Vrbna [Werba, Wrbna, Wirben, Wirbna, Würben, Wurby, Wolbrig, Wolbrink, Conte de] und Freudenthal, Jiří Śtépán Václav Valerian Bruntálský z

Vrbna [Werba, Wrbna, Wirben, Wirbna, Würben, Wurby, Wolbrig, Wolbrink, Conte de] und Freudenthal, Jiří Śtépán Václav Valerian Bruntálský z; Graf [1642]; Obrist [1610 oder um 1615-9.2.1682 Prag] Vrbna,[1] der einem in Schlesien begüterten Geschlecht entstammte, stand als Obristleutnant bzw. Obrist in kaiserlichen Diensten.

Der Hofer[2] Organist Jobst Christoph Rüthner [1598-1648] berichtet: „Den 20. april [1641; a. St.] kamen etliche des general de Werba pferd aus dem reich hieher, denen die alhier logirende salva guardia brod und bier geben ließe“.[3]

Erzherzog Leopold Wilhelm wies Rudolf von Colloredo am 22.10.1642 aus seinem Hauptquartier hinter Bautzen[4] an, die Leibgarde Vrbnas gleich nach ihrer Ankunft zu dem Obristen Ruebland nach Glatz[5] zu kommandieren.[6] Am 24.11. erteilte Ferdinand III. Johann von Rottal Dispositionen hinsichtlich der Anwerbung von 1.000 Walachen für die kaiserliche Armee zur Belagerung der Stadt Olmütz[7] unter dem Kommando Vrbnos sowie betreffs des Geldes für ihre Besoldung.[8]

Am 3.8.1644 erging die kaiserliche Weisung an Colloredo, Maximilian von Waldstein solle Königgrätz[9] mit wenigstens 200 bis 300 Mann und Pardubitz[10] mit 100 Mann besetzen. Die übrigen Knechte solle er nach Eger[11] kommandieren.. Er, Ferdinand, habe die Stadthalter angewiesen, für die Aufnahme beider Stadtgarnisonen und deren Sommerverpflegung Sorge zu tragen. Das übrige Kriegsvolk in Böhmen sollte Colloredo mit der Graf von Vrbna-Kompanie vereinigen und die Reiterabteilungen zum Einsatz gegen die dortigen gegnerischen Streifzüge nach Schlesien expedieren. Diejenigen Einheiten, die wegen der großen Entfernung weder die Hauptarmee noch die ungarische Armee erreichen könnten, sollte er zu L. B. von Waldstein nach Olmütz abkommandieren.[12]

Am 17.6.1645 berichtete Colloredo Gallas aus Prag über die militärische Lage in Böhmen und dortige Truppenverschiebungen: „Oggi è arrivato qua il colonello Bachonhay [Pachonhay; BW] et m’ha esposto la mente di Sua Altezza Serenissima [Leopold Wilhelm; BW] et d’Vostra Eccelenza. Io certo stava nel medemo pensiero et spero ch’il partito reuscira, aspetto solo li sacci di polvere, quarli martedi saranno qua; resta solo ch’il Wirbna, qual deve condure la partita, venghi per tempo, essendo ora con li regimenti di Silesia già passato Pilsen;[13] nulla dimeno ho spedito subito una stafeta a quella volta per richiamarlo et caso che lui non potesse arrivar‘ in tempo, inviarò ó il tenente collonello del Capone [Capaun; BW], quel poco fa, è stato con una truppa fin’vicino a Bruna,[14] o il tenente Strassaldo, ch’ora sta a Pardobiz.

Giovedi poteranno da Pardobiz partire queste truppe et andare per coniungerse con li doi capitani del Conte Bocarme [Mérode-Bocarmé; BW], Heneman [Hannemann; BW] et Unger. Li vilani del Conte della Torre [Thurn; BW] a Letovisch[15] daranno ogni assistenza et buon indirizo a questa gente; con agiuto de quali le nostre partite, ch’andarono da quella banda, travagliarono di modo l’inimico, che l’è convenuto di tirare de li la sua gente, et metterla verso Niclaspurg[16] et quelli luogi. In questa cavalcata me ne servirò del regimento del Capone, qual già sta a Pardobiz. Li dragoni d’V. E. sono in marcia, quelli del La Corona, mentre von verrà replicato l’ordine, lasciá ò a Pardobiz, non avendo gente da presidiare quel posto et poterebbe correr risico d’esser perso, mentre l’inimico venissi avanti, confrontando tutti l’avisi che l’intenzione dell’inimico sia a Pardobiz”.[17]

Vrbna bewies seinen Mut während der Belagerung Brünns durch schwedische Truppen unter Torstensson. „So vertat Torstensson Monat auf Monat des Jahres 1645 in Erwartung von Verstärkungen, die nie kamen, und einer Kapitulation, die nie erfolgte. Beide Seiten waren gezwungen, Pulver zu sparen, und entlang der Mauern und Parallelen wurden deshalb zahlreiche Steinwurfduelle ausgetragen. Die Menschen in der Festung kämpften mit dem Mut der Verzweiflung: Kinder halfen auf den Mauern aus, Brünner Frauen liefen unter Beschuß hinaus in die Gärten der Vorstädte, um Gemüse nach Hause zu holen, und die bewaffneten Männer machten zahlreiche Ausfälle. (Bei einem solchen wurde ein Student am Knie verletzt. Er blieb einen ganzen Tag im Niemandsland liegen, während schwedische Soldaten ihn mit Steinen bewarfen. Und »zur Nachtzeit nahmen die Schweden ihm die Kleider ab, stachen sein rechtes Auge au, stießen ihm eine Speerspitze durch den Nabel und schlugen ihm Rücken und Arme blutig«.) Die Belagerung ging langsam voran. In der Sommerhitze mehrten sich die Krankheiten und Desertionen. Einige schwere Wolkenbrüche mit Donner und Hagel verwandelten die Approchen und Parallelen vorübergehend in tiefe Gräben, in denen das Fußvolk bis zur Hüfte in Wasser watete. Um die Truppen in der Zitadelle zur Aufgabe zu zwingen, leitete man mit großer Mühe ihre Wasserversorgung um, doch es zeigte sich, daß die durch einen unterirdischen Gang mehr als gut versorgt waren. Man hoffte auch, de Souches könnte aufgrund von Munitionsmangel zur Aufgabe gezwungen sein, aber gegen 9 Uhr am Abend des 15. [25.] Juni gelang es einer kaiserlichen Kolonne von mehreren hundert pulverbeladenen Pferden und Reitern, sich überraschend an den vorgeschobenen schwedischen Wachen vorbeizukämpfen und sich und ihre Last in die Festung zu werfen“.[18]

Am 28.6.1645 schrieb Souches während der Belagerung Brünns an Gallas: „Berichte dieselbe beinebenst gehorsambist, dass der Herr Obristleutnant Graf von Wirben mit deme Pulver (Gott Lob) glücklichen alhier ankommen wird, nur allein von 201 Sack, jedwege zu 25tt., etliche 34 hinterblieben. Von E. Exc. Dragoner Regiment befinden sich alhier etwa 40, von denen Lacoronischen [La Corona; BW] aber anstatt 40 nur 16 mit denen Officierern. Die Interpresa ist Gottlob glücklichen abgangen, darzu des Herrn Grafen und beigehabten Officiern gute Couragie und Anstalt nit wenig cooperirt, indem sie zwei Regimenter vom Feinde, so die Wacht gehalten, ganz zertrennet. Dafern ichs nur ein Stund zuvorn gewisst hätte, würde eine gute Action beiderseits durch einen Anfall sein bezeigt worden. Ich verhoffe auch, dass mit Hilfe der zwei Pulvermühlen, so ich in der Stadt aufgerichtet, und Salniters, welchen taglichen arbeiten lasse, uns die Munition nunmehr sobalden nit wird abgehen. Auf dem Spielberg hab ich einen guten Teil darvon, sowohlen mehrere Soldaten geschickt; und weilen der Herr Rittmeister Henneman und Unger daraussen bessere Dienste denn hierinnen tun können, ich ohnedass auch eine zimbliche Anzahl Reiterei bei mir habe, welchen die Fouragie abgehet, lasse dieselben ich wiederumben hinaus, den Herren Grafen aber mit etlichen 30 Reitern von dessen Esquadronen, und 130 nebenst dem Herrn Obristwachtmeistern von Kapaun [Kapoun; BW] bei mir behalten, in Hoffnung, dass unsere Armada mit ehisten hier sein wirdet. Unterdessen versichernde E. Exc., dass wir ville Extremitäten, so ein belägertes Ort ausstehen kann, versuchen, und ich meinesteils eussirsten Fleisses dahin bedacht sein werde. Massen Ihr Hochfürstliche Durchlaucht und E. Exc. beideren Ankungt [Ankunft; B .] alhier meine treueifrichste Actiones gnädigst erfahren werden. P. S. Ich versichere E. Exc., dass der H. Graf von Würben sich so affectionirt in Ihr May. Dienst bezeiget, dass der selbe gewisslichen ein grossen Rum und Lob verdienet“.[19] Am selben Tag schrieb Vrbna an Gallas: Nach Erhalt seiner Order vom 11. dieses Monats aus Wien habe er das Schießpulver und die Mannschaft glücklich nach Brünn gebracht. Auf Wunsch des Kommandanten sei er in der Stadt geblieben und bitte Gallas, seine Männer in Schutz zu nehmen. Im Postskriptum hieß es: Obgleich Ogilvi, der Kommandant der Festung Spielberg, nicht weniges versäumt hatte, bürge Souches für den Erfolg.[20]

Im März 1646 hielt Vrbna sich in Troppau[21] auf und berichtete Melchior von Hatzfeldt von der Verfolgung des schwedischen Obristen Reichvald; im August dieses Jahres stand er in Lehnhaus.[22]

Der sächsische Chronist Lehmann erwähnt ihn anlässlich des letzten schwedischen Marsches durch das Erzgebirge gegen Prag im September 1648: „Conte de Wirben, ein Obrist, mit 500 Pferden von diesen Völckern wahr in March gegen das Vogtlandt auf recognition gangen, ginge von Schneberg[23] auf Wildenau[24] bey Schwartzenberg,[25] stunden des Nachts bey den Hundtszwinger den 18. September und verderbten Wildenau fast gar. Den 16. September marchirten Sie an Wald herauf und lagen des Nachts zue Crotendorf,[26] die benachbarten Stedlein und Dörffer musten proviant zuefuhren, Scheibenberg[27] allein 2 faß bier, 2 rinder, 200 pfund brod, hüner etc. Des andern tags ging er in Böhmen“.[28]

Angeblich soll er sich Ende 1648 in der Grafschaft Bentheim aufgehalten haben.

„Anderen abgedankten Soldaten erging es wesentlich ungünstiger. Der Friede hatte sie um ihren Broterwerb gebracht, sie mußten nun sehen, wie sie durchkamen und suchten daher, sich auf eigene Faust nötigenfalls auch gewaltsam ihren Lebensunterhalt zu verschaffen. Visch berichtet – ohne einen genauen Nachweis dafür zu liefern – über ein abgedanktes Kavallerie-Regiment unter dem Befehl eines Obristen, der sich angeblich Graf Wolbrig genannt haben soll. Dieser habe am 31. Dezember 1648 versucht, sich mit Gewalt in der Grafschaft Bentheim Winterquartiere zu verschaffen. Auf Anordnung des Grafen Ernst Wilhelm von Bentheim sei den Soldaten ein Bauernaufgebot unter Anführung der Richter und Vögte im Bimolter Brook zwischen Nordhorn[29] und Veldhausen[30] entgegengestellt worden, um die Soldaten an ihrem Vorhaben zu hindern. Jenes Aufgebot hätten die Reiter jedoch in die Flucht geschlagen, nachdem einige Bauern von ihnen niedergehauen worden seien. Weiter heißt es dann bei Visch, ein Trommler habe aus eigenem Antrieb die Trommel gerührt, um die Versprengten aus seiner Bauerschaft wieder zu sammeln. In der irrigen Annahme, die Bauern wollten noch einmal angreifen, habe der Graf zum Abzug blasen lassen und sei nach Wietmarschen[31] abgerückt, um endlich im Fürstbistum Münster Winterquartier zu nehmen. Die Grafschaft sei folglich, so beschließt Visch die Geschichte, durch einen einzelnen Trommler von den ungebetenen Gästen befreit worden. Specht will – unter Hinweis auf Akten im Stadtarchiv bzw. im Archiv der reformierten Kirchengemeinde in Nordhorn – wissen, daß ‚das Regiment des Grafen Wolbrink‘ vor den Toren der Stadt Nordhorn, und zwar in Bimolten,[32] Winterquartier nehmen wollte. Sager hat die Geschichte gar noch mit viel Phantasie weiter ausgeschmückt. Indes war weder im Stadtarchiv Nordhorn noch im Kirchenarchiv ein Nachweis für den angeblichen Vorfall zu finden. Die Kirchenprotokolle brechen übrigens schon im Jahre 1639 ab und setzen erst etliche Jahre nach dem Krieg wieder ein.

Nach Lage der Dinge scheint es daher kaum möglich zu sein, mit Sicherheit zu entscheiden, was an der von Visch überlieferten Begebenheit Wahrheit, was Dichtung und spätere Ausschmückung sein mag. Gleichwohl ist es möglich, daß ein wahrer Kern vorhanden ist. Belegt ist nämlich durch einen Bericht des Obristen [Wilhelm; BW] von Westphalen an Feldmarschall von Hatzfeldt vom Januar 1649, daß es in der Grafschaft Bentheim Schießereien zwischen kaiserlichen Truppen und Bauern gegeben habe. Damit könnte durchaus der Vorfall vom 31. Dezember 1648 gemeint sein. Ob sich hinter dem Grafen ‚Wolbrig‘ etwa der in kaiserlichen Diensten stehende Graf Wurby verbergen könnte, muß wohl vorerst offen bleiben“.[33]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx de wird gebeten !

[1] Vgl. die Erwähnungen bei KELLER; CATALANO, Tagebücher.
[2] Hof; HHSD VII, S. 302f.
[3] KLUGE, Hofer Chronik, S. 190.
[4] Bautzen [Oberlausitz], HHSD VIII, S. 19ff.
[5] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.
[6] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1337.
[7] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.
[8] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1359.
[9] Königgrätz [Hradec Králové]; HHSBöhm, S. 269ff.
[10] Pardubitz [Pardubice]; HHSBöhm, S. 436ff.
[11] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.
[12] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 350.
[13] Pilsen [Plzň]; HHSBöhm, S. 444ff.
[14] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.
[15] Lettowitz [Letovice, Bez. Blansko; Mähren]; HHSBöhm, S. 332f.
[16] Nikolsburg [Mikulov]; HHSBöhm, S. 411ff.
[17] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 606.
[18] ENGLUND, Verwüstung, S. 441ff.
[19] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 612. Vgl. auch den Bericht des Tobias Winkler für Hatzfeldt; ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 277.
[20] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 613.
[21] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.
[22] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 277; Lehnhaus [Wleński Gródek; Kr. Löwenberg]; HHSSchl, S. 273f.
[23] Schneeberg; HHSD VIII, S. 320ff.
[24] Wildenau, heute Ortsteil von Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.
[25] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.
[26] Crottendorf [Kr. Annaberg]; HHSD VIII, S. 55.
[27] Scheibenberg; HHSD VIII, S. 316ff.
[28] LEHMANN, Kriegschronik, 181. Lehmann dat. nach dem a. St.
[29] Nordhorn [Kr. Grafschaft Bentheim]; HHSD II, S. 351f.
[30] Veldhausen, heute Stadtteil von Neuenhaus [Kr. Grafschaft Bentheim].
[31] Wietmarschen [Kr. Grafschaft Bentheim]; HHSD II, S. 490f.
[32] Birnolte, heute Ortsteil von Balve [Märkischer Kreis].
[33] STEINWASCHER, Krieg, S. 129f.
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