Begriffe U

übel hausen, übel hausiren, übel wirtschaften, übel haushalten: Euphemismen für den von Soldaten ausgeübten Terror während einer Einquartierung wie „Insolentien“: Unverschämtheiten, Beleidigungen, Grobheiten; Ungebührlichkeiten oder „Exorbitantien“: Verstöße, Verfehlungen, Ausschreitungen. Graf Georg Friedrich von Hohenlohe-Weikersheim versah den Begriff mit folgender erläuternder Auflistung; KLEINEHAGENBROCK, Hohenlohe, S. 117: „eigenwillige[ ] Einquartierung, Geltexactionen [Geldforderungen], Pressuren, Abnehmung des noch übrigen Vorraths an Vivers [Lebensmittel], Entführung der Pferdt und Viehß, Verohnsicherung der Straßen, Raub, Plünderung, Mord, Quehlung der armen Laith und andern dergleichen ohnleidentlichen Insolentien“. Stadtarchiv Nördlingen Kriegsakten 1634/II, fol. 186: „Ordnung. Wie es mit der Verpflegung / deren Soldaten zu Roß vnd Fuß / Welche im heyligen Röm: Reich in den Quartiren vnd Quarnisonen in Ihrer Kays: Majest: dienst sich befinden / observirt vnd gehalten werden solle“, ausgestellt von Gallas, Heilbronn, 1634 X 04. Wider dise verordnete verpflegung sollen die Stände vnd deren Vnderthanen / weder von den Obristen / noch deren vnderhabende Officirern oder Soldaten zu Roß vnd Fuß / durch gewalt oder sonsten auff einigerley weiß noch wege getriben vnd beschwert werden. Da auch dergleichen durch Officirer oder gemeine Soldaten beschehen / oder durch betrohung vnnd würckliche thätlichkeiten gesucht werden wolte: So ist ihnen Ständten vnd deren Vnderthanen hiemit erlaubt / wie nicht wenigers auch die straiffenden partheyen / so in: oder ausserhalb der Quartier vnd auff den strassen rauben / plündern / vnd andere Exorbitantien verüben / so gut sie können vnd mögen / in verhafft zu nemmen / vnd ein solches gehöriger orten zu berichten / damit wegen deren abstraff vnd aller vngelegenheiten verhütung die verfügung gethan werden mögen. Desgleichen wurde das Ausreiten mit Ober- u. Untergewehr aus den Quartieren oder das Einfallen in andere Quartiere mit Strafen an Leib u. Leben bedroht. Über Tillys Soldaten wird im Frühjahr 1626 in der Goldenen Aue berichtet: Seine Truppen „sind anfänglich gar fromm gewesen und haben sich bedeuten lassen, dann aber schlimmer und ärger geworden, haben endlich kein gut Wort mehr gegeben, sich selber Quartier genommen, alles aufgezehret, Kisten und Kasten aufgebrochen und aus Häusern, Kirchen, Böden, Kammern und Ställen alles geraubt und mitgenommen“. HILLER, Heringen, S. 127. Vgl. auch ZEITFUCHS, Stolberg, S. 271f., über die Truppen Bindtaufs 1626: „Doch war hiebey keine Ordre, was man denen Soldaten oder Officiern geben sollte / sondern ein jeder forderte alles mit der Schwere nach eignen Gefallen. Was für Müh / Unlust und Beschwerligkeit / ja auch Hunger / die Bürger wegen dieser Einquartirung ausgestanden / ist nicht genug zu beschreiben. Denn etliche wöchentlich zu 10. 15. ja auch zu 25. Thalern und wohl darüber geben müssen / daß es manchem Bürger die Zeit / da sie hier gelegen / 100. 200. 300. ja wohl 500. Gülden gekostet; wie es denn auch nach Abzug derselben der Stadtschreiber Schüßler aus der Roll zu Rathhause insgesamt überschlagen / da diese Einqvartirung weit über 30000. Gülden gestanden. Ja da sie nur einer Witbe 486. Gülden 9. Gr. 5. Pf. gekostet / so ist leicht daraus abzunehmen / was der gesamten Bürgerschafft auffgangen sey. Welche denn so wohl als das Rathhaus gäntzlich erschöpfet / daß mancher Bürger von Hauß und Hof gejaget worden / auch musten etliche wie die Hunde von den Soldaten sich schlagen und prügeln lassen. Und weil sonderlich auch Pest und eine grosse Theurung anfiel / daß ein Scheffel Rocken 2. Thaler / 1. Scheffel Gersten 2. Gülden oder 2. Thaler und der Hafer 16. Groschen galt / war bey manchem Bürger nichts mehr übrig / als das liebe Leben. Ja da fast gantz und gar nichts mehr zum besten / wurde E. E. Rath gezwungen / etliche Haupt-Verschreibungen ihres Einkommens zu versetzen / und zu Sangerhausen und anderswo etzliche 100. Gülden darauff zu borgen / dafür sie Wein / Rocken und Hafer kauffen musten / damit biß zum Aufbruch die Soldateska zu unterhalten / welcher / nachdem sie 22. Wochen hier gelegen / den 13. Julij erst erfolget. In solcher Zeit wurde nun nicht allein alles / was in der Stadt war / aufgezehret / sondern es kam auch noch dieses hinzu / daß / weil die Reuter mit den Pferden fast alle Grasung vor den Thoren abgehütet hatten / die Bürger das meiste Vieh abstehen musten / welches so wohlfeil ward / daß man eine Kuhe um 4. Güld. kauffen konnte / dadurch dann die Bürger vollends um das ihrige kom̃en sind“. Im März 1634 schrieb Reichskanzler Oxenstierna: „Der General könne nur dann ehrlich leben, wenn er sein angewiesenes bestimmtes Quartier habe, woraus er das Nötige beziehe. Die Generale seyen dazu meist homines von der Fortune, die ihren Staat anders nicht führen könnten, auch weder Land noch Leute hätten, und wenn sie es schon besässen, so sey ihnen nicht zuzumuthen, davon zu leben und dabei zu dienen, sie müssten dann selnst mit Desordre leben. Der General könne also den Obersten oder Soldaten, wenn er auch auf diese Weise lebe, nicht strafen: der Oberst müsse also entweder betteln o d e r  d i e  Q u a r t i e r e  m i ß b r a u c h e n. E s  s e y e n  L e u t e,  d i e  n i c h t  a l l e i n  amore patriae et libertatis d i e n t e n,  s o n d e r n  e t w a s  z u  g e w i n n e n. Der gemeine Reiter könne nicht leben von seiner Gage; gleichwohl habe kein Regiment nach des Königs Tod ‚meutenirt’. Die Noth zwinge sie zum Rauben; dieß missbrauchten also die leichtfertigen Vögel. Man müsse also den Soldaten bezahlen, dann werde das Andere selbst fallen. Wolle man alle Exorbitantien gleich mit Henken strafen, so sey es schwer, die Hände mit solchem Blut zu besudeln, da der Soldat nicht zu leben habe. Erfolge die Bezahlung – sagte Oxenstierna und er statuiere dann bei den Exorbitantien doch kein Exempel, so solle man von ihm sagen, er habe gelogen wie ein leichtfertiger Vogel !“. SODEN, Gustav Adolph Bd. 2, S. 91.
Überdrang: Bedrängung, Übermaß.
Übergabe, unehrenhafte: In den Erinnerungen des Dr. Jeremias Molther aus Friedberg (Landgrafschaft Hessen-Kassel) heißt es (1634); WAAS, Chroniken, S. 142f.: „Nicht lange aber nach diesem Durchzug [kaiserlicher Truppen] ist [15. Okt.] der Oberst Rosa [Reinhold von Rosen] mit seinem Regiment zu Pferd dahier kommen und erstmahls instinctu fratris [auf Antrieb seines Bruders: Vollmar, gen. ‘der tolle Rosen’], eines Rittmeisters wegen [zum Schutz] des adligen Frauenzimmers in der Burg Quartier gemacht, darauf sich die sequentes [die folgenden Kommandanten] jederzeit bezogen. Deme der [schwedische] Obriste Princk, welcher aber, auf Ankunft des [kaiserlichen] Obristen Isolani und seiner Kroaten, des Nachts zu Friedberg aufgebrochen und durchgangen, und diesem Herzog Bernhard von Weimar mit der Armee selbsten gefolget, und bei dero Abzug einen Capitain-Leutnant [Christoph Schultheß-Schulze] mit 150 Soldaten zur Besatzung hinterlassen. Den 18. Nov. Freitags hat der Kais. Generalwachtmeister [Lothar v.] Bönninghausen die Stadt eingenommen, vor der Kronen die Stück gegen die Burg gepflanzt, Feuer hinein geben. Darauf der schwedische Capitain den Abend noch abgezogen [sich ergeben]. Ist in der Stadt bewacht und Morgens mit sein Soldaten weg convoyirt worden. Den 14. Dec. ist er wegen dieser disreputirlichen [ehrlosen] Uebergab auf dem Neustädter Markt in Hanau arkebusiert [erschossen] worden“. Der Friedberger Johann Philipp Götzenius (1613-1663) erinnert sich, dass Schultheß zum Regiment Ramseys gehörte; WAAS, Chroniken, S. 148. Das Theatrum Europaeum Bd. 3, S. 394f., berichtet dazu: „Droben ist mit wenigen Worten gedacht der Einnehmung Stadt und Schlosses Friedburg / und deß Schwedisch-Hanauischen Commendanten Arrests / also ist Mittwochs den 4. 14. Decembr. ergangen / daß man gegen obberührten Schwedisch-Hanauischen gewesenen Commendanten in Friedberg / zu Hanau Standt-Recht gehalten / und weil er sich seiner gehabten Ordre und Instruction nicht gemäß verhalten / sondern einen so schlimmen und disreputirlichen Accord in einem so bequemen und tenablen Ort gemacht / als ist er condemnirt zum Tod / und die Execution auff dem Neustädter Marckt in Hanau über ihn ergangen / daß er daselbst Harequebusirt worden: Hat biß in seinen Tod über etliche in der Burg Friedburg geklaget / welche ihne gleich zur Ubergab drinnen benöthiget hätten / und sey ihme auch / was ihme und seinen Soldaten versprochen / nit gehalten worden“. Siehe auch Willich, Christian, unter „Miniaturen“. Das „Theatrum Europaeum“, 4. Bd., S. 596, berichtet: „Den 25. ejusdem [Juli 1641 a. St.; BW] gienge der Marche noch einmal vor Osterwick / und wurde zugleich auch Hornburg / auff eine Meil davon gelegen / also beyde Oerter fast zugleich angegriffen / Osterwick wurde beschossen / und den 27. diß / oder 6. Augusti styl. nov. bemeistert / vor Hornburg an drey Orten zu miniren fürgenommen / wie auch Schladen alsbald nach Osterwick hinweg genommen worden. Als der in Hornburg gelegene Capitain / unter Carl Ruth gehörig / den Ubergang beyder Oerter / und das miniren gesehen / hat er sich den 20. diß / oder 8. Augusti / doch ohne gehabte Noth / auch ergeben / vermuthlich seine lang gesamlete Baarschafft in der Güte darvon zu bringen : Ist aber deßwegen sehr übel angesehen / alsbalden in Arrest genommen / Kriegs-Recht über ihn gehalten / und ihm darauff / auß Gnaden / der Kopff abgeschlagen worden“. In anderen, wohl nicht so gravierenden Fällen erfolgte der Armeeausschluss.
überlaufen, jemanden: jemanden belästigen, bedrängen.
Überlebensstrategien der Bevölkerung: Aus der Grafschaft Schaumburg wird berichtet; MITHOFF, Chronik der Stadt Rodenberg, S. 256f: „Um sich vor dem völligen Untergang zu bewahren, suchten viele der Ackerbautreibenden sich durch Anlegung der sogenannten Notkämpe zu helfen, indem sie in den Waldungen, die zu ihren Orten gehörten, geeignete Waldflächen abholzten, rodeten und somit urbar machten und diese, um Wildschäden zu verhüten, auch umhägten. Durch die Erträge dieser Notäcker ward den Leuten die Möglichkeit gegeben ihr Leben zu fristen und auch etwas Vieh notdürftig durchbringen zu können. Gleich wie in den übrigen Waldungen befanden sich auch im Deister solche Notkämpe, welche von mehreren Bewohnern Rodenbergs, Groves und Kleinnenndorfs angelegt und neben denen ebenfalls Wohnhütten, Schuppen und kleine Stallungen errichtet wurden, die sobald Gefahr im Anzuge war, zur zeitweisen Unterkunft von Menschen und Vieh dienten. Diese inmitten der Waldungen liegenden Zufluchtsstätten, boten ziemliche Sicherheit, denn auf den ihnen unbekannten Pfaden wagten die Soldaten nicht in die Dickichte des Waldes einzudringen, da ein jeder Schritt die Gefahr mit sich brachte, von unsichtbarer Hand aus dem Hinterhalt erschossen zu werden“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 51f.: „Um sich vor Marodeuren zu schützen, sollen die Bewohner des adligen Gehöfts auf dem Rothvorwerk bei Weißbach auf eine List verfallen sein. Sie täuschten vor, daß bei ihnen nichts mehr zu holen wäre: alle Tore, Türen und die Läden an den Scheunen wurden geöffnet. »Alles Unbrauchbare flog nun durch die Fenster. Aufgeschlitzte alte Betten warf man vors Gehöft. So täuschte man Raubzug und Plünderung vor. Zuvor hatte man das Vieh in den dichten Waldungen in Sicherheit gebracht. Beim Auftauchen der Soldaten bot sich ein Bild des Schreckens und Grauens. Die Eindringlinge mussten glauben, daß hier schon ihresgleichen am Werk gewesen waren und zogen weiter. So soll das Rothvorwerk vor Brandschatzung verschont geblieben sein.«“
Überlebensstrategien von Soldaten: RUDERT, Kämpfe, S. 63: „Manche Soldaten machten es wie Andreas Purckardt (Klitzing. Hauptmann v. Goldtbecks Kompagnie): sie stellten sich tot. Purckhardt erzählt, sein ‚Fendrich sey geschoßen worden, welches er selber gesehen, er der Soldat, habe eine Stunde vnter den todten gelegen, als dann Er sich aufgrichtet vnd gesehen, das seine Officirer wegk gewesen, als dann er sich aufgemachet vnd davon, hernach mals sich in ein Höltzell begeben, welches ohne gefahr vmb 4 Uhre nachmittage gewesen’“. STIELER, Gallassische Ruin, S. 38: „In Bernburg hieß es: Viele Soldaten pflegen auf beiden Seiten ihre bestimmten Regimenter zu haben, ebenso bei beiden Parteien ihre Weiber, damit sie je nach ihrer Bequemlichkeit in diesem oder jenem Heere dienen können“.  => Desertion.
Übername: Söldner legten sich oft besondere Übernamen zu, die eine besondere Eigenschaft hervorheben sollten oder die sarkastisch gemeint waren, z. B. „Immernüchtern, „kleiner Schwede“, „Schwanzhans“, „Haßdenteufel“. Zugleich sollte damit bei Beschwerden die wahre Identität verschleiert werden. Teilweise stammten diese Namen auch von der drangsalierten Bevölkerung.
überpochen: überwinden.
überrauschen: überraschen, überrumpeln, überfallen.
überreiten: jemanden reitend überfallen bzw. ein Land mit Reiterei angreifen und überwältigen.
Überreiter: Stadtknecht, Stadtbote, der über Land reitet und Nachrichten überbringt.
Überrüstung: Nach den vorliegenden Zahlen müsste jeder 4. männliche Einwohner der Landgrafschaft Soldat gewesen sein. Nach Bettenhäuser, Erwin, Landgrafschaft Hessen, S. 17, unterhielt Hessen-Kassel bei einer Einwohnerzahl von 70.-80.000 eine Armee von insgesamt 18.000 Mann, die nur durch Kontributionen in den besetzten Gebieten und Verlagerung außerhalb der Landgrafschaft erhalten werden konnte; ein typischer Fall von Überrüstung. Laut Dorstener Vertrag hatte Amalie von Hessen-Kassel eine Armee von 7.000 Mann zu Fuß und 3.000 Reitern zu unterhalten; dafür zahlte Frankreich jährlich 200.000 Rt.; Staatsarchiv Marburg 4 f Frankreich Nr. 55; Bibliothèque Nationale Paris Manuscrit français Nr. 17885.
Überschlag: Aufstellung; bestimmte Abgabe.
überstoßen: niederstoßen, über den Haufen werfen.
übertäuben: durch vieles und lautes Reden taub machen, auch überlisten.
übertürkisch prügeln: 1. topisch: schlimmer prügeln als die Türken; 2. die „Bastonnade“ verabreichen: Dabei schlugen die Täter ihren Opfern auf die nackten Fußsohlen und den Rücken, bis die Haut aufplatzte, um ihnen anschließend Salz in die offenen Wunden zu streuen. Die „Bastonnade“ wurde von den Soldaten aller Armeen an der Zivilbevölkerung verübt.
über und über gehen: kopfüber stürzen.
überwerfen: sich nach vor- oder rückwärts überschlagen, stürzen.
überzeugen: durch Zeugen überführen, sodann durch Beweisgründe zu einer Meinung bringen.
überzwerch: kreuzweise, quer.
ubinam: wo denn, wo auch immer.
uffgezogne hanen: gespannte Schlösser.
Uhr, große und kleine: Die “größere Uhr” rechnete die Tagstunden vom Sonnenaufgang an, die Nachtstunden vom Sonnenuntergang an, während die “kleine Uhr” der heutigen Zählung entspricht.
uhrhoenders: Auerhühner.
Uhrschreier: Nachtwächter.
uithemse: fremde.
uitwisselen: auswechseln, austauschen.
Ulcus: Geschwür.
Ulmer Waffenstillstand vom 14.3.1647: Waffenstillstand zwischen Frankreich, Schweden u. Hessen-Kassel auf der einen u. Kurköln u. Kurbayern auf der anderen Seite, der am am 14.3.1647 in Ulm unterzeichnet wurde: Die Gebiete des Kurfürsten waren danach v. Kampfhandlungen u. Durchmärschen zu verschonen, nur die Obere Pfalz durfte v. der schwedischen Arme für Truppenbewegungen genutzt werden. Heilbronn ging an Frankreich, Überlingen u. Memmingen an Wrangel, während unter anderem Rain an Bayern zurückfiel. Vgl. die ausführliche Untersuchung v. IMMLER, Maximilian I.
umführen: in die Irre führen, betrügen, täuschen.
Umgeld: Verbrauchssteuer.
umhieben: ritten um, kämpften um.
Umlage: Verteilung der Kosten.
Umlauf: Wehrgang.
Umrechnung von fl. in €: Wie problematisch eine derartige Umrechnung ist, zeigt www.mhoefert.de/PDFs/30_jaehriger_Krieg.pdf, der 30.000 fl. in ca. 3 Mill. € umrechnet (!). 1 fl. dürfte maximal 50 € entsprochen haben. Wenn selbst Bauernstiefel schon mit 20 fl. aufgelistet sind, würde das 1.000 € entsprechen. Sinnvoller wäre es, mit den Preisen für Gebrauchsgüter, Löhnen etc. in den betreffenden Jahren zu verfahren, die in den einzelnen Gebieten je nach Kriegslage sehr unterschiedlich sind.
umsagen: reihum sagen, von Mensch zu Mensch verkünden, verbreiten.
Umschlag: Abortus.
Umschrot: ein zur Umzäunung verwendeter Holzprügel, Zaun, Geländer.
umtrent: ungefähr, beinahe.
umtreten: für jemanden Partei nehmen, um etwas zu dessen Schutz herumgehen.
umsetzen: umstellen, umzingeln.
unabfällig: unvergeßlich, treu.
unartige Geburt: Fehlgeburt.
Unchristen: Hier sind wahrscheinlich die Türken gemeint; vgl. DWB Bd. 24, Sp. 402: 1) „nichtchrist, heide, türke, jude, noch nicht getaufter: 2) ketzer, schlechter, falscher christ, gottloser, leugner der christlichen ideale“.
uneinstellig: unverzüglich.
Ungarische Dukaten: Die ersten ungarischen Dukaten richteten sich nach dem Münzbild des  Floren. „Seit der Regierungszeit Ludwigs I. (1342-1382) zeigen sie die Darstellung des stehenden hl. Ladislaus auf der Vs. und den Landesschild, später die Madonna auf der Rs. Die Dukaten des goldreichen Ungarn wurden in Mittel- und Nordeuropa zur Haupthandelsmünze. Übrigens stammen die interessantesten Stücke aus Siebenbürgen, besonders eine Reihe runder, quadratischer und hexagonaler Formen bis zum 100-Dukaten-Stück aus der Regierungszeit Michael Apafis (1661-1690). 1527 beschloss Erzherzog Ferdinand I. (1521-1564), den Dukaten zur ausschließlichen Goldmünze der Habsburgischen Erblande zu erheben, was die Ausprägung bis ins beginnende 20. Jh. zur Folge hatte. Im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation erklärte die Reichsmünzordnung von 1559 den Reichsdukaten im Gewicht von 3,49 g zur Hauptgoldmünze. Der Feingehalt von 23 Karat und 8 Grän (986/1000) wurde weitgehend eingehalten und unter dem Begriff Dukatengold bekannt. In Skandinavien und Russland fanden durch den Ostseehandel vor allem die hanseatischen und die geringfügig leichteren (3,42 g) niederländischen Dukaten Verbreitung. In den skandinavischen Ländern zirkulierten neben den Rhinsk Gylden (Rheinische Gulden) auch Ungersk Gylden (ungarische Dukaten), auch als  Dogkate bezeichnet“. [wikipedia].[http://www.reppa.de/lex.asp?link=Dukat.htm]. „Einen Sonderfall unter den Nachprägungen stellt der ungarische Gulden dar, insofern als dass er das ursprüngliche Raugewicht von 3,55 g bei einer Reinheit von 23¾ Karat, also einem Feingewicht von 3,51 g, bis 1553 beibehielt. Ermöglicht wurde dies durch die eigenen, reichhaltigen Goldvorkommen in den Karpaten. Aufgrund dieser Wertbeständigkeit ist der ungarische Gulden trotz seines Namens eher als ein Dukat zu verstehen – und wird auch häufig als solcher bezeichnet“ [wikipedia].
Ungarische Krankheit, Hauptkrankheit: Hungarica Febris, dt. Ungarisches Fieber, Synonyme: Feldfieber, Soldatenkrankheit, Lagersucht. Die Ungarische Krankheit, die von der heutigen Medizin als Fleckfieber bezeichnet wird, war eine durch Kleiderläuse bzw. Läusekot übertragene Infektionskrankheit, begleitet von einem bösartigen, meist tödlichen hitzigen Fieber, das teils mit Flecken, teils mit ‚Raserei’ und heftigen Kopfschmerzen, teils mit Furcht und Delirium (vgl. s. v.) einherging. Namensgebend war, dass erstmals deutsche Soldaten auf Feldzügen in Ungarn an ihr erkrankten. Die unmittelbare Ursache der Krankheit sahen zeitgenössische Mediziner in einer Fäulnis des Blutes, die sie teils auf traurige ‚Begriffe der Lebensgeister’ zurückführten: auf die Furcht der Soldaten, im Kampf zu sterben, teils auf die erhöhte Konzentration von Fäulnisteilchen in der Luft, wie sie aus den ungarischen Sümpfen sowie der großen Zahl unbeerdigter Leichen auf den Schlachtfeldern entstand. Förderlich schien darüber hinaus der große Unterschied zwischen den Tages- und Nachttemperaturen in Ungarn. Sie trat während des Krieges wieder wieder auf. Vgl. Art. „Hungarica Febris”, in: ZEDLER, Universal Lexicon Bd. 13, S. 1223-1227; KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopädie Bd. 195, S. 684ff.; HAESER, Geschichte der Medicin, S. 476ff.; dazu BÄHR, Semantik. Die Ungarische Krankheit wurde auch als „Hauptkrankheit“ oder „Hirnwurm“ (KRÜNITZ, Oekonomische Encyklopädie Bd. 195, S. 684ff.) bzw. „Lagerseuche“ bezeichnet, weil sie in der Regel mit heftigen Kopfschmerzen und deliriösen Zuständen einher ging (vgl. s. v. „Delirium“). BÄHR, Semantik. Vgl. auch ZEITFUCHS, Stolberg, S. 313: „Anno 1631. grassirte hier die Haupt-Kranckheit starck / daran ihrer etliche / doch mehrentheils alte Leute sturben / wurden gar wahnwitzig und sinnloß / kriegten auch das Recidiv wohl dreymahl. Hieß bei denen Medicis morbus novus & antea incognitus“. SEMLER, Tagebücher, S. 138f. (1634): „Neben disen vom feindt erlittenen stäthen trangsalen, sorg vnd angsten hatt der allmächtige zumaln die statt Veberlingen mit einer schwären hauptsucht, gleich einem hungarischen fieber haimbgesucht, daran oftmaln in einem tag in 6, 7 vnd mehr personen, jedoch mehrer theilß nhur frembde baursleütt oder arme burger wegen ihres vnordentlichen leben oder vnsaubern hauß halltens (so wegen veberhäfften in die statt herein gewichnen landtvolckhs roß vnd vich in gemainen häußern durch keine oberkaidtliche gebott oder verordnungen abzustellen gewßt) hingenommen worden. […] Sonsten sein an dieser sucht noch vil andere junge vnd gemainlich die stärckhere leütt, sonderlich die ihenige, welche dem wein hievor vnmäßiglich ergeben geweßt oder welliche sich dessen in wehrender kranckhaitt nicht enthallten, gestorben. – Zu Costantz [Konstanz; BW] hatt diese sucht nicht weniger auch starckh grassirt auß oben angezaigter vrsachen“.
Ungarischer Gulden: 1 ungarischer Gulden = 100 ungarische Groschen. „Einen Sonderfall unter den Nachprägungen stellt der ungarische Gulden dar, insofern als dass er das ursprüngliche Raugewicht von 3,55 g bei einer Reinheit von 23¾ Karat, also einem Feingewicht von 3,51 g, bis 1553 beibehielt. Ermöglicht wurde dies durch die eigenen, reichhaltigen Goldvorkommen in den Karpaten. Aufgrund dieser Wertbeständigkeit ist der ungarische Gulden trotz seines Namens eher als ein Dukat zu verstehen – und wird auch häufig als solcher bezeichnet“. [wikipedia]
ungarisches Gold: 28 172 Karat feines Gold, das in Frankfurt/M. für Münzprägungen Verwendung fand.
ungarisch prügeln: heftig prügeln; gemeint war hier wahrscheinlich die sogenannte Bastonade oder Bastinado, eine uralte Prügelstrafe, insbesondere in nahöstlichen und fernöstlichen Ländern. Geschlagen wird, meist mit einer Rute oder einem Stock, auf die nackten Fußsohlen des Opfers, dessen Füße an einen Balken geschnürt und mit ihm emporgehoben werden.
Ungarn: Schriftlich erwähnt werden „hussarones“ (ursprünglich Grenzsoldaten in den ungarischen Festungen) erstmals 1481 in einem lateinischen Schreiben des Ungarnkönigs Matthias Corvinus (1443-1490). Die Husaren hatten sich bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass), Streitkolben und Lanzen, außerdem einen Panzerstecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Falls die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses drei- oder vierkantige Schwert mit einer etwa 150 cm langen Klinge auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt. Die von ihnen gestellten Bedingungen für ihren Einsatz waren u. a., landsmannschaftlich geschlossen kämpfen zu dürfen u. gute Aussichten auf Angriffe auf den Feind zu bekommen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 1030, S. 326. Zur zeitgenössischen Einschätzung vgl. REISNER, Aber auch wie voriges tags, S. 456f. (1619):Es ist zwar ein außerlesen schön ungerisches Kriegsvolckh, aber auch außerlesene Freybeutter; so mit stelen und rauben niemand verschonen; lassen nichts liegen, ziehen die leutt – freund oder feind – ganz nacket auß oder hawens wol gar nieder“. Eine ganz ähnliche Klage findet sich auch in dem Wiener Bericht vom 27. Oktober [1619]: „Die Hungern haußen gar übel auch bei den Evangelischen sine omni discretione, hauen alles nieder, plündern und verbrennen alles, so erbärmlich ist; wann sie alßo procediren, möchte waß anderst drauß entstehen”. Der Marktredwitzer Chronist Leopold (1635); BRAUN, Leopold, S. 54f. „Den 6. Febr[uar] hat ein edler, hochweiser Rat der Stadt Eger hie[r]her(o) berichtet, (wie) daß etliche Regimenter Ungarn aus Böheim(b) auf sie in (den) Anzug [seien] und fürters in das Reich marschieren wollten. Weil es (dann) ein böses und loses Volk, das sich auch von niemand kommandieren, vielweniger durch Kommiss[are] führen ließen, als(o) wäre ihr Rat: Wir sollten uns beizeiten mit Weib und Kindern, Vieh und [den] besten Sachen [und dem], was wir [sonst] noch hätten in Sicherheit begeben, denn [= weil] sie aller Orten sehr übel hauseten und sie uns vor solcher Gewalt nit schützen könnten“.
Der katholische irische Feldkaplan Thomas Carve [1590 – 1672 ?] berichtet; CARVE, Reyßbüchlein Bd. 2, S. 159f.: „Den 17. Octobris [1639; BW], ward ein Vngarischer Graff mit 500 Pferden / von Prag auff Prandis [Brandýs nad Labem] zu / allda die Schweden sich auffhielten / vmb Kundschafft einzuholen / außcommandirt. Dieser ist bald nach seinẽ Außzug von den Schwedischen Partheyen vmbgeben vnnd ertapffet / vnnd weilen in dem Außreissen / sein Pferdt vnter ihme gestrauchlet / gefangen worden; Obwohl nun er der Gefängnuß sich zu entledigen vermeyndt / gleichwohl gesehen dass solches durch kein anderes Mittel / alß mit gewehrter Handt geschehen könne / hat er sich allermassen ritterlich gewehret / auch der Schwedischen viele mit seiner eygenen Handt niedergemacht / biß endtlich er also verwundet / vnnd mit sieben tödtlichen Wunden verletzt / heroisch auff der Walstatt todt blieben. Sein todten Leichnamb haben nichts desto weniger die Vngaren dem Feindt entzogen / vñ mit sich nacher Prag gebracht vnangesehen irer etliche hundert das Leben darüber eingebusset / allda selbiger nach Standtsgebühr / mit grossen Ehren zur Erden bestattet worden“.
Ungebühr: was einem sittlich oder rechtlich, nach Recht und Billigkeit nicht zukommt.
ungeschwungen: derb, kräftig, tüchtig.
Union: Am 14.5.1608 in Aufhausen bei Nördlingen als ein Defensivbündnis der protestantischen Fürsten der Pfalz, von Ansbach, Kulmbach, Baden-Durlach, Sachsen-Anhalt, Pfalz-Neuburg und Württemberg gegründet (vgl. ERNST; SCHINDLING, Union und Liga), später kamen noch andere Stände sowie 17 Städte dazu, was zur Gründung der katholischen Liga führte. Ihre Schwächen lagen darin, dass Kursachsen und die norddeutschen protestantischen Fürsten sich nicht anschlossen, 1614 Pfalz-Neuburg und 1617 Brandenburg austraten. 1621 löste sich die Union angesichts der militärischen Überlegenheit Habsburgs, Bayerns und Spaniens wieder auf.
Unkraut: in der evangelischen Parabel sind das die Kinder der Bosheit (Matth. 13, 38), besonders Heuchler und Ketzer.
Unluft: unbekannter Begriff für Unrat ?
„unnatürliche Speisen“: GÜTHEN; SCHAUBACH, Poligraphia Meiningensis, S. 257f. (1637) „In diesem vorhergehend- und nachfolgenden beyden Jahren ist so eine elende und erbärmliche Zeit gewesen, daß es fast nicht zu beschreiben, und die Nachkommene kaum glauben werden. Krieg, Pestilentz und Hunger haben über alle massen überhand genommen, wie denn zumal in diesem und vorhergehendem Jahr es so theuer worden, daß das Maaß Korn biß auff acht und zwantzig Patzen gestiegen und ein Pfund Brod siebenzehen Pfennig gegolten. Und weil wegen des leidigen Kriegs-Wesen kein Geld mehr unter den Leuten war, musten die meisten sich mit Kleyen, Wicken, gemahlenen Eicheln, aus welchen sie Kuchen und Brey machten, It. gesottenem Graß, so weder gesaltzt noch geschmeltzt war, so wol von verstorbenen Pferd und Ochsen behelffen, wie denn die armen Leut, weil sie es in die Stadt nicht wol tragen durfften, draußen auff dem Obern-Rasen grosse Feuer gemacht, dasselbe gesotten und gebraten. Und hat man damals offt die Leute hinter den Zäunen, daß ihnen das Schind-Fleisch oder gekochtes Graß noch im Maul, tod gefunden, welches denn jämmerlich und elendiglich anzusehen war. Ja man hat erfahren, daß auff einer Seiten eines toden Aaß die Menschen, an den andern aber die Hunde genaget“. Notiz aus dem Pfarrbuch von Mauern (LK Neuburg/Donau) für 1648: „Viele haben aus Hunger Roßmist gegessen, der Feind hat alles fort; es ist nichts angebaut worden. Viele sind Hungers gestorben, die Überlebenden nähren sich von Wurzeln und Baumblättern und sind froh um die Häute der gefallenen Pferde”. [frdl. Mitteilung von Herrn Fahmüller, Pfeffenhausen]. Der Stadtarzt Gabriel Furttenbach von Leutkirch hält zu 1635 fest; Ober-Ländische Jammer- Und Straff-Chronic, S. 98f.: „Es war noch darzu eine grosse Teyrung / und Hungers noht / das die guete Leuth allerhand unnatürliche Speisen als Hund / Katzen / Meuß / und Kuchen von Leinöl (darvon sie dann nach ihrem Todt gantz gelb / ob sie an der gelbsucht gestorben wehren / außgeschlagen) essen musten“. Aus dem belagerten Weißenburg (1634) wird berichtet, dass außer Kleie auch Taubenkot zu Kommiss vermahlen wurde; CHEMNITZ, Königlichen Schwedischen […] Kriegs Ander Theil, S. 582f. Der Chronist Georg Friedrich Dhein berichtet über die Zustände in der Festung Hanau (1636); KURZ, Das Leben, S. 132: „Und da unter denen Scharmützel von Freund und Feind ein wohl gehaltenes Pferd erlegt wurde, gingen viele des armen Volks hinaus, rissen sich um das Aas, brachten von dem stinkenden Fleisch so viel als möglich war zu ihrem Unterhalt herein, wie denn auch sonsten Pferde-, Esel- und Hundefleisch gekochet wurde auf dem Markt verkaufet. Katzen estimirte man vor Wildbret und etliche allzu Fleisch begierige Leut handelten dem Scharfrichter gedörrtes Schindfleisch ab zu ihrer Speis“. Als Ersatz nahm man auch Gras oder Kräuter, „da viele hundert Menschen schwere Krankheit, Lähmung, Scharbock und die Mundfaulung bekamen, auch etliche Menschen sind auf der Gassen verschmachtet und niedergefallen, auf welches vielfältige Elend so mancher sehr zu Herzen genommen, sehr viele public und privat Almosen gereichet worden, wiwohl dem Elend nicht zu steuern gewesen“. => Hungersnot.
unpassioniert: leidenschaftslos, unvoreingenommen.
unperturbiert: ungestört, ungehindert.
Unpflicht: Unzucht, Ehebruch, außerordentlicher Verkehr.
Unrat: Taugenichtse.
unsädlich: unerstättlich.
unsauberer Wagen: Schinderkarren, mit dem totes Aas und Leichname Gerichteter und von Selbstmördern abtransportiert wurden.
unschleinig: langsam.
Unschlitt: Rindertalg, u. a. zur Verwendung von Talglichtern.
Unterburggraf: Stellvertreter des Burggrafen, des Stadtkommendanten des Kaisers oder des Landesherrn.
unter die Erde zu stecken: ins Verließ zu werfen.
„unter die Treppe gesetzt“. Diese Art von Gefängnissen befand sich unter dem Rathausaufgang und war ein zwar vergittertes, aber zur Straße bzw. zum Platz offene Verließ, das einen dem Spott und Hohn der Vorübergehenden aussetzt.
Unterfindlichkeit: Verachtung, Mitleid.
Untergericht: Stadtgericht, Vogteigericht mit voller Zivilgerichtsbarkeit.
Untergewehr, Unterwehr: Degen oder Rapier.
unterhalten: ernähren.
„sich unterhalten lassen“, unterstellen, d. h., in die Dienste des Gegners zu treten, geschah bei Gefangennahme entweder freiwillig oder auch gezwungenermaßen (=> Untersteckung), wenn man nicht genügend Ranzion stellen konnte oder Gefahr lief, getötet zu werden. Der häufige Fahnenwechsel konnte natürlich aiuch insofern Folgen haben, als gerade die Offiziere gute Detailkenntnisse mit ins gegnerische oder in das Lager von Verbündeten nahmen. OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 538: „Diesesmal gehörte auch Adam Philipp zu den Unsicheren. Um ihn zu halten, stellte ihm der Kurfürst folgendes Ultimatum, vom 4. März 1632: ‚Ir sollt die Ursache schreiben, aus welcher ir merfach geäussert habt, dass ir in unseren und des katholischen Bundes Kriegsdiensten zu continuiren wenig Lust habt oder, eurem Vorgeben nach, gedrungen werdet, ander Resolution zu fassen. Wir haben euch vor anderen zum General-Wachtmeister gemacht. .. Andere hohe und niedere Officirs, auch gemeine Soldatesca würde von euch ein bös und schädlich Exempel nehmen … Ihr habt versprochen zu continuiren und ist das in der jetzigen allgemeinen necessitet eure Schuldigkeit’. … Der Kurfürst will sich versehen ‘Ir werdet furtherhin einer mehreren discretion und dankbahrkeit bezeigen. Wenn aber ir andere resolution zu fassen gedenket, so begehren Wir, zuvor zu vernehmen: wohin Ir eure Resolution gestelt und ob ir die euch anvertraute charge und das Regiment zu resigniren gemeint wäret’. Gleichzeitig soll er berichten: ob er endlich den Tross und die pigage [Bagage; BW] reduzirt habe ? Die Antwort Adam Philipps auf diese ernste Mahnung zur Fahnentreue liegt nicht vor. Dass der Verdacht des Kurfürsten gegen ihn wohlbegründet war, wird sich später erweisen; wie auch, dass einige seiner Offiziere ihren jungen Obristen drängten”.
Unterhaltung, Untersteckung, Unterstellung: sich unterhalten lassen“, unterstellen, d. h., in die Dienste des Gegners zu treten, geschah bei Gefangennahme entweder freiwillig oder auch gezwungenermaßen (=> Untersteckung), wenn man nicht genügend Ranzion stellen konnte oder Gefahr lief, getötet zu werden.  Untersteckung war die (zwangsweise) Eingliederung von (insbesondere gefangen genommenen) Soldaten in bestehende unvollständige Verbände. „Die ‚Untersteckung’ von gefangenen Soldaten des Kriegsgegners war in der frühen Neuzeit allgemein üblich, wurde für gewöhnlich von den Betroffenen ohne Widerstände akzeptiert und scheint gar nicht selten die Zusammensetzung eines Heeres erheblich verändert zu haben” (BURSCHEL, Söldner, S. 158). Die „Relation deren Geschichten / Ritterlichen Thaten und Kriegßhandlung“, S. 12, berichtet, wie Bucquoy mansfeldische Söldner zur Unterstellung zwang: „Dann als mann sie (in der Zahl ohngefehr 1200.) gen Crumaw bracht / hat man sie Rotten vnd Hauffen weiß in Kammern so eng zusammen gesperrt / daß sie weder sitzen noch niderligen können / auch neben dem wenig Essen / das man ihn vorgestellt / ihnen gar nichts zu tricken geben / vnd es also etliche Tag vber / mit inen getrieben / Sie dardurch zu nötigen / daß sie dem Keyser ihre Dienst versprechen müsten / als auch geschehen. Dann nach dem sie auffs eusserst allerhand Ungemach außgestanden / vnnd etliche Tag kein tropffen zu trincken vberkommen / haben sie fast alle vnder solchem erschröcklichen Joch vnd Zwang sich schmücken vnd biegen / vnd dem Feind ihre Dienst zusagen müssen“. In der kurbayerischen Armee – Maximilian I. von Bayern war grundsätzlich gegen die Untersteckung wegen der Unzuverlässigkeit in Schlachten – wurden sie als Kugelfang beim Angriff oder Sturm auf eine Stadt vorausgeschickt; SEMLER, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 67. Franz von Mercy hatte nach seinem Sieg bei Tuttlingen (24.11.1643) an die 2000 Franzosen untergesteckt. HEILMANN, Kriegsgeschichte, S. 69f. Doch wurden schon seit dem Böhmischen Krieg Gefangene, die die Untersteckung verweigerten, oft hingerichtet. HELLER, Rothenburg, S. 158: (1645): „Die [bayr.] Furir aber haben alle Häußer, wo Franz. oder Weimar. gelegen, außgesucht und was sie hinterlaßen, alles weggenommen. Wie sie denn im güldenen Greifen einen Weimarischen Feldscherer sampt seiner Feldtruhen, welcher allhie geblieben und hernach wollen nach Hauß ziehen in Holstein, ertapt, übel gemartert und geschlagen, endlich mit sich hinweggefürt und, wie man gesagt, weilen er ihnen nit wollen dienen, auf dem Feld erschoßen”. MAHR, Monro, S. S. 157, bei der Einnahme der Schanze bei Oppenheim: „Als unsere anderen Leute sahen, daß das Schloß gefallen war, rannten sie los, die vorgelagerte Schanze zu erstürmen, in der sich neun Kompanien Italiener mit ihren Fahnen befanden. Ihre Offiziere sahen nun, daß das Schloß hinter ihnen überrumpelt war und daß der Angriff vor ihnen losbrach, da warfen sie ihre Waffen weg und riefen nach Quartier, die ihnen auch gewährt wurde. Ihre Fahnen wurden ihnen abgenommen. Da sie alle bereit waren, in unsere Dienste zu treten, wurden sie vom König Sir John Hepburn zugewiesen, der nicht nur ihr Oberst wurde, sondern auch ein guter Schutzherr, der sie in guten Quartieren unterbrachte, bis sie neu eingekleidet und bewaffnet waren. Aber sie zeigten sich undankbar und blieben nicht, sondern liefen in Bayern alle davon. Nachdem sie einmal die warme Sommerluft verspürt hatten, waren sie vor dem nächsten Winter alle verschwunden“. Teilweise beschaffte man über sie Informationen; SEMLER, Tagebücher, S. 70f. (1633): „Wie beschehen vnd seyn nahendt bei der statt [Überlingen; BW] vier schwedische reütter, so auf dem straiff geweßt, von vnsern tragonern betretten [angetroffen; BW], zwen darvon alsbald nidergemacht, zwen aber, so vmb quartier gebeten, gefangen in die statt herein gebracht worden. Deren der eine seines angebens Christian Schultheß von Friedland [S. 57] auß dem hertzogthumb Mechelburg gebürtig vnder der kayßerlichen armada siben jahr gedient vnd diesen sommer zu Newmarckht gefangen vnd vndergestoßen [am 30.6.1633; BW] worden: der ander aber von Saltzburg, vnderm obrist König geritten vnd zu Aichen [Aichach; BW] in Bayern vom feind gefangen vnd zum dienen genötiget worden. Vnd sagte der erste bei hoher betheurung vnd verpfändung leib vnd lebens, dass die schwedische vmb Pfullendorff ankomne vnd noch erwartende armada 24 regimenter starck, vnd werde alternis diebus von dem Horn vnd hertzogen Bernhard commandirt; führen 4 halb carthaunen mit sich vnd ettlich klainere veld stückhlin. Der ander vermainte, daß die armada 10.000 pferdt vnd 6.000 zu fůß starckh vnd der so geschwinde aufbruch von Tonawerd [Donauwörth; BW] in diese land beschehen seye, weiln man vernommen, daß die kayserische 8000 starckh in Würtemberg eingefallen“. => Kriegsgefangene. Der häufige Fahnenwechsel konnte natürlich auch insofern Folgen haben, als gerade die Offiziere gute Detailkenntnisse mit ins gegnerische oder in das Lager von Verbündeten nahmen. OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 538: „Diesesmal gehörte auch Adam Philipp zu den Unsicheren. Um ihn zu halten, stellte ihm der Kurfürst folgendes Ultimatum, vom 4. März 1632: ‚Ir sollt die Ursache schreiben, aus welcher ir merfach geäussert habt, dass ir in unseren und des katholischen Bundes Kriegsdiensten zu continuiren wenig Lust habt oder, eurem Vorgeben nach, gedrungen werdet, ander Resolution zu fassen. Wir haben euch vor anderen zum General-Wachtmeister gemacht. .. Andere hohe und niedere Officirs, auch gemeine Soldatesca würde von euch ein bös und schädlich Exempel nehmen … Ihr habt versprochen zu continuiren und ist das in der jetzigen allgemeinen necessitet eure Schuldigkeit’. … Der Kurfürst will sich versehen ‘Ir werdet furtherhin einer mehreren discretion und dankbahrkeit bezeigen. Wenn aber ir andere resolution zu fassen gedenket, so begehren Wir, zuvor zu vernehmen: wohin Ir eure Resolution gestelt und ob ir die euch anvertraute charge und das Regiment zu resigniren gemeint wäret’. Gleichzeitig soll er berichten: ob er endlich den Tross und die pigage [Bagage; BW] reduzirt habe ? Die Antwort Adam Philipps auf diese ernste Mahnung zur Fahnentreue liegt nicht vor. Dass der Verdacht des Kurfürsten gegen ihn wohlbegründet war, wird sich später erweisen; wie auch, dass einige seiner Offiziere ihren jungen Obristen drängten”.
Unterhaltungsgelder, Unterhaltsgelder: Unterhaltszahlungen für durchziehende oder stationierte Truppen sowie deren Befehlshaber.
Unterherrschaft, Unterherrlichkeit: Unterherrschaft, auch „Unterherrlichkeit“ genannt, ist eine Gerichtsherrschaft, deren Inhaber, der Unterherr, in seinem Gebiet vom Landesherren mehr oder weniger unabhängig war, ohne jedoch reichsunmittelbar zu sein. [wikipedia]
Unteroffizier: Feldwebel, Führer, Fourier, Musterschreiber, Feldscherer waren die Unteroffiziere der Prima plana. Auf drei Unteroffiziere kamen pro 1.000 Rt. Beute und Ranzionierung 11 Rt., 66 Alb. 4 Heller; HOFMANN, Peter Melander, S. 156. Korporäle, Gefreite, Spielleute und Fourierschützen galten dagegen als gemeine Befehlshaber.
Untersasse: ärmere Personen ohne oder mit wenig Grund, die man gegen Miete ins Haus genommen hat, auch Inwohner überhaupt; Hintersasse, Untertan, Untergebener.
Unterschleif: Unterkunft, Obdach, Herberge, Zuflucht.
Unterschleif: Unterhalt; auch Betrug; Unterschlupf.
unterschweifen: unterspülen.
unterstechen: hinterlistig, heimlich verhandeln, es insgeheim mit jemandem halten, in geheimen Verständnis stehen.
unterstochen: hinterlistig verhandelt.
Unterstube: im Erdgeschoss liegende Stube, im Gegensatz zur repräsentativeren Oberstube.
Unwesen: übler Zustand, Unordnung, Ungelegenheit, Beschwerlichkeit.
Unze: 30 Gramm.
unzeitig: noch nicht ganz reif.
unzeitige Kindsköpfe: Kinderköpfe von Frühgeburten.
ut infra sequetur: wie weiter unten folgt.
un(t)set: Entsatz.
untslagen: befreien.
untüglich: untauglich, unbrauchbar.
unzeitig: vor der Zeit.
Urfehde: schriftliche Erklärung, sich nicht zu rächen.
urpheid de non vindicando in solita forma: Urfehde, sich nicht rächen zu wollen, in gewohnter Form.
Urgicht: „ein Ausdruck, der seinen Ursprung aus den finsteren Zeiten des Mittelalters herleitet, und die Beantwortung der Torturalfragen, d. h. der Fragen, welche dem unglücklichen Gemarterten vorgehalten wurden, bedeutet. Die Beantwortung der Torturalfragen — sagt der Verfasser des Aufsatzes über Tortur in Pierer’ s Conversations=Lexikon — mußte wo möglich nicht in der Marterkammer, sondern in einem andern Zimmer, ganz entfernt von allen Schrecken, geschehen. Auch hatte die Urgicht noch keinen rechtlichen Glauben, bevor sie nach der peinlichen Gerichtsordnung, Artikel 56, zum wenigsten über den andern oder über mehrere Tage vor besetztem Criminalgericht vom Inquisiten, frei von Marter und Furcht, bestätigt worden war. Höchst selten wurde, nach zweimaliger Marter und Widerrufung des Bekenntnisses, eine dritte Marter, vielmehr eine außerordentliche Strafe erkannt. Nach überstandener Tortur ohne Bekenntniß wurden alle Verdachtsgründe als getilgt betrachtet; auch durfte die Tortur dem Inquisiten nicht vorgeworfen werden. Er wurde nach geleisteter Urfehde entlassen“. [KRÜNITZ]
urgieren: darauf dringen, einfordern, verlangen.
Uskokenkrieg: Spanien hatte teilweise mit den Uskoken (abgeleitet v. »uskociti« = flüchten, d. h. Bewohner Serbiens u. Bosniens, die durch die Osmanen Anfang des 16. Jh. vertrieben worden waren) zusammengearbeitet, um der verhassten Markus-Republik zu schaden. Bereits in den 90er Jahren hatte die Serenissima die Blockade über die Hauptstützpunkte der Uskoken – Fiume, Triest u. Senj – verhängt, sich aber erst 1615 zu militärischen Maßnahmen entschlossen, um nicht in einen Konflikt mit der Hohen Pforte zu geraten, da die Uskoken unter dem Vorwand der Osmanenbekämpfung Seeraub betrieben. Seine Bedeutung erhielt dieser Krieg jedoch “from the support given to the contestants by the future antagonists of the Thirty Years’ War” (ROTHENBERG, Venice, S. 154). BARTL, Der Westbalkan zwischen spanischer Monarchie und Osmanischem Reich, S. 60; bzw. das Standardwerk v. GULDESCU, The Croatian-Slavonian Kingdom, S. 102ff.; ROTHENBERG, Venice and the Uskoks of Senj, S. 148-156. Die beste angelsächsische Darstellung findet sich bei MALLET; HALE, Venice, S. 242-247, 327-329, 482-484; GIGANTE, Venezia e gli Uscocchi, S. 3-87; allgem. TENENTI, Piracy and the Decline of Venice bzw. TENENTI, Venezia e i corsari; LANE, Seerepublik Venedig. Erwähnenswert ist auch die Quellensammlung v. LOPAŠIC, Spomenici Hravatske Krajine. Bd. 2.
uti legitur: wie man liest.
uti in literis: wie in der Beilage.
uti testo: wie ich bezeuge.
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