Lippe [Lipp], [Raban] Wolf von der

Lippe [Lipp], [Raban] Wolf von der; Obrist [ – ] Lippe stand als Obristleutnant bzw. Obrist in kurbayerischen Diensten.

Der Chronist Jacob Klingsporn [1601 – 1665] aus Wernigerode[1] berichtet: „Den 11. Mai [1642; BW] sind etliche aus allen Compagnien commandirt worden, zusammen ungefähr 200 Reiter, welche, wie man sagte, gen Stolberg[2] ziehen sollen, Geld abzuholen, oder in Mangelung dessen zu exequiren und das Vieh wegzunehmen. Als sie gegen Abend fortziehen sollen, haben die Reiter nicht fort gewollt, um Geld geschrieen und den Offizierern nicht pariren wollen, sondern haben dieselben zum Rimkethor[3] hereingejagt und (mit) ihren Gewehren, als Feinde, verfolget, auch Feuer auf sie geben,[4] und sie getrieben bis in die alte Stadt, da sie das Neustädter Thor[5] hinter sich zugemacht, und sich also salvirt. Der Oberst Leutnant, Herr A. von der Lippe [Wolf von der Lippe; BW], welcher selben Nachmittag m. g. Herrrn[6] zu Gaste gehabt, und ziemlich berauscht war neben seinen Offiziren, ist zu ihnen hinaus geritten, mitten unter den Haufen und heftig darunter gehauen und geschlagen, daß zween alsbald todt blieben und eine[r] sehr verwundet worden, da sie auch dem Oberst Leutnant sehr lose und verdrießliche Worte gegeben, der vom Pferde gestiegen, Wammes[7] und Rock ausgezogen, und für den Truppen gestanden und gerufen: da einer wäre, der etwas zu ihm hätte, sollte er kommen und sich mit ihm raufen; er könne keine Gelder auszahlen, wenn er sie nicht bekäme. Hat sich aber keiner gefunden. Darauf hat er Befehl gethan: sie sollten fortreiten mit den Troppen, so von Quedlinburg[8] wären ankommen, und auch fürm Rimkethor[9] hielten. Do haben sie sich zwar gestellt, als wollten sie mit fortreiten, haben sich aber bald wieder gewandt, und kamen mit vollem Sporenstreich wieder in die Stadt[,] ein jeder nach seinem Quartir und lassen sich verlauten, sie wollten auch lustig seyn, wie der Oberst Leutnant gewesen wäre. Es ließ sich ansehen, als wollte es über und über gehen, und waren wir in großer Gefahr, denn wie die Reiter wider die Offizierer ferner etwas hätten tentiren[10] sollen, würde es hernach endllich auf eine Plünderung seyn ausgangen. Den folgenden Morgen sind die Stolberger mit Gelde ankommen und sind die Soldaten gestillet worden. Den Donnerstag (12. Mai) hätten sie sonst sollen aufbrechen, wie auch albereit geblasen war, welches wegen des entstandenen Tumults verblieben. Den Freitag Morgen (13. Mai) ist der Aufbruch geschehen. Von den Meutenirern sind den Mittwochen vier in die Drahtkammer[11] gesetzt und im Aufbruch gefangen mit weggeführet, wovon zween und zween an Händen zusammengeschlossen und mußten zu Fuß gehen. Des Volks ist bei 500 gewesen, haben aber sehr viel Pferde gehabt, und bagasie, also daß die Pferde auf 2000 geschätzet worden. Was in Gärten an Gras gewesen, ist alles ausgehütet, und abgefressen, des Korns aber haben sie schonen müssen, wie der Oberst Leutnant ernstlich befohlen, hat auch gute Disciplin gehalten. Den Geistlichen ist nichts für dieses Mal abgefordert worden. Wegen besorgenden Einbruchs habe ich alle Nacht fort und fort müssen Wacht halten, es haben sich auch etliche versucht, wie sie mir einbrechen mögten, aber es hat ihnen nicht wollen gelingen. Gott sey Dank für seinen gnädigen Schutz, der hat uns vergangene Nacht einen sehr schönen warmen Regen bescheret, und heute die Völker abgeführet, welches zwo herrliche große Wohlthaten sind, dafür wir ihn billig danken“.[12]

Im Juni 1642 zogen zwei Regimenter Lamboys unter Lippes Kommando durch die Obere Pfalz.[13]

Am 20.3.1644 schrieb Johann von Werth an Maximilian I., vier kaiserliche Regimenter (neben Christian von Nassau auch Philipp von Waldeck, Beeck und Mandelslohe) seien ins Fürstentum Jülich verlegt worden, wo man sie ohne Aufsicht ließe, so dass sie Schlösser und Dörfer ruinierten und selbst in Untergang geraten möchten. Hatzfeldt hätte Regimenter an junge Grafen vergeben, ‚die sozusagen noch Kinder seind und von dem Krieg noch keine die geringste Wissenschaft haben, weswegen Obristleutnant Lippe, ein braver und erfahrener Soldat, der Geleens Regiment löblich geführt habe, aus Verdruss seinen Dienst quittiert habe.[14]

Im Februar 1647 wurde sein Regiment von 331 Mann[15] von Geleen auf den Befehl Maximilians hin zusammen mit dem Ulrichs von Württemberg in die Obere Pfalz abkommandiert.[16]


[1] Wernigerode [LK Harz]; HHSD XI, S. 493ff.

[2] Stolberg [LK Mansfeld/Südharz].

[3] Rimker Tor: www.hausgeschichte-wernigerode.de.

[4] Vgl. ZEITFUCHS, Stolberg, S. 303: „Gegen Abend aber ist Post eingelauffen / dass die Völcker zwar unterwegens im Begriff gewesen / aber unter sich selbst uneinig geworden / und einer den andern vor den Kopff geschossen / dass sie wieder in Wernigeroda gezogen“. Danach soll es sich um Soldaten des Regiments Lorenzo di Nicola [Nikolai] gehandelt haben.

[5] Johannistor: Das Johannistor der Neustadt stand in der Pfarrstraße.

[6] Heinrich Ernst zu Stolberg, Graf [20.7.1593-4.4.1672] Stifter des älteren Hauptlinie des gräflichen Hauses Stolberg und ältester Sohn des Grafen Christoph zu Stolberg. ZEITFUCHS, Stolberg, S. 99.

[7] Wams: ursprünglich das unter dem Panzerhemd getragene gesteppte Untergewand; seit dem 15. Jahrhundert allgemein unter dem Überrock (Schecke) getragen, entwickelte sich dann selbst zum Obergewand (Landsknechttracht).

[8] Quedlinburg [Kr. Quedlinburg]; HHSD XI, S. 374f.

[9] Rimker Tor, das Haupttor der Neustadt: www.hausgeschichte-wernigerode.de.

[10] tentieren: versuchen, unternehmen.

[11] „Drahtkammer“: das sogenannte „Rote Gitter“ unter der überdachten Freitreppe des Rathauses in Wernigerode, wo kleinere Vergehen abgesessen wurden. Vgl. Eisold; Kühn, Wernigerode, S. 18.

[12] NÜCHTERLEIN, Wernigerode, S. 222f. Der Hg. dankt Peter Nüchterlein für die Erlaubnis zum Abdruck dieses Textteils.

[13] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 212.

[14] LAHRKAMP, Werth, S. 142.

[15] KAPSER, Kriegsorganisation, S. 243.

[16] HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 245, 253.

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