Quelle 16: WASSENBERG, Schlacht bei Kempen (17.1.1642)

„Fast im außgang des 1641. vnd eingang des 1642. Jahres / sind die Französisch-Weimar Hessische Armeen / welche eine geraume zeit in dem Stifft Fulda / Obern Quartieren / vnd Stifft Münster gelegen / bey Wesel[1] übern Rhein gangen / vnd in das Ertzstifft Cölln gerücket / nach dem vom König in Frankreich beyde Generalen Leutenante / Graff von Guebrian / vnd Graff von Eberstein / sich nachdem Rhein zu begeben / das Stifft Cölln / wie auch die Gülich vnd Bergische Landen in Contribution zu bringen / Ordre empfangen.

Dieses der Frantzösisch Weimarisch- vnnd Hessischen Vorhaben zu verhindern / vnnd zu nichte zu machen / hat es ihm der Keyserische General-Wachtmeister / Herr Graff von Lamboy, eyferig angelegen seyn lassen / mit seinen Trouppen an der Mase angelanget / auch in den Cöllnischen vnnd Gülichischen Landen Landen Winterquartiere zu nehmen.

Nach dem die alliirten obgedachte Generalen mit jhren vnterhabenden Armeen auffs Städtlein Ordingen[2] gangen / sich desselbigen bemächtiget / gebrandschätzt / den Zug auff Lien[3] genommen / daselbsten Kriegsrath gehalten / vnd sehr gut befunden / mit vollem March auff den General Lamboy zu zu gehen / welcher auch gleichfalls im anzug war / die Alliirten wieder über die Mase zu jagen.

Bey diesem vornehmen sind die alliirten völcker ohngefehr vmb 10. Vhr nach der Hülser[4] Heyde gerücket / in willens sich der Kemper[5] Landgewehr Meister zu machen / ehe die Keyserischen auß jhren Quartieren völlig möchten auffbrechen / vnd hat also bey dieser Gelegenheit die Hessische Reuterey vnd Fußvolck / welche von dem Obristen Rosa [Reinhold von Rosen; BW] mit vier Regimentern verstärcket worden / die Avantgarde geführet. So bald sie nun an der Landgewehr ankommen / hat Conte de Guebrian mit den Rosischen Tragonern / vnd zwey hundert Commandierten zu Fuß einen versuch gethan / die Wehr in seine Gewalt zu bringen / wurde aber vom Gegentheil / welcher stärcker von Reutere[i] vnd Fußvolck daselbsten vorhanden / mit Gewalt zurück getrieben / dass er also dieses mahl sein Intent zum guten ende nicht bringen können.

Vnterdessen / als die gesampte alliirten Armeen auff die Heyden angezogen kommen / vnd die Schlachtordnung gemacht / haben sie die Keyserischen an der Landwehr ( welche mit einem dreydoppelten Graben / zweyen Wällen vnd zwischen beyden dick mit Eychensträuchern bewachsen gewesen / daß kein Pferd durchdringen können) mit solchem Ernst vnd tapfferem Muth angegrieffen / daß sie also nach sehr hitzigem vnd eyferigen scharmütziren endlich die Landwehr erobert / vnnd die Keyserischen nicht ohne geringen verlust der jhrigen zurück weichen / vnd jhrem Gegentheil die Landwähr zum grossen Vortheil / nothdrünglich überlassen müssen.

Hierauff ist von den Weimar-Hessisch- vnd Frantzösischen ein Weg durch die starcke Landwähr mit Schüppen vnd Hawen gemacht worden / dass also der rechte Flügel durch Eröffnung eines festen Schlagbaums durch marchiren können / vnd nach diesem das Treffen also hitzig angefangen worden / dass man fast lange nicht wissen können / auff welche seyten die Vberwinnung fallen würde / biß endlich die Keyserische / da sie von der Menge der Frantzosen vnd Hessischen übermannet / vngefehr vmb 3. vhr das Feld mit jhrem grossen schaden räumen müssen vnd alles / was nicht bey zeiten vmb quartier geruffen / von stund an nieder gemacht worden.

In diesem blutigen treffen / vnnd auff der vereinigten seiten herrlichem Siege haben die Weimar-Hessischen eine grosse vnd fette Beut / nemlich an Fähnlein vnnd Standarden bey 146. der Keyserischen gantze Bagage Wägen / sechs Stück Geschütz / alle zehen Pfund Eysen schiessend / erobert.

Auff der Keyserischen seyten sind in diesem hitzigen Treffen gefangen vnnd todt blieben / Herr General Feld Zeugmeister Graff von Lamboy / General-Wachtmeister Mercy, Obrister Eppe : Obrister Laisenon : Don Hyacyntho de Werre [Vera; BW], Obrister Rodoan : Obrister de Sava / Obrister Brouy [Bruay; BW] : Obrister Rüdberg [Rietberg; BW] Obrister Guditsch : Obrister Grysenwyß : Obrister Mordaco : Obrister Henderson: Obrister Jsaack : Obrister Hemmersbach : Obrister Dünckel : Neun Obriste Leutenanten / worvnter Paradiser vnd Benthing / acht Majors: 128 Rittmeister : 18 Capitain : Zween Capitain-Leutenanten : ein General Adjutant : Vier Regiments-Quartiermeister : 46. Leutenante : 3. Cornetts : 35. Fähndrich : 3. Priester : 14:3. gemeine Officirer / als Wachtmeister / Adjutanten / Quiartiermeister / Corporalen / vnd dergleichen. Der auff der Wahlstatt gelegenen todten / 30 0 [3.000; BW] Vier tausent gegangen / welche mehrentheils vnter die Weimar-Hessischen sich vntergestellet haben.

An der Weimar-Hessischer seyten sind geblieben der Obrister Flerschheim / welcher wegen seiner Tapfferkeit sehr beklaget worden : Major Büsche / Maior Conrad Kauffman : drei Capitän / darunter Capitain Juncker : zween Rittmeister : vier Leutenanten : drey Fändrich vnd Cornet / neben 58. andern Officieren. Gequätschten aber sind Obrister-Leutenant Latomus : Obrister Leutenant Beuten : Rittmeister Cotbuß : Capitain Breuß : zween Frantzösische Capitaine : ein Regiments Quartiermeister / an Officirern vnd gemeinen Soldaten 260 Mann“.[6]

[1] Wesel [LK Rees]; HHSD III, S. 773ff.
[2] Uerdingen [Stadtkr. Krefeld]; HHSD III, S. 725.
[3] Linn [Stadtkr. Krefeld]; HHSD III, S. 468f.
[4] Hüls [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 353f.
[5] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.
[6] WASSENBERG, Florus, S. 464ff.
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