Silva [Sylva], Don Felipe [Philippo, Philippi] de

Silva [Sylva], Don Felipe [Philippo, Philippi] de; General [ – ] Felipe de Silva führte 1622/23 ein neapolitanisches Regiment in spanischen Diensten.

Seine Leibkompanie mit 200 Reitern lag ab Dezember 1622 in Soest.[1] „Im Dezember [1623] nahm ein spanischer Feldherr, Don Philippo de Sylva, aus dem Vest Recklinghausen[2] kommend, mit zwei Reiterkompagnien in der Grafschaft Quartier (1623, Dezember 16). Nach langen Verhandlungen mit Don Philippo und Beschwerden in Brüssel erlangte Dortmund Anfang Januar 1624 die Zusage, daß eine Kompagnie entfernt werden sollte. Aber da der Rat es versäumt hatte, Don Philippo für die bloße Zusage durch eine Gesandtschaft und ein Geschenk gebührend zu danken, wurde der Befehl aus Brüssel nicht ausgeführt, obwohl der Rat das Versäumte durch ein Geldgeschenk von 200 Rtlr. schleunigst nachholte (1624, Jan. 3 u. Febr. 28). Die Stadt mußte sich nochmals an Spinola selbst wenden (März 28). Sie hatte allen Grund, für die Grafschaft um Erleichterung zu bitten, denn die Bauern waren bereits so verarmt, daß der Rat einem Kapitän La Verne, der ebenfalls in der Grafschaft gelegen hatte, 100 Rtlr. ‚verehrte‘, weil er ‚von den armen Leuten nichts genossen‘ habe (März 4)“.[3]

„Am 9. Februar 1624 zogen sechs Kompanien des Fuggerschen Regiments aus der Stadt. Anrückendes italienisches Kriegsvolk unter Don Philippi de Sylvas hatte sich schon einige Tage in der Börde aufgehalten. Noch am selben Tag rückten die Italiener ein mit neun Fehnlein Neapolitanern mit 1.017 Mann ohne die 9 Kommandierenden und 12 reformierte [halbbesoldeten, zur Disposition oder auf der Warteliste stehenden] Kapitäns, 9 Alferen [Fähnrichen] und 65 deroselben reformirten, item 9 Sergeanten und bei 69 derselben reformirte … mit vielen Pferden und zum Stabe gehörigen und sonsten bei 10 prima plana aufgesetzte Personen [Stabsoffiziere]. Sie wurden bei den Bürgern einquartiert. Was sie den Soestern an überaus großer Drangsal mit Erpressen von Geld und ungeheuren Forderungen zu ihrem Unterhalt angetan hatten, schilderte der Rat in vielen Schreiben. Er verwies auf deren Abschriften im Protokollum Missivarum, das aber für 1624 nicht erhalten ist. Der Historiograph Rademacher, auf dessen Zusammenstellung der Quellen der erste Teil dieses Beitrages basiert, hat in seinen Notizen den Inhalt einiger dieser Briefe in kurzen Zusammenfassungen überliefert. Er schreibt über die Italiener, sie hätten nicht so viel gefressen und gesoffen wie die Spanier, aber alles Geld, was sie kriegen konnten, von der Stadt und den Bürgern erpreßt. Die Italiener verließen Soest am 9. Juli“.[4]

1631 amtierte Silva als Kommandant der spanischen Truppen in Kreuznach.[5] Die Übergabe Friedbergs[6] an die Schweden wurde auf seinen Befehl hin von dem zuständigen Kommandanten Verreicken verweigert: „Den 23. Nov. ist von Ihro Königl. Maj. von Schweden Gustavo Adolpho ein Commissarius hieher geschickt worden, welcher in Person dem Hrn. Gubernator ankündigt, wo er in der Güte täte weichen, solle er nebst seinen Soldaten convoyiret [geleitet] werden bis an Rhein, und wo er jetzt nicht wolle accordiren, sollte er nachmals kein Quartier [Schonung] bekommen. Er entschuldigt sich aber, er könnte es nicht thun, ohne Vorwissen des Hn. Generals zu Kreuznach [Don Philippo de Silva]. Hierauf folgenden Morgen den 24. dieses waren etliche [Boten] abgefertiget zu dem Hn. General und ihm solches zu wissen gemacht, aber kein Bescheid anders erfolget, denn daß der H. Gubernator sich soll wehren bis auf den letzten Mann. Hierauf sie fleißig schanzten in der Burg“.[7]

Am 22.12.1631 gab Silva die Verteidigung von Mainz[8] auf, nachdem ihm Gustav Adolf einen ehrenvollen Abzug bewilligt hatte.[9]

Im Februar 1632 schlug Otto Ludwig, der erst Oxenstierna, dann Horn unterstellt war, die spanischen Hilfstruppen an der Mosel, zusammen mit französischen Truppen unter dem Befehl des Herzogs von Orléans bei Veldenz[10] und stürmte Kirchberg[11] im Hunsrück. Als der spanische General Cajero den Rheingrafen mit einen Überraschungsangriff überfallen wollte, geriet er am 13.4. selbst in eine Falle des Rheingrafen Otto Ludwig, verlor 12 Kompanien und eine große Anzahl seiner Offiziere. Cajero konnte sich nur mit Mühe nach Mainz in Sicherheit bringen. Als Cajero im Mai 1632 gemeinsam mit General de Silva heimlich Speyer[12] verlassen und sich an der Mosel zurückziehen wollte, griff ihn Otto Ludwig zwischen Worms[13] und Kreuznach[14] erfolgreich an, nahm ihnen die gesamte Bagage ab und verfolgte die Flüchtenden bis Trier.[15]

Am 24.5.1640 teilte Lamboy Piccolomini aus Lemé[16] mit: Gleich bei seiner Ankunft mit der Truppe in Diest[17] habe ihn der Kardinal-Infant wissen lassen, er solle am 25.5. bei Fontaine-l’Evêque[18] warten. Von Silva habe er die Nachricht erhalten, dass er auch die Spanier dorthin führen werde, dass die Franzosen die Sambre überschritten hätten und sich unter unter de La Meillerayes Kommando in der gleichen Richtung bewegten. Herzog Karl IV. von Lothringen habe sein Lager in der Nähe dieses Orts bereits aufgeschlagen. Die Truppen der Generalstaaten hielten sich in der Gegend von Brügge[19] auf, ihre Absichten seien unbekannt. Der Kardinal-Infant selbst sei nach Gent[20] abgereist.[21]

Am 10.8.1644 schrieb der spanische Vertreter in Hamburg,[22] Dr. Jakob Rosales, an den kaiserlichen Kommandierenden Gallas: Er stehe in Hamburg in Diensten des spanischen Königs. In der Stadt gehe das Gerücht um, dass Gravelingen[23] von den Franzosen okkupiert sei. Am 3. dieses Monats habe ihm der spanische Gesandte Saavedra aus Münster[24] geschrieben, dass Silva Lérida[25] eingenommen hätte. Er selbst habe Geheimberichte aus Spanien, dass man dort den Sieg über Portugal besinge. Die wahren Umstände dieses Sieges aber seien die, dass von der über 6.000 Mann zählenden Infanterie keine 1.000 sich durch die Flucht retteten, dass die Waffen im Feindesland zurückblieben und 14 Kommandanten bei Albuquerque[26] fielen, so dass von der ganzen Armee nur einige wenige Reiter übrig blieben. Trotzdem hätten der König und der Prinz Gott in der Kathedrale gedankt (wohl dafür, dass sie nicht selbst in der Schlacht waren. So nützlich ist im Krieg die Lüge – und so gutgläubig das spanische Volk. Aus Genua höre er, dass die portugiesische Armee schließlich doch vertrieben wurde.[27]

[1] WIDDER, Soest Bd. 3, S. 777; Soest; HHSD III, S. 692ff.

[2] Recklinghausen; HHSD III, S. 625f.

[3] STEFFEN, Dortmund, S. 28f.

[4] WIDDER, Soest Bd. 3, S. 779.

[5] (Bad) Kreuznach; HHSD V, S. 24ff. Vgl. auch die Erwähnungen bei FROHNHÄUSER, Gustav Adolf.

[6] Friedberg; HHSD IV, S. 145ff.

[7] WAAS, Chroniken, S. 135.

[8] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[9] JUNKELMANN, Gustav Adolf, S. 373; ausführlich dargestellt bei FROHNHÄUSER, Gustaf Adolf.

[10] Veldenz [Kr. Bernkastel]; HHSD V, S. 385ff.

[11] Kirchberg (Hunsrück) [Kr. Simmern]; HHSD V, S. 169.

[12] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[13] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[14] (Bad) Kreuznach; HHSD V, S. 24ff.

[15] Trier; HHSD V, S. 372ff.

[16] Lemé [Dép. Aisne].

[17] Diest [Span. Niederlande, h. Belgien].

[18] Fontaine-l’Evêque [Belgien, Prov.Hainaut].

[19] Brügge [Bruges, Span. Niederlande, h. Belgien].

[20] Gent [Gand; Span. Niederlande, h. Belgien].

[21] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1041.

[22] Hamburg; HHSD I, S. 83ff.

[23] Gravelingen [Gravelines; Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Nord]

[24] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[25] Lérida [Spanien, Prov. Katalonien].

[26] Albuquerque [Spanien, Prov. Estremadura].

[27] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 362.

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