Podewils [Budweiß, Budeweis, Büdveis, Budewils, Pudewelsz, Pudewelsz], Ewald [Ebald, Enewold] von

Podewils [Budweiß, Budeweis, Büdveis, Budewils, Pudewelsz, Pudewelsz], Ewald [Ebald, Enewold] von; Obristleutnant [ – nach 1629] Podewils, sein Bruder war Dionysius von Podewils,[1] stammte aus dem dänischen Zweig der Familie. Er stand als Rittmeister, später als Obristleutnant im kaiserlichen Kavallerie-Regiment Johanns II. von Mérode-Waroux.

Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Volkmar Happe[2] erinnert sich in seiner „Thüringischen Chronik“ an 1626 und an die Ausschreitungen der Truppen Mérode-Warouxs: „Den 12. Juni [22.6.1626; BW] ein armes Weib von den Reutern in Felde übel verwundet worden. Den 13. Juni [23.6.; BW] bey Clingen[3] ein armer Bauresmann vom Soldaten erstochen worden. Eodem [die] unser Hofmeister Christian Melchior von Schlotheim mit einem Pferde sehr übel gefallen. Den 14. Juni [14.6.; BW] ein Soldat von Bauren erschossen worden, ist nach Keula[4] begraben worden. Eodem [die] die zu Rockensußra[5] liegende Soldaten Volckmarn von Heyligen[6] eine gantze Heerde Schaafe genommen und in ihr Quartier bracht. Den 15. Juni zu Rockensußra ein Soldat gestorben. Den 16. Juni [16.6.; BW] ein Soldat erschossen worden zu Allmenhausen.[7] Eodem [die] das arme Weib, so den 12. Juni [22.6.; BW], wie oben erwehnet, von muthwilligen Soldaten tödlich verwundet worden, alhier zu Ebeleben[8] gestorben. Eodem [die], den 16. Juni [26.6.; BW], der Oberste Wachmeister Adelshofer beneben Ritmeister Budweißen alhier zu Ebeleben gewesen“.[9]

Podewils war möglicherweise an der Eroberung Fehmarns[10] 1627 durch Johann II. von Mérode-Waroux beteiligt.[11]

1627/28 kam es zu einer erneuten Einquartierung im Thüringischen, wobei Podewils bereits als Obristleutnant bezeichnet wird: „Den 4. Oktober [14.10.1627; BW] der Churfürst von Mainz [Georg Friedrich v. Greiffenclau u. Vollrads (1573-1629)] zu Mühlhausen[12] persöhnlich ankommen, zu den angestelten Churfürstentage zu Mühlhausen. Den 5. Oktober [15.10.; BW] der Churfürst von Sachßen zu Mühlhausen persöhnlich mit 500 Pferden eingezogen. Den 22. Oktober, in deme wir mit sehnlichen Verlangen auf den werthen lieben Frieden gehoffet, hat der Keyserliche General Hertzog von Friedlandt[13] den Obersten Lieutenant Büdveis anhero zu Meinem Gnädigen Herrn[14] gesand und auf 3 Regiment Merodische Reuter und ein Regiment zu Fuß Winter Quartier in der Herrschaft Schwartzburg[15] begehret. Worüber wir ohne das schon allbereit [durch] die langwirigen Trangesalen verderbte[n] armen Leuthe heftig erschrocken. Ihr Churfürstliche Genaden haben sich zwar solches abzuwenden eußerst bemühet, aber dessen ungeachtet haben sie Quartier haben wollen“.[16]

Happe schreibt weiter in seinem Diensttagebuch: „Eodem [die] auch eine Compagnie Reuter in Clingen geleget worden. Eodem [die], den 4. November [14.11.; BW], auch eine Compagnie dieser Reuter in das Dorf Keula gelegt worden. Haben wir also in dieser gantzen Grafschaft einen sehr traurigen Sonntag gehabt. In der Stadt Frankenhausen[17] liegen auch 2 Compagnien dieser Reuter und eine Compagnie zu Immenrode.[18] Den 5. November unser Rittmeister [Freiherr v. Herberstein; BW] zu dem Keyserlichen Commissario nach Frankenhausen verreiset. Der Churfürstentag zu Mühlhausen weret noch, will uns aber nichts helfen. Den 5. November Rittmeister Held alhier zu Ebeleben mit seiner Compagnie durch nach Schlotheim[19] gezogen und sich aldar einquartiret. Die Stadt Greußen[20] hat mit dem Obersten Lieutenante Budweis accordiret und ihme alle Wochen zu geben verheißen 300 Gulden, damit sie mit der Einquartirunge verschonet. Darauf das Volck nach Großenehrich[21] und in die Engel[22] gelegt. Es ist aber dieses der Stadt zu geben unmöglich“.[23]

„Den 13. November [23.11.; BW] des Obersten Lieutenant Budweißen Quartier zu Großenehrich angebrant, ist aber bald wiederumb gelöscht worden“.[24] „Eodem [die] ist der Herr Oberste Lieutenant Budeweis alhier zu Ebeleben gewesen. Deme hat Mein Gnädiger Herr ein schön Pferd verehret“.[25] „Den 19. Dezember [29.12.; BW] etzlichen Bauren von Thaleben,[26] als sie in die Mühlen fahren wollen, 3 Pferde ausgespannet worden. Den 20. Dezember [30.12.; BW] einem von Thaleben, so Kohlen herab nach Ebeleben geführet, vor Ebeleben ein Pferd ausgespannet worden. Den 21. Dezember [31.12.; BW] etzlichen Gespannen vor Mühlhausen[27] 14 Pferde und alles, was sie gehabt, genommen worden. Den 22. Dezember [1.1.1628; BW] zwey Regiment Marggräfische[28] und ein Regiment sachsen-lauwenburgische[29] Reuter im Ambt Heringen[30] ankommen. Den 23. Dezember [2.1.; BW] diese 3 Regimenter Marggräfische und sachsen-lauwenburgische Reuter gar unversehens alhier zu Ebeleben ankommen und Quartier haben wollen. |[R.] Es hat aber der Obrist-Lieutenant von dem Merodischen Volck anhero gesendet, der es von hiesigen Orthen abgewendet, und sind in das Amt Volkenroda[31] gerücket und sich zu Körner,[32] Volkenroda, Menteroda,[33] Obermehler,[34] Großmehlra,[35] Marolterode,[36] Mehrstedt[37] eingeleget, aldar sie den armen Leuthen eine traurige Weynachten bracht. Den 24. Dezember [3.1.; BW] ist die Pagagi, zu diesem Volck gehörig, alhier durch gezogen, sind bey 200 Wagen gewesen. Den 25. Dezember [4.1.; BW] ist das Volck noch in den Quartieren stille gelegen. Den 26. Dezember [5.1.; BW] ist das Volck fortgezogen in die Vogteye“.[38]

„Eodem [die] [11./21.1.1628] ist des Obersten Lieutenant von Budweis Compagnie Reuter hinweg aus der Herrschaft Schwartzburg gezogen, darinnen sie gantze 5 Viertel Jahr aneinander Quartier gehabt, kostet uns alleine diese Compagnie über 60000 Thaler, ohne was auf die andern Compagnien gewendet werden müssen. Der Schade, den die Merodischen Reuter in der Grafschaft Schwartzburg bey dieser langwierigen Einquartirunge gethan, läuft auf viel Donnen[39] Goldes, darüber wir armen Leuthe gantz verderben müssen“.[40]

Sichtlich befriedigt notiert Happe in seiner Chronik die Festsetzung Podewils’ durch Wallenstein,[41] auch wenn der eigentliche Grund ihm (und uns) verborgen bleibt: „Den 25. August [4.9.1629; BW] ist Poste kommen, dass der Keyserlich General Hertzog zu Friedlandt den Merodischen Obersten Lieutenant Ebalden von Budewils zu Halberstadt[42] gefangen nehmen lassen. Die Ursache ist uns verborgen. Diese Schmach, aber und noch wohl ein mehrers hat er umb die armen Leuthe in der Grafschaft Schwartzburg, darinnen er nun drey Jahr Quartier gehabt, wohl verdienet“.[43]

Um weitere Hinweise wird gebeten !

[1] Vgl. den Beitrag von Herrn Lars Severin, Potsdam, in der wikipedia.

[2] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[3] Clingen [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 69f.

[4] Keula [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 233.

[5] Rockensußra [Kyffhäuserkreis].

[6] Heilingen, unter Homburg [Stadt Langensalza]; HHSD IX, S. 204.

[7] Allmenhausen [Kyffhäuserkreis].

[8] Ebeleben [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 84f.

[9] HAPPE I 79 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[10] Fehmarn [Kr. Oldenburg]; HHSD I, S. 50f.

[11] ANDERSEN, Grams Historie, S. 50. Freundlicher Hinweis von Herrn Lars Severin, Potsdam.

[12] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, 286ff.

[13] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[14] Christian Günther I. Graf zu Schwarzburg-Hohenstein (11.5.1578-25.11.1642).

[15] Schwarzburg [Kr. Rudolstadt]; HHSD IX, S. 395ff.

[16] HAPPE I 117 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[17] [Bad] Frankenhausen [Kr. Artern]; HHSD IX, S. 29ff.

[18] Immenrode, unter Straußberg, Burg [Kr. Sondershausen].

[19] Schlotheim [Kr. Mühlhausen], HHSD IX, S. 385.

[20] Greußen [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 170f.

[21] Großenehrich [Kr. Sondershausen]; HHSD IX, S. 175f.

[22] Happe meint hier die vier Orte Kirchengel, Westerengel, Feldengel u. Holzengel.

[23] HAPPE I 119 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[24] HAPPE I 120 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[25] HAPPE I 123 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[26] Thalebra [Kyffhäuserkreis].

[27] Mühlhausen [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 286ff.

[28] Hans Georg von Markgraf v. Brandenburg-Kulmbach (4.8.1598-27.1.1637), schwed. Obrist.

[29] Rudolf Maximilian [18.6.1596-11.10.1647], Herzog v. Sachsen-Lauenburg, kaiserl. Obrist, dessen Regiment als besonders zügellos galt, durch den Bericht des Schotten Monro über die Einnahme Donauwörths am 6./7.41632 in Erinnerung geblieben. Rudolf Maximilian konnte mit einem Teil der Verteidiger über die Donaubrücke entkommen.

[30] Heringen [Kr. Sangerhausen/Nordhausen]; HHSD XI, S. 208f.

[31] Volkenroda; Kloster [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 453ff.

[32] Körner [Kr. Mühlhausen]; HHSD IX, S. 240.

[33] Menteroda [Unstrut-Hainich-Kreis].

[34] Obermehler [Unstrut-Hainich-Kreis].

[35] Großmehlra [Unstrut-Hainich-Kreis].

[36] Menteroda [Unstrut-Hainich-Kreis].

[37] Mehrstedt [Unstrut-Hainich-Kreis].

[38] HAPPE I 124 v; mdsz.thulb.uni-jena.de. Vogtei: Landschaftsbezeichnung für die drei Dörfer Oberdorla, Niederdorla und Langula in Westthüringen. Bis 1329 teilten sich das Erzbistum Mainz und die Herren von Treffurt die Herrschaft in den drei Dörfern der Mark Dorla. Die Treffurter als Raubritter wurden daher von Mainzern, Hessen und Sachsen gemeinsam bekämpft und besiegt Diese übernahmen die gemeinsame Verwaltung von Oberdorla, Langula und Niederdorla. Ab 1333 wurde zur Wahrung ihrer Rechte und Besitzungen je ein Vogt in die drei Dörfer eingesetzt. Dadurch entstand das wohl kleinste Territorium im Reich.

[39] 1 Tonne entsprach 100.000 Rt.

[40] HAPPE I 133 v; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[41] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[42] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[43] HAPPE I 170 v – 181 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

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