Schwarzenberg [Schwarzburg, Schwarzberg, Schwarzbürger], Johann Wilhelm Graf von

Schwarzenberg [Schwarzburg, Schwarzberg, Schwarzbürger], Johann Wilhelm Graf von; Obrist [ – ] Johann Wilhelm Graf von Schwarzenberg [Schwarzburg, Schwarzberg Schwarzbürger] ]´[ – ]  stammte aus dem gleichnamigen Schwarzenberg[1] im Fränkischen und stand als Obrist in kaiserlichen Diensten.

Über die Kriegsereignisse in und um Mühlhausen[2] heißt es: „Anno 1627 hat der Graf von Schwarzburg mit einem Regiment Reiter auf den Mühlhäusischen Dörfern gelegen und hat M. Otto,[3] der Pfarrer zu Ammern,[4] einen Meßpfaffen im Quartier gehabt, welches des Nachts Huren ins Haus gebracht hat, darüber sich der Pfarrer sehr beschwert hat“.[5] Wahrscheinlich handelt es sich hier aber um eine Verwechslung mit dem Grafen Schönberg.

1633 war Schwarzburg in die Kämpfe bei Rinteln[6] und Hameln[7] verwickelt. Ende 1633 unterstand er dem Kommando Bönninghausens. Nach dem erfolgreichen Übergang bei Rinteln rückten schwedisch-finnische Abteilungen gegen die nächstgelegenen Reiterquartiere vor, deren Besatzungen sich unter dem Kommando des ligistischen Kommandierenden Jost Maximilian von Gronsfeld bis nach Minden[8] und Hameln zurückziehen mussten; ein Erfolg, der in anti-ligistischen Flugschriften ausführlich dargestellt wurde: „Indeme sie nahe Rindeln / durch etliche derselben Orts wohnende Bawren / einen Furth durch die Weeser erkundiget / durch welchen sie / (nach dem sie / wie es vmb des Feindes Läger bewandt / gewisse Kundschafft eingebracht) / in 3. Regiment starck zu Roß / deren jeder einen Mußquetirer hinter sich auff dem Pferde sitzend gehabt / durch gesetzt/ vnd vnvermerckt des Feindes / sich dem Gronßfeldischen Lager genahet / selbiges auch in solcher Furi dermassen angefallen / daß sie nicht allein in schneller eil sich zweyer dabey auffgeworffenen vnd wol befestigten schantzen bemächtiget / sondern auch den Feind in vnersetzliche disordre gebracht / vnd flüchtig worden / die Vnserigen aber haben jhnen dergestalt vorgeböget / vnd sie vmbhawet / daß wenig / sonderlich vom FußVollck davon kommen / sondern meisten theils / was nicht gefangen / niedergemacht worden. Gronsfeld ist mit wenig Reutern in Münden[9] kommen / hat alle seine Pagagi / Munition vnd Proveant, auch die besten Officirer, benebens 24 Stück Geschütz / im Stiche lassen müssen / deme die Vnserigen auff dem Fuß gefolget / die Stadt berennet und vmbringet / also daß er keines Orts heraus kan / sondern wol wird anhalten müssen. Sonsten sol sich ein fürnehmer Obrister / so Münden nicht erreichen können / in Arnßberg[10] retteriret haben / deme aber aller Orten auffgepasset wird / der Graff von Schwarzburg vnd Obr. Asseburg sind mit der vbrigen wenigen Reuterey / bey Schwalenburg[11] fürüber / nach Badeborn[12] zu marchiret, Obr. Asseburg Liebste ist in Lancko[13] ertappet / vnd von einem Lüneburgischen Leutenand gefangen worden / sol sich gegen demselben mit 3000. Thalern rantzoniren, vnd alsdeñ noch Ihr: F. Gn. frey stehen /   ob sie möge paasiret werden“.[14]

„Von Knyphausen und Melander [Holzappel; BW] bedrängt, blieb Bönninghausen nichts anderes übrig, als sich zum Rhein zurückzuziehen. Anfang November [1633] kam er an der bergischen Grenze an und sandte starke Kavallerieeinheiten aus, um mit sich zu nehmen, was sie gebrauchen konnten. Am 6. November erschien er im Amte Porz[15] und quartierte seine Truppen in allen Dörfern um Mülheim[16] ein. Die noch vorhandenen Pferde wurden der Landbevölkerung weggenommen; die Untertanen Wolfgang Wilhelms [von Pfalz-Neuburg; BW] flüchteten ihre Habe, so gut sie konnten, nach Köln[17] und auf die linke Rheinseite; die pfalzgräflichen Soldaten wagten nichts gegen Bönninghausens plündernde Scharen zu unternehmen. Nach dem Bericht ihres Obristwachtmeisters Matthias Daniel an Wolfgang Wilhelm ‚wurde das Spoliiren continuirt‘. Erst am 22. November setzte der Pfalzgraf, der sich in Köln aufhielt, durch, daß Bönninghausen Ordre erhielt, aus des Pfalzgrafen Land aufzubrechen. Dessen Truppen setzten sich zwar schwerfällig in Bewegung, doch gelang es Bönninghausen nicht, weiter vorzudringen. Er blieb in Beyenburg[18] an der Ruhr liegen, von wo er am 1. Dezember [1633] ein Entschuldigungsschreiben an Wolfgang Wilhelm schickte, in dem er betonte, der Verzug der Räumung gereiche ihm selbst zum höchsten Mißvergnügen. Er werde strenge Befehle erlassen und allen Klagen nachgehen, auch den Obristen Wippart – gegen den Beschwerden eingelaufen waren – zur Rückgabe der in Elberfeld[19] erpreßten Kontribution veranlassen. Tatsächlich war Bönninghausen außerstande, den Vorstellungen des Pfalzgrafen nachzugeben. In der Nacht vom 14. zum 15. Dezember versuchte er nochmals mit seiner ganzen Armee einen Vorstoß gegen Knyphausen, indem er bei Wenigern[20] die Ruhr überschritt; seine Vorhut führte der Obrist Schwarzenberg, dessen Kundschafter Meldung brachten, daß der Feind alle märkischen Städte in seiner Gewalt habe. Größere Vorstöße der Reiterei verhinderte die Kälte, die alle Wege schwer passierbar gemacht hatte. ‚Zur Konservation seines Volkes‘ mußte Bönninghausen sich wieder zurückziehen und rückte bis nach Lennep[21] und ins Amt Bornefeld,[22] wo seine Scharen großen Schaden verursachten. Am 20. Dezember versuchte er einen neuen Vorstoß und marschierte auf Iserlohn,[23] da die Hessen und Schweden inzwischen abgerückt waren“.[24]

Aus Geseke[25] wurde berichtet: „Anno 1634 beyde obristen Osterheldt und Johan von Bracht mit 23 compagnien pferden einkommen, in zehen tagen verzehret 16000 rt., darüber noch eodem anno herren von Galehen [Geleen; BW] zu proviant 4000 pfund broit und drey faß bier langen müssen ad 110 rt., noch zu ihrer excellenz kuchen ein faß bier, 4 schinken, wachs, kersen, eyer, weißbroit, ein maldt habern ad 25 1/2 rt“.[26] Aus Medebach[27] ist überliefert: „Vor Johannis Baptista [24. Juni 1634] desselben jahres [1634] war den 17. Juni, kamen die Kaißerlichen regimenter zu roß, oberst Lohn, oberst Schwartzberg [Johann Wilhelm von Schwarzenberg; BW], oberst Eremit [Bracht; BW] sammt viel fußvolck herein, lagen bis zum 22. Juni. Verthaten uber 700 thlr“.[28]

Auch Hallenberg[29] hatte unter dieser Einquartierung zu leiden: „Ob nun wol diese arme stat durch alsolche starke contribution funditus enerviret, also daß man verhoffet hette, es hette uns bei alsolchem erschopften wesen nichts mehr beigelegt werden konnen, so ist uns jedoch alsbalt am 3. tage hernach durch erpractizirung haubtman Braunschweigers, welcher uns dis raed bei dem generalmajor Bunninghausen [Bönninghausen;[30] BW] binnen Ruden[31] eingestocken, der verderblich obrist Johan Wilhelm von Schwartzenbergh zu Herlo[32] sampt seinem gesampten regiment und 2 compagnien zu fuse, deren eine haubtmann Braunschweiger, die ander haubtman Persic angehorig, aufgetrungen worden, welche diese arme stad ohn einzigen unterstand vom 11. Aprilis bis auf den 28. Maii, betraglich genug, verpflegen mussen, selbig quartir kostet Hallenberg ad minimum 2500 reichstaler. Darzu haben die ritmeisters die alhirigen burger genotiget, diejenigen pferde, so ihne belibet, entweder anstad der quartire abfolgen zu lasen oder aber ihnen kaum den vierten pfennig darvor geben, endlich mit dem gestolen vih die wiesen ringsumbher in den grund verderbet“.[33] Unter dem 11.4.1634 wird aus Hallenberg berichtet: „Als nun eodem die bei ankunft unssers verderbenten Schwartzenbergers, der bei unser hochteuren posteritet schwarz sein und plaiben wirt, sein regiment zum Winterberg[34] gelegen, ist eine starke Hessische partei von Corbach[35] h(er) zu roß und fuß in die dorfschaften Hesporn[36] und Zuschen[37] eingefallen, alles ausgeplundert, hern Hermannum Praetorium den pastorem gefangen genommen, pferde, kuhe und schafe hingeraubt, so haben die von Zuschen nach Winterberg, wo der von Schwartzenberg gelegen, botschaften ausgelasen ad effectum, ihnen hulf und assistenz zu leisten, hat aber keinen man heraus senden sollen. Indeme haben sie uns gleichmesig zum succurs angerufen, woruff auf zweimalig geregten glockenschlag unsere samptliche burgerschaft ausgefallen. Ob nun wol, als man gesehen, das der feind zu machtig und das flache feld ergriffen, Joannes Adamus Bangius es darvor angesehen, er were auf die erste praesentirung ehre genug und das die burgerschaft von dem flachen feld wiederumb einher kerte, so sein jedoch die unserige in der ersten hitz vil zu weit gefolget und endlich vor der Neukirchen umbcinglet und getrennet worden und getrennet worden,  also daß man auf einen tag 8 burger erschossen worden […]“.[38] Unter dem 28.5. wird wieder aus Hallenberg berichtet: „Demenach sein die Dillenburg- und Reingrafischen unterm commando Johan Mathias Kleinau auf sontag Exaudi[39] uns eingefallen, etliche hundert nackenten bauren mitbracht, welche demnach die porten petardiret und als der von Schwartzenberg zum Untern tore ausgeflüchtet, haben sie all das unserige, so sie beieinander begriffen, zum raube gemacht, die kirche sampt allen zirat, kelchen und kleinodien funditus ausgeplundert, darzu pferde, kuhe, schafe, leinwerk, kleider, hausrat, utensilia und in summa allen vorat hinweggeraubt, die bauren haben nichts ligen lasen, und ist dieser schade beileufig taxiret ad 5000 reichstaler. Und solch spiel ist catastrophe gewesen des verderbten Schwartzenbergischen quartirs“.[40] „Von dem Commandanten des Schlosses Dillenburg,[41] dem Kapitain Joachim Mathias von Klenow [Kleinau; BW], wurde im Mai 1634 ein sehr glücklicher Überfall ausgeführt.

Derselbe hatte nämlich in Erfahrung gebracht, daß der Kaiserliche Oberst von Schwarzenburg mit 5 Compagnien zu Pferd und 70 Mann zu Fuß zu Hallenberg,[42] einer Stadt im Kur-Kölnischen liege. Diesen wollte er überraschen, was auch von dem günstigsten Erfolge begleitet wurde. Er zog nämlich Sonntags den 28. Mai mit 250 Mann zu Pferd von Nassauischen Dragonern und 150 zu Fuß dahin und nahm zwei Petarden[43] mit sich. Als er vor die Stadt kam, wurde er zwar frühe genug von den Feldwachen entdeckt. Da aber die Besatzung in Verwirrung gerieth und Oberst von Schwarzenburg sich selbst nicht zu helfen wußte, so sprengte von Klenow die Thore mit Petarden auf, drang in die Stadt und machte viele Gefangene. Der Oberst machte sich durch das Hinterthor davon. Die Gefangenen mit den erbeuteten Standarten wurden auf das Schloß zu Dillenburg gebracht, auch machte man gute Beute an gesattelten Pferden, Gewehren, Gepäck und Geld“.[44]

Die anti-kaiserliche „36. Extraordinari. 1634“ teilt unter dem 13.6./23.6. den Auszug eines Schreibens aus Medebach mit: „Nach dem der Graff [Kaspar v.; BW] von Eberstein Commendant in Cassel[45] in eyl etliche Hessische Trouppen zusammen gezogen / dem Feind / welcher sich im Saurlandt verstärcken / vnd widerumb ein ansehnlich Corpus machen wollen / vffzupassen / gestern zeitlich an denselben nicht weit von hier gerathen / vnd biß anhero verfolget / da sich dann die 3. Regimenter / als Loh [Loe; BW] / Eremit [Bracht; BW] / vnd Schwarzenberg zu Pferdt / neben ihrem Fußvolck praesentiret / worauff die vnsern ohnangesehen das Fußvolck noch zimblich weit dahinden / mit guter Resolution gangen / sie ganz geschlagen / vnnd möglichst verfolget / es ist aber das gebirge vnd die Müdigkeit vnserer Pferde in der Hitze ihnen etwas zu Vortheil kommen / haben doch vnterschiedliche Officirer / darunter Rittmeister Waldecker [Philipp von Waldeck; BW] / etliche Leutenanten / vnd Cornetten gefangen bekommen / Standarten ist nur eins annoch gelieffert / man vernimpt aber daß noch 3. oder 4. bey den Reuttern vorhanden / vnsere Reutter haben gute Beute / vnd vber 200. Pferde bekommen / meh-rer erfolg und particularia folgen mit ehistem“.

Aus Medebach wird 1634 weiter berichtet: „Eodem die 22. Juni [1634; BW] wurden die Kaiserlichen völcker vom hessischen general graff [Kaspar; BW] von Eberstein vorm Branberg[46] auf den wiesen geschlagen; die bürger sammt weib und kindern liefen zu walt, und was die Hessischen ertapt, schlugen sie todt, Milcher Trap und Ulrich Köster wurden erschoßen. Den 23. Juni in profesto S. Johannis Baptistä, nach tem die Hessischen die nacht logirt verbranten sie die stat sampt thorn, glocken, rathhaus, schulen, müllen, allen außer wenig häuser hinweg, so gar geringlich zu 100.000 thlr. astimirt“.[47]

„Während Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg mit der Belagerung von Borken[48] beschäftigt war, bewies Bönninghausen durch einen seiner unerwarteten Reitereinfälle, daß er trotz der Verluste, die seine Kavallerie betroffen hatten, noch immer ein Faktor war, mit dem man auf protestantischer Seite zu rechnen hatte. Am 20. Juni [1634; BW] zog er sechs Reiterregimenter zusammen, sein Leibregiment und die Regimenter der Obristen Eremite, Loe, Osterholt, Wendt und Schwarzenberg, und ging mit ihnen über Olpe[49] auf Attendorn[50] vor; am 22. Juni erfuhr der Landgraf von Hessen, daß es auf seine Stammlande abgesehen. Es schien, als wolle Bönninghausen die hessische Offensive nach dem Rhein wieder mit einer Gegenoffensive auf Hessen parieren. Er zwang den hessischen Obristen Geyso, die Belagerung von Obermarsberg[51] aufzugeben, brach in die Grafschaft Waldeck[52] ein, führte Pferde und Schlachtvieh mit sich fort, brandschaftete die Dörfer und tat den hessischen Untertanen auf alle Art Abbruch. Eiligst sandte Herzog Georg den schwedischen Generalmajor Beckermann mit 3000 Pferden und allen Dragonern ab, um Bönninghausen zu stellen, der nach seiner gewohnten Art auswich. Verfolgt von der gegnerischen Reiterei erschienen seine Regimenter am Abend des 7. Juli im Herzogtum Berg, wo Bönninghausens Name für die Bevölkerung von seinen letzten Durchzügen her einen furchtbaren Klang hatte. Sie nahmen ihren Weg über die Wipperfürther Straße bis Mülheim, massenweise geraubtes Vieh mittreibend. Graf [Philipp von; BW] Mansfeld, der inzwischen am Rheine angelangt war und von den Kurfürsten von Köln und Mainz zu scharfem Vorgehen gegen den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm veranlaßt wurde, wies Bönninghausens Reiterei in den bergischen Ämtern Porz und Lülsdorf[53] Quartiere an. Wieder hausten die Söldner in zügelloser Weise, zerstörten die Feldfrüchte und trieben in förmlichen Treibjagden das Vieh ab, das die Bauern großenteils in die Wälder geflüchtet hatten. Durch die Einlegung dieser Truppen suchten die geistlichen Fürsten den Widerstand des Pfalzgrafen gegen die Vereinigung seiner Soldaten mit der kaiserlich-ligistischen Armee zu brechen. Mansfelds Generale und Obristen benutzten die Gelegenheit, auf Kosten des Landes ihre Taschen zu füllen“.[54]

Am 13.2.1637 schrieb Piccolomini, der Vertreter einer offensiven Kriegsführung gegen Frankreich, aus Regensburg[55] an den kaiserlichen Generalleutnant Gallas:[56] Er sei am 7.2. in Regensburg eingetroffen. Bei den Beratungen am 12.2. seien betreffs der Kriegsführung zwei Ansichten vertreten geworden: a) die Hauptmacht gegen die Schweden zu werfen und an den Grenzen nur die Verteidigung zu sichern, b) gegen Frankreich als den Hauptgegner zu ziehen. Der Hauptteil der Armee würde in Lothringen und in die Champagne[57] eindringen und sich dort eines festen Ortes bemächtigen. Gleichzeitig würde der Kardinal-Infant in die Picardie[58] einfallen. Gegen die Schweden blieben immer noch 40.000 bis 50.000 Mann zur Verfügung. Er selbst unterstütze die zweite Alternative.[59] In diesem Sinne informierte Ferdinand von Ungarn am 13.2.1637 die spanischen Vertreter Oñate und Castañeda: Nach der Beratung mit den anwesenden Militärkommandanten sei er zu der Überzeugung gekommen, dass der Offensivkrieg gegen Frankreich 1637 in zwei Richtungen geführt werden könne: einerseits vom Rhein her mit einem Heer von 26.000 Mann, bestehend aus den Truppen unter Gallas, Piccolomini, Schwarzenberg und Werth, die über Lothringen und Luxemburg ziehen würden; andererseits von Burgund aus mit einem 12.000 Mann starken Heer unter Karl IV. von Lothringen[60] und Marquis de Torrecuso, das direkt auf Langres[61] im Bassigny[62] marschieren könnte. Beide Korps oder zumindest das erste würden dann in die Champagne vorrücken. Der Feldzug könnte Anfang oder Mitte Mai beginnen. Es müsse freilich betont werden, dass Ferdinand II.[63] und Ferdinand von Ungarn[64] zu dieser Unternehmung den Großteil ihrer Armeen über die Reichsgrenzen hinaus schicken würden. Auch wenn nach deren Abmarsch noch immer 40.000 Mann gegen die Schweden zurück blieben, beständen die eigentlichen Streitkräfte des Kaisers bloß aus den 14.000 oder 15.000 Mann unter Melchior von Hatzfeldt und Morzin (Marazin). Zur Durchführung dieses Feldzugs sei es notwendig, dass sich der Kardinal-Infant mit dem Heer, das er zur Offensive gegen Frankreich einsetzen will, beiden genannten Korps nähere, dass ferner die Armeeversorgung seitens des Königs von Spanien gesichert und dass nicht nur die zur Unterstützung der Artillerie und Piccolominis Rekrutierungen vereinbarte Summe unverzüglich ausgezahlt werde, sondern dass überdies vom Januar an allmonatlich weitere 100.000 Rt. zur Kostendeckung für Pferde, Wagen und Männer bei der Artillerie sowie für Proviant beigesteuert würden. Dieses Geld stünde ihm, Ferdinand von Ungarn, zur freien Verfügung; er selbst drückte seine Bereitschaft aus, die spanischen Gesandten über die Verwendung des Geldes zu unterrichten.[65] Zwischen dem 13. und 16.2. schrieben Oñate und Castañeda an den am 15.2.1637 zum Kaiser gewählten Ferdinand III.: Sie bestätigten den Erhalt des Berichts über die Beratungsergebnisse der Militärkommandanten wegen der Kriegführung gegen Frankreich im laufenden Jahr. Ihrer Meinung nach sei das Vorhaben, zwei Korps für den Offensivkrieg zu bilden, richtig, doch habe man bisher bei sämtlichen Konferenzen mit den kaiserlichen Ministern stets damit gerechnet, dass sich Piccolominis Truppen im künftigen Feldzug mit denen des Kardinal-Infanten verbinden werden. Dies sei direkt als Bedingung gestellt worden, als sie, die Gesandten, das zur Besoldung dieser Truppen notwendige Geld versprachen. Sie verlangen vom Kaiser und von Ferdinand III., diese Vereinbarung einzuhalten und die gegen Frankreich einzusetzende Armee mit anderen Truppen aufzufüllen. Betreffs der Operationsweise beider genannter Korps sowie der Truppen in Flandern müsse ihrer Meinung nach die Form der beiderseitigen Zusammenarbeit festgelegt werden, insbesondere wenn der Kardinal-Infant, wie es sein Wunsch sei, persönlich französischen Boden betrete. Hinsichtlich der Forderung, der Kardinal-Infant möge sich mit seinen Truppen den kaiserlichen Korps nähern, bestehe kein Zweifel darüber, dass der Kardinal mit seinen Truppen an solchen Orten und auf solche Weise operieren werde, wo und wie es der „causa publica“ am ersprießlichsten sei – gemäß den zu treffenden Vereinbarungen. Was die Finanzhilfe anbetraf, erinnerten die Gesandten daran, dass sie gemäß ihrem auf früheren Konferenzen gemachten Angebot bereits 100.000 fl. für die Artillerie geben wollten. Sie wiesen ferner auf die Versorgungsmöglichkeiten hin, die die Armee nach dem Einfall in Frankreich erwarteten und die neben der Verbesserung der Distributionsmethoden mehr eintragen würden als die von Ferdinand III. geforderten monatlichen 100.000 Rt.[66] – Beim letzten Einfall hatte man auf kaiserlicher Seite immerhin nur 50.000 Rt. monatlich für die Artillerie für angemessen gehalten.

Am 16.2.1637 antwortete Ferdinand III. den beiden Gesandten: Aus ihrer Antwort auf den Plan der offensiven Kriegsführung gegen Frankreich 1637 ersehe er, dass es für den Kardinal-Infanten beschwerlich wäre, wenn ihm das Regiment, das ihm in den vergangenen zwei Jahren als Hilfskorps überstellt war, genommen würde. Trotzdem sei er der Meinung dass eine Abkommandierung des erwähnten Korps nach Flandern die für die Kriegsführung gegen Frankreich bestimmten Streitkräfte von Kaiser und Reich allzu sehr schwächen würde. Wie bereits mit den Gesandten abgehandelt, werde daher dem Kardinal-Infanten im Frühjahr die Hälfte von Piccolominis Reiterei und Infanterie als Hilfskorps überstellt werden, zusammen mit dem Kroatenregiment Fórgach und weiteren Kroaten, die jedoch keine Pferde hätten, und zwar unter der Bedingung, dass alle diese Soldaten von den spanischen Gesandten unterhalten würden und dass letztere weitere 8.000 Rt. zur Anwerbung von deutschen Knechten, die bei der kaiserlichen Armee bleiben sollten, bereit stellen. Er selbst sei bereit, nach Vertreibung der Schweden aus den von ihnen gehaltenen Orten in Sachsen durch die Feldmarschälle Hatzfeldt und Götz dem Kardinal-Infanten das ganze Korps Piccolomini als Hilfstruppe nach Flandern und nach Möglichkeit noch weitere Abteilungen zu überstellen.[67] Anscheinend hatte man eine andere Lösung gefunden, denn am 26.2. bat Bruay Gallas aus Rotenburg,[68] mit seinem Regiment nach Flandern gehen zu dürfen, da er vor Ort nicht länger gebraucht werde. Er werde wohl drei bis vier Wochen unterwegs sein.[69]

Ferdinand III. hatte am 6.8. Gallas informiert: Das Hauptanliegen der kaiserlichen Armee werde immerzu durch Mangel an Feldausrüstung und Proviant vereitelt. Daher habe er an das Oberamt in Schlesien sowie an Obrist Antonio Miniatti in Mähren Befehle zur sofortigen Abfertigung von Getreide und Geld erlassen. Feldmarschall Johann von Götz solle sich weiterhin nach den Befehlen des Kurfürsten von Brandenburg richten und nach dessen Order nach Westfalen marschieren, während die bisher unter seinem Kommando stehenden kaiserlichen Regimenter bei der Hauptarmee bleiben sollen. Er überlasse es Gallas‘ Entscheidung, ob die Hauptkriegsaktion, die zweifellos gegen Banér und Wrangel gerichtet sein werde, anderswo als in Pommern geführt werden solle. Er betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. An Georg von Braunschweig-Lüneburg sei der Befehl ergangen, mit dem ihm unterstehenden Korps zu Wahl zu stoßen und mit den in der Umgebung von Wolfenbüttel[70] liegenden Regimentern Gefechte zu eröffnen. Mit Missfallen habe er zur Kenntnis genommen, dass Schwarzenbergs Kroaten nach kurzer Zeit desertierten und dass nur wenige Offiziere übrig blieben; das Korps könne jetzt an die 1.000 Reiter haben und Gallas solle es reformieren.[71]

Am 18.5.1639 schrieb Piccolomini aus Aachen an Schwarzenberg über die Zusammenziehung der Truppen bei Bastogne[72] am 24. und 15. Mai. Zudem schickte er ihm eine Instruktion betreffs der dortigen Garnison für den Kommandanten in Jülich.[73]

Piccolomini schrieb am 5.5.1641 aus Egeln[74] an Schwarzenberg, die Feinde stünden in Halberstadt[75] und befestigten sich, hätten keinen einheitlichen Oberbefehl und die Kriegsgefangenen, deren Zahl von Tag zu Tag zunehme, sprächen von Unstimmigkeiten. Herzog August von Braunschweig-Lüneburg beteuere seine Treue gegenüber Kaiser und Reich sowie seinen Friedenswillen, doch er, P., glaube seinen schönen Worten nicht. Größeres Gewicht hätten jene 10.000 Kroaten, Dragoner und Infanteristen, die mit Leopold Wilhelm anmarschierten. Eine weitere Förderung der Friedensverhandlungen sei auch in seinem Brückenbau bei Magdeburg[76] zu sehen.[77]

Am 31.12.1642 schrieb Bracciolini aus Wien an seinen Gönner Piccolomini: Schwarzenberg sei zum Kurfürsten von Mainz entsandt worden, um den Streit zwischen den Soldaten des Herzogs von Lothringen und denen Lamboys zu schlichten. Gallas‘ Ankunft habe sich wegen des Podagras, das ihn unterwegs überfallen habe, verzögert. Bei Hofe würden Intrigen um Piccolomini gesponnen und es hätten sich zwei Parteien, die eine für, die andere gegen ihn. Diese feindlich gesinnten Personen sähen in ungern in der Gunst des Kaisers und trachteten danach, seine Verdienste zu schmälern, ja seine Dienstquittierung zu erreichen.[78]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Schwarzenberg [Stadt Scheinfeld, LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 685f.
[2] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.
[3] Richtig: Oßwald
[4] Ammern [Unstrut-Hainich-Kreis].
[5] JORDAN, Mühlhausen, S. 41.
[6] Rinteln [Kr. Grafschaft Schaumburg]; HHSD II, S. 395f.
[7] Hameln; HHSD II, S. 192ff.
[8] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.
[9] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.
[10] Arnsberg [LK Arnsberg]; HHSD III, S. 28ff.
[11] Schwalenberg [LK Detmold]; HHSD III, S. 676.
[12] Paderborn; HHSD III, S. 601ff.
[13] Lemgo [LK Lemgo]; HHSD III, S. 452ff. ?
[14] »Bona Nova« (Kungliga Biblioteket Svea Krig 210 a). In der Kungliga Biblioteket werden noch zwei andere Flugschriften zum Übergang bei Rinteln aufbewahrt; Nr. 211 a: »Extract På thet Nederlagh«, u. unter Nr. 226: »Een kort doch sanfærdigk Relation«. ALMQUIST, Samtida berättelser, S. 15, weist eine uns nicht zugängl. Flugschrift nach: »Warhafftiger vmbstendlicher Bericht«. KLEMMING, Kungliga bibliotekets samling Bd. 1, S.  60, verzeichnet noch eine weitere Schrift: »Relatio vnd Verlauff«.
[15] Porz [Rhein.-Berg. Kr.]; HHSD III, S. 614f.
[16] Mülheim [Stadt Köln]; HHSD III, S. 534f.
[17] Köln; HHSD III, S. 403ff.
[18] Beyenburg [Stadt Wuppertal], HHSD III, S. 72f.
[19] Elberfeld [Stadt Wuppertal]; HHSD III, S. 197ff.
[20] Wenigern: Niederwenigern, heute Stadtteil von Hattingen [Ennepe-Ruhr-Kreis].
[21] Lennep [Stadt Remscheid]; HHSD III, S. 455f.
[22] Bornefeld, Amt: Es  umfasste das Umland der heutigen Stadt Wermelskirchen, das Kirchspiel Lüttringhausen (bis 1407), Hückeswagen (ab 1555), Dhünn, Remscheid und Dabringhausen.
[23] Iserlohn; HHSD III, S. 362f.
[24] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 293f.
[25] Geseke [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 253f.
[26] BRUNS, Geseke, S. 169.
[27] Medebach [LK Brilon]; HHSD III, S. 500f.
[28] BAUSEN, Medebach, S. 196.
[29] Hallenberg [LK Brilon]; HHSD III, S. 282f.
[30] Vgl. LAHRKAMP, Bönninghausen.
[31] Rüthen [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 659f.
[32] Nicht identifiziert.
[33] BRUNS, Hallenberg, S. 276 (1634 IV 11- Mai 28).
[34] Winterberg [LK Brilon]; HHSD III, S. 789.
[35] Korbach [Kr. Waldeck]; HHSD IV, S. 275ff.
[36] Hesborn; Ortsteil von Hallenberg [Hochsauerlandkr.].
[37] Züschen, Ortsteil von Winterberg [Hochsauerlandkr.]; HHSD III, S. 814.
[38] BRUNS, Hallenberg, S. 277.
[39] 6. Sonntag nach Pfingsten.
[40] BRUNS, Hallenberg, S. 277.
[41] Dillenburg [Dillkreis]; HHSD IV, S. 89ff.
[42] Hallenberg [LK Brilon]; HHSD III, S. 282f.
[43] durch „Petardiere“ angebrachte Sprengladung, die am Tor oder an einer Brücke mit einem Brett angeschraubt oder aufgehängt und mit einer Lunte gezündet wird. Dabei kommen auf 50 Pfd. Metall 4 Pfd. Pulver. Damit wurden Festungsringe an Schwachstellen aufgesprengt, ohne die Wehranlage zu zerstören. Durch die Bresche drangen Sturmtruppen ein, während die aufgesprengten Eingänge zum eigenen Schutz schnell wieder geschlossen werden konnten, wenn der äußere Ring u. die Festung oder das Schloss erobert waren.
[44] KELLER, Drangsale,  S. 207.
[45] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.
[46] Breuberg [Gem. Neustadt, Kr. Erbach]; HHSD IV, S. 62f.
[47] BAUSEN, Medebach, 196 (Chronik des Hermann Schmidt).  
[48] Borken [LK Borken]; HHSD III, S. 103f.
[49] Olpe [LK Olpe]; HHSD III, S. 593f.
[50] Attendorn [LK Olpe]; HHSD III, S. 36ff.
[51] Marsberg, Ober- und Nieder- [LK Brilon]; HHSD III, S. 494ff.
[52] Waldeck; HHSD IV, S. 444f.
[53] Lülsdorf [Siegkr.]; HHSD III, S. 486.
[54] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 300f.
[55] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.
[56] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.
[57] Champagne: Landschaft im nordöstlichen Frankreich. Sie gehört heute zur politischen Region Champagne-Ardenne und grenzt im Westen an die Picardie und an die Île-de-France, im Süden an Burgund und Franche-Comté und im Osten an Lothringen.
[58] Picardie; Region und historische Provinz Frankreichs im Norden des Landes. Sie setzt sich heute aus den Départements Aisne, Oise und Somme zusammen. Der Hauptort der Region ist Amiens.
[59] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 401.
[60] Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.
[61] Langres [Frankreich, Dép. Haut-Marne].
[62] Bassigny: Landschaft in Frankreich, an der oberen Marne, Hauptstadt Langres, größtenteils im Département Haute-Marne gelegen, teilweise im Département Vosges.
[63] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.
[64] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.
[65] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 402.
[66] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 403.
[67] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 404.
[68] Rotenburg a. d. Wümme; HHSD II, S. 401f.
[69] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 405.
[70] Wolfenbüttel; HHSD II, S. 503ff.
[71] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 489.
[72] Bastogne [h. Belgien, Provinz Luxemburg].
[73] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 821.
[74] Egeln [Kr. Wanzleben/Staßfurt]; HHSD XI, S. 98f.
[75] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.
[76] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.
[77] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1204.
[78] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 138.
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