Wancke [Wanke, Wank, Weerke, Weynecke, Wanek, Wunicke], Jacob

Wancke [Wanke, Wank, Weerke, Weynecke, Wanek, Wunicke], Jacob; Dragoner-Obristleutnant, Obrist [ -nach 1650] Wancke[1] stammte aus Livland, nach anderen Angaben aus Halle[2] gebürtig,[3] war angeblich ehemals Mühlenkecht gewesen[4] und stand zuerst in kursächsischen,[5] dann in schwedischen Diensten als Hauptmann, Dragoner-Obristleutnant und Obrist.

Nachdem die Moritzburg bei Halle[6] 1637 von den Kursächsischen nicht mit Gewalt genommen werden konnte, ließ der Livländer Thomas Wilhelm von Fahrensbach, Obristwachtmeister in kursächsischen Diensten, der zuvor in schwedischen Diensten gestanden hatte, des schwedischen Feldmarschall Johan Banérs Siegel nachstechen, setzte einen Befehl auf, als wenn ihn dieser abgefertigt hätte, und zeichnete dessen Unterschrift nach. Mit diesem falschen Befehl begab sich Fahrensbach, unter dem Namen eines schwedischen Hauptmanns vom Regimente James Carre [Karr, Kerr] auf die Moritzburg, redete den Hauptmann Jakob Wancke  in finnischer Sprache an und überreichte ihm den Befehl. Dieser hielt ihn für wahr. Am 5.11.1637 musste Wancke, damals noch als Kapitän des Regiments Slange in schwedischen Diensten stehend, die Moritzburg an den kursächsischen Obristwachtmeister und Kommandanten der Stadt Halle, Hans Ernst König, übergeben.[7]

Das „Theatrum Europaeum“[8] berichtet von den Kämpfen um Bautzen[9] im Jahre 1639: „Der von Hatzfeld hatte die 5. Chur-Sächsischen Regimenter / die sich vorm Banner zu S. Excel. salviret / wiederum von sich gelassen / die waren um den 13. 23. Octobris zu Zeitz[10] / Börnau[11] und Pegau[12] wiederum ankommen / und wurden um den 20. 30. diß bald nach der Laußnitz in Bautzen commandiret / in welcher Stadt bey 110. Tragoner Bannerischen Leib-Regiments lagen / die der Obr. Lieutenant Jacob Wancke / ein Liffländer / so vor 3. Jahren auff der Moritzburg zu Hall gelegen / commandirte. Es hatten die Churfürstl. Völcker die Stadt Bautzen ersten Abends erstiegen / von den Wanckischen 4 nidergemacht / 6. gefangen / die übrigen hundert aber retirirten sich in die vor diesem abgebrannte Burg hinder das Gemäuer / welches sie in kurtzer Zeit zur Defension verbaueten / und sich noch lang hernach vest darinnen gehalten haben. Solcher Einfall hat Herrn Banner so hart entrüstet / daß S. Exc. noch vor Außgang deß Octobris, den Obr. Schlangen [Slange; BW] / als Gen. Majorn mit 5. Regim. zu Pferd / vielen Fahnen Fußvolck / und 6. Stücken / in allem ungefehr 3000. zu Pferd und 2000. zu Fuß / dahin geschickt / welche den 29. besagten Monats diß Orths ankamen / und zum Ernst alsbalden Anstellung machten: Es commandirte der Obr. [Arvid; BW] Wittenberg die Reuterey / und der von Erichthausen das Fußvolck / die in der Burg hatten ein Loch durch die Mauer gemacht / auß und einzukommen / durch welches Obr. Schlang zu obernannten Wancken hinein komen / und der inligenden Gelegenheit recognosciret hat. In der Stadt lagen die Chur-Sächsischen von 6. Compagnien / auff ungefehr 500. starck / unterm Obr Wachtmeister Dietloff Wedelbuschen / uñ hatten bey grossem Mahlwerck so starcken Mangel am Meel / daß sie ihr Korn theils sieden müssen. Aber zu ihrer Defensions Hülffe leisteten ihnen die eingeflehente vom Adel / die Bürgerschaft und Landvolck sehr getreue uñ dapffere Assistentz. Die in der Burg verstärckten sich von den ankommenden Schwedischen auff 300. starck und thaten in die Stadt einen Sturm / welcher ihnen abgeschlagen wurde / mit denen aber von der Burg brach die Burgbrücken / daß bey 100. in den Graben und ihrer viel zu todt fielen / die Außgefallene meist erschlagen wurden : von den Stürmenden bey 50. todt / in 60. qequetscht / der Obr. Iltzwitzky in Arm verwundet / sein Obr. Lieut. benebens einem Major ebenmässig beschädiget / uñ noch ein Major todt blieben. Die Todsten im Graben wolten die Chur-Sächs. begraben / auff Condition, daß ihnen derselben Gewehr und habendes beste verbleibẽ solte / welches der Commendant in der Burg nit eingehen wolte: Worauff die Schwedische den Burggraben mit Fascinen[13] oder Büschlein außfülleten / und rüsteten sich noch einmahl zu fernerem Sturm / machten auch unterschiedliche Minen / die in der Stadt aber beflissen sich um so viel desto mehr ihrer Gegenwehr. Der Feld-Marschall Banner schickte den Seinigen noch mehr Volck zu / und um den 24. Novemb. noch ein Sturm gethan / die Stadt / wo möglich an 3. Orten / zumal beym Reichenbacher Thor angestecket / auch Feuerkugeln[14] hineingeworffen werden. Es wurde aber den Schwedischen auch dieser Sturm / mit Verlust der Ihrigen von 2. biß in 300. abgeschlagen / und thäten ihre 2. Minen zurück springen : doch war auch mehr Volcks für sie im Anzug / sammt mehrerm Geschütz. Auff voriges Stturmen thaten die Schwedische den 27. Novembr. deß Nachts um 11. Uhr noch einen starcken Außfall auß der Burg / und währete dieser Scharmützel biß Morgens 3. Uhr / sie kamen auch biß auff den Fleischmarck / wurden aber eben so wol noch einmal zurück geschlagen / und hatten darüber auffs wenigste von 3. biß 400. Mann eingebüsset / ihre Verstärckung war aber noch nit ankommen / sondern noch unter Weges : daß sie also in zweyen Stürmen / vnd einem Außfall bey 600. Mann verlohren hatten. So kame nun den 6. December erwehnter dieser Succurs unterm Commando deß General Feld-Zeugmeisters Torstensohn / deß Morgens frühe vor Bautzen an / der von 2. Regimentern Fußvolcks bestunde / welche 12. Stücke Geschützes mit sich brachten / unter denen 4. halbe Carthaunen waren. Es gedachten aber die inligende Chur-Sächsische / unangesehen sie genug geänstiget wurden / opiniatrischer Weise / dannoch nicht ergeben / sondern vielmehr auff oberwehnte ihre getreue Assistentz vom Adel / Bürgern und Bauern sich zu verlassen / inmassen sie um den 24. Novembr. noch die Resolution gefasset hatten / den Orth biß auffs neue Jahr zu manuteniren / hatten auch die Hoffnung / alldieweilen auß empfangener Kundschafft das Taubische Regiment nach Dreßden[15] aufgebrochen war / die andern würden sich auch moviren / und sie entsetzet werden. Es bedorffte aber dieser Hoffnung gantz nicht : gestalt dann General Torstensohn die Stadt mit solchem Ernst alsbalden angegriffen / daß nach wenig gethanen Schüssen / sie sich eines andern bedacht / der gefährlichen Consequentz nicht erwarten wollen / sondern um Accord gebetten : welcher ihnen doch abgeschlagen worden / darum sie sich auff Discretion ergeben müssen / und seynd die Officirer alle gefänglich angenommen / von ihnen zwo Standarten bekommen / die gemeine Reuter und Fußknecht alle untergestellet worden : deren man in allem von 700. noch 200 übrig gezehlet / so sehr hatten diese Regimenter Zeit dieser ihrer Belagerung / an ihrer in Bautzen gebrachter Mannschafft abgenommen / und seynd die gefangene hohe Officirer gewesen / der Commandant und Obriste-Wachtmeister Wedelbusch / der Obriste-Wachtmeister von der Artillerie. Joachim Friederich von Dölau / der Obriste-Wachtmeister David Daube [Taube; BW] / sammt den Hauptleuthen und andern ihrern Officirern / die alle gefangen / erstlich nach der Sitta[16] / und fürters nacher Böhmen geführet / darauff die Stadt Bautzen und umligendes Land zwar auff vier und zwantzig tausend Thaler geschätzet / diese Summa aber auff siebenzehen tausend / diese innerhalb zween Tagen bey Straff Feuer und Schwerdt zu erlegen / moderiret / hergegen die Thor verbrennet / etwas von der Stadt- und Schloß-Mauer eingerissen / und alles Volck abgeführet worden“.[17] „Bis 1639 blieb Bautzen von kriegerischen Ereignissen nahezu unberührt. Im Frühjahr dieses Jahres erschien der schwedische General Lennart Graf von Torstenson in Sachsen. Nachdem seine Truppen Pirna[18] belagert und eingenommen hatten, besetzten sie die Oberlausitz und rückten am 18. Mai mit etwa 8000 Reitern nach Bautzen vor. Die notdürftig wiederaufgebaute Stadt ging bald darauf an die Schweden über, da ihr von Torstenson für den Fall, daß sie die Übergabe verweigerte, mit Erstürmung und Plünderung drohte. Für ihre Verschonung mußte sie 18000 Taler Schutzgeld an den General zahlen. In der Umgebung von Bautzen aber verwüsteten und zerstörten seine Soldaten Felder und Häuser. Um sich vor weiteren Bedrohungen zu schützen, erwarb der Bautzener Rat vom schwedischen Feldherrn Johann von Banér am 7. Juli einen Schutzbrief. Kurze Zeit später beorderte von Banér ein Regiment unter dem Kommando des Oberstleutnant Jakob Wanke nach Bautzen, das am 18. Oktober in der Stadt eintraf und sofort begann, die Befestigungsanlagen durch Ausbesserungsarbeiten für den Verteidigungsfall zu verstärken.

Dieser Fall trat schon in Bälde ein, da Kurfürst Johann Georg I. beschloß, die Oberlausitz und so auch Bautzen zurückzugewinnen. Seine Soldaten erschienen am 27. Oktober vor der Stadt und versuchten noch am selben Tag, sie durch einen Überraschungsangriff einzunehmen, was jedoch mißlang. Die Schweden hatten sich zuvor in die Innenstadt und auf die Ortenburg zurückgezogen und die schwer zu verteidigenden Vorstädte aufgegeben. Der Aufforderung, die Stadt und die Ortenburg an die Sachsen zu übergeben, kam Oberstleutnant Wanke nicht nach, und so bereiteten die kurfürstlichen Truppen – acht Kompanien Reiterei und sieben Kompanien Infanterie – deren Belagerung vor. Am Abend des 28. Oktober starteten sie einen erneuten Angriff und eroberten nach heftigen Kämpfen auch das Innere der Stadt, worauf sich die Schweden vollends auf der Ortenburg verschanzten. Die Sachsen ließen, nachdem alle wichtigen Posten in der Stadt besetzt waren, Schanz- und Befestigungsarbeiten ausführen, wobei insbesondere die vor der Ortenburg gelegenen Gassen und die Schloßstraße befestigt wurden.

An Stelle der zum Teil abberufenen sächsischen Reiterei, die am 1. November den Rückmarsch nach Dresden antrat, trafen tags darauf Artilleristen mit Belagerungsgeschützen und Munitionswagen in Bautzen ein. In den Abendstunden desselben Tages erhielten auch die schwedischen Truppen Verstärkung, denen drei Regimenter Kavallerie und 2000 Musketiere zu Hilfe kamen. Sie schlugen ihr Lager vor den Toren der Stadt auf, umschlossen sie von allen Seiten, nahmen die äußeren Tore ein und begannen, sie zu belagern. Auf diese Weise kam es zu einer doppelten Belagerung, welche Bautzens Einwohnern von neuem viel Leid und Elend brachte. So war die schwedische Besatzung der Ortenburg, als die Munition knapp wurde, Steine und Pechkränze[19] auf unweit des Schlosses gelegene Häuser und fügten ihnen dabei größere Schäden zu.

Die Lage der eingeschlossenen Sachsen verschlechterte sich weiter, als die Schweden am 8. November nochmals Verstärkung erhielten: drei Brigaden mit 1200 Fußvolk. In der Nacht stiegen schwedischen Soldaten auf die Ortenburg und zogen sechs Kanonen hinauf, ohne daß es die Sachsen – sie waren nicht mehr im Besitz der Vorstädte – verhindern konnten. Am nächsten Morgen griff die Besatzung der Ortenburg die Stadt an und unternahm einen Ausfall aus dem Schloß. Die kurfürstlichen Truppen konnten die Angreifer nur mit Mühe wieder zurückdrängen. In der Stadt machte sich in der Folgezeit ein Mangel an Lebensmitteln nachhaltig bemerkbar, weil sich alle Mühlen in feindlicher Hand befanden.

Zu militärischen Aktionen kam es auch in den nächsten Tagen und Wochen, die vornehmlich der schwedischen Seite Verluste brachte. Wiederholt versuchten die Schweden, die Innenstadt in Brand zu schießen, was ihnen infolge der Wachsamkeit der Sachsen nicht gelang. Obgleich sich die kurfürstlichen Soldaten standhaft behaupteten, verschlechterte sich ihre Situation. Während sie keine Unterstützung mehr erhielten, wurde das schwedische Belagerungsheer am 5. Dezember noch einmal durch Truppenteile von Torstenson verstärkt. Der sächsische Kommandant von Wedelbusch musste, nachdem seine Soldaten den Belagerern sechs Wochen Widerstand geleistet hatten, erkennen, daß die Innenstadt nicht mehr zu halten war. Die ungünstigen Umstände zwangen ihn am 9. Dezember zur Kapitulation, in deren Ergebnis seine Truppen in Kriegsgefangenschaft gerieten. Wedelbuschs Mannschaften wurden den schwedischen Regimentern einverleibt, und die Stadtgemeinde wurde verpflichtet, 17000 Taler zum Schutz vor Brandschatzung an die Schweden zu zahlen. Bevor diese am 12. Dezember Bautzen in Richtung Zittau und Görlitz[20] verließen, zerstörten sie alle Türme (außer dem Lauenturm) und Tore sowie die durch die Schweden angelegten Schanzen und Befestigungen“.[21]

Am 12.2.1640 lag Wancke noch in Zittau.[22] Er war seit März 1640 in Görlitz[23] stationiert. Herbsts Chronik von Greiffenberg[24] berichtet: „1640 den 21. Aprl: h[25] vor Miseric. Domin. frühe morgens um 2 Uhr schickte der Commendant in Görlitz Obrister Leutnannt Weerke seine Völker in 800 Mann stark, ließ uns überfallen und ausplündern, wurden in 20 Burger sehr beschädiget, und blieben derer 4 gar Todt, als Caspar Günter, Schuster, Hans Liewald, Schloßer, Caspar Eckart, Fleischer u. der Wachter am Zittaui: Thor“.[26]

Lapidar konstatiert der Chronist Herbst auch die Belagerung von Görlitz[27] 1641 durch die Kaiserlichen und Kursächsischen: „Den 23. July [1641; BW] ging die Kaÿl: und Chur Sächß: Armee vor Görlitz, darin sich der Obr. Leutnant Wank 10 Wochen gehalten, demnach solche aus Mangel munition aufgeben muste, den 30. 7br. durch accord“.[28] Sehr ausführlich dagegen stellt das „Theatrum Europaeum“ die Vorgänge dar: „Es hat sich im Julio die Belägerung Görlitz in Ober Laußnitz angefangen / und wurde daß Chur-Sächsische Volck / so man auß Bautzen / Sittau / Wittenberg[29] / sampt deß Arnheimischen [Arnim; BW] Regim. 8. Compagn. genommen / mit der Sächs. Artillerie um den 8. 18. darvor geführet / mit deme sich Gen. Goltz damals schon conjungirt / und zu Lauban[30] 3. Meilen von Görlitz ankame / darinnen 2. Schwedische Compag. lagen / welche sich wegen der Bürger gepflogenen Verrätherey auf Gnad und Ungnad ergeben müssen.

Als General Goltz gewilt war zu resigniren / wurd Hertzog Frantz Albrecht zu Sachsen-Lauenburg zum Käiserl. Feld-Marschallen erkläret / der um diese Zeit sich allbereit bey Chur-Sachsen befande / der Churfürst aber kam im Ende Junii auch ins Läger / als damahls die Käiserl. der Färberey heraussen schon bemächtiget / und einen Versuch auff die Mühle an der Neuß gethan / aber mit Verlust 100. Mann nichts erhalten hatten : Und weil denen im Läger auch auß dem Neuß-Thurn mit Doppelhacken kein geringer Schaden geschahe / als wurde auff denselben also canonirt / daß die Schwedischen sich darauß über die Brücken in die Stadt retiriren mußten / die man auch zu ruiniren anfienge / und desto nahender approchirte.

Der General Stalhans [Stålhandske; BW] lage entzwischen / so lang er mit Fourage reichen konnte / still / und weil er gar schwach im Feld war / erwartete er den Axellilischen [Axel Lille; BW] / auß dem Wittstockischen / ergriffe gleichwol aber unversehener Dinge auf das veste Schloß Heitzendorff[31] / welches man so gut schätzete / als könnte man sich mit 100. Mann wider 10000. defendiren. Er kriegte dasselbe mit Gewalt hinweg : Gestalt dann der darinnen gelegene Obriste-Lieutenant erschossen wurdt / und bekame darinnen eine gute Nothdurfft Proviant samt Munition /dessen die Käiserl. so übel zu frieden / daß nicht allein über die darinnen gelegene Officirer / sondern auch so gar wider den gebliebenen Obristen-Leutenant exequiret worden.

Im Eingang Augusti wurde vom Obristen Lieutenant Wancken / Commendanten in Görlitz daß er sich sowol schrifft- als mündlich erklärt habe / biß auff das äusserste zu halten / auß Dreßden geschrieben. Weiber und Kinder bathen zwar sie außziehen zu lassen / er wolte es aber nicht gestatten.

Die äusser Wercke wurden ihm alle mit Schiessen abgenommen / auch Thürne und Mauerwerck gefället / wie nicht weniger unterschiedliche minen gemacht / und darzue ihme vom Churfürsten ein reputirlicher Accord angebotten / Wancke aber liesse nichts bey sich verfangen.

Es wurde den 14. Augusti an zweyen Orten Bresse geschossen / ein groß Stück Mauer von gesprengter Mine eingeworffen / und darauff gestürmet / entzwischen auch auff der Belägerten Posten eine Stund lang hefftig geschossen / sie hatten sich aber so wol verbauet / und an beyden Bressen solche Gegenwehr gethan / daß die Käiserlichen und Sächsischen mit Verlust 5. à 600. gebliebener und gequetschter Officirer und Soldaten vom Sturm abgewichen / und war vom Commendanten schon die Resolution gefast / sich auff dem Marckt / und ums Rathhauß zu verschantzen / als zu ergeben: Hergegen Ihre Churfl. Durchl. sich entschlossen hatten / eher die Stadt mit Feuer zu verderben / als nachzulassen : zu dero Volck auch 2. Chur-Brandenb. Squadronen zu Roß und Fuß gestossen / und Herzog Franz Albrecht die Armee zu commandiren angetreten hatte.

Um den 22. Aug. hat man aus Bautzen / daß der Commendant diß Orts 23. Articul herauß / und man ihm andere hergegen hinein geschickt habe / gemeldet : Es ist aber derentwegen noch zu keinem Accord darmit kommen / gestalten dann Wancke zu hoch hinauß gewolt: Und hat man den 24. diß mehr Bresse geschossen / Minen gesprenget / und abermal sehr hart gestürmet / aber von 2. biß 300. Käiserl. darüber verlohren / ohne die gequetschet worden. Von diesem Sturm hat ein Sächsischer Rittmeister selbsten bekant / daß sie bey 800. Mann / ohne die Gequetschten verlohren / man hat den 25. ejusdem Stillstand gehalten / die Todten auß dem Graben zu holen / unter denen ein Obrister-Lieutenant / ein Major / 9. Capitain / und andere Officirer gewesen seyn sollen. Wancke aber liesse die Bresse alsbalden raumen / wieder verbauen und verpalisadiren. Ob nun wol in diesem Sturm von denen heraussen / etliche biß auff den Marckt hinein kommen / haben sie doch das Rahthauß auch verschantzet und palisadiret gefunden. Den 28. Diß / vermittelst unaufhörlichen schiessens 2. Stadt-Thürne / einen großen viereckichten und andern kleinen gefällt / mit deren einem die darauff gewesenen Soldaten herunter gestürtzet seyn. 2. halbe und eine dreyviertheils Carthaunen wurden darüber gesprenget / an deren statt man andere / sampt Mortiern / und Munition auß Dreßden gebracht / von dannen es auff größerem Ernst gestanden : Darumben man / der Stadt den 4. Septembris mit stätigem schiessen mehrers zugesetzet / und die Stücke auff die geschossene Bresse plantiret.

Den 5. Septembris Nachts wurde den Belägerten die Brücke über die Neysse mit Feuer / aber nicht ohne grossen Widerstand / genommen / auch zugleich Feuer-Kugeln und Granaten in die Stadt geworffen / aber das davon auffgegangene Feuer bald von ihnen gelöschet / und erzeigten sie sich noch immer muthig und trotzig: Inmassen sie sich allenthalben so trefflich vergraben / daß man ihnen ohne grosse Mühe und Gefahr nicht beykommen konte.

Den 17. Septembris wurde noch ein grosser Feuer-Mörsel sampt etlichen Stücken und vieler Munition in das Läger gebracht / und hat man sie zugleich mit Feuer und an der Mühle über dem Wasser angreiffen wollen.

Um den 22. Septemb. wurde Feuer eingeworffen / welches ein grosses Winseln und Weheklagen / unter dem Weibs-Volck und Kindern verursachet / aber der Commendant liesse sie mit Prügeln stillen / und in die Häuser treiben / auch theils Dächer abbrechen / theils beschütten.

Endlich wurde die Mühle alle zerschossen / und ein grosses Rondel oder Zwinger-Mauer erobert / darauß die Belägerten nicht geringen Schaden gethan / von welchem die gantze Stadt geschossen werden können / darauff man halbe Carthaunen zu bringen sich bemühet hat / auch thäte man sich deß andern grossen / allbereit zimlich durchschossenen Rondels am Reichenbacher Thor endlich mit miniren bemächtigen / welches sich der Commendant zur letzten Retirade / ausserhalb Rathhauses / erwehlet hatte.

Wiewol nun die Extremität vor Augen war / so befande er sich doch an geworbenem Volck armirten Bauern und Handwercks-Bursch noch bey 2000. Mann starck / thäte sich noch immer wehren / und wolte die matten Pferd herauß jagen: deren er von frischen noch bey 200. gehabt.

General Stalhans war zu schwach eine Ersetzung zu thun / darum muste er sich deß meistens zu Beuten[32] innen halten / doch bekame er im Augusto bey 800. Mann Succurs / auff dene er lang gewartet hatte und weiln ihm kein Volck zu wider war / sondern alles vor Görlitz lage / so gebrauchte er sich des Streiffens / Vieh und Pferde holens. Sein Rittmeister in Buntzel[33] Hanß Friedrich Laterman schickte ihme eine neu gerichtete Compagnie von 100. Pferden / die wurde aber von einer Käiserl. Parthey angetroffen / und biß auff 20. Pferd / so nach Buntzel zurück kommen / ruiniret / deren Cornet todt bliebe / der neue Rittmeister sampt der Cornette gefangen wurde.

Es traffe diese Parthey unter dem Obr. [Augustin v.; BW] Hanau 1200. Pferd starck auff den Stalhansen bey Beuthen / sie wurde aber von demselben hingegen geschlagen / und fast gar ruiniret.

Darauff Stahlhans im Septembris von Beuthen auffgebrochen / und auß Mangel Fourage nach Sagan[34] gezogen / daselbsten er ein Läger formiret / und noch mehr Succurß bekommen hat / dessen Volck aber über Gelt-Mangel sehr geklaget / und zum fechten unwillig gewesen.

Der Obrist Goldacker besuchte ihn diß Orts / und thät ihm Schaden. Der Obriste Wrangel war auff der Jagd schon umbringet gefangen zu werden / seine Polacken aber machten ihn wieder loß : Doch wurden dem Stalhansen 200. Fouragiers weggenommen. Er aber liesse das Geträyd überal herum wegnehmen / und nach Crossen[35] führen.

Den 25. Septembris wurden zu Görlitz gegen Abend um 6. Uhren Zeichen in der Lufft gesehen / als ein Feuer-Mörsel in der Lufft schwebend / darbey ein grosses Brausen gehöret worden / darauß endlich eine Kugel kommen / so über die Stadt geflogen / und einen Schuß von sich gegeben. Es wurden auch etwas weiters davon 2. grosse Heere gegen einander streitend gesehen / die aber bald verschwanden.

Um den 27. Septembr. schickte der Commendant in Görlitz seinen Obristen-Wachtmeister und einen Hauptmann / und erbote sich zum accordiren : Als man es aber für keinen Ernst halten wolten / musten diese 2. ohne Resolution zurück gehen / als er aber einen Trommelschläger herauß schickte / wurde der Obrist-Wachtmeister von Arnheimischen [Arnim; BW] / und ein Hauptmann vom Schleinitzschen Regiment hinein geschicket / unter Hoffnung die Belägerung damit zuendigen.

Den 2. Octobris wurde gewöhnlicher Weise accordiret / und geschahe den 3. diß der Außzug mit 1200. Mann zu Fuß und 100 Pferden / auch 4. Bagage-Wägen / und deß Commendanten Carossen / zuforderist mit fliegenden Fähnlein / Ober- und Unter-Gewehr / brennenden Lunden / Kugeln im Mund / Sack und Pack / und wurden zuvorn von den Einziehenden 2. Thor / wie gebräuchlich besetzet.

Im Außziehen wurde die Soldatesca erinnert / wer Käiserl. oder der Churfürstl. Durchl. vor diesen gedienet hätte / solte anjetzo außtreten und zurück bleiben. Als sich niemand hierzu erkennet / und ein Chur-Sächsischer Obrist-Wachtmeister / einen Hauptmann / der ienseit vor diesem gedienet hatte / ersahe / wolte er solchen herauß nehmen / der außziehende Commendant aber es nicht verstatten wollen / darüber sie beyde so hart an einander gerathen / das Wancke den Churfürstl. durch den Kopff und todt geschossen. Darauff die seinigen zugefallen / und mit Gewalt ihrer viel hinweg genommen / das Bagage und die Außziehende geplündert / dem Wancken sein Leib-Pferd genommen / und ihme nur seine Carosse sampt 300. Dragonern gelassen.

Es waren 2. Capitain unterm Hauffen / die Churfürstl. Unterthanen gewesen / die musten bleiben.

Der Churfürst und Herzog Franz Albrecht musten selbst hinzu reiten / und abwehren / sonsten wäre übel ärger geworden. Darauff wurde Wancke mit seinen übrigen nach Sagan begleitet / daselbsten Stalhans / wie obgemeldt / noch lage / und Crossen auff das möglichste provantieren liesse. […]

Den 8. Octobris wurde Mittag General-Rendevous gehalten / und der Obriste Cappaun [Kapoun; BW] mit 1000. Pferdten vor Lemberg[36] geschickt / die Stadt zu berennen : Der Obriste Leutnant Stritzky aber nach Windisch Luckau[37] geordnet / es zu verwahren / daß Wancke sich nicht hinein legen könne. […] Der Obrist-Lieutenant Wancke legte sich mit seinen zweyhundert und funffzig Mann in Sorau[38] / anderthalb Meilen von Sagan / und verbauete sich daselbst“.[39]

„Als schlimmstes Kriegsjahr nach 1640 müssen die Pößnecker[40] das Jahr 1642 erlebt haben. Drei schwedische Regimenter waren dort vom 17. Februar bis zum 6. April einquartiert und haben Stadt und Bürgerschaft sehr geängstigt. Soldaten schoßen in den Straßen herum. Die Frau des Schlossers und Büchsenschmiedes Georg Wohlfahrt stand gerade in ihrer Haustür und wurde von ihnen tödlich getroffen. Die Gesamtkosten dieser Einquartierung beliefen sich auf 5992 Taler und 3 Groschen. Ferner waren 11 Häuser eingerissen und das Holz von den Soldaten verfeuert worden. Über die Anführer der drei Regimenter dichtete man in den Gassen:

‚Der Oberst Wank macht die Bürger krank,

Der Oberst Kettler macht die Bürger zum Bettler.

Der Oberst Tiedemann jagt die Bürger gar davon’.

Es ist begreiflich, dass unter diesen traurigen Umständen manche Einwohner die Stadt verließen, um den Drangsalierungen der rohen Soldaten zu entgehen, denn Hab und Gut hatten sie ja schon verloren. Durch Betteln und Diebstahl suchten viele ihr Leben zu fristen“.[41]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[42] erwähnt Wancke für das Jahr 1642 in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“: „Als nun nach einnemmung der Statt Neuß[43] die Schwedischen gewissen Nachricht bekommen / daß die Keyserischen von Breslaw[44] auffgebrochen / vnd einen vnnöthigen vmbschweiff biß an die Hungarische Gräntzen genommen / als sind sie in Mähren plötzlich ohne einigen Widerstand gefallen / in kurtzer zeit viel Schlösser vnd Häuser / Märckte vnd Flecken ihnen vnterwürffig gemacht / vnd in denselben grossen Raub vnd Beute bekommen / ist dardurch die gantze Markgraffschafft Mähren in einen vnglaublichen schrecken gerathen. Nach solchem Einfall / haben sie zu Wischaw[45] Ihrer Hochfürstlichen Durchleuchtigkeit Ertzherzog Leopold Wilhelms[46] Bagage sampt 84. Pferden / 40. Wägen mit Gütern denen vornembsten vom Adel vnd Clerisey gehörig / angetroffen / dieselbe geplündert / den Graffen von Hoditz einen Herrn von Hermanstein / vnd andere Cavalliere gefangen genommen. Darauff sind sie mit gantzer Macht auff die Haupt- vnd Bischöfliche Statt Olmitz[47] angangen / selbige Zeit wehrender Belägerung häfftig mit Schiessen geängstiget / vnd weil die Belägerten sich keines Entsatzes zu getrösten / so ist sie den Schweden durch gütlichen Vertrag überlieffert vnd eingeräumet worden.

Bey welcher Vbergabe / die Schwedischen in der Statt / wie auch zu Rackonitz[48] / dahin die Jesuiter  ihren Schatz geflüchtet / ein vnaussprechliches Gut / in etliche Tonnen Goldes überkommen / die Statt an Statt der Brandschatzung eine überaus grosse Summa Geldes erlegen müssen / vnd also in derselben vier tausend Centner Loth / achtzehen tausend Centner Pulver / eine grosse Qantität zündstricke / funffzig grobe vnd kleine Stück Geschütz / hundert vnd funffzig newe Rüstwägen / fünff tausend Pack Kleider vor die Soldaten / drey tausend newe Musqueten / drey tausend Pferde / vnd eine vnglaubliche Qualität an Korn vnd Wein zur Beut überkommen worden.

Nach dieser glücklicher eroberung sind die Schweden / nach dem sie die Statt Olmitz mit drey tausend Mann zu Roß vnd Fuß vnter dem Commando deß Obristen Wancke besetzet[49] / ferner auff Brin[50] gangen / der gäntzlichen Meinung / solchen Ort auch vnter ihren Gewalt zu bringen / welches sie doch nicht ins Werck richten können“.[51]0

Der Olmützer Stadtschreiber Magister Friedrich Flade berichtet über die Besetzung der Stadt 1643 durch schwedische Truppen: „Den 1. Julii ist das Hornische Regiment zu Roß nach Ausplünderung vieler Herren Häuser von hier nach Schlesien abgegangen, hingegen Obrist Leutnant Wancke mit dem Leib Regiment Dragoner angekommen. Die Herrenhäuser haben die Soldaten und vornämlich Officiere wider allen Accord beraubt, ansehnliche Schätze und in summa, was zu finden gewesen, weggenommen“.[52] Der Olmützer Bürgermeister Arnold Puschmann erinnert sich: „Den 31. August hat der Obrist-Leutnant Wancke ungefähr um halb 7 gegen Abend mir durch seinen Pagen entbieten lassen, ich sollte das Nachtmahl für ihn zurichten lassen, da er von Zeiten mein Gast auf 14 Tage sein wollte. Im widrigen Fall würde er mich noch heute abend mit 100 Dragonern heimsuchen. Weil mir dann solche Bedrohung große Beisorge eines schwer bevorstehenden Unglücks wider alles mein Verschulden gemacht, als habe ich zu dessen Verhütung den Kommandanten bei Zeiten es wissen lassen, inmittelst mich in das Kloster S. Michaelis retiriert. Demnach aber bin ich avisiert worden, daß Herr Kommandant mich mit einer Salva Guardia gar wohl versehen und einen Leutnant nebst zwei Musketieren von der Hauptwacht in meine Behausung geschickt, habe ich [mich] wieder in der Meinung, ganz sicher zu sein, zu Hause begeben und das Nachtmahl mit meinen Gästen der Salva Guardia einzunehmen, niedergesetzt.

Unter diesem etwa nach 7 oder ½ 8 Uhr fängt man an meiner Tür stark und gewaltig anzuschlagen und zu eröffnen begehren. Wie aber Herr Leutnant wer da sei ? fragt und vernommen, er, Herr Obrist Leutnant und seine Leute seien, heißt er mich alsbald auf die Seite gehen, worauf ich mich zum hintern Tor durch das Gassel hinweg und zum Herrn Kommandanten verfügt. Dieses aber in meiner Zurückkunft werde ich von meiner Frau sowohl meinem Gesindl berichtet, daß man mit einem Leiterbaum die Tür gewaltsam aufgerennt, den inwendigen Eisenriegel zersprengt und eben mit dem Baum in das innere Stubenfensterl durchgestoßen, wie an der zerbrochenen Glasscheibe zu sehen, hernach hat man eben an der Stubentür mit Gewalt angeschlagen und endlich den Schlüssel, darinnen steckend, gefunden und nach mir gefragt, Herr Obristleutnant aber ist unter meiner Kammertür, so aus der Stube hineingeht, stehen geblieben. Deren einer seiner Diener hat vorgeleuchtet und in der Schlafkammer mich im Bett und andern Winkeln gesucht. Als man mich hier nicht gefunden, ist Herr Obristleutnant wieder mit seinen Leuten in das Haus gegangen, dem Ratsdiener Andreas Poschen zwei Maultaschen gegeben und mit unentblößtem Degen den Kopf blutrünstig geschlagen und genugsam Wein aufzutragen befohlen, wie denn […] bei anderthalb Eimer auf die Gassen seinen Dragonern, neben dem so von seinen Dienern im Hause ausgetrunken, getragen und verzehrt worden, wie dann noch etliche zinnerne Kandeln ausständig sind. Unterdessen sind die Diener wieder in die Stube gegangen, der Frau nebst Anbietung eines Tanzes auf ihr Gegenabschlagung die Hand geboten, um mich gefragt, etwas gegessen und einen Abschied von der Frau genommen. […] Was nun weiter vorgelaufen und für Raufhändel vorgegangen, ist mir unwissend“.[53]

1647 kommandierte Wancke ein Dragoner-Regiment unter Feldmarschall Wrangel.

Bei dem Erzgebirgschronisten Christian Lehmann [11.11.1611 – 11.12.1688][54] ist festgehalten: „Alß die Schweden, die 2 jahr und 9 wochen drinnen [in Zwickau;[55] BW] gelegen, auß der Statt zogen, wurde der accord[56] gebrochen, denen Officirern alles, auch vielen Paschern [Schmugglern; BW], die auf der Stad schaden in eroberung mit sturm hatten gelauret, das ihre weggenommen“.[57] Der betreffende Akkord war zwischen den Kaiserlichen, Johann Georg I. von Sachsen einerseits und den Schweden andererseits geschlossen worden und war in der Tat sehr großzügig gewesen. Lehmann erinnert sich weiter: „Der [Wancke] truge den Churfürst zue Saxen ein fehde nach, umb das Er ihme bey der eroberung von Gorlitz Ao. 1641 Plündern laßen wider den accord, das gedachte er izt zue revanchiren. Do die Schwedische Armee 1647 auß Bohmen ginge, vermeinte er in diesen March in Meißen sein stücklein ins werck zuestellen, entweder den Churfürsten, der umb Freyberg[58] jagte, selbst zue fangen oder die Festung Dresden[59] mit list zuerobern. Er wahr in March von der Presniz[60] herauß mit seinen regiement Trajonern der 1. Die erste Nacht stunde er auf der Cunersdörfer[61] hohe, Den andern tag und nacht durch Schletta,[62] stehen blieben auf der Schletner höhe hinder den Schloß nach Hermersdorf[63] zue, Den 3. tag in grundt bey den Dörfel und die Freyreuter,[64] die Er von der gantzen armee an sich gehengt hatte, in Walt, alda ließ Er sein regiement mit den andern marchiren und nahm darvon nur 52 ledige und die besten Cärl auf einen anschlag, daß er mit den Freyreuttern 200 starck an den künesten wagehelßen worden. Des tags stunde er stille in Buschen, des Nachts recognoscirte er auf allen seiten, wo der Churfürst lege, und wie an Dresden zue kommen, und stunde deswegen 2 tage in Dorantischen walde. Alß die Schwedische Haupt-Armee in Altenburgischen außruhete, ritte er wieder hin und erhandelte von etlichen Obristen mehr reuter, daß er in 600 Pferde starck worden. Damit sazte er Sich in Spittelwalt vor Freyberg. Alß solches der General Wrangel verkundtschaft, commandirte er geschwindt 50 Pferde auß, ließ ihn gefangen nehmen, auf die festung Leipzig[65] sezen, die Standarten nehmen und die Völker avociren. In Seinen Arrest eiferte Chur-Saxen mechtig uber sein Attentat, doch wurde Er perdonirt und sub amnistia frey- und loßgelaßen und begab sich bey einen andern Herrn in Dienste“.[66]

Das „Theatrum Europaeum“ weiß dagegen von einer Verurteilung Wanckes: „Freytags den 8. 18. deß Weinmonats [Oktober; BW] / wurde der Schwedische Obrist Wancke / als ein Gefangener auff das Schloß zu besagtem Leipzig / die Pleissenburg genannt / geführet / dessen Beschuldigung war diese: Er habe für sich einen Anschlag auff Dreßden / unnd S. Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen / etc. gehabt / deßwegen 500. Pferdt von der Haupt-Armee entführet / und damit solchen vollziehen wollen: Nach dem ihme aber etliche commandirte Völcker nachgangen / ist er gefänglich angehalten und auff gedachte Vestung zurück geführt worden. Ob nun wol deß Herrn Churf. zu Sachsen Durchlaucht solchen nach Dreßden zuliefern / begehren lassen / hat doch deß Herrn Generaln und Feldmarschallen Wrangels Excell. geantwortet / daß solches bevor in Schweden berichtet werden müste: Wir aber / als wir dieses schrieben / haben weder von dessen Freystellung oder Execution einige Nachricht erlangen können / wiewol Schreiben aus Dreßden unterm dato den 30. Octob. in diesen Formalien bestättigen / es seye daselbst (zu Dreßden) so viel neues / daß dem Obrist Wancken / wegen seines unlängst gehabten Anschlags / allbereit die Sententz gesprochen / nemblichen / daß ihme lebendig das Hertz aus dem Leibe geschnitten / vmb das Maul geschlagen / unnd hernach geviertheilt werden solle / es wäre damit / daß Ihre Churfürst. Durchlaucht Ihme Gnad erweisen wolten; und wo nicht allbereit zu Leipzig die Execution geschehen / würde doch solche ehist fortgestellt werden“.[67] Das Todesurteil ist am 18.11.1647 ergangen.[68]

Auf kaiserlicher Seite flossen die Nachrichten spärlicher. Rudolf Graf Colloredo schickte Piccolomini[69] am 2.11.1647 aus Prag ein paar Informationen über einen Versuch, Johann Georg I. zu töten.[70] In einem Schreiben B. I. von Martinitzan ihn hieß es dagegen: Er sei von dem geplanten Überfall auf den Kurfürsten von Sachsen und dessen Söhne zwecks deren Gefangennahme benachrichtigt worden. Ein Kornett, ein sächsischer Untertan in schwedischen Diensten, der sich in der Umgebung Johann Georgs I. bewegte, habe den Schweden über eine geplante Jagd des Kurfürsten informiert, dieser aber habe sich im letzten Augenblick entschieden, nicht auf die Jagd, sondern zum Fischfang zu gehen.[71]

Erwähnt wird Wancke noch einmal, als nach der Eroberung Windsheims[72] durch Wrangel und Königsmarck am 15.3.1648 sein gesamtes Dragoner-Regiment in die Stadt als Garnison eingelegt wurde.[73]

Wancke verstarb nach 1650 in Hamburg.[74]

[1] Vgl. HARRACH, Tagebücher.

[2] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.

[3] GAUHE, Historisches Helden- und Heldinnen-Lexicon, S. 1742ff.

[4] HECKEL, Historische Nachricht, S. 43.

[5] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab Dezember 2012).

[6] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.

[7] AccordsPuncten / Welche der Schwedischen Armada bestelte Capitäyn / vnd Commandant der Moritzburg zu Halla Jacob Weynecken, [et]c. eines / Vnd Dann der Churfürstl. Durchl. zu Sachsen / [et]c. bestelte Obr. Wachtmeister vnd Commandant in Halla / [et]c. Herr Hans Ernst König / [et]c. anderen Theils eingewilliget. 1637. Exemplar der Universitätsbibliothek Augsburg. Online verfügbar unter urn:nbn:de:bvb:384-uba000779-2. Den Hinweis verdanke ich Herrn Uwe Volz. HANSEN, Geschichte, S. 89f.

[8] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[9] Bautzen [Oberlausitz], HHSD VIII, S. 19ff.; vgl. SCHULZ, Bautzen im Krieg.

[10] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[11] Bernau [Kr. Niederbarnim/Bernau]; HHSD XI, S. 125f.

[12] Pegau [Kr. Borna]; HHSD VIII, S. 272ff.

[13] Faschinen: Schanzkörbe, Reisig, Bündel, Holzwälle, Rutenbündel.

[14] Feuerkugel: Geschoss mit Spreng-, Brand- und Leuchtwirkung, das von Mörsern im Steilfeuer über die Stadtmauer geschossen werden konnte.

[15] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[16] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.

[17] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 116f.

[18] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.

[19] Pechkranz: Aus brennbarem Stoff geflochtener und mit Pech überzogener Kranz, verwandt, um zu leuchten oder in Brand zu stecken; er wurde bei Belagerungen an die Stadttore gehängt, um diese zu verbrennen.

[20] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[21] SCHULZ, Bautzen im Krieg, S. 52ff.; KUNRATH, Kursachsen, S. 246ff.

[22] PESCHECK, Handbuch Bd. 2, S. 584f.

[23] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[24] Greiffenberg i. Schl. [Gryfów Śląski, Kr. Löwenberg]; HHSSchl, S. 148f.

[25] h Sonnabend = dies Saturni, feria septimus.

[26] HERBST, Geschichte, S. 25.

[27] NEUMANN, Görlitz, S. 397ff. (die Angabe 18.10. stimmt nicht).

[28] HERBST, Geschichte, S. 28. Ausführlich dargestellt bei NEUMANN, Geschichte von Görlitz, S. 397ff.

[29] Wittenberg [Kr. Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[30] Lauban [Lubań]; HHSSchl, S. 270ff.

[31] Heinersdorf, unter Beuthen a. d. Oder [Bytom Odrzánski, Kr. Glogau/Neusalz]; HHSSchl, S. 25. ?

[32] Beuthen a. d. Oder [Bytom Odrzánski, Kr. Glogau/Neusalz]; HHSSchl, S. 25ff.

[33] Bunzlau [Bolesławiec]; HHSSchl, S. 63ff.

[34] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[35] Crossen [Stadt u. Land]; HHSD X, S. 425ff.

[36] Lemberg [Lwow, Russland].

[37] Nicht identifiziert.

[38] Sorau [Žary, Kr. Sorau; Niederlausitz, h. Polen]; HHSD X, S. 464ff.

[39] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 578f.; KUNRATH, Kursachen, S. 253f.

[40] Pößneck [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 342f.

[41] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 169.

[42] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[43] Neisse [Nysa]; HHSSchl, S. 331ff.

[44] Breslau [Wrocław]; HHSSchl, S. 38ff.

[45] Wischau [Vyškov]; HHSBöhm, S. 664f.

[46] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[47] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[48] Rakonitz [Rakovník]; HHSBöhm, S. 508f

[49] http://www.dbnl.org/tekst/groo001brie13_01/groo001brie13_01_0307.htm: Hugo de Groot, Briefwisseling, S. 370.

[50] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.

[51] WASSENBERG, Florus, S. 490f.

[52] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 393.

[53] JESSEN, Dreißigjähriger Krieg, S. 394f.

[54] SCHMIDT-BRÜCKEN; RICHTER, Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann.

[55] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[56] Der Akkord ist erhalten; BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1244.

[57] LEHMANN, Kriegschronik, S. 137.

[58] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[59] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[60] Pressnitz [Přisečnice; Kr. Chomutov (Komotau)]:  Bergstadt im Erzgebirge, bis 1974 an der Stelle, wo sich heute die große Fläche der Pressnitztalsperre (vodní nádrž Přisečnice) erstreckt. Häuser, Kirchen und Schloss von Přisečnice sowie die benachbarten Dörfer Rusová (Reischdorf) und Dolina (Dörnsdorf) wurden abgerissen und an deren Stelle der Fluss Přísečnice (Pressnitz) gestaut.

Pressnitzer Pass: Der Pressnitzer Pass stellt eine der ältesten Pfadanlagen dar, die aus dem Zentrum Mitteldeutschlands über den dichten Grenzwald nach Böhmen führte. Sein ursprünglicher Verlauf ging von Halle (Saale) kommend über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Zwönitz nach Schlettau. Hier wurde die obere Zschopau gequert. Anschließend führte der Weg über Kühberg am Blechhammer vorbei nach Weipert (Vejprty) und erreichte dann östlich schwenkend über Pleil (Černý Potok) mit Pressnitz (Přísečnice) die älteste Bergstadt des Erzgebirges. Von hier aus verlief der sogenannte Böhmische Steig vermutlich über Kaaden (Kadaň) und bis nach Saaz (Žatec). Die Passhöhe selbst befand sich auf böhmischer Seite nahe Pleil (Černý Potok) auf ca. 800 m ü. NN. Damit war der Pressnitzer Pass deutlich niedriger als die sich nach Westen hin anschließenden Pässe über Wiesenthal, Rittersgrün, Platten, Hirschenstand und Frühbuß. Dies war einer der Gründe für seine häufige Benutzung während des Dreißigjährigen Krieges. [wikipedia]

[61] Cunersdorf, heute Ortsteil von Annaberg-Buchholz [Erzgebirgskreis].

[62] Schlettau [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 319f.

[63] Hermannsdorf (Hermersdorf), heute Ortsteil von Elterlein [Erzgebirgskreis].

[64] Söldner ohne Soldvertrag und Kriegsherrn, der auf eigene Rechnung kämpfte (auch als „aventurier“ bezeichnet; PETERS, Lars Wivallius) und von der jeweiligen Kriegspartei für seine gefährliche Arbeit z. B. als Kundschafter ad hoc entlohnt wurde. Darunter waren aber auch Adlige wie Herzog Ulrich von Württemberg-Neuenbürg [1617-1671], der 1644 im Regiment Johann von Werth als Rittmeister diente. Ein Avanturier musste nach damaliger Sitte so lange kämpfen, bis er Ruhm erlangte; SODEN, Gustav Adolph III, S. 495 Anm. 1. Zum Teil operierten sie in eigenen Korps und überfielen kleinere Städte; PEETZ, Christian, S. 286. 1634 veranlasste Bernhard von Weimar die Abschaffung; RÖSE, Bernhard II, S. 16. Vgl. (für den 2. Nordischen Krieg) die Memoiren eines solchen Freireiters; LAHRKAMP, Kriegsabenteuer.

[65] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[66] LEHMANN, Kriegschronik, S. 174f.; WEIßE, Neueste Geschichte, Bd. 1, S. 39ff.

[67] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 6, S. 36.

[68] VOGEL, Leizigisches Geschichts-Buch, S. 631ff. (mit Wortlaut des Urteils); WEIGEL; KÖHLER, Album, S. 131; SCHULTZE, Neu-Augirte Und Continuirte Chronica, S. 486..

[69] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.

[70] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1080.

[71] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1081.

[72] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[73] HÖFER, Ende, S. 167; BECK, Chronik 1. Bd. 2. Abt., Sp. 88.

[74] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

Dieser Beitrag wurde unter Miniaturen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.