Lüdinghausen, gen. Wolff, Wilhelm von

Lüdinghausen, gen. Wolff, Wilhelm von; Obristleutnant, Generalmajor [28.12.1596 Buschhof (Birži, Lettland) – 26.7.1647 Eger] Er wurde katholisch getauft und wurde 1610 in seinem 14. Lebensjahr zum (damals protestantisch – calvinistischen) pfälzischen Hof in Heidelberg[1] geschickt, wo er drei Jahre als „adeliger Knabe” verbrachte. Das vierte (von insgesamt 16) Kind von Georg V. und Anna Sophie geb. von Sellen. Der Geburtsort „Buschoffe in Curland” laut Leichenpredigt dürfte richtig „Buschhof” heißen. Davon gibt es aber allein in Kurland acht Ortschaften. Vielleicht handelt es sich um den Grotthuss-Besitz „Groß Buschhof”, da die Großmutter von Wilhelm eine Gerdruta v. Grotthuss gewesen war. Dort oder danach konvertierte er zur protestantischen Konfession.[2] Danach wurde er Kammerjunker bei dem Herzog von Bullion und begann um 1615 seine 32 Jahre dauernde militärische Karriere eines „Condottiere“. Zunächst ist er Fähnrich in der Leibkompanie des Freiherrn [Johann; BW] von Kettler in Mungo.[3] Dann wechselt er in die Dienste der Krone Dänemark und wurde Leutnant bei dem dänischen Generalquartiermeister Wennemar [Werner] Freiherr von Mérode. Danach war er im Dienste der Stadt Hamburg[4] als Kapitän (1626-31) in dem Regiment des Obristen Heinrich Ludwig Graf von Hatzfeldt und als Major (1633) in dem Regiment des Obristen Enno Wilhelm zu Innhausen und Knyphausen (Edelherr auf Lütesburg in Ostfriesland).[5] Von Hamburg ging er nach Sachsen und diente als Major im Regiment zu Fuß des Herzogs Franz Karl von Sachsen-Lauenburg als Obristleutnant. Er war Mitlgied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ als „der Enthebende“.

Lüdinghausen war 1633 Kommandant zu Osnabrück[6] sowie ab 1636 Kommandant in Minden.[7]

In dem Gerichtsprotokoll des Amtes Ravensberg[8] vom 11.11.1633 heißt es unterDominus quaestor ratione officii:[9] Weiln wegen offenbahrem delicti et in specie propter incestum zween soldaten Schwedischer armee der guarnison zu Oßnabrugk in apprehension genommen, die umstende erforschet, gerichtl(ich) verfaßet, auch naher hoff und dem commendant(en) zu Oßnabr(ugk) hern obristleutenambten Wilhelm von Lüdinghausen gnt. Wolff ubergeschicket, keinenwegen noch ichtz was darauff ferner ingekommen, in den cortegard geschlossen verwahret, am gestrigen Donnerstag bis Martinj abendt aber davon gekommen und die vestung und schloß bestiegen, also entlauffen.

Wan nun in einem boltzen sie beide geschloßen gewesen, und dan presumptio geschepfet wirt, eß müßen einige dieser besatzung soldatesca daruber wißenschafft tragen, derhalben nachbemelte uber folgende interrogatoria examiniret worden“.[10]

Von Sachsen wechselte er als Obrist zum Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg.

In dem 30jährigen Krieg war Wilhelm von Lüdinghausen seit 1631 in Westfalen und Stift Münster als Generalmajor im Dienst des schwedischen Feldmarschalls Dodo Freiherr von Innhausen und Knyphausen 5), Herrn auf Jennelt bei Emden, einem Bruder des oben erwähnten Enno. Wilhelm zeichnete sich bei der Einnahme der Stadt Minden 1634 aus und wurde für 9 Jahre schwedischer Kommandant dieser Stadt.

Ein Jahr nach der Einnahme der Stadt Minden (1634) heiratete Wilhelm v. Lüdinghausen gen. Wolff am 7.1.1636 im Alter von 39 Jahren ein 18 Jahre jüngeres Fräulein, weil die erst 21-jährige Eva Oriana [1613 – 1680], die einzige Tochter seines Vorgesetzten, des schwedischen Feldmarschalls Dodo von Innhausen und Knyphausen. Mit ihr hatte er in 11 Jahren Ehe insgesamt 9 Kinder (nach der Leichenpredigt, wovon v. Steinen 6 mit teilweise genauen Geburtsdaten nennt).

Im April 1636 intervenierte der schwedische Feldmarschall Alexander Leslie auf Anordnung des Reichskanzlers Oxenstierna[11] in Minden. Seit 1634 war Minden von Truppen Herzog Georgs von Braunschweig-Lüneburg besetzt. Georg war dem gegen Schweden gerichteten Prager Frieden[12] beigetreten. Leslie nahm Kontakt zum Stadtkommandanten Lüdinghausen, genannt Wolff, und seinem Stellvertreter Hieronymus von Plettenberg auf, der die Stadt den Schweden in die Hände spielte. Am 6.5.1636 bezogen zwei schwedische Regimenter unter Oberst Christoph von Steinecker vor dem Kuhtor ihr Lager. Während der Stadtkommandant nicht in der Stadt war, kam sein Stellvertreter Hieronymus von Plettenberg, so heißt es, persönlich vor das Tor, begrüßte den Obrist per Handschlag und gab den Befehl, die Schweden einzulassen. Die Wache leistete zwar Widerstand, wurde aber überwältigt. Mit klingendem Spiel zogen die schwedischen Soldaten ein; ohne weiteres Blutvergießen besetzte die Infanterie Wälle und Tore, die Kavallerie den Markt. Nun wurde die braunschweigische Garnison in schwedische Dienste gezwungen und auch die Stadt musste die neuen Verhältnisse anerkennen. Die Regierung unterstand fortan der schwedischen Königin Christina[13] bzw. dem schwedischen Oberkommandierenden Torstensson. Christina verlieh der Stadt 1645 kraft Kriegsrechtes weitgehende Selbstständigkeit.

Im August 1638 berichtete Lüdinghausen King vom Feldzug Banérs gegen Gallas in Pommern und bei Malchin.[14]

Im Januar 1639 bemühte er sich um die Neutralität von Haus Auburg;[15] im März verhandelte er mit Johann von Leittersam über einen Gefangenaustausch und meldete im November die Entlassung des von Gebsattel aus der Gefangenschaft.[16]

Im Jahr 1643 wurde er vom Generalfeldmarschall Lennart Torstensson [1603-1651] von der Stadt Minden abgerufen und zum Kommandanten der Festung Nienburg an der Weser[17] und zum schwedischen Vize-Gouverneur von Westfalen nominiert. Diese Stellung hatte er vier Jahre bis zum 2.5.1647 inne, um schließlich auf den Befehl des Generalfeldmarschall Wrangels nach Böhmen mit seinem Regiment zu marschieren. Dort angelangt, überfiel in eine „hitzige Krankheit”. Er nahm noch an der Eroberung der Stadt Eger[18] teil und kurz darauf verstarb 50-jährig am 26.7.1647, nachdem er der Krone Schweden ununterbrochen 16 Jahre lang auf dem deutschen Boden gedient hatte.

Wilhelms Witwe (oder sein Sohn) widmete ihm auch eine Erinnerungstafel in der Kirche in Groß Krebs[19] bei Marienwerder in Herzogtum Preußen mit folgendem Inhalt:

„D.O.M. Perillustris et Generosissmus Dominus Wilhelmus Perillustris et Immortalis Nominis Parentum Domini Wilhelmi Liberi Baronis Lüdinghausen Wolf Exercitus Suecae Praefecti Generalis Westphaliae Gubernatoris Supremi Nec Non Dominae Perill. Domini D.Dodonis In et de Knyphausen Liberi Baronis“………(im Jahre 1881, als der Text abgeschrieben wurde, war weiter nicht mehr leserlich).

[1] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[2] Sämtliche biographischen Informationen verdanke ich Herrn Andrzej Prus Niewiadomski, Berlin.

[3] Mungo: nicht identifiziert.

[4] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

[5] Vgl. SATTLER, Reichsfreiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen.

[6] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[7] Minden; HHSD III, S. 517ff.

[8] Ravensberg; HHSD III, S. 623f.

[9] Der Herr Fiskalanwalt von Amts wegen.

[10] SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, S. 66.

[11] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[12] Der in Folge der schwedischen Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen (5./6.9.1634) vereinbarte Prager Frieden zwischen Johann Georg von Sachsen und Kaiser Ferdinand II. wurde am 30.5.1635 unterzeichnet. Bei diesem Friedensschluss, dem fast alle protestantischen Reichsstände beitraten, verzichtete der Kaiser auf seinen Anspruch, den Augsburger Religionsfrieden von 1555 allein zu interpretieren und damit das Restitutionsedikt von 1629 durchzuführen (vgl. s. v. „Religionsedikt”); Ergebnis war eine begrenzte Festschreibung des konfessionellen Status quo. Weitere Ergebnisse waren: die Festschreibung der Translation der pfälzischen Kurwürde auf Bayern, der Ansprüche Sachsens auf die Lausitz und die Bildung eines Reichsheers (wobei Johann Georg von Sachsen und Maximilian I. von Bayern eigene Korps führen ließen, die als Teil der Reichsarmee galten), die bestehenden Bündnisse waren aufzulösen, fremde Mächte sollten den Reichsboden verlassen, etwaige Ansprüche auf den Ersatz der Kriegskosten seit 1630 wurden aufgehoben, eine allgemeine Amnestie sollte in Kraft treten. Zudem kann der Prager Frieden als einer der letzten kaiserlichen Versuche betrachtet werden, ein monarchisches System im Reich durchzusetzen. Maßgebliches Mittel dazu war die so genannte Prager Heeresreform, mit der der Kaiser den Versuch unternahm, nahezu alle reichsständischen Truppen unter seinen Oberbefehl zu stellen und zugleich den Ständen die Finanzierung dieses Reichsheeres aufzuerlegen. Diese Vorstellungen ließen sich ebenso wenig verwirklichen wie das Ziel, durch die Vertreibung der ausländischen Mächte Frankreich und Schweden zu einem Frieden im Heiligen Römischen Reich zu gelangen. HAPPE schätzte den Prager Frieden zu Recht als trügerisch ein; Happe I 396 v – 397r, mdsz.thulb.uni-jena.de; vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik, S. 87. Zur Forschungslage vgl. KAISER, Prager Frieden.

[13] Vgl. FINDEISEN, Christina von Schweden; HERMANNS, Christina Königin von Schweden.

[14] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218; Malchin; HHSD XII, S. 61f.

[15] Auburg, Gde. Wagenfeld-Bockel; Grafschaft Diepholz.

[16] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218.

[17] Nienburg/Weser; HHSD II, S. 346f.

[18] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[19] Rakowiec [Groß Krebs], heute Ortsteil von Kwidzyn [Polen].

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