Koch, Kurt

Koch, Kurt; Obristleutnant [ – ] Koch war wohl unter Anholt Hauptmann,[1] später Obristleutnant und 1638-1640 kaiserlicher Kommandant in Lemgo.[2]

Im Oktober 1638 berichtete er Melchior von Hatzfeldt über seine Schwierigkeiten bei der Eintreibung der Kontributionen in den Grafschaften Lippe und Schaumburg; zugleich bat er um 30 Zentner Pulver und um die Erlaubnis zur Reise ins Herzogtum Braunschweig.[3] Koch informierte in diesem Oktober Hermann von Westerholt, dass dreitausend Mann kurpfälzischer und schwedischer Truppen unter King vor Lemgo lägen; dass aber die Desertionsquote bei den kurpfälzischen Truppen zunehme, und über das Gefecht der kaiserlichen Besatzung von Lemgo mit Truppen Kings in dem Treffen bei Vlotho.[4] Nach Kings Aussage war Brossard dabei in kaiserliche Gefangenschaft geraten und im Oktober in Lemgo in der Gefangenschaft verstorben. Koch informierte Hatzfeldt über die Bitte der Witwe, die einbalsamierte Leiche ihres Mannes freizugeben.[5] Der schwedische Obristleutnant Jobst Rudolf von Berkefeld bedankte sich bei Koch wegen der Einbalsamierung und bat um Überführung der Leiche Brossards über Varenholz[6] oder Vlotho, ohne Zahlung einer Ranzion.[7]

Otto zur Lippe-Brake hatte Hatzfeldt im November um einen Befehl an Koch wegen der Befreiung von Hand- und Spanndiensten gebeten.[8] In diesem November unterrichtete Koch Hatzfeldt vom Marsch schwedischer und kurpfälzischer Truppen aus der Grafschaft Schaumburg durch Minden[9] und von der Beseitigung der Belagerungsschäden in Lemgo, während es im Dezember um die Musterung und Neuaufstellung der Truppe ging.[10] Im Januar 1639 musste er 150 Soldaten nach Paderborn[11] an Obristwachtmeister Britzky abtreten. Er unterrichtete Hatzfeldt auch über den Marsch des schwedischen Generalmajors Pfuel auf die Weser und über die Stationierung schwedischer Truppen in Hessisch-Oldendorf.[12] Die im Gefecht bei Vlotho eroberten Geschütze sollten nach Wiedenbrück[13] verlegt werden.[14] Im Februar 1639 trafen die Geschütze in Lemgo ein, wo man auch einen Mangel an Lunten und Pulver konstatierte.[15] In diesem Monat weilte Britzky noch in Paderborn und bat Hatzfeldt, dort verbleiben zu dürfen angesichts seiner Erfolge in den letzten Kriegsjahren, und empfahl das Verbleiben Kochs in Lemgo.[16] In diesem Februar unterrichtete Wilhelm von Westphalen Hatzfeldt vom Abmarsch Kochs aus Lemgo und den Einzug Britzkys mit 200 Soldaten.[17] Im März meldete Koch den Vormarsch Banérs von Halle[18] auf Leipzig.[19] Das Regiment King sei im Anmarsch auf Minden. Er selbst ließ Standarten und Fahnen in Münster[20] anfertigen. Zugleich wies er auf den Mangel an Gewehren in Lemgo hin, während kleine Geschütze nach Paderborn gebracht werden sollten. Das Eindringen Kings in die Grafschaft Lippe, besonders in das Amt Sternberg,[21] führe zu Versorgungsschwierigkeiten für die Garnison. Die Befestigungsarbeiten in Lemgo wurden fortgeführt.[22]

„Die Streitigkeiten im gräflichen Hause zu Detmold[23] nahmen ihren Fortgang wie bisher. Als Katharina [Catharina verwitwete Gräfin zur Lippe] ihrem Schwager Johann Bernhard ein zu ihren Gunsten lautendes Urteil des Kaiserlichen Kammergerichts präsentierte, erwiderte dieser ‚über die maßen höhnisch‘, der Kaiser hätte mit sich selbst genug zu tun, würde wohl andere vergessen …., er säße hier auf dem Haus und möchte sehen, wer ihn herunterbringen wolle. Die Gräfin ließ sich nicht dadurch beirren, sondern traf in aller Stille und Geduld die Vorbereitungen, die ihr zur Erreichung ihres Zwecks nützlich schienen. Vor allem suchte sie den Kommandanten von Lemgo, den Obristleutnant Koch, für sich zu gewinnen und unterhielt mit diesem einen regen vertrauten Briefwechsel. Sie beklagte sich darin bitter über die ihr zugefügte Behandlung, ohne jedoch irgendwelche Niedergeschlagenheit zu zeigen. So teilte sie einmal mit, daß der Schloßhauptmann v. Wrede [Rembert Wilhelm de Wrede ?; BW] ihrer Hofmeisterin, einer von Adel, v. Exter, vorgestern Schläge präsentiert habe und ihr selbst heute ’nicht viel weniger‘. Koch spottete dagegen über Wrede: „Ich mag ferners wohl leiden, daß Wrede mit seinem Trommelrühren so viel sich lustig mache, als er will, maßen selbiger dessen nicht viel gewohnt ist‘ usw. Ein ander Mal erzählt er, daß der Oberstleutnant v. d. Wahl bei ihm gewesen und daß sie zusammen in aller Untertänigkeit auf das Wohl der Gräfin getrunken haben.

Gegen Ende des Jahres 1639 drohte Graf Johann Bernhard der Gräfin Katharina das Getreide, welches ihr aus ihrem Wittum zu Horn[24] zustand, zu entziehen. Sie bat daher Koch um Beistand; als aber dieser das Korn unter militärischer Bedeckung von Horn nach Lemgo holen lassen wollte, wurde er durch die Grafen Otto Heinrich und Hermann Adolf, die sich in der Nacht nach Horn begeben hatten, daran gehindert. Diese blieben mehrere Tage dort, ließen Granaten und andere Munition, Bier, Pferde usw. dorthin kommen, um etwaigen weiteren Versuchen der Lemgoer Truppen entgegenzutreten. Die Gräfin Katharina hatte auch, wie sie an Koch schrieb, mit eigenen Ohren gehört, daß Kapitän Wrede ’sich etliche Mal dem Teufel ergeben‘, er wolle die von Lemgo nach Horn geschickten Soldaten alle niederhauen lassen“.[25]

Angeblich wurde er krankheitshalber im Januar bzw. Juni 1640 aus dem Kriegsdienst entlassen,[26] wie Alexander von Velen Hatzfeldt mitteilte.[27] Obristleutnant Fritsch [?] sollte neuer Kommandant in Lemgo werden.

[1] SCHÜTTE, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 39.

[2] Lemgo; HHSD III, S. 452ff.

[3] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[4] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 150; bzw. Nr. 151; Vlotho; HHSD III, S. 738f.

[5] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[6] Varenholz; HHSD III, S. 729.

[7] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 218.

[8] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 70.

[9] Minden; HHSD III, S. 517ff.

[10] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[11] Paderborn; HHSD III, S. 601ff.

[12] Hessisch-Oldendorf; HHSD II, S. 226f.

[13] Wiedenbrück; HHSD III, S. 782f.

[14] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[15] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[16] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 220; Lemgo; HHSD III, S. 452ff.

[17] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 151.

[18] Halle; HHSD XI, S. 177ff.

[19] Leipzig; HHSD VIII, S. 178ff.

[20] Münster; HHSD III, S. 537ff.

[21] Sternberg; HHSD III, S. 703f.

[22] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[23] Detmold [LK Detmold]; HHSD III, S. 156ff.

[24] Horn; HHSD III, S. 341f.

[25] STEGMANN, Lippe, S. 126f.

[26] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 182.

[27] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 143.

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