Oefelin, Clara, geb. Baarin [de Bar]

Oefelin, Clara, geb. Baarin [de Bar]; Söldnerin [1620-1680]

[Die „Echtheit“ dieses Dokuments, das um 1923 „überarbeitet“ wurde, ist umstritten, aber warum sollte sich jemand die Mühe machen, es zu fälschen ? Ich bin für jeden Hinweis dankbar. BW]

Es gibt nur sehr wenige Hinweise über weibliche Söldnerinnen. Der Hildesheimer[1] Arzt und Chronist Dr. Jordan berichtet unter 1634, dass sich unter den Gefallenen eines Scharmützels[2] auch ein weiblicher Musketier[3] in Männerkleidern gefunden habe.[4] Der Bad Chronist Pastorius [1624 Erfurt-1702 Nürnberg], Bürgermeister und Oberrichter in Bad Windsheim,[5] hält unter 1631 fest: „1631. Den 10. May eroberte der General[6] Tylli[7] die Stadt Magdeburg[8] / plünderte sie aus / eine Jungfrau hatte ihres Bruders Kleider angezogen / und sich in ein groß leeres Weinfaß verstecket / ward endlich von einem Reuter gefunden / der dingte sie für einen Knecht / deme sie auch drey Monat treulich die Pferde wartete / und als in einem Treffen der Reuter umkam / und sie von denen Schweden[9] gefangen gen Erffurt[10] kam / ließ sie sich für einen Musquetirer unterhalten / dienete fünff Jahr redlich / hatte in etlichen Duellen[11] mit dem Degen obsieget / wurde endlich durch eine Müllerin / wo sie im Quartier lag / verrathen / daß sie ein Weib wäre / da erzehlete sie der Commendantin allen Verlauff / die name sie zu einer Dienerin / kleidete sie / und schenckte ihr 100. Ducaten[12] zum Heyrath-Guthe“.[13] Allerdings heißt es schon bei Stanislaus Hohenspach (1577): „Gemeiniglich hat man 300 Mann unter dem Fenlein, ist 60 Glied alleda stellt man welsche Marketender, Huren und Buben in Landsknechtskleyder ein, muß alles gut seyn, gilt jedes ein Mann, wann schon das Ding, so in den Latz gehörig, zerspalten ist, gibet es doch einen Landsknecht“.[14]

Weiter gibt es den Fall der Clara Oefelein, die schriftliche Aufzeichnungen über ihren Kriegsdienst hinterlassen haben soll.

„Hundert Jahre später lebte Clara von Bar. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie im Feldlager des Marschalls Tilly geboren. Die Mutter starb bald nach der Geburt. Der Vater verließ die Truppe, zog mit dem Kurfürsten Maximilian nach Ingolstadt[15] und heiratete wieder – die Bürgermeisterstochter von Schrobenhausen.[16] Clara verliebte sich in einen jungen Schrobenhausener, der zu einer Bierbrauerfamilie gehörte, heiratete ihn, hieß nun Oefele und wurde eine tüchtige Bierbrauersfrau.

Clara war schön, gesund, selbstbewußt. Ihre Frische und Herzhaftigkeit reizte die Kriegsmänner, die gewohnt waren, sich zu nehmen, was ihnen gefiel. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Wirtsfrau gemacht. Einen Reiterobristen[17] des Generals Wrangel[18] ließ Clara so energisch abfahren, daß er das nicht überlebte.

Das war problematisch. Eine Bierbrauersfrau, die einen Offizier umbringt, weil sie sich nicht vergewaltigen lassen will – das konnte nicht gutgehen. So brachte Christof seine Frau nachts, in einer riesigen Fuhre Stroh verpackt, aus der Stadt.

Clara fand Zuflucht im Kloster Meiningen.[19] Bei den Nonnen war sie in Sicherheit. In der Klosterbrauerei machte sie sich nützlich. Doch sie wollte wieder nach Hause. In Männerkleidern kam sie heim. Als »der Cousin« lebte sie eine Weile glücklich mit ihrem Mann in Schrobenhausen und braute – wie früher. Doch Claras Verkleidung war so echt, daß man sie von der Straße weg als Soldat rekrutierte.[20] Sie hatte nicht einmal Zeit, von Mann und Kindern Abschied zu nehmen.

Mit ihrem Regiment kam sie zu den kaiserlichen Truppen in Böhmen und kämpfte mit ihnen gegen die Schweden. Als am Ende des Krieges der Westfälische Friede zustande kam, war Clara Oefele gerade 28 Jahre alt. Sie wollte nach Hause. Doch die Nachrichten aus Schrobenhausen waren niederschmetternd. Ihr Mann sei umgekommen, erfuhr sie. Der ganze Ort sei bis auf den Boden zerstört, die Brauerei geplündert. Das Land um Schrobenhausen gliche einem Leichenacker.

Clara schien es am sichersten, bei ihren Kameraden zu bleiben. Sie zog mit den kaiserlichen Soldaten gegen die Woiwoden von Siebenbürgen und gegen die Türken.

Das dauerte fast zwei Jahrzehnte. Dann, bei der Rückkehr über Wien, bekam Clara die Pest.[21] Die Seuche raffte Tausende dahin, Clara überlebte. Und nun machte sie sich endgültig auf den Heimweg, nach Schrobenhausen – egal, wie es dort aussehen mochte.

Als Clara endlich zu Hause ankam, hielt das Schicksal eine neue Überraschung bereit. Die Brauerei Oefele war in Betrieb! Clara konnte es kaum fassen. Ihre Kinder hatten das Chaos überlebt. Franz, der Sohn, hatte die Brauerei, so gut es ging, weitergeführt.

An der Freude über die Rückkehr der längst totgeglaubten Clara Oefele nahm ganz Schrobenhausen teil. Clara packte an. Mit ihrem Sohn baute sie die Brauerei aus“.[22]

In ihrem Selbstzeugnis ist festgehalten:

„Ich Anna Maria Klara Baarin mag wohl heute oder gestern das sechzigste Jahr meines Lebens erreicht haben. Ich bin im Felde geboren (in der Tillyschen Armee) und der Tag, an dem ich das Licht der Welt zum ersten Male erblickte, ist mir mit nichten bekannt; doch war es, als man sechshundert und zwanzig zählte und bald darauf der Schwedenkrieg seinen Anfang nahm.

Jetzund vermeine ich den größern Teil meiner, durch die Kriegsnöten stark bewegten Erdenwallfahrt hinterbracht zu haben und schenke mir der Allmächtige und die allerseeligste Jungfrau ein geruhsames Alter in vollem Frieden bei den Meinigen, die mir der Himmel noch belassen hat, hier zu Schrobenhausen und dereinst nach meinem Abscheiden den Platz nebst meinem Ehewirt auf dem dasigen Leichenacker.

Dies ist von mir der Klara Oefelin gewesten Baarin selbsten beschrieben für meine Kind und Kindskind zu Nutz und Frommen in guten und bösen Tagen.

Mein Vater Franz de Baar, Stadthauptmann zu Ingelstadt,[23] war ein Savoyard von Adel, der unter die Fahne des Tilly in den Krieg gezogen war.

Pater Gugez, der zu Ingelstedt nachmals mein alter lieber Praecepter[24] gewest, hat mir folgendes erzählt: Der Vater meiner nachmaligen Stiefmutter, (wer meine rechte Mutter gewest, ist mir in nichts bekannt), Franziscus Albers[25] mit Namen, ein Bürgermeister von Schrobenhausen, hatte mit einem Herrn von Imhoffen von Augsburg[26] seine Jugend mit Reisen fortgebracht und auch diese seine Reise beschrieben. Pater Gugez hat diese Reißbeschreibung selbsten gelesen, als er zu Tölz[27] bey der Mde de Brye war. Der Albers und der Imhoffer waren also nach Savoi[28] gekommen und unweit des Closters des St. Bernhard vom Schneesturme überhollet worden und dann auf das Schloß Debaare verschlagen worden. In Debaare wohnte damalen der alte Vitus de Baar, mein lieber Ahnherr. Bei diesem verblieben sie nun durch den Winter und erst als sie Kunde erhielten, das sich die Kriegsfackel en[t]brennen wolle, kehrten sie wiederum heimwärts. Der Vitus de Baar, mein lieber Ahnherr, war ein Liebhaber der Kunst und vieler künstlicher Malereien und gab es deren etliche auf Debaare zu sehen. Derenhalber, wer auf Welschland oder Rom reisete von Malern oder Liebhabern, hielt sich in DeBaare auf und war es eine Merkwürdigkeit.

Der Alber und der Imhoffer zogen also wieder heim und kamen wohlbehalten darnach in Augsburg[29] an. Dortselbsten erheiratete der Alber eine Altmannfelder Tochter, eine Augsburgische patrici, zog alsdann auf Schrobenhausen weiter und ward dort in spätern Jahren ein Burgermeister.

Mein Vater hat mich im Feldlager[30] auferzogen und war ich im Reiten, Schießen und Fechten sehr wohl auf. Feldcaplan[31] Pater Cornelius hat mir mit viel Unterbrechung wegen der Kriegszüge das Schreiben, das mir ein hart Stück Arbeit dünkte, beigebracht. Als ganz kleines Kind war ich einmal im Zuge aus dem Wagen gefallen und somit verloren gegangen. Ich muß wohl geschlafen haben, denn da ich erwachte, war ich im Walde ganz alleine. Ich hüpfte zuerst gar fröhlich im Walde umher und freute mich an den Tierlein und manchfachen Blümlein, auch ließ mir manch Beerlein, daß gar süß schmeckte, mir keinen Hunger verspüren. Dabei kam ich auch an einen Ameisenhaufen, die krappelten Tierlein haben mir gar wohl gefallen und ich wollte auch gerne in ihre Burg hinein, derhalben stocherte ich gar unbedachtsam in dem Ameisenhaufen herum. Darüber hat mich der Schlaf übermannet und ich wuste weiter nichts mehr. Mein Vater, der mich zärtlich liebte, hat mich selbst auf dem Ameisenhaufen eingeschlafen gefunden, ganz von den wüthenden Thieren übersähet. Man konnte sie nicht von mir losbringen, denn nur durch Untertauchen in kalt Wasser. Dabei hätte ich so ein Zetergeschrei vollführet, daß man im Walde vermeinet hätte, es wäre der Schwed schon im Anmarsch, war aber nichts dergleichen. Mein ganzer Körper war voller großer Blasen und hat mich der Schmid mit einer Salben ganz und gar eingeschmirret, doch war meine Haut darnach fast wie Leder und prallte der Stich später wohl meist derhalben an mir ab. Von Augsburg, welches in der Ketzer Händen war,[32] zogen wir dann auf die Achen zu und dort zwischen dem Lech und der Achen blieben wir liegen. Man konnte von da nicht aus dem Lager, wegen der hochgeschwollenen Gewässer, aber der Schwed konnte derhalben auch nicht an uns heran.

Nachdem der Tilly verwundet worden,[33] sind wir mit dem Churfürsten Maximilian[34] nach Ingelstadt hinein aus dem Lager weg. In Ingelstadt bekamen wir ein großes Haus mit Thüren und vielen Fenstern (was mir gar seltsam war, so ich bis dato meist in dem Zelt oder Wagen gelebet hatte) und man blieb nun fest allhier und zog nicht mehr hier und dahin im Lande umher. Doch bald, nachdem wir dortselbst eingezogen waren, kam auch schon der Feind von Augsburg her und fing an, uns in Ingelstadt einzuschließen.[35] Der Tilly hat trotz seiner schweren Verwundung bis zu seinem letzten Augenblicke die Vertheidigungsmaßregeln geleitet, doch starb er bereits den letzten April. Das war ein groß Klagen und sahe ich seine Leich, wie er so still vor dem Altare aufgebahret lag. Darnach aber hat die Besatzung entschloßene Gegenwehr gegen den Schwed geleistet und mehreres Anstürmen zu des Feindes Verlust zurückgeschlagen. Im Lager verhandelte der Franzos derweil mit dem Feind, um für Sr. Durchlaucht dem Churfürsten einen Separatfrieden zu erlangen.[36] Die Bedingungen des Schweden waren dem Churfürsten nicht anständig und somit hatte der Krieg seinen Fortgang. Mit einmalen hob der Schwed die Belagerung auf und zog auf Schrobenhausen zu[37] und dann weiter in Baiern. Nun konnte mein Vater sich wieder mehr meiner annehmen und da bei der Belagerung der Pater Cornelius, dieweil er sich zuweit vorgewagt hatte, von dem Feind erschoßen worden, so bekam ich einen Praecepter in dem Herrn Gugez. (Er war Student gewesen und dann im Krieg mitgezogen, doch ohne sonderlich zu reusiren.[38] Da war er auch auf Ingelstadt gekommen und nun wollte er eine Contition als Hauslehrer und mein Vater vermeinete, es wäre sehr gut, mich in die Wissenschaften einzuführen, dieweil ich vordem ganz verwildert war. Nunmehr wollte es meinem Vater nicht mehr anständig sein ohne Hausfrau und als der Feind sich in der Gegend nicht mehr spüren ließ, so zog mein Vater mit seinem Hochzeitsmanne Herrn Spintelmayer aus dem äußern Rat zu Ingelstadt nach Schrobenhausen in das Haus des Bürgermeisters Albers und hollte sich die Tochter Agnes, welche nun meine liebe Mutter geworden war. Die Hochzeit, zu der auch mein Vater mich mit auf Schrobenhausen genommen, war, da nach Plünderung[39] der Schweden nicht viel was Geld oder Geldswert hatte, zurückverblieben war, sehr simbel und ohne viel Gepränge; doch hat man in Ingelstadt die Hochzeitsleute mit Schießen empfangen.

Darnach hat Frau Agnes sich in vielen Stücken um mich bemühet, aber ich habe es ihr damalen recht übel gelohnet, sintemalen sie nun bei meinem Vater Hahn im Korb war und ich sollte nun auf den zweiten Platz. Solches wollte mir nicht zusagen und es gab derhalben viel Streit und bös Blut. Meine Mutter war wohl darauf bedacht, als ich etwas älter wurde, dies alles zum Besten zu wenden und sahe sich derhalben bald nach einem Ehegesponst für mich um. Da war in ihrer Freundschaft[40] ein junger Bürgermeistersohn[41] zu Schrobenhausen, den hatte sie ausgewählet und so kam er mit seinem Hochzeitsmanne, dem Peter Krantz, zu meinem Vater, um den Anspruch um mich zu thun und nach vier Wochen ward die Hochzeit gehalten. Mein Vater hat mir auch ein schön Heiratsgut mitgegeben und war es wohl von Nöten, da die Stuben bei dem Bräu meinem nunmehren Manne von den Schweden rein ausgeplündert waren.

In Schrobenhausen hatten wir eine schöne Freundschaft und war es ein schön Gewerbe; nur waren durch die Kriegszeit die Knechte und Mägde rarer geworden, als sie vordem waren und mußte der Bräu und sein Ehegesponst viel thun und erarbeiten, was vordem die Ehehalten[42] geleistet haben. Die Schwester meines Herrn Eheliebsten, Frau Mariane Spätin hat, mir in der ersten Zeit gar getreulich beigestanden, allein ich wollte doch gar gerne mich nicht commandiren lassen und so sind wir immer mehreres von einander kommen. Besonders, als mein erstes Kind, der Franzel,[43] geboren wurde, waren wir gar bös einander geraden, dieweilen ich vermeinte, so mir Gott das Amt einer Mutter gegeben, so müsse ich wohl auch den Verstand dazu haben. Meine Frau Schwägerin war anderer Meinung und so setzte sie es bei dem Bräu durch, daß sie den Franzel zur Pflege bekamm zu ihren eigenen sieben Kind.

Nun erreichnete es sich, daß der Franzmann und der Wrangel wieder Bayern zog[44] und auch zu uns nach Schrobenhausen kamen durchziehende Haufen, die mit Plündern und Brennen hauseten.[45] Die Knechte wollten derenhalben viel lieber in das freie Lagerleben und die Mägde zogen ihnen nach im Troß.[46] Auch fehlte es an dem nötigen Gedreide und was sonst ein Bräu braucht, also daß der Sudekessel oft lange zeit in Ruhe stand. Wunders war mir, daß der Feind ihn nicht auch mitgenommen habe, da sonst nicht viel von ihm zurückgelassen war. Aus den Kellern haben die Kosaken[47] alles was drinnen gewest ausgesoffen, darnach kamen die andern, der Franzmann und der Schwed und hat jeder wohl das, was ihm anständig war, mitgenommen; für uns selbsten war darnach nichts mehr da und wir konnten Hungerpfotten saugen.[48] Die Frauenspersonen durften sich gar nicht auf der Straßen sehen lassen und waren auch im Hause nicht sicher aufgehoben. So wäre es mir einmal gar sehr übel ergangen als ein Reiterobrist von dem Wrangel bei uns war und der Bräu nicht zu Hause. Dieser Feind wollte sich an mich heran machen, aber ich bin kein Freund von charmiren gewest und habe den Spaß nicht verstanden, sondern den frechen Musieur vor die Thüre geschmissen, also daß er das Aufstehen hinfort vergessen. Derhalben war nun ein groß Geschrei in der ganzen Stadt und war ich hinfür meines Lebens nicht sicher mehr alda. So mußte mich mein lieber Ehewirt bei Nacht in einem Bund Stroh auf einer Fuhre außerhalb der Stadt Schrobenhausen bringen und von da in das Closter Maria Mayen.[49] Es war wohl wenig angenehm in dem Stroh und hat der Feind auch einmal mit dem Heleparten[50] hineingestochert, aber der heilige Erzengel Michael, mein lieber Patrone, hat die Waffen so gelenkt, daß sie gerade an meinem Knie vorbeigingen, ohne mir den mindsten schaden zu verursachen. Als wir über dem Wasser waren, war die Fahr in etwas vorüber und hat mein lieber Ehewirt mich aus dem Stroh herausgesucht und war es mir groß Wunder, das Tageslicht wieder zu sehen. Das Closter Maria Mayen liegt wohl abseits der Heerstraße und war es in allen Stücken in den unruhigen Zeitläuften ein Friedenshafen für die in Not und Gefahr schwebenden. Die Aebtissin war meiner Stiefmutter Base und blieb ich alda bis nach der Geburt meines zweiten Kindes, der Clara. Dies Kind habe ich alsdann den Closterfrauen zur Pflege dort belassen, als ich dann in Männerkleidern auf Schrobenhausen zurück zu meinem Ehewirt gereiset bin. Ich war hernach in Schrobenhausen als der Vetter bei meinem Herrn Bräu Ehewirt und es hat niemanden anders vermeinet, da ich ja eine starke lange Person bin. Es war auch gut, daß mein Herr Ehewirt mich zur Hülfe hatte, denn es war weder Knecht noch Magd mehr da. Der Krieg hat alles verschlungen oder hinweg geschwemmt. Darnach kamen etliche Feindshaufen,[51] doch sie richteten nichts sonderliches aus, was des Aufschreibens wert gewessen.[52]

Als der Waffenstillstand mit den Schweden aufgekündet,[53] zogen die Werber[54] durch das Land, um für den Feldzug nach Böhmen, was noch Mannbar war, aufzubieten. Auch kam der Cronsberg[55] selbsten zu uns ins Quartir und als er meiner ansichtig wurde, meinte er: es sei wohl gar schade um solchen Kerl, daß er nicht im Soldatenkittel stecke und sprach mir in allen Stücken sehr zu. Dabei meinete er, da er merkte, wie ich in allen Stücken es mit dem katholischen Glauben hielt, daß es meiner Seele dermalen sehr wohl anstehen möchte, wenn ich in den heiligen Krieg gewesen, und wie dann meine arme Seele und die meiner angehenden[56] aus meiner Freundschaft nicht so sehr viel von der Hitz des Fegefeuers dermaleinst zu erdulden hätten.[57] Dies zog ich auch in Erwägung, darnach auch noch wie ich doch immer in Angst und Nöten zuzubringen hätte. Ich war doch niemalen ganz sicher vor Entdeckung und dann war mir der Tod gewiß. Also sagte ich dem Gronsfeld zu mit ihm zu ziehen, er möchte aber meinem Herrn Vetter, dem Bräu es nicht verraten, da der mich wohl nicht gerne fortziehen lassen würde. Also verabredete ich es mit dem Grafen und darnach bin ich heimlich mit ihm von dannen gezogen.[58] Ob sich mein Ehewirt über mein davongehen sonderlich gegrämet, ist mir niemalen bekannt geworden, da er als der Krieg zu Ende und ich endlich wieder auf Schrobenhausen zurückkommen bin,[59] nicht mehr bei Leben war. Er war, da sie bei ihm plünderten und nicht sonderliches mehr gefunden, da ja schon der Feind vielemale in Schrobenhausen derhalben eingekehret, von den wüthenden Soldaten mit der schwedischen Tauf[[60] drangsalisiret worden und hat darunter seine Seele ausgehauchet. Alsdann haben sie ihn zur Thüre über die Treppen hinuntergeschmissen. Gott möge seiner armen Seelen gnädig sein. Amen.

Daraus kann ich wohl entnehmen, wie sie auch nicht säuberlicher mit mir verfahren wären, so sie meiner Person habhaft geworden wären. [466]

Mit dem Gronsfeld zogen wir nach Böhmen, wo der Schwed unterdessen die Stadt Eger[61] erobert hatte und wir halfen vereint mit den Kaiserlichen die Schweden aus Böhmen heraus, hinunter an den Rhein[62] verjagen. Nun vermeinten wir wohl die Kriegsfackel wolle endlich verlöschen, es war aber damit immer noch nichts. Wie zogen wieder in Bayern zurück und fogten gegen die vereinigten Franzmänner und Schweden, konnten aber bei dem Kloster Schönfeld[63] trotz unseres wüthenden Wiederstands den Übergang über den Lech nicht verwehren.[64] Wir wurden von dem uns weit übermächtigen Feind[65] geschlagen und ein großer Theil fiel dem Feindt in die Hände.[66] Dank der Hülfe des Sankt Georgen kam ich aber davon. Nun drang der Feind mit furchtbarer Wuth über das Land herein, da aber der Gronsfeld uns verlassen,[67] konnten wir, die wir nun in kleine Haufen ganz versprenget waren, nichts gegen den Feind unternehmen.

Das ganze Land war nun von dem entmenschten Feind verwüstet, da endlich sammelte der Hunoldsteiner Graf[68] in größter Eile die versprengten Schaaren. Auch ich folgte wiederum, noch immer des Kriegshandwerks nicht müde, seinem Ruf. Wir setzen uns an dem Inn fest und ließen den Feind nicht weiter vordringen.[69] Bei Wasserburg[70] schlugen wir alsdann den Feind zurück und bei Dachau[71] kamen uns dann die Kaiserlichen zu Hilfe,[72] aber es kam zu keiner entscheidenten Schlacht, nur zu kleinen Scharmützeln.

Endlich hatten sich darnach die Zeitläufe zum Frieden gewand und ich hätte in Ruhe heimkehren können, aber ich bedachte mich, wie wenig ich wohl daheim finden würde, da das Land vom Feinde verwüstet war und nur Blut und Thränen darin, wie ein großer Leichenacker. Auch war ich nun das Herumziehen wohl gewöhnet und da ich auch mein Kind Clara aus dem Kloster geholt hatte, mußte ich befürchten, die Spätin würde mir auch diese nehmen, wie damalen der Franzel. Ich schaute mich also darnach nach anderwärtigen Kriegsdiensten um und also zog ich gegen die Woiwoden und Türken.[73] Habe auch unter dem Montecuccoli[74] gedienet[75] und war sodann nach Wien gekommen.[76] Dort selbsten war ich nahe an den Rand des Verderbens gekommen, weil allda die Pest, eine gar gräuliche Krankheit, ausgebrochen und es wäre mit mir bald zu Ende gegangen. Durch die vielen Drangsale des Krieges und die Hungersnöten war eine Seuche nach der andern hervorgebrochen und so war es auch gekommen, als ich zu Wien war, daß die Pest dahin kam. Ein dichter Nebel[77] war über der ganzen Stadt, also daß man die Sonne nimmer gesehen und wehete von allen Orten gar schommerbarlich[78] daher, erfaßete den Menschen und ließ ihn sogleich dahin fahren in aller seiner Sündhaftigkeit.

Ich war zur Kirche und kam aus der Messe zurück, da kam mir entgegen ein Zug mit Leitern, auf denen sie die Pestkörper trugen. Als sie mir so nahe kamen, entsetzte ich mich solcher Gestalt, daß ich zugleich selbsten eine Pestbeulen am Knie überkam. Dieselbe wurde von Stund an immer größer und war es mir gar bang, wie sich die Sache wenden möge. Nachdem ich wiederum wie in jeder andern Gefahr, in der ich gewest, zu meinem werthen Schutzpatron dem heiligen Erzengel[79] gerufen, auch etliche Messen versprochen, schickte ich sogleich mein Kind, die Klara, zu dem Nachbarn um Kuhmist. Nachdem ich ihr Stillschweigen anbefohlen, eröffnete ich ihr, wie es um mich stand.[80] Hierauf legte ich den Kuhmist, welcher ein sehr gut Mittel gegen die Pestbeulen ist, dieweilen er die Hitzen in etwas vertreibet, auf die Beulen. Derselbe hat sich dermassen stark entzunden, also daß am andern Morgen nur eitel dürr Stroh auf dem Beulen zu sehen war. Ich schnitt endlich die Beulen mit dem Feuermesser[81] auf, stoßte das Blut und Gift in ein irden Geschirr aus und ließ dies alles durch meine Tochter, die Clara, in die Erde vergraben. Sodann heilete mein Knie gar bald, dank der Hülfe aller Heiligen und meines Schutzengels und ich genas wiederum von der Pest, wie es nicht bei vielen vorkam. Nachher habe ich mein Gelübte treulich erfüllet und dabei auch um eine endliche Heimkehr und weitere Bewahrung gebetet. Dies ist mir auch bald hernach gewähret worden und ich kam mit der Clara wohlbehalten nach Schrobenhausen zurück. Allda war vieles anders geworden und fand ich außer meinem Sohne, dem Franzel, nicht mehr viel beim Leben. Wie es meinem Ehewirt ergangen, ist oben schon kurz vermeldet. Die Spätin war auch mit dreien Kindern in der Pestzeit[82] aus dieser Zeit ausgeschieden und ruhet sie, die Kind, ihr Ehewirt und der meine auf dem dasigen Gottsacker, woselbst ich ihnen allen mit meiner noch lebenden Freundschaft, als ich wieder heimgekehrt, ein schönes Epitaph habe setzen lassen. Daran ist oben ein Gemälde, welches der Meister Hillermaier gar schommerbarlich gefertiget, mit dem jüngsten Gericht und dem Erzengel Michael, der die arme gebundene Seele befreiet und aus dem Fegefeuer, durch eine Schranken zur ewigen Seeligkeit einführet. Darunter kommen die Namen und sodann:

Leg hin den Laib die schwere Last

Darein die Seel ist wie ein Gast

Sie muß doch aus dem alten Haus

Ziehn, da wirdt nichts anders aus.

Dann wollen wir alle zugleich

Einwohner seyn im Himmelreich

Und sehen auf den Gnadenthron,

Mariam mit ihrem hohen Sohn

Und aller seeligen Heiligenschaar,

Die singt im Himmel immerdar.

Alleluja ! Amen.

Der Franzel war nun ein Mann geworden und allda der Bräu an Vaters Statt und ist jetzt dabei sich eine Ehewirtin zu nehmen. Derhalben werde ich wieder von hier ziehen zu meiner Tochter der Clara, die zwei Häuser weiter wohnt und einen Rieger geheiratet hat. Es ist einmal nicht gut, wenn ein jung Weib wirtschaften soll, wenn die alte Frau im Hause bleibt, und ich bin nach meinen langen Kriegsdiensten gesonnen, mein Alter im Frieden hin zu bringen“. Gott schenke mir darnach die ewige Ruhe in Ewigkeit. Amen“.

Sie kam zu ihrer Tochter Clara und starb in hohem Alter an einer Blutung.[83]

[1] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[2] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[3] Musketier [schwed. musketerare, musketör]: Fußsoldat, der die Muskete führte. Die Muskete war die klassische Feuerwaffe der Infanterie. Sie war ein Gewehr mit Luntenschloss, bei dem das Zündkraut auf der Pulverpfanne durch den Abzugsbügel und den Abzugshahn mit der eingesetzten Lunte entzündet wurde. Die Muskete hatte eine Schussweite bis zu 250 m. Wegen ihres Gewichts (7-10 kg) stützte man die Muskete auf Gabeln und legte sie mit dem Kolben an die Schulter. Nach einem Schuss wichen die Musketiere in den Haufen der Pikeniere zurück, um nachladen zu können. Nach 1630 wurden die Waffen leichter (ca. 5 kg) und die Musketiere zu einer höheren Feuergeschwindigkeit gedrillt; die Schussfolge betrug dann 1 bis 2 Schuss pro Minute (vgl. BUßMANN; SCHILLING, 1648, Bd .1, S. 89). Die zielfähige Schussweite betrug ca. 300 Meter, auf 100 Meter soll die Kugel die damals übliche Panzerung durchschlagen haben. Die Treffsicherheit soll bei 75 Metern Entfernung noch 50 % betragen haben. Die Aufhaltewirkung war im Nahbereich sehr hoch, die Getroffenen sollen sich förmlich überschlagen haben. Je nach Entfernung sollen jedoch im Normalfall nur 5-7% aller abgegebenen Schüsse eine Wirkung im Ziel gehabt haben. Vgl. WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß. Zudem rissen sie auf etwa 10 Meter Entfernung etwa dreimal so große Wundhöhlen wie moderne Infanteriegeschosse. Ausführlich beschrieben wird deren Handhabung bei ENGERISSER, Von Kronach nach Nördlingen, S. 544ff. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Die Muskete löste das Handrohr ab. Die ab 1630 im thüringischen Suhl gefertigte schwedische Muskete war etwa 140 cm lang bei einer Lauflänge von 102 cm und wog etwa 4,5 – 4,7 kg bei einem Kaliber von zumeist 19,7 mm. Sie konnte bereits ohne Stützgabel geschossen werden, wenngleich man diese noch länger zum Lade- und Zielvorgang benutzte. Die Zerstörung Suhls durch Isolanos Kroaten am 16./26.10.1634 geschah wohl auch in der Absicht, die Produktionsstätten und Lieferbetriebe dem Bedarf der schwedischen Armee endgültig zu entziehen. BRNARDÍC, Imperial Armies I. Für den Nahkampf trug er ein Seitengewehr – Kurzsäbel oder Degen – und schlug mit dem Kolben seiner Muskete zu. In aller Regel kämpfte er jedoch als Schütze aus der Ferne. Deshalb trug er keine Panzerung, schon ein leichter Helm war selten. Eine einfache Muskete kostete etwa 3 ¼ Gulden, die qualitativ besseren Suhler Waffen das Doppelte, so dass seine Ausrüstung nicht so kostenintensiv war. Im Notfall wurden die Musketiere auch als Dragoner verwendet, die aber zum Kampf absaßen. MAHR, Monro, S. 15: „Der Musketier schoß mit der Luntenschloßmuskete, die wegen ihres Gewichtes [etwa 5 kg] auf eine Gewehrgabel gelegt werden mußte. Die Waffe wurde im Stehen geladen, indem man den Inhalt der am Bandelier hängenden hölzernen Pulverkapseln, der sog. Apostel, in den Lauf schüttete und dann das Geschoß mit dem Ladestock hineinstieß. Verschossen wurden Bleikugeln, sog. Rollkugeln, die einen geringeren Durchmesser als das Kaliber des Laufes hatten, damit man sie auch bei Verschmutzung des Laufes durch die Rückstände der Pulvergase noch einführen und mit Stoff oder Papier verdämmen konnte. Da die Treffgenauigkeit dieser Musketen mit glattem Lauf auf die übliche Kampfentfernung von maximal 150 Metern unter 20 Prozent lag, wurde Salvenschießen bevorzugt. Die Verbände waren dabei in sog. Treffen aufgestellt. Dies waren Linien zu drei Gliedern, wobei das zweite Treffen etwa 50 Schritt, das dritte 100 Schritt hinter der Bataille, d. h. der Schlachtlinie des ersten Treffens, zu stehen kamen, so daß sie diese bei Bedarf rasch verstärken konnten. Gefeuert wurde gliedweise mit zeitlichem Abstand, damit für die einzelnen Glieder Zeit zum Laden bestand. Ein gut geübter Musketier konnte in drei Minuten zwei Schuß abgeben. Die Bleigeschosse bis zu 2 cm Kaliber verformten sich beim Aufprall auf den Körper leicht, und es entstanden schwere Fleischwunden. In den Kämpfen leisteten Feldscher erste Hilfe; doch insgesamt blieb die medizinische Versorgung der Verwundeten mangelhaft. Selbst Streifschüsse führten oft aufgrund der Infektion mit Tetanus zum Tode, erst recht dann schwere Verletzungen“. Bei Bedarf wurden selbst Kinder schon als Musketiere eingesetzt (1632); so der Benediktiner-Abt Gaisser; STEMMLER, Tagebuch Bd. 1, S. 181f.; WALLHAUSEN, Kriegskunst zu Fuß; BRNARDÍC, Imperial Armies I, S. 33ff.; Vgl. KEITH, Pike and Shot Tactics;  EICKHOFF; SCHOPPER, 1636, S. 59ff.

[4] SCHLOTTER, Acta, S. 194.

[5] Bad Windsheim [LK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim]; HHSD VII, S. 63f.

[6] General: Zumeist als Oberbegriff für alle Generalsränge verwendet, wenn eine genauere Zuordnung des Rangs dem Zeitzeugen nicht möglich war oder um in den schriftlichen Zeugnissen Papier zu sparen. Darunter fielen in der Rangfolge „Generalissimus“, „Generalleutnant“, „Feldmarschall“, „Generalfeldzeugmeister“, „General(feld)wachtmeister“ („Generalmajor“ bei den Schweden). Etwa 20 % der bayerischen Generäle hatten sich „von der Pike auf“ hoch dienen müssen, während die Beförderung in der schwedischen Armee je nach Verdienst wesentlich schneller erfolgte. Sowohl in der kaiserlichen als auch in der kurbayerischen Armee spielten Herkunft, Gönner und verwandtschaftliche Beziehungen („Freundschaft“) eine entscheidende Rolle bei der Karriere. Bereits Anfang 1628 hatte Maximilian I. festgestellt: „An der fromen khaisers gueten intention ist zwar nit zu zweiflen; aber er ist seiner ministrorum bevorab denen, die daß kriegswesen dirigirn und füehren, so wenig mechtig alß dieselbige ihrer soldatesca; die experienz hat bißher gewisen, daß die generales des khaisers und die soldaten der generalen ordinanzen nur so weit in acht nemmen, alß es ihnen gelegen und gefellig. Daher alle ietzige confusiones.“ Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 218, fol. 63: Memorial für Richels Sendung nach Kurmainz, Januar/Februar 1628.

[7] Johann ‘t Serclaes Graf v. Tilly [Feb. 1559 Schloss Tilly, Gemeinde Villers-la-Ville/Villers; Herzogtum Brabant-30.4.1632 Ingolstadt], ligistischer Feldmarschall. Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[8] Eroberung Magdeburgs: Magdeburg, eines der wichtigsten Symbole protestantischer Freiheit in Deutschland, wurde am 20.5.1631 nach mehr als halbjähriger Belagerung durch die kaiserlich-ligistischen Truppen unter den FeldmarschällenTilly und Pappenheim erobert, geplündert und zerstört. Das Ereignis trug maßgeblich dazu bei, dass Magdeburg publizistisch zum „heroischen Erinnerungsort des protestantischen Deutschland“ aufgebaut wurde (MEDICK, Ereignis, S. 378). Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2397, fol. 621-621′: Auisen aus Salze, 1631 V 20; Beilage zu fol. 617ff. (Ausfertigung): Adam Ernst von Hagstorf an Maximilian I., Donauwörth, 1631 V 31: „Es ist solches Elend, grösser als Sodom und Gomorrha anzusechen gewest, die leüth haben in der grossen gluet oben zue den thurmen heraus gesechen, ist aber khein hilf gewest“. So schrieb der bayerische Kriegskommissar Adam Ernst von Hagstorf nach dem ligistischen finalen Sturmlauf auf Magdeburg und der Vernichtung der Stadt 1631. Der gewöhnlich gut unterrichtete Kriegskommissar bestätigte in seinem Bericht an Maximilian I., (Bayerisches Hauptstaatsarchiv Kurbayern München Äußeres Archiv 2397, fol. 620-620′ (A): Adam Ernst von Hagstorf an Maximilian I., Donauwörth, 1631 V 31), dass, als „die burger am widerstandt verzweiflethen, sie selber Feuer gelegt hätten“. Im Bericht des Wolf von Mansfeld für Kaiser Ferdinand II. hieß es; Österreichisches Staatsarchiv Wien Reichskanzlei Kriegsakten 92/I, fol. 319-319′ (Ausfertigung): Wolf von Mansfeld an Ferdinand II., Magdeburg, 1631 V 21: „vnd obwohl dises fewr anfenglich villeicht were zu dempffen gewesen, hat man doch kein volckh bey bringen können, dan die soldaten sich aufs plindern begeben“. Gronsfelds Obsession gegen den Konvertiten Pappenheim und Vorgesetzten veranlasste ihn, ihm in seinen Erläuterungen zu WASSENBERGS „Florus“ von 1647, S. 203, die Schuld an der Vernichtung Magdeburgs durch bewusste Brandlegung zu geben: „Daß die Bürger die Stadt angezündet / ist der Warheit nicht gemäß / sondern es hat der Pappenheimb seliger mir selbsten bekant / daß er es selbst gethan hätte / vnd solches auß Versehen / daß der Feind ein Hauß recht an dem Ort eingenommen / wo er Pappenheim vber den Wall kommen / in die Stadt / dannenhero er ein Hauß hart darbey anzünden lassen / damit der Feind das andere verlassen müste / vnnd den eintringenden nicht so viel Schaden zufügen künte“. Khunig, Maximilians I. Agent in Prag, hatte von 20.000 Toten in den Kellern und Gewölben Magdeburgs berichtet, die „nit anders als gebratnes fleisch ausgesechen“ hätten. Bei der Siegesfeier habe Tilly den Soldaten „etlich tonnen pier“ ausgeschenkt. Nicolaus Franziskus Khunig, bayerischer Agent in Prag, an Maximilian I. von Bayern, Prag, 1631 VI 07; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Dreißigjähriger Krieg Akten 260, fol. 30-31 (Ausfertigung).

[9] schwedische Armee: Trotz des Anteils an ausländischen Söldnern (ca. 85 %; nach GEYSO, Beiträge II, S. 150, Anm., soll Banérs Armee 1625 bereits aus über 90 % Nichtschweden bestanden haben) als „schwedisch-finnische Armee“ bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen der „Royal-Armee“, die v. Gustav II. Adolf selbst geführt wurde, u. den v. den Feldmarschällen seiner Konföderierten geführten „bastanten“ Armeen erscheint angesichts der Operationen der letzteren überflüssig. Nach LUNDKVIST, Kriegsfinanzierung, S. 384, betrug der Mannschaftsbestand (nach altem Stil) im Juni 1630 38.100, Sept. 1631 22.900, Dez. 1631 83.200, Febr./März 1632 108.500, Nov. 1632 149.200 Mann; das war die größte paneuropäische Armee vor Napoleon. 9/10 der Armee Banérs stellten deutsche Söldner; GONZENBACH, Der General Hans Ludwig von Erlach von Castelen II, S. 130. Schwedischstämmige stellten in dieser Armee einen nur geringen Anteil der Obristen. So waren z. B. unter den 67 Generälen und Obristen der im Juni 1637 bei Torgau liegenden Regimenter nur 12 Schweden; die anderen waren Deutsche, Finnen, Livländern, Böhmen, Schotten, Iren, Niederländern und Wallonen; GENTZSCH, Der Dreißigjährige Krieg, S. 208. Vgl. die Unterredung eines Pastors mit einem einquartierten „schwedischen“ Kapitän, Mügeln (1642); FIEDLER, Müglische Ehren- und Gedachtnis-Seule, S. 208f.: „In dem nun bald dieses bald jenes geredet wird / spricht der Capitain zu mir: Herr Pastor, wie gefället euch der Schwedische Krieg ? Ich antwortet: Der Krieg möge Schwedisch / Türkisch oder Tartarisch seyn / so köndte er mir nicht sonderlich gefallen / ich für meine Person betete und hette zu beten / Gott gieb Fried in deinem Lande. Sind aber die Schweden nicht rechte Soldaten / sagte der Capitain / treten sie den Keyser und das ganze Römische Reich nicht recht auff die Füsse ? Habt ihr sie nicht anietzo im Lande ? Für Leipzig liegen sie / das werden sie bald einbekommen / wer wird hernach Herr im Lande seyn als die Schweden ? Ich fragte darauff den Capitain / ob er ein Schwede / oder aus welchem Lande er were ? Ich bin ein Märcker / sagte der Capitain. Ich fragte den andern Reuter / der war bey Dreßden her / der dritte bey Erffurt zu Hause / etc. und war keiner unter ihnen / der Schweden die Zeit ihres Lebens mit einem Auge gesehen hette. So haben die Schweden gut kriegen / sagte ich / wenn ihr Deutschen hierzu die Köpffe und die Fäuste her leihet / und lasset sie den Namen und die Herrschafft haben. Sie sahen einander an und schwiegen stille“. Vgl. auch das Streitgespräch zwischen einem kaiserlich und einem schwedisch Gesinnten „Colloquium Politicum“ (1632).

Zur Fehleinschätzung der schwedischen Armee (1642): FEIL, Die Schweden in Oesterreich, S. 355, zitiert [siehe VD17 12:191579K] den Jesuiten Anton Zeiler (1642): „Copey Antwort-Schreibens / So von Herrn Pater Antoni Zeylern Jesuiten zur Newstadt in under Oesterreich / an einen Land-Herrn auß Mähren / welcher deß Schwedischen Einfalls wegen / nach Wien entwichen / den 28 Junii An. 1642. ergangen : Darauß zu sehen: I. Wessen man sich bey diesem harten und langwürigen Krieg in Teutschland / vornemlich zutrösten habe / Insonderheit aber / und für das II. Was die rechte und gründliche Ursach seye / warumb man bißher zu keinem Frieden mehr gelangen können“. a. a. O.: „Es heisst: die Schweden bestünden bloss aus 5 bis 6000 zerrissenen Bettelbuben; denen sich 12 bis 15000 deutsche Rebellen beigesellt. Da sie aus Schweden selbst jährlich höchstens 2 bis 3000 Mann ‚mit Marter und Zwang’ erhalten, so gleiche diese Hilfe einem geharnischten Manne, der auf einem Krebs reitet. Im Ganzen sei es ein zusammengerafftes, loses Gesindel, ein ‚disreputirliches kahles Volk’, welches bei gutem Erfolge Gott lobe, beim schlimmen aber um sein Erbarmen flehe“. Im Mai 1645 beklagte Torstensson, dass er kaum noch 500 eigentliche Schweden bei sich habe, die er trotz Aufforderung nicht zurückschicken könne; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 160.

[10] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff. Vgl. STIEVERMANN, Erfurt, S. 35ff.

[11] Duell: Zweikampf zu Fuß oder zu Pferd, mit Degen und Pistole, dem Militär zumeist verboten, aber wenig beachtet und fast schon an der Tagesordnung, eine „Frage der Ehre“. In der dänischen Armee waren Duelle bei Billigung des Obristen mit dem Seitengewehr, allerdings nur in einem Gang, erlaubt. Wurde einer getötet, so wurde der Andere mit dem Tode bestraft; MEYNERT, Geschichte, Erstes Hauptstück, S. 10; WATTS, Swedish Discipline, 2. Teil, S. 48 (§ 35-38, 87). Duelle fanden nicht nur auf der Offiziersebene statt. SCHMIDT, Der protestantische Aischgrund, S. 7 (nach SCHHNIZZER, Chronica): „Auf der Kaubenheimer Kirchweih (17. August) haben sich zwei Reiter miteinander zu Roß duelliert. Der Provocant ist von dem anderen mit zwei Kugeln auf einen Schuß durchschossen worden, so dass er tot zur Erde sank“.Vgl. FREVERT, Ehrenmänner.

[12] Dukaten: 1 Dukaten = 4 Gulden (Wernigerode);1 Golddukat = 2 Taler = 48 Groschen.

[13] PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 100

[14] Zit. bei BAUMANN, Landsknechte, S. 77

[15] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[16] Schrobenhausen [LK Neuburg-Schrobenhausen]; HHSD VII, S. 680f.

[17] Obrist [schwed. Överste]: I. Regimentskommandeur oder Regimentschef mit legislativer und exekutiver Gewalt, „Bandenführer unter besonderem Rechtstitel“ (ROECK, Als wollt die Welt, S. 265), der für Bewaffnung und Bezahlung seiner Soldaten und deren Disziplin sorgte, mit oberster Rechtsprechung und Befehlsgewalt über Leben und Tod. Dieses Vertragsverhältnis mit dem obersten Kriegsherrn wurde nach dem Krieg durch die Verstaatlichung der Armee in ein Dienstverhältnis umgewandelt. Voraussetzungen für die Beförderung waren (zumindest in der kurbayerischen Armee) richtige Religionszugehörigkeit (oder die Konversion), Kompetenz (Anciennität und Leistung), finanzielle Mittel (die Aufstellung eines Fußregiments verschlang 1631 in der Anlaufphase ca. 135.000 fl.) und Herkunft bzw. verwandtschaftliche Beziehungen (Protektion). Zum Teil wurden Kriegskommissare wie Johann Christoph Freiherr v. Ruepp zu Bachhausen zu Obristen befördert, ohne vorher im Heer gedient zu haben; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kurbayern Äußeres Archiv 2398, fol. 577 (Ausfertigung): Ruepp an Maximilian I., Gunzenhausen, 1631 XI 25. Der Obrist ernannte die Offiziere. Als Chef eines Regiments übte er nicht nur das Straf- und Begnadigungsrecht über seine Regimentsangehörigen aus, sondern er war auch Inhaber einer besonderen Leibkompanie, die ein Kapitänleutnant als sein Stellvertreter führte. Ein Obrist erhielt in der Regel einen Monatssold von 500-800 fl. je nach Truppengattung, 500 fl. zu Fuß, 600 fl. zu Roß [nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630)] in der kurbrandenburgischen Armee 1.000 fl. „Leibesbesoldung“ nebst 400 fl. Tafelgeld und 400 fl. für Aufwärter. Daneben bezog er Einkünfte aus der Vergabe von Offiziersstellen. Weitere Einnahmen kamen aus der Ausstellung von Heiratsbewilligungen, aus Ranzionsgeldern – 1/10 davon dürfte er als Kommandeur erhalten haben – , Verpflegungsgeldern, Kontributionen, Ausstellung von Salvagardia-Briefen – die er auch in gedruckter Form gegen entsprechende Gebühr ausstellen ließ – und auch aus den Summen, die dem jeweiligen Regiment für Instandhaltung und Beschaffung von Waffen, Bekleidung und Werbegeldern ausgezahlt wurden. Da der Sold teilweise über die Kommandeure ausbezahlt werden sollten, behielten diese einen Teil für sich selbst oder führten „Blinde“ oder Stellen auf, die aber nicht besetzt waren. Auch ersetzten sie zum Teil den gelieferten Sold durch eine schlechtere Münze. Zudem wurde der Sold unter dem Vorwand, Ausrüstung beschaffen zu müssen, gekürzt oder die Kontribution unterschlagen. Vgl. BELLINCKHAUSEN; TEGEDER; KREIENBRINK, der osnabrugischen handlung, S. 277: „Wir burger mußen alle wochen unse contribution zahlen, die obristen nehmmens geldt zu sich, und die gemeinen soldaten mußen hunger leyden“. Der Austausch altgedienter Soldaten durch neugeworbene diente dazu, ausstehende Soldansprüche in die eigene Tasche zu stecken. Zu diesen „Einkünften“ kamen noch die üblichen „Verehrungen“, die mit dem Rang stiegen und nicht anderes als eine Form von Erpressung darstellten, und die Zuwendungen für abgeführte oder nicht eingelegte Regimenter („Handsalben“) und nicht in Anspruch genommene Musterplätze; abzüglich allerdings der monatlichen „schwarzen“ Abgabe, die jeder Regimentskommandeur unter der Hand an den Generalleutnant oder Feldmarschall abzuführen hatte; Praktiken, die die obersten Kriegsherrn durchschauten. Zudem erbte er den Nachlass eines ohne Erben und Testament verstorbenen Offiziers. Häufig stellte der Obrist das Regiment in Klientelbeziehung zu seinem Oberkommandierenden auf, der seinerseits für diese Aufstellung vom Kriegsherrn das Patent erhalten hatte. Der Obrist war der militärische ‚Unternehmer‘, die eigentlich militärischen Dienste wurden vom Major geführt. Das einträgliche Amt – auch wenn er manchmal „Gläubiger“-Obrist seines Kriegsherrn wurde – führte dazu, dass begüterte Obristen mehrere Regimenter zu errichten versuchten (so verfügte Werth zeitweise sogar über 3 Regimenter), was Maximilian I. von Bayern nur selten zuließ oder die Investition eigener Geldmittel von seiner Genehmigung abhängig machte. Im April 1634 erging die kaiserliche Verfügung, dass kein Obrist mehr als ein Regiment innehaben dürfe; ALLMAYER-BECK; LESSING, Kaiserliche Kriegsvölker, S. 72. Die Möglichkeiten des Obristenamts führten des Öfteren zu Misshelligkeiten und offenkundigen Spannungen zwischen den Obristen, ihren karrierewilligen Obristleutnanten (die z. T. für minderjährige Regimentsinhaber das Kommando führten; KELLER, Drangsale, S. 388) und den intertenierten Obristen, die auf Zeit in Wartegeld gehalten wurden und auf ein neues Kommando warteten. Zumindest im schwedischen Armeekorps war die Nobilitierung mit dem Aufstieg zum Obristen sicher. Zur finanziell bedrängten Situation mancher Obristen vgl. dagegen OMPTEDA, Die von Kronberg, S. 555. Da der Obrist auch militärischer Unternehmer war, war ein Wechsel in die besser bezahlten Dienste des Kaisers oder des Gegners relativ häufig. Der Regimentsinhaber besaß meist noch eine eigene Kompanie, so dass er Obrist und Hauptmann war. Auf der Hauptmannsstelle ließ er sich durch einen anderen Offizier vertreten. Ein Teil des Hauptmannssoldes floss in seine eigenen Taschen. Dazu beanspruchte er auch die Verpflegung. Ertragreich waren auch Spekulationen mit Grundbesitz oder der Handel mit (gestohlenem) Wein (vgl. BENTELE, Protokolle, S. 195), Holz, Fleisch oder Getreide. Zum Teil führte er auch seine Familie mit sich, so dass bei Einquartierungen wie etwa in Schweinfurt schon einmal drei Häuser „durch- und zusammen gebrochen“ wurden, um Raum zu schaffen; MÜHLICH; HAHN, Chronik Bd. 3, S. 504. II. Manchmal meint die Bezeichnung „Obrist“ in den Zeugnissen nicht den faktischen militärischen Rang, sondern wird als Synonym für „Befehlshaber“ verwandt. Vgl. KAPSER, Heeresorganisation, S. 101ff.; REDLICH, German military enterpriser; DAMBOER, Krise; WINKELBAUER, Österreichische Geschichte Bd. 1, S. 413ff.

[18] Carl Gustav Wrangel, Graf zu Salmis u. Sölvesberg [13.12.1613 Schloss Skokloster-25.6.1676 Schloss Spyker auf Rügen], schwedischer Feldmarschall. Vgl. auch die Erwähnungen bei BACKHAUS, Brev 1-2.

[19] Das Franziskaner-Kloster Meiningen – kein Nonnenkloster ! – diente wohl zu dieser Zeit als Hospital. => Anm. 50.

[20] Rekrut: neugeworbener Soldat. Valentin v. Winter, Kommandant von Olmütz, 20.11.1646 an Carl Gustav Wrangel; DUDÍK, Schweden in Böhmen und Mähren, S. 236. „Er klagt, dass das ihm vnterstehende brave Regiment viel an Mannschaft verloren habe ‚hiesigen orthes aber bey so schlecht einkommenden Mitteln ihm wenige hülffe geschehen kann, viel recruten auch anhero zu spediren von nöthig achte, sintemalen an diesem vngesunden orthe, wie auch sonsten dieser landen geworbene, nicht thauern, noch Füss halten, sondern da sie schon gantz versperret gehalten werden, dennoch alle mittel, wiederumb zu entgehen suchen“. Zur Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern (auch „Neugeschriebene“ genannt) anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[21] Pest: Eine während des gesamten Krieges immer wieder auftretende Seuche war die Pest (die „zur frühen Neuzeit wie das Amen in der Kirche“ gehörte, ULBRICHT, Seuche, S. 10) als demographische Katastrophe für einzelne Landstriche, von HAPPE [mdsz.thulb.uni-jena.de: I 87r] und seinen Zeitgenossen neben Krieg und Hunger zu den drei Hauptstrafen Gottes gerechnet; vgl. dazu auch LANG, Pestilentz, S. 133 f. Truppenbewegungen, Zerstörungen, Hungerkrisen bzw. chronische Unterernährung, mangelnde Hygiene etc. trugen zur Verbreitung der Pest bei, die in vier Formen auftrat: 1. die abortive Pest als „leichte“ Variante: Symptome waren leichtes Fieber sowie Anschwellen der Lymphdrüsen. War die Infektion überstanden, wurden Antikörper gebildet, die eine etwa 10 Jahre anhaltende Immunisierung gegen die drei anderen Formen bildete. MARX mdsz.thulb.uni-jena.de] starb 10 Jahre nach der Pest von 1625 an der Pest von 1635. 2. die Beulenpest (Bubonenpest nach griech. bubo = Beule), die nach ca. 9 Tagen zum Tod führen konnte, wenn der Erreger ins Blut eintrat, die Letalität konnte zwischen 60-80 % liegen). Die Ansteckungszeit lag zwischen wenigen Stunden und etwa einer Woche, Symptome waren Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Benommenheit, Schlaflosigkeit, später treten Bewusstseinsstörungen und Ohnmachtsanfälle auf. Im Bereich des Flohbisses bildeten sich stark anschwellende und äußerst schmerzhafte Beulen am Hals, an den Leisten und Achselhöhlen. Diese Beulen erreichten eine Größe von ca. 10 cm und waren durch die die Blutungen in den Lymphknoten dunkelblau bis schwarz eingefärbt. Sie fielen nach Vereiterung in sich zusammen. Die Beulenpest an sich war nicht tödlich, da die Beulen von selbst abheilen konnten. Das Aufschneiden der Beulen war insofern gefährlich, da die Bakterien über das Blut in andere Organe gelangen konnten. Bei den unbehandelten Patienten kam es wohl bei 30-50 %r zur gefährlichen Lungenpest. Die Beulenpest verbreitete sich im Winter kältebedingt langsamer als im Sommer und erreichte ihren Höhepunkt im Herbst. 3. die Pestsepsis (Pestseptikämie), wenn die Bakterien in die Blutbahn eintraten, entweder über offene Wunden oder beim Platzen der Pestbeulen nach innen. Symptome waren hier hohes Fieber, Kopfschmerzen, Anfälle von Schüttelfrost, danach kam es zu größeren Haut- und Organblutungen. Der Tod trat bei Nichtbehandelten wohl spätestens nach 36 Stunden auf. 4. die Lungenpest, bei der die Erreger durch die Pestsepsis in die Lunge kamen oder von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bei der der Tod angeblich in 24 Stunden, zumeist aber unbehandelt in 2 bis 5 Tagen eintrat und die eine Letalität von 95 % hatte. Angeblich konnte man sich in nur 1 bis 2 Tagen anstecken. Symptome waren eine starke Atemnot, Husten, blaue Lippen und blutiger Auswurf. Das führt zu einem Lungenödem, verbunden mit dem Zusammenbruch des Kreislaufs. MARX’ Angaben [mdsz.thulb.uni-jena.de] lassen vermuten, dass es sich bei der Pest von 1625 um die Beulenpest gehandelt haben muss. Geschlecht, sozialer Status und Ernährung waren Determinanten, die über Ansteckung und Abwehrkräfte entschieden. Der Pestbazillus wurde durch Rattenflöhe, Wanzen, Läuse und andere Parasiten übertragen. Das Bakterium blieb z. B. in Flohkot, Staub, Kleidung, Pelzen, Wasser und Erde wochenlang virulent. Zumindest scheint man in Erfurt 1625 recht sorglos mit der Ansteckungsgefahr umgegangen zu sein, wie HEUBEL, S. 42 [mdsz.thulb.uni-jena.de] festhält. Möglicherweise hatte der Rat jedoch durch eine strenge Quarantäne von vierzig Tagen Versorgungsengpässe befürchtet und wollte die Handelsbeziehungen nicht gefährden. Aus Schweinfurt wird 1628 berichtet; HAHN, Chronik 2. Theil, S. 377 (Datierung nach dem a. St.): „Der Rath ließ am 27. December bekannt machen: Daß diejenigen, welche mit der jetzt grassirenden Pest entweder persönlich angesteckt, oder nur aus angesteckten Häusern und Orten wären; sich der gemeinen Badstuben und anderer gemeinen Versammlungen äussern und enthalten sollten“. „Auf die seltsamste Weise versuchte man sich übrigens damals vor Ansteckung zu schützen: So legte man frisches, warmes Brot auf die Toten und im Sterbezimmer wurden Zwiebeln aufgehängt, da man glaubte, beides ziehe das Pestgift aus der Luft“ [http://www.schweinfurtfuehrer.de/geschichte/1600-1700]. Die Kurfürsten äußerten im Oktober 1630 ihre Befürchtungen, die aus Italien zurückkehrenden Soldaten würden Pest und Syphilis mitbringen; TOEGEL, Der Schwedische Krieg, Nr. 33, S. 32. Allerdings scheint die in der Forschung vertretene Meinung, dass gerade die unteren Schichten die Angst vor der Pest beiseite geschoben hätten (ULBRICHT, Seuche, S. 44), so nicht stimmig. Mehr als 50 Pestheilige, angeführt von den Heiligen Sebastian und Rochus, wurden angerufen. Gebet, Frömmigkeit, Sittenreinheit und Liebe zu Gott galten aus theologischer Sicht als wirksamer Schutz vor der Pest. Man glaubte sich durch die Umwicklung mit Stroh auch der Leichen vor der Ansteckung mit der Pest schützen zu können. HAHN, Chronik 2. Teil, S. 375 (Schweinfurt 1627): „Von dem Rathe dahier wurde am 4. December beschlossen, dass alle an der Pest Gestorbene bey Nacht und ohne Procession begraben werden sollten“. Pestzeiten boten einen durchaus lukrativen Erwerb für die verachteten Totengräber, der von „ehrlichen“ Berufsgruppen ausgeübt wurde, da z. T. pro Begräbnis bis zu 20 Rt. (BRAUN, Marktredwitz, S. 52f.) verlangt wurde, aber auch von Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsschicht. RUTHMANN, „Was damals fruchtbar und gebauet“, S. 78f. II. Zum Teil wurden ansteckende Krankheiten seit dem Mittelalter als „peste“ (z. B. die „Ungarische Krankheit“) bezeichnet.

[22] bier-lexikon.lauftext.de/bier-brauen.htm.

[23] Ingolstadt; HHSD VII, S. 326ff.

[24] Präzeptor: Hauslehrer, Erzieher.

[25] Fußnote: „Dieser Albers soll Schrobenhausen durch seine Wohlredenheit von der schwedischen Kontribution bey dem König er-betten haben (Oefeliana)“.

[26] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[27] Bad Tölz [LK Bad Tölz-Wolfratshausen]; HHSD VII, S. 61f.

[28] Savoyen (französisch Savoie, italienisch Savoia, frankoprovenzalisch Savouè): Landschaft, die sich heute im Wesentlichen auf die französischen Départements Haute-Savoie und Savoie verteilt.

[29] Augsburg; HHSD VII, S. 44ff.

[30] Feldlager: Einfache Soldaten bauten je nach Jahreszeit ihre Zelte aus Brettern, Türen, Dielen, Getreidegarben, Stroh und Laub, stabilisiert mit Spießen und mit Tüchern verhängt, während Offiziere fertige wetterfeste Zelte, die zum Teil gefüttert waren, mit sich führten. LANGER, Hortus, Abb. 62, EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS (Hg.), 1636, S. 96f. Zum Feldlager mit Holzhäusern für Offiere und den Hütten und Zelten für die Gemeinen vgl. WAGNER, Tracht, S. 230. Der Salemer Mönch Bürster hat die Beschreibung eines französischen Lagers hinterlassen: „Ein groß Wunder war zu sehen, wie es von Rückenbach bis Mimmenhausen hinunder nit ist zu schreiben noch zu malen, wie die Berg aussehen. Schier ein Hütten an der andern, von weitem sehe es wie eine große Stadt so abgebränt. Ueber die Aach waren hin und wieder Steg und Brücken, ass sie frei von und zu allen Orten könnten reiten; die Hütten machten sie schön aneinander, in Mitten aber hin und wieder zu reiten große Straßen und Plätz gleich wie in großen Städten; etliche machten’s von Stroh, Gras und Heu, andere aus Mayen, darum sie großen Schaden thaten an den jungen Büchlein, andere mit Hanf und Früchten insonders mit Roggen, denn es eben in der Erndt und in 8 Tagen der Liechtenberg sollte werden geschnitten … andere von Thüren, Tafeln und Brettern, so sie aller Orten, insonders aber im Gotteshaus abgebrochen etc. etc.“ GONZENBACH, Erlach, 2. Bd., S. 287, Anm.; LAHRKANP, Dreißigjähriger Krieg, S. 198. Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. Die Feldlager waren entsprechend dem Tross kaum noch kontrollierbar. Die Beute- und Solidargemeinschaft der Soldatenfamilien bot einen gewissen Schutz, solange man kranke und verwundete Soldaten nicht in den Städten zurückließ und deren Frauen und Kinder fortschickte, die ums Überleben kämpfen mussten. Zudem gab es angesichts der schlechten hygienischen Bedingungen die üblichen Lagerseuchen, so dass wohl 20 % der Soldaten als Kombattanten ausfielen. Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi; EICKHOFF; GROTHE; JUNGKLAUS, 1636, S. 97ff.

[31] Feldprediger, Feldkaplan: Im Codex Iuris Canonici (c. 564–572 CIC) bezeichnet der Begriff Kaplan einen Geistlichen mit einem extraterritorialen Seelsorgebereich für einen Sonderbereich, hier der Armee. Maximilian I. von Bayern hat für seinen Generalvikar Benedikt Rauh am 5.4.1642 eine ausführliche Instruktion erlassen; FRISCH, Rauh, S. 156f.: „Insbesondere sorge der von uns bestellte Generalvicar, dass die Feldcapellane, sowohl bei Infanterie als Reiterei, ein exemplarisches Leben führen. Wenn sie scandalös sich aufführen oder zur Verwaltung der Sacramente weniger tauglich erfunden werden, soll er sie verbessern, strafen, oder nach Fund der Sache vom Heere entfernen. Er soll drei oder vier Verkündiger des Wortes Gottes mit sich zum Heere bringen; sorgen, dass morgens und abends die Gebetsstunden eingehalten werden, zu welchen mit Trompeten etc. ein Zeichen gegeben wird; dan an Sonn- und Feiertagen bei jeder Legion öffentlich Messe gelesen und von den Capellanen Predigten gehalten werden, namentlich dass zur österlichen Zeit die Soldaten ihre Sünden bekennen, und zur heil. Communion gehen, wenn auch ihre Officiere andersgläubig sein sollten. Anstalten soll er treffen, dass kein Soldat, der tödtlich verwundet oder sonst gefährlich darniederliegt, der heil. Wegzehrung beraubt werde. Hauptsächlich soll er darauf sehen, dass die Officiere und Soldaten der Legionen die Concubinen und gemeinen Dirnen von sich entfernen oder zur Ehe nehmen; wenn sie mit guten Worten nicht gehen wollen, soll er sie öffentlich hinauswerfen lassen. Dann soll er dafür sorgen, dass er die schrecklichen Gotteslästerungen und Schwüre sowohl bei Officieren als Soldaten ausrotte, sowie die lasciven Worte. Zu diesem Zwecke soll er durch seine Feldcapellane alle und jeden in Glaubenssachen unterrichten und ihre Kinder im Katechismus belehren lassen. Wenn hierin der Capellan nichts ausrichte, soll er es dem Führer der Legion berichten, wenn dieser nichts zu Stande bringe, soll der Generalvicar es dem Obersten melden und wenn auch dieses nichts fruchte, die Hilfe des Generals in Anspruch nehmen. Nicht weniger bemühe er sich, dass die Feindschaften sowohl unter Hohen als Gemeinen auf jede Art und Weise beigelegt werden. Er selbst soll an Sonn- und Feiertagen vor dem Generalstab predigen. Damit dieses Alles besser vollzogen werde, soll er alle 8 oder wenigstens 14 Tage seine Capellane berufen und einem nach dem andern ausfragen und hören, was für Laster in dieser oder jener Legion grassieren, damit sie in Zukunft geheilt werden können. Endlich soll der General-Vicar so viel als möglich darauf sehen, dass die Kranken und tödtlich Verwundeten zur Reue, Beichte, Communion und wenn es nothwendig zur letzten Oelung disponirt werden; sollten Viele oder Wenige dem Heer nicht folgen können, soll er Geistliche zurücklassen, welche ihnen in ihren letzten Nöthen beistehen“. Eine ähnliche Funktion dürften auch die Feldprediger in den anderen Armeen gehabt haben, die die einzelnen Regimenter begleiteten. In der brandenburgischen Armee erhielt der Feldprediger 1620 gerade einmal 20 fl., also 2 fl. mehr als ein Feldscher oder Trommelschläger, nach der „Ordnung Wie es mit der verpflegung der Soldaten“ (1630) 24 fl., ein Prädikant 25 fl. Vgl. dazu auch BRENDLE; SCHINDLING, Geistlichkeit.

[32] Am 20.4.1632 wurde Augsburg durch Gustav II. Adolf eingenommen; JUNCKELMANN, Gustav Adolf, S. 415ff., ROECK, Augsburg, S. 248ff.

[33] Am 15.4.1632 in der Schlacht bei Rain am Lech.

[34] Vgl. ALBRECHT, Maximilian I.

[35] JUNCKELMANN, GA, S. 420ff.

[36] Gemeint sind hier die Verhandlungen Charnacés; ALBRECHT, Maximilian I., S. 800ff.

[37] Am 17.4.1632 war Gustav II. Adolf mit seinem Heer in Schrobenhausen eingezogen und hatte für die Verschonung der Stadt 6.000 fl. Brandschatzung gefordert. Nach dem Abzug hatten die Schweden wöchentliche Kontributionen verlangt. Zu den Kriegsereignissen in u. um Schrobenhausen SCHEPERS, Bäuerliches Wirtschaften, S. 33ff.

[38] Reussieren: Glück, Erfolg haben.

[39] Plünderung: I. Trotz der Gebote in den Kriegsartikeln auch neben der Erstürmung von Festungen und Städten, die nach dem Sturm für eine gewisse Zeit zur Plünderung freigegeben wurden, als das „legitime“ Recht eines Soldaten betrachtet. Vgl. die Rechtfertigung der Plünderungen bei dem ehemaligen hessischen Feldprediger, Professor für Ethik in Gießen und Ulmer Superintendenten Conrad Dieterich, dass „man in einem rechtmässigen Krieg seinem Feind mit rauben vnd plündern Schaden vnd Abbruch / an allen seinen Haab vnd Güttern / liegenden vnd fahrenden / thun könne vnd solle / wie vnd welchere Mittel man jmmermehr nur vermöge. […] Was in Natürlichen / Göttlichen / vnd Weltlichen Rechten zugelassen ist / das kann nicht vnrecht / noch Sünde seyn. Nun ist aber das Rechtmessige Rauben / Beutten vnd Plündern in rechtmessigen Kriegen / in Natürlichen / Göttlichen vnnd Weltlichen Rechten zugelassen“. DIETERICH, D. Konrad Dieterich, S. 6, 19. Vgl. BRAUN, Marktredwitz, S. 37 (1634): „Welcher Teil ehe[r] kam, der plünderte. [Wir] wurden von beiden Teilen für Feind[e] und Rebellen gehalten. Ein Teil plünderte und schalt uns für Rebellen darumb, dass wir lutherisch, der andere Teil, plünderte darumb, dass wir kaiserisch waren. Da wollte nichts helfen – wir sind gut kaiserisch, noch viel weniger beim andern Teil; wir sind gut lutherisch – es war alles vergebens, sondern es ging also: ‚Gebt nur her, was ihr habt, ihr mögt zugehören und glauben wem und was ihr wollt’ “. Dazu kamen noch die vielen Beutezüge durch Marodeure, darunter auch von ihren eigenen Soldaten als solche bezeichnete Offiziere, die durch ihr grausames und ausbeuterisches Verhalten auffielen, die von ihrem Kriegsherrn geschützt wurden. Vgl. BOCKHORST, Westfälische Adlige, S. 16f.; KROENER, Kriegsgurgeln; STEGER, Jetzt ist die Flucht angangen, S. 32f. bzw. die Abbildungen bei LIEBE, Soldat, Abb. 77, 79, 85, 98; das Patent Ludwigs I. von Anhalt-Köthen: „Von Gottes gnaden“ (1635). Vgl. den Befehl Banérs vom 30.5.1639; THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 101f. Vielfach wurden die Plünderungen auch aus Not verübt, da die Versorgung der Soldaten bereits vor 1630 unter das Existenzminimum gesunken war. KROENER, Soldat oder Soldateska, S. 113; DINGES, Soldatenkörper. II. zum Teil aber auch bei Ausschreitungen der Bevölkerung, die sich an den Gütern der Flüchtlinge bereicherte, so z. B. 1629 in Havelberg: „Im Tempel war viel Gut in Kasten und Kisten, wovon die rechtmäßigen Besitzer das Wenigste wiederbekamen. Das meiste wurde den königlichen [Dänen], die während des Brandes darüber hergefallen waren, die Kirche zu plündern, und später den kaiserlichen Soldaten zuteil. Auch einigen Einwohnern und Benachtbarten, die keine Rechte daran hatten. Summa: Ihrer viele wurden arm; etliche mit unrechtem Gut reich“. VELTEN, Kirchliche Aufzeichnungen, S. 76-79, bzw. BRAUN, Marktredwitz, S. 84f., über die auch anderweitig übliche Plünderungsökonomie: „Hingegen ihre Herbergsleute, die sich vor diesem als Tagelöhner bei ihnen erhalten, die haben sich jetzt sehr wohl befunden; denn diese hatten keine Güter, daher gaben sie auch keine Kontribution. Und ein solcher Gesell hat allezeit so viel gestohlen, daß er sich [hat] erhalten können. Wie er ein paar Taler zusammengebracht, hat er gesehen, daß er von den Soldaten eine Kuh [hat] erkaufen können. Oder aber, er hat den Soldaten etwas verraten, do er dann von ihnen eine geschenkt und umsonst bekommen. Do [hat] er dann solche an einen anderen Ort getrieben und soviel daraus erlöst, daß er hernach 3 oder 4 von den Soldaten hat (er)kaufen können. Denn es ward so ein Handel daraus, daß man auch aller christlichen Liebe vergaß; vielweniger fragte man auch mehr nach Ehrbarkeit und Redlichkeit. Wie es dann auch soweit gekommen [ist], daß die Soldaten in einem Dorf das Vieh genommen und hinweg getrieben, und die Bauern als ihre Nach(t)barn in dem nächsten Dorf haben solches Vieh von den Soldaten erkauft und alsbald bei Nacht weiter getrieben und wieder verkauft. Und war schon fast ein allgemeines Gewerbe daraus. Ihrer viel[e] hatten sich auf diesen ehrbaren Handel gelegt, denn wenn ein Soldat eine Kuh gestohlen, wußte er schon seinen gewissen Kaufmann. Und wenn an manchem Ort eine Partei Soldaten mit einer geraubten Herd[e] Vieh ankam, da war bei etlichen gottlosen Menschen ein freudenreiches Zulaufen und Abkaufen, nit anders(t) als wenn zu Amsterdam in Holland eine indianische Flotte anlangte. Ein jeder wollte der nächste sein und die schönste Kuh er(kaufen); ungeachtet der armen Leute, denen das Vieh abgenommen worden, [die] allernächst auf der Seite mit jämmerlichen Gebärden standen und sich wegen der Soldaten nichts (ver)merken lassen durften“. Zum Teil plünderten auch Nachbarn die Hinterlassenschaft ihrer geflüchteten oder abgebrannten Mitbürger; KRAH, Südthüringen, S. 95.: „So berichtete Suhl, daß ‚sich noch etliche volks- und ehrvergessene Leute allhier und anderswo gelüsten lassen, sich an der armen verbrannten Sachen, so nach der Plünderung und Brand in Kellern, Gewölben und sonderlich im Feld und in den Wäldern geflüchtet und übrig geblieben, zu vergreifen und dieblich zu entwenden. Wie dann etliche – auf frischer Tat allzu grob begriffen und darum zu gefänglicher Verhaftung gebracht‘ seien. Auch Benshausen erhielt seine Salvaguardia, um dem täglichen Plündern, nicht nur durch streifende Soldaten zu wehren !

[40] Verwandtschaft.

[41] Bürgermeister u. Ratsherr Christoph Oefele; Sohn des Georg Oefele [ca. 1560-1631], REISCHL, Oefele I, S. 25.

[42] Ehehalten: Knechte und Mägde; Dienstboten.

[43] Nach REISCHL, Oefelei I, 23, und der Inschrift seiner Wappenzier am 19.3.1704 59-jährig verstorben, also 1645 geboren.

[44] Herbst 1646.

[45] ALBRECHT, Maximilian I., S. 1056: „Angesichts der Unfähigkeit Leopold Wilhelms gelang der schwedisch-französischen Armee der Stoß nach Süden, am 12. September wurde die Donau, wenige Tage später der Lech überschritten und mit der Belagerung Augsburgs begonnen. Als die nachrückende Reichsarmee Regensburg erreichte, war ein großer Teil des westlichen Oberbayern bereits von feindlichen Truppen beherrscht. Zwar gelang es Leopold Wilhelm Mitte Oktober, Augsburg zu entsetzen und waren Franzosen und Schweden kurzzeitig gezwungen, sich nach Westen zurückzuziehen. Durch den Abzug der Reichsarmada ins Allgäu vermochten die Schweden jedoch wieder zurückzukehren und das Land bis zur Isar mehrere Wochen lang zu besetzen, einzelne Streifzüge erstreckten sich bis zum Inn. Erst Ende November zogen sich Schweden und Franzosen in die oberschwäbischen Winterquartiere zurück“.

[46] Tross: Der Tross war der gesamte Begleitzug eines Heeres (ohne Anspruch auf Verpflegungsrationen) und bildete sich, neben den Offiziers- und Soldatenfamilien, aus Dienstpersonal, Feldpredigern, Feldchirurgen, Feldschern (vgl. s. v.), „Zigeunern“ als Kundschaftern und Heilkundigen, Köchen und Handwerkern, Händler/innen und Marketender/innen, Invaliden und Entwurzelten, Glaubensflüchtlingen, Soldatenwitwen und Kriegswaisen, Hunger leidenden Zivilisten und Bauern, Gefangenen, behördlicher Strafverfolgung Entflohenen und zum Dienst bei der Artillerie verurteilten Straftätern sowie Gauklern, Wahrsagern und in 4 Klassen eingeteilte Prostituierten („Mätressen“, „Concubinen“, „Metzen“ und „Huren“). Der schwer bewegliche Tross („Geschlaif und Geschlepp“: Bezeichnung aus Württemberg; SIEBER, Oberamt Besigheim, S. 43) und die ambulante Lagergesellschaft waren z. T. doppelt bis viermal so groß wie das Heer, dem er folgte, und war somit zahlenmäßig größer als eine Großstadt wie etwa Köln. Der Aufwand für die eigenen Bedürfnisse Erzherzog Leopold Wilhelms und seinen Hofstaat scheint ziemlich groß gewesen zu sein. HELML, Dreißigjähriger Krieg, S. 230: „Bei dem Durchzug durch Heilbronn am 10. Oktober [1645; BW] hatte das Heer Leopolds so viel Troß bei sich, daß ‚2 Tage lang eine Kutsche ein Wagen, ein Troß auf den anderen folgte, und das Gesindel so zahlreich war, wie man es noch bei keinem Heere gesehen hatte‘ „. PASTORIUS, Kurtze Beschreibung, S. 119 (Bad Windsheim 1635), S. 119: „1635. den 11. Martii zogen die beede Schwäbischen Compagnien unterm Hauptmann Rödeln und Richtern aus der Stadt / solten 421. Mann seyn / aber als man sie unter dem Thore zehlete / warens 1800. Köpffe in allem mit Weib und Kindern“.[46]Während zu Anfang des Krieges der Tross etwa 30 % größer war als die kämpfende Truppe, war er am Kriegsende nach Aussage des bayerischen Feldmarschalls Gronsfeld unkontrollierbar angewachsen. Er erinnerte daran, dass man „in disen beiden armaden sicherlich über 180 000 seelen hat, welche, es sein gleich jungen, fuhrknecht, weiber und künder, doch alle sowoll alß soldaten leben müssen. Nun werden die beeden armaden ungefähr uf 40 000 mann proviantirt, und mehrer nicht, alß ein mensch in 24 stundt nöthig hat. Wie nun die übrige 140 000 menschen leben können, wan sie nicht hin und her ein stuckh brott suchen thun, solches ist über meinen verstandt“. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2961, fol. 29 (Ausfertigung): Gronsfeld an Maximilian I. von Bayern, Thierhaupten, 1648 III 31. In der Werbeinstruktion (1639 VII 04; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Kasten Äußeres Archiv 2624, fol. 4-5) war bestimmt worden, dass „taugliche knecht und nit solche, wie zum theil bei vorigen werbungen geschehen, geworben werden, die mit zu villen kindern beladen und sich allein wegen der quartier underhalten lassen, khonfftig aber wanns zum veldzug khombt, wider dauongehn, also werb: und lifergelt umb sonst angewendt wirdet“. Zum Teil wurden sogar Schiffsbrücken im Tross mitgeführt. Zudem unterlag der gesamte Tross der Militärjustiz, vgl. GROßNER; HALLER, Zu kurzem Bericht, S. 35 (1633): „Haben 4 von dem Troß ins Feuer geworfen, wie man denn nach geschehenem Brand 2 Köpf, etliche Finger und einen halben gebratenen Menschen noch übrig gefunden“.Zur „Lagergesellschaft“ vgl. KROENER, „ … und ist der jammer nit zu beschreiben“, S. 279-296; LANGER, Hortus, S. 96ff.; WAGNER, Ars Belli Gerendi. In Notsituationen wurden Trossangehörige, wenn auch erfolglos, als Kombatanten eingesetzt; BRNARDIC, Imperial Armies 1, S. 19.

[47] Hier sind die aus Polen stammenden Truppen Leopold Wilhelms [vgl. SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm] gemeint.

[48] Hungerpfote: DWB Bd. 10, Sp. 1948: HUNGERPFOTE [Lfg. 10,9], „f.: in der redensart die hungerpfoten saugen, in hunger leben (ADELUNG), nach dem bär, der im winter darbend an seinen tatzen saugt“.

[49] Wahrscheinlich Maihingen [LK Nördlingen, Schw.]. Dort existierte seit 1607 ein Minoritenkloster.

[50] Hellebarde: Hieb- und Stichwaffe des 13. bis 17. Jahrhunderts mit einem aus einem Stück geschmiedeten Kopf, der ein Beil, eine Klinge und einen Haken besaß, die zu den Stangenwaffen des Fußvolks gezählt wird. Die Hellebarde hat eine breite („Beil“, „Barte“), eine kurze Klinge („Haken“) sowie am Ende eine Stoßklinge. Der meist 1½ bis 2 Meter lange hölzerne Schaft („Halm, Helm“) besaß oft einen mehreckigen Querschnitt oder Lederwicklungen, um beim Hieb das Wegdrehen der Waffe in der Hand zu vermeiden. Der Bereich zwischen Klinge und Schaft wurde seitlich mit „Schaftfedern“ aus Metall verstärkt.

[51] Nach dem Abschluss des Waffenstillstands am 14.3. hatte Wrangel, der gegen den Waffenstillstand opponiert hatte, die Belagerung Lindaus abgebrochen, Oberschwaben geräumt, hatte jedoch in einer Reihe von Plätzen Besatzungen zurückgelassen und Ende März/Anfang April im Marsch über Nördlingen und Dinkelsbühl Franken erreicht.

[52] SCHEPERS, Bäuerliches Wirtschaften, S. 35f.: „Am 14. September 1646 erschienen die Schweden vor der Stadt [Schrobenhausen; BW], am nächsten Tag zog ein Regiment des ‚Rittmeisters Manteufel‘ durch Gericht und Stadt, kurz danach kaufte sich Schrobenhausen um 6000 fl von der Plünderung durch die Truppen des Generals Douglas frei. Der lagerte darauf mit seinem Regiment, das 4000 Mann stark sein sollte, vor den Stadttoren, so daß Sigl schrieb: ‚Aber das Land und selbige Gegend ist nit allein von diesen Feindesvölkern auf das äußerste verderbt, sondern erst hernach von den kaiserlichen-, general- und beyerischen Kriegsvölkern verheeret worden; als sie nämlich Augsburg entsetzten und der kaiserliche General Erzherzog Leopold mit seinem ganzen Hofstaat und völligen Armeen, vom 19. bis 28. November 1646 daselbst stillgelegen und alles, was mancher noch im Stadel zu dreschen gehabt, vollends aufgezehrt ist worden. Überdies ist Schrobenhausen erst mit bayerischem Kriegsvolk besetzt geblieben und niemand hat sich wegen der in Rhain gelegenen schwedischen Besatzung sicher vor die Stadt hinaus wagen können. Noch weniger hat jemand auf dem Land wohnen mögen: Es ist also um diese Gegend herum ein großes Elend gewesen‘ „.

[53] Der Pilsener Vertrag vom 7.9. trat mit Unterzeichnung eines zusätzlichen Revers am 23.9. in Kraft; vgl. IMMLER, Kurfürst Maximilian I. Der im Mai zum Feldmarschall ernannte Jost Maximilian Graf von Gronsfeld (1596-1662) erhielt den Befehl, mit 10.000 Mann zur kaiserlichen Hauptarmee in Böhmen zu stoßen. Wrangel wurde am 28.9. über die bayerische Aufkündigung informiert und verließ am 29.9. Böhmen in Richtung Erzgebirge über den Pass von Pressnitz.

[54] Werbung: Der jeweilige Kriegsherr schloss mit einem erfahrenen Söldner (Obrist, Obristleutnant, Hauptmann) einen Vertrag (das sogenannte „Werbepatent“), in dem er ihn eine festgelegte Anzahl von Söldnern (auch „Neugeschriebene“ genannt) anwerben ließ. Dafür wurde ihm ein der von Städten und Territorien wegen der Ausschreitungen gefürchteter => Musterplatz angewiesen. Zudem erhielt der Werbeherr eine vereinbarte Geldsumme, mit der er die Anwerbung und den Sold der Geworbenen bezahlen sollte (=> Werbegeld). Manchmal stellte der Werbende auch Eigenmittel zur Verfügung, beteiligte sich so an der Finanzierung und wurde zum „Gläubiger-Obristen“ des Kriegsherrn. Zudem war der Werbeherr zumeist Regimentsinhaber der angeworbenen Truppen, was ihm zusätzliche beträchtliche Einnahmen verschaffte. Der Zeitzeuge Hanns Kahn aus Klings/Rhön; LEHMANN, Leben und Sterben, S. 196: „Ein bayerischer Major der kaiserlichen Armee verlangt 5.200 Taler, um eine Kompanie Reiter zu werben. Das Geld wird ‚von den armen und übel geplagten Leuten herausgetrieben‘. ‚Weil der Major großen Zulauf bekommt, wird die Kompanie bald komplett, welche den 28. März des folgenden Jahres nach Hildburghausen marschiert‘. Insgesamt kosten die Anwerbungen 12.000 Taler an Werbe- und Verpflegungsgeldern“. Manche Rekruten wurden von den Werbeoffizieren doppelt gezählt oder unerfahrene, z. T. invalide und mangelhaft ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen geführt, um vom Obristen eine höhere Summe ausgezahlt zu erhalten. Auch Hauptleute, meist adliger Herkunft, stellten Kompanien oder Fähnlein auf eigene Kosten dem Kriegsherrn bzw. einem Obristen zur Verfügung, um dann in möglichst kurzer Zeit ihre Aufwendungen wieder hereinzuholen und noch Gewinne zu erzielen, was zu den üblichen Exzessen führen musste. Teilweise wurde die Anwerbung auch erschlichen oder erzwungen. Auf der Straße eingefangene Handwerker wurden für Wochen ins Stockhaus gesteckt und durch die Erschießung von Verweigerern zum Dienst gezwungen; SODEN, Gustav Adolph II, S. 508. Wie schwierig Werbungen bereits 1633 geworden waren, zeigen die Aufzeichnungen des Dr. Molther aus Friedberg; WAAS, Chroniken, S. 141: „Im Junio [1633] hat die hiesige Stadt und allenthalben die Grafschaften und adeligen Örter Volk geworben, welches zu Heilbrunn [April 1633] ist beschlossen worden, und hat die Stadt alhier 24 Mann sollen werben. Es ist aber keiner zu bekommen gewesen. Man hat einem zu Fuß geboten 10, 20, auch 30 Thaler, wohl auch 40, und hat doch fast niemand bekommen können. Derowegen hat der Officier, so das Volk abholen sollen, die Soldaten, so die Stadt Wetzlar geworben, hero geführet, so 16 Mann sind gewesen, und so lang hier behalten, bis die Stadt ihre 24 Mann hat gehabt. Darbei noch gedrohet, er wollte, so sie nicht balde geworben, die Burger und deren Söhne mitnehmen“. Für Anfang 1643 heißt es in den Aufzeichnungen aus Mühlhausen über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. In einem Bericht aus Wien (Dezember 1634) heißt es: „Aus Schwaben und Bayern kommen wegen der großen Hungersnoth viele tausend Menschen auf der Donau herab, so dass man immer von Neuem werben und die Regimenter complettiren kann“. SODEN, Gustav Adolph III, S. 129. JORDAN, Mühlhausen, S. 90f. (1637) über den Werbeplatz Sporcks: „Den 4. April ist er wieder mit etlichen Völkern zurückgekommen und hat sich mit denselben hier einquartiret und seinen Werbeplatz hier gehabt, hat auch viel Volk geworben, wie denn die Eichsfelder und andere benachbarte häufig zuliefen und Dienst nahmen, nur daß sie ins Quartier kamen und die Leute aufzehren konnte. Viele trieb auch der Hunger. Als es aber ans Marchiren gehen sollte, so wurde aus dem Marchiren ein Desertieren“. Für Anfang 1643 heißt es über die Werbemethoden des schwedischen Kommandanten in Erfurt, Caspar Ermes; JORDAN, Mühlhausen, S. 97: „In diesem Jahre legte abermals der Commandant von Erfurt einen Capitän mit einer Compagnie Infanterie in die Stadt, um Soldaten zu werben. Weil sie aber nicht viel Rekruten bekamen, so machten sie einen listigen Versuch. Sie warfen Geld in die Straße; wenn nun jemand kam und es aufhob, so sagten sie, er hätte Handgeld genommen, er müsse nun Soldat werden. Im Weigerungsfalle steckten sie solchen Menschen in den Rabenturm, wo er so lange mit Wasser und Brod erhalten wurde, bis er Soldat werden wollte“. Vgl. RINKE, Lippe, S. 20f.; Die Hildesheimer Handwerksmeister berichteten dem Rat am 12./22.11.1638, dass „die Handwercksbursch […] vor den Stadtthoren nicht allein angehalten und befragt worden, ob sie Lust haben, sich alß Soldaten gebrauchen zu laßen, sondern auch überredet werden, daß sie keine Arbeit allhier bekommen können […] und wann sie sich deßen verweigern, die Werber […] sie dahin nötigen, daß sie Geldt nehmen oder […] ihnen die Bündel vom Halße schneiden undt anders, waß sie sonsten bey sich tragen, nehmen, biß sie sich zu der Soldaten Charge sich verstehen wollen“. PLATH, Konfessionskampf, S. 482. Unter 1642 heißt es in Raphs Chronik von Bietigheim (BENTELE, Protokolle, S. 200) , dass der kaiserliche Obristwachtmeister Dusin 1642, weil er „mit Werbung eines Regiments und Musterung desselben gegen dem Bayerfürsten großen Falsch gebraucht, auch andere tyrannische Untaten in der Marggrafschaft Durlach und anderswo unerhört verüebt, hingegen mit Klaidungen Tractamenten und Dienern sich mehr als fürstlich haltend und hierdurch alles Geld, üppiglich vergeudet hat, zu Tüwingen [Tübingen; BW] uff der Burgstaig seinem Verschulden nach mit dem Schwert gerichtet worden. Sein Großvatter soll ein Großherzog zu Venedig gewesen sein“. Der Schweriner Dompropst und Ratzeburger Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zum April 1623: „Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten“. DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium, S. 26. Vgl. auch ERB, Die Werber in Schwallungen 1620; SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung, S. 275ff.

[55] Gemeint ist natürlich Jost Maximilian von Gronsfeld, wie aus dem Weiteren hervorgeht. Jost Maximilian Graf v. Gronsfeld [6.11.1596 Rimburg-24.9.1662 Gronsveld], ligistisch-bayerischer Obrist, kurbayerischer Feldmarschall. Vgl. WARLICH, Für Bayern, Habsburg und Reich.

[56] Gemeint sind hier die Angehörigen ihrer Verwandtschaft.

[57] Gronsfeld gehörte zu den katholischen Extremisten und hatte den Waffenstillstand wie viele andere seiner Offizierskollegen abgelehnt. Sehr wahrscheinlich war er einer der Drahtzieher hinter der Meuterei des Johann von Werth im Sommer 1637. Zumindest hatte er seine Kenntnisse über die Verhandlungen an den spanischen Hof weitergegeben.

[58] Das muss Anfang September 1647 gewesen sein; nach der Sammlung bei Straubing und dem Überschreiten der Donau am 15. September war Gronsfeld zunächst liegen geblieben, um dann nach dem Vergleich zwischen dem Kaiser und Kurbayern wegen der Meuterer Werth und Sporck, die Gronsfeld aus naheliegenden Gründen nicht bei der Armee haben wollte, am 26.9. in Rich-tung Cham abzumarschieren.

[59] Wahrscheinlich Okt./Nov. 1648.

[60] Gemeint ist hier natürlich der sogenannte „Schwedentrunk“. Die Foltermethode des „Schwedischen Trunkes“ (auch „Wasserfüllen“ genannt) wurde erstmals von spanischen Elitetruppen, dann von kaiserlich-ligistischen Soldaten im Dreißigjährigen Krieg praktiziert (der Pfarrer Johann Daniel Minck [1611-1664] aus Groß-Bieberau; KUNZ; LIZALEK, Südhessische Chroniken, S. 253) und von den Schweden übernommen; nach ORTEL, Blut Angst Trehnen Geld, bereits von der spanischen Inquisition eingeführt. Die Soldaten flößten ihren Opfern Wasser und/oder Jauche ein und sprangen ihnen anschließend auf den durch Fäulnisgase aufgeblähten Bauch. Dies ließ die inneren Organe zerplatzen und führte nicht selten zum Tod. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577-1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Dieser Trunk sieht so aus. Sie fesseln ihrem Opfer die Hände auf dem Rücken, binden ihm die Füße zusammen und werfen ihn rücklings auf den Boden. Einen Besenstiel (baculum scopiarium) oder irgendeinen anderen zwei Daumen dicken Stock, den sie gerade zur Hand haben, stoßen sie dem auf der Erde liegenden Opfer in den Mund. Dies geschieht zuweilen mit solcher Wut und Gewalt, dass sie dem sich wehrenden Menschen die Zähne einschlagen oder abbrechen. Haben sie ihm so den Stiel in den Mund getrieben, nehmen sie kaltes oder heißes Wasser, Bier oder Lauge (Waschwasser, Lotium), einfach eine irgendeine vorhandene Flüssigkeit mit einer dicken Jauchebrühe, Menschenkot, wie es ihnen eben gerade ihr Mutwille eingibt. Diesen stinkenden Trunk lassen sie an dem aufrecht stehenden Besenstiel hinabrieseln und in den Mund und den Schlund des auf dem Rücken liegenden Opfers. Sie flößen ihm das Getränk unausgesetzt und so reichlich ein, dass der Bauch wie bei Wassersüchtigen anschwillt. Erst wenn sie sehen, dass ihr Opfer jeden Augenblick ersticken muß, ziehen sie ihm den Stiel wieder heraus. Dann springen sie mit angezogenen Beinen plumpsend auf den aufgeschwollenen Bauch. Durch diesen Druck beim Draufspringen muß der zur Strafe (für den nicht begangenen Verrat) eingeflößte übrige Trunk zur noch größeren Strafe und Marter wie aus einem Springbrunnen aus dem Munde herausspringen. Er wird mit viel Blut vermengt überreichlich erbrochen“ (SIGL, Wallensteins Rache, S. 127); ferner STEGER, jetzt ist die Flucht angangen, S. 51f.; „Der Dreissigjährige Krieg am Oberrhein“. KLUGE, Hofer Chronik, S. 163: hier heisst es z. B. „mit wasser zu todt gefült“. STEMMLER, Tagebuch Bd. 2, S. 740 (1638): „Der Ortspfarrer [v. Neustadt im Schwarzwald; BW] Adam Wehinger wird gefangen genommen, verwundet, auf den Rücken gelegt, mit Wasser durch den Mund vollgepumpt und dann durch die mit den Füßen auf ihm trampelnden Soldaten aufs grausamste getötet“. Schwedische Truppen sollten im April 1637 im kursächsischen Wurzen ein apokalyptisches Szenarium veranstalten, wie ein anonymer Bericht über die „Wurzener Kreuz- und Marterwoche“ zeigt; PLETICHA, Deutsche Geschichte Bd. 7, S. 59: „Der Schwedische Trunk, also genennet, ist sehr gemein gewesen, indem ihrer vielen unreinen Seyffen- und Pfützen-Wasser oder Mistjauch in den mit einen Spanner oder Röhrlöffel ausgespreitzten Mund, so viel als hinein zu bringen gewesen, gefüllet, über eine Weile hernacher auf ihren Leib gesprungen, und die hinein gegossene Jauche heraus getrieben worden, dadurch ihrer viel um die Gesundheit gebracht, daß sie es die Zeit ihres Lebens nicht verwinden, mehrer theils sind schon davon gestorben“. Allerdings wurde der Schwedentrunk auch von Bauern an gefangenen (hier ungarischen) Soldaten wie in Zeitz angewandt; BOTHE, Zeitz, S. 352.

Aus der Altdorfer Ortschronik: „Leonhardus Stöckher ist am Schwödischen Trunkh gestorben. Diss war aber der Schwödische Trunkh: wann die Schwödischen, undt andere Solldaten, iemandt ergriffen, in deren häusern sie nichts fanden, noch von ihnen erkündigen möchten, wohin dass eine undt andere verborgen worden, obgleich nichts alss die lähre Armuth bey ihme obhandt hatte, dennoch glaubten es ieme so leicht nicht, sondern banden und fessleten, und bezwangen ihne, so er vielleicht wass verborgen wisse, zu bekhennen: undt zue dem zil bandten sie ihme die händ hintersich auf den Rukhen, legten ihne rückhlings auff den Boden, sätzten sich auff seine knie undt schenkhel, undt wurde fest bey beeden Achslen gehalten. Alssdann nahmen sie ein Räb- oder anderen steckhen, den sie unter seinen Zähnen, damit er den Mundt nicht schliessen möge, halten, daran sie ihme auss der nechsten Pfiz oder Kotlachen genommene wasser in den Mundt undt halss hinab giesseten, undt dannach auf den Magen truckhten, dass oben das Wasser zuem Mundt wider herauss getrieben wurde. Dergestalten handelten sie mit den leüten. Darbey vil starben“.

Aus Pfirt: Sie (die Soldaten) haben den Leuten das unsauberlichste reverenter Mist in Wasser, darin sie ihren Unrat getan, ganz Zuber voll auf den Ruggen ligent, zum Mundten eingegossen, dernach mit Füssen auf den Bauch gesprungen, dass ihnen solch Wasser mit samt dem Unflat zu Mund, Nasen und Ohren herausgefahren“. Beide Zitate nach: http://www.j-ehret.com/krieg.htm.

Vgl. auch KRAH, Stüdthüringen, S. 78 (1634): „Als ein sonderliches Beispiel steht da mein leiblicher Bruder, der ein Pfarrer gewest zu Sülzfeld, mit Zunamen Möller. Auf wie elende Art und Weise ward er ergriffen ! Erstlich groß man ihm ein den schwedischen Trank (ach !) dem Bruder, hat ihn dann wiederholt in drei- und vierfachen Wechsel. Kaum mögen dir langen 2 mal 6 Becher voll Wassers, bis sein Körper ganz voll, und ihm der Magen beschwert war. Grausam traktierte ihn dann bald ein Soldat nach dem andern. Einer dabei hielt das rechte, das linke Bein ihm ein anderer, wahrlich nicht anders, als wollten die Sell‘ aus dem Leib sie ihm treten. Seitdem ließ er Urin, mit frischem Blut untermischet, Sank et siechte dahin, ein Opferlamm, satt von der Schlachtbank, bis ihm gänzlich und gar der Faden des Lebens gerissen“. Aus Halle wird unter 1639 berichtet; OLEARIUS, Halygraphia, S. 408: „Den 15. [2.1639; BW] hat er [Banér; BW] zweene Soldaten / so einem Bauer ein so genanten Schwedischen Trunck gegeben / enthaupten / viertheilen / und die Stücken für den Thoren an Galgen und Räder auffhengen lassen / mit dieser Uberschrifft: Der unerhorte Trunck“. Nach der 1. Schlacht bei Breitenfeld nannte man den verwendeten Kot auch „Sächsisch Confect“. ZEITFUCHS, Stolberg, S. 284.

[61] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff. Eger war am 18.7. von den Schweden eingenommen worden.

[62] Oder Rhön ? so jedenfalls im Artikel im „Schrobenhausener Wochenblatt“ vom 26.5.1623.

[63] Niederschönefeld [LK Neuburg/Donau, Schw.]; HHSD VII, S. 521. Das Kloster wurde 1632 nach der Schlacht bei Rain a. Lech zerstört, der Konvent ging nach Raitenhaslach. Der Versuch, das Kloster nach Rain zu verlegen, scheiterte am Widerstand der Stadt.

[64] Am 27. Mai verließ das kaiserlich-kurbayerische Heer kampflos den Lech.

[65] An Fußvolk soll Gronsfeld noch über 4.750 kaiserliche und kurbayerische Soldaten, an Reitern 7.000 Mann gehabt haben, während Schweden und Franzosen zusammen etwa 14.000 Kavalleristen und 10.000 Infanteristen aufbieten konnten, ohne die Feldüberlegenheit ihrer Artillerie. HÖFER, Ende, S. 203.

[66] Wahrscheinlich meint hier Clara die Schlacht von Zusmarshausen, die bereits am 17.5. stattfand.

[67] Gronsfeld war wegen des Rückzugs vom Lech auf Weisung Maximilians I. am 3.6. verhaftet und nach München gebracht, wo er einem – allerdings letztlich erfolglosen – kriegsgerichtlichen Verfahren unterworfen wurde, da ein Teil der Generäle sich gegen den Rückzug ausgesprochen hatte.

[68] Johann Wilhelm Vogt Freiherr v. Hunolstein [Hundelstein, Hundtstein, Honolstein, Honoldstein] zu Dürrkastel [24.4.1599-29.9.1665], kurbayerischer Generalwachtmeister, Feldmarschallleutnant.

[69] Vgl. HÖFER, Ende, S. 210ff.

[70] Wasserburg am Inn [LK Rosenheim]; HHSD VII, S. 790ff.

[71] Dachau [LK Dachau], HHSD VII, S. 129ff.

[72] Am 6.10.1648 glückte ein kaiserlich-bayerischer Kavallerie-Überfall im Dachauer Moos unter Führung von Werth und Enkevort auf die von Wrangel kommandierte schwedische Kavallerie, der nur mit Mühe zu Fuß entkam. Aufgrund der Verluste zündeten die Schweden viele Dörfer in der Umgebung an.

[73] Gemeint sind die Kämpfe gegen Großwesir Achmed Köprölü und Georg Ghika, den Fürsten der Walachei.

[74] Raimondo Fürst Montecuccoli, Herzog v. Melfi [21.2.1609 Schloss Montecuccoli in Pavullo nel Frignano bei Modena-16.10.1680 Linz], kaiserlicher Feldmarschall. Vgl. SCHREIBER, Raimondo Montecuccoli; BARKER, The Military Intellectual.

[75] Wahrscheinlich hat sie an der berühmten Schlacht bei Mogersdorf/St.Gotthard teilgenommen; SCHREIBER, Montecuccoli, S. 167ff.

[76] Clara Oefelin beschreibt hier die Ereignisse in Wien 1679, 140 516 Menschen sollen der Pest erlegen sein; WINKLE, Kulturgeschichte der Seuchen, S. 488ff.: „Anfang wurde die Pest aus Ungarn, wo sie bereits seit einem Jahr herrschte, nach Wien eingeschleppt und zwar zunächst in die vornehmlich von armen Juden, Trödlern und Lumpenhändlern bewohnte »Leopoldvorstadt«. Da dieses Stadtviertel am tiefsten liegt, soll es auch damals von einer Donauüberschwemmung betroffen gewesen sein, die die Hausratte aus den Kellern in die Wohnung verdrängte. Von dieser grauenvollen Heimsuchung bekommt man ein anschauliches Bild, wenn man die Schriften des zeitgenössischen Arztes Sorbait und des wortgewaltigen Hofpredigers Abraham a Santa Clara vergleicht. So beklagte sich zu Beginn von 1679 der Arzt Sorbait, das »Consilium sanitatis« habe die Warnung seiner Denkschrift, die Pest sei bereits unter den jüdischen Lumpensammlern in Leopoldstadt aufgetaucht, nicht ernstgenommen, obwohl er diese Denkschrift bereits in der Nacht vom 7. zum 8. Januar 1679 verfaßte und sie der am 9. Januar 1679 genehmigten kaiserlichen Infektionsordnung zugrunde gelegt wurde. Voll Bitterkeit erklärte er, Gott würde die Obrigkeit blenden, wenn er ein Land bestrafen wolle. Man war bemüht, die Seuche zu vertuschen, und obwohl in den ärmlichen Vorstädten immer mehr Erkrankungen und Todesfälle vorkamen, sprach man weiterhin beschwichtigend von »hitziger Krankheit«, um die Feste, die man in der kaiserlichen Residenz feierte, nicht zu stören.

Ganz ähnlich schildert die Situation auch Abraham a Santa Clara in seiner Schrift »Merck’s Wien«:

»Erstlich hat der Tod seinen Anfang genommen in der Leopoldstraße, so vor etliche Jahren wegen der schlimmen Inwohner, die Judenstaat genannt war und alldort eine lange Zeit her die Menschen verzehret. Nachgehends ist die Seuche über den Arm der Donau in die anderen Vorstädte geschlichen, so daß anfänglich das Ansehen gewest, als traue sich der Tod nicht in die Residenz-stadt, sondern wolle sich mit den Vorstädten befriedigen, solcher gestalt, daß mehrsten Teils die unsauberen Winkel von diesem Übel angegriffen und nur der gemeine Pöbel dem Tod unter die Sense geraten sei, daß also die Rede gegangen war, der Tod nehme nur die Spreys hinweg, durchseuche die Lumpen- und Bettler-Säck und wolle seinen Hunger mit gemeinem Gesindel-Brot in den Vorstädten stillen.

Noch in dem anbrechenden Monat Juli stund ohnberührte Stadt in höchster Glorie; die schöne Residenz und Burg war wirklich von dem Römischen Kaiser und dessen volksreicher Hofstatt bewohnt, der Adel fast in einer unzählbaren Menge nichtohne kostbare Pracht presentierte den Hof, von allen Orten und Höfen thaten ab- und zulaufen die eilfertigen Curiere … Alles war in der Stadt in höchstem wohlstand, nichts mangelte, was zu lust und Gunst der Welt konnte träumen … Die klingenden Trompeten und allerseits erschallende Music aus der adelichen Palast und Höfen machten immerzu ein solches annehmliches Getös, dass man dafür gehalten, der Himmel muss haben ein Loch bekommen, wodurch die Freuden Metzenweis in die Wiener Stadt gefallen.«

Doch die Seuche, die inzwischen die Elendsviertel verlassen hatte und näherrückte, konnte nicht länger verheimlicht werden. Es wirkte wie ein Blitz aus heiterem Himmel, als bereits im Juli die Zahl der täglichen Todesfälle so groß war, daß die Leichen tage-lang unbeerdigt in den Häusern und auf der Straße liegen blieben, weil es weder genügend Leichenknechte noch Totengräber gab. […] Nun war nichts mehr zu verheimlichen. Der kaiserliche Hof floh Hals über Kopf nach Maria Zell, dann weiter nach Prag. Die wohlhabenden Bürger flohen scharenweise auf das Land. Es herrschte zunächst eine lähmende Panik. […] Nach Sorbait blieben die Leichen tagelang auf den Straßen liegen. Es fehlte an Totengräbern und Siechknechten, obwohl man für einen solchen Dienst den damals enormen Lohn von 12 fl. wöchentlich bot. Schließlich zwang man Schwerverbrecher aus den Gefängnissen zu solchen Diensten. Im August starben täglich 200 Menschen, und die Krankheit tötete die meisten binnen zölf Stunden. Es fehlte an Ärzten und Krankenwärtern. Der Magistrat ließ durch Trommelschlag in der Stadt zum Dienst der Krankenpflege werben. Doch niemand meldete sich. Die Chirurgen wurden gefesselt zu den Kranken geschleppt. Die Angst vor der Ansteckung war so groß, daß man »Leichen und ganze Haufen der Einrichtung, mit denen der Verstorbene in Berührung gekommen war, durchs Fenster auf die Straßen und Plätze warf, wobei Federn von den Betten wie Schneeflocken in der Luft herumflogen.«“

WINKEL, Kulturgeschichte der Seuchen, S. 422: „Die Pest ist primär eine durch Flöhe übertragbare Septikämie bei Ratten oder anderen Nagetieren. Die kranken Tiere verlieren ihre natürliche Scheu, kommen aus ihren Schlupflöchern hervor und »aumeln wie trunken umher«. Solche Tierseuchen, die jeder Pestepidemie beim Menschen vorangehen müssen, kommen nur in wärmeren Monaten vor und decken sich jahreszeitlich mit dem Vermehrungsmaximum der Flöhe und der Wurfzeit des betreffenden Nagetiers, d. h. mit dem Erscheinen einer undurchseuchten anfälligen Generation. Von den erkrankten bzw. verendeten Ratten wurden in unseren Bereichen die Pestbakterien durch Rattenflöhe auf den Menschen übertragen, was das signifikante Symptom der Beulen- bzw. Bubonenpest darstellt. Kommt es dabei auch zu einer Septikämie, so kann der Erreger – wie neuerdings festgestellt wurde – auch durch Menschenflöhe auf weitere Personen übertragen werden, bei denen sich dann in der Regel ebenfalls eine Beulenpest entwickelt“.

[77] WINKEL, Kulturgeschichte der Seuchen, S. 422: „Die Pest ist primär eine durch Flöhe übertragbare Septikämie bei Ratten oder anderen Nagetieren. Die kranken Tiere verlieren ihre natürliche Scheu, kommen aus ihren Schlupflöchern hervor und »aumeln wie trunken umher«. Solche Tierseuchen, die jeder Pestepidemie beim Menschen vorangehen müssen, kommen nur in wärmeren Monaten vor und decken sich jahreszeitlich mit dem Vermehrungsmaximum der Flöhe und der Wurfzeit des betreffenden Nagetiers, d. h. mit dem Erscheinen einer undurchseuchten anfälligen Generation. Von den erkrankten bzw. verendeten Ratten wurden in unseren Bereichen die Pestbakterien durch Rattenflöhe auf den Menschen übertragen, was das signifikante Symptom der Beulen- bzw. Bubonenpest darstellt. Kommt es dabei auch zu einer Septikämie, so kann der Erreger – wie neuerdings festgestellt wurde – auch durch Menschenflöhe auf weitere Personen übertragen werden, bei denen sich dann in der Regel ebenfalls eine Beulenpest entwickelt“.

[78] Sonderbarlich ?

[79] Eigentlich war Sebastian der Pestheilige, so etwa bei den Ingolstädter Jesuiten. WILCZEK, Jesuiten, 32: „Dem hl. Martyrer Sebastian wird die Vertreibung der Pest zugeschrieben. Es ist nämlich beobachtet worden, daß nach einem erfüllten Gelübde sofort die Kraft des Giftes nachgelassen hat. Seinen Namen feierte die städtische Kongregation [in Ingolstadt], wenn möglich in feier-lichem Gottesdienst, ihn für den Vorkämpfer der Gotteskraft haltend“.

[80] Vgl. die Ausführungen des Arztes Johann Gigas (1582-1635-1638; PRINZ, Johann Gigas), des Leibarztes v. Kurfürst Ferdinand von Köln u. des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Anholt u. Tilly behandelte; SÖBBING, Eine Beschreibung, S. 13, 15: „10 Unnd weil die pest niemandt leichtlich angreifft, er sei dan dazu disponirt, daß ist, habe viel ungesunde feuchtigkeitenn bei sich, alß ist guet, bei gueter zeitt purgiren, aderlaßen, schwitzen etc., dan diese entwedder frey sein, oder aber lichtlich konnen errette[t] werden. 11 Hiezu ist auch gehoerigh mäßigh unnd zuchtigh lebenn, ordentliche diaet, naturlicher schlaeff, bewegungh des leibs, kunheit unnd zulaßige freuwde, dann die traurigenn unnd forchtsamen ins gemein die ersten sein. 12 Endtlich weill dießes alles von Godt, ist ein christlich eifferigh gebett, godtsehliges lebenn, meidungh der sunden, daß aller wrombste, soll nicht allein hinder, sondern warnen und allenhalben in acht genommen werden“. Vgl. die Beschreibung der Symptome bei dem erzgebirgischen Pfarrer u. Chronisten LEHMANN, der die Pest mehrfach erlebte: „Diese entsetzliche Seuche führt unzählig viel ungewöhnliche Zufälle und Beschwerden mit sich, nachdem das Gift und Patient beschaffen. Sie fället an mit ungewöhnlichem Frost, auch Schrecken und Schwindel, innerlicher Hitze und Unruhe, Mattigkeit in allen Gliedern, Hauptschmerzen, Rücken- und Seitenstechen, schwerem Odem, hitzigen Augen, Vertrocknung des Mundes, brennendem Durst, Blutstürzen, Achsel-, Ohren- und Seitenschmerzen. Sonderlich ist dabei große Herzensangst, Traurigkeit, Ohnmacht, tiefer Schlaf oder stetes Wachen und Rasen. Der Magen empfindet vom giftigen Ferment lauter Unlust, Aufstoßen, Erbrechen, Durchlauf, daher erfolgen oft gefährliche Spasmi, Konvulsionen, Schwindel, Fresel [Krämpfe; BW], Zittern und Schlagflüsse. Es schießen Karfunkel und Branddrüsen auf in den Weichen, unter den Achseln, hinter den Ohren. Die mühlselige Natur ängstigt sich, daß allerhand rote, gelbe, grüne, blaue, dunkelbraune Giftflecken ausschlagen. Das Angesicht wird ungestalt, gilbicht und grünlicht, der Puls schlägt hitzig, zitternd, unordentlich, die Glieder erkalten oft, es bricht die Herzensangst mit großem Schweiß aus, und zeigen die Schmerzen, Stiche, Flecken, Schlag, Wüten, Toben, Drüsen und Schwären, Urin und Exkremente an, welche innerlichen Hauptgliedmaßen am meisten leiden müssen. Ist also kein Wunder, daß die Pest, nachdem sie mit einem und anderm Zufall auf das schrecklichste grassieret, so vielerlei Namen führet“. LEHMANN, Erzgebirgsannalen, S. 96ff.

[81] Federmesser ?

[82] 1649/50 war in Schrobenhausen die Pest ausgebrochen. REISCHL, Volksseuchen, S. 65.

[83] nach: Schrobenhausener Wochenblatt vom 26.5.1923.

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