Souches [Susa], Louis Raduit Graf de [Ludwig Freiherr Radwig de]

Souches [Susa], Louis Raduit Graf de [Ludwig Freiherr Radwig de]; Feldmarschall [1608 – 6.8.1682]

Souches, Ludwig Graf

Der in La Rochelle geborene Hugenotte Souches[1] hatte Frankreich 1628 verlassen, war etwa 1634 in schwedische Dienste getreten und 1639 Obrist geworden. 1642 musste er wegen eines Duells – möglicherweise in einer Auseinandersetzung mit Stålhandske[2] –  den schwedischen Militärdienst verlassen und wechselte auf die kaiserliche Seite. Er wurde 1645 Generalwachtmeister, 1646 Freiherr, um 1649 konvertierte er zum Katholizismus, wurde 1658 Generalfeldzeugmeister, 1659/1660 Kommandant der kaiserlichen Truppen in Pommern und Stadtobrist von Wien, 1664 Feldmarschall, 1665 Geheimer Rat und 1674 kaiserlicher Oberbefehlshaber.

1643 hatte er als Obrist mit seinem Regiment bei Klein-Glogau gelegen.[3] Bekannt wurde Souches jedoch als der Verteidiger von Brünn[4] 1645 gegen schwedische Truppen unter Torstensson. “Es war wie gewöhnlich schwierig, Proviant für das Heer zu beschaffen: Wein gab es genug, aber es fehlte an Brot. Torstensson ließ einen Teil seiner Truppen nach Norden ziehen, um die reiche Stadt Brünn einzunehmen, einen Verkehrsknotenpunkt in Mähren, der eine Gefahr im Rücken der Schweden und eine Bedrohung für ihre Verbindungen nach Sachsen und zur Ostseeküste darstellte. Die hochgelegene Zitadelle der Stadt, der graugelbe Spielberg, wurde als ungewöhnlich stark eingeschätzt, doch andererseits waren die Festungsanlagen veraltet und die Besatzung schwach – nur ein paar hundert Mann, wie es hieß. Die Eroberung Brünns sollte unter normalen Umständen eine rasch überstandene Angelegenheit sein. […]

In der Zwischenzeit stand das schwedische Heer bei Brünn und trat auf der Stelle. Die Kaiserlichen wußten um die Bedeutung der Stadt und hatten deshalb im voraus schwache Stellen an den Mauern verstärkt, die Tore mit neugebauten Schanzen geschützt und Artilleriegeschütze von naheliegenden Festungen zusammengezogen. Außerdem war die spärliche Besatzung durch rund tausend aufgebotene Zivilisten verstärkt worden, die wußten, welch ungnädiges Schicksal ihre Stadt erwartete, wenn sie kapitulierten: Waffen waren an die Schüler der Brünner Jesuitenschule ausgegeben worden, an Adlige, Bürger, Handwerksgesellen, Diener, Zimmerleute und Maurer. Die Verteidigung wurde auch von einem ungewöhnlich hartnäckigen und tatkräftigen Mann geleitet, einem französischen Hugenotten namens de Souches, der in schwedischem Dienst Karriere gemacht hatte, aber wegen eines unglücklichen Duells 1642 auf die Gegenseite gewechselt war. Torstensson seinerseits litt Mangel an den zwei Dingen, die in erster Linie für eine erfolgreiche Belagerung vonnöten waren: Das eine war Infanterie, das andere Pulver. (In der Regel verfügte nur die Infanterie über die Ausrüstung und die Erfahrung, die für den Kampf und die Arbeit in Approchen und Minengängen nötig waren, doch seit vielen Jahren hatte sich der Anteil des Fußvolks in der Armee zugunsten der beweglicheren und leicht zu unterhaltenden Reiterei verringert. Das rächte sich jetzt.) In gut eineinhalb Monaten hatten die Schweden rund 17 Tonnen Pulver verbraucht, und obwohl unter anderem von jüdischen Vertragspartnern für teures Geld neues Pulver eingekauft wurde, konnte man die Belagerung nicht mit der gewünschten Kraft betreiben. Bald wurde klar, daß die Stadt nicht so rasch fallen würde, doch für den stolzen Torstensson wurde die Belagerung zu einer Prestigefrage. Betrunkene schwedische Soldaten (solche Mengen von Wein waren in der Region geraubt worden, daß zahlreiche Soldaten sich buchstäblich zu Tode tranken) gruben und starben in einem immer weiter verzweigten System von Sappen, Approchen und Kaponnieren – also gedeckten Approchen – über der Erde, und gleichzeitig fand ein bizarrer Krieg unter der Erde statt.

Torstensson ließ unter einem Teil der Stadtmauer und unter zwei Bastionen oben auf dem Spielberg Minen legen. Es war üblich, daß die Angreifer bei Belagerungen solche großen Sprengladungen benutzten, die sie unter den Festungswällen hindurch eingruben. Minenkrieg war indessen ein kompliziertes Unternehmen. Man brauchte dafür entweder besondere Mineure oder ganz einfach erfahrene Grubenarbeiter. Die Arbeit begann damit, daß man einen Schacht senkrecht bis zur gewünschten Tiefe grub. Dann begann man, den Tunnel zum Platz für die Sprengung vorzutreiben. Eine verbreitete Technik bestand darin, daß man vorgefertigte Holzrahmen benutzte, die dem Durchmesser des geplanten Tunnels entsprachen. Dann wurden auf allen Seiten des Rahmens mit Keulen Planken eingetrieben, worauf das darin befindliche erdreich abgegraben und ein neuer Rahmen eingesetzt, neue Planken eingeführt wurden und so weiter. Stieß man auf große Steinblöcke, sprengte man sie oder zerschlug sie mit Hämmern – darum herumzugraben galt als wenig empfehlenswert, weil man leicht die Richtung verlor. Die Mineure arbeiten in der Regel in Vierergruppen; der erste hackte mit einer Spitzhacke, der zweite schaufelte die anfallende Erde auf eine Schubkarre, der dritte rollte die Last zur Tunnelmündung, und der vierte brachte die Erde fort.

Geschickte Mineure schafften zwischen 4 und 6 Meter pro Tag und waren in der Regel auch in der Lage, einen so dichten Tunnel zu graben, daß er beispielsweise unter einem wassergefüllten Wallgraben hindurchführen konnte. Ohne Zugang zu guten mechanischen Belüftungseinrichtungen war es schwer, Minentunnel zu graben, die tiefer als etwa 7 und länger als rund 50 Meter waren. Es gab jedoch verschiedene einfache Vorrichtungen, die man in einer solchen Lage benutzte. Zum Beispiel konnte man oben an der Mündung des Schachts ein kleines Segel aufstellen, das zusätzliche Luft zu den Grabenden hinunterfächelte. Eine effektivere Methode bestand darin, einen zweiten Schacht neben dem alten zu graben, die zwei mit Hilfe eines Rohrs zu verbinden und dann am Boden des neuen Schachts ein Feuer anzuzünden; das Feuer saugte die Luft aus dem alten Schacht an, worauf dieser sich mit frischer Luft füllte.

Wenn die Grabmannschaft sich schließlich zu dem Punkt unter der feindlichen Befestigung, wo die Mine angebracht werden sollte, vorgehackt, -gekratzt und -gehämmert hatte, begann sie mit dem Graben der Sprengkammer. Normalerweise verbreiterte man ganz einfach den Tunnel an den Seiten, um Platz für das Pulver zu schaffen. Außerdem senkte man oft den Boden in der Kammer um einen halben Meter oder mehr ab, um Platz für mehr Pulver zu schaffen und die Ladung mit möglichst großen Mengen fester Erde umgeben zu können. Wollte man ein größeres Stück Mauer oder eine große Bastion sprengen, grub man mehrere Sprengkammern, die in einer unterirdischen Kette nebeneinanderlagen. Wollte man mehrere Sprengungen an ein und demselben Punkt erreichen, konnte man Kammern graben, die stockwerkartig übereinanderlagen. Danach brauchte man nur das Pulver in die Kammern zu packen. Es gab unterschiedliche Regeln und unterschiedliche Auffassungen darüber, wieviel Sprengmittel benötigt wurde – die meisten Mineure des 17. Jahrhunderts scheinen der irrigen Meinung gewesen zu sein, daß es sich nicht lohne, eine Mine über einen bestimmten Punkt hinaus zu laden; dem lag die Vorstellung zugrunde, daß das Erdreich nur höher in die Luft geschleudert würde, ohne daß der Krater entsprechend größer wurde -, häufig wurde eine Formel benutzt, die besagte, daß die Ladung soviel Skålpund [425 g] wie die Tiefe der Mine in Fuß mal 300 sein muß. Das soll heißen: Eine Ladung, die 3 Meter tief in mittelfester Erde lag, sollte aus gut 1200 Kilo Pulver bestehen, was rund 600 Kanonenschüssen entsprach. Auch kleinere Sprengungen erforderten also viel Pulver, was bedeutete, daß der Minenkrieg, abgesehen davon, daß er schwierig war, auch reichliche Ressourcen verlangte. Offenbar hatten unter anderem die Minensprengungen bei Brünn die Pulverknappheit der schwedischen Armee verursacht.

Nachdem die Kammer mit Pulver, normalerweise in Säcken verpackt, gefüllt war, brachte man dort eine grobe Zündschnur an, die in einer kleinen, vierkantigen Rohrleitung aus Holz – einem sogenannten auget [Leitrinne] – nach hinten geführt wurde. Schließlich wurde der Tunnel mit Erde aufgefüllt und die Öffnung mit einer massiven Tür versperrt. Dann wurde die Zündschnur angezündet. Und daraufhin verschwand die Mauer in einem dröhnenden Vulkanausbruch von Erde, Steinen, Feuer, Rauch und verbrannten Körperteilen.

Ein guter Verteidiger ließ es jedoch so weit nicht kommen, sondern versuchte mit verschiedenen Methoden die Mineure an ihrer Arbeit zu hindern. Man konnte Ausfälle über der Erde machen und die Tunnel zerstören. Man konnte auch unter der Erde eine Gegenoffensive beginnen. Das tat der einfallsreiche de Souches hier bei Brünn. Die Mineure der Verteidiger arbeiteten sich hinunter zu den verschiedenen Tunneln der Belagerer. Sie lauschten und gruben abwechselnd, denn es ging darum, das Werk des Angreifers nach Möglichkeit zu erreichen, ohne entdeckt zu werden. Manchmal waren die Grabenden so weit entfernt, daß man nichts hören konnte, doch dann konnte man immerhin versuchen, die Erschütterungen zu spüren, die ihre Arbeit verursachte, zum Beispiel, indem man eine Trommel auf den Boden legte und ein paar Würfel oder eine Handvoll Erbsen drauflegte. Das Geräusch wurde deutlich, wenn der feindliche Tunnel etwa 30 Meter entfernt war, und wenn er näherkam, pflegte man seinen Verlauf mit Hilfe langer Stöcke zu verfolgen, die man in Löcher steckte, die in die Seite des Tunnels gebohrt wurden. Wenn man nahe genug herangekommen war, mußte man entscheiden, was man tun wollte. Entweder konnte man den feindlichen Tunnel mit Hilfe einer kleinen Sprengladung – einem sogenannten camouflet [Quetschmine] – sprengen oder ein Loch machen und versuchen, die feindlichen Mineure auszuräuchern, oder, wenn man in etwa auf dem gleichen Niveau war, in den Tunnel einzudringen und die Gegner zu erschlagen. Möglicherweise hatte de Souches vor, die schwedischen Minengänge zu übernehmen und sie zu benutzen, um wichtige Teile der Belagerungsanlagen in die Luft zu sprengen. Auf jeden Fall stießen Mineure beider Seiten mit Pistolen und Handgranaten in den engen Schächten unter den Mauern Brünns aufeinander. Man kann sich die klaustrophobischen Szenen vorstellen: Männer mit verdreckten Gesichtern, struppigen Haaren und aufgeschrammten, blutigen Knöcheln tasten sich in einem engen, pechschwarzen Dunkel vorwärts, lauschen, horchen; eine Lunte zischt: plötzlich ein grellweißer Blitz, und im Moment danach ein furchtbarer, in der Enge ohrenbetäubender Knall – die Luft voll Staub und Rauch, und Erdmassen stürzen herab; Gestalten fallen, andere stürzen herbei, neue Blitze beleuchten erhobene Pistolen und etwas, was aussieht wie aus Erde gemachte Gesichtsmasken.

Während es über der Erde zäh voranging, ging es unter ihr jedenfalls etwas besser; bei den Zusammenstößen in den Minengängen konnten die Schweden die gegnerischen Versuche, die Tunnel zu übernehmen, abwehren und sogar fünf oder sechs Mineure töten.

Der Weg nach Wien, der im Februar weit offengestanden hatte, wurde langsam versperrt. In Schlesien, Böhmen und Mähren wurde jeder zehnte Mann zum Militär aufgeboten, in Oberösterreich jeder fünfte. Die Beamten des Kaisers dachten sich neue, raffinierte Steuern aus, vom Papst, aus Spanien usw. wurden neue Subsidien angefordert, neue Münzen aus eingeschmolzenen Kostbarkeiten der kaiserlichen Schatzkammer (ein großer Teil davon unschätzbare Kunstgegenstände, die von den indianischen Hochkulturen gestohlen waren und jetzt für immer vernichtet wurden) oder der Kirchen geschaffen, und neue Werbungen wurden durchgeführt. Die kaiserlichen Werber bezahlten wie gewöhnlich gut, sogar so gut – bis zu 50 Taler plus einen Bonus von 2 Talern für Überläufer – , daß Soldaten der schwedischen Armee reihenweise die Seite wechselten. Und während der Kaiser, wahrscheinlich nicht ohne eine gewisse Verwunderung, doch sicher voller Dankbarkeit sah, wie sich immer mehr schwedische Heeresteile eifrig grabend um das immer löcheriger werdende Brünn versammelten, konnten seine langsam erstarkenden Truppen ungestört die Donaulinie befestigen und vorsichtig die eine und andere schwedische Eroberung rückgängig machen, wie beispielsweise die Wolfsschanze bei Wien.

So vertat Torstensson Monat auf Monat des Jahres 1645 in Erwartung von Verstärkungen, die nie kamen, und einer Kapitulation, die nie erfolgte. Beide Seiten waren gezwungen, Pulver zu sparen, und entlang der Mauern und Parallelen wurden deshalb zahlreiche Steinwurfduelle ausgetragen. Die Menschen in der Festung kämpften mit dem Mut der Verzweiflung: Kinder halfen auf den Mauern aus, Brünner Frauen liefen unter Beschuß hinaus in die Gärten der Vorstädte, um Gemüse nach Hause zu holen, und die bewaffneten Männer machten zahlreiche Ausfälle. (Bei einem solchen wurde ein Student am Knie verletzt. Er blieb einen ganzen Tag im Niemandsland liegen, während schwedische Soldaten ihn mit Steinen bewarfen. Und »zur Nachtzeit nahmen die Schweden ihm die Kleider ab, stachen sein rechtes Auge au, stießen ihm eine Speerspitze durch den Nabel und schlugen ihm Rücken und Arme blutig«.) Die Belagerung ging langsam voran. In der Sommerhitze mehrten sich die Krankheiten und Desertionen. Einige schwere Wolkenbrüche mit Donner und Hagel verwandelten die Approchen und Parallelen vorübergehend in tiefe Gräben, in denen das Fußvolk bis zur Hüfte in Wasser watete. Um die Truppen in der Zitadelle zur Aufgabe zu zwingen, leitete man mit großer Mühe ihre Wasserversorgung um, doch es zeigte sich, daß die durch einen unterirdischen Gang mehr als gut versorgt waren. Man hoffte auch, de Souches könnte aufgrund von Munitionsmangel zur Aufgabe gezwungen sein, aber gegen 9 Uhr am Abend des 15. [25.; BW] Juni gelang es einer kaiserlichen Kolonne von mehreren hundert pulverbeladenen Pferden und Reitern, sich überraschend an den vorgeschobenen schwedischen Wachen vorbeizukämpfen und sich und ihre Last in die Festung zu werfen”.[5] Generalquartiermeister Reich hatte dem kaiserlichen Generalleutnant Gallas noch am 27.7. mitgeteilt, Brünn halte sich noch, von einer Hilfsexpedition für die Stadt sei jedoch nichts zu hören.[6] Am 28.6.1645 schrieb de Souches an Gallas: „Berichte dieselbe beinebenst gehorsambist, dass der Herr Obristleutnant Graf von Wirben[7] mit deme Pulver (Gott Lob) glücklichen alhier ankommen wird, nur allein von 201 Sack, jedwege zu 25tt., etliche 34 hinterblieben. Von E. Exc. Dragoner Regiment befinden sich alhier etwa 40, von denen Lacoronischen[Johann de la Corona; BW] aber anstatt 40 nur 16 mit denen Officierern. Die Interpresa ist Gottlob glücklichen abgangen, darzu des Herrn Grafen und beigehabten Officiern gute Couragie und Anstalt nit wenig cooperirt, indem sie zwei Regimenter vom Feinde, so die Wacht gehalten, ganz zertrennet. Dafern ichs nur ein Stund zuvorn gewisst hätte, würde eine gute Action beiderseits durch einen Anfall sein bezeigt worden. Ich verhoffe auch, dass mit Hilfe der zwei Pulvermühlen, so ich in der Stadt aufgerichtet, und Salniters, welchen taglichen arbeiten lasse, uns die Munition nunmehr sobalden nit wird abgehen. Auf dem Spielberg hab ich einen guten Teil darvon, sowohlen mehrere Soldaten geschickt; und weilen der Herr Rittmeister Henneman und Unger daraussen bessere Dienste denn hierinnen tun können, ich ohnedass auch eine zimbliche Anzahl Reiterei bei mir habe, welchen die Fouragie abgehet, lasse dieselben ich wiederumben hinaus, den Herren Grafen aber mit etlichen 30 Reitern von dessen Esquadronen, und 130 nebenst dem Herrn Obristwachtmeistern von Kapaun [Kapoun; BW] bei mir behalten, in Hoffnung, dass unsere Armada mit ehisten hier sein wirdet. Unterdessen versichernde E. Exc., dass wir alle Extremitäten, so ein belägertes Ort ausstehen kann, versuchen, und ich meinesteils eussirsten Fleisses dahin bedacht sein werde. Massen Ihr Hochfürstliche Durchlaucht und E. Exc. beideren Ankungt [Ankunft] alhier meine treueifrichste Actiones gnädigst erfahren werden. Inzwischen verlassen wir uns auf den längst gewünschten schleunigen Secours“.[8]

Am selben Tag schrieb Vrbno an Gallas: Nach Erhalt seiner Order vom 11. dieses Monats aus Wien habe er das Schießpulver und die Mannschaft glücklich nach Brünn gebracht. Auf Wunsch des Kommandanten sei er in der Stadt geblieben und bitte Gallas, seine Männer in Schutz zu nehmen. Im Postskriptum hieß es: Obgleich Ogilvi, der Kommandant der Festung Spielberg,[9] nicht weniges versäumt hatte, bürge der Kommandant de Souches für den Erfolg.[10] Colloredo schrieb am 14.7.1645 an Gallas: Nachrichten zufolge müsste Brünn nicht verloren sein, da das Kanonenfeuer auf die Burg wirkungslos sei und die feindlichen Angriffe scheiterten; auch Vorräte sollen zur Genüge vorhanden sein. Der Kommandant von Brünn habe gemeldet, dass der Feind über höchstens 2.600 Mann und 7.000 Reiter verfüge.[11] Leopold Wilhelm informierte Gallas am 19.7. aus Wien, er beabsichtige, am folgenden Tag zur Kampagne nach Ungarn aufzubrechen und bitte um seine Unterstützung. Gleichzeitig wolle er Brünn und den Spielberg entsetzen. Zu diesem Zweck möge Gallas mehrere hundert Mann des Regiments Colloredo oder Innocentio Conti sowie einige Reiter abkommandieren.[12] Am 22.7.1645 schickte er aus Prag an Piccolomini eine Schilderung der Belagerung. Man erwarte Hilfe aus Polen. „Torstenson continua l’assedio di Bruna, anzi con piuù ardore che prima, et se fortifica molto bene intorno il suo campo havendo fornito di tirare linee di communicatione, et provede per tutt’alla gente con provianda.

Li giorni passati diede l’assalto à un baluardo del Castello et insieme fece attacar il fuoco, favori peró la sorte alli defensori, che rebuttarono l’inimico, et estinsero il fuoco. Quando li nostri andaranno à soccorrerla non posso sapere, et come vedo le cose caminano con piedi di piombo.

Si sta ancora in speranza d’agiustare le cose d’Hungaria, sarebbe de bramare l’effetto, gia che le forze nemiche per tutto ci molestano.

Il Re di Polonia deve haver concesso à Sua Maestà Cesarea ch’il Vesselini meni fori del Regno à suo servitio 8000 Polaci.

Li soldati che sono fugiti sotto Bruna all’inimico et arrivati qua hoggi, m’assicurano che l’inimico ha perso sotto Quell’assedio fra cavalleria et infanteria più che 5.000 homini, et che la sua infanteria in tutto non arriva 4.500, hora considera Vostra Eccelenza che bella fortuna è la nostra”.[13]

“Einige aufgeputzte transsilvanische Truppen schlossen sich zwar den Belagerern an, von einem realpolitisch begabten Fürsten Georg [Rákóczi; BW] entsandt, der dadurch französische Subsidien einkassieren konnte – während er gleichzeitig mit dem Kaiser weiterverhandelte – , aber sie waren widerspenstig, undiszipliniert und untauglich und stellten im allgemeinen für ihre eigenen Offiziere eine größere Gefahr dar als für den Feind. Torstensson selbst wurde von schweren rheumatischen Schmerzen geplagt und hatte deshalb Schwierigkeiten, die Operationen zu leiten. Und so weiter.

Mitte August versuchten die Schweden eine Erstürmung, doch auch die scheiterte. Es war ihnen gelungen, zwei Breschen in den Festungswall auf der Nordseite der Stadt zu schlagen, und nach einem wahnsinnigen vorbereitenden Beschuß wurde diese von einer Sturmkolonne angegriffen. Auf der rauchumhüllten Mauerkrone spielten die Verteidiger auf Dudelsäcken, Pauken und Trompeten. Die Sturmtruppen wurden mit Handgranaten empfangen, und der Angriff strandete in dem Durcheinander von zusammengestürzten Mauerteilen und Sprengsteinen. Aufgrund eines gründlich mißverstandenen Befehls gingen schwedische Truppen auch gegen die andere, daneben liegende Bresche vor; wohlgezieltes Feuer von den Bürgern und Studenten oben auf der Mauer schlug ihnen entgegen, und als sie schließlich am Ziel waren, entdeckten sie, daß jedes Weiterkommen unmöglich war, und sie mußten durch pfeifende Kugelschwärme zurückrennen. Später am Abend gaben die Verteidiger die Leichen der innerhalb der Mauern gefallenen schwedischen Offiziere heraus; die Körper waren gewaschen, in reine Hemden gekleidet und in neue Särge gelegt.

Edelmütige Gesten dieser Art kamen immer vor in den Kriegen dieser Epoche, aber de Souches und die anderen in Brünn konnten sie sich auch leisten, denn alles lief zu ihrem Vorteil. Kurze Zeit nach der mißglückten Erstürmung schloß Georg von Transsilvanien Frieden mit dem Kaiser. Durch diesen Friedensschluß wurde unter anderem die Glaubensfreiheit in seinem Land wiederhergestellt, und der Kaiser machte große territoriale Zugeständnisse. Für einen Fürsten, der so gut wie keine eigenen Machtmittel besaß, hatte Georg ungewöhnlich gut abgeschnitten. Die schwedische Armee hatte schwer unter dem Abnutzungskrieg auf den weinbewachsenen Hügeln rund um Brünn gelitten – einige Hinweise lassen vermuten, daß bis zu 8000 Mann aus den Reihen verschwunden waren, die meisten sicher durch Desertion oder Krankheiten – , und man konnte nicht mehr mit Unterstützung durch Fürst Georgs Truppen rechnen. Ein schwedischer Offizier, der bei dem Sturm am 15. August durch eine Handgranate schwer an der Seite verwundet worden war und deshalb weder liegen noch stehen konnte, schrieb resigniert an seinen Bruder zu Hause: Nunmehr ist unsere Infanterie kaputt, die Kavallerie ist mißmutig, die Offiziere leiden Mangel an Proviant und die einfachen Reiter an Brot und Futter. Die Stadt kann nicht eingenommen und gewonnen werden. Vom Spielberg mag ich gar nicht schreiben.

Ein niedergeschlagener und erboster Torstensson gab in dieser Lage den Befehl, die Belagerung abzubrechen. Als letzten Abschiedsgruß ließen die Schweden die Orte in Brünns nächster Umgebung in schmutzig schwarzen Rauch aufgehen”.[14] George Ogilvi, der Kommandeur der Festung Spielberg, wiederholte am 28.8. den Bericht vom Ende der Belagerung des Spielbergs. Der Gegner habe versucht, mittels listig zugedeckter Laufgräben die Befetigungen niederzureißen und den Spielberg aus der Nähe unter Kanonenbeschuss genommen. Nachdem ihm seine beiden Angriffe am 15. und der Sturmangriff am 20. weder auf der Burg noch in der Stadt gelungen seien, habe er beide Posten verlassen, sich im Feldlager gesammelt, das er dann samt den umliegenden Dörfern in Brand gesteckt habe, und sei am am 23. in Richtung Göding[15] abgezogen.[16] Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[17] schreibt dazu in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“: Die Schweden hätten „endlich auch die Hauptstatt in Mähren / Brün / vnd derselben Vestung Spielberg / welches dieser zeit / der eintzige Ort war / den die Keyserischen in Mähren noch in hatten / mit der gantzen Kriegs-Macht anfangen zu belägern / vnnd der Statt so wol als dem Schloß mit Fewer / Granaten / Stürmen vnnd Miniren / hart zugesetzt / welche sich vber beyderseits Manlich widersetzt / vnd den Schwedischen solche Belägerung ein gute zeit über zimlich sawer gemacht / dann ob zwar Herr General Torstensohn solchen Ort von 4. Batteryen starck beschiessen lassen / auch so nahe kommen / daß den Belägerten / mit Stücken nicht mehr / sondern nur mit Handgranaten beyzukommen gewesen / hat er sie doch zu keiner accomodation bringen können / sonderlich geschahe den Schwedischen darvor (die schon 10. Minen gesprengt hatten) den 10. 20. Junij / in einem Außfall grosser Schaden / vnnd wurde durch ein vnverhofftes stratagema / welches durch Vorsichtigkeit deß Keyßerischen Herrn General Wachtmeister Passue [Pachonhay; BW][18] mit 300. Pferd (vermittels 16. Wallachen so ihnen den Weg durch die Wälder biß auff drey viertheil Meil wegs vor Brün / gewiesen) zu Werck gerichtet worden / der eine zimliche Quantität Pulver in die Vestung gebracht / also daß er endlich die Belägerung mit grossem verlust quittiren müssen“.[19]

Am 4.8.1645 lobte Souches in einem Schreiben an Ferdinand III. die Einwohner und den Magistrat wegen ihrer Tapferkeit: „Demnach Vorbringer von einem ehrsambe Rat allhiesigen königlichen Stadt in ihren selbsteigenen Geschäften nach Euer kais. Mai. abgeordnet worden sein, als habe nicht unterlassen wollen, dieselbe hierinnen allergehorsambst zu berichten, welchergestalt allhiesiger Stadtmagistrat und gemeine Burgerschaft vor und in währender 16 wochentlichen, langwierigen, beschwerlichen Belägerung sich also treu und redlich verhalten, dass dieselben auch mit Wahrheit vor ein Exempl treuer Vasallen Euer Kais. Mai. vorgestellet werden können, massen sie nicht allein die Zeit dieser sechzehenwöchentlicher starker Beänstigung stets ohne einzig Abtritt nebens den Soldaten bei Tag und Nacht auf ihren Posten verblieben und dem Feind bester Möglichkeit nach Abbruch getan, sondern auch ohne dass sie mit der Soldatesca immer schwer zur Defension und Fortification der Stadt und Spielberg ihre Häuser gutwillig eingerissen, Geld und Proviant zur Bezahlung der Arbeiter und Verpflegung des Garnisons vorgestreckt und wegen manquirenden Soldaten auf meine Ordre in guter Anzahl selbsten auf den Spielberg sich begeben und selben defendiren helfen. In summa ein jedweder hat sich so wohl gehalten, dass nicht genugsamb zu rühmen und ist man stets unverdrossen resolviert gewesen, nebens mir vor Euer Kais. Mai. ihr Leben aufzuopfern. Wann dann dergleichen treue Vasallen, meines erachtens jedoch unmässiglich zu beharrlichen Standhaftigkeit zu avisieren und denen treuen zu einem guten Exempl und rebellierenden Städten zum Abscheu und ewig Schand und Spott mit sonderbaren kaiserlichen Gnaden zu regalieren sein, als bitte Euer Kais. Mai. alleruntertänigst und gehorsambst, dieselbe wolle Ihro diese arme, sogar erschöpfte Burgerschaft, welche meistenteils selbst notleidet und ihre Häuser abgebrochen, bestergestalt in Kais. Gnaden all anbefohlen halten und fürbringen in einem und anderem, was sie alleruntertänigst referieren, auch allergnädigst Glauben zu stellen“.[20]

Am 23.9.1645 schrieb de Souches aus Brünn an Gallas, es berühre ihn schmerzlich, dass seine Verdienste um die Verteidigung Brünns Nichtbeteiligten zugerechnet würden, und bat ihn, beim Kaiser ein Wort für ihn einzulegen.[21]

Im Februar 1646 berichtete de Souches Melchior von Hatzfeldt aus Brünn von dem Abtransport einer Bibliothek in Olmütz[22] durch den schwedischen Obristen Reichvald und den Angriff das das Liechtenstein’sche Plumenau.[23] De Souches konnte ihm im April seine Eroberung von Schloss Nikolsburg[24] und von Schloss Mailberg[25] melden.[26]

Wassenberg erwähnt de Souches nochmals in seinem „Florus“: „Vor dieser Einnahm [Krems;[27] BW] hat der Commandant in Brün / Herr General Wachtmeister Susa, nicht allein das Stättlein Niclausburg [Nikolsburg;[28] BW] in Mähren / mit Accord / sondern auch selbiges Schloß mit stürmender Hand erobert / die Soldaten vndergesteckt / den Commandanten sampt den Officirern nach Brün gefangen eingebracht / so den 2. April [1646; BW] geschehen“.[29] Im Juni gelang den Schweden die Eroberung von Falkenstein,[30] im August konnte de Souches die Einnahme von Schloss Rabensburg[31] durch seine Truppen melden. Von den Angriffen des schwedischen Generalfeldzeugmeisters Wittenberg auf Helfenstein[32] und Troppau[33] berichtete er Hatzfeldt im November dieses Jahres.[34]

Am 10.5.1648 schrieb der in diesem Jahr zum Landeshauptmann von Mähren ernannte Johann Christoph Graf von Rottal aus Brünn an W. E. von Lobkowitz und berichtete über den feindlichen Vormarsch in Schlesien. Nach warte er auf die Nachricht von Puchheim; de Souches sei kampfbereit.[35]

Harald Skala schreibt über ihn: „Souches wurde am 16.8.1608 in der französischen Stadt La Rochelle in einer Hugenottenfamilie geboren. Über seine Eltern und seine Jugend konnte ich nichts Näheres herausfinden.

Aus religiösen Gründen ging er nach Schweden, wo er um das Jahr 1630 in das Heer eintrat. 1635 erhielt er den Rang eines Hauptmanns, 1639 dann den eines Obristen. Nach einem Duell mit dem schwedischen General Stålhandske dankte er ab und reiste nach Frankreich. 1642, während seines Aufenthaltes in Österreich, folgte er der Aufforderung von Erzherzog Leopold Wilhelm und trat in das kaiserliche Heer ein. Etwas später konvertierte er zum katholischen Glauben. Bei der Belagerung von Olmütz 1644 bewies Souches seine Tapferkeit, wonach ihn der Kaiser zum Obristen eines Dragonerregiments ernannte.

Am 14.3.1645 wurde Souches von Kaiser Ferdinand III. zum Kommandanten der Stadt Brünn (Brno/CZ) ernannt. Die Räte des Kaisers waren gegen die Ernennung, da sie dem Franzosen, der ursprünglich in schwedischen Diensten gestanden hatte, nicht trauten. Ferdinand II. hatte jedoch den richtigen Mann gewählt. Souches machte sich sofort daran, die Stadt in einen verteidigungsfähigen Zustand zu setzten. Er ließ die Stadtbefestigungen verstärken, neue Brunnen und Vorräte an Lebensmitteln anlegen. Außerdem zog er sämtliche Handwerker der Stadt zusammen, um die nötigen Waffen herzustellen.

Brünn war die einzige größere Festung, die damals in Mähren noch in der Hand der Kaiserlichen war. Die Schweden unter General Torstensson schlossen die Stadt am 4.5.1645 mit ca. 28.000 Mann und reichlich Artillerie ein und begannen die Belagerung. Der Kommandant der Brünner Festung Spielberg, Obrist Ogilvy, befürchtete, die Festung nicht halten zu können, was Souches sehr erboste. Der Stadtrat entschied darauf hin, dass Ogilvy dem Stadtkommandanten Souches unterstellt wurde. Der sorgte für eine effektive Verteidigung der Festung.

Den Verteidigern gelang es sämtliche schwedischen Angriffe abzuwehren, auch wenn die schwedischen Geschütze große Schäden und Brände in der Stadt verursachten. Am 19.7. erhielten die Schweden Verstärkung durch 10.000 Mann mit 38 Kanonen, die von dem Siebenbürger Fürsten Rákoczy angeführt wurden. Aber auch den Kaiserlichen gelang es am 8.8., eine kleinere Truppe mit Vorräten – vor allem Schießpulver – in die Stadt zu bringen. Am 15.8. forderte Torstensson die Stadt auf zu kapitulieren. Souches lehnte ab. Darauf setzten die Schweden zum Sturm an mehreren Stellen gleichzeitig an. Die Verteidiger konnten alle Angriffe abwehren, auch Ogilvy auf der Festung Spielberg gelang es mit seinen wenigen Soldaten die Schweden zurückzuschlagen.

In den folgenden Tagen kam es nur noch zu kleineren Gefechten, ab 18.8. herrschte Ruhe. Den Tag Nachmittag zogen die Truppen Rákoczys ab. Am Samstag begannen auch die Schweden ihr Geschütze aus den Stellungen zurückzuziehen und leiteten den Rückzug ein. Am 23.8.1645 war Brünn frei. Souches war es in den 111 Tagen der Belagerung mit seinen geringen Kräften gelungen, den besten schwedischen Truppen zu trotzen.

Auf Grund dieser Leistung wurde Souches zum 27.10.1645 zum Generalfeldwachtmeister ernannt und am 2.5.1646 dann zum Baron erhoben. Außerdem erhielt er vom Kaiser 30.000 Golddukaten und wurde im Oktober 1645 zum kommandierenden General in Mähren ernannt.

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges beteiligte sich Souches an der Bekämpfung kleinerer schwedischer Besatzungen in einigen mährischen Städten und Festungen. Am 8.9.1648 wurde er dann zum Feldmarschall-Leutenant ernannt.

Im Jahre 1649 kaufte er das Gut Jevišovce und ein Haus in Brünn, in den Jahren 1659 – 1679 dann noch die kleineren Güter Plavec, Hostim und Boskovštejn, alle in der Umgebung von Znaim (Znojmo/CZ). 1654 erwarb er noch ein Haus in Wien.

In den Jahren 1657 – 1660 nahm er an den Feldzügen gegen die Schweden in Polen teil, wo er maßgeblich zu der Eroberung von Krakau beitrug. Am 12.1.1658 wurde er dann zum Feldzeugmeister und im gleichen Jahr zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Artillerie ernannt.

Anschließend nach Ungarn beordert, kämpfte er 1660 gegen die Türken und die Aufständischen unter Georg II. Rákoczy. Die Kapitulation von Grosswardein (Oradea/RO) am 27.8.1660 konnte er jedoch nicht verhindern. Danach ruhten die Kampfhandlungen zwischen den Kaiserlichen und den Osmanen bis Mitte 1663, als die Türken in Ungarn wieder aktiv wurden.

Nach dem Tode des Obristen Ogilvy wurde Souches im Jahre 1661 auch zum Kommandanten der Festung Spielberg in Brünn ernannt (er behielt diese Funktion bis 1664).

Die – ungenügenden – kaiserlichen Truppen wurden für den Feldzug 1663 in 4 Korps geteilt. Das erste Korps unter Souches bekam den Auftrag Mähren und Schlesien zu sichern und nahm an den Kampfhandlungen, die hauptsächlich in Oberungarn (Slowakei) stattfanden nicht teil.

Am 5.3.1663 wurde Souches in den Grafenstand erhoben.

Im Feldzug 1664 erhielt Souches, der am 20.1.1664 zum Feldmarschall ernannt worden war, den Befehl über ca. 8.500 kaiserliche Truppen mit denen er nach Oberungaren marschierte und im März Weinitz (Bojnice/SK) erreichte.

Durch ungarische Hilfstruppen unter Stephan Graf Kohary und Michael Graf Bercsényi verstärkt, belagerte Souches ab 17.4. die Stadt und Festung Neutra (Nitra/SK). Die türkische Besatzung kapitulierte gegen freien Abzug.

Am 8.5. stand sein Heer vor der Festung Levenz (Levice/SK). In deren Nähe kam es zu einem Gefecht mit türkischen Truppen unter Kücük Mehmed Pascha, in dem die Türken vernichtend geschlagen wurden. Souches zog darauf vor Levenz, das von den Türken belagert wurde und besiegte am 19.7 die türkischen Truppen, die wiederum große Verluste erlitten.

Dieser Feldzug war einer der erfolgreichsten unter Souches Leitung, er band einen großen Teil der türkischen Truppen, die an anderen Stellen dringend gebraucht wurden. Montecuccoli errang dann bei Mogersdorf (St. Gotthard) einen großen Sieg, nach dem am 10.8.1664 in Vasvár der Frieden unterzeichnet wurde.

Souches wurde zum Kommandanten an der “Militärgrenze” ernannt und organisierte den Bau der Festung Leopoldstadt (Leopoldov/SK) und einiger weiterer kleinerer Festungen in Oberungarn.

Im Jahr 1665 wurde er zum kaiserlichen Geheimen Rat ernannt, 1668 dann zum Kommandierenden der Stadtgarde von Wien und 1671 zum Oberkommandierenden in der Militärgrenze zu Varasdin in Kroatien. In dieser Funktion beteiligte er sich auch an der Unterdrückung der Unruhen in Ungarn und Siebenbürgen, die im allgemeinen als “Wesselényi-Verschwörung” bekannt sind.

Im Feldzug 1674 gegen Frankreich erhielt Souches den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen am Rhein. Da er während des Feldzuges keinerlei größere Erfolge verzeichnen konnte, wurde er im Herbst abberufen und begab sich darauf auf seine Güter in Mähren.

Souches starb auf seinem Gut Jevišovce am 12.8.1682 und wurde in der Kirche des hl. Jakob in Brünn beerdigt. Im Jahre 1727 wurde ihm dort ein repräsentatives Grabmal errichtet.

Souches war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau war Anna Elisabeth v. Hofkirchen. Nach ihrem Tode heiratete er 1677 (im Alter von 69 Jahren) Anna Salome Aspremont-Reckheim.

Aus der ersten Ehe stammen die Söhne Johann Ludwig S. und Karl Ludwig S.“ „Souches wurde am 16.8.1608 in der französischen Stadt La Rochelle in einer Hugenottenfamilie geboren. Über seine Eltern und seine Jugend konnte ich nichts Näheres herausfinden.

Aus religiösen Gründen ging er nach Schweden, wo er um das Jahr 1630 in das Heer eintrat. 1635 erhielt er den Rang eines Hauptmanns, 1639 dann den eines Obristen. Nach einem Duell mit dem schwedischen General Stålhandske dankte er ab und reiste nach Frankreich. 1642, während seines Aufenthaltes in Österreich, folgte er der Aufforderung von Erzherzog Leopold Wilhelm und trat in das kaiserliche Heer ein. Etwas später konvertierte er zum katholischen Glauben. Bei der Belagerung von Olmütz 1644 bewies Souches seine Tapferkeit, wonach ihn der Kaiser zum Obristen eines Dragonerregiments ernannte.

Am 14.3.1645 wurde Souches von Kaiser Ferdinand III. zum Kommandanten der Stadt Brünn (Brno/CZ) ernannt. Die Räte des Kaisers waren gegen die Ernennung, da sie dem Franzosen, der ursprünglich in schwedischen Diensten gestanden hatte, nicht trauten. Ferdinand II. hatte jedoch den richtigen Mann gewählt. Souches machte sich sofort daran, die Stadt in einen verteidigungsfähigen Zustand zu setzten. Er ließ die Stadtbefestigungen verstärken, neue Brunnen und Vorräte an Lebensmitteln anlegen. Außerdem zog er sämtliche Handwerker der Stadt zusammen, um die nötigen Waffen herzustellen.

Brünn war die einzige größere Festung, die damals in Mähren noch in der Hand der Kaiserlichen war. Die Schweden unter General Torstensson schlossen die Stadt am 4.5.1645 mit ca. 28.000 Mann und reichlich Artillerie ein und begannen die Belagerung. Der Kommandant der Brünner Festung Spielberg, Obrist Ogilvy, befürchtete, die Festung nicht halten zu können, was Souches sehr erboste. Der Stadtrat entschied darauf hin, dass Ogilvy dem Stadtkommandanten Souches unterstellt wurde. Der sorgte für eine effektive Verteidigung der Festung.

Den Verteidigern gelang es sämtliche schwedischen Angriffe abzuwehren, auch wenn die schwedischen Geschütze große Schäden und Brände in der Stadt verursachten. Am 19.7. erhielten die Schweden Verstärkung durch 10.000 Mann mit 38 Kanonen, die von dem Siebenbürger Fürsten Rákoczy angeführt wurden. Aber auch den Kaiserlichen gelang es am 8.8., eine kleinere Truppe mit Vorräten – vor allem Schießpulver – in die Stadt zu bringen. Am 15.8. forderte Torstensson die Stadt auf zu kapitulieren. Souches lehnte ab. Darauf setzten die Schweden zum Sturm an mehreren Stellen gleichzeitig an. Die Verteidiger konnten alle Angriffe abwehren, auch Ogilvy auf der Festung Spielberg gelang es mit seinen wenigen Soldaten die Schweden zurückzuschlagen.

In den folgenden Tagen kam es nur noch zu kleineren Gefechten, ab 18.8. herrschte Ruhe. Den Tag Nachmittag zogen die Truppen Rákoczys ab. Am Samstag begannen auch die Schweden ihr Geschütze aus den Stellungen zurückzuziehen und leiteten den Rückzug ein. Am 23.8.1645 war Brünn frei. Souches war es in den 111 Tagen der Belagerung mit seinen geringen Kräften gelungen, den besten schwedischen Truppen zu trotzen.

Auf Grund dieser Leistung wurde Souches zum 27.10.1645 zum Generalfeldwachtmeister ernannt und am 2.5.1646 dann zum Baron erhoben. Außerdem erhielt er vom Kaiser 30.000 Golddukaten und wurde im Oktober 1645 zum kommandierenden General in Mähren ernannt.

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges beteiligte sich Souches an der Bekämpfung kleinerer schwedischer Besatzungen in einigen mährischen Städten und Festungen. Am 8.9.1648 wurde er dann zum Feldmarschall-Leutenant ernannt.

Im Jahre 1649 kaufte er das Gut Jevišovce und ein Haus in Brünn, in den Jahren 1659 – 1679 dann noch die kleineren Güter Plavec, Hostim und Boskovštejn, alle in der Umgebung von Znaim (Znojmo/CZ). 1654 erwarb er noch ein Haus in Wien.

In den Jahren 1657 – 1660 nahm er an den Feldzügen gegen die Schweden in Polen teil, wo er maßgeblich zu der Eroberung von Krakau beitrug. Am 12.1.1658 wurde er dann zum Feldzeugmeister und im gleichen Jahr zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Artillerie ernannt.

Anschließend nach Ungarn beordert, kämpfte er 1660 gegen die Türken und die Aufständischen unter Georg II. Rákoczy. Die Kapitulation von Grosswardein (Oradea/RO) am 27.8.1660 konnte er jedoch nicht verhindern. Danach ruhten die Kampfhandlungen zwischen den Kaiserlichen und den Osmanen bis Mitte 1663, als die Türken in Ungarn wieder aktiv wurden.

Nach dem Tode des Obristen Ogilvy wurde Souches im Jahre 1661 auch zum Kommandanten der Festung Spielberg in Brünn ernannt (er behielt diese Funktion bis 1664).

Die – ungenügenden – kaiserlichen Truppen wurden für den Feldzug 1663 in 4 Korps geteilt. Das erste Korps unter Souches bekam den Auftrag Mähren und Schlesien zu sichern und nahm an den Kampfhandlungen, die hauptsächlich in Oberungarn (Slowakei) stattfanden nicht teil.

Am 5.3.1663 wurde Souches in den Grafenstand erhoben.

Im Feldzug 1664 erhielt Souches, der am 20.1.1664 zum Feldmarschall ernannt worden war, den Befehl über ca. 8.500 kaiserliche Truppen mit denen er nach Oberungaren marschierte und im März Weinitz (Bojnice/SK) erreichte.

Durch ungarische Hilfstruppen unter Stephan Graf Kohary und Michael Graf Bercsényi verstärkt, belagerte Souches ab 17.4. die Stadt und Festung Neutra (Nitra/SK). Die türkische Besatzung kapitulierte gegen freien Abzug.

Am 8.5. stand sein Heer vor der Festung Levenz (Levice/SK). In deren Nähe kam es zu einem Gefecht mit türkischen Truppen unter Kücük Mehmed Pascha, in dem die Türken vernichtend geschlagen wurden. Souches zog darauf vor Levenz, das von den Türken belagert wurde und besiegte am 19.7 die türkischen Truppen, die wiederum große Verluste erlitten.

Dieser Feldzug war einer der erfolgreichsten unter Souches Leitung, er band einen großen Teil der türkischen Truppen, die an anderen Stellen dringend gebraucht wurden. Montecuccoli errang dann bei Mogersdorf (St. Gotthard) einen großen Sieg, nach dem am 10.8.1664 in Vasvár der Frieden unterzeichnet wurde.

Souches wurde zum Kommandanten an der “Militärgrenze” ernannt und organisierte den Bau der Festung Leopoldstadt (Leopoldov/SK) und einiger weiterer kleinerer Festungen in Oberungarn.

Im Jahr 1665 wurde er zum kaiserlichen Geheimen Rat ernannt, 1668 dann zum Kommandierenden der Stadtgarde von Wien und 1671 zum Oberkommandierenden in der Militärgrenze zu Varasdin in Kroatien. In dieser Funktion beteiligte er sich auch an der Unterdrückung der Unruhen in Ungarn und Siebenbürgen, die im allgemeinen als “Wesselényi-Verschwörung” bekannt sind.

Im Feldzug 1674 gegen Frankreich erhielt Souches den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen am Rhein. Da er während des Feldzuges keinerlei größere Erfolge verzeichnen konnte, wurde er im Herbst abberufen und begab sich darauf auf seine Güter in Mähren.

Souches starb auf seinem Gut Jevišovce am 12.8.1682 und wurde in der Kirche des hl. Jakob in Brünn beerdigt. Im Jahre 1727 wurde ihm dort ein repräsentatives Grabmal errichtet.

Souches war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau war Anna Elisabeth v. Hofkirchen. Nach ihrem Tode heiratete er 1677 (im Alter von 69 Jahren) Anna Salome Aspremont-Reckheim.

Aus der ersten Ehe stammen die Söhne Johann Ludwig S. und Karl Ludwig S.“[36]

Quellen:
–          P. Broucek, “L- R. de Souches, kaiserlicher FM” Jahrbuch der herald. Gesellsch. “Adler” Jg.3, Bd.8, 1971 – 1973
–          H. Reutter, “Das Todesdatum L. R. de Souches”, ZdVGMS, Jhg. 20, 1916
–          H. Reutter, “Zur Geschichte des de Souches Grabmales in Brünn”, ZdVGMS Jhg. 20, 1916
–          M. Trmač, “Maršál J.L.Radouit de Souches a Znojemsko”, Znojmo/CZ, 1992
–          V.Dangl/V. Seges, “Vojenské dejiny Slovenska”, Bd. II., Bratislava 1995
–          Kollektiv, “Pod císařským praporem”, Prag, 2003
–       G. Anger, „Illustrierte Geschichte der k. k. Armee“, Bd. II. Wien 1887.
[1] BROUCEK, Biographie; BROUCEK, Louis Raduit de Souches. Vgl. auch die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher. Das hier abgebildete Portrait findet sich im Museum auf der Festung Spielberg, Brünn [Brno]. Für die Überlassung danke ich Herrn Harald Skala.
[2] BRETHOLZ, Vertheidigungskampf, S. 20ff.
[3] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1514; Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.
[4] Brünn [Brno]; HHSBöhm, S. 68ff.
[5] ENGLUND, Verwüstung, S. 441ff.
[6] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 610.
[7] Jiří Śtépán Bruntálský z Vrbna. Vgl. dessen Schreiben an Gallas, Brünn, 1646 VI 28; TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf Nr. 613.
[8] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 612.
[9] Vgl. d’ELVERT, Spielberg.
[10] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 613.
[11] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 622.
[12] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 625.
[13] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 629.
[14] ENGLUND, Verwüstung, S. 446ff.
[15] Göding [Hodonín]; HHSBöhm, S. 163f.
[16] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf,Nr. 657.
[17] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.
[18] Nach de Souches’ Äußerungen soll es sich jedoch um Kapoun gehandelt haben.
[19] WASSENBERG, Florus, S. 613f.
[20] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 637, S. 213f.
[21] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 674.
[22] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.
[23] Plumenau [Plumlov; Bez. Proßnitz]; HHSBöhm, S. 458f.
[24] Nikolsburg [Mikulov]; HHSBöhm, S. 411ff.
[25] Mailberg [BH Hollabrunn]; HHSÖ I, S. 398f.
[26] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 277.
[27] Krems an der Donau [Statutarstadt]; HHSÖ I, S. 363ff.
[28] Nikolsburg [Mikulov, Bez. Lundenberg]; HHSBöhm, S. 411ff.
[29] WASSENBERG, Florus, S. 669.
[30] Falkenstein [BH Mistelbach]; HHSÖ I, S. 247ff.
[31] Rabensburg [BH Mistelbach]; HHSÖ I, S. 489f.
[32] Helfenstein [Helfštejn]; unter Leipnik [Lipník nad Bečvou, Bez. Prerau]; HHSBöhm, S. 322f.
[33] Troppau [Opava]; HHSBöhm, S. 625ff.
[34] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 277.
[35] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 1105.
[36] Ich danke Herrn Harald Skala für seine Beiträge und Abbildungen zu Souches.
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