Rochow, Georg Wilhelm von

Rochow, Georg Wilhelm von; Major [18.12.1610 Lehnin-26.4.1665 Golzow] Georg Wilhelm von Rochow, der Bruder des Moritz August von Rochow,[1] stand als Major[2] in kurbrandenburgischen Diensten. Er hat eine ausführliche Lebensbeschreibung hinterlassen. Seine Studien musste Rochow auf Grund der finanziellen Lage der Familie abbrechen und sich wie viele andere Adlige auch in den Militärdienst begeben.

„Mein Georg Wilhelm von Rochow Lebenslauf durch Göttliche Gnade und Beistand bis jetzo, da man schreibt den 1. Decembris 1646 geführt, als:“

„Ao. 1610 des 13. Decbr. am Donnerstag ungefähr zwischen 6 und 7 Uhr bin ich durch Gottes des Allmächtigen Hülfe im Amt Lenin[3] zur Weldt gebohren. Undt darauf des Tages St. Michaelis durch Herrn Christo in der heiligen Taufe fürgetragen worden. Undt Nachdem meine herzlieben Eltern seel: mir, sobald ich ein wenig zu Jahren kommen, stets zur Schule gehalten, Undt gerne gesehen, daß ich aufs Fundament studirt, Alß haben sie mir bey sich behalten und Praeceptores[4] geordnet, welche mir nicht allein in der Lateinischen Sprache informiret, besonders auch Ao. 1627 ist mir ein gelarter und verständiger Mann, welcher bei der Lateinischen Sprache auch in der französischen, Spanischen, Itäliänisch und englichen Sprache exceliret, zugegeben worden, welcher ein Jahr bei mir verplieben, Undt mich in der französischen Sprache, alß welche zu der Zeit in meinem Vaterlande hoch gehalten instituiret, das ich also durch solchen meinen großen Fleiß in Jahres Zeit bey der Lateinischen Sprache als derselben ich ein gutes Funtament hatte, auch dieser Sprache ganz fertig und mächtig worden, woraus meine Eltern sich bei sich beschlossen, nachdem ich nun mein Jahre erreichet, das mir nicht dienliches sein würde, länger mich bei sie zu Hause aufzuhalten, mir von sich in fremde Lande zu schicken, jedoch daß [Ende S. 93] ich dabei meine Studia in acht nehmen sollte, haben mich derowegen Herrn Nicolaum Pompeium,[5] welcher ein vornehmer und gelehrter Mann war, für einen Hofmeister zugegeben, und denselben befehlichet sich mit mir nach Straßburgh[6] am Rhein zu begeben, undt die Universität allda zu besuchen, worauff ich auch in Gott des Allerhöchsten Nahmen mit dießem mir zugegebenen Mann meine vorgenommene Reise angefangen, und den 2. Septbr. 1629 mich vor den lieben Meinigen auf den Weg begeben, und für erst meine Reise auf Wittenbergk[7] fortgesetzet, und allda, damit ich als ein junger Mensch des Zustandes einer Acatemia ein wenig kundig würde, drey Monat lang aufgehalten, hernachmals mich auf Leipzig[8] begeben, undt allda auch zwey Monat verplieben, und nach diesen ferderst darauf gedachter meiner Eltern seel. Geboth und Befehlen nachher Straßburgk meinen Weg genommen, und allda, nachdem ich bey drey Wochen unter Weges geweßen, zwarter jedoch todt krank (nachdem mir auf dieser reiße eine sehr große hitzige Krankheit[9] zugestoßen) angelanget, welche Krankheit denn auch so groß und bis in den 6. Monat bey mir angehalten, und nicht wenig Verhinderung meines Vorhabens gewesen, undt nachdem ich durch Göttliche Hülfe disser Krankheit genesen undt meine verlohrenen Kräfte wieder erlangt, hab ich mich resolviret, indem der Ort sehr berühmt undt für einen jungen Menschen zu lernen und zu erfahren nicht Undienliches, mich ein Jahr lang allda aufzuhalten, und in freien Künsten zu exerciren, und nachmahlen nach verflossenem Jahr meiner lieben Eltern seel: Willen und Meinung nach eine reise in Frankreich, so fast an der Gränze dieses Landes befunden, zu unternehmen, hatte auch zu dieser meiner genommenen Resolution gelangen wollen, so Gott der Allmächtige nicht ins Mittel getretten, und nicht allein verlanget, daß die lieben Meinigen durch damalen in unserem Vaterlande einbrechenden großen Krieg undt die beiden Kaiserlichen undt Schwedischen Armeen[10] ganz undt gar um das Ihrige kommen, undt der Mittel mich in frembde Lande zu schicken beraubt worden, besondern es hat auch Gott dem Allerhöchsten gefallen den 10. Mai Ao. 1631 meine herzliebe Mutter seel. von dieser Welt abzufordern, daß also wegen dieser erwähnten zweyen wichtigen Ursachen ich von meinem vorgenommenen proposito ferner zu reisen undt mich dadurch der Welt mehrerem kundig zu machen abgehalten worden, wie derowegen noch das 31. Jahr in solchem Ort der Stadt undt Acatemia Straßburgk verplieben, und indem es stets einen ärgern und schlimmern Zustand des verderbten Kriegslebens in unserm armen Vaterlande erlanget, ist mein Vater seel. bewogen worden, mich hinwieder zu sich zu fordern, undt welchen Befehlen ich mich denn gehorsambt untergeben, Undt hinwider Ao. 1632 gegen Pfingsten bey ihm, undt zwartens denselben in einem sehr schlechten Zustandt findendt, auffm Ampte Lehnin angelanget, und weil ich eben dazumalen S. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg, Churf. Georg Wilhelm[11] seel. Christlichen [Ende S.94] Angedenkens, meinen Gnädigsten Herren auf diesem Ampt Lenin angetroffen, und leicht spühren können, ja es auch von meinem seel. Vater solches vernommen, daß die Mittel nicht mehr bey ihm vorhanden mich ferner zum studieren zu halten, und weiter in fremde Lande zu schicken, bin ich anfangs der resolution worden mich an hochgedacht S. Churfl. Durchl. Hof zur Aufwartung bestellen zu lassen, worauf auch mit dem Churfl. Comitath[12] nacher Berlin gereiset, alß ich aber alldar kommen, undt meinen Hl. Brudern, alß zu der Zeit S. Churfl. Durchl. des löblichen Burgstorfschen[13] Regiments[14] zu Fuße Capitain,[15] Moritz August von Rochow des andern Tages nach meiner alldarkunft angetroffen, ist mir mein Vornehmen von demselben ganz und gar wiederrathen, und bin ich von ihm brüderlich ersucht worden mein Fürnehmen zu ändern, und mich im Krieg zu begeben, welchen brüderlichen Rath, weil mir von meinem Herrn Vater frei gestellet wahr das zu erwählen dadurch ich künftig Ehr und ruhm haben möchte, ich gefolget, undt mich mit ihm nach drey Tagen nacher Crossen,[16] allda sich dazumalen hochgedachter S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg Völker, in etzlichen Regimentern[17] bestehendt undt in Felde logirt befunden, begeben, undt nachdem gleich die Fähnrich-Charge[18] der Leib-Compagnie[19] des damaligen Herr Obersten Conradt von Burgstorffen[20] Compagnia vacant gewesen, ist mir solche Charge von demselben angebothen undt daß Fähnlein anvertrauet worden, undt weilen dazumalen S. Churfl. Durchl. eine Reise nach dem Herzogthumb Preußen zu thun schlüssig worden, undt etzliche Völker wegen bisheriger vermutheter Unruhen im Königreich Pohlen bey damahliger Wahl eines Königes[21] mit sich zu nehmen, alß ist das Looß auf selbige Compagnia, unter welcher mir das Fähnlein anvertrauet, gegeben mit in Preußen zu gehen, in diesen Landen solche Völker fast bei drey Vierthel Jahr geblieben, nachdem es sich aber mit gedachter polnischer Wahl in Pohlen glücklich geendet, seint diese Völker nachher Schlesien zu den damaligen Königl. Schwedischen unter Herrn General Duvaldt[22] und Churfl. Sächßischen unter Generallieutenant[23] von Arnims’[24] Commando bestehenden Armeen gesandt worden, da wir denn im Frühjahr ao. 1633 zu Schweidnitz[25] angelanget, und in selbiger Stadt auf eine Zeit lang gelagert worden, und weilen dazumahlen der Röm. Kayserl. General Herzog von Friedland[26] eine große Macht wieder unsere Armee geführet, als ist letzlichen das Feldlager von unß bei dieser Stadt geschlagen, da denn bald darauf mein Capitain Lieutenant,[27] einer von Knobelsdorff[28] seine Charge resignirt, ist mir solche hinwieder anvertrauet, und bin also in diesem Feldlager als ein Capitain-Lieutenant vorgestellt. Wie große Hungersnoth[29] und Sterben[30] nun bei diesem Kriege gewesen, und in diesem Feldlager vorgefallen, darum werden vorhoffentlich in künfftigen die Chroniken mehr zeichnen, als ich anhero zu schreiben nöthig acht. Nach ausgestandener großer Noth und erlittenem großen Ruin ist die Armee letzlichen im Herbst [Ende S.95] dieses 1633 Jahres aufgebrochen und sich bis in Meißen[31] undt vor der Festung undt Residenzstadt Dreßden[32] retiriret, die Schwedischen Völker aber unter Herrn Grafen von Thurn[33] und Herrn General Duvaldt in Schlesien gelaßen, welche auch kurz darauf von den Kaiserlichen aufs Haupt geschlagen worden,[34] S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg zustehende Völker aber, ob wir zwarten sehr abgemattet waren, so hat doch der Herr General Lieutenant von Arnim noch im harten Winter dieses Jahres mit Zuziehung etzlicher Chursächsischer Regimenter einen Versuch gethan, ob er die Stadt Frankfurth an der Oder,[35] als welche kurz, undt zwartens nach der Niederlage der obgedachten Schwedischen Völker in Kaiserliche Gewalt undt Händen kommen, recuperiren undt erlangen könnte, so aber doch wegen großer Gegenwehr aus dieser Stadt undt da die große Kälte die unß, die sie belagert hatten, hart drückte, unmöglich gewesen, undt wieder zu erlangen nicht gestanden, so seint die Völker, als die Sachsen in Chursachsen undt die Brandenburger in Churbrandenburg verleget worden.

An das Jahr darauf alß Ao. 1634 im Frühling sind die Churbrand. Völker dem Schwedischen Feld-Marschalk[36] Banner[37] übergeben worden, undt nachdem sie aufgebrochen, ist mir das Looß gefallen, daß ich mit der undter meinem Commando stehenden Compagnia nebst S. Churfl. Durchl. Leib-Guart[38] in die Vestung Spandow,[39] welche Festung dazumalen von den Schwedischen S. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg wieder eingeräumbt undt untergeben, bin geleget, undt das Commando darin bekommen, wiewohl ich durch vielfältigst Anhalten so viel Erlaubniß erlanget mich bei der dazumaligen zu Felde gehenden Armee so lange aufzuhalten bis die Stadt Frankfurth an der Oder, als welche zuerst angegriffen worden, hinwieder occupiret, undt also die Belagerung derselben mit beizuwohnen, undt nachdem ich verspühret, daß mir nicht dienlich undt rühmlich sein würde mich als ein noch dazumahlen junger Cavalier in Vestungen aufzuhalten, als hat es an fleißiger Bemühung undt Anhaltung bei meinem Hr. Ob. Conradt von Burgstorffen mich hinwieder ins Feld zur Armee zu schicken nicht ermangeldt, da ich dann nicht allein mein Begehren erlanget zur Armee, so bis umb Pfingsten aus war, hinwieder zu gehen, besonders als ich zu derselben in Böhmen bei der Stadt Leutmeritz[40] im Felde liegend angelanget, ist mir sofort eine Compagnia undter mehrgedachter Hr. Ob. Burgdorffens Regiment überantworttet, und als ein Capitain derselben angestellt worden, da denn bald darauf, nachdem die große Niederlage der Schwedischen Haupt-Armee bei Nördlingen[41] geschehen die Churbrandenb. Völker hinwieder von den Schwedischen undter Commando des Hr. Feldmarschalk Bannir abgefordert, undt hinwieder zur Chursächßl. Armee gegeben worden, der Krieg aber nach gedachter Niederlage den Schwedischen so gefährlich gelaufen, undt ausgesehen, daß beide Churfl. Durchl. zu Sachsen[42] undt zu Brandenburg die höchste Noth befunden ihre unterhabenden [Ende S. 96] Völker in deren Churfürstenthümer undt Lande zurückzunehmen, und dann in die nöthigsten Plätze zu verlegen, undt daß dieses 1634 Jahr damit verlauffen, undt darauff im ao. 1635 der Prager Frieden[43] zwischen Kayserl. Majest. und Chursachsen geschlossen, welchen auch zuletzt S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg mit angenommen und man verspüret, daß der status imperii Romani nach vorigem Zustand in ziembliche Zerrüttung gesetzet, undt mehrgedachte S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg Zustandt erfordert dero noch aufn Beinen habende Infanterie undt Fußvölker in ihre Festungen zu verlegen, undt sich deroselben desto besser zu versichern, alß ist es meiner unterhabenden Compagnia gefallen, daß sie nebst anderen Compagnien unter Commando meines Herrn Bruders Moritz August von Rochow in die Veste Peitz[44] verleget worden, und nachdem leicht zu erachten gewesen, daß die Völker eine ziembliche Zeit bei solchem zerrütteten Zustande in den Vestungen würden verbleiben müssen, mir aber nachmals nicht dienlich gedünket mich in solchem Kriege lange aufzuhalten, alß bin ich bewogen worden meine Erlassung undterthänigst zu suchen, welche ich auch nach vielem Anhalten erlanget, undt alß ich Willens gewesen mich sofort von Berlin ab nach Prage zu begeben undt mich in Kaiserlicher Majest. Kriegesdienste ferner einzulassen, ist es gleich zur selben Zeit 1636 dahin gerathen, daß der Herrn Meister und Graf zu Schwarzenbergk[45] in S. Churfl. Durchl. zu Brand. vornehmer undt hoher Ambassate[46] nacher Regenspurgk[47] zu Ihrer Kays. Majest. Ferdinandi Tertii[48] Kays. Wahl undt Kröhnung geschickt worden, welcher denn zur selben Zeit an mich begehren lassen, nachdem er Cavalliers zur Auffwartung auf solcher Reise benöthiget, nicht allein meine verlassene Compagnia hinwieder anzunehmen, undt mich dadurch also auf einen noch festeren Fuß bei S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg alß meinem gnädigen Churfürsten undt Herrn zu setzen, besondern auch zeitwehrender erlangter Ambassate nach Regenspurgk bei ihm zu verpleiben undt nebst andern Cavaliers aufzuwarten, undt weilen ich verspühret, daß eine solche Reise für mich nicht undienlichen, indem bei solcher Zusammenkunft so vieler großen Herren und Potentaten wohl waß zu sehen sein würde, habe ich mich resolviret die nicht lange verlassene Compagnia hinwieder zu acceptiren, als auch das fernere Begehren gemeldeten Herrn Meisters und Graffen zu Schwarzenberg zu erfüllen, und mich bei demselben zeitwährender Reiß aufzuhalten, welche Reiße denn über ein halb Jahr gewähret undt allererst im ao. 1637 seine Endschaft erreicht, undt muß ich gestehen, daß ich diese Reiße, als der ich noch jungk war, sehr dienlich gefunden, indeme bey solcher Zusammenkunfft so vieler großen Herren undt Potentaten wohl waß zu sehen undt zu erfahren gewesen. Nachdem aber der Herr Meister undt Graff zu Schwarzenbergk bald bei Anfang des 1637 Jahres hinwieder bey mehr hochgedachter S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg alß meinem gnädigsten Herrn angelanget, undt denselben dazumahlen in [Ende S. 97] der Veste Cüstrin[49] angetroffen, daß selbiger Zeit Feindes Gefahr in meinem Vaterlande, und Chur undt Marken Brandenburg also undt dergestalt beschaffen gewesen, daß S. Churfl. Durchl. in dero Residenz nicht haben wohnen dürfen, undt dahero sich in der Vestung Cüstrin aufhalten müssen, darauf auch balden für rathsamb befunden undt schlüssig worden ein mehreres Volk zur Versicherung ihres Staats undt Landes zu erwerben undt auf die Beine zu bringen, undt unter andern meinen Hr. Bruder Moritz August von Rochow ein Regiment zu Fuß zu werben undt auf die Beine zu bringen gnädigst anvertraut, welcher mein Bruder mich denn dazumalen für seinen Major bestellet, bei welchem Regiment ich mich denn in allen damaligen S. Churfl. Durchl. zugestoßenen Kriegß-Actionen habe gebrauchen lassen, undt in ao. 1638 das sehr beschwerliche Lager undt Feldzugk von Malzien[50] in Mecklenburgk mit beigewohnet, undt weilen dieser Feldzugk, sowohl bei den Kaiserl. Chursächßl. undt Churbrandenb. Völkern indem aus selbigen allem ein großes Corpus gemacht worden, sehr unglücklich abgelauffen, undt die meisten Völker aus Hungersnoth, indeme der Hunger wohl so balden in einem Krieg nicht wird erhöret worden wie im freyen Feldlager undt da wir so großen Wiederstandt von den Feynden nicht gehabt, also groß letzlichen geworden, daß auch die Menschen selbst einander gefressen,[51] und das todte Aaß an Pferden, Vieh undt Hunden das beste Wildpreth gewesen, so dergestalt die ganze Armee zu Grunde gegangen, und darauf S. Churfl. Durchl. Lande undt status, nachdem dieselben in das Herzogthumb Preußen sich begeben, und mehr gemelten Herrn Meister undt Graffen zu Schwarzenbergk alß Statthalter dieses Churfürstenthumbs hinterlassen, nicht in geringe Noth undt Gefahr gesetzet gewesen; Auch hochnöthig gewesen daß die Vestungen mit mehrerer Besatzung undt Völkern versehen würden, ist resolviret die Churbrandenb. Völker ao. 1638 im Decbr. welche dazumahlen unter dem Commanto des Hr. General Klitzingen[52] geführet, von der anderen Armee abzufordern undt in die Vestungen zu verlegen, da demselbigen als meines Bruders Regiment das Looß gefallen daß es in Spandow geleget worden, undt weil ich gefunden daß solches Regiment so balden nicht wieder aus diesem Post kommen undt im Felde gebraucht werden möchte, ich auch sonst meine männlichen Jahre undt das 29. Jahr erreichet, habe ich mich durch Eingebung Gottes des heiligen Geistes dahin resolviret meinen Standt zu ändern undt in den heiligen Ehestand zu begeben, welches Christliches Werk auch den 14. July Ao. 1639 mit der damahligen HochEdelgebornen viel Ehr- undt Tugendreichen Jungfer Elisabeth Tugendreich von Burgstorffen, deß weiland Hohansen Jochens von Burgstorffen auf Podelzigk,[53] Walchow,[54] Gross-Machenow[55] Erbherrn in Spandow[1] adelichen undt löblichen Gebrauch nach ist consumiret worden, und weil mein Gott der Allmächtige mir solche gewünschte Heyrath verliehen, bin ich wole undt zwarten auf höchstes [Ende S. 98] Anhalten, Flehen undt Pitten meiner damahligen herzliebsten sofort schließend gewesen den leidigen undt von großen und schweren Sünden behaffteten Krieg zu quittiren undt mich in häuslichen Stande zu begeben, nachdem aber die Zeiten undt Dranksahle meines geliebten Vaterlandes so groß undt sehr gewachsen, hat mirs nicht rühmlichen zu sein gedünket nach meiner dazumahlen durch die mir von Gott dem Allmächtigen gegebenen Heyrath Glückseligkeit sofort meinen gnädigsten Churfürsten undt Herrn alß auch mein arm hartbedrängteß Vaterlandt mit meinem Dienste zu verlassen, besondern bin nach wie vor in Kriegsdiensten verplieben, nachmalß aber als die Churfl. Durchl. Georg Wilhelm Ehren undt Hochlöblichen Andenkens durch Gottes des Allmächtigen unwandelbaren Rath undt Willen zu Ende des 1640ten Jahres in Preußen Todes verblichen undt die jetzige Churfl. Durchl. Friedrich Wilhelm[2] in die Churfl. Regierung getretten, undt allerhand Mutationes undt Veränderungen sich ereignet, hab ich bei mir beschloßen mich vom Kriege abzugeben undt darauf bei hochgedachter Churfl. Durchl. umb gnädigste Erlassung unterthänigst angehalten, welche ich auch dergestalt gnädigst erlanget, daß ich darauf den 1. April des folgenden 1641 ten Jahres meine Charge vom Regiment niedergelegt, und desselben, als auch des Kriegs mich erledigt, darauff mich auch balden von Spandow nacher Berlin in meinem allda habenden Hauße begeben, undt mich allda bei Dienung meines gütigen Gottes, soviel durch des Allmächtigen Gottes Hülffe bey menschlicher Schwachheit hat von mir geschehen können, drey gantze Jahr aufgehalten“.[56]

Um weitere Hinweise unter Bernd.Warlich@gmx.de wird gebeten !

[1] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[2] Friedrich Wilhelm Kurfürst v. Brandenburg [16.2.1620 Kölln-9.5.1688 Potsdam].

[1] Moritz August Freiherr v. Rochow [Rochau, Rotau, Rotaw] [1609-25.8.1653 Dittmannsdorf], kurbrandenburgischer Obrist, kaiserlicher Feldzeugmeister.

[2] Major [schwed. Major]: Der Major war im Dreißigjährigen Krieg der Oberwachtmeister des Regiments (zunächst nur in der Infanterie). Er sorgte für die Ausführung der Anordnungen und Befehle des Obristen und Obristleutnants. Im Frieden leitete er die Ausbildung der Soldaten, sorgte für die Instandhaltung ihrer Waffen, hatte die Aufsicht über die Munition und war verantwortlich für die Regimentsverwaltung. Im Krieg sorgte der Major für Ordnung auf dem Marsch und im Lager, beaufsichtigte die Wach- und Patrouillendienste und stellte die Regimenter in Schlachtordnung. Zudem hatte er den Vorsitz im Kriegs- und Standgericht. Er erhielt 1633 monatlich 200 Rt. bei der Infanterie und 300 fl. bei der Kavallerie.

[3] Lehnin, heute Ortsteil von Kloster Lehnin [LK Potsdam-Mittelmark]. Das Herrenhaus der Familie steht in Reckahn, heute Ortsteil von Kloster Lehnin [LK Potsdam-Mittelmark].

[4] Präzeptor: Hauslehrer.

[5] Nikolaus Pompeius [31.7.1591-1.10.1659 Wittenberg], Philologe u. Mathematiker.

[6] Straßburg [Strasbourg, Dép. Bas-Rhin].

[7] Wittenberg [LK Wittenberg]; HHSD XI, S. 504ff.

[8] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[9] hitziges Fieber: gefährliches, den ganzen Körper erfassendes Fieber, das die Kranken nach ein bis zwei Wochen entweder wieder verließ oder tötete. Es wurde mit einer widernatürlich gesteigerten Bewegung des Blutes erklärt, die zur Austrocknung des Körpers und zu Schlaflosigkeit führte. Daraus konnte eine ‚Raserei’ resultieren, in der die Kranken versucht waren, sich selbst und andere zu töten.

[10] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632). Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[11] Georg Wilhelm Kurfürst v. Brandenburg [13.11.1595 Kölln-1.12.1640 Königsberg].

[12] Comitat: Anhang, Begleitung, Geleit, Gefolge, Hofstaat. Zum Teil führte Obristen ihre Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. Der mobile Hofstaat aller Offiziere und ihrer Ehegattinnen trieb die Einquartierungskosten zusätzlich in die Höhe. Dass gerade auch Offiziersfrauen z. T. ein großes Gefolge (50 Personen und 50 Pferde) mit sich führten, erwähnt HELML, Oberpfalz, S. 59. Das Amtsprotokoll (1626 VIII 29), SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg , S. 281, täuscht hinsichtlich der Gesamtzahl: „Die Gravin von Ahnolt hat 9 pferdt, darzu wirdt außm ambt Stromberg contribuirt. Obrist Gallas hat 15 pferdt. Der ist nit hier. Der haubtmann hat 10 pferd, capitanleutenant 7, drey fendriche 12, cap(itan) S(t). Eloi 4, drei veltwaibell 9, drey furier 3, aventurier 12, ingenieur 5“. Dies waren lediglich die in Wiedenbrück stehenden Pferde. Selbst Hauptleute einer Kompanie unterhielten schon zu Anfang des Krieges einen eigenen kleinen Hofstaat und hatten nicht selten achtzehn Personen und vierzehn Pferde mit sich. Selbst ein Wachtmeister hatte noch 3 Knechte, 1 Jungen und 5 Pferde, manchmal sogar noch einen Narren als Begleitung; WAGNER; WÜNSCH, Notabilia, S. 110. Der schottische Söldner Robert Monro, „der Schwarze Baron, der als Freiwilliger mitgekommen war, erhielt die Erlaubnis, für einen Grafen Tafel zu halten, der gewöhnlich mit mehr als sechzehn Personen zu Tisch erschien. Die Besucher des Grafen, seine Pferde und seine Diener wurden dabei ebenfalls standesgemäß versorgt“. MAHR, Monro, S. 27. Bei den ligistischen Cronberg’schen Reitern (363 Soldaten) wurden in Langenau (Schwaben) „600 pferde, 66 weiber, 78 mädel, 307 jungen, 94 kinder und grosse anzahl hunde“ festgestellt; ZILLHARDT, Zeytregister, S. 128. „Die Offiziere führten ein Leben in Luxus, tranken täglich ihren Wein und forderten neben Geld, Fleisch, Weißbrot, Hafer und Heu auch Delikatessen, so der Örter nicht zu bekommen. Sie brachten nicht nur ihr Gesinde mit, sondern luden auch noch Freunde und Verwandte ein. Die Bauern mußten mit Pferd und Wagen bereitstehen, wenn die hohen Herren Jagden veranstalteten, und bei Truppenverschiebungen hatten sie den Transport zu bewerkstelligen. Eine Untersuchungskommission, die auf ständige Klagen der fürstlichen Räte und auch des Kurfürsten eingesetzt worden war, stellte lediglich fest, daß entsprechende Berichte stark übertrieben seien, und Anholt konnte auf die fehlenden Soldzahlungen verweisen, ohne die die Soldaten sich weder Lebensmittel noch Waffen oder Kleidung kaufen könnten. Erst Ende Mai 1623 trafen neues Geld sowie Waffen und Rüstungen ein, und Anholt erließ eine neue Ordonnanz, nach der die Soldaten nur noch das gewöhnliche Servis fordern durften, d. h. Bett, Feuer, Salz, Zwiebeln und Essig, alles Weitere aber bezahlen sollten“. TESKE, Bürger, S. 68.  Auch fand man bei den Kompanien fünfzig Weiber und dreißig Jungen, was die Unterhaltskosten in die Höhe trieb, und gerade in einem solch kleinen Wigbolden im mikroökonomischen Bereich den Ruin auf Jahre hinaus bedeutete. . Der Aufwand für Erzherzog Leopold Wilhelms eigene Bedürfnisse und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. Angeblich wurden 1646 täglich 600 Personen an 40 Tafeln bei Erzherzog Leopold Wilhelm unterhalten; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 612. „Als Leopold am 15. September [1646; BW] in Ammerthal war, wurden täglich 20 Ochsen, 100 Schöpse, 6 Kälber, 4 Ztr. Schmalz und Butter, 6 Säcke Weizenmehl, 120 Stück altes und 80 Stück junges Geflügel, 20 Eimer Wein, 60 Eimer Bier, 3 Zentr. Fische sowie 3000 Pfd. Schwarz- und Weißbrot verlangt“. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 240.

[13] Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff [Borgsdorff] [11.12.1595-1.2.1652 Berlin] kurbrandenburgischer Geheimrat, Oberkämmerer u. Obrist.

[14] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[15] Kapitän [schwed. Kapten]: Der Hauptmann war ein vom Obristen eingesetzter Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie, das er meist unter Androhung einer Geldstrafe auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Der Hauptmann warb daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. In der Kompanie-Stärke wurden so genannte „Passevolants“ mitgerechnet, nichtexistente Söldner, deren Sold ihm zustand, wenn er Deserteure und verstorbene Soldaten ersetzen musste. Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet. Der monatliche Sold eines Hauptmanns betrug 160 fl. , d. h. 1.920 fl. jährlich, ein bayerischer Kriegsrat erhielt 1637 jährlich 792 fl. Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Er musste die standesgemäße Heirat seiner Untergebenen bewilligen. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig, und die eigentlich militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant, übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein. Der tägliche Unterhalt für einen Kapitän betrug in der brandenburgischen Armee (1631) 2 Rt.

[16] Krossen oder Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie; Brandenburg, h. Polen]; HHSD X, S. 246f.

[17] Regiment: Größte Einheit im Heer, aber mit höchst unterschiedlicher Stärke: Für die Aufstellung eines Regiments waren allein für Werbegelder, Laufgelder, den ersten Sold und die Ausrüstung 1631 bereits ca. 135.000 fl. notwendig. Zum Teil wurden die Kosten dadurch aufgebracht, dass der Obrist Verträge mit Hauptleuten abschloss, die ihrerseits unter Androhung einer Geldstrafe eine bestimmte Anzahl von Söldnern aufbringen mussten. Die Hauptleute warben daher Fähnriche, Kornetts und Unteroffiziere an, die Söldner mitbrachten. Adlige Hauptleute oder Rittmeister brachten zudem Eigenleute von ihren Besitzungen mit. Wegen der z. T. immensen Aufstellungskosten kam es vor, dass Obristen die Teilnahme an den Kämpfen mitten in der Schlacht verweigerten, um ihr Regiment nicht aufs Spiel zu setzen. Der jährliche Unterhalt eines Fußregiments von 3.000 Mann Soll-Stärke wurde mit 400- 450.000 fl. eines Reiterregiments von 1.200 Mann mit 260.-300.000 fl. angesetzt. Zu den Soldaufwendungen für die bayerischen Regimenter vgl. GOETZ, Kriegskosten Bayerns, S. 120ff.; KAPSER, Kriegsorganisation, S. 277ff. Ein Regiment zu Fuß umfasste de facto bei den Kaiserlichen zwischen 650 und 1.100, ein Regiment zu Pferd zwischen 320 und 440, bei den Schweden ein Regiment zu Fuß zwischen 480 und 1.000 (offiziell 1.200 Mann), zu Pferd zwischen 400 und 580 Mann, bei den Bayerischen 1 Regiment zu Fuß zwischen 1.250 und 2.350, 1 Regiment zu Roß zwischen 460 und 875 Mann. Das Regiment wurde vom Obristen aufgestellt, von dem Vorgänger übernommen und oft vom seinem Obristleutnant geführt. Über die Ist-Stärke eines Regiments lassen sich selten genaue Angaben finden. Das kurbrandenburgische Regiment Carl Joachim v. Karberg [Kerberg] sollte 1638 sollte auf 600 Mann gebracht werden, es kam aber nie auf 200. Karberg wurde der Prozess gemacht, er wurde verhaftet und kassiert; OELSNITZ, Geschichte, S. 64. Als 1644 der kaiserliche Generalwachtmeister Johann Wilhelm v. Hunolstein die Stärke der in Böhmen stehenden Regimenter feststellen sollte, zählte er 3.950 Mann, die Obristen hatten 6.685 Mann angegeben. REBITSCH, Gallas, S. 211; BOCKHORST, Westfälische Adlige.

[18] Fähnrich [schwed. Fänrik]: Rangunterster der Oberoffiziere der Infanterie und Dragoner, der selbst bereits einige Knechte zum Musterplatz mitbrachte. Dem Fähnrich war die Fahne der Kompanie anvertraut, die er erst im Tod aus den Händen geben durfte. Der Fähnrich hatte die Pflicht, beim Eintreffen von Generalspersonen die Fahne fliegen zu lassen. Ihm oblagen zudem die Inspektion der Kompanie (des Fähnleins) und die Betreuung der Kranken. Der Fähnrich konnte stellvertretend für Hauptmann und Leutnant als Kommandeur der Kompanie fungieren. Bei der Kavallerie wurde er Kornett genannt. Zum Teil begannen junge Adelige ihre militärische Karriere als Fähnrich. Vgl. BLAU, Die deutschen Landsknechte, S. 45f. In der brandenburgischen Armee erhielt er monatlich 40 fl., nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 50 fl.

[19] Leibkompanie: Mit Leibkompanie oder Obrist-Kompanie wurde im 17. und 18. Jahrhundert die erste Kompanie eines Regiments bezeichnet. Der Obrist und Inhaber des Regiments war gleichzeitig Inhaber der Leibkompanie, was ihm durch die Kompaniewirtschaft zusätzliche Einnahmen verschaffte. Das gleiche galt für die Kompanie (Oberstleutnants-Kompanie), deren Inhaber sein Stellvertreter (Obristleutnant) war, später auch für die Kompanie eines Majors (Majors-Kompanie). Diese Kompanien wurden aber tatsächlich geführt von einem Kapitänleutnant oder StabsKapitän, die im Rang unter einem Hauptmann standen, der gleichzeitig Inhaber einer Kompanie war [wikipedia].

[20] Konrad [Kurt] Alexander Magnus v. Burgsdorff [Borgsdorff] [11.12.1595-1.2.1652 Berlin] kurbrandenburgischer Geheimrat, Oberkämmerer u. Obrist.

[21] Władysław IV. Wasa [Władysław IV Waza] [9.6.1595 Krakau-20.5.1648 Merecz] ab 1632 gewählter König v. Polen u. Großfürst v. Litauen, Herrscher v. Polen-Litauen sowie Titularkönig v. Schweden. Er war ab 1610 erwählter Zar v. Russland u. nach seiner Verdrängung durch Michael Romanow 1613-1634 Titularzar v. Russland.

[22] Duwall [MacDougal, MacDougall, Duwall, Duwalt, Duwaldt, Dubwaldt, Duval, Dual, Duual, Dugaldt, Dougal], Jacob [James, Joachim]; Obrist [um 1589 in Prenzlau-28.4./9.5.1634 in Oppeln], schwedischer Obrist und Generalkommissar in Schlesien.

[23] Generalleutnant [schwed. generallöjtnant, dän. Generalløjtnant]: Der Generalleutnant vertrat den General bzw. Feldherrn und war in der kaiserlichen, kurbayerischen, dänischen und schwedischen Armee der höchste Befehlshaber und Stellvertreter des Kaisers und des Königs/der Königin, mit weitgehenden politischen und militärischen Vollmachten. Über ihm stand nur noch der „Generalissimus“ mit absoluter Vollmacht. Als Rekompens erhielt er für seine Leistungen Landzuweisungen (zumeist aus eroberten Gebieten oder den sogenannten „Rebellengütern“) sowie die Erhebung etwa in den Grafen- oder Herzogsstand. Als Stellvertreter seines Dienstherrn führte er Verhandlungen mit den Ständen, erzwang die Depossedierung von Adligen und Absetzung von Territorialherrn in den besetzten Gebieten und lenkte durch seine Abgesandten auch Friedensverhandlungen. Wichtige Träger der gesamten Organisation des Kriegswesens waren dabei die Generalkriegskommissare und die Obristen, die in der Regel nach ihm oder nach seinen Vorschlägen bestallt wurden.

[24] Hans Georg v. Arnim-Boitzenburg [1583 Boitzenburg-28.4.1641 Dresden], polnische, dann schwedische Dienste, 1627 kaiserlicher Obrist, Feldmarschall, 1630 kurbrandenburgischer u. kursächsischer Feldmarschall, 1635 Ausscheiden wegen Prager Frieden, 1637 Verschleppung nach Schweden u. Flucht, ab 1641 Reorganisation der kursächsischen Armee.

[25] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[26] Vgl. CATALANO, Ein Chamäleon; REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’; MORTIMER, Wallenstein.

[27] Kapitänleutnant [schwed. Kaptenslöjtnant]: Der Kapitänleutnant war der Stellvertreter des Kapitäns. Der Rang entsprach dem Hauptmann der kaiserlichen Armee. Hauptmann war der vom Obristen eingesetzte Oberbefehlshaber eines Fähnleins der Infanterie. (Nach der Umbenennung des Fähnleins in Kompanie wurde er als Kapitän bezeichnet.) Der Hauptmann war verantwortlich für Werbung und Soldzahlung, für Disziplin, Ausrüstung und Verpflegung sowie für die Ernennung der untergebenen Führer. Oft war er in erster Linie für die materielle Versorgung der Truppe zuständig und die eigentlichen militärischen Aufgaben wurden von seinem Stellvertreter, dem Kapitänleutnant übernommen. Der Hauptmann marschierte an der Spitze des Fähnleins, im Zug abwechselnd an der Spitze bzw. am Ende. Bei Eilmärschen hatte er zusammen mit einem Leutnant am Ende zu marschieren, um die Soldaten nachzutreiben und auch Desertionen zu verhindern. Er kontrollierte auch die Feldscher und die Feldapotheke. Er besaß Rechenschafts- und Meldepflicht gegenüber dem Obristen, dem Obristleutnant und dem Major. Dem Hauptmann der Infanterie entsprach der Rittmeister der Kavallerie. Junge Adlige traten oft als Hauptleute in die Armee ein.

[28] Martin v. Knobelsdorff [ – ] Oberamtskanzler in Schlesien ?

[29] Hunger: Hungerkrisen traten durch Missernten, Wettereinflüsse, Truppendurchzüge, Einquartierungen, Erntezerstörungen, Pferde- und Viehdiebstahl immer wieder auf. Oftmals blieb nur die Flucht ins Heer oder der Anschluss an den Tross. So hatten sich 2.000 hungernde Eichsfelder Pappenheims Soldaten angeschlossen. Ein Berittener oder Knecht in der Musterung hatte immerhin noch zwei Pfd. Fleisch, drei Pfd. Brot, eine Maß Wein und drei Maß Bier pro Tag zu fordern – drei bis fünf Maß Bier je nach Geschlecht pro Tag galten auch sonst als üblich – , was zur raschen Auszehrung einer Landschaft führte, zumal die eingeforderten Naturalabgaben im Laufe der Zeit noch weiter anstiegen und von Jahr zu Jahr neue Verpflegungssätze erfordern. Vom Verpflegungsansatz her war dies eine gewaltige Kalorienmenge, entsprachen doch drei Pfd. (gutes) Brot allein bereits etwa 3.750 kcal. Rechnet man noch über 2.000 kcal für das Fleisch hinzu, ohne Bier und Wein, so wird eine Kalorienzahl zwischen 6.000-7.000 kcal erreicht, was dem Zweieinhalb- bis Dreifachen eines durchschnittlichen Tagesbedarfs entsprochen hätte. Das war wohl Anfang des 17. Jahrhunderts nur Privilegierten vorbehalten, während die Gemeinen nur unzureichend verpflegt wurden. HIPPEL, Bevölkerung, S. 422, schätzt den täglichen Nahrungsbedarf in Württemberg auf knapp 2.400 kcal pro Tag. Vgl. BEHRENDS, Chronik, S. 145f. (1636): „Man gab den Armen von jedem Backvorgang ein Brot, […] welches damals als Krieg, Pest und Hunger hieselbst gar übel hauseten, von armen Leuten nicht für eine geringe Gabe gehalten ward, sintemal man damals oft weder Brot noch Bier und Geld haben konnte, und viele, meistenteils aber die Soldaten Hunde und Katzen, Pferde- und Menschenfleisch fraßen und nicht einmal bekommen konnten“. 1641 heißt es über die Prignitz: „So sind auch alle Dörfer so gar verwüstet, verödet, universaliter et particulariter in Brand gesteckt, die Untertanen Hungers und des milites immanitet [Unmenschlichkeit, Rohheit] halber gestorben und ins Elend [Ausland] verlaufen, dass man in dem ganzen Kreise nach angestellter fleißiger Inquisition bloß 373 Bauersleute, die doch etliche gar wenig ausgenommen, weder Hunde noch Katzen, weniger etliche Lebensmittel haben, besonderen sich vom Obste und wohl ganz unnatürlichen Speisen aufhalten müssen, gefunden worden“. HERRMANN, Ländliche Bevölkerung, S. 86. Der Bieberauer Pfarrer Minck (1635); KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 261: „Durch diesen Hunger verschmachteten viele Leut dermaßen, daß nichts als Haut und Bein an ihnen war, die Haut hing ihnen am Leib wie ein Sack, waren ganz schwarz-gelb, mit weiten Augen, gepläcketen Zähnen, grindicht, krätzig, gelbsichtig, dick geschwollen, febricht [= fiebrig], daß einem grauete, sie anzusehen“. ZILLHARDT, Dreißigjähriger Krieg, S. 161f. (1635): „Dan auß diser teürung und hungersnot ist entstanden noch ein jamer uber alle jamer, nemlich ein sterbet und pestelentz, das vüll taußendt menschen sind zu grundt gangen durch hunger, krieg und pestelenz. Dan durch den hunger ist von denen armen menschen vüll greüwlich und abscheüliches dings auffgefressen worden. Alls nemlich allerley ungereimbten dings: hundt und katzen, meüß und abgangen vüch, roßfleisch, das der schinder und meister uff dem vassen sein fleisch von dem abgangne vüch, als roß, hundt und andere thier, ist hingenomen worden, und haben dannoch einander drumb gerißen und für köstlich gut gehalten. Es ist auch für gut gehalten worden allerley kraut uff dem feld: die distel, die nesle, schersich, hanefüeß, schmerbel, schertele. In suma allerley kraut ist gut gewessen, dan der hunger ist ein guter koch, wie man im sprichwort sagt“. Vgl. auch die Lebensbeschreibung des Gottfried Andreae (1637); DOLLINGER, Schwarzbuch, S. 321: „Doch im Jahr 1637 stieg das Elend auf’s höchste, nachdem kaum 200 Bauern in der untern Pfalz mehr übrig waren, da die übrigen teils an Hunger und Pest bereits gestorben, teils von den Kaiserlichen erwürgt oder als Soldaten weggeschleppt worden waren … Der Hunger aber zwang die Leute zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: Gras, Kräuter, dürre und grüne Baumblätter, Felle von Tieren; Hunde, Katzen, Ratzen, Mäuse, Frösche und faulendes Aas waren gesuchte Bissen. Die Hungernden erschlugen einander selbst, verzehrten sie, durchwühlten Gottesäcker, erstiegen Galgen und Rad und nahmen die Toten zur Speise weg“. Notiz aus dem Pfarrbuch von Mauern (LK Neuburg/Donau) für 1648: „Viele haben aus Hunger Roßmist gegessen, der Feind hat alles fort; es ist nichts angebaut worden. Viele sind Hungers gestorben, die Überlebenden nähren sich von Wurzeln und Baumblättern und sind froh um die Häute der gefallenen Pferde“. [frdl. Mitteilung von Herrn Fahmüller, Pfeffenhausen]. Der Kitzinger Pfarrer Bartholomäus Dietwar [1592-1670] über 1649; DIETWAR, Chronik, S. 91: „Etliche tausend bayerische Bauern bettelten mit Weib und Kind durchs Land. Darunter waren auch Mörder. Sie stahlen und raubten was sie konnten. Das war Gottes sichtbare Strafe dafür, dass der Kurfürst von Bayern im 30jährigen Kriege viele Tausend armer Leute gemacht hatte. Darum war sein Land im vorigen Jahre durch die Schweden und Franzosen wieder verdorben worden, also dass seine Leute von München und Landshut her das Frankenland durchliefen, das gebettelte Brot dörrten und heim nach Bayern trugen“. Aus Nördlingen wird anlässlich der Belagerung 1634 berichtet; KESSLER, Belagerung, S. 38: „Um diese Zeit sind die Rosse wegen Mangels an Futter so erkrankt und so matt geworden, daß sie häufig einfach hingefallen und verendet sind. Von dem S. H. Schinder Jörg Schmid sind hinter dem Feilturm 2 große Gruben gegraben und die Pferde darin verscharrt worden. Die Armen und Bettelleute aber haben sich auch dabei befunden und haben, wenn man die Pferde hat vergraben wollen, aus großem Hunger ziemlich große Stücke davon herausgeschnitten, das Selbige gekocht und von solchem ihren Hunger gestillt, und gebüßt. Die armen Leute sind zur Nacht, um 12 Uhr, über solches Aas gekommen und haben es davon getragen“. KESSLER, Belagerung, S. 63: „Die kaiserlichen, spanischen, welschen, französischen und deutschen Soldaten sind gleichsam aus dem ausgebrannten Turm herundergefallen und jämmerlich aufeinander gelegen. Die armen Tagelöhner haben die gebratenen Schulterblätter von den Achseln abgenommen und für gutes Schweinefleisch gefressen“. Auch Regimenter wie das des kurkölnischen Obristen Hugo v. Tyrell[i] lösten sich wegen Hunger auf. Der Salemer Mönch Bürster (1644); WEECH, Sebastian Bürsters Beschreibung, S. 196: „Dan ehe muoß der burger sterben zehen mal, ehe der soldat verderben ainmahl“. HÄVECKER, Chronica und Beschreibung, S. 96 (Calbe 1642): „Uber dieses ist dieser Ort auch mit Theurung und Hungersnoth nicht verschonet geblieben. Denn Ao. 1642. hat ein Scheffel Rocken 3. Thl. und mehr gegolten / und man das Getreyde allhier nicht einmal darum erlangen können / sondern es hat dasselbe von andern Orten müssen geholet werden; Die nun kein Geld gehabt / es so theur zu bezahlen / haben sich mit geschroteten Bohnen / Erbsen- und Gersten-Brod behelffen müssen / so aber auch beynöthig gewesen. Dahero viel arme Leute statt des Korns / mit Knoten-Kafft / Wurtzeln aus der Erden sich sättigen / und das Kraut auf dem Felde kochen und essen müssen. Und weil eben in derselben Zeit die Engel- und Schottländer in der Stadt gelegen / sind derer viel wegen Mangel des Brods gestorben / und haben einige den Hunger mit Pferdefleisch zu stillen gesuchet / und das Fleisch des verreckten Viehes gegessen“. Der Zeitzeuge Hanns Kahn aus Klings/Rhön; LEHMANN, Leben und Sterben, S. 172 (1638): „Das Getreide wurde [von den Soldaten] weggeführt. Kein Bauer hatte mehhr Lust zu säen. Keiner hatte mehr Lust zu arbeiten, weil er es doch nicht genießen konnte. Es kam nur das Nötigste in die Erde, und dieses hatten die Soldaten gestohlen. Es kam eine böse Hungersnot. Viele sind gestorben. Die schwedischen Reiter und die Kroaten mussten sich mit kleinem Brot begnügen. Unser Brot gestand damals aus gemahlenen Eicheln, Wicken und wenigem Korn. Die solches hatten, konnten froh sein. Manch reicher Mann ist aus Hunger gestorben […] Man sieht oft, dass es Menschen in der Not an jeder Erklärung mangelt. Mit gesottenem Gras und Aasfleisch glaubten viele, dem Hunger zu entgehen und starben erst recht an den abscheulichen Sachen, die sie verschlangen“. Vgl. auch die zeitgenössische Darstellung von VINCE, Lamentations, S. 35ff. Z. T. sollen sich die verhungernden Soldaten regelrecht zu Tod gefressen haben; PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 117 (1634): „Den 26. Decembris zogen die Soissischen Soldaten hinaus / und kamen dargegen 3. Compagnien Schwaben herein von dem Freybergischen Regiment / die hatten meistenteils alle Weiber und 5. biß 6 Kinder / alle sehr verhungert / die frassen alles aus / was sie bekommen kunten / mit solcher Begierde und in solcher Mäng / daß etlichen der Wanst zersprang. Zween Soldaten hatten 35. Glös und 3. Spital Laiblein Brods uff einen Sitz gessen / hatte der eine noch ½ Glos im Munde / da er starbe“. Der Chronist Georg Friedrich Dhein berichtet über die Zustände in der Festung Hanau (1636); KURZ, Das Leben, S. 132: „Und da unter denen Scharmützel von Freund und Feind ein wohl gehaltenes Pferd erlegt wurde, gingen viele des armen Volks hinaus, rissen sich um das Aas, brachten von dem stinkenden Fleisch so viel als möglich war zu ihrem Unterhalt herein, wie denn auch sonsten Pferde-, Esel- und Hundefleisch gekochet wurde auf dem Markt verkaufet. Katzen estimirte man vor Wildbret und etliche allzu Fleisch begierige Leut handelten dem Scharfrichter gedörrtes Schindfleisch ab zu ihrer Speis“. Als Ersatz nahm man auch Gras oder Kräuter, „da viele hundert Menschen schwere Krankheit, Lähmung, Scharbock und die Mundfaulung bekamen, auch etliche Menschen sind auf der Gassen verschmachtet und niedergefallen, auf welches vielfältige Elend so mancher sehr zu Herzen genommen, sehr viele public und privat Almosen gereichet worden, wiwohl dem Elend nicht zu steuern gewesen“. BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 118f.: „Anno 1638 ist wieder eine Theuerung nach dem vorigen Krieg und der Pest erfolget, so daß ein Leipziger Scheffel [103, 83 Liter; BW] um 10 G[ulden; BW]. Verkauft worden. Dahero weil die Armen es nicht bezahlen, auch vor den Thüren nichts mehr kriegen kunten, so wurden vor großem Hunger Hunde und Katzen geschlachtet, ja das Aas von dem Schindanger [=> Schindanger; BW] geholet und gefressen, und wollte wenig zureichen, deßwegen viel Leute verhungert und in den Misthaufen gestorben, so vorhin auf dem Lande schöne Güter gehabt; daselbst viel arm Volck sich von hier nach dem Altenburgischen gewendet, woselbst sie auch erhalten worden; Es haben sich auch einige gutthätige Hertzen gefunden, die den Armen wöchendlich ein oder zweymahl zu gewissen Tagen Brod haben mitgetheilet, worunter der Herr Superintendent D. Leyser, Herr Archediakonus M. Rinckard, Herr Bürgermeister Müller wie auch andere wohlhabende Bürger sich mit befunden haben, dass iedweder einen oder zwei Scheffel [1 Scheffel = 112, 15 Liter, BW] kauffte und das hiervon gebackene Brod unter die Armen austheilete, so wollte es doch nicht zulangen, denn die Menge war zu groß, weil offt vor einem solchen Hausse 4, 5, 6 bis 800 Menschen an Männern, Weibern und Kindern gestanden, welche einander sehr gedrenget, darunter viel Leute vom Lande, so vor dem Kriege nicht vor 800 oder 1000 Gulden, ja wohl nicht vor 2000 Gulden gegeben hätten. Wenn nun die Leute ein bißgen Brod erhalten, haben sie es nicht flugs gegessen, sondern nur daran gerochen und haben Gelegenheit gesuchet, ob sie einen Hund oder eine Katze damit fangen können. Wenn sie denn einen Hund bekommen, haben sie denselben an einem Strick bey sich geführet, denen wohl 20 oder 30 arme Leute beyher gefolget, gleichsam als wenn sie mit dem Hunde zu Grabe gehen wollten. Wenn sie nun vor die Stadt auf den Graben kommen sind, da haben sie geschlachtet und gebraten, was sie bekommen, da ist auf dem Graben um die Stadt herumb ein klein Feuer nach dem anderen gewesen, darbey die armen Leute gekocht und an hölzernen Spießen gebraten, was sie nur bekommen. Denn wenn der Cavaller [Abdecker, BW] mit dem Karn ein Aas hinausgeführet, ist das arme Volck häuffig nachgelauffen, und haben ein Stück nach dem anderen davon abgeschnitten. Oder wenn eine Kuh verworfen und das Kalb gleich unzeitig gewesen, haben sie es doch geholet, gekocht, gebraten und alles gegessen. Ja es war das arme Volck so abgemattet und verhungert, daß sie gingen, als wie die Schämen (!) [Schemen; BW] war Gottes Strafe so groß, daß sie gleichsam nicht kunten wegkommen oder an andere Oerter lauffen, sondern lieber hier verhungerten, da es doch, wie obgedacht, im Altenburgischen und an anderen Orten nicht so teuer, auch noch eher Brod vors Geld oder vor den Türen zu bekommen war, als hier. Sonderlich aber wenn der Abend herbey kahm, da hätte es oftmals einen Stein erbarmen mögen, wie das arme Volck winselte und die Nacht über in den Misthauffen schrie und bath. Eins rufte hier, das andere dort, tausendmahl um Gottes-Willen umb ein bißgen Brod, oder nur um ein Krümelgen; ein anders etwa umb ein Trünklein Wasser oder Kosent [Kofent = Dünnbier; BW] und dergeleichen, daß man froh war, wenn es wieder Tag wurde; denn das Elend und große Geschrey kunte man ohne hefftige Gemüths-Bewegung nicht ansehen oder anhören“. Hunger führte u. a. zu Kannibalismus; vgl. „Gründtlicher vnnd warhaffter Bericht / vnnd Erzehlung Der Vorhin vnerhörten Thaten vnd abscheulichen Exempel“ (1638), ohne Seitenangabe: „Herman Seidel / ein frommer Mann / von Offenburg / welcher zu Lichtenau eine Schwester / die Ihm sehr lieb gewesen / vnd derhalben seinen Sohn zu hir geschicket / mit ein wenig nahrung / dieser Knabe kömmet vngehindert fort / alß er nach Lichtenaw kömbt / vnd niemand findet / auch schon im widerkehren ist nach hause zugehen / kömmet er ohn gefehr bey ein Fischerhäußlin / da ers rauchen sihet / vnd wie denn die Jugend vorwitzig / lauffet er hinzu / vnd wird eines Weibes gewar / die beim heerde sitzt / vnd kochet / vnd beynebens schrecklich heulet und weinet / neben dem heerde hencket ein Kind an einem stecken / welcher durch beyde Waden gangen / vnd dz Kind den kopff vnter sich gehangen / ist auffgeschnitten vnd geschlachtet / dieser Knabe lauffet mit angst vnd furcht vmbgeben / biß er nach Offenburg kombt / sagts seinem Vater / dieser zeigts der Obrigkeit an / vnd muß dieser Knabe mit einer ziemlich starcken Guarnison dahin / welchs also befunden / vnd das Weib gleich auch essend vnd weinend finden / haben aber vom Kinde noch funden die 2. Vntertheil / den lincken Arm / vnd Kopff / das andere hat sie schon verzehret gehabt: vñ ist diß Weib / nebenst dem Kinde auff Offenburg genommen worden: alß man sie aber gefraget: wie sie solchen Mord vnd Todschlag gleichwol vbers Hertze bringen können ? hat sie darauff geantwortet / sie hette es nicht gethan / sondern der grausame Hunger / dessen quall vnmenschlich were /das vbrige wolte sie der Obrigkeit befehlen zu verantworten. Hat aber nur 16. Tage nach diesem gelebet“.

[30] Lebenserwartung: LINDEGREN, Frauenland und Soldatenleben, S. 143f.: „Insgesamt starben zwischen 1620 und 1630 ungefähr 50.000 schwedische und finnische Soldaten, zwischen 1640 und 1650 waren es 40.000. Im Durchschnitt starben folglich jeweils 38 % der zwanzigjährigen schwedischen und finnischen Männer zwischen 1620 und 1630 im Kriegsdienst, im folgenden Jahrzehnt 33 Prozent. … Ein einfacher schwedischer Soldat lebte im Dreißigjährigen Krieg durchschnittlich drei Jahre und vier Monate. Exakt genauso lange lebten jene Soldaten, die am Großen Nordischen Krieg (1700-1721) teilnahmen. Offiziere überlebten bedeutend länger, im Durchschnitt acht Jahre. Zwischen Garnisonsverbänden und Feldverbänden gab es in dieser Hinsicht keinen Unterschied“. 2011 fand man in einem Massengrab (Schlacht bei Lützen 1632) Soldaten zwischen 14 und 45 Jahren. DIE WELT vom 19.1.2013; http://www.welt.de/geschichte/article112864396/Kindersoldaten-und-Greise-im-Krieg-der-Religionen.html: „Die Jüngsten der Toten aus dem Massengrab waren 14 bis 16 Jahre alt, also gerade einmal so alt wie der Krieg. Die Ältesten glichen mit 35 bis 45 Jahren schon Greisen. Die 1,65 Meter bis 1,80 Meter großen Kämpfer hatten tödliche Schuss-, Hieb- und Stichverletzungen“. Im schwedischen Lager bei Latdorf von 1644, welches in Teilen ausgegraben wurde, gab es 21 Skelette in 17 Gräbern, also auch Mehrfachbestattungen. In den Dreifachbestattungen lagen Knaben, die nur etwa 11-12 Jahre alt geworden sind, sowie jeweils ein Jugendlicher von 15 – 17 Jahren. Die Gräber liegen innerhalb des mutmaßlich militärischen Teils des Lagers, der zivile ist nicht untersucht, resp. schon zerstört; frdl. Mitteilung von Frau Anja Grothe, Halle. Nach ZSCHUNKE, Konfession und Alltag, S. 185, betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Soldaten in Oppenheim 40, 3 Jahre.

[31] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[32] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[33] Heinrich Matthias Graf v. Thurn-Valvassina [24.2.1567 Schloss Lipnitz/Lipnice nad Sázavou-28.1.1640 Pernau], böhmischer Ständeführer, schwedischer Generalleutnant.

[34] Schlacht bei Steinau 11.10.1633: Schlacht bei Steinau an der Oder (Śinawa, Kr. Wohlau): Wallenstein schlug die Schweden, Brandenburger und Sachsen unter Heinrich Matthias Graf Thurn und Heinrich Jakob Duwall. Vgl.Thurns Verteidigungsschrift, Beständiger Bericht vnd SchutzRede / Des Hochwolgebornen Graven vnd Herrn / Herrn Heinrich Matthes / Grafen von Thurn … Generaln : Darinnen Das jüngsthin / den 1. Octob. bey der Steinawer Brücken in Schlesien erfolgtes Unheil / dessen Ursprung / Mittel vnd Verlauff / zu verhütung ungleichen Verdachts vnd irriger Meinung / ordentlich vnd richtig erzehlet vnd beschrieben wird [http://digital. Slub.dresden.de/id3811300331/1].

[35] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[36] Feldmarschall [schwed. fältmarskalk]: Stellvertreter des obersten Befehlshabers mit richterlichen Befugnissen und Zuständigkeit für Ordnung und Disziplin auf dem Marsch und im Lager. Dazu gehörte auch die Organisation der Seelsorge im Heer. Die nächsten Rangstufen waren Generalleutnant bzw. Generalissimus bei der kaiserlichen Armee. Der Feldmarschall war zudem oberster Quartier- und Proviantmeister. In der bayerischen Armee erhielt er 1.500 fl. pro Monat, in der kaiserlichen 2.000 fl. [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)], die umfangreichen Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet, war er doch an allen Einkünften wie Ranzionsgeldern, den Abgaben seiner Offiziere bis hin zu seinem Anteil an den Einkünften der Stabsmarketender beteiligt.

[37] Johan Banér [Bannier, Panier, Panner] [23.6./3.7.1596 Djursholm-20.5.1641 Halberstadt], schwedischer Feldmarschall. Vgl. BJÖRLIN, Johan Baner.

[38] Leibgarde.

[39] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[40] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[41] Vgl. dazu ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detaillierteste Darstellung der Schlacht).

[42] Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen [5.3.1585 Dresden-18.10.1656 Dresden].

[43] Prager Frieden: Der in Folge der schwedischen Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen (5./6.9.1634) vereinbarte Prager Frieden zwischen Johann Georg I. von Sachsen und Kaiser Ferdinand II. wurde am 30.5.1635 unterzeichnet. Bei diesem Friedensschluss, dem fast alle protestantischen Reichsstände beitraten, verzichtete der Kaiser auf seinen Anspruch, den Augsburger Religionsfrieden von 1555 allein zu interpretieren und damit das Restitutionsedikt von 1629 durchzuführen (vgl. s. v. „Religionsedikt“); Ergebnis war eine begrenzte Festschreibung des konfessionellen Status quo. Weitere Ergebnisse waren: die Festschreibung der Translation der pfälzischen Kurwürde auf Bayern, der Ansprüche Sachsens auf die Lausitz und die Bildung eines Reichsheers (wobei Johann Georg von Sachsen und Maximilian I. von Bayern eigene Korps führen ließen, die als Teil der Reichsarmee galten), die bestehenden Bündnisse waren aufzulösen, fremde Mächte sollten den Reichsboden verlassen, etwaige Ansprüche auf den Ersatz der Kriegskosten seit 1630 wurden aufgehoben, eine allgemeine Amnestie sollte in Kraft treten. Zudem kann der Prager Frieden als einer der letzten kaiserlichen Versuche betrachtet werden, ein monarchisches System im Reich durchzusetzen. Maßgebliches Mittel dazu war die so genannte Prager Heeresreform, mit der der Kaiser den Versuch unternahm, nahezu alle reichsständischen Truppen unter seinen Oberbefehl zu stellen und zugleich den Ständen die Finanzierung dieses Reichsheeres aufzuerlegen. Diese Vorstellungen ließen sich ebenso wenig verwirklichen wie das Ziel, durch die Vertreibung der ausländischen Mächte Frankreich und Schweden zu einem Frieden im Heiligen Römischen Reich zu gelangen. Vgl. die Einschätzung des Pfarrers Bötzinger, Leben und Leiden, S. 33f.: „Mitten in unsere Not drang das Gerede von einem Frieden, der zu Prag geschlossen sein sollte. da hielten wir die Nase hoch und schnupperten, wo der Wind wohl in der Zukunft herwehen werde. Die Bauern richteten sich wieder etwas gerade, maßen die Felder aus und bekümmerten sich um das Vieh. In den Städten räumte man die Brandplätze auf, besserte die Mauern aus und sah die Tore und Wachtürme nach. Meine Ursel nahm die Kinder, legte ihnen die Hände ineinander und sagte ihnen etwas Schönes vom lieben Gott und seiner großen Vatergüte, und ich schlug die Bibel auf und strich mir alle Stellen an, in denen von Friede, Freude und Einigkeit die Rede war. Indessen stellte sich gar bald heraus, daß alles Lug und Trug gewesen war, was man geredet hatte, und daß an Durchmärschen und Einquartierungen mit ihren Greueln und Grausamkeiten noch kein Ende abzusehen war“. Auch HAPPE schätzte den Prager Frieden zu Recht als trügerisch ein; Happe I 396 v – 397 r, mdsz.thulb.uni-jena.de; vgl. auch LEHMANN, Kriegschronik, S. 87. Zur Forschungslage vgl. KAISER, Prager Frieden.

[44] Peitz [LK Spree-Neiße]; HHSD X, S. 307f.

[45] Adam Graf zu Schwarzenberg [26.8.1583 Gimborn (Bergisches Land)-14.3.1641 Spandau], kurbrandenburgischer Geheimer Rat. Vgl. KOBER, Eine Karriere im Krieg.

[46] Regensburger Kurfürstentag (1636/1637): Am 15.9.1636 eröffnet und am 23.11.1637 geschlossen, demonstrierte er die Macht Habsburgs. Nach dem Prager Frieden hatte Ferdinand II. die meisten deutschen Fürsten auf seiner Seite, so dass die Wahl Ferdinands (III.) zum Römischen König einstimmig erfolgte. Vgl. dazu HAAN, Kurfürstentag, S. 209ff.

[47] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[48] Vgl. HENGERER, Kaiser Ferdinand III.; HÖBELT, Ferdinand III.

[49] Küstrin [Kostrzyn nad Odrą, Kr. Königsberg]; HHSD X, S. 441ff.

[50] Malchin [LK Demmin]; HHSD XII, S. 61f. Vgl. THEATRUM EUROPAEUM 3. Bd., S. 973: „Dieser Zeit hatte Ihr. Excell. Herr Feldmarschall Bañier in 6000. Pferdt / nebens etlichem Fußvolck und Tragonern (so Herr Gen. Torstensohn und Obr. Stallhans commandirt) zu Tribsees über den Paß gehen lassen / umb auff der Käyserischen Intent ein Aug zu haben / und denselben umb so viel möglich / Abbruch zu thun. Unter dessen haben sie von einem Bauren die Kundschafft erlangt / daß ein halbe Meyl von Malchin etliche starcke Käyserische Truppen im Felde bey einem Dorff gehalten / und in etwas sicher gewesen. Herr Gen. Torstensohn / als er solches wol erkundiget / ist neben Stallhansen auff sie angangen / da in dessen / als die Schwedische fast nahe bey einer Meyl davon gewesen / die Nacht eingefallen / und gedachte Käyserliche in das Dorff geruckt / die Pferde gefüttert / gleichwol aber an unterschiedlichen Orthen Wacht halten lassen. Der Bauer / welcher selbiger Gegend wol kündig / hat die Schwedischen an einem bequemen Orth über einen Morast gebracht / da dann Herr Obrist. Hans Wachtmeister / so die Avantgarde gehabt / auff die Wacht loß gangen. Und weilen sie sich keines Feindes auf dem Rücken versehen / hat er die gantze Wacht stillschweigend / und also / daß die im Dorff keinen Lärmen darvon bekommen / bey den Köpfen genommen / darauff die Schwedische mit gesampter Macht auff das Dorff angesetzt (worinnen 6. Comp. Polacken / 4. Comp. unterm Herrn Obr. Christian von Münster / nebenst noch 500. com̃andirten Reutern / so ins gesampt wolgedachter Herr Obr. commandirt / sich befunden) selbiges umbringt / und ist / was nicht gefangen und niedergehawen worden / nochmals / als das Dorff angesteckt / guten theils verbrunnen. In solchem Uberfall haben die Schwedische / neben der Paggagy und 3. Carozzen / über 1000. wolmundirte Pferd und 10. Standarten zur Beuthe bekommen.

Nach vollbrachter Execution in besagtem Dorff hat das Schwedische Fußvolck an das Stättlein Malchin angesetzt / und obwolen die darinn gelegene 25. Mann / so mit Herrn Obr. Wachtmeister von Löwenzaw die vorige Nacht hinein kommen / und gegen Rostock zugewolt) sich Mannlich gewehrt / haben sie es doch (weil sonst kein Käyserisch Volck darinnen) bestiegen / was sie von Soldaten darinn angetroffen / niedergehauen / hernach das Stättlein / in welchem viel Officiers Pferde Pferde auch Viehe gestanden / gantz außgeplündert / uñ wieder verlassē. Seynd also mit der gemachten Beuth / dem gefangenen Herrn Obr. Christian von Münster / dessen Obr. Leutenanten / wie auch der Polacken Obr. Leutenant (dessen Herr Obrister eben zu Ihr. Exc. Herrn Graffen von Gallas verreyset gewesen) wieder über den Paß Tribsees auff Stralsund zugangen“.

[51] Menschenfresserei (Anthropophagie): Es ist hervorzuheben, daß HAPPE hier nicht als direkter Zeuge eines Falls von Anthropophagie berichtet. Jedoch greift er mit dem Breisacher Bespiel einen Fall von Menschenfresserei auf, der im Unterschied zur häufig unkonkreten metaphorischen Erwähnung von Fällen der Anthropophagie in Selbstzeugnissen der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zur Bezeichnung von Zuständen äußersten Hungers (wie in HAPPES Text etwa I 322 r) in diesem Fall direkt verbürgt ist. Unter den vielfachen zeitgenössischen indirekten Berichten über den Breisacher Fall kann der des Historiographen und Habsburg-Anhängers Wassenberg als typisch gelten: „Also hielten sich die elenden Brisacher / da sie aller hülffe beraubet waren / in der Trew vnd Armuth; vnd als es noch lenger anstundt / da giengen ihnen beydes die gewöhnlichen / so wol auch vngewöhnlichen Speisen allgemach ab; sintemal sie allbereit die Pferdt / vnd andere Thiere / so die schändliche Noth zum täglichen Gebrauch verwendet / verzehret hatten. Hernach haben sie Gartenstauden vnd Baumstämme / auch die zwischen den Steinen wachsende Kräuter außgerupffet / vnnd sind deß elends vnd der Gedult Exempel gewesen. Endlich aber als auch dieses ganz auff war / so ist die Trew in ein Wüten verwandelt worden / vnd hat einer den andern auffgefressen. Dann zu schweigen / daß sie 2000. Felle verzehret / vnnd die Menschen mit den Fingern den Kalck vnd Leimen an statt der Speise auß der Wand gegraben; auch etliche mit warmen Wasser ihr Leben biß in die fünfte vnnd sechste Woche gefristet / endlichen aber wann eine Geschwulst an den Füssen zugeschlagen / plötzlich gestorben. Diß alles / sag‘ ich / zu geschweigen / so will ich noch wol ärgere dinge / wovon man in den alten Zeitbüchern nichts findet / erzehlen; nemblich / daß vornehme Bürgerskinder auff einen tag verlohren / vnnd / zweiffels ohne mit den Zähnen zerrissen vnnd verzehret worden; daß die Leute / wann sie auff der Gassen einander begegnet / den Hunger zu stillen einander vmbgebracht; daß der vor etlichen Tagen begrabenen Menschen Eingeweide gekocht; ja auch der allererst gestorbenen Menschen rohes Fleisch / Adern vnnd Blut an statt der Speise gebrauchet worden“ (WASSENBERG; Florus, 430f.). Auffällig ist, daß ein als Selbstzeugnis überlieferter Augenzeugenzeugenbericht des Adjutanten des Prinzen Bernhard von Weimar von Weimar, Johann Christoph von der Grün von der Übergabe der Festung durch den habsburgischen Kommandanten an Prinz Bernhard von Weimar diesen Fall von Anthropophagie zwar bezeugt, ihn zugleich jedoch als einen sehr viel eingeschränkteres und spezifischeres Geschehen darstellt, in dem nicht etwa wie in der Darstellung Wassenbergs lebende Menschen „einer den anderen aufgefressen“, sondern im Zustand äußersten Hungers (lediglich) die Leichname dreier verstorbener Kriegsgefangener von ihren Kameraden verzehrt worden seien: (Dem Bericht zufolge äußerte der Kommandant der Festung, Freiherr von Rheinach, bei Ihrer Kapitulation und Übergabe eine spezielle Bitte): „Es würde der mehrere Theil seiner verhungerten Soldaten nicht wohl über den Platz, geschweige durch die Stadt und das Thor zu den Schiffen marchiren können, daß sie nicht tott darnieder fielen! Und bäte er derowegen Ihro fürstl. Gnaden gar hoch, Sie wolten Ihme vor accordirtermassen bey der Stadt in die Schiff sitzen und abziehen lassen. Dieweilen aber Ihro fürstl. Gnaden ihme von Rheinach noch einmal durch mich anzeigen lassen, es wäre kein ander Mittel, er müße solcher Gestalt den Anzug nehmen, damit er sich aber keiner Arglist und Gefahr zu besorgen habe, so sollte er auf Ihro fürstl. Gnaden parole sich versichern, daß keinen Soldaten einiges Leid geschehen würde…“ [Auszug erfolgt mit 400 Gesunden und 50 kranken gemeinen Soldaten] „darvon etliche im Stehen und Marchiren, darnieder gefallen, mit 19 Fahnen gefolgt. Hier zwischen stund unsere Infanterie auf beiden Seiten in Schlachtordnung, und als der Generalfeldzeugmeister Freyherr von Rheinach Ihro fürstl. Gnaden Hertzog Bernhardten: welcher auf der Seiten bei dem Eisenberg zu Pferdt sitzend gehalten: ersahe, stieg er von seinem Pferdt, ging mit sehr tieffer und oftmals wiederholter Reverence gegen höchstgedacht Ihro fürstl. Gnaden und küßete deroselben die Stieffel, welche sich aber anfänglich nicht bewegt, sondern aufrecht zu zu Pferdt sitzend Ihro Autorität gehalten, und mit scharffen und harten Wortten zu ihm gesagt, daß sie wohl genugsam Ursach hetten, ihme seinen Accord nicht zu halten, indem er, wie Sie allererst vernommen, 30 von deroselben gefangenen Soldaten zu Breysach im Stockhauß sterben, und 3. dererselben von ihren anderen Cameraden, auß großer Hungersnoth aufzehren lassen, welches eine unerhörte, unverantwortliche und crudele That sey, so der Gerechte Gott nicht ungestraft würde lassen hingehen. ob nun zuvor der Freyherr von Rheinach viel Entschuldigung, warum er die Gefangenen übel tractiret und nicht loßgeben wollen, vorgewendet, sagend, daß seine Armuth so groß gewesen, welches denen Gefangenen bekandt, sie es im Hineinführen an seinen Wachten [Wachen], welche schlecht waren, gesehen, und nun herauf dieselbe wieder sehen würden, welches Ihme sehr nachtheilig gewesen: so hätten ja auch die Gefangenen so lang Rossfleisch gehabt, alß seine Knechte, biß endlich die Noth so groß worden, daß sie einander selbsten gefressen, wäre also einer wie der andere gehalten worden. Verhoffe deswegen Ihro Fürstl. Gnad. würde Ihme verzeihen, daß Er es auf die Extremität kommen lassen müßen, da er solches auch Unserseits vor diesem in Augspurg und mehr andern Orthen geschehen wäre. Er nun ausgeredt, und sich solcher gestalt, so gut er gekunt, entschuldiget, so ließen Ihro Fürstl. Gnad. Ihn von sich, da Er dan mit den Frauenzimmer und denen Soldaten zu Fuß biß an den Eisenberg gegangen, und alda in die Schiffe geseßen.“, aus: Des durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Bernharden des Grafen Hertzogen zu Sachßen, Jülich, Cleve und Bergk höchst preißwürdigste Helden Thaten, welche Derselbe nach tödtlichen Abgang des Ehrwürdigsten Königs der Schweden, Gustavi Adolphi, biß an sein Seel. Ende, von Ao: 1632 biß 1639, verübet, wie solche von H. Johann Christoph von der Grün, Seel:; bey Höchstgedacht Sr. Fürstl. Durchl: gewesenen General Adjudanten, mit allen Fleiß auffgezeichnet, und auß dessen Annotatis in dieß Compendium verfaßet worden.“ Bl. 233 r, Forschungsbibliothek Gotha, Handschrift Churt. B 67. Aus Plau wird berichtet; LISCH, Geschichte, S. 220f.: „Ja, am 23. Jan. 1639 schrieb der Herzog [Adolf Friedrich I. Herzog v. Mecklenburg-Schwerin; BW] an Gallas: ‚daß es nunmehr mit den armen Leuten dahin gerathen, daß diejenigen, so übrig geblieben, nicht allein Mäuse, Katzen, Hunde und ganz unnatürliche Sachen zur Stillung des Hungers genießen, sondern auch an unterschiedlichen Orten die Aeltern ihre Kinder gefressen und ein Mensch vor dem andern nicht sicher ist, wie solches mit vielen unterschiedenen Exempeln zu erweisen’“. HEIMATMUSEUM Schwedt, Die Uckermark, S. 27: „In Taschenberg wurden im Dezember 1630 zwei Frauen angetroffen, die sich an drei Kranken herangemacht, von denen sie zwei unmittelbar nach deren Tod ganz verzehrt hatten. Den dritten wollten sie noch lebend ein Stück aus der Seite schneiden. Erst auf deren Jammern hin ließen sie ab, bis sie gestorben war. Der Chronist Becmann berichtet aus Prwnzlau, daß etliche Frauen bettelnde Kinder nachts getötet und verzehrt haben. Am 6. Januar 1639 fand man in der Butterstraße einen frisch abgeschnittenen Männerkopf, den Leib hatte man aufgefressen. Den 16. Januar des gleichen Jahres haben sich arme Leute in einem Haus der Springstraße aus großem Hunger selbst geschlachtet“.

[52] Hans Kaspar [Caspar] v. Klitzing [1594 Gollmitz-24.6.1644 Köln], Obrist bzw. Generalleutnant in schwedischen, kursächsischen, brandenburgischen u. braunschweig-lüneburgischen Diensten, ab dem 19.4.1638 Kommandant der Festung Peitz; www.festungpeitz.de/fortgouver.html.

[53] Podelzig [LK Märkisch-Oderland].

[54] Walchow, heute Ortsteil von Fehrbellin [LK Ostprignitz-Ruppin].

[55] Manschnow, heute Ortsteil von Küstriner Vorland [LK Märkisch-Oderland].

[56] ROCHOW, Nachrichten, S. 93ff.

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