Poersi [Persic, Persiß], Adam

Poersi [Persic, Persiß], Adam; Hauptmann [ – ] Poersi war 1634 kaiserlicher Dragoner-Hauptmann unter Johann Wilhelm von Schwarzenberg und Waldecker von Kempt.

Aus dem kurkölnischen Medebach[1] wird berichtet: „Vor Johannis Baptista [24. Juni 1634; BW] desselben jahres war den 17. Juni, kamen die Kaißerlichen regimenter zu roß, oberst Lohn, oberst Schwartzberg, oberst Eremit [Bracht; BW] sammt viel fußvolck herein, lagen bis zum 22. Juni. Verthaten uber 700 thlr“.[2] Auch Hallenberg[3] hatte unter dieser Einquartierung zu leiden: „Ob nun wol diese arme stat durch alsolche starke contribution funditus enerviret, also daß man verhoffet hette, es hette uns bei alsolchem erschopften wesen nichts mehr beigelegt werden konnen, so ist uns jedoch alsbalt am 3. tage hernach durch erpractizirung haubtman Braunschweigers, welcher uns dis raed bei dem generalmajor Bunninghausen [Bönninghausen; BW] binnen Ruden[4] eingestocken, der verderblich obrist Johan Wilhelm von Schwartzenbergh zu Herlo[5] sampt seinem gesampten regiment und 2 compagnien zu fuse, deren eine haubtmann Braunschweiger, die ander haubtman Persic angehorig, aufgetrungen worden, welche diese arme stad ohn einzigen unterstand vom 11. Aprilis bis auf den 28. Maii, betraglich genug, verpflegen mussen, selbig quartir kostet Hallenberg ad minimum 2500 reichstaler. Darzu haben die ritmeisters die alhirigen burger genotiget, diejenigen pferde, so ihne belibet, entweder anstad der quartire abfolgen zu lasen oder aber ihnen kaum den vierten pfennig darvor geben, endlich mit dem gestolen vih die wiesen ringsumbher in den grund verderbet“.[6] Unter dem 11.4.1634 heißt es aus Hallenberg: „Als nun eodem die bei ankunft unssers verderbenten Schwartzenbergers, der bei unser hochteuren posteritet schwarz sein und plaiben wirt, sein regiment zum Winterberg[7] gelegen, ist eine starke Hessische partei von Corbach[8] h(er) zu roß und fuß in die dorfschaften Hesporn[9] und Zuschen[10] eingefallen, alles ausgeplundert, hern Hermannum Praetorium den pastorem geangen genommen, pferde, kuhe und schafe hingeraubt, so haben die von Zuschen nach Winterberg, wo der von Schwartzenberg gelegen, botschaften ausgelasen ad effectum, ihnen hulf und assistenz zu leisten, hat aber keinen man heraus senden sollen. Indeme haben sie uns gleichmesig zum succurs angerufen, woruff auf zweimalig geregten glockenschlag unsere samptliche burgerschaft ausgefallen. Ob nun wol, als man gesehen, das der feind zu machtig und das flache feld ergriffen, Joannes Adamus Bangius es darvor angesehen, er were auf die erste praesentirung ehre genug und das die burgerschaft von dem flachen feld wiederumb einher kerte, so sein jedoch die unserige in der ersten hitz vil zu weit gefolget und endlich vor der Neukirchen umbcinglet und getrennet worden und getrennet worden, also daß man auf einen tag 8 burger erschossen worden“ […].[11] Unter dem 28.5. wird wieder aus Hallenberg berichtet: „Demenach sein die Dillenburg- und Reingrafischen unterm commando Johan Mathias Kleinau auf sontag Exaudi uns eingefallen, etliche hundert nackenten bauren mitbracht, welche demnach die porten petardiret und als der von Schwartzenberg zum Untern tore ausgeflüchtet, haben sie all das unserige, so sie beieinander begriffen, zum raube gemacht, die kirche sampt allen zirat, kelchen und kleinodien funditus ausgeplundert, darzu pferde, kuhe, schafe, leinwerk, kleider, hausrat, utensilia und in summa allen vorat hinweggeraubt, die bauren haben nichts ligen lasen, und ist dieser schade beileufig taxiret ad 5000 reichstaler. Und solch spiel ist catastrophe gewesen des verderbten Schwartzenbergischen quartirs“.[12]

Am 23.9.1634 schrieb Caspar Wrede für die Landstände an Poersi, um dessen Soldaten von Plünderungen im Sauerland abzuhalten: „Weiln der hauptmann Adam Poersi zeitt undt weill genuch gehabtt, vermog erlangten patenti, seine soldathen wider einzuforderen undt bey das regiment zu pringen, ihnen aber mher gefallen, im lande herumzuvagiren und die armen unterthanen hin undt wider beschweren zu laißen, in maßen davon verscheiden klagten sein einkommen, derowegen wirt im nhamen Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht zu Collen, unseres gnedigsten herrn, ihnen hiermit ernstlich bevohlen undt auferlegt für unsere persohn gesinnet, seine soldaten von abnottigungh geldts undt aller andere insolentien [= Ungebührlichkeiten] abzuhaltenn undt negsten wegh nacher dem regiment ahn die handt zu nhemen, des endts sichern gelegenheitt zu beseichen undt zu beobachtenn (wie fur wenig tagen woll haben konnen), dahemitt sicherlich durchkommen mögenn. Dan ohnmuglich ist es, ihnen undt anderen mehr, in diesem verdorbenen lande lenger zu unterhaltenn undt der guarnizon des churfürstlichen schloßes Arnspergh[13] dadurch nötige contribution zu behindern undt abzuschrecken, wann er mit seiner herumbschwebende compagnien dem gemeinen wesen gantz nicht gedienet, wofern nicht zu dem regiment sich verfügen undt gegen den feindt schuldigen dienst leisten wollen, des endts sie stundtlich abzufuhren sich wirt belieben laißen, andere ungelegenheit (ihnen gleich vielen vagirenden trouppen des lands zu verweisen), dadurch zu verhüten, deßen auch lieber geübriget sein mogten. Gott trewlich bevohlenn.

Zu allem ubwerfluß wirtt haupttmann Poersi das quartir in Callenhart[14] undt Belicke[15] allein 14 tage lang undt nicht weiters verstattet, alsdan sicherlich nach seinem regiment sich zu verfugen, inmittels seine soldaten in guther discplin zu halten, da keine weitere klagen einkommen mögen“.[16]

Die Aufzeichnungen von Hallenberg halten seine Einquartierung vom 5. bis 8.12.1634 und die Erpressungen und angerichteten Schäden fest: „Demenach als der obrist Waldecker seine march durch das Witgensteinische hinnehmen wollen, Ernst Papen mit seiner gesamten truppen von dem 5. bis auf den 8. Decembris hirselbst sich einquartirt, darmit ritmeister Bunnigkausen [Bönninghausen; BW] mit ohngefehr 34 dinstpferden und haubtmann Persiß mit seiner compagnien zugleich einherkommen. Und ist des andern tages haubtman Gogrebe [Gaugreb; BW] 6 dazu gestossen. Das quartir hat Hallenberg ad minimum gestanden 300 rt. Damalig hat Polman Polman negstvorgehenter abrigelung haubtman Stahl geben mussen 4 rt., dessen knechte 1 rt. – item hat haubtman Persiß Jost Rungen elendig abgetrugelt und darzue ihm ein pferd abgenomen, kostet 20 rt. – Adam Kunhen einen schergant und capitan armis geben mussen 1 rt., darzu wol abgeschmirt. – Johenchen Grosen einem quartirmeister Hermann von Werbe geben mussen 2 goltgulden 1 kopstuck. – Item Henrich Conradt benebenst geburenter verpflege eidem 1 1/2 rt. – David Landtgraff dem adjutanten 4 rt. und gemeine stadt 2, facit 6 rt. – Item haben die soldaten Daniel Cranaugen dem weißgerber bei nacht in sein haus gebrochen und an bereidetem leder und kleidern abgenomen 40 rt. wert. – Item sein hin und wieder die letzte nacht in die schaffstelle gebrochen und der besten schaffe abgestochen uber 50 stucke […] . … kostet 300 rt., an plunderung 110 rt“.[17]

In den Aufzeichnungen der Stadt Hallenberg heißt es weiter: „Obristwachtmeisters Schaden, obristwachtmeisters Bock und von allerhand regimentern collectirter reuter einquartirung, item haubtman Persiß und desen underhabenter dragoner, am 16. Januarii anno 1635: Demenach, obwol Hallenberg nach so vilfeltigen pressuren sich gewidrigt, jemand einzig quartir mehr zu statten, so sein jedoch obristwachtmeister Schade, obristwachtmeister Bock, haubtman Persis alsbald pridie s. Antonii vor das Untertor geruckt, sich durchaus nicht wollen abweisen lasen und mit gewalt angefangen, uber die erluckten mauren zu fallen und das Niedertor aufzuhauen. So hat man auch denselben quartire statten mussen, sein an die 130 pferde stark gewesen, selbig quartir wird gleichfals taxiret ad 60 rt“.[18]

[1] Medebach; HHSD III, S. 500f.

[2] BAUSEN, Medebach, S. 196 (Chronik des Hermann Schmidt).

[3] Hallenberg; HHSD III, S. 282f.

[4] Rüthen [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 659f.

[5] Nicht identifiziert.

[6] BRUNS, Hallenberg, S. 276 (1634 IV 11- Mai 28).

[7] Winterberg; HHSD III, S. 789.

[8] Korbach; HHSD IV, S. 275ff.

[9] Hesborn; heute Ortsteil von Hallenberg [Hochsauerlandkr].

[10] Züschen; HHSD III, S. 814.

[11] BRUNS, Hallenberg, S. 277.

[12] BRUNS, Hallenberg, S. 277.

[13] Arnsberg; HHSD III, S. 28ff.

[14] Kallenhardt; HHSD III, S. 376f.

[15] Belecke; HHSD III, S. 59.

[16] CONRAD; TESKE, Sterbzeiten, S. 268f.

[17] BRUNS, Hallenberg, S. 282.

[18] BRUNS, Hallenberg, S. 286.

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