Heydelshöfer, N

Heydelshöfer, N; Obristleutnant [ – ] Heydelshöfer stand 1634 als Obristleutnant im Fußregiment Ernst Roland de Suys. Er wurde nach der Kapitulation Nördlingens[1] im September 1634 Kommandant der Reichsstadt.

„In der Stadt Nördlingen hatte man den Verlauf der Schlacht mit bangen Erwartungen verfolgt. Die Belagerer hatten nahezu sämtliche Geschütze zur Verwendung in der Feldschlacht abgeführt. Die Nördlinger Besatzung wagte deshalb einen Ausfall, und zerstörte einige Batterien des Feindes. Einige Soldaten, die sich noch in den Laufgräben befanden[,] wurden niedergemacht, die abgegrabene Eger in ihr altes Bachbett zurückgeführt und einige Lebensmittel erbeutet. Am 7.9. schickte König Ferdinand einen Trommelschläger vor die Stadt und ließ den Kommandanten und Magistrat zur bedingungslosen Übergabe auffordern, andernfalls wurde mit einem Generalsturm gedroht. Die Stadt schickte sofort eine Ratsdeputation in Begleitung des Kommandanten Erhard Debitz[2] nach Reimlingen[3] in das Hauptquartier der Kaiserlichen, um die Gnade des kaiserlichen Oberbefehlshabers Erzherzog Ferdinand III. (dem späteren Kaiser Ferdinand III.) zu erbitten, wobei man zugestand, daß man ‚[…] auch zu allen verbothenen feindlichen Thaten und schändlichen Verbündnissen wücklich geholffen, und [sich] selbst zu öffentlichen Feinden gemacht, also, daß wir dadurch die billiche [angemessene] Bestrafung gantz und wohl verdienet; So bitten doch wir Bürgermeister, Richter, Rath und gantze Gemeinde Ew. Königl. Majestät unterthänig, gehorsamst, flehentlich, durch gegenwärtigen Fußfall, Sie, als mehr allerhöchstberührter Kayserl. Majest. höchster General, geruhen uns diese begangene schwere und unverantwortliche Handlungen aus sonderbarer Königlicher Gnade, und Ertz-Herzoglicher Oesterreichischer Milde gnädigst nachzusehen […]‘.

In der Freude des Sieges gewährte der Erzherzog von Österreich und König von Ungarn Ferdinand III. den Nördlingern einen großzügigen Akkord. Die Stadt wurde im Namen Ihrer Majestät durch die kaiserlichen Repräsentanten, den ‚Röm. Kays. Maj. Rath und Cammerern Herrn Carl Ludwig Ernsten Grafen zu Sulz und Herrn Wolfen Fencken [Wolfgang Fink], Ihr. Kays. Maj. Hof-Cammer-Rath, […] aus pur lauterer Königl. Oeterrreichischer Gnade und Milde, gnädigst perdoniret, und wieder zu Gnaden angenommen‘ und per Decret verfügt, ‚daß besagter Stadt Nördlingen, Bürgermeister, Richter und Rath, wiederum in die alte Pflicht, aus welcher sie getreten, von neuem genommen werden‘. Das Decret ist bereits mit Datum 6.9. gezeichnet. (Originalwortlaut des Gnadengesuchs, aller Dekrete, Verträge etc. bei Khevenhiller XII, S. 1222-1229 und im Theatrum Europaeum III, S. 337f.). Am 9.9. kam der König in Begleitung des Kardinal-Infanten und des Herzogs Karl von Lothringen selbst in die Stadt und wohnte einem Hochamt und Te Deum bei, wobei ihm bei der mittleren Kirchentür der Magistrat mit vielen alten Männern zu Füßen fiel und das schriftliche Gnadengesuch in dieser Form bekräftigt wurde.

Nördlingen wurde nun entwaffnet und die besten Kanonen [wurden] aus dem Zeughaus genommen. In die Stadt wurde das 11 Kompanien starke Regiment des Barons Ernst Roland de Suys unter dem Oberstleutnant Heydelshöfer gelegt. Als Brandschatzung wurden 100.000 Reichstaler festgesetzt, dem kaiserlichen Feldzeugmeister [Caretto di Grana; BW] mußten 8000 Reichstaler zur Auslösung der Glocken gezahlt werden (Weng/Nördlingen, S. 119f.).

Relativiert man das erlittene und noch zu erleidende Elend, so war die Stadt Nördlingen zwar nicht glücklich[,] aber glimpflich davongekommen, welches auch der Chronist bestätigt, der anmerkt: ‚Es verdient für die Nachkommenschaft aufbewahrt zu werden, und wir müssen es Gott als die größte Wohltat danken, daß der Kaiser die freie Religionsausübung nach dem Inhalt des Religionsfriedens, uns, den Überwundenen, bestätigt, und nicht einen Stein von unserm Kirchengut verlangt hat‘ „.[4]

[1] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[2] Vgl. neuerdings STOLCH, Erhard Deibitz, S. 18f.

[3] Reimlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 617f.

[4] ENGERISSER, Von Kronach, S. 345f.; ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht), S. 148, 274.

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