Lewenhaupt [Leijonhufvud, Lauwinnhaupt, Lowenhaupt], Gustav Adolf, Graf von Raseborg und Falkenstein

Lewenhaupt [Leijonhufvud, Lauwinnhaupt, Lowenhaupt], Gustav Adolf, Graf zu Raseborg und Falkenstein; Obrist [24.12.1619 Vinäs-29.11.1656 bei Wyborg]

Lewenhaupt, Gustaf Adolf GrafLewenhaupt, Gustaf Adolf Graf

Lewenhaupt.Gustav. AdolfGustav Adolf Lewenhaupt [ [Leijonhufvud, Lauwinnhaupt, Lowenhaupt], Graf von Raseborg und Falkenstein [24.12.1619 Vinäs-29.11.1656 bei Wyborg] war der älteste der drei Lewenhaupt-Brüder. Er fungierte de facto schon 1648 als Oberkommandierender der finnischen Streitkräfte. Er nutzte seine Generalsprivilegien und ließ 120 „egna hästar“, also eine Leibkompanie, nach Deutschland schaffen.

Anlässlich der Plünderung der Stadt Marsberg[1] 1646 wird er erwähnt: „Den 9./19. October ist der generalwachtmeister Lowenhaupt mit itzlichen regimentern Schwedischen völckern anhero kommen, die gantze burgerschaft ist ausgelaufen geweßen, den kriegern alles preis“.[2] Noch am 15.3.1650 wandten sich die Obermarsberger, wie es scheint mit Erfolg, an die Landstände, um unter Hinweis auf die Drangsale des Ortes von der Schatzung befreit zu werden: „in was großes unglück, elend und verderblichen zustand unsere arme stadt vor ungefähr vier jahren, bei einnahmunge beyder sowoll Schwedischer haupttarmee, als auch Hessischen völkern gerahtten, indem sie nicht alleine neun ganzer tage durchgraben, durchsuchet, außgeplündert, sondern auch totaliter ruinirt, dass nicht alleine die mauren rings umb die stadt geleich der erden abgeworfen, sondern auch gegen alle christliche liebe und paroll (da wir doch mitt dem Schweidischen generall feldtmarschallen Wrangell bei seinem abmarche accordirt, vor weittere raub, brandt und plünderunge salvaguardirt) gleichwoll nachgehendß dermaaßen verfolget, indeme uns eine starke parthey zugeschicket, welche alle einwohnere förterß geplündert, theilß nackendt, wie sie auf die welt geboren, außgezogen, auß der stadt mit scharffer gewehr getrieben, dieselbe zu gesambter handt in die flammen gebracht, also daß bei die drittohalb hundert häuser, sambt unserm schönen wollerbauetem rahtthauß in die asche gelegtt. Dabei sie alnoch nicht acquiesciert [= belassen], sondern bald hernacher schickte die fürstinne [Amalia Elisabeth; BW] von Hessen zwee regimenter, ließ die alte, schöne woll fundirte kirche mit pulver zersprengen, die thuren undt porten umb die statt umbwerfen und verbrennen, die kirchhofsmauren umbhacken, dass man der totten cörper vielle in den sarcken hatt liegen sehen. Hiermit hat es noch nicht cessirt, sondern man hat uns mehr und hartter zugesetzt, alle marchirende armeen sind uns über den halß gewessen, wihr haben gehabt Königßmarck mit seiner armadi, Turenne mit der Französischen armadi, Lauwinnhauptt mit seiner armadi, Rabenhaupt mit seiner armadi, fünf ganzer tage und nacht; waß der eine nicht hat verdorben, verseret und verzehret, dass hatt der andere gethan“.[3]

„Wie wir bereits oben gesehen, war Hessen-Cassel genöthigt gewesen, an Hessen-Darmstadt, durch Kaiserliche Bajonette unterstützt, das Fürstenthum Oberhessen mit Marburg,[4] so wie die Niedergrafschaft Katzenellenbogen mit Eppstein[5] abzutreten. Zwar hatte im vorigen Jahre Generalmajor Geiße [Johann v. Geyso; BW] die Marburger Erbschaft für Amalie wieder in Besitz genommen, aber Katzenellenbogen mit Eppstein nach Darmstadt gelassen, indessen wußte Landgraf Georg viel zu gut, daß auch diese Landestheile verloren gehen würden, sobald Amalie sich stark genug fühlte, sie wieder in Besitz zu nehmen. Er hielt nun seinen im Stillen entworfenen Plan so weit gereift, gegen Amalie etwas Tüchtiges auszuführen, nachdem die Hessen-Casseler zum großen Theile mit dem vereinigten schwedisch-französischen Heere nach Franken gezogen waren.

Generallieutenant [Ernst Albrecht; BW] von Eberstein sollte diesen Einfall leiten, der freilich ganz und gar mißlang. Auch Graf Holzappel hatte dem Landgrafen Georg Hilfe zugesagt, da aber der Hessische Oberst von Rabenhaupt im Kurfürstenthum Köln eingefallen war, so mußte er zur Deckung der kölnischen Lande herbeieilen.

Generallieutenant von Eberstein, von einigen Kaiserlichen Regimentern unterstützt, worunter sich auf Graf Moritz von Nassau-Hadamar befand, drang mit der bedeutenden hessischen Hausmacht nach Frankenberg[6] an der Eder vor. Aber kaum hatte man dieses in Marburg erfahren, als der hessische Generalmajor Geiße, der von Aschaffenburg[7] herbeieilte und der schwedische General Löwenhaupt in Eilmärschen nachrückten, sie am 19. November [1646; BW] bei Frankenberg erreichten und nach dem Kölner Sauerlande zurückdrängten. Bei Olpe[8] und Attendorn[9] kam es zu einem hitzigen Kampfe, in der die Obersten Graf [Peter Gall; BW] Gallas und Graf Moritz Heinrich von Hadamar, 95 Offiziere und 800 Mann gefangen wurden. Die Darmstädter verloren in diesem Kampfe acht Standarten nebst dem ganzen Gepäcke, zwei Kanonen, 500 Gefangene, 700 Reit- und Bagagepferde und Generallieutenant Eberstein konnte sich kaum mit hundert Reitern in Sicherheit bringen“.[10]

Der Hildesheimer[11] Chronist, Arzt und Ratsherr Dr. Jordan notiert in seinem Tagebuch unter dem 9./19.11.1646: „Der Caßelsche Oberster Geihe [Geyso; BW] mit Zuthun des Schwedischen Gr: Lewenhaupt  schlächt den Darmstetischen Gral. Graf  [Ernst Albrecht; BW] von Eberstein vnnd Melendrische oder Graf Holtzapfelß [Holzappel; BW] Troupen bei Frankenberg an 1500 Pferd, das der Graf mehrlich [nehrlich = kaum ?; BW] mit 100 Pferden davon kommen. Ein Graf von Neßeln [Moritz Heinrich v. Nassau-Hadamar; BW] vnnd Obr: Galle [William Gall; BW] gefangen It: 2 Obristliutnandt, worunter ein junger Graf von Hohenloe [Siegfried Graf v. Hohenlohe-Weikersheim; BW], 2 Majeurß, 9 Corneth bekomen, nebest 2 Regimentstücken, – worauf die Heßischen Rauschenberg[12] berendt – , haben an die 1000 Pferde vnnd 500 gefangene bekomen“.[13]

„Nach dem hernach Herr Gen. Major Geisse Nachricht erlangt / was massen der Ober-Hessische Gen. Leut. Eberstein / mit etlichen ihme vom Keyserliche[n] Herrn Feld-Marschallen Graffen von Holtz-Apffeln / sonsten Melander / zugeschickten Völckern zusammen in 1500 Pferd starck nacher Franckenberg begeben / vmb ins Nider-Furstenthumb Hessen einzufallen / als hat er den Königl. Schwedischen Herrn Gen. Majorn / Herrn Gustav Adolphen [v. Lewenhaupt; BW] / Grafen von Raßburg vnd Falckenstein / etc. ersucht / etwas Volck mit ihme zu Conjungiren / welches er dann auch verwilliget / vnd in der Person mitgangen / vnd den 9. 19. Nov. in der Nacht vnfern von Franckenberg in einem Gehöltz angelangt / vnd die Darmbstättische vnd Melanderische selbiger Gegend noch angetroffen / den andern Tag mit anbrechendem Morgen selbige dergestalt angegriffen / daß sie das Feld raumen vnd auff die Flucht begeben müssen / bey welcher Action die Schwedische / Hessischen 2. obersten / 2. Oberst-Leut. 2. Obrist-Wachtmeister / ettliche Rittmeister / Leut. Cornett / vnd andere Vnder-Officirer / wie auch gemeine Reuter vnd Knecht zusammen biß in 500 gefangen / an allerhand Reit- vnd Pagage Pferd in 700. vnd neben 2. Feldstücklein / 8. Standarten erobert / neben etlichen Carossen / Caletschen vnd andern guten Beuten / der Schwedischen sind 30. Der Niderhessischen 9. tod blieben / was auff der Ober-Hessischen Seiten tod geblieben / kan man nicht gewiß wissen / hierauff haben sich die beyde Häuser Wolckersdorff[14] vnd Rauschenberg auff Gnad vnd Vngnad ergeben / da dann dieses zerstört vnd jenes besetzt worden“.[15]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][16] aus dem von Eger[17] abhängigen Marktredwitz[18] erinnert sich an den Dezember 1646: „Gustav von Löwenhaupt, schwedischer Generalmajor und Gustav [Adolfs] Sohn [Gustav Gustafsson; BW], sind mit 4 Regimentern zu Saalfeld[19] angelangt, haben dortherum etliche Wochen losiert und sind herumgestreift“.[20] In der Saalfelder Chronistik heißt es dazu: „10. Dezember [20.12.; BW] 1646 ist der schwedische Generalmajor Graf Gustav Adolph von Löwenhaupt mit vier Regimentern Reuter und Fußvolk, an die 2.000 Mann stark, nach Saalfeld gekommen. Dort nahmen die Soldaten, zum Schaden der Bürger innerhalb der Ringmauer Quartier. Erst am 2. Januar [12.1.; BW] 1647 sind sie abgezogen“.[21]

Am 29.1.1647 schrieb der kaiserliche Schweinfurter[22] Stadtkommandant Hieronymus Lodron an Gallas,[23] nach einem Bericht des würzburgisch-fürstbischöflichen Gesandten auf dem Westfälischen Friedenskongress Vorburg sei Lewenhaupt mit 600 Reitern am Vortag bei Meiningen[24] zu Oberst Christoph von Kannenberg gestoßen, habe jedoch Infanterie und Artillerie wieder zurück nach Erfurt[25] und Leipzig[26] kommandiert. Angeblich wolle er sich im Ringgau mit den französischen Streitkräften verbinden, während andere Nachrichten besagten, dass er an die Saale ziehen wolle. Der Würzburger Gesandte habe ihm versichert, dass Lewenhaupt nicht mehr als 600 und Kannenberg 400-500 Reiter bei sich hätten.[27] Die Stolberger[28] Chronistik hält die große Furcht vor seinen Truppen fest, da er sich anscheinend nicht um Disziplin kümmerte, fest: „Den 2. Februarij erscholl allhier ein Geschrey / dass Graf Gustav Adolph von Löwenhaupt mit 2000. Mann zu Rosse und 2000. zu Fusse in die goldene Aue[29] sich zu begeben willens wäre / und ferner nach dem Hartz seinen March zu nehmen vorhätte. Darauf jederman / sonderlich die auf dem Lande gesessene / in grosse Furcht gerathen / und ein jeder das Seine in sichere Oerter zu bringen sich bemühet; wie denn dazumahl alle Strassen von ausgelauffenen Leuten voll gewesen; denn jederman meinete / es würde alles bund über gehen / bevor weil man gewisse Nachricht erlanget / daß dieser Graf / dazumahl im Fürstenthum Gotha[30] liegend / gantz keine Commando gehalten / und daher seine Soldaten ihren Wirthen / wenn sie ihnen nicht gnug schaffen können / Nasen und Ohren abgeschnitten / und sonst allerhand unmenschliche Thaten gegen sie verübet. Den 7. dieses kam anher ein Schreiben vom General Qvartiermeister unter erstgedachtem General-Major Löwenhaupt / mit Vermelden / daß aus der Grafschafft Stolberg zweene von dem Ausschusse sollten nach grosen Furra[31] geschickt werden / mit gedachtem General Qvartiermeister sich wegen des Proviants / so die Grafschafft geben solte / abzufinden / dazu Secretarius Jochim Buchtenkirch / Wolff Ernst von Ebra / ein Fähndrich von Mannsfeld[32] und Henning Oppermann deputirt wurden / wiewohl die Verrichtung schlecht gewesen / und der Obrist-Leutenant Neumann sich dieser Grafschafft zu seinem Qvartier wohl bedienet. Die Nordhäusischen[33] streiffenden Partheyen plünderten in der Neustadt den 13. Febr. dergleichen sich Stolberg auch befahrete / wurden aber von jenen folgenden Tag mit blutigen Köpfen abgewiesen / ohneracht der Jngesessenen nicht über 30. wiederstanden / der Soldaten aber wohl 60. zu Fuße gewesen. Stolberg gab immer her zur Verpflegung der dasigen Schwadron Dragoner / und als immer eine böse Zeitung nach der andern kam / wie die Furagirer dieses und jenes Dorff geplündert / zog das Land-Volck mit Macht herein / daß ein groß Schrecken unter Alten und Jungen verursachet / und alle Gassen voll Klagens und Weinens waren. Stempeda[34] hielt sich tapfer und jagete die streiffende Partheyen mit Macht aus. Die Völcker aber zu Nordhausen führeten sich so gottloß und tyrannisch auf / daß es nicht zu beschreiben / und hätten es Heyden und Türcken nicht ärger machen können“.[35]

Am 2.3.1647 berichtete Rudolf Graf Colloredo aus Prag Wratislaw Eusebius von Lobkowitz, Wittenberg plane anscheinend nach Oberschlesien zu ziehen und sein Korps im Fürstentum Teschen[36] zu dislozieren, Montecuccoli verfolge ihn. Zudem habe Pachonhay aus Brüx[37] gemeldet, dass Lewenhaupt außer seinen 5.000 Mann starken Truppen bei Leipzig noch weitere Truppen zusammenziehe und möglicher Weise gegen Brüx vorrücken wolle. Nach genauerer Kenntnis der gegnerischen Absicht werde er die Stadt durch Kavallerie verteidigen lassen.[38]

„30. Junii [10.7.1647; BW] seyn der Markgrav von Baden-Durlach [Friedrich VI. Markgraf v. Baden-Durlach; BW] und der Graf von Löwenhaupt mit tausend Pferden von Eger herab alhie [Saalfeld; BW] durch nach Erfurt zugangen, seyn Nachts zu Rudolstadt[39] verblieben“.[40]

Am 27.10.1647 wurde ihm das Kloster Himmelpforten[41] mit 3.501 jährlicher Einkünfte doniert.[42]

Ab 1651 amtierte er in Finnland und starb am 29.11.1656 bei Wyborg[43] im Kampf gegen Russland an der karelischen Front.

[1] Marsberg; HHSD III, S. 494ff.
[2] SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 81.
[3] CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 458.
[4] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.
[5] Eppstein [Main-Taunus-Kr.]; HHSD IV, S. 108ff.
[6] Frankenberg [LK Waldeck-Frankenberg]; HHSD IV, S. 124f.
[7] Aschaffenburg; HHSD VII, S. 33ff.
[8] Olpe [LK Olpe]; HHSD III, S. 593f.
[9] Attendorn [LK Olpe]; HHSD III, S. 36ff.
[10] KELLER, Drangsale, S. 429f.
[11] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.
[12] Rauschenberg [Kr. Marburg]; HHSD IV, S. 369f.
[13] SCHLOTTER, Acta, S. 474.
[14] Wolkersdorf, Schloss [Gem. Bottendorf, Kr. Frankenberg]; HHSD IV, S. 481.
[15] WASSENBERG, Florus, S. 705f.
[16] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.
[17] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[18] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.
[19] Saalfeld; HHSD IX, S. 369ff.
[20] BRAUN, Markredwitz, S. 276.
[21] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 180.
[22] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.
[23] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[24] Meiningen; HHSD IX, S. 269ff.
[25] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.
[26] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.
[27] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 984.
[28] Stolberg [LK Harz]; HHSD XI, S. 453ff.
[29] Goldene Aue: Landschaft zwischen Nordhausen [Thüringen] und Sangerhausen [Sachsen-Anhalt].
[30] Gotha; HHSD IX, S. 151ff.
[31] Großfurra [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 177f
[32] Mansfeld [Kreis Mansfeld-Südharz]; HHSD XI, S. 316ff.
[33] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSD IX, S. 305ff.
[34] Stempeda, heute Ortsteil von Nordhausen [LK Nordhausen].
[35] ZEITFUCHS, Stolbergische Kirchen- und Stadt-Historie, S. 310.
[36] Teschen [Český Těšín, poln. Cieszyn, Bez. Karwin]; HHSBöhm, S. 607ff.
[37] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.
[38] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1009.
[39] Rudolstadt [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 360ff.
[40] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 189.
[41] Himmelpforten [LK Stade].
[42] FIEDLER, Königin Christine, S. 142.
[43] Wyborg (russisch Выборг) (deutsch Wiburg oder Wiborg, finnisch Viipuri, schwedisch Viborg) ist heute eine Stadt in Russland in der Oblast Leningrad. Sie liegt in der historischen Region Karelien zwischen Sankt Petersburg und der finnischen Grenze.
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