Adelshofen [Adelshöfer, Adelshöffer, Adelßhoff, Adelzhoffen, Adelhoff] auf Trochtelfingen, Johann Christoph von und zu

Adelshofen [Adelshöfer, Adelshöffer, Adelßhoff, Adelzhoffen, Adelhoff] auf Trochtelfingen, Johann Christoph von und zu; Generalwachtmeister [ – Jan ? 1649] Adelshofen, ein strenggläubiger Katholik, stand als Rittmeister, Obristwachtmeister, Obristleutnant, Obrist und Generalwachtmeister in kaiserlichen Diensten.

Der Schmalkaldener[1] Chronist Johann Georg Pforr [1612  – 1687] hält fest: „Den 13. Octobr: [1623; BW] ist der Keys: Rittmeister Johan von Adelßhoff mit einer compagnia reutter vonn 200 man alhier einquartirt word[en, bekam der vatter ein freyreutter[2] mit 3 pferden”.[3]

Im Juli 1625 stand er in Weiler[4] bei Maastricht,[5] um dann nach Breisig[6] weiterzumarschieren. Bevor er nach Eger[7] weiter reiste, hielt er sich noch in Frankfurt[8] und Nürnberg[9] auf, wie aus dem Briefwechsel mit Melchior von Hatzfeld hervorgeht.[10]

1626 verfasste er für Melchior von Hatzfeldt eine Charakteristik Wallensteins.[11]

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe[12] erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 12. Juni [22.6.1626; BW] ein armes Weib von den Reutern in Felde übel verwundet worden. Den 13. Juni [23.6.; BW] bey Clingen[13] ein armer Bauresmann vom Soldaten erstochen worden. Eodem [die] unser Hofmeister Christian Melchior von Schlotheim mit einem Pferde sehr übel gefallen. Den 14. Juni [14.6.; BW] ein Soldat von Bauren erschossen worden, ist nach Keula[14] begraben worden. Eodem [die] die zu Rockensußra[15] liegende Soldaten Volckmarn von Heyligen eine gantze Heerde Schaafe genommen und in ihr Quartier bracht. Den 15. Juni zu Rockensußra ein Soldat gestorben. Den 16. Juni [26.6.; BW] ein Soldat erschossen worden zu Allmenhausen.[16] Eodem [die] das arme Weib, so den 12. Juni [22.6.; BW], wie oben erwehnet, von muthwilligen Soldaten tödlich verwundet worden, alhier zu Ebeleben[17] gestorben. Eodem [die], den 16. Juni [26.6.; BW], der Oberste Wachmeister Adelshofer beneben Ritmeister Budweißen [Bornival; BW] alhier zu Ebeleben gewesen“.[18] „Eodem die, den 22. Juni [2.7.; BW], der Oberste Wachmeister zu Keula, Adelshöfer, Meinem Gnädigen Herrn die Wollen zu Keula aufn Hause arestiren lassen. Die haben wir mit 10 Eymer[19] guten Wein lösen müssen. Summa, der Übermuth ist nicht genungsam zu beschreiben und der Jammer und Trangsaal unaussprechlich. Eodem [die], den 22. Juni, abermahls zweene Reuter unter Niebelschützens Compagnia erschossen worden. Eodem die ein alter frommer lahmer Mann, Heßeler von Rockensußra, erschossen worden. Den 23. Juni ein Soldat zu Uhrbach[20] ein Kind von ohngefehr 12 Jahren erschossen. Eodem [die] die Soldaten zu Keula Meines Gnädigen Herrn[21] Kornboden zu Keula auch angriffen und 13 Mscheffel[22] Hafer davon genommen. Eodem die, den 25. Juni [5.7.; BW], die Soldaten zu Keula auf dem Hause alles visitiret, so darauf gewesen, hat der Schösser alle Losamente müssen aufschließen lassen, Eodem die, den 23. Juni, ein Knecht von Gundersleben,[23] Hans Rosenstiehl, der im Felde vor sein Pferd Gras holen wollen, von einem Reuter durch schossen worden, also dass man ihm auf einem Karren herein in Ebeleben führen müssen, wird es wohl schwerlich verwinden. Den 24. Juni [4.7.; BW], war eben der Tag Johannes Baptistae, etzliche Reuter früh morgens in Ebeleben gefallen und den Leuthen etzliche Pferde aus den Stellen genommen, haben also ein traurig Johannisfest. Dabey der Rosendöpfe und Singe Reimen alle vergessen. Den 25. Juni [5.7.; BW] der übelgeschossene Knecht von Gundersleben, Hanns Rosenstiehl, alhier zu Ebeleben gestorben. Eodem [die], den 25. Juni, das Dorf Holzengel[24] morgens frühe umb 5 Uhr von den Wallonen [Reiter Johanns II. v. Mérode-Waroux; BW] angestecket und gantz abgebrant worden, hat fast den gantzen Tag gebrant. Den 26. Juni [6.7.; BW] die Reuter einen armen Mann zu Allmenhausen im Dorfe erschossen. Den 27. Juni etzliche Bauren den Musterschreiber von Rockstedt[25] auf der Straßen beraubet und gantz nacket ausgezogen, ihn aber gleichwohl leben lassen. Eodem [die], den 27. Juni [7.7.; BW], etzliche Reuter einen Bauren zu Abtsbessingen,[26] Daute genant, erstochen. Den 28. Juni [8.7.; BW] abermahls etzliche Reuter von Holzsußra[27] morgens frühe alhier zu Ebeleben ingefallen und aus Jacob Bloßen Hause alles Zeug weg genommen“.[28] „Den 2. Juli [12.7.; BW] Mein Gnädiger Herr mich beneben deme von Schlotheim nach Keula zu dem Obersten Wachtmeister gesandt. Eodem die Meinem Gnädigen Herrn 6 wilde Pferde genommen worden“.[29] „Den 9. März [1627, BW] abermahls eine Compagnia Defonische [Nikolaus Des Fours; BW] Reuter alhier ankommen, den Obersten Wachmeister zustendig. Die ist halb in Großmehlra[30] quartiret worden, und halb in Urbach. Die wollen also balde 1000 fl Contribution haben“.[31]

Im April 1627 war Adelshofen vorübergehend in Olmütz[32] stationiert.

Aus Mühlhausen[33] schrieb er Melchior von Hatzfeldt im Januar 1628, u. a. über die Heiratsabsichten Ilows, des Vertrauten Wallensteins.

Hofrat Happe hält Einzelheiten über Adelshofens erneute Einquartierung fest: „Diesen Tag [1./11.2.; BW] ist Posta kommen, dass Adelshofens, des Obersten Lieutenants Compagnie, im Ambt Keula und Ebeleben liegende, auch abgeführet werden. Den[n] es [im Original nachträglich eingefügt] sollen aber die beyden Amtern wochentlich nach Großenehrich[34] geben 300 fl an Gelde und 220 Scheffel[35] Hafer. Den 3. Februar bin ich der grassirenden bösen Seuche halber von Ebeleben mit Weib und Kinde nach Greußen gezogen. Den 4. Februar [14.2.; BW] ist Adelshofens Compagnie Reuter aus dem Amte Keula in Schlotheim[36] und Mehrstedt[37] verrücket. Wir müssen ihnen aber aus dem Ambte Keula wochentlich geben 300 fl am Gelde und 220 Scheffel Hafer. Den 5. Februar [15.2.; BW], als von Ebeleben vor Meines Gnädigen Herrn Hofhaltunge zu Keula etzliche Victualien geführet werden sollen, sind dieselben unterwegens den armen Leuthen mit drey Wagenpferden durch etzliche Reuter abgenommen worden“.[38]

Im März 1628 unterrichtete Adelshofen Melchior von Hatzfeldt über den Ausbruch von Bauernunruhen, die Heirat Ilows mit Gräfin Anna Albertina von Fürstenberg sowie seine beabsichtigte Reise nach Italien, Spanien oder England.[39] In Prag weilte er im Mai dieses Jahres und berichtete Hatzfeldt über die Zustände am Prager Hof, die Lage in Schlesien und die Belagerung Stralsunds.[40]

Im Dezember 1628/Januar 1629 hielt er sich in Wien auf. Er informierte Hatzfeldt von der Schiffbarmachung der Moldau, von der herrschenden Unkenntnis der Kriegslage und den Zuständen am Wiener Hof.[41]

1632 war Adelshofen zunächst Obristleutnant im Fußregiment des Grafen Maximilian von Waldstein, einem Vetter des Generalissimus. Vom 20.6.1632 bis zum 10.7.1633 fungierte er als Kommandant in Eger.[42]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][43] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz[44] erinnert sich ungern an Adelshofen und seine Truppen im Jahre 1632: „Als nun die Kai[serischen] und die Churbayerischen in dieser Gegend konjungieret und trefflich gestärket, sind sie endlich (in) 60 000 Mann starck zu Roß und [zu] Fuß aufgebrochen und haben ihren Marsch durch die Pfalz auf Nürnberg[45] [zu] genommen. Von diesen aber sind etlich(e) Regimenter an den Grenzen liegen(d) (ver)blieben. Zu Eger blieb liegen(d) Herr Ober[st] Adelshöffer mit seinem Regiment zu Fuß, (in) 1500 Mann stark. Dahero, als wir vernommen, daß der starke Marsch vorüber, haben wir uns allgemach wieder nach Haus begeben und [haben] bei dem Ober[sten] Adelshöffer, [dem] Kommandanten in Eger, lebendige Salva Guardi[a] erlanget. Er versprach uns Schutz und legte uns heraus seinen Proviantmeister. Derowegen wir Weib und Kinder auch wieder zu Haus brachten, do wir dann nit allein die Häuser leer, sondern auch Tür und Tor, Fenster, Öfen, Tisch[e] und Bänk[e] zerschlagen [vor]fanden. Alle vermauerte[n] und vergrabene[n] Sachen war[en] eröffnet und hinweg. Aller Vorrat an Getreid[e] und anderen Sachen, auch (in die) 800 Eimer Bier war[en] verderbet und hinweggeführet. Auch aller Hausrat, so die Soldaten liegen lassen, ist von den Bauern und andern Hausdieben weggetragen worden. Da hat man – ob[wohl] man gleich an-ders(t)wo zu Essen was her(o)gebracht – weder Töpf(e), Schüssel und Teller haben können. Zu einer Suppe(n) hat man wohl in zehn Häuser schicken müssen, bis man einen Löffel zusammengebracht [hat]. Und obgleich deswegen von Vielen ein großes Lamentieren [anfing], so hat es doch der wenigste Teil geachtet, sondern Gott gedanket, daß wir wiederum(b) sicher bei unser[er] Hütten haben bleiben können. Über das haben wir zu[r] Erhaltung des Schutzes eine große Summe Geldes wöchentlich dem Kommandanten nach Eger kontribuieren müssen. Dieser Adelshöffer setzte uns auch wieder einen katholischen Pfaffen ein, Magist[er] Hanns Jacob Göring, einen alten Bösewicht. Der machte uns auch viel zu schaffen.

Als wir nun solchergestalt durch schwere Kontribution Schutz und Salva Guardi[a] erhalten, sind nit allein alle Bauern von den um(b)liegenden Dörfern herein mit ihrem Vieh(e) – und was sie noch hatten – zu uns geflohen, sondern auch die Arzberger,[46] Thiers(ch)heimer,[47] Schirndinger[48] und andere arme, abgebrannte Leut[e] mehr, die ihre Zuflucht hierhero genommen [haben]. Ist der Markt sehr voll Volks [ge]worden, daß in manchem Haus bei 60 Personen gezählet worden [sind]. Weil(n) dann das Volk in solcher Meng[e] allenthalben über einen Haufen [war] – denn außerhalb des Marktes war kein Mensch sicher – entstand eine Hauptkrankheit,[49] [so] daß fast in allen Häusern kranke Leut(e) waren. Darunter starben gar viel fromme(r) Leut mit hin“.[50]

Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann [11.11.1611 – 11.12.1688][51] berichtet über die 1. Eroberung der Stadt Freiberg[52] 1632: „In der Stadt lagen nicht mehr den 1. Compagnie Pferd vom Holsteinischen und 1 Regiement zue Fuß. Den 30. September ginge die Belagerung an. Der General Holcke[53] [Holk; BW] kam mit 6000 Pferden den 2. October, der General Gallas[54] mit 8000 Infanterie und 28 stücke, branden umb die Stadt ab alle fuhrwercke, hütten und gebeude, Darneben 3000 schrägen Flößholtz, darvon eine solche glut und flamme in die höhe gegangen, daß mann das Feuer in Ober-Ertzgebirg gesehen. Den 3. October schoßen Sie mit 500 Canonschößen breche, kugeln, von 12 biß 36. Pfd. schwer, warffen 75 feuerkugeln,[55] ein von 70 biß 90 pfd. schwer, daß der Commendant noch des tags einen anfang zum accord machte, Der den 4. October schimpflich vollzogen wurde, daß das Regiement Fehnlein und Obergewehr, die Compagnien zue Pferd stanttart und Pferde hinderlaßen und abziehen, dargegen 2 Compagnien Keyßerliche ins schloß einnehmen und 50000 thl. die Stadt geben solte, ist aber bey 30000 thl. geblieben: und wurde darinnen Commendant der Obristleutnant Adelshofen. Die Armada blieb in vorstädten und in Dörfern umbher liegen. 10. October brach Holke auf von Freyberg und zog den Wallenstein entgegen und Praesentirte zue Plauen[56] denselben die zue Freyberg eroberten Fehnlein … Den 30. October zog auch der Gallas ab, versal-vaguardirte das Berg-Ampt, Ihre Hütten und zugehörige gebeute und lies es mit 2 Regiementern besezt. Die brachten die Stadt in die äußerste noth, daß nicht ein bißen brod bey einen Becken, noch ein trunck bier bey den einen bürger zue bekommen, viel weniger Saltz, Würtz und andere nothdurft, daß viel Menschen uff den gassen umbgefallen und verschmachtet. Die Marcketender fehreten ein weniges zue, aber in so hohen Preiß, daß es der 10. nicht bezahlen kunte. Eine kanne bier galt 3 biß 8 gr., Eine kanne Wein des geringsten 12 biß 30 gr., eine von den Soldaten geraubte Kuhe wahr wohlfeiler denn 1 kanne bier. Darbey riße die Pest und Soldatenkranckheit den dritten Theil der Bürger weg, daß 500 heuser öde und lehr stehen blieben. Die Stadt Annenberg[57] that große hülffe mit zueführung (von) brodt und bier nach Chemnitz[58] und Freyberg im November“.[59] […]

„Flecken und Dorf Lengefeld[60] hinder Marienberg[61] hatt wegen der straße nach Zwicka[62] und Freyberg in der Unruhe viel außstehen müßen. Die Generales Holke, Gallas, Adelshofer und die Crabatischen regiermenter untter dem Corpus [Corpes; BW] Isolani etc. sindt allezeit in hinn- und wieder marchiren mit den Stab drinnen gelegen, die leute sind geradelt,[63] beschedigt und verjagt worden, daß es viel wochen wüste gestanden; viel leut und junges Volck haben Sie mit  weggeführet, die nie wieder kommen sind. Den 3. September überfielen Sie des Nachts das Stedlein Frauenstein,[64] erstiegen das Schönbergische Schloß und hieben nieder defensioner und bürger, was Sie in gewehr gefunden“.[65]

Gegen Ende 1632 wurde Adelshofen das Regiment Maximilian von Waldstein mit Ernennung zum Obristen übertragen, nachdem Maximilian von Waldstein das Regiment seines in der Schlacht bei Lützen[66] gefallenen Vetters Graf Berthold Waldstein übernommen hatte.

Im Januar 1633 war Adelshofen immer noch in Eger stationiert.[67] Der Wert des Schutzes von Marktredwitz[68] durch Adelshofen sollte sich bald erweisen, wie der Zeitzeuge Leopold für 1633 anlässlich der Einquartierung kaiserlicher Kroaten-Regimenter feststellen musste: „Hernach kam der Ober[st] Forgatsch [Fórgach, BW] [und] nahm sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Thiersheim,[69] [Markt]leuthen[70] und Kirche[n]lamitz.[71] Der Ober[st] Beygott hatte sein Quartier mit seinem Regiment Kroaten zu Fischern[72] und Markhausen.[73] [Der] Ober[st] Orossi Paul [war] mit seinem Regiment Kroaten zu Mühlbach[74] und Kunreuth,[75] Ober[st] Koglewitz mit seinem Regiment Ungarn zu Liebenstein,[76] Ober[st] Corpes, welcher diese Regimenter alle kommandierte, nahm das Quartier mit seinem starken Regiment Kroaten zu Arzberg[77] [und ver]teilte sein Regiment auf die [folgenden] Dörfer: ein Kornet[t] nach Grafenreuth,[78] ein Kornet[t] nach Korbersdorf,[79] ein Kornet[t] nach Lorenzreuth, ein Kornet[t] nach Haag,[80] zwei Kornet[t] nach Brand[81] [und] ein Kornet[t] nach Seußen.[82] Die übrigen hatte er bei sich. Als sie sich nun solchergestalt in die Quartiere verteilt hatten und der Regimenter viel waren, hingegen die Quartiere eng, auch darin[nen] wenig zum besten, haben diese Völker ausgesetzt weit und breit im Land. Da ging es dann im ganzen Land abermals jämmerlich her, denn diese Völker hatten gute, geschwinde Pferde. Da war auf 12 oder 15 Meilen nichts sicher vor ihnen. In solcher Ferne plünderten sie aus Städten  und Märkten und rissen den Männern sowohl die Weiber [als] auch ihre Jungfrauen und Töchter von ihren Seiten und führten sie mit sich in ihre Quartiere. Solch trauerige Herzen, die uns sehnlich von ferne angesehen und [an]geseufzet, haben wir fast täglich vor Augen gehabt und vorüberführen sehen. Aber da war bei diesen barbarischen Völkern keine Rettung. Da war kein Tag, [daß] man [nicht] hörete, [daß] da und dort dieser oder jener erschossen, erhauen oder sonst zu Tode gemartert worden ist. Da war ein Winseln, ein Schreien, Händewinden und Haarausraufen; bald von Männern, bald von Weib[ern] und Kindern. Ach mein Mann, ach mein Vater ist erschossen, erhauen oder gefangen mitgeführet worden ! Ach mein Weib, meine Tochter, meine Mutter, meine Schwester haben sie mit hinweggeführet, zu Tod[e] gemartert, hernach ins Wasser geworfen ! Ach, wie haben die Frommen ihre Häupter emporgehoben und nach einem seligen Ende geseufzet ! Und obwohl wir allhie[r] Tag und Nacht bei diesem jämmerlichen Zustand in Gefahr und Sorgen vor diesen fremden fremden Völkern standen, so hat doch Gott der Allmächtige seine starke, schutzreiche Hand über uns so gnädiglich gehalten, daß wir’s ihm nicht genugsam(b) (ver)danken können. Denn der Kommandant zu Eger, Herr Ober[st] Adelshöffer, von welchem diese Regimenter alle Order holen und erwarten mußten, (der) hielt uns mächtigen Schutz und band ihnen ernstlich ein, sie sollten sich an Rebitz – welches sein Quartier [war] und zur Erhaltung seines Regimentes kontribuieren mußte – ja nit vergreifen. Obwohl wir des Adelshöffers Regiments-Proviantmeister mit etlichen Musketieren zur Besatzung und Salva Guardi[a] hatten, die uns vor allem Anfall defendieren sollten, so haben wir doch zur (Ver)sicherung auch bei Herrn Ober[st] Corpes etliche Kroaten ausgebracht und zu unserem Dienst gebraucht, damit, wann die Parteien, [die] so stark hin- und hergeritten [sind], etwas begehrt und haben wollten, (daß) sie auf ihre Sprache mit ihnen reden und antworten konnten. Denn da sparten wir keine Unkosten, weder Geld noch Geldeswert. Da zogen wir alles hervor und gaben willig und gerne alles, was wir hatten den(en) Obersten, die uns [in] dieser Zeit geschützt haben. Unsere Tor[e] mußten wir zugesperret haben Tag und Nacht und fleißig wachen, denn allernächst an den Toren wurden die Leut[e] ausgezogen, niedergehauen und beschädigt. Und durfte sich also niemand außerhalb auf dem Lande ohne starke Konvoi sehen und betreten lassen. Deswegen die Bauersleut um(b) uns sich mit Weib, Kind und Vieh – was sie noch hatten – wieder herein zu salvieret [haben]. Und ist dies gar gewiß, daß sie solche vergiftete Waffen hatten, daß, wer nur ein wenig von ihnen beschädigt wurde, der mußte daran sterben, er trieb’s gleich lang oder kurz.

Als im Anfang die Kroaten in die Quartiere kamen, schickte der Ober[st] Beygott Schreiben anher[o], daß unsere Herren alsbald(e) nach dessen Verlesung sich aufmachen und noch selben Tag[s] bei ihm in seinem Quartier in Markhausen[83] erscheinen sollten. Und do solches in puncto nicht geschehe, sollten wir von ihm nichts anderes als Feuer und Schwert zu erwarten haben. Daher(o) [haben] sich abordnen lassen: He[rr] Friedrich Wuttig, Bürgermeister, He[rr] Hans Georg Steinl, Richter und He[rr] Hektor Hagius, Gerichtsschreiber. Und als sie sich zu [= bei] ihm [ein]gefunden im Dorf Markhausen, hat der Ob[e]r[st] von ihnen über Bier, Fleisch und Brot [hinaus] an Geld [noch] begehret 100 Reichstaler. In langer [Ver]handlung ist es auf 60 Taler kommen. Und weil(n) er sie von dannen nit [hat] lassen wollen, er habe denn das Geld, als[o] sind beide Herren, als[o] Wuttig und [der] Gerichtsschreiber, auf Hohenberg[84] zum Kommandanten daselbst, welcher ein Hauptmann unter dem Adelshöffer [war]. Der bewilligte, das Geld herzuleihen. Unterdessen haben sie Herrn Steinl, [den] Richter, bei den Kroaten, bis sie mit dem Geld kamen, gefangen zurück (hinter)lassen.

Inmittelst ist von dem großen Regenwetter das Gewässer so groß gewachsen, daß sie nicht zusammenkommen konnten. Und ehe solches gefallen, haben die Kroaten Ordonanz bekommen, daß von ihnen 2 Komp[anien] in Böheim(b) [ein]marschieren sollten. Dieselben nahmen unsern Herrn Richter, warfen ihn auf ein Pferd und führten ihn anstatt des Geldes gefänglich mit davon. Und als sie nun mit ihm zu Eger vorüberwollten und sie sich in der Vorstadt etwas aufgehalten, da sahen dann die egerischen Bürger, daß sie (ihn) He[rrn] Richter gefänglich mitführten. Sie zeigten solches alsbald dem Kommandanten an. Der schickte geschwind etliche Offiziere(r) hinaus und läßt ihn mit Gewalt wieder hinwegnehmen und in die Stadt bringen. Da [war] denn der Kommandant sehr übel zufrieden, daß sich unsere He[rren] Abgeordneten ohne sein [Vor]wissen hinausbegeben hatten; aber es war [eben] geschehen.

Die Kroaten aber, die es damals nit anders(t) machen konnten und geschehen lassen mußten, gaben zwar Droh-wort[e] aus und wollten es zu gelegener Zeit schon rächen, wie denn bald hernach(er), als selbiges Regiment neben noch anderen 3 Regimentern Kroaten auf uns zu marschierte und einen Trompeter voraus geschicket und zu wissen begehret, ob man ihnen das versprochene Geld wollte geben. Wo nit, so wüßten sie solches an jetzo selbst zu zahlen. Aber unser Proviantmeister sprach nit allein dem Trompeter, sondern auch den Kroaten zu, es wäre ihm von seinem He[rrn] Obersten ernstlich geboten, daß die Rebitzer ohne sein Wissen und Verwilligung niemand weder Geld noch Proviant geben sollten. Doch wollte er (solches) an seinen He[rrn] Ob[e]r[st] nach Eger berichten, ob sie ihnen was geben sollten oder nit. Inmittelst sollte der kroatisch[e] Ober[st] seinen Regimentsquartiermeister so lang, bis der Bericht zurückkäme, allhier (hinter)lassen. Als nun der Bericht kam, wurde uns nit allein verboten, nichts zu geben, sondern der Kommandant schrieb auch den Kroaten scharf, so sollten Rebitz unbedrängt lassen. Wollten sie dann [noch] was Widerwärtiges wider sein (Ver)hoffen vernehmen, wüßte er sie bei Kais[erischer] Majestät schon zu finden. [Er] wollte sie also hiermit treulich verwarnet haben.

Dieser Bericht gefiel den hinterbliebenen Kroaten aber nicht und murreten also davon. Aber lang hernach führte sie der Teufel wieder her. Da mußten wir Gott danken, daß sie das Geld von uns mit Willen annahmen und sonst nichts Feindliches tentierten; denn der Adelshöffer war [zu] selber Zeit nit mehr in Eger. Dieser Adelshöffer hielt herrlichen Schutz über uns. Er ließ uns nit gern in Not geraten, denn sobald Volk in der Nähe im Marsch war, hat er (solche) Vorsorg um(b) uns getragen und uns bisweilen 30 bis 50 Dragoner und Musketiere(r) zur Defension herausgeschickt. Aber bei ihm war auch Geld die Losung. Wir mußten ihm steif in die Büchsen blasen. Er war ein junger, tapferer und gelehrter Herr. Seinesgleichen ist nach ihm nit mehr auf Eger [ge]kommen.

Dieser Zeit sind etlich wenig Polacken zu Münchberg[85] eingefallen und haben geplündert. Weil sich dann die Münchberger auch bedenken ließen, es wäre ihnen ein[e] Schand[e], daß sie sichj von solch[en] wenig[en] Leuten sollten tribulieren lassen, wollten [sie] ihren Mutwillen nit gestatten, fallen dieselben an, erschlagen nit allein derselben (bei) 10 oder 8 und nehmen ihnen etliche Pferde, sondern, weil sie auch sahen, daß die Polacken hübsch stark und fett [waren], haben sie etliche Riemen aus dem Leib geschnitten[86] und sind übel mit ihnen um(b)gangen. Aber sie mußten nit allein die Pferde wieder zurückgeben, sondern es wurden auch um(b) dieswillen viele zu Boden gehauen und [es wurde] wieder übel mit ihnen gehauset. Wie dann lange Zeit niemand hat doselbst wohnen und bleiben können, bies diese Völker sich wieder aus dem Land gemacht.

Am heiligen Ostertag neuen Kalenders sind die 4 Regiment[er] Kroaten in ihren Quartieren auf[ge]brochen, hier vorüber und gegen Kemnath[87] zu [gezogen]. Den 16. Mart[ii] haben die Kai[serischen] Völker die Stadt Creußen[88] abgebrandt. Den 29. dito hat der chursächsische Oberst(e) Daube [Taube; BW], so bishero in der Stadt Hof[89] und Plauen[90] (nit allein, sondern) mit etlichen sächsischen Völkern gelegen, das Kaiser[ische] Forgatzische Regiment Kroaten in ihren Quartieren zu Kirche[n]lamitz, Leutten [= Marktleuthen] usw. überfallen und gute Leut[91] gemachet. Dahero die anderen Kroaten auch nit große Lust [hatten], länger zu bleiben; wie dann der Oberst Corpes den 4. Apr[il] zu Arzberg mit den übrigen auch aufgebrochen und nach Schlesien zu marschieret [ist]. Dieser – der Kroaten Aufbruch – hat in unserer Gegend große Freude verursacht; so aber nit lange gewähret, denn [es haben] sich bald andere Gäste herbeigefunden. Denn den 9. April [ist] der schwedische Ober[st] [Reinhold v.; aus der Linie Hoch-Rosen; BW] Rosen vor die Stadt Wunsiedel [ge]kommen und [hat] hineinbegehret. Als ihm solches abgeschlagen, hat er die Stadt ersteigen lassen, die Kaiser[ische] Salva Guardi[a] herausgenommen und gefangen mit hinweggeführt; welches die Wunsiedler bei dem Kaiserischen Oberst(en) auch verdächtig und ihnen kein Gut bringen wollte“.[92] […] „Als nun die Schwedischen (in) etwas von uns gewichen und wir aufs Neue bei He[rrn] Ober[st] Adelshöffer um(b) Schutz und Salva Guardi[a] angehalten, (da) fanden wir keine Gnad[e] mehr bei ihm. Er schalt uns Hund[e], Verräter und Rebellen. Wir wären alle des Henkers wert. Er wollte heraus, (und) den Markt an vier Orten anzünden und die Mauern in Grund niederreißen und schleifen lassen. Wir hätten es bisher(o) mit den Feinden gehalten. Da möchten wir wohl Schutz [bei ihnen] suchen. Von ihm hätten und sollten wir nichts Besseres zu hoffen haben. Obwohl er inständig gebeten [und] ihm auch unsere Unschuld dargetan wurde, [so] wollte doch von ihm diesmal keine andere Resolution fallen als diese: Wir wären Verräter, hätten mit dem Feind korrespondiert [und] den Pfaffen verraten. Wir sollten uns packen und trollen. Und was uns darau würde entstehen, ers wäre gut oder bös, das sollten wir erwarten, etc.

Dies[es] Bad hat uns unser Pater namens M[agister] Johannes Gör[n]ingl geheizet und [hat] stark gehoffet, es sollte uns geschröpfet werden. Aber Gott, der Allmächtige, hat aller Menschen Herzen in seinen Händen ! Denn als wir in Forchten und Schrecken und diesem geschwinden Kopf nit trauen wollten, sondern unsere Sachen wieder zur Flucht richteten, da kamen um(b) Mitternacht etliche Musketiere(r) von Eger, über deren Ankunft wir anfangs nit wenig erschrocken [waren]. Wie wir aber vernommen, zu was (End) sie wären herausgeschicket worden – daß sie nämlich zur Salva Guardi[a] sollten liegen (ver)bleiben, haben wir uns verwundert und Gott gedankt, daß dieser große Zorn sobald in Linderung verwandelt worden [war]“.[93] […] „Den 16. Jun[i] ist der Kommandant zu Eger, He[rr] Ober[st] Adelshöffer mit 500 Soldten zu Fuß und 5 Kompag[nien] Reitern nach Wunsiedel[94] [ge]kommen und [hat] sich [dort] einquartiert [Hier erpresste er im Juni 1633 2.000 Rt.[95] von der Stadt; BW]. Zu uns schickte er über vorige Salva Guardi[a] [hinaus] noch 30 Dragoner – auch seinen Regimentsquartiermeister – , die uns vor allem Anfall schützen sollten. Den 18. dito folgte ihm Gen[eral]feldmarschall Holk mit 60 Kornet[t] Reitern. Diese wurden um(b) die Stadt in die Dörfer einquartiert. Den 21. dito ist Gen[eral] Holk aufgebrochen und gegen Kulmbach[96] marschiert. [Er hat] aber nichts Sonderlichs tentieret, sondern [ist] alsbald wieder zurück mit schlechter Verrichtung (wieder) auf Wunsiedel kommen, da wir dann auf Befehl des Adelshöffers auf die nächsten Dörfer (als) Winnersreuth [= Wintersreuth[97]], Winter(s)berg,[98] Hauenreuth[99] und Thela [= Thölau[100]] – haben Bier und Brot (ver)schaffen  müssen. Des andern Tags, als sie aufbrachen, haben sie sich versammelt, allernächst bei Lorenz(e)reuth, (und) daselbst Rendezvous gehalten und [sind] ganzer 6 Stund[en] gestanden. Auf unserem Turm konnte man alles sehen. Des Volks war viel. Uns war nit wohl beim Handel, denn um(b) den Mittag erhob sich ein starker Trupp Reiter von der Wa(h)lstatt. Dieselben eilten stark auf uns zu. Als sie herbeikamen, gab selber Offizier, welcher den Trupp führte, vor, er wäre von dem General hierher(o) kommandiert worden mit dieser Order: Er sollte sich hier einlegen, bis die Armee vorüber [ist], damit nit etwa eine Plünderung vorginge. Der adelshöffische Quartiermeister wollte ihn hier nit einlassen, gab vor, er wäre selbst(en) deswegen da, den Flecken vor allem Anlauf zu defendieren. Der ander[e] aber wollte sich nit abweisen lassen, sprach, wenn es in der Güte nit sein könnte, so wolle er Gewalt brauchen und seines Generals Kommando nachkommen [lassen]. Der Regimentsquartiermeister gab ihm auch nit viel gute Worte, sondern wollte Gewalt mit Gewalt vertreiben und brachte seine Soldaten ins Gewehr. Jedoch wenn er schriftlich Order brächte und vorwiese, alsdann wollte er ihm weichen und einlassen, worauf der ander[e] mit seinen Reitern und großem Schnarchen zurücksprengte mit einer starken Protestation. Do dem Städtlein eine Ungelegenheit zu Handen käme, wollte er deswegen entschuldigt sein. Da war abermals ein großes Lamentieren hier. Aber sie brachen bald auf und marschierten wieder nach Eger. Als nun der Oberst Adelshöffer, so lang er in Eger gelegen, uns wohl (er)kennen lernen und wohl erfahren [hat], daß wir alle seine Befehl[e] – auch was er nur von uns begehrt – in acht genommen und in das Werk gerichtet [haben], hat er vor seinem Abschied – nachdem er Ordonanz, aus Eger zu weichen, empfangen, ihm aber zum Fortzug Pferd[e] mangelten – dieses getan: Er schickte den 1. Jul[i] einen Wagen heraus, darauf waren zugeschlagene Fässer und an dem Wagen 4 starke Pferd[e], welche man alsbald zurückreiten mußte. Und [er] schrieb an uns (da)runter, daß wir als(balden) wieder vier gute Pferd[e] an den Wagen verschaffen sollten; nur bis auf Kemnath. Doselbsten sollten sie abgelöst und andere Pferd[e] verschaffet werden; denn es wär[e] auf dem Wagen Munition. Die müßte eilfertig nach Forchaimb [= Forchheim[101]] gebracht werden. Diesem Befehl – weil(n) wir ohnedies vermeinten, daß er zur Be(förderung) Kai[s]. Majestät Kriegsdienst gereichte – wurde alsbald nachgelebt und 4 schöne Pferd[e] von den Soldaten um(b) eine große Summa Geldes erkaufet, an den Wagen gespannet und nach Forchheim eilfertig fortgeschicket; denn dabei war eine starke Konvoi. Als nun die Soldaten hinaus auf Kemneth [= Kemnath] zu fahren und ein wenig weit hinaus[ge]kommen [waren], wenden sie sich um(b) und fahren über geweche Felder gerade wieder auf Eger zu. Weil(n) denn die Fässer leer und (ganz) nichts darinnen gewesen, haben wir unser[e]s Schadens selbst lachen müssen. Dieses war der letzte Paß, den uns Adelshöffer erwiesen.

Diesen Tag – (als) den 1. Jul[i] haben auch die Kroaten an die Stadt Hof gesetzet. Sie sind aber von dem sächsischen Obristen Taube abgetrieben und (bei) 50 erschossen worden.

Den 3. dito ist der chursächsische[102] Ober[st] Taube zu(m) Hof[f] aufgebrochen und auf Plauen zu [ge]gangen. Und weil(n) viel der Hofer Bürger wegen Furcht der Kaiserischen mit ihm auszogen und die Flucht nahmen, plünderten die armen Bürger die Sächsischen selbst(en) aus. So ein wunderlicher Krieg war das !

Bald nach diesem ist Ober[st] Adelshöffer neben Gen[eral] Holk auf[ge]brochen und dem Churfürsten in [= von] Sachsen abermals ins Land gefallen. Da [ist] dann in Meißen[103] das Rauben, Morden, Sengen und Brennen wieder angegangen. An des Adelshöffer[s] Stell[e] – welcher auch die Königliche Burg zu Eger [et]was besser hatte befestigen lassen – ist kommen und Kommandant doselbst worden der Ober[st] Gordon, ein Schottländer“.[104] […] „Als nun General Holk, Hatzfeld und Adelshöffer in Meißen genugsam gehauset, viel[e] Städt[e], auch Leipzig,[105] in höchster Eile eingenommen und wieder verlassen [hatten], sind sie um(b) Hof, Ölsnitz[106] und Plauen wieder angelanget. [Sie haben] eine gute Beut[e] wie auch eine giftige Pestilenz mitgebracht, daran sie in dieser kurzen Zeit viele 1000 Soldaten verloren“.[107]

„Greiz[108] kam geradezu glimpflich davon. Dem Landesherrn war es gelungen, mit Geschenken an Holk die drohende Plünderung abzuwenden.

Anders war es in der Stadt Weida,[109] wo am 3./9. August[110] 250 Reiter vom Adelhoffschen Regiment wüteten. ‚Von dem Tülkenberge aus flogen die Brandkugeln zuerst auf die Kirche. Bald stiegen an mehreren anderen Stellen auch schwarze Qualmassen zum Himmel empor. Züngelnde Flammen liefen nun rasch von Schindeldach zu Schindeldach’. Als die ganze Stadt brannte sei Holk gekommen und habe sich an dem grausigen Feuermeer geweidet. Der größte Teil der Alt- und Neustadt, beide Kirchen, das Schloß und alle öffentlichen Gebäude sanken in Schutt und Asche. Auch die Plünderung der Stadt war überaus schrecklich.

Die Ausgebrannten konnten ihr Unglück nicht fassen und versuchten den Grund für den Brandbefehl nachzuvollziehen. Gerüchte kamen auf und eine handschriftliche Chronik vermerkt, Holk habe auf Anraten eines gewissen Liethold,[111] ‚einen ehemaligen liederlichen Studenten, der Händel wegen in Weida ins Gefängnis gesteckt, daraus entgegen, ins kaiserliche Heer eingetreten und bis zum General-Kriegs-Kommissar aufgerückt war und den man, als er 1628 inkognito die Stadt Weida besuchte, wiedererkannte und bis nach Gera[112] verfolgte, die Stadt beschießen und in Brand stecken’ lassen. Alle Orte des Elstertals, aber auch abseits liegendere Dörfer wie Langenwetzendorf[113] wurden vollständig geplündert“.[114]

„Am 4. August 1633 war der Befehl Wallensteins[115] an den Feldmarschall ergangen, ‚allda dem Feind eine diversion zu machen’, damit der ‚Kurfürst zu Sachsen desto ehender den Frieden zu suchen verursacht werden wird’ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.; Hallwich, ADB 12, S. 743, nennt den 11. August als Datum des Einmarschbefehls). Einer der Hauptgründe war freilich, daß die Verpflegungssituation der in Böhmen um Eger, Pilsen[116] und Brüx[117] liegenden kaiserlichen Regimenter unhaltbar geworden war, und man sich von einem Zug nach Sachsen Verbesserung erhoffte. Tatsächlich stand auch der Plan, die Expedition nach Leipzig auszudehnen und dort reiche Beute zu machen, von Anfang an fest. Holk beeilte sich deshalb, die an der Grenze Böhmens stehenden Regimenter zusammenzuziehen, um auf Wallensteins Befehl hin ‚unversehener Weise etwas zu tentiren, Chemnitz, Freiberg und Zwickau[118] berennen zu lassen, dass wir zu leben können haben und, ehe Volk dahin einkommt, sie zu überraschen’ (ebd.).

Der Angriff auf Sachsen begann am Sonntag, dem 14.8., in drei Hauptstoßrichtungen mit drei getrennten Truppenabteilungen, welche sich am 15. und 16.8. in Zwickau vereinigen sollten, um dann über Altenburg[119] weiter nach Leipzig zu ziehen. Während das Korps unter dem Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld über Hof und Plauen Zwickau erreichen sollte, hatte der östliche Heeresteil unter dem Obersten Franz von Ulfeld die Aufgabe, auf Freiberg, die Gebiete vor Dresden[120] und Chemnitz vorzudringen, während das Hauptheer unter Holk von Joachimsthal (Jáchymov),[121] wo ‚Rendezvous’ gehalten worden war, auf direktem Wege über Schwarzenberg,[122] Aue[123] und Schneeberg[124] Zwickau erreichen sollte. Hatzfeld, welcher die leichte Reiterei und die Kroaten befehligte, war in Eger aufgebrochen und zog zunächst über Hof nach Adorf:[125] ‘[…] zu Hof, Wunsiedel und andern Orten haben sie alle Thor zerhauen, dann keine Stadt mehr versperrt sein soll’. Am 15. August rückte Hatzfelds Korps von Adorf gegen Oelsnitz vor, welches am 16.8. kapitulierte[,] woraufhin das dortige Schloß in Brand gesteckt wurde, schließlich nach Plauen, welches am gleichen Tag besetzt, die Stadt geplündert und die Tore ausgebrannt wurden. Weiter ging die Spur der Verwüstung nach Mylau[126] und Reichenbach[127] und schließlich über Reichenbach nach Werdau.[128] Werdau, ‚wo sie die Rathspersonen und sonderlich Bürgermeister Sausen mit Radeln[129] heftig marterten, wurde gänzlich ausgeplündert, Stollberg[130] von einem Reiterhaufen erst gebrandschatzt, dann doch in Brand gesteckt. Mehrere Rathsherren, die kurz zuvor das Geld beigeschafft hatten, wurden mit Stroh verbrannt’. (Droysen/Holck etc.). In Zwickau, welches, von der Pest entvölkert, widerstandslos eingenommen wurde, war die Vorhut bereits am 16.8. eingetroffen, während die letzten Kompanien erst am 17.8. Plauen verließen.

Der Oberst Franz Graf von Ulfeld war am 14.8. mit 24 Kompanien Reitern, den Dragonern und einem Kroatenregiment aus dem Gebiet von Dux (Duchcov)[131] und Brüx (Most) in Böhmen aufgebrochen. Bereits am 15.8. zeigten sich einige seiner Reitertruppen vor Freiberg, allen voran die Kroaten unter dem Obersten Daniel Beygott, ‚eine fast längliche Person mit einem rotgülbligten Barte, so doch gut Deutsch geredt’. Freiberg weigerte sich aber, seine Tore zu öffnen, weshalb Ulfeld, der sich nicht zu lange verweilen wollte, seinen Weg weiter nach Chemnitz nahm, welches am 16.8. aufgefordert und eingenommen wurde.

Altenburg wurde am Abend des 17.8. (Mittwoch) von einem 3000 Pferde starken Reiterkorps, bestehend aus den Regimentern Hatzfeld, Neu-Piccolomini, Bredau [Breda; BW] und Orossy [Orosi; BW] unter dem Hatzfeldischen Obersten Hans Rudolf von Bredau überfallen, welcher mit seinen Regimentern von Plauen über Reichenbach und Crimmitschau[132] gleich weiter in Richtung Altenburg vorgedrungen war: ‘[…] da ging alsobalden die scheckliche Plünderung an allenthalben. In welchen Häusern niemand vorhanden, denen haben sie zehn Mal so arg mitgefahren; wo Bier in Keller gewesen, ist dasselbe weggelassen worden; der Hausrath zerstümmelt auf die Gassen geworfen und zertreten […]. Wohl in die hundert Leichen sind anitzo zu begraben, weil gestern und vorgestern niemand hat begraben werden können. Vorgestern ist auch dem Lazaristen[133] das Pferd, so die leichen hinaus geschafft, auch gestohlen und dessen Wärter entlaufen. Jetzo hat man mit grosser Mühe ein anderes geschafft’. (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.). Nach der Aussage des Theatrum Europaeum[134] (Bd. III, S. 109), welches den Einfall in Altenburg drastisch, jedoch in üblicher Manier etwas propagandistisch übersteigert schildert, waren die kaiserlichen Truppen ‚gantz plötzlich und unversehens mit vier Tausend Pferdten allda ankommen / alles geplündert / die Weibs-Personen zu todt geschändet / und die Mannspersonen zu todt geschraufft / geprügelt / und auff allerley Marter und Weis getödtet. Kirchen / Schulen / Pfarrhäuser wurden geplündert […], die Todten wurden aus den Särcken geworffen / die Weiber ranzioniert und geschändet / Tafeln und Flügel aus der Kirchen genommen / der Syndicus erschlagen / die Apothecken in grund verderbet [usw.]’.

Leipzig erreichte man bereits in der Frühe des 18. August. Nachdem am 21.8. der Feldmarschall Holk und Feldzeugmeister Rudolf Colloredo mit der Artillerie eingetroffen waren, wurde die Stadt von Mitternacht an 12 Stunden lang heftig beschossen, so daß am 22.8. ein Akkord abgeschlossen und die Stadt übergeben wurde. Leipzig mußte 70.000 Reichstaler Ranzion erlegen und eine große Menge an Handelswaren, welche die Kaufleute in der Stadt zurücklassen mußten, fiel in die Hände der kaiserlichen Truppen. Lediglich die Pleissenburg, auf welcher der kursächsische Oberstleutnant Christoph von Trandorf befehligte, konnte sich den Eindringlingen widersetzen. (Chemnitz II, S. 121; Krebs/Hatzfeld, S. 271 nennt August Adolf von Trandorf)“.[135]

Ab September 1633 diente Adelshofen unter Melchior von Hatzfeldt in Schlesien.

Im November 1633 meldete Adelshofen Hatzfeldt die Eroberung von Görlitz[136] durch Ilow und Wallensteins Aufenthalt in Sagan.[137] Ferdinand III.[138] entließ Adelshofen im Februar 1634 aus der Gehorsamspflicht gegenüber Ilow, Wallenstein und Trčka.[139]

In Glatz[140] weilte Adelshofen im Juni 1634. Er schrieb Hatzfeldt von seinen Verpflegungssorgen, bevor er nach Brünn[141] weiterzog und ihn von Gefechten mit schwedischen Truppen informierte. Im September stand er bei Nördlingen,[142] vermeldete die Ankunft des spanischen Heeres und die Niederlage der schwedischen Armee.[143]

Im November 1634 meldete Friedrich von Schletz, der Kommandant von Forchheim,[144] den Weitermarsch des Regiments Adelshofen nach Schweinfurt.[145] In diesem Herbst nahm Adelshofen im Korps des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy Kulmbach[146] und Coburg[147] ein.

„Auf Aufforderung Piccolominis[148] hatte der Feldmarschall Rudolf Colloredo zu Mitte September 1634 aus Schlesien ein Truppenkontingent nach Franken kommandiert, welches am 4. Oktober unter dem Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy in Eger eintraf (DBBTI V/1002, 1009; Braun/Leopold, S. 51). Die ursprünglich von Piccolomini angenommene Truppenstärke Lamboys von 8000 Mann wurde jedoch bei weitem nicht erreicht, oder Lamboy hatte unterwegs Truppen disloziert. Jedenfalls wird in einem Bericht Hatzfelds an Gallas die Truppenstärke Lamboys mit 2500 Mann angegeben (Krebs, S. 214), eine Zahl, die sich exakt auch mit der bei der wenig später erfolgten Ankunft der Lamboy’schen Völker in Coburg deckt (Karche I, S. 205). Über Marktleuthen und Münchberg[149] näherten sich Lamboys Truppen der brandenburgischen Stadt Kulmbach.

Aus seinem Quartier in Kirchenlamitz forderte der Generalwachtmeister die Herren ‘Bürgermeistern und Rath gemeiner Statt Culmbach’ mittels eines Schreibens zur Übergabe auf: ‘[…] Nachdeme Ich mit Zwölftausend Mann zu Rosß vnd Fueß Kayserlichen Kriegsvolckhs dießerorten im Anzug, Alß werden Sie durch dießes der gepühr vnd ernstlich erinnert, alsobalden nach empfang dieses die schleunige Anordnung zu thun, daß vor die obbemelte mihr vndergebene Kayserliche Armee nottwendiger Proviandt ahn Bier, Brodt vnd anders Nottwendigliche unfehlbar verschaffet und stündlich fertig gehalten [wird], Vnd daneben auch in einer Summa Sechstausend Reichsthaler zur handt gebracht vnd erleget werden […]. Geben Kirchenlamitz den 26. Octobris [Donnerstag] Anno 1634. Der Röm: Key: auch zu Hungarn vnd Böheim Königl. Meytt: Cammerer, GeneralVeldt= Wachtmeister vnd Obrister zu Rosß – Lamboy’ (StaB Rep. C 48/208).

Bei der Stärke seiner Truppen hatte Lamboy, nach üblicher Manier, kräftig übertrieben. Andererseits muß man berücksichtigen, daß der Troß mindestens ein zusätzliches Drittel an Personen umfaßte und Lamboy möglichst nicht nur für einen, sondern für mehrere Tage Proviant erlangen wollte.

Dieses Schreiben wurde am folgenden Tag, Freitag, den 17./27. Oktober durch einen Trommelschläger überbracht. Die Stadt entschuldigte sich: ‚[…] weil aber diese arme Stadt […] lange Zeit von der kayserlichen Soldateska’ notorisch geplündert worden sei, ‚und über dieses alles, das gantze Land und Fürstenthum albereit vor geraumer Zeit von allerhöchstgedachter Kayß: Mayt: und [dem] Churfürsten S. D. von Bayern wie auch dem Stifft Bamberg in Contribution gesetzt worden’, könne man unmöglich diese Forderungen erfüllen. Gleichzeitig versuchte man einen kleinen Kunstgriff, um die Soldaten vom Betreten der Stadt abzuschrecken, indem man anführte, daß ‚durch die sehr hefftig noch graßirende giftige Seuch und plag der Pestilenz viel hundert persohnen verstorben […]’. Unterzeichnet ist das Antwortschreiben mit ‚Datum Culmbach den 17. Octobris A: 1634. Bürgermeister vnd Rath daselbst’. (StaB Rep. C 48/208). Tatsächlich hatte die Stadt gerade eine Pestepidemie überstanden, so daß sich kaum mehr als 40 wehrhafte Bürger in der Stadt befanden.

Mit dieser Antwort konnte sich Lamboy natürlich nicht zufrieden geben. Am folgenden Tag, Samstag, den 18./28. Oktober ließ er die Stadt durch einen Trompeter mittels eines Schreibens aus seinem Quartier in Stadtsteinach[150] erneut zur Übergabe auffordern. Gleichzeitig präsentierte sich der Feind in voller Schlachtordnung ‚auf dem Mühlberg oberhalb dem Eichgrund Cauerndorf und [hat] den ganzen Tag daselbsten in Bataille gestanden’. Mittlerweile hatte sich der Hauptmann der Plassenburg,[151] Hans Christoph Muffel, der weiteren militärischen Vorgehensweise angenommen. Er nutzte die Gelegenheit, den ‚Trompeter, so itzunder vor die steinern brucken kommen will'[,] nach der Truppenstärke des Feindes auszufragen. Muffel notiert dabei: ‚zu Pferd, 3 Regiment: Hatzfeld, Lamboy, Brettau [Breda; BW]; 3 Regiment zu Fuß: Adelzhoffen, Wangler, daß dritte Regiment weiß er nicht’. In einer nachträglichen Notiz ergänzt Muffel diese Informationen: ‚1. Brettau [Breda; BW], 10 Comp., 2 zu 80 pferd [gemeint ist das Kürassierregiment Johann Rudolf von Bredau, welches zu diesem Zeitpunkt allerdings nur 9 Kompanien hatte]. 2. Lamboy Corazzen[152] 10 Comp. [Arkebusierregiment Lamboy]. 3. Hatzfeld halb Corazzen und halb lange Rohre [Kürassierregiment Melchior von Hatzfeld, 7 Kompanien unter OL Adolf Krafft, die Hälfte davon Arkebusiere]. 4. Wangler zu Fueß [10 Kompanien unter Johann Wangler d. Ä.]. 5. Adelzhofen 11 Comp. zu Fueß [Fußregiment Johann von Adelshofen]. 6. Gallas 8 Comp. [Fußregiment Gallas unter OL Bernhard Heinrich von Westerholt]. S[umma] bey 3000 Mann’. (C 48/208, ergänzt durch LKKA/DBBTI V). Muffel schätzt die Stärke der Lamboy’schen Truppen erstaunlich gut ein, vielleicht hatte er die Zahl auch über den Trompeter erfahren. Die Stärke der Regimenter zu Pferd dürfte demnach zwischen 250 und 350 Pferden gelegen haben, die Fußregimenter hatten im Schnitt 600 Köpfe.

Interessant ist der Weg der Übermittlung der Übergabeaufforderungen an den Markgrafen Christian. Diese wurden von Muffel jeweils mit einem eigenen Anschreiben versehen und solchermaßen auf die Plassenburg expediert, was die Kommunikation wohl nicht gerade beschleunigte. Die Antwort des Markgrafen Christian auf diese zweite durch den Trompeter überbrachte Aufforderung war abschlägig: die Übergabe der Stadt, vor allem aber die der vornehmen Hauptfestung Plassenburg stünde nicht in seiner Entscheidungsgewalt, er wolle ‚aber mit dero confoederirten davon communiciren, inmittelst sollte er sich [Lamboy] in 14. Tags gedulden’. Eine solche Antwort war nun überhaupt nicht nach dem Geschmack des Generalwachtmeisters, denn am gleichen Tag (28. 10.) ‚Nachmittags vm 2. Vhr [hat] eine starke Trouppe von ungefehr 40. Pferden über die Kauerndorffer[153] Aue herein in voller curir [Carriera = Galopp] gegen die steinern Bruken zugesezet. Nachdeme ihnen mit Musqueten und FeuerRohren [Radschloßgewehren] anfangs zihmlich zugepfiffen worden, haben sie sich gegen die Aue hinunter auf Bürbitsch [Pörbitsch, heute Kulmbacher Stadtteil] und gegen den berg hineinretiriret, da ihnen dan unsere Reuter stark nachgesezet und auffeinander starck Feuer geben; darüber aber noch zwey starcke Trouppen zu ungefehr 50. Pferden von Cauernburg[154] herzukommen, und ihr secundirten, auch zugleich das Fusvolk ganz unversehens von Folschniz [Fölschnitz[155]] herein bey der Pulvermühl sich presentirte vnd auf die unsrigen Feuer geben, so haben die Soldaten und Burger die steinern Bruken verlassen, und sich gegen die Vestung und in die Stad zu salviren gezwungen befunden; und weilen aus größter Verwahrlosung und Unachtsamkeit alle Thore offen gestanden, auch die Wachen schlecht bestellt gewesen, ist der Feind wider alles verhoffen ohne einigen Widderstand und Gegenwehr alsobalden in die Stad und Vorstad gekommen, sich derselbigen bemächtiget und die ganze Nacht hindurch mit Aufhauung der Gewölber, Gemächer, Truhen und Kisten alles ausspoliret […]’.

Kulmbach wurde während der Nacht von Samstag auf Sonntag völlig ausgeplündert, so daß der Chronist den entstandenen Schaden auf 2 Tonnen Goldes (200.000 Gulden) schätzte. Als man schließlich damit begann, Feuer in die Stadt zu legen und bereits 9 Häuser und 2 Städel in der Fischergasse vor dem ‚GrünWehrer Thor’ in die Asche gelegt waren, erklärte sich die Stadtobrigkeit am folgenden Tag, Sonntag, den 29.10.[,] zu Unterhandlungen bereit. Man einigte sich schließlich auf eine Brandschatzung von 2440 Reichstalern.

Der Übergabevertrag wurde zwischen Bürgermeister und Rat der Stadt Culmbach und Gioanni Battista Picchi, ‘Ihr: Röm: Keyß: Mayt: deß löblichen Adolßhoffischen Regiments zue Fueß bestellter Obrister Wachtmeister in Namen des Herrn Wilhelmen Freiherrn von Lamboy’ verhandelt und ist mit 19./29. Oktobris Ao. 1634 datiert. Möglicherweise war Lamboy zu diesem Zeitpunkt mit einem Teil der Truppen schon in Richtung Kronach[156] weitergezogen, denn am 30.10. kamen diese bereits vor Coburg[157] an. Der Worlaut des Akkords nennt eine Ranzionssumme von 2000 Reichstaler für Lamboy und eine nicht näher spezifizierte Summe für die Unterbefehlshaber, zur Hälfte innerhalb von 4 Tagen, der Rest innerhalb von 14 Tagen zu erlegen. Diese Summe wurde von den Bürgern der einzelnen Stadtviertel erhoben und eingesammelt. Die offiziellen Erhebungslisten, welche die jeweiligen von den Bürgern entrichteten Teilbeträge enthalten, nennen eine Gesamtsumme von 2660 Reichstalern (StAB C 48/208). Möglicherweise liegt hier ein Schreibfehler im Bericht von Longolius vor.

Die problemlose Einnahme Kulmbachs durch die Truppen Lamboys war ein relatives Glück für die Stadt, denn es wurden nur 5 Einwohner getötet, darunter der ehemalige Hofsattler Heinrich Hauck, den man ‚vor einen alten Pfaffen angesehen’, der Krämer Hans Stängel und der Schmied auf dem Markt. ‚Herr Matthias Haßfurther, Bürgermeister, ist in seinem Hauß dermaßen übel tractiret vnd zugerichtet worden, daß er den dritten Tag hernach verstorben’. Die Verluste der Angreifer waren unerheblich, obwohl einige der Plünderer bei der Abführung ihres Raubes erschossen wurden, ‚auch ihrer drey bei der Pulvermühl liegen geblieben, welche das ungeziefer meistens verzehret’. Auch berichtete man, daß eine Anzahl gefallener Angreifer mit nach Kronach geführt und dort begraben wurde.

An der Plassenburg über Kulmbach versuchte sich der Feind überhaupt nicht ernst: ‚Dan ob derselbe wol die Stadt Culmbach mit gewalt eingenommen, vnd gantz ausgeplündert, konte er doch der Festung nichts anhaben, sondern ward genötiget die Stadt, alldieweil aus der festung mit Stücken vnd granaten starck hineingespielet worden, auch zu verlassen’. (Chemnitz II, S. 581). Daß die Truppen aufgrund der Beschießung von der Plassenburg abzogen[,] darf bezweifelt werden – eine solche wäre mit Sicherheit noch vor Abschluß des Übergabevertrags erfolgt. Man kann annehmen, daß nach Abschluß des Akkords und der Zusage zur Leistung der Zahlungen der glimpfliche Ausgang der Belagerung nicht mehr durch unnötige Aktionen gefährdet werden sollte. Die Lamboy’schen Völker zogen größtenteils noch am Sonntag, den 29.10.[,] über Kronach in Richtung Coburg ab und nahmen bis zur Erlegung der noch ausstehenden Geldforderungen zwei Geiseln mit”.[158]

„Wir wenden uns nun wieder den Truppen des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy zu, die wir am Sonntag, dem 29. Oktober 1634, bei ihrem Abzug aus dem geplünderten  Kulmbach verlassen hatten. Am 30.10. (n. St.) kamen diese, 2500 Mann in 6 Regimentern stark, mit zwei Feldstücken im Herzogtum Coburg an. Lamboy, der über Kronach herangezogen war, schlug sein Hauptquartier in Großheirath[159] südlich von Coburg auf. Durch ein mittels eines Trompeter überbrachtes Schreiben ließ er noch am gleichen Tag Bürgermeister und Rat der Stadt zur Übergabe auffordern. Die Stadt schickte daraufhin eine Deputation, bestehend aus dem Obristwachtmeister Felix Rauschart, Kommandant über die Bürgerschaft und Stadtgarnison, sowie den Räten Ludwig Wilhelm von Streitberg, Dr. Bonaventura Gauer (Assessor des Schöppenstuhls), Dr. Andreas Peter Wolfrum (Assessor des  Consistoriums) und Andreas Hohnbaum (Bäcker auf dem Steinweg) in das Lamboy’sche Hauptquartier. Der wollte allerdings die Delegation überhaupt nicht empfangen, sondern ließ die Verhandlungen durch seinen Bruder, Georg von Lamboy, führen. Lediglich den Oberstwachtmeister Rauschart, den er gut kannte, empfing er persönlich. Lamboy forderte für 5 Kompanien zu Fuß und seine Leibkompanie zu Pferd Quartiere in der Stadt, Proviant für die gesamten Truppen und eine Ranzion von 10.000 Gulden. Die Deputierten, welche die Unmöglichkeit der Forderungen erklärten, wurden bei ihrem Abzug bedroht, daß, sollte man sich am folgenden Tag nicht zugänglicher erzeigen, man mit Coburg wie mit Hof und Kulmbach verfahren wolle. Die geforderte Ranzion konnte nach einigen Tagen schließlich auf 5000 Gulden heruntergehandelt werden, worauf am 26.10./ 5.11. ein aus 8 Punkten bestehender Übergabevertrag unterzeichnet wurde und Lamboy mit den oben erwähnten Kompanien in die Stadt einzog. Das übrige Volk wurde in die Dörfer rund um Coburg einquartiert, wo alle Dorfschaften zu deren Verpflegung beitragen mußten. Der vereinbarte Übergabevertrag besagte, daß Stadt und Land Coburg bei ihren Herrschaften, Privilegien, Rechten und Gerechtigkeiten sowie Religion und Profan-Frieden belassen werden sollten. Die fürstliche Residenz, Kirchen, Schulen, Sekretariate, das Rathaus, die Kanzlei und das Gymnasium wie auch alle herzoglichen Beamten, Räte, Diener sowie alle Einwohner und Untertanen sollten unbeschadet bleiben und auf dem Lande Plünderungen und andere Insolentien unterbleiben.

Auch wurde zugesagt, die Stadt mit keiner weiteren Ranzion zu belegen und Güter und Vermögen der Räte und der in der Stadt befindlichen Adligen unangetastet zu lassen. Wie diese Zugeständnisse eingehalten wurden, wurde sofort nach dem Einzug der kaiserlichen Truppen in die Stadt ersichtlich. Lamboy ließ die Bürgermeister in der Ehrenburg, wo er auch persönlich einzog, festhalten und verlangte von diesen wöchentlich 1000 Taler zu seiner Unterhaltung, nebst Viktualien und Vieh, welche Summe er jedoch aus realistischen Gründen auf 600 und schließlich auf 450 Taler wöchentlich reduzierte.

Auf der Veste Coburg war der Oberst Georg Philipp von Zehm Festungshauptmann im Dienste Johann Ernsts von Sachsen-Eisenach, der seit dem Tod Herzog Johann Casimirs Hausherr der Festung war. Zehm, der eigentlich zu den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar gehörte, war von diesem am 9. September 1634, kurz nach Bekanntwerden der Nördlinger Niederlage,[160] erneut als Kommandant der Veste Coburg bestätigt worden (Huschke, S. 235). Das dortige Oberkommando beanspruchte jedoch der von Herzog Johann Ernst bestellte Oberstwachtmeister Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, welcher die bisherige Garnison befehligt hatte. Von der ehemaligen Taupadel’schen Besatzung war, nach dessen Abzug im Februar 1633, eine Kompanie Dragoner unter dem Kapitän Michael Griesheim verblieben, über dessen und seiner Untergebenen Verhalten allerdings in den vergangenen beiden Jahren vielfältige Beschwerden eingekommen waren. Griesheim fühlte sich dem Major Görtz unterstellt, was zu vielfältigen Kompetenzstreitigkeiten führte.

Die gesamte Besatzung der Veste sollte Zehm im August 1634 auf Befehl Herzog Wilhelms von Weimar auf 800 Mann zu Fuß und 100 Reiter komplettieren. Davon waren allerdings 500 Mann aus der Landesdefension (Ausschuß) abzustellen, 200 Mann davon sollten die Veste Heldburg[161] besetzen. Die bewaffnete Bürgerschaft Coburgs zählte gegen 530 Mann, von denen sich aber nur ein kleiner Teil auf die Festung begeben hatte. Obwohl die Stärke der Festungsgarnison im Oktober 1634 nirgends explizit angegeben ist, darf man aus den vorhandenen Zahlen annehmen, daß die geworbene Besatzung nicht mehr als 100-120 Musketiere unter dem Hauptmann Michel (meist aus den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar, die dieser ebenfalls am 9. September 1634 dorthin kommandiert hatte) und 70 berittene Dragoner Griesheims umfaßte, wozu noch etwa 120 Ausschuß aus Coburg, Neustadt,[162] Sonnefeld,[163] Neuhaus (am Rennweg)[164] und Hiildburghausen[165] vorgesehen waren. Die Ausschußkompanie kommandiert[e] der Hauptmann von Birkig. Insgesamt umfaßte die Festungsbesatzung wohl 250-300 Mann. Im Laufe der Belagerung erkrankten ca. 60 Personen, 16 kamen zu Tode. Oberst Zehm bat während der Belagerung Herzog Wilhelm mehrmals um eine Verstärkung von 100-150 guten Musketieren, welche zwar öfters zugesagt wurde, tatsächlich jedoch nie ankam. Jedenfalls schreibt der auf die Veste geflüchtete Kommandant der Heldburg, Joachim Ludwig von Seckendorf in einer Rechtfertigungsschrift, es wäre ‚rühmlicher gewesen, es hätten 300 junge Mannschaften in Coburg die Resolution gefaßt und sich auf die Festung, dem Feind zu resistiren begeben, statt alte verlebte Krämer und dergleichen Gesellen hinaufzuschicken’. (T. Krieg, S. 34, 35, 42, 45).

Das Lamboy’sche Belagerungskorps war zahlenmäßig starken Schwankungen unterworfen. Als Lamboy die Stadt mit einer Anzahl berittener Ttruppen am 16.11. für einige Tage in Richtung Römhild[166] verließ, ließ er nur 500 Mann zu Fuß und 60 Reiter zurück. Wenig später wurde jedoch eine Verstärkung Hatzfeldischer Truppen von dem nun quasi verbündeten sächsischen Oberst [später Generalleutnant] Albrecht von Kalckstein herangeführt. Lamboy verfügte damit, außer dem Kürassierregiment Hatzfeld und den Fußregimentern Gallas, Johann von Adelshofen und Graf Rudolf von Thun[167] (letzterer ab Dezember), über zusätzliche Kompanien aus dem Fußregiment Götz[168] und den Kavallerieregimentern Forgách (Kroaten) sowie Johann Wilhelm von Willich (Arkebusiere), die ihm Piccolomini zur Verfügung gestellt hatte (DBBTI V/1188; Karche III, 137). Offensichtlich ist, daß es in Lamboys Truppenzusammensetzung seit seinem Anmarsch über Kulmbach (s. vorhergehendes Kapitel) erhebliche Verschiebungen gegeben hatte. Zehm schätzte die Verstärkungen einschließlich der angekommenen Bergknappen und ‚Minirer’ auf 1200.

Unmittelbar nach der Einnahme der Stadt am 5.11. begannen die Truppen Lamboys mit der Einschließung und Belagerung der Festung. Oberst Zehm, der abwesend war und von Steinheid[169] her anreiste, gelangte gerade noch rechtzeitig in die bereits umstellte Burg. Die Dragoner, welche gerade in Richtung Cortendorf[170] und Lützelbuch[171] zum Furagieren ausgeritten waren, waren durch einen Losungsschuß zum Rückzug ermahnt worden, wurden aber vom Feind umringt und hatten 3 Tote und etliche Verletzte zu beklagen, bevor sie sich in die Festung zurückziehen konnten. Rüger, der gerne zu Übertreibungen neigt, berichtet, daß einer der Verwundeten namens Eucharius aus Hildburghausen[172] ‚also gestochen worden, daß der durch die Wunde gehende Wind sein Licht ausgelöscht’. Der solchermaßen Verletzte wurde jedoch wundersamer Weise wieder geheilt. Oberst Zehm beklagte sich heftig über die seiner Meinung nach allzu schnelle Übergabe der Stadt und über diejenigen, ‚so accordiert und die Stadt so liederlich übergeben’.

Die ersten Tage und Wochen der Belagerung vergingen, da die feindlichen Truppen noch relativ schwach waren, mit verschiedenen Plänkeleien und Scharmützeln. Die Einschließung scheint zu diesem Zeitpunkt noch nicht so konsequent gewesen zu sein, denn vom Landvolk wurden allerhand Viktualien in die Festung getragen. Unter anderem kamen zwei Schuster aus Sonneberg[173] zum Verkauf von zwei Tragen Schuhen in die Burg, welche man für Spione hielt und verhaftete. Eine Frau, die eine Bürde mit Heu in die Festung tragen wollte, wurde allerdings auf dem Rögnersberg erstochen. Am 9. November wurde ein Bäckerjunge als  heimlicher Bote mit der Bitte nach Verstärkung zu Herzog Wilhelm von Weimar abgefertigt. Dieser sollte zum Zeichen dafür, daß er den Belagerungsring erfolgreich überwunden hatte, ein Feuer auf dem Mühlberg machen, was auch gelang. Am 16. November versuchten die Belagerer zum ersten Mal an die Tore der Burg zu kommen um dort Feuer einzulegen, wurden aber durch die beiden auf der Brustwehr stehenden Konstabler Conrad Rüger und Hans Jakob Seidenschanz mit Granaten und Sturmtöpfen[174] abgetrieben. Am 19. November kam der an Herzog

Wilhelm abgesandte Bote wieder zurück und machte zum Zeichen seiner Ankunft auf dem Mühlberg wieder ein Feuer, worauf man ihn über den Burggraben in die Festung geleitete. Er brachte die Nachricht, daß Herzog Wilhelm unweigerlich Sukkurs schicken wolle, der jedoch nie eintraf.

Die Belagerung der Veste ging indessen, da Lamboy sich für einige Tage zu Konsultationen mit Forgách nach Römhild begeben hatte (am 16.11.), mit relativ geringem Engagement weiter. Rüger berichtet unter dem 20. November von einer merkwürdigen Exkursion von 5 Landesdefensionern, die zum Holzholen in die abgebrannte Schäferei ausrückten. Dabei mußte ihnen die Jungfer Katharina Krug die Gewehre nachtragen. Auf dem Rückweg wurde die Gruppe von einer feindlichen Streifpartei überrascht. Die Männer ‚riefen gedachter Jungfer, welche schon etwas vorgegangen, um Gotteswillen zu eilen und ihnen ihre Gewehre zu bringen, worauf sie wieder zurückgesprungen und den Männern dieselben überbracht, welche nun auf den Feind losgingen. Zu ihrer Defension wurde aus der Festung mit Doppelhaken und Musketen Feuer unter die Feinde gegeben, daß sie ausreißen mußten und kamen die 5 Männer ohne Schaden durch Gottes Hilfe davon, nahmen ihr Holz wieder auf den Hals und brachten es in die Vestung’. Kommandant Zehm unternahm nun einen Versuch die in der Stadt liegenden feindlichen Truppen zu verunsichern. Er ließ zwei Geschütze auf die geheime Ratsstube in der Ehrenburg, in der Lamboy sein Quartier hatte, zwei auf den Markt und zwei auf das Rosenauschlößchen richten und diese abfeuern. Gleichzeitig ließ er einen Ausfall beim Heiligkreuztor und Steintor machen, der allerdings wenig Erfolg hatte, sonderlicher Schaden ‚sei in der Stadt nicht geschehen’. (T. Krieg, S. 35).

Wegen des ausbleibenden Sukkurs wurde der Bote am 4. Dezember erneut mit der dringlichen Bitte um Unterstützung zum Herzog geschickt. Dieses für Herzog Wilhelm, zu diesem Zeitpunkt ja noch schwedischer Generalleutnant, typisch unzuverlässige Verhalten hatten wir bereits bei der am 22.11. ausbleibenden Unterstützung für die heranziehenden Hessischen Truppen unter Kurt von Dalwig erlebt. Wilhelm schien zu dieser Zeit bereits zu taktieren, da er davon ausging, daß sich die Coburger Besatzung länger halten würde und durch das sich abzeichnende Pirnaer Friedensabkommen zwischen dem Kaiser und Sachsen (23.11.1634) die Veste Coburg in die Neutralität aufgenommen werden könnte. Daß jedoch Wilhelm den Entsatz der Veste zumindest plante, geht aus den Verhandlungen mit dem schwedischen Feldmarschall Johann Banér vom 9.12. hervor, den er, wie sich herausstellen sollte erfolglos, zu einem Vorstoß gegen Franken zu überreden versuchte. Der Coburger Kommandant Zehm hatte Wilhelm durch den abgesandten Boten gemeldet, daß die Kaiserlichen durch die erfolgte Beschießung der Stadt und den Ausfall so in die Furcht geraten seien, ‚daß sie, hätte es nur etwas stärker ausfallen können, die Stadt sollten quittiert haben’. Auch, daß die in der Stadt liegenden kaiserlichen Truppen Furcht vor einem neuen Überfall hätten und der Herzog mit 2000 Reitern und 1000 Mann zu Fuß diese leicht überwältigen und die Festung entsetzen könne (Huschke, S. 264). Der Kurier kam am 12. Dezember mit der Botschaft zurück, daß die Unterstützung innerhalb der nächsten beiden Tage nun unweigerlich eintreffen sollte. Die Konstabler Rüger und Seidenschwanz wurden deshalb ‚mit 2 halben Karthaunen und 50 Kugeln, 13 Ctr. Pulver und 6 Pfd. Pirschpulver, zum Zündkraut zu gebrauchen’ in Stellung gebracht um der herannahenden Verstärkung Feuerschutz geben zu können und dem Feind ‚bei der Stahlhütte in Gotsmanns Garten Pahre [Barré] zu schießen’, diesen also abzuriegeln (Die Stahlhütte, also das Schießhaus für die Armbrustschützengilde, stand an der Stelle des heutigen Landestheaters).

Die erwartete Verstärkung blieb natürlich aus. Am 23.12. (2.1.) ordnete Zehm einen größeren Ausfall mit 100 Mann an. Diese kamen bis unter die Tore der Ehrenburg, mußten sich aber nach kurzem Gefecht unter Mitnahme eines Gefangenen wieder in die Festung zurückziehen. Rüger erwähnt diesen Vorfall seltsamerweise nicht, berichtet jedoch von einigen Ausfällen der Dragoner unter dem 21. und 24. Dezember, welche einen Gefangenen einbrachten, der vorgab, ein geborener Grieche zu sein und deshalb nicht antworten wollte. ‚Da wardt befohlen, man solle ihn todt schießen; da konnte er gut deutsch reden’. Während der nun folgenden Weihnachtsfeiertage hielten sich beide Seiten ruhig.

– – Adelshofens Stab und die Kompanie des Obristwachtmeisters Giovanni Battista Picci lagen vom 26.10.1634 bis zum 2.2.1635 auf dem Hof des Rats zu Heldburg in Holzhausen,[175] wie das Verzeichnis der Viktualien, Kontributionen und Salvaguardia-Gelder der Dorfschaft Holzhausen[176] und anderer Ortschaften ausweist.[177] – –

Im Januar 1635 kam Johann Ludwig Fueß, der Kommissar des kaiserlichen Feldmarschalls Piccolomini nach Coburg. Er ließ etliche Mandate wegen monatlicher Kontributionen von 1000 Gulden, Lieferung von Proviant und Beschaffung von Quartieren publizieren. Er selbst verlangte monatlich 200 Taler neben Kost und Futter. Fueß wurde durch den kaiserlichen Oberkommissär Daniel Wolff abgelöst, der eine eigene Vergütung von monatlich 600 Reichstalern und eine sofortige Kontribution von 8000 Talern für die Kriegskasse forderte. Den Beamten und Räten der Coburgischen Städte wurde bei Nichtzahlung mit Arrest und militärischer Exekution gedroht, so daß sie schließlich eine Obligation über 6000 Taler ausstellten. Als die Stadt Coburg diese Kontributionen nicht mehr aufbringen konnte, wurden die Mitglieder des Rates 8 Tage lang in die Regimentsstube auf dem Rathaus auf dem Rathaus eingeschlossen. Kaum hatten sie sich gegen eine goldene Kette und eine Anzahl von Wertgegenständen freigekauft, wurden sie erneut, neben dem Kanzler Dr. Ernst Fomann auf Waldsachsen[178] und dem fürstl. Rat Dr. Peter Wolfrum, in der großen Ratsstube der fürstlichen Regierung inhaftiert und von Soldaten bewacht, bis sie schließlich eine Obligation über 3400 Reichstaler ausstellten, worauf sie freigelassen wurden.

Rüger berichtet unter dem 2. Januar von etlichen Ausfällen der Dragoner, die dabei einen Toten und 2 Gefangene zu beklagen hatten. Die Gefangenen wurden von den Belagerern grausam umgebracht. Der eine, weil er zwei Glaskugeln bei sich trug, was als abergläubisches Mittel galt, um das ‚Festmachen’ also die Unverwundbarkeit des Gegners aufzuheben. Diesem stachen sie die Augen aus, schnitten ihm ein Kreuz auf die Stirn und erschossen ihn. Der zweite, ein Knecht des Dragonerfähnrichs Klaus Börzinger, weil er eine Pirschbüchse bei sich trug, also als Scharfschütze galt.[179] Dieser Knecht sollte, weil er in das Zeughaus eingebrochen war, bereits am Vortag in der Veste erschossen werden, war jedoch von der Schwester Georg Christophs von Taupadel, die sich noch auf der Veste befand, freigebeten worden. Am 20. Januar streuten die Dragoner sogenannte Lähmeisen, also vierzackige Fußangeln, aus und legten Lähmbretter (Bretter mit durchgeschlagenen Nägeln). Der in diesen Hinterhalt gelockte Feind hatte dadurch zahlreiche Verluste an lahmen Pferden.

Die Nachrichten des Festungskommandanten Zehm an seinen Landesherren Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach und den de facto schwedischen Generalleutnant Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar wurden im Februar des Jahres 1635 zunehmend dringlicher. Wilhelm legte nach wie vor seine Verzögerungstaktik an den Tag. Am 9./19. Februar wies er Zehm auf die laufenden Friedensverhandlungen hin und erklärte, daß ein solcher Frieden nicht nur einen Waffenstillstand, sondern den Wegzug aller kaiserlicher Truppen aus der Grafschaft Henneberg[180] und dem Herzogtum Coburg nach sich zöge. Sein mangelndes Eingreifen entschuldigte Wilhelm damit, daß der Feind nördlich des Thüringer Waldes keine Feindseligkeiten zeige, er deshalb diesen Zustand gleichfalls nicht durch feindselige Haltungen gefährden wolle. Dem Kommandanten empfahl er, einen Unterhändler zu Lamboy zu schicken und ihn über den bestehenden Waffenstillstand zu unterrichten, der zwangsläufig auch die Festung Coburg einbeziehen würde.

Während Herzog Wilhelm zumindest noch produktive Vorschläge machte, beschränkten sich die Ratschläge Johann Ernsts, der keinen militärischen Einfluß hatte, auf reine Durchhalteparolen. Bereits im Januar hatte Zehm geklagt, daß er von seinem Landesherren und dessen Räten keine Antwort bekomme. Zu Anfang Februar legte er diesem die militärische Situation dar. Danach hatte Lamboy umfangreiche Vorbereitungen für einen Sturm machen lassen. Dafür seien zahlreiche Schanzkörbe, Faschinen und Sturmleitern etc. verfertigt worden. Zudem habe man mit der Unterminierung der Veste begonnen, zu welchem Zweck zwei ‚Minierer’ (Bergbauingenieure in Militärdiensten) und eine große Anzahl an Bergknappen angekommen wären. Zehms kontinuierliches Klagen und die durch seine eigene Hilflosigkeit bedingte Wut veranlaßten Johann Ernst am 10./20. Februar dazu, einen außergewöhnlich scharfen Durchhaltebrief an den Kommandanten zu richten: ‚Herr Obrister, ich weiß nicht, wie ihr gar so verzagt schreibet, Ihr sagt, Ihr seid so lange blockiert gewesen, Ihr müsset aber wissen, Blockierung ist nicht Attackierung, wenn sie Euch etwas tun wollen, so müssen sie Euch auf den Leib, es ist auch die Festung so hoch, daß sie nicht werden so bald hineinsteigen, auf den gesetzten Fall kommen sie hinein, ist es doch nichts Neues, daß man sie wieder herausschlagen [muß]. Es ist leicht von einem Kavalier geredet, daß man Leib und Leben zusetzen will; wenn alles dabei in Acht genommen wird, ists wohlgetan; der Herr Obriste betrachte, es ist kein Geringes, ein Kommando zu begehren und auf sich zu nehmen, man muß auch danach tun, was sein Amt mit sich bringet. […] ich verstehe mich zu Euch als einem Kavalier, Ihr werdet tun, was Euch gebühret, befehle Euch hiermit ernstlich, für mich und mein Haus, daß Ihr unsre Festung bis auf den letzten Mann und letzten Blutstropfen verteidiget, und man will von keinem Akkord wissen; tut Ihr nun wohl, so versichere ich Euch, es soll Euch mit solchem Dank belohnet werden, daß ihr damit sollet zufrieden sein, tut Ihr aber übel, und lebet dem Allen nicht nach, so wird man es von Eurem Kopf fordern’. (T. Krieg, S. 36).

Zehm schrieb seinem Landesherren im Verlauf des Februar, daß die Blockade der Festung nun vehement vorangetrieben würde, ‘fast nicht ein Hund könne mehr herauskommen’. Die Belagerer hätten zudem mit dem Vor-antreiben der der unterirdischen Stollen erhebliche Fortschritte gemacht. Am 17./27. habe man deshalb einen Ausfall unternommen, den Feind aus den Laufgräben geschlagen und eine der Minen einbekommen. Dabei seien 25 der Feinde gefallen, zwei Minierer und etliche Bergknappen habe man gefangengenommen und mit ihren Werkzeugen und Waffen in die Festung gebracht. Ein ‚vornehmer Minierer’, der sich für einen Fähnrich ausgebe, nach Aussage der anderen aber der Hauptmann sein soll, habe bekannt, daß der ‚Principal Minierer’, ein Italiener, fest entschlossen sei, unter den Stock der Veste zu minieren. Man habe die dritte Mine bereits angefangen und nach dem Willen Lamboys wolle man alle drei Minen zugleich springen lassen. (Ebd. S. 37).

Diese Vorbereitungen werden in einem Brief Lamboys am 22. Februar an Octavio Piccolomini bestätigt. In diesem schreibt Lamboy, daß die Vorbereitungen zu Unterminierung der Festung beendet seien. Durch die Minenstollen könne man bereits die feindlichen Schanzen erreichen. Die Sappeure hätten 40 Tonnen Schießpulver unter die Festung gelegt, falls diese nicht innerhalb von 3 Tagen übergeben werde, solle die Sprengung erfolgen. Am 24. Februar muß Lamboy in einem weiteren Schreiben allerdings zugeben, daß sich die Verteidiger nicht ergeben wollten, sondern auf Hilfe warteten. Der zweite Minenstollen sei nun auch beendet. Am 28. Februar berichtet er, daß die Belagerung der Feste durch Regenfälle und Ausfälle der Verteidiger erschwert würde. Diese warteten auf Hilfe von Johan Banér. Gleichzeitig verteidigt er sich gegen Vorwürfe Piccolominis, der die Sappen[181] und Minen für nicht wirksam genug hielt. (DBBTI V/1160, 1167, 1172).

Rüger berichtet von der nun gänzlichen Einschließung der Veste unter dem 26. Februar. Am 28.2. richtete er eine mit Hagel (Hackblei und Eisenstücken) geladene viertel Kartaune auf den von den Belagerern besetzten Hohlweg und provozierte dadurch einen artilleristischen Gegenangriff. Dabei wurde die Schießscharte seiner Geschützstellung getroffen, so daß ihn ein Steinsplitter am Ohr traf und etliche Tage außer Gefecht setzte. Unter dem 5.3. schreibt er von einem Ausfall der Dragoner, welche von der blauen Kemenate mit Doppelhaken, Musketen und Gewehren unterstützt wurden. Die Schildwache der Belagerer, ein geborener Schwede und ehemals zur auf der Veste liegenden Kompanie des Hauptmanns Michel zugehörig, wurde überrascht und wollte fliehen. ‚Sein Hauptmann aber mit Namen Krebs versuchte ihn aufzuhalten, indem er ihm zurief: Wohin ? Wohin ? er aber stößt ihn in den Koth, sagend: Da liegst du und der Teufel !’ Die Dragoner, die zu Fuß angriffen, machten etliche der fliehenden Belagerer mit Schlachtschwertern (Zweihändern) und kurzem Gewehr (Helmbarten) nieder und nahmen den Rest gefangen, darunter den Hauptmann Krebs.

Von einem besonderen Kabinettstücklein berichtet Rüger unter dem 7. März. Die Belagerer hatten zwei 1/4-pfündige Stücklein[182] in einen Garten unterhalb der neuen Bastei gepflanzt und begannen die Festung zu beschießen (diese Bastei, im Süden der Veste, hatte der Konstabler Rüger unter seinem Kommando). ‚Die Feinde gaben nach mir Feuer, fehlten aber die ganze Vestung nicht mehr als 26 mal, welches die darinnen liegenden wohl lachten und folgendes Blendwerk brauchten. So oft sie schossen, warf Caspar Radschmidt mit einem Sturmhäfelein, so mit Kalk und Aschen angefüllt war, an die Mauer, daß es stäubte, wodurch sie vermeinten, sie hätten getroffen. Wie sie aber den Betrug merkten, so trafen sie besser und schossen in die Schießaugen und durch die Blendung auf der neuen Bastei, daß ich aber übel zufrieden war und gedachte sie wieder zu bezahlen, richtete deshalb eine halbe Karthaune auf sie zu und gab Feuer auf ihre Schanzgräben und Batterien und lähmte ihre Stücke gänzlich, welches sie aber bald wieder reparirten und Feuer auf die Basteien gaben, welches noch zu ersehen, aber sie konnten nichts Schadhaftes effekutieren’.

Eine weitere Episode über den anscheinend besonders gewieften Caspar Radschmidt berichtet Rüger wenig später: ‚Den 12. März kommandierte der Hr. Capitän 3 Männer mit Schlachtschwerdtern und kurzem Gewehr auf die vordere Mine, welche im  Herrenberg angefangen war [unter der neuen Bastei]. Darunter war auch Caspar Radschmidt, eine Rundtasche habend [Rondartsche = schußfester Rundschild]. Diese gingen auf die Minirer los, bekamen ihrer 4 gefangen und führten sie auf die Vestung. Als sie fast hinan waren, vermerkte Caspar Radschmidt, daß er in der Furie seine Rundtasche verloren habe, dem der Capitän alsbald 6 Mann gab, dieselbe wieder zu holen. Sie gingen hin und bekamen wieder 7 Minirer und ihren Hauptmann, wie auch alle ihre eisernen Keile und Hämmer, nebst einer Flasche, mit welcher sie Vormittag 9 Uhr die in der Vestung genug gehöhnet, indem sie selbige auf eine Stange steckten und uns einen Trunk präsentirten, dem wir Bescheid thun sollten, welches auch durch einen Jäger geschahe, der sie mit einer Pirschbüchse anzäpfte’.

Zu einem spektakulären Zwischenfall kam es am 22. März, als Rüger erneut die Ehrenburg beschoß. Dort hielt sich gerade der Generalwachtmeister Lamboy mit dem Grafen Miklós Forgách und noch 5 Oberstleutnants, angeblich zum Kartenspielen, in der geheimen Ratsstube auf, als eine von Rüger abgefeuerte Geschützkugel einschlug, die steinerne Fenstersäule zerschmetterte, den Tisch um kaum einen Meter verfehlte und zum anderen Fenster wieder hinausfuhr. Rüger berichtet über diesen Vorfall, zwar unter falschem Datum, aber in gewohnt launiger Manier: ‚Den 21. Nov. spielte ich auf den Abend mit einer Feldschlange von der neuen Bastei auf die geheime Rathstube in der Ehrenburg, denn es war berichtet worden, daß der General Lamboy sein Quartier in selbiger genommen, welches auch zugetroffen. Am selbigen Abend war General Lamboy am Tisch gesessen, gespielt, getrunken und lustig gewesen und habe ich von gedachter Stube eine Säule vom Fenster sammt dem Gebäu vom Stuhl, auf welchem Lamboy gesessen, nebst Leuchter und Pocalen von der Tafel weggeschossen, daß Herr und Diener aus dem Gemach gesprungen und wollten diesen fremden gast, weil er ganz seltsam und ihnen übel gefallen, nicht mitspielen lassen’. (Rügers Relation bei Karche I, S. 477).

Der Kommandant Zehm war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich frustiert. Da sich Herzog Wilhelm von Weimar am 3./13. auf eine Reise zu Kurfürst Johann Georg I. nach Dresden begeben hatte (Huschke, S. 286), wandte sich Zehm noch am 12./22.3. an Herzog Johann Ernst mit der Bitte, dieser möge doch wegen etwaigen Sukkurses bei dem Generalmajor Georg von Uslar in Waltershausen[183] anfragen, dem Herzog Wilhelm Weisungen hinrterlassen habe. Er beschwerte sich auch bei dieser Gelegenheit über Herzog Wilhelm, dem er etliche Male den Zustand der Festung geschildert habe, auch daß die Besatzung gar zu schwach und durch die stetigen Wachten und die große Kälte sehr abgemattet sei. Viele wären dadurch krank geworden und stürben dahin. Von Herzog Wilhelm habe er bisher nur Vertröstungen erhalten. Außerdem sprach Zehm, trotz der Drohungen Johann Ernsts, diesem gegenüber nochmals die ‚Traktationsmöglichkeiten’, also Verhandlungsmöglichkeiten zu einer Übergabe an. Wenn nicht spätestens in 4 Tagen Unterstützung zu erwarten sei, ‘werde kein anderes Mittel sein, [als] den Ort zu übergeben und eher mit einem ehrlichen Soldatenakkord abzuziehen, als großer Schand und Extremitäten neben Verlierung des Platzes gewärtig zu sein’. (T. Krieg, S. 38).

Am 12.3. hatte man bereits mit ersten Übergabeverhandlungen, die im Namen Zehms von dem Kapitän Michel geführt wurden, begonnen. Mit welcher Gesinnung Lamboy und der jederzeit informierte Piccolomini dabei vorgingen, zeigt ein Brief Lamboys an Piccolomini vom 12. März. Hierin berichtet Lamboy, Arnim (der kursächsische Generalleutnant) habe einen Eilboten hergeschickt, mit der Anweisung, das ganze Haus Coburg und die gesamte Besatzung innerhalb des Schlosses in den Waffenstillstand aufzunehmen; es handle sich dabei freilich um Schweden und Kompanien des Herzogs (Wilhelm) von Weimar. Kapitän Michel, der als  Unterhändler auftrete, sei von seiner eigenen (Wilhelms) Kompanie. Er warte auf Instruktionen. Seine Stellung in Thüringen sei jetzt, nach dem Anmarsch der Regimenter Forgách, Götz und Willich, stark genug, um allen Angriffen standzuhalten. (DBBTI V/ 1188). Piccolomini und Lamboy wußten also sehr genau, daß die Festung bereits in den Waffenstillstand zwischen dem Kaiser und Kursachsen aufgenommen war, wollten aber vorher noch vollendete Tatsachen schaffen.

Tatsächlich hätte Zehm nur noch wenige Wochen durchhalten müssen. Die nachgiebige Haltung der Belagerten erscheint besonders vor dem Hintergrund unverständlich, als die Festung, mit der Ausnahme von Brennholz, noch mit genügend Vorrat versehen war. Über 1800 Simmern Weizen und 1200 Simmern Korn (Roggen) waren noch vorhanden (ein Coburger Korn-Simra entsprach 0, 4 bayer. Scheffel oder 88, 94 Liter). Dazu ein großer Vorrat an Erbsen und jede Menge Pulver und Munition. Zudem waren die Dragoner und Soldaten allesamt guten Mutes und gaben vor, ‚eher die von Adel niederschießen zu wollen, als daß die Festung solchergestalt aufgegeben werden sollte’. Die Schwiegermutter Zehms, eine Rittmeisterin von Luchau, äußerte sich ihrem Schwiegersohn gegenüber, wenn sie gewußt hätte, daß er die Festung also übergeben wolle, so hätte sie ihm ihr Kind nimmermehr übergeben und wollte es wieder zu sich nehmen. (T. Krieg, S. 38, 40).

Als Ergebnis der Verhandlungen Michels wurde vorerst vom 16. bis zum 21. März ein Waffenstillstand abgeschlossen. Die Kommandantur der Belagerten nutzte während dieser Zeit ein Angebot Lamboys, den Zustand der Minen zu besichtigen, die gegen die rote und blaue Kemenate vorangetrieben worden waren. Bereits im Januar hatte Lamboy den Vorschlag eines Übergabevertrages ausarbeiten lassen und ihn an den Festungskommandanten übermittelt. Nun wollte er ihm vor Augen führen, daß ein weiteres Verharren der Belagerten aussichtslos sei. Die Besichtigung erfolgte durch den Major von Seckendorf und drei Hauptleute. Diese erkannten zwar, daß die Minen noch nicht so weit fertiggestellt waren, als daß sie eine Gefahr für die Festung dargestellt hätten. Trotzdem wurde, nach erneutem Drängen Lamboys, am 9./19. März 1635 ein Akkord[184] von beiden Seiten unterzeichnet.

Dieser erste Übergabevertrag (wörtlich abgedruckt im Theatrum Europaeum III, S. 450) sah den Abzug der Garnison für Mittwoch den 21./21. März gegen Mittag vor. Vorher bat sich jedoch der Kommandant Zehm noch eine Besichtigung der Minen aus. Auch er erkannte die Unzulänglichkeit der bisherigen Vorbereitungen und entschloß sich, nach Befragung eines Kaufmannes, der sichere Nachricht von der Nichteinhaltung des Vertrages durch Lamboy hatte, den  Übergabetermin aufzukündigen. Als am Donnerstag, dem 22. März, 40 Pferde Vorspann an der Veste anlangten, um die Besatzung mitsamt Gepäck abzuführen, wurde ihnen ein Tambour mit ablehnendem Bescheid entgegengeschickt, worauf diese wieder abrücken mußten, widrigenfalls das Feuer auf sie eröffnet werden sollte. Piccolomini, der sich in (Bad) Neustadt[185] aufhielt, schrieb am 25.3. verärgert an Gallas, daß die Besatzung von Coburg in letzter Minute die Kapitulation unter dem Vorwand abgelehnt habe, daß sich der (Pirnaer) Waffenstillstand auch auf sie beziehe. Er werde daher Lamboy befehlen, die Festung unter Beschuß zu nehmen. Gallas war eigentlich der Meinung, daß bis zum endgültigen Abschluß des Waffenstill-standes (Prager Frieden) die Festung geschont werden müsse. Lamboy setzte sich jedoch darüber hinweg, mit dem Argument, dieser Waffenstillstand wäre eine fertige Sache, deshalb müsse man vorher noch die Verwirrung der Schweden ausnutzen und diese vertreiben. (DBBTI V/1201, 1203).

Lamboy verfiel nun auf eine List. Am 24. März ließ er ein angebliches Schreiben Herzog Johann Ernsts auf die Festung schicken, mit der Behauptung, dieses hätten seine Reiter einem Boten von Eisenach[186] abgenommen, den sie erschossen hätten. In dem Schreiben befahl Johann Ernst, die Festung aufzugeben bevor sie durch die angelegten Minen ruiniert würde. Den Brief hatte Lamboy von seiner Kanzlei fälschen lassen. Dazu hatte man im fürstlichen Rentamt einen alten Befehl gefunden, das Siegel nachstechen lassen und die Handschrift und die Unterschrift des Herzogs nachgemacht. Der Kommandant Zehm war argwöhnisch, auch viele der Umstehenden äußerten Verdacht: ‚Die einen wollte es dünken, es sei eine österreichische Hand, ein anderer meinte, wie kann das richtig zugehen, es ist Neuseser Papier, zu Eisenach hat man dessen nicht. Zehmen hielt den Brief, sobald er ihn bekam, für verdächtig, warf ihn mit einem großen Fluch auf den Tisch, hielt auch das Papier gegen das Fenster und fand das Neuseser Zeichen daran. Seckendorf aber redete es ihm stark aus und beteuerte hoch, es sei richtig. Vor einem anderen Zeugen, der seinen Verdacht äußerte, ergriff er den Kommandanten am Arm und führte ihn weg’.

Tatsächlich spielte von Seckendorf, der mit Nachdruck auf eine Kapitulation hinarbeitete, beim Zustandekommen der Übergabe eine zweifelhafte Rolle. Als der Zeugmeister Philipp Reinhardt sich an Zehm und Seckendorf mit der Frage wandte: ‚Herren, wollt ihr akkordieren, da wir doch an Munition keinen Mangel, auch zu leben haben’, soll Seckendorf geantwortet haben: ‚wenn sich der alte Narr in die Luft sprengen ließe, sei an ihm nicht viel gelegen, es sei aber um die von Adel und andere ehrliche Leute zu tun’. Nach Aussage des Hauptmanns von Birkig habe Seckendorf die Dragoner und die Bürger gefragt, ob sie fechten wollten, was diese entschieden bejaht hätten. Darauf hätte Seckendorf eingewandt: ‚Die hinterste Mine sei schon hinein, durch die rote Kemenate durch [den späteren Kongreßbau, heute Carl-Eduard-Bau], biß schon an die Roßmühle, die vorderste Mine durch die blaue Kemenate [das Untere Zeughaus, heute Hohes Haus] bis mitten in den Hof, wenn nun die Mine geht, zersprengt sie die Festung in zwei Teile und verdirbt die zwei Mühlen, was wollet ihr darnach zu fressen haben’. Darüber wurden die Dragoner sehr zaghaft, welche bis auf den letzten Mann gefochten hätten, ‚wann sie nicht abgeschreckt worden’. Der Zeugmeister Reinhard sagte aus, die Festung hätte auf jeden Fall erhalten wer-den können, da es ‚so große Gefahr mit dem Miniren im geringsten nicht gehabt’. (T. Krieg, S. 39, 40).

Zuletzt nutzte alles Argumentieren nichts. Seckendorf drängte mit Vehemenz auf eine Übergabe und die Uneinigkeit zwischen Zehm, Görtz und Griesheim tat ihr übriges dazu. Am 17./27. März wurde der neue Übergabevertrag, bis auf die geänderten Datumsangaben gleichlautend mit dem 1. vereinbarten Akkord, von Wilhelm von Lamboy, Georg Philipp von Zehm und Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, unterschrieben. Danach sollte die Garnison am 18./28. März ‚früh um 8 Uhr mit fliegenden Fähnlein, brenenden Lunten, Kugeln im Mund, ober= und unter=Gewehr, gefüllten bandelieren, klingendem Spiel, Sack und Pack und aller Bagage [Troß], wie die auch Namen haben mögen, abziehen’. Die Mobilien des regierenden Landesfürsten (Johann Ernst), der fürstlichen Witwe (Johann Casimirs) und der fürstlichen Erben sollten unangetastet bleiben und die fürstlichen Kanzlei-Unterlagen dem Kanzler und Räten der Stadt zugestellt werden. Dem Obersten Zehm sollten alle seine Mobilien, ‚so er mit seiner Bagage nicht fortbringen kann, unverrückt bleiben und ihm so weit vergönnt und zugelassen sein, daß er solche in seine Behausung in der Stadt [Haus No. 134 in der Herrengasse] oder auf das Haus, die Roßenau genannt [Rosenauschlößchen …] sicherlich abführen lassen solle und möge’. Außerdem sollten der auf der Veste gefangengehaltene Obrist Frh. von Haslang und der Oberstleutnant Klepping ohne Forderungen aus ihrem Arrest freigelassen werden. Alle Coburgischen Bürger und Einwohner des Landes sollten sich mit Weib, Kind und allem Hausrat wieder unangetastet in ihre Wohnungen begeben dürfen. (Karche III, S. 139f.).

Ein interessanter Sachverhalt findet sich noch unter Punkt 8 des Vertrages: ‚Hierinnen ist auch in specie begriffen des Obrist Taupadels Junger Schwester, welcher mit aller bey sich habenden Bagage, Mobilien, so Ihrem Herrn Bruder und ihr zuständig, es habe Namen wie es wolle, neben sein des Taupadels Kind und dero bei sich

habenden Angehörigen, mit der Guarnison frey sicher abziehen, erlaubt seyn solle, wozu ihr denn mit nothwendiger Vorspann zu ihrer Kutschen fortgeholfen werden wird’. Georg Christoph von Taupadels Schwester befand sich also (seit Oktober 1632) noch Anfang des Jahres 1635 zusammen mit dessen Kind auf der Veste Coburg.

Am 28. März 1635 wurde die Veste an Lamboy übergeben und die Besatzung (bzw. Herzog Wilhelm von Weimars Kompanie unter Hauptmann Michel) wurde unter Konvoi durch die Grafschaft Henneberg an Meiningen[187] vorbei nach Eisenach geleitet. Die Akkordvereinbarungen wurden natürlich nicht eingehalten, was Lamboy damit begründete, daß der erste, am 9./19. März vereinbarte Akkord ohne Ursache gebrochen worden war, ‚folglich sei er in dem zweiten nach ‚aller verstendiger General vndt Cavallier judicio’ auch nicht zu halten schuldig gewesen’. Die in die Veste eingeflohenen Bürger wurden noch beim Hinuntergehen in die Stadt geplündert, viele mußten sich mit ‚Wachtgeld’ loskaufen, einige wurden umgebracht. Lamboy ließ die beiden Befehlshaber Oberst Zehm und Major Görtz entgegen den im Akkord getroffenen Vereinbarungen gleich nach ihrem Auszug in der Ehrenburg gefangensetz[t]en – wohl auf deren eigenes Ersuchen hin, da sie sich aufgrund ihres leichtfertigen Handelns vor möglichen Repressalien der eigenen Seite fürchteten. Desgleichen wurde der Wagen mit dem Silbergeschirr des Herzogs Johann Ernst im Wert von 21.000 Gulden beschlagnahmt. Obwohl der Herzog seinen Kämmerer Christoph von Herstall an Lamboy und Piccolomini schickte, sich sogar beim Kaiser beschwerte, konnte er sein Eigentum nicht mehr zurück erhalten. Das Tafelsilber hatte mittlerweile der Feldmarschall Piccolomini in seinen Besitz genommen, dem Lamboy noch am 20. April eine genaue Inventarliste davon zuschicken mußte (DBBTI V/1220). Bei Kenntnis der Habgier Piccolominis, der sich sofort nach Coburg begab, um die Beute zu besichtigen, wird klar, daß hier nichts mehr zu bekommen war.

Die Festung wurde mit einer kaiserlichen Garnison von 280 Mann aus dem Adelshofischen Regiment unter dem Hauptmann und Kommandanten Amman belegt (derselbe Hans Wilhelm Amman, der im Juni 1633 von Melchior von Hatzfeld der Kronacher Bürgerschaft als Stadthauptmann vorgestellt worden war, siehe dort). Dieser wurde am 3./13. Juli anläßlich der Ankunft des kaiserlichen Truppenkontingents unter der Marchese Francesco del Caretto di Grana, von dem Hauptmann Ott von Otten mit 360 Mann aus dem Neu-Hatzfeldischen Regiment abgelöst, welchem die Bürgerschaft wöchentlich 724 Gulden zu ihrem Unterhalt beisteuern mußte. Erst gegen Ende des Jahres 1635 gelangte die Veste aufgrund der Vereinbarungen des Prager Friedens an das Haus Sachsen zurück. Am 12./22. Dezember wurde der neue Kommandant und Festungshauptmann Hanns Hartmann von Erffa bestätigt. Dieser konnte mit seinen Soldaten die Festung allerdings erst am 7./17. März 1636 beziehen, nachdem die Hatzfeldische Garnison unter Hauptmann Otten am selbigen Tag abgezogen war.

Am tragischsten endete das Schicksal des Obersten und ehemaligen Kommandanten Georg Philipp von Zehm, obwohl dieser hinter den treibenden und intrigierenden Hauptakteuren der Übergabe schuldbezogen weit zurückstand. In einer 25 Folioseiten umfassenden Apologie versuchte von Zehm später die Beweggründe für sein Handeln darzustellen. Er mußte einen Prozeß wegen Hochverrats über sich ergehen lassen, der jedoch mangels Beweisen eingestellt wurde. Zehm quittierte daraufhin den Kriegsdienst und zog sich auf sein Coburger Anwesen (Herrengasse Nr. 134) zurück. Er wurde zunehmend sonderlicher und ergab sich mehr und mehr dem Aberglauben. Bereits in früheren Jahren, wenn er auf der Festung mit seiner Gemahlin zu Tisch saß, glaubte er des öfteren ein Gespenst, seiner Frau ähnlich, zu sehen. Seine Zuneigung zum Sektenwesen, insbesondere zum Calvinismus, der bei den Protestanten damals noch schlimmer angesehen wurde als die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche, brachte von Zehm mehr und mehr bei seinen Mitbürgern in Verruf. Er starb in seinem Haus in der Herrengasse unter großer Verachtung und wurde auf einem Mistwagen nach Schottenstein geführt und dort begraben. (Karche I, S. 212). Seine Gemahlin, eine Geborne von Würtzburg, war bereits im Jahr 1633 gestorben und am 17. September in das Begräbnis unter dem großen Stein im Kreuzgang der Kirche St. Moritz in Coburg beigesetzt worden. Die Leichenpredigt hielt der Archidiakonus Pfrüscher (Karche III, S. 146). Daß es mit der weiter oben erwähnten Rittmeisterstochter von Lüchau zu einer weiteren ehelichen Verbindung kam, ist nach diesen Vorfällen unwahrscheinlich. Viel mehr ist anzunehmen, daß die Schwiegermutter in spe ihr Kind, wie angedroht, wieder zu sich nahm”.[188]

Adelshofen teilte Hatzfeldt im Juni 1635 den Angriff auf Königshofen[189] und die Lage bei Heidelberg mit.[190]

Im Dezember 1637 schrieb Piccolomini an Hatzfeldt, die Regimenter Suys und Adelshofen seien in Jülich[191] und Kleve[192] einquartiert.[193]

Am 17.2.1638 machte Adelshofen zusammen mit Melchior von Hatzfeldt Station in Marktredwitz, bevor sie nach Eger weiter reisten.[194] Der Hauptmann und Truchsess Wenzeslaus Renatus von Iphofen schrieb im August 1638 aus Mülheim[195] an Adelshofen wegen der Kontributionsforderungen in den Ämtern Pforz,[196] Monheim[197] und Miseloh.[198] Im August weilte er in Köln[199] und unterrichtete Hatzfeldt von Piccolominis Aktionen am Niederrhein.[200] Später in diesem Jahr war sein Regiment anscheinend in Luxemberg stationiert und sollte Piccolomini verstärken, wie Mathäi 1638 dem Kardinal-Infanten mitteilte.[201]

Friedrich von Schletz unterrichtete Hatzfeldt im Januar 1640 von der Wallfahrt des tiefgläubigen Adelshofen.[202] Im August 1642 informierte Friedrich von Schletz, der dem Münchner Kriegsrat angehörte, Hatzfeldt über Gerüchte wegen des Eintritts Adelshofens in das Benediktiner-Kloster Osiach.[203]

Über die Lage in Schlesien referierte Adelshofen Hatzfeldt im August 1643.[204]

Im Dezember 1644 informierte Adelshofen Hatzfeldt über die Belagerung Bernburgs,[205] im Juni 1645 über Bauernunruhen im Zillertal.[206] Über die Lage in Italien informierte er Hatzfeldt im April 1646, wo er im Mai sich aufhielt und sich bei ihm nach der Lage in Westfalen erkundigte. Die Eroberung von Orbetello[207] einerseits und die Belagerung von Amöneburg[208] anderseits beschäftigten ihn im Juli dieses Jahres. Um die Kriegszüge in Bayern, um Augsburg[209] und die Lieferung von Verpflegung sowie die Verhandlungen in Münster ging es im Oktober.[210] Themen im Januar 1647 waren die Verhandlungen von Candia, die Lage in Italien und Polen sowie die militärischen Unternehmen Rákóczis,[211] des Fürsten von Siebenbürgen, gegen das Haus Habsburg, während im Februar dieses Jahres die Eroberung von Weißenburg[212] Gegenstand ihrer Korrespondenz waren.[213]

Im Januar 1649 meldete Barbara von Adelshofen Hatzfeldt den Tod ihres Bruders.[214]

[1] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[2] Freireiter: Söldner ohne Soldvertrag und Kriegsherrn, der auf eigene Rechnung kämpfte und von der jeweiligen Kriegspartei für seine gefährliche Arbeit z. B. als Kundschafter ad hoc entlohnt wurde.

[3] WAGNER, Pforr, S. 96 (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Schmalkaldens und seines Umlands).

[4] Weiler [Wilre, Wijlre].

[5] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[6] Bad Niederbreisig; HHSD V, S. 29.

[7] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[8] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[9] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[10] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[11] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320. Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[12] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[13] Clingen [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 69f.

[14] Keula [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 233.

[15] Rockensußra [Kyffhäuserkreis].

[16] Allmenhausen, unter Großburschla [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 174.

[17] Ebeleben [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 84f.

[18] HAPPE I 79 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[19] 1 Eimer = ca. 60 Liter

[20] Urbach [Unstrut-Hainich-Kreis].

[21] Christian Günther I. Graf zu Schwarzburg-Hohenstein [11.5.1578-25.11.1642].

[22] Volumenmaß für Getreide im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt: 1 Marktscheffel = 12 Scheffel = 547, 584 Liter.

[23] Günthersleben, unter Gräfentonna [Kr. Langensalza]; HHSD IX, S. 166.

[24] Holzengel [Kyffhäuserkreis].

[25] Rockstedt [Kyffhäuserkreis].

[26] Abtsbessingen [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 1.

[27] Holzsußra [Kyffhäuserkreis].

[28] HAPPE I 83 v – 84 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[29] HAPPE I 85 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[30] Großmehlra [Unstrut-Hainich-Kreis].

[31] HAPPE I 103 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[32] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[33] Mühlhausen [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 286ff.

[34] Großenehrich [Kyffhäuserkreis]; HHSD IX, S. 175f.

[35] 1 Scheffel = 45, 632 Liter.

[36] Schlotheim [Unstrut-Hainich-Kreis], HHSD IX, S. 385.

[37] Mehrstedt [Unstrut-Hainich-Kreis]; HHSD IX, S. 454.

[38] HAPPE I 128 r – 128 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[39] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[40] Stralsund; HHSD XII, S. 292ff.

[41] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[42] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[43] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[44] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[45] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[46] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[47] Thierstein [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 742f.

[48] Schirnding [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 665f.

[49] Hier handelt es sich eben nicht um eine „große Krankheit“, wie Braun annimmt, sondern wohl um Typhus.

[50] BRAUN, Marktredwitz, S. 24f.

[51] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann

[52] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[53] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.

[54] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[55] Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.

[56] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.

[57] Annaberg; HHSD VIII, S. 5ff.

[58] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[59] LEHMANN, Kriegschronik, S. 50f. Lehmann datiert nach dem alten Stil.

[60] Lengefeld; HD VIII, S. 200.

[61] Marienberg; HHSD VIII, S. 215f.

[62] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[63] raiteln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[64] Frauenstein [Kr. Brand-Erbisdorf]; HHSD VIII, S. 98f.

[65] LEHMANN, Kriegschronik, S. 52.

[66] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f. Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff.

[67] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[68] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[69] Thierstein [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 742f.

[70] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[71] Kirchenlamitz; unter Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 308.

[72] Rybaře (Fischern), heute Ortsteil der Gemeinde Libá [Bez. Cheb].

[73] Pomezná (Markhausen), heute Ortsteil der Gemeinde Libá [Bez. Cheb].

[74] Mühlbach; HHSD VII, S. 16, 59, 340.

[75] Kunreuth [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 380f.

[76] Liebenstein [Libštejn, seit 1950 Libá; Bez. Eger]; HHSBöhm, S. 339f.

[77] Arzberg [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 31f.

[78] Grafenreuth, heute Ortsteil von Thiersheim [lK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[79] Korbersdorf, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[80] Haag, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[81] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[82] Seußen, heute Ortsteil von Arzberg [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[83] Markhausen [Pomezná, heute Ortsteil der Gemeinde Libá (Bez. Cheb)].

[84] Hohenberg a. d. Eger; HHSD VII, S. 307f.

[85] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[86] Riemenschneiden: streifenförmiges Ablösen einzelner Hautpartien, wobei zur zusätzlichen Peinigung die Wunde mit Salz und Pfeffer eingerieben oder heißes Öl in sie gegossen werden konnte. Tilly entschuldigte im Niedersächsisch-Dänischen Krieg die Gewalttaten seiner neugeworbenen und unerfahrenen Soldaten, die von den Bauern immer häufiger angegriffen wurden und ungeachtet ihrer eigenen Herkunft aus bäuerlichen oder unterbäuerlichen Schichten diese als Feinde ansehen mussten, damit, dass „die Bauern durch ihren beharrlichen und vermittelst bei sich habender Directorn und Offizierern besteiften Ungehorsam und rebellische Mordthaten es verdient hätten, als ob sie die Bauern nit auch der Soldaten Weib und Kinder schänden und schinden, Ohren und Nasen, Händ und Füß, ja gar die Häls und Häupter mit Aexten, auch den vornehmsten Offizieren unter den Soldaten greulich abhauen und theils lebendig schinden, ihnen Riemen aus den Leibern schneiden und sie also lebendig liegen lassen thäten, wie bei Holzminden und anderen Orten den Soldaten wahrhafftig beschehen“ sei. OPEL, Der niedersächsisch-dänische Krieg Bd. 2, S. 247. Vgl. dazu die Strafexpedition des kaiserlichen Obristen Pecker v. der Ehr gegen Harzschützen u. deren Hinrichtung in Halberstadt, wo ihnen „Riemen ausgeschnitten“ wurden; BOBLENZ, Aktionen, S. 105f.; BOBLENZ, Aktionen, S. 294, Anm. 96: Pecker habe die „Hartzbauren gar erbärmlich in Halberstadt hinrichten, rädern, spiessen, mit glühenden Zangen ziehen, auch zum theil Riemen ausschneiden, andre aber köpfen und hängen lassen“. BÖTTCHER, Halberstadt, S. 182. Zum »Riemenschneiden« im Strafvollzug HEINEMANN, Richter, Abb. 114. Zum Teil schnitt man Gefangenen Riemen aus der Haut, um sie als Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen; RUMPLER, Festungsbaumeister, S. 6. Der Fall der zwei geschundenen Kronacher, denen “Riemen” aus der Haut geschnitten wurden, fand anlässlich der 1. Belagerung Kronachs durch den schwedischen Obristen Claus Hastver statt; ENGERISSER, Von Kronach, S. 84.

[87] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.

[88] Creussen [LK Bayreuth]; HHSD VII, S. 129.

[89] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[90] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[91] Beute ?

[92] BRAUN, Marktredwitz, S. 27ff.

[93] BRAUN, Marktredwitz, S. 32f.

[94] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[95] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[96] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[97] Wintersreuth, heute Stadtteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[98] Wintersberg, heute Stadtteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[99] Hauenreuth, heute Ortsteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[100] Thölau, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[101] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[102] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).

[103] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[104] BRAUN, Marktredwitz, S. 33ff.

[105] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[106] Oelsnitz; HHSD VIII, S. 263f.

[107] BRAUN, Marktredwitz, S. 35.

[108] Greiz [Kr. Greiz]; HHSD IX, S. 167ff.

[109] Weida [LK Gera]; HHSD IX, S. 471ff.

[110] Warum hier auch 3.8. angegeben ist, erscheint unverständlich.

[111] Gemeint ist Andreas von Lippold. => Miniaturen.

[112] Gera; HHSD IX, S. 134ff.

[113] Langenwetzendorf [LK Greiz].

[114] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 93.

[115] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[116] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[117] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[118] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[119] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[120] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[121] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S. 540ff.

[122] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.

[123] Aue; HHSD VIII, S. 10ff.

[124] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.

[125] Adorf [Kr. Oelsnitz]; HHSD VIII, S. 1f.

[126] Mylau [Kr. Reichenbach]; HHSD VIII, S. 240f.

[127] Reichenbach; HHSD VIII, S. 298f.

[128] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[129] s. Anm. 63.

[130] Stollberg; HHSD VIII, S. 337ff.

[131] Dux [Duchcov, Bez. Teplitz]; HHSBöhm, S. 118f.

[132] Crimmitschau [Kr. Werdau]; HHSD VIII, S. 53ff.

[133] Die Lazaristen, auch Vinzentiner, (lat.: Congregatio Missionis, CM) sind ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.

[134] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[135] ENGERISSER, Von Kronach, S. 187ff. (die zurzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung). Vgl. ferner KUNATH, Kursachsen, S. 155, hier „Adelsdorf“ !

[136] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[137] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320; Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[138] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[139] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[140] Glatz [Kłodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[141] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[142] Nördlingen; HHSD VII, 525ff. Ausführlich dargelegt in der zurzeit besten Darstellung von ENGERISSER; HRNČİŘİK, Nördlingen.

[143] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[144] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[145] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 34; Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[146] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[147] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[148] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.

[149] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[150] Stadtsteinach [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 710f.

[151] Plassenburg, Die [Stadt Kulmbach]; HHSD VII, S. 587.

[152] Kürassiere.

[153] Kauerndorf, heute Ortsteil von Ködnitz [LK Kulmbach].

[154] Kauernburg, heute Ortsteil von Kulmbach [LK Kulmbach].

[155] Fölschnitz, heute Ortsteil von Ködnitz [LK Kulmbach].

[156] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[157] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[158] ENGERISSER, Von Kronach, S. 395ff.

[159] Großheirath [LK Coburg].

[160] Schlacht bei Nördlingen am 5./6.9.1634 zwischen den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Ferdinand (III.) von Ungarn und spanischen Kontingenten unter dem Kardinal-Infanten Fernando auf der einen Seite und dem schwedischen Heer unter Feldmarschall Gustav Horn, der in eine 7 Jahre dauernde Gefangenschaft geriet, und Bernhard von Weimar auf der anderen. Die Schwedisch-Weimarischen verloren nicht allein die Schlacht, etwa 8.000-10.000 Tote und 3.000-4.000 Verwundete – auf kaiserlicher Seite waren es 1.200 Tote und 1.200 Verwundete – , sondern mit ihr auch den Einfluss in ganz Süddeutschland, während der französische Einfluss zunahm. Vgl. die ausführliche Darstellung bei  ENGERISSER; HRNČIŘĺK, Nördlingen 1634 (die detaillierteste Darstellung der Schlacht); STRUCK, Schlacht, WENG, Schlacht. Vgl. den lateinischen Bericht »Pugna et victoria ad Nordlingam«, der den protestantischen Ständen zuging; Staatsarchiv Bamberg B 48/145, fol. 74 (Abschrift). Zur französischen Sicht vgl. den Avis Richelieus, 1634 IX 11; HARTMANN, Papiers de Richelieu, Nr. 288.

[161] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[162] Neustadt b. Coburg (OFR.); HHSD VII, S. 516.

[163] Sonnefeld [LK Coburg]; HHSD VII, S. 702f.

[164] Neuhaus am Rennweg [Kr. Neuhaus]; HHSD IX, S. 302f.

[165] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[166] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[167] Vgl. die ausgezeichnete Biographie v. MOSCA, La croce, Le armi, Il Cavallo.

[168] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[169] Steinheid [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 423.

[170] Cortendorf, heute Stadtteil von Coburg.

[171] Lützelbuch, heute Stadtteil von Coburg.

[172] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[173] Sonneberg [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 408ff.

[174] Diese Granaten und Sturmtöpfe können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden, und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Die Sturmtöpfe bestanden aus gebranntem Ton und waren mit ungelöschtem Kalk und Asche, meist zusätzlich mit Fußangeln gefüllt. Die Herstellung solcher ‚Sturmhäfelein’ beschreibt Hans Conrad Lavater in seinem ‘Kriegsbüchlein’ aus dem Jahre 1644 (70): Die Häfelein werden flach, breit und rund, aber nicht hoch gemachet: in der mitte hol, […] die füllet man mit gerädenem, reinem, wohlgedörretem, vngelöschtem Kalck, und stecket Lämeysen [Fußangeln] darzwischen. Sie seind in dem Sturm gut zu gebrauchen: dann da sie vnder die Feind geworfen werden, zerfallen sie, vnd stäubt alßdann das Kalck dem Feind in das Gesicht: vnd ist solcher staub dem gesicht, vnd die Lämeysen den füssen schädlich und verhinderlich. Ebenso beschreibt Lavater die Verwendung sogenannter ‚Sturmschlägel’, schnurumflochtener Ballen mit einem Brandmittel gefüllt, in die kurze, mit Bleikugeln geladene Rohrabschnitte, sogen. Mordschläge, eingebunden wurden, welche durch Harnast [Harnisch] und Pantzer schlagen, nicht leichtlich zu löschen, vnd hefftig brennen. Ferner empfahl Lavater das Werfen von Fässern voll Kalck vnd äschen, auff daß die Feinde darvon nicht sehen, vnd halb ersticken. (78).

[175] Holzhausen, heute Ortsteil von Wachsenburggemeinde [Ilm-Kreis].

[176] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2774.

[177] Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Amtsarchiv Heldburg Best. 4-11-230, Nr. 2775.

[178] Waldsachsen, heute Ortsteil der Stadt Rödental [LK Coburg].

[179] Nach dem Kriegsbüchlein von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.

[180] Henneberg [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 193ff. Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f.

[181] Approchen ist die Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung von Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbes s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden von den zu den ingenieurtechnischen Truppen gehörenden => Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z. B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. [wikipedia]

[182] Rüger meint hier wohl zwei 4-pfündige Stücklein, denn 1/4 Pfund Blei schoß bereits ein Doppelhaken mit einem Kaliber von 28 mm, womit man wohl kaum eine Festungsbastion beschossen hätte.

[183] Waltershausen [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 460f.

[184] Lamboy schloss am 19.3.1635 mit Zehm und Georg von Schlitz, genannt Görz, den Übergabevertrag von Stadt und Festung Coburg. ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 13.

[185] [Bad] Neustadt/Saale [LK Rhön-Grabfeld], HHSD VII, S. 59f.

[186] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[187] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[188] ENGERISSER, Von Kronach, S. 401ff.

[189] Königshofen [Lauda-Kr.]; HHSD VI, S. 418f.

[190] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320; Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[191] Jülich; HHSD III, S. 367ff.

[192] Kleve; HHSD III, S. 398ff.

[193] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 38.

[194] BRAUN, Marktredwitz, S. 89.

[195] Mülheim; HHSD III, S. 531.

[196] Porz; HHSD III, S. 614f.

[197] Monheim [Rhein-Wupper-Kr.]; HHSD III, S. 524f.

[198] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 222; Miseloh; unter HHSD III, S. 65, 459.

[199] Köln; HHSD III, S. 403ff.

[200] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[201] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 544 (S. 219).

[202] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23.

[203] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 23; Ossiach [BH Klagenfurt]; HHSÖ II, S. 282f.

[204] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[205] Bernburg [Kr. Bernburg]; HHSD XI, S. 37ff.

[206] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[207] Orbetello [Prov. Grosseto, Italien].

[208] Amöneburg [Kr. Marburg]; HHSD IV, S. 10ff.

[209] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[210] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[211] Vgl. SZILÁGY, Georg Rakoczy I.

[212] Weißenburg i. Bayern [LK Weißenburg-Gunzenhausen]; HHSD VII, S. 799ff.

[213] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 320.

[214] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 389.

This entry was posted in Miniaturen and tagged . Bookmark the permalink.