Lehsten, Hans Christoph von

Lehsten, Hans Christoph von; Obristleutnant [Ostermontag 1618 – 28.11.1643] Lehsten diente als Obristleutnant der Kavallerie in der schwedischen Armee.

In seiner Leichenpredigt[1] heißt es:

„Der in jungen Jahren schon zu den höchsten Ehrenstellen der Armee in Schweden avancierte Uradelige wurde am Ostermontag um 1 Uhr nachts 1618 geboren. Als sein Vater war der Erbherr Christoph v. Lehsten auf Krentzlin[2] und seine Gattin Anna Elisabeth v. Seelen a. d. H. Retzow als Mutter anzusehen. Obgleich er schon am 8. März 1621 seine Mutter durch den zeitlichen Tod verlor, da er noch nicht drei Jahre alt war und auch noch drei unmündige Schwestern hatte, gelang es dem Vater doch durch intensive Schulung seiner Kinder, ihnen die nötigen Fundamente für ihr künftiges Leben zu geben.

Durch bestellte Praezeptoren lernte er sie lesen und schreiben, beten und den Katechismus achten. Mit neun Jahren kam Hans Christoph dann auf Weisung seines Vaters und damit er noch einmal eine weibliche Hand spürte, zu seiner Großmutter mütterlicherseits, Agathe v. Seelen geborene v. Rochow. Sie war seinerzeit Kurfürstl. Brandenburgische Hofmeisterin, die ihn weiter erzog. Von dort aus vermittelte sie ihn an den Hof der Fürstin Anna Sophia von Braunschweig und Lüneburg, einer geborenen brandenburgischen Prinzessin. Etliche Jahre diente er ihr als Edelknabe, dann wechselte er auf Empfehlung seiner Dienstherrin, die ihm auch die Möglichkeit geben wollte, Kriegsdienste zu üben, zu einem männlichen Fürsten, nämlich zu Herzog Franz Carl von Niedersachsen, Engern und Westfalen. Hier verbrachte er weitere drei Jahre als Page, reiste mit ihm an verschiedene kurfürstliche Höfe. Bei ihm hatte er auch seinen Degen erhalten und war dadurch für wehrhaftig erklärt worden.

Zur Beratung über sein weiteres Schicksal ging er dann zunächst zu seinem Vater nach Berlin, der wegen der Kriegsunruhen hierher geflüchtet war. Da er noch zu jung war, um zu heiraten und einen eigenen Haushalt zu führen, sollte er erst noch einmal an einen Hof gehen und wurde hierfür der Kurfürstl. Brandenburgische Hof in Aussicht genommen. 1638 aber hatte die kaiserliche Armee des Vaters Güter gänzlich ruiniert, abgebrannt und ausgeplündert. Er befürchtete daher zu Recht, seinen Sohn als Kavalier bei Hofe nicht unterhalten zu können. Notgedrungen ergriff der Junior den Soldatenberuf und verfügte sich zu einem seiner Schwäger, der schon Generalmajor war. Bei ihm trat er als Kornett ein und bewährte sich viele Jahre. Schließlich wurde er unter seinem Schwager zum Kapitänleutnant ernannt und mit einer eigenen Kompanie versehen. Diese Stellung nahm er anderthalb Jahre ein. Gegen die Kaiserlichen im Dreißigjährigen Kriege kämpfend, wurde er schließlich hier Obristleutnant und Schwadronschef, wiederum anderthalb Jahre später erlangte er die wegen seiner Tapferkeit verdiente Beförderung zum Oberst.

In seinem militärischen Leben hatte er viel Ungemach auszustehen.

Manche Diener und Burschen waren ihm entlaufen, Krankheiten suchten ihn in Ungarn heim, einige Pferde waren ihm „unvermuthlich umbgefallen und verdorben / er auch selbst mit einer harten Leibesschwachheit angegriffen / also / daß er weder reiten noch gehen können.“ Da aber die Armee täglich marschierte, mußte er sich zeitweilig einige Wochen in einer Sänfte tragen lassen. So vom Zeitgeschehen gezeichnet, schrieb er dem Vater, er wäre des Krieges überdrüßig und müde. Er werde oft beschimpft als Offizier, bekomme nicht

regelmäßig den Sold und wolle nach Hause zurück, um auf dem Lande ein friedlicheres Leben zu führen und seiner Haushaltung vorzustehen.

Der Vater war hocherfreut über den Entschluß des Sohnes und schrieb ihm zurück, er würde ihm gern Krentzlin abtreten und sich selbst an einen anderen Ort begeben. Zuvor aber sollte er sich auf jeden Fall mit seinem Schwager, dem Generalmajor, besprechen. Dieser gab ihm auf einige Monate Urlaub und er begab sich mit nur wenig Gesinde auf die Reise nach Berlin. Hier langte er am 18. November 1643 ziemlich geschwächt in seiner Gesundheit an, erholte sich eine Woche, besuchte noch den Kapitänleutnant v. Bredow – mit dem er sehr lustig gewesen war – und wollte dann eine Karosse nach Spandau[3] nehmen, um in einer Stunde bei seinem Vater in Krentzlin zu sein. Vorausgerittene Boten hatten die Ankunft bereits gemeldet und der Vater hielt mit heißem Verlangen Ausschau nach seinem Sohn.

Doch umsonst, denn dieser ließ sich nicht blicken. Zuerst dachte der Vater, er würde durch gute Freunde aufgehalten worden sein, die ihn auf einen Augenblick zu sich eingeladen hatten. Dann aber hörte er, daß ein nackter toter Mann auf dem Felde bei Buschow[4] an der Heerstraße lag. Der Vater wußte, daß die kaiserliche Soldateska mordend, plündernd und raubend durchs Land zog und daß die Straßen sehr unsicher waren. Voller Angst und böser Vorahnungen sandte er seine Bedienten aus, um nach dem Toten zu sehen und ihm zu berichten, wer er sei. Es war zwar nicht sein Sohn, aber des Sohnes Page v. Lindstedt, ein Junge von Adel.

Von erneuten düsteren Ahnungen umfangen, gab sich der Vater der Hoffnung hin, die Kaiserlichen hätten seinen Sohn entführt und er sei noch am Leben. Wieder sandte er seine Diener aus und ritt auch selbst in der Gegend umher, um seinen Sohn zu suchen. Inzwischen konnte er in Erfahrung bringen, daß sein junger Sohn in der Tat durch sieben Kerle nach Pritzwalk[5] und Putlitz[6] weggeführt worden war. Er sandte nun auch Post an alle Bekannten aus und ließ seinen Sohn suchen. Zehn Tage nach seinem Verschwinden dann wurde ihm die Gewißheit, daß ihn dasselbe Schicksal ereilt hatte wie seinen Burschen. Im Walde zwischen Putbus[7] und Parchen[8] wurde sein toter Körper auf einer wüsten Schäferei gefunden „mit dreyen schössen und zween sti-chen Jämmerlich entleibet / biß auffs Hembde außgezogen / und mit Stroh zugedeckt“. Aller Kundschaft nach war er am Dienstag, den 28.November 1643, jenem Mord in seinem 26.Lebensjahr zum Opfer gefallen.“

[1] Landesbibliothek Schwerin, Mkl gen l 409; online verfügbar unter: home.foni.net/~adelsforschung1/meck00.html, eine der wichtigsten Websiten dieser Art überhaupt und eine Fundgrube für biographische Details, die sonst nicht zu finden sind..

[2] Kentzlin [LK Demmin] ?

[3] Berlin-Spandau; HHSD X, S. 97ff.

[4] Buschow [LK Havelland].

[5] Pritzwalk [Kr. Ostprignitz/Pritzwalk]; HHSD X, S. 327f.

[6] Putlitz [Kr. Westprignitz/Pritzwalk]; HHSD X, S. 329f.

[7] Putbus [Kr. Rügen]; HHSD XII, S. 253f.

[8] Parchim; HHSD XII, S. 77f.

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