Nerprot [Nerpracht, Norprath, Nortproth, Nerbrot], Johann von

Nerprot [Nerpracht, Norprath, Nortproth, Nerbrot], Johann von; Generalleutnant [ – 27.8.1626 Lutter] Nerprot stand als Obrist[1] und Kommissar bzw. Generalleutnant in dänischen Diensten.

In der Hannover’schen[2] Chronik heißt es: „Anno 1626 den 31. Jan. ist Raht und Gemeinde convociret und per Consulem angezeiget, daß der Obriste Nerprot von Illmo nostro Hertzog Friederich Ulrich ein Schreiben übergeben, welches verlesen worden, des Inhalts: Man erinnerte sich, was gerstalt Illmus noster an Königl. Majestät[3] Gesandten abgeschicket, uns mit mehrer Einquartierung zu verschonen. Ob nun wohl I. F. G. solches gern gesehen, so hätten sie doch aus der abgesandten Relation, wie auch von Königl. Majestät verstanden, daß es die höchste Nothdurft erforderte, 2 Compagnien Reuter herein zu nehmen. Es wäre Königl. Majestät friedlich mit dem Commissario hieraus zu reden, was gestalt Ordre dieserwegen zu machen, und weil es zu des gantzen Landes besten gemeinet, sonderlich weil die Tillischen um Hannover so greulich tyrannisirten, würde man sie accomodiren, der Tillischen Wüthen und Toben dieses Orts etwas zu steuren, sub dato Rotenburg[4] den 24. Januar 1626.

Darauf ist den 31. Jan. deliberiret und geschlossen, es befünden Raht und Geschworne, daß wegen abgestatteten schweren Eyden die Einquartierung nicht zu willigen wäre. Es periclitirte darunter libertas und immunitas Civitatis, wäre Illmi Schreiben zu beantworten mit dienlichen Motiven, insonders weil Adel und Unadel ihr noch übrige Korn herinne hätte, davon sie zu leben und die Saat bestellen sollten, welches durch die Reuterey Einquartierung aufgehen würde, daß man nichts behalten würde darvon zu leben. Wäre auch nicht nötig an die Regierung zu schreiben mit dienlichen Motiven. Es wäre besser dem Unheil zu praecaviren und vorzubauen, es wäre auch die Landschaft zu Raht zu ziehen, wie zuvor geschehen etc. Die Gemeinde ist E. E. Raht hierin einig gewesen.

Darauf sein deputiret an den Herrn Obristen, ihme diesen Schluß zu hinterbringen, der Herr Ridemeister Otto Weccius, Sec. Bartoldus Baumgarte, Capitain Johann von Berckhausen, Bartold Schlüter von den 24 Mann, und Diedrich Ropke wegen der Aembter. Als dieselbe dem Obristen solches hinterbracht und angezeiget, hat er mit Ungeduld solche Resolution angenommen und die Einquartierung urgirt mit allerhand Bedräuungen und gesagt, man hätte sich ja erboten, da Illmus noster wollte darzu willigen, wir I. F. G. gehorsamen wollten, ob man mit Königl. Majestät gleich wie mit einem Lotterbuben spielen wollte.

Darauf E. E. Raht und Gemeinde anderweit zur Consultation geschritten und nochmahls geschlossen, daß man bey sich nicht könnte befinden, warum man von voriger Resolution sollte abstehen, es sollten die Abgeordnete abermahl sich zu dem Obristen verfügen und anzeigen, es wäre dieses Postulatum niemahls in Tractatu gewesen, und wäre die Sache jetzo in anderem Stande, es möchte der Herr Commissarius in Ruhe stehen, ein Tag 8 oder 9 bis mans ad Illmus gelanget hätte. Die Gemeine sämbtlich consentirete mit E. E. Raht.

Den 1. Febr. ist Raht und Gemeinde wieder zusammen gefordert und per Consulem angezeiget, als man gestriges Tages sich zur Reuter Einquartierung nicht verstehen können etc. Welches den Obristen Nerprot sehr verdrossen, daß man die Reuter Einquartierung pure abgeschlagen“.[5]

„Den 4. Febr. hat man wegen der Einquartierung der 2 Compagnien Reuter tractiret, und sein etliche Deputirte wegen dieser Stadt nebenst dem Obristen Lieutenant Rhoden zu dem Herrn Commissario und Obristen Nerprot gangen, zu bitten und zu versuchen, ob es nicht bey dem Erbieten dieser Stadt verbleiben möchte, daß etwa 90, 100 oder ja 125 Reuter herein gelegt würden, auf welchen numerum er Commiss. sich zu einer Compagnie erkläret hätte.

Darauf der Commissarius sich resolviret, daß er von Illmo U. G. F. und Herrn einen gemessenen Befehl hätte auf 2 Compagnien, wollte geben haben, mit gutem Willen solche einzunehmen, darzu man hernacher mit Zwang gehalten werden möchte. Und hat daneben die Gefahr angezeiget, da die in der Nähe dieses Orts gelegene Reuter und herein gelegte Soldaten müßten weggenommen werden, so würde man alsdann in Gefahr stehen wegen der Tillischen,[6] inmaßen dann dieselben in der Landwehr sich schon sehen ließen, wollte man es ihme nicht zu gefallen thun, möchte mans thun um der armen Leute willen auf den Dörfern dieses Ortes; zwei Compagnien könnten ja so leicht unterhalten sein als eine, und was herein gebracht werden müßte zu solcher behuf, solches würde ja sonst draußen denen Tillischen zum besten bleiben, man möchte sich wohl bedenken.

Die Deputirten haben eingewandt die erschöpfte Bürgerschaft, und daß wenig Gelegenheit und Raum für 2 Compagnien in der Stadt wäre. Darauf Commissarius: Man hätte des Raums halber sich nicht zu beschweren. Man hätte in Burgdorf,[7] so ein kleines Städtlein, unterschiedene Compagnien logirt, es sollten Dielen zu behuf Krippen und sonst herein geschafft werden, man hätte zu Burgdorf Ställe und Koben weggeräumet und wohl Raum machen können. Die Deputirten haben geantwortet, solches könnte allhie so nicht gehen, daß man also procediren wollte.

Commissarius darauf gesagt, wenn er die Häuser in Hannover besichtigen sollte, wollte er nur 100 Häuser ausleesen, darin er wohl 600 lassen wollte. Die Fourage sollte alle bezahlt werden. I. Königl. Majestät wäre Kreis-Obrister, würde sehr offendiret werden, da sie keine Obedientz haben sollte, man stünde auch mit Hildesheim[8] in Tractation wegen einer Capitulation. Die Reuter würden nicht lange herein berbleiben, so bald die Tillische Pattensen,[9] Münder[10] und Springe[11] quitiret, sollten sie auch wieder hinaus. Mansfelder schickete sich zum marchiren, wie auch Obrister Fuchs, alsdenn es bald anders werden würde. Man möchte sich miteinander bereden“.[12]

„Die 24 Mann der Gemeine zeigeten an, alldieweilen dieses ein hochwichtiges Werk, diese Deliberation und Schluß in geheim zu halten bey dem Eyde, so respective die 24 Mann, absonderlich auch die hier zu erforderte Bürger, als Bürger abgestattet hätten, welches sie sämbtlich mit ja bekräftiget, Inhalts solches Eydes, daß sie vor Hannover geschworen hätten, sie dieses Werk wohl consideriret, und bis daher die Einquartirung dissuadiret, auch viel angezogenen und hiebevor angedeuteten Ursachen. Als man nun aber erstlichen 80 oder 90, hernach 100, folgends 125 bewilliget, ließen es die 24 Mann der Gemeine auch darbey. Wann durch eine Capitulation allem besorgenden Unheil könnte vorgebauet werden, daß sich sich darüber nicht zu beschweren hätte. Es könnte sich aber zutragen, daß invito vel inscio Rege und wider der hohen Officirer Willen ein und anders verübet würde. Daß man in Königl. Majestät Devotion verbleiben wollte, wäre darob zu verspüren, daß man die Soldaten herein genommen hätte, nun erinnerte man sich, daß der Obr. Lieut. Rohde vor diesem sich hätte vermerken lassen, es wäre Königl. Majestät frembd vorgekommen, daß der Herr General auf 800 gehalten, es würden Königl. Majerstät vontent gewesen sein, da man nur 100 gewilliget, darob sie die Devotion verspüren können. So hätte auch den 1. Febr. Consul berichtet, daß der Herr Commissarius durch gemelten Rohden vorigs Tages, den 31. Jan., anhalten lassen, damit man Königl. Majestät nicht offendiret, man es zum Tractat kommen lassen möchte, er könnte wohl gedenken, dieses so bald nicht gehen würde, es könnte an Königl. Majestät auch ad Illmum geschrieben werden, weil man nun so weit gewilliget, würde es ja nicht verhindern können, daß mans an Illmum unsern gnädigen Fürsten und Herrn wie auch ferners an Königl. Majestät gelangen ließe, und sehe man vor rahtsam an, daß etliche deputiret würden, so sich auf den Weg machten, wollte man der Zuversicht geleben, Königl. Majestät gnädigst mit mehrern uns verschonen würden. So hat man auch dieses dabey zu consideriren, daß der Herr General Hertzog [Johann Ernst; BW] von Weimar von 1000 Reutern auf 4, endlich auf 2 Compagnien, und endlich, als I. F. Gn. General von Gifhorn[13] zurück gekommen, auf 80 oder 100 kommen lassen, sollte der Commissarius nun ein mehres, als vorhin auch der [Balthasar Jakob; BW] von Schlammersdorf erhalten, man I. F. G. Herrn General offendiren würde. Hierauf haben die von der Köbelings- und Leinstraßen sich beredet und den andern zugestimmet, möchten auch vernehmen, ob der Commissarius schriftliche Vollmacht vorzuzeigen hätte, weil er so gar steif stünde auf die 2 Compagnien. […] Ist also endlich per Majora geschlossen, bey Königl. Majestät durch Abgesandte zu verhandeln, 125 Reuter gegen eine genugsam erträgliche Capitulation einzunehmen […].

Den 9. Febr. sein von des Obristen Nerprot Regiment unter dem Rittmeister Dorstein eine Compagnie Reuter, 125 stark, allhier nach langem und drittehalb monatlichem Tractat (von dem 18. Nov. des 1625. abgewichenen Jahrs, da die erste Anmuhtung vom General Hertzog von Weimar geschehen, anzurechnen) auf Fürstl. Braunschweigischen Illmi Friderici Ulrici Befehl endlich eingenommen und hie in der Stadt verquartieret worden. Welche des Morgens um 9 Uhr herein kommen, auf den Markt in Bataille gerücket, und daselbst gehalten, bis ein jeder nach seinem gemachten Quartier durch gegebene Billetten verwiesen worden“.[14]

„Den 7. Martii ist ein Lüneb. Trompeter von Zelle,[15] ohne Zweifel von Hertzog Georgen, in Pattensen bey Tilly gewesen, welches den Königschen verkundschaftet. Derowegen den 8. Martii die Königsche, so in Hannover und auf der Neustadt[16] allhie quartieret, mit 2 Compagnien Reutern und etlichem Fußvolke unter den Obristen Nerbrotten und Rieß mit vielen Wagen nach den Lüneburgischen Dörfern Dörn,[17] Wülfel[18] und Latzen[19] gezogen, dieselben spoliiret und sonderlich Latzen gantz spoliiret, Heu, Stroh, Futter und alles, was in den Häusern gewesen, rein mit weggenommen, auch die Fenster und Töpfe zerschlagen und nicht das geringste gelassen“.[20]

Der Schweriner[21] Dompropst und Ratzeburger[22] Domherr, Otto von Estorf [1566 – 29.7.1637], berichtet in seinem „Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium“ zu 1626: „17. Aug ist zwischen dem König zue Dänemark[23] und Graf Tilli[24] eine Schlacht gehalten im Lande zu Braunsweig bei Lutter am Bahrenberge,[25] darin Tilli das Feld behalten, weil des Königs Reuter nicht fechten wollen, sondern davon geritten. Sind viel vornehme Officiere geblieben. Auf der Wahlstadt sind todt gefunden: Wersebe,[26] Nortproth,[27] Landgraf Philipp zu Hessen,[28] Graf zu Solms,[29] der Rheingraf[30] so Catlenburg[31] abgebrannt, General-Commissarius Sivert Powisch,[32] nebst vielen anderen hohen Officieren vnd Befehlshabern. Gefangen sind: der Obriste Lochhauschen,[33] ein Graf von Stolberg,[34] Obriste Twachting,[35] Berent Gos,[36] Courville[37] Französischer Obrister, Gunternach,[38] Königl. Hofmarschal N., General-Commiss. Rantzow[39] hart verwundet vnd viele Andere“.[40]

[1] Vgl. GUTHRIE, Battles, S. 138.

[2] Hannover; HHSD II, S. 197ff.

[3] Vgl. HEIBERG, Christian 4.

[4] Rotenburg a. d. Wümme; HHSD II, S. 401f.

[5] JÜRGENS, Chronik, S. 403f. Jürgens datiert nach dem alten Stil.

[6] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[7] Burgdorf; HHSD II, S. 85f.

[8] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[9] Pattensen [Kr. Springe]; HHSD II, S. 376f.

[10] [Bad] Münder am Deister [Kr. Springe]; HHSD II, S. 27f.

[11] Springe; HHSD II, S. 430ff.

[12] JÜRGENS, Chronik, S. 403ff.

[13] Gifhorn; HHSD II, S. 167ff.

[14] JÜRGENS, Chronik, S. 404ff.

[15] Celle; HHSD II, S. 94ff.

[16] Neustadt am Rübenberge [Region Hannover]; HHSD II, S. 343ff.

[17] Döhren, heute Stadtteil von Hannover.

[18] Wülfel, heute Stadtteil von Laatzen [Region Hannover].

[19] Laatzen [Region Hannover] ; HHSD II, S. 277.

[20] JÜRGENS, Chronik, S. 411f.

[21] Schwerin; HHSD XII, S. 114ff.

[22] Ratzeburg [Kr. Herzogtum Lauenburg]; HHSD I, S. 216f.

[23] Vgl. HEIBERG, Christian 4.

[24] Vgl. KAISER, Politik; JUNKELMANN, Der Du gelehrt hast; JUNKELMANN, Tilly.

[25] Lutter am Barenberge [Kr. Gandersheim]; HHSD II, S. 315f. 27.8.1626: Sieg der kaiserlichen Truppen unter Tilly über das dänische Heer unter König Christian IV. und seine protestantischen Verbündeten, die bis auf die Herzöge von Mecklenburg von ihm abfielen. Die Dänen verloren etwa 6.000 Mann, 2.500 gerieten in Gefangenschaft. Zu Beginn der Schlacht waren beide Armeen etwa 19.000 Mann stark. Die genauen Verluste sind nicht mehr feststellbar. Die Dänen dürften etwa 4.000 Tote und Verwundete, 3.000 Gefangene, etwa 100 Fahnen und Standarten, dazu die gesamte Artillerie und einen Großteil ihrer Bagage verloren haben. LAHRKAMPS Angaben, Bönninghausen, S. 246 (8.000 Tote), liegen eindeutig zu hoch. Das zeitgenössischen Flugblatt »Kurtze[r] vnd einfältige[r] […] Bericht« spricht von 6.000 Toten und 2.000 Gefangenen. Tillys Verluste lagen wohl deutlich unter 1.000 Mann. MELZNER, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Schlacht bei Lutter am Barenberge; VOGES, Neue Beiträge, Chronik; KLAY, 27./17. August.

[26] Wersebe, Wolf Heinrich v.; Offizier [ – ]

[27] Nerprot, Johann v.; Generalleutnant [ – ]

[28] Hessen-Kassel, Philipp Landgraf v. [1604 – 17.8.1626 bei Lutter], Sohn des Moritz v. Hessen-Kassel. Vgl. VD17 23:263431T: SEYLER, Crato, Oratio Qua Fortissimo & bellicosissimo iuveni Philippo, Hassiae Landgravio, … Mauritii Hassiae Landgravii … filio e secundo connubio natu maximo … Quum is 17. Aug. in Luterensi praelio fortiter in hostem pugnant occubuisset, Casselis in Collegii philadelphico Mauritiano 15 Septemb. … 1626 Amoris & devotionis ergo supremus honos habitus fuit / a Cratone Seylero P.P.P. Kassel 1626.

[29] Solms-Hohensolms, Graf Hermann Adolph v. [ – ].

[30] Salm in Kirburg, Mörchingen u. Tronecken, Otto Ludwig, Wild- und Rheingraf v.; General [13.10.1597 – 16.10.1634].

[31] Katlenburg [Kr. Northeim]; HHSD II, S. 263f.

[32] Pogwisch, Sievert v.; Generalkommisar [1587 – 27.8.1626 bei Lutter].

[33] Kalkum, Wilhelm v., genannt Lohausen [Lohehausen]; Generalmajor [Aschermittwoch 1584 auf Lohausen – 30.1.1640 Rostock].

[34] Stolberg, Bodo Ulrich Graf v.; Offizier [29.5.1596 – 28.10.1626].

[35] Twachting, N; Obrist [ – ].

[36] Geist [Geistes, Geest], Berend; Obrist [ – ].

[37] Courville [Corvill, Corvillt], Nic(h)olas de; Generalmajor [ – 1.6.1634 in Regensburg gefallen].

[38] Gunternach, N; Offizier ? [ – ].

[39] Rantzau, Marquard; Generalkommissar, Generalmajor [ – ].

[40] DUVE, Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium S. 49f.

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