Piscere, Petrus a [Peter von]

Piscere, Petrus a [Peter von]; Obristleutnant [ – ] Piscere stand als Obristleutnant im Dragoner-Regiment Anton Pankraz Graf Gallas [1638 – 1695]. Gallas war trotz seines Alters das Regiment seines am 25.4.1647 verstorbenen Vaters überlassen worden. Diese Truppen waren 1647/48 als Feldtruppen während der letzten Kämpfe unter verschiedenen Kommandeuren eingesetzt.

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold[1] aus dem von Eger[2] abhängigen Marktredwitz[3] erinnert sich an den Mai 1646: „Den 26. dito ist der Oberstleutnant Piscere vom Gallischen Regiment mit 50 Dragonern hier durch. Er ist nachts vorher(o) zu Brand[4] und Wölsau[5] gelegen“.[6] […] „Den 30. August sind 14 Reiter – von der Armee kommend – hier vorbeipassiert. Sie sollten den Oberstleutnant Piscere wieder zur Armee begleiten. Die haben sich ganze(r) 8 Tag[e] auf den Dörfern hierum(b) aufgehalten, bis der Oberst Piscere in Eger aufgebrochen und von da gegen Tirschenreuth[7] gezogen ist, wohin sie sich dann auch gewendet haben“.[8] […]

„Den 29. Januar [1647; BW] abends sind um(b) Kemnath viele Truppen angekommen, zu Neustadt am Rauhen Kulm[9] [gar] ein ganzes Regiment. Den 30. Januar haben wir nach Eger zu H[errn] Oberst Paradeiser(n) um Salva Guardi[a] abgeschickt. [Bereits] abends [sind] dann 2 Korporale und 5 Musketiere(r) eingekommen.

Den 31. dito ist hier bei dem Tor eine Partei von 20 Pferden vorbei und nach Hauenreuth[10] [ge]gangen, wo sie gefüttert und das Vieh [mit]genommen haben. Als sie bei angehender Nacht nach Oberredwitz gekommen [sind], haben sie auch [dort] die Schafe ausgelassen und mitgenommen. Als der Edelmann 2 Schüsse getan, hat man hier Lärm(en) geschlagen und die Mannschaft ins Gewehr gebracht. Aus großem Irrtum ist das Obere Tor von etlichen geöffnet worden, um den Trommelschläger mit einem Teil der Musketiere(r) hinauszulassen. Man hat sie aber bald wieder zurückgerufen und das Tor geschlossen. Die Reiter aber haben vermeint, man würde ihnen nachsetzen, sind in (der) Eile davongejagt [und gelaufen], was sie nur laufen konnten. Zwischen Meußelsdorf[11] und Oberredwitz haben sie an die 200 Schafe stehenlassen, aber 180 Stück Vieh haben sie davongebracht.

Da wir (ver)meinten, wir würden bei dieser wenigen Mannschaft nit genugsam(b) gesichert sein, haben wir Ihro Gnaden, H[errn] Oberst Paradeiser(n) nochmals um(b) einen höheren Offizier(er) ersucht, worauf er uns den 1. Februar noch einen Fähnrich mit 3 Musketiere(r)n vom Graf Gallas’schen Regiment herausgeschickt [hat], die nach dem Tag ankamen.

An diesem Tag sind um(b) uns herum nit allein die Parteien sehr stark [ge]gangen, sondern es ist auch auf den Abend das ganze Gallassche Regiment Dragoner unter dem Kommando des Oberstleutnant Piscere nach Waldershof[12] [ge]kommen, hat dort Quartier genommen und ist [dort] übernacht verblieben.

Obgedachte Parteien haben um [Markt]leuthen,[13] Selb[14] und [in] anderen Orten viel Vieh angepackt und fortgetrieben. Als 60 Pferd[e] mit einer Herd[e] Vieh oberhalb Wunsiedel[15] bei Schönbrunn[16] vorbei gegen Kemnath[17] treiben wollten, ist der Wunsiedeler Ausschuß hinausgefallen, hat ihnen nit allein das Vieh abgenommen, sondern [hat] auch einen Reiter erschossen und einen gefangen mit in die Stadt gebracht.

In der Nacht schickte uns der Oberstleutnant, von Waldershof [aus], einen Boten herab, mit der Kunde, daß in der Nähe von Waldershof, im Markgrafentum, Vieh abgenommen worden wäre, was wir ihm berichten sollten, damit er es wieder abjagen lassen könne. Wir haben [daraufhin noch] des nachts um(b) 9 Uhr H[errn] Kastner(n) zu Wunsiedel des H[errn] Oberstleutnants Meinung überschreiben lassen. Da ist dann der Bot[e] um(b) 2 Uhr gegen den Tag zurück[ge]kommen, mit Bericht, daß etliche Reiter, die zu Reichenbach[18] losierten, noch eine Herd[e] hätten. Wir berichteten auch nach Waldershof, daß der H[err] Kastner wünsche, daß Hilf[e] käme, weil es auch Ihro fürstl. Gnaden gnädig erkennen würde. Er hat dann auch dem Oberstleutnant 30 Pferd[e] geschickt, um ihnen solches wieder abzunehmen. Es war aber alles vergeblich.

Diesmal haben wir unsere 3 Doppelhacken hervorsuchen, schiften[19] und zurichten lassen.

Den 2. Februar früh – also am Fest Mariä Lichtmeß – ist H[err] Oberstleutnant Piscere mit dem ganzen Regiment vor dem Oberen Tor vorbei gegen Bernstein[20] und dann auf Hof[21] in sein assigniertes Quartier gezogen“.[22]

Die Gallas-Dragoner waren im Sommer 1648 unter dem Befehl des Generalfeldzeugmeisters Hans Christoph Graf von Puchheim in Böhmen gegen das Korps des schwedischen Reichszeugmeister Arvid Wittenberg eingesetzt.

1649 wird er als Obrist erwähnt.[23] Das Regiment wurde in diesem Jahr aufgelöst.

[1] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[2] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[3] Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 429f.

[4] Brand, heute Ortsteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[5] Wölsau, heute Stadtteil von Marktredwitz [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[6] BRAUN, Marktredwitz, S. 270.

[7] Tirschenreuth; HHSD VII, S. 747f.

[8] BRAUN, Marktredwitz, S. 273.

[9] Neustadt a. Kulm [LK Eschenbach]; HHSD VII, S. 514f.

[10] Hauenreuth, heute Ortsteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[11] Hauenreuth, heute Ortsteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[12] Waldershof [LK Tirschenreuth].

[13] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[14] Selb [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 694f.

[15] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[16] Schönbrunn, heute Ortsteil von Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[17] Kemnath [LK Tirschenreuth]; HHSD VII, S. 351f.

[18] Reichenbach [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 298f.

[19] schiften:  Der Haken war ein bis ins 17. Jahrhundert gebräuchliches schweres Feuergewehr, mit einem Haken am Schaft, mit dem es auf einem dreibeinigen Gestell befestigt war oder auf die Brüstung aufgelegt wurde, um den enormen Rückstoß abzufangen.

[20] Bernstein, heute Ortsteil von Wunsiedel.

[21] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[22] BRAUN, Marktredwitz, S. 282f.

[23] Freundlicher Hinweis von Herrn Dr. Gerd Dethlefs, Münster.

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