Seelbach, Conrad Wilhelm von, genannt „Quadfasel“

Seelbach, Conrad Wilhelm von, genannt „Quadfasel“; Freikorpsführer [ – ] Conrad Wilhelm von Seelbach, genannt „Quadfasel“ [ – ], war Freikorpsführer[1] im Dienst der Kaiserlich[2]-Ligistischen. „Quadfasel“ war sein Übername[3] und setzte sich zusammen aus „quad“: böse, schlecht und „fasel“: Schwein.

Mit der abziehenden Besatzung Osnabrücks[4] von 2.000 Mann und den Freikorps Bracht[5] und Daube[6] führten Bönninghausen[7] und Schelhammer,[8] der ehemalige Kommandant der Weserfestung Hameln,[9] im Auftrag des Grafen Gronsfeld,[10] [Abb. links] des ligistischen[11] Kommandierenden im Weser-Bereich, 1633/34 mit wechselndem Erfolg den Kleinkrieg[12] kaiserlich-ligistischer Truppen in Nordwestdeutschland, oft auch als „Bandenkrieg“ von „irregulären Truppen“ oder „Schnapphähnen“[13] bezeichnet, fort. Seinen Truppen gehörten Freikompanien[14] an, die von Grasteufel,[15] Brandjohann,[16] Hasenbein[17] und Quadfasel geführt wurden und zum Teil in Truppen von etwa hundert Mann operierten. Ihre Stützpunkte lagen in Marsberg,[18] Brakel,[19] Warburg[20] und Salzkotten.[21] Sie sind nicht zu verwechseln mit sogenannten „Marodeuren“.[22] [Abb. rechts]

Quadfasel ersuchte 1634 um Pardon.

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[1] „Freikorps“ [Freifahne]: eigentlich eine spätere Bezeichnung für ein Verbund v. Kompanien oder Fähnlein, die bei Umformungen aus dem eigentlichen Regimentsverband frei wurden u. keinem Regiment u. keinem Regimentsstab unterstellt waren. Sie operierten entweder selbstständig oder in Verbindung mit Regimentern. Sie führten teilweise einen recht erfolgreichen Kleinkrieg als Partisanen. Zum Teil wurden sie als „Hahnenfedern“ nach dem charakteristischen Schmuck am Hute des Teufels bezeichnet. Grasteufel, Brandjohann, Hasenbein u. Quadfasel waren bekannte Kompanieführer, die in Abteilungen v. bis zu 100 Mann operierten. Bei Gefangennahme riskierten sie die Hinrichtung. Teilweise wurden diese Freifahnen auch v. Städten zur Verteidigung aufgestellt. „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke u. Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore u. Quartierräume aufzuklären. Sie wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung u. Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ u. wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete u. berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen u. plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen u. Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab.

[2] Vgl. auch BRNADIC, Imperial Armies (1) u. (2).

[3] Übername: Söldner legten sich oft besondere Übernamen zu, die eine besondere Eigenschaft hervorheben sollten oder die sarkastisch gemeint waren, z. B. „Immernüchtern“, „kleiner Schwede“, „Schwanzhans“, „Haßdenteufel“. Zugleich sollte damit bei Beschwerden die wahre Identität verschleiert werden. Teilweise stammten diese Namen auch v. der drangsalierten Bevölkerung.

[4] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[5] Johann [Jan] v. Bracht [Ermite, Eremite, Eremeite, Emerite, Hermita, Heremite] zur Hewb [1610-1675], kurkölnischer Obrist.

[6] Paul Daube [Daubt, Taube, Duve; der „kleine Finne“] [ -nach Juni 1634], kurkölnischer Obrist u. Freikorpsführer.

[7] Lothar Dietrich Freiherr v. Bönninghausen [Böninghausen, Boningshausen, Böninghausen, Benninghausen, Benningshausen, Benickhausen, Bennickhausen] [ca. 1598 Apricke-13.12.1657 Schnellenberg], Obrist in ligistischen, kaiserlichen, spanischen u. französischen Diensten, zuletzt Feldmarschallleutnant. Vgl. LAHRKAMP, Bönninghausen. 1630 übernahm Bönninghausen als Obrist ein Kürassierregiment unter dem Befehl Pappenheims und war an der Belagerung und brutalen Eroberung Magdeburgs (Mai 1631) beteiligt. Am 16.11.1632 nahm er als Befehlshaber der Reiterei an der Schlacht v. Lützen teil. Danach beförderte ihn Wallenstein zum Generalwachtmeister. 1633 erlitten Bönninghausen, Gronsfeld u. Merode eine verheerende Niederlage in der Schlacht v. Oldendorf. 1636 trat er in den Dienst des kaiserlichen Feldmarschalls Ottavio Piccolomini. 1639 wurde er kaiserlicher Feldmarschallleutnant u. 1645 französischer „Marechal de Camp“. Ende des Krieges trat er wieder in kaiserliche Dienste. Bönninghausen u. seine Soldaten waren als rücksichtslose Plünderer bekannt.

[8] Hans Wilhelm Schelhammer [Schellhamer, Scheelhauer] [ -1635 Speyer], ligistischer Generalwachtmeister. JÜRGENS, Chronik, S. 517, erwähnt unter dem 8.7.1634 Schellhammer beim Versuch des Entsatzes v. Hildesheim.

[9] Hameln [LK Hameln-Pyrmont]; HHSD II, S. 192ff.

[10] Jost [Jobst] Maximilian Graf v. Gronsfeld [Gronsfeldt, Gronßfeld, Gronsfelt, Cronfeld, Cronsfeld, Kranigsfeld] [6.11.1596 Rimburg-24.9.1662 Gronsveld], ligistisch-bayerischer Obrist, kurbayerischer Feldmarschall. Vgl. WARLICH, Für Bayern, Habsburg und Reich [Typoskript]; LAHRKAMP I-III.

[11] Liga: Die Liga war das Bündnis katholischer Reichsstände vom 10.7.1609 (vgl. ERNST; SCHINDLING, Union und Liga) zur Verteidigung des Landfriedens u. der katholischen Religion, 1619 neu formiert, maßgeblich unter Führung Maximilians I. v. Bayern zusammen mit spanischen u. österreichischen Habsburgern an der Phase des Dreißigjährigen Krieges bis zum Prager Frieden (1635) beteiligt, danach erfolgte formell die Auflösung. Das bayerische Heer wurde Teil der Reichsarmada. Zur Liga-Politik vgl. KAISER, Politik, S. 152ff.; KAISER, Angstgetriebene Politik, S. 101ff.

[12] „Kleiner Krieg“: Gegensatz zum „gehegten Krieg“: Krieg der kleinen Truppeneinheiten, Streifkorps u. verbündeten Bauernhaufen, mit Scharmützeln, „Rencontren“, kleineren Treffen, Überfällen etc., um den Gegner überraschend anzugreifen, ihm den Nachschub zu nehmen u. ihn auszuhungern.

[13] Schnapphahn: I. Strauchdieb zu Pferd, Straßenräuber. Zunächst bezogen auf adlige oder zumindest berittene Wegelagerer, dann auch Scheltwort für einen Kriegführenden: „Partheigänger im Kriege, der widerrechtlich auf Beute ausgeht. Auch die Bauern, wenn sie sich im Kriege in ein Versteck, Hinterhalt etc. legen, und den Soldaten auflauern, welche sich von der Armee oder von ihren Detachements entfernt haben, oder auch wohl als Ermattete dem Korps nachziehen, um sie zu plündern oder todt zu schlagen, werden Schnapphähne genannt. Ferner auch Straßenräuber, als eine gelindere Benennung“ [KRÜNITZ] => Merodebrüder sowie auf Wegelagerer, Räuber und Diebe im Allgemeinen bezogen. Teilweise erhielten sie bei ihrer Gefangennahme Pardon, wenn sie in die Armee eintraten. Teilweise wurden sie auch als Bauerntruppen v. Amts wegen gegen feindliche Truppen eingesetzt. Vgl. RATHJEN, Soldaten im Dorf, S. 211ff. Gegen größere Banden wurden Truppen eingesetzt; so der in französischen Diensten stehende Kriegsteilnehmer Welsch [1612 Lauingen-1663 Stuttgart] aus Saint-Mihiel (1636); Wahrhafftige Reiß-Beschreibung, S. 378: „Nachdem dann sich in den Wäldern viel Schnaphahnen auffgehalten / welche Gesellen Herrnloß seyn / und sich als Mörder in den Wäldern auffhalten) die unsern Leuten hin und wieder auffgepasset / dieselbe beraubet / und jämmerlich ermordet. Als hat man einsmals eine Parthey Mußquetirer auff sie commandiret / etliche von den vornehmsten erwischt und auffhencken lassen“. Vgl. „Snapphanar och friskyttar“, unter: http://www.historiesajten.se/handelser2.asp?id=44.

[14] Freikompanie: Kompanie (auch Freifahne), die keinem Regiment u. keinem Regimentsstab unterstellt war. Bei den Kaiserlichen waren dies vor allem Hannemann, Unger u. Augustin. Vgl. KONZE, Stärke, S. 34f. Vgl. auch Freireiter: a) Söldner ohne Soldvertrag und Kriegsherrn, der auf eigene Rechnung kämpfte (auch als => „aventurier“ bezeichnet; PETERS, Lars Wivallius) u. v. der jeweiligen Kriegspartei für seine gefährliche Arbeit z. B. als Kundschafter ad hoc entlohnt wurde. Darunter waren aber auch Adlige wie Herzog Ulrich v. Württemberg-Neuenbürg [1617-1671], der 1644 im Regiment Johann v. Werth als Rittmeister diente. Ein Avanturier musste nach damaliger Sitte so lange kämpfen, bis er Ruhm erlangte; SODEN, Gustav Adolph III, S. 495 Anm. 1. Zum Teil operierten sie in eigenen Korps u. überfielen kleinere Städte; PEETZ, Christian, S. 286. 1634 veranlasste Bernhard von Weimar angeblich die Abschaffung; RÖSE, Bernhard 2. Bd., S. 16. Vgl. dagegen LEUPOLD, Journal, S. 281, für den Frankreichfeldzug 1637. Vgl. (für den 2. Nordischen Krieg) die Memoiren eines solchen Freireiters; LAHRKAMP, Kriegsabenteuer; vgl. „Snapphanar och friskyttar“, unter: http://www.historiesajten.se/handelser2.asp?id=44. b) Soldat, der sich unerlaubter Weise einen Streifkorps angeschlossen hatte. c) „Freireuter“ waren zum einen Soldaten beweglicher Reiterverbände, die die Aufgabe hatten, über Stärke u. Stellung des Gegners sowie über günstige Marschkorridore u. Quartierräume aufzuklären. Diese Soldaten wurden außerdem zur Verfolgung fliehender, versprengter oder in Auflösung begriffener feindlicher Truppen eingesetzt. Diese Aufgabe verhinderte eine Überwachung u. Disziplinierung dieser „Streifparteyen“ und wurde von diesen vielfach dazu genutzt, auf eigene Rechnung Krieg zu führen. Zum anderen handelte es sich bei „Freireutern“ um bewaffnete u. berittene Bauern, die über Raubzüge Verwirrung hinter den feindlichen Linien schufen. Sie taten dies entweder mit Erlaubnis ihrer Kommandierenden, als integraler Bestandteil der kaiserlichen Kriegsführung, oder aber unerlaubter Weise – nicht ohne dabei z. T. drakonische Strafen zu riskieren. Diese „Freireuter“ stahlen u. plünderten auf Bestellung der eigenen Kameraden sowie der Marketender, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Obristen u. Feldmarschälle abzuführen hatten. An Schlachten nahmen sie in der Regel nicht teil oder zogen sogar auch in der Schlacht ab. Teilweise wurden diese Freifahnen auch v. Städten zur Verteidigung aufgestellt.

[15] „Grasteufel“ [ – ], kaiserlich-ligistischer Freikorpsführer.

[16] „Brandjohann“ [ – ], kaiserlich-ligistischer Freikorpsführer.

[17] Stadtarchiv Brakel A 1524, fol. 2 (Ausfertigung): Dietrich Hasenbein, Bellerden, 1634 VII 10, zur Wiederaufstellung ligistischer Regimenter; jetzt auch NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, 63. Nach GEYSO, Beiträge (1624), S. 88, „richtige Räuberbanden“; so auch TESKE, Bürger, Bauern, S. 104. Österreichisches Staatsarchiv Allgemeine Feldakten 1635/2/58 II: „Beschreibung aller kayserischen undt ligistischen regimenter von cavalleri undt infanteri compagnia“ unter Nr. 18: „Hosenbain neugeworben under maintzische patent“; vgl. die Erwähnungen bei ENGELBERT, Hatzfeldt; DAMBOER, Söldnerkapitalismus, S. 77; LUCKHARD, Homberg, S. 172, anlässlich der Belagerung v. Homburg a. d. Efze; bei SCHNEIDER, Recklinghausen, S. 175, „Hastenbein“ vom Regiment Merode-Westerholt.

[18] Marsberg, Ober- und Nieder- [LK Brilon]; HHSD III, S. 494ff.

[19] Brakel [LK Höxter]; HHSD III, S. 112f.

[20] Warburg [LK Warburg]; HHSD III, S. 752ff.

[21] Salzkotten [LK Büren]; HHSD III, 6S. 60f.

[22] Marodeur, Merodebruder: Diebesbande, Nachzügler, Feldstreicher. Der Begriff ist abgeleitet vom französischen „maraude“ oder „maraudage“, was „Felddiebstahl“ – besonders durch Soldaten – bedeutet. Verwandt ist das deutsche Eigenschaftswort „marode“, welches synonym zu „heruntergekommen“, „verfallen“ oder „verkommen“ verwendet wird. Marodeure schließen sich häufig in Banden zusammen. Je länger ein Konflikt andauert, desto größer wird naturgemäß das Marodeursunwesen, weil die Zahl der Menschen wächst, die keine andere Überlebensmöglichkeit mehr haben oder sehen. Aus diesem Grund war eine große Zahl v. Marodeuren auch eine der Begleiterscheinungen des Dreißigjährigen Krieges. Das Phänomen ist jedoch keineswegs auf die Frühe Neuzeit beschränkt. [WIKIPEDIA]. Der Begriff „Marodeur“ bezeichnet jemanden, der am Rande v. Kampfhandlungen brandschatzt, plündert, erpresst, raubt, stiehlt, vergewaltigt und mordet. Zumeist handelt es sich dabei um durch Krankheit oder Verwundung untauglich gewordene u. ausgemusterte oder wegen Verfehlungen aus der Truppe ausgestoßene Kombattanten oder um Deserteure, teilweise aber auch um reguläre Truppenteile v. mehreren hundert Mann. LATOMUS, Relationis Historicae Semestralis Continuatio (1637), S. 53 (Mai 1637): „Wenig Tag vor gedachtem Anzug der Keys. vnd Chur-Sächs. Armeen gegen Eulenburg vnd Torgaw hat der Keys. General Leutenant / Graff von Hatzfeldt zu Riesen in Meyssen 112. Mann / zu der Keys. Armee gehörig (darum daß sie neben noch andern / in die 400. starck / vber 15. Meil wegs von der Armee sich begeben / vnnd in der Laußnitz Stätt / Dörffer gebrandschätzet / geplündert / die Vnterthanen vnd andere Leut erschröcklich tractiret / ermordet / vnnd sonderlich mit den Weibsbildern vnnd Schwangern Frawen vnchristlich procedirt hatten / theils hencken / verbrennen / rädern / viertheilen / theils aber auch gar spiessen vnd in die Hecken hencken lassen. Diese Gesellen vnd Freybeutter / meisten theils Frantzosen vnd Wallonen / hatten sich Merode Brüder genannt / vnd eines festen Hauses impatronirt / welches sie auch mit Proviand ziemlich versehen. Dieweil sie aber den Hatzfeldischen Rumor-Meister / welcher sie von so bösem vornehmen gütlich abmahnen wollen / spöttlich tractirt vnd sich nit abschrecken lassen wollen / seyn etlich Regim. wider sie außcōmandirt vnd sie von denselben zur vbergab bezwungen worden. Worauff man den Rädelsführern vorgesetzten proceß gemacht / die vbrigen / so nicht also tyrannisiret / haben in den Eysen gehen vnd an den gefährlichsten Orten gegen dem Feind schantzen müssen“. LAVATER, KRIEGSBüchlein, S. 87: „Alle Nachtvögel / so die Strassen unsicher machen / und keinen Herren haben / sol man henken lassen“.  Der Ausdruck Merode-Brüder wird in der germanistischen Forschung meist auf Truppen des braunschweig-lüneburgischen, dann schwedischen Obristen Werner v. Merode bezogen, die 1635 an der Elbe meuterten und auseinander liefen, während Grimmelshausen die Verbände des kaiserlichen Obristen Johann II. v. Mérode meinte. => Gurgeln, Kriegsgurgeln, „Merode-Brüder“ in den „Miniaturen“.

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