Neuneck [Neinögg] zu Glatten, Alexander von

Neuneck [Neinögg] zu Glatten, Alexander von; Obrist [1598-1645] Neuneck[1] zu Glatten[2] stand 1622 noch als Kapitän im ligistischen Fußregiment Levin von Mortaigne und nahm am Kampf gegen die pfälzischen Truppen unter Ernst von Mansfeld[3] bei Mingolsheim[4] teil.

Er stand zuletzt als Obrist[5] der Kavallerie in kurbayerischen Diensten.

1634/35 umfasste sein Regiment 5 Kompanien[6] mit insgesamt 400 Reitern.[7] 1636/1637 führte er die Regimenter Wolf und Metternich. „Am Jahresende 1636 lagerte der Obrist Alexander von Neuneck mit drei Reiterregimentern in weitem Umkreis um Ehrenbreitstein,[8] da die steile Lage der Bergfestung eine regelrechte Belagerung kaum zuließ. Sie konnte nur durch Aushungern zur Übergabe gebracht werden; diese Aufgabe fiel nun Jan von Werth zu“.[9] Am 20.1.1637 hatte Maximilian I.[10] Neuneck zur Verantwortung aufgefordert, weil er die aus dem Ehrenbreitstein desertierenden französischen Söldner in Dienst nehme.[11] „Neue Sorgen brachte auch die Belagerung der Festung Ehrenbreitstein, die immer noch von Franzosen besetzt war. Da der Generalfeldmarschall [Gallas;[12] BW] den Verdacht hegte, der Diezer[13] Hofmeister von Hohenfeld stehe in geheimen Verbindungen mit der Besatzung der Festung, ließ er diesen bei einer Reise ins bayrische Hauptquartier, wo er sich um eine Rittmeisterstelle bewarb, in Nassau[14] festnehmen. Auch gegen die Gräfin [Sophie Hedwig] hegte er Verdacht. So verschlimmerte sich die Lage der Grafschaft mehr und mehr, als die Truppen des Reiterführers Jan van Werth 1637 begannen, die Feste Ehrenbreitstein völlig einzuschließen, und dieser dabei den Befehl gab, die Stadt Diez zu besetzen. Oberst Neuneck, der hierzu am 2. Februar 1637 Auftrag erhalten hatte, entsandte vom Regiment Wolf 50 Dragoner zu Pferd und 25 zu Fuß und 100 Mann Fußvolk vom Regiment Edelstett [Edlinstetten; BW] unter dem Befehl des Oberstleutnants Berlin [Beltin !; BW], um die Stadt zu besetzen und nötigenfalls zu erstürmen. – Hierzu kam es allerdings nicht, da man der Truppe gutwillig die Stadttore öffnete. – Obgleich Berlin von Neuneck Weisung erhalten, die Einwohner zu schonen, ließ er sofort alle Häuser, einschließlich des Schlosses, nach Getreide durchsuchen. Dieses Vorgehen erbrachte jedoch kaum 500 Malter Frucht, weshalb Berlin Befehl zur Ausplünderung der vor der Stadt gelegenen Mühlen gab und, um die Schloßherrin zu ärgern, die zum Schloß führende Wasserleitung unterbrechen ließ. Gleichzeitig stellte er der Gräfin einen Wachtposten vor die Haustür. Obwohl Berlin auf diese Weise der Stadt fast alle Hilfsmittel genommen hatte, verlangte er für sich und seine Soldaten Quartier mit voller Verpflegung bei gleichzeitiger Soldzahlung. Um Naurath [den Diezer Amtmann; BW] seinen Anforderungen gefügiger zu machen, legte er diesem das gesamte Kontingent des Edelstettischen Regiments ins Quartier, ungeachtet der Anordnung Neunecks, die Soldaten gleichmäßig über die Stadt zu verteilen“.[15]

Am 1.4. schrieb Neuneck an Johann von Götz[16] über die Lage in der Festung: „Die halsstarrigen Franzosen sind auf der Festung gar still, ist kein ander Mittel mit ihnen vorzunehmen, als daß man sie miteinander verhungern lasse; die, so heraus laufen und wieder hineingeschickt werden, sehen hungrig, ja wie der Tod aus“.[17] Die Besatzung verließ den Ehrenbreitstein am 28.6.1637.

„Maximilian von Baiern wünschte nun, dass Johann von Werth über den Main ziehen sollte, um auch Hanau,[18] das noch immer von dem tapferen Schotten Ramsay behauptet wurde, wegzunehmen. Er nahm einen doppelten Weg, um von Ehrenbreitstein an den Main zu gelangen, indem ein Theil unter dem Obersten Neuneck die Straße über Montabaur,[19] Limburg[20] und Camberg[21] wählte, der andere den Weg über Nassau nach Langenschwalbach[22] einschlug. Die Grafschaft Diez litt bei diesem Durchzug durch die undisciplinirten Truppen in dem Grade, daß der Schaden auf 40,000 Gulden berechnet wurde. Von Camberg wird uns berichtet, dass Oberst Neuneck am 28. Juli [1637; BW] daselbst Quartier nahm und sich bei dem kurfürstlichen Schultheisen[23] Ohl mit 46 Pferden und 50 Personen einlogirte. Von den Stabsofficieren, welche zur Tafel geladen waren, wurden 155 Maas Wein getrunken und dabei noch alle Weingefäße gefüllt mitgenommen. Man ließ es sich also bei diesem Durchzug recht gut sein“.[24]

„Bereits am 6. September [1637; BW] konnte Johann von Werth nach München und Wien melden, der Gegner habe sich mit seiner Kavallerie und den Bagagen[25] wieder über ein Rhein zurückgezogen. Die hochfliegenden Hoffnungen, die Ludwig XIII. und Richelieu an den Vorstoß ihres deutschen Feldherrn geknüpft hatten, erfüllten sich nicht. Herzog Bernhard[26] hatten die immer zahlreicher auftretenden kaiserlichen Regimenter bedenklich gemacht. Er dachte daran, seine durch Proviantmangel und Krankheiten geschwächten Streitkräfte ins Elsaß zurückzuführen. Immerhin befürchtete Werth, sein Feind könne den Vorstoß mit neuen französischen Truppen erfolgreicher wiederholen. Auch in seinem Feldlager brach eine Seuche aus, manche Kompanien verloren ein Viertel ihrer Gefechtsstärke; seine Obristen erkrankten und verließen die Armee. Am 7. September ließ er Maximilian berichten, bei der Infanterie seien nur noch der Oberst Gold, bei der Reiterei nur Neuneck und Wolff noch gesund, und wies auf die mangelhafte Versorgung der zahlreichen Verwundeten hin, die in zerschossenen und niedergebrannten Häuser ohne Pflege und Nahrung lägen. Am 11. schrieb er, das Regiment Lothringen, das früher 13 Kompanien Kürassiere[27] gezählt habe, kommandiere inzwischen ein Rittmeister,[28] der allein noch übrig sei ! In dieser Notlage entschloß sich Werth, auch ohne Savellis Unterstützung, noch einmal einzugreifen und die Rheinbrücke bei Rheinau[29] zu zerstören. In der Nacht vom 12. zum 13. September drangen seine Bayern vor, um den Feind zu überraschen. Aber die Schanze war stark besetzt, ihre Besatzung fiel aus und warf das Fußvolk zurück. Als Werth mit seinen Reitern antrabte und sich ein heißes Gefecht entwickelte, bei dem viele weimarsche Söldner ‚in den Rhein gesprengt‘ wurden, erhielt Werth eine Schußwunde. Er meldete nach München, ihn habe das Unglück getroffen, ‚daß in die Backen geschossen worden und die Kugel noch in der Wunden sitzt, welche sich zurück unter das Ohr hinein geschlagen, also daß noch nicht wissen kann, wie es mir gehen wird‘. Er mußte den Kampf abbrechen und ließ sein Regiment in das alte Lager bei Friesenheim[30] zurückführen“.[31]

Nach der Schlacht bei Rheinfelden[32] 1638 geriet Neuneck verwundet in Gefangenschaft.[33]

Breisach[34] wurde von den Schweden und den mit ihnen verbundenen und an der Festung interessierten Franzosen als die Schlüsselstellung im südlichen Deutschland angesehen. Auch am Wiener Hof verdrängten die strategischen Spekulationen im Jahre 1637/1638 alle anderen möglichen militärischen Alternativen. Um Breisach, das von den kaiserlichen Truppen verteidigt wurde, zu erobern, war die Überquerung des Rheins notwendig. Die einzige strategische Brücke bei Rheinfelden wurde von den Kaiserlichen unter dem Kommando Savellis und Werths verteidigt. Im Januar 1638 belagerte Bernhard von Sachsen-Weimar und unter seinem Kommando Taupadel Rheinfelden. Zunächst ohne Erfolg, denn die Angriffe Werths und Savellis zwangen sie zum Rückzug. Drei Tage später gelang es Bernhard allerdings die beiden Feldherren in einer großen Feldschlacht zu besiegen.

„Ein Schreiben des Grafen [Wratislaw v.; BW] Fürstenberg, der den Rheinübergang des Herzogs meldete, erreichte Werth in Augsburg,[35] wo er einen namhaften Chirurgen konsultieren wollte; er reiste sofort ab. Am 8. Februar [1638; BW] traf er in Tübingen[36] ein und hielt dem kaiserlichen Generalwachtmeister[37] von Enckevort Kriegsrat. Die verfügbaren Regimenter wurden alarmiert. Mehr oder minder einsatzbereit waren von der ‚Reichsarmada‘, also den Bayern, die Fußregimenter Gold, Pappenheim und Wahl, zusammen 2000 Mann, die Dragoner[38] des Obristen Wolff und die Reiterregimenter Neu-Werth, Neuneck, Fallois [Vallois; BW], [Johann v. der; BW] Horst, Lothringen und Gayling, die aber nur 200-250 pro Regiment zählten. Dann die Kaiserlichen: das Fußregiment [Thomas; BW] Henderson von fünf Kompanien, die Reiterregimenter Lamboy, [Heinrich v.; BW] Metternich und Sperreuter, zusammen etwa 800 Mann, und die Kroaten[39] (Isolani, Beygott, Draghi), deren Kopfstärke auf 300-800 Berittene geschätzt wurde. Pessimistisch meldete Werth dem Kurfürsten: ‚Obschon die Kayserische ihre Regimenter und Compagnien alßo eingeben, so will ich doch meinen Kopff verloren haben, daß nicht achthundert Mann in Allem ins Velt pringen können, wiewoll sie zwantzighmall mehr Quartier haben alß wir‘ „.[40]

„Am 24. Februar brachen acht schwache Reiterregimenter und drei zu Fuß, zu denen noch der kaiserliche Obrist Henderson mit etwa 250 Mann stieß, von Villingen[41] auf, ohne jede Artillerie, nur mit soviel Pulver, wie die Fußsoldaten in ihren Bandolieren[42] trugen. In viertätigem Marsch zog das kleine Heer durch den Schwarzwald, auf dem nächsten, aber beschwerlichsten Wegen; es wurden nur kurze Marschpausen eingelegt, der Obrist Wolff führte die Vorhut. Am 28. Februar etwa um 10 Uhr vormittags stießen die Spitzen auf den Feind, der sie hinter dem Dorfe Karsau[43] in Schlachtordnung erwartete.

Herzog Bernhard von Weimar hatte auf Meldungen vom Herannahen der Gegner seine Truppen – nach Werths Angaben sechs Reiterregimenter, 400 Musketiere[44] und fünf Geschütze – auf einer Anhöhe postiert und erwartete ruhig den Angriff. Da das bayerische Fußvolk noch nicht heran war, dauerte es zwei Stunden bis zur Eröffnung des Gefechts, so daß das weimarsche Fußvolk unter dem Obristen Hattstein Zeit fand, das Dorf Karsau vor seiner Front in Brand zu setzen; auch brachten Fähren eiligst weitere Streitkräfte über den Rhein.

Als die Infanterie angelangt war, rückte sie durch das brennende Dorf beherzt dem Gegner entgegen, warf die weimarschen Musketiere zurück und eroberte die Geschütze. Aber die bayerische Kavallerie des linken Flügels, auf dem Werth selbst das Kommando führte, schlug sich schlecht; dem Anritt des weimarschen Generalmajors Taupadel hielten das Regiment Fallois [Vallois; BW], die Hälfte von Werths Regiment und zwei Kompanien von Gayling nicht stand. Sie wandten ihre Pferde und ‚sind ohne Schuß und Charge durchgegangen, auch nicht wieder zurückgekommen‘. Bei den Ausreißern befanden sich auch die Offiziers-Handpferde, mit denen die Diener und Burschen fortjagten, so daß selbst Jan von Werth später nur noch sein ‚Leibroß‘ besaß. Ein böses Beispiel gab der bayerische Generalkriegskommissar[45] von Lerchenfeldt, der unter den ersten die Flucht ergriff. Der standhaltende Rest geriet ins Handgemenge. Herzog Henri de Rohan, der Anführer der französischen Hugenotten, der sich als Freiwilliger bei Herzog Bernhard eingefunden hatte, wurde im Getümmel verwundet und gefangen; schon hatte ein Quartiermeister[46] Werths ihn hinter sich aufs Pferd genommen, als man ihm die kostbare Beute wieder abjagte. Der von Reitern des Regiments Neuneck umringte Rheingraf Johann Philipp von Salm wies den angebotenen Pardon ab und starb den Reitertod, mehrere Obristen und Regimentsführer der Armee Bernhards wurden überwältigt und gerieten in Gefangenschaft. ‚Weil aber unsere Reiter aus Begierde der Beute[47] und – die Wahrheit zu melden – großer Armut halber gleichsam dahin gedrungen wurden, etwas zu erobern, so sind sie auf des Feindes Bagage gefallen, haben bei 1500 Pferde von ihnen bekommen, sind mit selben während des Gefechts fortgegangen‘. Bernhard gewann Zeit, seine Scharen zu sammeln, ordnete die Reihen und erneuerte den Kampf. Weil inzwischen bayerische Reiter ihn umgangen hatten, ‚der Rhein ihm an die Seite gekommen, also hat er sich wieder gewendet und ein neues Raillement[48] gemacht, so daß wir bis in die Nacht gegeneinander gehalten‘. Die Söldner im französischen Dienst hatten höhere Verluste gehabt, weshalb Herzog Bernhard die Belagerung von Rheinfelden aufhob und sich während der Nacht auf Laufenburg[49] zurückzog, während Savelli und Werth abends um 10 Uhr in die befreite Festung einritten.

Was nun für die Sieger zu tun sei, war schwierig zu entscheiden. Zur Verfolgung zu schwach und zu ermüdet, mußte man sich entweder mit dem einstweiligen Entsatz der Verteidiger Rheinfeldens begnügen, frische Besatzung in die Stadt legen und mit der Reiterei in den Schwarzwald zurückkehren, wo in den Tälern auch Pferdefutter vorhanden war, oder man mußte vorläufig rasten, um die Ankunft der Artillerie, Munitionswagen und Proviantlieferungen abzuwarten. Werth drang auf Abzug, da man nach dem glücklichen Gefecht ‚Ehre genug‘ gehabt habe. Aber Savelli entschloß sich, die Streitkräfte um Rheinfelden ruhen zu lassen, nahm selbst Quartier in der Stadt und verteilte die Regimenter in drei Dörfer zwischen Basel und Rheinfelden, ‚allwo sie weder Brot noch Futter hatten und durch die Not gedrungen alle jene, so noch bei der Stell und nicht mit den am Sonntag (28. Februar) eroberten Pferden zur Bagage abgegangen, um Futter ausritten‘. Diese Sicherheit, in der sich Savelli wiegte, war das Verderben der Armee, die für den Leichtsinn ihres Anführers bitter büßen mußte.

Denn Herzog Bernhard tat das Unerwartete: von der fahrlässigen Sicherheit seiner Gegner unterrichtet, faßte er den kühnen Plan, rasch umzukehren und die Sorglosen zu überraschen. Er brach am 2. März von Laufenburg auf, rückte auf Säckingen,[50] übernachtete bei Oberschwörstadt[51] ohne Feuer in freiem Feld und erschien in der Morgendämmerung des 3. März unvermutet vor Rheinfelden. Die unzuverlässigen Kroaten hatten unterlassen, in der Nacht die Straßen zu patrouillieren.

Die Überraschung der bayerisch-kaiserlichen Armee gelang vollständig. Das Fußvolk noch in die Festung Rheinfelden zu retten, war nicht mehr möglich, nicht einmal mehr möglich, nicht einmal mehr Zeit, eine regelrechte Schlachtordnung zu bilden. Die Musketiere hatten kaum noch Pulver für ein paar Schüsse, jede Artillerie fehlte. So gut man vermochte, ordnete man sich zum Widerstande, den Rhein zur rechten Hand, einen Wald zur linken, ‚darin sich Jean de Werth mit etzlichem Fußvolk stellete‘, vor der Front gedeckt durch einen Graben, der in Eile mit kommandierten Musketieren besetzt wurde. Es befremdet, daß sich der Reitergeneral nicht an die Spitze der Reiterei setzte; aber deren Glieder waren dünn, da viele Reiter zum Fouragieren entsandt worden waren. ‚Mit allen Standarten sind wir mit 500 Pferden auf der Walstatt gewesen‘, schrieb Werth später in seinem Gefechtsbericht. Mag sich die Zahl der Berittenen durch Zuzählung der Kroaten um einige Hundert mehr erhöhen, so war doch die gegnerische Kavallerie weit überlegen. Alle Anführer befanden sich in freiem Feld, aus Furcht, in Rheinfelden eingeschlossen zu werden.

Ohne Zögern rückte Herzog Bernhard heran; seinen rechten Reiterflügel kommandierte Taupadel; den linken mit Fußvolk und Geschütz leitete er selbst. Seine Artillerie gab in kurzer Feuerfolge einige Batteriensalven ab, die das kaiserliche Fußvolk in Verwirrung brachten, das sich zur Flucht wandte, als Bernhards Söldner den Graben durchklettert hatten und ihm ‚mit gesparter Kugel‘ auf den Leib rückten. Als die Reiter das sahen, jagten sie davon, ihre Offiziere im Stich lassend, die fast sämtlich auf der Verfolgung gefangen wurden oder im Handgemenge fielen, wie der bewährte Obrist de Fallois und der Kommandeur des Regiments Horst, Obristleutnant von Stubenvoll. Generalwachtmeister von Enckevort, im Gebüsch umringt, mußte seinen Degen überliefern; der leichtverwundete Herzog von Savelli wurde eingeholt und gefangen. Am längsten hielt sich das Fußregiment Wahl, bei dem sich Jan von Werth befand, doch von allen Seiten umgangen, streckten die Überlebenden, die sich mannhaft gewehrt hatten, schließlich die Waffen. Länger als eine Stunde soll auch nach Herzog Bernhards Berichten der Kampf nicht gedauert haben, der den Namen einer Schlacht nicht verdient.

Die Verfolgung der Fliehenden erstreckte sich weit; Generalmajor Taupadel gelangte bis gegenüber Hüningen[52] unterhalb Basel. Auch Sperreuter, den die Furcht, als Verräter der schwedischen Sache lebendig ergriffen zu werden, mit flüchtigen Reitern, andern voraus, bis auf Baseler Gebiet geführt hatte, wurde verwundet gefangen. Gleiches Schicksal hatten die meisten Obristen, so Neuneck, Henderson und Gold, die beiden letzteren ‚übel beschädigt‘, Graf Wratislaw von Fürstenberg und auch Werths Bruder, der Obristwachtmeister Anton von Werth. Entkommen war lediglich der Obristleutnant de Four [Johann Des Fours; BW] vom kaiserlichen Reiterregiment Lamboy. Die weimarische Armee hatte nur geringe Verluste, bei der ersten Salve war der Obrist Bodendorff gefallen. Nach dem ‚Journal‘ Herzog Bernhards wurden vom Feinde 281 Tote begraben, 18 Standarten und 18 Fahnen erobert. Die gefangenen Söldner – in der Mehrzahl vom Fußvolk – nahmen freiwillig oder gezwungen Dienst in der Armee des Siegers“.[53] „Während der Duca Savelli in Laufenburg auf dem Rathaus interniert blieb und Generalwachtmeister Sperreuter[54] auf den Hohentwiel abgeführt wurde, dessen Kommandant, der Obrist Konrad Wiederhold,[55] durch Bernhard erkauft worden war, wurden am 12. März 1638 Jan von Werth, Adrian von Enckevort und die Obristen von Neuneck und Wolff zu besserer Verwahrung in die Festung Benfeld ins Elsaß geschickt, wo ein schwedischer Kommandant, der Obrist Arndt von Quernheim, den Befehl führte. Es sei einer ergötzlichen Erpisode gedacht: ‚Alß die Gefangenen Basel vorbey zogen, liefen die Bürger starck herauß, umb sie zue sehen; dessen der Generalwachtmeister Enckeforth sehr erzürnet war und ihnen den Arsch zeigete‘, berichtet das ‚Journal‘ der weimarschen Armee“.[56]

Bernhard von Weimar hatte Werth gestattet, Neuneck unter Abgabe seines Ehrenwortes zu seiner Verteidigung und wegen der Auslösung auf fünf Wochen nach München zu schicken,[57] während Werths und Enckevorts Verbringung nach Paris auf französischer Seite bereits beschlossen war. Vergeblich hatte Maximilian dem Weimarer angeboten, Horn gegen Werth und Enckevort in einer neutralen Stadt auf Reichsboden auszutauschen.[58] Am 28.6.1638 unternahm eine Kompanie seiner Reiter einen Streifzug gegen Hohentwiel und streifende kaiserliche Reiter. Vom Hohentwiel aus zogen sie nach Hödingen[59] und dann nach Ravensburg.[60]

Im März 1639 kommandierte Neuneck 322 Arkebusiere.[61]

„Der Hohentwieler[62] Capitain Marschalk von Ebenthal berichtete am 9. Dezember 1639 von einem Streit zwischen Sperreuter und dem mitgefangenen Statthalter Eltz: ‚Die Ursache käme 1. von dem Adel, 2. darnach wegen des Truckmüller’. Eltz hätte die Kaiserlichen verachtet und gesagt, dass die Truckmüllerschen nichts taugen, ‚ließen ihnen vielmehr ein Schimpf über den Andern beweißen’, Neuneck wäre besser. Darauf Sperreuter: Neuneck hätte niemals große Taten vollbracht, Truckmüller wäre aber allezeit ein Kavalier, man solle Kurbayern fragen, ob man mehr, ob man mehr von Truckmüller oder Neuneck hielte. Darauf wiederum Eltz, [Augustin Oswald v.; BW] Lichtenstein hätte auch zu Sperreuter gesagt, Truckmüller wäre so gut wie Neuneck und Eltz zum Lichtenstein: ‚Er ist nicht so gut wie Neuneck, er wäre kein Edelmann, nämblich Truckm:’ Daraufhin schlug Sperreuter sofort auf Eltz ein. Es gab eine ziemliche Rangelei, bei der Eltz ein blaues Auge und Sperreuter einen Schmiss über die Nase erhielt. Das geschah mitten in der Nacht. Als man am nächsten Tag die Kontrahenten miteinander versöhnen wollte, haben sie sich aber sofort wieder geschlagen. Marschalk meinte dazu wohl nicht zu Unrecht, ‚es sindt kindliche hendell, Schneiden einand gewaltig uff’“.[63]

Neuneck wurde ausgetauscht und stand im Herbst bereits wieder im Kampf gegen die Truppen Bernhards von Weimar, wie der Kriegsteilnehmer und spätere Kommandant von Weiden,[64] Augustin von Fritsch,[65] berichtet: … „sein wür gangen Preisach[66] zu entsezen, da wür aber befundten, daß der Feindt so starckh verschanzt, sein wür zwar etliche Tage vor Irem Läger still gelegen, nach solchen aber sein wür unuersehens vfgebrochen, vnnd oberhalb Preysach neben einen Busch, alwo der Feindt 2. schanzen[67] darinnen gehabt, welche zwischen dem schönen fliessenden wässerl so disseits des Rheins vf Preysach laufft vnd zwischen eines khleines Armbs von Rein gelegen, in Petali[68] gestelt, darauf von den Kayl. daß Conhagische Regiment: von vnß aber 1000. Mann vnderm Commando des Obristen Marschalckhs [Philipp Ernst Marschalk; BW], darbey ich auch gewesen, Commandirt worden, vnd haben die zwo schanzen die erste mit Sturm: alwo lautter Franzosen vnnd alle gefrorn oder vesst gewesen, welche wür alle Todt geschlagen, auß der andern aber sein sie alsobalden entloffen, nach diesem haben wür die beyde Schanzen besezt, da ich dann in die erste, in die andere aber Obristl. Göz [Jobst Friedrich v. Götz; BW] Commandirt worden, der Obristmarschalckh ist mit den ybrigen Völckhern fort vnnd vf die Schifbrückhen, welche der Feindt yber einen Armb von Rhein gehabt, vnnd wann er nur 2 Schiff von den Ankhern abgeschnitten hette, so were der Feind von einander separirt worden, weiln aber solches ybersehen gewesen, ist herzog Bernhardt mit villen Gaualirn spornstreich auß der grossen Insel yber die Brückhen deß Armbs vom Rein, welche in 5. Schiffen bestandten, geritten khommen, die Völckher Commendirt, vnnd ist von seinen Pferdt abgestigen, vnsere Leuth zurück getriben, doch weitter nicht alß biß zu meiner Schanz, vnder disen ist herr Obrist von Neimöckh mit 1000. Reuttern Commendirt worden, bey meiner Schanz durch den Arm deß Rheins zugehen, sobalden er nun in das wasser khommen, ist er mit einen khleinen Stückl vnder dem Linckhen Arm vf sein Rüsstung geschossen worden, daß er dauß den Sattl ins wasser gefallen, da Ihn aber sein Leuth alsobalden wider herauß gezogen, vnnd fortgebracht, hirauf seint auch die Reuter wider zurückh gangen, alß nun der General gesehen, daß vnser Vorhaben nicht recht will angehen, hat er vnnß als die Commendirten völckher wider zurückh vnd zur Armee hollen lassen“.[69]

Im „Theatrum Europaeum“[70] heißt es: „Als Obr. Rheinhold von Rosen seinen Anschlag an den Bentzenauischen [Pienzenau; BW] in Homburg[71] verrichtet / und oberwehntes Volck zusammengezogen / auch Friedberg[72] versehen hatte / marchirte er zurück nach Ziegenhain[73] / und legte sich in das nechste Städtlein Treysen.[74] Die Käiserische gedachten den Homburgischen Schaden wieder zu holen / darum die zween General-Wachtmeister / als Gilles de Hasi, und Herr Mercy / mit dem Obristen von Neuneck / und vier Croaten Obristen / auff ihn giengen / unter denen 1000. Curassier / und noch darzu 200. Tragoner waren. Sie wurden aber so hart empfangen / daß 2. Obriste Wachtmeister darüber und andere Officirer todt blieben / ein Rittmeister und viel Reuter gefangen wurden / deren Wort Leopoldus, und das Feldgeschrey / kein Quartier / gewesen. Der von Rosen hat darüber dieses Städtlein verlassen / und sich nach der Vestung Ziegenhain begeben / darüber die Käiserischen das Städtlein eingenommen / und selbiges sammt umliegenden Dorffern angesteckt / für dißmal aber nichts mehr verrichtet haben“.[75]

Im November kommandierte Neuneck 8 Kompanien mit 441 Arkebusieren.[76]

1640/41 waren Teile des Regiments im Herzogtum Neuburg einquartiert. „Zu gleicher Zeit [Winterquartier 1640/41] lagen in Lauingen[77] demontierte[78] Reiter und die Bagage vom Werth‘-, Spork‘- und Neuneck’schen Regiment, im ganzen bei 4000 Mann und 2000 Pferde. Da die Stadt unmöglich eine solche Last auf die Dauer hätte ertragen können, so wandte sich Herzog Wolfgang Wilhelm[79] wieder um Abhilfe an seinen Schwager, Kurfürst Maximilian (9. März 1641). Letzterer antwortete am 18. März, er wisse wohl, was die Pfalz (Neuburg) von Freunden und Feinden ausgestanden habe, nachdem aber der Feind sich gleichsam vor der Türe befinde und man demselben zu resistieren, auch die Pfalz und andere getreue Untertanen zu zu schützen, auf alle Mittel bedacht sein müsse, so sei von zwei Übeln das kleinere zu wählen und man müsse lieber ein Übriges tun, als den Feind ganz Meister werden lassen. Seine eigenen Lande seien ebenso hart betroffen. Die Untertanen mögen zur Geduld ermahnt werden, den Truppen aber werde man gute Ordnung und Disciplin und Vermeidung aller exorbitantien einschärfen und die Delinquenten ernstlich bestrafen lassen. –

Ebensowenig Erfolg hatte eine nach München geschickte Botschaft. Dieselbe wurde beim Kurfürsten wegen wichtiger Geschäfte gar nicht vorgelassen, im Kriegsrate aber mit leeren Worten hingehalten. – Am 22. März sieht man sich in Neuburg[80] zu neuen Klagen veranlasst. Die an der Donau auf- und abmarschierenden Regimenter haben das Herzogtum »in desolation« gebracht. Die Untertanen zu beiden Seiten der Donau seien ausgesogen und ihr Eigentum verschleppt oder verwüstet, so dass die Leute im Elend herumlaufen oder daheim samt den Ihrigen vor Hunger und Kummer verschmachten müssten. Es sei ein Verfahren, wie es noch niemals gegen einen Reichsfürsten, nie oder selten gegen einen Feind praktiziert worden sei, während die Dillingischen,[81] Fuggerischen und andere Untertanen verschont würden, und »hausen, handeln und wandeln« könnten. Der General-Commissarius Schäffer habe die Äusserung getan, es könne ihm seinen Kopf kosten, wenn die Bischöflichen »mit einigem Mann« über die gewöhnlichen Winterquartiere[82] belegt würden. – Auch diese offenbar etwas übertriebene Vorstellung fand kein Gehör. So musste die Regierung ihre Landstände anweisen, zur Vermeidung der Execution die Quartierlast geduldig zu ertragen. […] Für die Wörth’sche und Neuneckh’sche Bagage, die zum Glück bald wieder entfernt worden war, waren 2457 fl. 17 kr. aufgegangen. Diese Summen mussten von der Bürgerschaft in 15 Extraanlagen aufgebracht werden. Schliesslich wurde zwar auf Verwendung des Herzogs der fünfte Monat von der Contribution nachgelassen, aber, allein Lauingen hatte schon bezahlt und an eine Rückerstattung war nicht zu denken“.[83]

Der Benediktinerabt von St. Georgen im Schwarzwald,[84] Georg Gaisser [1595-1655],[85] berichtet in seinem Tagebuch unter dem Juni 1641: „6.[6.1641; BW] Es zieht eine Reiterschwadron vom Regiment Neuneckh vorbei und zieht nach Vornahme der Fütterung auf den Wiesen um 4 Uhr nachmittags durch das Brigachtel (weiter)“.[86] „15.[6.1641; BW] betritt der Rittmeister Kreuz vom Regiment Neuneckh die Stadt, unter Zurücklassung der Reiterschwadron in den Dörfern der Kommende. 16. Es bleiben die Neuneckhischen Reiter in den benachbarten Dörfern der Kommende. 17. Abzug der Neuneckhischen Soldaten aus der Nachbarschaft“.[87] „7.[7.1641; BW] Oberst von Neuneckh zieht mit etwa 700 Soldaten vorbei. 8. Die Schweden-Franzosen machen einen Ausfall bis zur Stadt Vöhrenbach,[88] wobei sie unserm Vieh auflauern wollen. Aber auf die Kunde von dem Marsche des Neuneckh marschieren sie wieder zurück. Der Oberstleutnant verlangte von mir für Neuneckh einige Malter Weizen (Spelz[89]). Ich schlug es ab, weil ich andern zur Kontribution zugewiesen bin und weil die Untertanen in die äußerste Armut gestoßen sind“.[90] „13.[8.1641; BW] Ein Brief teilt mit, daß den Ingolfingern[91] von den Neuneckern 16 Pferde geraubt worden seien und daß die Villinger[92] zum Ankaufe von Pferden an der Pforte meinen Untertanen einen Beitrag auferlegten unter dem Vorwande der Rettung des Getreidebestandes. 14. […] Es übernachteten im Sauerbrunnen 2 Reiter vom Neuneck’schen Regimente, die nach dem Frühstück abrücken, nachdem sie dem Sohn Christoph. des Bades das Gelöbnis (sponsio) gegeben hatten, ‚dass sie rosz und vieh stehlen wöllen’ “.[93] Am 28.12.1641 wurde Gaisser das Winterlager des Regiments Neuneck angekündigt.[94]

1642 standen 8 Kompanien Arkebusiere[95] mit insgesamt 546 Mann unter seinem Kommando.[96] Der Salemer[97] Zisterziensermönch Sebastian Bürster [? – 1649][98] hält die Folgen des Abzugs der kaiserlich-bayerischen Truppen vom Hohentwiel im Januar 1642 fest: „Den 10. Januarii, weiln die kälte so grüm und also stark, auch die Bayerische nit wollten fechten noch halten, haben die Kayßerlichen sowohl auch diß ort verlaßen und alleß abgezogen, daß dan unß nun ain schlechts frölichs newes jahr angekündt und die Wielerische wider sich in allweg wider zue prophiantieren freyen paß bekomen haben. Und wie hernach bericht worden, so sie nur noch 8 tag weren verblüben. Hetten sie mießen uffgeben.

Jezo gübß ain selzambß hin und wider züchenß zue fuoß sowol alß zue pferd, wais niemand, waß darauß werden würd. General Spaar[99] nimbt sein quatier zue Saulgen,[100] obriste Neinögg zue Mößkirch[101] und Pfulendorff,[102] Benzenow [Pienzenau; BW] zue Marckdorff;[103] und so sie nur noch 8 tag hetten gehalten, hetten sie die vöste daroben mießen uffgeben, haben große mangel schon gehabt an salz, schmalz, brodt, mehl und holz, haben schon anfangen, die früchten mit stainen verkniffen,[104] weil dass fewrwerfen, wie oben angedeut, an der windmihle ihnen großen schaden zuogefüegt. Nach dem abzug seyen mier gleich in continenti,[105] uff Weil zue erschinen, citiert, mit parer aller uffgeloffner und alten rest der contribution, zehenden, ermbt[106] und herbsts[107] innerhalb 2 tagen oder verfolgung mit brand, fewr und schwert zue gewarten. Deßgleichen unß eben so stark träwten die unserige, so mier werden compariren[108] und dass wenigste werden geben, also dass mier weren zwischen thür und angel und bey beeder seiz in gröster gefahr, alß mier noch niemahlen geweßen“.[109] Unter dem 20.1.1642 schreibt Gaisser: „Bei der Rückkehr [v. St. Georgen; BW] treffe ich den Boten von Ingoltingen[110] und Amtenhausen.[111] Dieser berichtet, daß eine Reiterabteilung vom Regiment Neuneckh im Dorfe Ingoltingen sich niedergelassen habe und bittet um Hilfe“. Er erwähnt auch, dass der Schriftverkehr mit Neuneck mehr höflich als brüderlich gewesen sei.[112] Unter dem 16.3.1642 heißt es bei Gaisser: „Besuch von Dr. Vischbach, der den Inhalt eines Briefes des Obersten von Neuneckh an Monetta mitteilt, worin er diesen (ihn) warnt vor künftiger Belästigung der an ihn Kontribuierenden, ohne Erwähnung der Rückgabe [des geraubten Viehs; BW]. So wird um die Haut der unglücklichen Untertanen gespielt“.[113]

Zum März 1642 hält der Überlinger[114] Advokat Dr. Johann Heinrich von Pflummern [1595 – 1655][115] in seinem Tagebuch fest: „Die Honhentwieler, nachdeme sie wider luft bekommen, haben ettliche musquetierer zu fůß (schnaphaanen[116] genant) auf die beütt, vnd sonderlich auf die veberlingische straß ausgeschickht, welliche einsmal 11 pfullendorfische pferdt, so dem obrist von Neuneck wein vnd anders zu Veberlingen abholen sollen, zwischen der statt vnd Owingen,[117] sambt den fůhrknechten, so darbei geweßt: widerumb nach 2 tagen ettlich iunge baurenknecht, so nach fůtter in ihre dörffer gehen wollen, vnd zu gleicher zeitt auch zwen mann von Sernatingen hinweg: vnd auf Twiel geführt, welliche daselbst an der fortification vnd rebbaw schaffen müeßen“.[118]

[1] Neuneck [Gem. Glatten, LK Freudenstadt]; HHSD VI, S. 570. Die Herkunft des Geschlechts ist unbekannt.
[2] Glatt, heute Stadtteil von Sulz am Neckar [LK Rottweil]. Vgl. WETZEL, Glatt und das Adelsgeschlecht v. Neuneck.
[3] Vgl. KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.
[4] Bad Mingolsheim [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 43f. 27.4.1622: Ernst von Mansfeld schlägt die Vorhut der ligistischen Armee Tillys in der Nähe von Mingolsheim.
[5] Obrist: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S.388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide.  II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.
[6] Kompanie: Eine Kompanie zu Fuß (kaiserlich, bayerisch und schwedisch) umfasste von der Soll-Stärke her 100 Mann, ihre Ist-Stärke lag jedoch bei etwa 70 Mann, eine Kompanie zu Pferd bei den Bayerischen 200 Mann, den Kaiserlichen 60 Mann, den Schwedischen 80 Mann. Geführt wurde die Fußkompanie von einem Hauptmann, die berittene Kompanie von einem Rittmeister. Vgl. TROUPITZ, Kriegs-Kunst. Vgl. auch „Kornett“, „Fähnlein“, „Leibkompanie“.
[7] KAPSER, Kriegsorganisation, S. 222.
[8] Ehrenbreitstein [Stadt Koblenz]; HHSD V, S. 86f.
[9] LAHRKAMP, Werth, S. 67.
[10] Vgl. ALBRECHT, Maximilian I.
[11] LAHRKAMP, Werth, S. 68, Anm. 6.
[12] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[13] Diez [Unterlahnkr.], HHSD V, S. 75f.
[14] Nassau; HHSD V, S. 248f.
[15] HECK, Naurath, S. 117f. Vgl. auch KELLER, Drangsale, S. 303f.
[16] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben.
[17] LAHRKAMP, Werth, S. 77, Anm. 47.
[18] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.
[19] Montabaur [Unterwesterwaldkr.]; HHSD V, S. 239f.
[20] Limburg; HHSD IV, S. 292ff.
[21] Camberg [Kr. Limburg]; HHSD IV, S. 75f.
[22] Bad Langenschwalbach [Rheingau-Taunus-Kreis].
[23] Schultheiß: 1. Vom Landesherrn eingesetzte Ortsobrigkeit mit vorwiegend richterlicher Gewalt, seit dem 9. Jahrhundert auch als militärischer Titel und Dienstgrad. Der Schultheiß war Vorsitzender des Gerichts und als solcher öffentlicher Ankläger, insbes. bei Friedensbruch und Verletzungen des Eigentumsrechts. Die Kandidaten für das Amt des Schultheißen mussten einen unbescholtenen Lebenswandel und Grundbesitz nachweisen. Widrigenfalls konnten sie von den Gerichtsschöffen abgelehnt werden. 2. militärischer Dienstgrad: Vorsitzender des sogenannten Schultheißengerichts.
[24] KELLER, Drangsale, S. 290f.
[25] Bagage: Gepäck; Tross. „Bagage“ war die Bezeichnung für den Gepäcktrain des Heeres, mit dem die Soldaten wie Offiziere neben dem Hausrat auch ihre gesamte Beute abtransportierten, so dass die Bagage während oder nach der Schlacht gern vom Feind oder von der eigenen Mannschaft geplündert wurde. Auch war man deshalb darauf aus, dass in den Bedingungen bei der freiwilligen Übergabe einer Stadt oder Festung die gesamte Bagage ungehindert abziehen durfte. Manchmal wurde „Bagage“ jedoch auch abwertend für den Tross überhaupt verwendet, die Begleitmannschaft des Heeres oder Heeresteils, die allerdings keinen Anspruch auf Verpflegungsrationen hatte; etwa 1, 5 mal (im Anfang des Krieges) bis 3-4mal (am Ende des Krieges) so stark wie die kämpfende Truppe: Soldatenfrauen, Kinder, Prostituierte 1.-4. Klasse („Mätresse“, „Concubine“, „Metze“, „Hure“), Trossjungen, Gefangene, zum Dienst bei der Artillerie verurteilte Straftäter, Feldprediger, Zigeuner als Kundschafter und Heilkundige, Feldchirurg, Feldscherer, Handwerker, Sudelköche, Krämer, Marketender, -innen, Juden als Marketender, Soldatenwitwen, invalide Soldaten, mitlaufende Zivilisten aus den Hungergebieten, ehemalige Studenten, Bauern und Bauernknechte, die während der schlechten Jahreszeit zum Heer gingen, im Frühjahr aber wieder entliefen, Glücksspieler, vor der Strafverfolgung durch Behörden Davongelaufene, Kriegswaisen etc. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“; LANGER, Hortus, S. 96ff.
[26] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.
[27] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste – ein gerade daher unter Adligen bevorzugtes Regiment –  und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen“ [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott“ [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => „Miniaturen“. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.
[28] Rittmeister (Capitaine de Cavallerie): Oberbefehlshaber eines Kornetts (später Esquadron) der Kavallerie. Sein Rang entspricht dem eines Hauptmannes der Infanterie (vgl. Hauptmann). Wie dieser war er verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Leutnant, übernommen. Bei den kaiserlichen Truppen standen unter ihm Leutnant, Kornett, Wachtmeister, 2 oder 3 Korporale, 1 Fourier oder Quartiermeister, 1 Musterschreiber, 1 Feldscherer, 2 Trompeter, 1 Schmied, 1 Plattner. Bei den schwedischen Truppen fehlten dagegen Sattler und Plattner, bei den Nationalschweden gab es statt Sattler und Plattner 1 Feldkaplan und 1 Profos, was zeigt, dass man sich um das Seelenheil als auch die Marsch- und Lagerdisziplin zu kümmern gedachte. Zudem wurde der Rittmeister, der in einer Kompanie Kürassiere 150 fl. Monatssold beanspruchte,  bei seiner Bestallung in der Regel durch den Obristen mit Werbe- und Laufgeld zur Errichtung neuer Kompanien ausgestattet. Junge Adlige traten oft als Rittmeister in die Armee ein.
[29] Rheinau [Ortenaukreis].
[30] Friesenheim [Ortenaukreis].
[31] LAHRKAMP, Werth, S. 84f.
[32] Rheinfelden (Baden) [LK Lörrach]; HHSD VI, S. 659. 21.2./3.3.1638: Doppelschlacht bei Rheinfelden: Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar schlägt die Kaiserlichen unter Savelli und Johann von Werth. Sperreuter, Werth und Savelli geraten in Gefangenschaft.
[33] LAHRKAMP, Werth, S. 97.
[34] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.
[35] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.
[36] Tübingen [LK Tübingen]; HHSD VI, S. 801ff.
[37] General(feld)wachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, auch den „General(feld)wachtmeister“, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor“ bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig. Der Generalfeldwachtmeister entsprach rangmäßig dem Generalmajor. Der Generalmajor nahm die Aufgaben eines Generalwachtmeisters in der kaiserlichen oder bayerischen Armee war. Er stand rangmäßig bei den Schweden zwischen dem Obristen und dem General der Kavallerie, bei den Kaiserlichen zwischen dem Obristen und dem Feldmarschallleutnant. Die Bezeichnung ergab sich aus seiner ursprünglichen Aufgabe, der Inspektion der Feldwachen und dem Überwachen der Aufstellung der Brigaden und Regimenter im Felde und beim Marsch.
[38] Dragoner (frz. dragon): leichter Reiter, der auch zu Fuß focht, benannt nach den mit Drachenkopf (dragon) verzierten Reiterpistolen, nach KEITH, Pike and Shot Tactics, S. 24, aus dem Holländischen „dragen“ bzw. „tragen“. Der Dragoner war ein berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß), da das Pferd zu schlecht war, um mit der Kavallerie ins Gefecht reiten zu können. Berneck, Geschichte der Kriegskunst, S. 136. Auch äußerlich war der Dragoner nicht vom Infanteristen zu unterscheiden. Zudem verfügte in der schwedischen Armee 1631/32 etwa nur die Hälfte der Dragoner überhaupt über ein Pferd. Oft saßen daher zwei Dragoner auf einem Pferd. Falls überhaupt beritten, wurden die Dragoner als Vorhut eingesetzt, um die Vormarschwege zu räumen und zu sichern. Zum Teil wurden unberittene Dragoner-Einheiten im Kampf auch als Musketiere eingesetzt. „Arbeiter zu Pferd“ hat man sie genannt. Eine Designation vom 13.7.1643 über die Verwendung des Werbegeldes bzw. die Abrechnung für einen Dragoner stellt 44 Gulden 55 Kreuzer in Rechnung. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd.
[39] Kroaten: (kroatische Regimenter in kaiserlichen und kurbayerischen Diensten), des „Teufels neuer Adel“, wie sie Gustav II. Adolf genannt hatte (GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom, S. 130). Mit der (älteren) Bezeichnung „Crabaten“ (Crawaten = Halstücher) wurden die kroatischen Soldaten, die auf ihren Fahnen einen Wolf mit aufgesperrtem Rachen führten führten [vgl. REDLICH, De Praeda Militari, S. 21], mit Grausamkeiten in Verbindung gebracht, die von „Freireutern“ verübt wurden. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke und Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore und Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung und Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete und berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen und plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen und Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Zudem war „Kroaten“ ein zeitgenössischer Sammelbegriff für alle aus dem Osten oder Südosten stammenden Soldaten. Ihre Bewaffnung bestand aus Arkebuse, Säbel (angeblich „vergiftet“; PUSCH, Episcopali, S. 137; MITTAG, Chronik, S. 359, wahrscheinlich jedoch Sepsis durch den Hieb) und Dolch sowie meist 2 Reiterpistolen. Jeder fünfte dieser „kahlen Schelme Ungarns“ war zudem mit einer Lanze bewaffnet. SCHUCKELT, Kroatische Reiter; GULDESCU, Croatian-Slavonian Kingdom. Meist griffen sie Städte nur mit Überzahl an. Die Hamburger „Post Zeitung“ berichtete im März 1633: „Die Stadt Hoff haben an vergangenen Donnerstag in 1400. Crabaten in Grundt außgeplündert / vnnd in 18000 Thaller werth schaden gethan / haben noch sollen 1500. fl. geben / dass sie der Kirchen verschonet / deßwegen etliche da gelassen / die andern seind mit dem Raub darvon gemacht“. MINTZEL, Stadt Hof, S. 101. Zur Grausamkeit dieser Kroatenregimenter vgl. den Überfall der Kroaten Isolanis am 21.8.1634 auf Höchstädt (bei Dillingen) THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 331f.; bzw. den Überfall auf Reinheim (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) durch die Kroaten des bayerischen Generalfeldzeugmeisters Jost Maximilian von Gronsfelds im Mai 1635: HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 148ff.; den Überfall auf Reichensachsen 1635: GROMES, Sontra, S. 39: „1634 Christag ist von uns (Reichensächsern) hier gehalten, aber weil die Croaten in der Christnacht die Stadt Sontra überfallen und in Brand gestecket, sind wir wieder ausgewichen. Etliche haben sich gewagt hierzubleiben, bis auf Sonnabend vor Jubilate, da die Croaten mit tausend Pferden stark vor Eschwege gerückt, morgens von 7-11 Uhr mittags mit den unsrigen gefochten, bis die Croaten gewichen, in welchem Zurückweichen die Croaten alles in Brand gestecket. Um 10 Uhr hats in Reichensachsen angefangen zu brennen, den ganzen Tag bis an den Sonntags Morgen in vollem Brande gestanden und 130 Wohnhäuser samt Scheuern und Ställen eingeäschert. Von denen, die sich zu bleiben gewaget, sind etliche todtgestoßen, etlichen die Köpfe auf den Gaßen abgehauen, etliche mit Äxten totgeschlagen, etliche verbrannt, etliche in Kellern erstickt, etliche gefangen weggeführet, die elender gewesen als die auf der Stelle todt blieben, denn sie sind jämmerlich tractirt, bis man sie mit Geld ablösen konnte“. LEHMANN, Kriegschronik, S. 61, anlässlich des 2. Einfall Holks in Sachsen (1632): „In Elterlein haben die Crabaten unmanbare Töchter geschendet und auf den Pferden mit sich geführet, in und umb das gedreid, brod, auf die Bibel und bücher ihren mist auß dem hindern gesezt, In der Schletta [Schlettau] 21 bürger beschediget, weiber und Jungfern geschendet“. LANDAU, Beschreibung, S. 302f. (Eschwege 1637). Auf dem Höhepunkt des Krieges sollen über 20.000 Kroaten in kaiserlichen Diensten gestanden haben. In einem Kirchturmknopf in Ostheim v. d. Rhön von 1657 fand sich ein als bedeutsam erachteter Bericht für die Nachgeborenen über den Einfall kroatischer Truppen 1634; ZEITEL, Die kirchlichen Urkunden, S. 219-282, hier S. 233-239 [Frdl. Hinweis von Hans Medick, s. a. dessen Aufsatz: Der Dreißigjährige Krieg]. Vgl. BAUER, Glanz und Tragik; neuerdings KOSSERT, „daß der rothe Safft hernach gieng…“ http://home.arcor.de/sprengel-schoenhagen/2index/30jaehrigekrieg.htm: „Am grauenhaftesten hatte in dieser Zeit von allen Städten der Prignitz Perleberg zu leiden. Die Kaiserlichen waren von den Schweden aus Pommern und Mecklenburg gedrängt worden und befanden sich auf ungeordnetem Rückzug nach Sachsen und Böhmen. Es ist nicht möglich, alle Leiden der Stadt hier zu beschreiben.
Am ehesten kann man sich das Leid vorstellen, wenn man den Bericht des Chronisten Beckmann über den 15. November 1638 liest: ‚… Mit der Kirche aber hat es auch nicht lange gewähret, sondern ist an allen Ecken erstiegen, geöffnet und ganz und gar, nicht allein was der Bürger und Privatpersonen Güter gewesen, besonders aber auch aller Kirchenschmuck an Kelchen und was dazu gehöret, unter gotteslästerlichen Spottreden ausgeplündert und weggeraubet, auch ein Bürger an dem untersten Knauf der Kanzel aufgeknüpfet, die Gräber eröffnet, auch abermals ganz grausam und viel schlimmer, als je zuvor mit den Leuten umgegangen worden, indem sie der abscheulichen und selbst in den Kirchen frevelhafter und widernatürlicher Weise verübten Schändung des weiblichen Geschlechts, selbst 11- und 12-jähriger Kinder, nicht zu gedenken – was sie nur mächtig (haben) werden können, ohne Unterschied angegriffen, nackt ausgezogen, allerlei faules Wasser von Kot und Mist aus den Schweinetrögen, oder was sie am unreinsten und nächsten (haben) bekommen können, ganze Eimer voll zusammen gesammelt und den Leuten zum Maul, (zu) Nase und Ohren eingeschüttet und solch einen ‚Schwedischen Trunk oder Branntwein’ geheißen, welches auch dem damaligen Archidiakonus… widerfahren. Andern haben sie mit Daumschrauben und eisernen Stöcken die Finger und Hände wund gerieben, andern Mannspersonen die Bärte abgebrannt und noch dazu an Kopf und Armen wund geschlagen, einige alte Frauen und Mannsleute in Backöfen gesteckt und so getötet, eine andere Frau aus dem Pfarrhause in den Rauch gehängt, hernach wieder losgemacht und durch einen Brunnenschwengel in das Wasser bis über den Kopf versenket; andere an Stricken, andere bei ihren Haaren aufgehängt und so lange, bis sie schwarz gewesen, sich quälen lassen, hernach wieder losgemacht und andere Arten von Peinigung mit Schwedischen Tränken und sonsten ihnen angeleget. Und wenn sie gar nichts bekennen oder etwas (haben) nachweisen können, Füße und Hände zusammen oder die Hände auf den Rücken gebunden und also liegen lassen, wieder gesucht, und soviel sie immer tragen und fortbringen können, auf sie geladen und sie damit auf Cumlosen und andere Dörfer hinausgeführt, worüber dann viele ihr Leben (haben) zusetzen müssen, daß auch der Rittmeister der Salvegarde und andere bei ihm Seiende gesagt: Sie wären mit bei letzter Eroberung von Magdeburg gewesen, (es) wäre aber des Orts so tyrannisch und gottlos mit den Leuten, die doch ihre Feinde gewesen, nicht umgegangen worden, wie dieses Orts geschehen’ „. Vgl. auch die Beschreibung des Kroateneinfalls in Neustadt a. d. Aisch am 18.7.1632 => Kehraus [Kerauß, Kehrauß], Andreas Matthias in den „Miniaturen“.
[40] LAHRKAMP, Werth, S. 93.
[41] Villingen im Schwarzwald [Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kr.]; HHSD VI, S. 834ff.
[42] Bandelier: Schulterriemen mit bis zu 14 anhängenden Holzbüchschen (= Pulvermaße) mit der für einen Schuss notwendigen Pulverladung; ferner eine Pulverflasche mit feinem Zündpulver für die Pfanne, dem ledernen Kugelbeutel, einem Ölfläschchen, sowie einem Stück zusammengelegter Lunte.
[43] Karsau, heute Stadtteil von Rheinfelden.
[44] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.
[45] General(kriegs)kommissar: Der General(kriegs)kommissar war das oberste Aufsichts- und Kontrollorgan für das gesamte Kriegswesen, Bevollmächtigter des Kriegsherrn zur Eintreibung von Kriegssteuern (Kontributionen) und zur Kontrolle der Kriegskommissare. Als Quartierkommissarius legte er darüber hinaus die Einquartierungen der Soldaten fest. (Der Quartiermeister bzw. Fourier sorgte dann für deren praktische Umsetzung). Der Generalkommissar, der entweder erfahrener Heeresverwaltungsbeamter oder selbst Obrist war, war der Dienstvorgesetzte aller dieser Kommissare, der wiederum seinen Anteil bei seinen untergebenen Kommissaren einforderte. Zudem waren die oft korrupten Generalkriegskommissare verpflichtet, alle Vorkommnisse im Feld und in der Garnison an den obersten Kriegsherrn einzuberichten, weshalb sie nicht zu Unrecht als die „Augen und Ohren“ etwa Maximilians I. bei der Truppe bezeichnet wurden. Sie besuchten bzw. kontrollierten die vom Hauptquartier entfernt operierenden oder liegenden Regimenter. Bei der Truppe waren sie aufgrund ihrer umfangreichen Kontrollfunktionen im Allgemeinen verhasst. Zudem hatten sie die Weisung, die Kosten der Kriegs- und Truppenfinanzierung zu senken und Reduktionen durchzuführen, was zu ständigen, teilweise handfesten Konflikten mit den Obristen als Kriegsunternehmern führen mussten, da die Generalkriegskommissare auch für den Transport und die Auszahlung des Soldes zuständig waren. Bei besonders unruhigen Truppenteilen waren sie auch für die Ausgabe der Munition zuständig. Der Generalkriegskommissar hatte zudem die Aufgabe, in den besetzten Gebieten nach lohnender Beutekunst (Altäre, Gemälde, Bücher etc.) Ausschau zu halten und gemäß seinen Weisungen zu beschlagnahmen. Der Generalkriegskommissar trat als Militärsachverständiger bei Liga-, Kurfürsten- und Reichstagen auf und war bei Friedensverhandlungen (z. B. beim Abschluss des Lübecker Friedens 1629) und Gesandtschaften beteiligt. Zum Teil kam er durch seine vielfältigen Aufgaben, Einnahmen (Sold etwa 5000 fl., Anteil an Kontributionen ca. 1800 fl. pro Jahr ohne diverse andere Einnahmen) und Belohnungen zu einem beträchtlichen Vermögen. Da die Generalkriegskommissare den Schriftverkehr mit der Kriegskanzlei bzw. dem obersten Kriegsherrn führten, gaben sie oft anders lautende, kritische oder auch gefälschte Berichte weiter.
[46] Quartiermeister: Bei Einquartierungen in Dörfern und Städten besorgte der Quartiermeister, in Abstimmung mit den lokalen Obrigkeiten, von den Bewohnern Unterkunft und Verpflegung für die Kompanie. Zunächst wurde der Stab einlogiert, dann wurden die Quartiere für die Hauptleute bestimmt. Die Kompanie des Obristen hatte die weitere Wahl, dann die des Obristleutnants, darauf die des Obristwachtmeisters. Die restlichen Kompanien spielten die übrig gebliebenen Quartiere unter sich aus. Das führte bei engen Quartieren teils zur Überbelegung bei den einzelnen „Wirten“, teils zum Kampieren unter freiem Himmel auf dem Markt, was zu Unruhen führen konnte. Dem Quartiermeister, der je nach Truppengattung zwischen 40 und 60 fl. Monatssold erhielt, war die Kriegskasse anvertraut. Dazu kamen allerdings erhebliche Nebeneinkünfte der meist korrupten Quartiermeister, die dieser mit dem Obristquartiermeister teilte.
[47] Beute: Beute war im allgemeinen Verständnis das Recht des Soldaten auf Entschädigung für die ständige Lebensgefahr, in der er sich befand und das Hauptmotiv für den Eintritt in die Armee. BURSCHEL, Söldner, S. 206ff. Für den lutherischen Theologen Scherertz galten allerdings nur der Bestand der Christenheit, die Reinheit des Glaubens und der Erhalt der Gerechtigkeit aus hinreichender Grund; BITZEL, Sigmund Scherertz, S. 153.  Dabei war Beute ein sehr weit gefasster Begriff, von Beutekunst wie sakralen Gegenständen, Altarbildern, Bildern, Büchern (wie etwa in der Mainzer Universitätsbibliothek; FABIAN u. a., Handbuch Bd. 6, S. 172), bis hin zu den Wertgegenständen der Bürger. STEGMANN, Grafschaft Lippe, S. 63: Interessant ist auch die Auflistung der von staatischen Truppen bei einem Überfall erbeuteten Wertsachen des ligistischen Generalproviantmeisters Münch von Steinach, darunter augenscheinlich auch Beutegut: „Ein gantz gülden Khetten mit zweyen Strengen. Daran ist gewesen ein gantz güldens Agnus Dei. Aber ein kleins auch güldens Agnus Dei Gefeß. Wieder eins von Silber und vergolt. Ein schönes Malekhidt-Hertz mit Goldt eingefast. Ein Goldtstückh mit einem Crucifix. Aber ein Goldstückh mit einem Kreutz. Aber ein Hertz von Jaspis vom Goldt eingefast, so für den bösen Jammer gebraucht wirdt. Ein großer Petschafftring von Goldt. Ein von Silber und vergolts Palsambüchsel. Ein Paternoster an silbern Tradt gefast. Ein Pethbuch. Dan an Geldt, so Herr General-Proviantmeister bey sich gehabt, 7 Thlr. 18 Gr. Von der Handt ein gülden verfachen Denckhring. Aber ein Petschafftring von Goldt, daß Wappen in Jaspisstein geschnidten. Ein gestickt Paar Handtschuch. Ein Paar von silberfarb Daffent Hosenbänder mit lang seiden Spitzen“. In Askola, einer Gemeinde in Südfinnland, nördlich der Hafenstadt Porvoo, befindet sich noch heute in der Holzkirche eine reich verzierte barocke Kanzel, die von finnischen Söldnern als Kriegsbeute mitgebracht wurde. Die Beutezüge wurden zum Teil mit Wissen der Offiziere unternommen, denen dafür ein Teil der Beute überlassen werden musste. Besonders wertvolle Stücke nahmen die Kommandierenden (oder auch die Marketender) den oft verschuldeten Soldaten gegen einen Bruchteil des Wertes ab. Auch Offiziersfrauen handelten mit Beute oder trieben damit Tauschhandel. Vgl. die Schadensliste vom März 1634 bei BARNEKAMP, Sie hausen uebell, S. 58ff.; HERRMANN, Aus tiefer Not, S. 32ff.; REDLICH, De Praeda; ZIEGLER, Beute; KAISER, „ … aber ich muß erst Beute machen“. Der Superintendent Braun (1589-1651), zit. bei ROTH, Oberfranken, S. 303f.: „Die Ursache dieses Übels wird jeder leicht verstehen, wenn er die völlig aufgelöste Disziplin der Armee näher bedenkt. Die Fürsten selber und die Heerführer bringen ihr Militär ohne Geld zusammen; das muß von schnödem Raub sich selbst erhalten. Sie öffnen ihnen damit die Tür zu aller Nichtswürdigkeit und Grausamkeit, und müssen zu allen abscheulichen Freveln die Augen zudrücken. Pünktlich bezahlte Löhnung erhält den Soldaten, auch den sehr unguten, durch die Furcht vor dem Kriegsrecht bei seiner Pflicht und hindert ihn an Übergriffen. Enthält man ihm hingegen die Löhnung vor, so verwildert er und ist zu jeder Schandtat bereit. Dazu kommt die schon erwähnte Lässigkeit der Führer beim Anwerben der Soldaten. Denen liegt ja an der reinen Lehre und an der Gottesfurcht gar nichts; sondern die blinde Beutegier treibt sie zum Kriegsdienst; dadurch geht alles zu grunde. Wird eine Stadt oder eine Festung eingenommen, so schenkt der Sieger den Mannschaften der Besatzung, wenn sie auch noch so sehr dem päpstlichen Aberglauben ergeben sind, ihr Leben und reiht die Feinde in seine Truppen ein, nicht ohne gewaltigen Schaden der evangelischen Verbündeten. Denn um ihre Niederlage gründlich zu rächen, speien diese Scheusäler unter dem Deckmantel der militärischen Freiheit alles Gift ihrer Seele aus gegen die Bekenner des evangelischen Glaubens und wüten auf alle Weise in unsäglicher Grausamkeit, Raub und Wegelagerei, zünden die Dörfer an, plündern die Häuser, zwingen die Bewohner mit Schlägen, zu tun, was sie verlangen und stehen in keiner Weise auch hinter den grimmigsten Feinden zurück. Wie viel unserer Sache durch den Zuwachs dieser ehrlosen Räuber gedient ist, sieht jedermann leicht ein“.
Bei der Plünderung Magdeburgs hatten die Söldner 10 % des Nominalwertes auf Schmuck und Silbergeschirr erhalten; KOHL, Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung, S. 82. Profitiert hatten nur die Regimentskommandeure bzw. die Stabsmarketender. WÜRDIG; HEESE, Dessauer Chronik, S. 222: „Wie demoralisierend der Krieg auch auf die Landeskinder wirkte, ergibt sich aus einem fürstlichen Erlaß mit Datum Dessau, 6. März 1637, in dem es heißt: ‚Nachdem die Erfahrung ergeben hat, daß viele eigennützige Leute den Soldaten Pferde, Vieh, Kupfer und anderes Hausgerät für ein Spottgeld abkaufen, dadurch die Soldaten ohne Not ins Land ziehen und zur Verübung weiterer Plünderungen und Brandstiftungen auf den Dörfern, zum mindesten aber zur Schädigung der Felder Anlaß geben; sie auch oft zu ihrem eigenen Schaden die erkauften Sachen wieder hergeben müssen und dadurch das ganze Land dem Verderben ausgesetzt wird, befehlen wir (die Fürsten) hierdurch allen unseren Beamten und obrigkeitlichen Stellen, daß sie allen Einwohnern und Untertanen alles Ernstes auferlegen, Pferde, Vieh und sonstige Dinge von den Soldaten nicht zu kaufen“ ’. Gehandelt wurde mit allem, was nur einigermaßen verkäuflich war. Erbeutete Waffen wurden zu Spottpreisen an Städte und Privatleute verkauft; SEMLER, Tagebücher, S. 27f.
[48] Raillement: Anschluss, Sammeln, Wiedervereinigung.
[49] Laufenburg/Baden [LK Waldshut]; HHSD VI, 455f.
[50] Säckingen [LK Waldshut]; HHSD VI, 46ff.
[51] Schwörstadt [LK Lörrach].
[52] Hüningen, heute Stadtteil von Basel.
[53] LAHRKAMP, Werth, S. 95ff.
[54] Vgl. LEISTIKOw, Sperreuter.
[55] Conradt Widerholt [20.4.1598 Ziegenhain – 13.6.1667 Kirchheim unter Teck] von Jörg Wöllper siehe unter „Miniaturen“.
[56] LAHRKAMP, Werth, S. 98.
[57] LAHRKAMP, Werth, S. 104.
[58] LAHRKAMP, Werth, S. 106.
[59] Hödingen, heute Ortsteil von Überlingen [Bodenseekr.].
[60] SEMLER, Tagebücher, S. 354f. Ravensburg [LK Ravensburg]; HHSD VI, S. 644ff.
[61] KAPSER; Kriegsorganisation; S. 223.
[62] Hohentwiel [Singen, LK Konstanz]; HHSD VI, S. 352ff.
[63] KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 90f.
[64] Weiden; HHSD VII, S. 794ff.
[65] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 92f.
[66] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.
[67] Schanze: geschlossenes, auf dem Feld angelegtes Erdwerk, zur Belagerung und zur Verteidigung. Schanzgräber waren für die Anlage von Belagerungs- und Verteidigungswerken zuständige Arbeiter (Schanzbauern), die im Tross des Heeres mitzogen und dem Schanzmeister unterstanden. Sie waren weitgehend verachtete Menschen, die in der sozialen Hierarchie der Heere nur wenig über den Prostituierten standen und schlecht bezahlt wurden. Auch verurteilte Straftäter wurden zu Schanzarbeiten herangezogen. Diese „Condemnatio ad opera publica“, die Verurteilung zu Schanzarbeiten, war als Todesstrafe in absehbarer Zeit gedacht. Bürger und Geistliche der besetzten Städte sowie Klosteruntertanen, die zu diesen Arbeiten verpflichtet bzw. dafür ausgelost wurden, empfanden diese schwere Arbeit als ehrenrührig und entzogen sich ihr durch die Flucht. Um seine eigenen Truppen zu schonen, zwang Johann von Götz bei der Belagerung der Feste Marienberg (Würzburg) eine große Anzahl von Bauern der Umgebung, Schanzarbeiten zu verrichten, ‚vnd die Stücke, die Er mit Pferden nicht dahin bringen konnte, hinauffzuziehen: Worüber dan viele todt geblieben, vnd daher die Bauren aller orten sich häuffig absentiret vnd verlauffen‘ (CHEMNITZ, Königlich Schwedichen […] II, S. 581). Im schwedischen Heer wurden dazu bevorzugt die ohnehin sozial deklassierten Finnen eingesetzt (vgl. auch TOEPPEN, Hoppes Chronik, S. 77). Reichskanzler Oxenstierna hatte auch den Frankfurtern die Verpflichtung der Bettler zum Festungs- bzw. Schanzenbau empfohlen. Im 17. Jahrhundert wurden zunehmend auch Soldaten durch die Aufnahme der Schanzpflicht in die Artikelbriefe für Schanzarbeiten herangezogen; ein Versuch der Fürsten, ein bisher ungenutztes Reservoir an billigen Arbeitskräften zu erschließen, eine Reaktion auf die neuen militärischen Erfordernisse (Belagerungs- und Grabenkrieg, Ausbreitung der Festungen) und Ausdruck des fürstlichen Willens, die Soldaten körperlich, geistig und sittlich zu disziplinieren (vgl. BURSCHEL, Söldner, S. 138, 255).
[68] Petali: Schlachtordnung.
[69] FRITSCH, Tagbuch, S. 167.
[70] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.
[71] [Bad] Homburg v. d. Höhe [Obertaunuskr.]; HHSD IV, S. 23ff.
[72] Friedberg [Wetteraukr.], HHSD IV, S. 145ff.
[73] Ziegenhain; HHSD IV, S. 483ff.
[74] Treysa; HHSD IV, S. 434f.
[75] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 200.
[76] KAPSER, Kriegsorganisation, S. 224.
[77] Lauingen (Donau) [LK Dillingen/Donau]; HHSD VII, S. 396f.
[78] demontiert: ohne Ausrüstung.
[79] Vgl. KÜCH, Die Politik des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm.
[80] Neuburg a. d. Donau [LK Neuburg-Schrobenhausen]; HHSD VII, S. 497ff.
[81] Dillingen a. d. Donau; HHSD VII, S. 140f.
[82] Winterquartier: Zugewiesenes Quartier, das in der Regel vom November bis zur Eröffnung der Sommerkampagne im Mai/Juni beansprucht wurde und in dem andere, höhere Verpflegungssätze galten. Natürlich versuchten die Magistrate und Stände, diesen Zeitraum zu verkürzen, indem man schon ab Februar das „Sommertraktament“ einzuführen versuchte, was wiederum zu Aufruhr bzw. einer Erhöhung der Beschaffungskriminalität unter den Soldaten führen musste. Vgl. die Versuche des Magistrats von Berlin im Januar 1641; FADEN, Berlin, S. 226.
[83] RÜCKERT, Lauingen II, S. 27f.
[84] St. Georgen im Schwarzwald [LK Schwarzwald-Baar-Kreis].
[85] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 93f. Vgl. auch SCHULZ, Strafgericht.
[86] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 851 (2. Auflage 1984, heute noch erhältlich bei Stabsstelle Archiv von 79002 Villingen-Schwenningen).
[87] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 851.
[88] Vöhrenbach [Schwarzwald-Baar-Kreis].
[89] Spelze: Getreidehülse, die beim Dreschen abfallende Spreu.
[90] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 855.
[91] Ingoldingen [LK Biberach].
[92] Villingen im Schwarzwald [Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kr.]; HHSD VI, S. 834ff.
[93] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 861.
[94] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 879.
[95] Arkebusier: Leichter, mit einer Arkebuse bewaffneter Reiter, eigentlich berittener Infanterist (der zum Gefecht absaß). Die Arkebuse (später Karabiner genannt) war ein kurzes Gewehr, eine Waffe für bis zu über 100 g schwere Kugeln, die in freiem Anschlag verwendbar war; bei der Infanterie als Handrohr, Büchse oder Arkebuse, bei der Kavallerie als Karabiner oder Faustrohr (Pistole mit Radschloss). Sie erhielt ihren Namen vom hakenförmigen Hahn der Luntenklemme, der das Pulver in der Zündpfanne entzündete. Gerüstet war der Arkebusier mit einem Kürass aus schussfreiem Brust- und Rückenstück (dieses wurde mit 11 Rt. veranschlagt) oder auch nur dem Bruststück. Seitenwehr war ein kurzer Haudegen, in den Sattelhalftern führte er 1 – 2 Pistolen. Er wurde zumeist in kleineren Gefechten oder für Kommandounternehmen eingesetzt. In den Schlachten sollten sie die Flanken der eigenen angreifenden Kürassiere decken und in die von ihnen geschlagenen Lücken eindringen. Er erhielt als Verpflegung die Hälfte dessen, was dem Kürassier zustand, zudem auch weniger Sold. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 464 ff. Des öfteren wurden Arkebusierregimenter, wenn die Mittel vorhanden waren, in Kürassierregimenter umgewandelt.
[96] KAPSER, Kriegsorganisation, S. 227. Danach erscheint das Regiment nicht mehr in den bei KAPSER publizierten Listen.
[97] Salem [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 684f. Vgl. BECKER, Salem.
[98] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 59f.
[99] Ernst Georg Graf v. Sparr [Sparre, Spara] zu Trampe auf Greifenberg; Generalfeldzeugmeister [1596 – Juni/September 1666]
[100] Saalgau [LK Sigmaringen]; HHSD VI, S.  694f.
[101] Meßkirch [LK Sigmaringen]; HHSD VI, S. 523ff.
[102] Pfullendorf [LK Sigmaringen]; HHSD VI, S. 631.
[103] Markdorf [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 511f.
[104] verkneifen: zusammendrucken, zusammenpressen.
[105] in continenti: fortlaufend, sofort, unverzüglich.
[106] ermbt: unbekannter Begriff. Um Hinweise wird gebeten !
[107] Herbst: Weinlese, Ernte.
[108] comparieren: beschaffen, zusammenbringen.
[109] WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 140f.
[110] Ingoldingen [LK Biberach].
[111] Amtenhausen, Priorat des Klosters St. Georgen im Schwarzwald bei Immendingen.
[112] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 881f.
[113] STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 887f.
[114] Überlingen [Bodenseekr.]; HHSD VI, S. 807f.
[115] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 179f.
[116] Schnapphahn: I. Strauchdieb zu Pferd, Straßenräuber. Zunächst bezogen auf adlige oder zumindest berittene Wegelagerer, dann auch Scheltwort für einen Kriegführenden, => Merodebrüder sowie auf Wegelagerer, Räuber und Diebe im Allgemeinen bezogen. Teilweise erhielten sie bei ihrer Gefangennahme Pardon, wenn sie in die Armee eintraten. Teilweise wurden sie auch als Bauerntruppen von Amts wegen gegen feindliche Truppen eingesetzt. Vgl. RATHJEN, Soldaten im Dorf, S. 211ff. II. Als „Schnapphähne“ wurden auch die sogenannten „Harzschützen“ oder „Harzbauern“ bezeichnet: Ab 1625 formierte sich im Harzgebiet eine bewaffnete, überwiegend bäuerliche Widerstandsbewegung aus Einwohnern von Städten und Dörfern, desertierten Soldaten und flüchtigen Straftätern zusammen mit regulären Truppeneinheiten Christians von Braunschweig und Christians IV. von Dänemark gegen die das Gebiet mit Krieg und Plünderungen überziehenden Heere Tillys und Wallensteins. II. Spanisches Gewehrschloss.
[117] Owingen [Bodenseekreis].
[118] SEMLER, Tagebücher, S. 392.
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