Miniati [Miniatti, Migniatti], Antonio

Miniatti [Miniati, Migniatti], Antonio, Freiherr von Campoli; Obrist [ – 24.7.1644 in Wien hingerichtet] Miniati stand als Obrist, Kriegsrat, Muster- und Quartierkommissar für Mähren und Schlesien in kaiserlichen Diensten.

Am 7.7.1636 hatte sich Kardinal Dietrichstein an Miniati gewandt: Vom Kaiser habe er die Nachricht erhalten, dass das Kriegsvolk aus Schlesien über Böhmen, Eger[1] und den Bodensee nach Italien abgeführt werden solle. Er verlangte den Vollzug des kaiserlichen Befehls, jenen die Pässe über Mähren zu sperren.[2]

Ferdinand III. schrieb am 6.8.1637 an Gallas, das Hauptanliegen der kaiserlichen Armee werde ständig durch Mangel an Feldausrüstung und Proviant vereitelt. Daher habe er an das Oberamt in Schlesien sowie an Miniati in Mähren Befehle zur sofortigen Abfertigung von Getreide und Geld erlassen.[3]

Am 14.9.1640 teilte Ferdinand III. Colloredo mit, dass Militärkleidung nach Prag und zu Goltz unterwegs sei. Miniati sei befohlen worden, auch 100 Paar Pferde und die Knechte zu Goltz zu überstellen.[4] Ähnliche Beschaffungsaufträge für die kaiserliche Armee unter Erzherzog Leopold Wilhelm gingen 1641 auch an Miniati. Am 9.7.1641 schrieb Leopold Wilhelm aus seinem Hauptquartier Tottleben[5] an Rudolf von Colloredo, bei der Hauptarmee herrsche Mangel an Schanzzeug. Er solle es daher besorgen und der Armee auf dem Wasserweg zugehen lassen. Ferner möge er das Reitzeug für die Artilleriepferde, das unlängst aus Nördlingen[6] nach Pilsen[7] beförderte Pferdegeschirr und auch die Artilleriepferde und Knechte, die Miniati in Mähren erwerben und nach Prag befördern werde, zur Armee schaffen lassen.[8]

Olmütz[9] fiel im Juni 1642 in die Hände der schwedischen Armee unter Torstensson. Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg berichtet in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“: „Als nun nach einnemmung der Statt Neuß[10] die Schwedischen gewissen Nachricht bekommen / daß die Keyserischen von Breslaw[11] auffgebrochen / vnd einen vnnöthigen vmbschweiff biß an die Hungarische Gräntzen genommen / als sind sie in Mähren plötzlich ohne einigen Widerstand gefallen / in kurtzer zeit viel Schlösser vnd Häuser / Märcke vnd Flecken ihnen vnterwürffig gemacht / vnd in denselben grossen Raub vnd Beute bekommen / ist dardurch die gantze Markgraffschafft Mähren in einen vnglaublichen schrecken gerathen. Nach solchem Einfall / haben sie zu Wischaw[12] Ihrer Hochfürstlichen Durchleuchtigkeit Ertzherzog Leopold Wilhelms Bagage sampt 84. Pferden / 40. Wägen mit Gütern denen vornembsten vom Adel vnd Clerisey gehörig / angetroffen / dieselbe geplündert / den Graffen von Hoditz einen Herrn von Hermanstein / vnd andere Cavalliere gefangen genommen. Darauff sind sie mit gantzer Macht auff die Haupt- vnd Bischöfliche Statt Olmitz angangen / selbige Zeit wehrender Belägerung häfftig mit Schiessen geängstiget / vnd weil die Belägerten sich keines Entsatzes zu getrösten / so ist sie den Schweden durch gütlichen Vertrag überlieffert vnd eingeräumet worden.

Bey welcher Vbergabe / die Schwedischen in der Statt / wie auch zu Rackonitz[13] / dahin die Jesuiter  ihren Schatz geflüchtet / ein vnaussprechliches Gut / in etliche Tonnen Goldes überkommen / die Statt an Statt der Brandschatzung eine überaus grosse Summa Geldes erlegen müssen / vnd also in derselben vier tausend Centner Loth / achtzehen tausend Centner Pulver / eine grosse Qantität zündstricke / funffzig grobe vnd kleine Stück Geschütz / hundert vnd funffzig newe Rüstwägen / fünff tausend Pack Kleider vor die Soldaten / drey tausend newe Musqueten / drey tausend Pferde / vnd eine vnglaubliche Qualität an Korn vnd Wein zur Beut überkommen worden“.[14] Das „Theatrum Europaeum“ urteilte, dass Miniati Olmütz „nit genugsam defendiret“ habe.[15]

„Die Beute dort übertraf alle Erwartungen: Außer Wein, Getreide und einer Brandschatzsumme von 300 000 Talern fielen den Belagerern große Mengen von Pferden, Pistolen, Sätteln, Blei, Pulver und Lunten, 50 Kanonen verschiedenen Kalibers, 150 neue Wagen, 5000 neue Uniformen und 3000 geputzte Musketen in die Hände. Auch an die zehntausend Bücher und Handschriften wurden aus der Stadt geschleppt und auf Anweisung aus Stockholm in Kisten verpackt und nach Schweden geschickt. Das Gerücht besagte, die schnelle Kapitulation sei darauf zurückzuführen gewesen, daß die Frau des Kommandanten des italienischen Obersten Miniatti, sich in schwedischer Gefangenschaft befand. Ihm wurde auch freier Abzug gewährt, mit 535 Mann zu Fuß – nach dem Bericht eines unbekannten Berichterstatters, Wien, 1642 VI 21, sollen es dagegen 5000 Mann gewesen sein[16] – und drei Kanonen, aber erst nachdem er mit der schwedischen Generalität eine Abschiedsmahlzeit von Brot und Schweinefleisch eingenommen hatte. Miniati wurde später in Wien hingerichtet“.[17] So berichtet der Olmützer Stadtschreiber und Notar, Magister Flade: „Als nun Herr Obrist Miniati morgens gegen 6 abgezogen mit den neuen krakauischen [Krockow; BW] Völkern, sind um 12 Uhr den 15. Juni zu Mittag gekommen Herr General Major Wittenberg und Obrist Dörffling [Derflinger; BW], begehren im Namen Ihrer Excellenz, des Schwedischen Feldmarschalls Torstensson, daß die Stadt alsbald 150 000 Reichstaler Ranzion erlegen sollte. Solches als man nicht vermochte, hat man endlich nach Tag und nächtlicher Tractation und Bitten 30 000 und den Commissariis heimlich 4 000 Reichstaler zusagen und bis 4 000 Rest erlegen müssen. Herr Feldmarschall ist samt dem gegebenen Geld den 16. mit dem übrigen Volk nach Schlesien abgereist und hat 3 Regimenter, als das Hornische und Hammersteinische, beide zu Roß, und dann ein Regiment zu Fuß, so Obrist Königam kommandiert, auch zum Kommandanten in der Stadt bestellt worden, zur Garnison gelassen. Am Tage St. Johannis Baptistae ist Herr Obrist Königam abgefordert und statt seiner der Obrist Georg Paikul [Paykull; BW] angekommen“.[18]

Wegen der Beschuldigungen, die die Olmützer Bürgerschaft gegen ihn erhoben hatte, wurde er am 24.7.1644 in Wien wegen Hochverrat hingerichtet.[19]

[1] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[2] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 254.

[3] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 489.

[4] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1079.

[5] Tottleben [Unstrut-Hainich-Kreis].

[6] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[7] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[8] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1216.

[9] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[10] Neisse [Nysa]; HHSSchl, S.  331ff.

[11] Breslau [Wrocław]; HHSSchl, S. 38ff.

[12] Wischau [Vyškov]; HHSBöhm, S. 664f.

[13] Rakonitz [Rakovnik].

[14] WASSENBERG, Florus, S. 489.

[15] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 871.

[16] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1304.

[17] ENGLUND, Verwüstung, S. 276.

[18] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 392f.

[19] DUDÍK, Forschungen, S. 22.

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