Zülow, Baltzer von

Zülow, Baltzer von; Major [12.5.1599-12.6.1670] Baltzer von Zülow, Erbherr auf Groß Stieten,[1] stand als Major in schwedischen bzw. mecklenburgischen Diensten.

In seiner Leichenpredigt heißt es:

„Der Sohn des Christoph v. Zülow, Erbherrn auf dem alten väterlichen Stammgut Zülow,[2] und seiner Gemahlin Anna v. Lützow a. d. H. Lützow wurde am 12. Mai 1599 auf Zülow geboren und wuchs nebst sieben Brüdern und vier Schwestern auf. Zu allen ‚christ-löblichen Adelichen Tugenden’ erzogen, erlernte er Gebete und den Katechismus als wichtigste Richtschnur seines künftigen selbständigen Lebens. Privat gehaltene Praezeptoren gaben ihm ein erstes Fundament im Christentum. Als er etwas älter war, wurde er an den Hof der verwitweten Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg geschickt, wo er in Winsen an der Luhe[3] seit 1612 zuerst als Page, dann auch als Kammerpage, diente. Nach vier Jahren Dienst entschied er sich jedoch für eine künftige militärische Laufbahn, ‚als hat derselbe auch einig und allein in Kriegsdiensten sich zu begeben und gebrauchen zu lassen beliebung getragen’.

Zuvor aber hatte ihn der Bruder seiner Mutter, Joachim v. Lützow, Erbherr auf Seedorf, für ein Jahr zu sich genommen. Ihm verdankte er eine gute Wissenschaft in der Erdkunde, war sein Onkel doch besonders geographisch interessiert und besaß eine große Sammlung von Landkarten. Daneben waren Reiseberichte vorhanden, die fast jedes europäische Land in seiner Entwicklung, seiner Bevölkerung und seiner Lage beschrieben.

1618 dann endlich wurde sein Traum wahr und er zog in den Böhmischen Krieg unter dem böhmischen Pfalzgrafen Friedrich. Bei der blutigen Schlacht am Weißen Berg bei Prag vom 8. November 1620, den die Pfalzgräflichen verloren, war er dabei und überlebte. Als dann der Graf v. Mansfeld[4] für den neuen böhmischen König ein Regiment aufstellte, kam er als Kornett in das Regiment des Herzogs Franz Carl zu Sachsen. Bei Weydhausen[5] nahm er an dem großen Treffen mit Tilly in der Oberpfalz teil. Später wurde er vor 1622 mit der Leutnantscharge ausgezeichnet und focht noch einmal gegen Tilly und die Kaiserlichen an. Seit 1625 stand er unter dänischen Fahnen gegen die Kaiserlichen und erhielt hier zuerst den Rang eines Leutnants, dann den eines Rittmeisters. Unter dem Kgl. Dänischen Generalmajor Obentraut wurde er schließlich Kapitän. Auch im Schwedisch-Polnischen Krieg seit 1628 sah man ihn an vorderster Front. Er warb als Rittmeister eine Kompanie Reiter und leistete König Gustav Adolph v. Schweden drei Jahre lang treue Dienste. Nach der Eroberung Mecklenburgs durch die Schweden ging er als Major in mecklenburgische Landesdienste, nahm noch an vielen Schlachten und Gefechten teil.

— “Nachdem darauf Gustav Adolph die mecklenburgischen Herzöge förmlich als Landesherrn wieder eingesetzt und proklamirt hatte, brachen diese nach Vollendung ihrer Rüstungen mittelst schwedischer Gelder und Mannschaften, Ende Juli mit etwa 2000 Mann von Lübeck[6] auf. Den Oberbefehl führten die Obersten Kalkum, gen. von Lohausen, aus dänischen Diensten übernommen, auch in der Literaturgeschichte wohl bekannt, und dü Menil; Hauptleute waren die Mecklenburger Raben, Holstein, Bülow, Zülow, Ilenfeld, sowie die Holsteiner Buchwald, Alefeld, Wisch. Am dritten Tage vor Schwerin[7] angelangt, begann sofort der Sturm auf die von nur etwa zweihundert Kaiserlichen unter den Hauptleuten Milatz und Kelly verteidigte Stadt; unter nicht beträchtlichen beiderseitigen Verlusten brachen die Mecklenburger am schwächsten Punkte der Befestigung, nämlich durch das Spielthor – wo auch im nächsten Jahrhundert zu Herzog Karl Leopolds Zeiten die Hannoveraner eindrangen -, in die Stadt. Die Kaiserlichen zogen sich ins Schloß; die Mecklenburger führten von der alten Kanzlei aus quer über die Reitbahn auf dem alten Garten bis zur Brücke Laufgräben, von wo aus sie das Schloß unter Feuer nahmen, welches aber kräftig erwidert wurde und auch mehrere Einwohner in ihren Häusern tödtete; als aber am zehnten Tage sechs Fähnlein Finnländer mit fünf Feldstücken auf den Ostorfer Bergen schanzten und das Schloß beschossen, gleichzeitig auch alle Prähme und Kähne der Umgegend herangeschafft wurden und von allen Seiten gleichzeitig gestürmt werden sollte, ergab sich die kaiserliche Besatzung gegen freien Abzug”.[8] —

1632 dann nahm er sich Margarethe v. Barsse zur Frau, die Tochter des Wulff v. Barsse auf Großen-Stieten. Die Hochzeit wurde auf ihrem väterlichen Gut gefeiert. Dieser Ehe gehörten nachmals sechs Töchter und vier Söhne an. Seine Frau indes starb 1650 und nachdem zwei Jahre vergangen waren, ehelichte er 1652 in zweiter Ehe Maria Elisabeth v. Hahn, die Tochter des Joachim v. Hahn, Erbherrn auf Saltzau.[9] Fünf neue Kinder bereicherten die Famlie, wovon eines jedoch früh starb.

Von starker Natur und Konstitution, hatte er zeitlebens nicht viele Krankheiten ausstehen müssen und erreichte ein hohes Alter. In den letzten Jahren aber war ihm weniger gut zumute und er wurde in Intervallen bettlägerig. Sonst aber konnte er noch seinen Geschäften nachgehen, zur Kirche gehen und seinen Haushalt verrichten. Am 31.Mai 1670 aber wurde er mit einer Brustkrankheit belegt und trotz liebevoller Pflege durch Frau und Kinder wurde sein Zustand nicht besser. Hinzu kam eine Infallation des Halses, die ihm schwer zu schaffen machte. Er ließ den Pfarrer kommen, der ihm mit biblischen Erbauungen noch einen geistigen ‚Zehr-Pfennig’ mit auf seine letzte Reise gegen sollte. Der 12. Juni 1670 sollte sein Sterbetag werden, als er abends zwischen 9 und 10 Uhr sanft einschlief und diese Welt für immer verließ. Am 31. August schließlich fand seine Beisetzung in der Kirche von Beydendorff[10] statt“.[11]

[1] Groß Stieten [LK Nordwestmecklenburg].

[2] Zülow [LK Ludwigslust].

[3] Winsen/Luhe; HHSD II, S. 497f.

[4] Vgl. neuerdings KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[5] Waidhaus [LK Neustadt/Waldnaab].

[6] Lübeck; HHSD I, S. 153ff.

[7] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[8] BALCK, Mecklenburg, S. 91f.

[9] Salzau, heute Ortsteil von Fargau-Pratjau [LK Plön].

[10] Beidendorf, heute Ortsteil von Bobitz [LK Nordwestmecklenburg].

[11] Landesbibliothek Schwerin, Schmidt’sche Bibliothek Bd. LXVIII (36); home.foni.net/~adelsforschung1/meck00.html. (die wichtigste Internetseite ihrer Art).

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