Österling [Österlingk, Osterling, Oestering], Samuel

Österling [Österlingk, Osterling, Oestering], Samuel; Obrist [3.4.1604 Halle-30.11.1647 Iglau]

Österling, Samuel[2088]

Samuel Österling [Österlingk, Osterling, Oestering] [3.4.1604-30.11.1647 Iglau] war aus einem Pfännergeschlecht Halles[1] gebürtig,[2] verheiratet seit 1643 mit der Tochter Barbara des Landrats Ernst Dubislav von Eickstädt auf Groß-Küssow,[3] und stand als Obrist in schwedischen Diensten. Er galt als „fest“, d. h. er soll dem Aberglauben der Zeit nach Kugeln mit bloßen Händen abgewehrt haben.[4]

„Im September 1634 war der tapfere Herzog Bernhard von Weimar bei Nördlingen[5] vom General Gallas aufs Haupt geschlagen und die Kaiserlichen drangen überall wieder vor. Sachsen und Brandenburg beeilten sich deshalb, mit dem Kaiser im Mai 1635 zu Prag Frieden zu schließen, dem auch die mecklenburgischen Herzöge nachträglich beitraten, ohne jedoch an dem Kampfe gegen Schweden sich aktiv zu betheiligen. Letzteres erblickte aber nun in Mecklenburg seinen Feind und der große schwedische Reichskanzler Oxenstjerna erließ Drohbriefe an die Herzöge, welchen er den ‚rothen Hahn auf den Dächern’ ankündigte. Der schwedische General Banèr kam in Eilmärschen aus Schlesien, wo er siegreich gekämpft hatte. schwedische Leibregimenter unter den Obersten Oesterling und [Johan v.; BW] Wachtmeister besetzten im September [1635; BW] Schwerin[6] und brandschatzten; das Schloß war mit einer ausreichenden mecklenburgischen Besatzung unter Leutnant von Kamptz versehen, welcher vom Herzog Adolph Friedrich den Befehl hatte, es bis auf den letzten Blutstropfen zu halten, und scheint während des ganzen Krieges frei vom Feinde geblieben zu sein“.[7]

1639 war Österling an der Einnahme Pirnas[8] beteiligt.[9]

1641 nahm er an den letzten Kämpfen und Truppenbewegungen unter dem Befehl des bereits todkranken Banér teil.

Das Theatrum Europaeum berichtet: „Ruckten nun die Bannerischen viel vorn an / und nach diesen die Weymarischen / so folgten diesen die Käiserl. und Bäyr. so gleich hinten nach / und trieben diese im Aprilen jene einsmahls auß ihren Quartieren zu Gerau[10] / daß der schwächer / wann er nicht gefangen /oder nieder gemachet werden wollte / entlauffen muste.

Gen. Banner liesse um den 10. Apr. styl. nov. seine Artillerie von ungefehr 600. Stücken nach Hall[11] vor an gehen / welche der Obr. Osterling mit drey Regimenten zu Fuß convoyrte / vor deme der Brandenburgische Obriste-Lieut. von Zastrau [Zastrow; BW] die Moritzburg zuhielte. Über die alte Saal-Brücken kam diese Artillerie in Hall / und fienge man nichts destoweniger an / eine wo nicht zwo Brücken / die erste neben der alten zu schlagen / die andere sollte beym Hauß Giebichenstein[12] verfertigt werden : Welches kein Zeichen war langen stilligens / sondern weitern forteylens“.[13]

1642 war er an den Kämpfen um Leipzig und den Kapitulationsverhandlungen beteiligt.[14]

Der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg[15] erwähnt ihn in seinem 1647 neu aufgelegten „Florus“, als er 1643 unter dem Kommando Königsmarcks an den Sturm auf Krockows Lager bei Belgard[16] teilnimmt: „Inmittelst als Groß-ober-Wachtmeister von Königsmarck dieser Händel [Krockows; BW] verständigt / ist er mit seinen vnterhabenden Regimentern über die Elbe gangen / vnnd nach dem er sich mit dem Obristen Österling bey Lobes[17] verstärcket / seinen Zug geraden weges auff Schiffelbein[18] genommen / der meinung / selbigen Platz von der darin liegenden Besatzung in eil zu erobern.

Weil er aber bey seiner Ankunfft verspüret / daß der daselbsten befindliche Commendant sich widersetzt / vnd zu währen entschlossen / hat er vielmehr dahin getrachtet / wie er mit dem Obr. Krackow / welcher damals viel mehr andere Obr. bey sich gehabt / schleunig in ein spiel tretten könte: gestalt er dann noch selben Tage / nemlich den 20. dieses / sich mit allen Fähnlein auf den Berg hart vor der Statt Belgart gesetzt / vnd mit Stücken in das Krackawische Läger starck fewer geben lassen / darbey auch ein theilß des Schwedischen vortrabes den Obr. Vorhawer [Johann von Vorhauer; BW] stracks im anfang zertrent / vnd über 100. Gefangene eingebracht / bey welchem spiel gedachter Obr. mit genawer noth sampt wenig Reuttern in das Keyserliche Läger entkommen.

Solchem nach ist Königsmarck gar für dasselbe gerückt / mit schiessen vnnd Fewer einwerffen solchen ernst gebraucht / daß die Keyserischen diesen Ort verlassen / vnd in die nechste Schantze weichen müssen“.[19]

„Generalmajor Königsmarcks Hoffnungen auf eine große Feldschlacht waren also zunichte gemacht. Wenn aber die Kaiserlichen nicht aus eigenem freien Willen aus ihrem Lager herauskamen und sich weigerten, sich durch weitere Bombardements mit Brandkugeln dazu verleiten zu lassen, blieb keine andere Möglichkeit, als zuerst die anderen kaiserlichen Posten, die an verschiedenen kleineren Orten um Belgard herum verstreut waren, zu bezwingen, um danach eine regelrechte Belagerung von Krockows eingegrabenen Heer einzuleiten. Königsmarck hatte sich als verwegener und agiler Spezialist für schnelle Streifzüge einen Namen gemacht, doch nun war er gezwungen, eine erheblich aufwendigere und systematischere Kriegsführung zu praktizieren. Die Kaiserlichen hatten das Land um Belgard herum gründlich ausgesaugt, und die Schweden fanden wenig Nahrungsmittel und Futter.

Deshalb wurden Rehnskiöld und seine Diener in Begleitung von 200 Reitern nach Norden geschickt, um Proviant und weitere Verstärkungen für Königsmarck heranzuschaffen. Die ersten kalten Wochen im November verbrachte Erik Jönsson dort an der pommerschen Küste, während sein Herr sich nach Kräften bemühte, die Versorgung der schwedischen Truppen zu organisieren.

Währenddessen zog Königmarcks Korps seine Kreise um den Gegner immer enger. Zuerst wurde Körlin[20] angegriffen, das noch ein Stück weiter in nordöstlicher Richtung lag und von einer starken kaiserlichen Abteilung besetzt war. Sie gab auf, nachdem sie mit 270 Schuß bombardiert worden war. Danach galoppierte das ganze Korps zurück nach Süden. Dort hatte Krockow ein wenig Mut geschöpft und eine neue Zwangseinsammlung von Mehl, Roggen, Hafer und Gerste in Gang gesetzt, doch weiter als bis zur Ausfertigung verschiedener Drohbriefe an einige im engeren Umkreis gelegene Städte gedieh diese Arbeit nicht, bevor Königsmarcks Männer erneut ihre Geschütze vor der Stadt aufprotzten.

Tag um Tag ging die Beschießung der Stadt und des kaiserlichen Lagers weiter. Die Wirkung war jetzt etwas besser, denn der schwedische Artilleriepark war durch zwei schwere Geschütze verstärkt worden, da Rehnskiöld und Erik aus Kolberg[21] herangeschafft hatten. Nach einiger Zeit sah sich Krockow gezwungen, sein Hauptquartier oben im Schloß – dem Punkt, der dem schwedischen Feuer am stärksten ausgesetzt war – zu verlassen und in einer geschützten Proviantkammer Zuflucht zu suchen. Auch wenn diese Aktion von Krockows Frau angeregt worden war, die wie einige andere Offiziersfrauen die Operation begleitete, roch das Ganze nach Feigheit, und seine Leute hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Schon früher hatte ein Teil der Offiziere gemurrt und gefunden, daß seine Passivität und Ängstlichkeit übertrieben seien, und dieses Vorkommnis steigerte nur die Unzufriedenheit seiner Untergebenen. Der Zeitpunkt, zu dem das kaiserliche Korps den Schweden unter einigermaßen gleichen Bedingungen hätte gegenübertreten können, war vorüber, vor allem aufgrund von Krockows schlafwandlerischer Feldherrnkunst und seiner Begeisterung für befestigte Lager. Den Gegner hinter hastig aufgeworfenen Erdwällen zu erwarten war zwar eine beliebte Taktik der Kaiserlichen; aber mitten im Feindesland reflexmäßig zu diesem Mittel zu greifen war problematisch, nicht zuletzt mit Hinsicht auf die Versorgung. Wahrscheinlich waren Krockows Truppen dem Königsmarckschen Korps Anfang Oktober überlegen gewesen, und die Schweden waren außerdem erschöpft und atemlos nach dem schnellen Marsch nach Pommern. Nun, als der graue Oktober in einen kalten November überging, hatten die Schweden Verstärkungen aus den pommerschen Festungen herangeführt, während die Kaiserlichen im Schmutz des Lagers von Belgard gestanden hatten und allmählich Verschleißerscheinungen zeigten. Da kam die Nachricht, daß der Posten in Schifelbein sich nach einem erneuten Angriff der Schweden, unter anderem mit einem Mörser, ergeben hatte.

Die Verhältnisse im Lager bei Belgard wurden immer schlechter. Das schwedische Artilleriefeuer dröhnte weiter, während Herbststürme und kalter Regen die Zelte zum Einsturz brachten. Es wurde beinah unmöglich, einen warmen und trockenen Schlafplatz zu finden. Eines Morgens war die Persante vom Eis bedeckt, und bald folgte der erste Schnee. Die Krankheiten bei den Mannschaften und den begleitenden Zivilisten griffen immer weiter um sich, und Pferde brachen dutzendweise zusammen und verendeten. Der Schnee hatte immerhin sein Gutes: Eines Tages zündeten die Schweden ihr Lager jenseits des Flusses an und zogen über die frostkalten Felder ab, um sich bessere Quartiere zu suchen. Es folgte eine kurze Zeit von Patrouillengefechten und Scharmützeln, aber dann kam das, von dem alle wußten, daß es kommen würde: der Rückzug des kaiserlichen Korps aus Pommern.

Das Gepäck wurde sortiert, Berge von Ausrüstung, Proviant und sogar mehrere Geschütze wurden im Schlamm des kaiserlichen Lagers zurückgelassen. Nur die Wagen der Offiziere und der Offiziersfrauen wurden mitgenommen auf den Zug nach Süden, der bald einer wilden Flucht gleichkam. Da alle im Korps beritten waren oder fuhren, war das Tempo hoch, bis zu fünfzig Kilometer am Tag. Obgleich Königsmarck durch einen übergelaufenen Jungen noch am selben Tag vom Rückzug erfuhr, als dieser begann, und deshalb sogleich eine Hetzjagd auf die Retirierenden veranstaltete, holten die Schweden sie nicht mehr ein. Sie ergriffen vereinzelte, frierende Nachzügler, fanden zusammengebrochene Pferde, festgefahrene Wagen und zurückgelassene Ausrüstung, aber die Hauptgruppe erreichten sie nicht. Nachdem Krockows Korps, genau wie auf dem Hermarsch, sich nach Polen davongestohlen hatte, brach Königsmarck – nachdem er ein paar derbe Flüche auf den ohnmächtigen großpolnischen Woiwoden losgelassen hatte – die weitere Verfolgung ab.

Als Krockows Korps sich in Breslau[22] mit der kaiserlichen Hauptarmee vereinigte, war es nur noch ein trauriger Schatten seiner selbst. Von den 4000 stolzen Männern, die von Prag losgeritten waren, »klirrend von Eisen und Stahl«, kehrten weniger als 1200 zurück. Die pommersche Diversion, einer von vielen bedeutungslosen Kleinfeldzügen dieses großen Kriegs, war an ihr Ende gekommen. Keins der Ziele der Operation war erreicht worden“.[23]

Wassenberg erwähnt das Regiment Österling noch einmal: „Kurtz zuvor aber / als den achten Decemb. [1643; BW] hat sich Lemberg[24] in Schlesien / darin ein Obrister Platzvertreter deß Oesterlingischen Regiments zu befehlen gehabt / auch durch Vergleich an die Keyserische ergeben müssen, darauff die Besatzung mit Sack und Pack / fliegenden Fahnen / Ober vnd Vntergewähr außgezogen / vnd nach Franckfurt an der Oder[25] begleitet worden“.[26]

Weitere Orte konnten Ende Dezember 1643/Januar 1644 von Kaiserlichen und Kursächsischen zurückgewonnen werden, wie Wassenberg festhält: „Mit der Statt Lauben[27] hat der Chur-Säxische Commendant in Görlitz[28] gleiches Glück gehabt / welche er / auß Mangel deß Entsatzes / einbekommen / vnd die darin gelegene Schwedische Besatzung auff 500. Mann starck mit Sack / Pack / vnd 14. beladenen Wagen gleichfalls nach besagtem Franckfurt abziehen lassen / welcher zeit ferner die Schlösser Sagan[29] vnd Gora[30] übergangen.

Vnter diesem wehrenden Verlauff seynd Herr Graff Bruay / vnd Obrister Trautsch [Traudisch; BW] / den Schwedischen bey Senftenberg[31] vnversehens in ein Quartier gefallen / viel nider gemacht / vnd den Obristen Oesterling sampt seiner Frawen vnd in 160. Reutter zu Wittenberg[32] gefänglich eingebracht ! dahingegen aber der Keyserliche General-Commissarius Andorff von der Eiß / welche mit einer starcken Convoy von der Armee zu rück gewolt / von dem Schwedischen Obristen Newrath [Neurath; BW] Commendanten in Schweinitz[33] gefangen / vnd nach Wolaw[34] abgeführet worden“.[35]

Im Mai 1645 bis 1647 war er in Iglau[36] als Kommandant stationiert.[37] Bei der Belagerung der Stadt durch Puchheim soll er bei der Besichtigung einer Mauer[38] am 30.11.1647 gefallen sein.[39]

[1] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.
[2] KNESCHKE, Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon Bd. 6, S. 580; HECKEL, Historische Nachricht, S. 78.
[3] Groß-Küssow [LK Pyritz].
[4] HORMAYR, Taschenbuch, S. 183.
[5] Nördlingen [LK Donau-Ries]; HHSD VII, S. 525ff.
[6] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.
[7] Balck, Mecklenburg, S. 95f.
[8] Pirna; HHSD VIII, S. 276ff.
[9] MISTEREK, Pirna im Dreißigjährigen Krieg.
[10] Gera; HHSD IX, S. 134ff. ?
[11] Halle a. d. Saale [Kr. Halle]; HHSD XI, S. 177ff.
[12] Giebichenstein, heute Stadtteil von Halle a. d. Saale.
[13] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 612.
[14] BOETTGER, Die Ereignisse, S. 76, 77.
[15] Vgl. WASSENBERG, Everhard Wassenberg.
[16] Belgard [Bialogard]; HHSD XII, S. 164ff.
[17] Labes [Lobeź, Kr. Regenwalde]; HHSD XII, S. 226f.
[18] Schivelbein [Świdwin; Kr. Belgard]; HHSD XII, S. 268f.
[19] WASSENBERG, Florus, S. 536ff.
[20] Körlin [Karlino, Kr. Kolberg-Körlin]; HHSD XII, S. 215f.
[21] Kolberg [Kolobrzeg]; HHSD XII, 220ff.
[22] Breslau [Wroclaw]; HHSSchl, S. 38ff.
[23] ENGLUND, Verwüstung, S. 311ff.
[24] Lemberg [Lwow, Russland].
[25] Frankfurt a. d. Oder; HHSD X, S. 177ff.
[26] WASSENBERG, Florus, S. 552.
[27] Lauban (Lubań]; HHSSchl, S. 270ff.
[28] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.
[29] Sagan [Żagań; Kr. Sprottau/Sagan]; HHSSchl, S. 462ff.
[30] Guhrau [Góra]; HHSSchl, S. 168ff.
[31] Senftenberg [Lausitz, Bez. Cottbus].
[32] Wittenberg; HHSD XI, S. 504ff.
[33] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.
[34] Wohlau [Wolów; h. Polen]; HHSSchl, S. 569ff.
[35] WASSENBERG, Florus, S. 552.
[36] Iglau [Jihlava]; HHSBöhm, S. 214ff.
[37] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 279; WERNER, Urkundliche Geschichte, S. 80.
[38] WOLNY, Markgrafschaft Mähren, S. 32.
[39] HÖFER, Ende, S. 262, Anm. 242.
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