Stolberg-Wernigerode, Bodo Ulrich Graf zu

Stolberg-Wernigerode, Bodo Ulrich Graf zu; Obrist [29.5.1596 Steuerwald- 28.10.1626 Hildesheim] Bereits 1619 stand Stolberg als Fähnrich in den Diensten der Union und betrieb Werbungen in Bad Windsheim.[1] Stolberg diente bis zu seinem Tod in der dänischen Armee.

Als Tilly[2] 1626 vernahm, dass sich Mansfeld[3] in der Grafschaft Diepholz[4] festsetzen wollte und damit die Stifter Osnabrück[5] und Minden unmittelbar bedrohte, wurden ihm Gronsfeld und Anholt entgegen geschickt. Als sie zwischen Minden[6] und Hameln[7] ankamen, erhielten sie die Nachricht, dass dänische Verbände ihnen den Pass abzuschneiden drohten. Sie rückten ihnen entgegen und schlugen sie – allerdings unter dem hohen Verlust von 3.000 Mann – am 29.7.1626 bei Rössing[8] in die Flucht.[9] In der Hannover’schen[10] Chronik heißt es dazu: „Als nun Tilly in der Göttingischen[11] Belagerung vernommen, dass der Steuerwald[12] von den Königschen erobert und der Calenberg[13] blocquiret, und dass Hertzog Christians Völker auf den Dörfern um den Calenberg zerstreut gelegen, hat Tilly vor Göttingen aus den Generalzeugmeister Graf Ludewig von Fürstenberg mit theils seiner unterhabenden Cavallerie und ohngefehr 1500 Mann zu Fuß nach dem Calenberge, solchen zu entsetzen, abgefertiget. Welche zu Alfeld[14] angelanget und den 17./27. Junii von Alfelde aufgebrochen nach dem Calenberge hin zu. Unterwegens hat der von Fürstenberg Adviso bekommen, als ob die Königschen mit dem meisten Theile der Cavallerie, als 47 Compagnien, deren jede 150 bis 180 Reuter stark wären, und 3 Regimenter zu Fuß (damit sie sich um den Calenberg her befunden) gegen ihn sich gewendet und im Anzug wären. Derowegen er seinen mithabenden Obristen und Officirern tapfer zugesprochen und sich mit ihnen nach Nohtdurft beredet und solchergestalt praesentiret, dass er selbst, samt dem Obristen Furs [Nikolaus Des Fours; BW] und Obr. Erwitz [Erwitte; BW] mit 8 Compagnien Curassirern zu Pferde und 4 Compagnien Carbinern von den Schönebergischen [Otto Friedrich v. Schönburg; BW], und andern zweyen von dem Lindelohischen [Timan v. Lintelo, BW], sambt noch 6 Compagnien Curassirern von dem Schöneberg. Regiment den Vorzug genommen, darauf die Infanterie, in die 1500 stark, gefolget, und der Nachzug dem Courtenbachischen [Adrian v. Cortenbach; BW] Regiment zu Pferde, sambt den übrigen Compagnien des Cronbergischen Regiments und dem Obristen [Matthias v.; BW] Bock nebst Begleitung der Bagagien anbefohlen worden.

Es hat aber einer solchen guten Vorsichtigkeit der Tillischen diesmahl nicht bedurft, denn die Königsche in großer Sicherheit gantz zerstreuet gelegen auf den Dörfern herum weit genug von einander.

Darzu hat der Obrister Conrad Nelle zu Escherde[15] Hochzeit eben gehalten, und als ihnen Burchard von Hanensee, welcher Commendante auf der Erichsburg[16] gewesen, und von der Erichsburg kommen, in seiner dahin Ankunft angezeiget, daß die Tillische so stark im Anzug wären und sie übereilen würden, haben sie es nicht glauben wollen. Als nun die Tillische in solcher guten Ordnung zu Poppenborg[17] vorüber und auf das Dorf Rößing, nicht weit vom Calenberge[18] gelegen, ankommen, habe sie den Obristen Berend Geist und Obristen Leo Freitag, welche sich mit ihrer Reuterey fast alleine praesentiret und zur Wehr gesetzet, angetroffen, welche sich alsobald gegen die Tillischen auf einen Pistolenschuß weit avancirt und wieder etwas stille gehalten. Demnach aber die Tillische inzwischen sich versammlet und in Schlachtordnung gestellet und den Feind vor Augen gesehen, haben sie länger nicht Geduld haben wollen, bis die Retrogarde ankäme, besondern dieselben frisch und tapfer mit 32 Cornetten angegriffen, und als auf des Obr. Freyherrn von Cronburg [Cronberg; BW] 5 Compagnien Curassirer wohl 14 Compagnien Königsche chargiret, hat ihnen der von Billay [Billehé; BW], so damahls 6 Schönebergische Compagnien Curassirer commandiret, mit solcher Tapferkeit secundiret, daß sie der Königischen, denen nicht secundiret worden, Ordnung so bald getrennet und in Confusion gebracht, darin sie ohne das schon waren, weil sie vom Gesöffe unversehens zu Pferde kommen und der Tillischen von der Göttingischen[19] Belagerung so schleunig nicht vermuhtet waren. Da sie doch hätten gedenken sollen, weil sie ja Göttingen nicht entsetzen wollen, besondern dem Tilly nur eine Diversion mit der Calenbergischen Blocquirung zu machen gesinnet gewesen, daß er nicht ruhen, besondern den Calenberg entsetzen würde. Als der von Cronburg den Angriff gethan und ihn Ballay secundiret, hat auf der andern Seite der Obrist Erwidt [Dietrich Otmar v. Erwitte; BW] in die Flanke und Obr. Four [Nicolas Des Fours; BW] mit 10 Compagnien mit großer Courage und Valeur vornen her angegriffen, imgleichen haben auch die übrigen Compagnien das ihre gethan und in die Königschen dermaßen gesetzet, daß dieselben gantz und gar getrennet und in die Flucht gejaget worden, weil Obristen Geists und Freytags Reuter nicht entsetzt, besindern allein im Stich gelassen worden. Auf der Dänischen Seiten ist der Obriste Freytag sammt 6 Rittmeistern und etlichen andern Officiren auf der Wahlstid todt blieben und ein junger Graf von Stolberg, Bodo Ulrich, welcher hernach in Hildesheim begraben worden. Die Anzahl der todten Reutere, so auf der Wahlstid befunden, ist über 500 gewesen, ohne diejenigen, so in der Flucht, und insonderheit alle die Dänischen Dragouner, so mit vor dem Calenberg gewesen, nieder gehauen worden“.[20]

Nach dem Schweriner[21] Dompropst und Ratzeburger[22] Domherrn, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], ist er erst am 27.8.1626 tödlich verwundet worden: „17. Aug ist zwischen dem König zue Dänemark[23] und Graf Tilli eine Schlacht gehalten im Lande zu Braunsweig bei Lutter am Bahrenberge,[24] darin Tilli das Feld behalten, weil des Königs Reuter nicht fechten wollen, sondern davon geritten. Sind viel vornehme Officiere geblieben. Auf der Wahlstadt sind todt gefunden: Wersebe,[25] Nortproth,[26] Landgraf Philipp zu Hessen,[27] Graf zu Solms,[28] der Rheingraf[29] so Catlenburg[30] abgebrannt, General-Commissarius Sivert Powisch,[31] nebst vielen anderen hohen Officieren vnd Befehlshabern. Gefangen sind: der Obriste Lochhauschen,[32] ein Graf von Stolberg, Obriste Twachting,[33] Berent Gos,[34] Courville[35] Französischer Obrister, Gunternach,[36] Königl. Hofmarschal N., General-Commiss. Rantzow[37] hart verwundet vnd viele Andere“.[38]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] SODEN, Kriegs- und Sittengeschichte Bd. 1, S. 523; Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[2] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[3] Vgl. KRÜSSMANN, Ernst von Mansfeld.

[4] FORST, Korrespondenz, Nr. 130, S. 109: Aldenhoven an F. W. v. Wartenberg, Köln, 1625 XI 23; Diepholz [Kr. Grafschaft Diepholz]; HHSD II, S. 114f.

[5] Am 27.10.1625 war Franz Wilhelm v. Wartenberg zum Bischof postuliert worden, trotz der Bemühungen Christians IV. u. Ferdinands II., die das Stift für ihre Söhne beanspruchten. Wartenberg selbst war wie Maximilian I. von Bayern u. Kurfürst Ferdinand von Köln über die Postulation nicht gerade erfreut gewesen; FORST, Korrespondenz, Nr. 128, S. 105: „Der herr hatt mir die Martinßganß wohl versaltzen und gar verderbt; ich kan mirs noch auf diese stund nit imaginiren, und wans der herr nit mit beilagen von Osnabrug selben confirmirt, hett ichs je noch so viel nit geglaubt“. Wartenberg an Aldenhoven, Kirbach, 1625 XI 12.

[6] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[7] Hameln; HHSD II, S. 192ff.

[8] Rössing [Gem. Nordstemmen].

[9] HEILMANN, Kriegsgeschichte Bd. 2, S. 184. Dankschreiben gingen an Lintelo, J. L. v. Fürstenberg, Schönburg, Cortenbach, Cronberg, Graf Vigilius Spaur, Hans Ernst v. Vizthum v. Eckstädt; BA NF II/2, Nr. 136, S. 456 (Max. an Tilly, 1625 XII 02).

[10] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[11] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[12] Steuerwald [Kr. Hildesheim]; HHSD II, S. 443.

[13] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[14] Alfeld; HHSD II, S. 5f.

[15] Escherde: Groß und Klein Escherde, Ortsteile der Gemeinde Nordstemmen [LK Hildesheim].

[16] Erichsburg [Gem. Hunnesrück, Kr. Einbeck]; HHSD II, S. 141.

[17] Poppenburg [Kr. Alfeld]; HHSD II, S. 384.

[18] Calenberg [Kr. Springe]; HHSD II, S. 91ff.

[19] Göttingen; HHSD II, S. 178ff.

[20] JÜRGENS, Chronik, S. 419f. Jürgens datiert nach dem alten Stil.

[21] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[22] Ratzeburg [Kr. Herzogtum Lauenburg]; HHSD I, S. 216f.

[23] Vgl. HEIBERG, Christian 4.

[24] Lutter am Barenberge [Kr. Gandersheim]; HHSD II, S. 315f. 27.8.1626: Sieg der kaiserlichen Truppen unter Tilly über das dänische Heer unter König Christian IV. und seine protestantischen Verbündeten, die bis auf die Herzöge von Mecklenburg von ihm abfielen. Die Dänen verloren etwa 6.000 Mann, 2.500 gerieten in Gefangenschaft. Zu Beginn der Schlacht waren beide Armeen etwa 19.000 Mann stark. Die genauen Verluste sind nicht mehr feststellbar. Die Dänen dürften etwa 4.000 Tote und Verwundete, 3.000 Gefangene, etwa 100 Fahnen und Standarten, dazu die gesamte Artillerie und einen Großteil ihrer Bagage verloren haben. LAHRKAMPS Angaben, Bönninghausen, S. 246 (8.000 Tote), liegen eindeutig zu hoch. Das zeitgenössischen Flugblatt »Kurtze[r] vnd einfältige[r] […] Bericht« spricht von 6.000 Toten und 2.000 Gefangenen. Tillys Verluste lagen wohl deutlich unter 1.000 Mann. MELZNER, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Neue Beiträge, Chronik; KLAY, 27./17. August.

[25] Wersebe, Wolf Heinrich v.; Offizier [ – 27.8.1626 Lutter]

[26] Nerprot, Johann v.; Generalleutnant [ – 27.8.1626 Lutter]

[27] Hessen-Kassel, Philipp Landgraf v. [1604 – 17.8.1626 Lutter], Sohn des Moritz v. Hessen-Kassel. Vgl. VD17 23:263431T: SEYLER, Crato, Oratio Qua Fortissimo & bellicosissimo iuveni Philippo, Hassiae Landgravio, … Mauritii Hassiae Landgravii … filio e secundo connubio natu maximo … Quum is 17. Aug. in Luterensi praelio fortiter in hostem pugnant occubuisset, Casselis in Collegii philadelphico Mauritiano 15 Septemb. … 1626 Amoris & devotionis ergo supremus honos habitus fuit / a Cratone Seylero P.P.P. Kassel 1626.

[28] Solms-Hohensolms, Graf Hermann Adolph v.; Obrist [ – 27.8.1626 Lutter].

[29] Salm in Kirburg, Mörchingen u. Tronecken, Otto Ludwig, Wild- und Rheingraf v.; General [13.10.1597 – 16.10.1634].

[30] Katlenburg [Kr. Northeim]; HHSD II, S. 263f.

[31] Pogwisch, Sievert v.; Generalkommisar [1587 – 27.8.1626 Lutter].

[32] Kalkum, Wilhelm v., genannt Lohausen [Lohehausen]; Generalmajor [Aschermittwoch 1584 auf Lohausen – 30.1.1640 Rostock].

[33] Twachting, N; Obrist [ – ].

[34] Geist [Geistes, Geest], Berend; Obrist [ – ].

[35] Courville [Corvill, Corvillt], Nic(h)olas de; Generalmajor [ – 1.6.1634 in Regensburg gefallen].

[36] Gunternach, N; Offizier ? [ – ].

[37] Rantzau, Marquard; Generalkommissar, Generalmajor [ – ].

[38] DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium S. 49f.

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