Bucellini [Buccelleni], Horatio [Oratio]

Bucellini [Buccelleni], Horatio [Oratio]; Rat [1598-1664] Bucellini stand als Rat in kaiserlichen Diensten.[1]

Vom 6.1. bis 1.12.1646 haben sich 20 Schreiben Bucellinis über die kriegerischen Ereignisse im Egerland, des Abmarsches der Schweden aus Böhmen, deren Angriff auf Schlesien und die von Raimondo Montecuccoli geführte Landesverteidigung an den in den Spanischen Niederlanden weilenden Piccolomini erhalten.[2]

Am 17.1.1646 schrieb Bucelleni aus Wien an Piccolomini: Die Schweden hielten sich in der Umgebung von Leitmeritz[3] auf und hätten beabsichtigt, den Kaiserlichen die Verbindung zum Hilfskorps aus Bayern abzuschneiden: Das sei ihnen nicht gelungen und nun stünden beide Armeen einander längs der Eger gegenüber. Fröste und Schneemassen verhinderten militärische Unternehmungen. – In Italien komme man aus den Aufregungen nicht heraus: Venedig werde einen neuen Dogen wählen und suche nach einer Annäherung an Frankreich und Frieden mit den Türken. Der Papst werbe 12.000 Mann zu Fuß und 4.000 Reiter an, wolle das Kirchengeneralat dem Herzog von Parma erteilen und diesen mit Spanien versöhnen, den er, der Papst, sei Frankreich noch immer feindlich gesinnt, da dieses Land die Barberini protegiere. Der Herzog von Parma erwarte seinen zum Kardinal ernannten Bruder Francesco Maria Farnese in Rom, wohin auch Kardinal d’Este kommen solle. Modena sei ein Parteigänger Frankreichs.[4]

Bucelleni teilte Piccolomini am 14.2.1646 aus Wien mit, die schwedische und die kaiserliche Armee lägen in festen Ubikationen (Standorten) in der Umgebung von Komotau[5] und Kaaden.[6] Schnee und Frost verhinderten jede militärische Unternehmung. – Die Hochzeit Wladislaws IV. von Polen werde nach Ostern in Warschau stattfinden. Die Türken rüsteten auffällig stark, was vor allem Venedig beunruhige. Man gebe die Hoffnung nicht auf, Trauttmansdorff werde eine Aussöhnung mit den Reichsfürsten zustande bringen; das wäre das Ende der Angst vor den Franzosen und Schweden.[7]

Die weiteren Folgen der Schlacht bei Jankau[8] (6.3.1645) – das weitere Vorrücken der Schweden nach Süden – schildert der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“: Darauff Herr General Torstensohn alsobald Crembs[9] vnd Stein[10] zu belägern angefangen / auch durch gebrauchten Gewalt es dahin gebracht / daß dieses den 16. 26. Martii [1646; BW] mit Sturm erobert / vnd was in Gewähr befunden / mehrentheils nidergemacht / Crembs aber / darin Obrister Ranfft mit 300. Mann sich befunden / durch Canoniren vnd andern Kriegs-Ceremonien dahin getrieben worden / sich zu übergeben / als aber in wehrendem Accord / von einem trunckenen Bawren / vngefähr ein Schuß geschehen / seynd die Schwedische mit gewalt in die Statt geruckt / den Obristen Ranfften / neben andern Officirern gefangen genommen / vnd naher Iglaw[11] geschickt / die gemeine Knecht aber alle vntergesteckt“.[12]

Die Eroberung von Krems 1646 beschrieb eine weitere zeitgenössische Quelle: „Indem sich der Schwedische General Wittenberg am 3. Mertz mit etlichen Regimentern gegen Iglau[13] zog, und nach erfolgter Übergabe etliche dahin geflohene Officiers gefangen bekam, eroberte der General-Major Duglas [Douglas; BW] das feste Haus Liebnitz,[14] und die gantze Armee brach den 9. auf nach Znaim,[15] welche Stadt sich auf Discretion ergab. Mittlerweile ging Duglas mit etlichen Regimentern an der Donau hinab, auf welchem Zug ihm bey Dürrenstein[16] viele Kayserliche Bagage, so von Tabor[17] kam, in die Hände fiel. Torstenson legte sich vor Stein, und eroberte den Ort mit Sturm; hierbey wurde alles, was man in der ersten Hitze vor sich fand, niedergemacht und die Stadt geplündert. Hiernächst brauchte er vor Crems mit Schiessen solchen Ernst, daß der Commandant, Oberste Ranfft, nach gelegter Bresche sich ergeben [!] und die Besatzung unterstellen mußte.[18] Über die Einnahme der Stadt durch die Kaiserlichen schrieb Bucelleni am 9.5.1646 an Piccolomini: Die Stadt sei zwei Tage lang unter Kanonenfeuer genommen worden und der schwedische Kommandant aufgefordert worden, sich innerhalb von 24 Stunden zu ergeben. Dieser habe eine Übergabe durch ehrenhaften Akkord verlangt, was ihm von Ranfft trotz des Protests seiner Soldaten gewährt worden sei. Am 6.5. sei die Garnison mit einigen Wagen ab und Ranfft habe die Stadt eingenommen. Die übrigen kaiserlichen Soldaten zogen nach Korneuburg ab,[19] um diese Stadt einzunehmen. Falsch war Bucellenis Darstellung insoweit, die kaiserlichen Truppen hätten deswegen keinen Angriff unternommen, weil Gerüchte von einem Friedensschluss in Münster[20] aufgetaucht seien, der jeden Tag verkündet werden könnte. Mitte Juni werde sich der Kaiser nach Pressburg[21] zum ungarischen Landtag begeben.[22]

Ein anderer zeitgenössischer Bericht schreibt die Einnahme der Stadt mehr dem Grafen Puchheim zu: „Zu Anfang des Aprils beschoß der Kayserliche General Buchheim die Stadt Crems von 3. Batterien, nachdem er das Blockhaus zu Stein erobert und verderbet hatte. Die Belagerten wehrten sich tapfer, und fielen fleissig aus, weil sie einem Entsatz unter dem Obersten Reichwald [Reichvald; BW] entgegen sahen; doch konten sie nicht hindern, daß die Belagerer mit ihren Approschen bis in den Graben gelangten.

Die Kayserlichen setzten die Belagerung von Crembs unter dem tapfern General, Grafen von Buchheim, so eiferig fort, daß um den Anfang des May alles zum Brescheschiessen bereitet und eine Schantze bey dem Wiener-Thor erobert war. Der Commandant ließ viele Häuser in der Stadt abtragen und mit Sand beschütten, gedachte sich aber im Nothfall auf einen Thurn, der mit einer Schanze umgeben war, zu ziehen: Hingegen brachten die Kayserlichen 10. ganze Cartaunen und 10. Feuer-Mörser bey Nacht auf den Galgenberg, von da man die gantze Stadt übersehen konte. Kurtz vorher kam ein Bote, der die Briefe des Commandanten in einem Laib-Brodt nach Corneuburg überbracht, mit Antwort-Schreiben zurück, die in einem hohlen Stock verwahret waren. Weil  ihm aber eine Kayserliche Parthey Reuter auffstieß, und er sich unwillig erzeigte, ihnen den Weg zu weisen, schlugen selbige seinen eigenen Stock auf ihm entzwey, worauf die Briefe heraus fielen, und der Corneuburger Vorhaben, eine Diversion zu machen, entdecket wurde. Dieses hatte die Würckung, daß die Schwedischen aus Corneuburg, als sie die Wiener-Brücken-Schanze mit 200. Mann zu Fuß und 50 Dragonern bey Nacht anfielen, mit Verlust wieder abziehen und ihren Oberst-Lieutenant im Stich lassen musten. Da nun die Kayserlichen am 4. May gedachten Thurm gefället und eine Bresche geschossen hatten, bequemte sich der Commandant noch selbigen Abend zum Accord, wodurch er mit 150. Mann freyen Abzug nach Groß-Glogau[23] erhielt, die übrigen Soldaten aber, so ehemahls den Kayserlichen gedienet, untergestossen wurden“.[24]

Bucelleni informierte Piccolomini am 16.10.1646 über die in Wien kursierenden Gerüchte von Piccolominis Rückkehr nach Deutschland, die Besetzung der Insel Kreta durch die Osmanen und die Befürchtungen der Venezianer sowie über die Versöhnung des Papstes mit dem Haus Barberini.[25]

[1] Vgl. HARRACH, Tagebücher.

[2] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 737.

[3] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[4] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 745.

[5] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.

[6] Kaaden [Kadaň, Bez. Komotau]; HHSBöhm, S. 241ff.

[7] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 777.

[8] Jankau [Jankov]; HHSBöhm, S. 226.

[9] Krems an der Donau [Statutarstadt]; HHSÖ I, S. 363ff.

[10] Stein [Stadtteil von Krems]; HHSÖ I, S. 564ff.

[11] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.

[12] WASSENBERG, Florus, S. 611.

[13] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.

[14] Lipnitz [Lipnice nad Sázavou, Bez. Deutschbrod]; HHSBöhm, S. 212 [unter Humpoletz [Humpolec, Bez. Pilgram)].

[15] Znaim [Znojmo]; HHSBöhm, S. 688.

[16] Dürnstein [BH Krems]; HHSÖ I, S. 234f.

[17] Tabor [Tábor]; HHSBöhm, S. 592ff.

[18] Der Schwed ist im Land, S. 54.

[19] Korneuburg; HHSÖ I, S. 359ff.

[20] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[21] Pressburg [Bratislava], Königreich Ungarn.

[22] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 822.

[23] Glogau [Glogów; Schlesien]; HHSSchl, S. 127ff.

[24] Der Schwed‘ ist im Land, S. 63.

[25] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 903.

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