesen suchen ist großer schaden durch feuer geschehen. Die Schletner[182] hatten allein ihren Vorrath an Viehe und mobilien beyzeiten in Annenberg[183] verschaffet und daß Ubrige von futter und käsen ins hew und strohe verscharret; alß Sie nun an einen ortt in hewwegnehmen was gefunden, haben auch eines Obristen gesindte in Caspar Arnolds Caplanshause die verborgene Butter mit brennenden strohewischen gesuchet, drüber das Quartir angezündet, welches So überhandt genommen, daß darvon den 20. Martii 14 Bürgersheußer mit scheunen und Ställen abgebrennet, und wehre das gantze Städtlein in feuer verdorben, wan die Soltaten nicht gewehret hetten. Des Nachts sahe mann nicht allein die Wachfeuer mit Schrecken an, sondern auch die Schadenfeuer, die hin und wieder in den gebirg lichterlohe aufgingen, und weil den der hunger je lenger, je mehr auch untter den Soltaten zuenahme, musten Sie nothwegen auf die Wälde sezen, hin- und wieder reiten und ihre lebensmittel suchen, do sie der flüchtigen fußstapfen in schnee leichtlich führen können, darzue die Verräther und landeskinder untter der Armee, denen die Walde und leute bekandt, sehr viel geholffen, dardurch ein grausamer Jammer verursacht worden. Den 21. Martii kam ein starcker trop von Reutern in Grumbach,[184] und weil Sie niemandt in Dorf antroffen, sazten Sie auf ihre Walde und kahmen biß an Windtgebreche, wo die bauern lagen, die gaben feuer untter die Soltaten, daß die feindte außrißen und wieder ins Dorf ritten, fingen doselbst einen bauer und zwangen ihn, daß er zu bauern lauffen und ansagen solte, wofern Sie nicht kehmen, und jeder sein hauß mit gelt lösete, so wolten Sie das gantze Dorf wegbrennen. Der bauer lief, kam nicht wieder, auch sonst niemandt. Do ritten Sie weg, kahmen zue Mittag stercker wieder und brandten den dritten theil des Dorfs weg, darunter auch das Gericht mit scheunen und ställen“.[185]

Der Hildesheimer[186] Chronist Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem April 1640: „Als bisher Grãl. Banner sich fast ein ganz Jahr in Böhmen ufgehlten und nicht weiß, aus was Uhrsachen er die Oerter, so er sehr wohl mit Proviaudt [!] versehen und fortificirt, als Leutnandt Molneck und Brandiß (ihn) verlassen, – theils meinen, weil die Allianz mit Frankreich und Schweden zue End, theils daß er nicht wisse, wie er mit den Heßischen dran (ist) – , kompt in Sachsen zue Zwickaw an. Schickte voran den Grãl.-Majeur Königsmark, der die Chursächsischen restirenden Völker bis Leipzig[187] jagte. Der Obrist Schleng hat auch mit der Arrier-Garde[188] drey Regimenter Croaten in der Abmarche aus Böhmen geschlagen“.[189]

Dr. Jordan hielt am 4.8./14.8. in seinem Tagebuch weiter fest: „General Johan Banner, Obrister Pfuhl [Adam v. Pfuel; BW] und Obr. Schleng komen nach Göttingen[190] zue Ihrer Fr. Gnd. Herzog Georg. Bringen mit sich eine große Suite Cavallirs, und weil er kaum eine geringe Zeit alda gewesen, kriegt er Zeitung von des Picolomini Marche. Hat allein mit H(erzog) G(eorg) zu guten Mund geredet“. […] 8./18.8.: „Als sich der Kayserl. Grãl. Graf Piccolomini mit der ganzen Armee bei Gundsberg[191] im Heßischen praesentirte, brach der Schwedische Grãl. Majeur Johann Banner mit der Armee kegen ihn auf“. […] 11./21.8.: „Vergangene Nacht fällt General Banner bei Fritzlar[192] eine Berg an, worauf 9 Kayserliche Regimenter gestanden, schlägt sie mit großem Verlust herunter, da anfangs die Longevilleschen, herauf die Heßischen respondtirt, die Braunschweigischen aber den Berg erhalten, worauf sich der Picolomini[193] bey Borhem[194] festgelegt“.[195]

In Hildesheim war es im November dieses Jahres zu einem gewaltigen Trinkgelage gekommen, wohin sich viele höhere Offiziere begeben hatten, um an einer von Banér einberufenen Konferenz teilzunehmen. Dr. Jordan berichtet unter dem 30.10./9.11.: „General Johann Banner kompt herein und wurde zweimahl 2 Schwedische Salve vom Hohen Rundel mit Stücken gegeben. Aus 2 Stücken umb 2 Uhr da kamen erstlich die Weymarschen. Er, Banner, kam umb 7 Uhr zur Nacht, – da auch 2 Stücke mehr gelöset wurden – , hatte bey sich Obristwachtmeister Pfuhl [Pfuel; BW], Wittenbergk, Schleng [Slange; BW] (und) Königsmarck, die Obristen Herr von Tzerotin [Bernard ze Žerotina; BW], ein Mährischer Freiher, Zabellitz [Zabeltitz; BW], den jungen Wrangel, Hake, Mortaigne, Hoikhing [Heuking; BW], Steinbock [Steenbock; BW], Bellingkhusen [Bellinghausen; BW], Gregersohn [Andeflycht; BW]. It. Ein Markgraf [Friedrich VI.;[196] BW] von Durlach, des Banners Schwager. Von der Heßischen Armee war Obrist von Gundroth, von Braunschweig Bohn; von Zelle[197] D. Langerbeck.

Von der Weimarschen Armee (die) Directoris Obrist Comte de Guebrian, Otto Wilhelm, Graf von Nassaw, Oheimb. It. Mons. Glocsi, Gral.-Intendant Extraordinari.

Ferner Herzog Philipp Ludwig von Holstein, Rittmeister, Landgraf Christian von Hessen, Caßelscher Linie Maximiliani Filius,[198] Graf Otto von Schomburg [Schaumburg; BW]. Diese letzten beiden nebst den Herrn Tzerotin starben über ein wenig Tagen innerhalb 24 Stunden“.[199]

Der Jenaer[200] Chronist Beier hält die Einquartierung fest: „14. Decbr. Der Marggraf von Durlach v. oberste Schlange liegen den 14. 15. 16. Decbr. in Jena stille vnd gehet die ganze schwedische Armee vorvber.“[201]

Für Ende Dezember 1640 schreibt Leopold: „Den 29. dito früh um 9 Uhr ist ein Trupp Reiter vor das Untertor hierhero [ge]kommen. Sie berichteten, daß der schwedische H[err] Württemberg(er) [Wittenberg; BW] mit etlich[en] Regimentern auf hie[r]hero im Marsch begriffen sei, der hier das Frühstück einzunehmen begehrte. Wir sollten es dahero zurichten. Wir waren in Schrecken und höchsten Forchten, [da wir] nit wußten, ob dem also [sei] oder ob es auf eine Plünderung abgesehen wäre. Jedoch mußten wir unsauf ein Frühstück gefaßt machen und es Gott befehlen. Andere (her)nachkommende Reiter berichteten, der General würde bald kommen. Wir gingen ihm entgegen und (be)fanden ihn auch allernächst mit den Regimentern herbeimarschieren. Wir baten ihn, er wolle uns arme Leute in seinen Schutz nehmen, uns mit Quartierung verschonen und wider alle Gewalt beschirmen. Der fragt[e] uns [nur] allerlei und begab sich mit herein.

Es befanden sich damals bei ihm H[err] Markgraf von Durlach [Friedrich VI. v. Baden-Durlach,[202] BW], ein Graf [Kaspar] von Eberstein, H[err] Generalmajor Schlang, H[err] Oberst[leutnant] [Georg Melchior v.; BW] Witzleben und viele andere hohe Offiziere, auch Rittmeister, hohe Offiziere, auch Rittmeister, Leut[nante][203] und Kornetts, ungefähr an die 200 Mann. Sie kamen [alle] mit herein. Die Regimenter mußten hinten[her]um über den Marktweiherdamm reiten und alle auf dem Reiserberg im Feld stehen [bleiben] und halten. Sie waren auf das wenigste an die 5000 Mann stark, alle wohl bewehrt, bekleidet und beritten. Sie hatten weder Troß[204] noch Bagage, auch keine Huren[205] bei sich. Als der General mit dem Oberst[leutnant] unteredessen in dem Wirtshaus Tafel gehalten – die anderen Offiziere haben sich in anderen Häusern befunden – ließ er [von] uns durch H[errn] Oberst[leutnant] Witzleben für Quartier und Brandschatzung 1000 Dukaten begehren. Weil wir aber die höchste Armut und Unmöglichkeit – wie sie auch wirklich vonnöten war – erwiesen und vorgewandt, daß wir als wahre und beständige evangelische Christen um der heiligen Religion [willen] viel haben leiden und ausstehen müssen, ist endlich mit ihnen auf 200 Dukaten, also gleich 600 K[ronen], die innerhalb 10 Tagen zu bezahlen [waren], geschlossen worden.

Unter dieser [Ver]handlung sind beide Vorstädt[e] und Dörflas[206] ganzlich spoliiert, das Bier ausgetrunken [und] auch alles Getreide (hin)weggenommen worden. Desgleichen sind auch die Stadel, die allererst wieder ein wenig zugerichtet worden [waren], sehr zerrissen und das vom jüngsten Marsch übriggebliebene Holz und [Ge]stroh gar verbrannt [worden]. Was aber unverbrannt von den Stadeln übrig und stehen(d) blieb, ist hernach meistentheils vom Wind (gar) über einen Haufen geworfen worden. Und obwohl wir, wie oben gedacht, wegen der Ranzion akkordiert und in schwedischen Schutz aufgenommen worden sind, so sind doch etlich[e] 100 [Mann] über die Mauern herabgestiegen und [haben] genommen, was sie in der Eile ertappen konnten, worauf der General etliche kommandierte, solchen Einfall zu verwehren. Doch haben sie nit an allen Orten sein und solches hindern mögen, [so] daß endlich das Volk sehr viel herein[ge]kommen ist. Als die übrigen auch zum Tor [her]einbrechen wollten, hat sich H[err] General neben H[errn] Generalmajor Schlang(en) sehr erzürnt. Sie haben solchen Einbruch mit bloßem Degen zurückgebracht und auf diesen Lärmen [hin] auch alsbald zu Pferd blasen [lassen]. [Sie haben] den Aufbruch mit guter Order genommen und [haben] abmarschieren lassen. Sie sind von hier durch Waldershof und noch am selben Abend zu Kulmain[207] angelangt. Doselbst(en) [haben] sie ihr Nachtquartier genommen. Vor ihrem Aufbruch haben wir ihnen eine Obligation[208] wegen der 600 K[ronen] stellen und uns solchergestalt verschreiben müssen, daß wir nämlich solche Summe innerhalb 10 Tagen bezahlen und uns weder von Feind noch von Freund wollen abhalten und hindern lassen. So wir in[nerhalb] solcher zeit nit zuhalten würden, geben wir ihnen freie Macht und Gewalt, daß sie nach Belieben mit uns, unser[en] Weib[ern] und Kindern, unserer Hab[e] und unseren Gütern mit Grimm, Rache, Feuer und Schwert verfahren können“.[209]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[210] schreibt im „Florus“: „Vnd jetzt war Banner / weil er [bei Plauen 14.4.1640; BW] vmb ein grosses theil seines Heeres kommen / nicht in weniger gefahr / als er mit Lüneburgischer / Hessischer Braunschweigischer / vnd vnter dem Hertzoge von Longuevil [Longueville; BW] mit Frantzösisch-Weimarischer hülffe bey Erffurt[211] wiederumb verstärcket worden. Also hat er sich auf seine vierzig tausend[212] Mann verlassen / vnnd sich bey Sahlfeld[213] den Keyserischen ins Gesicht gestellet.

Aber diese haben in ihrem Läger an der Sale sicher gelegen / vnnd auff das Gegentheill / so starck Fewer gegeben / daß derer etliche hundert vmbkommen / vnd dem Obersten Erico Schlangen [25.5.1640 ?] der rechte Arm mit einem grossen Stück abgeschossen worden“.[214]

Der Zeitzeuge Jan Hector von Sturnbrich schreibt dazu: „Auf der Schwedischen Seiten aber wurden dem Obr. oder Gen. Schlangen damalen sein rechter Arm bey dem Käse Korbe[215] (ein Ort an der Heide also genannt) oder Göritzer[216] Mühl Schanzen mit einer Stück Kugel, indem er von seinem Leib-Schüzen sein Birsch Rohr[217] in Scharmuziren abnemen wollen, abgeschossen: worüber Herr Gen. Baner dermaßen erschrocken, daß er gesagt, er vor solchen Schaden lieber seiner besten 2 Regimenter verlohren haben wollte“.[218]

Im Oktober 1640 hatte Slange Melchior von Hatzfeldt um einen Austausch der bei Lippspringe[219] in kaiserliche Gefangenschaft geratenen schwedischen Offiziere und Soldaten gebeten.[220] Der kaiserliche Obristleutnant Hermann von Westerholt erwähnt im November 1640 gegenüber Hatzfeldt Verhandlungen mit Slange wegen des in Wunstorf[221] festgehaltenen Obristleutnant Ernst von Königseck.[222]

Der Hofer Chronist Rüthner schreibt: „Den 30. decembris brachten 6 schlangische reuther aus dem egerischen kreyße etliche 100 stück rindt- und schaafvieh anher, verkauften viel darvon in der alten Pfarr, das übrige aber wurde ihnen durch den noch hier liegenden generalgewaltiger[223] [Lindeman; BW] abgenommen.

Diesen tag ist auch herr Johann Lamiz, des raths, den sie vor dem thor mit gewalt weggenommen, als solte er ihnen den weeg weißen, wieder elendiglich nach hause gekommen. Haben dem guten mann auch die hosen ausgezogen und auf die 10 meil weeg mit sich herumgeführt“.[224] „Den 7. januarii kam ein schlangischer quartiermeister mit 13 pferden von Erfurth anher. Dem muste man in der Altenstadt quartier geben“.[225]

Leopold aus Marktredwitz erinnert sich an den Februar 1641: „Den 3. dito ist ein schwedischer Rittmeister vom Regiment [des] Oberst Schlang(en) mit 60 Reitern und 30 Musketiere(r)n anhero kommen, hat ernstlich Quartier begehrt und mit Gewalt herein gewollt. Er ist aber letz[t]lich auf großes Bitten, nachdem wir ihm vorhero 6 Taler spendieret, gegen Waldershof und Kemnath[226] gegangen“.[227]

Ferdinand III.[228] wandte sich am 1.3. aus Regensburg[229] an Erzherzog Leopold Wilhelm[230] und dankte ihm für die Bereitschaft, den Landtag in Linz,[231] der gestrigen resolution gemäß, zu schließen. Er meinte weiter, Leopold Wilhelm solle in strenger Geheimhaltung nach Straubing ziehen, das der Banir nicht etwann unser intention merckhe.[232] In einem weiteren Schreiben vom selben Tag erfolgte die Anweisung an Leopold Wilhelm, was nach einer erfolgreichen Schlacht gegen die Schweden unter Slang mit den schwedischen Truppen zu geschehen habe: erstlichen, die vor uns gedienet haben in unsern diensten zubehalten, die ubrigen teitschen (wellihe wenig würde zu trauen sein) zu demontiren und disarmiren, und von seine reiter darmit zu posirn, und allsdann den Spanirn in Italien zu uberlassen, die Schweden aber gegen unseren gefangenen auszuwegxhlen, und da noch [etliche] uberbleiben thäten, gefangen zubehalten an einem gewissen ort. Weiter kündigte Ferdinand an, den Grafen Traun mit einer Resolutionen zu Leopold Wilhelm zu schicken, bat aber den Erzherzog, seinen Marsch fortzusetzen und sich bald mit Geleen[233] bei Waidhausen[234] zu vereinigen, um Banér zuvorzukommen, denn der Banir mues uns mit genad nicht entwischen. Es lag eine Instruktion an den Grafen von Traun bei, in der Traun aufgefordert wurde, Hatzfeldt einige Weisungen persönlich zu überbringen. Über Geleen habe er, Ferdinand, von einem frühzeitigen Aufbruch Banérs erfahren, dem Leopold Wilhelm nicht zuvor gekommen sei. Baner werde sich ohne zweifel aus dem nothfal heraus zurückgezogen haben, nachdem er die Überlegenheit der kaisetlichen Armee erkannt habe. Ferdinand schlug vor, die Regimenter Leopold Wilhelm und Geleen nach Waidhausen zu schicken, um Banér dort zuvor zu kommen und ordnete an, daß von Eger aus die Schanze Königswart mit 300 Dragonern besetzt werden solle.[235]

Slang nahm auf dem Rückmarsch von der fehlgeschlagenen Belagerung Regensburgs[236] 1641 durch Banér mit dem kleinerem Teil seines Regiments in Burglengenfeld,[237] mit dem größeren in Schwandorf[238] Quartier. Er zog die Besatzung von Burglengenfeld an sich und marschierte am 17.3. abends nach Neunburg vorm Wald[239] ab, wo er am 18.3. um 3 Uhr morgens eintraf. Die ihm unterstellten Nabburger[240] Regimenter wies er an, unverzüglich nach Neunburg zu marschieren. Diese warteten jedoch, bis die Korps von Auerbach[241] und Vilseck[242] eintrafen und brachen erst am 19. 3. nach Neunburg auf. Der Vortrab der Kaiserlichen und Bayerischen, 7.400 Kavalleristen unter Caspar von Mercy am 17.3. Burglengenfeld, das von den Schweden bereits aufgegeben worden war, und brach am 18.3. gegen Cham[243] auf. Slang wartete in Neunburg das Eintreffen der beiden Nabburger Regimenter nicht ab und marschierte am 19.3. nach Cham ab. Bei Neukirchen-Balbini[244] stieß er auf die Vorhut unter Mercy und wurde nach Neunburg hineingeworfen. Über 600 Wagen, alle Handpferde und die Frauen der Offiziere fielen in Mercys Hände.

Zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit ließ Slang in Neunburg 41 Häuser niederreißen, alles Vieh aus den Ställen auf die Straße treiben, seine Pferde hineinstellen und verschiedene Bollwerke errichten. Die beiden Nabburger Regimenter hatten sich am 18.3. mit den Garnisonen aus Auerbach und Vilseck vereinigt und marschierten am 19.3. von Nabburg ab. Sie fanden jedoch Neunburg bereits von kaiserlichen und bayerischen Truppen eingeschlossen. Ein Ausfall Slanges ermöglichte es ihnen in die Stadt zu gelangen. Am 19.3. zog Báner von Cham über Furth[245] und Taus[246] ab. Geleen traf in der Nacht vom 19./20.3. vor Cham ein und nahm sofort die Verfolgung auf. Erzherzog Leopold Wilhelm leitete den Angriff auf Neunburg, der am 19.3. in Neukirchen-Balbini sein Hauptquartier aufschlug. Der Ort wurde von den Kaiserlichen bis auf sieben Häuser völlig niedergebrannt.

Slang, wegen seiner Verteidigung der Stadt auch der „schwedische Leonidas“ genannt, „machte Piccolomini,[247] der an der Spitze seiner Reiterei am Ort erschienen war, sogleich klar, daß er nicht daran denke, aufzugeben. Neunburg lag auf dem Weg nach Cham, und um weiter vorrücken zu können, mußten die Kaiserlichen zuerst Slangs Truppe bezwingen. Die Infanterie der kaiserlichen Hauptmacht wurde herangeführt, und am Morgen des 10. [20.] März war auch die gesamte kaiserliche Artillerie herangefahren und aufgeprotzt. Der Angriff konnte beginnen. […] Die einfachste Methode, eine Festung einzunehmen, war das Zernieren, was ein feineres Wort dafür war, daß man alle Ausgänge der Festung verstopfte und dann einfach wartete, bis der Hunger die Menschen in ihrem Inneren zwang, zu kapitulieren. […] Eine Zernierung konnte hier bei Neunburg nicht in Frage kommen, auch eine regelrechte Belagerung nicht. Die Kaiserlichen hatten keine Zeit. Sie mußten Slange und seine Männer schnell aus dem Weg räumen, um weitermarschieren zu können und das schwedische Heer in Cham einzuschließen. Also blieb ihnen nur eine Erstürmung. Es waren stets blutige und gewagte Operationen, im Kreuzfeuer mit Hellebarden[248] und Äxten und Handgranaten[249] anzustürmen und sich auf unangenehm hohe Leitern zu schwingen oder auf blutig geschrammten Händen und Füßen durch eine mit Sprengsteinen gefüllte Bresche in einer Mauer zu kriechen.

Auch solche Festungskämpfe folgten einem bestimmten Ritual. Zunächst verlangte der Angreifer, daß der Verteidiger sich ergeben solle. Die Antwort war in neunundneunzig von hundert Fällen ein Nein, und zwar ungeachtet der Lage. Ohne Kampf aufzugeben machte einen schlechten Eindruck und tat der Ehre Abbruch. Häufig folgte danach ein verbales Spiel von Drohung und Trotz, in dem die Angreifer schworen, zu stürmen und allen und allem den Graus zu machen, während der Verteidiger stolz gelobte, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Dann begann der Kampf. Tatsächlich kam es äußerst selten dazu, daß Mann gegen Mann kämpfte. Sobald die Verteidiger keine Möglichkeit mehr sahen, die Angreifer zurückzuhalten, gaben sie auf, aller wackeren Rhetorik zum Trotz. Oft genügte es, daß der Angreifer eine Bresche in die Mauer schoß.

Diese ritualisierten Kämpfe waren immer üblicher geworden, ein weiteres Anzeichen dafür, daß der Konflikt einiges von seiner Hitze zu verlieren begonnen hatte. Viel von dem merkwürdigen, schönen und trügerischen Licht, das die innere Landschaft der Ideologen erhellt, hatte inzwischen angefangen zu verblassen. Der religiöse Bürgerkrieg war fast ganz vorbei, und an seine Stelle war ein Krieg zwischen verschiedenen europäischen Großmächten getreten. Die von brennendem Geist erfüllten Kreuzfahrer und Fanatiker waren einer nach dem anderen von der Bühne abgetreten, und ihr Platz war von den Condottieri, den Landsknechten und geworbenen Haudegen eingenommen worden. Die Leiden und das Elend der Zivilbevölkerung waren unverändert entsetzlich, aber in bestimmten Kriegssituationen war doch eine gewisse Zurückhaltung zu erahnen. Sie entsprang zum Teil dem mittelalterlichen Ritterideal, das in Europa weiterlebte, aber auch der klassen- und berufsmäßigen Gemeinsamkeit der Krieger. Fanatismus ist etwas für ideologisch Überzeugte, nicht für Männer, die den Krieg zu ihrem Beruf und zu einer Lebensart gemacht haben.

Den ganzen Mittwoch über sprühte die kaiserliche Artillerie Projektile gegen Neunburgs Mauern, die rasch in rollenden Explosionswolken von Staub und kantigen Sprengsteinen zermahlen wurden. Die Aufgabe war nicht besonders schwer, denn die Festungswälle waren wie gesagt vom senkrechten, alten Typ und außerdem in einem Zustand fortgeschrittenen Verfalls, und den Verteidigern fehlten zu allem Unglück eigene Geschütze, um das Feuer zu erwidern. Gegen Abend war ein klaffendes Loch in der Mauer entstanden. Der kaiserliche Befehlshaber entsandte zu diesem Zeitpunkt einen seiner Obersten, um, wie der Brauch und das Ritual es verlangten, zu fragen, ob Slang und seine Männer jetzt bereit seien zu kapitulieren. Die Schweden hatten jedoch die Bresche mit Brettern und Balken wieder geschlossen, und Slang wies die Vorschläge des Obersten glatt zurück und drohte stolz, ihn zu erschießen, falls er es noch einmal versuchte. Eine Weile später wurde ein kaiserlicher Trommler vorgeschickt, um einen neuen Vorschlag zu machen, aber kaum hatte er sich gezeigt, als er mit einem gutgezielten Schuß von dem löcherigen Festungswall niedergestreckt wurde. Die Antwort kam auf der Stelle, dichte Sturmkolonnen wälzten sich durch die Frühjahrsnässe heran, erreichten die Mauern, wurden aber mit hohen Verlusten zurückgeschlagen.

Am Tag darauf wurde die kaiserliche Artillerie näher in Stellung gebracht, und zwei der Türme der Stadt zerbröckelten bald unter dem Beschuß grober Kailber. Gruppen kaiserlichen Fußvolks rückten durch den Staub vor und kamen den Löchern in der Mauer so nahe, daß sie mehrere Straßen der Stadt mit Musketenfeuer bestreichen konnten. Nun wollten einige von Slangs Offizieren aufgeben; sie hatten alles getan, was von ihnen erwartet werden konnte. Doch Slang lehnte ab. Als sie daraufhin klagten, daß ihre Munition nur Neige gehe, hatte der halsstarrige Oberst sogleich die Antwort parat: »Statt Kugeln können wir Steine nehmen. Davon gibt es genug. Laß die Leute suchen  und sammeln !«. Es ist unwahrscheinlich, daß die schwedischen Reiter dazu kamen, Steine auf ihre Feinde zu werfen, denn sogleich richteten sich die Schauer brummender Kanonenkugeln gegen die Mauer zwischen den beiden zusammengeschossenen Türmen, und binnen kurzem sackte auch sie krachend in sich zusammen. Die kaiserlichen Kanoniere konnten jetzt direkt in die Stadt hineinsehen, bis zum Marktplatz. Nun hatte auch Slang genug, und er beugte sich dem gesunden Menschenverstand des Belagerungsrituals. Er ließ Trompeter die Kaiserlichen anblasen und erklärte sich zur Kapitulation bereit, falls seine Offiziere nicht gefangengenommen würden (die gemeinen Soldaten sollten zurückgelassen werden). Die Gegner lehnten ab. Die Schweden mußten sich auf Gnade und Ungnade ergeben, bedingungslos. Aus der zerschossenen Stadt trotteten rund 90 Offiziere, 1600 Reiter und 180 Musketiere. Neunburg war gefallen. Der Weg nach Cham war frei”.[250]

Slange, Rudolf von Birkenfeld, Obrist Heuking, der Kommandant von Nabburg, Karl Magnus von Baden-Durlach und [Jaroslav Petr] Kinský gerieten in Gefangenschaft, wurden nach Regensburg und weiter nach Wien gebracht.[251] Auch Rüthner in Hof hielt das Ereignis fest: „In des gedachten herrn obristens [Ulrich Braun; BW] aufbruch und hernach hat man sehr starck schießen gehört und ist, wie man hernach erfahren hat, zu Bamberg am wald geschehen, da der Baner mit seinen völckern von den kayßerlichen überfallen, und der obrist Schlange, so damals zu Bamberg gelegen, nicht können secundiret werden, von den kayßerlichen gefangen genommen und gegen Regenspurg, darnach auf Wien geführet worden. […] Den 15. martii kam obrist Braun und Seckendörfer früh nach 5 uhr wieder von Kemnat hieher marchirt, auch man in der wahrheit nachmals erfahren, obrist Schlang gefangen, Kinsky gar tod, auch sonsten, dass das duclasische und banirische regimenter ruiniret worden, und das auf gedachte beede obristen 5 kayßerliche regimenter commandiret seyn solten, sie zu verfolgen. Ihre völcker logirten in der Alt- und Vorstadt bis gegen abend 6 uhr, da nahmen sie ihren march fort gegen Schlaiz[252] zu“.[253]

„Die Kaiserlichen jubelten ihr victoria, aber die Wahrheit war, daß sie auf ihrem Marsch, um das Heer Banérs zu fangen, erheblich aufgehalten worden waren. Nicht daß hinter Slangs zäher Verteidigung ein solcher Gedanke eine Rolle gespielt hätte. Die Truppe in Neunburg war eingeschlossen worden, bevor sie aus dem Sack hatte schlüpfen können, und Banér hatte beschlossen, sie ihrem Schicksal zu überlassen. Das mag zynisch wirken – und schmerzte sicherlich, denn Slange stand ihm nahe – , aber es war wohl unausweichlich: das Tier in der Falle biß seine eigene Pfote ab, um freizukommen”.[254]

Am 17.3.1641 ließ Banér aus Kaden[255] Caspar Ermes, den Kommandanten von Erfurt, über den aus seiner Sicht erfolgreich verlaufenen Rückzug aus der Oberen Pfalz informieren. Das „Theatrum Europaeum“[256] publizierte beide Schreiben an Ermes: „Weiln ich leichtlich gedencken kan / daß mein Herr. Obr. und Bruder viel ungleiches Spargiren wegen unserer Retraite auß der Pfaltz wird vernommen haben / als habe ich mir fürgenommen / dem Herrn Obristen und Bruder die gründliche Beschaffenheit desselben ungehindert zu erzehlen / in Meynung ihme darmit einige Freundschafft zu erweisen; so wol auch alle ungleiche und ungegründete Impressionen mit warhaffter Relation umzustossen. Und ist demnach mit obgemeldtem unserm zurück Zug anderst nit beschaffen / als daß der Feind durch der Frantzösischen und Weymarischen Armee geschehene Separation Anlaß genommen / sein Tempo und Glück an uns zu tentiren und hinter der Donau alle seine Force auß Bäyern / Schwaben / Böhmen und Schlesien zusammen zuziehen / und ist damit in grosser Still und Eyl nach der Nabe avanciret: so bald aber Ihre Excellentz Herr General und Feld-Marschall Banner solches vernommen / haben sie zwar denen an der Nabe und Filß / fürnehmlich der Communication-Linie Auffenthaltung halber hinder sich gelegten Trouppen / zu Schwandorff / Nabburg / Vilßeck / Aurbach und Burglengenfeld / welche allein deß Obristen Schlangen / als deß Quartier in Schwandorff gewesen Conduite gestanden / eylige Ordre ertheilet / sich unverzüglich zu uns nach Chamb zu begeben / welchen auch der Herr Obriste Schlang so weit nachkommen / daß er am 7. dieses zu Nachts um drey Uhren zu Neuburg / drey Meilen von gemeldtem Chamb mit seinem Regiment angelangt / demnach er aber die beyde Regimenter die in Nabburg gelegen / als Obriste Heuckings / und Obristen Freyherns von Kinsky erwarten wollen / und über solcher guten Meynung sich dergestalt verweilet / daß sie alle 3. mit ihren Regimentern und dem Obristen-Leutenant deß Leib-Regiments zu Fuß Georg Nemaren [Neumarckh ?; BW] / der nur vor seine Person zu Demolirung gedachter Stadt Neuburg geschickt gewesen / und dem Feind seine Bloquirung / welches er in bemeldtem Neuburg / Retz und WaldMünchen[257] gegen uns vorgehabt / dardurch vernichten wollen / mit deß Feinds ganzen Cavallerie circumvalliret / und darinnen eingeschlossen worden / worauß Ihre Excellentz dann bewogen worden / die vorhin beschlossene Retraite in Eyl vor die Hand zu nehmen / darzu auch am 9. dieses den Anfang gemacht. Es ist der Feind mit 1000. Reutern unter Conduite deß Herrn von Geleen / Bornevals  und Graff Broyen [Bruay; BW] uns dergestalt gefolget / daß er allezeit auff eine halbe und gantze zum weitesten anderthalb Meilen hinder uns gewesen / und Piccolomini mit Fuß-Volck und Stücken ihme nachmarchiret. Wir haben aber die Avantgarde solcher feindlichen Reuterey allemal dergestalt zurück gejagt / daß der Feind von einem Tempo zum andern stutzend gemacht / und sich zu keinem Scharmützel / viel weniger Chargiren oder grössern Action zu præsentiren unterstehen wollen / und ob wol diese Retraite der jenigen / so Anno 1637. von Troppau[258] nach der Oder genommen werden müssen / nicht ungleich / sondern mit eben so grossem Hazard und Gefahr begleitet gewesen / so hat dennoch der Allerhöchste seine Gnad und Segen so kräfftig darbey erwiesen / daß dieselbe biß hieher über die Eger dergestalt volnzogen / daß wir gestern mit allen Stücken und Bagage auch Reutern und Knechten ohne Verlust alhie zu Caden über solchen Fluß biß an den Böhmer-Wald kommen / und biß daher unsern Rückgang glücklich absolviret / und ist der gantze Verlust nicht grösser als daß der Obrist Schlang / Freyherr [Jaroslav Petr; BW] von Kinsky und Obrist Heucking nebenst ihren Regimentern ohnentsetzt / in Neuburg gelassen werden müssen / welche der Feind / in deme ohne das schlechten Platz / mit Canonen also beschossen / daß fast kein Stück von der Mauren mehr gantz blieben / dannoch durch ihre dapffere Gegenwehr drey Stürme abgeschlagen / und dem Feind an Fuß-Volck grossen Schaden gethan / endlich aber auf Discretion sich zu ergeben gezwungen worden / die Obristen und Officirer seynd gefangen / und den gemeinen hat man Dienste angetragen / weiln aber den Obristen allen sie zu ranzioniren versprochen / haben sie sich nicht in deß Feinds Bestallung einlassen wollen / sondern seynd gefänglich nach Regenspurg geführet / und hoffen ihre Excellentz sie allerseits / weil noch genug Gefangene von dergleichen Qualitäten in unserer Gewalt seynd / bald zu liberiren / und ihre Regimenter wider auffzurichten / welches dann die Zeit lehren / und man bald hören wird“.[259]

Selbst bei dem niederrheinischen Chronisten Wilmius aus Kempen[260] fand dieser Vorgang eine ausführliche Darstellung: „Ende März 1641 konnten die Kaiserlichen dank der Hilfe Gottes alle ihre Kräfte zusammenfassen und den in Böhmen wieder schrecklich wütenden Banér in der oberpfälzischen Stadt Cham angreifen. Er bemerkte jedoch die Absicht der Unsrigen und zog schleunigst den General Schlange mit einem Heer von einigen tausend Mann zu Hilfe heran. Dessen Taktik, die Verbindung zu Banèr eiligst herzustellen, durchkreuzten unsere Generale, die wackeren Recken in Geleen und Mercy, durch einen kühnen und erfolgreichen Angriff. Als er den Unsrigen nicht mehr standhalten konnte, flüchtete Schlange mit seiner ganzen Streitmacht in die Stadt Neuburg am Walde [!]. diese nicht stark befestigte Stadt wurde sofort von den Unsrigen belagert, damit der gleichsam in der Höhle eingeschlossene Feind nicht entweichen konnte. Doch die Feinde befestigten die Stadt rund um die Mauern mit Karren, Fahrzeugen sowie allerlei Holzwerk und bereiteten sich sorgfältig auf die Verteidigung vor. Den von den Unsrigen mit der Aufforderung zur Übergabe in die Stadt geschickten Unterhändler streckten sie mit einer Gewehrkugel nieder. Darauf bereiteten die Kaiserlichen die gewaltsame Eroberung vor und schickten nochmals einen Trompeter oder Unterhändler in die Stadt. Dem drohte man das gleiche Schicksal an, wenn er sich nicht eilends aus dem Staube mache. Nach dieser Enttäuschung schossen die Kaiserlichen an einer anderen Seite der Stadt eine breite Bresche durch Kanonenkugeln in die Mauer. Diese Sprache verstanden die Schweden besser und wollten über die Übergabe verhandeln. Aber dieUnsrigen forderten bedingungslose Kapitulation. Von den Offizieren nahmen sie gefangen den General Schlange, den Markgraf von Durlach, Kintzki und einen gewissen Rheingrave sowie 4.000 Fußsoldaten. Darüber hinaus fanden sie in der Stadt einen ungeheuren Nachschub und Vorräte an Bier, Brot, Mehl und vielem anderen. 18 Offiziere wurden unter dem Geleit der Unsrigen nach Regensburg zum Kaiser geführt und ihm vorgestellt zur großen Freude der vielen dort anwesenden Katholiken und zur Bestürzung der Protestanten. Die gefangenen Soldaten leisteten den Eid auf den Kaiser und wurden in sein Heer eingereiht“.[261]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet über diese Vorgänge: „Der Obrist Schlange lag / wie schon obgemelds / mit seinem Regiment und Volck voran / zu Schwandorff[262] / hatte darvon bey 40. Dragoner im Schloß Burglengenfeld[263] / und mag darvon desselben in der verbrandten Stadt auch etwas herunter gelegen haben / inmassen seine Partheyen von darauß nach Regenspurg / so nur vier kleine Meylen darvon gelegen / wo nicht auch auß dem Regenstauffischen[264] / so halber Weg ist / fast täglich gegangen / die andere Obriste / als Heukhing und Herr Kintzky lagen in Nabburg[265] / und ihres Volcks auch theils an der Vilß zu Vilßeck und Auerbach / so als der weiteste Weg auff sieben guter Meilen von Schwandorff / Nabburg aber nur zwey kleiner darvon ist / ligend hatten / desto bessern Auffenthalt zu haben.

Als nun obenerwehnte drey Brücken[266] / in Eyl darüber zu kommen / fertig und zu vorderst alles Käis. und Bäyr. Fuß-Volck / sampt der Artigleria bey Kelheimb[267] in der Still gesamlet und vorhanden gewesen / wurde die Marche mit völliger Käiserl. und Bäyr. Armada / die man auff 20000. starck geschätzet / Sambstags den 6. 16. Martii von Phöringen[268] an der Donau / eine Meyle oberhalb von Neustatt[269] mit starcker Reuterey und wenigem Fuß-Volck / so Herr General Piccolomini und Mercy im Vorzug geführet / und den Nachzug deß Herrn Ertz-Hertzogen Hochfürstl. Durchl. überlassen / so mit übriger Cavallerie angefangen / und theils fuß-Volck / Sonntags den 7. 17. diß gefolget / darauff Montags das Bagagy in Convoy der 10. dabey gelassenen Regimentern / und Dienstags den 9. 19. diß die Artiglioria in Begleitung deß de Suys Regiment fortgangen : welcher gantzer Zug den Weg bey der Stadt am Hof[270] vorbey / theils auff die lincke Hand nach Burglengenfeld / theils zur Rechten über die Regenbrücke bey Weix[271] gerad gegen Wald-Neuburg / da der Schwedische Obriste von Bürckenfeld [Berkefeld; BW] gelegen / zugenommen / deß Fürhabens / dem Schlangen / daß er zu seinem Herrn Generalen nach Chamb nicht mehr kommen sollte / den Weg zu vorderst abzuschneiden.

Es hatte aber der Obriste schlang dessen zuvorhero schon etwas Nachricht / so er den genenneten beyden Obristen mitgetheilet / sie auch / daß er und sie / die unter seiner Conduite waren / Ordre habe sich nach Chamb zu retiriren / wissen liesse / die dann ihren nächsten Weg dahin / auf Wald Neuburg / so von Nabburg nur drey Meylen entlegen / zu nehmen gehabt.

Als nun der Käiserl. und Bäyr. starcke Vortrab sich Burglengenfeld unversehens / und zwar Sonntags den 7. 17. Martii bemächtiget hatte / welches der Obriste Schlang / in den ersten zweyen Stunden zu Schwandorff wissen konnte / verließ er seinen Befelch gemäß / Schwandorff / avisirte es beyde Obristen zu Nabburg dessen / und kam er Sonntags den 7. 17. dieses / deß Nachts um 3. Uhren nach Wald-Neuburg / kleiner dritthalb Meylen von Schwandorff / vermeynend der andern zweyen daselbsten zu erwarten / alsdann solches billich / weilen sie unter seiner Conduite gewesen / also seyn sollen. Es hatten aber diese beyde Volck / so zu Vilßeck und Auerbach gelegen / nicht dahinden lassen wollen / welches die Hinderungs-Ursach gewesen / daß sie mit einander im Wald-Neuburg hald hernach ertappet worden. Dann ob sie wol um den 9. 19. Martii daselbsten ankommen / haben sich doch die Käyserl. und Bäyr. schon so starck mit ihrem Vortrag diß Orts befunden / daß ihnen Schlang und Bürckenfeld entgegen ziehen / und sie sich gesampter Hand durch und in Neuburg schlagen müssen : darauff man sie plötzlich eingeschlossen / und ihnen weder Tag noch Nacht Ruhe gelassen / biß sie sich zu rantzioniren versprochen / sonst haben sie vermeynet biß auff den Tod sich zu wehren / und nicht nachzulassen / unangesehen ihre letzte Wehr nur mit Steinen gewesen.

In specie, so viel uns möglich / hiervon zu melden / seyn die Käiserl. und Bäyerischen so starck fortgerucket / daß sie den 9. 19. Martii nicht nur allein mit den Schlangischen deß Tags gefochten / sondern auch sie in Wald-Neuburg noch selbigen Tags eingesperret / und umzingelt / die Nacht noch das Geschütz darvor gebracht / und den 10. 20. diß den Ort beschossen / der Schlang aber die Bresse deß Nachts etwas wieder verbauet / das den Tag über beschehene Stürmen abgeschlagen / dardurch die Käiserl. und Bäyrischen von 5. à 600. erleget und beschädiget / unter denen ein Obrister-Lieutenant und etliche andere Officirer geblieben / und der Obriste Herr von Bemmelberg gefährlich verwundet worden / daran er nachmals gestorben : und haben sich die in Neuburg den 11. 21. dieses mit Steinen noch etwas gewehret / doch selbigen Tags mit Vorbehalt der Rantzion auff Discretion ergeben.

Haben demnach diese ergebene alsbalden herauß lieffern müssen / 1500 gerüster Pferd / nach welchen sich die Per-sonen gefangen gestellet / nehmlich vier Obriste : als

Schlang / Schwedischer Leibguardien Commendant.

Jobst Rudolf von Bürckenfeld / sampt seiner Frauen und Kindern.

Wilhelm Heukhing.

Janißlaus Kinßky.

4. Obriste Lieutenant.

3. Obr. Wachtmeister.

23. Rittmeister / worunter Marggraff Cal Magn. von Baden Durlach.

3. Capitän Lieutenant.

23. Lieutenant.

26. Cornet.

3. Regiments Quartiermeister oder Corporalen.

16. Compagnien Quartiermeister.

2. Capitäin zu Fuß.

2. Lieutenant zu Fuß.

26. Standarten.

200. Soldaten zu Fuß.

1800. Montirte Reuter.

400. Dienst und andere Pferd.

500. Roß-Jungen und Knecht / etc.

Welche alle noch selbigen Tag auff Regenspurg fortgeschicket / und über die Steinerne Brücken eingebracht / die vornehmste Officirer / in die Landshüter Herberg / zum Pfauen / und schwarzen Adler eingewissen / die andere zurück herüber nach dem Hoff und Weichs / ins Bäyrische kleine Schlößlein einquartiret / alle Wehrloß gemachet / und fürters daselbsten verwachet worden seyn / von welchen die jenigen / so vor diesem in Käiserl. und Bäyr. Diensten gewesen / sich zu denselben zeitlich wiederum eingestellet / und die vornehmste Officirer / daß sie Wehrloß mit ihrer Wacht in die Kirchen / und / anderswohin nach ihrem Belieben gehen mögen zur Gnad empfangen.

So viel nun auß unterschiedlichen guten Berichten. Es ist uns aber auch über alles dieses eine Delineation deß Orts / sampt etwas mehrern Particularitäten von der Eroberung / durch Beförderung deß Käiserl. Ingeniero Herrn Carolo Cappi, zuhanden kommen / so von obigem nicht sehr discrepirt / darum wir beydes das darüber gefertigte Kupfferstück / und was er zugleich davon berichtet / sampt der darinnen gesetzten Ziffern bedeutung / anhero beyfügen lassen / also lautend:

Als die Käiserliche und Bäyerische armada den 6. 16. Martii von Föringen auffgebrochen / den 7. 17. desselben / über die Nab bey Riglingen / vermittelst einer in sechs Stunden gemachter Schiff-Brücken gegangen / haben noch selbigen Abend Herr Feld-Marschall Piccolomini / und der Bäyrische General Feld-Zeugmeister Herr Franciscus Mercy, mit sechs hundert Pferden / und zwölff hundert commandirten Mußquetirern den Vorzug genommen / und Ihrer Hochfürstl. Durchl. mit übriger Armada den Nachzug gelassen. Den dritten Tag hernach / als den 8. 18. Martii / hat die Avantgarde besagter Trouppen / geführet der General-Wachtmeister Herr Caspar Mercy / den Obristen Schlangen mit dreyen Regimentern zu Roß nahend bey Neuburg an der Schwarzach angetroffen / welcher / als er die Käiserl. Trouppen gesehen / sich in diese Stadt begeben / in deren er von den Käiserlichen umringet worden. Als Ihre Hochfürstl. Durchl. dessen erinnert / und dieselbige mit dem Nachzug / und folgender Armada schon zu Neukirchen[272] ankommen waren / und deren Herr Feld-Marschalck Piccolomini diß Orts erwartet / seynd sie mit mit der Infanteria und Canonen / den 9. 19. Abends für die Stadt geruckt / daselbsten ihre Hochfürstl. Durchl. dem Conte de Suys, General Feld-Zeugmeister Ordnung gegeben / die Artigleria zu plantiren / auff dem Posto mit A. bezeichnet / von dannen man den 10. 20. diß angefangen / die Mauer / an dem Ort / da sie schon vor diesem angegriffen / und mit Holz widerum verwahret war / zu beschiessen. Als man nun innerhalb vier Stunden ein ziemliches daran niedergeworffen / und doch die in der Stadt mit Erden / und allerlei anderer Matery daran wiederum erbauet gehabt / sind etliche Soldaten commandiret worden / die Bresse zu recognosciren / und sich daran / wo möglich zu logiren. Inzwischen aber wurde ein Hauß mit B. bezeichnet / angesteckt / welches die Käiser-liche Soldaten beschädigte / es gieng auch folgende Nacht in der Bresse mit C. bezeichnet / ein Feuer auff / so in einem Keller oder Gewölb unter der Bresse sich gezogen / die Bresse aber mit Holz bedecket / und die Mauer darvon eingefallen war / deßwegen man die Canonen an andere Ort gestellet / mit D. bezeichnet / und angehenden Morgens den 11. 21. Martii den Thurn mit E. gezeichnet angegriffen / durch welchen die Käiserliche Soldaten in die Stadt kommen / und auff die Schwedische getroffen / welche als sie alle Bereitschafft zum Sturm gesehen / sich auff Ertzhertzogliche Clementz ergeben / und seyn denselben Tag noch außgezogen der Obriste Schlang / Bürckenfeld / Hekhin / Kintzky / und Herr Marggraff von Durlach / mit 2000. Pferden / 250. Fußknechten / 26. Reuter-Fahnen / unter denen General Banners Leib-Fahnen gewesen / dabeynebens auch drey Carrozzen mit Frauenzimmer und gefangener Officirer Weiber / die alle der Käiserl. Majest. nach Regenspurg zugeführet worden.

Infanteria.

1. Regiment di Caretto

2. Reg. Suys

3. Reg. Savelli.

4. Reg. Happach und Günther.

5. Reg. Haßlang.

6. Reg. Mercy.

7. Reg. Honolstein.

Cavalleria

8. Regiment Gayling.

9. Reg. di Vera.

10. Reg. Rodoan.

11. Reg. Gonzaga.

12. Reg. Nicolas [Montard de Noyrel; BW].

13. Reg. Spiegel.

14. Reg. Ester.

15. Reg. Briganza.

16. Das alte Regiment Piccolomini.

17. Ihrer Hochfürstl. Durchl. Guardia.

18. 700. Cavalli so von dem Obristen Kolben und Sporcken commandirt worden.

19. Die Käiserlichen Mußquetirer“.[273]

Im April 1642 berichtete Hermann Drach, kaiserlicher Rat, während seines Aufenthaltes in Wien, Hatzfeldt über den angestrebten Austausch Slangs gegen die kaiserlichen Offiziere Montecuccoli und Pompeio.[274]

Rüthner erinnert sich: „Den 30. und letzten aprilis hat sich mit einen starcken schnee geendigt. Auch diesen tag der schwedische [p. 225] Schlang, obristlieuthnant, von den bayrischen völckern gefangen, hier durch gegen Erfurth geführet worden“.[275]

„Auf militärischem Gebiet erlebte Montecuccoli Erfreulicheres. Erzeherzog Leopold Wilhelm stellte ihm 3000 Gulden zur Verfügung, um das Kürassier-Regiment wieder zu ergänzen. ‚Ich ging dann mit den besten Hoffnungen zur Armee und fand Piccolomini zu Brünn in Mähren. Der Erzherzog kam nach und wir marschierten nach Olmütz.[276] Ich wurde mit 2000 Reitern gegen Slang gesandt, fand ihn jenseits von Troppau und schlug ihn, die Armee folgte nach’. Mit diesen knappen Worten hielt Montecuccoli in seinem ‘Auszug aus meinem jährlichen Aufenthalt in Deutschland’ die Ereignisse des Frühherbstes 1642 fest, sie lassen sich jedoch aus zeitgenössischen Berichten genauer darstellen:

Raimondo Montecuccoli hatte seinen Verwandten Andrea bei sich, der mit Borso d’Este[277] nach Deutschland gekommen war, um an der Seite seines großen Vetters oder Onkels Kriegserfahrung und womöglich auch ersten Ruhm zu erwerben. Schon das erste Unternehmen war interessant: Raimondo sollte mit seinen Reitern die Schweden unter Torstensson beobachten. Dieser wandte sich nach Schlesien, um die Stadt Brieg[278] zu belagern. Die kaiserlichen Truppen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini, die Brieg entsetzen sollten, brauchten eine Avantgarde, um die Lage zu erkunden. Deren Führung wurde Raimondo übertragen, der sich bei solchen Aufgaben schon oft bewährt hatte. Mit 2000 Kürassieren und 500 Dragonern brach er auf, traf nordöstlich von Troppau auf die Truppen des schwedischen Obristen Slang, gegen den er vor kurzem ausgetauscht worden war, besiegte ihn, machte 200 Gefangene, eroberte die Burg von Troppau und befreite die Bürger, die Slang als Geiseln für die Bezahlung von Kontributionen festgenommen hatte. Die kaiserliche Armee konnte ungehindert vorrücken, Torstensson mußte die Belagerung von Brieg aufgeben und sich nach Nordwesten zurückziehen”.[279] Am 24.9.1642 überfiel Slang den Ort Fraustadt.[280] Bei den Kämpfen wurde Oberst Mislík verletzt.

„Torstensson beabsichtigte, Leipzig[281] zu belagern. Der Plan war einfach. Der schwedischen Armee mangelte es an Unterhalt, und der würde schwer zu beschaffen sein, wenn das kaiserliche Heer seine Taktik beibehielt, seine schwedischen Gegner auf ihrem Rückzug diskret zu beschatten. In der jetzigen Lage gab es zwei Alternativen. Entweder ließ man zu, daß die Schweden Leipzig einnahmen, und dann würden sie die großen Vorräte der reichen Stadt genießen können. Oder die Kaiserlichen kamen der Stadt zum Entsatz, und dann würde man sie vielleicht in einer Schlacht stellen und schlagen können. Lars Grubbe, ein ziviler Assistenzrat bei der Armee bei der Armee, drückte es so aus: »Entweder muß Leipzig in unsere Hand kommen, oder der Feind ist genötigt, eine bataille zu wagen.« (Grubbe, ein Mann in mittleren Jahren, war einer der tüchtigen und eifrigen Beamten, die das Rückgrat des schwedischen Machtapparats bildeten; er hatte als Verbindungsmann in Axel Oxenstiernas[282] Kontakten mit der Regierung zu Hause in Stockholm fungiert; er hatte Banér bei diplomatischen Unterhandlungen mit verschiedenen schwierigen deutschen Fürsten geholfen, er war schwedischer Resident in Hamburg[283] – Adler Salvius war sein Patron und Gönner – und Assessor im Reichsamt für Handel und Schiffahrt gewesen, und während der schweren Krise in der Armee 1641 war er einer von denen, die am aktivsten und geschicktesten zur Abwendung der drohenden Katastrophe beigetragen hatten. Grubbe war jetzt Torstenssons rechte Hand in politischen und diplomatischen Angelegenheiten, aber er wurde gegen seinen Willen aus den militärischen Entscheidungen herausgehalten. Deshalb war er unzufrieden mit seiner Stellung. Als Grubbe die oben zitierten Zeilen schrieb, hatte er nur noch wenige Tage zu leben.)

Leipzigs ausgedehnte Festungswälle wurden nur von rund 200 Mann sowie einer Anzahl von Freiwilligen verteidigt, und deswegen hätte es nicht schwerfallen dürfen, die Stadt im Sturm zu nehmen. Dies aber wollte Torstensson um jeden Preis vermeiden. Sturm bedeutete Plünderung, und er brauchte die Stadt und ihre Vorräte intakt angesichts des kommenden Winters. Deshalb leitete die schwedische Armee eine regelrechte Belagerung der Stadt ein. Es ging schnell. Annäherungsgräben wurden angelegt, sie gingen von einigen der schönen, aber nun im Herbst trockengelegten Brunnen unmittelbar von der Stadt aus und führten bis an die Mauern. Eine Galerie – also der größte Typ eines Minengangs – wurde unter den Wallgraben der Stadt gegraben; Breschbatterien mit schweren Geschützen wurden aufgestellt und begannen, die Mauern unter Feuer zu nehmen; einige Minen wurden gezündet. Eine der Bastionen der Stadt wurde angegriffen, aber die Sturmkolonne aus Banérs altem blauen Regiment lief in die falsche Richtung, und 60 von ihnen wurden in dem knatternden Kreuzfeuer von musketenbewaffneten Studenten und Bürgern oben auf dem Wall niedergemäht.

Es war offenkundig, daß die Schweden es ernst meinten. Leipzig mußte daher entsetzt werden. Der Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres, Leopold Wilhelm, ein Bruder Ferdinands III. und deshalb Erzherzog, beriet sich mit seinem Astrologen de Werwe darüber, was die Sterne über die Zukunftsaussichten des schwedischen Heeres zu sagen hatten. Die Aussichten können nicht so glänzend gewesen sein, denn nachdem de Werwe einen kurzen Blick auf sie geworfen hatte, ermunterte er den Erzherzog, eine Schlacht zu wagen. Offenbar war jedoch die Angst des Erzherzogs vor Feldschlachten größer als sein Glaube an die Sterne, denn das kaiserliche Heer näherte sich Leipzig vorsichtig. Das schwedische Heer zog sich daraufhin zurück, in großer Hast und in einer gewissen Unordnung. Gestärkt im Geist ließ Leopold Wilhelm das kaiserliche Heer folgen. Als seine Soldaten am Abend des 22. Oktober [1. November; BW] auf den Feldern vor Leipzig ihre Zelte aufschlugen, waren sie davon überzeugt, daß sie einen angeschlagenen und auf dem Rückzug befindlichen Gegner verfolgten. Ein kleines Stück weiter entfernt lag ein Dorf, dessen Namen einige von ihnen wiedererkannt haben müssen: Breitenfeld.[284] Das war elf Jahre her.

Früh am nächsten Morgen, dem 23. Okober [2. November; BW], drangen sie weiter vor über die wellige Ebene. Als die Truppenkolonnen gegen 7 Uhr auf einen niedrigen Höhenzug gelangten, machten sie überrascht halt. Sie sahen plötzlich die gesamte schwedische Armee, die bis dahin in einer weitläufigen Senke verborgen gewesen war, in voller Schlachtordnung aufgestellt: Flaggen, Rufe, Farben, Trommelwirbel: ein Anblick, ebenso majestätisch wie erschreckend, ebenso schön wie furchtbar. Die Schweden kamen direkt auf sie zu.

Der Rückzug am Vortag war eine Kriegslist Torstenssons, mit der er die Kaiserlichen dazu verleiten wollte, näher heranzukommen. Sobald die Dunkelheit angebrochen war, hatten die schwedischen Truppen halt und kehrt gemacht und sich in Schlachtordnung aufgestellt. Und so standen sie die ganze Nacht hindurch auf den schlammigen Feldern; nur wenige Feuer waren in der Herbstkälte angezündet, um die Position der Armee nicht zu verraten, während die nächtlichen Geräusche der nichtsahnenden kaiserlichen Truppen mit dem Nachtwind zu ihnen hergetragen wurden. Noch vor Anbruch der Morgendämmerung konnten die schwedischen Soldaten hören, wie ihre Gegner aufbrachen. Ein Beteiligter berichtet: Es war Befehl gegeben, daß jeder entschlossen und bereit sein sollte, am nächsten Tag zu kämpfen. Vor der Morgendämmerung wurde in allen Regimentern Andacht gehalten, und Gott der Allmächtige wurde angerufen, uns victoria zu verleihen. Bei Tagesanbruch wurde sogleich reveille, vocetere und Marsch befohlen und der Feldruf »Hilf Jesu dem Heer« ausgegeben, worauf die ganze schwedische Armee sich in voller Schlachtordnung in Bewegung setzte.

Die kaiserlichen Soldaten ihrerseits waren nicht auf Kampf vorbereitet. An die Infanteristen war keine Munition ausgeteilt worden, und die Reiterei hatte ihre Pistolen nicht bekommen, die noch auf den Troßwagen lagen. Sie bekamen jedoch einen kurzen Aufschub, bevor die Schweden über ihnen waren, denn die Kaiserlichen hatten sich ein wenig zur Linken der schwedischen Linie offenbart, die nun ein Stück nach dort verschoben werden mußte, bevor der Angriff beginnen konnte. Leopold Wilhelm galoppierte zwischen den Gliedern von Kriegern und Pferden umher, die in größter Hast von Kolonne auf Linie umschwenkten, und ermahnte seine Leute, ihre Pflicht zu tun und tapfer zu kämpfen. Die kaiserliche Artillerie wurde schnell an die Front gerollt. Der Erzherzog hoffte, daß sie die Schweden würde aufhalten können, während seine Truppen sich in Schlachtordnung formierten.

Die kaiserlichen Kanoniere taten etwas Ungewöhnliches. Sie luden ihre Geschütze mit Kettenkugeln.[285] Dieses eigenartige Projektil bestand aus zwei Halbkugeln, die mit einer Kette verbunden waren. Dieser Typ von Kugeln wurde meistens auf See verwendet, um Segel und Takelage zu zerschießen, und hatte schlechte ballistische Eigenschaften. Aber wenn es gelang, mit ihnen zu treffen, konnte die Wirkung grauenvoll sein; die Kette spannte sich und bildete auf diese Weise ein einziges wirbelndes Riesenprojektil.

Diese grotesken Höllenmaschinen kamen nun mit einem Heulen über die Felder geschwirrt und hackten sich durch die aufrechtstehenden Glieder von Pferden und Mannschaften. Eine Kettenkugel schlug direkt in die schwedische Generalität ein. Das Geschoß peitschte durch den Schoßteil von Torstenssons Pelz, tötete sich Pferd, ging durch zwei weitere Pferde hindurch, die zerrissen zusammenbrachen, riß einen Kanzlisten namens Martin Qvast zu Boden und trennte den Assistenzrat Lars Grubbe in der Mitte durch. Einer von denen, deren Pferd die Kettenkugel zerrissen hatte, und der nun blutüberströmt zu Boden taumelte, war ein 19jähriger Jüngling, ein wenig untersetzt, mit vorgeschobener Unterlippe, sinnlichem Mund und langem, schwarzem Haar, das sein Gesicht umrahmte. Sein Name war Karl Gustav, und er war der Sohn von Karls IX. Tochter Katharina und also Vetter von Königin Christina. Er befand sich seit einigen Monaten beim schwedischen Heer, um das Kriegshandwerk von Grund auf zu erlernen. Sein Vater hatte sich der Idee widersetzt, aber der hitzige junge Mann hatte insistiert: »Ich bekenne, daß Gott mir von Natur aus eine lebhafte Begierde gegeben, mein Glück durch das Schwert zu suchen, gleichwie ich auch heiß wünsche, es zu suchen, bis ich es finde«. Dies war seine erste Schlacht, aber es sollten mehr werden, denn er wurde, als seine Zeit kam, König Karl X. Gustav von Schweden.

Die schwedischen Linien rückten trotz allem vor, durch das Chaos von Schreien, Eingeweiden und Körpersäften und Teilen von Fingern und Zähnen und Schenkeln. Es war eine ganz normale Schlacht im 17. Jahrhundert.

Der grellbunte, schwankende Wald von schwedischen Fahnen und Standarten kam dem wirbelnden Rauch immer näher. Schließlich prallten die Heere aufeinander. Die äußere Form war klassisch: zwei parallele Linien, die aufeinander prallen, bis die eine Seite weicht. Keine Finessen, keine Tricks oder smarten Pläne, nur ein unablässiges Morden aus kürzester Distanz, denn, wie der Historiker und Kriegsveteran Julius Mankell geschrieben hat, »nachdem die beiden Heere einmal zusammengestoßen waren, entbrannte der Kampf wie ein Feuerwerk, an dessen Richtung, nachdem es einmal angezündet war, wenig geändert werden konnte«.

Der rechte Flügel der schwedischen Reiterei warf sich auf sein kaiserliches Gegenüber. Die kaiserlichen Reiter waren wie gesagt nicht kampfbereit und nicht einmal ordentlich aufgestellt, bevor die Sturzwelle von Pferdehufen über sie hereinbrach. Mehrere Regimenter warteten den Angriff nicht einmal ab, sondern brachen auseinander und verschwanden in Panik ohne einen Degenhieb nach hinten. Das Kavalleriegefecht war, wie schon so oft, ein Anstürmen gegen eine Mauer, schon der erste Stoß ließ einige Ziegelsteine herausfallen; dann nahmen die schwedischen Reiter einen neuen Anlauf, ordneten ihre Reihen und warfen sich wieder nach vorn; nun bekam die Mauer noch mehr Risse; immer mehr kaiserliche Schwadronen strömten in Auflösung über die herbstlich nassen Felder davon; dann eine Pause und danach ein letzter Ansturm: jetzt brach der kaiserliche Reiterflügel auf dieser Seite zusammen. (Viele Offiziere waren zu diesem Zeitpunkt von speziell eingeteilten Gruppen schwedischer Musketiere niedergeschossen worden, die der eigenen Reiterei Feuerschutz gaben.) Es half nichts, daß Leopold Wilhelm selbst in dieser brüllenden Brandung von Schrecken und Entsetzen umherritt und bat, fluchte und mit seinem Degen fuchtelte. Die Panik war nicht einzudämmen.

Auf der anderen Seite des Schlachtfeldes hatte der linke schwedische Kavallerieflügel nicht den gleichen Erfolg gehabt. Die kaiserliche Reiterei war hier stärker, und der erste Angriff prallte ab. (Dort wurde unter anderem der Befehlshaber des Flügels, Erik Slang, der einarmige Offizier, der Beraun geplündert und später in Neunburg dazu aufgefordert hatte, Steine zu werfen, von einem Pistolenschuß tödlich getroffen.) Unter dem bewölkten Herbsthimmel blieben die beiden Linien erstarrt voreinander stehen.

In der Mitte begegnete sich das Fußvolk beider Seiten. Anfänglich blieb die schwedische Linie stehen, 75-80 Meter von dem scheppernden Gewimmel der feindlichen Piken, Harnische und Musketenmündungen. Hier, in dem rasch dichter werdenden Pulverrauch, kam es zu einem schaurigen Schußwechsel; beide Seiten sprühten Geschosse aus Musketen und Kanonen aufeinander. Auf diese lächerlich kurze Distanz war es schwer, nicht irgend jemanden oder irgend etwas zu treffen in den kompakten, stillstehenden Massen, die durch die Löcher in dem weißen Rauchvorhang zu sehen waren. Menschen fielen die ganze Zeit, allein und in zappelnden Gruppen, von Bündeln heulenden Traubenhagels umgefegt. Die Feldherren fürchteten solche Situationen, in denen die Infanterie in ein langwieriges, blutiges und ergebnisloses Feuergefecht verbissen war. Schließlich war die Munition verschossen – ein Musketier nahm nur zwischen 20 und 30 Schuß Munition mit in den Kampf – , und das pulverrauchgeschwärzte Fußvolk beider Seiten stürzte vorwärts und traf in einem stahlklirrenden Handgemenge aufeinander. Nach einem wechselvollen Nahkampf, bei dem beide Seiten abwechselnd Boden gewannen, wurde das kaiserliche Fußvolk schließlich einige hundert Meter zurückgedrängt in einen kleinen Fichtenwald mit Namen Linkelwald. Dort zwischen den Büschen am Waldrand konnten die Kaiserlichen ihre aufgelösten Linien neu ordnen. Die erschöpfte schwedische Infanterie hielt sich zunächst zurück. Sie begnügte sich damit, ihre Gegner mit Traubenhagel aus den eigenen wie aus eroberten Kanonen zu beschießen.

Währenddessen hatte auch der linke schwedische Kavallerieflügel Erfolg, und der größte Teil der kaiserlichen Reiterei löste sich auf; ein Teil warf die Waffen fort und ergab sich auf Gnade oder Ungnade, die meisten verschwanden spornstreichs, verfolgt von unregelmäßigen Wellen schwedischer Reiterei. Die Verwirrung war nun total. Pferde und Reiter jagten in alle Richtungen durch den stinken Rauch. Weder Torstensson noch dem Erzherzog gelang es, ein paar Schwadronen zu sammeln, um sie in dem chaotischen Infanteriegefecht in der Mitte einzusetzen. Beide waren gleich hilflos. Einer der höchsten Befehlshaber der kaiserlichen Seite, Webel, wurde zweimal hintereinander gefangengenommen und wieder befreit. Der Erzherzog selbst sah sich in dem Rauch plötzlich Auge in Auge einem schwedischen Dragoner gegenüber, der seine Pistole hob und abdrückte. Sie versagte. Leopold Wilhelm konnte im Gewimmel entkommen.

Ein erneuter Angriff des schwedischen Fußvolks ließ die blutbefleckten kaiserlichen Infanteristen im Linkelwald zurückweichen, aber im geschlossenen Glied und in guter Ordnung. Als sie den kleinen Wald durchquert hatten und wieder auf die naßkalte Ebene hinauskamen, begegnete ihnen schwedische Reiterei, die hauend und schießend auf sie eindrang; gleichzeitig folgte schwedisches Fußvolk hinter ihnen durch den Wald. Sie waren gefangen. Sie hatten lange genug gekämpft. Nun warfen sie ihre Musketen fort und gaben auf.

Es war ein vollständiger schwedischer Sieg. Nach nur dreistündigem Kampf war die Reiterei der kaiserlichen Armee dezimiert und in alle Winde zerstreut, ihr Fußvolk entweder abgeschlachtet oder gefangengenommen, ihre gesamte Artillerie – 46 Kanonen und 40 Munitionswagen – mitsamt dem ganzen Troß erobert, dazu die Kriegskasse und die eigene rote Kutsche des Erzherzogs, seine geheime Kanzlei, sein Hofstaat und seine kleine Musikkapelle. Die Schweden steckten wie üblich die meisten Kriegsgefangenen in ihre eigenen Verbände[286] und zählten zufrieden ihre Beute; nur die Hofdiener und das Orchester sandte Torstensson mit einer eleganten Geste zu ihrem Herren nach Prag zurück”.[287] Der Erzherzog ließ nach der verlorenen Schlacht Madlo und einige höhere Offiziere, darunter de Fours [Johann Jakob Des Fours; BW], wegen erwiesener Feigheit köpfen, die Fähnriche, Wachtmeister, Unteroffiziere und jeden zehnten Reiter hängen und die Mannschaft durch Erschießen dezimieren. Anschließend ging er zur Beichte.

„Die Schweden verzichteten auf die Verfolgung ihrer geschlagenen Gegner. Die Soldaten waren nach den vielen Eilmärschen und dem ständigen Nächtigen unter dem freien Herbsthimmel am Ende ihrer Kräfte. In der Kriegskasse war auch Ebbe – es herrschte ein solcher Geldmangel, daß Torstensson nicht glaubte, genug zu haben, um all denen, die während der Schlacht feindliche Feldzeichen erobert hatten, die Belohnung zu zahlen, die sie nach altem Brauch erwarten konnten – , und man hatte auch nicht genug Pferde, um alle eroberten Geschütze und Wagen mitnehmen zu können. Außerdem mußte man sich um die eigenen Verwundeten kümmern, es waren rund 2 000 Mann, die in Dörfern und kleinen Ortschaften rund um das Schlachtfeld untergebracht wurden”.[288]

Der gefallene Slange wurde am 13.12.1642 im Beichthaus der Leipziger Nicolai-Kirche beigesetzt. Den Umbauten der Kirche in den Jahren 1901/1902 fiel auch seine Grabstelle zum Opfer. Der Helm, ein Handschuh und der Degen gelangten mit den Sargbeschlägen in die Sammlung des Museums. Der Degen trägt die Inschrift: VINCERE AVT MORI FIDES ET CVSTODIA ANNO MDCXL ME FECIT SALINGEN H[…] ARM SOLI DEO GLORIA IN ÆTER[nitate] (Übersetzung: Siegen oder sterben, Treue und Schutz, im Jahre 1640, hat mich gemacht Salingen H…ARM, Ehre sei Gott allein in Ewigkeit).[289]

Slange war verlobt mit Agnes [1.3.1618-1651], der Tochter des Christian von Waldeck-Wildungen [25.12.1585 Eisenberg-31.12.1637 Waldeck] und der Gräfin Elisabeth [8.11.1584-26.7.1661], Tochter des Grafen Johann VII. von Nassau-Siegen und dessen Gattin Magdalena von Waldeck-Wildungen. Agnes heiratete nach Slanges Tod 1650 Graf Johann Philipp III. von Leiningen-Dagsburg-Emichsburg.

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] ÅSELIUS, Gunnar, http://sok.riksarkivet.se/sbl/Presentation.aspx?id=6056. – Generalmajor: Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant.
[2] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde”. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.
[3] ZEDLER Bd. 34, S. 1799. Vgl. ferner die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Die Diarien..
[4] Landshut; HHSD VII, S. 386ff.
[5] Vgl. ALTMANN, Wilhelm V.; PETRI, Das Militärwesen von Hessen-Kassel; GEYSO, Beiträge I-III.
[6] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee” bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee”, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon.
[7] EBERMEIER, Landshut, S. 42.
[8] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).
[9] Jerichow [Kr. Jerichow II/Genthin]; HHSD XI, S. 228ff.
[10] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[11] Rathenow [Stadtkr. Rathenow/Kr. Rathenow]; HHSD X, S. 333f.
[12] Rathenow [Stadtkr. Rathenow/Kr. Rathenow]; HHSD X, S. 333f.
[13] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht”. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[14] Fehrbellin [Kr. Osthavelland/Neuruppin]; HHSD X, S. 172.
[15] Garlitz, heute Ortsteil von Märkisch Luch [LK Havelland].
[16] Regiment: Größte Einheit im Heer: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl., eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obrist-Leutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim von Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm von Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.
[17] Leibregiment: Als Leibregiment wurde im 17.Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Dänemark und in Schweden diejenigen Regimenter bezeichnet, deren Inhaber der regierende Landesherr war. Ihm standen zudem die sich daraus im Rahmen der Regiments- bzw. Kompaniewirtschaft ergebenden Einnahmen zu. Ein Leibregiment hatte daher eine grundsätzlich andere Funktion als die Leibkompanie eines Obristen.
[18] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd” hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[19] Bötzow, heute Ortsteil von Oberkrämer [LK Oberhavel].
[20] SCHRÖER, Havelland, S. 79f.; Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.
[21] Wittstock; HHSD X, S. 394ff.
[22] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen; STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lat. Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift.). Zur frz. Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.
[23] Bogislav Philipp v. Chemnitz beschrieb die Schlacht; JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 373ff.: „Der Feldmarschall [Banér] mußte durch einen Wald eine halbe Meile lang marschieren, ehe er ein so geraumes Feld angetroffen, da er sich recht in Schlachtordnung stellen können. Diesen Wald, wie er auf den Rücken bekam, ward er des Feindes Bataille erst ansichtig: Welcher hinter einem andern Walde auf einem hohen Berge, der solchen Wald kommandiert, sich gesetzt, mit Reduiten und Ravelinen vorn verwahrt, zwischen denselben seine Wagen vorgeschränkt und seine Stücke gar bequem gepflanzt gehabt. In so trefflichem Vorteil den Feind anzugreifen, […] sandte der Feldmarschall den linken Flügel um den Wald und Berg herum, zur linken Hand auf den Feind, mit dem rechten Flügel aber schwenkte er sich zur rechten Seite des Waldes gegen die Stadt zu, an das Ende eines des Feindes Bataille berührenden Berges, in Meinung den Feind aus seinem Vorteil dadurch zu ziehen, welches auch geschehen und der Feind seinen ersten Stand verändern müssen. Da er dann durch den Wald, welcher etwas weitläuftig mit hohen Eichen bewachsen, also leicht dadurch zu kommen war, dem Feldmarschall anfangs seine ganze Reiterei auf den Hals geworfen, dem das Fußvolk gefolgt und dergestalt die ganze feindliche Macht auf der Königl. Schwedischen rechten Flügel allein gefallen. Worüber es zu einem so hitzigen scharfen grausamen Gefecht gediehen, das der Feldmarschall seinem eignen Bekenntnis nach dergleichen die Zeit seines Lebens nicht beigewohnt. Unangesehen auch die Officiere und Reiter das Ihrige, jeder seines Orts, nach äußerster Möglichkeit getan, wurden sie doch in solche Bedrängnis gesetzt, daß sie schier zu wanken angefangen […]. Ja, sie wären endlich wegen großer Macht des Feindes in gänzliche Unordnung gekommen, wenn nicht Feldmarschall Leslé mit 5 Brigaden zu Fuß eben zur rechten Zeit angelangt und 4 Brigaden von des Feindes Fußvolk mit männlichem Angriff zurückgetrieben und von ihm abgekehrt, daß er etlicher maßen zur Respiration gelangen können. Gleichwohl ward solches des Feindes Fußvolk von dessen Cürassieren entsetzt und darüber diesseits zwo Brigaden als die Schwedische, so aus Magdeburg abgezogen, und die Karrische fast ganz zernichtet, die Schwedischen aber am meisten, als welche auch etliche Fähnlein eingebüßt, so jedoch von denen in der Bataille gestandenen Reitern wieder erobert worden. Diese Extremitäten und Gefahr nun hätte der rechte Flügel und das im ersten Treffen stehende Fußvolk nicht unterworfen sein dürfen, wann der linke Flügel sich etwas ehe an den Feind hängen können und die Reserve nicht so gar langsam nachgefolgt, sondern, da sie die ersten also mit dem Feind verwickelt zu sein vermerkt, eiliger fortgerückt wäre. Allein, wie jener einen gar weiten Umschweif nehmen müssen, so war bei dieser dem Generalleutnant Vitztum, der sie geführt, von unterhabenden Obristen schuld gegeben, daß er ihnen nicht zulassen wollen, geschwinder fortzurücken. […] Dieweil aber endlich bei hereinbrechender Nacht der linke Flügel auf des Feinds erst verlassene vorteilhaftige Post gerückt, derselbe aus die königl. schwedische Reserve, die doch zum Fechten allzu spät angelangt und wegen der eingefallenen dunklen Nacht nicht gebraucht werden können, ungefähr erblickt und ihre Annäherung gewahr worden, so ward er dadurch irre gemacht und ließ den Mut fallen, also daß er eilig in Confusion geraten, die völlige Flucht ergriffen und das Feld mit Hinterlassung aller Stücke geräumt. Von demselben sind auf der Walstatt zwischen vier und fünftausend tot gefunden, ohne die, so im Verfolgen niedergemacht, unter denen von tausend bis elfhundert Reiter, das übrige Fußvolk gewesen, welches dann zum meisten eingebüßt und zumal die Kaiserliche Infanterie fast allerdings darauf gegangen […] Fähnlein verlor der Feind 127 nebst 19 Standarten und 5 Dragoner-Fahnen […] Auf königl. schwedischer Seite war es ebener maßen hart daher gegangen und hatte der Feind gegen die Schläge, so er bekommen, auch hinwieder etwas ausgegeben. Geblieben waren an Reitern 748, an Fußknechten 376, gequetscht 746 zu Roß, 1481 zu Fuß. Die Schwedische Brigade zu Fuß, so in Magdeburg gelegen und vor dem Treffen über 1200 Mann stark gewesen, stellte itz etwa 150 ins Feld, die Karrische [Thomas Karr; BW] Brigade war nicht weniger über die Maßen geschwächt. Die Regimenter zu Pferde, so auf dem rechten Flügel gestanden und nebst dem Fußvolk von der Bataille dieses warme Bad allein aushalten müssen, waren insgemein übel zugerichtet […], daß also dieser Sieg von den königl. Schwedischen ziemlich teuer bezahlt worden. Unter denen gab der Feldmarschall selbst dem Reichszeugmeister H. Leonhard Torstensson das Zeugnis, daß er neben ihm die Armee aufrecht erhalten und durch seine Courage und Tapferkeit, auch mitwaltender Direktion, die Victori dem Feinde abdringen helfen“.
[24] Schwadron: Im 16. Jahrhundert bezeichnete Escadre (von lateinisch exquadra Gevierthaufen, Geschwader) eine Stellungsform des Fußvolks und der Reiterei, aus welcher im 17. Jahrhundert für letztere die Eskadron, für ersteres das Bataillon hervorging. Ca. 210 Pikeniere sollten eine Schwadron bilden, 3 eine Brigade. Die Schwadron der Reiterei entsprach der Kompanie der Fußtruppen. Die schwedische Kompanie (Fußtruppen) bestand nach Lorenz TROUPITZ, Kriegs-Kunst / nach Königlich Schwedischer Manier eine Compagny zu richten, Franckfurt 1638, aus drei Schwadronen (zu Korporalschaften, eine Schwadron entsprach daher dem späteren Zug).
[25] Brigade: Anfangs bestand die schwedische Brigade aus 4 Schwadronen (Squadrons) oder Halbregimentern, also 2016 Mann und 256 Offizieren, ab 1631 nur noch aus 3 Schwadronen Fußvolk zu je 504 Mann und 64 Offizieren. Die insgesamt 1512 Mann waren in 648 Pikeniere und 864 Musketiere eingeteilt, die in Rotten zu je 6 Mann aufgestellt waren.
[26] Pike: Landsknechtspieß von 3 bis 5 m Länge, die entscheidende Waffe des in geschlossenen Haufen kämpfenden Fußvolkes. Die Pikeniere bildeten die unterste Klasse des Fußvolks. Bei einem Reiterangriff richteten die ersten beiden Reihen des Fußvolkes die Piken gegen die Angreifer. Die Pike war eher eine Defensivwaffe, da die Pikeniere den Rückhalt für die beweglicheren Musketiere bildeten (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, S. 89 f.). Hochrangige Offiziere wie Piccolomini behaupteten gern von sich, sie hätten das Kriegshandwerk „von der Pike auf“ („con una picca“) gelernt.
[27] Marodeur: Der Marodeur bezeichnet jemanden, der am Rande von Kampfhandlungen brandschatzt, plündert, erpresst, raubt, stiehlt, vergewaltigt und mordet. Zumeist handelt es sich dabei um durch Krankheit oder Verwundung untauglich gewordene und ausgemusterte oder wegen Verfehlungen aus der Truppe ausgestoßene Kombattanten oder um Deserteure. Der Begriff ist abgeleitet vom französischen „maraude“ oder „maraudage“, was „Felddiebstahl“ – besonders durch Soldaten – bedeutet. Verwandt ist das deutsche Eigenschaftswort „marode“, welches synonym zu „heruntergekommen“, „verfallen“ oder „verkommen“ verwendet wird. Marodeure schließen sich häufig in Banden zusammen. Je länger ein Konflikt andauert, desto größer wird naturgemäß das Marodeursunwesen, weil die Zahl der Menschen wächst, die keine andere Überlebensmöglichkeit mehr haben oder sehen. Aus diesem Grund war eine große Zahl von Marodeuren auch eine der Begleiterscheinungen des Dreißigjährigen Krieges. Das Phänomen ist jedoch keineswegs auf die Frühe Neuzeit beschränkt. [wikipedia]. Der Ausdruck Merode-Brüder wird in der germanistischen Forschung meist auf Truppen des braunschweig-lüneburgischen, dann schwedischen Obristen Werner von Merode bezogen, die 1635 an der Elbe meuterten und auseinander liefen, während Grimmelshausen die Verbände des kaiserlichen Obristen Johann II. von Mérode meinte.
[28] Nach dem THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 710, waren es ungefähr 41.
[29] Nach dem THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 710, waren es dagegen nur 30.
[30] Grimmelshausen ! Vgl. auch HEßELMANN, Simpliciana XXXIII.
[31] ENGLUND, Verwüstung, S. 157ff.
[32] Fürstenwalde; HHSD X, S. 193f.
[33] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.
[34] Großenhain; HHSD VIII, S. 135f.
[35] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[36] Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f.
[37] Gotha; HHSD IX, S. 151ff.
[38] Arnstadt [Ilm-Kreis]; HHSD IX, S. 18ff.
[39] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.
[40] Pegau [Kr. Borna]; HHSD VIII, S. 272ff.
[41] Eilenburg [LK Nordsachsen]; HHSD XI, S. 100ff.
[42] Borna; HHSD VIII, S. 34ff.
[43] Grimma; HHSD VIII, S. 128ff.
[44] Colditz [Kr. Grimma]; HHSD VIII, S. 49ff.
[45] Leisnig [Kr. Döbeln]; HHSD VIII, S. 197ff.
[46] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.
[47] Luckau [LK Dahme-Spreewald]; HHSD X, S. 268ff.
[48] Lübben (Spreewald) [LK Dahme-Spreewald]; HHSD X, S. 273f.
[49] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden”. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen”, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer’, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.
[50] KUNATH, Kursachsen, S. 220ff.
[51] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.
[52] SCHRÖER, Havelland, S. 92.
[53] Neuhof, heute Ortsteil von Neustadt-Glewe [LK Ludwigslust].
[54] Grabow [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 35f.
[55] BALCK, Mecklenburg, S. 97.
[56] Tangermünde [LK Stendal]; HHSD XI, S. 458ff.
[57] Zehdenick [Kr. Templin/Gransee]; HHSD X, S. 403f.
[58] Kremmen [LK Oberhavel].
[59] Nauen [LK Havelland].
[60] SCHRÖER, Havelland, S. 94.
[61] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.
[62] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.
[63] SCHRÖER, Havelland, S. 95.
[64] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.
[65] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[66] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.
[67]  [Bad] Frankenhausen [Kr. Artern]; HHSD IX, S. 29ff.
[68] Schwarzburg [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 395ff.; Rudolstadt [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.
[69] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[70] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[71] Generalfeldzeugmeister: Der Generalfeldzeugmeister war Befehlshaber der dritten, wenn auch teilweise gering geschätzten Truppengattung, der Artillerie; bei Beförderungen wurden die vergleichbaren Ränge bei der Kavallerie, dann der Infanterie bevorzugt: Der Rang umfasste das Kommando über Artillerie. Ihrem Befehlshaber fielen die sogenannten „Glockengelder”  [Geld, womit eine eroberte Stadt, die sich vom groben Geschütze hat beschießen lassen, ihre Glocken und ihr Kupfergeschirr, welches alles herkömmlich der Artillerie des Eroberers heimfällt, wieder erkaufen oder einlösen muß. KRÜNITZ, Enzyklopädie Bd. 19, S. 192], zu, wenn man während der Belagerung etwa bei Sturmläufen hatte die Glocken läuten lassen, was nach dem „Recht“ des Siegers 12.000 fl. [zum Vergleich: 1634 wurde ein Bauernhof mit 8.-1.000 fl., ein  kleines Schloss mit 4000 fl. veranschlagt; MATHÄSER, Friesenegger, S. 51] und mehr sein konnte. Vgl. auch HOCHEDLINGER, Des Kaisers Generäle. Ihm unterstanden die Schanzmeister und die Brückenmeister, zuständig für Wege-, Brücken-, Lager- und Schanzenbau sowie die Anlage von Laufgraben vor Festungen.
[72] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.
[73] Ruppertsgrün, heute Ortsteil von Pöhl [LK Vogtlandkr.].
[74] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.
[75] Vogtland; HHSD VIII, S. 350ff.
[76] General(feld)wachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus”, „Generalleutnant”, „Feldmarschall”, „Generalfeldzeugmeister”, auch den „General(feld)wachtmeister”, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor” bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.
[77] al erto: (ital. all’erta, span. alerta) zu den Waffen; wachsam.
[78] Aviso: Nachricht, Neuigkeit.
[79] Manchmal meint die Bezeichnung „General“, Obrist“ in den Selbstzeugnissen, Chroniken etc. nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt.
[80] Bad Königswart [Lázně Kynžvart, Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 20f.
[81] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[82] SALIS-SOGLIO, Hans Wolf von Salis, S. 89f.
[83] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.
[84] Marktredwitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.
[85] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[86] Bärnau [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 73.
[87] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[88] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett”, „Fähnlein”, „Leibkompanie”.
[89] ranzionieren: Lösegeld zahlen, (sich) auslösen, (sich) freikaufen, auslösen von Personen, Gegenständen oder Vieh. Der organisierte Vieh-, vor allem aber Menschenraub stellte neben der Plünderung angesichts der fehlenden Soldauszahlung die wichtigste Einnahmequelle gerade der unteren Chargen dar, wurden doch pro Person je nach Stand und Beruf oft 300 Rt. und mehr erpresst. Vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 116; GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 29.  Dieses Lösegeld erreichte trotz der zwischen den Kriegsparteien abgeschlossenen Kartelle z. T. enorme Höhen: So bot der ehemalige Kommandant von Hanau, Sir James (Jacob) Ramsay „the Black“ [1589-1639], 70.000 Rt. für seine Freilassung, die aber vom Kaiserhof abgelehnt wurde (KELLER, Drangsale, S. 357), da man von ihm wissen wollte, wo er die bei der Einnahme Würzburgs und Bad Mergentheims erbeuteten Schätze (KELLER, Drangsale, S. 355) verborgen hatte. Ramsays Kriegsbeute wurde auf 900.000 Rt. beziffert; KELLER, Drangsale, S. 361; GAIL, Krieg, S. 28f.; MURDOCH (Hg.), SSNE ID: 3315. Auch die Leichname gefallener Offiziere mussten in der Regel vom Gegner ausgelöst werden. Im Mai 1633 war die kaiserliche Garnison in der Festung Lichtenau (bei Ansbach) so schlecht verproviantiert, dass Nürnberger Untertanen gefangen genommen wurden, die sich dann gegen Kartoffeln auslösen mussten; SODEN, Gustav Adolph III, S. 450. SEMLER, Tagebücher, S. 137 (1634): „Hierauff die Schwedische ihre gewohnliche straiff vnd raubereyen noch ferner vnd ernstlicher continuirt, also daß nicht allein auf dem land vnd dörffern sich niemandt betreffen, sonder auch gar in die reben (außerhalb was gegen Sipplingen hinab gelegen, dahin der feind niehmaln kommen) niemandt blicken lassen dörffen, inmaßen ettliche burger vnd salmanßweilische vnderthonen, so in den reben bei vnd gegen Nußdorf und Burgberg schaffen wollen, von denen hin vnd wider vagierenden reüttern aufgehebt, vnd nach Pfullendorf geführt, deren jeder biß auf 60 vnd mehr reichsthaler ranzion angezogen, vnd weilen sie, alß arme rebleütt sollche zu bezahlen nicht vermögt, volgendts mit der armada fortgeführt worden, wie benantlich ein veberlingischer gmainder vmb 68 thaler vnd zwen Nußdorffer jeder vmd 58 thaler ranzioniert, vnd vneracht diese bede für sich 40 thaler angebotten, ein mehrers auch im vermögen nit gehabt, seyn sie doch bei sollchem nicht ge[S. 129]lassen worden“.
[90] Waldershof [LK Tirschenreuth].
[91] Ebnath [LK Tirschenreuth].
[92] Pullenreuth [LK Tirschenreuth].
[93] Wiesau [LK Tirschenreuth].
[94] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[95] Helmbrechts [LK Hof]; HHSD VII, S. 282.
[96] BRAUN, Marktredwitz, S. 101f. Braun datiert nach dem a. St.
[97] Hof-Wölbattendorf
[98] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.
[99] Gefell [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 129f.
[100] Trompeter: Eigener gut bezahlter, aber auch risikoreicher Berufsstand innerhalb des Militärs und bei Hof mit wichtigen Aufgaben, z. B. Verhandlungen mit belagerten Städten, Überbringung wichtiger Schriftstücke etc., beim Militär mit Aufstiegsmöglichkeit in die unteren Offiziersränge.
[101] Hauptmann: Der Hauptmann (schwed. Kapten) war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Jedoch muss man wohl davon ausgehen, dass nicht alle Offizierschargen in gleichem Umfang an diesen lukrativen Geschäften beteiligt waren. Die bei DAMBOER, Krise, S. 150, dargestellte „Schatzkammer” eines Hauptmanns ist nicht unbedingt typisch.
[102] Rittmeister (Capitaine de Cavallerie): Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[103] Muskete: Die 1, 5 – 2 mm dicken Brustharnische der Pikeniere boten keinen ausreichenden Schutz gegen Musketenkugeln, die mit 300 m/sec noch auf 40 Meter den Harnisch und seinen Träger durchschlugen und ihm meist tödliche Verletzungen zufügten. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 79, 156. Bei einer Schussentfernung von 100 m wird der Brustpanzer noch durchschlagen, in der Regel blieb aber die Kugel im Körper zurück und fügt dem Getroffenen schwere Verletzungen zu. Bei einer Entfernung von 200 m wird der Panzer zwar nicht mehr durchschlagen, der Getroffene erleidet aber schwere Prellungen. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 79f. Vgl. auch EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[104] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd” hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[105] spoliert: geplündert.
[106] GRIMM; GRIMM, DWB Bd. 15, Sp. 1507: „der färber, der mit ‘hohen und hellen’ farben zu färben weisz, im gegensatze zum schwarzfärber, der nur mit tiefen, dunklen farben färbt, der buntfärber, kunstfärber“.
[107] Burgstein-Groß- und Kleinzöbern [Vogtlandkr./Sachsen].
[108] Hof-Unterkotzau.
[109] KLUGE, Hofer Chronik, S. 133ff.
[110] Gera; HHSD IX, S. 134ff.
[111] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.
[112] Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, S. 241ff.
[113] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.
[114] KUNATH, Kursachsen, S. 249.
[115] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.
[116] Gattendorf-Gumpertsreuth [LK Hof].
[117] Triebel-Sachsgrün [Vogtlandkr./Sachsen].
[118] meist in Übereinkunft mit Stadtbeauftragten ausgestellter Einquartierungszettel, der genau festhielt, was der „Wirt“ je nach Vermögen an Unterkunft, Verpflegung (oder ersatzweise Geldleistungen) und gegebenenfalls Viehfutter zur Verfügung stellen musste, was stets Anlass zu Beschwerden gab. Ausgenommen waren in der Regel Kleriker, Apotheker, Ärzte, Gastwirte.
[119] Oelsnitz-Voigtsberg [Vogtlandkr./Sachsen].
[120] Döhlau-Kautendorf [LK Hof].
[121] Untersteinach [LK Kulmbach].
[122] Major: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht.
[123] Quartiermeister: Bei Einquartierungen in Dörfern und Städten besorgte der Quartiermeister, in Abstimmung mit den lokalen Obrigkeiten, von den Bewohnern Unterkunft und Verpflegung für die Kompanie. Zunächst wurde der Stab einlogiert, dann wurden die Quartiere für die Hauptleute bestimmt. Die Kompanie des Obristen hatte die weitere Wahl, dann die des Obristleutnants, darauf die des Obristwachtmeisters. Die restlichen Kompanien spielten die übrig gebliebenen Quartiere unter sich aus. Das führte bei engen Quartieren teils zur Überbelegung bei den einzelnen „Wirten“, teils zum Kampieren unter freiem Himmel auf dem Markt, was zu Unruhen führen konnte. Dem Quartiermeister, der je nach Truppengattung zwischen 40 und 60 fl. Monatssold erhielt, war die Kriegskasse anvertraut. Dazu kamen allerdings erhebliche Nebeneinkünfte der meist korrupten Quartiermeister, die dieser mit dem Obristquartiermeister teilte.
[124] Weismain [LK Lichtenfels].
[125] Stadtsteinach [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 710f.
[126] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte”. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet”. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ “. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“.
[127] Hof-Alsenberg.
[128] Fröhlicher Stein, Felsen im heutigen Stadtpark, Theresienstein.
[129] Heilig-Grab-Kapelle.
[130] Trogen [LK Hof].
[131] Feilitzsch-Zedtwitz [LK Hof].
[132] Untersteinach [LK Kulmbach].
[133] Hof-Unterkotzau.
[134] Himmelkron [LK Kulmbach]; HHSD VII, S. 297.
[135] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.
[136] Kontribution: Kriegssteuer, die ein breites Spektrum an Sach- oder Geldleistungen umfasste, wurden im Westfälischen als „Raffgelder“ bezeichnet; SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 45, S. 127; LEHMANN, Kriegschronik, S. 34, Anm. (1632): „Contribution eine große straffe, Sie erzwingt alles, was sonst nicht möglich ist”. Sie wurde auf Grundlage einer Abmachung zwischen Lokalbehörden (zumeist Städten) und Militärverwaltung erhoben. Die Kontribution wurde durch speziell geschultes, z. T. korruptes Personal (vgl. WAGNER; WÜNSCH, Gottfried Staffel, S. 122ff.) zumeist unter Androhung militärischer Gewalt oder unter Androhung des Verlusts des Bürgerrechts, des Braurechts, der Benutzung der Allmende, den säumigen Bürgern „das Handwerk zu legen“ etc. (vgl. NÜCHTERLEIN, Wernigerode), und der Zunagelung der Haustüren (JORDAN, Mühlhausen, S. 76 (1633)) eingetrieben. Den Zahlenden wurde als Gegenleistung Schutz gegen die Übergriffe des Gegners in Aussicht gestellt. Nicht selten mussten an die beiden kriegführenden Parteien Kontributionen abgeführt werden, was die Finanzkraft der Städte, Dörfer und Herrschaften sehr schnell erschöpfen konnte. Auch weigerte sich z. T. die Ritterschaft wie im Amt Grimma erfolgreich, einen Beitrag zu leisten; LORENZ, Grimma, S. 667. Vgl. REDLICH, Contributions; ORTEL, Blut Angst Threnen Geld, der diese Euphemismen für Erpressungen, erwartete oder erzwungene „Verehrungen” etc. auflistet. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 268, über die schwedische Einquartierung Dezember 1633 in Osnabrück: Die Soldaten „sagen und klagen, sie bekommen kein geld, da doch stets alle wochen die burger ihr contribution ausgeben mußen, dan das kriegsvolck sagt, das ihr obristen und befehlhaber das geldt zu sich nehmmen und sie mußenn hunger und kummer haben, werden zum stehlen verursacht”. Die Kontribution wurde oft auch zweckentfremdet; vgl. SEMLER, Tagebücher, S. 23 (1633): „Man sagt, daß die von Bodman ohngefahr 30 thaler für ihre contribution dem obrist leüttenant [Edlinstetten; BW] alhie, alß ihrem vettern, zu hannden gestellt, darmit sie ihme genůgsambe satisfaction geben, er aber diß gellt dem apotegger zutragen laßen mit begeren, solle ihme darumb confect schickhen. Da man vnß aber bereden wollen, auß disem contribution gellt werde man die soldaten beklaiden vnd in daß veld ausstaffieren“. Die ausführlichste Darstellung der Erpressung von Kontributionen durch Besatzungstruppen findet sich bei NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 73ff. => Hrastowacky in den „Miniaturen“.
[137] extorquieren: abnötigen, gewaltsam entziehen, erpressen.
[138] KLUGE, Hofer Chronik, S. 137ff.
[139] Rokytzan [Rokycany], HHSBöhm, S. 522f.
[140] Beraun [Beroun]; HHSBöhm, S. 31f.
[141] Brandschatzung: von der jeweiligen Armee festgelegte Summe, die die Einwohner aufzubringen hatten, um das in Brand Stecken ihrer Stadt, Gemeinde etc. zu verhindern. Bei den Armeen gab es seit dem Mittelalter sogenannte Brandmeister, Spezialisten im Schätzen und bei Nichtbezahlung der Brandschatzung im Feuerlegen. Erzherzog „Leopold Wilhelm musste bereits zwei Monate [20.11.1645; BW] nach seiner ersten Weisung mit einem neuerlichen Befehl die Einhaltung der Disziplin und Abstellung der Exzesse energisch einfordern: Er verhängte ein komplettes Ausgangsverbot in seiner Armee, um Delikte wie Kirchenplünderung, Mord, Brandschatzung und die schendung der weibsbilder zu verhinden“. REBITSCH, Gallas, S. 218.
[142] Kantor: Vorsänger oder Chorleiter im Gottesdienst
[143] Vergewaltigung: Vergewaltigung war in den Kriegsartikeln aller Armeen ausdrücklich verboten und mit der Todesstrafe bedroht. Auf Vergewaltigung stand schon in den Kriegsartikeln Gustav II. Adolfs von 1621 die Todesstrafe. Sie war aber von Anfang an eines der häufigsten Delikte, wenngleich z. T. in den offiziellen Kriegsberichten an den Kriegsherrn absichtlich unterschlagen, aber auch in den Taufregistern immer wieder auftauchend. Zuweilen vermerkte der Pfarrer beim Vater „drey Soldaten”, „zweene Soldaten”, um auch Mehrfachvergewaltigungen zu dokumentieren; UHLIG, Leidenszeiten, S. 11; vgl. die kirchlichen Zweifel bei GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 14, 66; „Balgstedt im Besitz der Herren von Heßler und von Schieck 1616 – 1744“: „1634 läßt Frau Thiele Zwillinge taufen; ihr Mann Hans Thiele hatte sie verlassen und war in den Krieg gezogen. In dem selben Jahre wird der außereheliche Sohn der Anna Schild getauft, welche sagt, sie sei voriges Jahr nach Pfingsten nach Laucha gegangen und auf dem Heimwege unterm Hain beim Spillingsgarten von einem Reiter überfallen worden, weshalb das Kind ‚Hans Reuter’ getauft wird“. Zur Schändung auch von Schwangeren vgl. HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 54. Teilweise waren selbst Reiterjungen daran beteiligt; BLUME; RUNZHEIMER, Gladenbach, S. 323: “2 Jungen / Reiterjungen / habenn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr alt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können”. Die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mag aus verständlichen Gründen um ein Vielfaches höher gelegen haben. THEATRUM EUROPAEUM Band 3, S. 617: „So ist auch ein Polnischer Edelmann / welcher sampt seinem Knecht / ein Weibsbild geschändet / und deßwegen bey seinem Obristen angeklagt gewesen / zur Rede gestellt / unangesehen er eine grosse Summa Gelts für sein Leben geboten / gleichwol anfangs der Knecht in Gegenwart und Ansehen deß Edelmanns / enthauptet / und hernach er folgenden Tags auch mit dem Schwerd hingerichtet worden”. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, S. 222, heißt es dagegen ausdrücklich, dass die Schweden in der ganzen Zeit sich „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice. Vgl. auch MAHR, Monro, S. 56f. Daus Verfahren wurde sehr unterschiedlich gehandhabt, vgl. etwa die Aufzeichnungen des Schmalkaldener Chronisten Pforr; WAGNER, Pforr, S. 141: „Den 22. 9br: [1636] sollte ein [schwedischer] cornet gerichtet werden, weil er eine magd genotzüchtiget. Weil aber sein knegt die magd geehligt, dem er 2 pferd geben und 20 thlr in die kirchen gebüst, ist ihme das leben geschenckt worden”. Auf Klagen bei Kommandieren hieß es z. T.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 122: „es sei aus unterschiedenen regimentern kommandiert volk und unter denselben Spanier, Neapolitaner, Burgunder, Italiener etc., die man nicht also in zaum halten könnte”.Vergewaltigung gehörte z. T. zur üblichen Topik in zeitgenössischen Berichten oder bei Geburt unehelicher Kindern; vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 52. Bei der Nonne Maria Anna Junius aus Bamberg, HÜMMER, S. 222, heißt es ausdrücklich, dass sich die Schweden in der ganzen Zeit „züchtig und ehrerbittig“ verhalten hätten. Vgl. JANSSON, Soldaten und Vergewaltigung, S. 197; THEIBAULT, Landfrauen; BERG, Administering justice; die Beschwerden der Pommern’schen Gesandten (1630); Theatrum Europaeum Bd. 2, S. 190, CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 309f.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 108ff. SEMLER, Tagebücher, S. 212f. (1635): „es ist kein wunder, daß wir kein glückh haben könnden, daß vnser aigen volckh mit den gaistlichen sachen so vebel vmbgehet, daß ein erschröckhen ist. Diser tagen haben vnser reütterey daß stätlin Gebweiler [Guebweiler; Frankreich, Dép. Haut-Rhin], so doch kein feind darinnen wahre, veberfallen, dem priester, so eben consecrirte, den kelch auß der hand genommen, die closterfrawen noth gezwungen, andere weiber auf dem heiligen altar geschändt und geschmächt [geschwächt !; BW]“.
Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet zu 1632 über die Rache von Frauen; DIARIUM BELLI BOHEMICI ET ALIARUM MEMORABILIUM 3, S. 22: „Im Dorff Kienblad [Kühnblatt; BW] im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden“. Zum Teil wird diese Gewalt gegen Frauen auch mit „schwechen” umschrieben.
[144] ENGLUND, Verwüstung, S. 203f.
[145] Bautzen [Oberlausitz], HHSD VIII, S. 19ff.; vgl. SCHULZ, Bautzen im Krieg.
[146] Naumburg [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.
[147] Strehla [LK Meißen]; HHSD VIII, S. 341f.
[148] Die Angabe bei KUNATH, Sachsen, S. 246, Johann Christoph von Wedelbusch [1661 – 24.3.1674 Dresden; http://thesaurus.cerl.org/record/cnp00361795], ist falsch. Johann Christoph war der Sohn des Detlev von Wedelbusch. Vgl. VD17 14:014555A: RICHTER, Zacharias, Junger Frommer Leute geschwinde Vollkommenheit Aus dem Büchlein der Weißheit Cap. 4. v. 7. 14. Aber der Gerechte/ ob er gleich zu zeitlich stirbt [et]c. : Als Der … Hr. Johann Christoph von Wedelbusch/ auf Liebstadt … Ein nachgelassener einiger … Sohn Des … Herrn Dettloffs von Wedelbusch … Churfl. Durchl. zu Sachsen … Obristens … durch den zeitlichen Tod den 23. Martii 1674. … in Dreßden abgefordert/ den 31. darauff nacher Liebstadt gebracht und … beygesetzet worden / Gezeiget Und auf Begehren in Druck gegeben durch Zachariam Richtern / Pastorem zu Liebstadt. Dresden; Bergen 1674.
[149] KUNATH, Kursachsen, S. 246ff.
[150] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum; SCHOCK; ROßBACH; BAUM, Das Theatrum Europaeum.
[151] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.
[152] Bernau [Kr. Niederbarnim/Bernau]; HHSD XI, S. 125f.
[153] Pegau [Kr. Borna]; HHSD VIII, 272ff.
[154] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.
[155] Sturmlauf: heftiger, schnell vorgetragener Angriff mit dem Ziel, den [völlig unvorbereiteten] Gegner zu überraschen, seine Verteidigung zu durchbrechen. Zum Teil wurden für die Erstersteigung der Mauern oder des ersten Eindringens in die Stadt, Festung etc. Geldprämien bis zu 1000 Rt. oder Rangerhöhungen von den Offizieren ausgesetzt worden. Die Sturmkolonnen sollten Wälle oder Festungen auf Sturmleitern ersteigen, sich dort festsetzen und das Tor von innen öffnen, um den nachrückenden Soldaten den Weg frei zu machen. Teilweise wurde allerdings auch Branntwein ausgeschenkt, um die Angst zu betäuben, oder es wurden Gefangene als Schutzschilder vor der ersten Sturmreihe vorangetrieben.
[156] Faschinen: Schanzkörbe, Reisig, Bündel, Holzwälle, Rutenbündel.
[157] Feuerkugel: Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.
[158] Kartaune, halbe: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 22-faches Kaliber (15 cm), schoß 24 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 40-45 Zentner, das Gesamtgewicht 70-74 Zentner. Als Vorspann wurden 20-25 Pferde benötigt. ENGERISSER, Von Nördlingen, S. 579. Das Material und der Feuerwerker-Lohn für den Abschuss einer einzigen 24-pfündigen Eisenkugel aus den „Halben Kartaunen“ kostete fünf Reichstaler – mehr als die monatliche Besoldung eines Fußsoldaten“. EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 81.
[159] opiniatrischer Weise: wie erwartet.
[160] manutenieren: halten.
[161] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.
[162] Akkord: Übergabe, Vergleich, Vertrag: Vergleichsvereinbarungen über die Übergabebedingungen bei Aufgabe einer Stadt oder Festung sowie bei Festsetzung der Kontributionen und Einquartierungen durch die Besatzungsmacht. Angesichts der Schwierigkeiten, eine Stadt oder Festung mit militärischer Gewalt einzunehmen, versuchte die militärische Führung zunächst, über die Androhung von Gewalt zum Erfolg zu gelangen. Ergab sich eine Stadt oder Festung daraufhin ‚freiwillig’, so wurden ihr gemilderte Bedingungen (wie die Verschonung von Plünderungen) zugebilligt. Garnisonen zogen in der Regel gegen die Verpflichtung ab, die nächsten sechs Monate keine Kriegsdienste beim Gegner zu leisten. Zumeist wurden diese Akkorde vom Gegner unter den verschiedensten Vorwänden bzw. durch die Undiszipliniertheit ihrer Truppen nicht eingehalten.
[163] Diskretion(sgeld): Verehrung = „Ehrengeschenk”, das von ein- oder durchziehenden Offizieren erwartet oder erzwungen wurde, in Geld- oder Sachleistungen der verschiedensten Art.
[164] Knecht, gemeiner: dienstgradloser einfacher Soldat. Er hatte 1630 monatlich Anspruch auf 6 fl. 40 kr. Ein Bauernknecht im bayerischen Raum wurde mit etwa 12 fl. pro Jahr (bei Arbeitskräftemangel, etwa 1645, wurden auch 18 bis 24 fl. verlangt) entlohnt. Doch schon 1625 wurde festgehalten; NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 92: „Ihme folgete der obrist Blanckhardt, welcher mit seinem gantzen regiment von 3000 fueßknechte sechß wochen lang still gelegen, da dann die stath demselben reichlich besolden muste, wovon aber der gemeine knecht nicht einen pfennig bekommen hatt”. Versorgung:  In einem Bericht des Obristleutnants des Regiments Kaspar von Hohenems (25.8.1632) heißt es; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 336: „daß sie knecht gleichsam gannz nackhent und ploß auf die wachten ziehen und mit dem schlechten commißbroth vorlieb nemmen müessen, und sonderlichen bey dieser kelte, so dieser orten erscheint, da mich, als ich an ainem morgen die wachten und posti visitiert, in meinem mantl und guetem klaidt geforn hat, geschweigen die armen knecht, so übel beklaidt, die ganze nacht auf den wachten verpleiben müessen. So haben sie auch gar kain gelt, das sie nur ain warme suppen kauffen khönnen, müessen also, wegen mangl der klaiser und gelt, mit gwalt verschmachten und erkhranken, es sollte ainen harten stain erbarmen, daß die Graf hohenembsische Regiment gleich von anfang und biß dato so übel, und gleichsam die armen knecht erger alß die hundt gehalten werden. Es were gleich so guet, man käme und thete die armen knecht […] mit messern die gurgel abschneiden, alß das man sie also lenger abmatten und gleichsam minder als einen hundt achten thuett“. => Verpflegung.
[165] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.
[166] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 116f.
[167] Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, S. 241ff.
[168] Theusing [Toužim, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 614f.
[169] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen” [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott” [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen”. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.
[170] Engelhaus [Andělska Hora; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 136f.
[171] Schlackenwerth [Ostrov, Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 547ff.
[172] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.
[173] Oberwiesenthal [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 261.
[174] Neudorf [Sehmatal].
[175] Waltersdorf, heute Ortsteil von Liebstadt [Sächsische Schweiz-Osterzgebirge].
[176] Schlettau [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 319f.
[177] Elterlein [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 89.
[178] Scheibenberg [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 316ff.
[179] Pöhla, heute Ortsteil von Schwarzenberg.
[180] Rittersgrün, heute Ortsteil von Breitenbrunn [Erzgebirgskr.].
[181] Breitenbrunn [Erzgebirgskr.].
[182] Schlettau [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 319f.
[183] Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 5ff.
[184] Grumbach bei Jöhstadt [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 157.
[185] LEHMANN, Kriegschronik, S. 117ff. Lehmann datiert nach dem alten Stil.
[186] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.
[187] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[188] Arrier-Garde: Vorhut.
[189] SCHLOTTER, Acta, S. 314f.
[190] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.
[191] Gudensberg [Kr. Fritzlar-Homberg]; HHSD IV, S. 192f.
[192] Fritzlar; HHSD IV, S. 149ff.
[193] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.
[194] Borken [Kr. Fritzlar-Homberg]; HHSD II, S. 56.
[195] SCHLOTTER, Acta, S. 322.
[196] Nach den Mitteilungen Franzins soll es sich um Karl Magnus von Baden-Durlach gehandelt haben. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1176.
[197] Celle; HHSD II, S. 94ff.
[198] Mauritii Filius.
[199] SCHLOTTER, Acta, S. 327.
[200] Jena; HHSD IX, S. 215ff.
[201] TRÄGER, Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika, S. 57.
[202] Nach den Mitteilungen Franzins soll es sich dagegen um Karl Magnus von Baden-Durlach gehandelt haben. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1176.
[203] Leutnant: Der Leutnant war der Stellvertreter eines Befehlshabers, insbesondere des Rittmeisters oder des Hauptmanns. Wenn auch nicht ohne Mitwissen des Hauptmannes oder Rittmeisters, hatte der Leutnant den unmittelbarsten Kontakt zur Kompanie. Er verdiente je nach Truppengattung monatlich 35-60 fl.
[204] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Der schwer bewegliche Tross und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte’ “. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER,  „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S.19.
[205] Hure: Eine Infamie mit der schandbarsten Wirkung überhaupt, da die Betreffende als außerhalb der ehrbaren christlichen Gesellschaft stehend diffamiert wurde. Vgl. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 146ff. Vgl. die Darstellung des Marktbreiter Pfarrers Ammon (15.8.1633): „15. Aug., da ist der deutschen Amman Tochter öffentlich zur Huren gemacht und mit Steinen ausgeworfen zu Obernbreit und hierdurch, mit Weiden gepeitschet, ins Wasser gesprenget und ist ganz nakkend in der Bulleiten zum ärgerlichen Spectacul, unwissend der Geistlichen, gesessen“. DANCKERT, Unehrliche Leute, S. 146ff.
Vgl.  die Chronik des Johann Philipp Mohr; WAAS, Chroniken, S. 246: „Haben meine Herrn durch Kaspar Drappen und dem Herrn Schultheißen seine Richter [Gerichtsbüttel] Lorenz Doppels, Apodeckers seine Wittib, aus der Stadt geboten Hurerei halben, und auch hat sie die Franzosen [Syphilis] gehabt. Item Meister Eckhardt, Neilschmitt [Nagelschmied], hat man aus der Stadt getrieben Hurerei halben. Item einer Wittfrau (des Weißbender, der Pfördner am äußersten Mainzer Thor war, der bei Petterweil ist erschlagen worden), daß sie Hurerei mit Soldaten getrieben hat, ist ihr der Stadt verwiesen woerden“.
„Staupbesenhure“ (1766) vereinigte gleich zwei Diffamien in sich; TITZ-MATUSZAK, Starke Weibs-Personen, S. 19.
Vgl. die Beschwerden der Stadt Konstanz (1633) über die kaiserliche Garnison; BEYERLE, Konstanz, S. 28: „Das unnütze Gesindel der Huren und Buben wird nit abgeschafft, sondern bei täglicher Annehmung neuer Soldaten, so mit vielen Weibern und Kindern behängt sind, wird der Burger genötigt, neben den einquartierten Soldaten auch diese zu verköstigen, wie dann von solchen verarmten Untertanen mit ihren Weib und Kindern zu allhiesiger Stadt samt ihren gesamten Haushaben großer Zulauf ist, so dass sich zur Zeit uf die 350 Personen an Soldatenweibern und Kindern salvo honore Huren und Buben unter allhiesiger Garnison aufhalten“.
[206] Dörflas, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Marktredwitz i. Fichtelgebirge].
[207] Kulmain [LK Tirschenreuth].
[208] Obligation: Schuldverschreibung.
[209] BRAUN, Marktredwitz, S. 132f.
[210] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.
[211] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1031: Piccolomini informierte am 3.5. M. v. Trauttmansdorff über die Kämpfe bei Saalfeld u. Erfurt. Die Kroaten hätten 400 schwedische Reiter in die Flucht geschlagen u. gefangen genommen, die Infanterie sei nach Erfurt vorgerückt, wo Banér sich befestige. Gerüchte besagten, er wolle dort die Hilfstruppen der Hessen, Weimarer u. Lüneburger erwarten.
[212] Am 25.5.1640 schrieb Piccolomini aus dem Lager bei Saalfeld an Gallas, alle Gegner hätten sich vereinigt u. ständen jenseits des Flusses, ihre Zahl betrage laut Aussage v. Gefangenen 30.000 Mann. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1042.
[213] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.; vgl. STURNBRICH (Quelle 18).
[214] WASSENBERG, Florus, S. 358.
[215] Käse Korbe: nicht identifiziert.
[216] Göritz, heute Ortsteil von Hirtschberg (Saale) [Saale-Orla-Kr.].
[217] pürstrohr, Bürschrohr: Jagdflinte. Nach dem „Kriegsbüchlein“ von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.
[218] TRINKS, Kriegsereignisse, S. 8.
[219]  [Bad] Lippspringe [LK Paderborn]; HHSD III, S. 44f.
[220] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr.  218.
[221] Wunstorf [Kr. Neustadt a. Rübenberg]; HHSD II, S. 513ff.
[222] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 150.
[223] Generalgewaltiger: Der Generalprofoss, auch „Generalgewaltiger“ genannt, war der Dienstvorgesetzter der Profosse. Vgl. Schwedisches Kriegs-Recht; BERG, Administering justice, S. 9, 17.Der Profoss war ein militärischer, vielfach gefürchteter Offiziant, der die Einhaltung der Kriegsbestimmungen und Befehle, der Lager- und Marschordnung überwachte. Der Profoss zeigte die Zuwiderhandelnden beim Befehlshaber an, nahm sie fest, stellte sie vor Gericht und vollstreckte das vom Kriegsrichter, dem Auditeur, gesprochene Urteil. Dabei unterstützten ihn Knechte und Gehilfen. Es gab einen Profoss für jedes einzelne Regiment und einen Generalprofoss für die gesamte Armee. Der Generalprofossleutnant unterstand dem Generalprofoss.
[224] KLUGE, Hofer Chronik, S. 177.
[225] KLUGE, Hofer Chronik, S. 179.
[226] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.
[227] BRAUN, Marktredwitz, S. 139.
[228] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.
[229] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[230] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.
[231] Linz; HHSÖ I, S. 66f.
[232] LEDEL, Studien, Nr. 21.
[233] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).
[234] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab]; HHSD VII, S. 781.
[235] LEDEL, Studien, Nr. 22.
[236] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[237] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.
[238] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.
[239] Neunburg vorm Wald [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 507f.
[240] Nabburg [LK Nabburg], HHSD VII, S. 491f.
[241] Auerbach i. OPf. [LK Amberg-Sulzbach]; HHSD VII, S. 41f.
[242] Vilseck [LK Amberg]; HHSD VII, S. 771f.
[243] Cham [LK Cham]; HHSD VII, S. 124ff.
[244] Neukirchen-Balbini [LK Schwandorf].
[245] Furth i. Wald [LK Cham]; HHSD VII, S. 221f.
[246] Taus [Domažlice]; HHSBöhm, S. 598ff.
[247] Vgl. BARKER, Piccolomini. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des reichhaltigen Archivmaterials bis heute nicht. Hingewiesen sei auf die Arbeiten von ELSTER (=> Literaturregister).
[248] Hellebarde: Hieb- und Stichwaffe des 13. bis 17. Jahrhunderts mit einem aus einem Stück geschmiedeten Kopf, der ein Beil, eine Klinge und einen Haken besaß, die zu den Stangenwaffen des Fußvolks gezählt wird. Die Hellebarde hat eine breite („Beil“, „Barte“), eine kurze Klinge („Haken“) sowie am Ende eine Stoßklinge. Der meist 1½ bis 2 Meter lange hölzerne Schaft („Halm, Helm“) besaß oft einen mehreckigen Querschnitt oder Lederwicklungen, um beim Hieb das Wegdrehen der Waffe in der Hand zu vermeiden. Der Bereich zwischen Klinge und Schaft wurde seitlich mit „Schaftfedern“ aus Metall verstärkt.
[249] Handgranate: runde, mit Pulver gefüllte Eisenkugeln, die mit einer Lunte gezündet wurden. Granaten können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Granadiere waren ursprünglich Soldaten, die Handgranaten gegen den Feind schleuderten. Bereits 1631 wurden sie nach MONRO bei der Eroberung Frankfurts a. d. Oder von den Iren eingesetzt; => Quelle 10. Als Generalmajor Lars Kagg 1634 in Regensburg belagert wurde, forderte er zu dieser gefährlichen Tätigkeit – ihre Splitter konnten bis zu 50 Schritte gefährlich werden – Freiwillige gegen höheren Sold auf und wurde so der Schöpfer der Granadiere. Chemnitz, S. 467, beschreibt bei dieser Gelegenheit den Einsatz von Handgranaten: ‘Gebrauchte sich [der Gen. Maj. Kagg] hierunter zuforderst der handgranaten, den Feind in confusion zubringen, nachgehends, wann solches geschehen, der Kurtzen wehren [Helmbarten] zum niedermetzeln. Wobey er jennige, so die handgranaten zu erst geworffen, mit einer gewissen recompens [nach Heilmann 2 Reichstaler] zu einer so gefährlichen action angefrischet’. ENGERISSER, Von Kronach, S. 277.
[250] ENGLUND, Verwüstung, S. 246ff.
[251] Nach den Mitteilungen Franzins an W. E. v. Lobkowitz, Regensburg, 1641 III 22,  habe sich Slange mit dem Markgrafen von Durlach und 2.000 Reitern Leopold Wilhelm ergeben, sei nach Regensburg und dann nach Wien gebracht worden. Slanges Reiterei bilde angeblich den Kern von Banérs Kavallerie und bestehe größtenteils aus Finnen. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1176.
[252] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.
[253] KLUGE, Hofer Chronik, S. 183f.
[254] ENGLUND, Verwüstung, S. 249f.
[255] Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, S. 241ff.
[256] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.
[257] Waldmünchen [LK Cham]; HHSD VII, S. 785.
[258] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.
[259] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 609ff.
[260] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.
[261] WILMIUS, Chronicon, S. 118.
[262] Schwandorf i. Bay. [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 684.
[263] Burglengenfeld [LK Schwandorf]; HHSD VII, S. 117f.
[264] Regenstauf; unter Neuburg a. d. Donau, HHSD VII, S. 501.
[265] Nabburg [LK Nabburg]; HHSD VII, S. 491f.
[266] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 607: „Käiserl. Majest. liesse die Stadt Regenspurg mit 2. Regimentern auff 800. Mann zu Fuß geschätzet / alsbalden stärcker besetzen / und die Herren Stände / wie bey obigem Reichstags-Verlauff befunden / zum verharren vermahnen : auch wurde Volck bey Kelheim zusammen geführet / dergleichen auch bey Ingolstatt. Herr General Piccolomini / und der von Geleen reyseten unterschiedlich hin und wieder / und gaben Ordre : auch waren sie und andere / zu forderst deß Herrn Ertz-Hertzogen Hochfürstl. Dl. bey Käiserl. Maj. zu Regenspurg / und wurde Kriegs-Rath gehalten : unter anderm 3. Brücken / eine bey Kelheim / über die alte Mühle / die andere bey Sintzing über die Laber / und die dritte bey Rigling und Ort über die Nab geschlagen / das zusammenziehende Volck in Eyl gegen dem Regen über zu bringen : es wurden auch etlich tausend auß Oesterreich herauff zu kommen erfordert / und nichts was zur Defension / und Resistentz nöthig war / unterlassen“.
[267] Kelheim [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 349ff.
[268] Pförring [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 582f.
[269] Neustadt a. d. Donau [LK Kelheim]; HHSD VII, S. 513.
[270] Stadtamhoff [Stadt Regensburg]; HHSD VII, S. 708f.
[271] Weichs [LK Dachau]; HHSD VII, S. 793f.
[272] Neukirchen-Balbini [LK Schwandorf].
[273] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 607ff.
[274] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 331; SCHREIBER, Montecuccoli, S. 46.
[275] KLUGE, Hofer Chronik, S. 191.
[276] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.
[277] Ksl. Obrist (1605-1657).
[278] Brieg [Brzeg]; HHSSchl, S. 54ff.
[279] SCHREIBER, Montecuccoli, S. 47f.
[280] Fraustadt [Wschowa]; HHSSchl, S. 99ff.
[281] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[282] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.
[283] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.
[284] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f.
[285] In der Regel wogen sie 8 oder 5 Pfund.
[286] Untersteckung, Unterstoßung: (zwangsweise) Eingliederung von (insbesondere gefangen genommenen) Soldaten in bestehende unvollständige Verbände. „Die ‚Untersteckung’ von gefangenen Soldaten des Kriegsgegners war in der frühen Neuzeit allgemein üblich, wurde für gewöhnlich von den Betroffenen ohne Widerstände akzeptiert und scheint gar nicht selten die Zusammensetzung eines Heeres erheblich verändert zu haben” (BURSCHEL, Söldner, S. 158). In der kurbayerischen Armee – Maximilian I. von Bayern war grundsätzlich gegen die Untersteckung wegen der Unzuverlässigkeit in Schlachten – wurden sie als Kugelfang beim Angriff oder Sturm auf eine Stadt vorausgeschickt; SEMLER, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 67. Franz von Mercy hatte nach seinem Sieg bei Tuttlingen (24.11.1643) an die 2000 Franzosen untergesteckt. HEILMANN, Kriegsgeschichte, S. 69f. Doch wurden schon seit dem Böhmischen Krieg Gefangene, die die Untersteckung verweigerten, oft hingerichtet. HELLER, Rothenburg, S. 158: (1645): „Die [bayr.] Furir aber haben alle Häußer, wo Franz. oder Weimar. gelegen, außgesucht und was sie hinterlaßen, alles weggenommen. Wie sie denn im güldenen Greifen einen Weimarischen Feldscherer sampt seiner Feldtruhen, welcher allhie geblieben und hernach wollen nach Hauß ziehen in Holstein, ertapt, übel gemartert und geschlagen, endlich mit sich hinweggefürt und, wie man gesagt, weilen er ihnen nit wollen dienen, auf dem Feld erschoßen”. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70f. (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, daß die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. => Kriegsgefangene.
[287] ENGLUND, Verwüstung, S. 276ff.
[288] ENGLUND, Verwüstung, S. 288f.
[289] http://museum.zib.de/sgml_internet/sgml.php?seite=5&fld_0=MI000559.
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