Goll, Balthasar

Goll, Balthasar; Obrist [ – ] Goll stand erst als Artilleriemajor, dann als Obristleutnant im weimarisch-schwedischen Fußregiment Wilhelm von der Brink, darauf als Obristleutnant und Obrist in kaiserlichen Diensten.

„Am 17.8. war das Hauptquartier in Alerheim[1] unweit Nördlingen.[2] An diesem Tag brach eine starke Abteilung mit 5 Regimentern zu Roß und 4 Dragonerregimentern unter den beiden Generalwachtmeistern Johann von Werth und Giacomo von Strozzi nach Franken auf. Man zog zuerst gegen Oettingen[3] ‚in der Hoffnung, die von Forchheim[4] heranmarschierenden Feinde [des Feldmarschall Cratz] an einem bequemen Ort vorzubiegen und sie aufzuschlagen‘. Die kaiserlich-bayerischen Regimenter erreichten am 18.8. Ansbach,[5] ließen die Tore sprengen und die Stadt plündern. Der gerade mündig gewordene Markgraf Friedrich hatte sich mit seiner Mutter und etlichen Hofbeamten nach Kitzingen[6] begeben. Von Ansbach schwärmten die Reitertruppen aus und plünderten die Nürnberger[7] Gegend, des weiteren die südlich davon gelegenen Orte Hilpoltstein,[8] Greding,[9] Dietfurt,[10] Beilngries,[11] Heideck[12] und Gunzenhausen.[13] Daraufhin wandten sie sich in Richtung Westen nach Rothenburg o. d. Tauber.[14] Der zu Unterhandlungen abgeschickte Rothenburger Bürgermeister Petzolt wurde zusammen mit dem Kommissar Metzler niedergeschossen. Nach Rothenburg selbst hatte Herzog Bernhard drei Kompanien des Brinken’schen Regiments unter Major Pollius (Polli) gelegt, zwei Brinken’sche Kompanien unter Oberstleutnant Balthasar Goll wurden in (Bad) Windsheim[15] stationiert (der Inhaber des Regiments, Wilhelm von Brinken war, wie wir bereits erfahren haben, bei der Verteidigung Regensburgs[16] verwundet worden und nun Kommandant in Königshofen[17]). Nach Dinkelsbühl[18] wurde eilig der Oberstleutnant Woldemar von Rosen mit drei Kompanien Dragonern geworfen. Die genannten Städte wehrten sich zunächst nach Kräften gegen die Einlegung dieser Garnisonen, ließen sie aber bei Annäherung der kaiserlichen Truppen schließlich zu ihrem Vorteil ein. Die Truppen Werths und Strozzis mußten deshalb, trotz ernstlicher Übergabeaufforderungen, von Rothenburg (19.8.) und Dinkelsbühl erfolglos wieder abziehen. Feuchtwangen wurde eingenommen und geplündert“.[19]

Im Oktober beschoss Suys Windsheim und zwang die Schweden unter Balthasar Goll zur Übergabe der Stadt.

„Nach der Einnahme Rothenburgs ging der Zug des Piccolominischen Korps, mittlerweile wieder mit Johann von Götz vereint, am 19.9.1634 weiter gegen Mainfranken. Zur Übergabe aufgefordert wurde die Stadt Windsheim, wohin der kaiserliche Oberst Freyberger von Rothenburg aus mit 4 Regimentern zu Roß und einigen Dragonern gerückt war. Dort lagen immer noch die von Herzog Bernhard im August dorthin gelegten zwei Kompanien unter dem Oberstleutnant Balthasar Goll vom Brinken’schen Regiment. Dieser setzte sich allerdings zur Wehr, so daß Freiberger nach einiger Zeit der Blockade wieder abziehen mußte. Dies bedeutete aber keinen allzu langen Aufschub für die Windsheimer und ihre Besatzung, denn am 22. Oktober rückte der Baron de Suys mit Reiterei, Fußvolk, etlichen Stücken und einigen Mörsern vor die Stadt. Oberstleutnant Goll, der nur noch 115 Mann und Pulver für 6 Tage bei sich hatte, lehnte die Aufforderung zur Übergabe erneut ab, woraufhin de Suys etliche Schanzen aufwerfen ließ und, obwohl Goll mit etlichen Ausfällen diese Vorbereitungen erheblich störte, in der Nacht des 29.10. mit der Bombardierung der Stadt begann und einige Häuser zerschmetterte. Mit Anruch des folgenden Tages begab sich der Stadtrat zum Kommandanten und drängte diesen zur Übergabe, mit der Drohung, im Falle einer Widersetzung diese selbstständig in die Wege leiten zu wollen. Goll mußte schließlich nachgeben, ließ sich aber sicherheitshalber eine Bestätigung aufsetzen, daß der Akkord auf alleinigen Willen des Rates erfolgte und zog am 30.10.1634 unter kaiserlicher Bedeckung in Richtung Rhein-/Maingebiet ab. (Chemnitz II, S. 549, 582)“.[20]

In der Schlacht bei Rheinfelden (1638) war er in Gefangenschaft geraten. [21]

Im Hausbuch des Friedberger[22] Johannes Grunelius (1604-1669) ist für 1640 festgehalten: „Als nun die kaiserlichen Völker gegen Herbstzeit ins Land kamen, haben sie sich im November um die Stadt herumb geleget. Ja, da ging das Elend erst recht an. Da mußten wir uns von ihnen Kaisers-Dieb und Schelmen tituliren lassen, gleich als ob wir dem [schwedischen; BW] Volk gebieten könnten, von der Stadt abzuziegen. Als nun der Herr Obrist [General] Geléen seine Stück hinter der Barbenkirche [Barbara] gepflanzet hatte, ging es den 16. November Morgens mit dem Tage an, ein Schießen wider die Stadtmauer. Das währte bis umb 1 Uhr hin. Da gab’s ein groß Loch, daß das Fußvolk herein konnt steigen. Wiewohl die Völker aus der Stadt eine ziemliche Gegenwehr thaten aus Mußketen, half’s doch nichts. Zehne stiegen herein; wer blieb, der blieb.

Als nun die hierin [die schwedische Besatzung] sahen, daß die Stadt verspielt war, begaben sie sich in die Burg. Die Kaiserlichen liefen zuerst auf die Kirchen zu, schlugen mit Gewalt an den Thüren, hätten sie auch an Stücker geschlagen, wann ihn nicht wäre aufgemacht worden. Als nun die Thür auf war, da plündert sich’s in der Kirchen an Menschen und Laden, sonderlich was unten in der Kirchen war. Das währet fast 1 Stunde. Da kam Rittmeister Goll mit ein bloßen Degen in die Kirchen gelaufen und fing an, die Plünderer herauszutreiben, und hielten Wacht vor den Kirchen-Thüren. Weil aber die Kirchenthüren nicht verschlossen waren und die Wachten aus und einkommen konnten, nahmen sie selbst, was sie konnten bekommen, und ließen kein Mensch aus der Kirchen. Unterdessen ward alles in den Häusern ausgeplündert, was drinnen war. Da kam ich umb vier gedeckte Betten mit ihrem Zugehör. Dann mein Fourirer, den ich damals beneben noch andern 4 Soldaten im Hause hatte, wollte mich das Haus nicht lassen räumen, da ich’s noch hätte thun können, ehe die Völker herein kommen konnten. Ja das Küchen-Geschirr, Kessel, Kroppen, Schüsseln, Teller, Kann, Krüg, Geltten [Gefäße] und, was in dem Haus täglich bei ihne gebrauchen mußt, blieb alles drinnen. Eine Kuh, welche ich in die Judengassen in Abrahams Hauß geflöhet hatte, in Meinung, die Juden würden nicht geplündert werden, beneben 1 großen Kessel, welchen ich ihm voll Wasser, die Kuh damit zu tränken, hinein gethan, ging zugleich auch fort.

Meine Hausfrau ging den Abend vorher mit den zwei Kindern, dem Johanneßen und der Anna Margaretha, in die Burg, weil man sich besorgen mußt, die Stadt würde selbige Nacht bestiegen werden. Ich aber mußt im Haus bleiben und meinen Soldaten Essen und Trinken verschaffen nach ihrem Begehren. Bis daß die Stück so gar gewaltig auf die Stadtmauern gingen und Jedermann aus den Häusern zur Kirche eilet, deht ich dergleichen auch und ließ den Schuhknecht [Schustergesellen] und die Magd im Haus bei den Soldaten. Da sie dann oft begehrt zu wissen, wo ich wär; das Gesind aber gesagt, das wüßten sie nicht, ob ich vielleicht auch an der Bresche müßte helfen schanzen. Aber ich dankt Gott, daß ich in der Kirche war; wollte nicht bei sie sein gegangen, wenn ich schon hätte sollen wissen, daß sie das Haus unter des obirst sollten kehren. Kam auch in 14 Tagen nicht wieder in mein Haus. Wäre auch noch nicht drein gegangen, wenn ich’s nicht uf Befehl des Obristen thun müssen, da es doch eine so grimmige Kälte war, daß man nicht ein Trunk Wasser in der Kirche erhalten konnte, das nicht gefroren war, welches auch noch eine sonderliche Straf Gottes war.Als nun den 17. November das Mainzer Thor aufgeschanzt ward und die Stück in die Stadt geführet wurden, führten sie dieselbige vor die Burg. Da schoß sich’s gewaltig gegen einander, bis sie die mit Schanzen-Körben umgeben; daß sie sicher dabei waren und sie gegen die Burg lösen konnten. Da kostet es manche schöne Bau von Häusern und Scheuern, welche verbrannt und theils zu Pflockhäusern gebraucht worden. Dann es währet etliche Tag, bis sie es darzu brachten, daß sie die Stück pflanzten in der Sandgassen. Als sie nun ungefähr gegen die Burg 1 Tag oder 6 schossen, kam’s endlich zum Accord. Welcher auch ein paar Tag wehrt, bis die Schwedischen herauszogen, und der Obrist-Leutenamt Frangipani und ein Obristwachtmeister wurden dagegen hineingelegt. Die Völker aber blieben in der Stadt, mußten Burg und Stadt stark bewachen, sonderlich weil die Mauer so gar zerschossen worden. Und weil man wegen der großen Kälte nicht konnte mauern, waren Pollisaden davorgesetzt und Mist dawieder geschlagen. Da waren Bürger und Soldaten wohl mit geplaget, bis es [das Loch der Bresche] ein wenig verwehret ward.

Als nun die Kaiserlichen die Burg in hatten, wollten sie von den Leuten, die in die Burg geflöhet, Ranzion-Gelder haben. Als meine Hausfrau solches von Herrn Jörg Heilmann, derzeit Pfarrherr in der Burg (bei dem sie sich mit den zwei Kindern aufgehalten) ist berichtet worden, hat sie sich mit denselbigen geschwind heraus gemacht, dardurch die Ranzion erhalten [gespart]. Aber was wir an Frücht drinnen gehabt, ist der meiste Theil drinnen geblieben, was man nicht heimlicher Weis, durch wunderliche Mittel hat herausgebracht, doch mit großer Gefahr, als ob einer das, was doch sein eigen war, gestohlen hätte. War unser Bestes, daß wir unsere Sachen in H. Jörgen Haus hatten. Da haben sie, die Obristen, nicht so scharf Aufsicht gehabt, als auf das, was in der Kirchen gewesen, welches alles hat müssen gelöset werden. Hätte auch mancher seine Sachen gern ranzionirt, wann es ihm hätte wieder werden mögen. Aber mancher ist umb viel gekommen. Durch welche es geschehen, durch Soldaten oder andere, das weiß Gott, der Allmächtige, am besten.

Als nun meine Hausfrau mit den Kindern wieder aus dem Schloß kam, waren wir ein Weil in meines Schwagers, Kapellans [Hartmann Kreid] Haus. Darein sich denn auch viel Bürgers- und Bauwersleut aus der Kirchen wegen der großen Kälte gethan, weil der Herr Oberste Goll sein Losement darinnen genommen hatte. Da hatten sie wegen der anderen Völker, solang als der Herr Obrist Goll allhier blieb, keine Gefahr. Als er aber hinweg kam, da ward meinem Schwager von dem Obristen [Frangipani] geboten, die Leut abzuschaffen und bei die Soldaten in ihre Häuser zu gehn, befohlen bei hoher Straf“.[22]

[1] Alerheim [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 6f.

[2] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.

[3] Oettingen i. Bayern [LK Nördlingen]; HHSD VII, S. 558f.

[4] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[5] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.

[6] Kitzingen; HHSD VII, S. 357ff.

[7] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[8] Hilpoltstein [LK Roth]; HHSD VII, S. 295f.

[9] Greding [LK Roth]; HHSD VII, S. 247f.

[10] Dietfurt a. d. Altmühl [LK Neumarkt]; HHSD VII, S. 38.

[11] Beilngries [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 79f.

[12] Heideck [LK Roth]; HHSD VII, S. 276.

[13] Gunzenhausen [LK Gunzenhausen-Weißenburg]; HHSD VII, S. 260f.

[14] Rothenburg o. d. Tauber [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 637ff.

[15] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[16] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[17] Königshofen [Lauda-K., Main-Tauber-Kr.]; HHSD VI, S. 418f.

[18] Dinkelsbühl [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 142ff.

[19] ENGERISSER, Von Kronach, S. 305f.

[20] ENGERISSER, Von Kronach, S. 386.

[21] KDRITZKI, Seitenwechsel, S. 187.

[22] Friedberg [Wetteraukr.], HHSD IV, S. 145ff.

[23]WAAS, Chroniken, S. 275ff.

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