Kiel, N

Kiel, N; Rittmeister [ – ] Kiel stand 1643als Rittmeister und Adjutantquartiermeister in kurbayerischen Diensten.

Der Hofer[1] Chronist Rüthner hält fest: „Den 18. julii [1643; BW] früh um 6 uhr kamen hinter den Japisstein und von der Staudenmühle her viele völcker, unwissend denen in der stadt und auf dem Schloß, gegen die stadt anmarchiret. Sie sazten sich gegen dem Schloß, und kam ein rittmeister, Kiel genandt, welcher adjutantquartiermeister und alles in allem war, also dass er das ganze werck dirigirte und alles, was er that, gethan war, mit ohngefehr 20 pferden [p. 281] vor das Untere Thor. Der begehrte mit den hauptman, obrist Reuschel auf Zedwitz und burgermeister und rath zu reden, welche sodann zu ihm hinausgiengen und zu vernehmen hatten, wie dass der bayrische obristlieutenant Kerbenreuter[2] kommen und mit 500 mann in der stadt logiren würde. Unterdessen sollte die stadt verschaffen 3000 pfund brod, 8 faß bier, 20 scheffel[3] habern, bretter, bohlen, alte fäßer, mäurer, zimmerleuthe, müller und bothen.

Nicht lange hernach kam der obristlieutenant Kerbenreuther selbst mit genandter summa volks vor das thor und begehrete herein. Da man es aber erst den herrn hauptmann meldete und zu lang zauderte, so ließ er die thore ersteigen und aufhauen, drang sich herein und war sehr ungehalten, daß man ihm nicht sogleich geöffnet. Dieser ruckte mit theils abgestiegenen arquebusirern sobald in die nächste häuser an dem Schloß. Einige ließ er zu pferd bey dem Obern und Untern Thor, ingleichen bey dem Rathhauße halts [p. 282] machen und begehrte quartier, welche auch sobald muste gemachet werden. Und wurden die armen leute so hart beleget und bedränget, daß sie kaum wusten wohin, und weil, wie der rittmeister Kiel fürgab, auch hernach wahr worden, noch viel volcks nachkäme, also sollten und musten sie in der stadt verpfleget und logiret werden. Wen[n] aber die infanterie käme, so solte die cavallerie auf die dörfer kommen und daselbst logiren, welches aber nicht geschahe. Die liste aber, so gedachter rittmeister und generalquartiermeister eingab, war diese:

1. generalwachtmeister Webel,

2. dessen obristwachtmeister,

3. ein hauptmann,

4. ein adjutant,

5. ein lieutenant mit 60 mann,

6. herr generalwachtmeister Wallenstein[4]

7. ein obristlieutenant,

8. ein obristwachtmeister,

[9.-] 12. 4 haauptleute mit den völkern,

13. herr obrist Mercy,[5]

14. ein obristlieutenant,

[p. 283]

15. ein obristwachtmeister,

[16.-]20. fünf hauptleute mit ihren völkern.

Die bayrische commendirte völcker:

21. obristlieutenant,

22. 9 obristwachtmeister und was noch zur artillerie gehörig ist,

23. herr obrist von Bentenau[6]

24. obristlieutenant,

25. obristwachtmeister,

[26.-]28. drey rittmeister,

29. herr obrist Collowrat[7]

30. obristlieutenant,

31. obristwachtmeister,

[32.-]34. drey rittmeister,

35. herr obristlieutenant Harrand,[8]

36. obristwachtmeister,

[37.-]39. drei rittmeister,

40. herr obrist Walließel,[9]

41. herr obristlieutenant,

[42.-]46. fünf rittmeisters,

47. herr obrist Baschaue,[10]

48. obristwachtmeister,

[49.-]51. drei hauptleute,

[p. 284]

[52.-]76. fünfundzwanzig rittmeisters.

Auf diese liste muste quartier gemachet werden in der stadt, und denen reutern, so die wache hatten, muste man über die häußer um das Schloß herum und hinter dem Plaz, so alle ganz voll lagen, noch 4 häußer darzugeben, welche dann dieselbe rein ausspolirten, zerschlugen und zernichteten sodann alles, denen officiers aber gab man ihre quartiers und billets, welche sodann vorgenommen wurden, ungeachtet die wenigsten hier lagen. Dadurch dann die bürgerschaft bey ohnedieß groser armuth höchst bedrängt und geplaget wurden. In der Vorstadt aber und in der Fischergassen, ingleichen in der Altenstadt und in denen scheunen lagen die unterofficiers und die gemeinen knechte dick über einen haufen. Sie ließen kein fenster noch sonsten etwas ganz, hoben die bretter auf und trugen solche zusammen zum sturm, blenden zu verfertigen. Aus der Stadt muste ihnen die verpflegung geschaffet werden, als denselbigen tag 1600 pfund brod und 27 faß [p. 285] bier, des andern tages wiederum so viel, des 3. tages änderte es sich. Daß heu, so gesammelt und abgemehet war, wurde rein außgefüttert und untergestreuet, und was noch von gersten und korn, so der arme burgersmann zu seinem brodkorn oder zum bräuen erheget und erhalten, wurde alles hinweggenommen und verfüttert. Und dies war alles noch hingegangen, aber daß war das allerärgste, daß sie das liebe getraide auf dem feld und welches fast einzuernden war, abschnitten und abhieben, ja, wie sie nur konten, mit fleiß zernichteten. Auch so muste annoch selbige nacht die stadt voll leerer fäßer getragen werden, ingleichen bretter, damit, wenn das fußvolck käme, darvon batterien gemacht werden könten“.[11]

[1] Hof; HHSD VII, S. 302f.

[2] Kürnreiter

[3] 1 Scheffel = 2, 1984 hl.

[4] Ladislav Burian v. Waldstein

[5] Franz von Mercy

[6] Hans Matthias von Pienzenau

[7] Rudolf von Colloredo.

[8] Christoph Wilhelm von Harrant.

[9] Peter von Warlowski.

[10] Passue

[11] KLUGE, Hofer Chronik, S. 226ff.

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