Zorn von Bullach [Bulach], Claus Conrad

Zorn von Bullach [Bulach], Claus Conrad; Generalmajor [ -1633 Neustadt a. d. Weinstraße] Sein Adelsgeschlecht stammte aus dem Elsass. Ursprünglich in Straßburg[1] begütert, hatten sie ihren Sitz auf Schloss Osthausen[2] sowie in Erstein[3] im Unter-Elsass.[4] Zorn von Bullach stand als Hauptmann[5] und Amtmann zu Neustadt a. d. Aisch,[6] Oberamtmann von Uffenheim, Kitzingen und Mainbernheim, Ritter und Obrister des Fränkischen Kreises[7] in brandenburg-kulmbachischen Diensten. Am 10.6.1620 soll er 200 Kavalleristen im Regiment Heinrich Wilhelm von Solms.[8] Am 28.7.1620 übernahm er im auf der Seite der böhmischen Stände kämpfende Regiment Hohenlohe eine Leutnantsstelle über die Kavallerie.[9] 1631 wurde er Generalmajor in schwedischen Diensten. In der Schlacht bei Lützen (1632) führte er als Obrist den rechten Flügel im 2. Treffen.[10]

„Anfang Oktober [1631; BW] traf dann eine weitere Gesandtschaft [vorausgegangen war die Gesandtschaft Philipps v. Liebenstein; BW] des Königs, der Hofrat Martin Chemnitz, in Bayreuth[11] ein, und bald folgte Oberstleutnant [Albrecht von ?; BW] Crailsheim, dessen bevorstehende Ankunft der schwedische König schon Ende September von Schleusingen[12] aus dem Markgrafen [Christian v. Brandenburg-Kulmbach/Bayreuth; BW] angekündigt hatte. Er kam am 11. Oktober zur Audienz.

Soweit waren die Verhandlungen also sehr einseitig geführt worden. Immer wieder hatte der König die Initiative ergriffen, der Markgraf aber hatte sich ausweichend und passiv verhalten. Er sah wohl die notwendige Entscheidung auf sich zukommen, aber er wollte auf alle Fälle keinen übereilten Schritt tun, auch mag ihn, mehr als die anderen evangelischen Stände Frankens, der Gedanke geleitet haben, daß unbedingt alle gemeinsam handeln müßten. So zögerte er, während andere handelten oder sich dazu anschickten. Ehe er irgendwelche bindenden Schlüsse faßte, wollte er sich erst durch fleißige Kommunikation mit allen anderen Ständen des Kreises, auch den katholischen, ein klares Bild der Lage machen, wollte Konsequenzen erwägen, und er wollte vor allem erkennen, was ihm der Schwede zu bieten habe und was er selbst ihm bieten müsse. Und in seinem tiefsten Herzen mußte er sich vor allem erst von seinem Herrn, dem Kaiser, losringen.

Dabei stand er während der entscheidenden Wochen unter einem ungeheueren politischen Druck, der nicht nur von außen, vom Kaiser und vom Schwedenkönig, auf ihn wirkte, sondern auch von innen aus dem Kreis seiner Räte und vertrauten. Während nämlich sein Kanzler Urban Kaspar von Feilitzsch, ganz in den Fußstapfen seines Herrn und Meisters wandelnd, stets vorsichtig lavierte und jedes Risiko vermeiden wollte, war der Erbmarschall und Landschaftsdirektor [Hans Heinrich; BW] von Künßberg, ein entschlossener Schwedenfreund, für schnelles und entschiedenes Handeln. War Kanzler von Feilitzsch der Typ des Hofmanns und Diplomaten, den der Fürst immer dort brauchte, wo Ausgleich und ‚Moderation‘ nötig waren, so trat ihm in Erbmarschall von Künßberg der echte Sproß eines alten, trutzigen evangelischen Rittergeschlechts gegenüber, der, sicher gereizt durch verschiedene Maßnahmen des Bischofs von Bamberg gegen seine Verwandten, geneigt war, den gordischen Knoten mit dem Schwert durchzuschlagen. Beide Männer standen Christian nahe und machten ihren Einfluß auf seine Politik geltend. Aber was konnte von Feilitzsch schließlich noch an wichtigen Argumenten für eine fortdauernde Neutralität vorbringen. Alle Ereignisse dieses Jahres hatten doch von Künßberg rechtgegeben, und er konnte vor allem geltend machen, daß eine Allianz mit den Schweden eine ungeheuere Vereinfachung, wenn nicht die Lösung aller schwebenden Probleme sei. Auch mochte er darauf hinweisen, daß man bei versuchter Behauptung der Neutralität endgültig zwischen die Fronten geraten werde. Die große Zeit des Kanzlers von Feilitzsch ging nun zu Ende, und der Erbmarschall von Künßberg trat in den Vordergrund.

Wie leicht man sich bei weiterem Zögern den Zorn des Schwedenkönigs zuziehen konnte, wurde in Bayreuth erschreckend klar, als ein Bericht des von Ansbach an Gustav Adolf abgesandten Claus Conrad Zorn von Bullach aus Würzburg[13] einlief. Er teilte mit, daß der König sehr ungehalten über das lange Ausbleiben einiger evangelischer Stände Frankens sei, daß er darin ‚papistische Züge‘ sehe und gedroht habe, welcher Stand nicht zu ihm kommen wolle, dem müsse man den Kopf entzweischlagen. Als dann am 21. Oktober noch ein Schreiben Gustav Adolfs an den Markgrafen einlief, in welchem eine kategorische Entscheidung darüber, ob sich Brandenburg-Kulmbach als Freund oder Feind der Schweden erklären wolle, gefordert wurde, endlich zu handeln“.[14]

Bullachs Regiment nahm 1632 an den Kämpfen an der Alten Veste[15] bei Zirndorf[16] teil.[17]

„Bernhard von Weimar hatte sich am 13. Januar 1633 von Altenburg[18] nach Jena[19] begeben, um sich dort von einer Erkrankung, welche er sich während des letzten Feldzuges und der Schlacht bei Lützen[20] zugezogen hatte, zu erholen. Am 4./14. Januar verfaßte er dort ein ‚Memoriall‘ an die beiden Generalmajore Lohausen und Claus Conrad Zorn von Bulach, ’sich zum Aufbruch nacher Francken in bereitschafft zu halten‘ und wie sich diese ‚in unnserem abwesen unndt nach erlangter ordre des aufbruchs zu halten hätten (Skrifter II Bd. 7, S. 18). Während sich Bernhard am 22. Januar weiter nach Weimar[21] begab, da, wie er an den Reichskanzler Oxenstierna schreibt, ‚die mattigkeit noch nicht nachlassen will‘, bekamen die Generalmajore Lohausen und Bulach am 20. Januar von Oxenstierna den Befehl, Bernhards Armee über den Thüringer Wald nach Franken zu führen, sich im Hochstift Bamberg und der Maingegend festzusetzen und dabei die Stadt Nürnberg[22] gegen kaiserliche Feindseligkeiten abzusichern (Chemnitz II, S. 36).

Nach Bernhards eigenhändiger Instruktion vom 14.1. sollte sich Lohhausen mit der Infanterie, ‚doferne vom feindt man nichts vernehmen noch sich befahren würdet, in bemeltes Bamberg[23] logiren undt rückhwarts hinauss gegen Eltmann[24] zue sich des Mayns […] versichern‘, sofern der feind aber ‚auch von Hoff[25] oder der Ober Pfaltz starckh uff die armee undt dieses volckh gehen solte […] und uf den fall, er [Lohausen] sich nicht zu halten möglichen, [sollte er] dasselben [Bamberg] abbrennen undt in grund demoliren [!], undt er sich zuerückh gegen Schweinfurth[26] wenden undt in sicherheit begeben‘ (Skrifter, s. o.).

Die Armada Bernhards zählte zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als 8000 Mann, wie der kaiserliche Generalkommissär Wolf Rudolph von Ossa berichtete, der in einem Brief vom 27. Februar 1633 aus Eichstätt[27] schrieb, er fürchte eine Vereinigung mit dem schwedischen Feldmarschall Gustav Horn, welcher zu diesem Zeitpunkt zwischen Ehingen[28] und Biberach[29] an der Donau in Kämpfe mit dem kaiserlichen Feldmarschall Aldringen verwickelt war (Soden II, S. 51). Im Kern bestanden Bernhards Truppen aus den relativ schwachen Regimentern zu Pferd: Georg von Uslars Regiment (160 Pferde), Bulachs Regiment (120 Pferde), (Wilhelm von) Goldsteins Regiment unter Oberstleutnant Max Conrad von Rehlingen (150 Pferde. Dieses Regiment wurde im März 1633 durch den Obristen Philipp Sattler [Sadler; BW] übernommen, Oberst (Eberhard) Beckermanns Regiment (150 Pferde), Herzog Bernhards Leibregiment unter Oberstl. Bouillon (12 Kp., 500 Pferde), Nicholas de Courvilles Regiment (5 Kp. 300 Pferde), (Christoph Karl Graf von) Brandensteins Regiment unter Rittmeister Lorbeer (300 Pferde), (Georg Ludwig Graf von) Löwensteins Regiment unter dessen Obristwachtmeister (200 Pferde), Oberst Wolf Jaroslav von Steinbachs Regiment (200 Pferde), Johann Bernhard von Öhms [Ehm; BW] Regiment (300 Pferde). Die Dragoner unter Oberst Georg Christoph von Taupadel und den Oberstleutnants (Lorentz) Ambrosius und (Pierre) Margali blieben in Chemnitz[30] zurück. Die Fußtruppen bestanden aus der blaue[n] Brigade (dem alten blauen Regiment) unter Hans Georg aus dem Winckel, von der jedoch ein Teil als Garnison in Zwickau[31] verblieb, Herzog Bernhards Brigade (grüne Brigade), Joachim Mitzlaffs Brigade und dem schwarzen Regiment des jüngeren Grafen (Johann Jakob) von Thurn; zusammen etwa 6000 Mann in 8 Regimentern zu Fuß und 2600 zu Pferd. (Soden II, S. 32ff.; Huschke, S. 44, 48, 108; Brzezinski/Lützen, 21; Skrifter II Bd. 7, S. 18)„.[32]

„Während Lohausen das Fußvolk und die Artillerie kommandierte, war Bulach für die Reiterei zuständig. Die schwedischen Truppen hielten am 27. Januar zwischen Neustadt/Orla[33] und Weida[34] ‚Rendezvous‘ und nahmen ihren Weg teils über Lobenstein[35] und Nordhalben[36] (1. Februar), teils über Ludwigsstadt[37] und Teuschnitz[38] nach Kronach (Chemnitz II, S. 38). Nach obenerwähntem ‚Memoriall‘ Bernhards sollten sie sich bemühen, ‚ob sie en passant die vestung Cronach,[39] jedoch mit zuvorgehenden reiffen rath undt einbeziehung gueter kundtschafft (1) wie der ort besetzt, (2) wo demselbigen beyzuekhommen, (3) woher das proviand zu nehmen […] emportieren [einnehmen] khönnen. […] Sonsten aber undt ausser diesem den nechsten wegkh uff Bamberg zue nehmen, […] undt sich dessen bemechtigen‘.

Den direkten Vorbeizug an Kronach vermied man zuerst. Das vorläufige Hauptquartier hatte man westlich der Stadt in Mitwitz[40] genommen. (Vom 26. Januar/5. Februar ist ein Schutzbrief Lohausens und Bulachs für das Herzogtum Coburg aus dem ‚Hauptquartir zu Midwitz‘ datiert). Am 3. Februar machte eine schwedische Abteilung von ca. 3000 Mann zu Fuß, teils vom Haßlacher Grund über die Hofwiese kommend teils von Mitwitz über Entmannsdorf[41] (bei Breitenloh, Zitter (S. 29) schreibt ‚Enselsdorf‘) kommend beim äußeren Haßlacher Tor einen halbherzigen Angriff auf Kronach, während die Reiterei 17 Kompanien stark auf dem Haßlacher Berg in Richtung Mitwitz hielt. Die feindlichen Truppen drangen über den Ziegelanger bis zum Mühlgraben am Marienplatz vor, wurden jedoch durch einen zangenartigen Ausfall der Kronacher am Haßlacher (Bamberger) Tor zurückgedrängt, worauf sie die Vorstadt am Ziegelanger in Brand steckten. 70 Häuser und Städel wurden ein Raub der Flammen.

Die schwedischen Truppen hielten sich allerdings nicht lange auf, da sie sich auf eine Belagerung im Winter kaum einlassen wollten und sie überdies am gleichen Tag von Bernhard eigenhändige Instruktion erhielten, ’sich vor Cronach, weil selbiger orth gleichwohl von zimlicher importanz undt mit ein 500. Man besetztt, nicht [zu] engagieren, sondern seine marche [wormit es bishero des sehr bösen wetters […] halben sehr langsam zugangen) recta uf Bamberg nehmen‘ (Skrifter II Bd. 7, S. 21). Über den Angriff auf Kronach schreibt die Nonne vom Heiligen Grab in ihr Tagebuch: ‚Freidtag den 4. februarius [richtig: 3.2.] hat der feind wiedterumb an die statt Cronig angesetzt / aber sie haben mit Spott müssen abziehen / dann es seint ihr 200 gewesen / so den ersten anlauff gethon haben / disse seint alle nidter gemacht worden / das ihr uber zwen oder drey nicht dar von kumen seint, wie uns ein schwedischer soltadt selbst gesagt / der auch dabey gewessen ist / dan es sey von der statt heraus hauffen weis auff sie gangen / dann die Croniger seint wie die teüffel, er möchte wol einen sehen‘. (Tagebuch der Maria Anna Junius in BHVB 52, Bbg. 1890, S. 103).

Lichtenfels[42] wurde am 6. Februar, von Soldaten und Bürgerschaft nahezu verlassen, kampflos eingenommen. Staffelstein[43] wollte sich nicht kampflos ergeben. In der Stadt lag eine Kompanie vom Jung-Pappenheim’schen Regiment (Graf Philipp von Pappenheim war ein Vetter des bei Lützen gefallen[en] Feldmarschalls Gottfried Heinrich von Pappenheim). Die schwedischen Truppen sprengten jedoch die Tore am 7. Februar mit Petarden auf, hieben die Besatzung nieder und plünderten den Ort aus. Nach dem Bericht der Bamberger Jesuitenchronik fielen 106 Personen aus Bürgerschaft und Garnison der Furie der Angreifer zum Opfer und wurden am folgenden Tag beerdigt. (BHVB 48, S. 40). Am 8. Februar nahmen die schwedischen Truppen ihr Hauptquartier in Scheßlitz[44] und am 9. Februar zogen Lohausen und Bulach ohne Gegenwehr in Bamberg ein. Das Militär und alle höheren Personen hatten sich in die Festung Forchheim[45] geflüchtet. Die Schwedischen Truppen bezogen nun in und um Bamberg Winterquartiere und lagen bis Mitte März in der Stadt. (Looshorn VI, S. 291f.; Chemnitz II, S. 38ff.)„.[46]

„In der Gegend um Kulmbach[47] flammten nach kurzer Ruhe schon im Januar die lokalen Auseinandersetzungen wieder auf. Die Weismainer[48] plünderten die Dörfer Peesten[49] und Proß,[50] und auch Besatzung und Bürger von Burgkunstadt[51] beunruhigten wieder die markgräflichen Orte. Da machte sich hier der Vorstoß der Schweden nach Franken zugunsten der Markgräflichen bemerkbar. Kronach widerstand zwar Anfang Februar einem Ansturm der auf Bamberg marschierenden Scharen Herzog Wilhelms von Sachsen-Weimar unter der Führung Wilhelms von Lohhausens und Claus Conradt Zorn von Bullachs, und auch Weismain konnte noch rechtzeitig seine Tore schließen, aber Mainroth,[52] Altenkunstadt[53] und Burgkunstadt wurden von den Schweden besetzt und geplündert, wobei letzteres in Flammen aufging. Am 9. Februar [1633; BW] mußte sich Bamberg den Schweden ergeben“.[54]

„Mit dem Einzug von Lohausens Truppen in Bamberg hatte der Oberst Claus Hastver von Herzog Bernhard die Aufforderung erhalten, die schwedischen Operationen in Franken zu unterstützen. Er war deshalb am 13. Februar 1633 mit einem Teil seines Regiments von Nürnberg[55] aus nach Herzogenaurach[56] aufgebrochen, wo er keine Verpflegung vorfand und deshalb am Abend des 14. Februar weiter nach Höchstadt a. d. Aisch[57] marschierte, um zu versuchen, ob er den Platz mit Akkord einnehmen könne. Am nächsten Morgen forderte er die Stadt zur Übergabe auf, welches Ersuchen jedoch von der Bürgerschaft und Besatzung abge-lehnt wurde. Hastver zog sich deshalb am Abend nach Neustadt a. d. Aisch zurück und bat von dort aus den Rat von Nürnberg um eine Verstärkung von 100 bis 150 Musketieren, 3 bis 4 Petarden nebst einem guten Petardierer und einige Pechkränze. Er wollte damit ‚ein Thor mit Petarden aufspielen‘, und das andere zu verbrennen. Der Rat lehnte Hastvers Begehren ab, da sich in Nürnberg nur noch so viel Volk befand um die Wachen zu versehen, das übrige lag in den umliegenden Städten zur Besatzung.

Aus Bamberg hatte ihm der der Generalmajor Claus Conrad Zorn von Bulach die Einnahme von Staffelstein,[58] Bamberg und Eltmann[59] gemeldet. Mittlerweile (17. Februar) war auch Bernhards Bruder, Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, in Bamberg eingetroffen, um weiter in die in die Oberpfalz zu marschieren. Die ‚Hastver’schen Völker‘, wie ihr Kommandant sie selbst nannte, also das Truppenkontingent, mit dem Hastver von Johann von Werth vor Herrieden[60] zurückgedrängt worden war, lag noch immer in Ansbach.[61] Hastver wollte es auch nicht eher nach Neustadt[62] kommandieren, bis Ansbach eine neue Besatzung hatte, trotzdem bestand er weiterhin auf Ausführung seines Angriffes auf Höchstadt. Schließlich bewilligte der Nürnberger Rat die gewünschten Materialien und Hastver beorderte nun die Musketiere seines Regiments von Ansbach nach Neustadt.

Am 26. Februar fand er sich mit seinen Truppen unter dem Major John Affleck und dem aus Bamberg kommandierten Reiterregiment Öhm [Ehm; BW] erneut vor Höchstadt ein, mußte jedoch am Abend ergebnislos wieder abrücken und zog sich nach Dachsbach[63] zurück. Die Unternehmungen wurden zusätzlich von großen Überschwemmungen in der Gegend behindert. Um nicht völlig erfolglos zu erscheinen, zog man am 28. Februar vor Forchheim und verbrannte die Brücke über die Regnitz. Die aus Nürnberg übersandten Pechkränze taten dabei gute Dienste. Aus der Festung erfolgten währenddessen 80 Kanonenschüsse, die allerdings keinen Schaden anrichteten. Am nächsten Tage kehrte Hastver mit den Truppen zu seinem Stützpunkt Dachsbach und schließlich nach Neustadt zurück. (Soden II, S. 32ff.).

Am 28. Februar war Herzog Bernhard, der wieder gesundet war, zusammen mit dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna, den er am 23. oder 24. Februar in Buttstädt[64] bei Weimar getroffen hatte, in Schweinfurt[65] angelangt. Von dort erteilte er dem in Bamberg liegenden Generalmajor der Kavallerie Claus Conrad Zorn von Bulach den Befehl zum Vordringen in die Oberpfalz. Während die Reiterregimenter Öhm und Courville bereits nach Auerbach[66] vorausgezogen waren, hatte Bulach die Regimenter [Christoph Karl Graf von] Brandenstein und (Georg Ludwig Graf von) Löwenstein in Pretzfeld[67] einquartiert. Er selbst übernachtete mit den Leibdragonern des Herzogs (Bernhard) und drei weiteren Regimentern in Ebermannstadt.[68]

In der Nacht des 23. Febr./5. März früh drangen Reiter des ligistischen Reiterobristen Werth in Pretzfeld ein, zersprengten die beiden schwedischen Regimenter, erbeuteten viele Pferde und nahmen mehrer[e] Offiziere gefangen. Am Morgen des 6. März gegen 6 Uhr begab sich Werth in das Hauptquartier Bulachs nach Ebermannstadt: ‚Woselbst gleich der Generalmajor, als der ohne das eben damahls zu Pferde wollen blasen lassen / sich eilends mit dem Leibregiment herausser gemacht […] vorm dorffe sich gesetzet und in ordnung gestellet: Da dann der feindt stracks gestutzet / vnd ohne ferneren angriff wieder zurück gewichen. Die zerstrewete von obgedachten beiden Regimentern funden sich folgends auch eintzelnen zur Armée wieder herbey: Also das der Verlust / ausserhalb der Pferde und pagage, so dem Feinde zutheil worden / so gar groß nicht gewesen. Gen-Major Bulach aber / in die Oberpfalz sich nicht mehr zuvertieffen […] vnd lies beyhabende reuterey alsbald in ihre vorige quartiere bey Bamberg wiederumb rücken‘. (Chemnitz II, S. 39). Nach Werths Schlachtbericht an Kurfürst Maximilian hatte er bei dieser Aktion insgesamt 1800 Pferde erbeutet. Aus Frustation und Rache über die erlittene Niederlage legten die schwedischen Regimenter in Ebermannstadt 80 Häuser und die Stadtkapelle in die Asche. (Lahrkamp/Werth, S. 23).

Auf die Nachricht von der Schlappe Bulachs war Herzog Bernhard am 25. Februar/7. März von Würzburg[69] nach Bamberg geeilt, wo er die Regimenter musterte und in der Folge die Eroberung Höchstadts a. d. Aisch, dessen Besatzung nur aus 60 Soldaten und der Bürgerschaft bestand, ernsthaft vorantrieb. Zu diesem Zweck schickte er den Generalmajor Lohausen mit 1200 Mann zu Roß und Fuß und das schwarze Regiment des jüngeren Grafen (Hans Jakob von) Thurn sowie zwei halbe Kartaunen vor die Stadt. Die Erstürmung erfolgte am 28.2./10.3.1633, nachdem nachmittags um 2 Uhr Bresche geschossen worden war. Chemnitz (Bd. II, S.39) schreibt darüber: ‚Das Städtlein Hochstädt hatte gegen denen Königl.=Schwedischen bishero sich hart / und fast über seine Macht vnd Vermögen opiniastriret. Weswegen […] Herzog Bernhard, so nunmehr wieder wol auf vnd bei der Armée angelanget / Gen-Major Lohausen mit etlichen trouppen zu ros vnd fus sambt theils artholeri, davor gesandt. Dies lies / den letzten Tag Hornungs [28. Februar alten Stils, bzw. 10. März nach dem neuen Kalender] / weil die darin sich in güte keines wegs bequemen wollen / morgens frühe breche schiessen / vnd ein loch in die maure machen: Worauff bey des Herzogen ankunfft von Bamberg / die Soldaten mit guter resolution den sturm angetreten / vnd vnerachtet der Belagerten hefftigen gegenwehr / wodurch etliche Knechte / neben einem jungen Graffen [Johann; BW] von Schlick (der schon die Leiter hinauffgestiegen war / vnd recht [genau] in der bresche geschossen worden) umbkommen / den ort mit gewalt erobert; alles was Mänlich vnd erwachsen / an Soldaten / Bürgern / Bawren und Juden / niedergemacht / vnd das Städtlein rein ausgeplündert. Bey welcher confusion ein fewr auskommen / vnd dadurch der ort / nebenst dem darin vorhandenem vorrath an getreyde / so der Herzog lieber conserviret gesehen hette / im rauche aufgangen‘.

Während der schwedische Historiograph Chemnitz zwar einige interessante Details beisteuert, die Eroberung aber eher nüchtern, teilweise sogar etwas verharmlosend schildert, gibt die Bamberger Dominikanernonne Maria Anna Junius die Grausamkeit dieser Eroberung Höchstadts in ihrem Tagebuchbericht in unverblümter[,] aber auch unparteiischer Form wieder. Nach der Schilderung der Nonne (die den Tag der Eroberung irrtümlich auf den 11. März legt) setzten die protestantischen Truppen ‚zu frü um 7 uhr wiedterumb an höchstadt mit gantzer macht / zuvor zum öfteren mahl hineingeschickt und sagen lassen sie [die Höchstadter] wollen doch auff geben / sie sehen doch die grosse macht deren sie sich nicht wiedersetzen können[;] wan sie gutt willig auff geben sol weder der stadt noch ihnen einiges leidt geschehen / wo aber nicht[,] so sol alles nidter gemacht werden und die stadt in Brandt gesteckt / die aber in der stadt haben zu andword geben sie wollen sich wehren biss auff den letzten man / dan der comendtant zu forgam [Friedrich von Schletz, Kommandant zu Forchheim] hat einen botten um den andtern hingeschickt / sie sollen sich nur noch zwu stund wehren / so wert ihnen hilff kumen. Also haben sie sich gar ridterlich gewert und den feind großen schadten gethon / dan der graff schlick ist gleig dar vor todt blieben auch viel soltadten / dan da die mener nicht mehr haben schiessen könen / da haben die weiber wasser siedtent gemacht und auff sie gossen / auch mel ins siedtent wasser gerührt und die feind mechtig mit verbrent / auch mechtig mit steinen under sie geworffen und den feind grossen schadten gethon. Aber ihr riedterliches wehrn und wachen ist vergebens gewessen / dan es ist ihnen kein mensch zu hilff kumen; dan um 2 uhr haben die schwedtischen die statt erst erobert […] alls sie nun die stadt gehabt da haben sie alles nidter gemacht und die stadt hinweg gebrent bis auff die kirgen und das schlos; auch etliche kleine heüslein seint stehn blieben / dan es ist ein mechtiges mörtten und blutbatt da gewessen / dan weiber so ihre kinder an dem arm gehabt hat man samt den kindern nidter gemacht / auch ist ein mechtiges gutt und getreyt allda verbrent / das man nicht genuch darvon hat sagen könen / an welcher jemerlichen history niemand schultig ist alls der commendtant zu forgam [Schletz] / auch haben die soltadten die höchstadter kirgen durchgraben dan sie haben gemeint sie wollen in grebern grose schetz finden‘. (BHVB Nr. 52, S. 121f.).

Nach den Nürnberger Kriegsakten (B. 29) wurde nahezu die gesamte Garnison Höchstadts niedergemacht. Nur 15 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Der Kommandant, der als Korporal zuvor in schwedischen Diensten gestanden hatte, wurde aufgehängt. Noch schlimmer erging es der Bürgerschaft. Nahezu 300 Bürger und ‚etliche Weiber‘ wurden niedergemetzelt. Nach anderen Berichten sollen nur 7 Bürger in der Stadt und diejenigen, welche in den Wäldern das Vieh hüteten[,] überlebt haben. Die protestantischen Truppen verloren bei dem Sturm, außer dem Grafen Schlick, ca. 100 Mann an gemeiner Mannschaft und Offizieren.

Nach geendeter Expedition marschierten die schwedischen Truppen wieder nach Bamberg zurück“.[70]

1634 schied er aus dem Militärdienst aus.

[1] Straßburg [Strasbourg, Dép. Bas-Rhin].

[2] Osthausen-Wülfershausen [Ilm-Kreis].

[3] Erstein [Dép. Bas-Rhin].

[4] ZEDLER Bd. 63, S. 538, 542.

[5] BECK; BUXTORFF, Neu-vermehrtes Historisches und Geographisches Allgemeines Lexicon, S. 1195.

[6] Neustadt a. d. Aisch [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 512f.

[7] Nova Acta Historico-Ecclesiastica, S. 480.

[8] KREBS, Die Schlacht am Weißen Berge, S. 201.

[9] KREBS, Die Schlacht am Weißen Berge, S. 200, Anm. *

[10] HEß, Gottfried Heinrich, Graf zu Pappenheim, S. 264.

[11] Bayreuth; HHSD VII, S. 77f.

[12] Schleusingen [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 382ff.

[13] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[14] STICHT, Markgraf Christian, S. 125ff.

[15] Alte Veste [Gem. Zirndorf, LK Fürth]; HHSD VII, S. 14.

[16] Zirndorf [LK Fürth].

[17] ENGERISSER, Von Kronach, S. 110 (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[18] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[19] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[20] Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f.

[21] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[22] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[23] Bamberg; HHSD VII, S. 66ff.

[24] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.

[25] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[26] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[27] Eichstätt [LK Eichstätt]; HHSD VII, S. 160ff.

[28] Ehingen (Donau) [Donau-Alb-Kr.]; HHSD VI, S. 167ff.

[29] Biberach an der Riß [LK Biberach]; HHSD VI, S. 80ff.

[30] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[31] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[32] ENGERISSER, Von Kronach, S. 138f. Vgl. auch LAHRKAMP, Werth, S. 23.

[33] Neustadt a. d. Orla [Kr. Pößneck]; HHSD IX, S. 301f.

[34] Weida [Kr. Gera]; HHSD IX, S. 471ff.

[35] Lobenstein; HHSD IX, S. 261f.

[36] Nordhalben, Burg [LK Kronach]; HHSD VII, S. 525f.

[37] Ludwigsstadt [LK Kronach]; HHSD VII, S. 419.

[38] Teuschnitz [LK Kronach]; HHSD VII, S. 737f.

[39] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[40] Mitwitz [LK Kronach].

[41] Entmannsdorf: Gehülz (mit Entmannsdorf, Breitenloh, Brand, Zollbrunn u. a.), Stadtteil von Kronach.

[42] Lichtenfels [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 408.

[43] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.

[44] Scheßlitz [LK Bamberg]; HHSD VII, S. 663f.

[45] Forchheim; HHSD VII, S. 201ff.

[46] ENGERISSER, Von Kronach, S. 140f.

[47] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[48] Weismain [Gem. Altenkunstadt, LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 797f.

[49] Peesten, heute Ortsteil von Kasendorf [LK Kulmbach].

[50] Proß, heute Ortsteil von Mainleus [LK Kulmbach].

[51] Burgkunstadt [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 117.

[52] Mainroth, heute Stadtteil von Burgkunstadt [LK Lichtenfels].

[53] Altenkunstadt [LK Lichtenfels].

[54] STICHT, Markgraf Christian, S. 172.

[55] Nürnberg; HHSD VII, S. 530ff.

[56] Herzogenaurach [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 291.

[57] Höchstadt a. d. Aisch [LK Erlangen-Höchstadt]; HHSD VII, S. 301.

[58] Staffelstein [LK Lichtenfels]; HHSD VII, S. 711f.

[59] Eltmann [LK Hassberge], HHSD VII, S. 172ff.

[60] Herrieden [LK Ansbach]; HHSD VII, S. 288f.

[61] Ansbach; HHSD VII, S. 26ff.

[62] Neustadt a. d. Aisch [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 512f.

[63] Dachsbach [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 131.

[64] Buttstädt [Kr. Sommerda]; HHSD IX, S. 66f.

[65] Schweinfurt; HHSD VII, S. 686ff.

[66] Auerbach [Vogtland]; HHSD VIII, S. 12f.

[67] Pretzfeld [LK Forchheim].

[68] Ebermannstadt [LK Forchheim]; HHSD VII, S. 151f.

[69] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[70] ENGERISSER, Von Kronach, S. 141ff.

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