Rasche [Raschen, Raschau auf Prießnitz, Resche], Christoph Ludwig Ritter [von der]

Rasche [Raschen, Raschau auf Prießnitz, Resche], Christoph Ludwig Ritter [von der]; Generalkriegskommissar [30.12.1584 Magdeburg – 12.11.1645 Bremen-Walle] Christoph Ludwig Ritter [von der] Rasche [Raschen, Raschau auf Prießnitz, Resche] war der Sohn des gräflichen Geheimen Rates und Kanzler Andreas Rasche aus dem Hause Barby. Ab 1597 studierte er an den Universitäten Helmstedt,[1] Marburg,[2] Heidelberg[3] und Basel. Danach nahm er Kriegsdienste und diente fünf Jahre, zuletzt als Hauptmann, in der Armee der Republik Venedig. Dann studierte er wieder an der Universität Frankfurt an der Oder.[4] Nach dem Studium wurde er brandenburgischer Kammersekretär und Kammerrat sowie Obristleutnant.1620 übernahm er in Schweden diplomatische Missionen, unter anderem in Bremen.[5]

Er stand als Generalproviantmeister in kursächsischen [?] Diensten. Vor der eigentlichen Schlacht bei Breitenfeld[6] war er in Gefangenschaft geraten.

„Der Vortrab stieß am 7. [17.; BW] September morgens 9 Uhr unter Pappenheims persönlicher Führung auf den Feind, und zwar auf kursächsische Stäbler, die sich ohne genügende Bedeckung zu weit vorgewagt hatten. Dieser Zusammenstoß fand auf der ‚Hohen Line’, d. h. bei Hohenleina[7] statt und verlief nicht unblutig, denn am folgenden Tage erfahren wir, daß auch dort ‚die Toten liegen’. Generalproviantmeister Christoph von der Raschau auf Prießnitz[8] wehrte sich verzweifelt, verwundet mußte er sich ergeben, ebenso Otto Pflugk ‚zum Frauenhayn’.[9] Von beiden sagt ein sächsischer Bericht ‚sind vor der Schlacht von den Keyserlichen gefangen’. Daß es den Ligisten gelang, die Gefangenen unangefochten nach Leipzig[10] zu bringen, beweist, daß um diese Morgenstunde die Verbündeten noch nicht schlagfertig waren“.[11]

„Wilhelm setzte trotzdem seine Verhandlungen mit den Sachsen fort. Er empfing den Obersten Taube in Saalfeld,[12] durch den, wie der schwedische Resident in Dresden,[13] Nikolai [Tungel, Lars Nilson (Laurens Nicolai); BW], an Erskein zu berichten wußte, der Kurfürst dem Herzog [Wilhelm IV. v. Sachsen-Weimar; BW] mehr habe versprechen lassen, als dieser anfangs begehrt habe, ‚welches nicht ohne mysterio und leicht daraus zu ermessen, daß man temporisiert und I. f. G. liebkost um Dieselbe zur Weitläuftigkeit zu bringen’. Dem sächsischen Generalproviantmeister von Raschau händigte der Herzog ein Schreiben an den Kurfürsten aus, in dem er seine Abneigung gegen Oxenstierna durchaus nicht verhehlt und den Wunsch ausgesprochen zu haben scheint, mit dem Kurfürsten in gutem Einverständnis zu stehen. In Dresden, wo man den Abschluß des Heilbronner Bündnisses[14] sehr ungern gesehen hatte, hielt man die Gelegenheit für gekommen, den Herzog auf sächsische Seite zu ziehen. Am 17. Mai [1633; BW] wurde ‚in der Stille’ der Generalkommissar [Joachim; BW] von Schleinitz ‚mit neuen mandatis an den Obristen Tauben und Brief an Herzog Wilhelm f. G.’ zu ‚vertraulicher Unterredung’ nach Saalfeld abgefertigt“.[15]

Von 1633 bis 1635 war er schwedischer Bevollmächtigter beim Niedersächsischen Reichskreis.

1635 war Raschau in die Verhandlungen um den Prager Frieden involviert.[16]

Der Hildesheimer[17] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 23.8./2.9.1634 fest: „Unter dessen kombt der Schwedische Commissarius Resche vor das Thor, und weil man nicht sobald dieser wegen eröfnen wollen, ist er fort uf Hanover[18] gangen“.[19]

Raschau war als „der Guttuende“ Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“. Verdächtigt der Konspiration gegen Banér und der persönlichen Bereicherung wurde er ab 1637 in Schweden festgehalten und konnte erst 1641 zurückkehren.

[1] Helmstedt; HHSD II, S. 219ff.

[2] Marburg; HHSD IV, S. 35ff.

[3] Heidelberg; HHSD VI, S. 302ff.

[4] Frankfurt a. d. Oder [Stadtkr.]; HHSD X, S. 177ff.

[5] Bremen; HHSD II, S. 69ff. Vgl. ADB 53 (1907), S. 205-209.

[6] Breitenfeld [Kr. Leipzig]; HHSD VIII, S. 38f.

[7] Hohenleina, heute Ortsteil von Krostitz [LK Nordsachsen].

[8] Prießnitz, heute Ortsteil von Frohburg [LK Leipzig].

[9] Frauenhain, heute Ortsteil von Röderaue [LK Meißen].

[10] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[11] RUDERT, Kämpfe, S. 52.

[12] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[13] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[14] Vgl. KRETSCHMAR, Heilbronner Bund.

[15] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 117.

[16] HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 310. Vgl. ferner Slg. 15: Autographensammlung des Königlichen Hausarchivs der Niederlande. Online verfügbar unter: sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_LHA/FB/Slg_15_00_Findbuch.pdf.: General Christoph von Raschau an Fürst August von Anhalt-Plötzkau (Nr. 87).

[17] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[18] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[19] SCHLOTTER, Acta, S. 203.

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