Ogilvie [Ogilvi], George Freiherr von

Ogilvie [Ogilvi], George Freiherr von; Obrist  [ – beigesetzt am 7.1.1661] Ogilvie stammte aus Schottland und war 1645 schon seit über 20 Jahren kaiserlicher Kommandant der Festung Spielberg oberhalb Brünns.[1] Sein Sohn George Benedict Ogilvie (1644 oder 1648-1710 Danzig) wurde polnischer und sächsischer General und Feldmarschall.[2]

Am 28.6.1645 schrieb Souches während der Belagerung Brünns an Gallas: „Berichte dieselbe beinebenst gehorsambist, dass der Herr Obristleutnant Graf von Wirben[3] mit deme Pulver (Gott Lob) glücklichen alhier ankommen wird, nur allein von 201 Sack, jedwege zu 25tt., etliche 34 hinterblieben. Von E. Exc. Dragoner Regiment befinden sich alhier etwa 40, von denen Lacoronischen [La Corona; BW] aber anstatt 40 nur 16 mit denen Officierern. Die Interpresa ist Gottlob glücklichen abgangen, darzu des Herrn Grafen und beigehabten Officiern gute Couragie und Anstalt nit wenig cooperirt, indem sie zwei Regimenter vom Feinde, so die Wacht gehalten, ganz zertrennet. Dafern ichs nur ein Stund zuvorn gewisst hätte, würde eine gute Action beiderseits durch einen Anfall sein bezeigt worden. Ich verhoffe auch, dass mit Hilfe der zwei Pulvermühlen, so ich in der Stadt aufgerichtet, und Salniters, welchen taglichen arbeiten lasse, uns die Munition nunmehr sobalden nit wird abgehen. Auf dem Spielberg hab ich einen guten Teil darvon, sowohlen mehrere Soldaten geschickt; und weilen der Herr Rittmeister Henneman und Unger daraussen bessere Dienste denn hierinnen tun können, ich ohnedass auch eine zimbliche Anzahl Reiterei bei mir habe, welchen die Fouragie abgehet, lasse dieselben ich wiederumben hinaus, den Herren Grafen aber mit etlichen 30 Reitern von dessen Esquadronen, und 130 nebenst dem Herrn Obristwachtmeistern von Kapaun [Kopaun; BW] bei mir behalten, in Hoffnung, dass unsere Armada mit ehisten hier sein wirdet. Unterdessen versichernde E. Exc., dass wir ville Extremitäten, so ein belägertes Ort ausstehen kann, versuchen, und ich meinesteils eussirsten Fleisses dahin bedacht sein werde. Massen Ihr Hochfürstliche Durchlaucht und E. Exc. beideren Ankungt [Ankunft] alhier meine treueifrichste Actiones gnädigst erfahren werden. P. S. Ich versichere E. Exc., dass der H. Graf von Würben sich so affectionirt in Ihr May. Dienst bezeiget, dass der selbe gewisslichen ein grossen Rum und Lob verdienet“.[4]

Am selben Tag schrieb Vrbno an Gallas: Nach Erhalt seiner Order vom 11. dieses Monats aus Wien habe er das Schießpulver und die Mannschaft glücklich nach Brünn gebracht. Auf Wunsch des Kommandanten sei er in der Stadt geblieben und bitte Gallas, seine Männer in Schutz zu nehmen. Im Postskriptum hieß es: Obgleich Ogilvie, der Kommandant der Festung Spielberg, nicht weniges versäumt hatte, bürge der Kommandant de Souches für den Erfolg.[5]

Ogilvie wiederholte am 28.8. den Bericht vom Ende der Belagerung des Spielbergs. Der Gegner habe versucht, mittels listig zugedeckter Laufgräben die Befestigungen niederzureißen und den Spielberg aus der Nähe unter Kanonenbeschuss genommen. Nachdem ihm seine beiden Angriffe am 15. und der Sturmangriff am 20. weder auf der Burg noch in der Stadt gelungen seien, habe er beide Posten verlassen, sich im Feldlager gesammelt, das er dann samt den umliegenden Dörfern in Brand gesteckt habe, und sei am 23. in Richtung Göding abgezogen.[6]

In diesem August lobte Souches in einem Schreiben an Ferdinand III. die Einwohner und den Magistrat Brünns wegen ihrer Tapferkeit: „Demnach Vorbringer von einem ehrsambe Rat allhiesigen königlichen Stadt in ihren selbsteigenen Geschäften nach Euer kais. Mai. abgeordnet worden sein, als habe nicht unterlassen wollen, dieselbe hierinnen allergehorsambst zu berichten, welchergestalt allhiesiger Stadtmagistrat und gemeine Burgerschaft vor und in währender 16 wochentlichen, langwierigen, beschwerlichen Belägerung sich also treu und redlich verhalten, dass dieselben auch mit Wahrheit vor ein Exempl treuer Vasallen Euer Kais. Mai. vorgestellet werden können, massen sie nicht allein die Zeit dieser sechzehenwöchentlicher starker Beänstigung stets ohne einzig Abtritt nebens den Soldaten bei Tag und Nacht auf ihren Posten verblieben und dem Feind bester Möglichkeit nach Abbruch getan, sondern auch ohne dass sie mit der Soldatesca immer schwer zur Defension und Fortification der Stadt und Spielberg ihre Häuser gutwillig eingerissen, Geld und Proviant zur Bezahlung der Arbeiter und Verpflegung des Garnisons vorgestreckt und wegen manquirenden Soldaten auf meine Ordre in guter Anzahl selbsten auf den Spielberg sich begeben und selben defendiren helfen. In summa ein jedweder hat sich so wohl gehalten, dass nicht genugsamb zu rühmen und ist man stets unverdrossen resolviert gewesen, nebens mir vor Euer Kais. Mai. ihr Leben aufzuopfern. Wann dann dergleichen treue Vasallen, meines erachtens jedoch unmässiglich zu beharrlichen Standhaftigkeit zu avisieren und denen treuen zu einem guten Exempl und rebellierenden Städten zum Abscheu und ewig Schand und Spott mit sonderbaren kaiserlichen

Gnaden zu regalieren sein, als bitte Euer Kais. Mai. alleruntertänigst und gehorsambst, dieselbe wolle Ihro diese arme, sogar erschöpfte Burgerschaft, welche meistenteils selbst notleidet und ihre Häuser abgebrochen, bestergestalt in Kais. Gnaden all anbefohlen halten und fürbringen in einem und anderem, was sie alleruntertänigst referieren, auch allergnädigst Glauben zu stellen“.[7]

Am 23.9.1645 schrieb Souches an Gallas, es berühre ihn schmerzlich, dass seine Verdienste um die Verteidigung Brünns Nichtbeteiligten zugerechnet werde, und bat ihn, beim Kaiser ein Wort für ihn einzulegen.[8]

Ogilvie wurde am 7.1.1661 in der Raigern-Abtei[9] in Brünn beigesetzt.[10]


[1] MURDOCH, SSNE ID: 6667; d’ELVERT, Spielberg, S. 20. Die ergebnislose Belagerung Brünns durch Torstenssons Truppen ist bei ENGLUND, Verwüstung, S. 446ff. ausführlich dargestellt.
[2] MURDOCH, SSNE ID: 4032.
[3] Štěpán Bruntálský von Vrbno.
[4] Toegel; Kocí, Der Kampf, Nr. 612.
[5] Toegel; Kocí, Der Kampf, Nr. 613.
[6] Toegel; Kocí, Der Kampf, Nr. 657.
[7] Toegel; Kocí, Der Kampf, Nr. 637, S. 213f.
[8] Toegel; Kocí, Der Kampf, Nr. 674.
[9] Wahrscheinlich das Benediktinerkloster Rajhrad (Raigern).
[10] d’ELVERT, Spielberg, S. 21.
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