Volkmann, Georg

Volkmann, Georg; Obrist [ – ] Volkmann[1] [Volckman] stand 1633 als Obrist eines Fußregiments von 10 Kompanien in kurbrandenburgischen Diensten, das 1635 wieder abgedankt wurde.[2] Volkmann hatte 1625 noch in dänischen Diensten gestanden hatte und war 1629 als Stadthauptmann (Obristleutnant) in Stralsund[3] während der Belagerung durch Wallenstein[4] tätig.

In der Hannover’schen[5] Chronik heißt es: „Dargegen sein von des Obristen Rieß Regiment 2 Fahnen, jede zu 150 stark, unter Capitain[6] Volkmann und Capitain Fingerling wieder herein kommen, wie auch auf die Neustadt 2 Fahnen desselben Tages [24. Dez. 1625] wieder verleget worden“.[7] […] Demnach Ilmus Hertzog Friederich Ulrich zu Braunschweig in Kayserl. Devotion sich begeben, hat I. F. Gn. dem mit Tillien [Tilly;[8] BW] getroffenen Vergleiche zu Folge sich bemühet, die Königschen Guarnisonen und Besatzungen aus dem Lande Braunschweig zu bringen. Derowegen sie unter andern auch der Stadt Hannover schriftlichen Befehl zugesandt, den Königschen Capitain Volckman mit seiner noch darin habenden Compagnie zu Fuß auszuschaffen. Immaßen dann auch Tilly Kayserl. Besatzung in Hannover zu legen der Stadt angemuhtet, in Verweigerung dessen mit einer Belagerung gedreuet. Derowegen, als man die große Gefahr gesehen, hat E. E. Raht und Geschworne aus Sorgfalt und hochbetreten[9] in Eile Herrn Antonium Bullaeum J. U. D. und Hertzog Christians zu Lüneburg Bischoflichen Mindischen Raht, und Hermann Westenholtz Raths Verwandten allhie, welche bey den Herren Fürstl. Rähten zu Zelle[10] wohl gelitten, darhin vermocht, daß sie in dieser vor Augen schwebenden Gefahr sich gen Zelle begeben, wegen der Stadt Hannover handelten bey I. F. Gn. Hertzog Christian zu Lüneburg, als regierenden Herrn und dero Fürstl. Herrn Bruder um Intercession[11] bey dem Tilly, welcher damahls zu Zelle angetroffen worden, anzuhalten, wegen die guten Stadt, und die angemuhtete Einquartierung zu verbitten. Diese Abschickung ist vielen Bürgern verdächtig gewesen, als ob sie die Tillische hereinholen sollten, wie zu Hameln[12] und Minden[13] geschehen, dahero die Bürgerschaft sehr ungehalten gewesen, sonderlich durch Capitain Volckmanns Anreitzen, daß es am Tage Bartholomaei, war der 24. Augusti, zu einem gefährlichen Aufstande sich angelassen, weil der Bürgerschaft unwissend, daß sie die Kayßerliche Einquartierung zu verbitten und zu verhüten abgeschicket wären. Die Bürgerschaft ist endlich durch etliche von den 24 Mannen der Gemeine, welchen E. E. Raht ihren Intent, und warum man nach Zelle geschicket, geoffenbahret, gestillet worden“.[14] […]  „Diesen 6. Sept. hat die Tillische Confoi, welche Capitain Volkmann mit seiner Königschen[15] Compagnie zu Fuß aus Hannover confoiren sollen, sich zu Linden[16] unter dem Obristen Gallas[17] gefunden und auf den Auszug gewartet. Den 7. Sept. ist die Ausschaffung der Königschen Guarnison vorgenommen, welches anfangs sehr hart zugegangen. Dann Capitain Volkmann etliche unruhige Bürger an sich gezogen, denen er Vertröstung gethan auf starken Königlichen Succurs und Entsatz, da doch der König niemahls in diesem gantzen Kriege keinen einigen belagerten Ort entsetzet gehabt, viel weniger er es hätte thun können, als er in die Flucht geschlagen, und seine Infanterie mehrenteils geblieben war ! Dennoch haben sich etliche Bürger von ihm überreden lassen und ihm Beyfall gegeben, darauf er auf das Rahthaus gegangen und sich höchlich beschweret solcher Ausweisung. Weil er aber keinen Befehl und Ordre hätte von Königl. Majestät, wäre er nicht gesinnet zu weichen, die Königl. Majestät würde gnugsamen Entsatz schicken, gegen Tilly diese Stadt zu defendiren. E. E. Raht aber hat ihme dargegen, vermöge der Tillischen Capitulation, Vereinigungen und ausgegebenen Revers anzeigen lassen durch dieser Stadt Capitain Bartold Knusten, daß er hinaus weichen müßte. Dargegen er sich aber gar streuvisch[18] erzeiget, darauf Capitain Knust zu ihm gesagt: Wohlan, wollet Ihr nicht weichen, so müssen wir darum fechten. Ich will meine Stadtsoldaten, deren damals in 300 gewesen, auf den Markt kommen lassen, lasset eure Königsche dargegen kommen, wollen versuchen, wer den Platz behalten werde. Darauf Volkmann geantwortet, er sehe nun wohl, daß er hie nunmehr keine Assistentz habe und übermannet sey. Und ist mit mit Unmuht mit seiner Compagnie aus dem Leinthore gezogen, da ihnen der Obrist Gallas bey Linden[19] mit seiner bey sich habenden Confoi, die in den andern Tag zu Linden seines Auszuges erwartet, empfangen und nach der Stoltzenau[20] und Nienburg[21] zu confoiret“.[22]

1629 war er als Stadthauptmann (Obristleutnant) in Stralsund[23] während der Belagerung durch Wallenstein. Danach trat er in dänische Dienste, um nach dem Lübecker Frieden[24] in die Tillys zu treten.

Erasmus Pontanus schreibt in seiner 1631 gedruckten Flugschrift „Truculenta Expugnatio Sanguineolentium Excidium Neobrandenburgicum“: „Georg Volckman, welcher der Stadt Stralsundt in ihrer Belagerung für einen Capitäin gedienet, vnd von derselben zum Obristen Leutenambt[25] gemachet, sich aber auß der Stadt in der Königl. Mayt. zu Dennemarck Diensten begegen,[26] jetzo aber zu der Tyllischen Armee getreten, kam mit in die Stadt [Neubrandenburg;[27] BW] kam mit in die Stadt, eilete nach des alten Richters und rahtsherren Daniel Gralips Losament in der Treptowschen Straßssen, besetzte das Hauß mit Mußquetirern,[28] damit er von der andern Soldatesca vngehindert frey mausen, rauben und plündern haben kondte, prügelte die alte Wittwe vnd Gesinde vbermessig hart, zu bekennen, wor jhre Vorraht begraben were, welches er doch auß einem intercipirten[29] Schreiben schon vorhin gar wol gewust, zeigte also den andern Soldaten den Weg jhme zu folgen, die ohne das muhtig gnug waren, allerhand crudeliteten und Tyranney zu verüben“.[30]

Erwähnt wird Volkmann 1633 als kurbrandenburgischer Obrist in Berlin wieder, nachdem er vor Wallenstein hatte weichen müssen.

„Im August [1633; BW] wurden die neuen Kompagnien gemustert, und gleich darauf wurden die brandenburgischen Regimenter als Verstärkung zu der Armee des Feldmarschalls v. Arnim nach Schlesien geschickt. Man fühlte sich in Berlin völlig sicher. Wallenstein verhandelte schon geraume Zeit mit Sachsen und Brandenburg über einen Frieden. Im übrigen schien die Mark durch Truppen gegen einen Anmarsch der Kaiserlichen hinreichend gedeckt. Da brach Wallenstein plötzlich die Unterhandlungen ab. Überraschend warf er sich auf den Feind. Während sich Arnim eilig nach Sachsen zog, wurden die Schweden[31] bei Steinau[32] völlig aufgerieben. Mit Schrecken erkannte man in Berlin, daß es jetzt auf die Mark ging. Das Schlimmste war: die Residenz hatte keine Besatzung. Arnim weigerte sich, die brandenburgischen Regimenter zum Schutze des Landes, wie es im Vertrag ausbedungen, dem Kurfürsten zuzuschicken. Da rückte in den ersten Tagen des Oktober der Oberst Volkmann, der vor Wallenstein aus Drossen,[33] südöstlich von Cüstrin,[34] hatte weichen müssen, mit seinem Regiment nach Berlin. Gleichwohl hielt sich Georg Wilhelm in der Residenz nicht für sicher und begab sich nach Brandenburg.[35] Auch wer von den Einwohnern irgend konnte, verließ eilends die gefährdete Stadt; so groß war die Furcht, daß manche bis nach Hamburg[36] flüchteten. Volkmann erhielt eine Instruktion, die ihm bei feindlicher Übermacht die Übergabe der Residenz befahl, wenn der Feind versprechen würde, die Stadt unversehrt zu lassen, ‚das kurfürstliche Haus unverletzt, Häuser, Kirchen und Schulen unzerstört, Pfarrer und Schulmeister unverhindert, Bürger und Einwohner unausgeplündert, Frauen und Jungfrauen ungeschändet’, und der Garnison freien Abzug verstatte. Ließe sich der Feind darauf nicht ein, so sollte der Oberst ‚einen geringen Angriff ausstehen’, für einen stärkeren wurde ihm anheimgestellt, ‚zu thun, was zu Erhaltung der Soldateska dienen und ihm als einem redlichen Soldaten und Obristen rühmlich und verantwortlich sein möge’. Zu seinem Glück kam Volkmann gar nicht dazu, nach dieser Instruktion zu handeln. Es waren kaum zehn Tage nach seinem Einrücken vergangen, da stellten sich schon die Bürger mit lauten Klagen ein. Die ‚zugrunde enervirte’ Stadt könne den Unterhalt der Truppen, der in der kurzen Zeit schon an 1200 Taler gekostet habe, nicht länger aufbringen. Sie verlangten, daß vom Lande Proviant herbeigeschafft würde, dass auch die jetzt aus Berlin fortgezogenen Untertanen zu der Kontribution beisteuerten. Vor allem weigerten sie sich hartnäckig, neben der Soldateska auf Wache zu ziehen. Der Kurfürst verwies ihnen ihr ‚Sperren’ sehr ungnädig als ‚eine hohe Unvernunft’, als ‚Anzeig eines geringen Gehorsams und Affektion’ gegen die Person des Landesherrn. Aber die Berliner gaben nicht nach. Sie wollten der Besatzung überhaupt ledig werden, weil ja der Feind durch Widerstand nur gereizt würde. Das stellten sie dem Herzog Franz Albrecht zu Sachsen vor, der im Auftrage Wallensteins zu Verhandlungen nach Berlin gekommen war, und baten ihn, beim Kurfürsten für sie zu sprechen. Georg Wilhelm hat ihnen tatsächlich diesen Wunsch erfüllt. Das Regiment, das noch nicht drei Wochen in der Stadt lag, rückte ab, nachdem der Rat dem Obersten noch einen Schuldschein über 210 Taler nicht bezahlte Unterhaltungsgelder ausgestellt hatte, und die Bürger bezogen wieder in eigener Person die Torwachen. Auch der Kurfürst hielt nun diese Verteidigung gegen streifende Rotten für ausreichend. Sei der Feind übermächtig, so sollten sie auf eine möglichst günstige Kapitulation dringen. Das war am 16. Oktober. Schon sechs Tage später legte der Kurfürst das Regiment wieder nach Berlin, dazu außerdem 200 schwedische Reiter, die Feldmarschall Banér zur Verfügung gestellt hatte. Die nächste Zeit verlief sehr unruhig. Fortwährend kamen bedrohliche Nachrichten aus Frankfurt,[37] aus Landsberg[38] und anderswoher. Die kurfürstlichen und schwedischen Soldaten in der Stadt kehrten sich nicht an die Wachordnung und gingen nachts durch die Tore ein und aus, was den Rat zu einer Beschwerde beim Kriegsrat veranlaßte, der an Stelle des Geheimen Rates jetzt die Geschäfte führte, und zwar in Spandau,[39] wo er sicherer war. Am 3. November zeigten sich feindliche Reiter bei Cöpenick,[40] die zwei Mühlen ausraubten. Tags darauf kam die Nachricht, dass der kaiserliche Obristleutnant von Winß mit 500 Kürassieren[41] anderthalb Meilen von Berlin stehe. Einzelne Reiter streiften bis vor Cölln[42] und nahmen an der Hasenheide einen Schützen und einen Schäfer gefangen, wobei sie ein paar Weiber, die auf dem Felde arbeiteten, ausplünderten. Auf Volkmanns Meldung antwortete der Kurfürst, er solle die Residenz halten, es sei in kurzem Hilfe zu erwarten. Aber noch ehe dieser Befehl eintraf, verließ Volkmann auf Anordnung des in Potsdam stehenden sächsischen Generalwachtmeisters[43] [Hans Kaspar; BW] v. Klitzing die Stadt; am 7. November; am 7. November fuhr er mit seinen Leuten zu Schiff nach Spandau“.[44]

„Anfang Oktober [1633; BW] erneuerte Wallenstein seinen Angriff, den er diesmal gegen die Oder und Berlin richtete. Hals über Kopf verließ Georg Wilhelm Berlin und flüchtete sich zuerst nach Brandenburg,[45] von wo er Wallenstein auf dessen Friedensangebote eine klare Absage zuteil werden ließ. Dann setzte der Kurfürst seine Flucht nach Stendal[46] fort, nachdem er von Banér die Zusage erhalten hatte, etwa 1000 Mann Kavallerie nach Brandenburg zu schicken, das der Feind sich unserer beiden alte und Neuen Statt Brandenburg nitt bemechtige. Bald darauf erschienen auch die brandenburgischen Obristen Volkmann und [Dietrich v.; BW] Kracht in Brandenburg, um die Befestigungsanlagen dieses Ortes einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. In ihrem Bericht an den Kurfürsten heißt es, daß die Wälle und Schantzen sehr zu Grunde gehen, ja bereits bald gar eingefallen sein. Banér hielt Wort. Gegen Ende Oktober entsandte er das Kavallerieregiment v. Sparenburg [Jost Matthias v. Sparrenberg; BW] ins Havelland und stellte die Sendung weiterer 1000 Mann unter dem Obristlieutenant Wendel v. Bomsdorf in Aussicht. Am 27. Oktober konnte der schwedische Resident in Berlin, Transehe, dem Kurfürsten melden, daß auch bei unser Veste [Spandau[47]] einiges von dem Generalen Banier commandirten Schwedischen Volk zu mehrer Verwahrung derselben ankhommen. Dem Obristen Volkmann solle nur bald Befehl erteilt werden, den Kapitän Forchheimer mit seinem Volk aus Spandau abzuberufen, damit die Schweden die Festung besetzen könnten. Trotzdem nun alle Pässe des Havellandes besetzt wurden, glaubte der Kurfürst das Havelland noch nicht hinreichend gegen Feinde gesichert. Daher machte er am 9. November ‚aus Stendal dem Havelländischen Kreise bekannt, das, da die Gefahr vom Feinde von Tage zu Tage größer würde und alle Rettungs-Mittel, wenn sie nicht unverzüglich vorgenommen würden, kraftlos werden möchten, ohngeachtet man stündlich auswärtigen Entsatz gewärtig wäre, das Land-Volck aus Städten, Flecken und Dörfern, wie auch die Lehn-Pferde, vornehmlich aus den der Gefahr nächsten Kreise, dem Havelländischen, Ober-[48] und Nieder-Barnimschen,[49] auch Teltowschen[50] ungesäumt zusammen gebracht u. gegen Feinde ausgeführt werden müßte. Es sollten also obgemeldete Kreise, ohne Zeit zu verlieren, ihr Land-Volck aus Städten, Flecken, Dörfern, wie auch die Lehn-Pferde, nachdem sie dieselben mit Waffen, Munition, Unterhalt u. aller Zubehörung gebührlich versehen, nach denen Städten Alt- und Neu-Brandenburg als dem rendez-vous fortgeschickt und gestellet werden. Der Obrist-Lieut. Michel Lemke, dem der Churfürst das Commando aufgetragen, solle sie dort befehligen’“.[51]

„Am 22. November [1633; BW] brach er [Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar; BW] von Erfurt[52] auf und begab sich über Oldisleben[53] nach Sangerhausen.[54] Seine Regimenter ließ er zunächst in ihren Quartieren bei Frankenhausen[55] und Wiehe[56] zurück. Von Sangerhausen aus sandte er an Arnim und Franz Albrecht [v. Sachsen-Lauenburg; BW] Schreiben, in denen er ihnen die Absicht kundtat, sich mit der sächsischen Armee zu verbinden. Er bat Arnim oder, wenn dieser nicht von der Armee abkommen könnte, Franz Albrecht zu einer Unterredung nach Wittenberg.[57] Am Abend des 25. November traf er in Magdeburg[58] ein. Am 26. hatte er eine Unterredung mit Fürst Ludwig und Baner. Er verlangte von Baner, sich seinem Kommando unterzuordnen, versicherte aber, daß er selbst nur den Titel des Oberbefehlshabers, Baner dagegen die eigentliche Führung haben sollte. Dieser erklärte, sich dem Herzog gern unterordnen zu wollen, wenn der Reichskanzler damit einverstanden sei. Einen Revers zu unterschreiben, wie Wilhelm es forderte, lehnte er ab, weigerte sich auch, Truppen zu Arnim zu senden. Er hoffe, es werde ihm nichts ‚anderes zugemutet werden, als was zu meines Vaterlandes und dero mitalliiierten evangelischen Kurfürsten und Stände Respect, Dienst und Wohlfahrt gereicht und auch meiner vorigen Charge und bisher wohlerlangten Reputation gemäß’ sei. Auch mit dem Obersten von der Heyden, den Kurfürst Georg Wilhelm ihm nach Magdeburg entgegengeschickt hatte, und der ihn und Baner zur Eile antreiben sollte, traf er zusammen. Mit diesem und Baner hoffte er nach Brandenburg zu reisen, doch wurde Baner durch Krankheit davon abgehalten und gab ihm nur ein Schreiben mit, in dem er sich auf Wilhelm bezog und die getroffene Unterredung andeutete.

Trotz dieses Mißerfolgs gab der Herzog seinen Plan nicht auf. Er befahl seinen Truppen, aus ihren thüringischen Quartieren aufzubrechen, nach Halle[59] zu marschieren, dort über die Saale zu gehen, den Weg, ohne die Fürstentümer Anhalt zu berühren, nach Wittenberg zu nehmen und sich diesseits der Elbe zu lagern. Er selbst reiste in Begleitung von der Heydens am 28. November von Magdeburg ab und traf am Abend desselben Tages in Brandenburg beim Kurfürsten ein. Hier kam am 30. November zwischen beiden ein Abkommen zustande. Herzog Wilhelm erklärte sich bereit, seine und die Truppen, die Baner schicken werde, an die Oder zu führen und sie zur Rückeroberung Frankfurts[60] und Landsberg[61] mit denen Arnims zu verbinden. Nach gemeinsamem Beschluß sollten die kriegerischen Maßnahmen getroffen werden, jeder Heerführer seine Truppen aber selbst befehligen und keiner dem andern untertan sein. Zunächst aber sollten Wilhelms Truppen sofort nach Brandenburg zur Deckung der Havel- und Spreepässe marschieren. Die brandenburgischen Truppen unter Oberst Volkmann, die später dem Kommando des Herzogs unterstellt werden sollten, sollten inzwischen an die Oder zur Belagerung Frankfurts vorangehen.

Wilhelm hatte außerdem gefordert, auch alle übrigen, jetzt noch Arnims Befehl unterstehenden brandenburgischen Regimenter von Sachsen abzuziehen und ihm zu unterstellen. Georg Wilhelm ließ sich aber darauf nicht ein. Er meinte, es würde Sachsen befremden, zumal die sächsische Armee[62] schon in brandenburgischen Landen stehe und diese vom Feind befreien wolle. Dagegen war er bereit, diese Regimenter bei sich zurückzubehalten, wenn Arnim nach Sachsen zurückgehe, und sie neben dem Obersten Volkmann zu den schwedischen Truppen und ihren Verbündeten zu stoßen. Er behielt sich jedoch das Oberkommando darüber vor. Auch Wilhelm sollte seine Truppen jederzeit, wenn er sie nötig hätte, abfordern zu können”.[63]

1640 führte Volkmann ein Fußregiment von 6 Kompanien, insgesamt 500 Mann.[64] Am 1.12.1640 sollen es 800 Mann gewesen sein.[65]

Das „Theatrum Europaeum“[66] konstatiert für 1641: „Nachdem dann die Käiserl. unterm General [Martin Maximilian v. der; BW] Goltzen Anfangs meistentheils im Groß-Glogauischen[67] die Winter-Quartier und zwar zu Groß-Kotzen[68] / darnach auch zur Neyß[69] daß Haupt-Quartier genommen / und also General-Major Stalhans [Stålhandske; BW] die seine zu Beuten[70] gehabt : doch seynd sie auch zu beyden theilen / wie es die Gelegenheit geben und leiden wollen / hin und wieder gezogen / und hat Stalhans diß Jahr so viel als voriges nicht verrichtet / sondern nur abgenommen : theils Chur-Sächs. seynd bey den Käiserl. gewesen / denen man ihre Winter-Quartier im Oppelischen[71] und Ratiborischen[72] gemacht.

Die Käiserl. unter dem Gen. Goltzen haben auß Preslau[73] dieses Lob und Zeugnüß gehabt / daß sie unerhörten grossen Schaden gethan / keines Menschen verschonet / wie sie dann im Eingang deß Jan. einen vom Adel / deß Geschlechts ein Sauerman / auff seinem Schloß Zöllditsch[74] / darum daß er sein Pferd nicht alsbalden hergeben wollte / todt geschossen. Die Goltzischen verstärckten sich mit 13. Regim. auß Böhmen / und Stalhans gieng auff sie mit desto stärckern Parteyen / bißweilen auch mit vollem Marche / und schwächte sie sehr / brachte auch seine Beuten nach Beuten[75] meistentheils ungehindert. Er suchte auch die 3 Brandenburgischen Comp. in Cotbuß[76] heim / die vor ihm wichen / und nahme auch Winter-Quartier eine Zeitlang zu Sagan.[77] Ob nun wol Berlin und Cölln[78] an der Spren mit Volck ziemlich wol besetzet war / darinnen der Obrist Kracht und Obrister Volckman sampt den Goldackerischen und Burgsdorffischen Reutern / auch die Kruringische Tragoner lagen : So wollte doch Herr Stadthalter Graff von Schwarzberg nicht trauen / sondern begab sich nach Spandau / deme die andern vornehmste von Räthen und Handelsleuthen mit ihren Gütern folgten“.[79]

„Am 5. Januar 1641 kam von Spandau her die Nachricht, der schwedische General Stalhans [Stålhandske; BW] rücke mit starker Macht auf die Residenzen an. Niemand wußte genaueres, die abenteuerlichsten Gerüchte gingen; schließlich wurde die Beunruhigung so stark, daß die ‚vornehmsten’ Leute ihren wertvollsten Besitz auf Wagen luden und nach Spandau flüchteten. Gegen 9 Uhr abends erhielt der Rat endlich aus der Nachbarfestung ein Schreiben des Statthalters. Danach war Stalhans mit 200 Mann zu Fuß, 1500 Reitern und 8 Geschützen nach Kottbus[80] gerückt, und der kurfürstliche Rittmeister v. Strauß hatte sich noch rechtzeitig von dort auf Peitz[81] zurückziehen können. Es drohte also keine unmittelbare Gefahr. Aber aus der Angabe von Gefangenen und aus andern Nachrichten ergab sich, daß Stalhans’ Absicht auf die Residenzen ging; er habe besonderen Befehl von Banér, die Städte ‚zu ruiniren und in Brand zu stecken’. Dieses Schreiben wurde am nächsten Morgen nach der Frühpredigt bekanntgegeben; die Bestürzung und Verwirrung war unbeschreiblich. Wer konnte, eilte aufs Rathaus, um hier noch Schlimmeres zu hören. Denn inzwischen war der Kommandant erschienen und hatte dem Magistrat einen Befehl des Statthalters über die Verteidigung der Stadt vorgelegt. Bürgerschaft und Besatzung sollten mit vereinten Kräften den Feind abwehren. Zur Verstärkung waren die Regimenter [Hartmann v.; BW] Goldacker und Lüdicke [Marcus v. der Lütke; BW] nach Berlin kommandiert. Griff Stalhans noch vor ihrer Ankunft an, so waren die Städte nach Möglichkeit zu verteidigen und im Notfall ‚vermittelst eines guten und honorablen Akkords das Volk – die Truppen – zu salviren und nach Spandau zu führen’. Wenn Kracht aber die Reiterei bei sich habe, sollte er ‚die Städte aufs äußerste defendiren und eher sein Blut und Leben vergießen, als dieselbe in Feindes Gewalt kommen lassen’. Es war zum ersten und auch einzigen Mal in dem ganzen Kriege, daß für Berlin ein solcher befehl gegeben wurde. Die Niederlegung der Vorstädte überließ Schwartzenberg der kriegskundigen Entscheidung des Obersten. Fürs erste sollte er die Spree von Cöpenick[82] bis Lützow[83] aufeisen lassen lassen, um dem Feinde das Herankommen zu erschweren.

Am schlimmsten war von allen diesen Bestimmungen die Reitereinquartierung. Noch am gleichen Tage rückten die zwölf Schwadronen ein. Die Quartierherren des Rats bemühten sich vergeblich, die 1300 Reiter gerecht zu verteilen. Über dreißig Bürger verließen abends ihre Häuser, um diesem Schrecken zu entgehen; so wurden die Quartiere überfüllt. In einem Hause, in dem schon einige von Krachts Leuten lagen, mußten noch zehn Reiter untergebracht werden. Und woher sollte man den Unterhalt für Mann und Pferd beschaffen ? Auf die dringende Bitte des Rats setzten die anwesenden Stände ein hochamtliches Schreiben an den Statthalter auf; der einzige Erfolg seiner Maßnahmen werde sein, daß die Schweden bei längerer Belagerung Teltow,[84] Havelland[85] und Zauche[86] ‚totaliter ruiniren’ würden. Die Residenz werde erschöpft und Spandau gefährdet. Schließlich würde es gehen, wie in Landsberg und Ruppin, wo die Besatzung bald den Kampf aufgegeben und die Einwohner, im Stich gelassen, alle ‚niedergemetzschet’ worden seien. Solch Unglück zu verhüten, sei der beste Ruhm. Die Stände durften eine entschiedene Sprache führen, als Rat und Bürgerschaft, die demütig bekannten, solche Strafen wie den Anzug des Stalhans mit ihren Sünden verdient zu haben, und nur die Bitte wagten, Krachts Auftrag zu mildern, damit bei zu großer feindlicher Macht auf jeden Fall ein Akkord geschlossen werde. Schwartzenberg berief sich auf den kurfürstlichen Befehl, dem Feinde Abbruch zu tun. Den Nutzen ‚Gütlicher Traktate’ vermöge er nicht einzusehen, besonders nach den Erfahrungen mit Jens [v. Haderslev; BW], [Herman; BW] Wrangel und Dewitz [Georg v. Dewitz; BW]. Stalhans werde ja durch ihre Kleinmütigkeit, zumal wenn noch die Garnison aus der Stadt genommen werde, geradezu verleitet, Ansprüche nach Belieben zu stellen, ‚seine postulata pro libitu anzustrengen’. Auch bei gütlichen Traktaten müßten sie die kurfürstliche Kontribution weiter bezahlen und täten am besten, die schon seit drei Monaten ausstehenden Summen für Kracht endlich zusammenzubringen. Den Ständen antwortete der Graf, wenn sie durchaus einen Akkord wünschten, sollten sie es auf eigene Verantwortung tun; jedenfalls müsse die Garnison freien Abzug nach Spandau erhalten. Er gab also nach. Entschieden verwahrte er sich aber dagegen, als ob die Verteidigung der Residenzen eine Aufreizung der Feinde bedeute. ‚Eine sehr fremde und bis daher nicht erhörte Art zu kriegen, wann der Feind nach seinem Willen agieren, der Kurfürst aber dies alles mit guten Augen und gebundenen Händen sehen und geschehen lassen sollte’. Die Bürger beruhigten sich keineswegs. Sie glaubten aus des Grafen Brief zu lesen, er habe die Reiterei in die Residenzen gelegt, um die Stände zu zwingen, endlich die Anweisungen für den Unterhalt der Truppen auszugeben, und außerdem schien es, als ob er überhaupt keine Unterhandlungen zulassen wollte. Schwartzenberg wies sie auf den Befehl für Kracht hin und ermutigte sie. Er rechnete so: Stalhans mußte einen Teil seiner Macht zur Deckung gegen Peitz[87] in Kottbus zurücklassen; gegen das Übrige war die jetzige Besatzung der Residenz, zumal wenn die Bürger noch dazu kamen, stark genug. Und mit den 8 Regiment- oder Feldstücken,[88] die der Schwede mit sich führte, waren doch weder Mauern zu brechen noch Breschen zu stürmen. Im Rathause scheine man die Bürger ängstlich zu machen; sie könnten sich leicht ausrechnen, wie der Feind handeln werde, wenn er höre, ‚daß man auf den Fall seiner Ankunft schon auf den Sprung eines Akkords und Übergabe stehe’. Die Bürger wußten nun, woran sie waren.

Um die Residenz vor einer Überrumpelung zu sichern, hatte der Statthalter das feste Haus in Zossen, das den Übergang über die Rotteniederung deckte, mit einer Kompanie besetzen lassen. So wurde Stalhans in seinem Vormarsch eine Woche lang aufgehalten. Während hier vier Meilen vor den Toren der Residenz gekämpft wurde, durchlebten die Berliner böse Tage. Es war ja nicht allein die Furcht vor einem Überfall, der täglich zu erwarten war. Die Stadt sah jetzt schon aus, ‚als wenn der Feind darin dominierte, daß einem die Berge zu Haare standen’. Jetzt war noch das Regiment Volkmann nach Berlin geschickt worden. Weit über 2000 Mann lagen in der Stadt. Täglich kam es zu Ausschreitungen. Der Statthalter hatte den Rat wiederholt aufgefordert, die Namen der Missetäter zu nennen, allgemeine Klagen könne er nicht verfolgen. Aber die Bürger werden sich wohl gescheut haben, ihre Einquartierung anzuzeigen; sie mochten die Rache der Bestraften fürchten. Diesen unerquicklichen Zustand hatte freilich die Stadt zum Teil selbst verschuldet. Als im Dezember die Landstände die Geldanweisungen für den Sold der Reiterei abgelehnt hatten, war bei den Verhandlungen, wie Schwartzenberg später an den Kurfürsten berichtete, ‚Berlin am schwierigsten gewesen’. Nun mussten die Bürger zum Quartier auch noch die Kost geben. Das führte natürlich täglich zu Reibereien zwischen Wirt und Einquartierung; denn die Soldaten steigerten ihre Ansprüche ins ungemessene. Auf Befehl des Kommandanten mussten außerdem für die Soldaten, die auf Posten zogen, täglich 8 Tonnen[89] Bier geliefert werden.

Da kam die Nachricht vom Fall des ‚Hauses’ Zossen; der Tod des tapferen Kommandanten hatte die Kompagnie schließlich zur Übergabe veranlaßt.[90] Kracht ließ sich zu seiner eigenen Sicherheit noch einmal vom Grafen die Vollmacht zum Abbrennen der Vorstädte erneuern. Schwartzenberg schärfte ihm ein, zeitig festzustellen, ob der Feind auch ‚wirklich anrücke. Am 18. Januar zeigten sich die Spitzen der Schweden an den cöllnischen Weinbergen. Sofort gab Kracht der Reiterei den entscheidenden Befehl. Als wenn eine wilde Meute losgelassen wurde, so brachen die Soldaten in die Cöllner Vorstadt ein. Sie arbeiteten gründlicher als die Krachtschen Musketiere das Jahr zuvor. Sogar die Offiziere beteiligten sich daran, an ihrer Spitze Kracht und die drei Herren von Goldacker [Burkhard, Caspar u. Hartmann v. Goldacker; BW], die persönlich brennende Fackeln in die kurfürstlichen Häuser auf dem Werder warfen. Fast alle Gebäude brannten bis auf den Grund nieder, nur wenige blieben, die geringeren Schaden litten. Die Vorräte auf dem Cöllnischen Holzgarten wurden zum großen Teil vernichtet, die Ostbäume ein Raub der Flammen. Selbst das Hospital verschonte man nicht. Die Soldaten gingen bei ihrem Werk ohne jede Rücksicht vor; sogar jenseits des ‚Kirchleins Jerusalem’ wurde ein Wohnhaus angezündet, das wegen der großen Entfernung die Verteidigung der Mauern nicht im geringsten hindern konnte. Inzwischen hatte der Kommandant einen Teil der Reiter gegen den Feind aufsitzen lassen. Der Ritt glückte: über 360 Gefangene und ebensoviel Pferde brachten die Brandenburger ein. Die übermütigen Reiter feierten ihren Sieg auf Kosten der Bürger, die angesichts dieses leichten Erfolges um so mehr überzeugt sein mußten, daß die Abbrennung der Vorstädte völlig überflüssig und geradezu unverantwortlich war. Die Reiter beuteten das fette Quartier gehörig aus. Es muß ein wüstes Treiben gewesen sein. Die Städte haben sich später bitter über ‚der Cavallerie Schwelgerei’ beklagt, ‚welche sie ungescheuet ihre Berlinische Hochzeit öffentlich genannt haben’. Nicht bloß in den Bierschenken und auf den Gassen machten sich Wut und Empörung Luft,, ‚auch auf allen Kanzeln war ein solch Schelten und vermaledeien zu hören’, daß es schien, als würden sich die Berliner der Fortführung der Schwartzenbergschen Defensionspolitik mit Gewalt widersetzen. Der Diakon M. Krautheim sollte bei der Predigt in der Petrikirche sogar gesagt haben, daß ‚der armen Spittelleute ihr Gebet viel thätiger als der Brenner ihre Karthaunen, denn es doch dazu kommen würde, daß sie den Degen in die Scheide und die Trommel in den Sack stecken und zu dem Loch, das der Zimmermann am größten gelassen, hinauslaufen würden’. Sofort begab sich der Oberstleutnant des Regiments Kracht, der Komtur von Goldacker, ein Vetter des Reiterführers, zum Propst und beschwerte sich in aller Form. Die Offiziere ‚könnten ferner nicht leiden, für böse Leute und Landesverderber ausgerufen zu werden’, sie seien auch Christen und kurfürstliche Untertanen. Der Propst wandte ein, es sei doch wohl ‚etwas geschwinde mit solchem Band verfahren worden’, und überdies würden seine ‚Pfarrkinder von einesteils übel disziplinierten Reitern und Soldaten mit Einquartierung, übermäßigem Fressen und Saufen, ja wohl gar harten Schlägen, Prügeln, nächtlich ungestraften Einbrechen und ehrenrührigen Worten, samt wären die Bürger Schelme, Diebe und Rebellen, übel traktiert’. Darum ‚haben wir uns unseres Strafamtes, weil sie in unsere Gemeine kommen, billig angenommen und mit dem feuerbrennenden Eifer göttlicher Rache sie angeschrien’. Er versprach aber, auf seine Kollegen einzuwirken, und als sich dann Besuch einstellte – der Propst musste wegen Krankheit das Zimmer hüten – , endete die Unerredung sehr friedlich; Goldacker blieb noch eine Stunde, und die Herren haben ‚ihr Kurzweil und Zeit im Brettspiel miteinander vertrieben’. Zehn Tage nach ihrer Heldentat zogen die schlimmen Gäste endlich ab“.[91]

„Es war ein Irrtum, wenn die Berliner annahmen, daß nach Schwartzenbergs Tode sofort über den Frieden verhandelt würde. Gerade jetzt zogen die Schweden von allen Seiten heran, so dass die Mittelmark und so auch die Residenz förmlich eingekreist wurden. Es war zugleich eine Probe auf die Ehrlichkeit der neuen kurfürstlichen Politik.

Doch wie weit konnte man den Schweden trauen ? Militärische Vorsichtsmaßregeln durften auf keinen Fall versäumt werden. Berlin war augenblicklich keineswegs auf einen Widerstand eingerichtet. Über 80 Soldaten waren auskommandiert, eine große Zahl auf Exekution ausgeschickt. So befahlen die Geheimen Räte dem stellvertretenden Kommandanten Burchardt von Goldacker auf den auf beiden Seiten herumstreifenden Feind mit doppelter Wachsamkeit Acht zu geben. Die Warnung erwies sich als berechtigt. Kaum war eine Woche vergangen, als die Stadt plötzlich alarmiert wurde. Am Nachmittag des 14. März kamen drei adlige Herren ‚mit blutigen Köpfen’ hereingejagt und berichteten, daß sie in der verwichenen Nacht von Stalhans’ Reiterei ausgeplündert worden seien. Goldacker schickte seine wenigen Berittenen – 15 Leute – zur Erkundung hinaus, sie kamen aber bald im wilder Flucht zurückgejagt, nachdem sich drei von ihnen hatten fangen lassen; dann sah man einen Trupp sich den Gärten nähern, die vordersten standen bis an die Kapelle Jerusalem. Noch am gleichen Abend sandte der Oberstleutnant einen Boten nach Spandau, der die Kriegsräte um 12 Uhr nachts aus dem Schlafe weckte. Eilends schrieben diese an den Oberst Volkmann nach Brandenburg,[92] seine zwei Reiterkompanien nach Berlin zu schicken; Hartmann von Goldacker sollte mit der übrigen Kavallerie nach Spandau heranrücken, damit er zur Hilfe bereitstände. Der Rat in Berlin empfing die Benachrichtigung, daß das Vorhaben des Feindes verhindert werden müsse; sie würden demnächst Verstärkung erhalten und sollten sich entscheiden, ob sie es ‚auf eine beharrliche Defension ankommen lassen’ wollten. Es war das letzte Mal in diesem langen Kriege, dass die Frage an Berlin gestellt worden ist. Die Stadt wird sie wie immer verneint haben. Dafür sorgten schon die Schweden. Stahlhans’ Vorhut lag in Jüterbog.[93] Der dort kommandierende Oberst v. Dewitz gab dem Magistrat den guten Rat, Goldackers Reiter nicht einzunehmen. Stalhans würde sie dann so einschließen, ‚dass sie einander auffressen müßten’. Sie täten besser, ‚dafern es den Herrn um den lieben Frieden zu thun ist, sich als neutrale Leute zu halten’. Dewitz hatte von seinem General den Teltowschen[94] Kreis zugewiesen bekommen und ging daran, von Cölln und den kleineren Städten Kontribution einzutreiben“.[95]

„Die Landesherrschaft geriet dadurch [durch den Einfall schwedischer Truppen; BW] in arge Bedrängnis, um so mehr, als die Befehlshaber der im Havellande stationierten Truppen keine Lust bezeigten, den Schweden ernstlich entgegenzutreten. Die in Rathenow[96] liegenden Kompanien von der Osten und Tembler wussten auf ein Hilfegesuch der besonders gefährdeten Stadt Rathenow nichts besseres zu tun, als drei Scheunen, so bei vorgestandener oftmahligen Belagerung weder von Feindt noch Freundt und bei Einäscherung der gantzen Vorstadt und Scheunen allemahl geblieben, zum Entsetzen der Bürger abzubrennen. Ohnmächtig mußte die Landesherrschaft das alles geschehen lassen. Sie mußte froh sein, daß sich jetzt Burgsdorff, Volkmann und Goldacker bereit erklärten, nach dem gefährdeten Rathenow zu marschieren. Kaum aber waren diese Truppen am 24. März in Rathenow angelangt und hatten sich an Ort und Stelle von der äußerst bedrohlichen Lage dieser Stadt überzeugt, da hatten sie auch schon hier nicht Stand zu behalten sich vorgenommen. Noch am gleichen Tage wollten sie die Stadt wiederum verlassen. Die Zeit bis zum Abmarsch wussten nun die kurfürstlichen Truppen nicht besser auszufüllen, als mit einer allgemeinen Plünderung Rathenows. Verschiedene Häuser, sogar das Rathenower Armenhaus auf dem Kirchhof, wurden vollständig ausgeplündert. Roggen, Gerste, Malz, Käse, Speck, Fleisch, Wurst, Butter, Wachs, Leinwand, Bier, Wein, Betten, eiserne Nägel, Kleider, Gewürz, überhaupt alles, was die Soldaten in den Häusern vorfanden, wurde den Rathenowern fortgenommen. Kisten und Kasten wurden zertrümmert und Leute verprügelt. Sogar an dem Verteidigungsgerät der Stadt vergriffen sich die Plünderer. 25 doppelte Hacken wurden ins Wasser geworfen, nachdem das einzige in der Stadt vorhandene Falkonett schon vorher von den Ostenschen Soldaten beseitigt worden war. Ärger als die schlimmsten Feinde hausten die zum Schutz der Stadt bestimmten Soldaten, ohne dass ihnen das Treiben von den Offizieren untersagt worden wäre. Die Offiziere haben teils untätig zugesehen, teils wie der Rittm. Straußen, sein eigen Quartier ausräumen laßen. Die Rathenower waren überglücklich, als diese Helfer samt und sonders ihrer Stadt den Rücken kehrten, um sich nach Brandenburg[97] zu begeben“.[98]

1638 lag Volkmann zusammen mit Dargitz in Frankfurt/Oder,[99] dann ging er nach Küstrin. Im Juni 1640 gelang ihm die Wiedereinnahme von Lenzen.[100]

In der Chronik der Stadt Beelitz[101] heißt es: „Den 16. Januar [1641; BW] sandte der Obrist Schulmann von den Schweden mit einem Schreiben hierher, wir sollten ihm 6 Faß[102] Bier, 20 Scheffel[103] Hafer, etwas Butter und 1000 Pfund Brod schicken, wozu er Wagen sendete, die hier zurückblieben, während die Reiter – nur wenige waren es – die mitkamen, Wagen von den Dörfern holten, die den Proviant fahren sollten. Da aber kaum noch eine Hand voll Bürger hier waren, vermochte man soviel Proviant nicht aufzubringen; doch willigte man 1 Faß Bier, 10 Scheffel Hafer und Brod von 3 Scheffeln Roggen. Als nun die Wagen damit beladen waren, wollten die Abgesandten sofort damit weg. Allein ein unzüchtiges Frauenzimmer fand sich zu einem der Reiter, der ein Papist[104] war, daher wurden die anderen von dem Buben bis auf den folgenden Tag zu bleiben angehalten. Unterdeß kommt das Gerücht nach Brandenburg,[105] Beelitz habe schwedische Guarden, worüber der Obrist Volkmann, (kaiserlicher) der in Brandenburg damals lag, etliche wenige Reiter hierher schicken und lässet in der Nacht unsere Guarden sammt dem Musterschreiber und noch einen, der gekommen war, Proviant zu holen, aufheben und gen Brandenburg bringen.

Der unzüchtige Soldat aber lag in einem andern Quartier – und ward nicht ertappt. Am Morgen, da kund ward was geschehen war, machet sich der Schandbube auf und bringt vor, wir hätten Sie verrathen und deshalb nach Brandenburg geschickt, auch wären etliche Reiter erschossen: was Alles nicht wahr war. Obgleich die Bürger allhier einen Boten ins Lager schickten und ihre Entschuldigung vorbrachten, so ward bald aus dem schwedischen Lager die Order ertheilt, man solle die Stadt rein ausplündern und hernach der Feuersbrunst übergeben, worauf denn auch den 21. Januar sofort 1500 Reiter mit etlichen 30 großen Wagen hierher kamen, welche aufluden so viel sie nebst den Reitern fortzubringen vermochten, und es sollte auch an verschiedenen Orten die Stadt angezündet werden, welches auch geschehen wäre, wenn nicht durch mein besseres Informiren, emsiges Flehen und auch fleißiges Anhalten zweier oder dreier Bürger, die man ertappt hatte, dies noch endlich abgewendet worden wäre; doch dabei mußte schriftlich versprochen werden, den aufgehobenen Soldaten und den Musterschreiber nebst Allem, was ihm wäre abgenommen worden wieder zu beschaffen.

Wie grausam man aber in dieser Plünderung verfahren, ist nicht zu beschreiben. In der Kirche ward alles zu nichte gemacht, auch durfte der arme zinnerne Kelch, welchen wir wieder angeschafft hatten, nicht unbemakelt gelassen werden, denn man nahm ihn und soff daraus, hernach mußte er gottloser Buben Nachtgeschirr sein, zuletzt nahm ihn ein Trompeter, trug ihn in die Kirche und setzte ihn auf eine der Ecken des Altars, wo man ihn gefunden.

Aus der Pfarre hatte dieser Trompeter auch ein oder das andere Buch mit weggenommen, die andern aber lagen über einen Haufen, mit Tinte begossen, mit Federn bestreut und mit Menschenkoth beschmutzt. Etliche der Unsern wurden da sehr geschlagen und sehr übel zugerichtet, weil sie kein Geld hergeben oder nachweisen konnten. In Summa: es ging so gut, daß es kein Türke[106] hätte ärger machen können, obgleich die Partei doch endlich gegen die Nacht schon sich fortmachte. Wir waren aber lange danach noch nicht sicher, denn weil die armen Bürger so viel Geld zusammenbringen konnten, damit ein Paar Personen gelöset wurden, auch der Obrist in Brandenburg nicht 10 Thaler der ganzen Stadt zutrauen wollte, bekamen wir ein über das andre mal ein starkes Drohschreiben, daß man die Stadt wolle einäschern; wie denn auch am 3. März – am Bußtage unterm Frühgebet – etliche Reiter hereinfielen mit Order, ein Paar vornehme Rathsherren zu bringen, oder wenn diese nicht zu erwischen wären, Feuer hinter sich zu lassen. Da traf das Unglück unsern Herrn Richter, Rathskämmerer und kurfürstlichen Zoll- und Ziese-Einnehmer[107] Namens Peter Thiel, der wurde sammt noch einem vornehmen Bürger nebst 7 Pferden, deren allein noch soviel in der Stadt waren, nach Sonnenwalde[108] mit hinweggenommen und von da weiter bis nach Luckow[109] hinauf; sie wollten auch diese so lange und so weit behalten, bis wir 1000 Thaler schickten, von welchen der Oberlieutenant Sack nimmer weichen wollte. Obgleich man sich aber wohl stark bemühte, etwa 200 oder 300 Thaler aufzubringen und dieselbe zu leihen, auch der ganzen Stadt Einkünfte, Rechtsame und Freiheiten zum Unterpfand zu setzen sich erbot, so war doch bei allen denen, die man ersuchte, die Liebe erloschen und die Barmherzigkeit eiskalt geworden. Da mussten sich also unsere Gefangene der Gnade Gottes allein ergeben und die harten Drohworte, wie man sie wolle in die Eisen schmieden oder gar erhängen, in sich fressen. Da sich aber unser Herr Richter bei den schwedischen Herren Offizieren ziemlich beliebt zu machen wußte, wurden sie ihm hold; sonderlich ein Major, der nicht lesen und schreiben konnte, gebrauchte ihm zum Schreiber, vertraute ihm das Siegel und erzeigte ihm alles Gute. Dessen ungeachtet ward dem neuen Schreiber die Zeit lang, weil man ihn in die 4 Wochen dort behielt und er gedachte, wie er mit List möchte wieder von der schwedischen Armee loskommen, welches ihm auch gelang; denn gegen den damals heranrückenden Monat Mai bat er, daß man seinen Mitgesellen, den Bürger und Bier-Gewerken,[110] Valentin Gratz genannt, auf Parole möchte herabsenden, um nach Geld zu fragen. Er befahl ihm aber zurückzubleiben und nicht wieder zu kommen. Obengenannter Herr Thiel hat sich aber in Cottbus eine Haarkappe machen lassen wie sie die wendischen Priester trugen. Als nun P. Thiel mit einem Reiter gegen den 1. Mai gesandt wird um der Frau Majorin etwas zu kaufen, – der Reiter aber nach der Bier-Pullen[111] sich umsieht, ergreift Herr Thiel die Haarkappe, läßt sie einen Boten zum Thore hinaustragen; er aber wandert zum andern Thore hinaus und, da sie draußen zusammenkommen, setzt er die Haarkappe auf, nimmt auch ein Büchlein mit sich und, wenn ihm Truppen begegnen, stellt er sich, als lese und meditire er auf den Sonntag Quasimodogeniti,[112] ging also, wie man im Sprüchwort weise redet, als ein Holländer durch, dann endlich in die Veste Peitz[113] und zuletzt von Berlin nach etlichen Wochen wieder zu Hause an, woselbst er auch noch bis ins 11. Jahr lebte“.[114]

1641 wurde das Regiment reformiert und die Offiziere wurden entlassen.[115]

[1] MÖRNER, Kriegsobristen, S. 242.

[2] http://www.grosser-generalstab.de/regiment/bredow/bw001.html

[3] Stralsund [Kr. Stralsund]; HHSD XII, S. 292ff.

[4] Vgl. auch CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[5] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[6] Kapitän: Der Hauptmann (schwed. Kapten) war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden sogenannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste.  Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Compagnie wurde er als Capitain bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Capitain-Lieutenant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obrist-Lieutenant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[7] JÜRGENS, Chronik, S. 398. Jürgens datiert nach dem alten Stil.

[8] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[9] hochbetreten: eilig antreffen.

[10] Celle; HHSD II, S. 94ff.

[11] Intercession: Fürbitte, Vermittlung, Intervention; juristisch auch Einrede gegen eine aus einem gültigen Rechtsgeschäft erhobene Forderung.

[12] Hameln; HHSD II, S. 192ff.

[13] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[14] JÜRGENS, Chronik, S. 427f.

[15] Vgl. HEIBERG, Christian 4.

[16] Linden (Stadt Hannover); HHSD II, S. 298f.

[17] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[18] streuvisch: aufsässig, widerspenstig ? Um Hinweise wird gebeten !

[19] Linden (Stadt Hannover); HHSD II, S. 298f.

[20] Stolzenau [Kr. Nienburg]; HHSD II, S. 444f.

[21] Nienburg/Weser; HHSD II, S. 346f.

[22] JÜRGENS, Chronik, S. 431.

[23] Stralsund [Kr. Stralsund]; HHSD XII, S. 292ff.

[24] Friede von Lübeck vom 22.5.1629 zwischen Ferdinand II. und Christian IV. von Dänemark: Der König und sein Sohn verzichteten auf die norddeutschen Stifte.

[25] Obristleutnant: Der Obristleutnant war der Stellvertreter des Obristen, der dessen Kompetenzen auch bei dessen häufiger, von den Kriegsherrn immer wieder kritisierten Abwesenheit – bedingt durch Minderjährigkeit, Krankheit, Badekuren, persönliche Geschäfte, Wallfahrten oder Aufenthalt in der nächsten Stadt, vor allem bei Ausbruch von Lagerseuchen – besaß. Meist trat der Obristleutnant als militärischer Subunternehmer auf, der dem Obristen Soldaten und die dazu gehörigen Offiziere zur Verfügung stellte. Verlangt waren in der Regel, dass er die nötige Autorität, aber auch Härte gegenüber den Regimentsoffizieren und Soldaten bewies und für die Verteilung des Soldes sorgte, falls dieser eintraf. Auch die Ergänzung des Regiments und die Anwerbung von Fachleuten oblagen ihm. Zu den weiteren Aufgaben gehörten Exerzieren, Bekleidungsbeschaffung, Garnisons- und Logieraufsicht, Überwachung der Marschordnung, Verproviantierung etc. Der Profos hatte die Aufgabe, hereingebrachte Lebensmittel dem Obristleutnant zu bringen, der die Preise für die Marketender festlegte. Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, waren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen notwendig. Nicht selten lag die eigentliche Führung des Regiments in der Verantwortung eines fähigen Obristleutnants, der im Monat je nach Truppengattung zwischen 120 und 150 fl. bezog. Voraussetzung war allerdings in der bayerischen Armee die richtige Religionszugehörigkeit. Maximilian hatte Tilly den Ersatz der unkatholischen Offiziere befohlen; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 236, fol. 39′ (Ausfertigung): Maximilian I. an Tilly, München, 1629 XI 04: … „wann man dergleich officiren nit in allen fällen, wie es die unuorsehen notdurfft erfordert, gebrauchen khan und darff: alß werdet ihr euch angelegen sein lassen, wie die uncatholischen officiri, sowol undere diesem alß anderen regimentern nach unnd nach sovil muglich abgeschoben unnd ihre stellen mit catholischen qualificirten subiectis ersezt werden konnde”. Von Piccolomini stammt angeblich der Ausspruch (1642): „Ein teutscher tauge für mehrers nicht alß die Oberstleutnantstell“. HÖBELT, „Wallsteinisch spielen“, S. 285.

[26] begeben

[27] Neubrandenburg [Kr. Neubrandenburg]; HHSD XII, S. 69ff.

[28] Musketier: Fußsoldat, der die Muskete führte. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. Der Hildesheimer Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet den einzigen bisher bekannten Fall (1634), dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels auch ein weiblicher Musketier in Männerkleidern gefunden habe. SCHLOTTER; SCHNEIDER; UBBELOHDE, Acta, S. 194. Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577), zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77: „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. BRNARDÍC, Imperial Armies I.

[29] intercipirt: abgefangen.

[30] BOLL, Chronik der Vorstadt Neubrandenburg, S. 153.

[31] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee” bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee”, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon.

[32] Schlacht bei Steinau an der Oder (Śinawa, K. Wohlau) am 11.10.1633: Wallenstein schlug die Schweden unter Heinrich Matthias Graf Thurn und Heinrich Jakob Duwall.

[33] Drossen [Ośno Lubuskie (LK Słubice)].

[34] Küstrin [Kostrzyn nad Odrą, Kr. Königsberg]; HHSD X,  S. 441ff.

[35] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[36] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

[37] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[38] Landsberg/Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[39] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[40] Berlin-Köpenick; HHSD X, S. 62ff.

[41] Kürassier: Kürisser, Kyrisser, Corazzen (franz. Cuirasse für Lederpanzer (cuir = Leder). Die Kürassiere waren die älteste, vornehmste und am besten besoldete Waffengattung. Sie gehörten zu den Eliteregimentern, der schweren Reiterei, deren Aufgabe im Gefecht es war, die feindlichen Linien zu durchbrechen, die Feinde zur Flucht zu nötigen und damit die Schlacht zu entscheiden. Sie trugen einen geschwärzten Trabharnisch (Brust- und Rückenharnisch, den „Kürass“), Ober- und Unterarmzeug, eiserne Stulphandschuhe, Beinschienen und Stulpstiefel mit Sporen, Schwert oder Säbel und zwei lange Reiterpistolen, die vor dem Aufsitzen gespannt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der schweren Reiterei üblich, einen knielangen Küriss ohne Unterbeinzeug zu tragen. Der Kürass wurde mit 15 Rt. veranschlagt. SKALA, Kürassiere; WALLHAUSEN, Kriegs-Kunst zu Pferd. Nach LICHTENSTEIN, Schlacht, S. 42f., musste ein dänischer Kürassier mit einem mindestens16 „Palmen” [1 Palme = 8, 86 cm] hohen Pferd, Degen u. Pistolen antreten. Der Kürass kostete ihn 15 Rt. Er durfte ein kleineres Gepäckpferd u. einen Jungen mitbringen. Der Arkebusier hatte ebenfalls Pferd, Degen u. Pistolen mitzubringen, durfte aber ein 2. Pferd nur halten, wenn er v. Adel war. Für Brust- u. Rückenschild musste er 11 Rt. zahlen. Der Infanterist brachte den Degen mit u. ließ sich für das gelieferte Gewehr einen Monatssold im ersten halben Jahr seines Dienstes abziehen. Bei der Auflösung des Regiments erhielten die Soldaten sämtl. Waffen mit einem Drittel des Ankaufspreises vergütet, falls der Infanterist noch nicht 6 Monate, der Kavallerist noch nicht 10 Monate gedient hatte; andernfalls mussten sie die Waffen ohne jede Vergütung abliefern. Der Kürassier erhielt für sich u. seinen Jungen täglich 2 Pfd. Fleisch, 2 Pfd. Brot, 1/8 Pfd. Butter oder Käse u. 3 „Pott” [1 Pott = 4 Glas = 0, 96 Liter] Bier. Arkebusier u. Infanterist bekamen die Hälfte. Die tägliche Ration betrug 12 Pfd. Heu, Gerste oder Hafer je nach den Vorräten. An das Kommissariat musste der Kürassier für Portion u. Ration monatlich 7 Rt., an den Wirt im eigenen oder kontribuierenden Land musste der Kürassier 5, der Unteroffizier 4, der Sergeant 3, Arkebusier u. Infanterist 2 1/2 Rt. zahlen. Im besetzten Land, das keine Kontributionen aufbrachte, wurde ohne Bezahlung requiriert. Ein Teil des Handgeldes wurde bis zum Abschied zurückbehalten, um Desertionen zu verhüten, beim Tode wurde der Teil an die Erben ausbezahlt. Kinder u. Witwen bezogen einen sechsmonatlichen Sold.  Zu den schwedischen Kürassierregimentern vgl. die Bestimmungen in der Kapitulation für Efferen, Adolf Theodor [Dietrich], genannt Hall => “Miniaturen”. Des Öfteren wurden Arkebusierregimenter in Kürassierregimenter umgewandelt, falls die notwendigen Mittel vorhanden waren.

[42] Berlin-Neukölln; HHSD X, S. 86ff.

[43] Generalwachtmeister: Bei den hohen Offizierschargen gab es in der Rangfolge „Generalissimus”, „Generalleutnant”, „Feldmarschall”, „Generalfeldzeugmeister”, auch den „General(feld)wachtmeister”, den untersten Generalsrang im ligistischen Heer („Generalmajor” bei den Schweden). In der Regel wurden Obristen wegen ihrer Verdienste, ihrer finanziellen Möglichkeiten und verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen zu Generalwachtmeistern befördert, was natürlich auch zusätzliche Einnahmen verschaffte. Der Generalwachtmeister übte nicht nur militärische Funktionen aus, sondern war je nach Gewandtheit auch in diplomatischen Aufträgen tätig.

[44] FADEN, Berlin, S. 186f.

[45] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[46] Stendal [Kr. Stendal]; HHSD XI, S. 447ff.

[47] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[48] Oberbarnim [LK Märkisch-Oderland].

[49] LK Niederbarnim, ehemalige Verwaltungseinheit.

[50] Teltow [LK Potsdam-Mittelmark].

[51] SCHRÖER, Havelland, S. 74f..

[52] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[53] Oldisleben [Kr. Artern]; HHSD IX, S. 327f.

[54] Sangerhausen [Kr. Sangerhausen]; HHSD XI, S. 409f.

[55] [Bad] Frankenhausen [Kr. Artern]; HHSD IX, S. 29ff.

[56] Wiehe [Kr. Eckartsberga/Artern]; HHSD VII, S. 499.

[57] Wittenberg [Kr. Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[58] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[59] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.

[60] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[61] Landsberg/Warthe [Gorzów Wielkopolski, Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 446ff.

[62] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächsische Heer (ab November 2012).

[63] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 159f.

[64] http://www.grosser-generalstab.de/regiment/bredow/bw001.html

[65] MEBES, Beiträge, S. 919.

[66] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[67] Glogau [Głogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[68] Groß Kotzenau [Chocianowiec, Kr. Lüben]; HHSSchl, S. 154.

[69] Neisse [Nysa]; HHSSchl, S. 331ff.

[70] Beuthen a. d. Oder [Bytom Odrzánski, Kr. Glogau/Neusalz]; HHSSchl, S. 25ff.

[71] Oppeln [Opole]; HHSSchl, S. 378ff.

[72] Ratibor [Racibórz]; HHSSchl, S. 426ff.

[73] Breslau [Wrocław]; HHSSchl, S. 38ff.

[74] Nicht identifiziert.

[75] Beuthen a. d. Oder [Bytom Odrzánski, Kr. Glogau/Neusalz]; HHSSchl, S. 25ff.

[76] Cottbus [Stadtkr.]; HHSD X, S. 134ff.

[77] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.

[78] Berlin-Neuköllln; HHSD X, S. 86ff.

[79] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 576; Fehrbellin [Kr. Osthavelland/Neuruppin]; HHSD X, S. 172.

[80] Cottbus [Stadtkr.]; HHSD X, S. 134ff.

[81] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.

[82] Berlin-Köpenick; HHSD X, S. 62ff.

[83] Lietzow, Ort auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Charlottenburg.

[84] Teltow [LK Potsdam-Mittelmark].

[85] Havelland [Landschaft; LK Havelland].

[86] Zauche, heute Ortsteil von Kasel-Golzig [LK Dahme-Spreewald].

[87] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.

[88] Feldstück: Wahrscheinlich ist hier die meist als Feldschlange bezeichnete „Halbe Schlange“ gemeint: langläufiges Geschütz mit großer Reichweite, Rohrlänge 32-34faches Kaliber (10, 5-11, 5 cm), schoß 8-10 Pfund Eisen. Das Rohrgewicht betrug 22-30 Zentner, das Gesamtgewicht 34-48 Zentner. Als Vorspann wurden 10-16 Pferde benötigt.

[89] 1 Tonne = 100 Stof = 114,5 Liter (Bier).

[90] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 576f. „Die Stalhansischen aber griffen auff das Schloß Zossen mit Ernst / beschossen es / und bliebe von einem Canon-Schuß der darinnen ligende Hauptman Centemeyr [Zehntmehner; BW] / dessen Lieutenant sich mit etlichen auff einen Thurn salvirte /und noch etwas wehrte / aber doch im Januario auff Gnad und Ungnad ergeben muste. Worüber die in Berlin / auß Furcht / daß sie die nächsten am Reyen werden seyn müssen / die 3. Vorstädte zu Cöllen an der Sprey theils einrissen / und darunter das Churfürstl. und andere andere Vorwercke ansteckten / auch an der Kirchen zu S. Gertraut etwas anfingen abzubrechen : daß also fast nichts als das Churfürstl. Reit- und Ballen-Hauß diß Orts stehend geblieben / welche beyde zur Defension verschanzt wurden / um welcher Defension willen man sich also menagiret hat : und kamen doch die Stalhansischen weiter nicht / als biß an dieses Zossen / allda sie den gefundenen Vorrath zuvorn verzehrten / die Thor verbrenneten / bey ungefehr 800. Mann über dieser Expedition im Stich liessen / worauff sie wieder / wo sie herkommen waren / hinkehreten : zuvorn aber aus dem Teltawischen[90] / und andern Orten herum / das Geträyde / Vieh und Pferd weg holten“.

[91] FADEN, Berlin, S. 222f.

[92] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[93] Jüterbog [LK Teltow-Fläming]; HHSD X, S. 229ff.

[94] Teltow [LK Potsdam-Mittelmark].

[95] FADEN, Berlin, S. 229f.

[96] Rathenow [Stadtkr. Rathenow/Kr. Rathenow]; HHSD X, S. 333f.

[97] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[98] SCHRÖER, Havelland, S. 99.

[99] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[100] Lenzen [Kr. Westprignitz/Ludwigslust]; HHSD X, S. 258ff.

[101] Beelitz [LK Potsdam-Mittelmark].

[102] Fass: 1 Fass = ca. 229 Liter (Berlin u. Preußen).

[103] Scheffel: 1 Scheffel = 56, 176 Liter (Mark Brandenburg).

[104] Papist: mlat. papista = Anhänger des Papstes, seit der Reformation von protestantischer Seite auch als Schimpfwort verwendet.

[105] Brandenburg [Stadtkr.]; HHSD X, S. 135ff.

[106] Türken: Für die Christenheit des 16. und 17. Jahrhunderts waren die Türken der Erzfeind schlechthin, nicht nur als militärischer Gegner während der Türkenkriege, sondern auch und vor allem im religiösen Sinne: als Antichrist. Wie die Tataren (vgl. s. v.) galten sie als grausam und gewalttätig. Vor diesem Hintergrund ließ sich dieser Feind – und seine europäischen Verbündeten – auch als rhetorische Kontrastfolie einsetzen, um eigene Verhältnisse besonders scharf zu kritisieren. Vgl. auch KAISER, „Ärger als der Türck“, zur Türken-Metapher zusammenfassend S. 161: „Durch ‚türkenhafte‘ Gewalt stellte sich der Soldat abseits der christlichen Werteordnung. Dazu musste gar nicht erläutert werden, was denn das ‚Türkische‘ sein sollte: Das Schlagwort allein evozierte eine Welt, die als Gegenentwurf zu der eigenen verstanden wurde und die für maßlose Grausamkeit stand.

[107] Ziese: GRIMM; GRIMM, DWB Bd. 31, Sp. 1228ff.: „anfangs städtische, später allgemeine verbrauchssteuer auf die wichtigsten erzeugnisse, um 1600 durch das wort accise, akzise unter erweiterung dieser verbrauchsabgabe verdrängt; verkürzt aus assise“.

[108] Sonnewalde [LK Elbe-Elster]; HHSD X, S. 358.

[109] Luckau [LK Dahme-Spreewald]; HHSD X, S. 268ff.

[110] Gewerk: Zunft.

[111] Pulle: „ein nur im Niederdeutschen übliches Wort, eine Flasche mit einem dicken Bauche, eine Bouteille zu bezeichnen“. [KRÜNITZ]

[112] Quasimodogeniti: (nach der Eingangssequenz), im Christentum der Sonntag nach Ostern auch Weißer Sonntag genannt.

[113] Peitz [Kr. Cottbus]; HHSD X, S. 307f.

[114] SCHNEIDER, Chronik der Stadt Beelitz, S. 33f.

[115] MÖRNER, Kriegsobristen, S. 242.

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