Plettenberg [Plettenburg], Hieronymus von

Plettenberg [Plettenburg], Hieronymus von; Obristleutnant [ – 1675 oder 1676[1]] Plettenberg war 1633 zum Teil noch als Kundschafter Heinrich Leos von Westphalen unterwegs, um hessische Truppenbewegungen auszuspionieren.[2] 1635 schenkte Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg ihm und dem Obristen Wilhelm von Lüdinghausen, gen. Wolff, für geleistete Dienste im Krieg sämtliche Juden in Minden[3] mit der Erlaubnis, ihre Güter nach Belieben einziehen zu dürfen.[4]

Er war 1636 stellvertretender Kommandant von Minden.

Im April 1636 intervenierte der schwedische Feldmarschall Alexander Leslie auf Anordnung des Reichskanzlers Oxenstierna in Minden. Seit 1634 war Minden von braunschweigischen Truppen besetzt. Herzog Georg war dem Prager Frieden beigetreten. Leslie nahm Kontakt zum Stadtkommandanten Lüdinghausen, genannt Wolff, und seinem Stellvertreter Hieronymus von Plettenberg auf, der die Stadt schließlich den Schweden auslieferte.[5] Am 6.5. 636 bezogen zwei schwedische Regimenter unter Obrist Christoph von Steinecker vor dem Kuhtor ihr Lager. Während Lüdinghausen nicht in der Stadt war, kam sein Stellvertreter Plettenberg vor das Tor, begrüßte den Obristen per Handschlag und gab den Befehl, die Schweden einzulassen. Die Wache leistete zwar Widerstand, wurde aber überwältigt. Die schwedischen Soldaten zogen ein; ohne weiteres Blutvergießen besetzte die Infanterie Wälle und Tore, die Kavallerie den Markt. Die braunschweigische Garnison trat gezwungenermaßen in schwedische Kriegsdienste. Die Stadtregierung unterstand nun der schwedischen Krone bzw. Torstensson.

1637 war Plettenberg mit seinen Streifscharen unterwegs: „Den Orten des Amtes Wolfhagen[6] erging es übrigens nicht besser. So überfiel Oberst Plettenberg mit seinen Scharen am 16. August 1637 Istha[7] und verwüstete das Dorf vollständig. Viele Bewohner wurden umgebracht, andere, die sich auf den Kirchturm geflüchtet hatten, kamen durch Feuer und Qualm um“.[8]

Noch Anfang April 1639 war er in Minden stationiert. Das „Theatrum Europaeum“ fasst zusammen: „Gelangen solchemnach an das Eichsfelde / von demselben etwas weniges zu erzehlen / in welchem sich der von Königsmarck / neben andern / eben wohlherum getummelt hat. Die unterthanen dieses Ländleins haben vielmahls hart herwider gehalten / dardurch sie ihres erlittenen Schadens eigene Verursacher geworden. Im Aprilen seynd bey ihnen zwey Käiserliche Regimenter / das Rubländische und Hesterische [Heister; BW] einquartiret gelegen / welche hin und wider ohne Widerstand gestreiffet / beschädiget / und die Recruiten in Thüringen zerstöret. Der General King gieng diesen Monat über 3000. zu Roß starck / und that ihnen hieran Einhalt. Die Schwedische auß Erfurt[9] haben sich etlichemahl bemühet / selbiges Völcklein zur Contribution zu bringen / seyn aber iedesmahl unverrichter Sachen zurück kommen. Im Eingang deß Junii zogen die Käiserliche herauß / der von Grießheim aber behielte / als Ober-Amptmann / noch hundert Tragoner / das Ländlein darmit vor Schwedischer Contribution zu schützen / und solche hergegen von seinen Benachbarten zu fordern / welches ihm doch über angewendeten starcken Ernst nicht gelingen wolte. Dann nachdeme gedachte beyde Käiserliche Regimenter auß dem Ländlein abgezogen waren / und der Ober-Amptmann sich seines Intents würcklich gelüsten liesse / wurde der Obriste von Königsmarck / so die Kingische Trouppen zu Pferd zugleich führete / benebens dem Plettenbergischen und anderm Fußvolck / derer beyder man an der Weser bey Münden damals nicht bedorffte / nach dem Eichsfeld commandiret / den Ober-Amptmann im Zwang / welchem aber der Obriste Eppe / so hiebevor Hessisch gewesen / auß dem Stifft Oßnabrück in eil zu vermeynter Hülffe kam“.[10]

So heißt es im „Theatrum Europaeum“ zu 1640: „Der General Banner hatte solcher Gestalt Ursach [nach dem Treffen bei Plauen am 20.4.1640; BW] / sein Volck wider zusammen zuziehen / und das geschahe auch meisten theils bey Erffurt. Er entledigte auch die im Eysfeld ihrer schwedischen Guarnison / und sollte nicht mehr als Duderstatt[11] und Gleichenstein[12] besetzet bleiben / darumb der Obr. Plettenberg 2. Regiment zu Fuß und eins zu Roß / beyde von 21. Compagnien und in allem 1500. starck / umb den 20. Aprilis anbrachte“.[13]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet für 1641 weiter: „Ruckten nun die Bannerischen viel vorn an / und nach diesen die Weymarischen / so folgten diesen die Käiserl. und Bäyr. so gleich hinten nach / und trieben diese im Aprilen jene einsmahls auß ihren Quartieren zu Gerau / daß der schwächer / wann er nicht gefangen /oder nieder gemachet werden wollte / entlauffen muste.

Gen. Banner liesse um den 10. Apr. styl. nov. seine Artillerie von ungefehr 600. Stücken nach Hall[14] vor an gehen / welche der Obr. Osterling [Österling; BW] mit drey Regimenten zu Fuß convoyrte / vor deme der Brandenburgische Obriste-Lieut. von Zastrau die Moritzburg zuhielte. Über die alte Saal-Brücken kam diese Artillerie in Hall / und fienge man nichts destoweniger an / eine wo nicht zwo Brücken / die erste neben der alten zu schlagen / die andere sollte beym Hauß Giebichenstein[15] verfertigt werden : Welches kein Zeichen war langen stilligens / sondern weitern forteylens.

Den 6. 16. setzte der Herr Gen. seinen Weg von Altenburg[16] fort nach Zeitz[17] / den das Baurische und Plettenburgische Regiment zu Fuß dahin begleitete / und sasse damals derselbe im Schlag seiner Leib-Gutschen / derhalben man etwas Besserung vermuthen wollte / war aber nichts beständiges“.[18]

Bis zum Kriegsende stand Plettenberg weiter in schwedischen Diensten.

[1] WENDT, Geschichte, S. 187.

[2] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 290.

[3] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[4] HÜNE, Geschichte, S. 789.

[5] Vgl. DECKEN, Herzog Georg Bd. 3, Nr. 228: Georg an August d. Ä. von Celle, 29.4.1636.

[6] Wolfhagen; HHSD IV, S. 479f.

[7] Istha, heute Stadtteil von Wolfhagen [LK Kassel].

[8] GÖRLICH, Wolfhagen, S. 70f.

[9] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[10] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 79.

[11] Duderstadt; HHSD II, S. 123f.

[12] Gleichenstein, Burg [Kr. Heiligenstadt]; HHSD IX, S. 147.

[13] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 364.

[14] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.

[15] Giebichenstein, heute Stadtteil von Halle a. d. Saale.

[16] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[17] Zeitz [Kr. Zeitz]; HHSD XI, S. 519ff.

[18] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 612.

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