Leubelfing, Johann von

Leubelfing, Johann von; Stadtobrist [1578-1648] Johann von Leubelfing [1578-1648], ehemals in markgräflich-badischen Kriegsdiensten, stand ab 1620 als Stadtobrist in den Diensten der freien Reichsstadt Nürnberg.[1]

Am 26.9.1632 war Lauf[2] den Truppen von Gallas nach 24-stündiger Beschießung in die Hände gefallen.

„Die in Lauf zurückgebliebene kaiserliche Garnison macht im Verein mit den Rothenbergern[3] Streifzüge in die Umgebung, selbst bis Laufamholz[4] dringen sie vor. Die Nürnberger[5] befürchten sogar einen Handstreich auf die Reichsstadt selbst und positionieren eine starke Feldwache auf dem Rechenberg. Beide Straßen, links und rechts der Pegnitz, halten sie unter scharfer Bewachung. Doch der Angriff unterbleibt. Die Hauptmacht der Kaiserlichen marschiert unter Verwüstung des Landes nach Sachsen. In Lauf bleibt nur eine rund 300 Mann starke Besatzung zurück.

Der kaiserliche Kommandant in Lauf, Paolo Pril, schreibt an den nach Nürnberg geflüchteten Schönberger Vogt Abraham Crato, die markgräflich-brandenburgische Herrschaft Schönberg[6] sei ihm mit Untertanen zur Kontribution verpflichtet worden und er begehre wöchentlich 150 Laib Brot, einen Zentner Schmalz und sieben Simmer[7] Hafer. Werde keine Genugtuung geleistet, stecke er Schloss und Dorf in Brand. Crato bittet in einem bewegten Schreiben um Schonung und bietet zehn Taler Kontribution an. Pril fühlt sich gefoppt, mit 10 Taler könne er keine 250 Mann bezahlen und schreibt am 20. Oktober, dass 50 Reichstaler ohne allen Verzug zu schicken seien. Daraufhin borgt sich Crato 30 und lässt sie dem Hauptmann nach Lauf überbringen.

Doch die Erlösung naht in Gestalt des Nürnberger Generalfeldwachtmeisters [Dodo; BW] von Kniphausen,[8] des Obersten [Johann; BW] von Leubelfing samt 1 400 Musketieren, etlichen Reitern und vier halben Kartaunen:

In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober marschieren die schwedisch-nürnbergischen Truppen nach Lauf und positionieren am Morgen ihre Geschütze. Die bayerischen Truppen hinter den Mauern Laufs verspotten die Angreifer, geben tapfer Feuer mit Feldschlänglein, Doppelhaken und Musketen, richten aber wenig Schaden an. Noch machen sie sich über die Schweden lustig, sind guter Hoffnung, dass der Sukkurs rechtzeitig eintreffen wird, glauben auch nicht, dass das Städtlein mit Gewalt einzunehmen ist, verlassen sich auf das gut befestigte Schloss. Als die Angreifer am nächsten Tag ihre ‚Kartaunen spielen lassen’, sinkt der Mut der Bayern, und bald ist eine Bresche am Wassertor freigeschossen. Die Angreifer stürmen in die Stadt. Die Bayern sind so überrascht, dass sie alle ihre ‚Pagaschi’ im Städtlein liegen lassen und sich ins Schloss flüchten. Sie haben aber nicht mehr die Zeit, die Brücke zum Schloss abzuwerfen und können nur noch das Tor schließen. Mit zwei Kanonen wird nun von den Schweden das Tor zertrümmert, die Verteidiger flehen um Gnade. Es wird ihnen aber kein anderer Akkord angeboten, als sich ‚auf Gnad und Ungnade’ zu ergeben. Sie müssen ihre Waffen abgeben, werden auf den Kirchhof getrieben. Diejenigen, die ein gutes Kleid, gute Strümpfe oder Schuhe anhaben, müssen sie ausziehen und hergeben. Die Schwedischen finden einen großen Vorrat an Viktualien.

Als alles vorbei ist, nahen die sehnlichst zum Entsatz der Bayern erwarteten 1 000 Dragoner und Kroaten. Sie sehen, dass es zu spät ist und machen sich schleunigst wieder aus dem Staub. Gustav Adolf trifft am nächsten Tag, den 24. Oktober, in Lauf ein. Mit Kniphausen, Leubelfing und deren Truppen verfolgen sie die fremden Soldaten. Bei Schupf[9] holen sie die flüchtenden Entsatztruppen ein, strecken 300 Mann nieder und nehmen 50 Gefangene und zwei Kornetten als Beute mit“.[10]

In der Lokalchronistik heißt es: „500 Mann liegen als Besatzung im Frühjahr 1635 in Hersbruck.[11] Man wäre sie gerne losgeworden, aber sie sind nicht zu entbehren. Alle paar Tage tauchen umherstreifende feindliche Trupps auf und versuchen auszukundschaften, wo etwas zu holen oder zu erobern ist. Deshalb werden Major Salomon Justus Bloch, seine 5 Kapitäne, elf Leutnants und Fähnriche, acht Sergeanten, 13 Unteroffiziere, elf Spielleute, 20 Korporale, 56 Rott- und 60 Unterrottmeister und ihre 251 Mannen dringend zur Sicherung der Stadt benötigt. Der Stab besteht aus einem Major, zwei Schultheißen, einem Priester, zwei Gerichtsschreibern, einem Proviantmeister, zwei Profosen, einem Stockmeister, zwei Regimentsspielleuten und drei Feldschern. Außerdem müssen noch 51 Rekruten von den Hersbrucker Bürgern mit versorgt werden.

Am Abend des 17. Februar kommt der nürnbergische Hauptmann Burkhard Löffelholz aus Altdorf[12] nach Hersbruck, um einen Überfall auf einen feindlichen Konvoi vorzubereiten. Am nächsten Tag will er sich mit 36 Musketieren auf den Weg machen, doch gerade noch rechtzeitig erfährt er von spionierenden Bauern, dass sich 500 kaiserliche Reiter in der Nähe des Konvois aufhalten. So kehrt er wieder um, nach Hersbruck zurück. Dort ist inzwischen auch Kapitän Pfister mit 20 Mann eingetroffen. Er hätte eigentlich an der Unternehmung teilnehmen sollen, wurde aber unterwegs bei Engelthal[13] von einer 40 Pferde starken feindlichen Abteilung aufgehalten.

Löffelholz will alles abblasen und nach Nürnberg zurückreiten, da ertönen zwei scharfe Schüsse vom Michelsberg her. Alarm ! Mit 60 Mann stürzen sich die Hersbrucker die Nürnberger Straße hinaus und werfen sich dem Feind entgegen. Bald sieht man die Feinde in regelloser, wilder Flucht in die Wälder verschwinden. Ein kaiserlicher Kornett, ein Quartiermeister und 16 Mann bleiben tot am Platz, vier Leute und viele Pferde werden erbeutet. Dem Schrecken der Bauern, dem gefürchteten kaiserlichen Hauptmann Schachtel, der selbst die Streife angeführt hat, ist es leider geglückt zu entkommen.

‚So groß war die Furia unserer Leute’, schreibt Löffelholz, ‚daß ich ungeachtet ihnen nachgegangen, sie doch nicht mehr einholen, viel weniger von dem unbarmherzigen Niedermachen abhalten können’. Später reut es die Leute selbst, dass sie so dreingehauen haben, denn sie hätten einige Gefangene mehr gebraucht, um sie gegen ihre in Amberg[14] festgehaltenen Kameraden auszutauschen

Ihren Diensteifer müssen wir aber um so höher bewerten, weil nämlich der Rat zu Nürnberg es damals sehr an Löhnung und Verpflegung fehlen ließ. Der Zentner ‚Biskotten’ (Zwieback), den er kurz vorher für die Soldaten und die Bürgerschaft herausgeschickt hatte, war doch nur Brosamen. Und was wollte es gar erst bedeuten, dass die Nürnberger, als der Feind mit dem Anzünden des Städtchens drohte, fürsorglich eine Spritze heraussandten ?

Als sich Anfang März die Nachrichten verdichten, dass der Feind die Absicht hat, die Nürnberger Ämter anzugreifen, befiehlt der Rat, die Besatzung nach Nürnberg abzuziehen. Die Bürger protestieren dagegen. Der Rat empfiehlt, dass sie ihr Hab und Gut ja in die Hauptstadt bringen könnten. Doch es ist schon zu spät !

Am 17. März bricht der kaiserliche Oberst Albrecht von Freyberg mit 2 500 Mann vom Rothenberg[15] auf und rückt gegen Hersbruck vor. Hier besetzt er die Michelmühle und lässt in deren Nähe eine Batterie aufwerfen. In größter Eile bringt ein Hersbrucker Bote die schlimme Nachricht nach Nürnberg. Unverzüglich bricht von dort Oberst Leubelfing mit 400 Mann Infanterie, 200 Pferden und vier Geschützen auf, um das Städtchen zu entsetzen, das man man schon eingenommen wähnt. Unterwegs erhält er noch Verstärkung durch die Lauf gelegene Kompanie [Johann Sigmund v.; B. W.] Haller und 150 Mann der Besatzungen von Altdorf und Neumarkt,[16] so dass er zuletzt mit 870 Mann Infanterie und 200 Pferden am Abend des 19. März in Hersbruck einziehen kann.

Noch am selben Abend wagen 200 Musketiere einen Ausfall, geraten in ein Gefecht mit dem Feind und fügen ihm einen Verlust von 19 Mann zu. Am nächsten Morgen in aller Frühe beginnt der Feind aus der fast vollendeten Batterie mit einem lebhaften Feuer aus den Geschützen auf die Stadt. Es dauert bis zehn Uhr. Es scheint, als bereite er einen Sturm auf die Stadt vor. Zwar sieht man nur drei Reiterabteilungen zu je 70 Mann, hat aber durch Kundschafter erfahren, dass alles übrige sich in einem Hohlweg in Deckung befindet.

Wie stark der Feind eigentlich insgesamt ist, weiß niemand so recht. So wird der ursprüngliche Plan, mit 300 Musketieren, 200 schwedischen Fußsoldaten und der Kavallerie einen Sturm auf die Batterie auszuführen, wieder fallen gelassen. Man befürchtet einen Hinterhalt. So beschließen die Hersbrucker, 150 Infanteristen mit einigen Reitern auf Patrouille zu schicken. Kaiptänleutnant Hans Sigmund von Haller und ein schwedischer Kollege [Magnus Hansson ?; BW] übernehmen die Führung des Häufleins.

Durchs Sittenbacher Tor rücken sie ab. Die Reiter umgehen den Michelsberg auf dem Weg zur Hagenmühle, während die Musketiere direkt auf die Batterie zu halten. Eine feindliche Reiterabteilung bemerkt dies und gerät mit den Streifenden auf halber Höhe des Michelsberges ins Gefecht.

Unterdessen haben die Musketiere den Friedhof erreicht und eröffnen ein ziemlich lebhaftes Feuer auf die Batterie. Dadurch kommt Unordnung in die Reihen des Feindes, und bald sieht man die Soldaten der Batterie der Michelmühle zustreben. Auch die feindlichen Reiter scheinen Pech gehabt zu haben, sie sprengen ebenfalls der Mühle entgegen und halten erst dahinter an.

Oberst Freyberg, der sich inzwischen von der Schwäche der Ausfallabteilung überzeugt hat, lässt nun seinerseits zum Angriff übergehen. Es gelingt ihm, Infanterie und Reiterei zum Weichen zu bringen. Für die Patrouille wird es jetzt brenzlig. Doch Leubelfing, der vom Spitaltorturm aus das Gefecht verfolgt, lässt sofort 200 Musketiere zur Verstärkung ausrücken. Oberst Hanns Wilhelm Güss von Güssenbach führt sie zum Sittenbacher Tor hinaus. Sie nehmen die Zurückweichenden auf, stoßen wieder bis zum Friedhof vor und besetzen diesen.

Von hier aus kommt nun ein heftiges Schützenfeuer auf die Batterie in Gang. Plötzlich öffnet sich das Wassertor und heraus stürmt im Laufschritt Hauptmann Pömer mit dem Rest der Infanterie gegen die Batterie. Das ist das gegebene Zeichen für Güssenbach. Er lässt das Feuer einstellen und führt auch seine Mannen zum Sturm auf die Batterie an. Von zwei Seiten zugleich bedroht, vermögen sich die Gegner nicht mehr zu halten. Im Laufschritt rennen sie in die Mühle zurück. Noch einige Sprünge, und die Batterie gehört den Nürnbergern: Fünf schussfertig aufgestellte Geschütze und 20 Gefangene sind die Beute. Weil es gerade so gut läuft, machen die Stürmenden nicht Halt und gehen gleich gegen die Mühle los. Glänzend glückt auch hier der Sturm. Hals über Kopf reißen die Kaiserlichen aus, gegen Hohenstadt[17] zu. Ihre Kavallerie, die dem ganzen Angriff von der Wiese aus untätig zugesehen hat, folgt den Fliehenden nach.

Leubelfing und seine Mannen ziehen jubelnd in Hersbruck ein, mit sich bringen sie die gefangenen Kaiserlichen und die folgende Kriegsbeute:

‚1 markgräflich-onolzbachische halbe Karthaune mit dem Brandenburgischen Adler, Anno 1618 in Nürnberg gegossen, 4662 Pfund schwer,

1 andere halbe Karthaune mit dem Brandenburgischen Wappen, im Jahr 1542 gegossen,

1 lange Feldschlange, hält 14 Schuh, schießt 10 Pfund Eisen, Anno 1542 gegossen,

1 einfaches Feldstücklein, schießt 4 Pfund Eisen, darauf das Eichstättische Wappen, Anno 1610 gegossen,

1 anderes Feldstücklein oder Schlänglein, schießt 3 Pfund Eisen, Anno 1605 zu Ulm gegossen,

5 Stückladen, zu jedem Geschütz eine, mit Rädern,

5 Vor- oder Prozwagen

2 starke Blockwagen (Lastenwagen), darunter einer zu Hersbruck schon verbrannt, aber die Räder sind noch tauglich,

2 alte Hebezeuge, jedes mit 4 Schenkeln, samt den Zugwellen,

2 metallene Flaschen mit viel Schrauben darin,

1 starkes Zugseil und weitere Flaschen, Hemmschuhe, Seile und Ketten,

weiter

5 Ladeschaufeln, 5 Wischen und 5 Setzkolben,

Munition

14 Pfund Pulver, 60 halbe Karthaunenkugeln und 1 000 Musketenkugeln’.

Überglücklich ist man auch in Nürnberg. Der Rat lässt die gute Nachricht von den Kanzeln verkünden und beeilt sich, sie dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna mitzuteilen. Und weil die Offiziere dieser Unternehmung irgendwie belohnt werden müssen, so ratschlagt man in Nürnberg, was man ihnen schenken könnte. Da man weiss, dass diese Herren das Becherklirren nicht minder lieben als das Waffenklirren, überreicht man den Oberstleutnanten, Majoren und Rittmeistern Trinkgeschirr im Wert von 477 Gulden“.[18]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[2] Lauf (Pegnitz) [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 393.
[3] Rothenberg, Festung [Gem. Schnaittach, LK Lauf/Pegnitz, MFr.]; HHSD VII, S. 635f.
[4] Laufamholz → Oberbürg [Stadt Nürnberg]; HHSD VII, 543.
[5] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.
[6] Schönberg [Stadt Lauf/Pegnitz, LK Nürnberger Land]; HHSD VII, 674f.
[7] 1 Simmer = 316 Liter Nürnberger Maß, differiert von Ort zu Ort.
[8] Etwas irreführend, Knyphausen stand in schwedischer Bestallung.
[9] Schupf [LK Nürnberger Land].
[10] KÄPPEL, Nürnberger Land, S. 71f.
[11] Hersbruck [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 289ff.
[12] Altdorf bei Nürnberg [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 8.
[13] Engelthal [LK Nürnberger Land]; HHSD VII, S. 174f.
[14] Amberg; HHSD VII, S. 20ff.
[15] Rothenberg, Festung [Gem. Schnaittach, LK Lauf/Pegnitz, Mfr.]; HHSD VII, S. 635f.
[16] Neumarkt i. d. OPf.; HHSD VII, S. 505f.
[17] Hohenstadt, heute Ortsteil von Pommelsbrunn [LK Nürnberger Land].
[18] KÄPPEL, Nürnberger Land, S. 84ff.
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