Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey], Wilhelm [Guillaume de] Freiherr [1634], Graf [1649] von

Lamboy [Lamboj, Lambri, Lamboji, Lampoi, Lambey], Wilhelm [Guillaume de] Freiherr [1634], Graf [1649] von; Feldmarschall [um 1590 – 13.12.1659 Schloss Dymokury]  Wilhelm von Lamboy [um 1590[1] – 13.[2]12.1659 auf Schloss Dymokury[3] (nahe Podebrady, nordwestlich von Mestec Králové); [4] Baron von Cortesheim[5] und Herr auf Dessenaer-Wintershoven,[6] Neuschloss[7] und Bielerad – 1642 an Lamboy gegangen,[8] – entstammte einer ritterlichen, „nicht eben berühmten“ Familie aus dem Hochstift Lüttich. Sein Vater war der 1636 verstorbene Wilhelm von Lamboy, seine Mutter Marguerite de Méan. Sein Bruder Georg brachte es bis zum kaiserlichen Obristen. Um 1641 heiratete er in Schwaben Sibylle, die Tochter des Johann Freiherr von Boyneburg auf Markt Bissingen,[9] Statthalter zu Innsbruck, und der Catharina Gräfin von Montfort. Mit ihr hatte er einen Sohn und vier Töchter.

Er erlernte in den Spanischen Niederlanden das Kriegshandwerk und soll von Bucquoy selbst mit nach Böhmen gebracht worden sein.

1621 wurde er zum kaiserlichen Obristen befördert. Weitere Nachrichten bis 1632 fehlen uns bisher.

Am 31.3.1632 schlugen Horst und Lamboy südlich von Pattensen[10] Herzog Georgs Kavallerie.[11] Lamboy hatte um 1631/1632 im kurkölnischen Auftrag fünf Reiterkompanien geworben; weitere kamen im Lauf der Zeit dazu. Das Regiment focht bei Lützen[12] und wurde von Wallenstein[13] in die kaiserliche Armee eingegliedert. In der Schlacht von Lützen soll er sich zusammen mit seinem Obristlieutnant Tavigny durch Tapferkeit ausgezeichnet haben. Er geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung erhielt er ein kaiserliches Dankschreiben, das ihm ein „Gnadenrekompens“ versprach, von Wallenstein das Gut Oels[14] mit der von Zdeněk von Waldstein erbauten Veste Neuschloss bei Arnau.[15] Arnau selbst fiel nach Wallensteins Ermordung mit kaiserlicher Resolution vom 5.11.1635 ebenfalls an ihn.

„Am 20. November [1632; BW] zogen Kaiserliche unter Ernst von Suys und Oberst Wilhelm von Lamboy in Zwickau[16] ein. Eine Woche später quartierten sich die bis dahin vor der Stadt gelegenen Kroaten in Bürgerhäusern ein, so dass oftmals 20, 30 oder 40 Personen verpflegt werden mussten.

Vor Weihnachten schickte Bernhard[17] von Chemnitz[18] Infanterie und am 25. Dezember Kavallerie vor die Stadt. Die Kaiserlichen unternahmen einen Ausfall, bei dem sie unter großen Verlusten zurückweichen mussten. Der anschließenden Belagerung und Beschießung setzte sich Suys entschlossen entgegen. Die Vorstädte wurden abgebrannt, das Stadtschloss, das Zeughaus und die einzige Kirche verschanzt. Ohne Aussicht auf Entsatz ging Suys dann am 5. Januar 1633 einen Vergleich ein. Die Kaiserlichen zogen sich unter Anrichtung großer Schäden über Schneeberg[19] nach Böhmen“.[20]

Lamboy nahm 1633 an Holks zweitem Terrorfeldzug in Sachsen teil.

Der Hofer[21] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 – 1648] hält fest: „Ebenselbiges abends montags den 5. augusti kam generalfeldtmarschall-lieutenant Holeki [Holk;[22] BW], obriste Hatzfeldt, Picolomini, Bredau [Breda; BW], Lamboji und Orosio Pauli [Pál Orosi; BW] mit allen ihren völckern allhier an. Der andern völcker march gieng auf Adorf[23] und Plauen,[24] und weilen niemandts von fürstlichen herrn beamten noch burgermeister und rathspersonen sich wegen besorglicher wegführung finden lassen wollte, hat obristen Hopffeldt [al]so beym herrn apothecker logirt und diesen abend die obgemeldte obristen insgesamt bey sich zu gast gehabt.

Dienstags frühe den 6. augustii vor seinen aufbruch hinter[25] [sie] alle thoren und thürlein der gantzen stadt verbrennen, ingleichen die vor dem jahre bey dem Obern Thor gebauete brustwehr oder schanze demoliren und alles niederreißen lassen“.[26]

„Am 4. August 1633 war der Befehl Wallensteins an den Feldmarschall ergangen, ‚allda dem Feind eine diversion zu machen‘, damit der ‚Kurfürst zu Sachsen desto ehender den Frieden zu suchen verursacht werden wird‘ (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.; Hallwich, ADB 12, S. 743, nennt den 11. August als Datum des Einmarschbefehls). Einer der Hauptgründe war freilich, daß die Verpflegungssituation der in Böhmen um Eger,[27] Pilsen[28] und Brüx[29] liegenden kaiserlichen Regimenter unhaltbar geworden war, und man sich von einem Zug nach Sachsen Verbesserung erhoffte. Tatsächlich stand auch der Plan, die Expedition nach Leipzig[30] auszudehnen und dort reiche Beute zu machen, von Anfang an fest. Holk beeilte sich deshalb, die an der Grenze Böhmens stehenden Regimenter zusammenzuziehen, um auf Wallensteins Befehl hin ‚unversehener Weise etwas zu tentiren, Chemnitz,[31] Freiberg[32] und Zwickau berennen zu lassen, daß wir zu leben können haben und, ehe Volk dahin einkommt, sie zu überraschen‘ (ebd.).

Der Angriff auf Sachsen begann am Sonntag, dem 14.8., in drei Hauptstoßrichtungen mit drei getrennten Truppenabteilungen, welche sich am 15. und 16.8. in Zwickau vereinigen sollten,[33] um dann über Altenburg[34] weiter nach Leipzig zu ziehen. Während das Korps unter dem Feldmarschall-Leutnant Melchior von Hatzfeld über Hof und Plauen[35] Zwickau erreichen sollte, hatte der östliche Heeresteil unter dem Obersten Franz von Ulfeld die Aufgabe, auf Freiberg, die Gebiete vor Dresden[36] und Chemnitz vorzudringen, während das Hauptheer unter Holk von Joachimsthal (Jáchymov),[37] wo ‚Rendezvous‘ gehalten worden war, auf direktem Wege über Schwarzenberg,[38] Aue[39] und Schneeberg Zwickau erreichen sollte. Hatzfeld, welcher die leichte Reiterei und die Kroaten befehligte, war in Eger aufgebrochen und zog zunächst über Hof nach Adorf: „[…] zu Hof, Wunsiedel[40] und andern Orten haben sie alle Thor zerhauen, dann keine Stadt mehr versperrt sein soll‘. Am 15. August rückte Hatzfelds Korps von Adorf gegen Oelsnitz[41] vor, welches am 16.8. kapitulierte[,] woraufhin das dortige Schloß in Brand gesteckt wurde, schließlich nach Plauen, welches am gleichen Tag besetzt, die Stadt geplündert und die Tore ausgebrannt wurden. Weiter ging die Spur der Verwüstung nach Mylau[42] und Reichenbach[43] und schließlich über Reichenbach nach Werdau.[44] Werdau, ‚wo sie die Rathspersonen und sonderlich Bürgermeister Sausen mit Radeln[45] heftig marterten, wurde gänzlich ausgeplündert, Stollberg von einem Reiterhaufen erst gebrandschatzt, dann doch in Brand gesteckt. Mehrere Rathsherren, die kurz zuvor das Geld beigeschafft hatten, wurden mit Stroh verbrannt‘. (Droysen/Holck etc.). In Zwickau, welches, von der Pest entvölkert, widerstandslos eingenommen wurde, war die Vorhut bereits am 16.8. eingetroffen, während die letzten Kompanien erst am 17.8. Plauen verließen.

Der Oberst Franz Graf von Ulfeld war am 14.8. mit 24 Kompanien Reitern, den Dragonern und einem Kroatenregiment aus dem Gebiet von Dux (Duchcov)[46] und Brüx (Most) in Böhmen aufgebrochen. Bereits am 15.8. zeigten sich einige seiner Reitertruppen vor Freiberg, allen voran die Kroaten unter dem Obersten Daniel Beygott, ‚eine fast längliche Person mit einem rotgülbligten Barte, so doch gut Deutsch geredt‘. Freiberg weigerte sich aber, seine Tore zu öffnen, weshalb Ulfeld, der sich nicht zu lange verweilen wollte, seinen Weg weiter nach Chemnitz nahm, welches am 16.8. aufgefordert und eingenommen wurde.

Altenburg wurde am Abend des 17.8. (Mittwoch) von einem 3000 Pferde starken Reiterkorps, bestehend aus den Regimentern Hatzfeld, Neu-Piccolomini, Bredau [Breda; BW] und Orossy [Orosi; BW] unter dem Hatzfeldischen Obersten Hans Rudolf von Bredau überfallen, welcher mit seinen Regimentern von Plauen über Reichenbach und Crimmitschau[47] gleich weiter in Richtung Altenburg vorgedrungen war: ‚[…] da ging alsobalden die scheckliche Plünderung an allenthalben. In welchen Häusern niemand vorhanden, denen haben sie zehn Mal so arg mitgefahren; wo Bier in Keller gewesen, ist dasselbe weggelassen worden; der Hausrath zerstümmelt auf die Gassen geworfen und zertreten […]. Wohl in die hundert Leichen sind anitzo zu begraben, weil gestern und vorgestern niemand hat begraben werden können. Vorgestern ist auch dem Lazaristen[48] das Pferd, so die leichen hinaus geschafft, auch gestohlen und dessen Wärter entlaufen. Jetzo hat man mit grosser Mühe ein anderes geschafft‘. (Droysen/Holcks Einfall in Sachsen etc.). Nach der Aussage des Theatrum Europaeum[49] (Bd. III, S. 109), welches den Einfall in Altenburg drastisch, jedoch in üblicher Manier etwas propagandistisch übersteigert schildert, waren die kaiserlichen Truppen ‚gantz plötzlich und unversehens mit vier Tausend Pferdten allda ankommen / alles geplündert / die Weibs-Personen zu todt geschändet / und die Mannspersonen zu todt geschraufft[50] / geprügelt / und auff allerley Marter und Weis getödtet. Kirchen / Schulen / Pfarrhäuser wurden geplündert […], die Todten wurden aus den Särcken geworffen / die Weiber ranzioniert und geschändet / Tafeln und Flügel aus der Kirchen genommen / der Syndicus erschlagen / die Apothecken in grund verderbet [usw.]‘.

Leipzig erreichte man bereits in der Frühe des 18. August. Nachdem am 21.8. der Feldmarschall Holk und Feldzeugmeister Rudolf Colloredo mit der Artillerie eingetroffen waren, wurde die Stadt von Mitternacht an 12 Stunden lang heftig beschossen, so daß am 22.8. ein Akkord abgeschlossen und die Stadt übergeben wurde. Leipzig mußte 70.000 Reichstaler Ranzion erlegen und eine große Menge an Handelswaren, welche die Kaufleute in der Stadt zurücklassen mußten, fiel in die Hände der kaiserlichen Truppen. Lediglich die Pleissenburg, auf welcher der kursächsische Oberstleutnant Christoph von Trandorf befehligte, konnte sich den Eindringlingen widersetzen. (Chemnitz II, S. 121; Krebs/Hatzfeld, S. 271 nennt August Adolf von Trandorf)“.[51]

Der Hofer Chronist Rüthner hält fest: „Montags den 2. september frühe brach obrist Orosio Pauli mit seinen croaten auf, hingegen marchirte die gantze cavallerie, so auf dem dörfern herum logiret, auf 14 regimenter an, darunter picolominisch, Hatzfeldt, ulfeldisch, Lambois, altsächßisch,[52] folckisch,[53] kuschckisch[54] und dragouner, welche meistens in die stadt, etliche wenige aber auf das landt einquartieret worden.

Bey währender dieser quartierung kam in der Mordgaßen bey dem goldschmiden Becken feuer aus, darob groß schrecken entstanden. Nachmittags zogen die völcker ein, und war aller raum und stallung zu wenig, das liebe getraidig, so nicht allein schon in scheunen, sondern noch auf dem felde, wurde allens ausgedroschen und zu schanden gemacht. Kein tropfen bier war vorhanden, kein brod zu bekommen, und musten die müller nichts als mahlen, in summa das elend nahm dermaßen überhandt, dass es zu erbarmen. Es kam auch dies tages zum andernmahl abends um 10 uhr feuer in der Mordgaßen bey dem fleischer aus. Und ob man wohl verhoft, es würde diese einquartirung nur eine nacht werden, so kamen doch dienstags den 3. septembris noch mehr reißig volck und dragouner an. Da musten viel pferd unter dem freyen himmel stehen, so gieng auch kein tropfen waßer in keinen röhrkasten[55] und wurde das jammer und elend alle tage und stunde je länger je größer. Mittwochs den 4. septembris war alles noch stille. Donnerstags aber den 5. frühe geschahe der generalaufbruch, wurden viel häußer mitspoliret und die leute sehr rantionirt“.[56] […] „Sontags den 8. septembris wurde anstatt der predigt eine betstunde gehalten. Montags darauf den 9. septembris gieng erst die hauptspolirung von dem lambrischen völckern an. Da ist so übel gehaust worden als in einer spolirung von diesen.[57] Alt und jung wurden gereitelt, geschlagen, verwundet und dermaßen tractiret, dass es nicht zu beschreiben, wie denn ihnen auch ein heimlich gewölb durch des stadtpfeifers Nicol pohls tochter, so neben Dorotheen Küfnerin, Melchior Küfners tochter, mehr eines zeuchmachers tochter und andern mit hinweggeführet, in der kirchen verrahten, daraus sie einen unsäglichen schatz bekommen. Diesen abend reiseten sie noch fort“.[58]

Rüthner hält weiter fest: „Sonnabends den 20. septembris wurde auf erfordern obrist Ulfelds Friedrich Hofman, ein bürger, in der nacht nach Rößlau[59] abgefertiget, so anstatt der abgeforderten peigoltischen [Beygott; BW] andere lebendige salv guard hieher legen wolte, da dann sein obristerlieutenanth eine ganz strenge anforderung, wöchentlich 60 thaler, 6 faß bier und 600 pfund brod, begehrte, endlich aber 25 thaler, 1 vaß bier und 100 pfund brod gemittelt worden. Als nun sontags den 29. septembris am Sankt Michaelistag die beigoltischen croaten von Schwarzenbach[60] aufgebrochen und die ulfeldische salv guard ankommen, gelangete unter der vesperpredigt viel heerd rind- und schweinevieh von der Zedwizer Straße an, denen sobald von Schlaiz aus der hauptmarch unterm commando des obristen Lamboj folgete, welche quartier begehrten, unangesehen die eingerißene infection[61] praetendiret wurde. So vermochte doch nichts zu helfen, sondern quartireten in 26 standarten kayserliche archibusierer und dragouner in- und auserhalb der stadt, durchsuchten sowohl die gesunden als inficirten häuser ohne scheu zu grund aus. Montags den 30. septembris gegen 8 uhr geschah der aufbruch gegen Eger mit dem verlaß, dieses land und Marggrafthum hinführo zu quittiren, auch verblieb die ulfeldische salv guard nicht, sondern ritte untern praetext, eine begleitung zu thun, neben empfangenen 25 thalern mit fort, weil auch die kayserlichen regimenter unterschiedlich viel heerden vieh und sonderlich in 500 stück schaff mit anhero brachten, so die metzger anzunehmen willens, dass fleisch aber nicht wieder leidentlich geben wollten. Hat endlich ein ehrentvester rath solche schaffe dergestalt angenommen, stechen und das pfund fleisch um 4 pfennig geben lassen, dass die ohnedieß nothleidende gemeine stadt darob sich höflich zu bedancken hatte“.[62]

Im September 1633 „fiel der kaiserliche Oberst Lamboy, in den Quellen zuweilen auch ‚Lamberg’ genannt, mit 3.000 Reitern in die Orlasenke ein. Das Haus Oppurg[63] und auch der Schösser wurden ausgeplündert. In Kospoda[64] wurden unter anderem die Kornböden der Pfarre leergeräumt, wofür die Gemeinde gegen Jahresende einen Groschen für zwei neue Schlüssel verrechnete. Die schwedischen Reiter in Neustadt[65] wurden von Lamboy vertrieben und die Stadt geplündert. Darüberhinaus mußten die Bürger 3.000 Taler bezahlen, damit ihnen nicht der Rote Hahn auf die Dächer gesetzt wurde.

Die Pößnecker[66] kauften sich durch Zahlung eines größeren Geldbetrages von der Plünderung los, mußten aber später noch einmal 130 Taler nach Saalfeld[67] senden. Dort hat dieser Zug im Anschluß drei Tage lang gewütet. 4.000 Taler ‚Brandversicherung’ mußten die Saalfelder Bürger aufbringen. Die Kirchen wurden erbrochen, Altartücher und Kelche, bis auf einen mitgenommen.[68] Bürgermeister Boner[69] soll damals allein an Hausrat 900 Gulden eingebüßt haben. ‚Dabei waren auf dem dortigen Rathause alle Kästen aufgeschlagen und die darin befindlichen Urkunden herausgerissen worden. Unter ihnen befand sich auch der kursächsische Konsens (von 1540) über einen von der Stadt Saalfeld zu Gunsten ihres ‚gemeinen Kirchkastens’[70] gemachten Rentenkauf. Es handelte sich dabei um drei ältere Schuldverschreibungen von zusammen 5800 Gulden, welche die Städte Schleiz,[71] Saalburg[72] und Tanna,[73] da sie einst für die ausgestorbenen Herren von Gera gebürgt hatten, mit 280 Gulden der damaligen Benediktinerabtei in Saalfeld verzinsen mußten. Diese Schuldbriefe hatte Graf Albrecht von Mansfeld erworben und an die Stadt Saalfeld weiterverkauf, an die bisher auch die Zinsen richtig bezahlt worden waren. Jener kursächsische Konsens war nun dem Lamboy in die Hände gefallen. Er eile nach Schleiz und nahm auch den regierenden Bürgermeister von Saalfeld mit nach hier. Am 26. September 1633 traf er in der Stadt ein und sich zunächst für die Zusicherung, sie mit Plünderung zu verschonen, 2563 Taler zahlen. Dann kündigte er ihr die Saalfelder Forderung und drohte im Nichtzahlungsfalle wieder mit Plünderung und Brand. So mußte sich Schleiz wohl oder übel zur Bezahlung der Schuldsumme verstehen. In der Nacht des 29. September erhielt der Oberst Lamboy 1400 Taler und seine Offiziere 347 ½ Taler auf Abschlag. Dafür sollten nicht mehr als 2.000 Pferde in Stadt und Herrschaft Schleiz einquartiert und in Oschitz[74] an dem von Kospoth und 11 Bauerngütern verübter Brandschaden mit eingerechnet und kompensiert werden ! Der mitgebrachte Bürgermeister von Saalfeld wurde durch Drohungen Lamboys gezwungen, in die Cession[75] der Schuldverschreibung zu willigen und zu versprechen, die eigentlichen Schuldurkunden in Monatsfrist an Schleiz auszuliefern’ “.[76] „Am 14. November des Jahres versuchte der Schleizer Rat bezüglich der Lamboy’schen Erpressung Schadensbegrenzung zu betreiben: Man schrieb an die Stadt Saalfeld und forderte, dass letztere den kurfürstlichen Konsens von 1540 gegen Erstattung der von Schleiz gehabten Unkosten zurückerwerben möchte und weigerte sich, bis dahin die Zinsen zu bezahlen. ‚Hierauf aber wollte Saalfeld sich nicht einlassen und wandte ein, die Cession sei ihrem Bürgermeister mit Gewalt abgenötigt, doch hinterher vom Rate nicht anerkannt worden. Nun entwickelte sich ein langjähriger Streit zwischen beiden Städten. 1652 ließ sich Saalfeld von Lamboy ein Attest ausstellen, daß dieser nur 1400 Taler erhalten, im übrigen ihm aber Schleiz nur eine bislang uneingelöste Schuldverschreibung gegeben habe. Der weitere Prozeß wurde dann vor dem kursächsischen Landgericht zu Jena,[77] vor der Regierung zu Altenburg,[78] dem Reichskammergericht zu Speier[79] und zuletzt vor der reußischen Regierung in Gera[80] verhandelt. Da er sehr kostspielig wurde, verstanden sich endlich beide Teile zu einem Vergleiche, der am 22. Juli 1661 in Neustadt a. O.[81] geschlossen wurde. Danach sollte Schleiz in fünf Jahren 2.500 Gulden an Saalfeld zahlen und Saalburg und Tanna im Verhältnis ihrer Bürgerschaft an der Bezahlung teilnehmen. Außer dem erpressten Gelde berechnete sich übrigens Schleiz den Schaden des Lamboyschen Überfalles auf 2194 Taler 16 Groschen 2 Pfennige, welches dann der Stadt aus der gemeinen Kriegskasse wiedererstattet werden sollten’ “.[82]

Im Oktober dieses Jahres fiel Lamboy wieder in Meißen und Thüringen ein und rieb die aus Neustadt a. d. Orla abziehende schwedische Besatzung auf. Danach wandte er sich gegen Weimar[83] und Erfurt,[84] um dann in das Naumburger[85] Gebiet rücken, wo er am 4. unter Melchior von Hatzfeldt bei Graupen[86] gegen Truppen[87] des sächsischen Feldmarschalls vorgehen wollte, was diesen zwang, eine mit Bernhard von Sachsen-Weimar[88] geplante Diversion nach Böhmen wieder aufzugeben. Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][89] aus dem von Eger[90] abhängigen Marktredwitz[91] erinnert sich: „Den 4. dito [4.11.N BW] kamen hierhero etliche Quartiermeister. Die machten Quartier für den General Lamboy auf 15 Kompag[nien] zu Roß. Wir schaffeten zu und warteten auf sie bald die halbe Nacht; aber vergeblich, denn er blieb mit dem Volk zu Dürschaimb [= Thiersheim[92]]. Des morgenden Tags früh begab er sich auf Eger, welche Verachtung uns sehr verdrossen [hat]“.[93]

Im Januar 1634 unterschrieb Lamboy den 1. Pilsener Revers.[94]

Im Februar 1634 wurde er von Wallenstein zum Generalwachtmeister ernannt – Lamboy hatte übrigens auch den sogenannten 2. Pilsener Revers[95] unterschrieben – ; nach Wallensteins Ermordung wurde die Ernennung am 16.3.1634 durch Ferdinand II. bestätigt.

Am 20.5.1634 wurde er auf Fürsprache Ottavio Piccolominis[96] zusammen mit seinem Bruder Georg, der als kaiserlicher Rittmeister diente, in den Freiherrnstand erhoben, zudem empfing er als „Herr von Dessenaer, Wintershove, Neuschloss, Oels und Méan“ die Kämmererswürde. Außerdem erhielt er die Wallenstein’sche Herrschaft Arnau.[97]

Anfang Mai von Leitmeritz[98] aus gegen Görlitz[99] geschickt, nahm er die Stadt im Sturm ein, tötete die 200 Mann starke Besatzung und schlug ein kursächsisches Regiment, das zur Unterstützung herangerückt war. Am 15.5. verband er sich in Trautenau[100] mit den Truppen Rudolf Graf Colloredos, der am 13.5. bei Liegnitz[101] schwer geschlagen worden war, so dass der weitere Vormarsch der Schweden und Sachsen nach Böhmen nicht aufzuhalten war. Diese nahmen am 18.7. Leitmeritz ein, erzwangen trotz der kaiserlichen Verstärkung durch Marradas den Elbübergang bei Melnik[102] und standen am 23.7. vor Prag. Nur Streitigkeiten zwischen Arnim und Banér verhinderten den Fall Prags. „Mittlerweile war Colloredo aus Schlesien den Kaiserlichen in Böhmen zu Hilfe gekommen. Bei Podiebrad[103] hatte er die Elbe überschritten und sich vor Prag mit Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy und Marradas vereint. Am 26. Juli standen sie dann am Weißen Berg. Bei ihrem Ansturm auf die Prager Kleinseite wurden sie allerdings verlustreich zurückgeschlagen“.[104]

Die „Wochentliche[n] Postzeittungen Nr. 32“ vom 8.8.1634 meldet aus Wien unter dem 16.7.: „Des Feindts Anzug auff Böhmen continuirt / vnd solle derselb nicht weit von Prag sich sehen lassen / verhoffentlich aber / weilẽ Herr General Feldmarschalck Gallas[105] mit 28. Regimentern vor Regenspurg auffgebrochen / vnnd ihme vnter Augen zu gehen vorhabens / als möchte er wol nicht lang daherumb quartieren können / derselb ist anfangs auff Leutmeritz gangen / daselbst Don Balthasar de Marradas / vnnd Herr General Major Lamboy mit etlichen Regimentern zu Roß vnd Fuß / vnnd vielen Commandirten Tragonern / sich verspüren lassen / mit welchen der Sächsische Vortrab scharmuziert / aber gar vnfreundlich von den Keyserischen empfangen / vnd zurück gewiesen worden. Weil nun nach eingebrachter Kundtschafft vernommen / daß beyde Armeen / nemblich die Sächsische vnd Bannierische / iunctis viribus auff gedachter Statt Leutmeritz im anzug begriffen weren / als haben die Keyserische nach reiffer erwegung / vnnd gehaltenem Kriegsraht / rahtsamb befunden / die Statt zu verlassen / vnnd die Brücken hinder sich abzuwerffen / dahero der Feindt / weil er allda nicht vber die Elbe kommen können / hat er auß Mangel der Brücken / seinen Marsch änderen / vnd nacher Melnick / allda die Besatzung imgleichen sich vbers Wasser saluirt / mit den Armeen fortgehen müssen. Coloredo vnd Gallas gehen nunmehr auff den Feindt recht zu / vnd vermeynet man / daß innerhalb wenig Tagen etwas wichtiges werde fürlauffen“.[106]

„Auf Aufforderung Piccolominis hatte der Feldmarschall Rudolf Colloredo zu Mitte September 1634 aus Schlesien ein Truppenkontingent nach Franken kommandiert, welches am 4. Oktober unter dem Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy in Eger eintraf (DBBTI V/1002, 1009; Braun/Leopold, S. 51). Die ursprünglich von Piccolomini angenommene Truppenstärke Lamboys von 8000 Mann wurde jedoch bei weitem nicht erreicht, oder Lamboy hatte unterwegs Truppen disloziert. Jedenfalls wird in einem Bericht Hatzfelds an Gallas die Truppenstärke Lamboys mit 2500 Mann angegeben (Krebs, S. 214), eine Zahl, die sich exakt auch mit der bei der wenig später erfolgten Ankunft der Lamboy’schen Völker in Coburg[107] deckt (Karche I, S. 205). Über Marktleuthen[108] und Münchberg[109] näherten sich Lamboys Truppen der brandenburgischen Stadt Kulmbach.

Aus seinem Quartier in Kirchenlamitz[110] forderte der Generalwachtmeister die Herren ‚Bürgermeistern und Rath gemeiner Statt Culmbach‘ mittels eines Schreibens zur Übergabe auf: ‚[…] Nachdeme Ich mit Zwölftausend Mann zu Rosß vnd Fueß Kayserlichen Kriegsvolckhs dießerorten im Anzug, Alß werden Sie durch dießes der gepühr vnd ernstlich erinnert, alsobalden nach empfang dieses die schleunige Anordnung zu thun, daß vor die obbemelte mihr vndergebene Kayserliche Armee nottwendiger Proviandt ahn Bier, Brodt vnd anders Nottwendigliche unfehlbar verschaffet und stündlich fertig gehalten [wird], Vnd daneben auch in einer Summa Sechstausend Reichsthaler zur handt gebracht vnd erleget werden […]. Geben Kirchenlamitz den 26. Octobris [Donnerstag] Anno 1634. Der Röm: Key: auch zu Hungarn vnd Böheim Königl. Meytt: Cammerer, GeneralVeldt=Wachtmeister vnd Obrister zu Rosß – Lamboy‘ (StAB Rep. C 48/208).

Bei der Stärke seiner Truppen hatte Lamboy, nach üblicher Manier, kräftig übertrieben. Andererseits muß man berücksichtigen, daß der Troß mindestens ein zusätzliches Drittel an Personen umfaßte und Lamboy möglichst nicht nur für einen, sondern für mehrere Tage Proviant erlangen wollte.

Dieses Schreiben wurde am folgenden Tag, Freitag, den 17./27. Oktober durch einen Trommelschläger überbracht. Die Stadt entschuldigte sich: ‚[…] weil aber diese arme Stadt […] lange Zeit von der kayserlichen Soldateska‘ notorisch geplündert worden sei, ‚und über dieses alles, das gantze Land und Fürstenthum albereit vor geraumer Zeit von allerhöchstgedachter Kayß: Mayt:[111] und [dem] Churfürsten S. D. von Bayern[112] wie auch dem Stifft Bamberg in Contribution gesetzt worden‘, könne man unmöglich diese Forderungen erfüllen. Gleichzeitig versuchte man einen kleinen Kunstgriff, um die Soldaten vom Betreten der Stadt abzuschrecken, indem man anführte, daß ‚durch die sehr hefftig noch graßirende giftige Seuch und plag der Pestilenz[113] viel hundert persohnen verstorben […]‘. Unterzeichnet ist das Antwortschreiben mit ‚Datum Culmbach den 17. Octobris A: 1634. Bürgermeister vnd Rath daselbst‘. (StAB Rep. C 48/208). Tatsächlich hatte die Stadt gerade eine Pestepidemie überstanden, so daß sich kaum mehr als 40 wehrhafte Bürger in der Stadt befanden.

Mit dieser Antwort konnte sich Lamboy natürlich nicht zufrieden geben. Am folgenden Tag, Samstag, den 18./28. Oktober ließ er die Stadt durch einen Trompeter mittels eines Schreibens aus seinem Quartier in Stadtsteinach[114] erneut zur Übergabe auffordern. Gleichzeitig präsentierte sich der Feind in voller Schlachtordnung ‚auf dem Mühlberg oberhalb dem Eichgrund Cauerndorf[115] und [hat] den ganzen Tag daselbsten in Bataille gestanden‘. Mittlerweile hatte sich der Hauptmann der Plassenburg,[116] Hans Christoph Muffel, der weiteren militärischen Vorgehensweise angenommen. Er nutzte die Gelegenheit, den ‚Trompeter, so itzunder vor die steinern brucken kommen will'[,] nach der Truppenstärke des Feindes auszufragen. Muffel notiert dabei: ‚zu Pferd, 3 Regiment: Hatzfeld, Lamboy, Brettau; 3 Regiment zu Fuß: Adelzhoffen, Wangler, daß dritte Regiment weiß er nicht‘. In einer nachträglichen Notiz ergänzt Muffel diese Informationen: ‚1. Brettau, 10 Comp., 2 zu 80 pferd [gemeint ist das Kürassierregiment Johann Rudolf von Bredau, welches zu diesem Zeitpunkt allerdings nur 9 Kompanien hatte]. 2. Lamboy Corazzen[117] 10 Comp. [Arkebusierregiment Lamboy]. 3. Hatzfeld halb Corazzen und halb lange Rohre [Kürassierregiment Melchior von Hatzfeld, 7 Kompanien unter OL Adolf Krafft, die Hälfte davon Arkebusiere]. 4. Wangler zu Fueß [10 Kompanien unter Johann Wangler d. Ä.]. 5. Adelzhofen 11 Comp. zu Fueß [Fußregiment Johann von Adelshofen]. 6. Gallas 8 Comp. [Fußregiment Gallas unter OL Bernhard Heinrich von Westerholt]. S[umma] bey 3000 Mann‘. (C 48/208, ergänzt durch LKKA/DBBTI V). Muffel schätzt die Stärke der Lamboy’schen Truppen erstaunlich gut ein, vielleicht hatte er die Zahl auch über den Trompeter erfahren. Die Stärke der Regimenter zu Pferd dürfte demnach zwischen 250 und 350 Pferden gelegen haben, die Fußregimenter hatten im Schnitt 600 Köpfe.

Interessant ist der Weg der Übermittlung der Übergabeaufforderungen an den Markgrafen Christian.[118] Diese wurden von Muffel jeweils mit einem eigenen Anschreiben versehen und solchermaßen auf die Plassenburg expediert, was die Kommunikation wohl nicht gerade beschleunigte. Die Antwort des Markgrafen Christian auf diese zweite durch den Trompeter überbrachte Aufforderung war abschlägig: die Übergabe der Stadt, vor allem aber die der vornehmen Hauptfestung Plassenburg stünde nicht in seiner Entscheidungsgewalt, er wolle ‚aber mit dero confoederirten davon communiciren, inmittelst sollte er sich [Lamboy] in 14. Tags gedulden‘. Eine solche Antwort war nun überhaupt nicht nach dem Geschmack des Generalwachtmeisters, denn am gleichen Tag (28.10.) ‚Nachmittags vm 2. Vhr [hat] eine starke Trouppe von ungefehr 40. Pferden über die Kauerndorffer Aue herein in voller curir [Carriera = Galopp] gegen die steinern Bruken zugesezet. Nachdeme ihnen mit Musqueten und FeuerRohren [Radschloßgewehren] anfangs zihmlich zugepfiffen worden, haben sie sich gegen die Aue hinunter auf Bürbitsch [Pörbitsch, heute Kulmbacher Stadtteil] und gegen den berg hineinretiriret, da ihnen dan unsere Reuter stark nachgesezet und auffeinander starck Feuer geben; darüber aber noch zwey starcke Trouppen zu ungefehr 50. Pferden von Cauernburg herzukommen, und ihr secundirten, auch zugleich das Fusvolk ganz unversehens von Folschniz [Fölschnitz] herein bey der Pulvermühl sich presentirte vnd auf die unsrigen Feuer geben, so haben die Soldaten und Burger die steinern Bruken verlassen, und sich gegen die Vestung und in die Stad zu salviren gezwungen befunden; und weilen aus größter Verwahrlosung und Unachtsamkeit alle Thore offen gestanden, auch die Wachen schlecht bestellt gewesen, ist der Feind wider alles verhoffen ohne einigen Widderstand und Gegenwehr alsobalden in die Stad und Vorstad gekommen, sich derselbigen bemächtiget und die ganze Nacht hindurch mit Aufhauung der Gewölber, Gemächer, Truhen und Kisten alles ausspoliret […]‘.

Kulmbach wurde während der Nacht von Samstag auf Sonntag völlig ausgeplündert, so daß der Chronist den entstandenen Schaden auf 2 Tonnen Goldes (200.000 Gulden) schätzte. Als man schließlich damit begann, Feuer in die Stadt zu legen und bereits 9 Häuser und 2 Städel in der Fischergasse vor dem ‚GrünWehrer Thor‘ in die Asche gelegt waren, erklärte sich die Stadtobrigkeit am folgenden Tag, Sonntag, den 29.10.[,] zu Unterhandlungen bereit. Man einigte sich schließlich auf eine Brandschatzung von 2440 Reichstalern.

Der Übergabevertrag wurde zwischen Bürgermeister und Rat der Stadt Culmbach und Gioanni Battista Picchi, ‚Ihr: Röm: Keyß: Mayt: deß löblichen Adolßhoffischen Regiments zue Fueß bestellter Obrister Wachtmeister in Namen des Herrn Wilhelmen Freiherrn von Lamboy‘ verhandelt und ist mit 19./29. Oktobris Ao. 1634 datiert. Möglicherweise war Lamboy zu diesem Zeitpunkt mit einem Teil der Truppen schon in Richtung Kronach weitergezogen, denn am 30.10. kamen diese bereits vor Coburg[119] an. Der Wortlaut des Akkords nennt eine Ranzionssumme von 2000 Reichstaler für Lamboy und eine nicht näher spezifizierte Summe für die Unterbefehlshaber, zur Hälfte innerhalb von 4 Tagen, der Rest innerhalb von 14 Tagen zu erlegen. Diese Summe wurde von den Bürgern der einzelnen Stadtviertel erhoben und eingesammelt. Die offiziellen Erhebungslisten, welche die jeweiligen von den Bürgern entrichteten Teilbeträge enthalten, nennen eine Gesamtsumme von 2660 Reichstalern (StAB C 48/208). Möglicherweise liegt hier ein Schreibfehler im Bericht von Longolius vor.

Die problemlose Einnahme Kulmbachs durch die Truppen Lamboys war ein relatives Glück für die Stadt, denn es wurden nur 5 Einwohner getötet, darunter der ehemalige Hofsattler Heinrich Hauck, den man ‚vor einen alten Pfaffen angesehen‘, der Krämer Hans Stängel und der Schmied auf dem Markt. ‚Herr Matthias Haßfurther, Bürgermeister, ist in seinem Hauß dermaßen übel tractiret vnd zugerichtet worden, daß er den dritten Tag hernach verstorben‘. Die Verluste der Angreifer waren unerheblich, obwohl einige der Plünderer bei der Abführung ihres Raubes erschossen wurden, ‚auch ihrer drey bei der Pulvermühl liegen geblieben, welche das ungeziefer meistens verzehret‘. Auch berichtete man, daß eine Anzahl gefallener Angreifer mit nach Kronach[120] geführt und dort begraben wurde.

An der Plassenburg über Kulmbach versuchte sich der Feind überhaupt nicht erst: ‚Dan ob derselbe wol die Stadt Culmbach mit gewalt eingenommen, vnd gantz ausgeplündert, konte er doch der Festung nichts anhaben, sondern ward genötiget die Stadt, alldieweil aus der festung mit Stücken vnd granaten starck hineingespielet worden, auch zu verlassen‘. (Chemnitz II, S. 581). Daß die Truppen aufgrund der Beschießung von der Plassenburg abzogen, darf bezweifelt werden – eine solche wäre mit Sicherheit noch vor Abschluß des Übergabevertrags erfolgt. Man kann annehmen, daß nach Abschluß des Akkords und der Zusage zur Leistung der Zahlungen der glimpfliche Ausgang der Belagerung nicht mehr durch unnötige Aktionen gefährdet werden sollte. Die Lamboy’schen Völker zogen größtenteils noch am Sonntag, den 29.10., über Kronach in Richtung Coburg ab und nahmen bis zur Erlegung der noch ausstehenden Geldforderungen zwei Geiseln mit“.[121]

Bei Rüthner heißt es dazu: „Lamboji nahm seinen march auf Culmbach zu, worinnen damals die pest starck regierte, brennete selbige stadt sonnabends den 10. oct[obris], ohngeachtet von der festung Plassenburg mit stücken auf sie gespielet worden. Jedoch weil die wach bey den Grünen war zu schlecht bestelt und entloffen, [ist er] in die stadt gedrungen, [hat] selbige ausgeplündert und übel hausiret, [ist] auch nicht eher als nach erlegung groser brandschazung gewichen, von dannen er auf Coburg marchiret“.[122] Rüthner berichtet weiter: „Unterdeßen aber kam des obrist Lamboj hofmeister, begehrte, damit die stadt mit der einquartirung möchte verschonet werden, ein stück geldes als 1000 thaler. Wiewohl nun die grose unmöglichkeit vorgeschüzet wurde, hat doch alles nichts helfen wollten, sondern es wurde 600 thaler verwilliget“.[123]

„Außer Suhl[124] hatte auch die gesamte Grafschaft Henneberg[125] unter diesem Kroateneinfall furchtbar zu leiden und ‚hat der Feind mit Feuer, Schwert, Raub, Plünderung, Schändung der Weibspersonen also kontinuiert und flagriert,[126] daß es einen Stein erbarmen möchte‘ (Huschke, S. 255). Kaltennordheim,[127] Themar[128] (15./25.10.) und viele andere Orte wurden in die Asche gelegt. Über den Thüringer Wald drangen die Kroaten wegen den um Erfurt liegenden Truppen Banérs jedoch nicht vor, sondern zogen werraabwärts, besetzten Schmalkalden,[129] plünderten Salzungen[130] und machten das ganze Werra-Tal unsicher. Ihr klares Ziel war es, Herzog Wilhelm von Weimar an einer Vereinigung mit den Truppen des Landgrafen Wilhelm von Hessen zu hindern. Herzog Wilhelm legte daraufhin seine Regimenter am 29. Oktober in die Umgebung von Weimar. Dies war notwendig geworden, weil einzelne feindliche Streiftruppen mittlerweile auch über den Frankenwald nach Saalfeld[131] vorgedrungen waren und auf dem Weg dorthin Lobenstein[132] geplündert hatten. Dabei handelte es sich um Lamboy’sche Streifscharen, die, verstärkt durch die auf Rosenberg liegende Besatzung des Kronacher Kommandanten Hans Jacob Bruckner, wiederholt Plünderungszüge in die Reußische Herrschaft Plauen unternahmen“.[133]

Der Chronist und Bürgermeister Georg Leopold [1603 – 1676][134] aus dem von Eger abhängigen Marktredwitz erinnert sich: „Am 14. Febris ist der Kaiserische General Lamboy mit seiner Armada aus Böheim(b) zu Eger an[ge]kommen. In seinem Herauszug hat sein Volk drei Tag[e] quartiret um Tiersheim, Leutten [= Marktleuthen[135]] und Kirche[n]lamitz[136] und großen Schaden getan. Auch haben sie auf diesem Marsch Kulmbach[137] überfallen, geplündert und wieder verlassen und sich nach Coburg[138] gewendet, welches er auch er erobert, sam(b)t dem Schloß“.[139]

„Wir wenden uns nun wieder den Truppen des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy zu, die wir am Sonntag, dem 29. Oktober 1634, bei ihrem Abzug aus dem geplünderten Kulmbach verlassen hatten. Am 30.10. (n. St.) kamen diese, 2500 Mann in 6 Regimentern stark, mit zwei Feldstücken im Herzogtum Coburg an. Lamboy, der über Kronach herangezogen war, schlug sein Hauptquartier in Großheirath[140] südlich von Coburg auf. Durch ein mittels eines Trompeter überbrachtes Schreiben ließ er noch am gleichen Tag Bürgermeister und Rat der Stadt zur Übergabe auffordern. Die Stadt schickte daraufhin eine Deputation, bestehend aus dem Obristwachtmeister Felix Rauschart, Kommandant über die Bürgerschaft und Stadtgarnison, sowie den Räten Ludwig Wilhelm von Streitberg, Dr. Bonaventura Gauer (Assessor des Schöppenstuhls), Dr. Andreas Peter Wolfrum (Assessor des Consistoriums) und Andreas Hohnbaum (Bäcker auf dem Steinweg) in das Lamboy’sche Hauptquartier. Der wollte allerdings die Delegation überhaupt nicht empfangen, sondern ließ die Verhandlungen durch seinen Bruder, Georg von Lamboy, führen. Lediglich den Oberstwachtmeister Rauschart, den er gut kannte, empfing er persönlich. Lamboy forderte für 5 Kompanien zu Fuß und seine Leibkompanie zu Pferd Quartiere in der Stadt, Proviant für die gesamten Truppen und eine Ranzion von 10.000 Gulden. Die Deputierten, welche die Unmöglichkeit der Forderungen erklärten, wurden bei ihrem Abzug bedroht, daß, sollte man sich am folgenden Tag nicht zugänglicher erzeigen, man mit Coburg wie mit Hof und Kulmbach verfahren wolle. Die geforderte Ranzion konnte nach einigen Tagen schließlich auf 5000 Gulden heruntergehandelt werden, worauf am 26.10./5.11. ein aus 8 Punkten bestehender Übergabevertrag unterzeichnet wurde und Lamboy mit den oben erwähnten Kompanien in die Stadt einzog. Das übrige Volk wurde in die Dörfer rund um Coburg einquartiert, wo alle Dorfschaften zu deren Verpflegung beitragen mußten. Der vereinbarte Übergabevertrag besagte, daß Stadt und Land Coburg bei ihren Herrschaften, Privilegien, Rechten und Gerechtigkeiten sowie Religion und Profan-Frieden belassen werden sollten. Die fürstliche Residenz, Kirchen, Schulen, Sekretariate, das Rathaus, die Kanzlei und das Gymnasium wie auch alle herzoglichen Beamten, Räte, Diener sowie alle Einwohner und Untertanen sollten unbeschadet bleiben und auf dem Lande Plünderungen und andere Insolentien unterbleiben. Auch wurde zugesagt, die Stadt mit keiner weiteren Ranzion zu belegen und Güter und Vermögen der Räte und der in der Stadt befindlichen Adligen unangetastet zu lassen. Wie diese Zugeständnisse eingehalten wurden, wurde sofort nach dem Einzug der kaiserlichen Truppen in die Stadt ersichtlich. Lamboy ließ die Bürgermeister in der Ehrenburg, wo er auch persönlich einzog, festhalten und verlangte von diesen wöchentlich 1000 Taler zu seiner Unterhaltung, nebst Viktualien und Vieh, welche Summe er jedoch aus realistischen Gründen auf 600 und schließlich auf 450 Taler wöchentlich reduzierte.

Auf der Veste Coburg war der Oberst Georg Philipp von Zehm Festungshauptmann im Dienste Johann Ernsts von Sachsen-Eisenach, der seit dem Tod Herzog Johann Casimirs Hausherr der Festung war. Zehm, der eigentlich zu den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar gehörte, war von diesem am 9. September 1634, kurz nach Bekanntwerden der Nördlinger Niederlage,[141] erneut als Kommandant der Veste Coburg bestätigt worden (Huschke, S. 235). Das dortige Oberkommando beanspruchte jedoch der von Herzog Johann Ernst bestellte Oberstwachtmeister Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, welcher die bisherige Garnison befehligt hatte. Von der ehemaligen Taupadel’schen Besatzung war, nach dessen Abzug im Februar 1633, eine Kompanie Dragoner unter dem Kapitän Michael Griesheim verblieben, über dessen und seiner Untergebenen Verhalten allerdings in den vergangenen beiden Jahren vielfältige Beschwerden eingekommen waren. Griesheim fühlte sich dem Major Görtz unterstellt, was zu vielfältigen Kompetenzstreitigkeiten führte.

Die gesamte Besatzung der Veste sollte Zehm im August 1634 auf Befehl Herzog Wilhelms von Weimar auf 800 Mann zu Fuß und 100 Reiter komplettieren. Davon waren allerdings 500 Mann aus der Landesdefension (Ausschuß) abzustellen, 200 Mann davon sollten die Veste Heldburg[142] besetzen. Die bewaffnete Bürgerschaft Coburgs zählte gegen 530 Mann, von denen sich aber nur ein kleiner Teil auf die Festung begeben hatte. Obwohl die Stärke der Festungsgarnison im Oktober 1634 nirgends explizit angegeben ist, darf man aus den vorhandenen Zahlen annehmen, daß die geworbene Besatzung nicht mehr als 100-120 Musketiere unter dem Hauptmann Michel (meist aus den Truppen Herzog Wilhelms von Weimar, die dieser ebenfalls am 9. September 1634 dorthin kommandiert hatte) und 70 berittene Dragoner Griesheims umfaßte, wozu noch etwa 120 Ausschuß aus Coburg, Neustadt,[143] Sonnefeld,[144] Neuhaus (am Rennweg)[145] und Hiildburghausen[146] vorgesehen waren. Die Ausschußkompanie kommandiert[e] der Hauptmann von Birkig. Insgesamt umfaßte die Festungsbesatzung wohl 250-300 Mann. Im Laufe der Belagerung erkrankten ca. 60 Personen, 16 kamen zu Tode. Oberst Zehm bat während der Belagerung Herzog Wilhelm mehrmals um eine Verstärkung von 100-150 guten Musketieren, welche zwar öfters zugesagt wurde, tatsächlich jedoch nie ankam. Jedenfalls schreibt der auf die Veste geflüchtete Kommandant der Heldburg, Joachim Ludwig von Seckendorf in einer Rechtfertigungsschrift, es wäre ‚rühmlicher gewesen, es hätten 300 junge Mannschaften in Coburg die Resolution gefaßt und sich auf die Festung, dem Feind zu resistiren begeben, statt alte verlebte Krämer und dergleichen Gesellen hinaufzuschicken‘. (T. Krieg, S. 34, 35, 42, 45).

Das Lamboy’sche Belagerungskorps war zahlenmäßig starken Schwankungen unterworfen. Als Lamboy die Stadt mit einer Anzahl berittener Ttruppen am 16.11. für einige Tage in Richtung Römhild verließ, ließ er nur 500 Mann zu Fuß und 60 Reiter zurück. Wenig später wurde jedoch eine Verstärkung Hatzfeldischer Truppen von dem nun quasi verbündeten sächsischen Oberst [später Generalleutnant] Albrecht von Kalckstein herangeführt. Lamboy verfügte damit, außer dem Kürassierregiment Hatzfeld und den Fußregimentern Gallas, Johann von Adelshofen und Graf Rudolf von Thun (letzterer ab Dezember), über zusätzliche Kompanien aus dem Fußregiment [Johann v.; BW] Götz[147] und den Kavallerieregimentern Forgách (Kroaten) sowie Johann Wilhelm von Willich (Arkebusiere), die ihm Piccolomini zur Verfügung gestellt hatte (DBBTI V/1188; Karche III, 137). Offensichtlich ist, daß es in Lamboys Truppenzusammensetzung seit seinem Anmarsch über Kulmbach (s. vorgehendes Kapitel) erhebliche Verschiebungen gegeben hatte. Zehm schätzte die Verstärkungen einschließlich der angekommenen Bergknappen und ‚Minirer‘ auf 1200.

Unmittelbar nach der Einnahme der Stadt am 5.11. begannen die Truppen Lamboys mit der Einschließung und Belagerung der Festung. Oberst Zehm, der abwesend war und von Steinheid[148] her anreiste, gelangte gerade noch rechtzeitig in die bereits umstellte Burg. Die Dragoner, welche gerade in Richtung Cortendorf[149] und Lützelbuch[150] zum Furagieren ausgeritten waren, waren durch einen Losungsschuß zum Rückzug ermahnt worden, wurden aber vom Feind umringt und hatten 3 Tote und etliche Verletzte zu beklagen, bevor sie sich in die Festung zurückziehen konnten. Rüger, der gerne zu Übertreibungen neigt, berichtet, daß einer der Verwundeten namens Eucharius aus Hildburghausen ‚also gestochen worden, daß der durch die Wunde gehende Wind sein Licht ausgelöscht‘. Der solchermaßen Verletzte wurde jedoch wundersamer Weise wieder geheilt. Oberst Zehm beklagte sich heftig über die seiner Meinung nach allzu schnelle Übergabe der Stadt und über diejenigen, ‚so accordiert und die Stadt so liederlich übergeben‘.

Die ersten Tage und Wochen der Belagerung vergingen, da die feindlichen Truppen noch relativ schwach waren, mit verschiedenen Plänkeleien und Scharmützeln. Die Einschließung scheint zu diesem Zeitpunkt noch nicht so konsequent gewesen zu sein, denn vom Landvolk wurden allerhand Viktualien in die Festung getragen. Unter anderem kamen zwei Schuster aus Sonneberg[151] zum Verkauf von zwei Tragen Schuhen in die Burg, welche man für Spione hielt und verhaftete. Eine Frau, die eine Bürde mit Heu in die Festung tragen wollte, wurde allerdings auf dem Rögnersberg erstochen. Am 9. November wurde ein Bäckerjunge als heimlicher Bote mit der Bitte nach Verstärkung zu Herzog Wilhelm von Weimar abgefertigt. Dieser sollte zum Zeichen dafür, daß er den Belagerungsring erfolgreich überwunden hatte, ein Feuer auf dem Mühlberg machen, was auch gelang. Am 16. November versuchten die Belagerer zum ersten Mal an die Tore der Burg zu kommen um dort Feuer einzulegen, wurden aber durch die beiden auf der Brustwehr stehenden Konstabler Conrad Rüger und Hans Jakob Seidenschanz mit Granaten und Sturmtöpfen[152] abgetrieben. Am 19. November kam der an Herzog Wilhelm abgesandte Bote wieder zurück und machte zum Zeichen seiner Ankunft auf dem Mühlberg wieder ein Feuer, worauf man ihn über den Burggraben in die Festung geleitete. Er brachte die Nachricht, daß Herzog Wilhelm unweigerlich Sukkurs schicken wolle, der jedoch nie eintraf.

Die Belagerung der Veste ging indessen, da Lamboy sich für einige Tage zu Konsultationen mit Forgách nach Römhild[153] begeben hatte (am 16.11.), mit relativ geringem Engagement weiter. Rüger berichtet unter dem 20. November von einer merkwürdigen Exkursion von 5 Landesdefensionern, die zum Holzholen in die abgebrannte Schäferei ausrückten. Dabei mußte ihnen die Jungfer Katharina Krug die Gewehre nachtragen. Auf dem Rückweg wurde die Gruppe von einer feindlichen Streifpartei überrascht. Die Männer ‚riefen gedachter Jungfer, welche schon etwas vorgegangen, um Gotteswillen zu eilen und ihnen ihre Gewehre zu bringen, worauf sie wieder zurückgesprungen und den Männern dieselben überbracht, welche nun auf den Feind losgingen. Zu ihrer Defension wurde aus der Festung mit Doppelhaken und Musketen Feuer unter die Feinde gegeben, daß sie ausreißen mußten und kamen die 5 Männer ohne Schaden durch Gottes Hilfe davon, nahmen ihr Holz wieder auf den Hals und brachten es in die Vestung‘. Kommandant Zehm unternahm nun einen einen Versuch die in der Stadt liegenden feindlichen Truppen zu verunsichern. Er ließ zwei Geschütze auf die geheime Ratsstube in der Ehrenburg, in der Lamboy sein Quartier hatte, zwei auf den Markt und zwei auf das Rosenauschlößchen richten und diese abfeuern. Gleichzeitig ließ er einen Ausfall beim Heiligkreuztor und Steintor machen, der allerdings wenig Erfolg hatte, sonderlicher Schaden ‚sei in der Stadt nicht geschehen‘. (T. Krieg, S. 35).

– – Der schwarzburg-sondershausische Hofrat Happe[154] erwähnt Lamboy in seiner „Thüringischen Chronik“: „Den 22. November ist das in Francken liegende keyserliche Volck von des Generalmajors Lampoi Regiment in sechshundert Reuter starck morgens frühe umb 7 Uhr zu Breitenbach[155] im Ambt Gehren[156] eingefallen, da die armen Leuthe theils noch in den Betten gelegen, haben 20 Personen niedergehauen, worunter auch Unseres Genedigen Herrn Floßmeister, über einhundert Personen verwundet, den Pfarr[er] gefangen, nackent ausgezogen und mit hinweg gezogen, den gantzen Flecken ausgeplündert und in die 2000 Stück Viehe, sowohl 100 Pferde, so zum Theil die fremden Leuthe dahin geflohet, genommen und nach 9 Uhren sich wiederumb durch den Wald gemachet. Unsere Völcker, die uns soviel gekostet, liegen dargegen in den Quartieren auf der faulen Seiten, plagen und martern die armen Bauren, schinden, pressen, rauben, stehlen und nehmen, dass nicht wunder wehre, Gott schlüge mit Donner und Plitz darein“.[157] – –

Wegen des ausbleibenden Sukkurs wurde der Bote am 4. Dezember erneut mit der dringlichen Bitte um Unterstützung zum Herzog geschickt. Dieses für Herzog Wilhelm, zu diesem Zeitpunkt ja noch schwedischer Generalleutnant, typisch unzuverlässige Verhalten hatten wir bereits bei der am 22.11. ausbleibenden Unterstützung für die heranziehenden Hessischen Truppen unter Kurt von Dalwig erlebt. Wilhelm schien zu dieser Zeit bereits zu taktieren, da er davon ausging, daß sich die Coburger Besatzung länger halten würde und durch das sich abzeichnende Pirnaer Friedensabkommen zwischen dem Kaiser und Sachsen (23.11. 1634) die Veste Coburg in die Neutralität aufgenommen werden könnte. Daß jedoch Wilhelm den Entsatz der Veste zumindest plante, geht aus den Verhandlungen mit dem schwedischen Feldmarschall Johann Banér vom 9.12. hervor, den er, wie sich herausstellen sollte erfolglos, zu einem Vorstoß gegen Franken zu überreden versuchte. Der Coburger Kommandant Zehm hatte Wilhelm durch den abgesandten Boten gemeldet, daß die Kaiserlichen durch die erfolgte Beschießung der Stadt und den Ausfall so in die Furcht geraten seien, ‚daß sie, hätte es nur etwas stärker ausfallen können, die Stadt sollten quittiert haben‘. Auch, daß die in der Stadt liegenden kaiserlichen Truppen Furcht vor einem neuen Überfall hätten und der Herzog mit 2000 Reitern und 1000 Mann zu Fuß diese leicht überwältigen und die Festung entsetzen könne (Huschke, S. 264). Der Kurier kam am 12. Dezember mit der Botschaft zurück, daß die Unterstützung innerhalb der nächsten beiden Tage nun unweigerlich eintreffen sollte. Die Konstabler Rüger und Seidenschwanz wurden deshalb ‚mit 2 halben Karthaunen und 50 Kugeln, 13 Ctr. Pulver und 6 Pfd. Pirschpulver,[158] zum Zündkraut zu gebrauchen‘ in Stellung gebracht um der herannahenden Verstärkung Feuerschutz geben zu können und dem Feind ‚bei der Stahlhütte in Gotsmanns Garten Pahre [Barré] zu schießen‘, diesen also abzuriegeln (Die Stahlhütte, also das Schießhaus für die Armbrustschützengilde, stand an der Stelle des heutigen Landestheaters).

Die erwartete Verstärkung blieb natürlich aus. Am 23.12. (2.1.) ordnete Zehm einen größeren Ausfall mit 100 Mann an. Diese kamen bis unter die Tore der Ehrenburg, mußten sich aber nach kurzem Gefecht unter Mitnahme eines Gefangenen wieder in die Festung zurückziehen. Rüger erwähnt diesen Vorfall seltsamerweise nicht, berichtet jedoch von einigen Ausfällen der Dragoner unter dem 21. und 24. Dezember, welche einen Gefangenen einbrachten, der vorgab, ein geborener Grieche zu sein und deshalb nicht antworten wollte. ‚Da wardt befohlen, man solle ihn todt schießen; da konnte er gut deutsch reden‘. Während der nun folgenden Weihnachtsfeiertage hielten sich beide Seiten ruhig.

Im Januar 1635 kam Johann Ludwig Fueß, der Kommissar des kaiserlichen Feldmarschalls Piccolomini nach Coburg. Er ließ etliche Mandate wegen monatlicher Kontributionen von 1000 Gulden, Lieferung von Proviant und Beschaffung von Quartieren publizieren. Er selbst verlangte monatlich 200 Taler neben Kost und Futter. Fueß wurde durch den kaiserlichen Oberkommissär Daniel Wolff abgelöst, der eine eigene Vergütung von monatlich 600 Reichstalern und eine sofortige Kontribution von 8000 Talern für die Kriegskasse forderte. Den Beamten und Räten der Coburgischen Städte wurde bei Nichtzahlung mit Arrest und militärischer Exekution gedroht, so daß sie schließlich eine Obligation über 6000 Taler ausstellten. Als die Stadt Coburg diese Kontributionen nicht mehr aufbringen konnte, wurden die Mitglieder des Rates 8 Tage lang in die Regimentsstube auf dem Rathaus eingeschlossen. Kaum hatten sie sich gegen eine goldene Kette und eine Anzahl von Wertgegenständen freigekauft, wurden sie erneut, neben dem Kanzler Dr. Ernst Fomann auf Waldsachsen und dem fürstl. Rat Dr. Peter Wolfrum, in der großen Ratsstube der fürstlichen Regierung inhaftiert und von Soldaten bewacht, bis sie schließlich eine Obligation über 3400 Reichstaler ausstellten, worauf sie freigelassen wurden.

Rüger berichtet unter dem 2. Januar von etlichen Ausfällen der Dragoner, die dabei einen Toten und 2 Gefangene zu beklagen hatten. Die Gefangenen wurden von den Belagerern grausam umgebracht. Der eine, weil er zwei Glaskugeln bei sich trug, was als abergläubisches Mittel galt, um das ‚Festmachen‘ also die Unverwundbarkeit des Gegners aufzuheben. Diesem stachen sie die Augen aus, schnitten ihm ein Kreuz auf die Stirn und erschossen ihn. Der zweite, ein Knecht des Dragonerfähnrichs Klaus Börzinger, weil er eine Pirschbüchse bei sich trug, also als Scharfschütze galt.[159] Dieser Knecht sollte, weil er in das Zeughaus eingebrochen war, bereits am Vortag in der Veste erschossen werden, war jedoch von der Schwester Georg Christophs von Taupadel, die sich noch auf der Veste befand, freigebeten worden. Am 20. Januar streuten die Dragoner sogenannte Lähmeisen, also vierzackige Fußangeln, aus und legten Lähmbretter (Bretter mit durchgeschlagenen Nägeln). Der in diesen Hinterhalt gelockte Feind hatte dadurch zahlreiche Verluste an lahmen Pferden.

Die Nachrichten des Festungskommandanten Zehm an seinen Landesherren Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach und den de facto schwedischen Generalleutnant Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar wurden im Februar des Jahres 1635 zunehmend dringlicher. Wilhelm legte nach wie vor seine Verzögerungstaktik an den Tag. Am 9./19. Februar wies er Zehm auf die laufenden Friedensverhandlungen hin und erklärte, daß ein solcher Frieden nicht nur einen Waffenstillstand, sondern den Wegzug aller kaiserlicher Truppen aus der Grafschaft Henneberg und dem Herzogtum Coburg nach sich zöge. Sein mangelndes Eingreifen entschuldigte Wilhelm damit, daß der Feind nördlich des Thüringer Waldes keine Feindseligkeiten zeige, er deshalb diesen Zustand gleichfalls nicht durch feindselige Haltungen gefährden wolle. Dem Kommandanten empfahl er, einen Unterhändler zu Lamboy zu schicken und ihn über den bestehenden Waffenstillstand zu unterrichten, der zwangsläufig auch die Festung Coburg einbeziehen würde.

Während Herzog Wilhelm zumindest noch produktive Vorschläge machte, beschränkten sich die Ratschläge Johann Ernsts, der keinen militärischen Einfluß hatte, auf reine Durchhalteparolen. Bereits im Januar hatte Zehm geklagt, daß er von seinem Landesherren und dessen Räten keine Antwort bekomme. Zu Anfang Februar legte er diesem die militärische Situation dar. Danach hatte Lamboy umfangreiche Vorbereitungen für einen Sturm machen lassen. Dafür seien zahlreiche Schanzkörbe, Faschinen[160] und Sturmleitern etc. verfertigt worden. Zudem habe man mit der Unterminierung der Veste begonnen, zu welchem Zweck zwei ‚Minierer‘ (Bergbauingenieure in Militärdiensten) und eine große Anzahl an Bergknappen angekommen wären. Zehms kontinuierliches Klagen und die durch seine eigene Hilflosigkeit bedingte Wut veranlaßten Johann Ernst am 10./20. Februar dazu, einen außergewöhnlich scharfen Durchhaltebrief an den Kommandanten zu richten: ‚Herr Obrister, ich weiß nicht, wie ihr gar so verzagt schreibet, Ihr sagt, Ihr seid so lange blockiert gewesen, Ihr müsset aber wissen, Blockierung ist nicht Attackierung, wenn sie Euch etwas tun wollen, so müssen sie Euch auf den Leib, es ist auch die Festung so hoch, daß sie nicht werden so bald hineinsteigen, auf den gesetzten Fall kommen sie hinein, ist es doch nichts Neues, daß man sie wieder herausschlagen [muß]. Es ist leicht von einem Kavalier geredet, daß man Leib und Leben zusetzen will; wenn alles dabei in Acht genommen wird, ists wohlgetan; der Herr Obriste betrachte, es ist kein Geringes, ein Kommando zu begehren und auf sich zu nehmen, man muß auch danach tun, was sein Amt mit sich bringet. […] ich verstehe mich zu Euch als einem Kavalier, Ihr werdet tun, was Euch gebühret, befehle Euch hiermit ernstlich, für mich und mein Haus, daß Ihr unsre Festung bis auf den letzten Mann und letzten Blutstropfen verteidiget, und man will von keinem Akkord wissen; tut Ihr nun wohl, so versichere ich Euch, es soll Euch mit solchem Dank belohnet werden, daß ihr damit sollet zufrieden sein, tut Ihr aber übel, und lebet dem Allen nicht nach, so wird man es von Eurem Kopf fordern‘. (T. Krieg, S. 36).

Zehm schrieb seinem Landesherren im Verlauf des Februar, daß die Blockade der Festung nun vehement vorangetrieben würde, ‚fast nicht ein Hund könne mehr herauskommen‘. Die Belagerer hätten zudem mit dem Vorantreiben der der unterirdischen Stollen erhebliche Fortschritte gemacht. Am 17./27. habe man deshalb einen Ausfall unternommen, den Feind aus den Laufgräben geschlagen und eine der Minen einbekommen. Dabei seien 25 der Feinde gefallen, zwei Minierer und etliche Bergknappen habe man gefangengenommen und mit ihren Werkzeugen und Waffen in die Festung gebracht. Ein ‚vornehmer Minierer‘, der sich für einen Fähnrich ausgebe, nach Aussage der anderen aber der Hauptmann sein soll, habe bekannt, deß der ‚Principal Minierer‘, ein Italiener, fest entschlossen sei, unter den Stock der Veste zu minieren. Man habe die dritte Mine bereits angefangen und nach dem Willen Lamboys wolle man alle drei Minen zugleich springen lassen. (Ebd. S. 37).

Diese Vorbereitungen werden in einem Brief Lamboys am 22. Februar an Octavio Piccolomini bestätigt. In diesem schreibt Lamboy, daß die Vorbereitungen zu Unterminierung der Festung beendet seien. Durch die Minenstollen könne man bereits die feindlichen Schanzen erreichen. Die Sappeure[161] hätten 40 Tonnen Schießpulver unter die Festung gelegt, falls diese nicht innerhalb von 3 Tagen übergeben werde, solle die Sprengung erfolgen. Am 24. Februar muß Lamboy in einem weiteren Schreiben allerdings zugeben, daß sich die Verteidiger nicht ergeben wollten, sondern auf Hilfe warteten. Der zweite Minenstollen sei nun auch beendet. Am 28. Februar berichtet er, daß die Belagerung der Feste durch Regenfälle und Ausfälle der Verteidiger erschwert würde. Diese warteten auf Hilfe von Johan Banér. Gleichzeitig verteidigt er sich gegen Vorwürfe Piccolominis, der die Sappen und Minen für nicht wirksam genug hielt. (DBBTI V/1160, 1167, 1172).

Rüger berichtet von der nun gänzlichen Einschließung der Veste unter dem 26. Februar. Am 28.2. richtete er eine mit Hagel (Hackblei und Eisenstücken) geladene viertel Kartaune auf den von den Belagerern besetzten Hohlweg und provozierte dadurch einen artilleristischen Gegenangriff. Dabei wurde die Schießscharte seiner Geschützstellung getroffen, so daß ihn ein Steinsplitter am Ohr traf und etliche Tage außer Gefecht setzte. Unter dem 5.3. schreibt er von einem Ausfall der Dragoner, welche von der blauen Kemenate mit Doppelhaken, Musketen und Gewehren unterstützt wurden. Die Schildwache der Belagerer, ein geborener Schwede und ehemals zur auf der Veste liegenden Kompanie des Hauptmanns Michel zugehörig, wurde überrascht und wollte fliehen. ‚Sein Hauptmann aber mit Namen Krebs versuchte ihn aufzuhalten, indem er ihm zurief: Wohin ? Wohin ? er aber stößt ihn in den Koth, sagend: Da liegst du und der Teufel !‘ Die Dragoner, die zu Fuß angriffen, machten etliche der fliehenden Belagerer mit Schlachtschwertern (Zweihändern) und kurzem Gewehr (Helmbarten) nieder und nahmen den Rest gefangen, darunter den Hauptmann Krebs.

Von einem besonderen Kabinettstücklein berichtet Rüger unter dem 7. März. Die Belagerer hatten zwei 1/4-pfündige Stücklein[162] in einen Garten unterhalb der neuen Bastei gepflanzt und begannen die Festung zu beschießen (diese Bastei, im Süden der Veste, hatte der Konstabler Rüger unter seinem Kommando). ‚Die Feinde gaben nach mir Feuer, fehlten aber die ganze Vestung nicht mehr als 26 mal, welches die darinnen liegenden wohl lachten und folgendes Blendwerk brauchten. So oft sie schossen, warf Caspar Radschmidt mit einem Sturmhäfelein,[163] so mit Kalk und Aschen angefüllt war, an die Mauer, daß es stäubte, wodurch sie vermeinten, sie hätten getroffen. Wie sie aber den Betrug merkten, so trafen sie besser und schossen in die Schießaugen und durch die Blendung auf der neuen Bastei, daß ich aber übel zufrieden war und gedachte sie wieder zu bezahlen, richtete deshalb eine halbe Karthaune auf sie zu und gab Feuer auf ihre Schanzgräben und Batterien und lähmte ihre Stücke gänzlich, welches sie aber bald wieder reparirten und Feuer auf die Basteien gaben, welches noch zu ersehen, aber sie konnten nichts Schadhaftes effekutieren‘.

Eine weitere Episode über den anscheinend besonders gewieften Caspar Radschmidt berichtet Rüger wenig später: ‚Den 12. März kommandierte der Hr. Capitän 3 Männer mit Schlachtschwerdtern und kurzem Gewehr auf die vordere Mine, welche im Herrenberg angefangen war [unter der neuen Bastei]. Darunter war auch Caspar Radschmidt, eine Rundtasche habend [Rondartsche = schußfester Rundschild]. Diese gingen auf die Minirer los, bekamen ihrer 4 gefangen und führten sie auf die Vestung. Als sie fast hinan waren, vermerkte Caspar Radschmidt, daß er in der Furie seine Rundtasche verloren habe, dem der Capitän alsbald 6 Mann gab, dieselbe wieder zu holen. Sie gingen hin und bekamen wieder 7 Minirer und ihren Hauptmann, wie auch alle ihre eisernen Keile und Hämmer, nebst einer Flasche, mit welcher sie Vormittag 9 Uhr die in der Vestung genug gehöhnet, indem sie selbige auf eine Stange steckten und uns einen Trunk präsentirten, dem wir Bescheid thun sollten, welches auch durch einen Jäger geschahe, der sie mit einer Pirschbüchse anzäpfte‘.

Zu einem spektakulären Zwischenfall kam es am 22. März, als Rüger erneut die Ehrenburg beschoß. Dort hielt sich gerade der Generalwachtmeister Lamboy mit dem Grafen Miklós Forgách und noch 5 Oberstleutnants, angeblich zum Kartenspielen, in der geheimen Ratsstube auf, als eine von Rüger abgefeuerte Geschützkugel einschlug, die steinerne Fenstersäule zerschmetterte, den Tisch um kaum einen Meter verfehlte und zum anderen Fenster wieder hinausfuhr. Rüger berichtet über diesen Vorfall, zwar unter falschem Datum, aber in gewohnt launiger Manier: ‚Den 21. Nov. spielte ich auf den Abend mit einer Feldschlange von der neuen Bastei auf die geheime Rathstube in der Ehrenburg, denn es war berichtet worden, daß der General Lamboy sein Quartier in selbiger genommen, welches auch zugetroffen. Am selbigen Abend war General Lamboy am Tisch gesessen, gespielt, getrunken und lustig gewesen und habe ich von gedachter Stube eine Säule vom Fenster sammt dem Gebäu vom Stuhl, auf welchem Lamboy gesessen, nebst Leuchter und Pocalen von der Tafel weggeschossen, daß Herr und Diener aus dem Gemach gesprungen und wollten diesen fremden gast, weil er ganz seltsam und ihnen übel gefallen, nicht mitspielen lassen‘. (Rügers Relation bei Karche I, S. 477).

Der Kommandant Zehm war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich frustriert. Da sich Herzog Wilhelm von Weimar am 3./13. auf eine Reise zu Kurfürst Johann Georg I. nach Dresden begeben hatte (Huschke, S. 286), wandte sich Zehm noch am 12./22.3. an Herzog Johann Ernst mit der Bitte, dieser möge doch wegen etwaigen Sukkurses bei dem Generalmajor Georg von Uslar in Waltershausen[164] anfragen, dem Herzog Wilhelm Weisungen hinterlassen habe. Er beschwerte sich auch bei dieser Gelegenheit über Herzog Wilhelm, dem er etliche Male den Zustand der Festung geschildert habe, auch daß die Besatzung gar zu schwach und durch die stetigen Wachten und die große Kälte sehr abgemattet sei. Viele wären dadurch krank geworden und stürben dahin. Von Herzog Wilhelm habe er bisher nur Vertröstungen erhalten. Außerdem sprach Zehm, trotz der Drohungen Johann Ernsts, diesem gegenüber nochmals die ‚Traktationsmöglichkeiten‘, also Verhandlungsmöglichkeiten zu einer Übergabe an. Wenn nicht spätestens in 4 Tagen Unterstützung zu erwarten sei, ‚werde kein anderes Mittel sein, [als] den Ort zu übergeben und eher mit einem ehrlichen Soldatenakkord abzuziehen, als großer Schand und Extremitäten neben Verlierung des Platzes gewärtig zu sein‘. (T. Krieg, S. 38).

Am 12.3. hatte man bereits mit ersten Übergabeverhandlungen, die im Namen Zehms von dem Kapitän Michel geführt wurden, begonnen. Mit welcher Gesinnung Lamboy und der jederzeit informierte Piccolomini dabei vorgingen, zeigt ein Brief Lamboys an Piccolomini vom 12. März. Hierin berichtet Lamboy, Arnim (der kursächsische Generalleutnant) habe einen Eilboten hergeschickt, mit der Anweisung, das ganze Haus Coburg und die gesamte Besatzung innerhalb des Schlosses in den Waffenstillstand aufzunehmen; es handle sich dabei freilich um Schweden und Kompanien des Herzogs (Wilhelm) von Weimar. Kapitän Michel, der als Unterhändler auftrete, sei von seiner eigenen (Wilhelms) Kompanie. Er warte auf Instruktionen. Seine Stellung in Thüringen sei jetzt, nach dem Anmarsch der Regimenter Forgách, Götz und Willich, stark genug, um allen Angriffen standzuhalten. (DBBTI V/ 1188). Piccolomini und Lamboy wußten also sehr genau, daß die Festung bereits in den Waffenstillstand zwischen dem Kaiser und Kursachsen aufgenommen war, wollten aber vorher noch vollendete Tatsachen schaffen.

Tatsächlich hätte Zehm nur noch wenige Wochen durchhalten müssen. Die nachgiebige Haltung der Belagerten erscheint besonders vor dem Hintergrund unverständlich, als die Festung, mit der Ausnahme von Brennholz, noch mit genügend Vorrat versehen war. Über 1800 Simmern Weizen und 1200 Simmern Korn (Roggen) waren noch vorhanden (ein Coburger Korn-Simra entsprach 0, 4 bayer. Scheffel oder 88, 94 Liter). Dazu ein großer Vorrat an Erbsen und jede Menge Pulver und Munition. Zudem waren die Dragoner und Soldaten allesamt guten Mutes und gaben vor, ‚eher die von Adel niederschießen zu wollen, als daß die Festung solchergestalt aufgegeben werden sollte‘. Die Schwiegermutter Zehms, eine Rittmeisterin von Luchau, äußerte sich ihrem Schwiegersohn gegenüber, wenn sie gewußt hätte, daß er die Festung also übergeben wolle, so hätte sie ihm ihr Kind nimmermehr übergeben und wollte es wieder zu sich nehmen. (T. Krieg, S. 38, 40).

Als Ergebnis der Verhandlungen Michels wurde vorerst vom 16. bis zum 21. März ein Waffenstillstand abgeschlossen. Die Kommandantur der Belagerten nutzte während dieser Zeit ein Angebot Lamboys, den Zustand der Minen zu besichtigen, die gegen die rote und blaue Kemenate vorangetrieben worden waren. Bereits im Januar hatte Lamboy den Vorschlag eines Übergabevertrages ausarbeiten lassen und ihn an den Festungskommandanten übermittelt. Nun wollte er ihm vor Augen führen, daß ein weiteres Verharren der Belagerten aussichtslos sei. Die Besichtigung erfolgte durch den Major von Seckendorf und drei Hauptleute. Diese erkannten zwar, daß die Minen noch nicht so weit fertiggestellt waren, als daß sie eine Gefahr für die Festung dargestellt hätten. Trotzdem wurde, nach erneutem Drängen Lamboys, am 9./19. März 1635 ein Akkord[165] von beiden Seiten unterzeichnet.

Dieser erste Übergabevertrag (wörtlich abgedruckt im Theatrum Europaeum III, S. 450) sah den Abzug der Garnison für Mittwoch den 21./21. März gegen Mittag vor. Vorher bat sich jedoch der Kommandant Zehm noch eine Besichtigung der Minen aus. Auch er erkannte die Unzulänglichkeit der bisherigen Vorbereitungen und entschloß sich, nach Befragung eines Kaufmannes, der sichere Nachricht von der Nichteinhaltung des Vertrages durch Lamboy hatte, den Übergabetermin aufzukündigen. Als am Donnerstag, dem 22. März, 40 Pferde Vorspann an der Veste anlangten, um die Besatzung mitsamt Gepäck abzuführen, wurde ihnen ein Tambour mit ablehnendem Bescheid entgegengeschickt, worauf diese wieder abrücken mußten, widrigenfalls das Feuer auf sie eröffnet werden sollte. Piccolomini, der sich in (Bad) Neustadt[166] aufhielt, schrieb am 25.3. verärgert an Gallas, daß die Besatzung von Coburg in letzter Minute die Kapitulation unter dem Vorwand abgelehnt habe, daß sich der (Pirnaer) Waffenstillstand auch auf sie beziehe. Er werde daher Lamboy befehlen, die Festung unter Beschuß zu nehmen. Gallas war eigentlich der Meinung, daß bis zum endgültigen Abschluß des Waffenstillstandes (Prager Frieden) die Festung geschont werden müsse. Lamboy setzte sich jedoch darüber hinweg, mit dem Argument, dieser Waffenstillstand wäre eine fertige Sache, deshalb müsse man vorher noch die Verwirrung der Schweden ausnutzen und diese vertreiben. (DBBTI V/1201, 1203).

Lamboy verfiel nun auf eine List. Am 24. März ließ er ein angebliches Schreiben Herzog Johann Ernsts auf die Festung schicken, mit der Behauptung, dieses hätten seine Reiter einem Boten von Eisenach[167] abgenommen, den sie erschossen hätten. In dem Schreiben befahl Johann Ernst, die Festung aufzugeben bevor sie durch die angelegten Minen ruiniert würde. Den Brief hatte Lamboy von seiner Kanzlei fälschen lassen. Dazu hatte man im fürstlichen Rentamt einen alten Befehl gefunden, das Siegel nachstechen lassen und die Handschrift und die Unterschrift des Herzogs nachgemacht. Der Kommandant Zehm war argwöhnisch, auch viele der Umstehenden äußerten Verdacht: ‚Die einen wollte es dünken, es sei eine österreichische Hand, ein anderer meinte, wie kann das richtig zugehen, es ist Neuseser Papier, zu Eisenach hat man dessen nicht. Zehmen hielt den Brief, sobald er ihn bekam, für verdächtig, warf ihn mit einem großen Fluch auf den Tisch, hielt auch das Papier gegen das Fenster und fand das Neuseser Zeichen daran. Seckendorf aber redete es ihm stark aus und beteuerte hoch, es sei richtig. Vor einem anderen Zeugen, der seinen Verdacht äußerte, ergriff er den Kommandanten am Arm und führte ihn weg‘.

Tatsächlich spielte von Seckendorf, der mit Nachdruck auf eine Kapitulation hinarbeitete, beim Zustandekommen der Übergabe eine zweifelhafte Rolle. Als der Zeugmeister Philipp Reinhardt sich an Zehm und Seckendorf mit der Frage wandte: ‚Herren, wollt ihr akkordieren, da wir doch an Munition keinen Mangel, auch zu leben haben‘, soll Seckendorf geantwortet haben: ‚wenn sich der alte Narr in die Luft sprengen ließe, sei an ihm nicht viel gelegen, es sei aber um die von Adel und andere ehrliche Leute zu tun‘. Nach Aussage des Hauptmanns von Birkig habe Seckendorf die Dragoner und die Bürger gefragt, ob sie fechten wollten, was diese entschieden bejaht hätten. Darauf hätte Seckendorf eingewandt: ‚Die hinterste Mine sei schon hinein, durch die rote Kemenate durch [den späteren Kongreßbau, heute Carl-Eduard-Bau], biß schon an die Roßmühle, die vorderste Mine durch die blaue Kemenate [das Untere Zeughaus, heute Hohes Haus] bis mitten in den Hof, wenn nun die Mine geht, zersprengt sie die Festung in zwei Teile und verdirbt die zwei Mühlen, was wollet ihr darnach zu fressen haben‘. Darüber wurden die Dragoner sehr zaghaft, welche bis auf den letzten Mann gefochten hätten, ‚wann sie nicht abgeschreckt worden‘. Der Zeugmeister Reinhard sagte aus, die Festung hätte auf jeden Fall erhalten werden können, da es ‚so große Gefahr mit dem Miniren im geringsten nicht gehabt‘. (T. Krieg, S. 39, 40).

Zuletzt nutzte alles Argumentieren nichts. Seckendorf drängte mit Vehemenz auf eine Übergabe und die Uneinigkeit zwischen Zehm, Görtz und Griesheim tat ihr übriges dazu. Am 17./27. März wurde der neue Übergabevertrag, bis auf die geänderten Datumsangaben gleichlautend mit dem 1. vereinbarten Akkord, von Wilhelm von Lamboy, Georg Philipp von Zehm und Georg Sittig von Schlitz, genannt Görtz, unterschrieben. Danach sollte die Garnison am 18./28. März ‚früh um 8 Uhr mit fliegenden Fähnlein, brenenden Lunten, Kugeln im Mund, ober= und unter=Gewehr, gefüllten bandelieren, klingendem Spiel, Sack und Pack und aller Bagage [Troß], wie die auch Namen haben mögen, abziehen‘. Die Mobilien des regierenden Landesfürsten (Johann Ernst), der fürstlichen Witwe (Johann Casimirs) und der fürstlichen Erben sollten unangetastet bleiben und die fürstlichen Kanzlei-Unterlagen dem Kanzler und Räten der Stadt zugestellt werden. Dem Obersten Zehm sollten alle seine Mobilien, ’so er mit seiner Bagage nicht fortbringen kann, unverrückt bleiben und ihm so weit vergönnt und zugelassen sein, daß er solche in seine Behausung in der Stadt [Haus No. 134 in der Herrengasse] oder auf das Haus, die Roßenau genannt [Rosenauschlößchen …] sicherlich abführen lassen solle und möge‘. Außerdem sollten der auf der Veste gefangengehaltene Obrist Frh. von Haslang und der Oberstleutnant Klepping ohne Forderungen aus ihrem Arrest freigelassen werden. Alle Coburgischen Bürger und Einwohner des Landes sollten sich mit Weib, Kind und allem Hausrat wieder unangestatet in ihre Wohnungen begeben dürfen. (Karche III, S. 139f.).

Ein interessanter Sachverhalt findet sich noch unter Punkt 8 des Vertrages: ‚Hierinnen ist auch in specie begriffen des Obrist Taupadels Junger Schwester, welcher mit aller bey sich habenden Bagage, Mobilien, so Ihrem Herrn Bruder und ihr zuständig, es habe Namen wie es wolle, neben sein des Taupadels Kind und dero bei sich habenden Angehörigen, mit der Guarnison frey sicher abziehen, erlaubt seyn solle, wozu ihr denn mit nothwendiger Vorspann zu ihrer Kutschen fortgeholfen werden wird‘. Georg Christoph von Taupadels Schwester befand sich also (seit Oktober 1632) noch Anfang des Jahres 1635 zusammen mit dessen Kind auf der Veste Coburg.

Am 28. März 1635 wurde die Veste an Lamboy übergeben und die Besatzung (bzw. Herzog Wilhelm von Weimars Kompanie unter Hauptmann Michel) wurde unter Konvoi durch die Grafschaft Henneberg an Meiningen[168] vorbei nach Eisenach geleitet. Die Akkordvereinbarungen wurden natürlich nicht eingehalten, was Lamboy damit begründete, daß der erste, am 9./19. März vereinbarte Akkord ohne Ursache gebrochen worden war, folglich sei er in dem zweiten nach ‚aller verstendiger General vndt Cavallier judicio‘ auch nicht zu halten schuldig gewesen‘. Die in die Veste eingeflohenen Bürger wurden noch beim Hinuntergehen in die Stadt geplündert, viele mußten sich mit ‚Wachtgeld‘ loskaufen, einige wurden umgebracht. Lamboy ließ die beiden Befehlshaber Oberst Zehm und Major Görtz entgegen den im Akkord getroffenen Vereinbarungen gleich nach ihrem Auszug in der Ehrenburg gefangensetz[t]en – wohl auf deren eigenes Ersuchen hin, da sie sich aufgrund ihres leichtfertigen Handelns vor möglichen Repressalien der eigenen Seite fürchteten. Desgleichen wurde der Wagen mit dem Silbergeschirr des Herzogs Johann Ernst im Wert von 21.000 Gulden beschlagnahmt. Obwohl der Herzog seinen Kämmerer Christoph von Herstall an Lamboy und Piccolomini schickte, sich sogar beim Kaiser beschwerte, konnte er sein Eigentum nicht mehr zurück erhalten. Das Tafelsilber hatte mittlerweile der Feldmarschall Piccolomini in seinen Besitz genommen, dem Lamboy noch am 20. April eine genaue Inventarliste davon zuschicken mußte (DBBTI V/1220). Bei Kenntnis der Habgier Piccolominis, der sich sofort nach Coburg begab, um die Beute zu besichtigen, wird klar, daß hier nichts mehr zu bekommen war.

Die Festung wurde mit einer kaiserlichen Garnison von 280 Mann aus dem Adelshofischen Regiment unter dem Hauptmann und Kommandanten Amman belegt (derselbe Hans Wilhelm Amman, der im Juni 1633 von Melchior von Hatzfeldt der Kronacher Bürgerschaft als Stadthauptmann vorgestellt worden war, siehe dort). Dieser wurde am 3./13. Juli anläßlich der Ankunft des kaiserlichen Truppenkontingents unter der Marchese Francesco del Caretto di Grana, von dem Hauptmann Ott von Otten mit 360 Mann aus dem Neu-Hatzfeldischen Regiment abgelöst, welchem die Bürgerschaft wöchentlich 724 Gulden zu ihrem Unterhalt beisteuern mußte. Erst gegen Ende des Jahres 1635 gelangte die Veste aufgrund der Vereinbarungen des Prager Friedens an das Haus Sachsen zurück. Am 12./22. Dezember wurde der neue Kommandant und Festungshauptmann Hanns Hartmann von Erffa bestätigt. Dieser konnte mit seinen Soldaten die Festung allerdings erst am 7./17. März 1636 beziehen, nachdem die Hatzfeldische Garnison unter Hauptmann Otten am selbigen Tag abgezogen war.

Am tragischsten endete das Schicksal des Obersten und ehemaligen Kommandanten Georg Philipp von Zehm, obwohl dieser hinter den treibenden und intrigierenden Hauptakteuren der Übergabe schuldbezogen weit zurückstand. In einer 25 Folioseiten umfassenden Apologie versuchte von Zehm später die Beweggründe für sein Handeln darzustellen. Er mußte einen Prozeß wegen Hochverrats über sich ergehen lassen, der jedoch mangels Beweisen eingestellt wurde. Zehm quittierte daraufhin den Kriegsdienst und zog sich auf sein Coburger Anwesen (Herrengasse Nr. 134) zurück. Er wurde zunehmend sonderlicher und ergab sich mehr und mehr dem Aberglauben. Bereits in früheren Jahren, wenn er auf der Festung mit seiner Gemahlin zu Tisch saß, glaubte er des öfteren ein Gespenst, seiner Frau ähnlich, zu sehen. Seine Zuneigung zum Sektenwesen, insbesondere zum Calvinismus, der bei den Protestanten damals noch schlimmer angesehen wurde als die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche, brachte von Zehm mehr und mehr bei seinen Mitbürgern in Verruf. Er starb in seinem Haus in der Herrengasse unter großer Verachtung und wurde auf einem Mistwagen nach Schottenstein[169] geführt und dort begraben. (Karche I, S. 212). Seine Gemahlin, eine Geborne von Würtzburg, war bereits im Jahr 1633 gestorben und am 17. September in das Begräbnis unter dem großen Stein im Kreuzgang der Kirche St. Moritz in Coburg beigesetzt worden. Die Leichenpredigt hielt der Archidiakonus Pfrüscher (Karche III, S. 146). Daß es mit der weiter oben erwähnten Rittmeisterstochter von Lüchau zu einer weiteren ehelichen Verbindung kam, ist nach diesen Vorfällen unwahrscheinlich. Viel mehr ist anzunehmen, daß die Schwiegermutter in spe ihr Kind, wie angedroht, wieder zu sich nahm“.[170]

Natürlich hatte Lamboy währenddessen die noch aus Hof ausstehenden Gelder nicht vergessen: „Den 3. februarii samlete man wieder ostiatim den hinterrest lamboischer contribution, so noch 300 thaler. Deswegen der both, so ganz bedrohlige schreiben bracht, drauf warten müßen“.[171] „Den 17. febr[uarii] wurde bey der nacht (denn am tage war um diese zeit keines reisens noch handelns) der lamboische rest der 300 thaler nach Cronach mit hiesiger convoy fortgeschicket, weilen ganz bedrohliche schreiben eingekommen, deswegen so langen verzugs man solchen rest doppelt haben wollen“.[172]

„Im 30jährigen Krieg hatte die alte Veste [Lauterburg;[173] BW] den lutherischen Bauern lange Zeit hindurch als letzter Zufluchtsort vor den marodierenden Kaiserlichen gedient, bis 1635 25 Reiter und 20 Musketiere von der Truppe des Generals Lamboy die Burg überrumpelten, da der Kanzler und die Räte des Herzogs Johann Ernst von Coburg ‚den Anmarsch der Feinde nicht rechtzeitig bekanntgegeben hatten, so daß die sonst festen Orte genügend in den Verteidigungszustand hätten gesetzt werden können‘. Die Burg wurde total ausgeraumt und niedergebrannt. Die Herrschaft mit Pfarrer und Gesinde konnte sich in die damals noch dichten Wälder Thüringens retten. In Almerswind[174] wurde die aufgebahrte Leiche von des Schloßherrn ältestem Sohn durch Soldaten aus dem Sarg gerissen und der Kleider beraubt. Auch der Gutshof, der 44 Pferden Stallung bot und zu dem außer ausgedehntem Ackerland Weingärten und Hopfenanlagen gehörten, wurde damals verwüstet“.[175]

„Das Terrain für die Friedensbereitschaft des Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach war allerdings schon vor dem Truppendurchzug Carettos von dem Generalmajor Lamboy durch Ausübung massiven Drucks vorbereitet worden. Dieser hatte sich, nachdem er die Veste Coburg eingenommen hatte, bereits im April 1635 erneut an Markgraf Christian gewandt, und mit Nachdruck auf eine Übergabe der Plassenburg gedrungen. Andernfalls werde er seinem Auftrag nach die Festung unterminieren und mit Gewalt erobern. In seinem Brief an Piccolomini vom 17. April fragt Lamboy an, wie er sich zur Armee des Markgrafen verhalten soll. Die Truppen des Markgrafen hätten sich in die Festung Kulmbach zurückgezogen. Deren Auftreten sei zweideutig, letzten Endes blieben sie feindselig. Er selbst verhandle betreffs der Übergabe. Diesem Brief ist eine Abschrift eines Schreibens von Lamboy an den Markgrafen Christian von Brandenburg beigegeben, in welchem er um klare Antwort bittet, ob jener in seiner feindlichen Haltung verharren, oder ein Abkommen schließen wolle. (DBBTI V/1213).

Der Markgraf bat sich Bedenkzeit aus, vorgebend, daß die Verhandlungen wegen seines Beitrittes zum Prager Frieden vor dem Abschluß begriffen seien, er sich auch erst mit seinen Verbündeten beraten müßte. Lamboy drängte jedoch auf eine definitive und kategorische Antwort, so daß man schließlich zu einem Kompromiß kam und Christian seinen Obersten Muffel mit der Garnison der Plassenburg unter kaiserliche Kuratel stellte. (Chemnitz II, S. 707). Tatsächlich quittierte der brandenburgische Oberst und Kommandant der Plassenburg noch im Juni 1635 seine Charge als schwedischer Oberst, worauf Markgraf Christian sich mit einer Interzession zugunsten Muffels an den Kaiser wandte und diesen bat, den Obersten mitsamt seiner Familie und seinen Gütern in der Oberpfalz in seinen Schutz zu nehmen“.[176]

„Als am 11. August 1635 neuen Stils aus Wien nicht ohne Genugtuung vermeldet wurde, daß ‚im Römischen Reich […] nun die Kays: fast alle Plätz, ausser wenigen so noch mit Schwedischen besetzt, erobert, massen sich dann auch Franckfurt am Main,[177] Straßburg,[178] Manheimb,[179] und andere Orth mehr mehr, mit Accordo an Ihr Kays: Mytt: lauth deß mit Churfürstl: Durchl: zu Saxen beschlossnen Friden ergeben haben’, standen den Frankfurtern bange Stunden erst noch bevor. In der Tat hatten sich die meisten Stände dem Prager Friedensabkommen angeschlossen, die Wiener Meldungen waren jedoch nach dem Gregorianischen Kalender datiert. Frankfurt mußte seine ungeliebten Besatzer zu diesem Zeitpunkt erst noch vertreiben. Die Situation in der untermainischen Reichsstadt spitzte sich zu. Vitzthum hatte in Sachsenhausen[180] zum Ärger der Frankfurter Ratsherren ohne deren Erlaubnis schwedische Soldaten zur Verstärkung eingelassen. Laut Lersner stiegen Soldaten eines Obersts namen Rosa [Reinhold v. Rosen;  BW] mit Leitern über die Sachsenhäuser Mauern, gelangten also heimlich in die Stadt. In der Nacht zum 1. August hätten diese dann die Türme auf der Sachsenhäuser Mainseite eingenommen und die vom Rat eingesetzten Wachen vertrieben. Eine Abordnung der Hanauer Garnison sei durch das Affentor eingelassen worden, um Vitzthum beim Kampf um die Alte Brücke zu unterstützen. Am Sonntag, den 2. August 1635 begann das verheerende Gefecht zwischen der schwedischen Garnison und den Frankfurter Truppen. Zuerst erfolgte die gewaltsame Einnahme der Alten Brücke durch die Garnisonssoldaten, Frankfurt wurde überrumpelt und geplündert. Während sich die meisten Einwohner noch im morgendlichen Gottesdienst befanden[,] ließ Vitzthum ‚das Affenthor auffhawen, und 1000 Mußquetierer neben 500 Pferden einziehen.[’] Nachdem der Rat den Lärm gehört hatte, wurden eilends die Bürgerschaft und die Handwerksburschen zusammengerufen und diese ‚mit Eydt und Pflicht erinnert, gegen die Schweden sich zu wehren’. Die schwedischen Soldaten zogen sich zurück und die Frankfurter, ‚mit Doppelhacken[181] und Mußqueten’ zur Gegenwehr gerüstet, schlugen indes ‚auff der Brücken pallisada’.

Ein im Reichsarchiv in Stockholm befindlicher Augenzeugenbericht bestätigt diese Vorfälle an jenem 2. August 1635. Es handelt sich hierbei um einen auf Französisch und mit rascher Hand abgefaßten Brief an Bernhard von Weimar, in dem jener Oberst Rosa, der eigentlich Reinholt von Rosen hieß, unmittelbar von den Frankfurter Ereignissen berichtet. Dieser Obrist war mit seinen aus Mainz[182] und Gustavsburg[183] stammenden Reitern Vitzthum zu Hilfe geeilt und unterstützte dessen Garnisonssoldaten gemeinsam mit weiteren 500 Hanauer Musketieren beim Angriff auf Frankfurt. Im Verlauf des Gefechts verweigerte der Magistrat den Schweden jedoch die ‚Clefs de la Porte’ und ließ sie nicht in die Stadt. Daraufhin hatten sich die schwedischen Truppen zurückgezogen. Die Kommandanten beschlossen, Frankfurt zu stürmen und einzunehmen. Vom Rheingrafen Otto hatte der Oberst zuvor erfahren, daß Matthias Gallas mit seiner Armee anrückte. Um dem Feind den Zugang zu der Reichsstadt zu verwehren, verteilte Rosen seine eigene Kavallerie außerhalb der Stadt um die Mauer, damit diese die Zugangsstraßen sicherten. Frankfurt traf indes Vorkehrungen, um sich selbst zu verteidigen. Die Bürger hatten sich bewaffnet und mit der städtischen Garnison zusammengeschlossen. Überdies brachten sie zahlreiche Kanonen in Gefechtsstellung.

In den frühen Morgenstunden des 5. Augusts, einem Mittwoch, begann ein heftiger Kampf zwischen den städtischen Söldnern und Vitzthums Truppen. Die Frankfurter Einheiten feuerten auf die hinter Schanzkörben verborgenen schwedischen Soldaten, es kam zu Toten und Verletzten. Dennoch gelang es Vitzthums Männern, die Frankfurter Soldaten zurückzudrängen. Außerdem ließ der Garnisonskommandant noch am selben Abend die Brückenmühle anzünden, die ‚mit etliche Malter Früchte abgebrand’ ist. Durch die brennende Mühle wurden ‚beyde Städte von einander separiret, man canoniret noch immer, und sollen sie darinnen noch immer grossen Mangel an Medicamenten und anderer provision haben, und hat man ihnen alles mahlwerck genommen’.

Am 6. August baten die Stadtoberen den in der Nähe befindlichen kaiserlichen Generalleutnant Gallas um Unterstützung. Inzwischen wurde von Frankfurt aus die Schaumainpforte auf der Sachsenhäuser Seite beschossen, fast alle Fenster des Wachgebäudes gingen dabei zu Bruch. Am Abend des 7. Augusts rückten schließlich 5 000 Soldaten des Grafen Gallas unter dem Kommando des Generalwachtmeisters Wilhelm von Lamboy in Frankfurt ein. Einer Zeitungsmeldung zufolge waren ‚auff begehren des Magistrats allhier unter Commando des Obr. Wachtmeisters Lamboy und Obr. Kehrauß 13. Keyserl. Regim. uber 8000. starck und zum Succurß kommen, es wird starck uff Sachsenhausen zur Pressa geschossen, sonderlich auffs Wasserthor, und ist schon ein  groß stück gefellet worden, man vernimbt es werde heut noch gestürmet werden, von dem Volck so in Gärten unter Stücken ligt’. Aber nicht nur Lamboy und sein Oberst Kehraus zogen in die Reichsstadt. Von Butzbach[184] rückten schwedische Regimenter unter Sperreuter[s] Kommando heran und Bernhard von Weimar marschierte vom Rheingau aus über Wiesbaden[185] und Mainz herauf. Vitzthum ließ sich deshalb vernehmen, ‚es wolle bald widerumb einen Succurß von 12.000 Mann von Hertzog Bernhards Armee bekommen’. Diese Zeitungsmeldung scheint zum Ausdruck zu bringen, daß der Korrespondent offenbar den baldigen Fall Frankfurts befürchtete. Es drohte immerhin der Zusammenprall von rund 20 000 Soldaten.

 

Am 8. und 9. August erfolgte der Beschuß Sachsenhausens vom Frankfurter Mainufer aus, man hatte ‚von allen Pastheyen und Thürnen auf die Schwedischen Schantzkörbe, so sie auff die Brücke gebracht’, gefeuert. Die Ironie des Schicksals zeigte sich hierbei in der Tatsache, daß all jene Mauern und Bollwerke nun zur Verteidigung gegen die Schweden dienten, die zuvor unter ihrer Regie mühsam errichtet worden waren. Beobachter wußten ztu berichten, daß ‚uber 1000. Schüsse aus Stücken’ an jenem 8. August auf Sachsenhausen abgefeuert worden waren. Gegenüber dem Fahrtor wurde eine Bresche geschlagen. Kaiserliche und Frankfurter Soldaten durchdrangen sie am 9. August und stürmten in Sachsenhausen ein. Sie gelangten bis zur Dreikönigskirche, stießen dort aber auf die gut verschanzten Schweden und wurden von diesen zurückgedrängt. Die einbrechende Nacht verhinderte einen weiteren Angriff auf die Garnisonstruppen. Im Verlauf dieses Gefechtes hatten die Schweden im übrigen auch den Brickegickel von der Brücke geschossen. Dieser goldene Hahn, das Wahrzeichen der Alten Brücke, war dabei jedoch nicht zum ersten Mal abhanden gekommen. Ein Frankfurter Zeitzeuge namens Flittner gedachte dem durch feindliche Hand Erlegten schließlich in einem ‚historisch-zoetischen’ Gedicht.

Einen Tag später beschossen kaiserliche und Frankfurter Truppen Sachsenhausen mit dreißig Kanonen, die von der Brücke bis zum Leonhardstor aufgestellt waren. An diesem Tag ließ sich Vitzthum endlich durch die Sachsenhäuser und ihren Pfarrherrn Christian Gerlach zum Nachgeben bewegen, nachdem dort 26 Häuser in Schutt und Asche gelegt worden waren. Zeitungsmeldungen zufolge hatte sich der auf diese Weise entstandene Schaden auf ‚in die drey Tonnen Goldes’ belaufen. Von ‚der unschuldigen Bürgerschafft [ist], so zu dreyen mahlen durch Pfarrer und andere fußfallende umb fernere verschonung gebeten’ worden. Auch die Soldaten auf der Frankfurter Seite waren an den Zerstörungen in Sachsenhausen beteiligt. An jenem 10. August hatten diese nicht nur einen Turm, sondern auch einige Wohnhäuser durch Beschuß in Brand gesetzt. ‚Und alleweil mit gantzen, dreyviertel und halben Carthaunen fewer hinuber geben worden, da auch das Fewer so groß worden, daß es bey 30. Häuser hinweg genommen […]’. Angesichts dieser Angaben wird deutlich, daß die beiden Seiten nicht nur aus beweglichen Feld-[,] sondern auch aus schweren Festungsgeschützen gefeuert haben. Als Vitzthum immer noch keinerlei Bereitschaft zum Einlenken zeigte, schossen die Frankfurter sogar ‚mit halben Carthaunen auff seine Arbeiter’. Sie richteten Feldgeschütze auf die schwedischen Soldaten, die gemeinsam mit der Fußartillerie aus Hanau zur Unterstützung in die Reichsstadt gekommen waren. Man war gegen Vitzthum ‚mit eysersten Ernst verfahren, was nun daraus werden wird, weiß Gott, man spielet mit Stücken biß dato nach starck inflammen’.

Der Sachsenhäuser Prediger Christian Gerlach unterstützte nicht nur die Petition seiner ‚Schäfchen’, er war darüber hinaus auch Vitzthum behilflich, wieder Verhandlungen mit den Frankfurter Räten aufzunehmen. Der Geistliche wurde mitsamt einem Trommler auf die Frankfurter Seite geschickt, um dort die Kapitulation der Schweden voranzutreiben, die dann am Abend des 10. Augusts endlich geschlossen werden konnte. Bis zu ihrer Unterzeichnung dauerte jedoch das Feuern der kaiserlichen Truppen an. Vitzthum hatte sich offenbar bis zuletzt geweigert, mit den Frankfurtern zu verhandeln. Er akzeptierte jedoch die Vermittlung des Generalwachtmeisters Lamboy, dem der Vergleich schließlich auch gelang. Über die darauf folgende Aufgabe Vitzthums verbreiteten sich indes unterschiedliche Interpretationen. Angeblich habe der Garnisonskommandant drei weiße Fahnen hissen lassen, Meldungen in den Zeitungen nennen hierfür verschiedene Gründe. Von katholischer Seite aus behauptete man, der Generalmajor sei nicht etwa verhandlungsbereit gewesen, vielmehr habe es ihm an Munition und Proviant gemangelt. Dies wäre so gesehen einer unfreiwilligen Aufgabe gleichgekommen. Folgt man hingegen Zeitungen aus protestantischen Hochburgen, so wollte der Garnisonskommandant einen Waffenstillstand nur aus Pietät, um ‚die Todten zu begraben’.

Am Dienstag, den 11. August 1635 verließ Hans Vitzthum von Eckstädt um sieben Uhr morgens mit seinem vierköpfigen Stab die Reichsstadt Frankfurt am Main in Richtung Gustavsburg, die Besatzung durch die Schweden war beendet.[186] Noch vor dem Garnisonskommandanten zog ein Oberstleutnant namens Bilau mit dem Hanauischen Kriegsvolk ab, dann endlich verschwand Vitzthum mit Sack und Pack, vier Feldstücken und acht fliegenden Fahnen aus Sachsenhausen. Seine einstigen Garnisonssoldaten wurden vor die Wahl gestellt, in den Dienst der Reichsstadt oder zu den kaiserlichen Truppen überzutreten. 200 Mann entschieden sich angeblich für den Verbleib in Frankfurt. Der vertriebene Generalmajor konnte seinen Weg nach Gustavsburg allerdings nicht ungehindert fortsetzen. Übergriffe wurden auf ihn verübt und sein Gefolge in Höchst[187] von den dort befindlichen kaiserlichen Soldaten gefangen genommen. Vitzthum selbst soll angeblich nur noch mit drei Pferden und zwei Dienern an seinem Ziel angekommen sein.

– – „Am 10. August [20.8.1635; BW] wurde der Oberst Joh. Geyso, der seit 12 Jahren dem Herzoge nahe stand […], entsandt. Ein größeres Reitergeschwader scheint ihm zunächst Schutz gewährt zu haben. Noch ehe er sein Ziel erreichte, ging am 14. August von Ramsay folgende Nachricht ein: Einige Regimenter der Bönninghausenschen Armee sind gestern, den 11., dicht an Hanau[188] vorbei auf Frankfurt marschiert. Sachsenhausen ist heute mit Accord gefallen; Vitztum mit seinen Truppen auf Mainz abgezogen. Meinem Oberstleutnant Bilaw, der mit seinen 600 Musketieren nach Hanau zurückwollte, haben die Feinde den Accord nicht gehalten; wer nicht gutwillig Dienste nehmen wollte, ist niedergeschossen“.[189] – –

Die Rezeption des Frankfurter Gefechts ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Berichte über den Verlauf der Ereignisse finden sich in den zeitgenössischen Zeitungen. Einer Meldung vom 18. August 1635 zufolge wurde nur wenige Tage nach dem Abzug des schwedischen  Kommandanten der ‚Accord zwischen den Keyserl. und Schwedischen, wegen Sachsenhausen’ in Druck gegeben und das Szenarium in Kupfer gestochen. Jenen ‚innerliche[n] Krieg zu Sachsenhausen’ hatte kein Geringerer als Matthäus Merian der Ältere angefertigt, um ihn anschließend im Theatrum Europaeum zu veröffentlichen. Auf seiner detailreichen Darstellung finden sich sämtliche Ereignisse dieser zehn Tage im August zusammengefaßt. Man sieht die Palisaden und Schanzkörbe auf der Alten Brücke, stürmende Soldaten, das Eindringen der kaiserlichen Truppen durch die Bresche nahe des Ulrichsteins, die Feuerlinien der schweren Geschütze entlang der Mauer des Fischerfeldbollwercks und schließlich Vitzthums Abzug mit fliegenden Fahnen.

Nur sehr langsam beruhigte sich die Lage im Frankfurter Umland. Die Reichsstadt war noch immer von Truppen der Kriegsparteien umgeben. Lamboy und Hatzfeld standen mit kaiserlichen Truppen in der Frankfurter Landwehr, Matthias Gallas befand sich mit seinen Soldaten im Hauptlager bei Gernsheim[190] auf beiden Rheinseiten. Die Schweden und ihre französischen Hilfstruppen, geführt von Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar und Kardinal de la Valette, hielten sich bei Hochheim[191] am Main auf und Ramsay saß mit seiner Garnison im belagerten Hanau fest. Die Truppen dürften auch noch den letzten Rest des mehrheitlich verödeten Umlandes durch ihre Ausfälle und Marschbewegungen zerstört haben. Dank der Übereinkunft mit Vitzthum war Frankfurt in diesen letzten Tagen der Besatzung nur knapp einer größeren Katastrophe entkommen.

Gleichwohl birgt das gewaltsame Ende der schwedischen Präsenz in der Reichsstadt am Main ungewollt eine jener Anekdoten, die es im Laufe der Geschichte immer wieder gegeben hat. An der Vertreibung des Garnisonskommandanten Vitzthum nach der Kapitulation war ausgerechnet ein Oberst nahmens Kehraus maßgeblich beteiligt gewesen – nomen est omen. Er war derjenige, so der den Schweden nicht eben wohlgesonnene Pfarrer Henrici, ‚der Sachsenhausen den Frankfortern einnahme und den Vitzthum rausjagte’.[192]

„Gallas war der Ansicht, Herzog Bernhard wolle dem Kommandanten von Hanau[193] Proviant zuführen und beorderte deshalb Bönninghausens Regimenter zur Belagerungsarmee von Frankfurt. Doch der Vorstoß, den Bernhard mit etwa 3000 Reitern und 1000 Musketieren unternahm, diente nur zur Verschleierung seines Abzuges auf das linke Rheinufer. Am 14. September 1635 wurden die Franzosen von zwei kaiserlichen Kürassierregimentern bis zu einer Mühle beim Dorfe Hausen[194] an der Nidda zurückgetrieben, zogen aber Verstärkungen an sich und gaben dem Gefecht eine solche Wendung, daß die höheren Offiziere der Kaiserlichen zur Aufmunterung ihrer Leute selbst ins Handgemenge treten mußten. Dabei kam Graf Hatzfeldt unter sein getötetes Pferd zu liegen, Generalwachtmeister Lamboy wurde verwundet, andere Offiziere gerieten in Gefangenschaft“.[195]

Eine Teilnahme Lamboys am 1. Feldzug Gallas’ nach Frankreich konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

„Bönninghausens Fußregiment unter Pape und dem Obristwachtmeister Jakob Volpert wurde unter dem Generalwachtmeister von Lamboy zur Belagerung der Festung Hanau verwandt.“[196]

Bei der Belagerung Hanaus wurde Lamboy am 18.3.1636 bei einem Ausfall der Belagerten verletzt, als er „durch die backen geschossen vnd ziemlich hart, wiewohl nicht tödlich“ verwundet wurde. Der schwedische Gouverneur von Hanau, Generalmajor James Ramsay, ließ es an Spott nicht fehlen, indem er Lamboy einen Brief schrieb und ihn unter anderem bat, ihm „einige newe zeitung zucommuniciren, insonderheit, ob es wahr, daß Hanau belagert; dan man wollte bey ihm etwas davon sagen“.[197]

Im „Theatrum Europaeum“ heißt es: „Kurz zuvor ist vermeldet / wie der Herr Käyserliche General Graff Gallas viel Volcks umb Wormbs[198] und Speyer[199] zusammen gezogen / welches uff Hanaw angesehen zu seyn erachtet wurde / unter welchen der Hertzog von Florentz [Mattia di Toscana; BW] / ist aber gar zu spath kommen / dann wiewol zu der Blocquirung Hanaw (als kurtz zuvor ist angezeigt worden) der Käys. Gen. Wachtmeister / Freyherr von Lamboy alle gute Vorsehung gethan / und starcke Præparatoria ( mit Auffwerffung unterschiedlicher Schantzen) verfertigen lassen / den Belägerten den Außfall gantz und gar zu benehmen / und der bevorstehenden Erndt verlustigt zu machen / so hat sich doch unversehens begeben / daß Landgraff Wilhelm von Hessen mit etlichen von deß Schwedischen Generals Leßle Trouppen sich auffgemacht / unnd ehe man es recht wahr nehmen können / Sonntags den 12. 22. Junii beneben gedachtem General Leutenant Leßle unnd Major Beckerman zu Windecken[200] / unferm von Hanaw / mit der Avantgarde in 6000. starck angelangt / darauff in der Nacht den Belägerten ein Fewer-Zeichen von einer Höhe gegeben / welchem sie mit 4. halben Carthaun-Schüssen geantwortet. Nach solchem hat man sich zum Aufbruch fertig gemacht / unnd gegen dem Käyserischen Läger vor Hanaw angefangen zu marchiren. Und ob wol mehrbesagter Herr Lamboy / als Käyserlicher Wachtmeister / die Hess- und Schwedischen den Sambs- unnd folgenden Sontag auff den Pässen in dem Wald durch stätiges Scharmütziren auffzuhalten vermeynet / und indessen seine Schantzen umb die Statt alle besetzt / unnd mit den Stücken versehen / in Hoffnung der versprochene Succurs nächst diesem ankommen würde: Nichts desto weniger aber seynd besagte Hess- und Schwedische den folgenden Montag als den 13. Junii styl. vet. in aller frühe mit Gewalt durchgebrochen / gegen das Käyserische Läger avancirt / und der Schantzen theils mit Stürmen / Schiessen und Granaten / theils aber in der Güte mächtig worden. Haben also den Paß in die Statt mit Gewalt eröffnet / und den Orth nach jähriger Belägerung mit etlich hundert Wägen starck proviantiert / und mit frischem Volck als I. Fürstl. Gn. Landgraffen Wilhelms Rothen Leib-Regiment in 1200. Mann starck / und einem Regim. Pferdt ( gegen denen das Burgsdorffische [Hans Christoph v. Burgsdorff; BW] / so in 200. Mann nicht mehr gehabt / herauß genommen worden) wiederumb besetzt.

Es ist aber gleichwohl hierzwischen eine veste Real-Schantz von den Käyserischen / welche der Obr. Leutenant Marschall neben 400. commandirten Soldaten vom Jung-Tyllisch- und Bönninghausischen Regiment ingehabt / starck besetzt geblieben / biß endlich die Schwedisch- und Hessische / nach darauff gethanen 160. halben Carthaun-Schüssen / und drey verlornen General-Stürmen / darinnen in etlich hundert Soldaten geblieben / dieselbe auff Gnad und Ungnad bekommen / da dann mehrentheils darinn gelegene Soldaten / wie besagt / in die 400. untergestellt / der Commendant aber als Obriste Leutenant Marschall / unnd Obr. Leutent Papa [Ernst Weseler v. Pape; BW] in die Hanawer Newstatt gebracht / und über Nacht behalten / folgenden Morgen aber nach Windecken geführet worden. Selbigen Abend noch ist Steinheim[201] / einen starcken Canonenschuß gegen Hanaw / oberhalb jenseit Mayns gelegen / mit 1000. Pferdten berennet worden / wohin herr General Lamboy sich reterirt / die Thor beschütten / und sich aufs beste wider allen Anlauff verwahren lassen / wie er dann von seinem Beicht-Vatter einem Jesuiten / das Hochheylig Abendmahl empfangen / und sich mit seinen Soldaten ritterlich zu defendiren / resolvirt / ist aber durch gegebene Ordre daselbst abgefordert / unnd in 200. Chur-Mäyntzische Soldaten von deß Herrn Graffen zu Dona [Heinrich Graf zu Dohna ?; BW] Regiment / so zu Mäyntz / dahin gelegt worden“.[202]

„Der Feldmarschall-Leutnant von Geleen[203] belagerte Osnabrück,[204] wurde aber durch eine neue Armee, die der Feldmarschall Leslie auf Geheiß Oxenstiernas[205] heranführte, vertrieben. Der Kommandant der Festung Minden,[206] ein Major [Hieronymus von] Plettenberg, der Herzog Georg von Lüneburg verpflichtet war, überlieferte die ihm anvertraute Stadt unter Bruch des Ehrenworts in der Nacht vom 5. zum 6. Mai 1636 den Schweden, zum großen Grimm Herzogs Georgs. Der Vormarsch Leslies veranlaßte den hessischen Landgrafen zu Kündigung des Waffenstillstands mit dem Kaiser; er vereinigte sich mit Leslie am 26. Mai bei Lippspringe[207] und zog im Lager von Boke[208] seine Regimenter zusammen. Am 13. Juni brach die vereinigte hessisch-schwedische Armee zum Entsatz von Hanau auf.

Die Belagerung Hanaus leitete der Generalwachtmeister Wilhelm von Lamboy, der über 4 Infanterie-Regimenter, darunter das Regiment Bönninghausen, verfügte. Seine Soldaten hatten rings um die Festung Schanzen angelegt; eine der kleineren war ‚Bönninghausische Schanze‘ benannt. In Hanau verteidigte sich der Gouverneur Jakob Ramsay, ein gebürtiger Schotte in schwedischen Diensten, den Herzog Bernhard von Weimar dort eingesetzt hatte; ‚als Musterbild eines heimatlosen, genußsüchtigen Soldaten von Fortune‘ spielt er im ‚Simplizissimus‘ eine Rolle. Bei der Annäherung der Entsatzarmee floh die kaiserliche Kavallerie, die Schanzen wurden nach Artillerievorbereitung mit leichter Mühe genommen. Nur wenige stärker befestigte Werke leisteten Widerstand, so die ‚Morastschanze‘, wo sich der entschlossene Verteidiger, Obristwachtmeister Buddingen, selbst in die Luft sprengte; von der hessischen Sturmkolonne mußten viele Angreifer seine heroische Tat mit dem Leben bezahlen.

Am 24. Juni schritten die Hessen zum Angriff auf die Hauptschanze, deren Besatzung aus 600 erprobten Soldaten bestand, über die das Kommando der Obristleutnant Ernst Wesseler von Pape und der Obristleutnant Marschall hatten. Sie verfügten über 3 Feldgeschütze. Der Landgraf ließ sie vier Stunden ununterbrochen beschießen und dann seine Regimenter stürmen, doch wiesen die Kaiserlichen drei Sturmangriffe heldenhaft ab, bis nach erneuter schwerer Beschießung durch schwere Mörser die Pulverkammer der Besatzung in die Luft flog. Nun mußten Pape und Marschall sich auf Gnade und Ungnade ergeben, nachdem mehr als 70 Mann in wenigen Stunden gefallen waren. Ihre mannhafte Gegenwehr hatte die Ehre der kaiserlichen Waffen gerettet. Der Landgraf ließ die eroberten Schanzen – es waren insgesamt 22 – niederreißen, die Festung mit Lebensmitteln und frischer hessischer Besatzung versehen, ehe er am 27. Juni wieder abzog“.[209] Der Abzug seines Heeres wird seitdem dort als „Lamboy-Fest“ gefeiert. Der Hildesheimer[210] Arzt und Chronist Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch unter dem 13./23.6.1636 fest: „Heut soll Landgraff Wilhelm Hanaw bey Frankfurt entsetzet und uf ein halb Jahr proviantirt haben, die er den Obrist Lambey als Commendanten ufgeschlagen, 5 Stück Geschütz bekommen, 700 Gefangen und 2000 todt geschlagen“.[211]

Ende Juni hatte Gallas Johann von Götz, Rudolf Graf Colloredo und Suys den Befehl zum Einmarsch nach Frankreich erteilt.[212]

Am 30.6.1636 ersuchte Ferdinand III.[213] Gallas um eine Stellungnahme zu den Kriegsplänen gegen Frankreich.[214] „Was Ihr sowohl an mich als des Herrn Teutschmeisters L. [Stadion; BW] gelangen lassen, das hab ich aus Eueren den vier- fünf- und siebenundzwanzigsten dits datierten Schreiben mehrern Inhalts gnädigst vernomben und daraus Eueren continuirenden eifer und erzaigende Vorsichtigkeit verspürt, will auch gnädigst nit zweifeln, der Feldmarschalk Graf von Göcz[215] werde keine Zeit, sich mit dem Feldwachtmeister Lamboy zu coniungiren, verliren und ihne hierzu, die von des Herrn Churfürsten in Bayern L. an ihn abgangene und auch neulich beigeschlossenen Ordinanz noch mehrers antreiben. Allein wird vonnöten sein, das Ihr ihm gleichwohl an die Hand gebet, wann er etwa separato herauf tat avanziren, solche Vigilanz zu gebrauchen, dass er kein Gefahr geraten möchte.

Sonsten hab ich des Herrn Cardinal Infante L. durch den Marchesen von Castanneda erindern lassen, wasgestalt ich ich zwar nicht zweifle, S. L. werden den Feldmarschalken Grafen Piccolomini nur interim den Conte di Soisson testa zu machen, gegen Artois[216] avanziren lassen und gleichwohl ihren vorgehabten Zug in Frankreich maturiren. Wofern S. L. wider Verhoffen solchen fortzusetzen nicht gedacht wären, so wurde die Notturft erfordern, mich solches meine consilia und actiones darnach richten zu können, unerlangst zu berichten.

Auf den Fal nun wohlbemeltes Herrn Cardinal Infante L. in aigner Person oder durch ein anderes Kriegshaubt, als des Herzogen von Lothringen oder des Principe Tomaso L. [Tommaso Francesco di Savoia-Carignano; BW] mit vorgehabter Macht die Hauptimpressa fortzustellen nicht gesamen [gesonnen ?; BW] wären, sind mir diese Gedachten beigefallen, dass des Herzoges zu Lothringen L. und des von Wörth [Werth, BW] Truppen, wie auch die Polaken mit weder dem Grafen Piccolomini eben den Effect, so I. L. vorhabens gewesen sein, zugeschickt und dardurch der Feind von Burgund und Elsass divertirt oder ein absonderliches Corpo daraus formirt und darmit durch Lothringen in Burgund gerückt ( alwo es sich mit denen vorhin alda vorhandenen kaiserlichen und burgundischen Völkern coniungiren und den Prinz von Condé hoffentlich weichen machen könnte); und auf solchen Erfolg mit weder demselben nachgesetzt oder nachdem sich die Coniunturen erzeigen wurden, auf den Valetta [La Valette; BW] und Weymar gegangen oder entlichen besetzte Truppen mit der Haubtarmada coniungirt und also mit ganzer Macht auf den Valetta und Weymar getrungen werden. Jedoch erwarte ich über eins und das ander Euer Parere oder was sonsten Euer Meinung sein möchte, auf das sobald des Herrn Cardinal Infante L. Erklärung wird einkumben, man ein solche Resolution, wie es I. K. Mt Dienst erfordern, fassen könne und halt ich gnädiglichst darvon, dass, wenn sich der Feldmarschalk Graf Götz mit den westphalischen und anderen Truppen, so Ihr ihm zulassen vermeinet, würd conjungirt haben, er den Hessen und Lesl [Leslie; BW] zugeniegen gewachsen, und man also die Haubtarmada sambt den lotringischen und Wörtischen [Werth] Truppen wie auch denen Polakhen, desto sicherer gegen Frankreich wird wenden können“.[217]

„Beachtliche kaiserliche Kontingente zum Entsatz unter [Karl IV. v.; BW] Lothringen[218] und Lamboy, der an die 3.000 Mann unter sich hatte, waren ja schon Wochen zuvor nach Burgund aufgebrochen. Lothringen  stieß mit seinen Kräften im spanischen Burgund zur Hauptarmade. Lamboy gelang es sogar, Verdun-sur-le-Doubs,[219] eine kleine Grenzfestung zwischen der französischen Bourgogne und der spanischen Franche-Comté[220] einzunehmen.[221] Plötzlich schien, so fürchtete man zumindest in Paris, der Weg nach Lyon[222] für die Kaiserlichen offen zu stehen. Doch Verdun an der Doubs blieb der tiefste Punkt des kaiserlichen Vordringens“.[223]

Am 27.8.1636 hieß es: Vorgestern sei Oberst König mit der Nachricht eingetroffen, dass Prinz Condé am 15.8. die Belagerung Dôles[224] in Burgund aufgeben musste und dass diese dann Karl IV. nach seiner Vereinigung mit Lamboy besetzt hatte. Am nächsten Tag zogen die Kaiserlichen in Frankfurt ein – wie aus dem Reich und dem Herzogtum Mailand seien die Franzosen nun auch aus Burgund vertrieben.[225] Im Winter musste Lamboy sich mit Gallas über den Rhein wieder in das Reich zurückziehen.

Der Hofer[226] Chronist und Organist Jobst Christoph Rüthner [1598 – 1648] hält fest: „Den 14. decembris [1636 a. St.; BW] kam general Lamboj und sein bruder Georg Lamboj, obrister, hieher gegen abends, alhier zu pernoctiren. Folgendes tages aber den 15. decembris kamen noch 3 obrister, als generalmajor Menteuffel [Manteuffel; BW], obrist Wolfersdörfer [Georg Friedrich v. Wolframsdorf; BW] und obrister Hofmann [Jaroslav Hoffmann; BW], sambt den regimentsstäben auch hernach und hierein in die stadt. Ihre bey sich habende leuthe aber wurden halb in die Altenstadt und halb in die Fischergasse, das übrige volck sambt der bagagie auf die dörfer gegen Nayla[227] zu einquartieret, lagen stille bis den 17. decembris. Da geschahe erst der aufbruch, und commandirte obrist Wolfersdörfer seinen obristenlieutenant, so mit seiner compagnie zu Nayla logiret, wieder zurück auf die churfürstliche armee. Diese führten abermahls der stadt und dem lande ein trefliches fach aus“.[228]

Am 8.4.1637 ging wieder ein kaiserliches Schreiben an Gallas: Vom Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach und von Franz von Hatzfeldt,[229] dem Bischof von Bamberg, seien Beschwerden über die Einquartierung und Aufführung von vier Regimentern in Franken eingegangen. Ein weiteres Regiment, das [Johann v.; BW] Wangler’sche, habe sich dort sogar ohne Bewilligung einquartiert; dieses möge sofort aus Franken abkommandiert werden. Er selbst habe beiden Beschwerdeführern geantwortet, dass ihr Schaden vergütet werde, dass aber jene vier Regimenter bis zur baldigen Eröffnung des Feldzugs noch in Franken bleiben müssen. Die Regimenter seien aufgefordert worden, sich jeder Gewalttätigkeit zu enthalten. Obrist Franz von Mercy, das Dragonerregiment und das Regiment Lamboy seien angewiesen worden, jenseits des Rheins Wache zu halten, um eine Versorgung der feindlichen Garnisonen im Elsass zu verhindern. Er selbst fürchte aber, dass Mercy, der in Burgund liegt, viel zu weit entfernt ist, und dass die übrigen zwei Regimenter dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Daher möge Gallas diese Anweisung aufs Neue überprüfen und bessere und zweckdienlichere Maßnahmen anordnen, die dem Feind die Versorgung seiner Garnisonen unmöglich machen würden.[230]

„Der Bericht eines weim.-franz. Offiziers vom 26. Februar [1638; BW], unterschrieben mit U. v. H. lautete: ‚Gen. Lamboy war zu Rheinfelden,[231] alß er gesehen, dass er … dem Haupt Quartier ein Dorff so Pirke[232] genant nit konnte in d selben Seiten fortkommen, hat er sich über den Rein begeben mit in 400 Pferden auff d Schweizer Seiten, welches dem Obristen Rosa Erkundschafftet worden und Ime bei Basel angetroffen, geschlag und zertrennt, Lamboy, Obrist Enkefurth, wie auch ein Graff v. Fürstenberg, neben vil Obristen und Officiers gefang’.[233] Das Tagebuch der Truppen Herzog Bernhards berichtet, dass der Oberstleutnant Johann von Rosen (nicht der Oberst Reinhold von Rosen) mit dem bergischen Regiment nach Ensisheim[234] geschickt worden war, um etwas abzuholen. Nach dem ersten Gefecht vor Rheinfelden, konnte er mit seiner Truppe nicht mehr zu Herzog Bernhard gelangen. Er zog über Basel, wo er geflohene Reiter sammelte und mit sich nahm in den Clingau. Dort kam er den Befehl, nach Laufenburg[235] zu marschieren. Ihm liefen die über den Rhein Fliehenden gerade in die Arme. ‚Alß nun die Kayserl. also ruiniret und sich etzlicht durch Rheinfelden salvireren wollten, kahmen Sie Obrist Lieutenand Rosen gleich in die Hende, welcher also von diesem treffen fast die beste beute bekahm’ “.[236]

Am 8.3.1638 ergingen wieder kaiserliche Weisungen an Gallas: Mit den Avisos aus Böhmen darüber, dass Feldzeugmeister Salis in Richtung Eger marschiert und von 12 schwedischen Regimentern bis Plauen[237] verfolgt wurde, werde er sich in den Beilagen bekannt machen. Daher müsse das Generalrendezvous bei Leipzig[238] und Merseburg[239] anderswohin verlegt werden. Er überlasse es ihm, ob die Grenzstädte Saaz,[240] Komotau,[241] Brüx,[242] Eger, Elbogen[243] und Leitmeritz besetzt werden sollen und eine Garnison nach Prag zu legen sei. Gleichzeit habe er Goltz beordert, den Regimentern, die Fürstenberg nach Leipzig führen sollte, noch folgende vollständigen Regimenter anzugliedern: die Infanterieregimenter [Rudolf v.] Tiefenbach und [Johann v.] Prösing sowie die Reiterregimenter Kapoun, Lembke, Lamboy und Gonzaga mit sämtlichen Dragonern und Kroaten; diese solle er im Bistum Bamberg konzentrieren. Fürstenberg solle mit Salis schriftlichen Kontakt unterhalten und mit den Regimentern nach Eger und von dort zu dem Ort marschieren, den Gallas zum Rendezvousplatz bestimmt; darüber möge er sich mit dem Kurfürsten von Sachsen einigen – in Frage kämen Chemnitz[244] oder Zwickau.[245] Feldmarschall Colloredo solle zur Armee aufbrechen und sich nach Gallas‘ Befehlen richten; Ferdinand III. überließ es Gallas‘ Gutdünken, ob auch Hatzfeldt zur Hilfe gerufen werden solle. Er habe ferner an Graf Adam von Schwarzenberg, den Statthalter des Kurfürsten von Brandenburg, geschrieben, ob er nicht einen Teil des Brandenburger Heeres entbehren und es zur Vereinigung mit den Kaiserlichen oder den Sachsen abkommandieren könne. Er würde es begrüßen, wenn Gallas baldmöglichst nach Prag kommen und von dort den Feldzug leiten würde.[246]

Der Hildesheimer[247] Arzt, Ratsherr und Chronist Dr. Jordan schreibt unter dem 22.5./1.6.1638 in sein Tagebuch: „Fallen die Schweden in Eistell[248] bey Verden[249] und schlagen des Obrist Lambey Regiment ganz auf“.[250] Das „Theatrum Europaeum“ berichtet dazu: „Nicht weniger seynd auch umb den Außgang deß Mayen [1638; BW] zwei alte und sehr wolverdiente Kayserl. Regimenter / Ihr Gn. Freyherrn von Lamboy / und I. Excell. Herrn Graff von Bray [Bruay; BW] / von dem Schwedischen Gen. Major Kingen an der Weser und im Stifft Fehrden hart ruinirt worden. Dann ob zwar bey denselben die Wachten wol bestellt waren / wusten doch die die auffrührerische Bawren in gemeltem Stifft (allwo diese der Käys. beste und stärckste Regim. von Cürassier- und Reutern lagen) mehr Löcher / ja Weg und Steg / daß sie bey der Käyserischen Wacht nicht passiren dorfften. Weil nun die Kays. dahero / daß sie sich wol verwahrt meynten / desto sicherer waren / kamen ihnen die Schwedischen mit hilff bey 400 Bawren / so dem Gener. Kingen zu diesem Anschlag Rath und That geben / unversehens auff den Hals / hieben und schossen sehr viel darnieder / also daß lauffen und außreissen / sich zu salviren / das beste Mittel war. Haben also gedachte beyde Regim. dero Aussag nach / innerhalb 15. Jahren keinen dergleichen Anstoß / als dieser gewesen / erlitten / in dem die Schwedische zu zweyen unterschiedlichen malẽ / als auch oben vermeldet / eine stattliche Baarschaft an Gelt / 6. Standarten / 2. Kessel-Trummeln / viel Kleyder / Pistolen / Bantelieren / Degen / Stieffeln / und bey 600. Pferden überkommen / ja beyden hochgedachten Ihr. Excell. Lamboy und Graffen von Bray ein ansehnlichs weggenommen“.[251]

Lamboy informierte Piccolomini am 27.6.1638 aus Mühlheim:[252] Das ganze Gebiet Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg sei vom Landesheer besetzt worden, ohne dass Kleve Widerspruch erhoben hätte. Er, L., sei aus Köln mit der Hoffnung zurückgekehrt, Hatzfeldt anzutreffen. Nach Gallas Befehl solle Hatzfeldts Armee aus 13 Regimentern bestehen, vorläufig aber werde sie über wenig Reiterei, nur 1.500 Pferde, verfügen. Melander [Holzappel; BW] habe mit den französischen Gesandten Gespräche geführt und biete Karl Ludwig von der Pfalz, den Schweden und anderen seine Truppen an; er sei zu Konsultationen nach Holland gefahren und ein Friedensschluss mit ihm werde nach Velens Meinung auf Schwierigkeiten stoßen.[253]

Lamboy schrieb Piccolomini am 1.7. aus Mühlheim: Am heutigen Tag seien ihm die von Melander [Holzappel; BW] an Alexander II. von Velen gestellten Bedingungen mitgeteilt worden. Jener fordere die Räumung der Städte Essen,[254] Recklinghausen,[255] Lünen[256] und mehrerer weiterer Orte sowie deren Zuweisung an seine Soldaten. Melander stelle immer neue Bedingungen, so dass es fraglich erscheine, ob er überhaupt eine Verlängerung des Waffenstillstands wünsche. Nach den jüngsten Berichten sei Gallas mit der Armee in Richtung Brandenburg ausgerückt. Dänemark werbe angeblich stark, um Schweden zum Frieden zu zwingen. Savelli sei in Mühlheim eingetroffen und werde sich mit dem Regiment nach Burgund begeben.[257] Lamboy wandte sich am 5.7.1638 erneut an Piccolomini: Der Waffenstillstand mit Hessen-Kassel sei wegen Melanders anspruchsvollen Forderungen vorläufig noch nicht verlängert worden; er solle Ende Juni zu Ende gehen. In Jülich seien derzeit die Regimenter Gonzaga, Bönninghausen und Larcari untergebracht. Die Landstände im Herzogtum Berg lehnten jegliche Truppeneinquartierung in ihrem Land ab, ihre Delegierten seien nach Köln gekommen, um darüber zu verhandeln. Auch die Vertreter Jülichs würden wegen der Verhandlungen über die in ihrem Land befindlichen kaiserlichen Truppenquartiere und die dortigen Werbungen erwartet.[258]

Im Dezember hielt sich Piccolomini noch immer in Brüssel auf. Am 6.12. schloss er im Namen des Kaisers mit Estéban de Gamarra im Namen des Kardinal-Infanten einen 12 Punkte-Vertrag über die gegenseitige Hilfeleistung und Vorbereitung der Kampagne des Jahres 1639 ab:

1. Piccolominis Armee wird auf 24.000 Mann, davon 6.000 Reiter ergänzt. Außerdem verbleiben mehrere Regimenter unter Lamboys Kommando.

2. Mit ihrer Teilnahme am Kampf gegen Frankreich ermöglicht die kaiserliche Armee dem Kardinal-Infanten, die nötige Anzahl von Soldaten zur Verteidigung gegen die Holländer abzukommandieren.

3. Gegen Frankreich wird ein Angriffskrieg, im Reich ein Verteidigungskrieg geführt werden.

4. Der Kardinal-Infant stellt das Rekrutengeld für die Regimenter Lamboys sowie für die Ergänzung der Regimenter Piccolominis zur Verfügung.

5. Derselbe stellt die Mittel für Piccolominis Artillerie zur Verfügung und wird dessen Armee vom Beginn der Kampagne an bis zur Rückkehr in die Winterquartiere besolden.

6. Der Kaiser trifft solche Vorkehrungen im Reich, dass kaiserliche Truppen in keinem Fall von Flandern abkommandiert werden müssen.

7. Auf Kosten des Kardinal-Infanten werden bis 2.000 Kroaten oder Polen angeworben und Piccolominis Truppen angegliedert.

8. Die 1.000 Mann zählenden Regimenter Rueblands werden gleichfalls vom Kardinal-Infanten besoldet, jedoch auf Reichsgebiet gelegt und erst zu Beginn der Kampagne Piccolominis Truppen angegliedert.

9. An den günstigsten Orten werden rechtzeitig Magazine für den Vormarsch der Armee errichtet und der Kardinal-Infant besorgt die Distribution der Vorräte.

10. Der Kaiser sorgt für ausreichende Reserven an Proviantwagen und Pferden.

11. Für die mit der Befestigung besetzter Orte und deren Eroberung verbundenen Ausgaben teilt der Kardinal-Infant der Armee Piccolominis Minister zu, die über die nötigen Geldsummen verfügen werden.

12. Das Datum des Beginns der Kampagne wird auf den 1.4. festgesetzt.[259]

Lamboy informierte Piccolomini am 11.12.1638 aus Blomberg,[260] laut Mitteilung Castañedas solle er, L., bei der Armee am Oberrhein mit der Truppe von Götz vereinigt bleiben. Das sei das Ergebnis des Abkommens zwischen dem Kaiser und dem Kardinal-Infanten.[261] Der Kaiser selbst informierte Gallas am 15.12.1638 über Piccolominis und Lamboys Vormarsch in die Niederlande.[262]

Lamboys Bruder Georg, mittlerweile Obristleutnant, hatte an der Doppelschlacht bei Rheinfelden[263] (21.2./ 3.3.1638) teilgenommen, während Lamboy vergeblich versuchte, zusammen mit Savelli und Götz den Fall Breisachs[264] (17.12.1638) zu verhindern. Lamboy ging in die Spanischen Niederlande, um neue Werbungen vorzunehmen.

Diego de Hernani, Rechnungsführer in der spanischen Armee, schrieb am 14.12.1639 aus Brüssel an Piccolomini und teilte ihm den Beschluss des königlichen Rates mit, zum Zweck der Verteidigung der Spanischen Niederlande gegen die Generalstaaten und Franzosen den Truppenbestand zu erhöhen und Geldmittel zu der von Lamboy betriebenen Werbung von 4.000 Fußsoldaten und 4.000 Reitern frei zu machen; ihr Kommando würden Lamboy und Beck übernehmen.[265]

Am 10.12.1639 hatte Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Piccolomini geschrieben und sich über das unrichtige Vorgehen des Generalkriegskommissars Böhmer in Sachen der Kriegsbeisteuer aus Jülich und Berg beschwert. Böhmer habe mit den Ständen beider Länder Abkommen, die im Widerspruch zu den Reichsgesetzen stünden. Er protestierte dagegen, dass aus seinen ausgesaugten Ländern Geldmittel abgeführt würden, die weder dem praktischen Schutz seines Landes noch seiner Untertanen dienten. Seine Länder hätten seit mehreren Jahren für den Unterhalt der kaiserlichen Truppen mehr aufgewandt als die Nachbarländer, nämlich 100 000 Patacons.[266] Die Stadt Sittard[267] sei mit einer spanischen Garnison besetzt worden; vergeblich fordere er den Abzug des Militärs aus Mühlheim, das laut dem Abkommen mit Ferdinand II. von 1635 und 1636 frei von Besatzung sein solle und in dem jetzt Lamboys Truppen liegen. Nach Berg habe Hatzfeldt die Regimenter Sparr und Meutter gelegt. Die Truppen in Jülich sollten dort ein weiteres Jahr überwintern, Städte und Dörfer ruinieren und Ausfälle nach Holland und in die umliegenden Länder machen. Der Kaiser habe keinen Nutzen von seinen Soldaten in Jülich und Berg, denn sie könnten leicht in die Dienste der Vereinigten Niederlande übertreten, wo sie bessere Verhältnisse fänden. Aus diesem Grund verlangte er den Abmarsch der Kaiserlichen und die Einstellung der Werbungen und warnte davor, dass zum großen Schaden für Kaiser und Reich seine Länder zerrissen werden könnten, da sich Holländer, Schweden und Weimarer um Quartiere in ihnen bemühten.[268] Am 21.12. sollten die Generalstände bei den Ständen von Jülich gegen die Einquartierung von Lamboys Truppen in Jülich protestieren. Sie fühlten sich durch die Nähe der kaiserlichen Armee bedroht; auch stehe dies in Widerspruch zu den von den Vereinigten Niederlanden mit dem König von Frankreich geschlossenen Verträgen.[269]

„Im Dezember 1639 erhielt der kaiserliche Generalfeldzeugmeister Lamboy den Befehl, neue Truppen im Herzogtum Jülich zu werben. Wolfgang Wilhelm wehrte sich auf Grund der ihm zugebilligten Neutralität mit allen Mitteln gegen dieses eigenmächtige Verhalten Lamboys. Er wies in einem seiner vielen und wortreichen Schreiben an den Kaiser auf die unabsehbaren Folgen für sein Land hin, wenn durch die kaiserlichen Werbungen nun auch die Gegenpartei mit entsprechenden Maßnahmen beginnen würde. Nur allzu sehr sollte der Herzog mit seiner Prophezeiung, daß man ‚auf beiden Seiten Rheins einen schweren Strauß‘ werde ausstehen müssen, Recht behalten. Doch Lamboy ließ sich nicht beirren, er blieb im Herzogtum Jülich, überfiel Dülken[270] und beschoß Gladbach,[271] wo des Herzogs eigene Truppen lagen. Ja, Lamboy benutzte sogar die Erbauseinandersetzungen um das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg dazu, um unter der Bevölkerung die Nachricht verbreiten zu lassen, nicht der Herzog sei der rechtmäßig regierende Herrscher in Jülich-Berg, sondern Sachsen. Die Bittschriften vom Wiener Hof nach Wien nahmen kein Ende. Sie führten aber zu keiner Änderung der kaiserlichen Entschlüsse. Der Herzog mußte sich vielmehr ‚dieser unvermeidlichen Werbung und Einlogierung bequemen‘. Denn angesichts der bedauerlichen Konstitution des Reiches sei es unverantwortlich, ‚nicht allein diese äußerste Frontieren des Reiches ohne genugsame Versicherung offen und so vielen umgebenden Feinden zum Raub und Preis zu hinterlassen, sondern auch die darin befindlichen Kommoditäten an Mannschaft und Vivres uns selbsten zu Beschützung des Reiches und gedachter Länder zu privieren‘. Also blieben die kaiserlichen Truppen im Herzogtum, sie lagen in Gladbach, Dülken, Sittard, Mülheim und Siegburg.[272] Wolfgang Wilhelms Bemühungen waren vergeblich. Er sagte daraufhin seine Teilnahme am Reichstag ab“.[273]

Lamboy konnte Piccolomini am 25.2.1640 aus Düren[274] berichten, am Vortag sei das Abkommen mit den Jülicher Ständen endlich abgeschlossen worden; seine wesentlichen Punkte bewilligten die Einquartierung und auch die Versorgung von drei Stäben, zwei Regimentern und 22 Reiter- und 5 Infanteriekompanien. Die Geld-, Lebensmittel- und Futterrationen seien bestimmt und es sei auch festgesetzt worden, dass die Truppeneinquartierung auf 5 Monate befristet sei; ausgenommen seien gewisse Einheiten, die bereits im Land einquartiert waren, z. B. die Stadtgarnison von Sittard.[275]

Lamboy war am 22.4. vom Kardinal-Infanten angewiesen worden, statt der altgedienten Soldaten, die für den Feldzug dringend gebraucht würden, die gleiche Anzahl von Neugeworbenen nach Kalkar[276] und Sittard zu legen. Piccolomini, den er von seiner Absicht unterrichtet habe, werde dies zweifellos gutheißen. Ferner sollte Lamboy so schnell wie möglich seine Einheiten sammeln und sich mit ihnen ohne Verzug gegen Frankreich in Marsch setzen.[277]

Piccolomini hatte sich am 11.5.1640 aus Saalfeld[278] an die Stände des Herzogtums Jülich gewandt, sie mögen gestatten, dass nach dem Abmarsch von Lamboys Truppen etliche Abteilungen als Schutz vor einem feindlichen Einfall im Land verbleiben.[279] Lamboy selbst schrieb am 12.5. aus Düren an Piccolomini und rechtfertigte sich gegen „übel fundierte Klagen“, die gegen ihn erhoben und bis zum Kaiser gedrungen seien, und teilte mit, dass er im Begriff stehe, seine eigenen, die von La Rivière aus Kleve heranzuführenden Truppen und die des Kardinal-Infanten zu konzentrieren. Die Franzosen lägen in einer Stärke von 22.000 Mann bei Charlemont.[280] In Sittard und Kalkar habe er, L., Garnisonen von je 500 Mann zurückgelassen.[281]

Am 24.5.1640 teilte Lamboy Piccolomini aus Lemé[282] mit: Gleich bei seiner Ankunft mit der Truppe in Diest[283] habe ihn der der Kardinal-Infant wissen lassen, er solle am 25.5. bei Fontaine-l’Evêque[284] warten. Von General Felipe de Silva habe er die Nachricht erhalten, dass er auch die Spanier dorthin führen werde, dass die Franzosen die Sambre überschritten hätten und sich unter de La Meillerayes Kommando in der gleichen Richtung bewegten. Der Herzog von Lothringen habe sein Lager in der Nähe dieses Orts bereits aufgeschlagen. Die Holländer hielten sich unweit von Brügge[285] auf, ihre Absichten seien unbekannt. Der Kardinal-Infant sei nach Gent[286] abgereist. Er, L., habe auch die zwei in der Stadt Huy[287] einquartierten Reiterkompanien zu sich berufen.[288]

Aus Sailly[289] konnte Lamboy am 26.6. einen größeren Erfolg vermelden: Am 24.6. sei es bei Arras[290] zwischen seinen Truppen und der französischen Reiterei zu einer Schlacht gekommen, in der viele französische Adelige, deren Namensliste beigelegt sei, getötet oder gefangen genommen worden seien.[291] Ein nicht angeführter Absender hatte Kardinal Harrach am 6.7.1640 aus Regensburg informiert: Soeben sei mit der Post aus Köln die Nachricht eingetroffen, „wie General Lamboy mit 8 000 Mann nach Artois ist gangen Arras zu entsetzen, welches die Franzosen mit 4 000 Mann umbringt haben; ist General Lamboy uf ein guete Meil von Arras kommen, 15 Stück bei ihm habend und 5 000 Musquetierer in Hinderhalt umgestellt mit der Cavagleria uf den Feind gangen, wie aber der Feind gesehen hat, dass die unsrigen so wenig seind, haben sie mit der ganzen Armée daraufgangen und der Lamboy hat die Flucht geben bis in das Dorf, da sein Hinderhalt gelegen ist. Alda die Franzosen in ein gross Baath seind kommen, 2 Generals auf dem Platz todt geblieben, einen gefangen und 12 vornehmen Obristen und hohe Oficier gefangen, 3 000 Mann uf der Stelle geblieben“. Diese Ereignisse hätten vor etwa 7 Tagen stattgefunden.[292] Bei Dr. Jordan heißt es unter 15./25.6.1640: „Der Kaiserl. Oder Spanische Gral. Lamboy will 15000 Mann in Arrest bringen, wird aber mit Verlust von 600 in die Flucht von Franzosen geschlagen. Hernach will auch der Cardinal-Infante 200 Officirer hineinbringen, die werden auch in die Kirche gelegt, müssen sich uf Discretion ergeben“.[293]

Aus Goch[294] hatte sich Lamboy am 23.11.1640 an Piccolomini gewandt: Am 16.11. habe er Schloss Sonsbeck[295] [Herzogtum Kleve] besetzt, wo sich eine hessen-kasselische Garnison von 140 Mann befunden habe, dann sei er gegen Kalkar vorgerückt. Einer Mitteilung des Dechants von Xanten[296] nach glaubten die Stände von Kleve, sie würden sowohl die Hessen als auch die Kaiserlichen zum Abmarsch bewegen können. Da er, L., 1.600 Reiter und 3.000 Mann zu Fuß unterzubringen und jetzt ja Hatzfeldt zu gehorchen habe, habe er diesen schriftlich um Erlaubnis zum Vormarsch gegen Kalkar und zur Logierung der Truppen gebeten. Er hoffe auf eine baldige Antwort, damit die Armee nicht dem schlechten Wetter und Regen ausgesetzt sei.[297]

Piccolomini selbst informierte den spanischen Gesandten Salamañca,[298] „veedor“ der Artillerie der Spanischen Niederlande und „secretario de estado y guerra“ und einer der wohl wenigen Freunde Piccolominis in Brüssel, am 25.11. aus Nidda:[299] Der Kardinal-Infant sei der Meinung, in Kleve könnten einige Lamboysche Abteilungen logiert werden, aber der Kaiser, habe den Wunsch ausgesprochen, dass diese Länder Hatzfeldt überlassen bleiben sollten. Letzterer sei plötzlich in Westfalen erschienen und habe dem Vorschlag des Kurfürsten von Köln[300] zugestimmt, dass nämlich mit den Holländern verhandelt werde und dass diese die Hessen zum Abmarsch aus Kalkar bewegen sollen. Auch sei er dafür gewesen, dass die Feindseligkeiten zwischen den spanischen Truppen und den Hessen ein Ende nähmen. Er, P., fürchte, dass sich hinter den Vorschlägen des Kurfürsten von Köln das Streben nach Neutralisierung ganz Westfalens verberge, und warte auf die Order des Kaisers. Inzwischen sei die Nachricht eingetroffen, dass sich der Regensburger Reichstag mit einer mäßigen allgemeinen Kontribution im ganzen Reich einverstanden erklärt habe. Das würde heißen, dass in der nächsten Kampagne eine hübsche Armee aufgestellt werden könnte. Geleen[301] beabsichtige, noch vor Wintereinbruch Freiberg[302] zu befreien, während Banér Stärkung in Form von Reiterei und Geld von Georg von Braunschweig-Lüneburg erhalten und mehrere Regimenter als drohende Warnung für die Erbländer nach Meißen[303] abkommandiert habe. Die Weimarer und Franzosen hielten sich weiter in Braunschweig[304] auf.[305]

Am 27.11. wandte sich Piccolomini erneut aus Nidda an Salamañca: Lamboy lehne seine Subordinierung unter Hatzfeldt ab, ihren Streit um Logierung der Truppen habe ein kaiserliches Patent entschieden, das bestimme, dass Lamboys Truppen nicht in Jülich untergebracht werden dürfen, und Hatzfeldts absolutes Kommando bestätige. Lamboy werde Trier[306] zugewiesen. Das widerspreche der zwischen Lamboy, Leopold Wilhelm und ihm, P., getroffenen Abmachung und erwecke den Eindruck, bei Hofe wolle man alles nach eigenem Gutdünken entscheiden und dirigieren. Leopold Wilhelm sowie der Kardinal-Infant würden sich nach Regensburg[307] begeben und dort werde man sich einigen, wie dem Hause Habsburg am besten zu dienen sei.[308]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „Der von Hatzfeld war um den 6. Decembr. [1640; BW] schon zu Cöllen / der hatte noch 9. Regimenter zu Pferd / und 2. zu Fuß / bestehend u 70. Cornet und 20 Fahnen / er nahme den Weg nach dem Gülicher-[Jülicher; BW] Land / und war sein Competent um die Winterquartiere / der General Lamboy“.[309]

Am 9.12.1640 antwortete Melo aus Regensburg an Piccolomini auf dessen Forderung nach Erhöhung des zahlenmäßigen Truppenstandes und erklärte sich mit der Neumusterung des Lamboy’schen Regiments und anderer Regimenter am Rhein zwecks ihrer Vorbereitung für das nächste Jahr einverstanden.[310]

Am 11.6.1641 schrieb Piccolomini an Malvezzi: Er wolle dem Haus Habsburg bis zum letzten Blutstropfen dienen. Gegenwärtig sei er in Braunschweig und Lüneburg in langwierige Auseinandersetzungen mit den Deutschen, Freunden und Gegnern, verwickelt. Seiner Meinung nach könne nur eine große siegreiche Schlacht auf Frankreichs Boden diesen Krieg beenden und den ersehnten Frieden herbeiführen. Diese Ansicht teile der Kardinal-Infant mit ihm. Der große Feldzug würde im Bündnis mit den regierungsfeindlichen französischen Fürsten unternommen,[311] auf die Piccolomini immer noch große Hoffnungen setzte.

Lamboy hatte Piccolomini am 18.6.1641 aus Noirefontaine[312] bei Bouillon[313] über die Haltung der oppositionellen französischen Fürsten informiert, mit denen er sich zum Kampf gegen Châtillon verbinden wollte: „Euerer Exzellenz berichte gehorsambst, dass als ich uf I. H. Dt Herrn Cardinal Infante gnedigsten Befelich mit denen mit Creutzenach[314] abgeführten Völkern und drei meiner unterhabende[n] Regimenter die Moosel und Land von Lutzenburg [Luxemburg; BW], darinnen doch etliche spanische Regimenter zu mir gestossen, passirt, umb mich mit denen unirten Fürsten zu Sedan[315] folgends zu coniungirn, und den Chastillon, so sich mit seinem Corpo noch nechst darbei befindet, zu attacquiren, ist mir gleich, wie ich heut bei Bouillon in 3 Stund darvon angelangt und weiters forgehen wollen, ein Abgefertigter von hochgedachten Fürsten entgegenkommen, welcher mir von denenselben eine schriftliche Instruction überbracht, wie E. E. hierbei in Abschrift gnedig zu ersehen. Weilen sie dann vor unratsamb halten noch zur Zeit etwas ohne mehrere Forza zu tentieren, sondern uf mehr Volk warten wollen und sie genzlich darfür halten, es werde sich der Herzog von Lothringen wiederumb herüber schlagen und ehists zu uns stossen, als habe für gut angesehen, mich nach ihrer Mainung zu conformiren und umb die Proviand desto näher an der Hand zu haben wieder wiederumb ein Paar Stund zurück gegen Neufchateau[316] zu wenden, unterdessen ich höchstgedachten I. Dt Herrn Cardinal Infante darvon undertänigst Parte gegeben.

Es haben sonsten mehr hochgedachten Fürsten mich ihrer gefasten Resolucion und eifers höchlich versichern und weiters mündlich andeuten lassen, dass sie ihre Trouppen, so noch hin und wieder verstreuet, ufs schleunigst zusammenziehen, sich inwendig 8 Tagen ufs lengst mit mir coniungieren und alsdan uf den Chastillon, oder im Fall ihme nit beizukommen, recht in Frankreich gehen wolten, nit zweiflend, dass sie einen merklichen Zulauf haben, und gute Effecten tun würden.

Der Herzog von Guise ist gleich jetzt bei mir gewesen, und nachdeme er das Volk besehen, in Person uf Lutzenburg verreiset, um sich fürters zum Herzog von Lothringen[317] zu begeben, mit demeselben mündlich zu underreden und seine endliche Resolucion zu vernehmen, damit das vorhabente Intent umb so viel besser zu Werk gesetzt werden möge. Will demnach der Sachen in etwas abwarten, meines Orts schuldigstenmassen mit cooperiren und E. E. des Erfolgs jedesmal gehorsamblich berichten.

Gleich jetzt avisiren mich mehr hochgedachten Fürsten, dass der Chastillon, nachdem er meinen Mar[s]ch vernommen, sich aus seinen Posten begeben, das Wasser Chier[318] passirt und sich zwischen demeselben und der Mass nechst Dousy[319] gelegt habe, aldar ihme nit wohl beizukommen, bleiben also die Fürsten bei obgedachten ihrer gefasten Resolucion“.[320]

Die Schlacht von La Marfée[321] fand am 6.7.1641 zwischen den Truppen Gaspard de Colignys, Maréchal de Châtillon und denen Frédéric-Maurice de la Tour d’Auvergnes, Herzog von Bouillon und Fürst von Sedan statt. Mit 5.000 Mann war er am 5.7. bis Sedan gelangt, wo er etwa 3.000 Mann zu Fuß und Ross unter dem Herzog von Bouillon und des Grafen von Soisson an sich zog. Jenseits der Maas stand Châtillon. Bei strömenden Regen setzte Lamboy am anderen Tag über den Fluss und führte den entscheidenden Angriff.[322] Dr. Jordan hält in seinen Aufzeichnungen unter dem 27.6./7.7. fest: „Der Französische Gral. March. D Chartillori wird von dem Duc d’Brullon um 2 Uhr vor Sedan[323] geschlagen. Comte de Soisson als Caput der Rebellanten bleibt. Lamboy war dabey“.[324]

Am 18.7. wurde Lamboy zum kaiserlichen Generalfeldzeugmeister befördert.

Walter Leslie teilte am 31.7.1641 Piccolomini mit, Lamboy habe am 12.7. Doncherey[325] erobert und große Munitions- und Proviantvorräte erbeutet.[326] Am 25.8. schrieb Piccolomini bedauernd an Leslie, die Versöhnung des Herzogs von Bouillon mit Ludwig XIII. werde unangenehme Folgen nach sich ziehen, insbesondere Lamboy werde seine Absicht, die Soldaten auf französischenm Boden überwintern zu lassen, kaum verwirklichen können.[327]

Auch der Kontakt mit Salamañca war nicht abgerissen. Am 5.9. kommentierte Piccolomini Lamboys Sieg über die Franzosen bei Aire.[328] Lamboy und Karl IV. von Lothringen sollten sich nicht mit der örtlichen Verteidigung begnügen, sondern mit Unterstützung der Spanier und unzufriedenen Franzosen tief ins Land eindringen. Er, P., selbst möchte gern in jener Gegend für die Interessen des Hauses Habsburg kämpfen, sei es an der Spitze der kaiserlichen oder der königlich-spanischen Armee.[329]

Immer neue Hilferufe richtete Erzbischof Ferdinand von Köln an Melchior von Hatzfeldt: ‚Veni, vidi et noli tardare ! Wir warten auf ihn als unseren Erlöser von der weimeranischen Tyrannei‘, fügte er eigenhändig einem Schreiben an Hatzfeldt bei. Doch alle noch so berechtigten Befürchtungen am Bonner[330] Hof waren verfrüht. Der Feind blieb in den letzten Dezembertagen still zwischen Emmerich[331] und Wesel[332] liegen und überschritt noch nicht den Rhein. Man wurde unruhig in Bonn. Sollten Zerwürfnisse zwischen den Verbündeten entstanden sein ? Einen einleuchtenden Grund schien es für dieses auffällige Verhalten nicht zu geben. Man vermutete sogar, die Hessen würden in das Herzogtum Berg einfallen, und man überlegte, Hatzfeldt unter diesen Umständen zunächst in Koblenz[333] warten zu lassen.

Am 6.1.1642 hatte Lamboy die Maas überschritten. Von Breill[334] aus warnte er am 7.1.1642 Piccolomini vor den Weimarern. Diese rückten, mit feindlichen Absichten gegen Köln, an den Rhein heran und stünden gegenwärtig zwischen Venlo[335] und Roermond.[336] Marquis de Lede stehe mit den Spaniern in Bereitschaft, die Weimarer hätten jedoch Hilfstruppen von den Hessen-Kasselischen und den Holländern erhalten.[337]

„Diese Ruhepause, die durch Verhandlungen zwischen Eberstein, Guébriant und den Generalstaaten entstanden war, gab den Kaiserlichen die Möglichkeit, sich in letzter Stunde auf den zu erwartenden Angriff sorgfältig vorzubereiten. Hatzfeldt befand sich noch am 1. Januar [1642; BW] in Würzburg.[338] Der Erzbischof entwickelte eine rege Schreibtätigkeit und wandte sich außer an Hatzfeldt noch an Lamboy, Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich[339] und an den spanischen Befehlshaber in Brüssel. Die Generalstaaten und den Prinzen von Oranien hatte Ferdinand, allerdings ohne sich selbst viel davon zu versprechen, gebeten, die Überfahrt weder zu gestatten noch sie zu unterstützen. Inzwischen hatten Lamboy und Hatzfeldt durch Sonderkuriere des Kaisers Befehl erhalten, in Eile an den Niederrhein zu marschieren, Lamboy wurde gleichzeitig Hatzfeldt unterstellt. Ähnliche Schreiben erreichten Herzog Karl von Lothringen. Der spanische Befehlshaber in Brüssel wurde vom Kaiser aufgefordert, seine bisherige gegenüber den Hessen gewahrte Neutralität aufzugeben und stattdessen gemeinsam mit den Kaiserlichen gegen sie zu marschieren. Wie man in Brüssel hierüber dachte, wurde dem Erzbischof von dort mitgeteilt: nur bei einer Verbindung der Hessen mit den Franzosen beabsichtigten die Spanier, ihre Neutralität gegenüber den Hessen aufzugeben.

Am 8. Januar traf Hatzfeldt, seinen im Raum Montabaur[340] stehenden Truppen weit vorauseilend, in Bonn ein. Am kurfürstlichen Hof hatte man zu dieser Zeit schon alle Vorbereitungen für die Ankunft der Truppen getroffen. Zahlreiche Schiffe waren in den ersten Januartagen für den Rheinübergang der Soldaten nach Andernach[341] unterwegs, Hatzfeldt hatte gewünscht, dort 50 000 Brote vorzufinden. Alle Bäcker mußten eilends das notwendige Brot backen, das sofort nach Andernach weitergeschickt wurde. Die Stadt Bonn war zur Lieferung von 16 000 Pfund Brot verpflichtet, auch Klerus und Klöster mußten Brot liefern. Am 11. Januar erhielt die Stadt Neuß[342] Anweisung, für die zu erwartenden Lamboyschen und Hatzfeldtschen Truppen an jedem dritten Tag je 9000 sechspfündige Brote an den Proviantmeister Johann Dülken, Schultheiß in Oedt,[343] zu liefern. Entsprechende Befehle hatten auch die Beamten von Kempen,[344] Linn,[345] Ürdingen,[346] von Hülchrath,[347] Liedberg[348] und Oedt erhalten. Von Oedt sollte der Proviant auf Kempen und Neuß verteilt werden. Trotz der vor Augen stehenden großen Gefahr wurde der Befehl zur Abgabe von Brot kaum befolgt. Die Bürger von Neuß sträubten sich so sehr, daß Ferdinand sich über sie mit den Worten beklagte: ‚Es sein aber seltsame Leute darin, die was harthörig‘. Auch mit Kempen war es zu Zerwürfnissen gekommen. Der Kaiser schließlich hatte für eine neue Ausrüstung der Hatzfeldtschen Truppen mit Uniformen gesorgt. Wegen des frühzeitigen Abmarsches der Soldaten an den Rhein konnten die Kleidungsstücke nicht rechtzeitig herbeigeschafft werden. Anfang Januar lag die Bekleidung noch in Prag, sie sollte per Schiff nach Eger transportiert, dort durch den Bischof von Würzburg abgeholt, an den Rhein gefahren und von dort per Schiff nach Köln gebracht werden. In Kaiserswerth[349] wurde die Garnison verstärkt. Am 5. Januar erhielten der Amtmann von Linn und die Stadt Ürdingen den Befehl, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Noch immer standen um diese Zeit Franzosen und Hessen auf dem rechten Rheinufer, verhandelten mit Oranien und warteten fast einen Monat auf die Brücke. Die beiden kaiserlichen Heere unter Lamboy und Hatzfeldt rückten näher. In den ersten Januartagen überschritt Lamboy die Maas. Seine Aufgabe war es, sich mit den Hatzfeldtschen Truppen zu vereinigen, um dann gemeinsam den Verbündeten entgegenzutreten. Als Lamboy nach Überschreiten der Maas von einigen Übersetzversuchen der Hessen erfuhr, rückte er schnell und auf eigene Faust in Richtung Süchteln[350] vor, dort blieb er am 9. Januar liegen, mit dem Ziel, bis zum Rhein nach Uerdingen vorzurücken. Die ihm unterstellten Truppen waren 8000-9000 Mann stark, hinzu kamen etwa 1000 Reiter des Obristen Eppe aus Essen.[351] Außerdem hatte ihm Graf de la Fontaine 6 Geschütze mit 120 Pferden sowie 24 Munitionswagen und Ausrüstungsgegenstände überlassen. Schließlich bot der spanische Gouverneur von Geldern,[352] Marquis de Ledo, Lamboy Hilfe für den Fall an, daß die Holländer den Verbündeten Unterstützung zukommen ließen. So fühlte sich Lamboy dem Feind ‚uff jeden Fall ge-wachsen‘ und glaubte zuvorsichtlich, jeden Einbruchsversuch abwehren zu können. Dieser Marsch Lamboys auf Süchteln und sein geplanter Zug nach Uerdingen entsprach nicht den Plänen Hatzfeldts, da hierdurch die notwendige Verbindung zwischen beiden Truppenteilen wegen der größeren Entfernung um einige Tage hinausgeschoben werden mußte. Hatzfeldts Truppen standen zu dieser Zeit ja noch im Westerwald. Was sollte geschehen, wenn nun plötzlich die Verbündeten den schon seit langem erwarteten Übergang vollzogen und Lamboy allein den ersten Gegenangriff zu führen hatte ? Aus diesen Erwägungen gab Hatzfeldt Lamboy zu bedenken, sich rechtzeitig auf die Erft[353] zurückzuziehen, damit die Hessen die notwendige Verbindung nicht verhindern könnten. ‚Sollte auch mein Herr Generalfeldzeugmeister vermeinen, ohne mein Zutun selbigen Feind zu bestehen, so wird doch außer allem Zweifel – weilen ein so großes auf diesem Werk beruhet – das Sicherste sein, wann diese Truppen, so wenigstens in 7000 Mann gutes Volk bestehen, darzustoßen werden‘.

Vielleicht war das für die Kaiserlichen rätselhafte Verhalten der Verbündeten die Ursache dafür, daß Hatzfeldt nicht mehr mit Nachdruck den Rückzug Lamboys forderte. Ob bewußt oder unbewußt störten sie durch ihr Zögern eine klare Entscheidung der Kaiserlichen, die um so zuversichtlicher auf eine Verbindung ihrer Kontingente hofften. Noch am 9. Januar glaubte Lamboy aus diesem Verhalten der Verbündeten schließen zu können, der Feind werde angesichts der nahenden Hatzfeldtschen Verstärkung überhaupt nicht über den Rhein rücken und statt dessen durch das Herzogtum Berg in die Wetterau[354] und in die Landgrafschaft Darmstadt ziehen. So schwankten die Kaiserlichen zwischen Hoffnung und Sorge, Lamboy fühlte sich trotzdem sicher in seinem Lager bei Hüls,[355] wohin er inzwischen marschiert war.

Nachdem die holländische Brücke fertig war und die hessischen Truppen am 12. Januar am Rhein eingetroffen waren, überschritt Guébriant am 12. und Eberstein am 13. Januar den Rhein. In Wallach[356] sammelten sich die beiden Heere; dort wurde der Entschluß gefaßt, Uerdingen anzugreifen und dadurch entweder Lamboy aus seinem sicheren Lager bei Hüls zu locken oder ihn dort anzugreifen, bevor Hatzfeldt kam. Dieser zweite Entschluß war gefährlich. Denn falls die Verbündeten geschlagen wurden, mußten sie nach Holland fliehen, ihre Eroberungen im Reich waren entblößt. Vor allem fehlte es dann an Nahrung. – Gleichzeitig setzten bei Andernach die ersten Hatzfeldtschen Soldaten über den Rhein. Nun mußte sich Lamboy allein den feindlichen Heeren stellen. Denn an eine Verstärkung durch die Hatzfeldtschen Truppen in den nächsten Tagen war nicht mehr zu denken. Damit drohte der kaiserliche Kriegsplan fehlzuschlagen. Lamboy wollte in Hüls ‚Posto fassen‘, den Feind erwarten und ‚ohne erheischende Not, weilen es Ihrer Churf. Durchlaucht also gnädigst befehlen, nichts hazardieren‘. Mit den gleichen Worten (nichts hazardieren) schrieb auch Hatzfeldt aus Köln an Lamboy: die Hatzfeldtsche Reiterei werde so schnell wie möglich herangeführt, das Hauptheer wollte der General über Euskirchen[357] und Erkelenz[358] marschieren lassen, damit der Feind die Verbindung beider Truppenteile nicht verhindern könne. Auch der Erzbischof beschwor mit flehentlichen Worten den gleichsam auf Vorposten stehenden Lamboy, unter allen Umständen zuerst die Verbindung mit Hatzfeldt zu suchen und deswegen notfalls über die Erft auf Neuß zurückzugehen oder sich, falls der Feind bereits auf Uerdingen marschiere, auf die Roer in Richtung Linnich[359] zurückzuziehen. Eigenhändig fügte er hinzu: ‚Es ist so viel an der Conjunction gelegen, daß, wenn gleich unterdessen mein Erzstift was leiden sollte, so ist doch mehr an der Conjunction gelegen. Denn damit kann man den Feind allzeit mit der Gnad Gottes wieder repussieren.

Also gehet so vorsichtig, daß der Feind sich nicht zwischen Euch und den Feldmarschall stelle, weil Ihr allem Ansehen nach allein dem Feind nit gewachsen‘. In dieser Notlage machte der Erzbischof seinen letzten Versuch, Wolfgang Wilhelm von seiner starren Haltung aufzubringen abzubringen. Er schrieb am 13. Januar, in dieser Situation müsse das Allgemeinwohl über die Sonderwünsche gestellt werden. Er könne sich nicht denken, ‚daß einige aus deutschem Blut entsproßene Fürsten … zur Unterstützung der deutschen Libertät anderen ausländischen Potentaten dergestalt Tür und Tor öffnen sollten‘. Wenn jeder sich wie Wolfgang Wilhelm verhielte, ginge schnell die alte schöne ‚Harmonia‘ verloren. Auch Kaiser Ferdinand befahl Lamboy, die Verbindung mit Hatzfeldt zu suchen. Ähnliche Schreiben erreichten außer Hatzfeldt und den Erzbischof den Herzog von Lothringen, Don Melo, die klevischen Räte in Emmerich,[360] die jülich-bergischen Landstände und die Stadt Aachen.[361]

Die Entscheidung über das Schicksal des Niederrheins lag nun ausschließlich in Lamboys Händen. Während sich die Hessen rheinaufwärts in Richtung Uerdingen bewegten, blieb Lamboy – ohne, entgegen seinen ersten Plänen, zu versuchen, die Stadt vor Eintreffen der Hessen zu besetzen – in seinem Lager in Hüls. Er fühlte sich seiner Sache so sicher, daß er dem Erzbischof schreiben konnte, Hatzfeldt möge ruhig jenseits des Rheins bleiben, ‚weilen er ohne dieselben den Weimeranern genugsam gewachsen wäre, sie zu hintertreiben oder zu schlagen, dafern sie so vermessen wären, über den Rhein zu kommen‘. Auch von dem Plan des Erzbischofs, Lamboy möge seine Truppen über die Erft zurückziehen, hielt er nicht viel. Denn die Vereinigung beider Heere könnten die Hessen niemals verhindern, wenn Hatzfeldt die Niers aufwärts zöge und über die Brücke in Oedt das rechte Niersufer erreiche. Da Hatzfeldt nicht weit sei, wolle er auf seine Ankunft warten. So trieb alles unaufhörlich der Entscheidung entgegen. In Bonn und Köln herrschte ‚große Perplexität‘.

Das erste Ziel der Hessen war Uerdingen, um einen sicheren Rückhalt für ein Gefecht gegen Lamboy zu gewinnen. Bereits am 14. Januar erschienen sie vor den Toren der Stadt. Der wachhabende Leutnant wies die Aufforderung zur Übergabe ohne Zaudern ab. Trotzdem mußte man sich auch in Bonn darüber klar sein, daß sich Uerdingen nicht lange gegen den Feind halten könne. Aber gerade dieser wenn auch geringe Widerstand konnte für die Sache der Kaiserlichen von entscheidender Bedeutung werden, wenn es ihnen dadurch gelang, in letzter Minute eine Verbindung zwischen Lamboys und Hatzfeldts Truppen herzustellen. So jedenfalls sah der Erzbischof am Nachmittag des 16. Januar die Kriegslage. Zur gleichen Stunde aber war bereits das Schicksal Uerdingens besiegelt: da eine Hilfe von Lamboy nicht mehr zu erwarten war, ergab sich die Stadt dem Feind, die Garnison wurde in hessische Dienste gezwungen. Oberst Flantz meldete aus Kaiserswerth,[362] wo er alle Bewegungen des Feindes beobachten konnte, wie die Hessen sogleich nach der Eroberung von Uedringen die Orte Langst,[363] Elverich,[364] Nierst,[365] Lang[366] und Strümp[367] besetzten, die Kirche zu Osterath[368] in Brand steckten und das Kloster Mehr[369] plünderten. Am 16. Januar belagerte Guébriant Linn und erkundete das Gelände in Richtung Hüls. Durch Gefangene zog er Auskünfte über Lamboys Lager ein. Am 17. Januar um 4 Uhr morgens wurde zum Aufbruch geblasen. Die Verbündeten mußten eine Entscheidung erzwingen, bevor die Verstärkung durch Hatzfeldtsche Truppen eintraf. Hatzfeldt lag um diese Zeit im Raum Düren und beabsichtigte, zwischen Jülich und Düren bei Nacht über die Roer zu gehen, um über Erkelenz nach Oedt oder Roermond[370] zu marschieren. Ein kleiner Teil des verbündeten Heeres marschierte auf Linn, während sich die Hauptmasse über Fischel[371] den Truppen Lamboys näherte. So schwand auch die letzte Hoffnung des Erzbischofs, Linn möchte den Marsch des Feindes wesentlich verlangsamen. ‚Es gehet grob her, Gott wolle die arme Leut trösten, nach Gott aber ist der Feldmarschall unser größter Trost‘, schrieb er zu dieser Stunde an Hatzfeldt.

Lamboy fühlte sich weiter hinter der Landwehr bei Hüls sehr sicher. Obwohl das Heer der Verbündeten nicht weit von seinem Lager stand, glaubte er weder an einen sofortigen Angriff noch ergriff er selbst irgendwelche Maßnahmen gegen den Feind. Lediglich erhöhte Wachsamkeit war befohlen. Als dann die Verbündeten zwischen 10 und 11 Uhr vor der Landwehr erschienen, soll sich Lamboy gerade beim Essen befunden haben. Nach seiner Gefangennahme berichtete er dem Grafen Eberstein, ihm hätten 8-9000 Mann unterstanden. Die Stärke des zu erwartenden Hatzfeldtschen Kontingents betrug 7000 Mann. Einem vereinigten kaiserlichen Heer wären die Verbündeten kaum gewachsen gewesen. Denn sie verfügten insgesamt über etwa 9000 Mann, davon entfielen auf die Hessen 2000 Man zu Fuß und 1200 zu Pferd.

Über den Verlauf der Schlacht berichtete Eberstein am 18. Januar aus dem Hauptquartier zu St. Tönis[372] an Wilhelm VI. von Hessen-Kassel: „Indem wir uns gestern nach dem Mittag in guter Schlachtordnung vor dem Feind, der hinter einer doppelten Landwehr mit tiefen trockenen Gräben zwischen Krefeld und St. Tönis gestanden, gesetzet, erstlich mit kleinen Regimentsstücklein auf- und über besagte Landwehr in den Feind gespielet und, als inmittels der Feind auch seine Stücke hervorgebracht und damit zu schießen angefangen, haben wir zusampt vor ratsam gefunden, das angefangene Werk mit Ernst zu beschleunigen. Gestalt dann ich mit drei Brigaden den Vorzug gehabt und selbige eben an den Ort, wo des Feinds Stücke und Lamboy selbst gestanden, den Sturm getan, nicht weniger von beiden Seiten der Herr Graf von Guébriant mit seinem Fußvolk angefallen. Und obwohl der Feind in seinem mächtigen Vorteil dermaßen gestritten, daß er auch mit seinem Fähnlein sich über die Landwehr gegen uns ins freie Feld angefangen zu setzen, so habe ich dennoch durch des Allmächtigen Segen den Meinigen vor dem Feind dermaßen zugesprochen, daß sie denselben wieder hinübergetrieben, die erste Landwehr einbekommen und mit dem Feind um seine Stücke eine Zeit lang gefochten. Inmittels ist die Reiterei zu beiden Seiten nacher Krefeld und St. Tönis zu fortgegangen, auch durch die Landwehren, teils durch die Schlagbäume, andere sonsten, ehe es der Feind innegeworden, hinübergekommen, von wenige von Efg. Fußvolk vor des Feinds Stücken und in dem Streiten die Landwehr geschlichtet, wobei dann nicht allein sie immer angedrungen und den Reitern den Weg geöffnet, sondern auch von des Feinds Stücken deren 6 achtpfündige gewesen, fünf ermächtiget und behalten, das sechste auch des Herrn Grafen von Guébriants Völker in Händen gefallen, worüber dann vollends der Feind in die Flucht gebracht und von der Reiterei zu allen Seiten dergestalt bestritten worden, daß alles Fußvolk, Fähnlein und eine Anzahl Standarten, auch die Bagage im Stich geblieben und von der Reiterei nicht gar viel entkommen sein. Die Obristen und hohe Befehlshaber, welche ein sonderbares Werk, sein alle gefangen, worunter Lamboy und die beiden Mercy in der Person, auch bei 3000 von gemeinen Soldaten. Die Gebliebenen werden nicht viel weniger sein, zumal die Felder hin und wieder auf ein großes Stücks Weg voller Toten liegen, von welchen allen die Verzeichnisse noch nicht aufgenommen. Von dieser Seite ist der Obrist Flersheim tot und von Efg. einige Hauptleute und Offiziere, von den gemeinen Knechten aber sind derselben, weil sie am härtesten Posten gefochten, mehr als der französischen geblieben. Des Herrn Lamboy eigener mir getanem Bekenntnis nach ist er in 4000 Reiter und über 4000 Mann zu Fuß stark gewesen, hat von Kurköln Ordre gehabt, der Hatzfeldtschen zu erwarten und zu Beschützung dieses Landes sich in seinem Vorteil zu halten, welches ihm aber nicht angehen wollen“.[373]

Der niederrheinische Chronist Johannes Wilmius [1585 – 1655] stellte die Ereignisse aus katholischer Sicht so dar: „Am 17. Januar 1642, am Tage des hl. Antonius, besetzten die Hessen und Weimarer nach dem Übergang über den Rhein die Stadt Uerdingen. Bei der Gelegenheit erfuhren sie, daß Lamboy seine Soldaten weit über die benachbarten Dörfer verstreut habe und bei Hüls ein Lager aufschlage. In kluger Taktik gingen sie an dem Dorf Fischeln,[374] das sie in Brand steckten, vorbei und machten an der Hückelsmay einen unerwarteten Vorstoß in das Amt Kempen. Die weit umherschweifenden kaiserlichen Truppen bemerkten diesen Einfall zu spät. Wohl wurden sie in aller Eile zusam[m]engezogen und warfen sich in der Nähe der Hückelsmay dem Feind mit großer Tapferkeit entgegen, jedoch ohne Erfolg. Die größeren feindlichen Geschütze rissen große Lücken in die ohne Ordnung und Überlegung kämpfenden kaiserlichen Streitkräfte. Ein ungeheures Blutbad zwang die Unsrigen frühzeitig zur Flucht, bevor sie sich überhaupt zu einer geschlossenen Einheit formieren konnten. Lamboy aber leistete heldenhaften Widerstand. Er wollte um jeden Preis die Feldgeschütze retten und kämpfte bis tief in die Nacht. Schließlich geriet er mit dem General Epp in Gefangenschaft. In geschickter Ausnützung seines Sieges besetzte der Feind sofort den Ort St. Tönis, setzte die neue Kirche mit ihrem Turm in Brand und zerstörte sie. Die planlos fliehenden Kaiserlichen wurden vernichtet“.[375]

Lamboy hatten 8.-9.000 Mann unterstanden, ca. 1.000 (nach anderen Angaben 2.500[376]) wurden getötet, die meisten wurden versprengt[377] oder gefangen genommen (4.000). 146 Fahnen und Standarten, dazu der ganze Tross fielen in die Hände der Sieger. Chaos und Panik hatten so große Verluste verursacht, so dass 29 staatische Reiterkompanien gar nicht mehr zum Einsatz gekommen wären.[378]

Am 31.1. wandte sich Piccolomini an Trauttmansdorff: Es sei die Nachricht von einem Sieg eingetroffen, den die Weimarer über Lamboy errangen. Dieses Ereignis – gemeint war der Sieg der Franzosen unter Guébriant und der Weimarer und Hessen-Kasselischen unter Eberstein in der Schlacht bei Kempen am 17.12.1642 – habe den Kurfürsten von Bayern[379] und Köln Angst eingejagt. Maximilian I. halte es für notwendig, seine Armee zur Verteidigung des eigenen Landes zurückzurufen, Ferdinand von Köln leihe angesichts des von Militär entblößten Westfalens sein Ohr den verderblichen Ratschlägen der Neutralisten. Die Spanischen Niederlande seien abgeschnitten und blieben ohne Hoffnung auf Hilfe aus Deutschland. In dieser Lage habe Leopold Wilhelm große Weisheit an den Tag gelegt und versuche nun, das Unglück durch Hebung der Wehrhaftigkeit der dort verbliebenen Armee gutzumachen, indem er den Kaiser bat, baldmöglichst Mittel zur Verfügung zu stellen, um die verbliebene Truppe zu reorganisieren und neue Männer zur Ergänzung der Regimenter anwerben zu können. Leopold Wilhelm habe ferner von den Spaniern einen Beitrag zur Verstärkung von Hatzfeldts Armee in Westfalen sowie die Stärkung ihrer eigenen Armee in Flandern gefordert. Er habe die Befehle erteilt, die Truppen jenseits der Elbe unter dem Kommando von Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg in einer solchen Stärke zusammenzuziehen, dass die schwedischen Positionen bedroht wären, und wenn sie durch ein Schreiten der Elbe Hilfe erhielten, würde die feindliche Übermacht auch hier geschwächt.[380]

Am 19.2. schrieb Borri Piccolomini erneut aus Wien und informierte ihn über die verlorene Schlacht Lamboys gegen Eberstein und Guébriant bei Kempen am 17.1.1642. Chaos und Panik hätten große Verluste verursacht, so dass die holländischen Reiterkompanien nur mehr Augenzeuge der Tragödie gewesen seien.[381]

Selbst der gutwillige und geduldige Ferdinand von Köln hatte seinen Schützling Lamboy „einen Welschen genannt, der uns alle in das Elendt bringt mit seinen Bravaden und Nonchalance“.[382] Franz Wilfelm von Wartenberg[383] hatte Trauttmansdorff gegenüber die kaiserlichen Pläne für das Desaster verantwortlich gemacht: „Die meiste ruin und desolation sey diesem craiß zugestoßen, alß der Hatzfeld ausm craiß nach Erfurt vom Kayserlichen hoff auß befelcht worden“.[384] 1645 hob Kolowrat die Qualität der kaiserlichen Generäle sehr negativ hervor: „Wie unglückselig haben Euer Mayestät generales, alsbaldt Eur Mayestät persöhnlich dem kriegswesen nit mehr beygewohnt, den krieg biß dato geführt, das haben Euer Mayestät layder erfahren. Und zwar theils durch consumirung der armaden, theils durch verliehrung der schlachten. Examinire mann toties den Gallaß, qui et adhuc continuat, Picolomini, Frantz Albrecht von Saxen bey Schweinitz,[385] Götzen bey Breysach, Savelli bey Reinfelden,[386] Hatzfeld bey Witstok,[387] dem Lamboy zu Güllichischen, dem Gleen [Geleen; BW] zwar bey kleinen occasionibus [!], alle alle unglückselig, allein Euer Mayestät haben glückselig die armas geführt und ahnsehlich triumphirt, wie dann auch dardurch die Römische cron erobert, et quibis mediis ad summum imperii fastigium Vestra Maiestas est evectus [!], iisdem et mediis coronam iam adeptam conservari debet“.[388]

Lamboys zwei Jahre lange Gefangenschaft bis August 1643 in Vincennes[389] – möglicherweise auch deswegen, weil er zusammen mit Geleen und Wahl 1636/37 in Hessen siebzehn Städte, siebenundvierzig adlige Häuser und dreihundert Dörfer in Flammen hatte aufgehen lassen;[390]die gewaltige Auslösung von 25.000 Rt.,[391] die Lamboy selbst hatte aufbringen müssen, wurde nach Aussage des schwedischen Feldpredigers Engelsüß der Witwe Guébriants überlassen[392] – war ein Glück für die Kriegsführung am Niederrhein, was Ferdinand von Köln nicht hinderte, ihn nochmals einzusetzen. Denn er wurde der Nachfolger Holzappels als Oberkommandierender der Truppen im Westfälischen Reichskreis.

Guébriant war in Anerkennung des Sieges bei Kempen im März 1642 zum französischen Marschall ernannt worden. Die Reste der Armee Lamboys hatten sich nach Westen und Süden abgesetzt. „Die Absicht der Kaiserlichen, diese Soldaten aufzufangen und in Hatzfeldts Armee einzugliedern, war schwer zu verwirklichen. Sicherheit bestand für sie erst jenseits der Mosel. Die Truppen waren führerlos. Man plante, Teile von ihnen in der Grafschaft Namur und im Herzogtum Luxemburg zu sammeln. ‚Es ist aber ein so indiszipliniertes Volk, daß nicht weiß, was mit ihnen zu machen‘, klagte Hatzfeldt. Die meisten wollten von spanischen Kommandanten weder Verpflegung noch Munition annehmen, um nicht in spanische Dienste gedrängt zu werden. So eilten sie, ohne Waffen und ohne Ordnung, Hatzfeldts Armee zu. Gleich wilden Tieren habe man sie einfangen müssen. Schließlich stießen etwa 1400 Mann zu Pferd, 600 Reiter und 2000 Frauen zu Hatzfeldt, der sie sogleich auf das rechte Rheinufer führte und von da in die Wetterau, sehr zum Verdruß des Erzbischofs von Mainz, schickte. Andere Teile der geschlagenen Armee, die sich dem Zugriff Hatzfeldts entziehen konnten, zogen weiter rheinaufwärts, beunruhigten die Gegend von Mainz[393] und drangen bis nach Frankfurt,[394] Worms[395] und Heilbronn[396] vor.

Wie ein Lauffeuer sprach sich die Niederlage Lamboys bei den Kaiserlichen herum. Obrist Flantz hatte, als er den Geschützdonner aus der Ferne in Kaiserswerth hörte, sogleich eine Streife mit 30 Mann losgeschickt, die von feindlicher Kavallerie überfallen wurde und mit nur sieben Mann zurückkehrte. Am Abend trafen einige Reiter und Verwundete der geschlagenen Armee in Kaiserswerth ein. Einige in westlicher Richtung geflohene kaiserliche Reiter fanden bei dem spanischen Kommandanten in Venlo[397] Aufnahme, der um einen höheren Soldaten bat, um die flüchtigen Soldaten zu kommandieren. Der spanische Kommandant von Roermond dagegen hatte die Lamboyschen Truppen weggeschickt, die kurze Zeit später von den Verbündeten erneut angegriffen wurden. Eine Gesandtschaft Wolfgang Wilhelms, die sogleich mit den Siegern Verbindung aufnahm, hatte sich davon überzeugt, daß die Armee Lamboys ‚totaliter ruiniert und zunicht gemacht‘ sei. Nicht anders beurteilte Hatzfeldt selbst die Lage: er sah den Fehler der kaiserlichen Kriegsführung in dem Befehl vom Herbst 1641, mit seinen Truppen statt den Westen des Reiches zu schützen nach Erfurt marschieren zu müssen. Denn in diesem Fall wäre es entweder nicht so weit gekommen oder der Feind wäre nicht ‚ohne Schläg entgangen‘. Jetzt aber sei durch Lamboys Verhalten die Schlacht verloren und seine Truppen ‚gänzlich ruiniert‘. Nicht weniger sorgenvoll klangen die Briefe aus Wien, wo man mit den schwersten Beschuldigungen gegen Lamboy nicht sparte. Der Hofkriegsratspräsident Schlick warf Lamboy, der ein ‚schönes Spiel angerichtet‘ habe, vor, er habe ‚ehrvergessener Weise und dergestalt leichtfertig gehandelt, daß es ja nicht gröber sein könnte‘. Im September 1643 urteilte er über Lamboy, ‚daß er etliche Male grob gestolpert sei‘. Er warnte Hatzfeldt, sich mit ihm zu verbinden. Denn wenn auch Lamboy durch die Franzosen gedemütigt sei, werde er zwar sich anfangs zurückhaltend erweisen, ‚so bald aber den Fuß wieder im Stegreif gesetzt, werde ihn die eigene Regiersucht wieder ankommen‘.

‚Einen Welschen‘, der ‚uns alle in das Elend bringt mit seinen Bravaden und Nonchalance‘, nannte Erzbischof Ferdinand den besiegten kaiserlichen Feldherrn. Noch am Tage nach der Schlacht hatte er, in Unkenntnis der Ereignisse, Hatzfeldt mitgeteilt, daß in Bonn, Köln und Andernach viel Brot bereitläge; wegen der Eroberung Uerdingens durch die feindlichen Truppen hatte er davon Abstand genommen, auch nach Neuß Brote zu liefern. Am 19. Januar wurden über 30 000 Pfund Brot per Schiff nach Andernach gesandt. Die Städte Rheinbach,[398] Meckenheim[399] und Ahrweiler[400] erhielten Befehl, ihren Vorrat an Lebensmitteln nach Andernach zu senden. Außerdem hatte der kurfürstliche Beseher Hermann Fischer zwei Schiffe nach Andernach entsandt, in denen je 100 Pferde und 400 Mann Platz finden konnten. Mitten in diese Vorbereitungen trafen in Bonn die ersten Nachrichten durch Obrist Flantz über die Niederlage bei Kempen ein. Die Meldungen überschlugen sich, noch war kein klares Bild über die Lage im niederen Erzstift zu gewinnen. Nach Auffassung des Erzbischofs waren Kempen und Linn verloren, die Lage Kaiserswerths gefährdet, und ob Neuß dem feindlichen Ansturm lange Widerstand leisten konnte, schien dem Erzbischof höchst ungewiß. Wirksame Hilfe gegen die Verbündeten sah Ferdinand, außer in Hatzfeldts Truppen, in der bayerischen Armee, die von allen kaiserlichen Heeren dem Rhein am nächsten lag, und in der Unterstützung durch lothringische Truppen. Eine gewisse Hoffnung hatte Ferdinand auch auf die Spanier gesetzt, mußte aber mit Erstaunen feststellen, daß sie sich verhältnismäßig reserviert verhielten. Gleichwohl versicherte der Gouverneur der spanischen Niederlande in Brüssel, Don Francesco de Melo, Hatzfeldt seines Gehorsams gegenüber dem Kaiser und sandte als Zeichen seiner Hilfe den Baron de Jehay zu Hatzfeldt.

Die erste Reaktion des Kaisers auf die Niederlage bei Kempen war die Entsendung von 2-3 Regimentern der bayerischen Armee an den Rhein, sie sollten in Philippsburg[401] oder Speyer[402] den Rhein erreichen und dann in drei Tagen auf Schiffen, die der Erzbischof von Mainz zu stellen hatte, zu Hatzfeldt stoßen. Auch an den Herzog von Lothringen hatte der Kaiser Befehle zur Bereitstellung von Hilfsvölkern gesandt. Schließlich stellte er selbst Hatzfeldt 50 000 Reichstaler für Munition in Aussicht.

Auch Wolfgang Wilhelm erhielt einen kaiserlichen Befehl, die aufgefangenen Lamboyschen Völker zu verpflegen und Hatzfeldt hierbei behilflich zu sein. Entsprechende Schreiben erreichten den Erzbischof, den Bischof von Osnabrück, den Grafen von Wied, den Abt von Korvey, die jülich-bergischen Landstände und die Städte Köln, Aachen, Dortmund, Duisburg, Brakel und Soest“.[403]

Bei Dr. Jordan findet sich unter dem 1./11.1644: „Die Hessische aus Neuß[404] und andere der Ends Guarnisonen nebest Ständtischen überfallen 3 Regimenter Kayersche, so bey Düren[405] und zwischen Aachen[406] gelegen, und miniren sie auch. Es komen aber etzliche Lamboische und der junge Graf [Christian; BW] von Naßaw von Siegen ihnen zu Hilfe und die Hessische, die bei dem Gral. von Naßaw geplieben, nebst einem Marchioni aus Lotharingia.

Von den Heßischen ist ein junger Landgraf von Hessen [Hessen-Rotenburg zu Eschwege, Friedrich Landgraf von; BW] nur mit 40 Pferden davon(ge)kommen, 400 so sich in einer Schewr retiriret, verbrandt; ihr Dr. Rabenhorst gefangen“.[407]

Am 28.1.1645 wandte sich Piccolomini an Montecuccoli: Der Kurfürst von Köln bemühe sich um die Errichtung eines eigenen Militärkorps in Westfalen; da man aber keine Zeit verlieren dürfe, habe man diese Frage nicht behandelt, sondern sich auf die Anwerbung von 8.000 Mann durch Lamboy geeinigt, was der Kaiser gut geheißen habe. Daraufhin wurde mit Karl IV. von Lothringen abgemacht, dass dieser 6.000 Mann zur Verteidigung dieser Länder bewaffnete. Die Feinde träfen große Vorbereitungen, doch hoffe er, P., die angeführten Vorkehrungen würden zum Schutz hinreichen.[408]

Im Juli 1645 kam es zur Schlacht zwischen Piccolomini und dem französischen Marschall Ranzau. Piccolomini konnte den Gegner über den Fluss Colme zurückdrängen; Ranzau fiel in diesem Gefecht. Die folgenden Monate waren gekennzeichnet von Uneinigkeit mit dem Gouverneur der spanischen Niederlande, die dazu führte, dass die Festungen Mardyck[409] und Lincke[410] wieder an die Niederländer fielen. Wassenberg[411] schreibt über den weiteren Verlauf: „In Flandern hatten die Frantzosen gleiche Fortun: dann nach dem sie den 17. Junij über den Fluß Colme mit 26.000 Mann starck vnterm Hertzog von Orleans gesetzt / haben sich Herr General Piccolomini mit 800. zu Pferd / vnd 6000. zu Fuß vor Düynkirchen[412] vnter das Geschütz / Lamboy aber nach Formen[413] begeben / darauff die Frantzosen auf Borburg[414] vnd von dannen gegen Mardyck / einen zwar kleinen / aber doch festen Ort / welcher den Hafen von Düynkirchen commandirt gewendet / selbiges angegriffen / vnd 4. Batterien darvor auffgeworffen / vnd mit Canoniren grossen Ernst gebraucht / also daß sie selbiges innerhalb 8. Tagen zum Accord gezwungen / vnd den 10 Julij mit vollem Gewähr bey 700 Mann starck / sampt 2 Fähnlein / deren sie 11. an den Hertzog von Orleans übergeben müssen / außgezogen / mit sich führend 50. biß 60. Karren Bagagy vnd Verwundete / aber kein einiges Stück / oder sonst etwas. In diesem Fort haben die Frantzosen 18. Metalline Stück / in dem abgebränten hölzern Wammes / welches ein Blockhauß in der See liegend / vnd von den Spanischen selbst angesteckt worden / 6 halbe Carthaun alles auserlesenes Geschütz / bekommen. Vber diese Einnehmung ist zu Pariß das Te Deum Laudamus in vnser Frawen Kirchen gesungen / vnd die Fahnen auffgehenckt worden. Den 13. 23. Julij hat sich auch das Fort Lincke auff der Colme bey Borburg in Flandern gelegen / den Frantzosen nach 6tätiger Belägerung ergeben / darauß sein 350. Mann starck außgezogen / seynd aber nach Grevelingen[415] geführt / weil sie sich auff discretion ergeben müssen / darin seynd 7. Stück Geschütz gefunden worden. Nach diesem haben sie sich an Borburg ein wolbefestigte vnd treflich versehene Statt gemacht gemacht / selbige von 2. Batteryen mit 44. Stücken dermassen beschossen / daß den Spaniern darin der Muth entfallen / vnd sich auf Gnad vnd Vngnad ergeben / darüber dann auch den 17. 7. Augusti zu Pariß das Te Deum Laudamus gesungen worden“.[416]

Am 15.11.1645 wurde Lamboy zum kaiserlichen Feldmarschall befördert.

Wassenberg berichtet auch ausführlich über die Eroberung von Tienen[417] im Februar 1646 und die blamable Schlappe seiner Untergebenen: „In diesem Monat Februario haben die Mastricher[418] einen artigen Kriegsbossen angestellt / dessen die zu Thienen mit ihrem grossen Schaden gewahr worden. Dann nach dem die Mastricher verkundschafft / daß in besagtem Thienen etliche Trouppen von Herrn Obersten Lamboy logirten / haben sich der Cornet von deß Grafen Pompei, Monsieur Jean Remaque, vnnd Monsieur Grison, Capitain Leutenant / von deß Graffen vom Solms Commandanten zu Mastricht Compag. zusammen gethan / besagtem Herrn Graffen von Solms / angedeutet / daß sie im Werck weren / gegen den Feind etwas zu tentiren / wolte ihnen derhalben etwas volck mit geben. Hierauff wurden zusammen gebracht 350. Fewerrohr vnd 200. Pferd / auß welchen sie 2. Soldaten mit Capuciner Kuten / vnd noch ein anderer wie ein Jesuit bekleidet / damit ist obgedachter Cornet den 27. dito morgends mit auffgehendem Thor gegen Thienen zu marchiret / vnd machte sich / (Wie ein Bawer verstellet / ein Gabel auff dem Nacken / vnd daran ein Säcklein mit Nüssen hangen habende.) mit obgedachten 3. Vermeinten Geistlichen voran / denen kurtz hernacher ein Trompeter ein einem rothen Feldzeichen / diesem aber etliche Soldaten gantz ohne Gewehr / mit Vranienfarber Livree an den Armen gebunden / gleichsam als ob sie Staatische Gefangene wären / gefolget. Der Cornet sampt den 3. Ordes-Personen wurden von der Schildwacht durch die Pforten zur stunde eingelassen / der machte darauf das Fall-Eysen wider zu / vnd muste der Trompeter / beneben den Gefangenen daraussen verziehen. In dem nun der Cornet sich eingeschlossen sahe / ward ihme bey der Sach nicht heimlich / faßte derhalben die Resolution / vnd schlug die Schildwacht mit seiner Gabel vber den Kopff / daß sie deß Aufstehens vergaß / eröffnete eylends das Klinquett / vnd fiel durch Hulff deren draussen in das Corps der Garde / oder Wachthause / darinnen 10. Soldaten vnd 1. Sergeant waren / schlug dieselben tod / da dann in dessen die Mastrichische Reutterey vnd das Fußvolck mit hellem Hauffen ingetrungen / vnd also der Statt Thienen glucklich Meister worden / in welcher sie / vermög beykommender Liste / an officirern gefangen: Den Obristen Wolffen / Collonell zu Fuß / vnd dessen Obr. Leut. Mr. Smet / Capitain: Adolph Hinninckhausen / Regiment-Schultheissen: Mr. de Genostillion / Leutenanten: Mr. Hunige / Obr. Leut. zu Pferd vom Ramsauischen Regim. Hanß Wilhelm Jäger / Leutenant: Mr. Wagner / Rittmeister vnder gedachtem Regiment:: Hans Casper Edel von Plata: reform. Leut:: Mr. Collyn / Capitain von der Lamboischen Garde: Mr. Stael / Cornet in gedachter Garde: Richard de la Reclu / reformirter Cornet vnder dem Lamboyschen Regim: Mr. de Genet / Adjutant vom Lamb. Mr. de Masillen / Sergeant: den Major / von deß Freyherrn Wagners Regiment: Item 2. Fähndriche / 3. Sergeanten / vnd vnterschiedlich andere so Reutter als Soldaten. Ausser diesen gefangenen seynd erhalten worden / 12 Fähnlein / 4. Standarten / 2 Heerpaucken oder Kessel-Trommen 7 300 Pferd vngefehr / vnd andere herrliche Beuten / benebenst der gantzen Lamboyschen Baggage / vber 1200. Reichsthaler werth angeschlagen“.[419]

Am 7.11.1646 erhielt Piccolomini von Formarini aus Pressburg[420] einen neuen Lagebericht über die Reorganisation der kaiserlichen Armee: Gallas wurde zum Armeekommandant ernannt, mehrere Generäle wurden abgelöst. Der Hof will nur mit dem Einverständnis des bayerischen Kurfürsten vorgehen und hat daher E. Traun zu ihm entsandt; dieser brachte den Bescheid zurück, der Erzherzog möge die Armee nicht verlassen, es bestehe auch keine Ursache dazu. Gallas selbst sei für P.s Rückkehr, auch General Borri, aber der spanische Orator am Kaiserhof Terranova sei dagegen. Schlick unterstütze General Goltz, der ihm sein Vermögen hinterlassen hat. Einige heben Holzappel hervor, der Kaiser aber will von dem Häretiker nichts hören und erinnert sich zu gut an den Undank Herzog Franz Albrechts von Sachsen-Lauenburg. Das Artillerie-Generalat scheint Annibale Gonzaga oder Goltz zuzufallen, während Fernemont völlig übergangen wird. Der Kaiser wird alles erst nach seinem Zusammentreffen mit dem Kurfürsten von Bayern entscheiden, das in Regensburg oder München stattfinden soll. Über Polen sei die Kopie jener Schrift gegen Piccolomini an den kaiserlichen Hof gelangt, die unter Beteiligung von Guasco und Lamboy entstanden und an die Minister Philipps IV. geschickt worden war, zugleich aber auch die von Paolo Orsini verfasste Antwort; die Beschuldigungen sind lächerlich und die Antwort treffend.[421]

Am 4.5.1647 hatte Lamboy nach der Beförderung Holzappels zum kaiserlichen Feldmarschall seine Ernennung zum „Kriegs-Commandanten in dem Westphälischen Kreis“ erhalten.

Am 22.5.1647 schrieb Lamboy noch von seinem Besitz Desseneer[422] an Piccolomini: Er habe vom Kaiser den Befehl erhalten, seine Truppen so bald wie möglich nach Westfalen zu verschieben und das dortige Armeekommando zu benehmen. In des Kaisers Patent stehe die Klausel, das er, L., Holzappel subordiniert sei; diesem Punkt werde er nie zustimmen und sei überzeugt, dass Piccolomini ebenso denke.[423] Lamboy wandte sich am 26.5. erneut an Piccolomini: Die Truppen, an deren Spitze er in Westfalen gestellt wurde, stünden in keinem Verhältnis zu der bedrohlichen Anzahl der Gegner. Er, P., möge diese Frage mit Leopold Wilhelm besprechen und erreichen, dass ihm entweder weitere Truppen oder eine größere Geldsumme zugeteilt werden, um eine genügende Anzahl von Männern in Sold nehmen zu können, da sich der Feind sonst des ganzen Kreises bemächtigen könnte. Die Stadt Vechta[424] werde von Königsmarcks Armee arg bedrängt.[425]

Piccolomini hatte sich am 31.8. aus dem Feldlager bei Armentières[426] an den kaiserlichen Generalkriegskommissars Blumenthal gewandt: Die Verhandlungen mit den Holländern hätten einen guten Verlauf genommen und sein, P., Rat, man möge nicht so sehr auf Formalitäten sehen, sondern eine Erleichterung des Friedensschlusses und die Reichsinteressen betreiben, habe sich als gut erwiesen. Dadurch habe sich die Art und Weise der Verhandlungen von denen in Münster unterschieden. Man müsse die trostlosen Verhältnisse in Westfalen berücksichtigen, die nichts anderes verlangten als Blumenthals und Hatzfeldts Weisheit. Die Schuld an schlechten Ergebnissen trage auch Lamboys Geiz, dem ein voller Beutel genüge.[427]

„Vor Ende des Krieges stand das Emsland[428] noch einmal im Mittelpunkt kriegerischer Ereignisse. Im Sommer 1647 operierten schwedische und kaiserliche Truppen im Emsland. Die Kaiserlichen unter dem Kommando des Generals Lamboy hatten hauptsächlich den Auftrag, das Emsland zu sichern und die hessischen Truppen zu vertreiben, die sich in den ostfriesischen Schanzen an der nördlichen Grenze des Amtes Meppen[429] festgesetzt hatten. Von diesem Zug berichtet der Drost Dietrich von Velen am 9. September 1647 nach Münster.[430] Am 3. September erreichte der Generalwachtmeister von Schaar[431] mit einigen Vortruppen die Festung Meppen. Er hatte den Auftrag, den Durchmarsch der Hauptstreitmacht zu organisieren. Am nächsten Morgen kam die Vorhut des lamboyschen Heeres in Meppen an. Sie hielt sich drei oder vier Stunden vor dem Hasetor auf, wurde mit Brot und Bier verköstigt und zog dann weiter über den Hümmling nach Esterwegen,[432] um von dort nach Ostfriesland einzudringen. Dies gelang ihnen allerdings wegen der unzulänglichen Moorgebiete nicht, so daß sie am Tag darauf bereits unverrichteter Dinge zurückkamen. Die Hauptstreitmacht Lamboys erreichte wiederum am folgenden Morgen Meppen. Sie hielt sich ebenfalls nicht lange dort auf, sondern zog die Ems entlang Richtung Ostfriesland. Lamboy beschwerte sich in diesem Zusammenhang darüber, daß in Meppen keinerlei Vorbereitung dafür getroffen worden war, die von Kurfürst Ferdinand zugesagte Verpflegungsleistung von 10.000 Pfund Brot zum Unterhalt der Truppen zu erbringen. Der Drost berief sich darauf, einen solchen Befehl nie erhalten zu haben. Er berichtete im übrigen, daß die Einwohner, nachdem sie von der zu erbringenden Verpflegungsleistung gehört hatten, mit Frau und Kindern in die benachbarten Provinzen geflohen seien und ihre Häuser und Habe zurückgelassen hätten. Die einrückenden Truppen hätten die Häuser besetzt und so versucht, sich selbst zu verpflegen. Von Velen erbat nun Anweisung darüber, wie er die Verproviantierung der Truppen sicherstellen sollte. Er bat darum, den kurfürstlichen Proviantkommissar Drodemio anzuweisen, das eingelagerte stiftische Proviantkorn nach Meppen zu schaffen, um die Truppen verpflegen zu können. Er sicherte Transporthilfe aus dem Amt zu. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen über die Verpflegung wurde deutlich, daß die Vorräte erschöpft waren und sich nicht ‚ein Handvoll Roggen im Magazin‘ befand. Es war entweder bereits konsumiert oder aber in Ostfriesland zum Unterhalt der dort kämpfenden Truppen transportiert worden. Aus diesem und anderen Berichten wird deutlich, daß sich die Schwierigkeiten des Truppenunterhalts und damit deren Fähigkeit militärisch zu operieren, erheblich verschärft hatten und sich zu einem kriegsentscheidenden Problem entwickelten“.[433]

Wilhelm von Westphalen hatte Piccolomini am 4.10.1647 unterrichtet: „Zu continuirung meiner schuldigkeit solle Ihrer Fürstlichen Excellence hiermit berichten, daß die Lamboysche und dessen coniungirte gegentheilige annoch bey Rheinen[434] an der Embs gegeneinander stehen, was dabey vor und nach geloffen, werde Ihre Fürstliche Excellence ungezweiffelt aus Münster von den Königlichen Catholischen herren abgesandten verstendiget sein. Nuhnmehr aber werde ich advisirt, daß einige proviant in der graffschafft Lipp nacher Dettmold[435] zu lieffern ausgeschrieben sey, umb dessen zu des Königsmarcks rückmarche zu gebrauchen. Ob nuhn den herr Veldtmarschalckhen Lamboy verlassen, theils zurück nach der haubtarmee wegen der churbayrischen coniunction gehen werden oder sonsten jegen dieser statt, wie sich verlauten lassen“.[436]

Westphalen schrieb am 25.10.1647 erneut an Piccolomini: „Hiesiger commendant Bertramoville sambt den meinigen sowohl officirn als knechten haben ihre schüldigkeit dabey geleistet, das billig zu belohnen sey. Welcher gestalt sich beiderseits haubtarmeen guberniren, davon werden Ihre Excellence aus dem kayserlichen lager ohngezweiffelt nachrichtung haben. Es will verlauten, als wan die unsrige Magdeburg[437] besetzet und Chursachsen sich gegen die Schweden feindt erkleret haben solle. Die Lamboyschen und Königsmarck sambt den Hessischen und theils Weymarschen stehen annoch bei Rheine verschantzet und hatten die Hessische durch den Obristen Moitz [Motz; BW] mit etlichen trouppen den unsrigen in Friesland eine schantze neben zweyen redouten abgenohmmen. Dahin aber aus dem Lamboyschen lager der Obriste Graf von Hennin [Bournonville; BW] mit einigen trouppen zu roß und fueß commandirt worden, die gedachte schantze und Hessische also mit sturmb angefallen und glücklich erobert, daß den verschiedene thodt pliben und über hundert gefangene neben einem Capitein, 2 Lieutenants und anderen mehren zutheil worden. Sonsten habe erfreulich vernohmmen, daß Dixmünden von den Königlich Catholischen waaffen glücklich erobert. Der Allerhochste verlihe ferneren sieghafften progress, womit verbleibe. Nachsatz: Ob zwar zu Cassell[438] immerfortt mit allem fleis dahin gearbeitett wirtt wie von dem Wrangel noch mehr volcker einlangen undt dem Lamboy das gahraus machen, folgendes dieser statt undt anderer orter bemechtigen mogen, so hoffe jedoch, es werden die kayserlichen waffen solches zu verhindern wissen undt Gott uns weitter beistehen, möchte wünschen, daß mitt Ihre fürstliche Excellence mündtlich underthenig sprechen konnte. Kann alles der feder nitt trauen“.[439]

Westphalen unterrichtete Piccolomini am 1.11.1647: „Ihrer Fürstlichen Ecellence gnedige schreiben vom 6. und 13. Septembris seind mir gestern allererst gelieffert. Ob nuhn dieselbe inmittels zu Münster oder am andern ohrt so lang worden, ist mir unbewust. Nichdestoweiniger thu mich für Ihrer Fürstlichen Excellence gnedige communication unterthenig bedancken. Dieser endts lassen sich die schwedische partheien von dero haubtarmee, welche vor drey thagen zu Northeimb[440] im landt zu Braunschweig vollig gestanden, algemach sehen. Deren zwey starcke zu roß über die Weser ins hiesige stifft gangen, einen ohrt nach dem anderen, da noch ein pferdt oder stück vihe verblieben, überziehen, plündern und rauben. Es wird davor gehalten, daß diese des feindts gantze armee hinein gehen, den Lamboy ruiniren und also der westphalen quartier sich bemechtigen werden. Sollten nuhn die Kayserliche auff den fueß nit nachgehen, wirt der kriegsschwall überhandt nehmmen und die landen vollents im grundt verderben. […] Parece que los Suevos tienen mucha gana de visitar tambien el cerculo inferior del Rheno mientras que san padronos de Westphalia”.[441]

Nach der Aufkündigung des Waffenstillstands durch Kurfürst Ferdinand hatte Lamboy im August 1647 durch das Münsterland hindurch einen Streifzug nach Ostfriesland unternommen, um die hessen-kasselischen Quartiere aufzuschlagen und Königsmarck von der Belagerung Paderborns abzuziehen, was ihm auch gelang. Lamboy gewann die Ems, wo er bei Rheine ein befestigtes Lager bezog. Fast zwei Monate lag ihm dort Königsmarck gegenüber. Am 30.10. musste Königsmarck gezwungen durch den Mangel an Proviant das Lager wieder aufgeben, um die von kaiserlichen Truppen eingenommenen Orte in Ostfriesland zurückzugewinnen. Lamboy selbst wandte sich durch das Sauerland wieder zum Rhein. Unterwegs nahm er noch die Schlosse Windeck[442] und Niedeggen[443] ein. Kleinere Gefechte sowie die Eroberung von Düren[444] sicherten ihm Winterquartiere im Jülischen.

Bereits im Dezember 1647 war Lamboy in Köln erschienen, um im Februar 1648 die Operationen im Westfälischen aufzunehmen. Über Dortmund und Soest stieß er bei Lippstadt auf Johann Geyso, der sich am 3.3. auf Geseke[445] zurückziehen musste. Lamboy eröffnete die Belagerung, die mehr als drei Wochen dauern sollte.

In einem zeitgenössischen Bericht, den der Hildesheimer[446] Arzt Dr. Jordan mitteilt, wird der Sturm auf Geseke geschildert: „Relatio von der Belagerung der Stadt Geseke durch Hanß Voget, Bürgern in Lipstadt[447] advertirt:

‚Dem 3. hujus [3. 3. a. St.; BW] kam der heßische Gral-Lieutenandt Johann Giese [Geyso; BW] anhero, logirte sich zue Erwiete[448] vnnd Cold. (?) Inmittelst Gen. Lamboy in die Seßerbörde[449] ankomen, hat sich H Gen. Giese mit seiner Armee, außbescheiden  4 Compaign. Pferde, so alhie einquartiert, in Geseke gelegt, darauf Gral. Lamboy dafür gerückt, selbe belagert, vnnd mit heftigen Canoniren vnnd Granaten à 500 Pfund schwer hart bedacht, und den 17. die Belagerung quitirt. Zu werender Belagerung sein vnsere Reuter à 8 Compagn. von hierauß geritten, Geseke mit Pulver proviandtirt, folgents sein 6 Compagn. Pferd auß dem Stift Münster vnnd 4 Compagn aus Heßen, darunter H Landtgraf Ernst [v. Hessen-Rheinfels-Rotenburg; BW] alhie ankomen.

Dieselbe den 14. hujus hierauß geritten, damit der Reuterey in Geseke Luft gemacht, vnnd vf den Kayserl. Lager gangen, daßelbe chargirt, vnnd das Fürstl. holsteinische [Philipp Ludwig v. Holstein; BW] Regiment ruinirt, darauf die gantze Kayserl. Reuterey loßgangen, und die Heßischen in confusion gebracht, das von selben 109 Reuter, 2 Rittmeist., 6 Cornet, 4 Coporale vnnd H Landgraf Ernst gefangen, auch etzliche todt blieben. Jedoch sein beinah von den Kayserl. so viel alß von den Heßiuschen geblieben. Vnter wehrendem Scharmützel haben der heßischen Reuter à 41 Compagn. Geseke verlaßen vnnd hie ankomen, auch inquartiert worden, darauf die kayserl. Geseke gestürmet, vnnd mit Hinterlaßung 500 todten, darunter Obrist Goldacker, Obristwachtmeisters vnnd viel Officirer. Die Belagerung vfgehoben, das also Gen. Lamboy wehrender Belagerung vber 1500 Man, so geplieben, gefangen vnnd verleufen, verlohren“.[450]

Dr. Jordan notiert unter dem 21./31.5.1648: „Gral. Camboy erobert das Schloß Brodelwodt oben Gülich“.[451] Danach legte Lamboy sich vor Schloss Breitenbend,[452] das nach vierwöchentlicher Belagerung am 1.6. kapitulierte und geschleift wurde. Während er seine Truppen um Bonn sammelte, hatten hessen-kasselische Truppen unter Johann Geyso den Rhein überschritten und sich bei Grevenbroich[453] gelagert. So brach Lamboy am 12.6. von Bonn auf und ließ seine Truppen nach Zons[454] bringen.

„Am 14. Juni 1648 griff Lamboy die Hessen an der Erft und bei Neuß an. Sie hatten dort ihr Lager aufgeschlagen und es mit einem Wall umgeben. Zum Unglück aller Katholiken der unteren Diözese wurde Lamboy trotz eines schneidigen Angriffs zurückgeschlagen und überwältigt. Die Hoffnung, er werde Israel erlösen, erfüllte sich nicht. Doch auch den Hessen kam dieser Sieg teuer zu stehen. Er hätte beinahe zu ihrem Untergang geführt. In einem Blutbad, wie es größer und schlimmer seit langer Zeit nicht bekannt geworden war, hatten fast alle Offiziere, Kompanieführer, Fähnriche und Regimentskommandeure den Tod gefunden. Unter den mir bekannten Gefallenen befand sich auch Sprewitz“.[455] Dr. Jordan hält in seinem Tagebuch fest: „Als Sontags Morgen vmb 4 Vhr ist das harte Treffen ohnweit Grevenbrouch[456] in der zwischen dem Feltmarschall Erpe Lamboy vnnd dem heßischen Gral.-Liutnadt Geisen vorgangen, sas beederseits viel Volck verloren, Lamboy aber mit Hinterlassung (von) Stück(en) vnnd mehrentheils Cavalleria das Felt reumen vnnd reterirn müßen“.[457]

Bei dem Schmalkaldener[458] Chronisten Johann Georg Pforr [1612 – 1687] heißt es lakonisch: „Den 4. Junii haben die F[ürstlichen Hessischen Caßelischen völcker unterm commando Generalleutnand Johan Geyßen die Churcöllnische armee, so der Lampoi geführet, am rein auß dem felt geschlag[en“.[459] An sich war das Treffen bereits gewonnen gewesen, als sein Fußvolk die feindliche Bagage plünderte und dabei Verwirrung in die eigenen Reihen brachte, was Geyso zum erfolgreichen Gegenangriff nutzte, bei dem 700 der 3.000 Infanteristen fielen und Lamboy mit dem Rest der Reiterei nach Zons entkommen konnte.[460]

Am 21.8.1648 schrieb Piccolomini aus Landau[461] an Leslie: Er, P., habe Lamboys Interessen stets gefördert und das sei einer der Gründe seiner Streitigkeiten mit den Spaniern gewesen.[462]

Lamboy hatte Piccolomini am 19.9. aus dem Lager bei Biebrich[463] informiert, er habe aus Paris Geheimberichte über Unruhen – gemeint war der Aufstand der Fronde[464] – erhalten, die Hoffnungen auf eine Beendigung des Krieges erweckten. In wenigen Tagen solle es zu großen Veränderungen am Hofe kommen, d’Avaux solle Kanzler werden, Königin Anna rede öffentlich von Frieden und verspreche, ihn Frankreich bald zu geben. Sie habe einen Kurier zu Servien nach Münster geschickt mit dem Befehl, auch mit den Spaniern Frieden zu schließen, wenn diese es wünschten.[465]

Unter dem Oktober 1648 notiert Dr. Jordan: „Zwischen 6. vnnd 7. ist die Stadt Paderborn, nachdem es etzliche Zeit von den landgräflichen Caßelschen General Gresen [Geyso; BW] belagert vnnd Fewer hingeschoßen von dem Chur-Cölnischen Lamboy entsetzet, 3-viertel pfündig Stück, in die Stadt von den Heßen gebracht, auch ihrer, der Heßen, 100 in die Schantzen zuenichtgemacht. Zwischen 9. vnnd 10. Paderborn besetzt vnnd quitirt, sich nach Höxter an die Weser begeben“.[466] 17./27.10.: „General Lamboy schreibt an hiesige Churfürstl. Regierung vnnd begehrt Contribuition, Proviandt vnnd Bawgelder vom Stift“. […] 30.10./9.11.: „Die Kayserl. vnter Lamboy lassen von ihrem gebewd in Höcter ab, vnnd die zusambgeführte Schiffe wieder von einander gehen. Er, lamboy, hatte sein Hauptquartier in Werthe[467] vnter Cöln, war sonsten Vorhabens sein Winterquartier im Stift Halberstadt[468] und Hildeßheimb zue suchen, weil aber das gesambte Hauß Braunschweig. vnnd Lüneburg ihre Gesandten an der Weser hatten, vnnd ihn die böße seq(ue)ntz, so solches nach sich ziehen würden, angedeutet, hat er sein propo[469] geändert“.[470]

Am 22.1.1649 wurde Lamboy auf sein Gesuch hin für seine Verdienste in den Grafenstand erhoben. In der Urkunde heißt es: „in Erwägung des alten Adels Deines Geschlechtes, Wilhelm L., welches seit vielen vergangenen Jahrhunderten unter den ersten Familien des Bisthums Lüttich durch eine Anzahl Männer florierte, um die Fürsten, den Staat und das Vaterland wohlverdient, deren lobwürdiges Exempel Du nicht blos nachzuahmen sondern vielmehr zu überbieten wacker bestrebt gewesen, indem Du von frühester Jugend auf, getrieben von angeborener Tapferkeit und natürlicher Ehrbegierde, der Führung des Schlachtengottes Dich vertrautest und unter des unüberwindlichen kaiserlichen Adlers Auspicien glückhaft die ersten Kriegsdienste nahmst, in diesem Dienste jederzeit das Beispiel besonderer Kriegserfahrung und Tapferkeit liefernd, so dass Du bereits vor sechsundzwanzig und mehr Jahren die Bestallung eines Obersten erlangtest (ut iam ante 26 et amplius annos ad Colonelli munus … promoveri merueris), dann allmählich zu weiteren militärischen Aemtern und endlich zu der ansehnlichen Würde selbst eines kaiserlichen Feldmarschall durch eignes Verdienst allein emporzusteigen verdientest, im ganzen Verlaufe dieser Zeit aber in häufigen Scharmützeln mit dem Feinde, nicht minder jedoch in höchst blutigen Schlachten, wie es bei wandelbarem Glück Vernunft und der Dinge Beschaffenheit erheischten, mit also großer, rühmlicher Klugheit, Ehrenhaftigkeit und Ausdauer Dich hervorthatest, dass Du des Sieges Palme wieder und wieder tapfer erfochtest und weder das Unglück feindlicher Gefangenschaft noch die Vergießung Deines ehrlichen Blutes den Heldensinn und die Standhaftigkeit des Führers oder dessen Treue zu erschüttern vermochte, indem Du vielmehr zahlreiche Deiner Vertheidigung anvertraute Pässe und Plätze, der Kriegskunst und dem Ansturm der Feinde zum Trotz, uns zu erhalten wusstest, andere wieder, durch die Natur wie durch feindliche Besatzungen stark vertheidigt, den Händen der Gegner mannhaft zu entreißen verstandest“.[471]

Lamboy, der das Ratifikationsschreiben des geschlossenen Friedens mit Füßen getreten haben soll,[472] da er seine Einnahmequellen versiegen sah – er soll allein innerhalb von 23 Monaten 160.000 Rt. an der Armee „zusammengespart haben“, was Generalkriegskommissar Blumenthal als Albernheit bezeichnete, die am kaiserlichen Hof geglaubt werde[473] – und andere hohe Offiziere des westfälischen Korps traten in spanische Dienste.

Lamboy wandte sich am 17.6.1649 aus Köln an Piccolomini: Der französischen Haltung sei klar zu entnehmen, dass ihre Erfindungen nur auf eine Verlängerung des Krieges zielen und dass sie bei den Verhandlungen nur Zeit gewinnen wollen, da ihr eigenes Haus brennt. Wenn die Spanier diese schwierige Lage nutzen wollten, müssten sie militärische Erfolge erringen und das Ergebnis könnte ein Universalfrieden werden.[474]

„Auf seine Güter in Böhmen, die er später (1654) um Biehlorad und Dimokur vermehrte, zurückgezogen, schien er jedoch – ein übereifriger Katholik – nur noch eine Lebensaufgabe zu kennen: mit allen Mitteln der Güte und der Gewalt seine protestantischen Unterthanen zur „alleinseligmachenden“ katholischen Kirche zurückzuführen, was er denn auch mit Hülfe von Jesuiten und Dragonern glücklich sehr bald erreichte. Eine im J. 1651 in der Stadt Arnau gegründete ständige „Mission“ des Jesuitenordens sollte allmählich zu einem „Collegium“ erweitert werden, wozu jedoch der von L. gewidmete Stiftungsbeitrag von 15 000 Gulden nicht genügte. Da nun der Stifter, ungeachtet seines fanatischen Katholicismus, zu einer Vermehrung des Kapitals durchaus nicht zu bewegen war, sondern im Gegentheil die unnachsichtige Bedingung stellte, dass eine solche Vermehrung, sei es an Geld oder Grundstücken, niemals begehrt werden dürfe, zogen es seine Freunde, die Jesuiten, vor, die Stiftung später gänzlich aufzugeben und Arnau zu verlassen, wo sich an ihrer Stelle die genügsamen Franciscaner habilitierten. – L., vermählt mit Sibylla, geb. Freiin von Boyneburg-Hohenbruck (nicht Beck) starb auf dem Schlosse Dimokur am 12. Decbr. 1659 (nicht 1651) mit Hinterlassung eines unmündigen Sohnes Johann Lambert, der jedoch, vermählt mit Anna Franzisca, geb. Gräfin Martinitz, schon 1669 das Zeitliche segnete. Mit dessen posthumem Sohne Johann Maximilian erlosch am 16. April 1683 das Geschlecht der Grafen L“.[475]

[1] Nach HÖFER, Ende, S. 257, Anm. 180: 1600. ADB Bd. 17, S. 557, gibt kein Geburtsdatum an. Vgl. auch die Erwähnungen bei HARRACH, Tagebücher.

[2] NDB Bd. 13, S. 440, 12.12.1659, so auch BEDÜRFTIG, Taschenlexikon Dreißigjähriger Krieg, S. 128.

[3] Dymokury [Bez. Nymburk].

[4] ADB Bd. 17, S. 557-564; NDB Bd. 13, S. 440f.; BNB Bd. 11, Sp. 193ff.

[5] Kortessem [Prov. Limburg].

[6] Desseneer, vermutlich Ort bei Kortessem [Prov. Limburg]; Wintershoven, heute Ortsteil von Kortessem.

[7] Neuschloss [Nový Hrad, Bez. Laun]; HHSBöhm, S. 404f.

[8] Bielohrad [Bělohrad] (Bad Bielohrad); Bez. Lázně Bělohrad].

[9] Bissingen [LK Dillingen a. d. Donau].

[10] Pattensen [Kr. Springe]; HHSD II, S. 376f.

[11] DECKEN, Herzog Georg von Braunschweig Bd. 2, S. 49.

[12] BRZEZINSKI, Lützen 1632, S. 48. Lützen [Kr. Merseburg/Weißenfels]; HHSD XI, S. 286f. Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 zwischen den Schweden unter Gustav II. Adolf (18.000 Mann) und den Kaiserlichen (16.000 Mann) unter Wallenstein. Die für die Schweden siegreiche Schlacht endete mit dem Tod Gustav Adolfs und dem Rückzug Wallensteins, der etwa 6.000 Mann verloren hatte, nach Böhmen. Nach Lützen schlug Wallenstein keine Schlacht mehr. Vgl. dazu HAPPES ausführliche Schilderung und Reflexion der Ereignisse [HAPPE I 295 v – 302 r; mdsz.thulb.uni-jena]. Vgl. SIEDLER, Untersuchung; STADLER, Pappenheim, S. 729ff.; WEIGLEY, Lützen; BRZEZINSKI, Lützen 1632; MÖRKE, Lützen als Wende; WALZ, Der Tod, S. 113ff.

[13] Vgl. REBITSCH, Wallenstein; MORTIMER, Wallenstein; SCHUBERTH; REICHEL, Die blut’ge Affair’.

[14] Oels [Oleśnica]; HHSSchl, S. 368ff.

[15] Arnau [Hostinné, Bez. Trautenau]; HHSBöhm, S. 8f.

[16] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[17] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[18] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff. Vgl. auch FIEDLER, Mit Sengen und Brennen, S. 8ff.

[19] Schneeberg [Erzgebirgskreis]; HHSD VIII, S. 320ff.

[20] KUNATH, Kursachsen, S. 122.

[21] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[22] Vgl. ARENDT, Wallensteins Faktotum.

[23] Adorf [Vogtlandkreis]; HHSD VIII, S. 1f.

[24] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[25] haben oder möglich auch: hinter [sich]

[26] KLUGE, Hofer Chronik, S. 25ff. (eine sehr gut kommentierte Edition zur Geschichte Hofs und seines Umlandes).

[27] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[28] Pilsen [Plzeň]; HHSBöhm, S. 444ff.

[29] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[30] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[31] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[32] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[33] Nach dem Hofer Chronisten Rüthner war Holck am 15.8. zusammen mit Melchior von Hatzfeldt, Piccolomini, Breda, Wilhelm von Lamboy und Pál Orosy in Hof eingetroffen und am 16.8. wieder aufgebrochen; KLUGE, Hofer Chronik, S. 17.

[34] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[35] Plauen [Vogtland]; HHSD VIII, S. 279ff.

[36] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[37] Sankt Joachimsthal [Jáchymov; Bez. Karlsbad]; HHSBöhm, S.540ff.

[38] Schwarzenberg; HHSD VIII, S. 328f.

[39] Aue; HHSD VIII, S. 10ff.

[40] Wunsiedel [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge]; HHSD VII, S. 836f.

[41] Oelsnitz [Kr. Stollberg]; HHSD VIII, S. 263f.

[42] Mylau [Kr. Reichenbach]; HHSD VIII, S. 240f.

[43] Reichenbach; HHSD VIII, S. 298f.

[44] Werdau; HHSD VIII, S. 357f.

[45] raiteln: zügeln, züchtigen, quälen, insbesondere foltern. Bei dieser Foltermethode wurde ein Strick um die Stirn oder den Unterleib gelegt und mittels eines Holzpflocks zusammengezogen. Am Unterleib traten auf diese Weise die Gedärme hervor. Am Kopf traten die Augen aus den Höhlen, die Kopfhaut wurde eingeschnitten und am Ende brach, so wird berichtet, die Schädeldecke. Eine zeitgenössische Beschreibung liefert der Abt Veit Höser (1577 – 1634) von Oberaltaich bei Straubing: „Diese ‚Tortur’ besteht darin, dass sie ihrem Opfer den Kopf bis zur Stirnhöhe (cerebrotinus) mit einem Bündel Seiden- oder Leinenfäden, die sie zu einer Schnur drehen, umwinden. Dabei pressen sie durch immer strafferes und strengeres Herumdrehen die Hirnschale immer fester und so lange zusammen, bis die Augäpfel mehr und mehr aus den Augenhöhlen hervorquellen und in abscheulicher Weise herausgetrieben werden“. SIGL, Wallensteins Rache, S. 151.

[46] Dux [Duchcov, Bez. Teplitz]; HHSBöhm, S. 118f.

[47] Crimmitschau [Kr. Werdau]; HHSD VIII, S. 53ff.

[48] Die Lazaristen, auch Vinzentiner (lat.: Congregatio Missionis, CM) sind ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.

[49] Vgl. BINGEL, Das Theatrum Europaeum.

[50] schrauffen: schrauben: GRIMM; GRIMM, DWB 15, Sp. 1653: „als thätigkeit des henkers: schrauben einen, ist eigentlich eine henkers arbeit, torquere aliquem cochleis adhibitis Frisch 2, 223c; jemanden die daumen schrauben, eine art der tortur Adelung; man wird dich auf die tortur schrauben“. „Dabei werden der Daumen oder andere Finger in eine Zwinge gespannt und deren durch Gewinde miteinander verbundene Backen schraubenförmig zusammengezogen. Dieser Prozess ist äußerst schmerzhaft und nicht selten mit Frakturen verbunden, welche bleibende Schäden an der Hand verursachen können“. [wikipedia].

[51] ENGERISSER, Von Kronach S. 187ff. (die derzeit beste kriegsgeschichtliche Darstellung).

[52] Kürassierregiment des Herzogs  Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg.

[53] Holk.

[54] Wilhelm Kinský von Wchinitz und Tettau ?

[55] Laufbrunnen.

[56] KLUGE, Hofer Chronik, S. 33f.

[57] Gemeint ist: Da wurde übler gehaust als in einer Spolierung zuvor.

[58] KLUGE, Hofer Chronik, S. 34f.

[59] Röslau [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[60] Schwarzenbach an der Saale [LK Hof].

[61] Pest.

[62] KLUGE, Hofer Chronik, S. 38.

[63] Oppurg [Saale-Orla-Kr.]; HHDS IX, S. 329f.

[64] Kospoda [Saale-Orla-Kr.].

[65] Neustadt a. d. Orla [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 301f.

[66] Pößneck [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 342f.

[67] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[68] Kirchenraub galt als eines der abscheulichsten Verbrechen, in den Kriegsartikeln zumindest mit der Todesstrafe bedroht, und wurde nach Art. 172 der „Constitutio Criminalis Carolina“ generell mit dem Tode durch Verbrennung bei lebendigem Leibe bestraft, im Militärstrafrecht mit dem Tod durch den Strang. Mithin war die Bezeichnung „Kirchenräuber“, mit der die kaiserlich-kursächsischen Soldaten bei HAPPE apostrophiert werden, nach dem „Schelm“ eines der schlimmsten Schimpfworte.

Mit Befriedigung stellte z. B. der Stassfurter Pfarrer Möser fest, wie Banér Kirchenraub bestrafen ließ; WINTER, Möser, S. 50. Theatrum Europæum Band 3, S. 616f.: „Unter diesen Crabaten und Polacken ward eine scharpffe Kriegs-Disciplin und gute Ordnung halten / wie dann drey ihrer Soldaten / welche in einem Dorff auß einer Kirchen etwas gestohlen / und darüber ergriffen worden / eine harte Straff haben außstehen müssen / in deme sie alle drey an Pfählen angebunden / und lebendig im Feuer verbrandt worden“.

[69] Christian Viktor Bonner.

[70] Kirchenkasten: Behältnis zur Aufbewahrung des einer Kirche gehörigen oder in ihr gesammelten Geldes (auch Opferstock); auch das Vermögen, das eine Kirche an barem Geld, ausgeliehenen Kapitalien oder sonstigen Revenuen hat. = Kirchenärar.

[71] Schleiz [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 380ff.

[72] Saalburg [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 367ff.

[73] Tanna [LK Saale-Orla-Kr.].

[74] Oschitz, heute Stadtteil von Schleiz [Saale-Orla-Kr.].

[75] Cession: Abtretung, Übereignung.

[76] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 94f.

[77] Jena; HHSD IX, S. 215ff.

[78] Altenburg [Kr. Altenburg]; HHSD IX, S. 6ff.

[79] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[80] Gera; HHSD IX, S. 134ff.

[81] Neustadt a. d. Orla [Saale-Orla-Kr.]; HHSD IX, S. 301f.

[82] BLÖTHNER, Apocalyptica, S. 94ff.

[83] Weimar; HHSD IX, S. 473ff.

[84] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[85] Naumburg [Burgenlandkreis]; HHSD XI, S. 341ff.

[86] Graupen [Krupka; Bez. Teplice] ?

[87] Vgl. SENNEWALD, Das Kursächische Heer (ab März 2012).

[88] Vgl. JENDRE, Diplomatie und Feldherrnkunst.

[89] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[90] Eger [Cheb]; HHSBöhm, S. 119ff.

[91] Marktredwitz; HHSD VII, S. 429f.

[92] Thiersheim [LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge].

[93] BRAUN, Marktredwitz, S. 36.

[94] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 374 Anm.

[95] LORENZ, Quellen zur Geschichte Wallensteins, S. 399 Anm.

[96] Vgl. BARKER, Generalleutnant. Eine befriedigende Biographie existiert trotz des umfangreichen Archivmaterials noch immer nicht.

[97] Arnau [Hostinné, Bez. Trautenau]; HHSBöhm, S. 8f.

[98] Leitmeritz [Litoměřice]; HHSBöhm, S. 324ff.

[99] Görlitz; HHSD VIII, S. 119ff.

[100] Trautenau [Trutnov]; HHSBöhm, S. 618ff.

[101] Liegnitz [Legnica]; HHSSchl, S. 283ff.

[102] Melnik [Mělník]; HHSBöhm, S. 370f.

[103] Poděbrad [Poděbrady, Bez. Nimburg]; HHSBöhm, S. 459ff.

[104] KUNATH, Kursachsen, S. 173.

[105] Vgl. REBITSCH, Matthias Gallas; KILIÁN, Johann Matthias Gallas.

[106] Archives Municipales Strasbourg AA 1065.

[107] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[108] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[109] Münchberg [LK Hof]; HHSD VII, S. 464.

[110] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[111] Vgl. BROCKMANN, Dynastie.

[112] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[113] siehe Begriffsregister.

[114] Stadtsteinach [LK Kulmbach], HHSD VII, S. 710f.

[115] Kauerndorf, heute Ortsteil von Ködnitz [LK Kulmbach].

[116] Plassenburg, Die [Stadt Kulmbach]; HHSD VII, S. 587.

[117] Kürassiere.

[118] Vgl. STICHT, Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach.

[119] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[120] Kronach [LK Kronach]; HHSD VII, S. 375f.

[121] ENGERISSER, Von Kronach, S. 395ff.

[122] KLUGE, Hofer Chronik, S. 63.

[123] KLUGE, Hofer Chronik, S. 61.

[124] Suhl [Kr. Suhl]; HHSD IX, S. 426ff.

[125] Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde nach dem Tod des letzten Grafen auf Grund der Erbverbrüderung von 1554 (de facto seit 1583) von den beiden wettinischen Linien, den sächsischen Albertinern und den thüringischen Ernestinern, bis 1660 gemeinsam verwaltet. Die Grafschaft Henneberg gehörte 1631 zu den von den Truppendurchzügen und Einquartierungen am schlimmsten betroffenen Territorien. An das Aufbringen der Kontribution nach Erfurt war kaum zu denken, das Rentamt in Schleusingen verfügte über keine Mittel. Die Landstände wurden bewogen, innerhalb der nächsten zwei Monate 2.500 Rt. aufbringen zu wollen. Ein weiterer schwerer Schlag wurde nach dem Bericht des kursächsischen Oberaufsehers Marschalk der Grafschaft im Oktober 1634 durch den Einbruch der Truppen Piccolominis versetzt. Vgl. HEIM, Leiden; HUSCHKE, Herzog Wilhelm, S. 255; KÖBLER, Lexikon, S. 247f.

[126] flagrieren: brennen, heimsuchen.

[127] Kaltennordheim [Kr. Bad Salzungen]; HHSD IX, S. 229f.

[128] Themar [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 436f.

[129] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[130] [Bad] Salzungen [Wartburgkreis]; HHSD IX, S. 36ff.

[131] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[132] Lobenstein; HHSD IX, S. 261f.

[133] ENGERISSER, Von Kronach, S. 392.

[134] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 151f.

[135] Marktleuthen [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[136] Kirchenlamitz [LK Wunsiedel im Fichtelgebirge].

[137] Kulmbach; HHSD VII, S. 379f.

[138] Coburg; HHSD VII, S. 127f.

[139] BRAUN, Marktredwitz, S. 51f.

[140] Großheirath [LK Coburg].

[141] ENGERISSER; HRNČIŘÍK, Nördlingen (die umfassendste und detailierteste Darstellung der Schlacht).

[142] Heldburg [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 192f.

[143] Neustadt b. Coburg (OFR.); HHSD VII, S. 516.

[144] Sonnefeld [LK Coburg]; HHSD VII, S. 702f.

[145] Neuhaus am Rennweg [Kr. Neuhaus]; HHSD IX, S. 302f.

[146] Hildburghausen [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 198ff.

[147] Vgl. ANGERER, Aus dem Leben des Feldmarschalls Johann Graf von Götz.

[148] Steinheid [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 423.

[149] Cortendorf, heute Stadtteil von Coburg.

[150] Lützelbuch, heute Stadtteil von Coburg.

[151] Sonneberg [Kr. Sonneberg]; HHSD IX, S. 408ff.

[152] Diese Granaten und Sturmtöpfe können, als selten erhaltene Beispiele damaliger Feuerwerkerkunst, noch heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg besichtigt werden. Während die Handgranaten aus runden, mit Pulver gefüllten Eisenkugeln bestanden, und mit einer Lunte gezündet wurden, gab es auch schon Fallgranaten, die beim Aufschlag mittels eines Reibungszünders explodierten. Die Sturmtöpfe bestanden aus gebranntem Ton und waren mit ungelöschtem Kalk und Asche, meist zusätzlich mit Fußangeln gefüllt. Die Herstellung solcher ‚Sturmhäfelein‘ beschreibt Hans Conrad Lavater in seinem ‚Kriegsbüchlein‘ aus dem Jahre 1644 (70): Die Häfelein werden flach, breit und rund, aber nicht hoch gemachet: in der mitte hol, […] die füllet man mit gerädenem, reinem, wohlgedörretem, vngelöschtem Kalck, und stecket Lämeysen [Fußangeln] darzwischen. Sie seind in dem Sturm gut zu gebrauchen: dann da sie vnder die Feind geworfen werden, zerfallen sie, vnd stäubt alßdann das Kalck dem Feind in das Gesicht: vnd ist solcher staub dem gesicht, vnd die Lämeysen den füssen schädlich und verhinderlich. Ebenso beschreibt Lavater die Verwendung sogenannter ‚Sturmschlägel‘, schnurumflochtener Ballen mit einem Brandmittel gefüllt, in die kurze, mit Bleikugeln geladene Rohrabschnitte, sogen. Mordschläge, eingebunden wurden, welche durch Harnast [Harnisch] und Pantzer schlagen, nicht leichtlich zu löschen, vnd hefftig brennen. Ferner empfahl Lavater das Werfen von Fässern voll Kalck vnd äschen, auff daß die Feinde darvon nicht sehen, vnd halb ersticken. (78).

[153] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[154] KRUSENSTJERN, Selbstzeugnisse, S. 111f.

[155] Breitenbach [Ilm-Kreis].

[156] Gehren [Ilm-Kreis].

[157] HAPPE I 342 v – 343 r; mdsz.thulb.uni-jena.de.

[158] Pürschpulver: „Bürschpulver, ein feines Schießpulver, welches besonders geglättet und von dem Schmutze gereinigt wird“. [http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/p/kp05346.htm].

[159] Nach dem Kriegsbüchlein von Hans Conrad Lavater (65) hatten folgende Soldaten bei Gefangennahme keinen Anspruch auf Quartier (Pardon): „wann ein Soldat ein eysen, zinne, in speck gegossen, gekäuete, gehauene oder gevierte Kugel schiesset, alle die gezogene Rohr und französische Füse [Steinschloßflinten] führen, haben das Quartier verwirkt. Item alle die jenigen, die von eysen geschrotete, viereckige und andere Geschröt vnd Stahel schiessen, oder geflammte Dägen, sollt du todt schlagen“.

[160] Faschinen: Schanzkörbe, Reisig, Bündel, Holzwälle, Rutenbündel.

[161] Sappen, Sappeure: Approchen ist die Bezeichnung für die Laufgräben (Annäherungswege) bei der militärischen Belagerung von Festungen. Das Wort ist eine Eindeutschung des französischen Verbes s’approcher, sich nähern. Es handelt sich um eine Anlage, die der Angreifer einer Festung anlegen musste, bevor die Festung erstürmt werden konnte. Mit Hilfe einer Erdwalze (Sappe) konnte sich der Angreifer an die Festungsmauern heranarbeiten, um sie durch ein anschließendes Unterminieren zum Einsturz zu bringen. Mit Hilfe der Approchen konnte der Angreifer das Vorgelände gedeckt überschreiten. Sappen wurden von den zu den ingenieurtechnischen Truppen gehörenden Sappeuren angelegt, die über besondere Ausrüstung wie z. B. Schanzkörbe verfügten oder den typischen, breitkrempigen Eisenhelm zum Schutz vor Geschossen, welche die Verteidiger von oben abschossen. [wikipedia]

[162] Rüger meint hier wohl zwei 4-pfündige Stücklein, denn ¼ Pfund Blei schoss bereits ein Doppelhaken mit einem Kaliber von 28 mm, womit man wohl kaum eine Festungsbastion beschossen hätte.

[163] Die Sturmtöpfe bestanden aus gebranntem Ton und waren mit ungelöschtem Kalk und Asche, meist zusätzlich mit Fußangeln gefüllt. Vgl. ENGERISSER, Von Kronach, S. 405, Anm. 255: „Die Herstellung solcher ‚Sturmhäfelein’ beschreibt Hans Conrad Lavater in seinem ‚Kriegsbüchlein’ aus dem Jahre 1644 (S. 70): ‚Die Häfelein werden flach, breit und rund, aber nicht hoch gemachet: in der mitte hol, […] die füllt man mit gerädenem, reinem, wohlgedörretem, vngelöschtem Kalck, und stecket Lämeysen [Fußangeln] darzwischen. Sie seind in dem Sturm gut zu gebrauchen: dann da sie vnder die Feind geworfen werden, zerfallen sie, vnd stäubt alßdann das Kalck dem Feind in das Gesicht: vnd ist solcher ataub dem gesicht, vnd die Lämeysen den füssen schädlich und verhinderlich’ “.

[164] Waltershausen [Kr. Gotha]; HHSD IX, S. 460f.

[165] Lamboy schloss am 19.3.1635 mit Zehm und Georg Sittig von Schlitz, genannt Görz, den Übergabevertrag von Stadt und Festung Coburg. ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 13.

[166] [Bad] Neustadt/Saale [LK Rhön-Grabfeld], HHSD VII, S. 59f.

[167] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[168] Meiningen [Kr. Meiningen]; HHSD IX, S. 269ff.

[169] Schottenstein [LK Coburg].

[170] ENGERISSER, Von Kronach, S. 401ff.

[171] KLUGE, Chronik, S. 80.

[172] KLUGE, Chronik, S. 81.

[173] am Rande von Oberwohlsbach (Rödental) auf dem Spitzberg, einem Ausläufer des Thüringer Waldes am Südhang der Hohen Schwenge im Coburger Land; MAHNKE, Schlösser und Burgen I, S. 84–87.

[174] Almerswind [LK Sonneberg].

[175] MAHNKE, Schlösser und Burgen I, S. 84f.

[176] ENGERISSER, Von Kronach, S. 400.

[177] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[178] Straßburg [Strasbourg, Dép. Bas-Rhin].

[179] Mannheim; HHSD VI, S. 501ff.

[180] Sachsenhausen, heute Ortsteil von Frankfurt/M., HSSD IV, S. 126ff.

[181] Doppelhaken: auch Hakenbüchse: Der Haken war ein bis ins 17. Jahrhundert gebräuchliches schweres Feuergewehr, mit einem Haken am Schaft, mit dem es auf einem dreibeinigen Gestell befestigt war oder auf die Brüstung aufgelegt wurde, um den enormen Rückstoß abzufangen. Diese Waffen wogen 7,5 bis 10 Kilo, nach anderen Angaben sogar mit bis zu 25 Kilogramm. Damit wurden Ladungen mit je 4 Lot Blei, Doppelhaken bis 400 g, verschossen. Als man diese Hakenbüchsen später auch im offenen Feld verwendete, musste man sie in einer Gabel abstützen. Daher nannte man diese Waffe auch Gabelarkebuse. Die Treffgenauigkeit der Hakenbüchsen war so gering, so dass ihr Einsatz nur auf kurze Distanz oder massiert als Batterie sinnvoll war. Die Haken wurden ihrer Größe nach eingeteilt in Doppelhaken, ganze Haken und halbe Haken. Vgl. die ausführliche Beschreibung unter http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Doppelhaken.html.

[182] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[183] Gustavsburg [Gem. Ginsheim-Gustavsburg, Kr. Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 193.

[184] Butzbach [Kr. Friedberg]; HHSD IV, S. 73f.

[185] Wiesbaden; HHSD IV, S. 465ff.

[186] Vgl. VD 17 23:698486D: „Eygentliche Contrafactur der Statt Sachsenhausen / wie dieselbige von der Keyserischen under Herrn General Wachtmeistern Freyherrn von Lamboy / und Herrn Obristen Kehrauß / mit hülff E.E. Raths zu Franckfurt durch Accord eingenom[m]en worden / den 11/21. Augusti / 1635. Augspurg 1635“.

[187] Höchst [Stadt Frankfurt/M.]; HHSD IV, S. 226ff.

[188] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[189] GEYSO, Beiträge III, S. 52.

[190] Gernsheim [Kr. Groß-Gerau]; HHSD IV, S. 169f.

[191] Hochheim [Main-Taunus-Kr.]; HHSD IV, S. 225f.

[192] RIECK, Frankfurt, S. 170ff.

[193] Hanau; HHSD IV, S. 199ff.

[194] Hausen [Kr. Ziegenhain]; HHSD IV, S. 204.

[195] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 316.

[196] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 318f.

[197] CHEMNITZ II, S. 990.

[198] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[199] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[200] Windecken [Kr. Hanau], HHSD IV, S. 475f.

[201] Steinheim a. Main; HHSD IV, S. 427.

[202] THEATRUM EUROPAUM Bd. 3, S. 664f.

[203] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[204] Osnabrück; HHSD II, S. 364ff.

[205] Vgl. FINDEISEN, Axel Oxenstierna.

[206] Minden [LK Minden]; HHSD III, S. 517ff.

[207] [Bad] Lippspringe [LK Paderborn]; HHSD III, S. 44f.

[208] Boke [LK Büren]; HHSD III, S. 92f.

[209] LAHRKAMP, Bönninghausen, S. 320f.

[210] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff. Zu den Kriegsereignissen in Hildesheim vgl. auch PLATHE, Konfessionskampf.

[211] SCHLOTTER, Acta, S. 243.

[212] REBITSCH, Gallas I, S. 154.

[213] Vgl. HÖBELT, Ferdinand III.

[214] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 242.

[215] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 239: Maximilian I. an Johann von Götz, München, 27.6.1636: Ferdinand von Ungarn habe ihn von Götz‘ geplanter Vereinigung mit Lamboy unterrichtet. Der Festung Hanau, der sich der Feind nähert, müsse geholfen werden. Er zweifle nicht, dass Götz sich gegen den Feind in Marsch setzen und zu Lamboy, der 12.000 Mann bei sich habe, stoßen werde. BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 241: Ferdinand von Ungarn an Johann von Götz, Donauwörth, 28.6.1636: Falls sich Wilhelm V. von Hessen-Kassel und der schwedische Marschall Leslie mit ihren Truppen gegen Sachsen und Magdeburg in Marsch setzen wollten, solle er mit seinen Abteilungen sofort ausrücken und den Feind auf jede nur mögliche Weise beunruhigen.

[216] Artois (ndl. Artesië; dt. auch Artesien), frühere Provinz im Norden Frankreichs. Artois liegt im Inneren des Département Pas-de-Calais, dessen westlicher Teil das frühere Boulonnais bildete.

[217] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 242.

[218] Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.

[219] Verdun-sur-le-Doubs [Frankreich, Dép. Saône-et-Loire].

[220] Franche-Comté (deutsch: „Freie Grafschaft“, gemeint ist die historische „Freigrafschaft Burgund“; vgl. KÖBLER, Historisches Lexikon, S. 97ff.) ist heute eine Region im Osten Frankreichs. Sie besteht aus den Départements Doubs, Jura, Haute-Saône und Territoire de Belfort.

[221] VERNISY, Trientenaire de l’invasion allemande en Bourgogne, S. 24-28.

[222] Lyon [Frankreich, Dép. Rhône].

[223] REBITSCH, Matthias Gallas, S. 155.

[224] Dôle [Frankreich, Dép. Jura].

[225] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 291.

[226] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[227] Naila [LK Hof]; HHSD VII, S. 492.

[228] KLUGE, Hofer Chronik, S. 112. „ein trefliches fach“, in ironischer Bedeutung: ein schöner Fang.

[229] Vgl. WEBER, Würzburg und Bamberg.

[230] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 432.

[231] Rheinfelden (Baden) [LK Lörrach]; HHSD VI, S. 659.

[232] Birkenfeld [Enzkreis].

[233] Nach dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart leider ohne weitere Bezeichnung zitiert.

[234] Ensisheim [Anze, Dép. Haut-Rhin].

[235] Laufenburg/Baden [LK Waldshut]; HHSD VI, S. 455f.

[236] KODRITZKI, Seitenwechsel, S. 78.

[237] Plauen; HHSD VIII, S. 279ff.

[238] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[239] Merseburg [Kr. Merseburg]; HHSD XI, S. 322ff.

[240] Saaz [Žatec]; HHSBöhm, S. 535ff.

[241] Komotau [Chomoutov]; HHSBöhm, S. 282ff.

[242] Brüx [Most]; HHSBöhm, S. 79ff.

[243] Elbogen [Loket); HHSBöhm, S. 133f.

[244] Chemnitz; HHSD VIII, S. 43ff.

[245] Zwickau; HHSD VIII, S. 380ff.

[246] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 759.

[247] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[248] Eitze, heute Stadtteil von Verden [LK Verden].

[249] Verden [LK Verden]; HHSD II, S. 464ff.

[250] SCHLOTTER, Acta, S. 286.

[251] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 3, S. 948.

[252] Mühlheim a. d. Ruhr; HHSD III, S. 532ff.

[253] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 644.

[254] Essen; HHSD III, S. 213ff.

[255] Recklinghausen; HHSD III, S. 625f.

[256] Lünen; HHSD III, S. 486f.

[257] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 647.

[258] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 648 a.

[259] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 724.

[260] Blomberg [LK Detmold]; HHSD III, S. 86f.

[261] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 727.

[262] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 728.

[263] Rheinfelden (Baden) [LK Lörrach]; HHSD VI, S. 659.

[264] Breisach am Rhein [LK Breisgau-Hochschwarzwald]; HHSD VI, S. 110ff.

[265] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 945.

[266] Das entsprach nach der Wiener Verrechnungsart ca. 100 000 Rt.

[267] Sittard, heute Ortsteil von Rheindahlen, Stadtbezirk von Mönchengladbach.

[268] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 944.

[269] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 948.

[270] Dülken [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 179f.

[271] Gladbach [LK Düren]; HHSD III, S. 257f.

[272] Siegburg [Siegkr.]; HHSD III, S. 684ff.

[273] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 67f.

[274] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[275] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 994.

[276] Kalkar [LK Kleve]; HHSD III, S. 374f.

[277] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1027.

[278] Saalfeld [LK Saalfeld-Rudolstadt]; HHSD IX, S. 369ff.

[279] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1034.

[280] Charlemont, heute Ortsteil von Givet an der Maas, Belgien].

[281] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1035.

[282] Lemé [Dép. Aisne].

[283] Diest [Span. Niederlande, h. Belgien]

[284] Fontaine-l’Evêque [Belgien, Provinz Hainaut].

[285] Brügge [Bruges, Span. Niederlande, h. Belgien]

[286] Gent [Gand; Span. Niederlande, h. Belgien].

[287] Huy [h. Belgien, Provinz Lüttich].

[288] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1041.

[289] Sailly-sur-la-Lys [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[290] Arras [Frankreich, Dép. Pas-de-Calais].

[291] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1052.

[292] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1058.

[293] SCHLOTTER, Acta, S. 319.

[294] Goch [LK Kleve]; HHSD III, S. 260f.

[295] Sonsbeck [LK Moers]; HHSD III, S. 698f.

[296] Xanten [LK Moers]; HHSD III, S. 802ff.

[297] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1103.

[298] BNB XXXI, Sp. 665-667; LEMAN, Richelieu, S. 62: „vêtu à la française et parlant très bien le français il ne pouvait être reconnu comme espagnol“. Eine Biographie dieses interessanten Verbindungsmanns zum kaiserlichen u. bayerischen Hof ist nicht bekannt. Hier müssten die Archivalien im Archiv Générales du Royaume, Bruxelles Secrétairerie d’État et de guerre 560-561: Briefe u. „consultas“ an den Kardinal-Infanten; 645-664; Archivo Historico National, Madrid Sección estado libro 965: Consultas Salamañca-Kardinal-Infant; PARKER, Guide, S. 63; 974-875: Castel-Rodrigo an Salamañca; PARKER, Guide, S. 66, herangezogen werden.

[299] Nidda [Kr. Büdingen], HHSD III, S. 345f.

[300] Vgl. FOERSTER, Kurfürst Ferdinand von Köln.

[301] Vgl. SCHRIJNEMAKERS; CORSTJENS, Graaf Godfried Huyn van Geleen (in der deutschen Fachliteratur kaum beachtete Biographie).

[302] Freiberg; HHSD VIII, S. 99ff.

[303] Meißen; HHSD VIII, S. 223ff.

[304] Braunschweig; HHSD II, S. 63ff.

[305] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1105.

[306] Trier; HHSD V, S. 372ff.

[307] Regensburg; HHSD VII, S. 605ff.

[308] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1107.

[309] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 4, S. 373.

[310] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1109.

[311] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1208.

[312] Noirefontaine [Belgien, Prov. Luxemburg].

[313] Bouillon [Belgien, Prov. Luxembourg].

[314] Bad Kreuznach; HHSD V, 24ff.

[315] Sedan [Frankreich, Dép. Ardennes].

[316] Neufchâteau [Belgien, Prov. Luxemburg].

[317] Vgl. BABEL, Zwischen Habsburg und Bourbon.

[318] Chiers; Fluss in Frankreich.

[319] Douzy [Frankreich, Dép. Ardennes].

[320] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1209.

[321] La Marfée [Frankreich, Dép. Ardennes].

[322] Vgl. VD 17: 1:067088V: „Copia Ihrer Excel. Freyherrn von Lamboj abgangenen Schreibens/ wegen deß zwischen ihme und dem Frantzösischen Mareschal de Chastillon bey Chemerye/ zwo Stund von Sedan/ den 6 Julii/ Anno 1641. geschehenen HauptTreffens : Neben einer Designation der gebliebnen und gefangenen Frantzös: Officier und Soldaten [s. l.], 1641“.

[323] Sedan [Frankreich, Dép. Ardennes].

[324] SCHLOTTER, Acta, S. 345.

[325] Doncherey [Frankreich, Dép. Ardennes].

[326] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1221.

[327] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1229.

[328] Aire-sur-la-Lys [Frankreich; Dép. Pas-de-Calais].

[329] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1233.

[330] Bonn; HHSD III, S. 94ff.

[331] Emmerich [LK Rees]; HHSD III, S. 202f.

[332] Wesel [LK Rees]; HHSD III, S. 773ff.

[333] Koblenz; HHSD V, S. 178ff.

[334] Breill, Haus [Selfkantkr. G.-H.]; HHSD III, S. 117f.

[335] Venlo [Provinz Gelderland].

[336] Roermond [Prov. Limburg, Niederlande].

[337] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1268.

[338] Würzburg; HHSD VII, S. 837ff.

[339] Vgl. die ausgezeichnete Dissertation von SCHREIBER, Leopold Wilhelm; BRANDHUBER, Leopold Wilhelm; DEMEL, Leopold Wilhelm.

[340] Montabaur [Unterwesterwaldkr.]; HHSD V, S. 239f.

[341] Andernach [Kr. Mayen]; HHSD V, S. 12f.

[342] Neuss; HHSD III, S. 556ff.

[343] Oedt [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 585f.

[344] Kempen [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 384ff.

[345] Linn [Stadtkr. Krefeld]; HHSD III, S. 468f.

[346] Uerdingen [Stadtkr. Krefeld]; HHSD III, S. 725.

[347] Hülchrath [Gem. Neukirchen, LK Grevenbroich]; HHSD III, S. 352.

[348] Liedberg [LK Grevenbroich]; HHSD III, S. 462f.

[349] Kaiserswerth [Stadt Düsseldorf]; HHSD III, S. 371f.

[350] Süchteln [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 711ff.

[351] Essen; HHSD III, S. 213ff.

[352] Geldern [LK Geldern]; HHSD III, S. 245ff.

[353] Die Erft ist ein knapp 107 km langer linksseitiger bzw. südwestlicher Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen.

[354] Wetterau; HHSD IV, S. 457ff.

[355] Hüls [LK Kempen-Krefeld]; HHSD III, S. 353f.

[356] Wallach, heute Ortsteil von Rheinberg [Kr. Wesel].

[357] Euskirchen [LK Euskirchen]; HHSD III, S. 220f.

[358] Erkelenz [LK Erkelenz]; HHSD III, S. 208f.

[359] Linnich [LK Jülich]; HHSD III, S. 470ff.

[360] Emmerich [LK Rees]; HHSD III, S. 202f.

[361] Aachen; HHSD III, S. 1ff.

[362] Kaiserswerth [Stadt Düsseldorf]; HHSD III, S. 371f.

[363] Langst-Kierst, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[364] Ilverich, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[365] Nierst, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[366] Lank-Latum, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[367] Strümp, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss].

[368] Osterath, heute Ortsteil von Meerbusch [Rhein-Kreis Neuss]

[369] Mehr [LK Kleve]; HHSD III, S. 501f.

[370] Roermond [Prov. Limburg, Niederlande].

[371] Fischeln, heute Stadtbezirk von Krefeld.

[372] Seit 1970 Tönisvorst [Kr. Viersen]

[373] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 72ff.

[374] Fischeln, heute Stadtbezirk von Krefeld.

[375] WILMIUS, Chronicon, S. 123.

[376] KRAUS, Maximilian I., S. 260; GONZENBACH, Erlach Bd. 2, S. 182ff.

[377] Vgl. Georg v. Hessen-Darmstadt an Adrian von Enckevort wegen Sammlung der Lamboyschen Soldaten; Kopie; ders. an M. v. Hatzfeldt: Bitte um Verschonung seines Landes angesichts der flüchtenden Lamboyschen Soldaten, März 1642; Schönstein-Archiv Nr. 63; ENGELBERT, Hatzfeldt, 90f.

[378] Statní oblastní archív v Zamrsku Rodinný archiv Piccolominové 29.912 (Ital. Original): Alessandro Borri an Piccolomini, Wien, 1642 II 19.

[379] Grundlegend ist hier ALBRECHT, Maximilian I.

[380] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1274.

[381] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 1278.

[382] ENGELBERT, Hessenkrieg, S. 95.

[383] Vgl. GOLDSCHMIDT, Lebensgeschichte des Kardinalpriesters Franz Wilhelm Grafen zu Wartenberg.

[384] APW III C 3/2, S. 860. Gemeint war hier sein Abzug zur Belagerung Erfurts im Oktober 1641 auf Befehl Leopold Wilhelms.

[385] ENGLUND, Verwüstung, S. 275.

[386] 21.2./3.3.1638: Doppelschlacht bei Rheinfelden: Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar schlägt die Kaiserlichen unter Savelli und Johann von Werth. Sperreuter, Werth und Savelli geraten in Gefangenschaft.

[387] Wittstock [Kr. Ostprignitz/Wittstock]; HHSD X, S. 394ff. 24.9./4.10.1636: Schwedische Truppen (9150 Berittene und 7228 Infanteristen) unter Johan Banér schlagen die kaiserlich-sächsischen Truppen (9000 Berittene und 9000 zu Fuß) unter Melchior von Hatzfeldt. Dadurch konnten die schwedischen Kontributionsgebiete wieder ausgeweitet werden; Banér hatte bewiesen, dass mit Schweden als Militärmacht in dieser Kriegsphase wieder zu rechnen war. Vgl. Eigentlicher Verlauff Des Treffens bey Wittstock / etc. vorgangen den 4. October / 24. September 1636 [VD17 23.313240S]. Vgl. die hervorragende Edition von EICKHOFF; SCHOPPER, 1636; MURDOCH; ZICKERMANN; MARKS, Battle of Wittstock; ferner HÖBELT, Wittstock; HEßELMANN, Simpliciana XXXIII.

[388] Linz, 1645 I 10; RUPPERT, Kaiserliche Politik, S. 379f. (Übers.): Und durch diese Mittel ist Ew. Maj. über die hohe Würde der Herrschaft hinausgelangt und muss durch eben jene Mittel die schon weggenommene Krone bewahren.

[389] Vincennes [Dép. Val-de-Marne].

[390] LAHRKAMP, Bönninghausen, 323.

[391] Nach ADB Bd. 17, S. 561; NDB Bd. 13, S. 441: 25.000 Kronen.

[392] GONZENBACH, Erlach Bd. 2, S. 321. Vgl. WASSENBERG, Florus, S. 539: „Damahliger zeit ist der hiebevor von den Frantzös-Weimarischen gefangene Keyserliche vornehme Kriegesbeampter / Freyherr von Lamboy auß seiner Gefängnuß im Wald von Vicennes frey gelassen worden / doch also / daß er zuvor auß seinen eigenen Mitteln 25000 Cronen zum Lösegeld bezahlen müssen“.

[393] Mainz; HHSD V, S. 214ff.

[394] Frankfurt/M.; HHSD IV, S. 126ff.

[395] Worms; HHSD V, S. 410ff.

[396] Heilbronn [Stadtkr.]; HHSD VI, S. 315ff.

[397] Venlo [Provinz Gelderland; Niederlande].

[398] Rheinbach [LK Bonn]; HHSD III, S. 634ff.

[399] Meckenheim [LK Bonn]; HHSD III, S. 499f.

[400] Ahrweiler; HHSD V, S. 2.

[401] Philippsburg [LK Karlsruhe]; HHSD VI, S. 632f.

[402] Speyer; HHSD V, S. 350ff.

[403] ENGELBERT, Hessenkrieg I, S. 93ff.

[404] Neuss; HHSD III, S. 556ff.

[405] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[406] Aachen; HHSD III, S. 1ff.

[407] SCHLOTTER, Acta, S. 426.

[408] BADURA; KOČÍ, Der große Kampf, Nr. 500.

[409] Mardyck [Festung; Span. Niederlande, h. Frankreich, Dép. Nord]

[410] Lincke: nicht identifiziert.

[411] Vgl. LAHRKAMP, Everhard Wassenberg.

[412] Dünkirchen [Dunkerque, Span. Niederlande; h. Frankreich, Dép. Nord]

[413] Formen: nicht identifiziert.

[414] Borburg: nicht identifiziert.

[415] Gravelingen [Gravelines, Span. Niederlande, heute Frankreich, Dép. Nord]

[416] WASSENBERG, Florus, S. 628f.

[417] Tirlemont [Belgien; Prov. Brabant]

[418] Maastricht [Niederlande, Provinz Limburg].

[419] WASSENBERG, Florus, S. 657f.

[420] Pressburg [Bratislava, ungarisch Pozsony].

[421] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 918.

[422] Desseneer, vermutlich Ort bei Kortessem [Prov. Limburg].

[423] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1046.

[424] Vechta [Kr. Vechta]; HHSD II, S. 461f.

[425] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1048.

[426] Armentières [Span. Niederlande; h. Frankreich; Dép. Nord].

[427] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1070.

[428] Emsland; HHSD II, S. 139f.

[429] Meppen; HHSD II, S. 327f.

[430] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[431] Otto Christoph von Sparr, der Stellvertreter Holzappels ! Das sollte man doch wohl wissen.

[432] Esterwegen [Kr. Aschendorf-Hümmling], HHSD II, S. 145f.

[433] SCHÜPP, Amt Meppen, S. 153f.

[434] Rheine [LK Steinfurt]; HHSD III, S. 637f.

[435] Detmold [LK Detmold]; HHSD III, S. 156ff.

[436] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S.133.

[437] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[438] Kassel; HHSD IV, S. 252ff.

[439] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 134.

[440] Northeim; HHSD II, S. 353f.

[441] NEUWÖHNER, Im Zeichen des Mars, S. 134f.

[442] Windeck [Gem. Dattenfeld, Siegkr.]; HHSD III, S. 788.

[443] Nideggen [LK Düren]; HHSD III, S. 561f.

[444] Düren [LK Düren]; HHSD III, S. 182ff.

[445] Geseke [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 253f.

[446] Hildesheim; HHSD II, S. 228ff.

[447] Lippstadt [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 474f.

[448] Erwitte [LK Lippstadt]; HHSD III, S. 210f.

[449] Soest [LK Soest]; HHSD III, S. 692ff. Gemeint ist hier natürlich die Soester Börde, und nicht wie angegeben „vermutl. Senner Heide südl. am Teuteburger Wald“ !, wie SCHLOTTER, Acta, S. 487, Anm. 2, annimmt.

[450] SCHLOTTER, Acta, S. 487f.

[451] SCHLOTTER, Acta, S. 489.

[452] Breitenbend, unter Linnich [LK Jülich]; HHSD III, S. 471.

[453] Grevenbroich [LK Grevenbroich], HHSD III, S. 265f.

[454] Zons [LK Grevenbroich]; HHSD III, S. 811f.

[455] WILMIUS, Chronicon, S. 161.

[456] Grevenbroich [LK Grevenbroich], HHSD III, S. 265f.

[457] SCHLOTTER, Acta, S. 490.

[458] Schmalkalden [Kr. Schmalkalden]; HHSD IX, S. 387ff.

[459] WAGNER, Pforr, S. 174.

[460] Vgl. VD 17 12:630183L: „Warhafftige Relation, deß blutigen Treffens / zwischen dem Keyserlichen Feldmarschalck Freyh. von Lamboy / und Fürstlichen Hessen-Casselischen General Leutenant Johann Geysso / bey Wevelinhoven im Fürstenthumb Gülich den 4. [-] 14. Jun. Anno 1648. vorgangen / darinn die Hessischen Victorisirt / und die Keyserischen daß Feld zu raumen gezwungen [s. l.], 1648“.

[461] Landau a. d. Isar [LK Landau]; HHSD VII, S. 384f.

[462] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1162.

[463] Biebrich [Wiesbaden-Biebrich]; HHSD IV, S. 49f.

[464] Fronde: „(deutsch: die Schleuder) wird eine komplexe Abfolge von Aufständen und Bürgerkriegen bezeichnet, die Frankreich zwischen 1648 und 1653 erschütterten. Kontext war der seit 1635 offen ausgetragene Krieg gegen Spanien und die Habsburger, der mit wechselndem Glück das Königreich erschöpfte, sowie die Regentschaft Annas von Österreich, während der die Königsmacht geschwächt wurde. Gemeinhin wird zwischen zwei Phasen unterschieden: die fronde parlementaire (1648–1649), während der das Parlement, (das heißt die Versammlung der Pairs) von Paris, die Stadt Paris selbst und Teile des Volkes sich gegen die Kriegssteuererhebung und für ein stärkeres Mitspracherecht des Parlements erhoben; die fronde des princes (1650–1652), durch die die „Prinzen von Geblüt“ versuchten, Einfluss über die Regierung der Regentin auszuüben“. [wikipedia]

[465] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1185.

[466] SCHLOTTER, Acta, S. 492.

[467] Kaiserswerth [Stadt Düsseldorf]; HHSD III, S. 371f.

[468] Halberstadt [LK Harz]; HHSD XI, S. 169ff.

[469] proposition: Vorhaben.

[470] SCHLOTTER, Acta, S. 493.

[471] ADB Bd. 17, S. 563.

[472] MEIERN, APW VI, S. 651. Am 6./16.2.1649 waren die Urkunden in Münster ausgetauscht worden; LORENTZEN, Schwedische Armee, S. 157. Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1263, S. 404: Lamboy an Piccolomini, Köln, 1649 VI 17: Der französischen Haltung sei klar zu entnehmen, dass ihre Empfindungen nur auf eine Verlängerung des Krieges zielen u. dass sie bei den Verhandlungen nur Zeit gewinnen wollen, da ihr eigenes Haus brennt. Wenn die Spanier diese schwierige Lage nutzen wollten, müssten sie militärische Erfolge erringen, u. das Ergebnis könnte ein Universalfrieden werden.

[473] Vgl. TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1271, S. 406: Blumenthal an Piccolomini, Köln, 1649 IX 18.

[474] TOEGEL; KOČÍ, Der Kampf, Nr. 1263.

[475] ADB Bd. 17, S. 563f.

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