Colloredo, Johann Baptist [Giovanni Battista] II. Graf von

Colloredo, Johann Baptist [Giovanni Battista] II. Graf von; Generalmajor [1598 -Oktober 1649 Iraklio] Colloredo[1] war seit seinem 17. Lebensjahr Soldat und durchlief eine militärische Laufbahn bis hin zum General-Major; 1648 wurde er Generalkommandant von Venetien.[2]

Auch Johann Baptist von Colloredo setzte sich in Bewegung, um den Kardinal-Infanten im Kampf gegen Franzosen und Holländer zu unterstützen. Am 2.7.1635 schrieb er dem Generalleutnant[3] aus Ochsenfurt,[4] seinem Marschbefehl nach Friedberg[5] werde er nachkommen, da er laut Piccolominis Anweisung bei Andernach[6] den Rhein überschreiten soll; morgen werde er in Schweinfurt[7] sein, dann über Gemünden[8] ziehen.[9]

Angeblich soll er nach seinen eigenen Aussagen Melchior von Hatzfeldt gegenüber im Juli 1635 von Adel und Bürgern in Wohlau[10] in Arrest gesetzt worden sein.[11]

Im Juni 1641 wurde Zwickau[12] von den Kaiserlichen erobert, wie der Erzgebirgschronist Lehmann berichtet: „Uber der Schwedenflucht wahr große freude in Böhmen und in Meißen, daß der Churfürst den 27. Martii zue Dresden[13] ein Freudenfest hielte und die stucke ließ losbrennen und praeparatoria machen, die Schweden auß Zwicka zue jagen, Wie den auch von keyßerlichen Sich der Obrist [Friedrich Conrad; BW] Spiegel mit 5 Regiementern, Nicolaischen [Montard de Noyrel; BW] und [Hans Abraham v.; BW] Gersdorfischen trouppen erst darfür geleget, die umb Werda[14] an der Pleiß logirten und Zwicka von ferne blocquirten. Die Schwedische besazung in der Stadt achtete des nichts, sondern fiel den 12. April in Glauche,[15] plünderten des Nachts 3 stunden lang auß und nahmen weg Pferde, viehe, gedreit, Victualien und, was Sie kunten fortbringen, kahmen darmit Sicher den 13. April früe ein. Den 11./12. Maii kam darfür General-Wachmeister Alexander Freyherr von Borri mit etlichen Regiementern zue Roß und Fuß, ein Regiement de Sove [Soye; BW], 1 regiement des Nicolai, 4 Compagnien de [Johann Baptist; BW] Coloredo, 1 Compagnie des [Maximilian v.; BW] Wallensteins, 1 Compagnie von Borri, 300 Pferde von Buchheim [Puchheim; BW] und Mißlich [Mislík; BW], 300 Trajoner von Gallas und Geleen, 300 Pferde Saxische. Das stellete er nach-Mittag umb 5 Uhr in Bataglia vor Zwicke und schlag das lager an dem ort, wo der Unger vorn jahr gelegen. Des abendts branden die Schweden die Lerchenmühl ab. Mann sahe auch mehr feuer. Den 16. Mai brandte Oberhohndorf[16] ab, am 18. huius halb Planitz;[17] an den tag kahmen 4 halbe Carthaunen an von Dresden mit einer Compagnie Trajoner von Grosenhain.[18] Den 19. folgten 4 falconen mit 1 Compagnie Pferde von Radeberg,[19] an den tag machten die keyßerlichen 3 schantzen vor der Statt, eine vorn Frauenthor, die andere Osterstein[20] gegenüber, die 3. uff den Holzanger. Den 22. Maji kahmen die 2 Freyfehnlein von Chemnitz[21] und den 25. huius 8 Compagnien von Schleinizischen [Joachim v. Schleinitz; BW] darüber. Den 24. Maji branden die Schweden die Schneide- und Pulvermühle weg und hieben alle beume umb vor der Stadt. Den 1. Junii steckten Sie an die Walck-Mittelmühle und die heußer auf den graben an. So lange aber die Schweden die Schloßmühle, die 9 gänge hat, behielten, kunten Sie der Statt nichts anhaben, welche die belägerer den 2. (12.) Junii mit sturm wegnahmen. Den 28. Maii hatten Sie von Dresden mehr stücke bracht, 2 gantze und 4 halbe Carthaunen, 6 flacianer, 3 Feuermorsel, viel Munition; darauß schoßen Sie auf einen tag binnen 4 stunden 232 mahl auf die stadt, daß mans hier allezeit bobern gehöret. Es kahmen auch mehr völcker darfür, Ertzherzogliche, Beyerische und Saxische, von Duc de Savelli und Grafen von Suys, daß Sie vor der stat starck lagen 5000 zue fuß und 3000 zue roß. Die machten 20 000 schantzkorbe und So viel faschinen. Den 6. Junii wurde hefftig geschoßen, 3 Minen gemacht und der Statt so hefftig zuegesezt, daß die Schweden den 7. Junii parlirten, und muste sich die besatzung auf discretion ergeben, des Obristen Johann Beers Reuter absitzen, Standarten, Pferd und Obergewehr zuerücklaßen, des Obristen Hans Heinrich von Schlieben regiement zue fuß aber nur die fehnlein von sich geben, zogen den 9. Junii auß und wurden nach ihrer Armee convoirt: Die Stat aber mit den 2 Freyfehnlein zue fuß untter des Obrist-Leutenandt [Daniel v.; BW] Schliebens (s. o.) commando besezet, und das hauß Wiesenburg[22] ihnen darzue anvertrauet. Zwicke muste den Borri geben 4000 thl., denen Artollerey verwanden 550 thl. vor die glocken“.[23]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[24] aus dem von Eger[25] abhängigen Marktredwitz[26] erinnert sich an den April 1644 als er zusammen mit Bruay und Gonzaga in Eger lag.[27] Im Mai 1644 erfolgte sein Abmarsch nach Annaberg.[28] In diesem Mai schrieb auch Johann Georg I. von Sachsen an Hatzfeldt und meldete ihm den Abbruch der Belagerung von Chemnitz[29] durch Colloredo.[30] Nach der vom 18.10.1644 im Feldlager bei Bernburg[31] erstellten Liste hatte sein Fuß-Regiment noch 680 Gesunde und 80 Kranke.[32]

Am 26.2.1645 schrieb Piccolominis Vertrauter und Informant Formarini aus Prag an seinen Gönner: Der Gegner habe sich gegen Budweis in Marsch gesetzt, was in Prag Verwirrung ausgelöst habe, da Budweis weder über Vorräte verfüge noch Militär dort stationiert sei. Ferdinand III. habe J. B. von Colloredo in die Stadt entsandt, doch dieser zögere, da er fürchte, entweder zu spät zu kommen oder in Gefangenschaft zu geraten. Das ganze Militär sei von Prag nach Budweis verlagert worden.[33] Am 11.5. teilte Erzherzog Leopold Wilhelm aus Wien Gallas seine Pläne mit und empfahl u. a. auch die Verlegung des Regiments Colloredo in den Raum Schüttenhofen,[34] Krumau[35] und Budweis.[36] Am 19.7.1645 informierte Leopold Wilhelm Gallas, er beabsichtige am folgenden Tage zur Kampagne nach Ungarn aufzubrechen, und bat ihn um seine Unterstützung. Gleichzeitig wolle er das von Souches verteidigte Brünn[37] und den Spielberg, die Festung der Stadt, entsetzen. Dazu möge Gallas mehrere hundert Mann von J. B. von Colloredo oder I. Conti abkommandieren.[38] Im Juni 1647 war Colloredo noch als Kommandant seines Fußregiments in Pilsen[39] stationiert.

[1] Vgl. die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.

[2] Deutsches Biographisches Archiv I S. 198, 281-283.

[3] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[4] Ochsenfurt [LK Würzburg]; HHSD VII, S. 557.

[5] Böhmisch Budweis [České Budějovice]; HHSBöhm, S. 46ff.

[6] Andernach [Kr. Mayen]; HHSD V, S. 12f.

[7] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[8] Gemünden a. Main [LK Main-Spessart]; HHSD VII, S. 232f.

[9] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 48.

[10] Wohlau [Wolów; Schlesien, h. Polen]; HHSSchl, S. 569ff.

[11] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.

[12] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[13] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[14] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[15] Glauchau; HHSD VIII, S. 116f.

[16] Oberhohndorf, heute Stadtteil von Zwickau.

[17] Planitz [Stadtkr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 279.

[18] Großenhain; HHSD VIII, S. 135f.

[19] Radeberg [Kr. Dresden]; HHSD VIII, S. 292f.

[20] Osterstein, Schloss von Zwickau.

[21] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[22] Wiesenburg [Kr. Zwickau]; HHSD VIII, S. 360.

[23] LEHMANN, Kriegschronik, S. 134f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[24] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[25] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[26] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.

[27] BRAUN, Marktredwitz, S. 211.

[28] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172; Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[29] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[30] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 172.

[31] Bernburg; HHSD XI, S. 37ff.

[32] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 429.

[33] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 516.

[34] Schüttenhofen [Sušice]; HHSBöhm, S. 558.

[35] Böhmisch Krumau [Český Krumlov]; HHSBöhm, S. 53ff.

[36] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 590.

[37] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[38] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 625.

[39] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

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